Monat: August 2025

sodass wir in der Lage sind, auch anderen beizustehen

der uns tröstet (O. aller Ermunterung, der uns ermuntert; so auch nachher) in all unserer Drangsal, auf daß wir die trösten können, die in allerlei Drangsal sind, durch den Trost, mit welchem wir selbst von Gott getröstet werden;
Elberfelder 1871 – 2.Korinther 1,4

In all unserer Bedrängnis steht er uns bei, sodass wir in der Lage sind, auch anderen beizustehen, und zwar durch die Ermutigung, mit der wir selbst von Gott ermutigt werden.
das Buch: Neues Testament – 2.Korinther 1:4

In allen unseren Nöten kommt er uns mit Trost und Ermutigung zu Hilfe, und deshalb können wir dann auch anderen Mut machen, die sich ebenfalls in irgendeiner Not befinden: Wir geben ihnen den Trost und die Ermutigung weiter, die wir selbst von Gott bekommen.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 2.Kor 1,4

Auch wenn ich viel durchstehen muss, gibt er mir immer wieder Mut. Darum kann ich auch anderen Mut machen, die Ähnliches durchstehen müssen. Ich kann sie trösten und ermutigen, so wie Gott mich selbst getröstet und ermutigt hat.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 2. Kor 1:4

Wie kann man jemandem helfen, und diesen aufbauen, wenn eine „geistige Leitung“ Menschen die eigentlich biblische Hilfe benötigten, als „zu meiden“ oder „Ausgeschlossene“ bezeichnet?
Kannst du, weil Gott dich getröstet hat, andere Menschen mit Hilfe von Gottes Wort trösten?

Neunmal spricht der Apostel in seinem Schreiben von der Trübsal (thlipsei, „Druck, Bedrängnis“; V. 4 [zweimal].8;2Kor 2,4;4,17;6,4;7,4;8,2.13; manchmal ist das Wort auch mit „Bedrängnis“ oder „Not“ übersetzt). Auch das Verb thlibO findet sich dreimal („Trübsal haben“, 2Kor 1,6; „bedrängt sein“, 2Kor 4,8;7,5 ). Die Erfahrung der Trübsal, die alle Christen irgendwann einmal machen müssen, ist dem Apostel Paulus wahrscheinlich häufiger und in schlimmerer Form zuteil geworden als allen seinen Lesern. Doch sie hilft – so sagt er -, das Augenmerk von den äußerlichen und zeitlichen Dingen auf die inneren und ewigen zu richten (vgl. 2Kor 1,9;4,17-18 ).
Die Quelle allen Trostes inmitten dieser Trübsal ist Gott selbst, den Paulus hier mit drei Titeln beschreibt: er ist der Vater unseres Herrn Jesus Christus (vgl. dieselbe Formulierung in Eph 1,3; 1 Petrus 1,3), der Vater (d. h. Schöpfer) der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes. Dieser Gott hat Paulus in seinem Leiden erhalten ( 2Kor 1,8-9 ) und ihn daraus erlöst (V. 10). „Barmherzigkeit“ ist die Übersetzung des griechischen Begriffs oiktirmOn, der im Neuen Testament nur noch viermal steht (in Röm 12,1 und Phil 2,1 ebenfalls mit „Barmherzigkeit“, Kol 3,12 und Hebräer 10,28 mit „Erbarmen“ wiedergegeben).
So wie die Gaben des Geistes nicht nur zum Besten derer, die sie besitzen, bestimmt sind, sondern auch anderen zugute kommen sollen (vgl. 1 Petrus 4,10), sind die Gläubigen durch den Trost, den sie von Gott erfahren, in der Lage, auch andere zu trösten. Der Trost Gottes kommt durch Menschen (vgl. Apg 9,10-19; 2Kor 7,6) und durch das Gebet (2Kor 1,11) in die Welt. (In V. 3-7 benutzt Paulus den Begriff „Trost“ bzw. „trösten“ zehnmal.)

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Solches Erbarmen ist eine ganz besondere und ausnehmende Eigenschaft Gottes, mit seinem Wesen unzertrennlich verbunden. Darum nennt er ihn: „Gott der Erbarmungen.“ Und wie groß steht wieder vor uns die Demuth des Apostels! Denn obschon seine Gefahren im Dienste des Evangeliums waren, so schreibt er doch die Rettung nicht der eigenen Würdigkeit zu, sondern den Erbarmungen Gottes. Doch darüber ausführlicher in der Folge. Für jetzt fährt er fort: „der uns tröstet in all unserer Drangsal.“ Es heißt nicht: der uns vor Bedrängniß bewahrt, sondern: „der in der Drangsal uns tröstet.“ Auf diese Weise offenbart sich die göttliche Macht und mehrt sich in den Bedrängten die Geduld. Denn „die Bedrängniß wirkt Geduld“. So sagt auch der Prophet: „In der Drangsal hast du Weite mir gemacht.“ Er sagt nicht: Du hast mich nicht in Drangsal gerathen lassen; nicht: Du hast die Drangsal schnell vorübergehen lassen; sondern: Während der Dauer der Drangsal hast du Weite mir gemacht, das heißt weiten Raum mir bereitet und große Erquickung. So sehen wir es auch bei den drei Jünglingen. Gott ließ es zu, daß sie in den Feuerofen sanken; es loderten die Flammen; aber mitten in den Gluten hat er kühle Stätte ihnen bereitet.
So pflegt Gott immer zu verfahren. Das meint Paulus, wenn er sagt: „Der uns tröstet in jeglicher Drangsal.“ Aber noch etwas Anderes will er mit diesen Worten zeigen. Und was ist Dieses? Daß nämlich Gott nicht das eine oder andere Mal, sondern immerfort tröstet. Denn nicht gewährt Gott bald Trost und läßt er bald (ohne Trost) gehen, sondern immer und ohne Unterbrechung währt der Trost. Darum sagt Paulus: „der uns tröstet,“ nicht: der uns getröstet hat; darum sagt er: „in jeg- licher Drangsal,“ nicht: in der einen oder andern. — „Auf daß auch wir trösten können Die, welche in jeglicher Bedrängniß sind, durch die Ermunterung, mit welcher wir selbst aufgerichtet werden von Gott.“ Siehst du, wie er seine Rechtfertigung einleitet und dem Hörer den Gedanken an eine große Drangsal nahe legt? Und wie bescheiden weiß er wieder sich auszudrücken! Diese Erbarmung, sagt er, ist uns geworden, nicht weil wir es verdient haben, sondern zum Heil und Segen für Andere. Gott hat uns getröstet, damit wir Andere trösten. Wie groß steht doch das Bild der Apostel vor unseren Augen! Da sehen wir nach Trost und Linderung kein schlaffes Hinsinken wie bei uns, sondern alsbald neues Erheben, um in Anderen Kraft und Muth zu stärken. — Manche erklären diese Stelle auch so: In unserem Troste fühlen sich auch Andere getröstet. — Dieser Eingang hat, wie mir dünkt, auch den Nebenzweck, die falschen Apostel zu treffen mit ihrem nichtigen Rühmen und ihrem gemächlichen, genußsüchtigen Leben. Doch bleibt die eigentliche Absicht die Rechtfertigung wegen der langen Verzögerung. Denn wenn wir, sagt er, aus dem Grunde getröstet werden, um wieder Andere zu trösten, was wollt ihr mein Ausbleiben tadeln? Die ganze Zeit mußte ich ja damit hinbringen, mich der Nachstellungen, der Angriffe, der Schrecken zu erwehren, die auf mich eindrangen.

Chrysostomus – 2. Korintherbrief

Von dem Grund und der Notwendigkeit des Leidens spricht Paulus zunächst nicht. Er nimmt es hier, wie auch in seiner mächtigen Darstellung in 11, 23–33, einfach als Tatsache hin, ohne ein „Problem“ daraus zu machen. Aber das sagt er sofort den Korinthern, daß das Leiden ihn nicht am Danken hindert. Nein, gerade seine Erfahrungen im Leiden schenken ihm dasjenige Loben und Danken, wovon er am Anfang des Briefes spricht und das er im Blick auf die Gemeinde gar nicht aussprechen kann. Warum kann Paulus im Leiden danken? Weil er darin in einzigartiger Weise Gottes „Trösten“ erfährt. „Gepriesen [sei] der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott alles Trostes, der uns tröstet bei aller unserer Drangsal.“ Die Gemeinde murrt und schilt, aber Gott „tröstet“. Müssen sich die Korinther als „Gemeinde Gottes“ nicht schämen, daß sie so anders handeln als Gott?
Zum rechten Verständnis der Stelle ist zu bedenken, daß der Apostel hier nicht allgemein das Problem des „Leidens“ behandelt. Das von ihm gebrauchte Wort „thlipsis“ bezeichnet im NT die „Drangsal“, die dem Jünger Jesu um dieser seiner Jüngerschaft willen von der Welt her widerfährt20. Es geht im Zusammenhang des Briefes um die Leiden, die Paulus in seinem Dienst zu ertragen hat. Gott erspart sie dem Boten der Versöhnung nicht. Aber er „tröstet bei aller unserer Drangsal“. Für „Trost“ und „Trösten“ verwendet Paulus das Wort „parakalein“, das wir auch in der LXX (Septuaginta) an so bedeutsamen Stellen wie Jes 40, 1; 49, 13; 51, 3; 61, 2; 66, 10–13 finden. Dieses Wort meint nicht in erster Linie eine lindernde Einwirkung auf unser Gemüt. An allen genannten Stellen wird vielmehr deutlich, wie das „Trösten“ Gottes immer sein machtvolles, errettendes Handeln ist. Gott „tröstet“ sein Volk, indem er sein Geschick wendet und es aus Gefangenschaft und Elend zur Freiheit und zum neuen Leben führt. Das wird dem Apostel vom AT her vor Augen stehen, wenn er das Wort „trösten“ verwendet. Paulus ist in den „Drangsalen“, die er jetzt nicht näher beschreibt, nicht nur im heutigen Sinn des Wortes „getröstet“ worden. Er hat vielmehr erfahren, wie Gott für ihn eintrat und sich seiner annahm, wie er hindurchgetragen, ja herausgerettet wurde, wie er den Mut nicht verlor, wie er unter allem Druck zur Ausrichtung seines Dienstes willig und fähig blieb. So beweisen gerade die von ihm durchgestandenen Leiden seine Sendung und Bevollmächtigung von Gott.
So wird Gott und seine Barmherzigkeit durch das Leiden nicht widerlegt, sondern Gott wird gerade in den Drangsalen, Gefahren und Nöten als „Vater der Erbarmungen“ erfahren. Paulus spricht im Plural von „den Erbarmungen“, weil sie sich in reicher Fülle und Mannigfaltigkeit in unserm Leben erweisen. Durch diese „Erbarmungen“ bewährt sich Gott recht als „Vater“, der sich väterlich um seine Kinder kümmert, mitten in den Leiden. Er ist nicht ein harter und grausamer Gott, wie unsere Vernunft im Blick auf die schweren Nöte gerade auch der Glaubenden so leicht schließt, sondern vielmehr ein „Gott alles Trostes“. Aber er ist das nicht so, wie die Korinther es meinten und wünschten. Er entnimmt seine bevollmächtigten Boten nicht dem Leiden, sondern macht die unaufhörlichen Nöte und Drangsale gerade zum Zeichen und Zeugnis des echten Dienstes (11, 23ff). Aber er schenkt in den Drangsalen die Erfahrungen seines „Trostes“.
[4] Von seiner eigenen Erfahrung hat Paulus gesprochen. Aber er bleibt nicht bei seinem Leben als solchem stehen. Ihm geht es um seinen Dienst. Und da wird nun seine persönliche Erfahrung für andere fruchtbar: „Damit wir imstande sind zu trösten, die in jeder [denkbaren] Drangsal [sind], durch den Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.“ Selber Getröstete können andere am besten trösten. Die bekannten „trostreichen Worte“ sind leicht zu sagen, aber sie bleiben kraftlos und vergeblich. Zum Trösten müssen wir „imstande sein“ oder, wie wir auch übersetzen können, „Dynamis, Macht haben“. In der Erfahrung des eigenen Getröstetwerdens von Gott können wir solche „Macht“ zum Trösten gewinnen. Auch im Blick auf die andern sagt Paulus nicht näher, welche Nöte und Bedrängnisse er bei ihnen vor sich sieht; er will in seiner Formulierung „jede [denkbare] Drangsal“ so umfassend wie möglich berücksichtigen: keine Drangsal muß ohne Trost bleiben.

Wuppertaler Studienbibel

Das »uns« meint betont den Apostel und darin eingebunden seine Mitarbeiter, mit denen er viele Trübsale geteilt hat (vgl. 2Tim 3,10ff.; Phim 1,23). »Trübsal« ist nicht jedes Leiden. Das griechische Wort wird im NT bevorzugt für das Leiden um Jesu willen gebraucht, für das Leiden, in das der Christ kommt, weil er zu Jesus gehört (wörtlich: »Bedrückung, Drangsal, Enge«). Solches Leiden hat Jesus den Seinen vorausgesagt (vgl. Mt 10,16.26.39; 20,22ff.; Mt 24,9-13). Er selbst hat das Leiden durchlebt. Seine Lebensgeschichte ist eigentlich eine Leidensgeschichte. Und der Weg der Gemeinde Jesu Christi ist durch die Zeiten ein »Engweg« geblieben. Doch Gott »tröstet« in diesen Engwegen. Er lässt die Seinen nicht los, so wie er den Sohn im größten Engweg nicht losgelassen hat (vgl. Lk 22,43). Das hat auch Paulus erfahren. Solchen Trost, den er erlebt hat, kann er nun auch weitergeben, »damit wir können« (griechisch deutlicher: »dass wir fähig sind«, auch: »dass wir die dynamis [die Kraft] haben«). Der Apostel behält seine Erfahrungen mit Gott nicht für sich. Sie befähigen ihn vielmehr, die Gemeinde in ihren Engwegen wirklich hilfreich zu trösten. Was er selbst durchlebt, durchlitten hat, kann er den Brüdern in ähnlichen Situationen glaubhaft weitergeben. Die Rettungserfahrungen des Paulus verleihen seiner Rettungsbotschaft unterstreichende Glaubwürdigkeit. Er, der Getröstete, kann andere trösten. Er, der in vielen Engwegen um Jesu willen Rettung erfuhr, kann die Gemeinde in der Enge glaubwürdig auf Gottes Durchhilfe hinweisen.

Gerhard Maier – Edition C

Es galt nicht nur, daß Paulus in seinen eigenen Bedrängnissen getröstet wurde, sondern daß er fähig gemacht wurde, andere in ihren Anfechtungen zu ermutigen. Gott verfolgt und erreicht sehr oft mit einer einzigen Erfahrung mehrere Ziele. In diesem Fall war der Trost, den Sein Knecht in den Tagen der Anfechtung erhielt, gleichzeitig ein Lehrmeister, damit er seinerseits anderen in ihrer Not helfen konnte. Durch all seine Leiden und Verfolgungen hatte er gelernt, daß Gott ihn niemals verließ oder in seiner Hilflosigkeit untergehen ließ. Er hatte die Macht und das Mitgefühl Gottes erfahren, nicht nur hier und da, sondern in jeder Bedrängnis, in die er geriet. Dieses Prinzip, andere zu trösten durch die Erfahrung, die man selbst gemacht hat, wird besonders deutlich im Fall unseres Hohen Priesters, denn dadurch, daß Er „in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir“ (Hebräer 4,15) „vermag er denen zu helfen, die versucht werden“ (Hebräer 2,18). Sein Leben auf dieser Erde mit all den Versuchungen und Leiden versetzte Ihn in die Lage, die Seinen zu trösten, wenn sie durch ähnliche Schwierigkeiten gehen würden.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Ich hab ihnen von dir erzählt, hab ihnen gesagt, wie du heißt und wie du bist, und das werde ich auch weiter tun.

Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, auf daß die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen.
Elberfelder 1871 – Johannes 17,26

Ich habe ihnen deinen Namen offenbart und werde es auch weiterhin tun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, auch in ihnen ist, ja damit ich selbst in ihnen bin.«
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Johannes 17:26

Ich habe ihnen gezeigt, wer du bist. Das werde ich auch weiter tun, damit deine Liebe zu mir auch sie erfüllt, ja damit ich selbst in ihnen lebe.»
Wörtlich: Und ich habe ihnen deinen Namen bekanntgemacht, und ich werde ihn bekanntmachen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen
Hoffnung für alle – 1996 – Joh 17,26

Ich habe ihnen gezeigt, wer du bist, und werde es weiter tun. So wird die Liebe, die du zu mir hast, auch sie erfüllen und ich werde in ihnen leben.«
Gute Nachricht Bibel – Joh 17:26

Die Fürbitte für die Gläubigen schließt mit der Anrufung des gerechten Vaters. Das Wort, das hier mit „gerecht“ übersetzt ist, kommt im Johannesevangelium selten vor (vgl. 5, 30; Joh 7,24). Hier ist es offensichtlich Ausdruck für den Lobpreis des göttlichen Erlösungswerkes (vgl. Mt 11,25-26). Der Vater ist gerecht, während die Welt im Unrecht lebt (kennt dich nicht). Jesus hat den Vater gekannt, offenbart (Joh 17,6) und verherrlicht (V. 4), eine Aufgabe, die nun den Christen obliegt. Das Wesen Gottes ist die Liebe (1Joh 4,8). Jesus tat durch seinen Tod den Vater und seine Liebe der Welt kund. Die Liebe des Vaters zum Sohn wurde offenbar, als er ihn zur Herrlichkeit auferweckte. Jesus offenbarte den Vater, damit die Christen in dieser Liebe zunahmen (damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei) und sich in ihrem Leben seiner persönlichen Gegenwart erfreuen konnten (und ich in ihnen).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Der Herr Jesus hatte den Jüngern den »Namen« Gottes »kundgetan«, als er bei ihnen war. Das bedeutet, dass er ihnen den Vater offenbart hatte. Seine Worte und Taten waren die Worte und Taten des Vaters. Sie sahen in Christus das vollkommene Abbild Gottes. Durch den Dienst des Heiligen Geistes tut Jesus auch heute noch den Namen des Vaters kund. Seit Pfingsten hat der Geist die Gläubigen über den Vater belehrt. Insbesondere durch das Wort Gottes können wir erkennen, wer Gott ist. Wenn Menschen den Vater annehmen, wie er durch den Herrn Jesus offenbart wurde, dann werden sie zum besonderen Gegenstand seiner Liebe. Weil der Herr Jesus in allen Gläubigen wohnt, kann der Vater sie so ansehen und behandeln, wie er seinen eigenen Sohn betrachtet und behandelt. Reuss bemerkt dazu:
Die Liebe Gottes, die schon vor der Schöpfung der diesseitigen Welt der Person des Sohnes galt (V. 24), gilt seit der Schöpfung der neuen geistlichen Welt all denen, die mit dem Sohn vereinigt sind.
Und Godet fügt hinzu:
Als Gott seinen Sohn hier auf diese Erde sandte, verlangte er danach, inmitten der Menschheit für sich eine Familie von Kindern zu schaffen, die ihm ähnlich sind.
Nur weil der Herr Jesus in den Gläubigen wohnt, kann Gott den Gläubigen so sehr lieben.

Der Vater hat den Sohn geliebt
und liebt ihn allezeit;
die gleiche Liebe gilt nun uns –
heut’ und in Ewigkeit.

Nachdichtung unter Verwendung des englischen Originals
Die Gebete, die Christus für sein Volk vorbringt, beziehen sich, wie Rainsford bemerkt, auf Folgendes:
Es geht um Geistliches, um himmlische Segnungen. Es geht nicht um Reichtum, Ehre oder Einfluss, sondern um Bewahrung vor dem Bösen, Trennung von der Welt, Fähigkeit zu Pflichterfüllung und eine sichere Ankunft im Himmel.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Dieses „Erkennen“ haben die Jünger nicht von sich aus; es erwächst nur aus dem „Bekanntmachen“ Jesu: „Und ich machte ihnen deinen Namen bekannt und werde ihn bekannt machen.“ Weil es zu einem echten „Erkennen“ kommen soll, ist es wieder der „Name“ Gottes, der ihnen bekannt gemacht wird (vgl. die Auslegung zu V. 6). Die Jünger wissen nicht nur, „daß es einen Gott gibt“, sondern sie dürfen wissen, wie Gott heißt, also wer Gott ist. Gott ist ihnen „vorgestellt“ und „bekannt gemacht“ worden. Sie reden Gott recht bei seinem Namen an und reden darum nicht ins Leere. Die Offenbarung, die Jesus ihnen brachte, ist nicht mystisch-gefühlsmäßig, sondern ist Offenbarung im klaren Wort. Wenn Jesus hinzufügt: „und ich werde ihn bekannt machen“, dann denkt er daran, daß die Erkenntnis Gottes trotz ihrer Klarheit doch nie ein einfacher Besitz ist. Denn der lebendige Gott ist kein Ding der Welt über das ich verfüge, wenn ich es erst einmal erkannt habe. Gottes Name muß mir von Jesus immer neu gesagt werden, weil dieser Name immer wieder im Lärm der Welt unterzugehen und von der Finsternis meines eigenen Herzens verdunkelt zu werden droht. Zugleich ist Gottes Name von so unendlichem Reichtum und unabschließbarer Tiefe, daß hier das „Kundmachen“ kein Ende hat. Aber auch daran haben wir zu denken, daß dieses „Bekanntmachen des Namens Gottes“ im apostolischen Dienst der Jünger immer weiter geht und darum bei diesem letzten Gespräch Jesu mit dem Vater als sein eigenes zukünftiges Werk vor ihm steht. Wenn durch das Wort der Jünger Menschen zum Glauben kommen (V. 20), dann hat Jesus selbst in diesem Wort den Namen des Vaters Menschen bekannt gemacht.
Wie wenig es sich dabei um eine theoretische Erkenntnis handelt, die ich theologisch in Büchern besitzen kann, zeigt die zunächst überraschende Wendung, die dieses letzte Gebetswort Jesu in seinem Schluß nimmt. Jesus hat den Namen Gottes bekannt gemacht und wird ihn weiter und tiefer bekannt machen, „damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich selber in ihnen“. Für den Israeliten lag „Erkennen“ und „Lieben“ eng beieinander; er brauchte das Wort „erkennen“ für die eheliche Liebe (1 Mo 4, 1; 4, 17). Im „Erkennen“ von Personen geschehen wesenhafte Verbindungen. Wenn die Jünger den „Namen“ des Vaters, sein wahres Wesen, durch Jesus erkennen, dann strömt die Liebe, mit der Gott seinen Sohn liebt, auch in ihr Herz. Ebenso bleibt Jesus nicht als „Lehrer“ vor ihnen stehen, sondern er lehrt sie so, daß er selber in sie hineinkommt und in ihnen lebt. Aber das geschieht nicht in mystischer Verschmelzung, sondern im Heiligen Geist. Jesus bleibt Person und Herr. Die Jünger bleiben selbständige Personen, und doch lebt Christus in ihnen und bestimmt von innen her ihr ganzes Denken, Reden und Tun.

Wuppertaler Studienbibel

»Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan«: Der Herr hatte die Jünger bereits vieles über den Vater gelehrt, indem er ihnen den Namen des Vaters offenbarte (siehe V. 6). Aber damit hatten sie nicht ausgelernt. Sie sollten fortwährend wachsen in der Erkenntnis des Vaters: »… und [ich] werde ihn kundtun …« Er würde fortfahren, sie zu lehren durch den Heiligen Geist (16,12–14), und was der Geist die Apostel lehrte, haben diese geschrieben und gepredigt. Durch ihre Schriften fährt der Sohn fort und tut den Namen des Vaters den Gläubigen kund, sodass sie beständig wachsen in der Erkenntnis Gottes (Kol 1,10), bis sie in den Himmel aufgenommen werden. Und auch dann werden sie nicht aufhören, den Vater immer tiefer und inniger zu erkennen.
»damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei«: Durch die Erkenntnis des Vaters kommt dessen Liebe in die Erlösten; durch wachsende Erkenntnis des Vaters wächst diese Liebe. Das ist das abschließende Wort, das unser Hoherpriester in diesem Gebet vor seinem Gott und Vater ausspricht. Gottes ewige, alles überwindende, starke und sich nie ändernde Liebe zu seinem Sohn gilt auch denen, die an seinen Sohn glauben. Ja, diese gleiche Liebe ist sogar in ihnen, denn Gott hat sie in ihre Herzen geschüttet durch den Heiligen Geist (Röm 5,5).
»und ich in ihnen«: Mit dieser Liebe ist Christus in ihnen; und er bleibt in ihnen. Er selbst in ihnen ist die Gewähr dafür, dass alles, was er verheißen und erbeten hat, zu seiner Zeit in Erfüllung gehen wird.

Benedikt Peters – Kommentar zum Johannes-Evangelium

In Johannes 17,1-26, während er im Gebet auf den Verrat von Judas wartet, beschreibt sich Jesus mehrmals als einer, dem der Name des Vaters gegeben wurde und der den Namen dem Volk Gottes offenbart (LEB):

Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort gehalten. (17:6)

Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind, so wie wir es sind. Als ich bei ihnen war, habe ich sie in deinem Namen bewahrt, den du mir gegeben hast. (17:11b-12a)

Und ich bitte nicht nur für diese, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben, dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin. (17:20–21a)

Und ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen. (17:26)

Jesus sagt hier sowohl, dass ihm der „Name“ des Vaters gegeben wurde (17,11) als auch, dass der Vater „in“ ihm ist (17,21). Die Sprache würde ohne den oben besprochenen alttestamentlichen Hintergrund, wo der „Name“ das Wesen Jahwes selbst darstellt, seltsam erscheinen. Der Name – die eigentliche Gegenwart Jahwes – war „in“ dem Engel Jahwes, was bedeutet, dass der Engel die verkörperte Gegenwart Jahwes war. Johannes nennt Jesus an anderer Stelle das „Wort“, eine Sprache, die sich auf mehrere alttestamentliche Stellen bezieht, die auf die irdische Gegenwart Jahwes als „Wort“ anspielen (1Mo 15,1; 1Sam 3,21). Hier stellt Johannes Jesus als den verkörperten Namen dar, der als der inkarnierte Jahwe kam, um diesen Namen, Gott selbst, der Menschheit zu offenbaren. Jesus lehrte mit anderen Worten niemanden den Namen Gottes; sie kannten den Namen bereits aus dem Alten Testament. Vielmehr war er Gott, der zu den Menschen kam.

In der gleichen Weise, wie alttestamentliche Autoren „den Namen“ als Ersatzreferenz für Jahwe verwenden, verwenden andere neutestamentliche Autoren „den Namen“ als Ersatz für Jesus:

Und sie riefen die Apostel zusammen, schlugen sie, befahlen ihnen, nicht im Namen Jesu zu reden, und ließen sie frei. 41 So gingen sie frohgemut aus der Gegenwart des Sanhedrins hinaus, weil sie für würdig befunden worden waren, um des Namens willen entehrt zu werden. 42 Jeden Tag, sowohl in den Tempelhöfen als auch von Haus zu Haus, hörten sie nicht auf zu lehren und die frohe Botschaft zu verkünden, dass Jesus der Christus ist. (Apostelgeschichte 5:40-42 LEB)

Der Ausdruck hier deutet zumindest auf eine ähnliche Denkweise wie im Alten Testament hin – dass diese Juden sich auf den Gott, dem sie folgen, mit dem Ausdruck „der Name“ beziehen können, wobei ihr ethnischer Status dem Ausdruck einen deutlichen alttestamentlichen Beigeschmack verleiht. Außerdem ist es klar, dass der Name, für den die Apostel leiden, Jesus ist. In Römer 10, sagt Paulus:

Dass, wenn du mit deinem Mund bekennst: „Jesus ist der Herr“ und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, du gerettet wirst…. Denn „jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.“ (Röm 10:9, 13 LEB)

Das Zitat in Vers 13 stammt aus Joel 2,32, wo es heißt: „Jeder, der den Namen Jahwes anruft, wird gerettet werden“ (LEB). Der Apostel Paulus verbindet hier, wie so oft in seinen Schriften, geschickt das Bekenntnis zu Jesus als Herrn in Vers 9 mit der Aussage des alttestamentlichen Propheten. Da „der Name“ und Jahwe in der israelitischen Theologie austauschbar waren, bedeutete das Vertrauen auf „den Namen Jahwes“ das Vertrauen auf Jahwe. Ebenso ist das Vertrauen auf den Namen des Herrn, der im alttestamentlichen Zitat natürlich Jahwe ist, dasselbe wie das Bekenntnis zu Jesus als Herrn.

Michael S. Heiser – Die Bibel ungefiltert – Annäherung an die Heilige Schrift nach ihren eigenen Bedingungen

Religion Kontra Christentum

aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
Elberfelder 1871 – Römer 7,23

Aber in meinen Gliedern, in meinem ganzen Verhalten, sehe ich ein anderes Gesetz am Werk. Dieses Gesetz liegt im Streit mit dem Gesetz, das ich innerlich bejahe, und macht mich zu seinem Gefangenen. Es ist das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern regiert und mir mein Verhalten diktiert.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Römer 7:23

doch in meinem Handeln sehe ich ein anderes Gesetz am Werk. Es steht im Kampf mit dem Gesetz, dem ich innerlich zustimme, und macht mich zu seinem Gefangenen. Darum stehe ich nun unter dem Gesetz der Sünde, und mein Handeln wird von diesem Gesetz bestimmt.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Röm 7,23

Doch in mir wirkt ein anderes Gesetz, das gegen meine Vernunft kämpft. Dieses Gesetz gewinnt die Oberhand und macht mich zum Sklaven der Sünde, die immer noch in mir ist.
Neues Leben – Bibel 2006 – Röm 7:23

Religion setzt dich unter Druck! Da wird zum Beispiel behauptet (natürlich in dem man die obige Bibelstelle aus dem Zusammenhang reißt): „Der Kampf gegen falsche Wünsche kann dich mutlos machen. … Wenn du vor einer Versuchung stehst, musst du also nicht lange überlegen. Du hast bereits alle Optionen ausgeschlossen, außer einer: …“
Dieses religiöse Denken führt dann zu Minderwertigkeitsgefühlen, dem Gefühl versagt zu haben, und auch Jehovah nicht lieben zu können.

Doch WAS sagt Paulus hier wirklich??

Wer mit Gott versöhnt worden ist, darf sein kostbares Verhältnis zu ihm nicht als selbstverständlich betrachten. Möchte er sich Gott weiterhin mit Freimut der Rede nahen, muß er ein reines Gewissen bewahren. Das erfordert Anstrengung, weil das Gesetz der Sünde oder die angeborene Neigung zum Bösen ständig in seinen Gliedern wirksam ist. Das „Gesetz der Sünde“ sucht seinen Wandel zu beherrschen und ihn auf einen Weg zu zwingen, der nicht in Übereinstimmung mit Gott ist. Der Apostel Paulus schrieb über diesen Kampf, den er an sich selbst verspürte: „Ich habe wirklich Lust an dem Gesetz Gottes gemäß dem Menschen, der ich innerlich bin, aber ich sehe in meinen Gliedern ein anderes Gesetz, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich gefangennimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Ich elender Mensch! Wer wird mich befreien von dem Leibe, der diesem Tod verfallen ist?“ — Römer 7:22-24.
Da Paulus solche inneren Kämpfe geführt hat, mag es scheinen, es sei ihm unmöglich gewesen, ein reines Gewissen vor Gott zu bewahren, obwohl er die „toten Werke“ bereut hatte. Aber dem ist nicht so. Als Antwort auf die obige Frage schrieb Paulus: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ (Röm 7:25) Ja, das Sühneopfer Jesu Christi „befreite“ Paulus; es ermöglichte es ihm, sein Verhältnis zu Gott und ein gutes Gewissen zu bewahren.
Auch wir können wie Paulus das gute Gewissen bewahren, das wir durch Reue über „tote Werke“ erlangt haben, indem wir fortgesetzt Gott im Glauben bitten, uns die Sünden aufgrund des Loskaufsopfers Jesu zu vergeben. Dann werden wir von unserem himmlischen Vater weiterhin liebevoll unterstützt, und wir dürfen auch die Hoffnung hegen, ewig zu leben.

Erwachet! 8.November 1972

Paulus zeichnet das Bild des durch das Gesetz unruhig gewordenen, aber sich mit ihm abquälenden Menschen so anschaulich, daß jeder sich sofort verstanden und angesprochen fühlt; das ist selbst erlebt und durchlitten. Hier wird nicht das Bild des gottlosen und auch nicht das Bild des idealistischen Menschen gezeichnet; der kennt sich nicht, der seufzt nicht so und ist nicht so zerrissen. Hier wird auch nicht das Bild eines des Heils gewissen Christen gemalt; der kennt seinen Herrn und weiß trotz mancher Niederlage und Demütigung um die Erlösung und auch um den Sieg über die Sünde. Er bricht darum in den Dank aus, der in V. 25 steht. Er weiß, daß er selbst es eben nicht schafft, sondern nur sein Herr, dem er alles verdankt. Hier wird das Auf und Ab, das Hin und Her des Menschen gekennzeichnet, der sich selbst gleichsam aus dem Sumpf ziehen will, der darum immer wieder von seinem Ich spricht (es kommt hier 24 mal vor). Aber es gibt mehr als solch ein „Armsünder-Christentum“. Es gibt einen frohen, heilsgewissen Glauben, der aus der Sünde herausführt oder doch herausführen kann. Trotzdem liegt Römer 7 nicht einfach hinter uns, sondern steht hier als Warnung vor uns.

Bruns – Die Bibel mit Erklärungen: Erklärungen

Bereit, aus seinen Erfahrungen zu lernen, kommt er zu der Schlußfolgerung: So finde ich nun das Gesetz, daß mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. Damit ist natürlich nicht das mosaische Gesetz gemeint, sondern eine einfache Erfahrungstatsache. Auch in Röm 8,2 hat „Gesetz“ (nomos) die Bedeutung von „Prinzip“. Das Gesetz oder Prinzip, um das es dabei geht, ist die Realität des in jedem Menschen stets vorhandenen Bösen, das sich Bahn bricht, wann immer er Gutes tun will. Paulus spricht die Wahrheit, wenn er sagt: Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen (vgl. Röm 7,25; zum „inwendigen Menschen“ vgl. auch 2Kor 4,16 und Eph 3,16). Die „Lust am Gesetz Gottes“ war auch die Antwort des Psalmisten in Ps 119 (z. B. V.16.24.47; vgl. Ps 1,2). Weil er wiedergeboren ist, ist ein Glaubender ein neuer Mensch bzw. hat er die Fähigkeit, die geistliche Wahrheit zu lieben. Doch in Anerkennung einer Erfahrungstatsache muß Paulus einräumen: Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern: das Prinzip der Sünde. Er nennt es „die Sünde, die in mir wohnt“ (Röm 7,17.20), das Böse, (das mir) anhängt (V.21), „das sündige Fleisch“ (Röm 5,1; 8,25).
Dieses Prinzip bewirkt ständig zwei Dinge: Es widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Das dem Menschen innewohnende Prinzip der Sünde liegt in dauerndem Kampf mit dem neuen Menschen, den es unterwerfen und beherrschen will (vgl. „Knechte“ bzw. „Dienst“ in Röm 6,17.19-20). Die neue menschliche Qualität, die der Gläubige nach seiner Bekehrung besitzt, wird als „das Gesetz“ des „Gemüts“ (noos, vgl. Röm 7,25) bezeichnet; sie versetzt ihn in die Lage, moralische Urteile zu fällen. Doch trotzdem der Gläubige Christus in Tod und Auferstehung gleich geworden ist und sich bemüht, ihm in seinen Einstellungen und Handlungen die Ehre zu geben, hat er von sich aus nicht die Kraft, der ihm innewohnenden Sünde entgegenzutreten. In sich und aus sich selbst heraus erlebt er ständig nur Niederlagen und Frustrationen.

Diese Enttäuschung bricht sich Bahn in dem Ausruf: Ich elender Mensch! (Das entspricht dem Zustand der Gemeinde in Laodizea, wie ihn der Evangelist Johannes wahrnahm – auch sie war „elend“; Offb 3,17.) Der Apostel fragt: Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? Paulus ist klar, daß er, solange er in seinem sterblichen Leib gefangen ist, dem Konflikt mit der ihm innewohnenden Sünde ausgesetzt ist, die er aus eigener Kraft nicht besiegen kann. Die Wendung „todverfallener Leib“ und „Leib der Sünde“ (Röm 6,6) bedeuten, daß die Sünde im Körper des Menschen am Werk ist (vgl. Röm 6,6.12-13.19; Röm 7,5.23) und den Tod bringt (Röm 6,16.21.23; 7,10-11.13; 8,10). Doch dem hält Paulus triumphierend entgegen: Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn! Seine Antwort besteht also in dem Verweis auf den endgültigen Sieg über die Sünde, den Christus für die Menschen errungen hat. So wie die Gläubigen Christus in seinem Tod und seiner Auferstehung bereits hier und jetzt gleich geworden sind, so werden sie in ihrem neuen Leib für alle Ewigkeit von der Gegenwart der Sünde befreit sein (Röm 8,23; Phil 3,20-21). In der Zwischenzeit, in diesem Leben, schließt Paulus, diene ich nun mit dem Gemüt (noi; vgl. noos in Röm 7,23) dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch (sarki; vgl. V.18, wo sarki, von sarx, ebenfalls mit „Fleisch“ übersetzt ist) dem Gesetz der Sünde (vgl. „unter die Sünde verkauft“; V.14). Während sie auf die Freiheit von der Sünde warten, leben die Gläubigen in dem Konflikt zwischen ihrem wiedergeborenen Geist (bzw. ihren neuen Eigenschaften oder Fähigkeiten) und der Sünde.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Das Gesetz Gottes steht als ohnmächtiger Zuschauer dabei. Freudig stimme ich nämlich dem Gesetz Gottes zu nach meinem inneren Menschen, erblicke aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, Krieg führend mit dem Gesetz meiner Vernunft, mich (jedes Mal) zum Kriegsgefangenen machend durch das Gesetz der Sünde in meinen Gliedern. Paulus verlebendigt seine Ausdrucksweise. Sachliches Beipflichten nach V. 16 wird hier freudiges Zustimmen zum guten Gesetz Gottes. An Stelle des abstrakten »ich« erscheint jetzt der »innere Mensch«, der in einen heftigen Krieg zwischen Gut und Böse hineingerissen ist.
Auf der einen Seite steht das »Gesetz meiner Vernunft«, vergleichbar dem »Gewissen« in 2,15. Es ist nicht identisch mit dem Gesetz Gottes, aber weiß in irgendeiner, wenn auch fragwürdigen Form um Gottes Gebot und Verbot. Immerhin meldet es sich als sein Anwalt. Die Spannung, von der hier die Rede ist, besteht also nicht zwischen einer guten und einer bösen Hälfte in mir, sondern zwischen Gott einerseits (im Medium der Vernunft oder des Gewissens) und andererseits mir, dem rebellischen Menschen. Dieser Mensch lebt maßgeblich von seinen Gliedern her. Gedacht ist dabei gewiss an seine Körperfunktionen, doch über die massive Körperlichkeit hinaus ist das ganze Tun und Lassen des Menschen umfasst (s. zu 6,12–13). Dort hat das andere Gesetz, das Antigesetz, das Gesetz der Sünde, seine Residenz eröffnet. Von dort her rücken seine Argumente in erdrückender Selbstgewissheit gegen die vernehmende Vernunft (1,20) vor. Sie umringen sie und treten sie nieder. Dann tragen sie den Menschen gefangen davon, in ein vernunftloses Tun hinein. Das alles, ohne dass ein Handgemenge anschaulich wird; er wird einfach weggetragen.

Wuppertaler Studienbibel

Die Verse 21-25 enthalten das dritte Bekenntnis des Paulus. In Vers 21 bekennt er, dass in seinem Leben ein Prinzip herrscht, mit dem er kämpft: „Ich finde also das Gesetz, dass mir, der ich Gutes tun will, Böses widerfährt. Im Leben eines Gläubigen gibt es einen Konflikt, der Zweifel hervorrufen kann, besonders bei neuen Gläubigen. Sie fragen sich vielleicht, ob sie wirklich gerettet sind, wenn sie an den Kampf denken, der in ihnen tobt. Ungläubige haben diesen Kampf jedoch nicht. Deshalb ist die Tatsache, dass der Gläubige seine Unfähigkeit, Gutes zu tun, bemerkt – die Tatsache, dass er das Böse in sich bemerkt – ein Beweis für seine Errettung.

Die Verse 22-23 liefern den Beweis für diese Aussage:
22 Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen; 23 ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz meines Verstandes streitet und mich gefangen hält unter dem Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

Der griechische Begriff für „Freude“, sunédomai, bedeutet „sich gemeinsam freuen“. Moo weist darauf hin, dass dieses biblische griechische hapax legomenon eine Vielzahl von Bedeutungen hat, wie z. B. „beglückwünschen“ und „mitfühlen“. Der Begriff bezieht sich auf eine mitfühlende Freude, die man mit einem anderen haben kann. Paulus hatte große Freude daran, in seiner neuen Natur dem Gesetz Gottes zu gehorchen (V. 22). Er hatte ein echtes Verlangen, das zu tun, was richtig und gut ist. Dieses Verlangen löste jedoch einen großen Konflikt in seinem Geist aus. Sobald Paulus sah, dass er sich verpflichtet hatte, nach dem Gesetz des Geistes, also nach Gottes Willen, zu leben, kam der Wunsch auf, dies nicht zu tun. In seinen Gliedern wirkte eine andere Art von Gesetz. Dieses Gesetz machte Paulus zu einem Gefangenen des Gesetzes der Sünde, das seit dem adamischen Sündenfall über jeden Menschen regiert. Das Präsens des griechischen Begriffs für „Krieg führen gegen“, antistrateuomenon, zeigt, dass dieser innere Krieg andauert. Das Ergebnis ist, dass der Krieg dazu führt, dass der Gläubige unter dem Gesetz der Sünde versagt.

In den Versen 24-25 kommt Paulus zu einer dritten Schlussfolgerung, die in Vers 24 mit einem Schrei der Verzweiflung beginnt: Ich elender Mensch, wer wird mich aus dem Leib dieses Todes erlösen? Der Ausruf des Paulus verweist auf den dritten Zweck des Gesetzes: Das Gesetz sollte einem vor Augen führen, dass auf seiner Grundlage niemand etwas tun kann, um die Rechtfertigung oder Heiligung zu erreichen. Paulus fragte, wie er endlich aus diesem ständigen Kreislauf von Versprechen, nie wieder zu sündigen, und dem Versagen, dieses Versprechen zu erfüllen, frei werden könnte.

Die Antwort kommt in Vers 25: Ich danke Gott durch Jeschua Messias, unseren Herrn. So diene ich nun zwar mit dem Verstand dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde. Die Hilfe für den kämpfenden Gläubigen kommt vom Herrn. Die griechische Formulierung für „also“, ara oun (wörtlich: „also“), leitet die Schlussfolgerung „als eine zusammenfassende Rekapitulation“ dessen, was Paulus in diesem Abschnitt gesagt hat. Mit dem Fleisch kann der Gläubige nur dem Gesetz der Sünde dienen, denn die sündige Natur ist nicht in der Lage, Gott unter allen Umständen zu dienen. Wenn Gläubige also versuchen, das geistliche Leben mit Hilfe des Fleisches zu leben, werden sie garantiert scheitern. Sobald sie ein Gesetz aufstellen, nach dem sie ihr geistliches Leben ausrichten, und versuchen, es mit Hilfe der Werke dieses Gesetzes zu leben, werden sie am Ende noch mehr sündigen. Das Gesetz Gottes, von dem hier die Rede ist, bezieht sich nicht auf das Gesetz des Mose, das nur für Juden bestimmt war. Vielmehr bezieht sich der Ausdruck auf das Gesetz des Messias, das sowohl für jüdische als auch für heidnische Gläubige gilt. In diesem Zusammenhang wird der griechische Begriff für „Geist“, nous, synonym für den menschlichen Geist verwendet, der der Ort der Erweckung ist. Kapitel 8 wird zeigen, dass das Mittel, mit dem die Gläubigen die Gebote des Gesetzes des Messias erfüllen, die Kraft des Heiligen Geistes ist

Arnold G. Fruchtenbaum – Ariel’s Bibelkommentar: Römer

»Denn ich habe Freude am Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen«: Dieser Satz erklärt, woher es kommt, dass Paulus »das Rechte tun will« (V. 21). In V. 16 hatte er gesagt, dass er dem Gesetz beistimmt; hier sagt er, dass er Freude hat am Gesetz Gottes (wie der Gerechte in Ps 1,1–2). Und diese Freude hat er »nach dem inneren Menschen«. Vom inneren Menschen spricht Paulus außer hier noch in 2Kor 4,16 und in Eph 3,16. In 2. Korinther sagt er, dass unser innerer Mensch täglich erneuert wird, während der äußere verfällt. Und er betet für die Christen in Ephesus, dass Gott sie durch seinen Geist mit Kraft stärken möchte »an dem inneren Menschen«. Das zeigt, dass hier jemand spricht, der um einen inneren Menschen weiß, jemand, der eine neue Natur bekommen hat. Im nächsten Vers sagt er:
»aber in meinen Gliedern sehe ich ein anderes Gesetz, das Krieg führt gegen das Gesetz meines Sinnes«: Ein Gesetz, das in seinen Gliedern ist, stellt er hier dem »Gesetz [seines] Sinnes« entgegen, dem Sinn des inneren Menschen. Gerne wollte er das Gesetz Gottes befolgen, aber da ist in seinen Gliedern ein anderes Gesetz, das stärker ist, und das bringt ihn »in Gefangenschaft … unter das Gesetz der Sünde«. Das ist ein sehr sprechender Vergleich. Die Sünde, die in seinen Gliedern ist, führt Krieg gegen sein gutes Wollen, und sie besiegt ihn und macht ihn zum Kriegsgefangenen. Das hier verwendete griechische Wort aichmalōtizō bedeutet wörtlich »jemanden mit der Lanze oder dem Speer (aichmē) treiben«. Der Sieger hält dem Besiegten die Spitze des Speeres in den Nacken und treibt ihn so vor sich her. Der Gefangene ist ganz der Willkür des Siegers ausgeliefert. So steht es um den Mann, der in diesen Versen spricht. Wir verstehen, dass er ganz verzweifelt ruft:
»Ich elender Mensch!«: Da ist jemand, dessen Wille frei ist, das Gute zu wählen, aber gerade das macht seine Not nur umso größer. Er hat Erkenntnis und auch ein wachsendes Empfinden dafür, wie übel die Sünde ist; er will darum die Sünde meiden und das Gute tun, aber er hat nicht die Kraft, das gute Wollen in die Tat umzusetzen. Die Sünde ist stärker als der Wille zum Guten. Das macht sein Elend aus. Wird er denn nie frei von dieser überlegenen Macht, die er gelernt hat zu verabscheuen? Endlich stellt er die alles entscheidende Frage: »Wer wird mich entreißen diesem Leib des Todes?« Er fragt nicht nach einer Kraft, die ihn befähigen könnte, sondern er fragt nach einer Person. Mit dem Verb entreißen, rhyomai, verwendet Paulus nach »Krieg führen« (V. 23) und »in Gefangenschaft bringen« (ebenfalls V. 23) zum dritten Mal ein Wort aus der Welt der Kriegsführung. Der Kriegsgefangene hofft auf einen Befreier, der kommt und ihn aus der Gefangenschaft befreit. So fragt irgendwann der Christ nicht mehr: Wie kann ich mich der Übermacht der Sünde entwinden? Sondern er fragt: »Wer?« Damit schaut er weg von sich, und so hört sein Versuchen auf, dem Gesetz Gottes gehorsam zu sein, das ihn auf sich selbst und auf sein menschliches Vermögen zurückwarf.

Benedikt Peters_2019 – Der Brief an die Römer

In V. 21 offenbart Paulus, daß er eine Entdeckung gemacht hat: »Ich finde also das Gesetz, daß bei mir, der ich das Gute tun will, nur das Böse vorhanden ist« (Rev.Elberf). Dennoch erklärt er im nächsten Vers, daß er Wohlgefallen am Gesetz Gottes hat. Hier in V. 23 verwendet er das Wort blepô (»sehen«), um seinen geistigen Blick zu beschreiben, mit dem er ein anderes Gesetz in seinen Gliedern wahrnimmt. Das Wort, das mit »ein anderes« wiedergegeben wurde ( heteros ), bedeuet »von verschiedener Art«.
    Das andere Gesetz, das sich vom Gesetz Gottes unterscheidet, an welchem er Wohlgefallen hat, streitet in seinen Gliedern. Dieses Gesetz führt einen Feldzug gegen das Gesetz seines Sinnes. Dieses bösartige Prinzip, das er verabscheut, ist dasselbe wie in V. 21. »Ich finde also das Gesetz, daß bei mir, der ich das Gute tun will, nur das Böse vorhanden ist« (Rev.Elberf). Es ist sehr unwahrscheinlich, daß Paulus an ein anderes böses Prinzip denkt, das sich vom Prinzip der Sünde unterscheidet. Er sagt nicht, daß er in Sklaverei unter noch einem weiteren Befehlshaber sei, der mit dem anderen Meister um die Herrschaft über ihn ringt. Es muß dasselbe Gesetz sein, das er bereits in V. 5 beschrieben hat, das »in unseren Gliedern wirkt, um dem Tode Frucht zu bringen«.
    Paulus‘ Wortwahl weist auf einen Konflikt hin. Das Schlachtfeld befindet sich in seinem Sinn, ein Ausdruck, der in diesem Zusammenhang eine breitere Bedeutung hat als bloß den Sitz seiner Wahrnehmung. Es ist nicht das Herz. Es geht nicht um seine Gefühle. Vielmehr geht es hier um sein ganzes Sinnen und Denkvermögen. Der Kampf ist von intellektueller Natur. In diesem Reich wird der Kampf ausgefochten, und der Feind, das Gesetz der Sünde, versucht ihn gefangenzunehmen. Es will ihn beherrschen und ihn versklavt wegführen. Die Sprache ist eindrücklich. Das ist notwendigerweise so, um zu betonen, daß sogar das Denkvermögen und die Kraft der Gedanken dem Gesetz der Sünde unterworfen werden können. Wenn das geschieht, müssen der Leib und seine Glieder folgen, da sie nicht unabhängig von den Anweisungen des Sinnes Gutes tun können.
    Der Vers besagt, daß das Gesetz der Sünde gegen das Gesetz seines Sinnes streitet. Dieser Ausdruck »das Gesetz meines Sinnes« deutet an, daß es im rationalen Teil seines Wesens eine Leitungsfunktion der Handlungen gibt und daß es diese ist, die im Konflikt mit dem Bösen steht. Dieses aktive Prinzip des Sinnes stimmt dem Gesetz Gottes zu, daß es heilig, gerecht und gut ist, aber es befindet sich im Kampf. Das Gesetz der Sünde (das böse Prinzip) ist gegenwärtig. Es hat einen festen Wohnsitz in seinen Gliedern. Es ist der Eindringling, der sich festgesetzt hat und bleibt. Es hat nicht die Schlacht um ihn gewonnen, aber es besteht kein Zweifel an seiner Macht. Dennoch neigt sich seine Beschreibung des Kampfes dem Ende. Sein Umgang damit war dramatisch. Die verwendete Sprache war eindrücklich, doch leisere Töne hätten die Ernsthaftigkeit der Situation nicht ausreichend verdeutlicht. Die Feststellung, wo der Gläubige bezüglich Gesetz und Sünde steht, ist von überragender Wichtigkeit und kann keiner Mutmaßung überlassen werden.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Wer so entspannt ist, hat auch eine gute Art, mit Dingen anders umzugehen.

das Ausharren aber Erfahrung, (O. Bewährung) die Erfahrung (O. Bewährung) aber Hoffnung;
Elberfelder 1871 – Römer 5:4

Diese Ausdauer befähigt den Menschen zur Bewährung. Diese Bewährung bringt die Hoffnung hervor,
Das Buch – Römer 5,4

und wer gelernt hat durchzuhalten, ist bewährt, und bewährt zu sein festigt die Hoffnung.
Neue Genfer Übersetzung – Röm 5,4

die Ausdauer jedoch Erprobung, die Erprobung dagegen eine Erwartung.
Gottes Agenda – Röm 5:4

Vers 3 und Vers 5 hatten wir ja schon.

Die Gläubigen können sich des Friedens mit Gott, den Christus für sie erwirkt hat, und der herrlichen Zukunft in der Gegenwart Gottes, die sie erwartet, erfreuen. Doch wie sollen sie sich angesichts der widrigen und schwierigen Erfahrungen, denen sie im ganz normalen Leben so häufig ausgesetzt sind, verhalten? Sie sollen sich auch der Bedrängnisse rühmen. Das Wort „rühmen“, kauchOmetha, stand bereits in Vers 2. „Bedrängnisse“ sind im Griechischen thlipsesin, „Heimsuchungen, Sorgen, Nöte“. Auch Jakobus schrieb: „Meine Brüder, erachtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallt“ (Jak 1,2). Damit ist allerdings mehr gemeint als das stoische Erdulden von Schwierigkeiten, wenn auch die Geduld oder Beständigkeit das erste Glied in einer Kette von Verhaltensweisen ist, mit denen Christen auf Bedrängnisse reagieren sollen. Hier geht es um die freudige Annahme der Anfechtungen in dem Wissen (von oida, „durch Intuition oder Anschauung wissen“), daß am Ende dieser Erfahrungen (die mit der Anfechtung beginnt) die Hoffnung steht. Bedrängnis bringt Geduld (hypomonen, „Standhaftigkeit“, die Fähigkeit, schwere Zeiten zu ertragen, ohne schwach zu werden; vgl. Röm 15,5-6; Jak 1,3-4). Nur ein Glaubender, der Anfechtungen erlebt hat, kann Standhaftigkeit entwickeln. Standhaftigkeit aber führt zu Bewährung (dokimEn, „Beweis“), und Bewährung zu Hoffnung – zu der Hoffnung, daß Gott alles zum Guten wenden wird.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Wenn Gläubige in eine Zeit der Prüfungen kommen, sollten sie den Nutzen dieser Prüfungen erkennen. Die Verheißung lautet, dass Gott durch diese Prüfungen einen geistlichen Charakter in den Gläubigen hervorbringen wird. Er wird im Gläubigen die Messiasähnlichkeit herstellen. Der Prozess verläuft in vier Schritten: Erstens: Der Gläubige kommt in eine Prüfung; zweitens: Wenn er sich die Gnade aneignet, die ihm während der Prüfung zur Verfügung steht, wird sie zu geduldigem Ausharren führen; drittens: Wenn der Gläubige die Prüfung, in der er sich befindet, geduldig erträgt, wird sich sein geistlicher Charakter bewähren; viertens: Der bestätigte geistliche Charakter wird zu einem Zustand der Hoffnung führen. Das Bild, das Paulus zeichnete, ist, dass Gott selbst den Gläubigen in verschiedene Prüfungen und Bedrängnisse bringen wird. Wenn der Gläubige seine Position richtig versteht, weiß er, dass er während der Prüfungen Zugang zu Gottes Gnade hat und sich jede Gnade aneignen kann, die er braucht, um durch diese Prüfungen zu gehen. Das führt dazu, dass der Gläubige die Prüfungen geduldig durchstehen kann. Das Ausharren führt zu einem Gefühl der göttlichen Anerkennung. Das Gefühl, von Gott anerkannt zu sein, gibt dem Gläubigen die Hoffnung, die er braucht. Das ist eine sichere Hoffnung, eine Hoffnung, die ihn nicht enttäuschen wird. Letztendlich wird in diesem Prozess der Charakter des Gläubigen so geformt, dass er dem Messias ähnlich wird.

Arnold G. Fruchtenbaum – Ariel’s Bibelkommentar: Römer

Das Ausharren wiederum bewirkt »Erfahrung«: Wir haben gemerkt, dass wir stehen können, weil der Herr uns hält; wir haben erfahren, dass unser Glaube und damit unsere Hoffnung gestärkt werden, indem wir zum Wort Gottes flüchten und uns auf die Verheißungen stellen. So lernen wir die Sünde, die Welt, uns selbst, und vor allem den Herrn kennen, der bei uns ist und uns nicht verlässt.

Benedikt Peters – Der Brief an die Römer

„Geduld“ wirkt Erprobtheit – so zieht Paulus die Kette des Handelns Gottes mit seinen Kindern weiter. Erprobtheit oder „Bewährung – erweist die Echtheit und den Tiefgang des Glaubens, wurzelt ihn ein als Tiefwurzler (vgl. 1Kor 3,13; 2Kor 8,2; 1Petr 1,7; Jak 1,12). Und solch gewurzelter, erprobter und geläuterter Glaube bewirkt „Hoffnung“. Nicht das Äußerliche, Sichtbare und Fassbare wird diesen Glaubenden antreiben, sondern er „kann durch den Horizont sehen“ (so eine indianische Übersetzung von „Hoffnung“), er wird hoffen auf Gottes Vollendung. Der bewährte Glaube ist der Glaube, der „beharrt bis ans Ende“ (Mt 24,13) und die Wiederkunft Jesu Christi als Hoffnungsgut glaubt und erfleht.

Gerhard Maier – Edition C

Gnade – Gottes Freundlichkeit gegenüber unwürdigen Sündern, die es nicht verdient haben.

Er hat uns nicht getan nach unseren Sünden, und nach unseren Ungerechtigkeiten uns nicht vergolten.
Elberfelder 1871 – Psalm 103,10

Nicht nach unsern Sünden wirkt er an uns,
nicht nach unsern Fehlen fertigt ers uns,
Buber& Rosenzweig – Psalm 103:10

Nicht nach unsren Sünden handelt er an uns, und nicht nach unsrer Schuld vergilt er uns.
Die Philippson-Bibel – Ps 103,10

Er hat uns nicht nach unseren Sünden getan und uns nicht nach unseren Vergehen vergolten.
Der Tanach Deutsch: Das Alte Testament – Ps 103:10

Der Gott des sogenannten AT – ein Gott der Gnade!

Er wird nicht immer hadern. Diese Sätze ziehen den Schluss aus dem voran stehenden Lobpreis Gottes, der vermöge seines Wesens freundlich ist, auch wenn er beleidigt wurde, und immer zum Verzeihen bereit. Es war nötig, dies hinzuzufügen: denn unsere Sünden würden uns den Zugang zu seiner Güte verschließen, wenn uns nicht ein Weg zur Versöhnung Gottes gezeigt würde. Zwischen den Zeilen aber können wir lesen, dass Gott mit den Sündern streitet, um sie durch die Empfindung ihrer Schuld zu demütigen; bald aber steht er davon ab, sobald er sie überwunden und bußfertig sieht. Der Herr hat auch einmal anders geredet (1.Mose 6, 3): „Mein Geist wird nicht weiter mit den Menschen streiten, “ – weil sie nämlich ihrer Missetaten überführt und für die Verdammnis reif waren. Dass aber David hier sagt, Gott werde nicht immer hadern, ruht vielmehr darauf, dass er sich erbitten lässt, gern verzeiht und sein Recht nicht verfolgt. Darauf deutet auch das zweite Satzglied: noch ewiglich Zorn halten. Gott ist nicht wie ein Mensch, der heimliche Rachegedanken gegen einen andern hegt, dem er eine Beleidigung nicht verzeihen kann, und nur auf eine Gelegenheit zur Durchführung wartet. Gott lässt sich vielmehr aus freien Stücken zur Aussöhnung herbei. Wir sollen jedoch wissen, dass dies nicht unterschiedslos für das ganze Menschengeschlecht gilt, sondern ein Vorrecht der Gottesgemeinde ist. Ausdrücklich wird der Herr (5.Mose 5, 9) ein schrecklicher und eifriger Gott genannt, der die Missetat der Väter an den Kindern heimsucht. David aber schiebt hier die Ungläubigen beiseite, auf welchen Gottes ewiger und unversöhnlicher Zorn lastet, und zeigt uns vielmehr, wie freundlich und nachsichtig der Herr gegen seine Kinder ist, wie er denn selbst sagt (Jes. 54, 8): „Ich habe dich einen kleinen Augenblick gezüchtigt; aber mit ewiger Gnade will ich dich geleiten.“ Das eben Gesagt wird sodann durch die Erfahrung oder den Erfolg bestätigt (V. 10): denn allein der wunderbaren Geduld Gottes dankten es die Kinder Israel, dass sie bisher bewahrt blieben und Bestand behielten. David will etwa sagen: Ein jeder von uns prüfe sein Leben. Wie vielfältig haben wir Gottes Zorn gereizt, ja reizen ihn fortwährend! Er selbst aber hält nicht nur seine Strafen zurück, sondern hütet noch in seiner Gütigkeit die, die zu verderben er wohl Grund hätte.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

In den V. 9–13 wird dieser göttliche Grundsatz entfaltet. Man darf das große Gewicht, das die Preisung der Barmherzigkeit Gottes hier einnimmt, aber nicht so mißverstehen, daß die Tatsache des Zornes Gottes völlig ausgeschaltet wäre – der Anfang von V. 8b darf nicht aus dem Blick geraten. Nicht immer wird er rechten – zuzeiten aber schon, und das sehr heftig. Nicht entsprechend unseren Sünden ist er mit uns umgegangen – aber Gott hat ihre Folgen Israel aufs Haupt fallen lassen. Gemeint ist, daß das Fehlverhalten Israels nicht das ausschlaggebende Motiv für Gottes geschichtliches Handeln gewesen ist. Sünde und Freveltat waren schreckliche Realität, aber Gott hat sie weit von uns entfernt, damit sie Israel nicht völlig zerstören. Dabei greift der Beter nach einem starken Vergleich aus der Natur: denn so hoch die Himmel über der Erde sind, das heißt, diese kann trotz all ihrer Pracht mit jenen nie und nimmer verglichen werden – ebenso hoch, das heißt, unvergleichlich herrlich ist Gottes Huld, die er in der Vergebung walten läßt. Wie der Unterschied zwischen dem Aufgang (der Sonne) und ihrem Niedergang gerade in den Mittelmeerländern – eine Dämmerung gibt es dort nicht! – äußerst kraß ist, so ist die Vergebung der Schuld nicht bloß die Aufbesserung eines Zustandes, sondern ein völlig neuer Anfang. V. 13 sagt das alles noch einmal in unüberbietbarer Weise, indem das Erbarmen Gottes mit einem gütig erziehenden Vater verglichen wird, der sich aus Gründen der »Blutsverwandtschaft« schließlich immer wieder zur Güte durchringt.

Wuppertaler Studienbibel

David ging dann darauf ein, daß der Herr in seiner Gnade Sünden vergibt. Weil Gott langsam zum Zorn ist (vgl. V. 8 ), klagt er nicht immer ( rIB , „eine Gerichtssache gegen jemand aufbringen“) einen Menschen wegen seiner Sünde an noch verfährt er mit dem Menschen nach seinen Sünden. Aufgrund seiner großen Liebe (vgl. V. 4.8.17 ) trennt er die Sünde völlig von den Sündern ab, indem er ihnen vergibt.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Vers 6-12
„Jehova übt Gerechtigkeit und schafft Recht allen, die bedrückt werden.“ Welch ein Trost, das zu wissen! Die Welt, in der wir leben, ist gekennzeichnet durch Ungerechtigkeit und Bedrückung; mag dieses auch manchmal verdeckt sein, so ist es doch weit verbreitet. Aber es gibt Einen, der alles gerecht beurteilt und zu Seiner Zeit das Recht der Seinigen, das vielleicht mit Füssen getreten wurde, hervorstrahlen lassen wird.
„Er hat uns nicht getan nach unseren Sünden, und nach unseren Ungerechtigkeiten uns nicht vergolten.“ Beim Lesen dieser Worte denken wir unwillkürlich daran, was mit uns geschehen würde, wenn wir die Strafe für unsere Sünden tragen müssten. Das würde ein ewiges Strafgericht bedeuten. Aber – Gott sei ewig Dank dafür! – unsere Sünden sind gesühnt und die Schuld ist getilgt, weil unser Stellvertreter für uns am Kreuze gebüßt hat. Um uns vollends dieserhalb zu beruhigen, wird uns hier das Beispiel von der Entfernung zwischen Osten und Westen gegeben, die, wie wir wissen, niemals zusammen kommen können – eine Tatsache, welche in diesem Zusammenhang im Neuen Testament des bestimmtesten bekräftigt wird.

P. Grobéty – Was sagen uns die Psalmen?

Das Volk Israel war zweifellos vom Herrn gesegnet und daher verpflichtet, ihm Lob und Dank zu erweisen. Jehova war ihr gerechter Befreier (V. 6), nicht nur als er sie aus Ägypten rettete, sondern während ihrer ganzen Geschichte. Er schenkte David viele große Siege auf dem Schlachtfeld. Der Herr gab seinem Volk auch Führung (V. 7), indem er es durch seine Herrlichkeitswolke, sein Wort und seine Propheten leitete. Das Volk kannte Gottes Taten, was er tat, aber Mose kannte Gottes Wege, warum er es tat. Mose war eng mit dem Herrn verbunden und verstand seinen Willen. Jehova war auch der barmherzige und mitfühlende Retter, der seinem Volk vergab, wenn es sündigte. In den Versen 8-12 wird zusammengefasst, was Mose auf dem Sinai über Gott lernte (siehe Ex 33:12-13; 34:5-9; und siehe Num 14:18). Als heiliger Gott wurde er über die Sünde zornig, und die Israeliten neigten dazu, gegen ihn zu rebellieren, aber in seiner Barmherzigkeit vergab er ihnen. Das war möglich, weil sein Sohn eines Tages für diese Sünden am Kreuz sterben würde. (Siehe 86:15; Jes. 57:6.) Das Bild in den Versen 8-12 ist das eines Gerichtssaals, in dem Gott sowohl Richter als auch Staatsanwalt ist. Er hat alle Beweise, die er braucht, um uns zu verurteilen, aber er zieht den Prozess nicht in die Länge. Wenn der Richter dein Vater ist und wenn Jesus für deine Sünden gestorben ist, dann gibt es volle und kostenlose Vergebung für alle, die darum bitten wollen. Wenn Gott uns die Strafe geben würde, die wir verdient haben, wären wir ohne Hoffnung (Esra 9,13). Die Strafe, die wir verdient haben, wurde Jesus gegeben (Jes 53,4-6).

David blickte zum Himmel auf und sagte, dass Gottes Liebe so hoch und höher reiche. David erinnerte sich an die Zeremonie am jährlichen Versöhnungstag (Lev. 16), als der Ziegenbock in der Wüste freigelassen wurde und die Sünden Israels symbolisch in die Ferne trug (siehe Johannes 1,29). (Für andere Beschreibungen von Gottes Sündenvergebung siehe Jes 1,18; 38,17; 43,25; Jer 31,34). Aber wir müssen uns daran erinnern, dass es nicht Gottes Liebe oder Mitleid ist, die uns rettet, sondern Gottes Gnade (Eph 2,8-10), denn Gnade ist Liebe, die einen Preis bezahlt hat. Wäre Christus nicht am Kreuz gestorben, gäbe es keine Vergebung unserer Sünden. Ja, Gott ist wie ein zärtlicher Vater, aber sein Mitleid ist kein seichtes, sentimentales Gefühl. Ein heiliger Gott verlangt, dass sein Gesetz erfüllt wird, und nur sein vollkommener Sohn konnte diese Genugtuung geben (Röm 3,19-31). Ist das Menschengeschlecht es wert, gerettet zu werden? Wir sind nur Gras, das wächst und dann verwelkt und stirbt (V. 15-16; siehe 37:2, 10, 36; 40:6-8; 90:6-8). Aber der Herr kennt unsere „Formation“ (Gestalt), denn er hat uns aus dem Staub geformt (Gen 2,7) und sogar im Mutterleib über uns gewacht (139,13-16). Er ist der ewige Gott und möchte sein ewiges Zuhause mit uns teilen. Welch eine Gnade! Er versprach seinem Volk, dass er sie und ihre Nachkommen segnen würde, wenn sie ihn fürchteten und seine Gebote hielten. (Siehe 5. Mose 6,1-15.) Die Gläubigen von heute sind bereits gesegnet „mit jeder geistlichen Segnung … in Christus“ (Eph. 1,4), und wenn wir ihm vertrauen und seinen Willen befolgen, erfüllt er alle unsere Bedürfnisse.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Aus diesem Grund hat Jehovah sein Volk Israel nie wirklich verworfen – und sammelt sein Volk heute wieder in „seinem Land“. Und nicht weltliche Herrscher werden dafür sorgen, dass Israel überlebt, sondern Jehovah wird dafür sorgen, dass Israel überleben wird…

Du wirst deine Leute immer über alles lieben,wirst dich um sie kümmern, du gibst ihnen Frieden

Jehova wird Stärke geben seinem Volke, Jehova wird sein Volk segnen mit Frieden.
Elberfelder 1871 – Psalm 29,11

Jehova gibt Ruhm seinem Volke, Jehova segnet sein Volk mit Frieden!
van Ess 1858 – Psalm 29:11

Der Ewige möge seinem Volk Kraft geben, der Ewige möge sein Volk mit Frieden segnen.
Die Philippson-Bibel – Ps 29,11

ER wird Wehr seinem Volke geben.
ER wird sein Volk segnen mit Frieden.
Buber_Rosenzweig – Ps 29:11

Kraft Die Stärke, die in dem Wirbelsturm sichtbar wird (3f.), ist die gleiche Kraft, die auch dem Volk Gottes zur Verfügung steht.

segnet … mit Frieden Die Versorgung mit Regen ist die Versorgung mit dem hebräischen šālōm, wobei in diesem Zusammenhang die landwirtschaftliche Fruchtbarkeit die Grundlage für politischen und militärischen Erfolg darstellt. Im Hinblick auf die Verbindung von Segen mit šālōm siehe den Anfang und das Ende des aaronitischen Segens (4.Mose 6,24–26).

Reformations-Studien-Bibel

29:10–11 Der Herr auf dem Thron. Der Tempel (V. 9) ist der Ort, wo Gott als König für immer thront (9:11; 22:3; 1 Sam. 4:4; 2 Sam. 6:2), besonders über sein Volk; die Anbetung kommt in seine majestätische Gegenwart. Das Wort für Flut (hebr. mabbul) wird sonst nur für die Sintflut verwendet (Gen 6,17); das zeigt, dass Gottes Macht (anders als die des Sturms) zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen unterscheidet; daher das Gebet, dass Gott seinem Volk Kraft geben möge (vgl. Ps 29,1) und es mit Frieden segnen möge – was voraussetzt, dass es ihm immer treu bleibt.

The ESV Study Bible

Diese Demonstration der Macht war für sein Volk eine Ermutigung, denn er läßt sie an seiner Macht (Stärke) Anteil nehmen. Die seinem Volk verfügbare Stärke (V. 11 ) ist seine eigene Stärke (V. 1 ). Dasselbe hebr. Wort ( ZOz ) wird in beiden Versen gebraucht. Die Kraft, die einen Sturm verursachen kann, steht für die bereit, die auf ihn vertrauen. So wie Gott einen Sturm stillen kann, so kann er auch seinem Volk den Frieden bringen. Die Wunder Jesu mit der Natur, insbesondere die Stillung des Sturmes auf dem See von Galiläa ( Mk 4,37-39 ), veranschaulichen, daß ihm alle Macht gegeben ist.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Der Herr wird seinem Volk Kraft geben. David kehrt zu dem vorigen Gedanken zurück, nämlich dass Gott, wenn er auch überall seine Macht sichtbar offenbart, sie doch in besonderer Weise gegen sein auserwähltes Volk erweist: und er schildert den Herrn sogar ganz anders als zuvor, – nicht wie er die Menschen, die er anredet, durch Furcht und Schrecken zu Boden schlägt, sondern wie er sie aufrecht erhält, herzt und stärkt. Mit dem Worte „Kraft“ fasst er alles zusammen, was sie hochhält. Er prägt uns also ein, dass alles, was zur Erhaltung des Lebens der Frommen dient, allein aus Gottes Gnade fließt. Dies bekräftigt er auch durch den nächsten Satz: der Herr wird sein Volk segnen. Denn es heißt dann von Gott, dass er jemand mit Freuden segne, wenn er ihn so freigebig und gütig behandelt, dass sein ganzes Leben glücklich verläuft und ihm nichts an der vollen Glückseligkeit fehlt. Hier wollen wir lernen, uns unter Gottes Herrschaft mit einer Ehrfurcht zu beugen, die doch von ihm alles Gute erhofft: denn im Blick auf Gottes unermessliche Macht dürfen wir fest überzeugt sein, dass er uns mit einer unbesieglichen Schutzwehr umgibt.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

»Der HERR wird Stärke geben seinem Volk«: Wir haben ihm Herrlichkeit und Stärke gegeben (V. 1); jetzt gibt er uns Stärke. Aber eigentlich müssen wir von diesem Vers her den Vers 1 erklären: Die Heiligen im Himmel haben nur deshalb den Willen und die Fähigkeit, Gott alle Stärke zuzuschreiben, weil er sie ihnen zuvor gegeben hat. Denn was haben wir, das wir nicht empfangen haben (1Kor 4,7)? Darum werden die himmlischen Heiligen die Kronen, mit denen er sie geehrt hat, niederwerfen vor dem Thron und bekennen, dass alles in Schöpfung und Erlösung von ihm ausgegangen ist (Offb 4,10.11).
»Der HERR wird sein Volk segnen mit Frieden«: Gott in der Höhe ist Herrlichkeit gegeben worden, und er gibt nun seinem Volk Frieden auf Erden (Lk 2,14). Nach den Gerichten wird er, der im Himmel thront und der die ganze Zeit über der Sturmflut der Gerichte thronte, seinen Thron auf der Erde aufrichten. Der Sohn Davids wird auf dem Thron Davids sitzen, und »der Friede wird kein Ende haben auf dem Thron Davids« (Jes 9,6). Wenn er »herrschen wird von Meer zu Meer, und vom Strom bis an die Enden der Erde«, dann »wird er Frieden reden zu den Nationen« (Sach 9,10), und dann »wird Fülle von Frieden sein« (Ps 72,7.8).

Benedikt Peters – Die Psalmen

Als David den Regen und die aufsteigenden Wasserströme sah, den Donner hörte und die Blitze sah, begann er über die Sintflut zu meditieren, die in den Tagen Noahs stattfand (Gen 6-9). „Der Herr saß als König bei der Flut“ (v. 10, NASB); er hatte das Sagen, nicht Baal. Er ließ es regnen, er öffnete die Quellen der Tiefe, er stoppte den Regen, er wartete, bis das Wasser abfloss und das Land trocken war, und dann holte er Noah und seine Familie aus der Arche. Während er beobachtete, wie der Sturm auf Kadesch zuzog, freute sich David, dass der Gott, der das Universum erschaffen hatte, auch die Naturgewalten beherrschte und es nichts zu befürchten gab. Achtzehn Mal wird er in diesen elf Versen „Herr“ genannt, und das bedeutet, dass er der Herr des Himmels und der Erde ist, der Herr von allem.

Der Herr ist heute König und wird für immer König bleiben! Er kann seinem Volk Kraft geben und es durch die Stürme des Lebens begleiten. Nach Donner, Blitz, Wind und Regen kommt die Ruhe nach dem Sturm, wenn „der Herr sein Volk mit Frieden segnet“ (V. 11NIV; und siehe 107:29 und 148:8). Noah sah den Regenbogen des Bundes nach dem Sturm (1. Mose 9,8-17), der Apostel Johannes sah ihn vor dem Sturm (Offb. 4,3), und Hesekiel sah den Regenbogen inmitten des Sturms (Hesek. 1,26-28). Wir haben immer Gottes Verheißung, die uns ermutigt.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Sein Vertrauen war gigantisch und wurde in dieser Situation sogar noch größer!

Ihr kennt sicher die Geschichte: Abraham hielt gegen alle Wahrscheinlichkeit an dieser Hoffnung fest. Er war davon überzeugt, dass Gott ihn zum Stammvater vieler Völker machen würde, so wie dieser es versprochen hatte. Ja, selbst als er schon an die hundert Jahre alt war und sich und seine kaum jüngere Frau Sara, was die Zeugung eigener Kinder anbelangte, eigentlich hätte aufgeben müssen, selbst da hörte er nicht auf zu hoffen, und er klammerte sich weiter an das Versprechen, das Gott ihm gegeben hatte. Er ehrte Gott durch sein Vertrauen, weil er ganz und gar von dem Gedanken erfüllt war, Gott sei mächtig genug, immer und überall das zu verwirklichen, was er verheißen hat. Dieses bedingungslose Vertrauen war es, das bei Gott Anerkennung fand.
Willkommen daheim – Römer 4:18–22

und zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde gestärkt im Glauben, Gott die Ehre gebend,
Elberfelder 1871 – Römer 4,20

Trotzdem ließ er sich im Hinblick auf die Verheißung Gottes nicht durch Unglauben irre machen, sondern vielmehr wurde er im Glauben immer stärker, indem er Gott die Ehre gab
Menge 1949 – Römer 4:20

Statt die Zusage Gottes in Frage zu stellen, wie es der Unglaube tun würde, ehrte er Gott, ´indem er ihm vertraute,` und wurde dadurch in seinem Glauben gestärkt.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Röm 4,20

Keinem Misstrauen gegen die göttliche Verheissung gab er Raum; sondern blieb standhaft im Glauben, und gab Gott die Ehre,
van Ess 1858 – Röm 4:20

Er gab dem Unglauben keinen Raum und zweifelte das Versprechen Gottes nicht an, sondern ehrte stattdessen durch sein Verhalten Gott.
Das Buch – 2009 – Römer 4,20

Nein, Abraham musste nicht erst andere Menschen fragen! Abraham hatte ein persönliches Verhältnis zum Schöpfer! Und aus diesem persönlichen Verhältnis entstand dann das absolute Vertrauen, in die Versprechen Gottes!
Auch du kannst so ein persönliches Verhältnis aufbauen!

Die vierte Beschreibung von Abrahams Glauben findet sich in Vers 20: „Und da er auf die Verheißung Gottes sah, wankte er nicht durch Unglauben, sondern wurde stark durch den Glauben und gab Gott die Ehre. Anstatt dem Unglauben zu verfallen, blickte Abraham gläubig auf das, was sich erfüllen würde. Die Tatsache, dass er in seinem Glauben nicht wankte, zeigt, dass es keinen geistigen Kampf aufgrund von Unglauben gab. Sein Glaube blieb fest, und er gab Gott die Ehre.

Arnold G. Fruchtenbaum – Ariel’s Bibelkommentar: Römer

Die wörtliche Übersetzung dieses Verses ist ausdrucksstärker: »Aber er entschied sich nicht durch Unglauben gegen die Verheißung Gottes, sondern wurde gestärkt im Glauben, Gott die Ehre gebend.« Die ersten Worte sind aufgrund ihrer Position empathisch. Die Betonung liegt auf Abrahams Entscheidung. An der Verheißung Gottes zweifelte er nicht. Er wußte, was er tat, und er zweifelte für keinen Moment. Er zögerte nicht einmal einen Augenblick im Unglauben, was eine willkommene Demonstration seiner Glaubensstärke war. Er »wurde gestärkt im Glauben«: Seine absolute Zuversicht in Gott bestärkte ihn, der Verheißung zu glauben und in ihrem Segen zu wandeln.
    Der abschließende Kommentar dieses Verses, »Gott die Ehre gebend«, beschreibt, was mit seinem Glauben einherging. Indem er Gott beim Wort nahm, erkannte er die Wahrheit Gottes an, Seine Allmacht und Seine vielen Eigenschaften. Diese Aussage bedeutet keine Ausdrucksform der Anbetung, sondern das, was aus seinem Verhalten hervorging. Sein Glaube von ganzem Herzen ehrte Gott. Durch seine Taten spiegelte er die Ehre und das Lob wider, wie es dem Gott der Herrlichkeit gebührt, aber wie es so selten gezeigt wird. Diese Verehrung umfaßt sowohl Worte als auch Taten derer, die von Seiner Gnade profitieren.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Wiedergeburt ist auch eine Hingabe des Glaubens und zwar an die Botschaft Gottes, die zuvor zum Menschen gesprochen hat. Das große Erlebnis Abrahams von der Verheißung Isaaks diente dem Apostel Paulus Jahrtausende später als Beleg aus der alttestamentlichen Heilsgeschichte für jenes Rechtfertigkeitsevangelium, dass nämlich die Gottesgerechtigkeit allein auf Grund des Glaubens dem Menschen zugesprochen wird. Alle Gesetzeswerke fließen aus dem Vermögen der menschlichen Kraft und aus dem Geiste der menschlichen Frömmigkeit. Vor Gott ist aber jeder Mensch infolge des Falles tot in Sünden und Übertretungen. Was daher vom Menschen kommt, kann zwar Bedeutung für den Menschen und dessen Umgebung nicht aber vor Gott haben. Alles Menschliche bleibt dem Geiste und dem Wesen Gottes fremd, weil es aus dem Geiste und dem Wesen des von Gott gelösten Menschen floss. Daher gibt es für Paulus keine Rechtfertigung auf Grund menschlicher Werkgerechtigkeit. Der Weg zur Gottesgerechtigkeit führt allein durch Erlösung
Als Menschen, die verzweifelt sind an aller naturhaften Frömmigkeit und aller rein menschlichen Religion, verstehen wir den Apostel in seinem Evangelium von der Neuschöpfung und von der Rechtfertigung durch den Glauben. Gott kann niemals rechtfertigen, was dem innersten Wesen und der tiefsten Geistesrichtung nach wider Gott ist. Auch in Abram erklärte Gott nicht etwas für Gerechtigkeit, was Er in Abram vorfand, sondern allein jenes Vertrauen, dass Er durch seine Offenbarung in ihm wecken konnte. Es war nicht ein Glaube, wie er jedem natürlichen Menschen innewohnt, den Gott bei Abram als Gerechtigkeit erklärte, sondern allein den von seiner Offenbarung geschaffenen. Nur dieser ist von der Art, dass er sich eins machen lässt mit der Offenbarung und daher Gott zur Basis seines weiteren Wirkens „ dienen kann.
Zwar schuf sich der Mensch je und je eine Religion, welche zwischen Gott und Mensch vermitteln sollte. Nie kam aber eine Religion über eine Selbstgerechtigkeit und letzthin Selbsterlösung hinaus. Bei jeder Selbsterlösung bleibt alles, „wenn auch nicht, wie es war, so doch dasselbe, was es war“ (Gogarten).
Vermitteln zwischen Gott und Mensch kann nur die Offenbarung. Was daher in der Menschheit als Wahrheit, als Gemeinschaft mit Gott, als Dienst am Reich Gottes oder an ewigem Leben sichtbar wurde, war niemals des Menschen Weg zu Gott, sondern Gottes Weg zu den Menschen, nicht die Frucht menschlicher Religion, sondern das Wunder der göttlichen Erlösung.

Jakob Kroeker – ER sprach zu mir

Die Geschichte Abrahams zeigt aber auch, dass Glaubende im Stande der Anfechtung leben. Nicht schwach werdend im Glauben an den Totenauferwecker, richtete er sein Augenmerk auf seinen eigenen Leib in seiner Abgestorbenheit, fast hundertjährig, und auf das Abgestorbensein des Mutterschoßes Saras. Kaum will Paulus sagen, dass Abraham nie Glaubensschwäche zeigte, vielmehr dass er sie überwand. Doch wie? Nach der alten LÜ dadurch, dass er seinen und Saras greisenhaften Körperzustand38 »nicht ansah«. Um glauben zu können, hätte er dann mit geschlossenen Augen leben müssen. Nach den uns heute zugänglichen besseren Handschriften schwingt sich der Glaube aber gerade nicht über die Weltwirklichkeit hinaus, sondern nimmt sie in den Blick, wie sie ist. Erst Illusionslosigkeit über seine innerweltliche Lage macht den Glauben an Gott tief und wahr.
Dabei gehörte Abraham nicht zu jenen, die grundsätzlich ein abenteuerliches Leben lockt und das Wagnis des Unmöglichen reizt. Sein Glaube war nicht Willkür, sondern hatte realen Anhalt: Hinsichtlich der Verheißung Gottes zweifelte er nicht in Unglauben. Ihre Glaubwürdigkeit blieb ihm Wirklichkeit Nr. 1: sondern er erstarkte im Glauben.
Schon die Entstehung des Glaubens beginnt nach 10,17 nicht mit einem menschlichen Kraftakt. Nicht der Mensch wirft mit aller Gewalt ein Seil in den Himmel, bis es festhakt, sondern Gott kommt in einem Gnadenakt zum Menschen und »bändelt« an. Von Gott genötigt, erfasst und umfasst, kommt es zum menschlichen Glauben. Nicht anders geht es bei jedem Erstarken des Glaubens in der Anfechtung: Gottes starke Hand ist da! Zwei Partizipien beschreiben ein drittes Merkmal. Der Glaube gibt Gott die Ehre. Er beteiligt sich nicht mehr an der Ursünde, nämlich dem Raub an der Ehre Gottes zugunsten des Selbstruhms. Er lässt Gott Gott sein, völlig gewiss, dass (Gott), was er verheißen hat, auch zu tun die Macht hat. Gott ist für ihn ganz, nämlich ganz Gott, ohne einen Zwiespalt zwischen dem, was er sagt, und dem, was er kann. Wir Menschen sind zerrüttet, vielfach gespalten. Reden, Wollen und Können fallen bei uns auseinander.

Adolf Pohl 2018 – Wuppertaler Studienbibel