Kategorie: jehovah-shammah

Weil nun Jesus erkannte, dass sie kommen und ihn ergreifen wollten, um ihn zum König zu machen, entwich er wiederum auf den Berg, er allein.

Da nun Jesus erkannte, daß sie kommen und ihn ergreifen wollten, auf daß sie ihn zum König machten, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.
Elberfelder 1871 – Johannes 6,15

Jesus wusste (- oder merkte. -), dass sie als nächstes kommen und versuchen würden, ihn mit Gewalt (- wörtlich ihn gewaltsam wegzuführen, um ihn -) zum König zu machen. Deshalb zog er sich wieder auf den Berg zurück, um allein zu sein.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Johannes 6:15

Jesus merkte, dass sie im Begriff waren, zu kommen und ihn wegzureißen, damit sie ihn zum König machten, und zog sich wieder auf den Berg zurück, er allein.
Jantzen & Jettel 2017 – Joh 6,15

Da nun Jesus merkte, daß sie kommen und ihn haschen würden, daß sie ihn zum König (Nur Johannes berichtet von dieser Absicht des galiläischen Volkes, was am besten beweist, daß sein Evangelium im messianischen Sinne aufzufassen ist; mit alexandrischer Religionsphilosophie hat es nicht zu tun.) machten, entwich er wiederum auf den Berg, er allein.
Die vier Evangelien des Reinhardt – Joh 6:15

Den Vers 14 hatten wir ja schon

Aber warum „flieht Jesus“ vor den Menschen?
Hier ein paar unterschiedliche Ansichten zu diesem Vers:

γνούς Aor. Ptz. γινώσκω, kaus. ἔρχεσθαι Inf. ἁρπάζειν Inf. ἁρπάζω rauben, fortschleppen; (durch Anwendung v. Gewalt) wegführen, entfernen, entführen (B 2a). ποιήσωσιν Aor. Konj. ποιέω m. doppeltem Akk. (H-S § 153b) etwas zu etwas machen (B I1bι); als AkkO erg. αὐτόν (A79). ἀν-ε-χώρησεν Aor. ἀνα-χωρέω weggehen, sich entfernen; sich zurückziehen (B 2b). εἰς auf. αὐτὸς μόνος für sich selbst, er allein (B αὐτός 1f).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Ἰησοῦς{N-NSM} οὖν{CONJ} γνοὺς{V-2AAP-NSM} ὅτι{CONJ} μέλλουσιν{V-PAI-3P} ἔρχεσθαι{V-PNN} καὶ{CONJ} ἁρπάζειν{V-PAN} αὐτόν,{P-ASM} ἵνα{CONJ} ποιήσωσιν{V-AAS-3P} αὐτὸν{P-ASM} βασιλέα,{N-ASM} ἀνεχώρησεν{V-AAI-3S} εἰς{PREP} τὸ{T-ASN} ὄρος{N-ASN} αὐτὸς{P-NSM} μόνος.{A-NSM}
Da Jesus erkannte, dass sie beabsichtigten, zu kommen und ihn zu ergreifen, damit sie ihn zum König machten, zog er sich auf den Berg zurück, er allein.

Mit der Konjunktion ἵνα („damit“) wird die Absicht eingeleitet, weswegen die Menschen Jesus ergreifen wollten. Zum Ausdruck ποιήσωσιν βασιλέα („sie machten zum König“) vgl. Diodorus Siculus, Bibliotheca historica 4.9,4 „ὅτι τὸν κατ’ ἐκείνην τὴν ἡμέραν Περσειδῶν γεννώμενον ποιήσει βασιλέα“. „dass er den an jenem Tag Geborenen zum König der Perser machen werde“.

P. Streitenberger – Das Johannesevangelium

Schon jetzt aber „weiß“ Jesus, daß die Menschen, die das „Zeichen“ miterlebten, seinen Sinn nicht begriffen haben. Ihr tiefes Mißverstehen deutet er hier in einem irdisch-politischen Sinn: Sie wollen ihn mit Gewalt entführen (ἁρπάζειν) und zum Messiaskönig, d. h. zum nationalen Befreier machen. Eine solche Aktion ist gerade den Galiläern, aus denen das Zelotentum hervorgegangen war, zuzutrauen3, so daß die Bemerkung geschichtlich ihre Mentalität trifft. Ein irdisch-politisches Königtum aber ist für den Evangelisten die ungläubige Verkennung des wahren Königtums Jesu, wie der Prozeß vor Pilatus enthüllt (18, 33–37; 19, 12–15). „König“ ohne jeden Zusatz bedeutet hier dasselbe wie „König der Juden“, jene negative Bezeichnung, die in der Anklage gegen Jesus und im Verhör die entscheidende Rolle spielt (18, 33. 39) und als Grund der Verurteilung am Kreuz angegeben ist (19, 19. 21). Als positiven Christustitel läßt der Evangelist nur „König Israels“ gelten (vgl. zu 1, 50); nur diese Akklamation macht ihm die Huldigung des Volkes beim Einzug Jesu in Jerusalem annehmbar(12, 13).
Darum hat auch Jesu Entweichen auf den Berg („wiederum“, weil dieser schon einmal genannt wurde, V 3) nicht den Sinn oder wenigstens nicht den Hauptsinn, historisch seine Absage an solche politischen Bestrebungen festzuhalten. Das allen Nachdruck tragende „er allein“ deutet vielmehr seine einsame Nähe zu Gott an, in die er sich bewußt begibt, weil ihn die Menschen nicht verstehen. Auch Moses hatte allein den Gottesberg bestiegen, „und sodann verhüllte die Wolke den Berg“ (Ex 24, 15). Das „Alleinsein“ des joh. Christus bedeutet auch ein Zusammensein mit seinem Vater (vgl. 8, 16. 29; 16, 32).

Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Die Reaktion der Menschen – und die Antwort Jesu auf ihre Reaktion – sind beide sehr aussagekräftig. Erinnern Sie sich daran, wie Johannes der Täufer nachdrücklich verkündete, dass er nicht der Messias ist und auch nicht „der Prophet“ (1,20–21)? In Vers 14 wird „der Prophet“ erneut erwähnt: der „Prophet wie Mose“, der in 5. Mose 18 verheißen wird; der kommende große Anführer, der für das Volk das tun würde, was Mose getan hatte: Er würde sie aus der Sklaverei in die Freiheit führen.
Die Zuhörer Jesu wechseln schnell vom „Propheten“ zum „Messias“ über, mit anderen Worten: zum „König“. Wenn Jesus der große Prophet ist, der schon so lange verheißen war, dann soll er jetzt auch die Menschen anführen. Dies ist äußerst ironisch; natürlich glaubt Johannes und möchte auch uns zum Glauben führen, dass Jesus der Messias ist, dass er tatsächlich der Prophet wie Mose ist. Aber die Reaktion der Menge zeigt, dass sie beide Aussagen in Bezug auf Jesus ziemlich unzulänglich versteht. Fast im gesamten restlichen Kapitel versucht Jesus, sie zu einem tieferen und wahrhaftigeren Verständnis zu führen. Wir müssen hoffen und beten, dass dieses Kapitel auch auf uns die gleiche Wirkung haben wird.

Wright – Johannes für heute

Aufgrund des Wunders, das Jesus getan hatte, wollten sie »ihn zum König … machen«. Und wieder: Wäre Jesus ein normaler Mensch gewesen, hätte er ihnen ihre Bitte sicherlich bereitwillig erfüllt. Menschen sind zu sehr darauf bedacht, Ansehen zu erwerben und Macht zu erhalten. Doch Jesus wurde durch solche, auf Stolz oder Geltungsbedürfnis abzielende Appelle nicht bewegt. Er wusste, dass er in die Welt gekommen war, um für Sünder als Stellvertreter am Kreuz zu sterben. Er würde nichts tun, was diesem Ziel entgegenstände. Er würde erst den Thron einnehmen, wenn er den Opferaltar bestiegen hatte. Er musste leiden und sterben, ehe er erhöht werden konnte.
F. B. Meyer schreibt:
Bernhard von Clairvaux hat dazu gesagt: Jesus floh immer dann, wenn sie ihn zum König machen wollten, und war immer zur Stelle, wenn sie ihn kreuzigen wollten. Mit diesem Wissen vor Augen sollten wir nicht zögern, die edlen Worte des Gatiters Ittai zu übernehmen: »So wahr der HERR lebt und mein Herr, der König, lebt, wahrlich, an dem Ort, wo mein Herr, der König, sein wird, sei es zum Tod, sei es zum Leben, nur dort wird dein Knecht sein« (2. Sam 15,21). Und Jesus wird sicherlich so antworten, wie David einem anderen Flüchtling antwortete, der kam, um sich mit ihm eins zu machen: »Bleibe bei mir, fürchte dich nicht! Denn wer nach meinem Leben trachtet, trachtet auch nach deinem. Bei mir bist du in Sicherheit (1. Sam 22,23; Anm. d. Übers.).«21

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Wie sachkundig läßt uns Johannes nun die Stärke der zelotischen Bewegung in Galiläa sehen. Leidenschaftlich schaute man dort nach dem „König“ aus, der Israel von der Fremdherrschaft befreien und die verheißenen Zeiten des Friedens und des Überflusses für Israel heraufführen wird. Sollte Jesus, dieser zweite Mose, nicht der rechte Mann dafür sein? War der König in Rom mit seiner Militärmacht noch zu fürchten, wenn Gottes Wundermacht diesem Jesus so sichtbar zur Seite stand? Er soll unser König werden! Dann hat alle Not ein Ende. Und wenn er selber noch nicht wagt, seine Aufgabe zu erfassen, dann greifen wir ein, „um ihn zum König zu machen“ und sein Zögern zu überwinden.
Jesus spürt, was hier im Gange ist. Läßt er es geschehen? „Da Jesus nun merkte, daß sie kommen wollten und sich seiner bemächtigen, um ihn zum König zu machen, zog er sich wieder in das Gebirge zurück, er allein.“
Warum weicht er aus? Hatte Jesus nicht jetzt in Galiläa gefunden, was er in Jerusalem vergeblich zu gewinnen suchte? Dort erregte er mit seinen Taten und mit seinem Zeugnis Widerstand und Ablehnung bis zum tödlichen Haß. Und hier drängen sie vorwärts und wollen ihn ihrerseits zum König, zum Messias machen. Ist hier nicht seine Sendung begriffen und anerkannt? Nein, hier kommen sie nicht zu ihm, weil sie die eigene Verlorenheit erkannten und in ihm „den Retter der Welt“ ergreifen wollten. Diese Galiläer hier sind noch ungebrochen in ihrer Selbstherrlichkeit. Sie unterwerfen sich ihm nicht, weil sie sein göttliches Königtum wahrhaft erkannt haben, sondern sein Königtum soll die Tat ihrer Entschlossenheit sein. Der König, den sie „machen“, weil er ihnen mit seiner wunderbaren Speisung gefällt, ist das völlige Gegenteil von dem, was Jesus als der von Gott gesandte Sohn war und sein wollte. Die Kluft zwischen ihm und den Galiläern ist anderer Art als die Kluft zwischen ihm und den Frommen in Jerusalem. Für das Gesetz und seine genaue Einhaltung eifern die Galiläer nicht. Aber sie eifern in der ungebrochenen Eigensucht des Zelotismus für ein „Reich Gottes“, das ihren irdischen Wünschen entspricht. Es ist ein „Reich Gottes“, in das man „ohne Geburt von oben“ hineinkommen kann. Darum wird der Botschaft Jesu: „Wenn ein Mensch nicht von neuem geboren wird, kann er die Königsherrschaft Gottes nicht sehen“, auch von den einfachen Galiläern der gleiche Widerstand entgegengesetzt wie von den Schriftgelehrten Jerusalems. Das wird sich bald sehr deutlich zeigen.

de Boor – Wuppertaler Studienbibel

Angesichts des Zeichens (sEmeion) der Brotvermehrung erinnerten die Menschen sich an Moses Vorhersage, daß ein Prophet, der ihm glich, in die Welt kommen sollte (5Mo 18,15). Mose hatte dem Volk zu essen gegeben und es aus der Knechtschaft geführt. Ebenso hatte Jesus den Menschen zu essen gegeben, und nun hofften sie, daß er sie auch aus der Knechtschaft der verhaßten Römer befreien würde.
Die Menschen sahen das Zeichen, doch sie deuteten es falsch. Sie versuchten, Jesus zu ergreifen, um ihn zum König zu machen. Jesus stand hier auf dem Höhepunkt seiner Popularität – eine große Versuchung für ihn. War es möglich, daß er das Gottesreich errichtete, ohne zuvor am Kreuz zu sterben? Nein. Er würde das Reich aus den Händen des Vaters empfangen (vgl. Ps 2,7-12; Dan 7,13-14), es würde nicht von dieser Welt sein (Joh 18,36). Der Weg des Vaters führte in eine andere Richtung. Bevor Jesus zum herrschenden Löwen Judas werden konnte, mußte er zum Lamm werden, das die Sünde der Welt trägt (Joh 1,29).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Die Menschen haben aus dem Wunder also mit Recht den Schluss gezogen, Jesus müsse der Messias sein. Doch nun kommt es nach Vers 15 zu einer dramatischen Entwicklung:
»Jesus erkannte, dass sie kommen wurden.« Das kann eine rationale Einschätzung, die die Absicht der von einer messianischen Begeisterung Erfassten richtig deutete, oder auch eine Erkenntnis im Heiligen Geist gewesen sein (vgl. Joh 2,25). »Und ihn in ihre Gewalt bringen wurden, um ihn zum König zu machen«:
5000 messianisch begeisterten Männern konnte er, menschlich betrachtet, wenig entgegensetzen. Die Leidenschaft eines jüdischen Volksauflaufes lässt sich an Apostelgeschichte 21,30ff. ablesen. Doch warum vertraute derselbe Jesus, der soeben das Wunder der Speisung der Fünftausend vollbracht hatte, nicht auf ein zweites Wunder, durch das ihn etwa die Engel Gottes retten würden? Hier liegt eben der Unterschied zwischen Jesus und dem Schwärmertum. Jesus zwingt den Vater nicht, ohne Aufhören Wunder zu tun, und taumelt nicht von einem Wunder zum andern. Er lebt in bescheidener Nüchternheit. Wenn er sich durch einfache Mittel der Menge entziehen kann, braucht er keine Wunder. Ähnlich sagte der schwäbische Gottesmann J. A. Bengel im 18. Jh.:
»Wenn man gewöhnliche Mittel brauchen kann, So gebrauche man keine ungewöhnlichen.«
Was für eine Art von »König« er sein sollte, lässt sich aus den Quellen noch nachzeichnen. In den pharisäischen Psalmen Salomonis betete man für den Messias (= König):
»Gürte ihn mit Kraft, dass er ungerechte Herrscher zerschmettere, Jerusalem reinige von den Helden … Mit eisernem Stabe zerschmettere er all ihr Wesen, vernichte die gottlosen Helden mit dem Worte seines Mundes« (Joh 17,22ff.). In der qumran -essenischen Kriegsrolle heißt es über den Erlösungskrieg der Endzeit:
»Die Herrschaft der Kittäer (= Römer) damit Gottlosigkeit gedemütigt werde, ohne Rest und es Rettung nicht gebe für alle Söhne der Finsternis« (1 Qm 1,6ff.). Wir wissen, dass diese falsche messianische Erwartung den jüdischen Staat zugrunde richtete.
Immer wieder hat man Jesus in diese Richtung drängen wollen (vgl. Joh 12,13; 18,33.37.39; 19,3.12). Sogar von seiten der Jünger wurde solches versucht (vgl. Lk 19,11; 24,21; Apg 1,6)! Jesus aber sieht seinen Auftrag darin, die Menschen aus der Gewalt der Sünde, des Teufels und des Todes zu erlösen, indem er den Sühnetod am Kreuz stirbt (vgl. Mt 1,21; 20,28; Joh 3,16ff.; Joh 19,30). Deshalb »entwich er«. Es muss für ihn eine furchtbare Anfechtung gewesen sein, den Weg des militärischen und politischen Triumphes zu beschreiten und nicht selbst zu leiden, sondern andere für sich leiden zu lassen. Wie stark die Anfechtung war, sehen wir aus der Notiz in Matthäus 14,23 und Markus 6,46, wonach er »ins Gebirge« (zur Übersetzung »Gebirge« statt »Berg« vgl. die Erklärung zu V. 3) ging, um zu beten. Die Situation muss ähnlich der in der Versuchungsgeschichte gewesen sein (vgl. Mt 4,8ff.; Lk 4,5ff.). Auch dort hatte Jesus den Kampf »allein« auszufechten. Es ist geradezu teuflisch, dass ihm die Ankläger im Prozess genau das vorwerfen, was er nicht gewollt und nicht getan hat:
Er habe »sich selbst zum (politischen) König gemacht« (Joh 19,12). Aber handeln heute diejenigen besser, die die Kirche zu einer politischen Befreiungsbewegung machen wollen?
Überlegen wir kurz, was geschehen wäre, weil Jesus damals der Versuchung nachgegeben hätte. Tausende wären mit ihm gezogen, bereit, für ihn zu sterben. Er hätte die Römer kraft seines »Genies« besiegt. Er wäre mehr geworden als ein zweiter Alexander. Es hätte sich erfüllt, was ihm der Teufel schon auf dem Berg versprach:»Alle Reiche der Welt will ich dir geben« (Mt 4,8ff.). Aber es hätte keine Sühne für unsere Schuld gegeben. Vor allen Menschen stünde den zweite Tod, die ewige Gottesferne. Der Heilsplan Gottes wäre zerstört, der Triumph des Bösen besiegelt.

Gerhard Maier – Edition C

Ebenso, wie die Leute den Herrn als Propheten falsch verstanden, verstanden sie Ihn auch als König falsch. Gewiß war er als „der König der Juden“ geboren worden (Mt 2,2), und die Hohenpriester wußten das aus Mi 5,2 und veranlaßten dadurch Herodes zu seiner grausamen Tat, mit der er seinen Thron retten wollte (Mt 2,3-18). Die an Maria geoffenbarte Wahrheit war hingegen, daß Gott Ihm den Thron Seines Vaters David geben würde (Lk 1,32). Gott würde es nicht Menschen erlauben, Seinen Heiligen auf den höchsten Thron auf Erde zu erheben; Er selbst würde Seinen König auf Seinem Heiligen Berg Zion einsetzen (Ps 2,6). Daher entzog sich der Herr dem Ansinnen der Leute; denn noch war Sein Reich nicht von dieser Welt (Joh 18,36). Er zog sich in die Einsamkeit zurück, um durch das nächste Zeichen zu demonstrieren, daß Er die höchste Autorität über die Nationen hatte.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Das in diesen Versen beschriebene Ereignis war eine direkte Folge des gerade von Jeschua vollbrachten Wunders, der Speisung der fünftausend Galiläer. Nach der Speisung schickte Jeschua seine Jünger mit dem Boot in das westliche Bethsaida (Markus 6:45). Er hatte vor, die Menschenmengen zu entlassen und sie nach Hause zu schicken (Matthäus 14:22), aber sie hatten gerade das Zeichen gesehen, das er getan hatte, und ihn für den Propheten aus Deuteronomium 18:15-18 erklärt (Johannes 6:14). Jetzt, da sie alle satt waren, wollten sie ihn zum König von Galiläa machen (Johannes 6,15). Ihr Motiv war, weiterhin körperlich gespeist zu werden. Als Jeschua merkte, dass sie ihn mit Gewalt zum König von Galiläa machen wollten, trennte er sich von ihnen und zog sich wieder allein auf den Berg zurück (Johannes 6,15). Es gelang ihm, dort allein zu sein (Matthäus 14,23) und er begann zu beten (Markus 6,46).

Jeschua lehnte das Angebot des Volkes, das Königtum über Galiläa zu übernehmen, aus drei Gründen ab. Erstens hatte die Führung Israels bereits die unverzeihliche Sünde begangen, als sie Ihn ablehnten, und damit hatten sie den Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gab. Es war zu spät für sie, ihn zum König zu krönen. Zweitens versuchten sie, ihn zum König von Galiläa zu machen; aber alttestamentliche Prophezeiungen, wie Psalm 2, erklärten, dass Jerusalem, nicht Galiläa, der Ort der Inthronisierung des Messias sein sollte. Drittens, ihr Motiv war falsch. Sie wollten ihn nur deshalb zum König machen, weil er ihre körperlichen Bedürfnisse befriedigt hatte, und ihnen gefiel die Vorstellung, ohne Arbeit satt zu werden. Jeschua kommentierte die falschen Motive, als Er diese Galiläer zu einem späteren Zeitpunkt traf (siehe § 78).

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Ich will ja nicht den Tod dessen, der stirbt, spricht der Herr, Gott, bekehret euch und lebet!

Denn ich habe kein Gefallen am Tode des Sterbenden, spricht der Herr, Jehova. So kehret um und lebet!
Elberfelder 1871 – Hesekiel 18,32

Denn nicht am Tode des Todeswürdigen hab’ ich Wohlgefallen, Ausspruch des Herrn, des Ewigen: So kehrt um und lebt!
Die Philippson-Bibel – Hesekiel 18:32

Denn nicht habe ich mein Gefallen an dem Tod des Gestorbenen, ist der Ausspruch meines Herrn, Gottes, der seine Liebe in Rechtswaltung hüllt — Veranlaßt zur Umkehr und lebet!
Rabbiner Dr. Joseph Breuer – Hes 18,32

Denn ich habe kein Gefallen am Tod dessen, der stirbt, spricht der Herr, der Ewige. So kehrt um und lebt!
Streitenberger – Der Tanach Deutsch – Hes 18:32

Wenn ich mir die verschiedenen Plattformen anschaue, dann habe ich den Eindruck, dass es vielen heute „Spaß macht“ andere Menschen sterben zu sehen! Da postet man, wie man im Krieg mit Drohnen die Soldaten auf der anderen Seite umbringt. Oder wie man ganze Boote mit Bomben ,mit samt der Menschen darauf, zerstört. Und irgendwie habe ich den Eindruck, dass das Leben eines Menschen immer weniger Wert ist. Und Jehovah – wie sieht ER das Töten von Menschen?

Israel hatte Gott Ungerechtigkeit vorgeworfen. Nun wandte Gott das Blatt. Handle ich etwa ungerecht? Handelt nicht vielmehr ihr ungerecht? (Vgl. V. 29 ; Hi 40,8 .)
Hesekiel erinnerte Israel daran, daß jeder einzelne aus dem Volk für seine Sünde verantwortlich war. Ich will dich richten, jeden nach seinen Wegen . Wenn Israel fiel, dann wegen der Sünden seiner eigenen Generation. Wegen dieser Sünden mußte das Volk umkehren, wenn es Hoffnung auf Rettung haben wollte. Israel brauchte eine geistliche Erneuerung. Die Menschen müssen ihre Übertretungen loswerden und ein neues Herz und einen neuen Geist bekommen (vgl. Hes 11,19; 36,26 ). Leben oder Tod hing davon ab, wie die Menschen persönlich Gott antworteten. Wer sich auch weiter gegen Gott auflehnte, würde sterben. Wer Buße tat und von der Sünde umkehrte, würde leben.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Die Exilanten bemängeln immer noch Gottes Charakter. Selbst nachdem er sein System der Gerechtigkeit erläutert hat, stößt Gott auf weiteren Widerstand. Seine Argumente genügen nicht. Gottes Verärgerung über die falsche Anklage drückt sich deutlich in der Art und Weise aus, wie er sie am Ende seiner Theologiestunde anspricht: „Hört, ihr Israeliten“ (18,25)!24 Hört die Wahrheit! Hört zu, ihr Zuhörer. Er dreht den Spieß um. Das Problem ist nicht Gottes Charakter, es ist euer Charakter! Eure Wege sind nicht gerecht oder „geregelt“ (18:25, 29). Er stellt ihren Charakter und ihr Verhalten in Frage (siehe auch 33,17). Die Aussagen „nehmt euch ein neues Herz“ (25 ) und „tut Buße und lebt“ (18,32; vgl. 14,6; 33,10) verpflichten sie zu dem von Gott gewollten Handeln, zu einer moralischen Verantwortung, richtig zu leben. Die Originalsprache legt die Lesart „kehrt um“ und „wendet euch um“ nahe, die das Ziel präziser erfasst (siehe 18,31). Obwohl es unmöglich ist, Gottes Urteil über Jerusalem rückgängig zu machen (vgl. 2,8; 7,1), fordert er die Exilanten auf, ihren Lebensstil so zu ändern, dass sie in ihrer gegenwärtigen Situation davon profitieren können.

Donna Petter – Hesekiel

Nachdem JHWH die Bedeutung der individuellen Verantwortung erläutert hatte, forderte er sein Volk in den Versen 30-32 zur Umkehr auf:
30 Darum will ich euch richten, Haus Israel, einen jeden nach seinen Wegen, spricht der Herr, JHWH. Kehrt um und bekehrt euch von all euren Übertretungen, damit die Ungerechtigkeit nicht euer Verderben ist. 31 Verwerft alle eure Übertretungen, die ihr begangen habt, und schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist; denn warum wollt ihr sterben, o Haus Israel? 32 Denn ich habe kein Gefallen am Tod dessen, der stirbt, spricht der Herr JHWH; darum wendet euch und lebt.

Der Aufruf zur Umkehr beginnt in Vers 30a mit der Feststellung, dass Gott tatsächlich die Sünde richtet. Aufgrund all dessen, was er in den Versen 1-29 gesagt hat, beabsichtigte JHWH, das Haus Israel zu richten, sowohl national als auch individuell. Die Grundlage für dieses Gericht wären die Wege des Volkes. Mit anderen Worten: Gott würde sie nicht nach den Sünden ihrer Vorfahren beurteilen, sondern nach ihrem eigenen Verhalten.
In Vers 30b fordert JHWH sein Volk auf, zu ihm umzukehren und all seine Übertretungen aufzugeben. Der Grund für diese Aufforderung ist, dass die Missetaten nicht zum Verhängnis für Juda werden sollten. Wenn das Volk auf seinem bisherigen Weg beharrte, würden seine Sünden unweigerlich zu einem Stolperstein werden und zu seinem Untergang führen. Wenn sie jedoch umkehrten, könnten sie die in Deuteronomium 30:16 versprochene Langlebigkeit genießen, selbst wenn sie in Gefangenschaft wären.
In Vers 31 wird erklärt, was Umkehr bedeutet. JHWH wies sein Volk an, alle ihre Übertretungen abzulegen. Anstatt in der Sünde zu verharren, sollten sie sich ein neues Herz und einen neuen Geist schaffen. Ein „neues Herz“ steht für den Glauben und ein „neuer Geist“ für die Wiedergeburt. 188 Buße bedeutet also mehr als nur das Bekennen von Sünden. Sie erfordert eine endgültige Abkehr von den Sünden, die man bekennt. Der Grund, warum sich die Exilanten an diese Ermahnung halten sollten, ist, dass dies einen frühen Tod verhindern würde. Die Umkehr war der einzige Weg, um den in Vers 30b erwähnten Stolperstein der Ungerechtigkeit zu vermeiden.
Kapitel 18 schließt in Vers 32 mit einer Bekräftigung des Wunsches Gottes. Er hatte kein Vergnügen am Tod seines Volkes. Wenn jemandem ein vorzeitiger Tod drohte, dann wegen bestimmter Verstöße gegen das mosaische Gesetz. Deshalb sollten sie umkehren, Buße tun und leben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kapitel 18 die eigene Verantwortung Judas für das bevorstehende Gericht betont. Mit der Inbrunst und Dringlichkeit des liebenden Gottes, der er ist, beschwört JHWH sein Volk, seine Rolle bei der Gestaltung seiner Zukunft anzuerkennen. Trotz der Schlechtigkeit ihrer Vorfahren oder ihres eigenen Götzendienstes in der Vergangenheit hatten sie die Macht, das Todesurteil zu vermeiden. Indem sie dem Beispiel des in den Versen 14-18 beschriebenen gerechten Sohnes folgten oder sich an das in den Versen 21 und 27-28 beschriebene Prinzip der Umkehr hielten, konnten sie die im mosaischen Gesetz versprochene Langlebigkeit erlangen.

Arnold Fruchtenbaum – Ariels Bibelkommentar: Das Buch Hesekiel

Am Schluss betont der Herr: »Ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden« (V. 32). Damit wird die Aussage von V. 23 noch einmal bekräftigt. – Das ganze Kapitel wird zur Evangelisation, wenn wir am Ende den Ruf hören: »Also bekehrt euch, und ihr werdet leben!«

Maier – Wuppertaler Studienbibel

Wir sehen also, dass Jehovah den Tod auch von schuldigen Menschen NICHT will – und erst Recht hat Jehovah Sein Volk Israel NICHT verworfen! Wir werden in naher Zukunft sehen, dass Jehovah für Sein Volk eintreten wird!

Nur Dumpfbacken zeigen allen, dass sie nichts draufhaben.

Jeder Kluge handelt mit Bedacht; ein Tor aber breitet Narrheit aus.
Elberfelder 1871 – Sprüche 13,16

Jeder Kluge handelt nach Erkenntnis, der Tor aber verbreitet Narrheit.
Die Philippson-Bibel – Sprüche 13:16

Jeder Kluge handelt mit Kenntnis,
der Unverständige aber breitet seine eigene Bosheit (offen) aus.
Septuaginta Deutsch – Spr 13,16

Jeder umsichtige Mensch handelt mit Voraussicht,
doch ein Narr stellt seine Torheit zur Schau.
das Buch – Spr 13:16

Schon erstaunlich, wie viele Menschen nur schlechtes über „ihre Mitbrüder“ zu erzählen haben – und damit zeigen, wo sie wirklich stehen… Auch können die meisten Menschen einfach die Meinung „ihres Bruders“ nicht stehen lassen, und müssen „ihm ihre Meinung aufdrücken“. Was könnten wir da lernen, wenn wir auch Christus schauen?

Das Verhalten eines Menschen offenbart seinen Charakter. Wenn jemand klug ist, wird das in seiner verantwortungsbewussten Handlungsweise zum Ausdruck kommen. Ein Narr breitet seine Narrheit öffentlich und für jedermann sichtbar aus.

MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

Normalerweise stimmt der Wandel eines Menschen mit seinem Charakter überein (vgl. Sprüche 4,23-24 ). Wer Einsicht hat, legt Klugheit an den Tag ( ZArUm , „scharfsinnig“ im guten Sinne; vgl. den Kommentar zu Sprüche 12,23; vgl. Sprüche 12,16 ), aber ein Narr macht seine Torheit offenbar (vgl. Sprüche 12,23 b) „wie ein Hausierer, der seine Waren vor den Augen aller Menschen ausbreitet“ (Crawford H. Toy, A Critical and Exegetical Commentary on the Book of Proverbs , S. 273).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Dieser Spruch erinnert an 12,23, nur ist dort das Reden beschrieben und hier die Tat. Der Tor breitet die Taten, an denen seine Unvernünftigkeit abgelesen werden kann, zur Ansicht aus wie ein Händler seine Ware. Er wird sogar davon überzeugt sein, daß dieses Gebaren für ihn vorteilhaft ist. Am gegenüberliegenden Stand wirkt der Gescheite. Allen seinen Taten ist die Erkenntnis anzusehen, die er in sie investiert hat.

Dietrich – Wuppertaler Studienbibel

Klug ist, wer »mit Wissen« handelt. Das bedeutet, dass der Kluge sich zuerst Wissen angeeignet hat und dass er erst handelt, wenn er sich gut überlegt hat, wie sein Handeln sich mit allem verträgt, was er über Gott und über sich weiß. Der Tor hat kein rechtes Wissen, und er handelt entsprechend und »verbreitet« damit nur »Narrheit«. Erstens sagt er allen mit seinem Tun, dass er ein Tor ist (Pred 10,3), und zweitens bestärkt er andere in der gleichen Torheit (vgl. V. 20).

Benedikt Peters – Das Buch der Sprüche

Dieser und der vorhergehende Vers gehören zusammen: Weisheit erfordert Konzentration; Torheit ist das Kennzeichen der Zerstreutheit. Die Disziplin der Weisheit lehrt dich, wie du deine Aufmerksamkeit bündeln und deinen Geist konzentrieren kannst, damit du hinter die Oberfläche der Dinge blicken und das einheitliche Zentrum erkennen kannst. Wer dies tut, kann die Folgen seines Handelns erkennen und ist daher in der Lage, weiser zu handeln. Wer dazu nicht in der Lage ist, handelt im Moment und ist vom Nächsten überrascht und oft beunruhigt.

Shapiro – SkyLight Illuminations Series – Proverbs: Annotated & Explained

Wenn wir versuchen, Gottes Willen zu erkennen, müssen wir alle möglichen Fakten sammeln und sie bewerten, denn unsere Entscheidung muss auf Wissen und nicht auf Hörensagen beruhen. „Jeder kluge Mann handelt aus Wissen, aber ein Narr stellt seine Torheit bloß“ (Spr 13:16, NIV). „Wer auf eine Sache antwortet, bevor er sie gehört hat, für den ist es Torheit und Schande“ (18:13, NKJV). Das gilt sowohl, wenn wir jemand anderem antworten, als auch, wenn wir dem Herrn antworten. „Die Weisheit der Klugen besteht darin, dass sie über ihre Wege nachdenken, aber die Torheit der Toren ist Betrug“ (14:8, NIV). Wir müssen uns Zeit für eine ehrliche Betrachtung der Fakten nehmen.

Gott erwartet von uns, dass wir unseren Verstand gebrauchen und Pläne machen, aber er erwartet auch, dass wir ihm diese Pläne vorlegen und ihm die endgültige Entscheidung überlassen. „Die Pläne des Herzens gehören dem Menschen, aber die Antwort der Zunge kommt vom Herrn“ (16,1, NIV). „Überlasse alles, was du tust, dem Herrn, und deine Pläne werden gelingen“ (V. 3, NIV). Wenn wir uns dem Herrn hingeben und unsere Pläne nicht seine Pläne sind, wird er uns zeigen, was richtig ist, und uns von dem abhalten, was falsch ist. „Und wenn ihr in irgendeinem Punkt anders denkt, wird Gott euch auch das klar machen“ (Phil 3,15, NIV). „In seinem Herzen plant der Mensch seinen Weg, aber der Herr bestimmt seine Schritte“ (Spr 16:9, NIV).

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

„Er soll jetzt dein Sohn sein!“

Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger, welchen er liebte, dabeistehen, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, dein Sohn!
Elberfelder 1871 – Johannes 19,26

Als nun Jesus [seine] Mutter sah und den Jünger, den er liebgewonnen hatte, dabeistehen, sagt er zu seiner Mutter: „Frau, siehe!, [da ist] dein Sohn.“
Leonberger Bibel – byzantinischen Text von Robinson-Pierpont 05 – 2020 – Joh 19,26

Als Jesus nun [seine] Mutter sah, und dass der Jünger, den er besonders mochte, ihr beistand, sagt er zu [seiner] Mutter: „Frau, sieh, dein Sohn!“
Leonberger Bibel – Nestle-Aland 28 – 2015 – Joh 19:26

Jesus sah seine Mutter und den Schüler, den er besonders lieb hatte, und sagte zu seiner Mutter: »Frau, schau, das ist jetzt dein Sohn!
Das Buch – 2009 – Johannes 19:26

Den Vers 27 hatten wir schon einmal … also heute nur Ergänzungen:

damals schrieb ich :
Jesus sorgte sich auch in den letzten Minuten um seine Mutter- Sein Verhältnis zu ihr hatte sich nicht verändert. Kein „wir sehen uns ja bald wieder“ – sondern aktive Hilfe für den sofortigen Augenblick.

ἰδών Aor. Ptz. ὁράω, temp. παρ-εστῶτα Pf. (Wz.-Pf., H-S § 109a; m. präs. Bdtg.) Ptz. -ίσταμαι, AcP (A300); Ἰησοῦς οὖν ἰδὼν τὴν μητέρα καὶ τὸν μαθητὴν παρεστῶτα als Jesus seine Mutter und neben ihr den Jünger stehen sah. ἠγάπα Ipf. ἀγαπάω hier im Sinn v. besonders lieb haben. λέγει V. 4, ebenso V. 27. γύναι Vok. γυνή. ἴδε V. 4

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Trotz seiner eigenen Leiden hatte Jesus noch liebevoll auf andere acht. Als er seine »Mutter« und »den Jünger« Johannes sah, stellt er ihr Johannes als den vor, der nach seinem Tod den Platz ihres Sohnes einnehmen sollte. Indem er seine Mutter mit »Frau« ansprach, ließ er keineswegs Respektlosigkeit ihr gegenüber erkennen. Doch ist es bemerkenswert, dass er sie nicht »Mutter« nennt. Ist das eine Lehre für diejenigen, die versucht sein könnten, Maria auf einen Platz zu erheben, an dem sie angebetet wird? Jesus befahl Johannes hier, für Maria zu sorgen, als ob sie seine eigene Mutter sei. Johannes gehorchte und nahm Maria fortan »zu sich«.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Johannes erwähnt auch das Dabeisein seiner eigenen Mutter (Mt 27, 56) nicht. Daß er selber — offenbar im Unterschied zu allen andern Jüngern — bei dem sterbenden Herrn steht, erfahren wir nur dadurch, daß sich Jesus nun ausdrücklich an ihn wendet. Er kann seinem Herrn keinen Dienst leisten. Er kann den Sterbenden nicht stärken oder trösten. Auch von der Mutter hören wir kein Wort des Zuspruchs an den leidenden Sohn. Den Kelch des Vaters trinkt Jesus ohne Hilfe von Menschen. Aber auch in den Qualen und Beängstigungen des Kreuzestodes bleibt Jesus innerlich frei für die Menschen, die vor ihm stehen. Er handelt barmherzig und tröstlich an ihnen. „Als Jesus nun die Mutter sah und den Jünger, den er liebte, dabeistehen, sagt er zu der Mutter: Frau, da ist dein Sohn. Dann sagt er zu dem Jünger: Da ist deine Mutter.“
Wie in Kap. 2, 4 nennt Jesus auch jetzt Maria nicht „Mutter“, sondern redet sie als „Frau“ an. Er, der Sohn Gottes, gehört ihr nicht, wie sonst Söhne der Mutter gehören. Wie einst bei dem ersten Wunder auf der Hochzeit zu Kana, muß auch jetzt beim Ausgang seines Lebens der Abstand gewahrt bleiben, der „den Heiligen Gottes“ von der „Frau“ trennt, die ihn als Menschen geboren hat. Aber Jesus „sieht“ sie, und dieses sein „Sehen“ ist nicht ein bloßes äußeres Erblicken. Immer erfaßt das „Sehen“ Jesu mit ernster Liebe die wesentliche Lage des andern. So „sieht“ Jesus hier die Mutter, vor der das Witwenlos mit besonderer Schwere liegt. Helfen kann er ihr selber nicht mehr. Zu hinterlassen vermag er ihr nichts, nachdem die Soldaten ihm selbst die Kleider genommen. Aber er gibt ihr eine neue Heimat bei seinem Jünger Johannes. Damit tröstet Jesus zugleich Johannes selbst. Denn immer ist das der wirksamste Trost, wenn wir Aufgaben bekommen, bei denen unser verwundetes Herz seine Liebeskraft für andere einsetzen kann.

de Boor_2008 – Wuppertaler Studienbibel

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Jesus und der Apostel Johannes Cousins waren und dass dies das Hochzeitsfest des Johannes war. Im Matthäus-Evangelium lesen wir, dass Johannes der Sohn des Zebedäus war (Matthäus 4,21). Bei Matthäus lesen wir auch, dass die Mutter des Johannes, die Frau des Zebedäus, mit Maria am Kreuz war (Matthäus 27,56). Im Markusevangelium lesen wir, dass die Mutter des Johannes Salome hieß (Markus 15,40), und im Johannesevangelium lesen wir, dass Salome die Schwester von Jesu Mutter Maria ist (Johannes 19,25). Nach der Ausschlussmethode müssten die Mütter von Jesus und Johannes Schwestern sein, und somit wären Jesus und Johannes Cousins. Wenn Marias Neffe geheiratet hat, ist es nur natürlich, dass sie bei den praktischen Vorbereitungen der Hochzeit geholfen hat, was wiederum erklärt, warum sie sich Sorgen macht, dass der Hochzeitswein ausgegangen ist. Dass Johannes nicht namentlich erwähnt, wer geheiratet hat, entspricht dem Umstand, dass er sich in seinem eigenen Evangelium nie namentlich nennt. Es ist nicht möglich, mit Sicherheit festzustellen, dass dies die Hochzeit des Johannes ist, aber es ist auch nicht möglich, dies auszuschließen.

Christian Mölk’s Bibelkommentar

Im Nebensatz, der ein letztes Handeln Jesu gegenüber anderen vor seinem Tod einleitet, wird die Szenerie vervollständigt. Jetzt führt Johannes auch noch den Schüler, den Jesus liebte, als beim Kreuz stehend an. Jesus wendet sich jeweils an seine Mutter und ihn und weist sie einander zu: „Als nun Jesus seine Mutter erblickte und den Schüler, den er liebte, bei ihr stehen, sagte er seiner Mutter: ‚Frau, sieh doch, dein Sohn!‘ Danach sagte er dem Schüler: ‚Sieh doch, deine Mutter!‘ “ Diese Zuweisung hat zugleich den Charakter eines Gebotes. Sie ist das Letzte, was Jesus vor seinem Tod gebietet, und bekommt so den Charakter eines Vermächtnisses. Ihm wird sogleich entsprochen: „Und von jener Stunde an nahm sie der Schüler bei sich auf.“ Diese Stunde ist Jesu Stunde, von der er nach 13,1 wusste, dass sie gekommen sei. Nun erreicht sie mit Jesu Tod ihren Höhepunkt. Von dieser Stunde an, vom Kreuz Jesu her, nimmt der Schüler die Mutter Jesu bei sich auf, verhält er sich ihr gegenüber solidarisch. Es ist das genau gegenteilige Verhalten zu dem vorher geschilderten der Soldaten. Während sie den kärglichen Besitz Jesu an sich rafften, wird hier sein Vermächtnis erfüllt, einander zu lieben. Dieses Vermächtnis hat Jesus – im Wissen, dass seine Stunde gekommen sei – seinen Schülern in 13,34f. gegeben. Vom Kreuz herab konkretisiert er es jetzt gegenüber der Mutter und dem Schüler. So entsteht ein eindrückliches Bild dessen, worauf das Vermächtnis Jesu zielt: dass von seinem Kreuz herkommend solidarisch gehandelt wird. So ist dieser namenlose Schüler der ideale Schüler, mit dem sich alle identifizieren können und sollen.
Die Gestalt des Schülers, den Jesus liebte, steht an dieser Stelle nicht in einem unmittelbaren Gegenüber zu Simon Petrus. Es könnte aber eine implizite Gegenüberstellung mit der Szene beabsichtigt sein, in der dieser Jesus verleugnet. Dagegen harrt der ideale Schüler unter Jesu Kreuz aus und lässt sich von da einweisen in die geschwisterliche Gemeinde (vgl. 20,17).

Wengst – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Der Herr zeigte denen Seine Zuneigung, die treu zu Ihm hielten, dies trotz der Pein, die Er erlitt. Es ist unmöglich, darüber Gewißheit zu erlangen, ob dies vor oder nach den Stunden der Finsternis geschah; wir nehmen an vor, da Johannes Zeit hatte, die Mutter des Herrn wegzuführen und zum Kreuz zurückzukehren, um das Ende zu verfolgen. Es mag seltsam erscheinen, daß Johannes und die Frauen solche Nähe zum Kreuz aufsuchen konnten. Der Herr erkannte sie darin als jene, die Ihn liebten, dies im Gegensatz zu den Volksmengen, die ihn wie die Bienen umringt hatten (Ps 118,11.12).
 Der Herr spricht
. Johannes spricht in verdeckter Form von sich selbst als dem „Jünger, welchen der Herr liebte“. Als der Herr ihn sah, sprach Er zu seiner Mutter: „Weib, siehe, dein Sohn!“ Er lenkte ihre Aufmerksamkeit nicht auf ihre natürlich empfangenen Söhne, die, so weit wir es zu erkennen vermögen, bis zu Seiner Auferstehung noch ungläubig waren (Mt 12,46; Joh 2,12;7,3-5; Apg 1,14; 1Kor 15,7; Gal 1,19). Vielmehr lenkte Er ihre Aufmerksamkeit auf den Apostel Johannes.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

»Als nun Jesus die Mutter sah …, spricht er zu seiner Mutter«: Er denkt inmitten seiner Leiden an den Schmerz seiner Mutter und spricht zu ihr. Jesus ist der ewige Gottessohn; er ist Gott »offenbart … im Fleisch« (1Tim 3,16). Gerade das will uns das Johannesevangelium zeigen (1,1.14). Wir hätten wohl gedacht, es passe nicht zur Absicht gerade dieses Evangeliums, dass Johannes uns zeigt, wie Jesus sich in seiner Erhabenheit um die Bande kümmert, die ihn an Familie und Freunde knüpften. Doch es ist äußerst angemessen; denn Gott ist mächtig, aber er verachtet und übersieht niemanden (Hi 36,5). Er handelt erhaben in seiner Macht – und ist dabei ein Lehrer, der sich zu den Menschen neigt und zu ihnen spricht (Hi 36,22). Und so tut jetzt der Sohn Gottes. Er, der Maria erschaffen hatte, kümmert sich um sie und spricht zu ihr; sie soll wissen, dass sie nicht ohne Sohn bleibt, wenn ihr Erstgeborener und natürlicher Versorger sie jetzt verlässt. Und der »Jünger, den er liebte«, der später das Evangelium schrieb, soll wissen, dass sein Meister sich um seine Mutter sorgt.
Wenn Jesus seine Mutter mit »Frau« anspricht, hebt er ihre besondere Aufgabe und Bedeutung hervor. Sie ist jene Frau, von der Gott gesprochen hatte, als er zum ersten Mal einen kommenden Retter verhieß, den »Samen der Frau«, der die Macht des Bösen über den Menschen brechen sollte (1Mo 3,15). Da steht nun diese Frau und wird Zeugin dieses alles umwälzenden Geschehens: Ihr sterbender Sohn macht in seinem Tod den zunichte, der die Macht über den Tod hatte (Hebr 2,14), und führt unzählige Seelen vom Tod zum Leben.
Dass Jesus sie nicht mit »Mutter« anspricht, ist auch ein Ausdruck von Mitgefühl: »Es war ein Ausdruck großer Freundlichkeit, dass er sie mit ›Frau‹ ansprach … Das Wort ›Mutter‹ hätte das Schwert – von dem Simeon geweissagt hatte (Lk 2,35) – nur tiefer durch ihre Seele gebohrt. Hier am Kreuz wie bei der Hochzeit zu Kana verwendet der Herr das Wort ›Frau‹, damit Maria nicht mehr an ihn als an ihren Sohn denke; denn je mehr sie in ihm den Sohn sieht, muss sie umso mehr leiden, wenn sie ihn leiden sieht. Maria muss anfangen, Jesus als ihren Herrn anzusehen … Dann wird sie verstehen, dass sein Leiden zwar unbeschreiblich ist, aber herrlich, weil es einem herrlichen Ziel dient« (Hendriksen).

Benedikt Peters – Kommentar zum Johannes-Evangelium

die unverfälschte Lehre unseres Glaubens

Halte fest das (O. Habe ein) Bild (O. Umriß, Form, Muster) gesunder Worte, die du von mir gehört hast, in Glauben und Liebe, die in Christo Jesu sind. (O. ist)
Elberfelder 1871 – 2.Timotheus 1,13

Lass dir die gesunde Botschaft, die du von mir gehört hast, als Maßstab ´für deine eigene Verkündigung` dienen, und tritt für sie mit dem Glauben und der Liebe ein, die uns durch Jesus Christus geschenkt sind.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 2.Timotheus 1:13

Halte fest an dem Vorbild der gesunden Lehre, die du von mir gehört hast. Sie entfaltet sich im Vertrauen auf Gott und der tatkräftigen Liebe, die im Messias Jesus wohnt.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – 2.Tim 1,13

Halte fest – 2 Tim 3,14; Tit 1,9; Hebräer 10,23; Offb 2,25 – das Vorbild -Röm 2,20; 6,17 – der gesunden Worte – 1 Tim 1,10; 6,3. -, welche du von mir gehört – 2 Tim 2,2. – hast im Glauben und in der Liebe – 1 Tim 1,14 -, welche in Christo Jesu ist!
Abraham Meister – 2.Tim 1:13

Halte dich an die unverfälschte Lehre unseres Glaubens, wie du sie von mir gehört hast, und gib sie entsprechend weiter. Lass dich dabei von dem Glauben und der Liebe leiten, die wir in Jesus Christus haben.
Hoffnung für Alle 2015 – 2.Timotheus 1,13

Eigne dir durch Glauben und die durch den Messias Jesus gewirkte Hingabe einen Entwurf von gesund machenden Begriffen an, die du einmal bei mir vernommen hast!
Gottes Agenda – 2.Timotheus 1:13

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Christen die Grundlehren der Bibel nicht wirklich verstanden haben. Deshalb bieten wir seit vielen Jahren den „Grundkurs“ an. Kannst du anhand deiner Bibel erklären, warum Johannes „sein Evangelium“ mit genau diesen Worten beginnt – also worauf Johannes anspielt? Kannst du anhand deiner Bibel erklären, warum Jesus der „verheißene Jehovah“ des AT ist? Was bedeutet es, dass Jehovah „echad“ ist? Und wenn wir schon bei der Frage nach „deiner Bibel“ sind, wie oft liest du diese als richtiges Buch? Alle vier Jahre einmal durch, oder jedes Jahr einmal durch?


ὑπο-τύπωσις8 Muster, Vorbild. ἔχε Imp. ὑγιαινόντων Ptz. ὑγιαίνω (< ὑγιής gesund) gesund sein; attr.; ὑποτύπωσιν ἔχε ὑγιαινόντων λόγων ὧν halte das Vorbild (AkkO) gesunder Worte/Lehre fest, die od.: als Vorbild (Objektsartangabe/Obj.-Präd., A65) gesunder Worte/Lehre halte die (ὧν = τούτους ὧν, A358) fest, die. ἤκουσας Aor. ἀκούω, m. Gen. od. ὧν für οὕς (Attraktion des Rel.-Pron. [A360], B 1bβ).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Nachdem er Timotheus zunächst sein Leben als Beispiel für ein Leben in der Nachfolge Christi vor Augen geführt hat, wendet der Apostel sich nun dem Beispiel oder Vorbild (hypotypOsin; vgl. 1Tim 1,16) zu, das seine Lehre bietet. Timotheus soll die heilsamen Worte (vgl. 1Tim 1,10), die er von ihm gehört hat, als Wesenskern und Grundgerüst seiner eigenen Verkündigungstätigkeit betrachten und sich daran halten und sie im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus bewahren. Wer sich in den Dienst der Wahrheit stellt, braucht immer auch Glauben und Liebe, Tugenden, die letztlich nur aus einem Leben „in Christus“ (1Tim 1,14) erwachsen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Um in der Lage zu sein, das Wort Gottes in der rechten Art weiterzugeben, müssen wir es erst zu uns selbst reden lassen. Es ist hilfreich, wenn wir das Wort Gottes gut kennen und wissen, wo genau etwas geschrieben steht. Vor allem aber muss unser Herz durch das Wort gebildet sein. Dann erst können wir die Zusammenhänge gut verstehen, d. h., „ein Bild gesunder Worte“ haben (2. Tim 1,13) und das „Wort der Wahrheit“ richtig anwenden (2. Tim 2,15).
Wie nötig haben wir es, uns jeden Morgen das Ohr wecken zu lassen. Wir brauchen die tägliche Wegweisung unseres Gottes. Beginnen wir den Tag mit Gebet! Wenn nötig, stehen wir auch eine Viertelstunde (oder mehr) früher auf, um „stille Zeit“ zu haben. Nehmen wir uns neben dem Gebet auch Zeit für sein Wort, damit Er zu uns reden kann. Wie viel Weisheit benötigen wir für unseren eigenen Weg und auch, um geistlichen Bedürfnissen in unserer Familie und im Volk Gottes angemessen zu begegnen.
Wenn wir uns doch mehr von Ihm selbst belehren lassen würden, wie viel mehr könnten wir dann unsere Zunge recht einsetzen. Sind wir nicht oft ratlos, wenn wir betrübten, müden oder verzagten Menschen begegnen? Wie oft wünschen wir uns dann das rechte Wort von „oben“! Aber liegt der Mangel nicht manchmal darin, dass wir versäumt haben, uns das Ohr öffnen zu lassen? Die Weisung für den rechten Dienst kommt immer von „oben“. In der Stille der Gemeinschaft bereitet Gott uns vor und gibt uns Einsicht darüber, welches Wort an einer bestimmten Stelle nützlich ist (s. 1. Pet 4,10.11).

Bleib in mir Themenhest 2023

Ein Mitarbeiter Gottes zu sein erfordert Glauben. Glaube darf nicht mit der verwässerten Leichtgläubigkeit verwechselt werden, die heute vorherrscht. Viele Menschen meinen, es genüge, irgend etwas zu glauben — ob man einer Konfession angehört, an die Evolution glaubt oder eine Philosophie vertritt. Jedoch muß sich der Mensch Gottes „weiterhin an das Muster gesunder Worte“ halten, „mit Glauben und Liebe, die mit Christus Jesus verbunden sind“ (2 Tim 1: 13). Der Mensch muß wirklichen, lebendigen Glauben haben; denn „der Glaube ist die gesicherte Erwartung erhoffter Dinge, der offenkundige Erweis von Wirklichkeiten, obwohl man sie nicht sieht“. Der Glaube muß auf ein festes Vertrauen zu Gott gegründet sein und darauf, daß er alle, die ihm gefallen, belohnt (Heb 11: 1, 6). Dieser Glaube kann nur durch fleißiges Studium des Wortes Gottes, der Bibel, erlangt werden. Er beruht auf einer tiefen Liebe zur Bibel und zu Jehova, dem Gott der Bibel, sowie zu dessen Sohn Jesus Christus. Es gibt nur e i n e n solchen lebendigen Glauben, ebenso wie es auch nur e i n e n Herrn Jesus Christus und e i n e n Gott und Vater aller gibt, Jehova (Eph 4: 5, 6).
Wir müssen wissen, was Gottes Wort ist, seinen Ursprung kennen, seine Autorität, seinen Zweck und seine zur Gerechtigkeit führende Kraft. Wenn wir Wertschätzung für seine herrliche Botschaft erlangen, werden wir auch Glauben haben. Überdies werden wir die Bibel und ihren Autor schließlich so inbrünstig lieben, daß dieser Glaube und diese Liebe durch nichts erstickt werden können. Die Heilige Schrift, zu der auch die Aussprüche Jesu Christi gehören, ist es, die eine feste Grundlage für den Glauben bildet. Der wahre Glaube ist ein Glaube, der unter Versuchungen sowie harten Prüfungen, Verfolgungen und angesichts materiellen Fortschritts und materialistischer Philosophien einer gottlosen Gesellschaft standhält. Er wird glorreich triumphieren bis in Gottes neue Welt der Gerechtigkeit. „Das ist die Siegesmacht, die die Welt besiegt hat: unser Glaube“ (1 Joh 5: 4).
Um Glauben zu erlangen und daran festzuhalten, müssen wir Gottes Wort, die inspirierten Schriften, lieben- und schätzenlernen. Die Heilige Schrift ist Gottes unvergleichliche Gabe für die Menschheit, ein Vorratshaus geistiger Schätze, deren Tiefe der Weisheit unergründlich ist und deren erleuchtende und zur Gerechtigkeit antreibende Kraft über die aller anderen Bücher hinausgeht, die jemals geschrieben worden sind. Wenn wir uns gründlich damit beschäftigen, eine Erkenntnis aus Gottes Wort zu erlangen, werden wir veranlaßt, mit dem Apostel Paulus auszurufen: „O Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“ Die inspirierten Schriften und ihren Autor kennenzulernen bedeutet, auf den Pfad ewiger Freude und Lieblichkeit zu gelangen (Röm. 11:33; Ps 16: 11).
JEHOVA — EIN MITTEILSAMER GOTT

„Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“

Schon Rö 6, 17 kennt „die Gestalt der Lehre“, der die Gläubigen übergeben und von Herzen gehorsam geworden sind. Gestalt bezeichnet das Ganze wie auch den vollständigen Zusammenhang aller Teile im Ganzen. Das Ganze ist mehr und etwas anderes als die Summe aller Teile. Dieses ganzheitliche Verständnis, das im deutschen Wort Gestalt gut zum Ausdruck kommt, hilft auch den Zusammenhang zu den heilsamen Worten zu erkennen. Das Ganze im Füreinander und Miteinander des lebendigen Zusammenhangs58 ist das heile Unversehrte, d.h. das Gesunde. Wo Worte, Sätze und Gedanken herausgerissen, überbetont, abstrahiert, d.h. abgezogen werden aus der ganzheitlichen Beziehung), da verlieren sie ihren ursprünglich heilsamen Sinn und verwunden, machen krank59. Genau das aber geschieht durch die Irrlehrer, von denen sich Timotheus unterscheiden soll dadurch, daß er festhält an der Gestalt der gesunden Worte). In I 6, 3 ist die heilsame Wortgestalt umschrieben mit „heilsame Worte des Herrn“.
Timotheus kann die heilsame Wortgestalt) nur gesund festhalten in Glauben und Liebe. Will er festhalten mit eigenem Willen und Verstand, wird er ein sturer Verfechter von erstarrten Prinzipien. Die Wortgestalt des Evangeliums ist etwas anderes als ein aus Einzelstücken lückenlos aufgebautes System von Ideen, Gedanken, Problemen, Geboten. „Was von Anfang an gewesen ist, was wir gehört, was wir gesehen haben mit unseren eigenen Augen, was wir geschaut und was unsere Hände berührt haben, die Botschaft von dem Lebenswort … tun wir euch kund. Das schreiben wir euch, damit unsere Freude vollkommen sei.“
„Die Botschaft von dem Lebenswort“ und „die Gestalt heilsamer Worte, die du von mir gehört hast“ — beides bezeichnet dieselbe Wirklichkeit: Jesus Christus. Dessen eigene göttliche Liebe ist gemeint, wenn es heißt „in der Liebe, die im Messias Jesus ist“. Ist es doch dessen eigene Liebe und damit die Liebe des Vaters, die „in unsere Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist“ (Rö 5, 5b). So eröffnet sich uns ein Segenskreis: Timotheus kann anderen Vorbild sein (I 4, 12), indem er sich selber an das Vor-Vorbild, d.h. an das Urbild, hält: Jesus. Dieses Bild aber leuchtet und wirkt durch die Wortgestalt des Evangeliums, wie Timotheus es im gelebten Vorbild des Apostels empfangen hat. Die schriftliche und erlebte Wortgestalt bewirkt neue Menschen, in denen die Liebe Jesu Gestalt gewinnt61. Das geistgewirkte Wort Gottes schafft den Menschen Gottes. Darum die Doppelmahnung in I 4, 16: „Habe acht auf dich selbst (Lebensgestalt) und auf die Lehre (Wortgestalt); daran halte fest!“
Das anvertraute Gut bewahre durch den Heiligen Geist, der uns innewohnt. Da die Gedanken bei der Glauben und Liebe erweckenden Lebenswort-Gestalt verweilen, steigert sich der Ausdruck: Das Anvertraute (Vers 12) ist kostbar, gut, strahlend, herrlich. Das Heilig-Wertvolle kann nur durch den Heiligen Geist bewahrt werden. Dieser Geist wohnt in uns); der Geist des Vaters spricht in den Blutzeugeny).
Was immer die Gestalt heilsamer Worte auch noch bedeuten kann als Katechese, als Kurzformel des Glaubens, als Liturgie, als Bekenntnis, als Grundlehre — eines muß festgehalten werden, wie das auch für das Verständnis von „bewahren, anvertrauen, weitergeben“ gilt: Nichts steht in der Verfügungsgewalt des Menschen, vielmehr ist alles nur im innewohnenden Heiligen Geist wirklich und darum und dann auch wirksam im Menschen. Nicht die Häufigkeit eines Wortes, sondern seine Bedeutung im Ganzen und für das Ganze ist entscheidend für die Auslegung63. Der Geist ist allen gegeben, die durch „das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung“ gereinigt sind; der Geist ist „reichlich ausgegossen“ auf alle). Er verleiht Kraft, Liebe, Zucht.

Bürki- Wuppertaler Studienbibel

Paulus war auch mit seinem Leben für Timotheus ein »Vorbild« (V. 13), »im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus«, gerade auch darin, wie er sich im Leiden verhielt: seinerzeit in Lystra, von wo Timotheus stammte und wo eine irregeleitete Menge Paulus steinigte und in der Meinung, er sei tot, zur Stadt hinausschleifte. Nicht nur, dass er daraufhin seinen Dienst als Missionar nicht aufgab – er tröstete und ermutigte auch seine Mitchristen (Apg 14,19-22; 16,1-3). Ebenfalls bewies Paulus während seiner langen ersten Gefangenschaft (wie seine dort geschriebenen Briefe zeigen, deren Mitabsender Timotheus ist, als letzter und am deutlichsten der Philipper-Brief) eine vorbildliche Haltung im Leiden, so dass er auch aus dem Gefängnis die Gemeinden zu einem rechten, treuen, hoffnungsfrohen Christsein anhalten konnte. Das gleiche gilt nun auch für diesen Brief hier aus der zweiten römischen Gefangenschaft. Es ist wichtig, dass wir noch mehr auch diese Seite im Leben des Paulus und seiner Briefe beachten, um es von ihm zu lernen, gleicherweise recht in einem Leiden zu stehen, in das auch wir geführt werden.
Doch Paulus stellt hier nicht ab auf das Vorbildliche in seinem Verhalten (vgl. 1Kor 4,16), sondern auf das »Vorbild« seiner »heilsamen Worte«. Es sind die Worte der Verkündigung des Paulus, das Wort vom Herrn her, das Wort Gottes. Wie oft hatte Timotheus doch Paulus auf den Missionsreisen reden hören! Nun hatte er gewiss bei seinen eigenen Diensten immer noch in Gedanken seinen »Meister« vor Augen und sein Wort im Ohr, und es war nicht schwer, sich von daher bestimmen zu lassen. Die »heilsamen Worte« des Paulus, die er ja selbst vom Herrn empfangen hatte (Gal 1,12) sollten nun für Timotheus Richtschnur, Inhalt, Maßstab seiner eigenen Verkündigung sein: das Evangelium, die Worte, die den Frieden mit Gott, den Heiligen Geist, das neue Leben aus Gott mit sich bringen (Joh 6,63), die Worte, die ein Leben ewig heil machen. So hat der Herr den Dienst, den er Paulus selber tat, auch an denen getan, denen dieser das Evangelium verkündigte.
In all diesem Dienst galt es, »in Christus Jesus« zu sein und zu bleiben, in seiner Gemeinschaft. Nur so war Christus, Gottes Geist in ihm, wirkte durch ihn, und seine Arbeit brachte Frucht für Gott (vgl. Joh 15,4f.; 2Kor 3,17 a).
So – er in Christus und Christus in ihm – vermochte er auch in all seinem Dienst »im Glauben« zu sein, in der vollen Hingabe an seinen Herrn, im hohen Vertrauen zu ihm. Und so vermochte er auch die andern unter seiner Verkündigung geradezu mit diesem Vertrauen zu Jesus »anzustecken«.
Und »in der Liebe« vermochte er zu wirken, als Werkzeug der Liebe Gottes, die Sünder selig machen will und Menschen, auch feindselige, mit Geduld trägt. Wenn ein solcher Verkündiger etwas zu leiden hat, ist darin nichts sich selbst Bewunderndes oder auch Bemitleidendes. Dieses Leiden nimmt sich selbst kaum recht wahr, weil der Glaubende dabei ganz konzentriert ist darauf, den andern, auch den Gegnern, mit der Liebe Christi zu begegnen, um sie doch noch für Jesus zu gewinnen. Ein Mensch, der allein und ganz Instrument in der Hand seines Herrn sein möchte, nimmt sich selbst nicht mehr so wichtig.

Nehmen wir uns in gleicher Weise die »heilsamen Worte« des Apostels Paulus zum Vorbild. Gehen wir mit ihnen um, leben wir in ihnen und in der ganzen Schrift, »im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus«

Gerhard Maier – Edition C

Die Fußnote in J. N. Darbys New Transtation ist im Blick auf den ersten Ausdruck dieses Verses sehr hilfreich. Der Apostel ermahnt Timotheus nun ein glaubensbekenntnisartiges „Bild“ (eine zusammengefaßte Darstellung) festzuhalten, welche Paulus ihm gegeben hatte. Der Apostel hatte es ihm nicht direkt gegeben, sondern vielmehr gesunde Worte oder Lehren. Der Apostel ermutigt Timotheus also, „eine Zusammenfassung oder Gliederung zu haben, um klar und definitiv sagen zu können, was er glaubte“ (J. N. D.). „Bild“ (hypotyposis) ist eine Skizze oder das Muster einer Gliederung. Es wird in 1.Tim. 1,16 verwendet. Die Diener Gottes dürfen in ihrer Lehre nicht beständig schwanken. Eine solche Skizze, oder Muster einer Gliederung wäre für Timotheus ein Modell der gesunden Lehre, die er vom Apostel Paulus gehört hatte. Viele haben diesen Halbsatz verwandt, um die Aufstellung von Glaubensbekenntnissen zu verteidigen, aber dieses Argument kann nicht aufrechterhalten werden, da die ganze Lehre der Heiligen Schrift Grundlage des Glaubens ist. „Gesund“ ist ein interessantes Wort, das in den Pastoralbriefen einige Male erwähnt wird. Das ursprüngliche Wort ist die Grundlage für unser deutsches Wort „Hygiene“ und sollte besser als „gesundmachend“ übersetzt werden. So wurden also die Worte der Belehrung von Paulus an Timotheus mit der Absicht weitergegeben, geistliche Gesundheit hervorzubringen. Gottes Wort wird immer Leben für den Sünder und Geisteswachstum für den Heiligen bewirken. „Die du von mir gehört hast“ betont Timotheus gegenüber die Zuverlässigkeit dessen, was er gehört hatte und die apostolische Autorität dahinter. Auf dies wird auch später im Brief noch angespielt (2,2; 3,10.14).
Der Ausdruck „in Glauben und Liebe“ bezeichnet die Weise, wie die Zusammenfassung der gesunden Worte behandelt werden sollte. Es sollte daher mit dem „halte fest“ verbunden werden. Der Glaube betont den auf Gott gerichteten Aspekt und die Liebe den auf den Menschen gerichteten.
Die moralische Bedeutung der Reihenfolge dieser beiden geistlichen Charakterzüge ist äußerst wichtig. Wenn der Knecht des Herrn in seiner Beziehung zum Herrn in Ordnung ist, dann ist auch seine Zuneigung zu den Heiligen in Ordnung. Die Wahrheit kann auf akademische Weise geglaubt werden, aber Paulus bittet Timotheus, sie mit der richtigen geistlichen Einstellung festzuhalten. „In Christus Jesus“ weist auf die Quelle und nicht so sehr auf den Gegenstand. Die Früchte der Vereinigung mit ihm befähigen zu den Gnadengaben des Glaubens und der Liebe. Zusammengefaßt bezeichnet dieser wichtige praktische Vers die Bedeutung dessen, was das Kind Gottes glaubt, und auch wie es diese Überzeugung festhält.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Wenn es dann aber so passiert, wie du es vorhergesagt hast

Wenn es aber kommt-siehe, es kommt! -so werden sie wissen, daß ein Prophet in ihrer Mitte war.
Elberfelder 1871 – Hesekiel 33,33

Wenn es aber kommt – siehe, es kommt! –, so werden sie erkennen, daß ein Prophet in ihrer Mitte war.
Revidierte Elberfelder Bibel 1985 – Hesekiel 33:33

doch wenn es eintrifft — siehe, es tritt ein – dann werden sie erkennen, dass ein Prophet in ihrer Mitte war.
Rabbiner Dr. Joseph Breuer – Hes 33,33

Aber wenn es so weit ist, werden sie sagen: »Siehe, es ist so weit!« Da werden sie erkennen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war. (– dass … ein Prophet war: p967 dass du ein Prophet … bist. –)
Septuaginta Deutsch – Hes 33:33

wann es kommt
– wohl, es kommt! – ,
dann werden sie erkennen,
daß ein Künder dawar in ihrer Mitte.
Buber & Rosenzweig – Hesekiel 33:33

Was, wenn Hesekiel KEIN neuzeitliches menschliches Gegenbild hat – sondern ein Vorbild für Jesus war, dem man auch nicht glaubte? Was wenn die Menschen in der heutigen Zeit bald bemerken werden, dass alle Religionen sie angelogen haben, und nichts von all den „Verheißungen“ die wir heute im Internet über Iran oder „Babylon der Großen“ finden, falsch waren? Die Menschen werden Jehovah erkennen und alle Lügner werden ihren Lohn erhalten, den sie sich „hart erarbeitet haben“!


dass … ein Prophet war: 𝕻 967: »dass du ein Prophet … bist«.

Septuaginta Deutsch: Erläuterungen und Kommentare zum griechischen Alten Testament

Hesekiel sprach dann zu den in Babylon Gefangenen. Hier gab es eine Gruppe von Anhängern, die ihn als Propheten anerkannten. Sie versammelten sich von Zeit zu Zeit, um seine Botschaften zu hören. Diese Menschen hörten gerne Gottes Wort, aber sie wollten ihm nicht gehorchen (vgl. Jak 1,22-25 ): Sie setzten die Worte des Propheten nicht in die Praxis um. Sie dienten Gott mit ihren Lippen, aber in ihren Herzen folgten sie der Sünde. Mit ihrem Mund drückten sie ihre Hingabe aus, aber ihre Herzen waren habgierig . Hesekiels Worte gefielen den Ohren der Leute so, wie es schöne Liebeslieder auch getan hätten. Aber seine Botschaft kam niemals bis in ihre Herzen.
Aber es würde ein Tag der Abrechnung kommen. Wenn alle seine Worte der Weissagung kamen, dann würden sie erkennen, daß er ein Prophet war. Hesekiel sprach hier nicht von seinen Prophezeihungen über Jerusalems Untergang, denn diese waren ja schon „gekommen“ ( Hes 33,21 ). Manche Ausleger glauben, daß er von seiner Weissagung gegen den Überrest in Juda sprach (V. 23 – 29 ), aber es ist zweifelhaft, daß eine Gerichtsbotschaft über den Überrest einen größeren Eindruck auf die in der Gefangenschaft lebenden Juden gemacht hätte als der Untergang der Stadt Jerusalem. Hesekiel sprach vermutlich vielmehr von der Verantwortlichkeit des einzelnen und dem Gericht, das Gott über alle Menschen spricht (vgl. V. 12 – 20 ). Jeder würde für seine Taten und seine Reaktion auf das Wort Gottes Rechenschaft geben müssen. Wenn ihr Tag der Abrechnung käme, würden diese „Hörer des Wortes“ ( Jak 1,22 ) gezwungen sein, die prophetische Natur – und damit auch die Wahrheit – der Botschaft Hesekiels anzuerkennen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

V 33. »doch wenn es kommt« – das angekündigte Verhängnis, = 24,24; »siehe es kommt« = 7,9.10 u. a.; »werden sie erkennen, dass ein Prophet in ihrer Mitte gewesen« = 2,5.

Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament

Die Menschen hörten Hesekiel gern zu; aber sie hatten nicht die Absicht, seinen Worten zu gehorchen! Wenn sich seine Weissagungen erfüllten, würden sie erkennen, dass ein Prophet in ihrer Mitte war.
Wir sollten mit der Absicht unter Gottes Wort gehen, ihm zu gehorchen, und unsere Herzen ständig überprüfen, damit wir nicht versäumen, das Gehörte auch anzuwenden. Die beste Reaktion auf eine Predigt ist nicht: »Das war eine schöne Botschaft!«, sondern: »Gott hat zu mir geredet; ich muss das nun in die Tat umsetzen.«

MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

Allerdings wird einmal der geschichtliche Moment kommen, in dem Hesekiels Bedeutung erkannt wird. Das geschieht, wenn seine Prophetie sich erfüllt. Und weil es Gottes Wort ist, wird es sicher der Fall sein: »Wenn es aber kommt – siehe, es kommt! –, dann werden sie erkennen, dass ein Prophet in ihrer Mitte gewesen ist« (V. 33). Die Formulierung »gewesen ist« deutet an, dass dies erst nach dem Tode Hesekiels geschehen wird. Ein Triumph zu Lebzeiten wird ihm nicht verheißen. Übrigens ist das Eintreffen der Weissagung schon nach dem Mosegesetz ein wichtiges Merkmal wahrer Prophetie (5Mo 18,21f).

Maier – Wuppertaler Studienbibel

Die offensichtlichste Inspirationsquelle für Johannes 10 ist Hesekiel 34, ein grundlegender Abschnitt aus den Propheten über den zweiten Exodus. Diese Passage (und Jer 23,1-8) ist relevant wegen des Kontrasts zwischen Hirten, die sich nicht um die Herde JHWHs kümmern (und sie dadurch zur verstreuten Beute der wilden Tiere machen), und dem Gott Israels, der sich kümmert. Der göttliche Hirte sammelt und vereint seine verstreute Herde, die dann ihm und seinem ernannten (davidischen) Unterhirten folgt. Aber Hesekiel könnte mehr als nur diese Motive beigesteuert haben. Deeley (1997) findet eine großzügige Verwendung von Elementen des exilischen Propheten in Johannes. Hesekiel verwendet Zeichen, um seine Botschaft zu illustrieren, einschließlich seiner eigenen Stummheit. Zeichen bestätigen einen wahren Propheten (Hesekiel 33,33; vgl. Johannes 4,19; 6,14; 7,40; 9,17). Auch Gleichnisse sind bei Hesekiel bedeutender als in jedem anderen Buch des Alten Testaments. Zwei seiner ausgeprägtesten Gleichnisse sind der Weinstock (Hesek. 17; vgl. Johannes 15) und der Hirte (Hesek. 34; vgl. Johannes 10).

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis von Deeley ist die Art und Weise, wie die Theologie Hesekiels das vierte Evangelium beeinflusst. Hesekiels Beharren darauf, dass Gottes Gericht von nun an auf individueller Basis stattfinden wird, ist ein Schlüssel zur Geschichte des blinden Mannes in Johannes 9. Dieser Mann war blind, nicht wegen der Sünde der Generation (9:3, 34), sondern um der Herrlichkeit Gottes willen – ein weiteres zentrales Thema in Hesekiel. In dem Streit, der der Heilung des Mannes vorausging, ging es darum, wer die wahren Kinder Abrahams (und Gottes) sind (8,33-58; vgl. Hesekiel 33,24). Jesus folgt der Logik Hesekiels: Nur diejenigen, die auf das Wort der Boten Gottes reagieren, sind die wahren Erben der Verheißungen Gottes. Der Kontext für Jesu Rede vom guten Hirten ist die sich ständig verschärfende Spannung zwischen ihm und den religiösen Autoritäten. Wie Hesekiel stützt er die Hoffnung auf eine erneuerte Hirtenführung Gottes auf ein Bild des Gerichts.

Johannes schöpft in großem Umfang aus anderen alttestamentlichen Traditionen. Wie die synoptischen Autoren bezieht er sich bei der Gestaltung seiner Passionserzählungen auf Sacharja. Die Symbolik der Zweige (Sach. 3:8; 6:12) und der Hirten (Sach. 9-12) findet im vierten Evangelium ihren Widerhall. 4 Wie Hesekiel und Jeremia vor ihm betonte Sacharja, dass der kommende Zweig und Hirte ein davidischer Herrscher sein würde. Diese Assoziation findet sich auch in den weiter entwickelten königlichen Traditionen der Psalmen. Johannes sieht in Jesus sowohl die Erfüllung von Gottes Verheißung, sein Volk persönlich zu hüten, als auch die Erfüllung seiner Verheißung, einen davidischen Hirtenherrscher einzusetzen.

Timothy S. Laniak – Hirten nach meinem Herzen

Sie werden durch die Erfüllung seiner Prophezeiungen erkennen, dass Hesekiel tatsächlich ein Prophet war. Später im Buch Hesekiel werden das Volk und die Ältesten Israels im Exil zu Hesekiel kommen und ihn befragen (Hes. 8,1; 14,1; 20,1; 33,31–33). Ezechiel wird gesagt, dass er zwar zu einem Volk geht, das nicht auf ihn hören wird, aber dennoch eine Zeit kommen wird, in der sie erkennen und zugeben müssen, dass es einen Propheten unter ihnen gegeben hat. Dieser Prophet wird Ezechiel sein. Sie werden dies durch die Erfüllung seiner Prophezeiungen mit Sicherheit erkennen.



Hesekiel ist ein Beispiel für einen Propheten Gottes, der aufgefordert wurde, einige seltsame Dinge zu tun. Aber diese seltsamen Dinge waren immer symbolische Handlungen, prophetische Bilder dessen, was folgen sollte. Was Hesekiel symbolisch darstellte, erfüllte sich im Laufe der Geschichte Israels, vieles davon noch zu Lebzeiten Hesekiels selbst. Deshalb mussten später in dem Buch sogar die Ältesten Israels, die Hesekiel zunächst abgelehnt hatten, zu ihm kommen und zugeben, dass er tatsächlich ein Prophet war (Hes. 8,1; 14,1; 20,1; 33,31–33).

Fruchtenbaum – The Messianic Bible Study Collection

Die deutlichste Anspielung des Neuen Testaments auf Jesaja 43,10 findet sich in Johannes 13,19: „Von nun an sage ich es euch, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, wisst, dass ich es bin.“ Die Prämisse dieser beiden Verse ist dieselbe – dass die Vorhersage der Zukunft ein Beweis für die Echtheit und Einzigartigkeit des Gottes Israels ist. Die Sprache geht über die bloße Behauptung hinaus, ein echter Prophet zu sein, obwohl Jesus einen Teil der Sprache dieses Verses möglicherweise aus Hes 33,33 übernommen hat: „Wenn es geschieht – siehe, es kommt –, werden sie erkennen, dass ein Prophet unter ihnen gewesen ist.“ Wenn Jesus sagt: „Ihr werdet erkennen, dass ich es bin“, spricht er zu seinen Jüngern in seiner eigenen Person, so wie Gott durch Jesaja zu Israel gesprochen hat.
Johannes 8,24 enthält, wie 13,19, eine „absolute“ Verwendung von „Ich bin es“. Das heißt, das Wort „es“ (vermutlich zugrunde liegend für ἐγώ εἰμι im Aramäischen) hat keinen genauen Bezug oder Prädikat. „Wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr in euren Sünden sterben.“ Da seine Zuhörer nicht sofort den Zusammenhang mit dem göttlichen „Ich bin es“ aus Jesaja erkennen und da es kein Prädikat oder Bezugswort gibt, verstehen sie nicht, wer er zu sein behauptet (V. 25). Im Gegensatz dazu hat die Aussage in 8,28 einen klaren Bezug: „Wenn ihr den Menschensohn erhöht, werdet ihr erkennen, dass ich es bin.“

Ronning – The Jewish Targums and John’s Logos Theology

Aber schon im alten Buch steht, ich zitiere: „Die miesen Typen solltet ihr bei euch rausschmeißen.“

Die aber draußen sind, richtet Gott; tut den Bösen von euch selbst hinaus.
Elberfelder 1871 – 1.Korinther 5,13

Die draußen Stehenden wird Gott richten. Schafft den bösen Menschen aus eurer Mitte weg!
Menge – 1.Korinther 5:13

Über die Draußenstehenden wird Gott urteilen. – Aber den Übeltäter schafft aus eurer Mitte hinaus!
Bruns – 1.Kor 5,13

Die aber draußen sind, richtet Gott! Schafft den Bösewicht weg aus eurer Mitte –  5Mo 13,6; 17,7; 21,21; 22,21 22.24.
Abraham Meister – 1.Kor 5:13

Die, die außerhalb der Gemeinschaft der Christen leben, die beurteilt Gott ja schon. Also: Schickt diesen Menschen, der sich der Bosheit hingegeben hat, aus eurer Mitte fort!
Roland Werner – Das Buch – 2009 – 1.Korinther 5:13

1Kor 5,13 κρινεῖ Fut. κρίνω. ἐξ-άρατε Aor. Imp. -αίρω
entfernen. ἐξ ὑμῶν αὐτῶν (klass. Refl.-Pron., A126) aus eurer (eigenen) Mitte.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Zugrunde liegt Dt 13, 6 oder eine der Parallelen, wie Dt 17, 7. 12; 19, 19; 21, 21; 22, 21. 22. 24; 24, 7. — Dt 13, 6: וּבִעַרְתָּ הָרָע מִקִּרְבֶּךָ = „tu hinweg הָרָע aus deiner Mitte“. Dabei ist הָרָע neutrisch gemeint = „das Böse“; das folgt mit Notwendigkeit aus Dt 22, 21, wo sich הרע auf eine weibliche Person, u. aus Dt 22, 24, wo es sich auf mehrere Personen zurückbezieht. — Die LXX geben הרע bald neutrisch wieder mit τὸ πονηρόν (so Dt 13, 6 [5]; 19, 19), bald maskulinisch mit τὸν πονηρόν (so Dt 17, 7; 21, 21; 24, 7 u. 17, 12); in 22, 21. 22. 24 schwanken die Lesarten zwischen τό u. τόν. — Targ Onk u. Jerusch I, ebenso Siphre zu Dt kennen nur die maskulinische Fassung; sie dürfte auch in den Tagen des Apostels die allein gebräuchliche gewesen sein.

Targ Onk Dt 13, 6: Du sollst den, der tut, was böse ist, aus deiner Mitte wegschaffen וּתְפַלֵּי עָבֵד דִּבִישׁ מִבֵּינָךְ. — Jerusch I: Ihr sollt die Übeltäter aus eurer Mitte wegschaffen ותפלון עבדי בישתא מביניכון. ‖ SDt 13, 6 § 86 (92b): „Tu das Böse hinweg aus deiner Mitte“ Dt 13, 6, tu die Übeltäter עושי רעות hinweg aus Israel! Ferner s. SDt 17, 7. 12; 21, 21; 22, 22; 24, 7.

Strack & Billerbeck – Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch

Abschließend stellt Paulus fest: „Wie käme es denn mir zu, die draußen zu richten? Richtet ihr nicht eurerseits die drinnen?“ Klar und bestimmt wird zwischen „drinnen“ und „draußen“, zwischen „Gemeinde“ und „Welt“ geschieden, wie in Kap. 1, 18 zwischen „Verlorenen“ und „Erretteten“ eindeutig unterschieden wurde. Mischformen und Zwischengebiete gibt es für das NT nicht. Gerade darum sollen solche Gemeindeglieder entfernt werden, damit es nicht zu verhängnisvollen Mischformen kommt. Um die „draußen“ und ihre Sünden brauchen sich die Gemeindeglieder nicht aufzuregen. Hier sollen sie das Richten wirklich ganz und gar Gott überlassen4. „Die draußen aber wird Gott richten.“ Aber um die Reinhaltung der Gemeinde geht es mit tiefem Ernst: „Richtet ihr nicht eurerseits die drinnen?“ Das „Ihr“ im grie Text ist betont. Wieder mutet der Apostel der Gemeinde zu, daß sie als solche die Pflicht zur Gemeindezucht hat. Er kleidet seine Mahnung in die Form der Frage, weil die Übung dieser Pflicht in Korinth fraglich wurde. In der Frage liegt schmerzliche Verwunderung darüber, daß die Gemeinde ihre notwendige Aufgabe nicht begreift. Zugleich klingt eine Erwartung an: Nicht wahr, das tut ihr doch, wenn ihr es freilich auch nicht deutlich und entschieden genug tut. Darum spricht es Paulus zuletzt noch einmal mit einer klaren Forderung aus: „Entfernt den Bösen aus eurer Mitte.“ Paulus sagt dies abschließende Wort mit einem Zitat aus 5 Mo 17, 7 (auch 24, 7), hinter dem wir die heilige Entschiedenheit des ganzen Abschnittes 5 Mo 17, 2–7 sehen müssen. Auch wenn eine Gemeinde Jesu nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade steht (Rö 6), ist dennoch der Böse und das Böse „aus ihrer Mitte zu entfernen“. Ja, bei ihr ist das erst recht nötig, weil ihre Heiligkeit durch das kostbare teure Blut ihres „Passalammes“ Christus erworben ist. Daraus erwächst die Notwendigkeit ntst Kirchenzucht. Es handelt sich dabei aber um „Böse“, die das Böse nicht lassen, sondern die Zugehörigkeit zu der Gemeinde Jesu mit dem Verharren in offenbaren Sünden verbinden wollen.

de Boor – Wuppertaler Studienbibel

Das Gericht über die Nichtchristen bleibt Gott vorbehalten. κρινει kann je nach Akzentsetzung – die in den ältesten Handschriften fehlte – Präsens- oder Futurform sein; vom gegenwärtigen Richten durch Gott spricht Paulus sonst nicht, so daß das Endgericht im Blick ist, bei dem die Ungläubigen auf Grund ihres Lebenswandels (V.10) der Verurteilung anheimfallen werden. Der Gemeinde ist es dagegen geboten, den Übeltäter aus ihrer Mitte zu entfernen (vgl. V.2b–5), um einen schädigenden Einfluß zu verhindern (V.6–8). V.12b.13a widersprechen nicht der Aussage von 6,2; vielmehr geht es Paulus in 5,12f. um das gegenwärtige Handeln der Gemeinde, in 6,2 dagegen um das Endgericht, an dem die Christen im Auftrag Gottes aktiv teilnehmen werden. – Paulus zitiert fast wörtlich den Septuagintatext von Deut. 17,7 bzw. 19,19; 21,21; 22,24; 24,7. Im Alten Testament ist jeweils ein Vorgehen gegen Menschen, die sich durch ihr Tun an Gottes Gesetz vergangen haben – z. B. durch Götzendienst, falsches Zeugnis, Ungehorsam gegenüber den Eltern, Unzucht, Menschenraub -, gemeint.87 Anstelle der zweiten Person Singular Futur bietet Paulus den Imperativ der zweiten Person Plural Aorist, um das Zustandekommen des Handelns der ganzen Gemeinde zu betonen. Die Mißachtung des göttlichen Willens darf auch in der korinthischen Gemeinde nicht länger geduldet werden. Der “Böse”89 bezieht sich, wie die Aoristform des Imperativs erweist (vgl. V.7), primär auf den in V.1 charakterisierten Unzüchtigen, entsprechend V.11 aber auch überhaupt auf jeden einzelnen, der bewußt und unbelehrbar gegen Gottes Willen verstößt.

Wolff – Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament

Das Urteil über die, die draußen sind, wird Gott sprechen und vollziehen. Er ist der Richter (vgl. 5 Mo 32,26; 1 Sam 2,10; Ps 9,9; 67,5; 75,3; 96,10.13; Pred 3,17; Jes 3,13; 51,5; 66,16; Hes 33,20; Joh 8,16; 12,48; Apg 17,31; Röm 3,6; 2 Tim 4,1; 1 Petr 1,17; Hebr 13,4; Offb 11,18; 20,12f.). Die Gemeinde ist jetzt zur Scheidung aufgerufen. Es gilt das atl. Gebot 5. Mose 13,6 von der Ausstoßung des Bösen aus der Gemeinde Gottes (vgl. auch 5 Mo 17,7; 24,7). »Tut hinaus« – im zugespitzten Sinn von »heraustreiben, ab-, wegreißen« gemeint –: Das ist sicher eine schwere Aufgabe, aber deshalb eine nötige, damit der, »der böse ist«, der verdorben ist, nicht die ganze Gemeinde verdirbt.

Edition C Bibelkommentar Neues Testament

Warum beziehen sich die Aussagen aus seinem früheren Schreiben nicht auf die „Unzüchtigen in dieser Welt“? Weil die Gemeinde nicht die Aufgabe hat, über sie zu richten. Die „Gemeindegerichtsbarkeit“ bezieht sich nur auf diejenigen, „die drinnen sind“. Alle anderen wird Gott (am Jüngsten Tag) richten. „Den Bösen“, also denjenigen, der „die Frau seines Vaters hat“ soll die Gemeinde aus ihrer Mitte verstoßen (vgl. 5,2).

Man kann fragen, wie sich das hier in V 2-5 geforderte κρίνειν [richten] der Gemeinde zum Verbot in 4,5 (und Röm 14,10.13) verhält (…). Dieser formal zweifellos bestehende Widerspruch ist nur aufzulösen, wenn man von der jeweils verschiedenen Intention ausgeht. In 4,5 verbietet Paulus das κρίνειν, weil er keine Herrschaft der Gemeinde über den Apostel als Repräsentanten seines Herrn konzedieren kann, und in Röm 14, weil dort offenbar primär die Verachtung im Blick ist (V 13), die das eigene Verhalten auch in den articuli non fundamentales zum Maß des anderen macht und ihn damit ruiniert. Er gebietet es aber an unserer Stelle (vgl. auch 11,30f), weil es hier nicht die pneumatische Qualifikation, sondern offenbare Tatbestände zum Gegenstand hat und der Gemeinde und den einzelnen Sündern dient. Zwar zielt das Verbot auch in 4,5 und zumal in Röm 14,4.10 auf das Richten gegenüber dem ‚Bruder’, aber unsere Stelle erweist eben, dass das nicht Gleichgültigkeit und Duldung von allem und jedem in der Gemeinde besagen soll. Vor allem ist κρίνειν hier mit dem Abbruch der Gemeinschaft (V 11) und dem Ausschlug aus der Gemeinde (V 13) identisch, was sich naturgemäß nur nach ‚drinnen’ richten kann, nicht aber nach ‚draußen’. (Schrage I, 395).

Mainka – 1.Korintherbrief

Paulus bestätigt hier nochmals, dass die Gemeinde sich um die eigenen Glieder kümmern soll, damit diese geistliches Leben haben und nicht in der Sünde leben. Dabei bringt er ein Zitat aus 5. Mose 17,7, wo Israel aufgefordert wird, das Böse aus ihrer Mitte zu tun (vgl. auch 5. Mose 13,5; 17,12; 19,19; 21,21; 22,21.22.24; 24,7). Mit dem „Bösen“ sind an dieser Stelle in ersten Linie die Götzendiener gemeint (vgl. 5. Mose 17,3), doch im Grunde geht es darum, dass überhaupt das Böse aus dem Volk getan wird, damit das ganze Volk Gott allein dient. Es ist Aufgabe der Gemeinde, den geistlichen Stand der Glieder zu beurteilen, und wenn dieser zeigt, dass kein geistliches Leben vorhanden ist, dann ist die Gemeinde verpflichtet, „Gemeindezucht“ zu üben (vgl. Mt 18,15–18), d.h. bei fehlender Bußbereitschaft das betroffene Glied auszuschließen.

Thiessen- Der 1. Korintherbrief: Eine Auslegung für die Gemeinde

„Die draußen sind“, bezieht sich auf Vers 10. „Die drinnen sind“, bezieht sich auf Vers 11. Es gehört nicht zu den apostolischen Funktionen des Paulus, Sünder in der Welt zu richten. Das kann jetzt und später am großen weißen Thron sicher Gott überlassen werden. Aber die, die in der Gemeinde sind, müssen, wenn es nötig ist, von der Gemeinde gerichtet werden, um ihren heiligen Charakter aufrecht zu erhalten. Das Krebsgeschwür muß ausgeschnitten werden. Die böse Person muß entfernt werden. Siehe 5Mo 13,5; 17,7; 21,21; 22,24 ,wo die Formulierung sehr einfach ist. Wie ein Aussätziger aus dem Lager Israels ausgestoßen wurde, um die Gesundheit und Sicherheit der Nation zu erhalten (4Mo 5,1-4), so kann die geistliche Gesundheit und Sicherheit einer Gemeinde nur durch solch eine entschlossene und ausschlaggebende Handlung gewahrt werden. Eine reine Gemeinde ist eine kraftvolle Gemeinde. Wir müssen vor der Gefahr warnen, Vers 11 in allgemeiner Weise und bei öffentlicher Bekanntmachung einer Gemeindezucht zu zitieren. J.M. Davies lenkt die Aufmerksamkeit in „The Lord and the Churches“ („Der HERR und die Gemeinden“) S. 98 auf einen Fall von Gemeindezucht bei Schmähung, wo bei der Bekanntgabe in der Gemeinde Vers 11 erwähnt wurde, nicht aber die Schmähung im Einzelnen. Der Betreffende brachte die Brüder wegen Rufmordes vor Gericht. Sein Rechtsanwalt erwähnte, daß sie ihn in Erwähnung von Vers 11 praktisch aller dort erwähnten Sünden angeklagt hätten, und das Gericht stimmte dem zu. Die Brüder mußten schwer zahlen.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Da Gott seine Organisation so achtet, müssen wir also Furcht üben und sie ebenfalls respektieren. Wir haben die feierliche Pflicht, über unsern Wandel zu wachen und es zu vermeiden, Schmach über die Organisation oder Verderbtheit in sie hinein zu bringen. Haltet daher erstens einmal die Ehe in Ehren und das Ehebett unbefleckt. Wir dürfen die Organisation nicht durch einen unreinen Wandel beflecken oder Schmach darüber bringen und in der Organisation bleiben, denn dies wäre wie Sauerteig und würde darauf hinwirken, die ganze Organisation mit Unreinheit, Heuchelei und Sünde zu durchsetzen. Es würde die Organisation in den Augen aufrichtiger Menschen abstossend machen und würde solche, die Anstoss nehmen, daran hindern, zur Organisation zu kommen und errettet zu werden. Wir können logischerweise nicht unsere eigene Errettung erlangen und gleichzeitig andere am gleichen hindern durch unser unsittliches schändliches Benehmen, das Gottes Organisation mit berührt. So lautet denn der Richterspruch, den Gott heute vollzieht, wie folgt: „Tut den Bösen [der wie ein Sauerteig der Sünde ist] aus eurer Mitte hinweg.“ (1 Korinther 5:1-13, NW) Wenn wir Gott durch unsern Wandel verleugnen, so wird er uns verleugnen, indem er uns seine Gemeinschaft entzieht. Sein Gericht zögert heute nicht, und das Verderben der Unreinen schlummert nicht.
Wir befinden uns nun an der Schwelle der gerechten neuen Welt. Von denen, die in die göttliche Regierung jener neuen Welt eingehen, steht geschrieben: „Irgend etwas Unheiliges und irgend jemand, der Abscheuliches und Lüge übt, wird keineswegs in sie eingehen.“ (Offenbarung 21:27, NW) Jehova Gott baut nun eine Neue-Welt-Gesellschaft auf, und sie muss den reinen, gerechten Massstäben entsprechen, die in seiner neuen Welt herrschen werden.

Wachtturm – Juni 1951

ach, ihr wisst es wohl! Warum schützt ihr dann die Kinderschänder und Ehebrecher? Was waren das noch für Zeiten, als man diese ausgeschlossen hat, anstatt die Zeugen und Ankläger dieser unsittlichen Menschen!