„Wir haben das Leben in Person getroffen!“

Was von Anfang war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben, betreffend das Wort des Lebens; (und das Leben ist geoffenbart worden, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, welches bei dem Vater war und uns geoffenbart worden ist;) was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habet; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohne Jesu Christo.
Elberfelder 1871 – 1 Johannes 1,1–3

Das Wort, das zum Leben führt, war von Anfang an da. Wir haben es selbst gehört und mit eigenen Augen gesehen, ja, wir haben es angeschaut und sogar mit unseren Händen berührt. Dieses Leben ist offenbar geworden. Wir haben es gesehen und können es bezeugen. Deshalb verkünden wir die Botschaft vom ewigen Leben. Es war bei Gott, dem Vater, und hat sich uns gezeigt. Was wir nun selbst gesehen und gehört haben, das geben wir euch weiter, damit auch ihr mit uns im Glauben verbunden seid. So haben wir Gemeinschaft miteinander und zugleich mit Gott, dem Vater, und mit seinem Sohn Jesus Christus.
Hoffnung für Alle – 1 Joh 1,1–3

Jesus Christus war schon immer da! Jetzt haben wir ihn aber auch reden gehört, wir haben ihn mit unseren eigenen Augen gesehen und mit unseren eigenen Händen berühren dürfen. Er hat zu uns geredet und Sachen erzählt, die uns den Weg zu einem neuen, echten Leben zeigen konnten. Wir haben das Leben in Person getroffen! Wir haben alles gesehen und sind Augenzeugen von der ganzen Geschichte. Darum erzählen wir euch, wie man dieses neue Leben bekommen kann, dieses Leben, was nie aufhören wird. Dieses Leben kam von Gott dem Vater, und es ist bei uns vorbeigekommen. Wir erzählen euch das, was wir selbst erlebt und gehört haben. Dadurch sind wir glaubensmäßig verbunden. Wir gehören ja zur Familie von Gott. Wir sind zusammen mit Gott dem Vater und auch mit seinem Sohn Jesus Christus.
VolxBibel – 1.Johannes 1,1–3

Der Apostel macht klar, daß das, was von Anfang an war, Gegenstand seiner Ausführungen sein soll. Viele Ausleger haben diese Wendung dahingehend gedeutet, daß hier von einem absoluten Anbeginn, wie etwa in 1Mo 1,1 oder in Joh 1,1 ,die Rede ist. Das wäre zwar denkbar, doch angesichts der intensiven Beschäftigung des Briefes mit der ursprünglichen Botschaft von Jesus Christus scheint es plausibler, daß Johannes hier von den Anfängen der Verkündigung des Evangeliums spricht. Wenn dem so ist, hat der Begriff „Anfang“ an dieser Stelle eine ähnliche Bedeutung wie in 1Joh 2,7.24 und 1Joh 3,11 .Der Verfasser möchte also deutlich machen, daß das, was er im folgenden zu sagen hat, jene Wahrheit über den Sohn Gottes ist, die schon die Apostel, mit denen er in direktem Kontakt stand, bezeugt haben. Indem er sich selbst diesen apostolischen Augenzeugen zurechnet, kennzeichnet der Autor seine Verkündigung als das, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände getastet haben.
Schon in diesen einleitenden Worten greift der Apostel die Häresie an, gegen die er mit seinem Schreiben zu Felde ziehen will. Die „Antichristen“ brachten neue Ideen auf, die nichts mit dem zu tun hatten, was „von Anfang“, d. h. vom Beginn der Ära des Evangeliums an, war. Ihrer Leugnung der Inkarnation Christi konnte er die Erfahrungen der Augenzeugen gegenüberstellen, deren Aussage auf dem basierte, was sie tatsächlich „gehört“, „gesehen“ und „betastet“ hatten (vgl. „seht“ und „faßt an“ in Lk 24,39). Die Botschaft des Johannes gründet sich also fest auf eine historische Tatsache.
Die genaue Bedeutung der Wendung „vom Wort des Lebens“ ist verschieden erklärt worden. Sie kann als Titel des Herrn aufgefaßt werden, wie er etwa in Joh 1,1.14 auftaucht. Allerdings hat dieser Titel dort keine Erweiterung („des Lebens“). Es scheint deshalb dem Text gemäßer, die Wendung im Sinne von „Botschaft des Lebens“ (vgl. Apg 5,20; Phil 2,16) zu verstehen. Wie 1Joh 1,2 zeigt, ist denn auch das Wort „Leben“ und nicht etwa der Begriff „Wort“ personifiziert eingesetzt. Johannes wollte also sagen, daß sein Brief von den ursprünglichen und sicher bezeugten Wahrheiten handeln wird, die die „Botschaft des Lebens“ – d. h. die Botschaft über Gottes Sohn, der das Leben ist – betreffen (vgl. 1Joh 5,20).

Das Leben, von dem die Apostel kündeten, ist in seinem tiefsten Wesen Person. Es ist nicht nur erschienen, sondern es ist das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und den Menschen erschienen ist. Damit ist ganz zweifellos die Inkarnation gemeint.

Es geht Johannes beim Schreiben über diese entscheidenden Dinge darum, daß auch ihr, die Leser, mit uns, den Aposteln, Gemeinschaft habt. Da aus einer späteren Stelle (1Joh 2,12-14) eindeutig hervorgeht, daß er sich in diesem Brief an Christen wendet, war es offensichtlich nicht sein Ziel, sie zu bekehren. Es ist eine gefährliche Fehlinterpretation, den Begriff „Gemeinschaft“ an dieser Stelle so zu deuten, als sei damit nichts anderes gemeint als „Christ zu sein“. Die Adressaten des Briefes waren bereits gerettet. Trotzdem brauchten sie die Worte des Apostels, um in einem wirklichen gemeinschaftlichen Austausch mit dem apostolischen Kreis zu stehen, dem der Verfasser des Briefes angehörte. Diese apostolische Gemeinschaft bedeutet zugleich Gemeinschaft … mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.
Wahrscheinlich bestritten die falschen Lehrer, daß die Adressaten des Briefes das ewige Leben besaßen (vgl. den Kommentar zu 1Joh 2,25;5,13 ). Wenn das stimmte, und wenn die Leser an Gottes Zusagen zu zweifeln begannen, so war auch ihre Verbundenheit mit dem Vater und dem Sohn in Gefahr. Das heißt natürlich nicht, daß damit auch ihre Rettung bedroht war – als Gläubige konnten sie das Geschenk des Lebens, das Gott ihnen gegeben hatte, niemals verlieren (vgl. Joh 4,14; Joh 6,35.37-40 ). Doch ihre Gemeinschaft mit Gott wurzelte darin, daß sie „im Licht wandelten“ (1Joh 1,7). Die verführerischen Worte der Antichristen aber zielten darauf ab, sie ins Dunkel zu locken. Welchen Reiz ihr verderblicher Ruf ausübte, wird im vorliegenden Brief besonders deutlich. Es ist Johannes deshalb ein Anliegen, seine Leser im Fundament ihres Glaubens so zu stärken, daß ihre Gemeinschaft mit Gott allen Belastungen standhält.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Das da von Anfang war. Da die Rede abgerissen ist, so muss man, damit der Sinn klarer hervortritt, die Worte so auflösen: Wir verkündigen euch das Wort des Lebens, das von Anfang war, und das uns auf jede mögliche Weise bezeugt worden ist; dies Wort verkündigen wir euch, weil in ihm das Leben erschienen ist. Dieser Satz: „das da von Anfang war“ – bezieht sich ohne Zweifel auf die Gottheit Christi. Denn nicht von Anfang an war Gott im Fleisch offenbar, sondern der, der immer das Leben war und das ewige Wort Gottes, ist in der Fülle der Zeit als Mensch erschienen. Was nun folgt von dem Beschauen und Betasten mit den Händen, geht mehr auf die menschliche Natur. Aber da zwei Naturen eine Person ausmachen und es nur einen Christus gibt, der vom Vater ausgegangen ist, dass er unser Fleisch anzöge, so predigt der Apostel mit Recht beides: eben derselbe sei in Ewigkeit unsichtbar gewesen und sei hernach gesehen worden. Diese Lehre des Evangeliums wird hier als Wahrheit geltend gemacht, nämlich dass der, der im Fleisch sich wahrhaftig als Sohn Gottes bewiesen hat und als Sohn Gottes anerkannt worden ist, in Ewigkeit das unsichtbare Wort Gottes gewesen ist. Denn der Apostel deutet hier nicht bloß auf den Anfang der Welt, sondern steigt noch höher hinaus.
Das wir gehöret haben, das wir gesehen haben. Dies Hören war nicht das Hören eines Gerüchts, dem man wenig Glauben beizumessen pflegt; nein, Johannes betont, er sei über das, was er lehrt, zuvor vom Meister gründlich unterwiesen worden, so dass er nichts leichtfertig vorbringe. Sicher ist keiner in der Kirche ein geeigneter Lehrer, der nicht vorher ein Schüler des Sohnes Gottes gewesen und in seiner Schule gründlich unterwiesen worden ist, da allein Christi Ansehen etwas gelten darf. Nicht zufrieden mit dem einfachen „sehen“ fügt der Apostel hinzu: wir haben beschaut, und unsere Hände haben betastet. Mit diesen Worten bezeugt er, dass er nichts anders lehre, als was er gründlich erkannt habe. Indessen der Beweis der Sinne scheint im vorliegenden Falle wenig Gewicht zu haben. Denn die Herrlichkeit Christi konnte weder durch die Augen noch durch die Hände erfasst werden. Ich erwidere, dass hier dasselbe gesagt wird, wie im ersten Kapitel des Evangeliums: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater.“ Nicht an der äußeren Figur des Körpers wurde der Sohn Gottes erkannt, sondern daran, dass er herrliche Beweise seiner göttlichen Macht gab, so dass in ihm, gleichsam wie in einem lebendigen und deutlichen Bilde, des Vaters Herrlichkeit erstrahlte. Da die Zeitwörter in der Mehrzahl stehen und das Besagte auf alle Apostel in gleicher Weise zutrifft, so lege ich die Mehrzahl (wir) gern von ihnen aus, besonders da es sich um das Gewicht des Zeugnisses handelt.
Vom Wort des Lebens. Das heißt so viel, wie das „lebendige“ Wort, denn in ihm war das Leben, wie das erste Kapitel des Evangeliums lehrt. Dieser Titel kommt dem Sohne Gottes mit doppeltem Rechte zu, sowohl weil er das Leben in alle Kreaturen ausgegossen hat, als auch, weil er jetzt bei uns das Leben wiederherstellt, das durch die Sünde Adams ausgelöscht und zugrunde gegangen war. Aber auch der Ausdruck „Wort“ erleidet eine doppelte Auslegung, sowohl von Christus, als von der Lehre des Evangeliums; denn auch durch diese wird uns das Heil gebracht. Indessen, da der Inhalt des Evangeliums Christus ist und es nichts anderes erklärt, als dass der, der immer beim Vater war, endlich den Menschen offenbart wurde, so scheint mir die erstere Auslegung einfacher und treffender.
V. 2. Und das Leben ist erschienen. Das Wörtlein „und“ steht hier etwa in dem Sinne: Wir geben Zeugnis von dem lebendigen Wort, weil in ihm das Leben erschienen ist. Indessen kann die Meinung eine doppelte sein: entweder dass Christus erschienen ist, der das Leben und die Quelle des Lebens ist, oder dass das Leben uns in Christus offenkundig dargereicht ist. Dies Zweite folgt notwendig aus dem Ersten. Was aber die Bedeutung der Worte angeht, so unterscheiden sich diese beiden Auslegungen wie Ursache und Wirkung. Wenn der Apostel wiederholt: wir verkünden euch das Leben, das ewig ist, so redet er ohne Zweifel von der Wirkung, nämlich, dass uns durch Christi Wohltat das Leben geschenkt ward. Daraus schließen wir, dass Christus uns nicht verkündigt werden kann, ohne dass uns das Himmelreich geöffnet wird, so dass wir, vom Tode erweckt, Gottes Leben haben.
Welches war beim Vater. Es war beim Vater, nicht nur seit die Welt geschaffen ist, sondern von aller Ewigkeit her. Immer war Gott die Quelle des Lebens. Die Kraft aber und Fähigkeit, Leben zu schaffen, war bei seiner ewigen Weisheit; indessen hat er diese Kraft tatsächlich nicht vor der Schöpfung der Welt geoffenbart. Seit aber Gott anfing das Wort hervorzubringen, hat sich jene Kraft, die vorher verborgen vorhanden war, in die Kreaturen ergossen. Schon das war eine gewisse Offenbarung des Lebens. Aber der Apostel hat etwas anderes im Sinn, nämlich, dass damals erst das Leben erschienen ist in Christus, als er, in unser Fleisch gehüllt, das Werk der Erlösung vollbrachte. Obwohl die Väter, auch unter dem Gesetz, Genossen und Teilhaber eben dieses Lebens waren, so wissen wir doch, dass sie in die Hoffnung, welche offenbar werden sollte, eingeschlossen gewesen sind. Auch sie mussten das Leben aus dem Tod und der Auferstehung Christi nehmen; das war ein Ding, das nicht nur den Augen weit entrückt, sondern auch den Gedanken verborgen war. Sie waren also angewiesen auf die Hoffnung der Enthüllung, die erst zu seiner Zeit erfolgte. Sie konnten zwar kein Leben erlangen, das ihnen nicht auf irgendeine Weise offenbar geworden war; aber zwischen uns und jenen ist ein großer Unterschied, weil wir den, den sie als einen Verheißenen suchten, nun als einen Erschienen gleichsam mit den Händen festhalten. Übrigens will der Apostel der Meinung entgegentreten, als wäre das Evangelium etwas Neues, wodurch seine Würde hätte gemindert werden können. Deshalb sagt er, das Leben habe nicht jetzt erst angefangen, weil es erst vor kurzem erschienen ist, vielmehr war es in alle Ewigkeit beim Vater.

Jean Calvin – 1.Johannesbrief

Eltern

Mein Sohn, bewahre das Gebot deines Vaters, und verlaß nicht die Belehrung deiner Mutter; binde sie stets auf dein Herz, knüpfe sie um deinen Hals. Wenn du einhergehst, wird sie dich leiten; wenn du dich niederlegst, (O. wenn du liegst) wird sie über dich wachen; und erwachst du, so wird sie mit dir reden.
Elberfelder 1871 – Spr 6,20–22

„Junge, zieh diese Ratschläge von deinem Vater radikal durch! Und vergiss niemals die Tipps, die dir deine Mutter gegeben hat. Wenn deine Eltern dir was sagen, dann denk lange und intensiv dadrüber nach, du darfst das nie vergessen. Das wird dir helfen, im Leben die richtigen Entscheidungen zu treffen. Rund um die Uhr werden dich diese Tipps begleiten.
VolxBibel – Sprüche 6,20–22

Mein Sohn, gehorche deinem Vater und deiner Mutter und schlage ihre Weisungen nicht in den Wind! Erinnere dich zu jeder Zeit an ihre Worte und bewahre sie in deinem Herzen! Tag und Nacht sollen sie dich begleiten, dich beschützen, wenn du schläfst, und dich beraten, sobald du morgens aufwachst.
Hoffnung für Alle – Spr 6,20–22

Wer beeinflußt uns noch mehr als unsere Eltern? Wer kennt uns besser, als unsere Eltern? Und warum wollen Psychologen und andere gern unser Verhältnis zu unseren eigenen Eltern stören?

Noch einmal ermahnte Salomo seinen Sohn (vgl. den Kommentar zu mein Sohn bei Sprüche 1,8 ), die Weisungen seines Vaters und seiner Mutter zu bewahren (vgl. Sprüche 1,8 ) und innerlich an ihnen festzuhalten ( Sprüche 6,21 a; vgl. Sprüche 7,3 b), auf daß er ein Leben unter ihrer Huld führte ( Sprüche 6,21 b; vgl. Sprüche 3,3.22;7,3 a).
Die Weisung der Eltern vermittelt Wegweisung, Schutz (vgl. Sprüche 2,11 ) und Rat ( Sprüche 6,22 ). Die Lehre sollte aus dem Gesetz Gottes erfolgen, denn die Gebote der Eltern sollten wie das Wort Gottes eine Leuchte und ein Licht sein, die auf den Weg eines Menschen scheinen ( Ps 119,105 ). Zucht (vgl. Sprüche 1,2.7 ) ist zwar schmerzhaft (vgl. Hebräer 12,11 a), aber sie hält den Menschen auf dem richtigen Weg und führt ihn den Weg des Lebens .

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Die Bedeutung von Frauen in der Kindererziehung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden (Sprüche 31,1). Die ethische Unterweisung der Kinder ist eine Aufgabe, die sich Mann und Frau teilen (Sprüche 6,20). Aber von wem lernt eine junge Frau, wie man einen Mann liebt? Natürlich von ihrer Mutter oder anderen älteren Frauen (Titus 2,4).

K. Fischer – Crashkurs Leidenschaft

Keashas Mutter belegte sie mit Verbalattacken. Permanent kritisierte diese sie, machte selbst aus allerkleinsten Fehlern eine Staatsaffäre. Zorn und sich gegenseitiges Meiden war Familienregel und der ständige Umgang. Keasha hat inzwischen ihre eigene Familie, aber noch immer hat sie damit zu kämpfen, Gottes Liebe für sie zu begreifen. „Wie könnte ich?“ sagte sie mir, „Meine Mutter gab mir stets das Gefühl, wertlos und nicht liebenswert zu sein. Gottes Liebe scheint mir nichts als leere Worte zu sein.“
Als Bill drei Jahre alt war, ließ sein Vater die Familie im Stich. Um die Familie durchzubringen, schuftete Bills Mutter gleichzeitig an zwei Arbeitsstellen. Seinen Vater sah Bill niemals wieder, und seine Mutter war oftmals völlig in Beschlag genommen von dem ganzen Stress, der Alleinversorger ihrer Familie sein zu müssen. Mittlerweile sechsunddreißig, suchte Bill kürzlich seelsorgerlichen Rat wegen seines alt eingefahrenen Denkmusters „Gott ist mir genau so fern, wie es meine Eltern waren.“ *

Kann man Gottes Liebe erfahren, selbst wenn die eigenen Eltern versagten?

Wie steht‘s mit Ihnen? Vielleicht haben Sie auch das Gefühl, dass die Fehler Ihrer Eltern Sie bisher daran hinderten, sowohl Gottes Liebe zu erfahren als auch andere lieben zu lernen. Dies ist ein häufig anzutreffendes Problem, wofür sich auch keine Patentlösung so einfach aus dem Hut zaubern lässt. Vielmehr gibt es dafür eine tatsächliche Lösung, die stetig in Ihnen wirkt. Nur Mut! Gott will, dass Sie Seine Liebe, die Er für Sie hat, erfahren. Und Er nimmt sich die Zeit dafür, sodass daraus mehr wird als einfach nur Worte. Überall im Wort Gottes werden wir immer wieder daran erinnert, dass Er Seine Kinder persönlich und mit aller Macht liebt:

Die Kleine Seelsorgereihe


Und dann der gegenteilige Versuch:

Die Antwort lautet, daß Jehovas Zeugen mit unverhülltem Angesicht auf ihre Leuchte, das Wort des himmlischen Vaters, blicken und dazu auch ihr Licht, die Unterweisung durch seine mütterliche Organisation, annehmen. So steht es in Sprüche 6:20, 23 geschrieben: „Mein Sohn, bewahre das Gebot deines Vaters, und verlaß nicht die Belehrung deiner Mutter. Denn das Gebot ist eine Leuchte [Lampe, RS], und die Belehrung ein Licht; und die Zurechtweisungen der Zucht sind der Weg des Lebens.“
3 Verweile einen Augenblick bei diesem Gedanken. Es werden zwei Dinge erwähnt: das Gebot des Vaters und die Belehrung oder das Gesetz der Mutter. Dann wird im Text der Sprüche erklärt, daß das Gebot des Vaters eine brennende Lampe sei, daß aber auch die Belehrung oder das Gesetz der Mutter Licht gebe. Die Welt ist voll von Bibeln, und die Bibel enthält die Gebote Gottes. Warum wissen die Leute denn nicht, welchen Weg sie gehen sollen? Weil sie auch die Belehrung oder das Gesetz der Mutter nicht besitzen, das ein Licht ist. Jehova Gott hat sein heiliges geschriebenes Wort für die ganze Menschheit vorgesehen, und es enthält allen Aufschluß, der nötig ist, damit die Menschen einen Lauf einschlagen können, der zum Leben führt. Aber Gott hat die Sache nicht so angeordnet, daß dieses Wort unabhängig sprechen oder von sich aus lebengebende Wahrheiten ausstrahlen könnte. Sein Wort sagt: „Licht ist gesät dem Gerechten.“ (Psalm 97:11) Gott gibt durch seine Organisation dieses Licht, von dem es in den Sprüchen heißt, es sei die Belehrung oder das Gesetz der Mutter. Wenn wir im Lichte der Wahrheit wandeln sollen, müssen wir nicht nur Jehova Gott als unseren Vater, sondern auch seine Organisation als unsere Mutter anerkennen.
4 Es gibt Personen, die sich Christen nennen und die behaupten, Gott zum Vater zu haben, und sich rühmen, mit Gott allein wandeln zu können, da er ihre Schritte persönlich lenke. Solche Personen verlassen nicht nur die Belehrung oder das Gesetz der Mutter, sondern sie werfen Gottes Weib gewissermaßen auf die Straße. Das Licht der göttlichen Wahrheit scheint ihnen nicht. In der Nation Israel machte Jehova den Gehorsam gegenüber Eltern zur Pflicht. „Ehre deinen Vater und deine Mutter“ — so lautete das fünfte der Zehn Gebote. (2. Mose 20:2-17; 5. Mose 5:16, NW) Der Lohn für Gehorsam war langes Leben, die Strafe für Ungehorsam Tod. „Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn haben sollte, der auf die Stimme seines Vaters oder die Stimme seiner Mutter nicht hört, und sie weisen ihn zurecht, aber er hört nicht auf sie . . . [so sollen] alle Männer seiner Stadt ihn (mit Steinen) steinigen, und er soll sterben.“ (5. Mose 21:18-21, NW) Ehre und Gehorsam mußten nicht nur den Eltern nach dem Fleische erwiesen werden, sondern rechtmäßigerweise auch den älteren, einflußreichen Männern in Israel. Eine Schar jugendlicher Missetäter ließ es an dem gebührenden Respekt gegenüber Elisa, dem Propheten Jehovas, fehlen und zog sich damit das gerechte Urteil und dessen schnellen Vollzug zu. (2. Kön. 2:24) Auch heute fordert Gott von seinen Kindern Gehorsam, Ehre und Respekt. Diese müssen nicht nur dem lebendigen Gott selbst, sondern auch seiner weibesgleichen Organisation dargebracht werden.

Wachtturm 1.Juli 1957

es wird also versucht, das biblische Gebot etwas zu dehnen – und Ersatzeltern in das Denken des Lesers projeziert. Ergebnis:

Verwandte, die nicht in derselben Wohnung leben: „Anders verhält es sich, wenn einem Verwandten, der außerhalb des engsten Familienkreises lebt, das heißt nicht in derselben Wohnung, die Gemeinschaft entzogen worden ist oder er die Gemeinschaft verlassen hat“, war im Wachtturm vom 15. April 1988 auf Seite 28 zu lesen. „Höchstwahrscheinlich ist es möglich, so gut wie gar keinen Kontakt mit diesem Verwandten zu haben. Doch selbst wenn gewisse familiäre Angelegenheiten einen Kontakt erfordern würden, würde man diesen gewiss auf ein Minimum beschränken“, was im Einklang mit dem göttlichen Gebot wäre, „keinen Umgang mehr mit jemandem zu haben“, der ein reueloser Sünder ist (1 Korinther 5:11). Loyale Christen sollten sich bemühen, keinen unnötigen Kontakt zu solchen Verwandten zu haben, und sogar Geschäftsbeziehungen auf ein Mindestmaß beschränken. (Siehe auch Wachtturm vom 15. Dezember 1981, Seite 28, 29.)
10 Im Wachtturm wurde auch eine andere mögliche Situation angesprochen: „Was ist aber zu tun, wenn ein naher Verwandter, ein Sohn oder ein Elternteil, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist und der nicht in der Wohnung seiner christlichen Angehörigen lebt, mit in diese Wohnung ziehen möchte? Was die Familie in einem solchen Fall tun sollte, könnte sie je nach den bestehenden Umständen selbst entscheiden. Ein Elternteil, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist, mag zum Beispiel krank werden oder in finanzieller oder körperlicher Hinsicht nicht mehr in der Lage sein, für sich selbst zu sorgen. Christliche Kinder haben eine biblische und moralische Verpflichtung, dem Betreffenden zu helfen (1 Timotheus 5:8). . . . Was sie tun, mag beispielsweise davon abhängen, welche Bedürfnisse der Elternteil wirklich hat, wie er eingestellt ist und was das Haupt der Familie im Hinblick auf das geistige Wohl der Familie für angebracht hält“ (Der Wachtturm vom 15. Dezember 1981, Seite 27, 28).
11 In Bezug auf Kinder wird im selben Artikel weiter gesagt: „Mitunter haben christliche Eltern ein Kind, das ausgeschlossen wurde und dann körperlich oder emotionell erkrankte, wieder eine Zeit lang in die Familie aufgenommen. Aber in jedem Fall können die Eltern die gegebenen Umstände abwägen. Hat der ausgeschlossene Sohn einen eigenen Haushalt geführt, und ist er jetzt nicht mehr dazu in der Lage? Oder möchte er vor allem deswegen in die elterliche Wohnung zurückkehren, weil er dort ein leichteres Leben hat? Wie steht es mit seinen Moralbegriffen und seiner Einstellung? Wird er ‚Sauerteig‘ in die Familie bringen? (Galater 5:9).“

Königreichsdienst 08-2002

Respektiere, wie Jehova jemand zurechtweist. Auch wenn es schmerzhaft ist, führen Jehovas Maßnahmen langfristig für alle Beteiligten zu den besten Ergebnissen — auch für den, der das Unrecht begangen hat. (Lies Hebräer 12:11.) Jehova fordert uns beispielsweise auf, „keinen Umgang“ mit reuelosen Sündern zu haben (1Kor 5:11 -13). Auch wenn uns das sehr schwer fällt, müssen wir unnötigen Kontakt vermeiden

Der Wachtturm – Oktober 2017

Also, halte dich an Gottes Wort, und nicht an diejenigen, die versuchen, dein Verhältnis zu deinen Eltern zu verhindern.

glauben oder zweifeln?

Als sie aber von Furcht erfüllt wurden und das Angesicht zur Erde neigten, sprachen sie zu ihnen: Was suchet ihr den Lebendigen unter den Toten? Er ist nicht hier, sondern ist auferstanden. Gedenket daran, wie er zu euch geredet hat, als er noch in Galiläa war.
Elberfelder 1871 – Lukas 24,5–6

Die Frauen erschraken und wagten nicht aufzublickenb. Doch die beiden Männer sagten zu ihnen: »Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?  Er ist nicht hier; er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war:
Neue Genfer Übersetzung – Lukas 24,5–6

Da die [Frauen] in Furcht gerieten und das Angesicht zu Boden geneigt hielten, sagten die [Männer] zu ihnen: „Warum sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 6 [[Er ist nicht hier, sondern ist auferweckt worden.]] Denkt daran, wie er zu euch redete, als er noch in Galiläa war,
neue Welt Übersetzung – Bi12 – Lukas 24,5–6

Panisch sahen sie auf den Boden, weil sie sich nicht trauten, diesen besonderen Männern in die Augen zu sehen. Einer von denen fragte sie: „Was macht ihr hier? Warum sucht ihr jemanden, der lebt, an einem Ort, wo nur Tote liegen? Jesus ist nicht hier! Er ist wieder lebendig geworden! Schon vergessen, was er euch in Galiläa gesagt hat?
VolxBibel – Lukas 24,5–6

Die Ankunft der Frauen Das dritte in der Geschichte der Auferstehung ist der Besuch der Frauen im Gartengrab, aufgezeichnet in Matthäus 28: 5–8; Markus 16: 2–8; Lukas 24: 1–9 und Johannes 20: 1. Als sie tatsächlich am Grab ankamen, gab es etwas Licht, denn die Sonne ging bereits langsam auf. In Israel wird es schon um 4 Uhr morgens hell. Die Frauen machten sich in zwei Gruppen auf den Weg. Maria Magdalena begann alleine und kam als erste im Bereich des Gartengrabes an. Sie sah, wie der Stein weggerollt und das Grab leer war, ging aber schnell, bevor sie Engel sah. Eine weitere Gruppe von mehreren Frauen traf ein und sie sahen, dass der Stein weggerollt war und der Engel dort stand. Als sie zum Grab kamen, zeichnet Markus 16: 3–4 ihre Unterhaltung auf: Und sie sprachen untereinander: Wer soll uns den Stein von der Tür des Grabes wegrollen? und als sie aufblicken, sehen sie, dass der Stein zurückgerollt ist; denn er war außerordentlich groß. Es ist offensichtlich, dass Jeschua, obwohl er seine Auferstehung vorhergesagt und darüber gesprochen hatte, nicht glaubte, dass er auferstehen würde. Sie gingen zum Grab, um den Körper einzubalsamieren und nicht um Zeuge einer Auferstehung zu werden. Sie waren sehr besorgt darüber, dass jemand den Stein für sie wegrollen könnte, damit sie das Grab betreten und seinen Körper einbalsamieren könnten. Aber inzwischen war der Stein bereits weggerollt worden; Die römische Garde hatte sich von ihrer steifen Angst erholt und konnte aus der Gegend fliehen. Markus erzählt dann, was als nächstes in Vers 5 geschah: Und als sie das Grab betraten, sahen sie einen jungen Mann auf der rechten Seite sitzen, in einem weißen Gewand; und sie waren erstaunt. Sie sahen einen Engel, obwohl Lukas 24: 4–5 darauf hinweist, dass es tatsächlich zwei Engel gab. Und es geschah, während sie darüber ratlos waren, siehe, zwei Männer standen ihnen in schillernder Kleidung zur Seite verneigten sich vor der Erde und sprachen zu ihnen: Einige haben hier einen Widerspruch gesehen, aber es gibt wirklich keinen Widerspruch. Lukas gibt an, wie viele Engel tatsächlich anwesend waren: Es gab zwei. Aber als die Frauen hineinschauten, sahen sie nur eine von ihnen und nur eine sprach tatsächlich mit den Frauen. Markus betonte ebenso wie Matthäus 28: 5 den einen Engel, der tatsächlich sprach. Was die Engel diesen Frauen befohlen haben, ist in Matthäus 28: 6–7 angegeben: Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Komm und sieh dir den Ort an, an dem der Herr lag. Und geh schnell und sage seinen Jüngern: Er ist von den Toten auferstanden; und siehe, er geht vor dir nach Galiläa; da sollt ihr ihn sehen: siehe, ich habe es dir gesagt. Lukas 24: 5–7 fügt hinzu:… und als sie erschrocken waren und sich vor der Erde verbeugten, sprachen sie zu ihnen: Warum sucht ihr die Lebenden unter den Toten? Er ist nicht hier, sondern auferstanden. Denken Sie daran, wie er zu Ihnen gesprochen hat, als er noch in Galiläa war, und gesagt hat, dass der Menschensohn in die Hände sündiger Menschen gegeben und gekreuzigt werden muss und der dritte Tag wieder auferstehen muss. Die Botschaft des Engels war zweifach. Erstens sollten sie den Leib Jeschuas nicht suchen, weil der Messias auferstanden ist, so wie er es selbst gesagt hatte. Zweitens sollen sie seinen Jüngern und insbesondere Petrus sagen, dass er von den Toten auferstanden ist. Es ist wichtig, es Peter zu sagen, weil er zuvor den Messias dreimal geleugnet hatte und jetzt getröstet werden musste. Die Jünger sollten nach Galiläa ziehen, wo er sie treffen würde. Jesus hatte den Jüngern während des letzten Passahfestes gesagt, dass sie bei seiner Verhaftung nicht in Jerusalem bleiben sollten, sondern nach Galiläa gehen sollten, und er würde sie dort nach seiner Auferstehung treffen. Weil die Jünger nicht wirklich an die Auferstehung glaubten, folgten sie nie dem Gebot des Messias, nach Galiläa weiterzumachen. Nun wird von diesen Engeln durch die Frauen zum zweiten Mal befohlen, dass die Jünger nach Galiläa gehen sollen. Die Frauen reagierten auf drei Arten: Erstens erinnerten sie sich an Jeschuas Prophezeiung, dass er von den Toten auferweckt werden würde; zweitens sagten sie niemandem außerhalb der apostolischen Gruppe; drittens liefen sie los, um den Aposteln den Bericht bekannt zu machen, wie es ihnen von den Engeln befohlen wurde.

Fruchtenbaum – Die Sammlung messianischer Bibelstudien

Die ersten, die von der Auferstehung Jesu erfuhren, waren die Frauen, die ihm nachfolgten und treu geblieben waren. Sie hörten die Botschaft zuerst, weil sie – aufgrund ihrer Hingabe – am ersten Tag der Woche mit wohlriechenden Ölen, die sie bereitet hatten, an sein Grab kamen (vgl. Lk 23,55-56). Doch sie fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. Statt dessen sahen sie zwei Männer mit glänzenden Kleidern, offensichtlich Engel. Diese Männer erinnerten sie an die Worte Jesu über seine Kreuzigung und Auferstehung (Lk 9,31;18,31-34). Da eilten die Frauen zurück, um den Aposteln und den anderen allen zu berichten, was sie gesehen hatten (Lk 24,9).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Manchmal scheint es Menschen unmöglich zu sein, einfach zu glauben, was ihnen gesagt wird. Sogar in einer Gesellschaft, die auf ihr klares und vernünftiges Denken so stolz ist, sind Ideen und Überzeugungen ebenso wie Kleider Modeströmungen unterworfen. Manche Gedanken sind so aus der Mode gekommen, dass sie fast undenkbar erscheinen. Auch wenn uns bestimmte Dinge wieder und wieder gesagt werden – wenn es die Mode diktiert, dass wir anders denken sollen, ignorieren wir solche Stimmen oder wir können sie schlicht nicht verstehen. Wir hören zwar die Geräusche der Worte; sie dringen aber nicht weiter vor als bis zu unserem Trommelfell.
Seit Kapitel 9,22 hatte Jesus verschiedentlich von seiner Auferstehung gesprochen. Zwei seiner großartigsten Geschichten hatten mit einer Anspielung darauf geendet, dass er von den Toten auferstehen wird (Kapitel 15,24.32; 16,31). Niemand hatte aber wahrgenommen, was er gesagt hatte. Sie waren verwirrt, und das kann man gut verstehen; in ihrer Welt bezog sich „Auferstehung“ auf das, was Gott am Ende der Zeit mit den gerechten Verstorbenen tun würde: Allen von Abraham, Isaak und Jakob bis hin zu den jüngst verstorbenen gerechten Märtyrern würde ein neuer Körper gegeben werden. Die Leute haben zwar auch davon gesprochen, dass ein Prophet wie Elia oder Johannes der Täufer von den Toten zurückkehren würde; darunter verstanden sie aber wohl, dass jemand in demselben Geist die gleichen feurigen Prophetien verkündigen würde. „Die Auferstehung“ selbst wäre ein großes, umfassendes Ereignis. Nach dem großen abschließenden Leiden Israels würde das ganze Gottesvolk neues Leben, neue Körper bekommen.
Darum kann es uns nicht überraschen, wie überrascht sie am Ostermorgen waren. Sie haben nicht nur aus Mangel an Glauben nicht verstanden, was Jesus ihnen schon damals in Galiläa über seine Auferstehung gesagt hatte. Es hatte einfach noch nie jemand auch nur im Traum daran gedacht, dass eine einzelne Person wirklich getötet und dann zu einer neuen Art von körperlichem Leben jenseits des Grabes auferweckt würde, während sich die restliche Welt weiterdreht wie gewohnt.
Offensichtlich hatten die Frauen nichts dergleichen erwartet. Sie haben sich nicht mit dem Gedanken auf den Weg gemacht: „Lasst uns das Duftöl mitnehmen, einfach für den Fall, dass er immer noch tot ist; aber lasst uns hoffen, dass er wieder lebt!“ Sie wussten nur zu gut, dass Tote tot blieben. Die Elf (das sind die Zwölf ohne Judas; Lukas erwähnt sein weiteres Schicksal erst am Anfang der Apostelgeschichte) haben es ganz sicher nicht erwartet. Wenn Lukas diese Geschichten eine Generation nach diesen Ereignissen erfunden hätte, wie es sich einige Leute vorstellen, dann hätte er sicher nicht Frauen als Erste zum Grab gehen lassen (in der Antike galten Frauen nicht als glaubwürdige Zeugen; das merkt man auch in dieser Geschichte); und die Apostel hätten die Geschichte sofort geglaubt und könnten so als Vorbilder des Glaubens gelten und die junge Kirche in die Zukunft führen. So ist es aber nicht. Es kam ihnen wie ein dummes Ammenmärchen vor, genau das, was man (so haben sie wohl gedacht) von ein paar Frauen erwarten kann, die bei zu viel Trauer zu wenig Schlaf bekommen hatten.
Lukas versucht auch nicht, ebenso wenig wie die anderen Evangelien, den eigentlichen Moment der Auferstehung zu beschreiben. Dieser Teil ist ein Meisterstück der Spannungsliteratur. Dieses Kapitel ist ein weiteres Beispiel für die Kunstfertigkeit des Lukas. Der lange Mittelteil (die Zwei auf dem Weg nach Emmaus, Kapitel 24,13–35) wird auf beiden Seiten von Berichten über die Frauen und die Elf eingerahmt. Die einleitenden Verse lassen die Frage aufkommen: Etwas sehr Ungewöhnliches ist passiert, aber was? Die mittlere Geschichte enthüllt Schritt für Schritt die Antwort, weil Lukas sehr daran gelegen ist, dass wir verstehen, was wir hier zu hören bekommen. Erst dann begegnen wir, die Leser, dem auferstandenen Jesus persönlich, wissen, wer er ist und was passiert.
Am Anfang des Ostermorgens wird die Stimmung von Überraschung, Staunen, Angst und Verwirrung geprägt. Ja, Jesus hatte irgendetwas über seine Auferstehung gesagt, das stimmt. Wir begreifen aber immer noch nicht, was passiert, was das alles zu bedeuten hat, was als Nächstes geschehen wird. Hier wird in keiner Weise der Eindruck vermittelt – wie man ihn manchmal zur Osterzeit in einigen Kirchen gewinnen kann –, dass Jesus während seines Leidens diese ganzen Ereignisse als unbequeme Aufgaben ansah, die man halt erledigen muss, aber die ja schnell vorübergehen, und dass wir als Leser der Geschichte in einer ähnlichen Haltung folgen können. Ostern kommt immer überraschend, ob wir ihm begegnen, wenn wir das Fest feiern oder dann, wenn plötzliche Wogen der Gnade Gottes tragische Situationen in unserem eigenen Leben oder irgendwo in der Welt auf den Kopf stellen.
Zweifelsohne wird auch unsere eigene Auferstehung eine Überraschung sein, auf ihre ganz eigene Art, so wie es bei Jesus auch der Fall war. Das Evangelium ist von allem Anfang an Gute Nachricht, weil es sich getraut, uns Dinge zu berichten, die wir nicht erwartet hatten, nicht einmal glauben wollten und erst recht nicht verstanden haben. Hatten wir erwartet, dass das Evangelium etwas Offensichtliches sein würde, etwas, das wir uns selber hätten ausmalen können?

Das Neue Testament für heute – Lukas für heute


So ähnlich gehen wir wohl mit den Aussagen der gesamten Bibel um: wenn uns etwas „unglaubwürdig“ erscheint, dann sagen wir: „OK – das ist natürlich nur symbolisch zu verstehen“ oder „ja klar, erfüllt sich an einem geistigen Volk“ oder ähnliches. Es gibt sogar ganze christliche Strömungen, die die Bibel einfach nur noch symbolisch auslegen. Aber was, wenn der Schöpfer nicht „zu dumm war“ dass schreben zu lassen, was ER wirklich meinte?
Und wenn wir dann in unseren Tagen in unsere Umgebung schauen: da wird das „Christkind“ gefeiert, also Jesus in der Krippe – als Baby. Und die andere Gruppe von Christen lehnt das Feiern ganz ab. Aber das dies nut der erste Schritt seines Erdenlebens war, der unbedingt nötig war – um dann zu seinem Tod und seiner Auferstehung führen sollte – … also keiner dieser Schritte war unnötig oder sinnlos! Deshalb laßt uns auch daran erinnern, dass der himmlische Sohn, sein Leben im Himmel aufgab, und sich als ein hilfsloses Baby auf der Erde begab – genauso hilflos wie sein Tod am Holz! – um dann zu unbegreiflicher Macht wieder auferweckt zu werden! Unglaublich? Aber WAHR!

fröhliches Herz?

Ein fröhliches Herz macht den Körper gesund; aber ein trauriges Gemüt macht kraftlos und krank.
Hoffnung für Alle – Spr 17,22

Ein frohes Herz macht Wunden gut verharschen,
ein geknickter Mut dörrt das Gebein.
Buber & Rosenzweig – Sprüche 17,22

Ein fröhliches Herz bringt gute Besserung, aber ein zerschlagener Geist vertrocknet das Gebein.
Elberfelder 1871 – Spr 17,22

Ein frohes Herz ist sicher Medizin;
Verzweiflung, ein Krebs bis auf die Knochen.

Sprichwörter: Kommentiert & Erklärt

Bereits in Sprüche 15,13.15.30;18,14 wurde festgestellt, daß das Innere eines Menschen sein körperliches Wohlergehen beeinflußt. Für die Wendung ein fröhliches Herz stehen zwei hebr. Worte, die in Sprüche 15,13 mit „ein glückliches Herz“ wiedergegeben werden. Der Begriff für Arznei steht nur an dieser Stelle im AT. Ein zerbrochener Geist bezieht sich auf eine niedergeschlagene, traurige Stimmung eines Menschen (vgl. Sprüche 18,14 ). Ein Beispiel für einen zerbrochenen Geist ist der Kummer eines Vaters über einen schlimmen Sohn ( Sprüche 17,21 ). Zu dem Begriff die Gebeine vgl. den Kommentar zu Sprüche 3,8 .

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Es ist gesund, fröhlich zu sein. Der Herr ist für den Leib. Er hat für ihn gesorgt, indem er ihm nicht nur Nahrung gegeben hat, sondern auch Medizin. Hier sagt er uns, dass die beste Medizin „ein fröhliches Herz“ ist. Salomo meint kein Herz, das nutzloser, weltlicher und gottloser Belustigung hingegeben ist, sondern ein Herz, das sich an Gott freut und ihm voller Freude dient. Gott erlaubt uns, fröhlich zu sein, und gibt uns viele Gründe zur Freude, besonders wenn er uns durch seine Gnade ein Herz gibt, um fröhlich zu sein. Das „tut Gutes zu einer Medizin“, wie manche es verstehen. Es wird die Medizin wirksamer machen. Oder „es tut gut als Medizin“, dem Leib, und macht ihn bereit und gesund für seine Arbeit. Oft kommt der Kummer des Geistes zur Schwäche des Leibes hinzu: „Ein niedergeschlagener Geist“, niedergedrückt durch die Last der Anfechtung, und besonders ein durch das Bewusstsein der Sünde verwundetes Gewissen, „dörrt das Gebein aus“.

Der Neue Matthew Henry Kommentar

Womit wir uns „füttern“ – formt auch unsere Gedanken und unsere Gefühle. Wenn wir als ständig über vergangenes nachdenken und in all dem was passiert ist nur negatives sehen, dann werden wir wirklich krank. Es ist wohl wichtig, womit wir uns beschäftigen, was für Filme und Nachrichten wir uns anschauen. Deshalb ist es so wichtig unseren Blick auf Jehovah zu lenken, und zu sehen, dass ER über allem steht, und alle unsere Geschicke in Seiner Hand hat! ER kann auch alles ändern – wenn es zu unserem Besten sein sollte. Vor allem hat ER die Ewigkeit im Sinn – auch unsere ewige Zukunft!

Lobgesang aus Dankbarkeit

(Ein Lobpsalm. (O. Ein Psalm beim Dankopfer) ) Jauchzet Jehova, ganze Erde! Dienet Jehova mit Freuden; kommet vor sein Angesicht mit Jubel! Erkennet, daß Jehova Gott ist! Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst, (Nach and. Lesart: und wir sind sein) -sein Volk und die Herde seiner Weide Kommet in seine Tore mit Lob, (O. Dank) in seine Vorhöfe mit Lobgesang! Lobet ihn, (O. Danket ihm) preiset seinen Namen! Denn gut ist Jehova; seine Güte währt ewiglich, und seine Treue von Geschlecht zu Geschlecht.
Elberfelder 1871 – Ps 100,1–5

Ein Lobgesang. Jauchzet Jehova, alle Welt!
Dienet Jehova mit Freuden, kommt vor sein Antlitz mit Jubel!
Erkennet, daß Jehova Gott ist! Er hat uns gemacht, und sein sind wir; sein Volk und die Herde seiner Weide.
Tretet an seine Tore mit Dank, in seine Vorhöfe mit Loblied! Danket ihm, preiset seinen Namen!
Denn gütig ist Jehova, ewig währt seine Gnade, und auf Geschlecht und Geschlecht seine Treue.
de Wette Bibel – Psalm 100,1–5

Bekennet Jehovah.
Ein Psalm des Bekennens. Jauchzet auf zu Jehovah, die ganze Erde. Ps 66,1; 117,1.
Dienet Jehovah in Fröhlichkeit! Kommt vor Sein Angesicht mit Lobpreisen. Ps 2,11; 95,2; 96,8.
Erkennet, daß Jehovah Selbst Gott ist, Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst, Sein Volk und die Herde Seiner Weide. Ps 46,11; 95,6.7; 149,2.
Geht ein zu Seinen Toren mit Bekennen, in Seine Vorhöfe mit Lob, bekennet Ihn, segnet Seinen Namen. Ps 26,2; 96,8; 1Chr 9,23.
Denn gut ist Jehovah, ewig ist Seine Barmherzigkeit, und auf Geschlecht und Geschlecht Seine Wahrheit. Ps 89,2.3; 106,1; 117,2.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Ps 100

Inhaltsangabe: Die Überschrift muss uns als Inhaltsangabe genügen; gerade wegen der Kürze bedarf es einer längeren Erläuterung nicht. Der Psalm ruft die Gläubigen recht eigentlich darum zum Lobe Gottes auf, weil er sie zu seinem Volk erwählt und in seine Obhut genommen hat.
1 Ein Dankpsalm. Jauchzet dem Herrn, alle Welt! 2 Dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken! 3 Erkennet, dass der Herr Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht wir selbst, zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
V. 1. Jauchzet dem Herrn. Es ist nur von dem einen Teil der Gottesverehrung die Rede, nämlich davon, dass man des Herrn Wohltaten bedenken und ihm Dank sagen soll. Weil aber der Psalm unterschiedslos alle Welt aufruft, scheint er in prophetischem Geiste auf die Zeit zu blicken, da Gottes Gemeinde aus verschiedenen Völkern gesammelt werden sollte. Daher die Aufforderung, dass man dem Herrn mit Freuden dienen soll; seine Wohltaten werden reichlichen Stoff zur Freude bieten. Dies drückt der 3. Vers noch besser aus, wo zuerst die Frechheit der Menschen gestraft wird, die in ihrer Verkehrtheit vom wahren Gott abfielen, indem sie sich mehrere Götter und zahllose Kultusformen erdachten: Erkennet, dass der Herr Gott ist. Da ein ganzer Schwarm von Göttern die Erkenntnis des einen Gottes überschüttet und begraben hat und seine Herrlichkeit schmälert, mahnt der Prophet mit gutem Grunde alle Sterblichen, wieder Vernunft anzunehmen und nicht mehr den Herrn seiner Ehre zu berauben. Er straft ihren Unverstand, dass sie, nicht zufrieden mit dem einen Gott, in ihren Gedanken eitel geworden sind. Denn wenn auch jedermann mit Worten zu bekennen sich gezwungen sieht, dass es etwas wie einen Gott gibt, der Himmel und Erde geschaffen hat, so verflüchtigt man doch alsbald seine Herrlichkeit. Auf diese Weise machen die Menschen, soviel an ihnen ist, die Gottheit zunichte. Aus dem Satz des Propheten lässt sich auch in Kürze ersehen, worin wahre Erkenntnis Gottes besteht, nämlich darin, dass man ihm sein Recht ungeschmälert lasse und keine Gottheit zur Verdunkelung seines Namens neben ihn setze. Im Papsttum lässt man ihm zwar sein göttliches Wesen; weil aber seine Herrlichkeit nicht in einigen Buchstaben beschlossen ist, steht fest, dass man ihn doch nicht als Gott anerkennt. Denn wir sollen wissen, dass die rechte Gottesverehrung erst dann sichergestellt ist, wenn man sich vor der unfrommen Entweihung seiner Herrlichkeit hütet, die ein abergläubisches Treiben mit sich bringt. Darnach rühmt der Prophet Gottes einzigartige Wohltat, auf deren Betrachtung die Gläubigen ihre Gedanken vornehmlich richten sollen. Freilich scheint es allzu gewöhnlich, zu sagen: Er hat uns gemacht. Aber wer erinnert sich hier nicht der überall verbreiteten Undankbarkeit, dass unter hundert kaum einer sein Leben ernstlich auf Gottes Rechnung setzt! Wenn man ihnen zusetzt, können sie ja nicht bestreiten, dass sie aus nichts geschaffen wurden, aber es ist doch ein jeder sein eigener Gott und betet sich selbst an; man nimmt für die eigene Kraft in Anspruch, was doch Gottes Eigentum ist, wie er selbst verkündet. Weiter aber gilt es festzuhalten, dass der Prophet, wie wir schon anderwärts sagten, hier nicht von der allgemeinen Schöpfung spricht, sondern von der geistlichen Wiedergeburt, kraft deren Gott sein Bild in den Auserwählten wiederherstellt. In diesem Sinne sind allein die Gläubigen Gottes Werk, wie auch Paulus sagt (Eph. 2, 10): „Wir sind sein Werk, geschaffen zu guten Werken, die Gott vorbereitet hat, dass wir darinnen wandeln sollen.“ Auf dieses Verständnis deutet auch hier der Zusammenhang. Es ist doch ein Hinweis auf die besondere Gnade, in welcher Gott seine Kinder zu seinem Eigentum ausgesondert hat, um sie mit seinen Flügeln zu decken, dass er uns zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide gemacht hat. Das ist viel besser, denn als Mensch geboren sein. Wäre es aber nicht ein unsinniger Frevel, wenn jemand prahlen wollte, er habe sich selbst zum Menschen gemacht? Auch irdischen Vätern darf man dies nicht zuschreiben, dass sie mit eigener Kraft uns gezeugt. Denn was sollte ein schmutziger Same schaffen? Kein Bedenken aber trägt man, den Ruhm der Schaffung geistlichen Lebens an sich zu reißen. Denn worauf anders zielt das Prahlen mit dem freien Willen, als dass man sich einreden möchte, dass wir durch eigene Bemühung uns aus Adams Kindern zu Gottes Kindern machen könnten? Indem aber der Prophet uns Gottes Volk nennt, gibt er zu verstehen, dass wir die geistliche Wiedergeburt seiner freien Gnade verdanken. Sind wir des weiteren Schafe seiner Weide, so ergibt sich, dass nur durch eben diese Gnade bis zum Ende unversehrt bleibt, was uns einmal geschenkt ward.
4 Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen! 5 Denn der Herr ist freundlich, und seine Gnade währet ewig, und seine Wahrheit für und für.
V. 4. Gehet zu seinen Toren ein mit Danken. Dieser Schluss ist dem Anfang sehr ähnlich, nur ist eine Erinnerung an die im Gesetz verordnete Gottesverehrung beigefügt. Daraus ist einfach zu entnehmen, dass die Gläubigen ihren Dank gegen Gott nur dann richtig erstatten, wenn sie auch im feierlichen Bekenntnis der Frömmigkeit sich üben. Ist von Gottes Vorhöfen oder von seinem Tempel die Rede, so weist dies darauf hin, dass er nicht anders als nach der Vorschrift seines Gesetzes verehrt sein will. Damit wir aber wissen, dass uns ein beständiger Stoff zum Lobe Gottes geschenkt wird, heißt es: Seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für. Hört Gott nicht auf, so mit uns zu handeln, so wäre es ja mehr als schändlich, wollten wir in der Darbringung des Lobopfers müde werden. Dass neben Gottes Gnade seine Wahrheit genannt wird, haben wir schon früher erklärt. In unserer Unempfänglichkeit würden wir selbst die handgreiflichsten Beweise seiner Gnade nicht fassen, wenn er nicht seinen heiligen Mund öffnete, uns seine väterliche Liebe zu bezeugen.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

Rufe ADONAI, die ganze Erde, vor Freude! Historisch gesehen wurde dieser Psalm während des Erntedankopfers im Tempel gesungen. Ein alter Rabbiner sagt, dass Ps. 100 sind jeden Tag zu rezitieren. Dies ist während des Pezukei D’Zimra im Rahmen des täglichen jüdischen Gebetsdienstes. Laut Rabbi Samson Raphael Hirsch wird dieses Dankeslied im messianischen Zeitalter gesungen, wenn Gott Tikkun Olam (die Wiederherstellung der Erde) herbeiführen wird, wenn die gesamte Welt (und das Universum) perfektioniert werden. Diese Erwartung wird im Aleinu bekräftigt, einem der Schlussgebete der täglichen Synagogen.

Die vollständige jüdische Studienbibel: Notizen

Die Überschrift des Psalms (oder Liedes) erklärt, daß dieser Psalm beim „Dankopfer“ Verwendung fand. Er wurde im Tempel bei dem Darbringen der Dankopfer gesungen. Die Ausdrucksweise dieses Psalms lehnt sich an die vorhergehenden Inthronisierungspsalmen an ( Ps 47;93;95-99 ), die die Herrschaft des Herrn feiern.
Der Psalmist ermahnte die Versammlung, dem Herrn mit Freuden zu dienen, denn er ist der Schöpfer, und mit Danksagung in seinen Tempel zu kommen, denn er ist gut und treu.
Vers 1-3 sind ein Aufruf zum Lobpreis und zum freudigen Dienst. Alle Menschen ( die ganze Erde ; vgl. Ps 96,1;97,1;98,4 ) sollen dem Herrn zujauchzen; ihr Lobpreis soll nicht gedämpft werden. Mehr noch, sie sollen ihm mit Freuden dienen. Mit diesem Dienst, der mit fröhlichen Liedern getan wird, könnte die Anbetung Gottes gemeint sein.
Der Herr ist fröhlich zu preisen und anzubeten, denn er ist allmächtig. Er ist der Schöpfer. Wer auf ihn vertraut, gehört ihm an. Sie folgen ihm, denn sie sind die Schafe seiner Weide (vgl. Ps 74,1;79,13;95,7; vgl. auch Ps 23,1;80,2 ).
Der zweite Teil des Psalmes ruft die Heiligen auf, in Jerusalem (Gottes Toren) einzuziehen und zu seinem Tempel (seinen Vorhöfen) zu kommen, um Dankopfer für seine Segnungen an ihnen darzubringen.
Das Volk sollte den Herrn für seine Güte, Liebe und Treue preisen. Diese Gnadengaben gewährt Gott von Generation zu Generation. Deshalb kann jede Generation, die die Güte, Liebe und Treue Gottes erfährt, in den Lobpreis Gottes miteinstimmen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

„indem er über sie einen Triumph hielt“

Und euch, als ihr tot waret in den Vergehungen und in der Vorhaut eures Fleisches, hat er mitlebendig gemacht mit ihm, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat; als er ausgetilgt die uns entgegenstehende Handschrift (O. den… Schuldbrief) in Satzungen, die wider uns war, hat er sie auch aus der Mitte weggenommen, indem er sie an das Kreuz nagelte; als er die Fürstentümer und die Gewalten ausgezogen (d. h. völlig entwaffnet) hatte, stellte er sie öffentlich zur Schau, indem er durch dasselbe (O. an demselben, od. in sich) über sie einen Triumph hielt.
Elberfelder 1871, Kol 2,13–15

Einst wart ihr tot, denn ihr wart unbeschnitten, das heißt in ein Leben voller Schuld verstrickt. Aber Gott hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht. Er hat uns unsere ganze Schuld vergeben.Den Schuldschein, der uns wegen der nicht befolgten Gesetzesvorschriften belastete, hat er für ungültig erklärt. Er hat ihn ans Kreuz genagelt und damit für immer beseitigt.Die Mächte und Gewalten, die diesen Schuldschein gegen uns geltend machen wollten, hat er entwaffnet und vor aller Welt zur Schau gestellt, er hat sie in seinem Triumphzug mitgeführt – und das alles in und durch Christus.
Gute Nachricht – Kolosser 2,13-15

Ja, Gott hat euch zusammen mit Christus lebendig gemacht. Ihr wart nämlich tot – tot aufgrund eurer Verfehlungen und wegen eures unbeschnittenen, sündigen Wesens. Doch Gott hat uns alle unsere Verfehlungen vergeben. Den Schuldschein, der auf unseren Namen ausgestellt war und dessen Inhalt uns anklagte, weil wir die Forderungen des Gesetzes nicht erfüllt hatten, hat er für nicht mehr gültig erklärt. Er hat ihn ans Kreuz genagelt und damit für immer beseitigt. Und die gottfeindlichen Mächte und Gewalten hat er entwaffnet und ihre Ohnmacht vor aller Welt zur Schau gestellt; durch Christus hat er einen triumphalen Sieg über sie errungen.
Neue Genfer – Kolosser 2,13-15

ἀπ-εκ-δυσάμενος Aor. Ptz. Med. -δύομαι12 ausziehen; entwaffnen; temp. od. mod. ἐ-δειγμάτισεν Aor. δειγματίζω (vgl. A3391ff) bloßstellen, der Schande preisgeben, zur Schau stellen, an den Pranger stellen. παρ-ρησία (< πᾶν + ῥῆσις [das] Reden) Redefreiheit, Freimütigkeit, Offenheit; Öffentlichkeit; ἐν παρρησίᾳ öffentlich. θριαμβεύσας Aor. Ptz. θριαμβεύω im Triumphzug mitführen (meist: jmdn. als Besiegten); mod. αὐτούς Mask., sinngemäße Konstruktion (A96).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Bevor ein Mensch zu diesem neuen Leben in Christus befreit wird, ist er tot … in seinen Sünden und in der Unbeschnittenheit seines Fleisches (vgl. den Kommentar zu „Gliedern … auf Erden“ in Kol 3,5 und zum „alten Menschen“ in Kol 3,9). Der Tod bedeutet eine Trennung, nicht die Auslöschung. Selbst die Unerlösten tragen noch immer die Ebenbildlichkeit Gottes in sich ( 1Mo 9,6; Jak 3,9), doch sie sind von Gott geschieden. Sie sind zwar vom geistlichen Leben abgeschnitten, aber sie haben noch ihr menschliches Leben. Nun aber hat Gott euch mit ihm (Christus) lebendig gemacht (vgl. Eph 2,1-6). Dieselbe „Kraft“ (energeias; vgl. Kol 1,29), die Christus von den Toten auferweckt hat (Kol 2,12), erweckt gläubige Sünder zu geistlichem Leben (V. 13).
Dieses neue Leben wurde den Menschen zuteil, als Gott ihnen alle Sünden (vergeben) hat, denn er hat den Schuldbrief getilgt. Vor Gottes Gesetz, seinem „Schuldbrief“, standen die Menschen verurteilt da (vgl. Röm 3,19 ), denn er war mit seinen Forderungen gegen sie. Doch in Christus ist dasGesetz erfüllt (Röm 8,2) und abgetan ( Gal 3,25; Hebräer 7,12). Es ist deshalb falsch, sich nach wie vor ans Gesetz zu klammern, denn die Gläubigen sind in Christus tot für das Gesetz. Christus hat die Forderungen des Gesetzes in seinem Leben und durch seinen Tod erfüllt, und die Christen sind in ihm.
Weil die Menschen das Gesetz nicht halten können, sind sie seine Schuldner. Weil sie ihre Schuld nicht bezahlen können, sind sie Verbrecher. Doch Jesus hat diese Anschuldigung durch seinen Tod weggetan. Es ist, als habe er sie an das Kreuz geheftet, an dem er selbst hing und mit dem er deutlich machte, daß er die Schuld bezahlt hat. Das Schuldkonto der Menschen ist gelöscht.
Indem er die Forderungen des Gesetzes erfüllte, hat Christus die dämonischen Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet (vgl. Kol 1,16;2,10 ) und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht (vgl. 2Kor 2,14). Dadurch sind die Gläubigen von diesen schlimmen Mächten befreit, die ihnen Speise- und Festtagsvorschriften auferlegen wollen. So laßt euch nun von niemandem ein schlechtes Gewissen machen wegen Speise und Trank – die Christen sind frei von den Forderungen des Gesetzes (wie sie z. B. in 3Mo 11;17 und 5Mo 14 aufgeführt sind). Gott verurteilt diejenigen nicht, die alles essen (Röm 14,1-4). Im Gegenteil, er sagt sogar ausdrücklich, daß alle Speisen gegessen werden können, weil er sie „geschaffen hat, daß sie mit Danksagung empfangen werden von den Gläubigen und denen, die die Wahrheit erkennen“ (1Tim 4,3). Eine Lehre, die dies verbietet, ist nach den Worten des Paulus „teuflisch“ (1Tim 4,1) und stammt von jenen Mächten, die Christus überwunden hat (Kol 2,15).
Diese Befreiung der Gläubigen erstreckt sich auch auf Festtage wie die Feier des Neumondes oder Sabbats (vgl. Gal 4,10). Diejenigen, die die Christen unter die Knechtschaft des Gesetzes bringen wollen, machen künstliche Unterscheidungen zwischen dem „zeremoniellen“ und dem „moralischen“ Gesetz und sagen deshalb, daß der Sabbat nicht aufgehoben sei. Daß diese Auffassung falsch ist, zeigt sich an verschiedenen Dingen: (1) Das Sabbatgebot wird als einziges der Zehn Gebote im Neuen Testament nicht wiederholt. (2) Die Urchristen versammelten sich sonntags ( Apg 20,7; 1Kor 16,2), weil Christus an diesem Tag auferstanden und erschienen war ( Mk 16,1; Joh 20,1). (3) Die Bibel unterscheidet nirgends zwischen den sogenannten „moralischen“ und den „zeremoniellen“ Geboten (eine derartige Trennung wurde erst seit dem 13. Jahrhundert n. Chr. eingeführt). (4) Die vorliegende Passage des Kolosserbriefes verurteilt ausdrücklich all diejenigen, die die Observanz des Sabbatgebotes fordern. (5) Nach den Worten des Paulus war das alttestamentliche Gesetz (einschließlich des Sabbatgebotes) nur ein Schatten des Zukünftigen. Leibhaftig oder „substantiell“ (sOma, wörtlich „Leib“) aber ist es in Christus (vgl. Hebräer 8,5;10,1 ). Was im Alten Testament nur schattenhaft zu erahnen war, wurde in Christus Realität (vgl. Mt 5,17; Röm 8,3-4). Ein „Schatten“ (skia) ist nur der Umriß eines Gegenstandes. Wer aber Christus gefunden hat, der braucht nicht länger hinter dem alten Schatten herzulaufen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Paulus sagt mehr. als dass Christus für ihn gekreuzigt wurde oder dass das Kreuz Christi ihm etwas nützt. Er sagt, dass er (Paulus) auch gekreuzigt wurde, als Christus gekreuzigt wurde. Als Jesus körperlich starb. starb Paulus geistlich (und mit ihm alle Gläubigen). Paulus sieht ’ sich selbst so mit dem Tod Christi vereinigt, dass er sagen kann: „ Nun lebe ich, aber nicht mehr ich selbst “ Was bedeutet das?

Von Geburt an war jeder von uns unter der Kontrolle und Herrschaft ‚ der Sünde. Der Tod Christi war keine Niederlage, sondern ein Triumph (siehe Kol 2,13-15). Durch seinen körperlichen Tod brach Christus ‚ die geistliche Macht und Gewalt, welche die Sünde über uns hatte. Betrachten Sie nochmals die Worte „Ich bin gekreuzigt“. Die Zeitform des griechischen Verbs weist auf ein bestimmtes Geschehen in der Vergangenheit hin, mit einem fortdauernden und beständigen Ergebnis. Was Christus damals am Kreuz getan hat, verändert dauerhaft, wer Sie jetzt sind und wer Sie in Zukunft sein werden. Aber Paulus geht noch weiter. Er sagt: „Nun lebe ich, aber nicht mehr ich selbst “ Paulus sagt, dass die Veränderungen in seinem Innern für das, was er als Mensch ist, so grundlegend sind, dass es ist, als lebte er nicht mehr! Natürlich ist er immer noch Paulus, aber wegen seines Todes in Christus ist er ein Paulus, der in seinem Kern zutiefst anders ist.

Wenn Sie das grundlegende Wesen dieser Veränderung in Ihrem Innern als Gläubiger erfassen, werden Sie anfangen, Ihr wahres Potenzial zu erfassen. Sie sind nicht mehr, was Sie einst waren! Sie sind für immer verändert worden. Sie leben nicht mehr unter der Last des Gesetzes oder unter der Herrschaft der Sünde. Christi Tod hat die Forderungen des Gesetzes erfüllt und die Macht der Sünde gebrochen. Sie müssen der Sünde nicht mehr nachgehen. Sie können mitten in denselben alten Situationen auch neue Weise leben, weil Sie geistlich gestorben sind, als Christus körperlich starb. Diese grundlegende Veränderung bleibt für immer bestehen! Sehen Sie sich selbst mit einem solchen Potenzial für ein neues Leben in Christus?

Alles anders – aber wie?

Ist mir wirklich bewusst, dass der Teufel keine Macht mehr über echte Christen hat?

Das dritte Gericht Satans war am Kreuz. Satan erlitt zu der Zeit, als der Messias starb, ein spezifisches Urteil. Satan wusste, dass es kommen würde, und deshalb versuchte er alles, um den Messias vom Kreuz fernzuhalten. Er versuchte ständig, Jeschua entweder vorzeitig oder auf falsche Weise töten zu lassen; wie durch Schwert oder durch Steinigung. Aber alle derartigen Versuche scheiterten, weil: seine Stunde noch nicht gekommen war. Als seine Stunde endlich kam und Jeschua am Kreuz starb, hatte Satan nicht mehr die Kontrolle. Vielmehr hatte der Messias die totale Kontrolle. Das Kreuz, das der Menschheit das Heil brachte, brachte das Gericht über Satan. Jesus sagte voraus, dass dies in Lukas 10,18 geschehen würde: Und er sprach zu ihnen: Ich sah Satan als Blitz vom Himmel gefallen. In Johannes 12, 31 sagte Jeschua, dass aufgrund seiner Arbeit: Jetzt soll der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. Später, in Johannes 16,11, sagte er: Der Fürst dieser Welt wurde gerichtet. Im Rückblick auf die Erfahrung des Kreuzes heißt es in Kolosser 2: 14-15: Messias… hat die Fürstentümer und Mächte geplündert, von denen einer Satan war. Durch seinen eigenen Tod und seine Auferstehung machte Jesus die Macht des Teufels über den Tod des Gläubigen unwirksam (Hebr. 2: 14-15). Durch seinen Tod zerstörte Jeschua die Werke des Teufels (1 Joh 3,8). Diese ersten drei Urteile über Satan sind alle Geschichte, aber es stehen noch vier weitere Urteile an.

Arnold Fruchtenbaum

Gehorsam lernen

obwohl er Sohn (Siehe v 5) war, an dem, was er litt, den Gehorsam lernte;
Elberfelder 1871, Hebräer 5,8

´Allerdings` blieb es selbst ihm, dem Sohn Gottes, nicht erspart, durch Leiden zu lernen, was es bedeutet, gehorsam zu sein.
Neue Genfer Übersetzung – Hebr 5,8

Obwohl Jesus der Sohn von Gott war, musste er auch erst lernen, nur das zu tun, was Gott will, trotz ätzender Sachen, die dabei passieren.
VolxBibel – Hebräer 5,8

Dennoch musste auch Jesus, der Sohn Gottes, durch sein Leiden Gehorsam lernen.
Hoffnung für Alle – Hebr 5,8

Website: Familienhandbuch

Ja, Gehorsam wird heute eher „klein geschrieben“ – denn Gehorsam ist ja laut Wörterbuch:
1.sich dem Willen einer Autorität unterordnend“ein gehorsamer Untertan“
2. als Kind die Autorität einer Respektsperson anerkennend und ihren Forderungen sofort und pünktlich nachkommend; brav, folgsam….
Müssen wir als Christen den Gehorsam lernen?

καί-περ obwohl. ὤν Ptz. εἰμί, konz. (s. καίπερ). υἱός Präd.-Nom. ohne Art. (A80). ἔ-μαθεν Aor. μανθάνω157 lernen. ἀφʼ ὧν = ἀπὸ τούτων ἅ durch (vgl. B ἀπό V2) das, was (A358). ἔ-παθεν Aor. πάσχω. ὑπ-ακοή Gehorsam.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Die ganze Erfahrung, von der zuvor berichtet wurde, war für Jesus eine Art Lernprozeß, bevor er selbst seinem leidenden Volk diente. Ungeachtet seiner einzigartigen Beziehung zu Gott (obwohl er Gottes Sohn war) mußte er wirklichen Gehorsam im Sinne von Leiden lernen. Dadurch wurde er für seine Aufgabe als Herrscher und Hoherpriester seines Volkes vollendet. Es ist nicht abzuleugnen, daß in all diesem ein Mysterium verborgen ist, doch es ist kein größeres Mysterium als das, das in den Worten des Lukas zum Ausdruck kommt: „Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen“ (Lk 2,52). Auch wenn dieses ganze Geschehen nicht restlos begreifbar ist, so erfuhr der bereits vollkommene Sohn Gottes durch seine Menschwerdung in tiefstem Sinne an sich selbst, was es heißt, ein Mensch zu sein. Das Leiden wurde für ihn zu einer Realität, die er selbst erfahren hat. Von daher kann er vollkommen mit seinen Anhängern mitfühlen. (Vers 8 enthält im Griechischen ein interessantes Wortspiel mit den beiden Verbformen (er hat) gelernt (emathen) und er litt (epathen).
Auf diese Gewißheit gründet sich die Feststellung des Briefschreibers: Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber (aitios) des ewigen Heils geworden. Das „Heil“, von dem hier die Rede ist, läßt sich nicht von dem „ererbten“ Heil in Hebräer 1,14 unterscheiden und kann mit dem „ewigen Erbe“ in Hebräer 9,15 gleichgesetzt werden. Es darf allerdings nicht mit der Erlangung des ewigen Lebens verwechselt werden, die nicht vom Gehorsam, sondern vom Glauben abhängt (vgl. Joh 3,16 u. a.). Einmal mehr geht es dem Briefschreiber an dieser Stelle um die Befreiung von allen Feinden und den endgültigen Sieg mit seiner anschließenden „Herrlichkeit“, an der die vielen Söhne und Töchter teilhaben. Dieses Heil ist ausdrücklich mit dem Gehorsam der Gläubigen verknüpft, einem Gehorsam, der sich ganz am Gehorsam Jesu, der ebenfalls litt, orientiert. So steht es in engem Zusammenhang mit dem Wort des Herrn: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s erhalten“ ( Mk 8,34-35 ).
Der Hohepriester ist zum „Urheber“ dieses besonderen Heils geworden, das denen zufällt, die bereit und willens sind, im Gehorsam vor Gott zu leben. Mit dieser Bezeichnung wollte der Briefschreiber in erster Linie auf die Hilfe hinweisen, die den Gläubigen aus dem priesterlichen Dienst Christi erwächst und die es ihnen überhaupt erst ermöglicht, ein Leben des Gehorsams zu führen. Welches Leiden den Christen auch quälen mag, der Hohepriester versteht ihn, fühlt mit ihm und läßt ihm jenes Erbarmen und jene Gnade zukommen, die er braucht, um ausharren zu können. Oder, wie der Briefschreiber es an einem späteren Ort sagt, „daher kann er auch für immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt für immer und bittet für sie“ (Hebräer 7,25). Zu diesem Zweck ist Christus ggenannt von Gott ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Blicken wir auf den Lebensgang Jesu. Wie deutlich tritt hier ans Licht, dass er nicht eigenwillig und eigenmächtig sein Amt an sich riss, sondern es aus Gottes Händen entgegennahm! Er hat während seines irdischen Lebens nie, wenn ihm das Sterben nahe trat, zur Selbsthilfe gegriffen, sondern Gott allein als den geehrt, der ihn vom Tode erretten konnte. Er hielt sich ans Bitten und wartete auf die Erhörung. Gott hat ihn auch nicht umsonst bitten lassen; Jesus ist erhört worden. Der Tod hatte keine Gewalt über ihn, sondern das Kreuz wurde für ihn die Pforte zum ewigen Leben. Aber wie musste er die Erhörung suchen? So, dass er sich sorgsam und folgsam völlig der Regierung Gottes unterwarf. Die Hilfe Gottes wurde ihm zuteil, weil er nicht nach der Regung seines eigenen Willens keck zufuhr, sondern sein Verlangen unter die Regel stellte: wenn der Vater es will! Wenn dieses auch rein und recht war, hielt er es dennoch zurück, bis der Vater geredet und der Vater geholfen hatte, und gab sich in seine Hände. Weil er nur auf diesem Weg die Erhörung suchen durfte und finden konnte, darum wurde ihm das Leiden nicht erspart; er musste vielmehr im Leiden bewähren, dass er Gott nicht in Ungeduld und Eigenwillen Vorgriff, und so im Leiden eine Schule des Gehorsams durchlaufen, eine Übung der völligen Ergebung in Gott, und dieser Gehorsam hat ihn zum Priester gemacht.

So fehlte ihm auch das höhere Gegenbild zu jener Schwachheit nicht, die Aaron mit allen anderen Gliedern der Gemeinde teilte, und zu jenen Opfern, die der Priester für sich selbst darzubringen hatte. „Ärgert euch doch nicht,“ sagt der Brief, „an der Erniedrigung Jesu! Er hat sich allerdings euch völlig gleichgestellt. Auch er ist vor Gott als der Bittende gelegen; auch seine Stimme ist zum lauten Ruf geworden, der Gottes Ohr gesucht und Gottes Hilfe begehrt hat; auch in sein Gebet haben sich die Tränen gemischt. Er bittet nicht nur für euch; er hat auch für sich selbst gebeten.“ Das war sein Opfer, das er Gott darbrachte. Gehorsam gab er ihm; seinen Willen ließ er ihm ganz und gar, und dieses innerlichste, wahrhaftige Opfer brachte er nicht nur im Blick auf uns dar, sondern auch im Blick auf seine eigene Person, auf den Ausgang seines eigenen Lebens. Es ist somit auch bei ihm wahr: aus den Menschen wird der genommen, der Priester sein soll, ein solcher, der ihre Schwachheit an sich selbst trägt. Jesus aber hat sich durch seine Schwachheit nicht von Gott scheiden lassen, sondern in ihr den Gehorsam geübt. Daher hat er seine priesterliche Macht.

Wir werden besonders an die Stunde in Gethsemane denken und an die Bitten Jesu am Kreuz, obwohl dieses sein Flehen und Bitten, diese sorgsame Zurückhaltung, diese Gehorsamsübung im Leiden nicht nur auf seine letzten Stunden einzuschränken ist. Der Vorblick auf das Leiden, wie er schon längst vor Jesu Seele offen lag, war auch schon Leiden; jene Nächte des Gebets, von denen uns die Evangelien erzählen, all die sorgsame Zurückhaltung, in der er vom Anfang seiner Arbeit an durch keinen Erfolg sich blenden ließ, nach keinem augenblicklichen Vorteil haschte, sondern sich geduldig schmähen, verkennen und anfechten ließ und in stiller Gelassenheit mit ansah, wie die Dinge sich mehr und mehr dem Kreuz zuwandten: das alles gehörte auch zur Gehorsamsschule und zum Gebetsopfer, von dem hier gesprochen wird.

Die Schwere dieses Weges lag darin, dass er im Gegensatz zur Sohnesstellung Jesu stand. „Obgleich er der Sohn ist, lernte er durch sein Leiden das Gehorchen.“ In der Bahn des Sohnes lag freilich nicht Ungehorsam, aber auch nicht eine solche Gehorsamsschule, sondern ein freies, volles Zusammenstimmen des väterlichen Willens mit dem seinigen, ein Verhalten des Vaters zum Sohn, das ihm Macht und Raum gab, ohne Hemmung und Not dem Willen des Vaters zu dienen, ein Auftrag des Vaters, der dem Sohn den Gehorsam zum Leben machte, nicht aber ihn in den Tod führte, zur Ehre, nicht aber zur Erniedrigung. Aber nicht einmal seinen Sohnesnamen machte Jesus gegen die Entscheidung des Vaters geltend; er überließ es dem Teufel, zu folgern: „Weil du Gottes Sohn bist, so schaffe dir allewege Brot!“ Vielmehr schöpfte Jesus aus seinem Sohnesnamen Trieb und Kraft zu einer Hingebung, die ihn auch im Tod nur auf den Vater blicken und nur im Bitten die Errettung suchen ließ.

Dieser neue Blick auf Jesu Leiden ergänzt und erklärt dessen erste Betrachtung, die das zweite Kapitel enthält. Dort war uns gezeigt, was Jesus zu uns zieht; hier, was ihn mit dem Vater verbunden hält. Dort sahen wir im Leiden den Bruder, der mit seinen Brüdern alles teilt; hier den Sohn, der dem Vater alles übergibt. Nun sehen wir auch deutlicher, worin die Versuchung Jesu bestand: er war wie wir auf das bloße Gehorchen gewiesen. Damit kennen wir auch den Grund seiner Macht, an der der Tod und der Satan scheitern und die Sünden vergehen müssen. Seine Liebe zu den Brüdern, mit der er sich uns gleichgestellt hat, und sein Gehorsam gegen den Vater, in dem er dem Vater und seiner Leitung untergeben geblieben ist, das sind die beiden Edelsteine, die das Kreuzesbild Jesu schmücken und ihm vor Gott, Engeln und Menschen eine Herrlichkeit geben, die nie vergeht.

Jesus hat gelitten und gehorcht; so wurde er vollendet. So ist er an das Ziel gekommen, wo ihm nichts mehr gebricht und fehlt. Seine Einheit mit dem Vater ist vollkommen geworden. Er hat ihm Gehorsam erzeigt bis ans Ende; darum ist er ins himmlische Wesen erhöht worden. Nun erlöst und errettet er uns. Wir empfangen auf demselben Weg das Heil, auf dem er es uns erworben hat. War er gehorsam, so kann auch uns nur der Gehorsam helfen. Denn er, der gehorsam geworden ist, zieht nicht die Widerspenstigen zu sich. Ihm sollen wir gehorsam werden, wie er es dem Vater war. Dann fällt uns die Frucht seines Gehorsams, der ihn in die Vollkommenheit erhob, dadurch zu, dass er uns die ewige Errettung verschafft. Weil er dies kann und soll, darum hat Gott ihm auch den Priesternamen gegeben, und dies nicht nur so, dass er ihn Aaron gleichstellte; vielmehr hat Gott Jesus ein Priestertum von neuer und höherer Art zugeteilt, das nicht in Aaron, sondern in Melchisedek seinen Namen und sein Vorbild empfangen hat.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Disziplin – auch Schläge – war ein wichtiges Element in der griechischen Erziehung. Nach Ansicht der klassischen griechischen Schriftsteller spielte das Leiden beim Lernen eine wichtige Rolle, und im A.T. und in den späteren jüdischen Weisheitsschriften gelten göttliche Züchtigungen als Zeichen der Liebe Gottes. Die Paronomasie (Wortgleichklang) an dieser Stelle, emathen aph‘ hon epathen, »hat… an dem, was er litt, Gehorsam gelernt«, war bereits in der Literatur der Antike ein bekanntes Wortspiel. Im vorliegenden Vers allerdings geht es um die Abgrenzung gegen die griechische Vorstellung, dass der höchste Gott (mit dem der Verfasser den Sohn in gewisser Weise identifiziert, 1,9; 3,3-4 ), unfähig sei, Gefühle, Schmerz oder wahres Mitleid zu empfinden. Jesu Teilhabe am menschlichen Leiden qualifizierte ihn für die Aufgabe des höchsten Hohen Priesters; in der griechischen Übersetzung des A.T., der Septuaginta , wird der hier mit »zur Vollendung gekommen war« (Zürcher) übersetzte Begriff (V. 9 ) für die Priesterweihe gebraucht.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

8.1 Die Erfüllung dieses Amtes des Priestertums (Vers 7). Beachten Sie:
Er nahm Fleisch an; er wurde ein sterblicher Mensch.
„In den Tagen seines Fleisches“ unterwarf Christus sich dem Tod. Er war ein versuchter, blutender, sterbender Jesus!
Gott, der Vater, konnte ihn aus dem Tod erretten, doch was wäre aus uns geworden, wenn Gott Christus vor dem Sterben gerettet hätte? Es geschah aus Güte uns gegenüber, dass der Vater nicht erlauben wollte, dass dieser bittere Kelch an ihm vorübergeht, denn wenn er es wäre, hätten wir seine Hefe trinken müssen.
Christus brachte in den Tagen seines Lebens auf der Erde seinem Vater Bitten und Flehen dar. Wir haben sehr viele Beispiele dafür, dass Christus betete. Dieser Vers bezieht sich auf sein Beten in seiner Qual (Mt 26,39; 27,46) und auf sein Beten vor seiner Qual (Joh 17).
Das Bitten und Flehen, welches Christus darbrachte, war mit lautem Rufen und mit Tränen verbunden und gab uns damit ein Beispiel. Wie viele trockene und wie wenige nasse Gebete bringen wir Gott dar!
Christus „ist auch erhört worden um seiner Gottesfurcht willen“ (wurde aufgrund seiner ehrfürchtigen Unterordnung erhört). Ihm wurde durch unmittelbare Hilfe in seiner Qual geantwortet, indem er gut durch den Tod hindurch gebracht worden ist, und indem er durch eine glorreiche Auferstehung von ihm errettet wurde. Er wurde durch den Tod hindurchgetragen, und es gibt keine echte Rettung vor dem Tod, außer, dass man gut durch ihn hindurchgetragen wird. Wir können oft von Krankheit wiederhergestellt werden, doch wir sind nie vor dem Tod gerettet, bis wir gut durch ihn hindurchgetragen wurden.
8.2 Die Folgen dieser Erfüllung seines Amtes (Vers 8–9).
Durch dieses sein Leiden hat er, „obwohl er Sohn war … den Gehorsam gelernt“ (Vers 8). Es möge darum niemand, der durch Adoption Kind Gottes ist, völlige Freiheit von Leid erwarten. Obwohl er nie ungehorsam war, hat er nie eine solche Tat des Gehorsams vollbracht wie jene, in der er bis zum Punkt des Todes gehorsam war, ja bis zum Tod am Kreuz. Wir sollten durch all unsere Heimsuchungen lernen, dem Willen Gottes demütig zu gehorchen.
Indem er dies tat, ist er der Urheber ewigen Heils für die Menschheit geworden. Dieses Heil wird wirklich niemandem gegeben außer denen, die Christus gehorchen. Wir müssen auf sein Wort hören und ihm gehorchen. Er ist genauso als Herrscher erhöht, um über uns zu herrschen, wie er ein Heiland ist, um uns zu retten, und er wird für niemanden ein Heiland sein, außer für die, für die er ein Herrscher ist. Doch für diejenigen, die ihm gehorchen, wird er der Urheber – griech. aitios, der Grund oder die Ursache – ihres Heils.

Der Neue Matthew Henry Kommentar