Kategorie: jehovah-shammah

Saul & Samuel – 7

Denn so wahr Jehova lebt, der Israel gerettet hat, wenn sie an meinem Sohne Jonathan wäre, so sollte er gewißlich sterben!
Elberfelder – 1. Sam 14,39

Denn beim Leben Jehovahs, Der Israel gerettet hat, und wäre es mein Sohn Jonathan, er soll des Todes sterben.
Tafelbibel – 1. Samuel 14,39

Denn so wahr der Ewige lebt, der Jisraël hilft, dass wenn es an Jonatan, meinem Sohne, wäre, dass er des Todes sterben muss.
Zunz – 1.Samuel 14:39

Bevor dies geschah, hatte Saul allen seinen Männern befohlen, zu fasten, bis sie die Philister besiegt hätten. So hungrig, wie sie in der Schlacht waren, lehnten sie es doch ab, etwas, und sei es nur ein wenig Honig aus dem Wald, zu essen, weil sie den Fluch, der ihr Fastengelübde begleitete, fürchteten. Jonatan hatte aber von dem Gelübde nichts gehört, so daß er, als er beim Honig vorbeikam, ihn aß und dadurch wunderbar erfrischt wurde ( seine Augen strahlten ; vgl. V. 27 ). Der Rest der Armee Sauls war so hungrig, daß sie nach dem Sieg die Tiere der Philister nahmen, sie schlachteten und dann, ohne das Blut ganz herauslaufen zu lassen, aßen (V. 32 – 33 ; vgl. 3Mo 17,10-14 ). Das beunruhigte Saul so sehr, daß er auf schnellstem Wege einen Altar baute, auf dem er dem Herrn ein Versöhnungsopfer darbrachte ( 1Sam 14,35 ).
Dann bestimmte Saul, die Philister zu verfolgen und zu plündern, aber er konnte keine Antwort vom Herrn bekommen (V. 37 ). Das bedeutete für Saul, daß jemand das Fasten gebrochen hatte, und als das Los gebraucht wurde (also Urim und Tummim, V. 41 – 42 ; vgl. V. 19 ), entdeckte er, daß es sein eigener Sohn Jonatan gewesen war. Nur das Dazwischentreten der Männer Sauls bewahrte Jonatan vor der Hinrichtung (V. 45 ).
Die großen Feldzüge Sauls werden in den Versen 47 – 48 aufgelistet und umfassen Siege über Moab, Ammon, Edom, Zoba (die Aramäer), die Philister und auch über die Amalektiter, obwohl sein Erfolg über die letztgenannten durch seinen Mangel an vollständigem Gehorsam gegenüber Gott beeinträchtigt wurde (vgl. 1Sam 15,20-23 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Da haben wir ein Verhalten, dass wir schon seit Beginn der Bibel kennen: wenn jemand den Geist Jehovahs verliert, wenn das Verhältnis zu Jehovah kaputt geht, dann werden die „wahren Anbeter Jehovahs“ zu Feinden, die man bekämpfen muß! Denken wir an Kain & Abel, Jakob & Esau usw. usf. Hier ist es nun Saul! Im Kapitel davor hat Samuel dem Saul gesagt, dass Jehovah die Handlungen Sauls mißbilligt. Und Saul sucht „natürlich“ die Fehler nicht bei sich selbst, sondern bei dem, den Jehovah in den ersten Versen des Kapitels 14 benutzt, um nun endlich die Philister „anzugreifen“. Nun ändert sich der Blick Sauls auf seinen eigenen Sohn! Saul wird eifersüchtig, und versucht Jonathan umzubringen.
Kennen wir das? Da gibt es die „Gemeindeleitung“ die den Geist Jehovahs verloren hat, und anstatt eigene Fehler einzugestehen und daran etwas zu ändern, werden diejenigen, die ihr Verhältnis zu Jehovah bewahrt haben, ausgegrenzt, gemieden, wenn möglich auch „geistig getötet“.

Gottes Blick auf Waisen und Witwen

Ein Vater der Waisen und ein Richter der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung.
Elberfelder 1871 – Ps 68,6

Er vertritt alle Witwen, ist der Vater der Waisen, zu seiner heftigen Wohnung, da kann jeder hinreisen.
VolxBibel – Ps 68:6

dem Vater der Waisen,
dem Anwalt der Witwen,
Gott im Hag seines Heiligtums!
Buber & Rosenzweig – Ps 68,6

Bin ich für „Witwen und Waisen“ da, kann helfen und zuhören? Oder bin ich aufgrund meiner Freunde vielleicht gezwungen, Menschen zu geistigen, geistlichen Witwen und Waisen zu machen?
Schauen wir uns das Leben der Diener Jehovahs in der Bibel an: niemals waren Gottes Diener gezwungen, Freunde und Familie wegen verschiedener Ansichten zu verlassen. Im Gegenteil – Jehovah tritt für Witwen und Waisen ein! So auch Jesus im NT: er hatte keine Hemmungen, die Ausgestoßenen und Verworfenen mit offenen Armen zu trösten.

David lud das Volk dazu ein, den zu preisen, der auf den Wolken daherfährt (vgl. V. 34 ; Ps 104,3; Jes 19,1 ), was auf die Majestät Gottes hinweist. Gott steht aufgrund seines gewaltigen Tuns das Lob zu: Er errettet und tröstet die Unterdrückten ( Vaterlose und Witwen ) und läßt die Widerspenstigen einsam in der Wüste zurück.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Im Zusammenhang mit der Freude ruft der Psalmist nun dazu auf, Gott zu „loben“, „seinen Namen zu preisen“. Wenn wir den Namen Gottes anrufen, wird seine Gegenwart Wirklichkeit. Der Psalmist fährt fort: „Erhebt ihn, der auf den Wolken reitet“. Da der Fruchtbarkeitsgott Baal den Titel „Wolkenreiter“ trug, könnte dieser Satz als Polemik gegen ihn gedacht gewesen sein, indem er ihn dem wahren Gott JAH gegenüberstellte, der auf den Wolken reitet und den Regen bringt. Wir sollen „vor ihm frohlocken“. Hier ist unser Gott der Gott der Geschichte und der Natur. Er ist sowohl Erlöser als auch Schöpfer.
In den Versen 5-6 erzählt der Psalmist mehr über den Gott, den wir anbeten. Erstens kümmert er sich um Waisen und Witwen. Er ist „Vater der Waisen“ und „Beschützer der Witwen“. Das Wort für „Verteidiger“ bedeutet ein Richter, der die Witwen beschützt. Derjenige, der sich ihrer Sache annimmt, ist „Gott in seiner heiligen Behausung“. Damit meint der Psalmist entweder den Himmel (V. 33-34) oder den Tempel (V. 29). Als Nächstes kümmert sich Gott um „den Einsamen“, den Fremden oder den Exilanten, indem er ihn „in Familien“ unterbringt oder „zu Hause wohnen lässt“. Außerdem werden „die Gebundenen“ („Gefangene“) „in den Wohlstand“ entlassen (z. B. im Exodus), „aber die Widerspenstigen wohnen in einem trockenen Land“ (wie die Generation von Mose in der Wüste).
So vernichtet Gott die Bösen, kontrolliert die Natur und verteidigt die Armen und Unterdrückten. Diese Offenbarung erfüllt sich in Jesus, der kommt, um den Teufel und sein Reich zu besiegen, das Chaos der Natur zu beherrschen und sich um die Armen zu kümmern (siehe Markus 1,21-27; 4,35-41). Kein Wunder, dass wir „Seinem Namen Lob singen“ sollen.

The Preacher’s Commentary Series

einige wenige – oder alle?

Und sie wurden alle mit Heiligem Geiste erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen (O. Zungen) zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.
Elberfelder 1871 – Apg 2,4

Sie wurden alle mit heiligem Geist erfüllt und fingen an, in verschiedenen Sprachen zu sprechen, so wie der Geist sie dazu befähigte.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Apostelgeschichte 2:4

Und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt. Und sie fingen an, in anderen Sprachen zu reden, so wie der Geist es ihnen auszusprechen gab.
Jantzen & Jettel – Apg. 2,4

Hat nur eine kleine Gruppe in deiner Gemeinde „das Vorrecht“ vom „heiligen Geist“ erfüllt zu sein? Nun schauen wir uns die Geschichte im 1.Jahrhundert an: obwohl nur 11 Apostel Jesus treu blieben, waren zu Pfingsten es mindestens die 120 Jünger, die in Apostelgeschichte 1,15, die ALLE mit dem Geist erfüllt wurden. Wer wird aufgeführt, dass er nicht den Geist bekam? Genau niemand!
Jehovah kehrte die Sprachenverwirrung von Genesis um, und sorgt dafür das Seine Botschaft bekannt wird.

ἐ-πλήσθησαν Aor. Pass. πίμπλημι207 erfüllen, anfüllen, m. τινός mit etwas (A165). πνεῦμα ἅγιον wohl auch ohne Art. best. (vgl. 1,5.8; wahrscheinl. eigennamenartig gebraucht [vgl. A108; BDR § 254; B πνεῦμα 5cα/β]). ἤρξαντο Aor. Med. ἄρχω. λαλεῖν Inf. λαλέω, hier m. ἑτέραις γλώσσαις (wohl dat. instr., A176 [evtl. dat. modi, A180]) mit anderen „Zungen“ reden = in fremden Sprachen reden (B ἕτερος 2); gemeint sind wirkl. Sprachen, die den Sprechern nicht bekannt waren (V. 5ff; vgl. auch 1Kor 14,2ff). ἐ-δίδου Ipf. δίδωμι hier τινί m. Inf. jmdm. gestatten, jmdn. befähigen etwas zu tun (vgl. B 1bβ) bzw. jmdm. eingeben. ἀπο-φθέγγεσθαι Inf. -φθέγγομαι (vgl. A3359ff) gerade heraussagen, laut erklären (v. Äußerungen v. Weisen, Propheten, Wahrsagern o.ä.), hier etwa sich äußern, sich ausdrücken; καθὼς τὸ πνεῦμα ἐδίδου ἀποφθέγγεσθαι αὐτοῖς wie der Geist sie befähigte, sich auszudrücken od. (einfach) wie es der Geist ihnen eingab (Einh.).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Das „Erfülltwerden“ mit dem Heiligen Geist ist nicht dasselbe wie die Taufe mit dem Geist. Die Taufe mit dem Geist erlebt jeder Gläubige nur einmal im Leben, zum Zeitpunkt seiner Rettung (vgl. Apg 11,15-16; Röm 6,3; 1Kor 12,13; Kol 2,12), doch mit dem Geist erfüllt wird er auch danach noch des öfteren (Apg 4,8.31;6,3.5;7,55;9,17;13,9.52).
Die andern Sprachen (heterias glOssais; vgl. Apg 11,15-16), die die Apostel plötzlich beherrschten, waren ein Zeichen für die Taufe mit dem Heiligen Geist. Zweifellos handelte es sich dabei um lebende Sprachen; in Apg 2,6 und 8 wird das Wort dialektO verwendet, es bedeutet „Sprache“, nicht „ekstatische Äußerungen“. Das gibt uns auch Aufschluß über die „Zungen“ in Kap. 2,10.19 und in 1Kor 12-14.
Das Ereignis, das hier beschrieben ist, war praktisch die Geburtsstunde der Kirche. Bis jetzt wurde von ihr immer nur als von etwas Zukünftigem gesprochen (Mt 16,18). Die Kirche bildet einen Leib, der durch die Taufe mit dem Heiligen Geist ins Leben gerufen wurde (1Kor 12,13), also muß das erstmalige Auftreten des Geistes, die Taufe mit dem Heiligen Geist, als die Geburtsstunde der Kirche betrachtet werden. Zwar wird in Apg 2,1-4 nicht ausdrücklich gesagt, daß die Taufe mit dem Heiligen Geist an Pfingsten stattfand. Doch in Apg 1,5 wird sie antizipiert, und Apg 11,15-16 ,wo von Pfingsten die Rede ist, bezieht sich zurück auf sie. Daraus schließen wir, daß die Kirche tatsächlich an Pfingsten gegründet wurde.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Dann geschahen drei Dinge: ein Geräusch, das man hören konnte, ein Anblick, den man sehen konnte, und ein Wunder, das man erleben konnte.
Das zu hörende Geräusch war ein Wind (V. 2). Der Vers unterstreicht die Schnelligkeit, mit der er kam: Es erschien „plötzlich“, ein Begriff, der nur in der Apostelgeschichte verwendet wird
(2,2; 16,26; 28,6). Die Quelle war der Himmel, und es war ein Geräusch wie das Rauschen eines gewaltigen Windes. Der Vers sagt nicht, dass das, was die Apostel hörten, ein Wind war. Er besagt nur, dass das Geräusch wie ein Wind war. In der Heiligen Schrift ist der Wind ein gängiges Symbol für den Heiligen Geist. Eine wörtlichere Übersetzung dieses Teils des Verses würde lauten: „Und es geschah plötzlich ein Brausen wie von einem gewaltigen Wind, der heftig getragen wurde.“ Der Wind tobte und verursachte eine Erschütterung oder einen Nachhall wie das Zischen eines Tornados. Obwohl die Anwesenden dieses Geräusch hörten, spürten sie nie einen Windstoß. Das Ergebnis war, dass das Geräusch das ganze Haus, in dem sie saßen, erfüllte. Die Tatsache, dass Lukas den Begriff „Haus“ verwendet, schließt aus, dass es sich bei dem Ort um den Tempel handelte; es war wohl eher der obere Raum.

Der Anblick, den es zu sehen gab, war Feuer (V. 3). Die Erscheinung war die von „Zungen“. Die Handlung war die des „Zerteilens“. Das griechische Verb (diamerizomenai) bedeutet „zerteilen“ oder „in Stücke schneiden“. Die mittlere Gegenwartsform bedeutet, dass sich die Zungen „zerteilen“; sie verteilen sich. Was die Menschen sahen, war etwas wie Feuer. Auch hier sagt der Vers nicht, dass es Feuer war, sondern nur, dass es wie Feuer aussah, aber die Apostel spürten kein Brennen. Jede der Zungen hatte ein flammenähnliches Aussehen und einen flammenden Glanz. Zunächst sahen die Jünger ein Bündel von Flammen, die miteinander verbunden waren. Dann löste sich der Haufen auf und verteilte sich in einzelne flammenartige Zungen. Dies war eine Erscheinung der Schechinah-Herrlichkeit, der sichtbaren Manifestation der Gegenwart Gottes. Das Ergebnis war, dass sie sich auf jeden einzelnen von ihnen setzte; mit anderen Worten, eine Zunge, die wie Feuer aussah, ruhte auf jedem Apostel.

Das letzte Wunder, das es zu erleben galt, war die Gabe der Zungen, also das Reden in anderen Sprachen (V. 4). Zungen sind das, was das Feuer aussah, und das Wunder war, dass die Apostel auch in anderen Zungen redeten. Die Ursache dafür war, dass sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt waren. Vom Heiligen Geist erfüllt zu sein bedeutet, „von ihm beherrscht zu sein“ (Eph 5,18); die Apostel waren plötzlich vom Heiligen Geist beherrscht. Obwohl nur die Erfüllung mit dem Heiligen Geist erwähnt wird, umfasste dieses Ereignis auch andere Dienste des Heiligen Geistes. Es umfasste zum Beispiel den Dienst der Innewohnung des Geistes (Joh 14,17). Es umfasste auch den Dienst der Geistestaufe, wie ein Vergleich von Apostelgeschichte 1,5 mit Apostelgeschichte 11,15-16 zeigt. All dies erfüllte die Verheißung, die Jeschua in Johannes 16,7-15 gegeben hatte. Das Wort „Zungen“ bedeutet, dass die Apostel begannen, in einer anderen Sprache als ihrer eigenen Muttersprache zu sprechen. Es war eine echte, bekannte, gesprochene Sprache mit allen Regeln der Grammatik, Diktion und Syntax, die allen Sprachen gemeinsam sind. Es handelte sich nicht nur um die schnelle Wiederholung von drei oder vier Silben, die man heute als Zungenrede bezeichnet. Die Quelle dieser Gabe der Sprachen war der Heilige Geist: Der Geist gab ihnen das Sprechen. Mit anderen Worten: Der Heilige Geist sorgte für die Gabe der Zungen oder Sprachen, die eine seiner geistlichen Gaben ist.

Offensichtlich gingen die Apostel nach dem Erlebnis im Obergemach in die Öffentlichkeit und sprachen weiter in den Sprachen der Juden, die aus verschiedenen Ländern nach Jerusalem gekommen waren, um Schawuot zu feiern. Dieses anschließende Ereignis könnte auf dem Tempelgelände stattgefunden haben, denn die in Apostelgeschichte 2,41 erwähnte große Menschenmenge hätte nicht in den Obersaal gepasst. In diesem Kapitel der Apostelgeschichte wird jedoch nicht angegeben, wo die beiden Ereignisse stattfanden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei dieser Gelegenheit ein neues Wirken des Heiligen Geistes stattfand, das wiederum ein neues Gebilde hervorbrachte: die kehillah, die ekklēsia, die Kirche, den Leib des Messias. Diese Tatsache wird in Apostelgeschichte 11,1-18 weiter verdeutlicht.

Die Bedeutung von Schawuot, dem Fest der Wochen, lässt sich in neun Punkten zusammenfassen.
Erstens markierte es das Kommen des Heiligen Geistes für eine neue Art des Dienstes, seinen neutestamentlichen Dienst, gemäß Johannes 16,7-15.
Zweitens wurde das Kommen des Heiligen Geistes durch die drei Zeichen in Apostelgeschichte 2,1-4 gekennzeichnet: das Rauschen des Windes, das Erscheinen von Feuer und die Gabe der Zungenrede.
Drittens ist dieses Pfingsten der Zeitpunkt, an dem die Gabe des Heiligen Geistes gegeben wurde, denn er ist die Gabe (Joh 14,16; Apg 2,38; 10,45). Vor dieser Zeit wohnte der Heilige Geist einigen Gläubigen inne, aber nicht allen Gläubigen. Selbst für die wenigen, die die Innewohnung erfuhren, war sie nicht unbedingt von Dauer. Jetzt wohnt der Heilige Geist allen Gläubigen inne, und diese Innewohnung ist von Dauer.
Viertens bedeutet es, dass die Kraft des Heiligen Geistes jetzt zur Verfügung steht, damit jeder Gläubige den Auftrag, den Gott ihm gegeben hat, erfüllen kann (Apg 1,8).
Fünftens: Pfingsten markiert den Beginn – die Geburt – der Kirche. Das wird deutlich, wenn man vier Bibelstellen vergleicht. Kolosser 1,18 lehrt, dass die Kirche der Leib des Messias ist. In 1. Korinther 12,13 heißt es, dass der Eintritt in diesen Leib, die Kirche, durch die Geistestaufe erfolgt. In Apostelgeschichte 1,5 heißt es, dass die Geistestaufe noch in der Zukunft liegt. In Apostelgeschichte 11,15-16 heißt es, dass die Geistestaufe in Apostelgeschichte 2,1-4 begann. Da die Kirche nicht ohne die Geistestaufe existieren kann, bedeutet dies, dass die Kirche bei dieser Gelegenheit geboren wurde.
Sechstens: Pfingsten öffnete das Evangelium sowohl den Juden als auch den Proselyten (Apg 2,10).
Siebtens bedeutete es, dass Petrus nun zum ersten Mal die Schlüssel des Reiches Gottes benutzen würde. Wie in der Einleitung zu dieser Arbeit erwähnt, wurden ihm diese Schlüssel in Matthäus 16,19 gegeben, um die Tür der kirchlichen Seite des Reich-Gottes-Programms für drei Gruppen zu öffnen: für Juden, Samariter und Heiden. Jetzt war er im Begriff, die Tür für die Juden zu öffnen (Apostelgeschichte 2,14).
Achtens: Pfingsten ist eine Veranschaulichung der zukünftigen Ausgießung des Heiligen Geistes über ganz Israel, die in Joel 2:28-32a vorausgesagt und in Apostelgeschichte 2:16-21 verkündet wird.
Neuntens bedeutet Pfingsten, dass die weltweite Verkündigung des Evangeliums nun ernsthaft beginnt (Apostelgeschichte 2,9-11).


Nach dem rabbinischen Judentum war der Empfang des Heiligen Geistes eine gemeinschaftliche Angelegenheit und abhängig von einer würdigen Generation. In Sifre Devarim zu Deuteronomium 18,12 wird die Frage „Warum ist der Heilige Geist in Israel so wenig sichtbar?“ mit einem Zitat aus Jesaja 59,2 beantwortet: „Weil eure Missetaten euch von eurem Gott getrennt haben.“ [Die Jüdische Enzyklopädie weist auf den Zusammenhang zwischen dem Heiligen Geist und der „Stimme Gottes“, dem Bat Kol, hin und kommentiert auch die Tatsache, dass das Erscheinen des Heiligen Geistes von einer würdigen Generation abhängt:
Nach dem rabbinischen Judentum war der Empfang des Heiligen Geistes eine gemeinschaftliche Angelegenheit und abhängig von einer würdigen Generation. In Sifre Devarim zu Deuteronomium 18,12 wird die Frage „Warum ist der Heilige Geist in Israel so wenig sichtbar?“ mit einem Zitat aus Jesaja 59,2 beantwortet: „Weil eure Missetaten euch von eurem Gott getrennt haben.“ [Die Jüdische Enzyklopädie weist auf den Zusammenhang zwischen dem Heiligen Geist und der „Stimme Gottes“, dem Bat Kol, hin und kommentiert auch die Tatsache, dass das Erscheinen des Heiligen Geistes von einer würdigen Generation abhängt:
Aus dem Vorangegangenen geht hervor, dass die Bat Ḳol mit dem Heiligen Geist, ja sogar mit Gott identifiziert wurde; aber sie unterschied sich wesentlich von den Propheten, obwohl diese als Medium des Heiligen Geistes sprachen. Der Heilige Geist ruhte auf den Propheten, und die Verbindung war persönlich und intim, während diejenigen, die das Bat Ḳol hörten, in keiner Beziehung zum Heiligen Geist standen. Die Propheten wiederum besaßen den Heiligen Geist; aber die Bat Ḳol konnte nicht besessen werden: Gott sprach durch sie, wie er es durch die Propheten tat. Aus diesem Grund richtete sich das Bat Ḳol nicht nur an begünstigte Sterbliche, sondern auch an Sünder, Einzelne oder Scharen, innerhalb oder außerhalb des Heiligen Landes (B. M. 86a; B. B. 73b, 74b). Sie offenbarte den höheren Willen … in vollkommen verständlichen Worten. „Nach dem Tod der letzten drei Propheten, Haggai, Sacharja und Maleachi, verließ der Heilige Geist Israel; aber das Bat Ḳol wurde noch gehört“ (Tos., Soṭah, xiii. 2 . . .). Die Prophezeiung war eine Gabe, der nicht nur der Prophet, sondern auch seine Generation würdig sein musste. Ein Bat Ḳol erklärte Hillel und Samuel den Kleinen für würdig, den Heiligen Geist auf sich ruhen zu lassen, wäre da nicht ihre Generation gewesen.
Das rabbinische Judentum sprach zwar vom Heiligen Geist, aber man darf nicht vergessen, dass es den Heiligen Geist nicht als Gott ansah, sondern als einen göttlichen Einfluss von Kraft oder Macht.

Arnold G. Fruchtenbaum – Apostelgeschichte

Das waren die Zeichen, die die Gabe des Christus kundmachten; nun wird diese selbst beschrieben. 2,4: Und alle wurden von heiligem Geist voll und begannen, mit anderen Zungen zu reden, wie der Geist es ihnen gab zu sprechen. Nun war ihr Inneres durch göttlichen Antrieb bewegt; aus Gottes Licht flossen ihre Gedanken, und unter seiner Wirkung hob sich ihr Herz nach oben, und ihr Begehren und Lieben wurde rein und stark an Gottes Kraft und eins mit seinem Willen.
Der neue Geist wirkte ein neues Wort; er gab ihnen nun andere Zungen als diejenigen, welche die natürliche Geisteskraft dem Menschen gibt. Was sie sprachen, formten sie sich nicht mehr selbst mit des eigenen Herzens Dichten, an dem viel Eitelkeit hängt, sondern sprachen aus, was sie inwendig aus Gott empfangen hatten. Es folgt aus dem Wesen des Geists als der Gegenwart und Wirkung Gottes in uns, daß die neue Zunge vor allem in Gebet bestand. Wenn Gott uns das Wort gibt, so verherrlicht es ihn. Die Jünger sprachen in Anbetung von Gottes Herrlichkeit, nicht mit dunklen, allgemeinen Begriffen, sondern im Blick auf sein Werk und Reich; jene Größe Gottes priesen sie, die sich in der Sendung des Christus offenbart. Über die Form und den Laut ihrer Worte ist in Vers 4 noch nichts gesagt; nur das, daß sie deutlich das Merkmal an sich trugen, sie stammten nicht aus den Jüngern, sondern aus dem Geist, und Seien von Gott empfangen, nicht von ihnen selbst gemacht.
Damit hat uns Lukas das Erlebnis der Jünger so weit beschrieben, als es die Jünger selbst ergriff und ihre Hoffgnung in Besitz, ihre Bitten in Dank und Anbetung verwandelte. Christus hatte sie, als er zum Vater ging, nicht verlassen; vom Throne Gottes her gab er ihnen das Gut, das all ihr Bitten und Verstehen überstieg: Geist Gottes legte er in sie und gab ihnen damit das höchste Pfand der Gnade und die gewisseste Bezeugung Gottes, eine Lebensgemeinschaft mit ihm, die sie innerlich und darum ganz mit Gott verband. Allein weil sie Jesu Jünger waren, kam bei ihnen nie bloß das in betracht, was sie für sich selbst an Erfahrung der Gnade und an himmlischen Gaben erlangten; denn sie haben einen Beruf, ein Werk ist ihnen aufgetragen, und auch dafür wurde ihnen die Pfingstgabe gegeben. Im unmittelbaren Zusammenhang mit ihr begann ihr Aposteldienst. Würden wir die eine von der anderen Bedeutung des Vorganges abscheiden, so wäre die Meinung des Berichts verletzt. Weder nur eine Amtsgnade noch nur ein persönlicher Besitz, weder nur Ausrüstung zum Werk noch nur eigene innerliche Heiligung und Glaubensfähigkeit war die Gabe des Geistes, sondern beides zusammen in untrennbarer Einigung. Die Jünger wären nicht zweierlei, Christen und auch noch Apostel, hatten nicht ein doppeltes Ziel, für sich im Glauben zu leben und auch noch den Leuten zu helfen. Das lag für sie völlig ineinander: als Jesu Jünger waren sie die Apostel, und in der Durchführung ihres Berufes hatten und behielten sie den Glaubensstand. So wurde auch durch das eine und selbe Erlebnis am Pfingsttag beides bewirkt, daß ihr Aufblick zu Gott neu wurde und ebenso neu auch ihr Verhalten gegenüber der Judenschaft.

Schlatters Erlӓuterungen zum Neuen Testament

Die Zungen werden als „sich zerteilende“ bezeichnet. Vielleicht sollten wir sofort übersetzen: sich „verteilende“. Nicht das Bild gespaltener Flammen ist gemeint, sondern die persönliche Zuwendung des Geistesfeuers zu jedem einzelnen der großen Schar. Darum fährt Lukas trotz der eben genannten Mehrzahl von Zungen fort: „… und er ließ sich auf jeden einzelnen von ihnen nieder.“ Treffend kommt in dieser scheinbar ungeschickten Formulierung zum Ausdruck, daß es der eine unteilbare Heilige Geist ist, der nun doch persönlich jedem einzelnen zuteil wird. „Und sie wurden erfüllt alle von Heiligem Geist.“ Es ist der Geist wie ein von oben kommendes Feuermeer, das mit seinen „Zungen“ nach allen Versammelten greift. Nicht etwa nur die Apostel, die „Amtsträger“, erhalten den Geist. Auch die anderen Jünger werden mit ihm beschenkt, auch die Frauen. Jawohl, es gilt in der Gemeinde Jesu von Anfang an: „Hier ist nicht Mann noch Weib“ (Gal 3, 28). Darum blickt Petrus bei seiner Rede auf das Wort Joels, das ausdrücklich die „Mägde“ und „Töchter“ mit den „Söhnen“ und „Knechten“ zusammen als Empfänger des Geistes und seiner Wirkungen nennt.
Was aber wirkt der Geist? Nur innere Erfüllung und Freude bei den Beschenkten selbst? Das widerspräche der Grundlinie der gesamten Schriftoffenbarung. Niemals sind Gottes mächtige Taten nur zu unserer persönlichen inneren Beglückung da! Immer bereiten sie Menschen für Gott, zur Ehre Gottes und zur Mitarbeit in Gottes Heilsgeschichte unter den Menschen. So erfahren es nun auch die Jünger: „Sie begannen zu reden mit anderen Zungen, wie der Geist es ihnen auszusprechen gab.“ Der Heilige Geist gibt „auszusprechen“. Das dafür verwendete Wort meint ein feuriges oder begeistertes Sprechen. Die Jünger „predigen“ nicht etwa! Lukas hat sehr klar dargestellt, wie eine eigentliche „Predigt“ mit ihren ruhigen (wenn auch zum Durchbohren von Herzen bevollmächtigten!) Darlegungen dann erst die Sache des Petrus ist. Wie sollten auch 120 Menschen zu gleicher Zeit „Predigten halten“ können! Wer sollte da folgen. Es ist auch beachtlich, daß Mißgünstige unter der Menge von den Jüngern den Eindruck haben konnten: „Sie sind voll jungen Weins.“ Das macht deutlich, daß es sich nicht um „Predigen in verschiedenen Sprachen oder Dialekten“ handeln konnte. Wie hätte dabei jeder der Zuhörer gerade an den Jünger kommen sollen, der seine Heimatsprache redete. Und ein Predigen in verschiedenen Sprachen macht auch nicht den Eindruck der „Trunkenheit“. Nein, es wird dies „Reden mit andern Zungen“ das erste urchristliche „Zungenreden“ gewesen sein. Bei ihm konnte der Außenstehende achselzuckend sagen: „Wahnsinnige!“ (1 Ko 14, 23) oder eben hier „Betrunkene!“ Es ist doch auch recht wichtig, daß später Petrus das „Zungenreden“ der mit dem Geist beschenkten Heiden ausdrücklich zu dem Pfingstgeschehen in Parallele setzt: Apg 11, 15 in Verbindung mit Kap. 10, 44–46; 15, 8. Das „Zungenreden“ aber war kein „Predigen“, sondern ein Anbeten, Loben, Rühmen, Danken (Apg 10, 46; 1 Ko 14, 14–17). So preisen hier die Jünger im Zungengebet die Großtaten Gottes. Das konnten sie in der großen Schar gleichzeitig tun. Wir sind von bitteren Erfahrungen her mit Recht40 mißtrauisch gegen alle „enthusiastischen“ Erscheinungen. Das darf uns aber doch nicht hindern zu sehen, daß in der Apostelgeschichte die „Zungenrede“ als besonderes Zeichen der Wirksamkeit des Geistes betrachtet wird und daß auch Paulus selbst viel in Zungen redete (1 Ko 14, 18). Ganz gewiß, Lukas steht in der Wertung der Geistesgaben genauso wie Paulus in 1 Ko 14, 5. Nicht das jubelnde Beten der Jüngerschar in Zungen schafft die Bußbewegung, die zur Bildung der Urgemeinde führt, sondern die Verkündigung des Petrus (das „Weissagen“). Dennoch bleibt es etwas Großes, was hier am Pfingstmorgen geschah. Von Gott gewußt, an Gott geglaubt haben die Jünger auch vorher schon. Sie konnten auch vor Pfingsten mit einem Ernst und einer Ausdauer beten, die uns beschämt. Nun aber steht im Heiligen Geist Gottes Wirklichkeit und Herrlichkeit so einzigartig vor ihnen, daß sie vollständig sich selber und alles um sich her vergessen und nur noch Gott anbeten und preisen können. Was sie im Geist von Gottes Weisheit, Heiligkeit, Liebe und Erbarmen vor sich sehen, das sprengt alles menschliche Denken und Reden. Alle Worte üblicher Sprache versagen davor. Nur noch „in anderen Zungen“ kann die „Großartigkeit“ (mögliche Übersetzung für die „großen Taten“ Gottes) des Wesens, der Gedanken und der Taten Gottes angebetet werden.

Wuppertaler Studienbibel

Warum sollten IHN alle preisen?

Die Sanftmütigen werden es sehen, sie werden (O. Wenn die Sanftmütigen es sehen, so werden sie usw.) sich freuen; ihr, die ihr Gott suchet, es lebe euer Herz! (O. euer Herz wird leben)
Denn Jehova hört auf die Armen, und seine Gefangenen verachtet er nicht.
Ihn sollen loben Himmel und Erde, die Meere, und alles, was in ihnen wimmelt!
Denn Gott wird Zion retten und die Städte Judas bauen; und sie werden daselbst wohnen und es besitzen.
Elberfelder 1871 – Ps 69,33–36

Himmel und Erde sollen ihn loben, die Meere und alles, was darin lebt!
Denn der Herr wird den Berg Zion befreien und die Städte in Jerusalem wieder aufbauen. Sein Volk wird sich darin niederlassen und das Land erneut in Besitz nehmen.
Hoffnung für alle – 1996 – Ps 69,35–36

Himmel und Erde singen ihm Lob, das Meer und alles, was sich darin regt.
Fürwahr, Gott wird Zion erretten, Judas Städte wird er neu erbauen. Sie werden dort wohnen und besitzen das Land.
Seiner Knechte Stamm wird es erben. Darin wohnen werden, die seinen Namen lieben.
Paderborner Bibel – Psalm 69,34–36

Himmel und Erde sollen IHN preisen?? Warum? Was passiert hier in diesem Psalm?

Das eine ist die Schlußfolgerung des anderen. Zuerst wird der Tod des Gesalbten verheißen – mit all dem Leid …

Der Sprecher der letzten sieben Verse ist der auferstandene Erlöser. Zunächst gelobt er, Gott zu erheben, weil er ihn von Tod und Grab befreit hat. Er will den Namen Gottes im Lied preisen und ihn durch Danksagung groß machen. Das wird dem HERRN viel besser gefallen als die aufwendigsten Opfer. Und die unterdrückten Sanftmütigen werden Mut fassen, wenn sie begreifen, dass der HERR auf die Armen hört und die Gefangenen befreit, genauso wie er die Gebete des Heilands erhörte und ihn befreite.
Und was ist mit dem Volk Israel? Die letzten drei Verse sagen ihm eine wunderbare Zukunft voraus. Obwohl für eine Zeit beiseitegesetzt, wird Israels Segensstellung wiederhergestellt werden. Wenn die Israeliten auf den blicken, den sie durchstochen haben, werden sie wehklagen, wie man um den Erstgeborenen weint, wenn sie sagen: »Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn«, dann wird Gott Zion retten und die Städte Judas wieder bauen. Sie sollen nicht länger unter den Völkern zerstreut sein; denn seine Knechte werden im Land wohnen, und ihre Kinder werden es besitzen. Dies ist natürlich ein Ausblick auf das Tausendjährige Reich, wenn der Herr Jesus als Messias-König regieren und Israel sicher in seinem Land wohnen wird.

MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

Der Psalm schließt mit der kosmischen Antwort auf Gottes Wirken für seinen Knecht: Der Himmel, die Erde, die Meere und alles, was sich in ihnen bewegt, sollen Gott loben (V. 34). Der Grund dafür wird in V. 35-36 genannt: „Denn Gott wird Zion retten und die Städte Judas aufbauen. Sie werden dort wohnen und es in Besitz nehmen. Die Nachkommen seiner Knechte werden es erben, und die, die seinen Namen lieben, werden darin wohnen.“ In V. 35 taucht der Begriff „Heil“ zum vierten Mal im Psalm auf und bildet einen Inclusio mit V. 1. Die Rettung, um die der Bittsteller bittet, ist nun für diejenigen garantiert, die ihn lieben, denn der Leidende spiegelt die Realität einer leidenden Gemeinschaft wider. Wenn Jahwe seinen Knecht rettet, wird er auch Zion und die Gemeinschaft des Glaubens retten. Oder vielleicht gibt es aufgrund des Werkes Gottes durch und für den Knecht eine Erwartung eines Werkes Gottes für die Knechte. Die Schmach, die der Knecht getragen hat, bedeutet Rettung und Sicherheit für seine Knechte, auf denen die Schmach hätte landen können. Letztlich beruht die Hoffnung, die der Psalter zum Ausdruck bringt, auf dem Werk eines anderen – des Gesalbten, des Sohnes, des leidenden Knechtes.

Moody Handbuch messianische Prophezeiungen

Mit Ausnahme von Ps 22 wird Ps 69 im Neuen Testament häufiger zitiert als jeder andere Teil der hebräischen Bibel. Acht Verse aus Ps 69 werden im NT zitiert oder angeführt: 69:4 → Joh 15:25; 69:9 → Joh 2:17; Röm 15:3; Heb 11:26; 69:21 → Mk 15:23, 36; Joh 19:29; 69:22-23 → Röm 11:9-10; 69:24 → Offb 16:1; 69:25 → Apg 1:20; 69:28 → Phl 4:3; Offb 3:5; 13:8; 17:8; 20:12, 15; 21:27. Nicht alle diese Texte werden verwendet, um Jesus als Messias oder in einem messianischen Kontext zu bezeichnen. Wenn Ps 69 jedoch zur Theologie eines messianischen Psalters beigetragen hat, sollte die Aneignung dieser Theologie durch das NT ganz natürlich erscheinen. Ein Beispiel dafür ist das Johannesevangelium, das diese messianische Lesart des Textes deutlich macht.

Moody Handbuch messianische Prophezeiungen

Wir oder der Christus?

Weshalb wir auch allezeit für euch beten, auf daß unser Gott euch würdig erachte der Berufung und erfülle alles Wohlgefallen seiner Gütigkeit und das Werk des Glaubens in Kraft, damit der Name unseres Herrn Jesus Christus verherrlicht werde in euch, und ihr in ihm, nach der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus.
Elberfelder 1871 – 2. Thess 1,11–12

Wir bitten unseren Gott, der euch zum Glauben gerufen hat, dass er euch hilft, ein Leben zu führen, das dieses Rufes würdig ist, und dass er in seiner Macht alles Gute, das ihr vorhabt, zustande kommen lässt und alles, was ihr auf der Grundlage des Glaubens tut, zur Vollendung bringt. Dann wird der Name unseres Herrn Jesus für all das geehrt werden, was durch ihn in eurem Leben geschehen ist, und weil ihr mit ihm verbunden seid, werdet auf diese Weise auch ihr geehrt werden. Das alles verdanken wir der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus.
Neue Genfer Übersetzung – 2. Thessalonicher 1,11–12

Gerade zu diesem Zweck beten wir tatsächlich allezeit für euch, daß unser Gott euch [seiner] Berufung für würdig erachte und alles Gute, das ihm gefällt, und das Werk des Glaubens mit Macht vollbringe, damit der Name unseres Herrn Jesus in euch verherrlicht werde und ihr in Gemeinschaft mit ihm, gemäß der unverdienten Güte unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus.
neue Welt Übersetzung – Bi12 – 2.Thess 1:11–12

Was ist wirklich wichtig? Der Name unserer Gemeinde? Der eigene Ruf?
Wenn man sich heute so in sozialen Netzwerken umschaut, so ist wohl der eigene Ruf das allerwichtigste? Und dann kommt die „Firma“ für die man arbeitet – ob Gemeinde oder weltliche Arbeitgeber. Aber was ist mit dem himmlischen Vater? Und was ist mit Christus?
Gerade in den letzten Tagen leider so oft beobachtet: da wurde auch von anderen Christen der verstorbene Papst in allen Möglichkeiten schlecht gemacht, anstatt die wichtigen Schriften von ihm hochzuhalten. Eine Ausnahme war der Pastor Ulrich Parzany, der unter anderem schrieb:

Ich hätte mir gewünscht, ein evangelischer Kirchenführer hätte die 3 Jesus-Bücher geschrieben, die Benedikt verfasst hat. Nichts haben wir heute nötiger, als Jesus Christus bekanntzumachen, wie ihn die Evangelien darstellen. Das bleibt unsere wichtigste Aufgabe auch in diesem Jahr.

Ulrich Parzany

Statt dessen lese ich, dass Pastoren mit KI Predigten aufpeppen wollen – anstatt die wichtige Botschaft in den Mittelpunkt zu rücken.
Andere „Glaubensgemeinschaften“ drehen sich nur noch um „den Selbstschutz“, indem es ständig darum geht, andere Meinungen zu meiden, und wie man sein eigenes Leben führen sollte.
Aber Gottes Wort? Gottes Name? Der Name und das Leben des Messias? – naja im Namen trägt man es schon noch, oder im „Glaubensbekenntnis“ und im „Gebet“ – aber ansonsten??

Und Paulus?

Paulus und seine Mitarbeiter beten beständig für die Thessalonicher, denn das geistliche Wohl der Gemeinde liegt ihnen in besonderer Weise am Herzen.
Sie bitten Gott, die Gemeindeglieder der Berufung, die sie von ihm empfangen haben, würdig zu machen, so daß sie durch ihren Glauben an Jesus Christus zu Gott finden (vgl. Röm 8,30; Eph 4,1; 1Thes 4,7). Wenn Paulus für seine Gemeinden um die Befähigung zu einer wahrhaft christlichen Lebensführung bat, so ging er dabei von dem aus, was Gott bereits für die Gläubigen getan hatte: Christen leben ja nicht nach dem Willen Gottes, um erlöst zu werden, sondern weil ihnen die Erlösung bereits geschenkt ist.
Eine zweite Bitte der Apostel richtet sich darauf, daß Gott alles Wohlgefallen am Guten in der Gemeinde wecken und das Werk des Glaubens in ihr zur Vollendung bringen möge. Beides hat seinen Ursprung in Gott (Phil 2,13) und kann daher nur in seiner Kraft erreicht werden.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

»Damit« oder »auf das« ( hopôs ) drückt das Ziel des Gebets aus, nämlich daß in der Gegenwart und als Folge des Wirkens Gottes »der Name unseres Herrn Jesus Christus verherrlicht werde in euch«. Es ist immer noch ihre Stellung in der Gegenwart, über die er zu ihnen spricht, daß sie nämlich – zurückblickend auf die Berufung Gottes und vorausblickend auf deren Ziel in der Herrlichkeit – durch die in ihnen wirkende Kraft Gottes (vgl. Kol 1,29) Wohlgefallen an Gütigkeit haben und den Glauben in praktischer Handlung ausleben sollten. Dies ist aber nicht möglich, wenn sie zulassen, daß die falschen Lehrer sie zu einer Haltung von Schwermut und Verzweiflung verleiten. Es ist ein Gebet um die gegenwärtige Erfahrung eines Lebens, geprägt durch den Sieg des Königreiches. Der König herrscht noch nicht hier, aber sie sollten durch die Kraft Gottes in ihrem Leben die zukünftige Gewißheit dessen zeigen, indem sie dieser Welt einen Vorgeschmack, ein Muster des kommenden Tages präsentieren, indem sie Ihn zum Ausdruck brächten in einem vom Heiligen Geist erfüllten Leben, gekennzeichnet von Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit.
»Der Name« wird in der LXX verwendet, um den Charakter Jahwes in Seiner Offenbarung den Menschen gegenüber zu beschreiben. Siehe dazu 2.Mo 34,6 und weiter auch Joh 17,6. Der Name bezeichnet, was eine Person in sich selbst ist. In seinem Kommentar zu diesem Vers zitiert Bloomfield Schott und Bengel und sagt: »Das Wort kann nichts anderes bedeuten als eine Bezeichnung der Würde und Majestät Jesu Christi, vgl. Phil 2,9.10; Hebräer 1,4. Daß das Wort diese Bedeutung bei den klassischen griechischen Schriftstellern hat, steht außer Zweifel«. Eine praktische Illustration ist bei uns der geläufige Ausdruck, daß ein Produkt »einen guten Namen« hat, wobei wir natürlich nicht sein Etikett meinen, sondern seine Qualitäten. Deshalb sollen die Heiligen also durch die Wirksamkeit göttlicher Gnade und Kraft – denn es gibt keinen anderen Weg – in ihrem Leben genau das offenbaren, was »unser Herr Jesus Christus« (lieblicher Ausdruck) in Sich Selbst ist, auf daß Er »in euch verherrlicht werde«.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Das letzte Ziel der Berufung und Vollendung der Gemeindeglieder ist die Verherrlichung Jesu Christi (vgl. Eph 1,12): »Damit der Name unseres Herrn Jesus unter euch verherrlicht werde, und ihr bei ihm.« Auch hier lehnt sich die Sprache an Jesaja (Jes 66,5) an, wobei »der Herr« erneut auf den »Herrn Jesus« übertragen wird. Indem Gott die Thessalonicher zur Vollendung bringt, sind sie an dem in V. 10 geschilderten Geschehen beteiligt, der Verherrlichung Jesu bei seiner Parusie.
Das Gebet wird abgeschlossen durch den Hinweis auf die Grundlage von Heil und Herrlichkeit: »nach der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus« (vgl. ähnlich Röm 4,4.16; 12,6; 1Kor 3,10). Die Gnade Gottes, die sich in Jesus Christus erweist, umschließt alles, was an und durch Menschen geschieht.

Gerhard Maier – Edition C

Noch einmal geht der Blick zum Ziel: „damit verherrlicht werde der Name unseres Herrn Jesus in euch und ihr in Ihm.“ Wieder ist das Ziel ebenso selbstlos wie gewaltig gesehen. Es geht nicht um „Seligkeit“, so wie wir heute dies Wort meist egoistisch und gefühlig mißverstehen. Es geht um „Herrlichkeit“. Sie allein ist das eigentliche „Ziel“. Aber auch da nicht zuerst unsere Herrlichkeit! Daß der Name Jesu verherrlicht werde, darin sieht unser Brief das hohe Ziel der ganzen Weltgeschichte mit ihrem entscheidenden Kern, der Geschichte der Gemeinde. Wer Jesus kennt, wer der Liebe Jesu seine ewige Errettung verdankt und darum den Namen Jesu über alle anderen Namen liebt und ehrt, stimmt von Herzen unserem Brief zu. Die Gemeinde Jesu kommt ihrerseits nicht zu kurz dabei! Denn hier ist die Verherrlichung Jesu in Seiner Gemeinde und die Verherrlichung der Gemeinde in Jesus genauso doppelseitig miteinander verknüpft wie die Verherrlichung des Vaters im Sohn und des Sohnes im Vater durch Jesus im Johannesevangelium. Wenn Gottes Wirken in einer Gemeinde „jeden Entschluß der Güte und Werk des Glaubens kraftvoll zur Vollendung bringt“, dann ist in dieser Gemeinde und an ihr „der Name Jesu verherrlicht“, wie umgekehrt die Gemeinde in Jesus verherrlicht ist.
Daß es dahin wirklich kommt, das geschieht „nach der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus“. Die Gnade ist dabei nicht als „Lückenbüßer“ aufgefaßt. Das Ziel ist hier — ob uns das theologisch richtig erscheint oder nicht — nicht so gesehen, daß eine versagende, leere und kraftlose Gemeinde aus lauter Gnade dann doch in den Himmel kommt, sondern so, daß der Name Jesu aus einer kraftvoll zur Vollendung gebrachten Gemeinde hell herausleuchtet, wodurch umgekehrt diese Gemeinde ihrerseits tatsächlich und nicht nur dogmatisch eine in Jesus „herrliche“ Gemeinde ist.

Wuppertaler Studienbibel

mein Teil ist Gott auf ewig

Wen habe ich im Himmel? Und neben dir habe ich an nichts Lust auf der Erde.
Vergeht mein Fleisch und mein Herz, meines Herzens Fels und mein Teil ist Gott auf ewig.
Elberfelder Bibel 1905 – Ps 73,25–26

Wen habe ich im Himmel außer dir?
Und auch auf der Erde habe ich nach nichts Verlangen, wenn ich nur dich bei mir weiß!
Wenn auch meine Kräfte schwinden und mein Körper mehr und mehr verfällt,
so gibt doch Gott meiner Seele Halt.
Er ist alles, was ich brauche – und das für immer!
Neue Genfer Übersetzung – Psalm 73,25–26

Wen habe ich in den Himmeln?
Und neben dir habe ich keine andere Lust auf der Erde.
Mein Organismus und mein Herz haben versagt.
Gott ist der Fels meines Herzens und mein Teil auf unabsehbare Zeit.
neue Welt Übersetzung – Bi12 – Psalm 73:25–26

Wen habe ich im Himmel außer dir?
Du bist mir wichtiger als alles andere auf der Erde.
Bin ich auch krank und völlig geschwächt,
bleibt Gott der Trost meines Herzens, er gehört mir für immer und ewig.
Neues Leben Bibel – Ps 73,25–26

Was ist wirklich wichtig? Was ist wirklich bleibend?

Die positive Seite der Lösung war Asafs Überzeugung von seinem eigenen, ruhmreichen Schicksal. Er bekannte, daß seine Sicht durch Unverständnis getrübt worden war. Wenn er nicht so unverständig gewesen wäre, gestand er ein, wäre sein Herz nicht so erbittert worden (V. 21-22 ). ( Sich grämen heißt wörtl.: „bitter werden“; verbittert heißt wörtl.: „stechenden Schmerz fühlen“.) Asafs eigene Lage stand im Gegensatz zu den Gottlosen, denn er wußte, daß Gott immer bei ihm war (V. 23 ), ihn weise führte ( mit seinem Rat ) und ihn in die Herrlichkeit aufnahm (V. 24 ). „In die Herrlichkeit“ könnte auch mit „mit Herrlichkeit“ übersetzt werden und bedeutet, daß Gott Asaf durch seine Schwierigkeiten hindurch führte, so daß er Ehre (und nicht Schande; vgl. Ps 4,3 ) in seinem Leben empfing.
Zudem versicherte Asaf, daß er nichts außer Gott im Himmel und auf der Erde habe. Obwohl Asaf niedergedrückt war, war Gott doch seine Stärke (vgl. Ps 18,2 ) und sein Teil (vgl. Ps 16,5; 119,57; 142,6 ). Es gibt Gottlose, denen es materiell gesehen wohl ergeht, aber nur der geistliche „Besitz“ der Gerechten wird Bestand haben.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Wenn ich nur dich habe. Noch deutlicher legt der Verfasser hier dar, wie Großes er im Heiligtum Gottes gewonnen hat: Er ist imstande, alles, was sich ihm sonst darbietet, zurückzuweisen, weil er an einem genug hat, an seinem Gott. Außer ihm begehrt er nichts, weder im Himmel noch auf Erden, und verabscheut, was irgend sonst die Menschen herbeiwünschen. Und Gott empfängt auch erst dann die ihm gebührende Ehre von uns, wenn wir nicht mehr mit begehrlichem Gemüte uns bald hier, bald dorthin wenden, sondern wenn er selbst und er allein uns genügt. Ja, wenn wir auch nur das kleinste Stück von Vorliebe Geschöpfen zuwenden, stehlen wir Gott ebenso viel an der Ehre, die wir ihm schuldig sind. Und doch hat es in allen Jahrhunderten bis heute nichts Gewöhnlicheres gegeben, als diesen Raub am Heiligen. Denn wie selten findet man einen Menschen, dessen Sinnen und Trachten in Gott allein aufgeht? Wir sehen ja, wie so viele zwar mit dem Munde bekennen, dass von Gott alles abhängig sei, und doch im Leben unzählige Male sich anderweitige Hilfe verschaffen. Andere sind so hochmütig, dass sie sich oder andere Menschen Gott an die Seite stellen wollen! Desto ernster sollen wir es uns merken, dass es unrecht ist, sich an irgendjemand außer Gott zu hängen. Wenn David von „Himmel und Erde“ spricht, so bezeichnet er damit zwar alles, was Menschen sich vorstellen können, aber er denkt doch, wie mir scheint, noch besonders an zwei Dinge. Im Himmel begehrt er niemand als Gott;28 er verwirft also alle erfundenen Götter, mit denen die allgemeine Torheit und Unwissenheit der Menschen den Himmel bevölkert. Und wenn er sagt, er begehre auf Erden niemand, so beziehe ich das auf die Täuschereien, von denen so ziemlich die ganze Welt trunken ist. Denn auch solche, die sich nicht von jener ersten List Satans verführen lassen, den falschen Göttern zu huldigen, verführen sich selbst durch Anmaßung, indem sie sich auf ihren Fleiß und ihre Tüchtigkeit oder Klugheit verlassen, also das, was dem Herrn gehört, für sich in Anspruch nehmen, oder indem sie sich von trügerischen Reizen verlocken lassen, auf Menschengunst vertrauen oder auf eigene Glücksgüter oder fremde Hilfsmittel sich stützen. Die einzig richtige Art, nach Gott zu fragen, ist also die, dass wir uns nicht auf allerlei Umwege abziehen lassen, sondern allen Aberglauben sowie allen Stolz ablegen und geradeswegs nach Gott allein trachten. Damit wir aber in Gott allein unser Genüge finden, verlohnt es sich, die Fülle von Gütern, die er uns anbietet, kennen zu lernen.
V. 26. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet usw. David stellt dem Verschmachten, das er in sich fühlt, die Stärke entgegen, die ihm von Gott her zuteilwird. Er will sagen: Während ich, von Gott getrennt, nichts bin und alles, was ich habe, in nichts zerfällt, so finde ich, sowie ich zu Gott komme, volle Stärke. Und das tut uns in erster Linie not, zu erkennen, was wir ohne Gott sind. Denn niemand vertraut sich ganz dem Herrn an, als wer seinen Mangel erkennt und deshalb an seinen Fähigkeiten verzweifelt. Wir pflegen nichts von Gott zu erbitten, als was uns selbst innerlich abgeht. Soviel bekennen nun zwar alle, und die meisten halten es für genügend, dass Gott sie in der Schwachheit unterstütze oder ihrem Mangel abhelfe. Davids Bekenntnis aber hat einen viel volleren Sinn, indem er vor Gott sein Nichtssein, dass ich so sage, dargelegt und dementsprechend beifügt: So bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Mit dem letzteren Ausdruck bezeichnet die Schrift das Los, mit dem ein jeder sich zufrieden gibt. Wenn das also auf Gott angewendet wird, so will damit gesagt sein, dass er selbst allein uns überschwänglich genügt und die vollkommene Glückseligkeit in ihm beruht. Daraus folgt, dass wir undankbar sind, wenn wir unser Herz anderswohin wenden (vgl. auch Ps. 16, 5). Von der Seele will übrigens David an unserer Stelle nicht aussagen, dass sie in ihrem Wesen nach verschmachte, d. h. hinfällig sei, sondern nur dass ihre Kräfte zerfallen, und dass dieselben allein durch Gottes Freigebigkeit auf unser Bitten hin erhalten bleiben.

Jean Calvin

Saul & Samuel – 6

Und er wartete sieben Tage, bis zu der von Samuel bestimmten Zeit; aber Samuel kam nicht nach Gilgal. Und das Volk zerstreute sich von ihm weg.
Da sprach Saul: Bringet mir das Brandopfer und die Friedensopfer her! Und er opferte das Brandopfer.
Und es geschah, als er das Opfern des Brandopfers vollendet hatte, siehe, da kam Samuel; und Saul ging hinaus, ihm entgegen, ihn zu begrüßen.
Und Samuel sprach: Was hast du getan! Und Saul sprach: Weil ich sah, daß das Volk sich von mir weg zerstreute, und du nicht kamst zur bestimmten Zeit, und die Philister zu Mikmas versammelt waren, so sprach ich:
Jetzt werden die Philister zu mir nach Gilgal herabkommen, und ich habe Jehova nicht angefleht! und ich überwand mich und opferte das Brandopfer.
Und Samuel sprach zu Saul: Du hast töricht gehandelt, du hast nicht beobachtet das Gebot Jehovas, deines Gottes, das er dir geboten hat; denn jetzt hätte Jehova dein Königtum über Israel bestätigt auf ewig; nun aber wird dein Königtum nicht bestehen. Jehova hat sich einen Mann gesucht nach seinem Herzen, und Jehova hat ihn zum Fürsten über sein Volk bestellt; denn du hast nicht beobachtet, was Jehova dir geboten hatte.
Elberfelder 1871 – 1 Sam 13,8–14

Saul wartete dort auf den Propheten Samuel. Er hatte Saul ja versichert, er würde in einer Woche nach Gilgal kommen. Aber als er am achten Tag immer noch nicht da war, entfernten sich die ersten Soldaten von der Front und verdünnisierten sich.
Saul beschloss darum, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. „Tiere für ein Opferritual herbringen, aber sofort!“, befahl er seinen Leuten. „Ich werde jetzt hier ein Abfackelopfer und ein paar Dankopfer alleine durchziehen!“ Nachdem die Sachen da waren, fing er an, das ganze Opferding durchzuziehen.
Als er gerade das Abfackelopfer beendet hatte, war Samuel endlich da. Saul ging ihm entgegen, um ihn zu begrüßen.
Aber Samuel sagte zu ihm: „Verdammt, Saul! Was haben Sie für einen Blödsinn angestellt?“ – „Äh, wieso, ich musste was unternehmen“, antwortete er. „Die Soldaten waren am Weglaufen, weil Sie nicht pünktlich hier waren! Und die Philister haben auch nicht auf Sie gewartet, die stehen jetzt schon vor Michmas.
Ich hab mir ausgerechnet, dass die jetzt bald nach Gilgal runterkommen und uns angreifen würden, bevor ich Gott um Hilfe bitten konnte. Darum hab ich mich getraut und in der Zeitnot einfach das Opfer alleine durchgezogen!“
„Ganz toll, können Sie nicht mal Ihr Hirn einschalten? Damit haben Sie die Linie übertreten und sich nicht an das gehalten, was Gott Ihnen gesagt hatte. Er hätte Sie gerade jetzt als Präsident über Israel voll bestätigen können. Auch in Zukunft hätte keiner mehr was gegen Sie oder Ihre Nachfolger sagen können.
Aber jetzt wird Ihre Amtszeit nicht mehr lange dauern, weil Sie nicht das getan haben, was Gott von Ihnen wollte. Er hat sich jetzt schon einen anderen für Ihren Posten ausgeguckt. Den mag er, und den hat er schon als neuen Chef für seine Leute bestimmt.“
VolxBibel – 1.Samuel 13,8–14

 „Was hast du da getan?“, fragte Samuel, worauf Saul antwortete: „Ich habe gesehen, wie mir die Leute wegliefen, und du bist nicht innerhalb der vereinbarten Zeit gekommen. Und die Philịster haben sich in Mịchmas gesammelt. 12  Da dachte ich mir: ‚Jetzt werden die Philịster zum Angriff nach Gịlgal herunterkommen, und ich habe mich nicht um die Gunst Jehovas bemüht.‘ Deshalb sah ich mich gezwungen, das Brandopfer darzubringen.“
neue Welt Übersetzung – 2018 – 1.Samuel 13:11–12

War das nun gemein von Samuel, den Saul so vorzuführen? Wäre Samuel eher gekommen, wäre doch alles OK gewesen? oder?
Was hatte Saul denn überhaupt verkehrt gemacht? Die beste Zusammenfassung habe ich in einem der Kommentare (Teach the Text Commentary Series) gefunden:

Deshalb sah ich mich gezwungen, das Brandopfer darzubringen. Je länger Saul wartet, desto mehr Männer desertieren (V. 8, 11). Die philistäischen Truppen sind zum Kampf angetreten und können jeden Moment angreifen. Wenn das passiert, will Saul nicht in einer Lage sein, in der er nicht „die Gunst des Herrn gesucht“ hat (das hebräische Wort kann hier die Bedeutung von „beschwichtigen“ haben; siehe HALOT, 317). Bei näherer Betrachtung ist Sauls Sichtweise in mindestens drei wichtigen Punkten fehlerhaft:
(1) Seine Sorge um seine schwindenden Kräfte offenbart den Glauben, dass menschliche Armeen und nicht der Herr die Schlacht entscheiden werden (siehe hierzu Judg. 7).
(2) Seine Sorge um ein Opfer offenbart eine fehlerhafte Theologie, die das Ritual über den Gehorsam stellt (siehe 15,22-23) und dazu neigt, zu glauben, dass das Ritual in irgendeiner Weise göttliche Gunst garantieren kann.
(3) Saul überschreitet seine Grenzen. Er ist der König, aber er steht unter der Autorität des Propheten-Priesters Samuel, der für das Volk eintritt (vgl. 7:7-11; 12:18-19, 23).
In Deuteronomium 17-18, wo die Vorschriften für das israelitische Königtum aufgeführt sind (17:14-20; vgl. 1 Sam. 10:25), wird die Rolle des Königs klar von der der Priester (Dt. 18:1-13) und der Propheten (18:14-22) unterschieden. Wie bereits erwähnt, hat Samuel deutlich gemacht, dass er die Opfer darbringen wird (vgl. 10,8) und dass er in seiner prophetischen Eigenschaft dem König Anweisungen geben wird. Sogar die Mädchen, denen Saul begegnete, als er Samuels Stadt betrat, erkannten Samuels Autorität in dieser Hinsicht an (9,13). Ironischerweise nimmt ihre Aussage, dass „das Volk nicht mit dem Essen beginnen wird, bis“ Samuel, der Mann Gottes / Seher (vgl. 9:10-11), eintrifft, um „das Opfer zu segnen“, Sauls Versagen vorweg, Samuel zu gehorchen. Dieser mangelnde Respekt vor dem prophetischen Amt wird später zu einem großen Problem in Israel und zu einem wichtigen Thema in den früheren Propheten.

Teach the Text Commentary Series – 1 & 2 Samuel

und – bin ich eher religiös, und versuche Jehovah zu manipulieren? Kann man Jehovah „einkaufen“ oder „beeinflussen“?? Wie sieht meine Theologie aus?