Kategorie: jehovah-shammah

Hatten sie IHN erkannt?

Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll.
Elberfelder Bibel 1905 – Joh 6,14

Als die Leute begriffen, was für ein Wunder Jesus getan hatte, sagten sie: »Das ist wirklich der Prophet, ´von dem es heißt, dass` er in die Welt kommen soll!«
Neue Genfer Übersetzung – Johannes 6,14

Als nun die Leute ein Wunderzeichen sahen, das er bewirkt hatte, behaupteten sie immer wieder: „Dieser ist tatsächlich der Prophet, der in die Welt kommt!“
Gottes Agenda – Joh 6,14

Hatten die Menschen um Jesus erkannt, wer er wirklich war? Oder waren es nur selbstsüchtige Wünsche? Und warum reagiert Jesus nicht so, wie die Menschen es erwartet hatten?
Und sind unsere Gedanken und Hoffnungen dafür offen, dass wir vielleicht die Bibel anders verstanden haben, und uns von dem Inhalt der Bibel „überraschen lassen müssen“, weil es vielleicht etwas anders kommt, als wir geglaubt hatten?

ἰδόντες Aor. Ptz. ὁράω, temp., viell. kaus. ἐ-ποίησεν Aor. ποιέω; ὃ ἐποίησεν σημεῖον = τὸ σημεῖον ὃ ἐποίησεν (BDR § 2948; A357). ἔ-λεγον V. 6. ὅτι recitativum = Doppelpunkt (A333). ἀληθῶς wahrhaftig, wirklich, tatsächlich. ὁ προφήτης Präd.-Nom. m. Art. bez. eine den Hörern bekannte Gestalt (vgl. H-S § 135a; A80). ἐρχόμενος Ptz. ἔρχομαι, attr. der kommen soll.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Die Leute wußten genug aus dem Alten Testament, um zur Überzeugung zu kommen, daß das Zeichen ein Beweis dafür war, daß der Herr „der Prophet“ war, „der in die Welt kommen soll“. (Siehe 5Mo 18,15; Mt 11,13; Joh 1,21; 7,40 ). Dieser verheißene Prophet sollte aus den Kindern Israel erweckt werden, und er würde wie Mose sein. Die Leute erinnerten sich natürlich, daß Mose eng mit dem in der Wüste gegebenen Manna verknüpft war, wie der Herr etwas später sagte: „Nicht Mose hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben […] Brot aus dem Himmel gab er ihnen zu essen“ (Joh 6,31.32; Ps 78,24 ,das sich auf Gott bezieht; Neh 9,15). Aber sie vermochten nicht zu sehen, daß dieser Prophet mit der Aufrichtung des Messianischen Reiches zusammenhängen würde, wie auch im nachfolgenden Vers deutlich wird, wo sie meinten, jetzt sei die Zeit gekommen, da der Herr als König geoffenbart werden sollte.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Den ganzen Tag waren sie immer mehr davon überzeugt worden. Jene krönende Handlung nun gibt ihnen die Gewißheit, daß der lang erwartete Erlöser unter ihnen weilt. Die Hoffnung aller Anwesenden wird immer größer: Er ist es, der Judäa zu einem irdischen Paradies machen wird, zu einem Land, in dem Milch und Honig fließen, er kann jeden Wunsch erfüllen; er kann die Macht der verhaßten Römer brechen; er kann Juda und Jerusalem befreien und die in der Schlacht verwundeten Soldaten heilen; er kann Heere mit Nahrung versorgen, Völker besiegen und auch Israel die lang ersehnte Herrschaft geben. In ihrer Begeisterung sind sie bereit, Jesus sofort zum König zu krönen. Sie sehen, daß er sich keinerlei Mühe gibt, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken oder sich ehren zu lassen. Hierin unterscheidet er sich wesentlich von den Priestern und Obersten, und sie befürchten, daß er nie einen Anspruch auf Davids Thron geltend machen wird. Sie beraten gemeinsam und kommen überein, Gewalt anzuwenden und ihn als König von Israel auszurufen. Die Jünger schließen sich der Menge an und erklären, daß der Thron Davids das rechtmäßige Erbe ihres Herrn sei. Nur Jesu Bescheidenheit, sagen sie, veranlasse ihn, diese Ehre auszuschlagen. Möge doch das Volk seinen Befreier erheben, dann werden die hochmütigen Priester und Obersten gezwungen sein, den mit göttlicher Macht ausgestatteten Heiland zu ehren. Es werden nun eilig Vorbereitungen getroffen, diesen Plan auszuführen. Doch der Herr bemerkt ihre Absicht und kennt besser als das Volk die Folgen einer solchen Handlung. Schon jetzt trachten die Priester und Obersten ihm nach dem Leben und beschuldigen ihn, daß er das Volk gegen sie aufwiegele. Der Versuch des Volkes, ihn auf den Thron zu setzen, würde nur Gewalttat und Aufruhr nach sich ziehen und das geistliche Reich in Gefahr bringen. Dieser Entwicklung mußte umgehend Halt geboten werden. Jesus ruft seine Jünger und befiehlt ihnen, sofort das Boot zu besteigen und nach Kapernaum zurückzufahren, während er selbst das Volk entlassen werde. Noch nie zeigten die Jünger so wenig Neigung, der Anordnung ihres Herrn nachzukommen. Sie hatten schon lange auf einen allgemeinen Volksaufstand gehofft, um Jesus auf den Thron zu heben. Sie konnten sich nicht mit dem Gedanken vertraut machen, daß diese Begeisterung ohne Erfolg bleiben sollte. Die zum Passahfest versammelte Volksmenge wollte den neuen Propheten sehen, und den Jüngern schien die Zeit gekommen, ihren geliebten Meister auf den Thron zu heben. In dieser Begeisterung wurde es ihnen wirklich schwer, ohne Jesus fortzugehen und ihn an diesem einsamen Platz zurückzulassen. Sie wagten Einwände gegen seinen Befehl; aber der Herr sprach nun mit solcher Autorität, wie er sie ihnen gegenüber noch nie gezeigt hatte. Sie wußten jetzt, daß ihr weiteres Widerstreben nutzlos sein würde, und wandten sich schweigend dem See zu. Jesus gebietet nun der Menge, sich zu zerstreuen. Sein Auftreten ist so bestimmt, daß sich niemand zu widersetzen wagt.

Ellen Gould White – Das Leben Jesu

„Die Juden“ murren gegen Jesus, wenn er von sich sagt, dass er „vom Himmel herab“ gekommen ist (6:41) und sein Fleisch als Nahrung bezeichnet (6:52). Aber ist Ioudaioi hier eine Anspielung auf Juden im Allgemeinen oder auf Judäer? Jesus befindet sich in Galiläa, wo er die Menschenmenge gespeist hat (6:5-14) und sich dann mit Brot vom Himmel vergleicht (6:25-40). Es scheint also, dass „die Juden“, die murrten, in Wirklichkeit Judäer sind, im Gegensatz zu den einheimischen Galiläern. Es gibt keine Kritik am jüdischen Volk als Ganzes, sondern nur eine implizite Kritik an einigen Judäern.

Craig A. Evans – Ein Handbuch über die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens

Angesichts des Zeichens (sEmeion) der Brotvermehrung erinnerten die Menschen sich an Moses Vorhersage, daß ein Prophet, der ihm glich, in die Welt kommen sollte (5Mo 18,15). Mose hatte dem Volk zu essen gegeben und es aus der Knechtschaft geführt. Ebenso hatte Jesus den Menschen zu essen gegeben, und nun hofften sie, daß er sie auch aus der Knechtschaft der verhaßten Römer befreien würde.
Die Menschen sahen das Zeichen, doch sie deuteten es falsch. Sie versuchten, Jesus zu ergreifen, um ihn zum König zu machen. Jesus stand hier auf dem Höhepunkt seiner Popularität – eine große Versuchung für ihn. War es möglich, daß er das Gottesreich errichtete, ohne zuvor am Kreuz zu sterben? Nein. Er würde das Reich aus den Händen des Vaters empfangen (vgl. Ps 2,7-12; Dan 7,13-14), es würde nicht von dieser Welt sein (Joh 18,36). Der Weg des Vaters führte in eine andere Richtung. Bevor Jesus zum herrschenden Löwen Judas werden konnte, mußte er zum Lamm werden, das die Sünde der Welt trägt (Joh 1,29).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

und hier noch ein ganz wichtiger Kommentar von Arnold Fruchtenbaum:

Das in diesen Versen beschriebene Ereignis war eine direkte Folge des gerade von Jeschua vollbrachten Wunders, der Speisung der fünftausend Galiläer. Nach der Speisung schickte Jeschua seine Jünger mit dem Boot in das westliche Bethsaida (Markus 6:45). Er hatte vor, die Menschenmengen zu entlassen und sie nach Hause zu schicken (Matthäus 14:22), aber sie hatten gerade das Zeichen gesehen, das er getan hatte, und ihn für den Propheten aus Deuteronomium 18:15-18 erklärt (Johannes 6:14). Jetzt, da sie alle satt waren, wollten sie ihn zum König von Galiläa machen (Johannes 6,15). Ihr Motiv war, weiterhin körperlich gespeist zu werden. Als Jeschua merkte, dass sie ihn mit Gewalt zum König von Galiläa machen wollten, trennte er sich von ihnen und zog sich wieder allein auf den Berg zurück (Johannes 6,15). Es gelang ihm, dort allein zu sein (Matthäus 14,23) und er begann zu beten (Markus 6,46).

Jeschua lehnte das Angebot des Volkes, das Königtum über Galiläa zu übernehmen, aus drei Gründen ab. Erstens hatte die Führung Israels bereits die unverzeihliche Sünde begangen, als sie Ihn ablehnten, und damit hatten sie den Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gab. Es war zu spät für sie, ihn zum König zu krönen. Zweitens versuchten sie, ihn zum König von Galiläa zu machen; aber alttestamentliche Prophezeiungen, wie Psalm 2, erklärten, dass Jerusalem, nicht Galiläa, der Ort der Inthronisierung des Messias sein sollte. Drittens, ihr Motiv war falsch. Sie wollten ihn nur deshalb zum König machen, weil er ihre körperlichen Bedürfnisse befriedigt hatte, und ihnen gefiel die Vorstellung, ohne Arbeit satt zu werden. Jeschua kommentierte die falschen Motive, als Er diese Galiläer zu einem späteren Zeitpunkt traf.

Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

„Erbe ruiniert“

In „einer christlichen Zeitschrift“ wird die „Frage von Lesern“ aufgeworfen:
Warum sagte der Mann, der in der Bibel „Soundso“ genannt wird, dass eine Heirat mit Ruth sein eigenes Erbe ruinieren würde? (Ruth 4:1, 6).
und dann kommt eine sehr dürftige Antwort 😉

Falls dich die Frage beschäftigt, hier ein paar Kommentare:

Die Geschichte nimmt nun ein schnelles Ende. Früh am Morgen geht Boas zum Tor hinauf, dem üblichen Ort, um Recht zu sprechen oder Geschäfte zu machen. Er setzt sich wie eine Partei in einem Prozess; er ruft im Vorbeigehen den ungenannten näheren Verwandten, der den Platz der anderen Partei einnehmen soll, und zehn der Ältesten als Zeugen oder Schiedsrichter – die Zahl zehn ist nicht nur ein Symbol für Vollständigkeit, sondern seit alters her und später durch das Gesetz das, was eine Rechtsversammlung ausmacht. Um zu verstehen, was sich zwischen Boas und dem namenlosen Verwandten abgespielt hat, müssen wir die Sachlage und das geltende Recht anders erklären, als es bisher der Fall war. Denn die Schwierigkeit liegt im Verkauf des Besitzes durch Naomi – und sie wird auch nicht dadurch gemindert, dass man annimmt, sie habe nicht wirklich darüber verfügt, sondern es nur zum Verkauf angeboten. Im Allgemeinen können wir hier sagen, dass das Gesetz (Numb. 27:8, 11) keinen Fall behandelt, der dem hier betrachteten genau entspricht. Es sieht nur einen von zwei Fällen vor, nämlich den Tod eines kinderlosen Mannes, bei dem sein nächster Verwandter (im weitesten Sinne) verpflichtet ist, seine Witwe zu heiraten (Dtn 25,5), oder den Zwangsverkauf eines Grundstücks wegen Armut, bei dem der nächste Verwandte des ursprünglichen Eigentümers das Land einlösen kann (Lev 25,25). Es liegt auf der Hand, dass ersteres als eine Pflicht, letzteres als ein mit der Verwandtschaft verbundenes Privileg angesehen werden muss, wobei der Zweck beider genau derselbe ist, nämlich die Erhaltung der Familie (und nicht des Einzelnen) in ihrem ursprünglichen Zustand. Aber auch wenn das Gesetz sie nicht erwähnt, würde derselbe Grundsatz natürlich für alle analogen Fälle gelten. So könnte es zum Beispiel sein, dass ein Mann die Witwe heiratet, aber nicht in der Lage ist, das Eigentum zurückzukaufen. Andererseits könnte er niemals einen Anspruch auf Einlösung des Vermögens geltend machen, ohne die Witwe zu heiraten, der das Vermögen als Vertreterin ihres verstorbenen Ehemanns zusteht. In jedem Fall ging das Vermögen des verstorbenen Ehemannes auf eine kinderlose Witwe über. Solange die kinderlose Witwe lebte, konnte nämlich niemand Anspruch auf das Vermögen erheben, da sie potenziell die Erbin ihres verstorbenen Ehemanns war. Alle Autoritäten räumen ein, dass sie in einem solchen Fall die Nutzung des Besitzes hatte, und eine Passage in der Mischna (Yebam. iv. 3) erklärt, dass es für sie rechtmäßig war, Besitz zu verkaufen, obwohl es sehr zweifelhaft erscheint, ob der Ausdruck den Verkauf des Landes ihres verstorbenen Mannes umfasst. Dies wäre jedoch in strikter Übereinstimmung mit dem Grundsatz und dem Geist des Gesetzes gewesen. In dem uns vorliegenden Fall gehörte das Land noch immer Naomi, obwohl es an Rut als potenzieller Vertreterin von Elimelech und Machlon zurückfiel, während der Anspruch auf eine Heirat mit dem nächsten Verwandten unter den gegebenen Umständen natürlich nur auf Rut übergehen konnte. So ging das Eigentum, das Naomi noch besaß, nach Recht und Billigkeit mit der Hand Ruts, und niemand hatte Anspruch auf das eine, ohne auch das andere zu nehmen. Kein Verwandter hatte die Verwandtenpflicht gegenüber Rut erfüllt, und deshalb konnte auch kein Verwandter das mit dem Land verbundene Privileg der Erlösung beanspruchen. Mit der Hand von Rut war das Land gewissermaßen abgelehnt worden. Da aber der Verwandte sich praktisch geweigert hatte, seinen Teil zu tun, und Noomi nicht in der Lage war, ihren Besitz zu erhalten, veräußerte sie ihn, und zwar ganz im Sinne des Gesetzes. Es wurde niemandem Unrecht getan. Der einzige Grund, das Land an einen Verwandten weiterzugeben, wäre gewesen, dass er den Namen der Toten bewahren würde. Aber das hatte er sich praktisch geweigert zu tun. Andererseits stand es ihm immer noch offen, das Land einzulösen, wenn er gleichzeitig zustimmte, Rut zu heiraten. Es wäre die größte Ungerechtigkeit gewesen, dem Verwandten, der sich weigerte, als Verwandter aufzutreten, das Privileg zuzugestehen, ein Grundstück einzulösen. Anstatt einen Namen in Israel zu bewahren, hätte es ihn in Wirklichkeit für immer ausgelöscht.

Genau das war der Streitpunkt zwischen Boas und dem namenlosen Verwandten. Boas legte ihm zunächst das Privileg des Verwandten vor: die Einlösung des Landes. Dies akzeptierte er. Als Boas ihn dann aber daran erinnerte, dass dieses Privileg mit einer bestimmten Pflicht gegenüber Rut verbunden war und dass, wenn diese verweigert würde, auch die erste verwirkt wäre, trat er seine Rechte an Boas ab. – Der Grund, den er angibt (Rut 4,6), lässt verschiedene Auslegungen zu. Im Großen und Ganzen bevorzuge ich immer noch die alte Ansicht, dass sein Sohn von Rut der einzige Erbe gewesen wäre – mehr noch, dass in diesem besonderen Fall (wie wir in der Fortsetzung, 4:15, feststellen) Ruts Sohn verpflichtet wäre, „der Ernährer“ von Naomis „Alter“ zu sein. -Der Vertrag wurde nach altem Brauch in Israel durch eine symbolische Handlung bestätigt, die in Dtn 25,9 in abgewandelter Form wiedergegeben wird. Bei allen alten Völkern war der „Schuh“ ein Symbol für den Aufbruch (2. Mose 12,11) oder für die Inbesitznahme (vgl. Psalm 60,8). In diesem Fall übergab der Verwandte seinen Schuh an Boas, d. h. er trat seinen Besitz an ihn ab. Sowohl die versammelten Ältesten als auch diejenigen, die sich versammelt hatten, um dem Vorgang beizuwohnen, begrüßten seinen Abschluss herzlich, denn sie bewiesen, dass „die ganze Stadt wusste, dass Rut eine tugendhafte Frau war“, und dass sie bereit waren, die Moabiterin als Mutter in Israel aufzunehmen, so wie es Thamar in der Abstammung des Boas bewiesen hatte.

Alfred Edersheim – Geschichte der Bibel

Vers 6 des vierten Kapitels berichtet von der negativen Reaktion des Lösers. Mit seiner Äußerung »Dann kann ich es für mich nicht lösen« lehnt er das Angebot ab. Als goel, Verwandten-Löser, war dies sein rechtmäßiger Verzicht; nun konnte Boas seinerseits seine Zusage einlösen. Als Begründung für seine ablehnende Haltung führt der andere Löser an: ». . . sonst richte ich mein eigenes Erbteil zugrunde.« Daraufhin weist er Boas an, sein Recht als Löser wahrzunehmen: »Übernimm du für dich meine Lösungspflicht.« Als Grund nennt er: ». . . denn ich kann [wirklich] nicht lösen.« Möglicherweise bedeutete dies, dass er nicht vermögend war und er damit nicht beides – das Flurstück und Ruth – auslösen konnte. Es war nicht eine Frage ihrer Nationalität, sondern der doppelten finanziellen Last, die er nicht schultern konnte. Jede zusätzliche Belastung seiner Familie würde das Erbteil seiner Kinder vertilgen. Er hätte Naomis Besitz aufkaufen müssen, ihn seinem Besitz als Aktivposten aber nur so lange zurechnen können, bis Ruths erster Sohn seinen Anspruch auf Elimelechs Erbe geltend macht. In der Zwischenzeit würde die Sorge um das Kind und dessen Versorgung zusätzlich am Besitz des Mannes zehren. Neben der »verlorenen« Investition in Kind und Land würden durch die Versorgung von Naomi, Ruth und weiteren Kindern zusätzliche Ausgaben entstehen. Müsste er nur das Flurstück aufkaufen, würde er damit nicht nur sein Erbe ausweiten, sondern durch den zu erzielenden Ertrag seine ursprüngliche Investition mehr als ausgleichen. Die Aussicht jedoch auf eine vergebliche Investition, dazu noch weitere Münder, die ernährt werden wollen, erschien ihm zu teuer. Sein Erbe würde unter noch mehr Kindern aufgeteilt werden müssen, jedes Kind würde einen kleineren Anteil empfangen. Aus diesen Gründen sagte er: »Ich kann [wirklich] nicht lösen.«

Zunächst witterte der erste Löser eine gute Investitionsmöglichkeit; die Verflechtung mit Ruth veränderte das Angebot jedoch in eine kostspielige Investition. Fasst man Vers 6 zusammen, lassen sich zwei Beobachtungen treffen. Erstens war der eng mit Naomi verwandte Löser bereit, Naomis Land auszulösen, da es ihm die Möglichkeit bot, daraus Gewinn zu erzielen. Zweitens konnte er aufgrund der zusätzlichen Bedingung sein Recht nicht wahrnehmen. Insbesondere hätte er seine eigenen Finanzen in die Auslösung des Landes investieren müssen; indessen noch Ruth heiraten zu müssen und mit ihr einen Sohn zu zeugen bedeutete, dass dieser rechtlich als Sohn Machlons gilt und der einzige Erbe des Landes ist. Der Löser würde damit beides verlustig gehen, dem Eigentum und der getätigten Investition. Darüberhinaus würde dieser Sohn nicht nur das vom ihm im Rahmen des Lösens erworbene Land erben, sondern auch weitere Teile seines Besitzes; der Verlust seiner eigenen Investition, des ausgelösten Besitz und Teilen seines eigenen Landes würde dem Erbe seiner eigenen Söhnen entzogen. Bedingt durch diesen juristischen Sachverhalt siegte Boas.

Es sollen hier noch einige Beobachtungen aus dem weiteren Umfeld der Löser-Gesetze angemerkt werden. Sie leiten sich aus 3.Mose25, den Versen 25-31 und 47-55, und aus 5Mose 25,5-10 ab. Insgesamt bestehen die Gesetze aus vier Teilen. Erstens muss der Löser ein naher Blutsverwandter sein. Zweitens muss er über die finanziellen Mittel verfügen, die für die Auslösung des verpfändeten Eigentums nötig sind. Drittens muss er zum Rückkauf des verpfändeten Eigentums bereit sein. Viertens muss er gewillt sein, die Frau des verstorbenen Verwandten zu heiraten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Abfolge der im Buch Ruth berichteten Ereignisse wie folgt dar: Erstens wollte Naomi aufgrund ihrer Not ihr ererbtes Land veräußern. Zweitens: Damit das Land im Familienbesitz blieb, musste ein goel das Land auslösen. Indem er das Land (zurück-)erwirbt, kommt der goel selbst nicht in den Besitz des Landes, sondern verwaltet es treuhänderisch für den Sohn von Ruth, dem der Name und das Patrimonium zukommt. Obgleich Naomi engere Rechte an den goel besitzt, tritt sie diese an Ruth ab. Drittens war der nah-verwandte Löser zwar am Land, nicht jedoch an Ruth, interessiert, da er bei dieser Sache nur verlieren würde. Boas war an Ruth interessiert, nicht jedoch am Land; er verfügte auch über die finanziellen Mittel um das Geschäft abzuschließen. Diese Situation ist daher ähnlich zu beurteilen wie die Entscheidung Orpahs zu Beginn des Buches Ruth. Wie Hubbard auch hier anmerkt, ist dem Verwandten nichts vorzuwerfen. Gleich Orpah agierte er in der von ihm erwarteten und üblichen Weise. Gleich Ruth beschreitet Boas außergewöhnliche Wege und geht über das Erwartete hinaus (siehe ).

Arnold Fruchtenbaum – Das Buch Ruth

Ich kann nicht … damit ich mein eigenes Vermögen nicht gefährde Der namenlose Erlöser gibt seine Rolle als Reaktion auf unerwartete, neue Informationen auf, die seine Interessen gefährden. Was ist das für eine Information? Wenn wir die kerey-Lesart akzeptieren, dass Boas sagt: „Du erwirbst“, dann gibt der Erlöser auf, weil er gerade erfahren hat, dass er für zusätzliche Personen in seinem Haushalt sorgen muss. Wenn wir den Text gemäß der Ketiv-Lesart akzeptieren, die das Verb als „ich erwerbe“ auslegt, dann ist der namenlose Erlöser von Boas‘ Absicht überrascht, Rut zu erwerben (oder zu heiraten). Bei dieser Lesart zeigt die Erzählung an dieser Stelle Kohärenz und Konsistenz. Denn der andere Mann erkennt nun, dass der Kauf des Landes eine leichtsinnige Investition wäre: Früher oder später wird das Land durch Rut, die Boas nun zur Frau nimmt, an Elimelechs rechtmäßigen Erben zurückfallen (nach Levitikus 25 fällt das Land im Jubeljahr an den ursprünglichen Eigentümer zurück; siehe auch „Erbe“ und „Erlösung“ in der Einleitung). Der Erzähler stellt den namenlosen Erlöser als normalen, anständigen Menschen dar, nicht als Schurken. Wie Orpah versucht er, das Richtige zu tun, gibt aber schließlich auf und dient so als Gegenpol zur Großherzigkeit der Helden der Geschichte. Ein rabbinischer Midrasch vertritt diese sympathische Sichtweise. Indem er die Doppeldeutigkeit des Verbs „erwerben“ ausnutzt und auf beide Bedeutungen eingeht (als „ich erwerbe“ und „du erwirbst“), erklärt dieser Midrasch, dass der andere Mann als Gentleman sein Angebot, als Erlöser aufzutreten, zurückzieht, um Boas zu helfen (Rut R. 7.10). Nach einer anderen Midraschmeinung zieht der namenlose Erlöser sein Angebot jedoch wegen Ruts Status als Moabiterin zurück; Rabbi Schemuel wirft ihm vor, in Sachen Tora unwissend zu sein, denn er hätte wissen müssen, dass die Halacha die Passage im Deuteronomium so auslegt, dass nur moabitische Männer (mo’avi), nicht aber moabitische Frauen (mo’avit) ausgeschlossen sind (Rut R. 7.10).

Der JPS Tora-Kommentar – Ruth

Das ist natürlich etwas ganz anderes. „Ich vermag es nicht für mich zurückzukaufen“, sagt der ungenannte Verwandte, „damit ich nicht mein eigenes Erbe verderbe. Kaufe du es mit meinem Rückkaufsrecht für dich zurück, denn ich vermag es nicht zurückzukaufen“ (Ruth 4:6). Wie er dadurch ‘sein eigenes Erbe verderben würde’, sagt er nicht. Er würde aber für das Land Geld bezahlen müssen, und dadurch würde sich sein Vermögen entsprechend verringern. Auch würde dann Ruths Sohn, keiner seiner Söhne, das Feld bekommen. Das ist für den selbstsüchtigen Soundso nichts! „Kaufe es für dich“, sagt er daher zu Boas.

15.Mai 1978 Der Wachtturm

In dem Moment, in dem Rut als untrennbarer Bestandteil von Elimelechs Besitz erwähnt wurde, änderten sich die Gefühle des anonymen Verwandten und der Geist seines Traums völlig. Er „konnte“, so drückte er es aus, die Rolle des Verwandten nicht erfüllen. Es ist wahrscheinlich, dass er bereits eine Familie hatte, aber Witwer war. Wenn er also Rut zusammen mit dem Besitz ihres Schwiegervaters erwirbt, könnte seine Familie um einen weiteren, vielleicht sogar zahlreichen Zuwachs erweitert werden. Dies wäre, wie er es ausdrückte, eine „Zerstörung“ seines Vermögens, da es in unbedeutende Bruchteile zerfallen könnte. Das kann nicht, wie der chaldäische Targumist meint, auf seine Angst vor häuslichen Unruhen hinweisen. Oder wenn er tatsächlich an einen solchen Verlust dachte, hat er diesen Gedanken sicher nicht gegenüber Boas und den Beisitzern geäußert. Cassel vertritt eine andere Ansicht. „Es muss“, so sagt er, „ihre moabitische Nationalität sein, die der Grund für die Ablehnung des Verwandten ist. Elimelechs Unglück wurde im Volksmund auf seine Auswanderung nach Moab zurückgeführt, der Tod von Chilion und Machlon auf ihre Ehe mit moabitischen Frauen. Dadurch war ihr Erbe gefährdet. Der Goël fürchtet ein ähnliches Schicksal. Er denkt, dass er keine Frau in sein Haus aufnehmen sollte, deren Heirat bereits die Auslöschung einer Familie in Israel zur Folge hatte.“ Aber wenn es das war, worauf er sich bezog, als er von der „Zerstörung“ seines Erbes sprach, so stand es nicht im Einklang mit dem Wohlwollen, das er Boas schuldete und das er in der Höflichkeit seiner Ansprache so weit zum Ausdruck bringt, dass er seinen Verwandten unentgeltlich zu etwas drängte, was er für sich selbst als gefährlich ablehnte. Die Ausdrücke „für mich“ und „für dich“ (לִֽי und לְךָֽ) sind bedeutsam. Der anonyme Verwandte macht keinen Hehl daraus, dass er den Vorschlag von Naomi nur deshalb in Erwägung ziehen würde, weil er das tat, was in seinem eigenen Interesse lag. Er ging auch davon aus, dass Boas nur deshalb bereit sein würde, die Rolle des Verwandten zu übernehmen, weil es seinem eigenen Interesse dienen würde. Er wusste nicht, dass es in Boas‘ Herz eine Liebe gab, die wahrhaftig „nicht nach dem Eigenen trachtet“, sondern in der Ehre die Dinge eines anderen vorzieht.

James Morison – Ruth

Man kann gut erkennen – die Antwort ist etwas kompizierter, weil die Antwort nicht in der Bibel erwähnt wird. Aber wirkliche „Bibelforscher“ haben einige Antworten gefunden – und alle diese Punkte sind möglich. Wer aber nur eine „Zeitschrift zur Bibel“ liest, wird die Tiefe und Bedeutung wohl verpassen!

„Renovierung eures Denkens“

Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, (W. diesem Zeitlauf) sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, daß ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.
Elberfelder 1871 – Röm 12,2

And be ye not conformed to this life, but be transformed by the renovation of your mind, for you to prove what the good, and the pleasing, and the perfected will of God.
The Holy Bible: Containing the Old and New Testaments; Translated Literally from the Original Tongues – 1876 – Röm 12,2

And conform not yourselves to this world, but be ye transformed by the renovation of your mind, that ye may prove what is the good and acceptable and perfect will of God.
Commentary on the Epistle of Paul the Apostle to the Romans – Calvin, John and Owen, John

Diesen Vers hatten wir schon einmal – im Hinblick auf Corona und dort war auch ein Wörterbuch zu dem Vers, was die Wörter bedeuten und wie man diese am besten übersetzt.

Aber in einer „christlichen Zeitschrift“ wird jetzt die Forderung an die Leser gerichtet:

Was müssen wir tun, um unser Denken neuzugestalten oder zu ändern? (Lies Römer 12:2.) Den griechischen Ausdruck, der mit „Neugestaltung eures Denkens“ wiedergegeben wurde, könnte man auch mit „Renovierung eures Denkens“ übersetzen. Es reicht also nicht, unser Leben mit ein paar guten Taten zu „dekorieren“. Wir müssen unser Innerstes überprüfen und nötige Änderungen vornehmen, um unser Leben so eng wie möglich nach den Maßstäben Jehovas auszurichten – und das nicht nur ein Mal, sondern fortlaufend.
Wenn wir vollkommen sind, werden wir in der Lage sein, Jehova in allem, was wir tun, zu gefallen. Doch bis dahin müssen wir ständig an uns arbeiten. Interessanterweise bringt Paulus in Römer 12:2 die Neugestaltung unseres Denkens damit in Verbindung, Gottes Willen zu erkennen. Wir dürfen also nicht passiv sein und uns von diesem Weltsystem formen lassen, sondern müssen uns prüfen, um festzustellen, inwieweit wir unsere Ziele und Entscheidungen von Gottes Denken beeinflussen lassen statt vom Denken der Welt.
… Wir müssen unser Denken regelmäßig überprüfen und an uns arbeiten.

Wenn ich mir dies durchlese und darüber nachdenke, verstehe ich, warum so viele Menschen daran scheitern, und dann aus dem Scheitern, Jehovah verwerfen. Und das ist so schade, den diese Auslegung sollte man in Ruhe überprüfen. Lies den alten Beitrag von 2020 – und lies den Vers in verschiedenen Übersetzungen. Ist dort wirklich davon die Rede, dass ich mein Denken durch ganz ganz ganz viel Anstrengung ändern kann?
Schauen wir uns um: Was ändert die Menschen um dich herum am meisten? Genau: wenn jemand sich verliebt, dann ändert dieser Mensch sich zu dem Menschen oder Gegenstand hin, in den er verliebt ist. Und dann redet dieser Mensch ständig auch über das, in das er verliebt ist! Wie kann ich mich in etwas/jemanden verlieben? In dem ich mich „ganz ganz doll anstenge“ diese Person/diesen Gegenstand zu lieben? Nein, natürlich NICHT! Ich muß nur viel Zeit mit dieser Person verbringen, mir viele Gedanken um diese Person machen. Dann folgen meinen Gedanken auch meist meine Gefühle. So wird auf einer „biblischen Beratungsseite“ dazu aufgefordert, seinem Partner / seiner Partnerin „Liebesbriefe“ zu schreiben, und diese aber nicht abzugeben – einfach damit sich diese Gefühle „entwickeln“. Nein, dazu muß ich mich nicht anstengen, keine anderen Personen mehr zu sehen!

Dann schauen wir in die Bibel – und sehen, zum Beispiel bei Saul, dass Jehovah dem Saul ein neues Herz gab. Mußte Saul (oder andere, die du in der Bibel findest) sich ganz doll darum bemühen, ein anderer, ein neuer Mensch zu werden? Was sagt DEINE Bibel wirklich zu diesem Thema?

Zum Abschluß eine Auslegung zu diesem Vers

  1. Erkenne deinen Bedarf an Renovierung

Erkenne, dass du eine gründliche Erneuerung deines Geistes brauchst.

Epheser 4,17-18 beschreibt, wie wir ohne diese Erneuerung sind. „Dies aber bezeuge ich in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben sollt wie die Heiden in der Vergeblichkeit ihres Sinnes; sie sind verfinstert in ihrem Verstand und entfremdet von dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen ihrer Herzenshärte.“

Der Grund, warum ich gesagt habe, dass wir eine tiefgreifende Erneuerung des Verstandes brauchen, ist, dass die Wurzel unseres sinnlosen Denkens tief in die Härte unseres Herzens hineinreicht. Wenn du Paulus‘ Gedanken rückwärts von der Wurzel der Hartherzigkeit bis zur schrecklichen Frucht der Sinnlosigkeit folgst, geht das so: Die Härte des Herzens führt zu schuldhafter Unwissenheit, die zu einer Entfremdung von Gott führt, die zu einer allgegenwärtigen Dunkelheit des Verstandes führt, die zu einem unglaublichen Gebrauch des menschlichen Verstandes im Dienste der Sinnlosigkeit führt. Wenn das Herz Gott nicht mehr liebt, weiß der Verstand nicht, wofür er da ist. Er stolpert wie ein Genie in der Dunkelheit über den Abgrund der Zerstörung. Kannst du dir etwas Tragischeres und schmerzlich Ironischeres vorstellen, als dass Tausende von brillanten Männern und Frauen den letzten Satz hören? „Dein Denken war sinnlos; ich habe dich nie gekannt.“

Der erste Schritt zur Erneuerung unseres Verstandes besteht also darin, die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Erneuerung von Herz und Verstand zu erkennen.

  1. Verlass dich auf den Heiligen Geist

Der zweite Schritt zu einem erneuerten Verstand, der den Willen Gottes beweist, besteht darin, sich auf den Heiligen Geist zu verlassen.

Paulus sagt in Titus 3,5: „Gott hat uns nicht aufgrund von Taten gerettet, die wir in Gerechtigkeit getan haben, sondern aufgrund seiner eigenen Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist.“ Das erneuernde Mittel ist der Heilige Geist. Wir können uns nicht selbst neu machen. Es ist ein übernatürliches göttliches Werk von Gottes Geist. Es ist genauso wunderbar wie die Offenbarung des Geistes durch die Gabe der Prophetie. Und sie ist wunderbarer als die Prophetie, denn Satan kann die Prophetie in Form von Wahrsagerei und Zauberei kopieren, aber nicht die Erneuerung des Geistes in Rechtschaffenheit und Heiligkeit. Die Hauptaufgabe des Heiligen Geistes besteht nicht darin, uns Prophezeiungen über den Willen Gottes zu geben, sondern uns in neue, heilige Menschen zu verwandeln, die den Willen Gottes kennen und lieben.

Der zweite Schritt zur geistigen Neuheit ist also, sich auf den Heiligen Geist zu verlassen. Verlasse dich demütig auf ihn und nicht auf dich selbst.

  1. Bete um geistiges Verständnis

Bete darum, dass der Heilige Geist dir ein geistliches Verständnis gibt, mit dem du den Willen Gottes erkennen kannst.

Wir wissen, dass Paulus dies zu einer der wichtigsten Prioritäten für seine Gemeinden gemacht hat, denn er betet immer wieder für sie. Zum Beispiel in Philipper 1,9-10: „Ich bete darum, dass eure Liebe immer mehr zunehme, mit Erkenntnis und aller Einsicht, damit ihr erkennt, was vorzüglich ist.“ Liebe, die mit Erkenntnis und Einsicht überströmt, ist die Erneuerung des Geistes, der die Dinge, die ausgezeichnet sind, untersuchen und prüfen und annehmen kann. Und das tut Paulus im Gebet.

Kolosser 1,9 ist ein weiteres Beispiel: „Wir haben nicht aufgehört, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr mit der Erkenntnis seines Willens erfüllt werdet in aller geistlichen Weisheit und Einsicht.“ Wollen wir von der Erkenntnis des Willens Gottes erfüllt werden? Ja. Das ist unser Herzenswunsch! Dann brauchen wir (laut Paulus) geistliche Weisheit und Verständnis – das heißt, wir müssen im „Geist unseres Verstandes“ erneuert werden (Epheser 4,23). Und genau darum betet Paulus „ohne Unterlass“. „Wir haben nicht aufgehört, für euch zu beten …“

Der dritte Schritt zu einem erneuerten Geist ist also, darum zu beten. Bitte, suche, klopfe an. Wird dein Vater nicht denen, die ihn bitten, den Heiligen Geist geben (Lukas 11,13)?

  1. Konzentriere dich auf die Herrlichkeit Gottes

Der vierte Schritt besteht darin, deine Aufmerksamkeit auf die Herrlichkeit Gottes zu richten.

Am deutlichsten wird das in 2. Korinther 3:18: „Und wir alle schauen mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn und werden verwandelt in sein Gleichnis, von einem Grad der Herrlichkeit zum andern; denn das kommt von dem Herrn, der der Geist ist.“ Indem wir die Herrlichkeit des Herrn sehen, werden wir verwandelt. Du wirst wie das, was du siehst.

Du lebst wie das, was du am meisten ansiehst.

Siehe 2. Korinther 4,16-18: „So werden wir nicht mutlos. Wenn auch unsere äußere Natur verwelkt, so wird doch unsere innere Natur jeden Tag erneuert. Denn diese kleine, vorübergehende Bedrängnis bereitet uns eine ewige, unvergleichliche Herrlichkeit, weil wir nicht auf das sehen, was wir sehen, sondern auf das schauen, was wir nicht sehen. Denn was man sieht, ist vergänglich, was man aber nicht sieht, ist ewig.

Die tägliche Erneuerung der inneren Person – die Person, die beweist, was der Wille Gottes ist – kommt daher, dass wir nicht auf die Welt mit all ihrer vergänglichen Herrlichkeit schauen, sondern auf die unsichtbaren Dinge der Ewigkeit, die in der Herrlichkeit Gottes erstrahlen.

Fazit

Abschließend möchte ich noch einmal betonen, dass die Gabe der Prophetie, so wertvoll und erbaulich sie auch sein mag, nicht der übliche Weg ist, um den Willen Gottes zu erkennen. Der übliche Weg ist vielmehr, den Willen Gottes durch einen erneuerten Geist zu prüfen, zu verifizieren und anzunehmen. Deshalb frage ich dich:

  1. Siehst du, wie dringend du die Erneuerung deines Geistes brauchst?
  2. Vertraust du auf das Wirken des Heiligen Geistes?
  3. Betest du ohne Unterlass um geistliche Weisheit und Verständnis?
  4. Und schaust du beständig auf die Herrlichkeit Gottes in den Dingen, die ewig sind – das Antlitz Jesu Christi in der Bibel? Es gibt keinen anderen Weg, Christus in der Welt ähnlich zu werden, als Christus im Wort zu sehen.
Predigten von John Piper

Genau: Jehovah liebt DICH, und deshalb gibt er dir die Möglichkeit IHN zu erkennen. Wenn du nun den heiligen Geist wirken läßt und viel Zeit mit Gottes Wort der Bibel verbringst, ändern sich deine Wünsche und Ziele, weil du Jehovah liebst! Und weil du Jehovah liebst, wirst du „automatisch“ viele Dinge nicht mehr machen – nicht weil es „verboten“ ist, sondern aus Liebe zu IHM.

Saul & Samuel – 5

Was denn nun – Samuel macht Saul noch ein weiteres Mal zum König? Das „muss ja“ ein Fehler in der Bibel sein!!! ?? Nein – kein Fehler in Gottes Wort, sondern ein Fehler im Gehorsam von Saul!
Wir besprachen gestern im Aktivgottesdienst 1.Samuel 12. Dabei haben wir herausgearbeitet, was sich nun in Gottes Volk geändert hatte:
Zur Zeit von Kain und Abel hatte Jehovah für eine „einfache Struktur“ gesorgt, so dass jeder „Familienstammvater“ – also Patriarch direkt für seine Familie verantwortlich war

Dann ändere sich die Form, wie die Menschen von Jehovah Informationen erhielten, zur Zeit, als Jehovah „das Volk“ beim Auszug aus Ägypten gründete.
Von nun ab, war Mose das Sprachrohr Gottes – Mose setzte sogar die Priester um Aaron ein. Wenn ich also ein Problem mit Jehovah hatte, ging ich zu den Priesern. Bei „normalen Problemen“ war mein Ansprechpartner ein Richter, ein Stammesführer – diese Stammesführer waren diejenigen, die sich durch Weisheit und Alter auszeichneten. Wenn diese nicht weiter wußten, ging man zu Mose – und erhielt so die „perfekte Antwort“.

Als Mose starb, wurde Josua der Führer – aber er sollte in erster Linie „den Einzug ins verheißene Land“ koordinieren. Josua gab also Anweisungen – aber bei religiösen Fragen geh ich zum Priester. Die Leviten waren für die Verbreitung des Wortes Gottes verantwortlich.
Nach dem Tod von Josua, war es die Aufgabe der Richter, das Volk zu führen – besonders bei Problemen, die durch „Feinde“ auftraten. Diese Richter wurden „temporär“ von Jehovah berufen – und das Amt war NICHT vererbbar! Nur die Priester und Leviten gaben „ihre von Gott übertragene Aufgabe“ an ihre Kinder und Enkel weiter.

Und nun wollten die Israeliten einen König! Und Samuel zeigt im Kapitel 12, dass er niemals wie ein König geherrscht hat – und dies auch gar nicht wollte. Aber nun sollte es eine Erbfolge von Königen geben – oder?
Scheint ja gar keine schlechte Idee zu sein: für religiöse Fragen, hatte es ja bei den Priesten und Leviten auch gut funktioniert!
ABER Samuel erklärt, dass es auch schlechte Könige geben würde:

Ja, genau: dann wäre auf einmal Jehovah nicht mehr wichtig! Dann würde das Volk OHNE Jehovah versuchen zu existieren. Und geht das gut???

Schlüsselvers in Kapitel 12: Jehovah würde SEIN VOLK trotzdem immer retten, NICHT wegen ihrer guten Taten, sondern?

Denn Jehova wird um seines großen Namens willen sein Volk nicht verlassen; denn es hat Jehova gefallen, euch sich zum Volke zu machen.
Elberfelder Bibel 1905 – 1 Sam 12,22

Nein! Jehovah würde Israel nicht durch die katholische Kirche, und auch nicht durch andere „Religionen“ ersetzen! Um SEINES NAMENS willen – bleibt ER seinem Volk Israel immer treu!

„nur für Mitglieder“?

Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, (S. die Anm zu Kap 1,8) der Anfang und das Ende Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst. Wer überwindet, wird dieses ererben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein.
Elberfelder 1871 – Offb 21,6–7

Und er teilte mir mit: „Sie sind wahr geworden! Ich bin das Ạlpha und das Ọmega, der Anfang und das Ende. Wer Durst hat, dem werde ich umsonst von der Quelle geben, aus der Wasser des Lebens strömt.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Offenbarung 21:6

Und er fuhr fort: »Es ist bereits in Erfüllung gegangen!
Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Wer durstig ist, dem gebe ich umsonst zu trinken. Ich gebe ihm Wasser aus der Quelle des Lebens.
Gute Nachricht Bibel : Offb 21,6

Dann meinte er noch zu mir: „Es ist alles genau so passiert, wie es passieren sollte. Ich bin das A und auch das Z, ich bin der Anfang und gleichzeitig auch das Ende. Jeder, der Durst hat, kann bei mir trinken bis zum Abwinken. Es kommt aus der Quelle, wo das Leben entspringt. Und es ist alles kostenlos, man muss nichts dafür bezahlen.
VolxBibel – Offenbarung 21,6

Oft wird der Schwerpunkt auf das WER da spricht, gelegt! Aber schauen wir über diesen „Streitpunkt“ einmal hinweg – und schauen auf das, was passiert! Hier wird JEDEM der durstig ist, Wasser umsonst gegeben!
Was ist nötig um dieses Wasser zu bekommen?
Und kann es sein, dass ich und Du noch immer mit den „abgefüllten Wasserflaschen“ aus unserer Versammlung, Gemeinde, Kirche zufrieden sind, obwohl wir, also Du und ich, dieses frische Wasser direkt von IHM erhalten könnten????

Die dramatische Veränderung, die in dieser neuen Ordnung liegt, wird in den Worten deutlich: Siehe, ich mache alles neu! Diese Offenbarung ist wahrhaftig und gewiß, und Johannes erhielt die ausdrückliche Anweisung, sie niederzuschreiben. Derjenige, der diese Veränderung herbeiführt, wird Christus sein, der von sich selbst sagt: Ich bin das A und das O (vgl. Offb 1,8;22,13 ). Alpha und Omega sind der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets und stehen hier für Anfang und Ende.
Den Durstigen wird verheißen, daß sie (umsonst) von der Quelle des lebendigen Wassers trinken dürfen. Hier ist nicht von physischem Durst die Rede, sondern von dem tiefen Wunsch nach geistlichem Segen.

John F. Walvoord u. Roy B. Zuck

Johannes wird aufgefordert, diese wichtigen Wahrheiten aufzuzeichnen. Dabei betont Jesus gegenüber Johannes die absolute Gewissheit und Wahrhaftigkeit dessen, was ihm gesagt worden war.
Diejenigen, welche die alte Ordnung überwinden und der geistlichen Lehre des Messias folgen, sind es, die hier als „wer überwindet“ bezeichnet werden. Sie haben nun eine direkte Beziehung zu Gott.

Wolfgang Schneider – Buch der Offenbarung

I. Wer sich auf diesem Bild befindet.
Wer das Geschenk der Gnade annimmt: Wer sich bedürftig weiß und demütig genug ist, von dem Herrn zu erbitten und anzunehmen, was er nach seinem Wort schenken will: »Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst« (V. 6):
a) In Hes 47 berichtet der Prophet, dass er einen wunderbaren Segensstrom schaute, der an der Tür des Tempels bzw. am Brandopferaltar aufbrach, in das lechzende Land hineinströmte und alles fruchtbar machte, was er berührte. Seitdem hat man in Israel auf diesen herrlichen Segensstrom gewartet. Außerbiblische Quellen sagen davon, dass im Gedanken an diesen Schriftabschnitt in einer Symbolhandlung am jährlichen Laubhüttenfest der Hohepriester in einem vergoldeten Krug unten an der Siloahquelle Wasser schöpfte, den Krug unter dem erwartungsvollen Jubel der Menge auf den Tempelplatz hinauftrug und an der Tempeltür, zu Füßen des Brandopferaltars, ausgoss. Jedesmal war unter der Menge die Hoffnung: »Vielleicht heute!« Und jedesmal war es eine bittere Enttäuschung: »Noch nicht!«, dann, wenn wieder das arme Rinnsal sich im trockenen Sand verlor.
Und nun wird Joh 7 berichtet, dass Jesus auf dem Laubhüttenfest war. Da rief er am »letzten Tag, da es am herrlichsten war«, möglicherweise bei dieser symbolischen Handlung, als eben der Jubel der Menge wieder umschlug in betretenes Schweigen, über den Tempelplatz hin: »Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke.« Johannes fügt erklärend hinzu: »Das sagte er aber von seinem Geist, der noch nicht gegeben war« (Joh 7,2.10.37-39).
b) Zweimal wiederholt die Offenbarung die Einladung Jesu aus Joh 7,37:Offb 21,6; 22,17. Auch hier ist einer der Berührungspunkte zwischen diesen beiden Schriften des Johannes. Und beide Male ist in der Offenbarung das Wort »umsonst« hinzugefügt. Es ist dasselbe »umsonst«, »geschenkweise«, das Paulus Röm 3,24 sagt, das gleiche griechische Wort. Manche behaupten, die Offenbarung kenne die Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnaden nicht.
Davon kann nach diesen Stellen, wie ebenso nach zahlreichen anderen, keine Rede sein (vgl. Einleitung 4ff.). Das letzte Buch der Bibel ist auch in dieser Hinsicht eine eindeutige Stimme des großen gemeinsamen Chores im ganzen der Schrift, insbesondere im Neuen Testament. Auch von daher ist es unmöglich zu sagen, dass die Offenbarung nicht legitimerweise zum neutestamentlichen Kanon gehöre.

Gerhardt Maier – Edition C – NT

Die Ratschlüsse Gottes sind in der Person Christi erfüllt worden, der sich selbst in unmissverständlicher Weise vorgestellt hat. Das Buch begann damit, dass der Herr einen Titel auf sich bezog, der Ihn als Gott ausweist: „Ich bin das Alpha und das Omega, spricht der Herr, Gott, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige“ (1,8) Er wird das Buch schließen, indem Er den gleichen Titel noch einmal verwendet (22,13). Bei dieser Aufrichtung der neuen Schöpfung zeigt Er sich als ihre Mitte. Zeit und Geschichte gehören zur alten Schöpfung, aber die alte und die neue Schöpfung haben beide eine gemeinsame Beziehung zu Christus, dessen absolute Gottheit zentral ist, indem Er:
a) außerhalb der Geschichte „das Alpha und das Omega“ ist. Innerhalb des ganzen Alphabets liegen verborgen alle Schätze der Erkenntnis, die einem Menschen überhaupt zugänglich sein können. In Christus hat sich Gott vollkommen geoffenbart, und das Wachsen in der Erkenntnis Seiner Person und all dessen, was Er geoffenbart hat, wird die ganze Ewigkeit in Anspruch nehmen.
b) außerhalb der Zeit er „der Anfang und das Ende“ ist. Er ist der Schöpfer der Zeit, und wenn die Zeit (in der alten Schöpfung) aufgebraucht ist, wird Er noch sein. Aber der Titel drückt mehr aus als bloßes Sein; denn er zeigt, dass Er sowohl der Urheber ( hê archê ) als auch das Ziel (to telos) der Zeit ist. Der Thron Gottes in der neuen Schöpfung wird daher als „der Thron Gottes und des Lammes“ (22,3) gesehen werden.
Vom Lamm, das als die Mitte und der Höhepunkt der Geschichte erkannt wird, geht der große evangelistische Appell aus, der von der großen Vorsorge Gottes in Christus spricht. Bevor die Sünde in die Schöpfung eindrang, fand das Herz des Menschen ihre Befriedigung in der Gemeinschaft mit Gott. Nach dem Fall konnten dürstende Seelen Befriedigung nur darin finden, dass sie auf den Ruf antworteten, den Jesaja in folgende Worte gefasst hat: „He! Ihr Durstigen alle, kommet zu den Wassern“ (Jes 55,1). Die Bibel verwendet oft das Wort Durst um von jenem Sehnen des Menschen zu sprechen, das ein Bewusstsein seiner geistlichen Not in ihm weckt. Dennoch haben Menschen sich allezeit bereit gezeigt, anderswo Erfüllung zu suchen, wie Jahwe durch den Propheten Jeremia klagen musste: „Denn zweifach Böses hat mein Volk begangen: Mich, den Born lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszuhauen, geborstene Zisternen, die kein Wasser halten“ (Jer 2,13). Christus wird durch das Kreuz wird Quelle, die das geistliche Sehnen eines jeden Menschenherzens stillen kann (Joh 4,14; 7,37). Das betonte „Ich“ zeigt, dass Christus allein diese Quelle ist. Hier können die Menschen aus einem nie versiegenden Brunnen trinken. Christus gibt „das Wasser des Lebens“ (ein Ausdruck der nur hier und im nächsten Kapitel, 22,1.17, vorkommt), und Er gibt es „umsonst“, dôrean , ein Adverb, das in 22,17 wiederholt wird, um zu zeigen, dass die Heiligen es in der gleichen Weise empfangen, wie Christus es gibt: umsonst, unverdient, ohne Preis.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Saul & Samuel – 4

Und sie befragten wiederum Jehova: Wird der Mann noch hierher kommen? (O. Ist noch ein Mann hierher gekommen) Und Jehova sprach: Siehe, er hat sich bei dem Geräte versteckt.
Elberfelder 1871 – 1.Sam 10,22

Da fragte man nochmals beim HERRN an: »Ist der Mann überhaupt hergekommen?« Der HERR antwortete: »Jawohl, er hält sich beim Gepäck versteckt.«
Menge – 1 Sam 10,22

Da befragten sie nochmals den Ewigen. Ist noch ein Mann hier hergekommen? Und der Ewige sprach: Siehe, er ist versteckt bei dem Gerät.
Zuns – 1.Samuel 10:22

Und wieder die Frage: WARUM handelt Saul so?

Samuel ordnet dann einen „Volkswahltag“ in Mizpa an. Das Los fällt auf Saul. Auch hier ist wieder die klare Führung Gottes zu erkennen. Saul hat sich bewußt zurückgehalten, wohl auch, weil er niemand beeinflussen wollte, dann aber kommt er und nimmt die Huldigung des Volkes freudig entgegen. Samuel erinnert das Volk nochmals an alle Ordnungen, die nun für das Königtum gelten werden. Er legt sie auch schriftlich fest (V. 25). Wieder zeigt sich Sauls gute innere Haltung, daß er auf das Gerede der Menschen nichts gibt, sondern einfach seinen Weg mit Gott weitergeht (V. 27).

Bruns – Die Bibel mit Erklärungen: Erklärungen

(i.) Wir haben gesehen, wie das Los bei der Aufteilung des Erbes auf die Stämme Israels verwendet wurde, um den Schuldigen bei der Aneignung des dem Herrn geweihten Landes in Jericho zu entdecken. Der Bericht ist sehr kurz: Zuerst wird von der Einnahme Benjamins berichtet, dann von der Familie von Matri (die hier nur erwähnt wird) und dann von Saul, dem Sohn von Kisch. Matri bedeutet wahrscheinlich „Jehova sieht zu“. Der Versammlungsort war Mizpa, der „Wachturm“, dessen Bedeutung wir gesehen haben und der bedeutet, dass das Volk darauf achtet, was Jehova sagen wird, und hier werden wir an die umgekehrte Wahrheit erinnert. Jehova hat in Wirklichkeit nicht seine Meinung gesagt. Er hatte es getan, und sie hatten nicht darauf geachtet. Auch wenn er Saul angedeutet hat, so war es doch ihre Entscheidung und nicht seine. Er ist gezwungen zu schweigen und das Ergebnis ihres eigenen Willens abzuwarten. Samuel warnt sie noch einmal davor, dass sie den Herrn verleugnen, wenn sie einen König suchen. Das Los hat also seine wahre Bedeutung verloren: Es ist nicht wirklich die Wahl Jehovas, und es kann wenig dazu gesagt werden.
Als Saul angekündigt wird, ist er nicht zu finden, bis der Herr ihre Anfrage beantwortet und ihnen mitteilt, dass er unter dem Gepäck versteckt ist. In Wahrheit war er nur ein „Gefäß“ unter den toten, leblosen „Gefäßen“ (wie das Wort bedeutet), die der Herr gebrauchen kann, der alle Dinge dazu bringen kann, ihm zu dienen, aber ohne das Leben und den Geist des Dienstes. Wenn er jedoch herausgeholt wird, ist er mit seinen Muskeln und Sehnen ein richtiger Mann und überragt die Köpfe des ganzen Volkes. Samuel weist darauf hin, wie gut er dem Ideal entspricht, das sie suchen, und das Volk schreit als Antwort: „Es lebe der König!“ Aber das bedeutet so wenig wie der König selbst. So weit, wie Saul sich über sie erhoben hat, sind sie geschrumpft. Ihr Koloss ist nur noch ein Schatten über ihnen. Wie könnte er auch etwas anderes sein, wo sie ihn doch zwischen ihre Seele und Gott gestellt haben!
Aber alles ist beschlossen, und sie müssen sich an ihre Entscheidung halten. Und tatsächlich können die Frommen Gott darin anerkennen und so dem Schatten entkommen. Samuel erzählt ihnen, wie das Königreich aussehen wird, und schreibt es in ein Buch, das vor dem Herrn aufbewahrt wird. Dann schickt er sie in ihre Häuser, und Saul kehrt zurück nach Gibea, in sein Haus. Es gibt keinen Überschwang an Loyalität. Worauf Menschen ihr Herz setzen, brauchen sie oft nur zu haben, um festzustellen, wie wenig es ist. Gott rührt die Herzen einiger an, damit sie Saul folgen, sonst hätte das niemand getan! Und die Kinder Belials fragen jetzt, was die frommen Männer früher gefragt hätten: „Wie soll dieser Mann uns retten?“ Früher hätte diese Frage Gott geehrt; jetzt lässt sie ihn außen vor. Bei allen „Mächten, die da sind“, erkennt der Glaube sogar in Saulus „einen Diener Gottes für das Gute“ und kennt die allmächtige Liebe, die alle Dinge zum Guten wirken lässt. Wie könnte er den „Diener Gottes“ „verachten“, wie es die Männer von Belial tun?
Auch Sauls neu gewonnene Größe kommt ihm gerade sehr gelegen. Er ist wie ein Tauber für all ihr Gemurmel.

Die Numerische Bibel: Eine revidierte Übersetzung der Heiligen Schrift mit erläuternden Anmerkungen

Nachdem der Herr Saul in aller Öffentlichkeit als denjenigen bezeichnet hatte, den er zum König erwählt hatte (9,1-10,16), war für Samuel die Zeit gekommen, den nächsten Schritt bei der Einführung des Königtums in Israel zu tun. Samuel eröffnete die Versammlung in Mizpa, indem er Israel an die Bundestreue des Herrn und seine mächtigen Befreiungen in der Vergangenheit erinnerte (10,18). Der Herr hatte ein schwaches und ohnmächtiges Volk durch seine mächtige Kraft aus Ägypten herausgeführt. Nachdem er am Berg Sinai einen Bund mit ihnen geschlossen hatte, gewährte er ihnen den Einzug nach Kanaan und ließ sie die Stadt Jericho kampflos einnehmen. Er schenkte Josua einen wundersamen Sieg über eine Koalition kanaanitischer Könige (Jos 10) und er schenkte Gideon einen bemerkenswerten Sieg über die Midianiter (Judg 7-8). Während der Zeit der Richter hatte er Israel von all seinen zahlreichen Unterdrückern befreit, einschließlich des letzten Sieges über die Philister bei Mizpa, dem Ort, an dem Israel jetzt versammelt war. Der Herr hatte sich seit der Befreiung aus Ägypten immer wieder als Israels großer Beschützer und Verteidiger erwiesen. Die Reaktion Israels war jedoch Undankbarkeit, wenn nicht sogar Verachtung für die Treue des Herrn (10,19). Mit ihrer Forderung nach einem menschlichen König sagten sie, dass der Schutz, den ihnen ein göttlicher König gewährte, nicht ausreichte, um ihnen ein angemessenes Gefühl der nationalen Sicherheit zu geben. Sie wollten eine greifbarere Form der Führung, eine Führung, die ihrer Meinung nach eine zuverlässigere Form des Schutzes bieten würde. Kurz gesagt, sie wollten einen König „wie die Völker um uns herum“, der sie im Kampf anführt (8:20).

Nachdem Samuel das Volk an diese Dinge erinnert hatte, war er bereit, den Auftrag des Herrn auszuführen und dem Volk einen König zu geben. Dabei wurde das Los gezogen, zuerst für einen bestimmten Stamm und dann für eine bestimmte Sippe und Familie innerhalb des gewählten Stammes. Das Los fiel auf den Stamm Benjamin und schließlich auf die Familie von Kisch und die Person Sauls. Aber im entscheidenden Moment war Saul nirgends zu finden; der Herr musste den Leuten sagen, dass sie ihn unter den Vorräten suchen sollten, die die Teilnehmer der Versammlung mitgebracht hatten (10:22).

Angesichts der privaten Salbung Sauls in der unmittelbar vorangegangenen Erzählung (9,1-10,16) muss Saul fest damit gerechnet haben, dass Samuel ihn dem Volk auf der Versammlung in Mizpa öffentlich als den neu gewählten König vorstellen würde. Warum hätte er sich dann während der öffentlichen Wahl verstecken sollen? War dies ein Reflex der Bescheidenheit und Demut, wie es in einigen Kommentaren behauptet wird? (Siehe Josephus Altertümer 6.63; Goslinga 1968:233; Kirkpatrick 1918:111; Smith 1912:73; Gordon [1986:121] merkt an, dass in einem der Targum steht, er habe sich „zum stillen Gebet und Bibelstudium davongemacht“). Oder war diese Zurückhaltung Sauls nur ein weiteres Beispiel für seinen Widerwillen, die Verantwortung für das Königtum zu übernehmen, zusätzlich zu denen, die in der vorherigen Erzählung angedeutet wurden? Vielleicht war dies auch ein unheilvoller Hinweis auf noch schlimmere Dinge, die in der Zukunft kommen sollten?

Wie auch immer man Sauls selbst auferlegte Zurückgezogenheit betrachten mag, Samuel stellte ihn der versammelten Gemeinde als denjenigen vor, den der Herr zu ihrem König erwählt hatte. Saul war eine imposante Gestalt von königlicher Statur und überragte alle anderen Anwesenden (10:23); er wurde vom Volk sofort begeistert begrüßt: „Lang lebe der König!“ (10:24). Das war genau die Art von König, die sie wollten! Samuel wollte jedoch nicht, dass das Volk glaubte, sein König würde so regieren wie die Könige in den umliegenden Völkern, nachdem sie nun einen König bekommen hatten. Deshalb erklärte Samuel dem Volk sorgfältig die „Rechte und Pflichten eines Königs“ (wörtlich: „die Art und Weise des Königreichs“, 10,25). Damit unternahm Samuel einen ersten Schritt, um die Spannung zwischen dem sündigen Wunsch des Volkes nach einem König und dem Einverständnis des Herrn mit ihrer Bitte zu lösen. Leider ist keine Abschrift der schriftlichen Vorschriften erhalten, die Samuel im Heiligtum (vielleicht in Mizpa, 10,25) hinterlegt hat. Was auch immer der genaue Inhalt dieser Vorschriften gewesen sein mag, es scheint klar zu sein, dass sie eine umfassendere Beschreibung der Pflichten und Verantwortlichkeiten der israelitischen Könige waren, als Mose sie in Deuteronomium 17,14-20 gegeben hatte, und dass sie das Königtum in Israel als etwas etablieren sollten, was man in neuerer Zeit als konstitutionelle Monarchie bezeichnen könnte: Israels Könige würden keine autonome Macht haben. Sie würden immer den Gesetzen des Sinai-Bundes und den Worten der Propheten unterworfen sein. Das Königtum in Israel wäre in die Bundesstruktur der Theokratie integriert und stünde im Einklang mit der fortdauernden Souveränität des Herrn über das Volk, da es als Mittel für die Herrschaft des Herrn über sein Volk dienen sollte.

Eckstein Bibelkommentar – Samuel

Saul & Samuel – 3

Und Saul sprach zu seinem Oheim: Er tat uns für gewiß kund, daß die Eselinnen gefunden seien. Aber die Sache von dem Königtum, wovon Samuel geredet hatte, teilte er ihm nicht mit.
Elberfelder 1871 – 1 Sam 10,16

Saul berichtete seinem Onkel: „Er hat uns gesagt, dass die Esel schon gefunden worden sind.“ Doch was Samuel über die Königsherrschaft gesagt hatte, verschwieg er.
neue Welt Übersetzung – 2018 – 1 Samuel 10,16

Saul sprach zu seinem Oheim: Er hat uns kundgetan, dass die Eselinnen gefunden seien. Von der Verheißung der Königswürde aber, die Samuel ihm gegeben, sagte er ihm nichts.
Allioli Bibel – 1.Samuel 10,16

Die einen meinen ja, dass Saul demütig war, und deshalb kein Wort über das Königtum sagt. Aber vielleicht war ihm die Aufgabe zu viel? Oder es war ihm peinlich, dass er die „gleich nebenan wohnenden“ Philister nicht vertrieb?

Als Saul zum Altar in Gibea kam, traf er seinen Onkel (vielleicht Ner, der Vater von Abner, vgl. 14,50), der ihn fragte, wo er gewesen sei. Als Saul ihm erzählte, dass er auf der Suche nach den verlorenen Eseln seines Vaters gewesen war und Samuel um Hilfe gebeten hatte, wollte sein Onkel wissen, was Samuel ihm gesagt hatte. Saul sagte, Samuel habe ihm gesagt, dass die Esel gefunden worden seien, aber er habe seinem Onkel nichts über das Königtum gesagt. Man kann sich fragen, warum Saul so zögerlich war, diese bedeutsame Nachricht mit einem Mitglied seiner eigenen Familie zu teilen. Lag es an seiner Schüchternheit oder Bescheidenheit? Lag es an der Angst vor einer negativen Reaktion auf eine Behauptung, die mit großer Skepsis betrachtet werden könnte? Oder ist dies ein erster Hinweis darauf, dass Saulus persönliche Vorbehalte bezüglich seiner Rolle in Gottes Plan für sein Leben hat (van den Berg 1996a:87)? Obwohl Saulus ein neues Herz bekommen hatte (1.Samuel 10,9) und der Heilige Geist auf ihn gekommen war (1.Samuel 10,10), ist dies ein Hinweis darauf, dass er nicht ganz bereit war, die ihm übertragene Aufgabe voll und ganz anzunehmen? Dafür, dass eine solche Schlussfolgerung gerechtfertigt sein könnte, spricht vielleicht auch die Tatsache, dass Saulus nichts gegen den phil. Vorposten oder Statthalter (siehe Anmerkung zu 10:5) in seiner Heimatstadt unternahm, obwohl Samuel ihn dazu beauftragt hatte (1.Samuel 10:5, 7).

J. Robert Vannoy – Eckstein Bibelkommentar – Samuel

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