Und dann wird er seine Engel aussenden und seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
Elberfelder 1871 – Markus 13,27
Und dann wird er die Engel in alle Himmelsrichtungen aussenden, um seine Auserwählten von überall her zusammenzubringen.
NeÜ bibel.heute Stand 2015 – Markus 13:27
und dann wird er die Engel aussenden und seine Erwählten von den vier Windrichtungen her versammeln vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels»- Sach 2:6; 5.Mo 30:4. –
Hermann Menge Übersetzung – 1949 – Mk 13,27

Aber für alle, die von einer „Vorentrückung“ glauben, stellt dieser Vers hier ein Problem dar – denn hier wird gezeigt, dass das Zusammensammeln „Seines Volkes“ direkt nach Seiner Wiederkunft erfolgen wird.
Sodann erfolgt das Kommen des Menschensohnes. Es ist wohl das herrliche (vgl. Offb 1,7) Kommen des Menschensohnes, des endgültig Herrschenden (vgl. 9,7; 14,62), zu seinen Auserwählten (vgl. V. 20.22) gemeint. Dies schließt das Gericht mit ein (vgl. 8,38; 14,62; vgl. äthHen 62,2). Dies wird dadurch untermalt, dass auch die Engel gesandt werden, die Auserwählten zu sammeln (V. 27; vgl. die Bemerkungen zu V. 20 und 22; Dtn 30,3–4; Sach 2,10).
Lane bemerkt, dass der Verweis auf Engel Dtn 30,4 und Sach 2,10 kombiniert. Das Sammeln des Gottesvolkes ist Zeichen der Gnade Gottes (vgl. z.B. Jes 11,12), Zerstreuung ist Zeichen des Gerichtes Gottes (vgl. z.B. Ez 5,10.12). Siehe ferner 2Thess 2,1.
Bei der zukünftigen Parusie kommt Jesus (als Repräsentant des Gottesvolkes) in der Gegenwart des Vaters, um das Reich (in seiner Fülle) mit seinen Auserwählten zu führen (so Mk 14,62b, wo Jesus Dan 7,13–14 lediglich als Teilereignis der Parusie interpretiert).
Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament
Die Abfolge des Geschicks des Menschensohnes im gesamten Mk Ev. ist somit: Leiden, Tod, Auferweckung (z.B. 8,31), Erhöhung (Mk 14,62a, „Sitzen zur Rechten Gottes“, Ps 110,1.5), Parusie als kosmisches Ereignis, bei der Jesus zu den Seinen kommt (Mk 13,26–27) und mit ihnen in der Gegenwart des Vaters kommt (vgl. Mk 8,38), um das Reich in seiner Fülle (alle Feinde überwunden, Ps 110,1) mit seinen Auserwählten zu führen (Mk 14,62b; Dan 7,13–18.22.27).
Das Kommen in den Wolken markiert die endgültige Enthüllung der Person Jesu und seines Reiches (Volkes). Das Sammeln der Auserwählten vom Ende der Erde betont, dass das Gottesvolk weit über die politischen Grenzen Israels hinausreicht, jedoch das jüdische Volk keineswegs übergeht. Vielmehr setzt mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem die eschatologische Ausweitung des Gottesvolkes ein, das aus dem gläubigen Rest Israels (vgl. u.a. Röm 9–11) und gläubigen Heiden besteht.
Lane fasst folgendermaßen zusammen: Wenn sich früher das Volk Israel um den Tempel scharte, so schart sich das eschatologische, messianische Volk Gottes (Juden und Heiden) nun um den erniedrigten und erhöhten Menschensohn.
Das Erscheinen des Menschensohnes bringt nicht nur Gericht, sondern auch Lohn. Ein zweites »und dann« betrifft das in V. 13 angekündigte »Gerettetwerden« der Auserwählten. Und dann wird er absenden die Engel und wird versammeln seine Auserwählten. Wie in Mt 13,30.39–42.49–50; vgl. Mk 8,38 sind die Engel gleich Erntearbeitern, die die Erde nach guten Früchten absuchen, wobei sie auch die schlechten Früchte aussondern müssen. Jetzt schmecken die Auserwählten endlich ihre Auserwählung. Bisher mußten sie oft das Gegenteil kosten. Sie lebten auf der Flucht, in der Verfolgung, in der Zerstreuung – ein altes biblisches Bild für Gericht. Aber mit dem Offenbarwerden ihres Herrn werden auch sie offenbar als die von ihm Geliebten und Versammelten zum neuen Tempel (1Jo 4,1f; Offb 3,9). Ihre Sammlung erfolgt aus den vier Winden. Damit ist nicht eine viereckige Welt vorgestellt, sondern die Fläche der Erde umfassend beschrieben. Ein zweiter Ausdruck versichert, daß kein möglicher Aufenthaltsort, wohin jemand verschlagen oder verschleppt ist, vergessen wird, vom Rand der Erde bis zum Rand des Himmels.
Pohl – Wuppertaler Studienbibel
»Und dann?« fragt Schlatter, Matthäus, Erläuterungen, S. 301, ein drittes »und dann«, um zu antworten: »Hier schließt die Weissagung.« Jede Ausmalung des ganz Anderen und Neuen unterbleibt. Am Ende steht eben die Versicherung, daß Gottes Wege nach Vergehen von Himmel und Erde zum vollkommenen Gottesdienst »versammeln«. Was aber nicht unterbleibt, sind Ermahnungen für die Jünger in ihrem gegenwärtigen Status. Das zeigen die nächsten Abschnitte. Weissagung ist nicht zum Einschlafen gegeben.
V. 27 nämlich handelt nun der Menschensohn, indem er die Engel aussendet und die Auserwählten durch sie sammelt. Sie werden aus allen vier Winden zusammengeführt (vgl. Dtn 30,3f.; Sach 2,10), d. h. aus allen Wind- oder Himmelsrichtungen, wobei die Schlusswendung noch hervorhebt, dass die Engel die Räume bis zum Ende der Erde und des Himmels nach ihnen absuchen. Keine(r) der Auserwählten soll verloren gehen, alle sollen das ewige Heil in der Gemeinschaft mit dem Menschensohn erfahren. Diesen eschatologischen Ausblick auf die Gemeinschaft mit Christus teilt das Mk auch mit anderen ntl. Schriften (vgl. 1 Thess 4,17; Phil 1,23; Lk 23,43; Offb 20,4).
Dschulnigg – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament
So wird also auch hier das Kommen des Menschensohnes zuerst V. 26 nach Seiten seiner Geltung für die dann lebende Menschheit, und V. 27 dann nach Seiten seiner Bedeutung für die Auserkornen beschrieben. Und hiermit ist nun endlich gesagt, woran die Jünger das Kommen des Menschensohnes unzweifelhaft wahrnehmen können. Sie brauchen nicht auf Menschenrede und von Menschen verrichtete Wunderthaten zu sehen, wodurch sie leicht betrogen werden könnten, weil das Kommen Jesu sich durch solche unerhörte kosmische Revolutionen und in einer für die Jünger verständlichen Weise der ganzen Menschheit als unmittelbar bevorstehend ankündigen wird.
Klostermann – Das Markusevangelium nach Seinem Quellenwerthe für die Evangelische Geschichte
Was geschieht bei der Wiederkunft? Jesus beschränkt sich hier auf einen einzigen Aspekt: Die Vereinigung mit den Seinen. Das also ist der erste Gedanke des wiederkommenden Jesus: Die Vereinigung mit seiner Gemeinde (vgl. Offb 19,7ff.; Offb 20,4ff.). Wir lesen in Mk 13, 27
Gerhard Maier – Edition C
»Und dann wird er seine Engel senden und wird seine Auserwählten versammeln aus den vier Winden, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.«
Klären wir noch die Einzelheiten: »Seine Engel« sind die Christus begleitenden »Engel«, die dann später die Gerichtshelfer sein werden (Mt 13,41ff.; Offb 20,1) und die ihm vorher gehuldigt haben (1 Tim 3,16). »Seine Auserwählten« sind alle, die an Jesus glauben. Das Wort »versammeln« hat den Sinn: an einer Stelle zusammenbringen und vereinigen. »Aus den vier Winden« heißt >aus allen Windrichtungen und Richtungen des Universums< (vgl. Jes 43,5ff.; Sach 2,10). »Vom Ende der Erde« heißt >aus den noch Lebenden< (vgl. 1 Kor 15,51ff.; 1 Thess 4,17). »… bis zum Ende des Himmels« heißt >aus allen außerirdischen Räumen<, die andernorts »Paradies« (Lk 23,43; 2 Kor 12,4), »Abrahams Schoß« (Lk 16,22ff.), »dritter Himmel« (2 Kor 12,2), »Gefängnis« (1 Petrus 3,19) oder einfach »die Toten« (1 Petrus 4,6) genannt werden (vgl. noch Ps 139,7ff.). Es handelt sich hier also um die verstorbenen Gläubigen. Alles, was an Christus glaubt im Augenblick seiner Wiederkunft, wird an jenem Höhepunkt der Heilsgeschichte teilnehmen. Manchmal denke ich, es ist schade, dass wir uns nicht noch viel mehr darauf freuen!
Dass lebende und verstorbene Gläubige bei der Wiederkunft Jesu mit ihm vereinigt werden, haben auch die Apostel gelehrt (1 Thess 4,15ff.).
Einer der entscheidenden Aspekte der jüdischen Zukunftshoffnung war die Hoffnung auf die Sammlung der zerstreuten Stämme Israels (Markus meint hier möglicherweise die zerstreuten Christen; vgl. 2.Thess 2,1 ).
Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Auch seine Engel werde er mit einem neuen Dienst betrauen. Sie würdenseine Erwählten aus allen vier Himmelsrichtungen sammeln, also aus allen Teilen der Erde. Mir dieser wunderbaren Wiedervereinigung Israels beschäftigen sich viele Weissagungen des Alten Testaments (Jes 11, 12; Jer 31, 7-9). Viele seiner Erwählten, der Ausersehenen und Erlösten, werden schon im Land sein, aber diese schließliche Sammlung wird alle Erlösten Israels um ihren Messias versammeln, um ihm freudig als ihrem Herrn und König zu gehören (Joh 1, 49;20, 28; Röm 11, 25-27).
