So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium, nach der Kraft Gottes;
Elberfelder 1905 – 2.Timotheus 1,8
Bekenne dich also offen und ohne Scheu zur Botschaft von unserem Herrn! Schäme dich nicht meinetwegen, weil ich für ihn im Gefängnis sitze, sondern sei bereit, mit mir für die Gute Nachricht zu leiden. Gott gibt dir die Kraft dazu.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 2.Timotheus 1:8
Bekenne dich daher ohne Scheu zu unserem Herrn, und schäme dich auch nicht, zu mir zu stehen, nur weil ich ein Gefangener bin – ich bin es ja um seinetwillen! Sei vielmehr auch du bereit, für das Evangelium zu leiden. Gott wird dir die nötige Kraft geben.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 2.Tim 1,8
Schäme dich deshalb nicht wegen der Botschaft von Jesus, unserem Herrn, und auch nicht wegen mir, der ich für ihn im Gefängnis bin. Sei stattdessen gemeinsam mit mir bereit, für die Verbreitung dieser guten Botschaft Leiden auf dich zu nehmen, so wie Gott uns dafür die Kraft gibt.
Das Buch – 2009 – 2.Tim 1:8

Den Vers 7 und den Vers 9 hatten wir ja schon einmal -…..
ἐπ-αισχυνθῇς Aor. Konj. Pass. -αισχύνομαι130 sich schämen, m. Akk.; prohibitiver Konj. (A256). μαρτύριον Zeugnis. κυρίου gen. obi. (A158); μὴ ἐπαισχυνθῇς τὸ μαρτύριον τοῦ κυρίου ἡμῶν schäme dich nicht des Zeugnisses/der Botschaft von unserem Herrn od. schäme dich nicht, Zeugnis für unseren Herrn abzulegen/dich zu unserem Herrn zu bekennen. δέσμιος Gefangener. συγ-κακο-πάθησον Aor. Imp. -παθέω (zusammen) leiden, mitleiden. τῷ εὐαγγελίῳ dat. commodi (A173) für das Evangelium.
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Timotheus wird aufgefordert, sich nicht zu schämen. In Vers 13 sagt Paulus aus, dass er selbst sich nicht schämt. Und schließlich lesen wir noch in Vers 16, dass Onesiphorus sich ebenfalls nicht schämte.
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Zu dieser Zeit war die Predigt des Evangeliums ein Verbrechen. Diejenigen, die öffentlich ihren Herrn und Heiland bezeugen wollten, wurden verfolgt. Doch das sollte Timotheus nicht entmutigen. Er sollte sich »des Zeugnisses unseres Herrn« nicht schämen, selbst wenn das Leiden mit sich bringen würde. Auch sollte er sich nicht schämen, dass der Apostel Paulus im Gefängnis war. Einige Christen hatten ihm schon den Rücken gekehrt. Zweifellos fürchteten sie, dass sie mit Verfolgung und sogar dem Tod rechnen müssten, wenn sie sich mit ihm identifizierten.
Timotheus wurde ermahnt, »nach der Kraft Gottes« seinen Anteil an den Leiden zu tragen, die mit dem »Evangelium« zusammenhängen. Er sollte nicht versuchen, der Schande auszuweichen, die damit vielleicht verbunden sein könnte, sondern mit Paulus zusammen diese Schande ertragen.
Johannes der Täufer, der Vorläufer und Wegbereiter des Herrn, kam ins Gefängnis, wo er schließlich hingerichtet wurde, damit sein Haupt auf einer Schüssel den Launen einer Frau dargereicht werde). So quittierte eine korrupte Welt den Bußruf des Täufers zum Leben. Jesus selber endete am Verbrecherpfahl, und sein Apostel, als Kehricht und Abschaum der Welt behandeltb) und betrachtet, verbringt Jahre im Gefängnis, wird in Untersuchungshaft dann verurteilt und schließlich hingerichtet wie einer der vielen Verbrecher oder Feinde des römischen Staates. Und dieser Paulus nennt sich ein „Gesandter in Fesseln“. Das ist ein paradoxer Ehrentitel genau wie „Sklave Jesu Christi“). Er ist frei inmitten menschlicher Bindungen und Gebundenheiten. Wer in Fesseln ist, so mag man denken, kann nicht seiner Sendung nachgehen und unterwegs sein. Wer gesandt ist, darf nicht gefesselt sein. Doch Paulus ist nicht Gefangener des Kaisers, er ist „sein“, d.h. des Herrn, um seinetwillen Gefangener). Er gehört dem Herrn aller Herren an, und deshalb vermag keine irdische Macht den Lauf des ihm aufgetragenen Evangeliums zu hindern. Timotheus ist in dieselbe Nachfolge gerufen. „Nimm auch du den Leidensweg der Heilsbotschaft in dieser Welt auf dich, in Gottes Kraft“ (W). Das Heil für die Welt kommt und geht auf dem Weg des Leidens durch diese Welt. Der Mensch mag in inneren und äußeren Fesseln sein, „aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt“e). Man muß die Past von diesem Zeugnis aus lesen und in seinem Licht auslegen, denn der Aufruf zur Leidensbereitschaft steht nicht im Widerspruch zu den Anweisungen für ein würdiges Verhalten, sondern gibt ihnen erst die richtige Begründung: Im Angesicht von Verfolgung beten für die, welche verfolgen), den Lästerern keinen Anlaß geben für ihre Ablehnung des Glaubens. Die Gesamtlage ist ähnlich wie in dem Brief an die Philipper, nur jetzt viel schärfer herausgestellt durch die Zunahme der Irrlehrer, durch den Abfall von Mitarbeitern und die bevorstehende Vollstreckung des Todesurteils). Wie ein gewöhnlicher Bandit ist Paulus mit einer Kette an seine Wächter gefesselth).
Bürki – Wuppertaler Studienbibel
Wenn auf den Wortführer der Christen diese soziale Ächtung und persönliche Erniedrigung fällt, steht die Versuchung nahe, sich des Evangeliums zu schämen. Doch Timotheus hatte zu Paulus gestanden), und er soll und wird es auch jetzt tun. „Darum schäme dich nicht des Zeugnisses für unseren Herrn noch meiner, seines Gefangenen.“ Nicht weil Timotheus besonders mutig und tapfer wäre, sondern weil Gottes Geist in ihm wohnt,[8] vermag er in der Kraft dieses Geistes unverzagt dazustehen und mitzuleiden für das Evangelium).
Das Zeugnis unseres Herrn. Der Ausdruck kann bedeuten: das Zeugnis, das Jesus selber gab, oder das Zeugnis, das der Zeuge für Jesus abgibt).
Jesus hat vor Pontius Pilatus Zeugnis abgelegt). Wir können sinngemäß übersetzen: Timotheus soll sich in der Bezeugung des Evangeliums nicht schämenn), auch wenn es Leiden, Verachtung, Verfolgung mit sich bringt und zum Tode führen wird). Wer das Evangelium annimmt und weitergibt, muß mit Schmach und Verfolgung rechnen. In den Past ist dieses Wissen nicht vergessen oder gar verleugnet. Keine Anweisung verliert diesen Hintergrund aus dem Auge. Alle, nicht nur Paulus oder Timotheus, werden verfolgt werden, wenn sie in Jesus allein ihren Herrn sehen, nur in ihm ihre Lebenserfüllung und Erwartung suchen und findenp). Mit Jesus leben und verfolgt werden — beides gehört zusammen. Das Verfolgtwerden beleuchtet klar die Art und Weise, wie Frömmigkeit in den Past zu verstehen ist! Nicht einem hellenistisch-stoischen Lebensideal, sondern eher den mit Schmach, Angst und Verfolgung gesättigten Zeugnissen aus den atl Psalmen entstammt das Bewußtsein der Past, wenn es sich hier auch einer anderen Sprache bedient. Nicht umsonst beteten und sangen die Märtyrer in ihrer letzten Stunde gerade die Psalmen. Wer sich des Herrn nicht schämt, sondern auf ihn hofft, wird nicht zuschanden) werden, auch nicht vor dem letzten Feind, dem Tode. „Laß mich nicht zuschanden werden“ ist keine Bitte um billige Bewahrung für ein geruhsames Leben, es ist Aufschrei und zugleich vertrauende Hingabe in letzter Bedrängnis).
Sich schämen steht im Gegensatz zu Freimut (parresia), den der Geist der Kraft verleiht. Es wäre ein Zurückweichen und Verstummen vor jeder Form des Widerstandes: Vom Lächeln der Gleichgültigkeit und des Spotts bis zu Hohn, offener Verachtung, Drohung, Verfolgung, Marter und Tod.
Sondern leide mit für das Evangelium. Mit-Leiden: Dieses neue von Paulus hier in seiner Zusammensetzung geprägte Verb faßt in einem einzigen Wort das Leidensverständnis des Apostels zusammen, wie es aus Phil 3, 10 bekannt ist: Ihn kennen heißt, mit seinen Leiden Gemeinschaft haben, und das führt zur Gleichgestalt mit dem Tode Jesu und schließlich mit seiner Auferstehung. Wie die Gemeinde der Philipper für Christus leidets), indem sie denselben Kampf an sich erlebt, wie ihn Paulus durchmacht), so ist auch Timotheus gerufen — zusammen mit Paulus, und darin Jesus nachfolgend —, für das Evangelium Widerstand, Widerwärtigkeit, Verachtung, schlechte Behandlung, Verwerfung, Gefängnis, Verurteilung und Tod zu leidenu). Wer für das Evangelium leidet, erfährt, daß das Böse seine verheerende und zerstörende Wirkung nicht vollenden kann: die Gotteskraft bewahrt den Leidenden. Er ist vereint mit der Liebe Gottes, die noch im Tode überwindet. Es ist jener Geist der Herrlichkeit und der Kraft), der auf den Ohnmächtigen ruht, wie das vom ersten Märtyrer Stephanus bezeugt ist und wie es nachher viele Blutzeugen erfahren habenw).
Es gibt ein Leiden an der Kirche, das durch ihre Verweltlichung und Verwässerung hervorgerufen wird. Paulus leidet auch darunter, daß sich die Feinde des Kreuzes Christi in der Kirche breitmachen), weil sie nicht bereit sind, mit dem Evangelium zu leiden. Der zweite Brief an Timotheus bezeugt dieselben Leiden). Doch geht es jetzt um weit mehr, nämlich um die Bereitschaft, das letzte gemeinsame Leiden um des Evangeliums willen an sich geschehen zu lassen und es nachzuvollziehen: das Blutzeugnis (Martyrium). Falsches Pathos, Wehleidigkeit, Selbstmitleid hat hier keinen Platz; statt dessen ist der Blick auf die heilige Berufung Gottes gerichtet, der uns erlöst und mit heiligem Rufe gerufen hat.
»Darum«, weil doch Gottes Geist, seine Gabe, seine Kraft in dir wohnt, »schäme dich nicht«, »genier’ dich nicht«. Timotheus mußte angesichts der heiklen, bedrohlichen Situation in Rom nicht etwa solchen Hemmungen nachgeben, auch wenn sie seiner natürlichen Art und Anlage entsprochen hätten. Gottes Geist schenkte ihm dazu das Vermögen, die Weisheit, die Kraft.
Grünzweig – Edition C Bibelkommentar
»…des Zeugnisses von unserem Herrn« sollte er sich nicht schämen, des Bekenntnisses zu Jesus, der Einladung zu ihm auch unter solchen Umständen. Im Blick auf sich selbst schrieb Paulus mehrere Jahre früher den Christen in Rom: »Ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht« (Röm 1,16), und er nannte dabei auch den Grund, weshalb er hier keine Hemmungen hatte: »… denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.« Wenn wir Jesus bezeugen, haben wir etwas zu sagen und den Leuten zu geben; wir brauchen uns dabei nicht zu genieren und uns nicht damit zu verkriechen.
»Schäme dich nicht … meiner …« Nun wurde es für Timotheus noch konkreter: Sich in solch einer Situation zu Jesus zu bekennen heißt, sich auch zu seinen Boten zu bekennen. Man darf hier nicht etwa denken: »Nein, Jesus verleugne ich nicht!« – und zugleich seine Boten verleugnen: »Mit ihnen habe ich nichts zu tun!« Für einen treuen Nachfolger Jesu ist es unmöglich, sich von ihnen zu distanzieren in der Absicht, sich aus Kampf und Anfechtung herauszuhalten, und das noch rechtfertigen zu wollen: »Sie sind eben auch so einseitig! Sie lassen halt auch gar nicht mit sich reden!« So, als ob es ein Mittelding gäbe zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen dem Glauben an Jesus und seiner Abweisung.
»Schäme dich nicht … meiner, der ich sein Gefangener bin.« Verhaftet und im Gefängnis zu sein bedeutete zugleich auch Entehrung; mit einem »Zuchthäusler« wollte niemand etwas zu tun haben. Doch was Paulus litt, das litt er ja um Jesu willen, als sein Eigentum, um des Evangeliums willen. Das ist ja der ganze menschliche Widersinn, daß die Leute oft so feindselig die rettende Hand von sich stoßen. Und es ist möglich, daß sie das tun: Gott führt seine ganze Rettungsaktion in Jesus Christus während dieser Weltzeit nicht mit harter Hand durch – sonst könnte es keinen Widerstand geben –, sondern in seiner Liebe mit Behutsamkeit, mit Sanftmut, die den Menschen nicht zwingt, sondern um ihn wirbt und auf ihn wartet, mit linder Hand (Mt 11,29; Röm 2,4; Offb 3,20). Nicht weil Gott ohnmächtig wäre, handelt er so, sondern weil er in seiner Langmut uns das Herz abgewinnen und uns zum Du seiner Liebe machen will. Darum gibt es keinen schöneren Beruf auf Erden als den, »linde Hand Gottes« zu sein, die die Menschen retten, zu seinen Geliebten, zu seinen Kindern und selig machen will.
Und es gibt keine edlere Art zu leiden, als dabei auch das unsinnige menschliche, ja diabolische Widerstreben in Kauf zu nehmen und sich davon schmerzlich treffen zu lassen. Paulus ermahnt den jungen, vielleicht etwas ängstlichen Timotheus gewissermaßen so: »Distanzier’ dich doch ja nicht da von mir! Es wäre ja eine Distanzierung von dem Herrn selbst, von seinem Heilandswerk. Steig hier vielmehr ganz und ohne Vorbehalt ein: Leide mit mir für das Evangelium! Und du kannst das ›in der Kraft Gottes‹, in der Kraft seines Geistes und seiner Gaben. Trau dir’s zu! Vielmehr, trau’s unserem Herrn zu! Wohl bringst du dich in Gefahr, wenn du dich so zu mir stellst. Aber bedenke, wie wichtig und groß mein Dienst ist und welch hohe Würde das Leiden in diesem Dienst für Zeit und Ewigkeit hat. Ich bin ja nicht weniger als Gottes Botschafter mit der wichtigsten Nachricht, die es je in der Welt gab: Gott bietet den Menschen das Geschenk seines Friedens, seiner Liebe, seiner Seligkeit an. Auf seiner Seite steh’ ich in jedem Fall. Sein eigen bin ich im Wirken und im Leiden, in Freiheit und als Gefangener, im Leben und im Sterben« (vgl. Röm 14,8). »Ich bin ja nicht des Kaisers Gefangener, sondern ›sein Gefangenerd‹!«
Wir spüren es dem Apostel Paulus ab, wie sehr er um Timotheus ringt, der sich früher schon so erfreulich bewährt hat, daß er sich doch auch nun, in dieser entscheidungsvollen Stunde, in der es mit Paulus zum Letzten geht, ebenfalls bewährte. Er »erinnert« (V. 6) ihn insbesondere daran, daß ihm ja die Gaben und Kräfte für solche Situationen bereits geschenkt sind. – Diese an Timotheus gerichteten Worte können auch uns in Stunden der Anfechtung, insbesondere, wenn das endzeitliche Dunkel durchschritten werden muß, einen wichtigen Dienst tun. Und wir können mit ihnen auch andern, die ängstlich zurückzubleiben drohen, damit eine Hilfe sein.
Die Ermahnung, sich nicht zu schämen, impliziert keineswegs, daß Timotheus in seinem Zeugnis ein Feigling geworden wäre. Der Konjunktiv Aorist mit der Verneinung bedeutet hier eine Handlung, die noch nicht begonnen hat (Wuest). Timotheus hatte sich deutlich als ein treuer Mitknecht erwiesen, und war mit dem Apostel an verschiedenen Orten gewesen als Verfolgung ausgebrochen war. Er war treu geblieben und der Apostel stärkt nun diese Entschlußkraft. Paulus zeigt hier, daß dies gelegentlich auch vorbeugend sein sollte. Die Grundlage für diese Ermahnung liegt im vorhergehenden Vers: Im Licht der Gabe selbst und der Befähigung, welche durch die sie begleitenden Eigenschaften des Heiligen Geistes gegeben wurde, würde Timotheus nicht irgendeiner Form geistlicher Feigheit zum Opfer fallen.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Die Gelehrten sind verschiedener Auffassung, ob nun der Genitiv „unseres Herrn“ subjektiv oder objektiv ist. Die griechische Grammatik gibt hier keine eindeutige Antwort, und der Kontext erlaubt beides. Wenn er subjektiv aufgefaßt wird, dann geht es um das Zeugnis, das von unserem Herrn abgelegt wurde, und schließt seine Lehren ein, die nun von denen weitergegeben werden, die predigen. Wenn es objektiv ist, bezieht es sich auf das Zeugnis, das Paulus und Timotheus usw. über den Herrn ablegen. Wenn man alles gegeneinander abwägt, scheint letzteres dem unmittelbaren Kontext näherzuliegen besonders im Hinblick auf die folgenden Aussagen. Den ganzen Brief hindurch ermutigt Paulus den Diener Gottes in seiner Arbeit und seinem Zeugnis von und für die Person Christi.
Es ist klar, daß ein solches Schämen, falls es überhaupt dazu kommen würde, sich nicht auf das Zeugnis, sondern auf den Apostel beziehen würde, der für dieses Zeugnis im Gefängnis war. Paulus betrachtete sich selbst nicht als ein Gefangener Roms, sondern vielmehr des Herrn. Er hatte gelernt, über die irdischen Umstände hinauszublicken und die Hand Gottes in diesen Dingen zu sehen. Eine solche Einschätzung der Souveränität Gottes beseitigt jede Scham. Dieser Vers ist einer von dreien in diesem Kapitel, welche diese große Wahrheit unterstreichen. „Ich schäme mich nicht“ (V. 12) und „Onesimus … hat sich nicht geschämt“ (V. 16) sind die anderen beiden.
Die Ermahnung ist nicht nur negativ, sondern enthält einen besonderen Appell an Timotheus, Teilhaber der Leiden zu werden. J. N. Darby hilft uns hier, durch das zusammengesetzte Wort des Grundtextes mit „sondern leide Trübsal mit der guten Nachricht“ übersetzt. Timotheus wird daher eingeladen, ein Mitteilhaber nicht nur des Evangeliums, sondern auch der Trübsal zu sein, die das Evangelium begleitet. Wörtlich gesehen gehört „mit“ zu „Evangelium“, aber die meisten Ausleger neigen eher zu dem Gedanken, daß Paulus erwartete, er solle ein Mitteilhaber mit ihm selbst in solchen Drangsalen werden. Die Verwendung des. zusammengesetzten Wortes wird jedoch am besten verstanden, indem der Appell als an Timotheus gerichtet gesehen wird, nicht nur den Segen des Evangeliums zu genießen, sondern sich darüber klar zu sein, daß zu ihm auch die Schande und Trübsal, die beschrieben wurden, gehören. Der letzte Ausdruck dieses Verses wird am besten in Verbindung mit dem Zeitwort „sei du Teilhaber“ gesehen. „Es ist die Kraft Gottes, die Timotheus bewegt, Leiden um des Evangeliums willen zu erdulden“ (Wuest).
Paulus ist durch sein Wort und Leben ein Programm geworden für bald zwei Jahrtausende. Wo es auch immer wahre Jesusjünger gab, zu welchen Zeiten auch das Wehen des Heiligen Geistes neue Lebensbewegungen weckte und sich durch den organischen Zusammenschluss der Glieder Christi lebendige Tempel Gottes schuf, überall und zu jeder Zeit fanden die Gläubigen ihre Nichtlinien in dem Lichte der Paulusbriefe.
Jakob Kroeker – ER sprach zu mir
Was gab diesem Paulusleben so einen fruchtbringenden Inhalt? Wo lag das Geheimnis seiner weltüberwindenden und weltgewinnenden Kraft? Woher nahm der Apostel jene überströmende Lichtfülle, in der bis heute noch die Jesusjünger ihren Weg durch die Welt finden?
Darauf gibt es nur eine Antwort: Es war seine christozentrische Persönlichkeit. „Christus in uns“ war ihm der Quell des Lebens und Wirkens. Er lebte in der Lebenssphäre des Auferstandenen, daher flossen Auferstehungskräfte aus seinem Leben und Dienen. Paulus hat durch seine Persönlichkeit weit mehr zur inneren Gestaltung und zum Aufbau der Geschichte kommender Jahrhunderte beigetragen, als alle Weisen Griechenlands und alle Cäsaren Roms. Durch ihn sind der Menschheit geistige Werte vermittelt worden, die bisher keine Weltkatastrophen und Zeitströmungen erschüttern oder sogar vernichten konnten. In der Ewigkeit lebend, trug er Ewigkeitskräfte in die Zeit der Vergänglichkeit. Die Welterlösung, die man in jenen Tagen bewusst herbeisehnte und unbewusst kommen ahnte, brachte er in der Person des Weltheilands.
Das ist der Segen wirklich geistlicher Persönlichkeiten. Sie fehlen jedoch unserer geistesarmen Zeit. Sucht doch unsere Zeit vielfach vergeblich nach Persönlichkeiten, die auf geistlichem Gebiete durch ihr ganzes Wesen Richtunggebend die Gegenwart beeinflussen. Vielfach hat man den Eindruck, als ob die Träger des Lichtes Und des Lebens sich ausgegeben hätten und ihre Kraft nicht ausreiche, um neugestaltend über die dunklen Tiefen der Gegenwart zu schweben.
Denn wenn auch wir -, Gott hat sich in seiner Schöpfung bisher noch nicht erschöpft und in seiner Erlösungstätigkeit noch nicht die Grenzen seines Könnens erreicht. Ihm fehlen aber Persönlichkeiten für unsere Tage wie Paulus eine war für seine Tage: Männer, in denen sein göttliches Wollen und Wirken wieder Fleisch wird zur Erlösung für viele. Auf diese an Ihn gebundene Persönlichkeiten wartet Gott. Auf diese Zeugen, die in Vollmacht etwas von den großen Taten ihres Gottes zu sagen wissen, wartet die Welt. Nach diesen Verwaltern der Geheimnisse Gottes, die in der Reichsgotteswelt ihres Herrn und Heilandes zu Hause geworden sind, sehnt sich die Gemeinde Jesu Christi.
