Der Herr verzieht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er ist langmütig gegen euch, da er nicht will, daß irgend welche verloren gehen, sondern daß alle zur Buße kommen.
Elberfelder 1871 – 2.Petrus 3,9
Es ist also keineswegs so, dass der Herr die Erfüllung seiner Zusage hinauszögert, wie einige denken. Was sie für ein Hinauszögern halten, ist in Wirklichkeit ein Ausdruck seiner Geduld mit euch. Denn er möchte nicht, dass irgendjemand verloren geht; er möchte vielmehr, dass alle ´zu ihm` umkehren.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 2.Petrus 3:9
Der Herr erfüllt seine Zusagen nicht zögernd, wie manche meinen. Im Gegenteil: Er hat Geduld mit euch, weil er nicht will, dass einige zugrunde gehen. Er möchte, dass alle Gelegenheit finden, von ihrem falschen Weg umzukehren.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 2.Petr 3,9
Wenn manche also behaupten, Gott würde seine Zusage nicht einhalten, dann stimmt das einfach nicht. Gott kann sein Versprechen jederzeit einlösen. Aber er hat Geduld mit euch und will nicht, daß auch nur einer von euch verlorengeht. Jeder soll Gelegenheit haben, vom falschen Weg umzukehren.
Hoffnung für alle – 1996 – 2.Petr 3:9
Der Herr zögert die Erfüllung seines Versprechens nicht hinaus,
auch wenn einige es für eine Verzögerung halten.
Sondern er hat Geduld mit euch.
Denn er will nicht,
dass jemand zugrunde geht.
Im Gegenteil:
Er will,
dass alle die Gelegenheit ergreifen,
ihr Leben zu ändern.
BasisBibel 2012 – 2.Petrus 3,9

βραδύνω zögern, säumen, verzögern, m. gen. separationis (A167); οὐ βραδύνει κύριος τῆς ἐπαγγελίας der Herr zögert (die Erfüllung) der Verheißung nicht hinaus. βραδύτης3 ητος ἡ Saumseligkeit, Verzögerung. ἡγέομαι führen, leiten; meinen, ansehen als, halten für, m. doppeltem Akk. (H-S § 153b), als AkkO erg. τοῦτο o. ä. (A79), d. h. etwa: sein Verhalten (vgl. Menge). μακρο-θυμέω Geduld haben, warten; langmütig sein εἴς τινα gegen jmdn. (B 2). βουλόμενος Ptz. βούλομαι wollen; kaus., m. flgd. AcI. ἀπ-ολέσθαι Aor. Inf. Med. -όλλυμαι, Präd. des AcI. μετά-νοια Sinnesänderung, Umkehr, Bekehrung. χωρῆσαι Aor. Inf. χωρέω Raum geben, Platz machen; (hin)gelangen; Präd. des AcI.
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Gott hat verheißen, die Geschichte der gottlosen Menschheit mit einem Gericht zu beenden. Wenn es so aussieht, als ob er zögere, dann nicht, weil er seiner Verheißung untreu geworden wäre. Er ist einfach nur geduldig. Er möchte nicht, »dass irgendwelche verlorengehen«. Sein Wunsch ist es, »dass alle zur Buße kommen«. Er streckt absichtlich die Zeit der Gnade, damit die Menschen jede nur erdenkliche Gelegenheit erhalten, errettet zu werden.
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
In Jesaja 61,2 lesen wir vom Gnadenjahr Gottes und vom Tag seiner Rache. Das bedeutet, dass es ihm gefällt, Gnade zu erzeigen, und dass ihm das Gericht eigentlich fremd ist (Jes 28,21). Es kann auch bedeuten, dass er seine Geduld auf ein Jahrtausend oder länger ausdehnen und seine Gerichte zu einem Tag zusammenfassen kann.
Er wartete 120 Jahre, ehe er die Flut sandte. Nun hat er mehrere Jahrtausende gewartet, bevor er die Welt im Feuer vergehen lässt.
Warum zögert der Herr so lange mit seiner Wiederkunft? Petrus gibt darauf zwei Antworten. Zum einen ist Gottes Zeitrechnung anders als die der Menschen. Nochmals appelliert der Apostel an das Erinnerungsvermögen seiner Leser (eins aber sei euch nicht verborgen). Die Spötter vergessen (V. 5); nicht so die wahren Gläubigen. Sie sollen sich Ps 90,4 ins Gedächtnis rufen, den Petrus an dieser Stelle zitiert. Der menschliche Zeitbegriff orientiert sich an menschlichen Zeitspannen; Gott sieht die Zeit vor dem Hintergrund der Ewigkeit. Die Zeit bis zur Wiederkehr des Herrn erscheint deshalb nur wegen der begrenzten Perspektive der Menschen so lang. Ein Tag (ist) vor dem Herrn wie tausend Jahre … und tausend Jahre wie ein Tag.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Manche Exegeten sehen in diesem Zitat ein Argument gegen die These eines Tausendjährigen Reiches auf Erden. Sie behaupten, daß der Gedanke von tausend Jahren hier nicht wörtlich genommen werden darf, sondern nur einen vergleichenden Zeitbegriff symbolisiert. In der Offenbarung dagegen (Offb 20,1-6) wird ein starkes Votum für eine tatsächlich tausend Jahre währende Herrschaft Christi auf Erden abgegeben (vgl. den dortigen Kommentar). Petrus benutzte an dieser Stelle jedoch lediglich ein Gleichnis. Was den Menschen, einschließlich der Spötter, wie eine unendlich lange Zeit erscheint, ist für den Herrn nur ein kurzer Augenblick. Das Kirchenzeitalter z. B. hat in Gottes Augen noch nicht einmal zwei Tage gedauert!
Der zweite Grund für die Verzögerung der Wiederkunft des Herrn ist, daß Gott so viele Menschen wie möglich retten möchte (2 Petrus 3,9). Der Herr verzögert (bradynei; das Wort kommt nur an dieser Stelle im Neuen Testament vor) nicht die Verheißung. Auch hier vergleicht Petrus wieder die göttliche und die menschliche Sicht (vgl. V. 8). Die „Verzögerungstaktik“ Gottes – wie sie manchen Menschen erscheint (wie es einige für eine Verzögerung halten) – ist nur nach menschlicher Zeiteinteilung ein Aufschub. Gottes Zeiteinteilung dagegen wird diktiert von Geduld, einer wichtigen Wesenseigenschaft des himmlischen Vaters (vgl. V. 15; Röm 2,4; Röm 9,22).
Die Wendung „der Herr … will nicht (mE boulomenos), daß jemand verloren werde“, drückt keinen unverrücklichen Ratschluß Gottes aus, als ob Gott die Allerlösung wolle. Dieser Gedanke wird im Gegenteil von der Bibel nicht gelehrt. Sie ist nur eine Beschreibung dessen, was Gott sich wünscht: er möchte, daß alle Menschen gerettet werden (vgl. 1Tim 2,4), doch er weiß, daß viele ihn zurückstoßen.
Das währt nun freilich schon lange – wem nicht zu lange? Haben auch Glieder der Gemeinde, nachdem die Sektierer die Hoffnung ganz aufgegeben hatten, angefangen, sich ihre eigenen Gedanken darüber zu machen, wie Gott seine Verheißungen erfüllt (V. 9)? Der Vorwurf, Gott »zieht« die Erfüllung der »Verheißung« »in die Länge«, hat zwei Spitzen:
Gerhard Maier – Edition C
a) Gott enthält seiner Gemeinde das versprochene herrliche Geschenk vor, das ersehnte Heil;
b) Gott nimmt es mit seiner Gerechtigkeit nicht so ernst, und das Gericht bleibt aus.
Dahinter steht der Vorwurf der Trägheit und der Gleichgültigkeit gegenüber dem menschlichen Ergehen. Diese doppelte Anklage gegen Gott ist nicht nur Unrecht, sondern verkennt Gott.
Gerade Petrus weiß um die Gefahr, dass auch ein Christ unsicher, ängstlich werden kann, ebenso angefochten und schuldig. Darum freut er sich in besonderer Weise über Gottes »Geduld«: Jesus Christus hat den langen Atem gerade zu den Briefempfängern (»zu euch«). Sie haben mit ihren Irrlehrern und den von jenen Verführten Gottes Geduld ganz besonders nötig. Gott will, dass »alle« selig werden (Joh 3,16; 1 Tim 2,4; Röm 2,4; 9-11). Im Gegensatz dazu wollen die Gnostiker nur einige wenige Erwählte gerettet wissen. Sind die Empfänger des Briefes schon so angekränkelt von den Irrlehrern, dass sie nur noch an sich und an ihr Seelenheil denken und darüber vergessen haben, dass Jesus alle retten will?
Der Weg zur Rettung, den Jesus geebnet hat, geht nur über den Platz- oder Richtungswechsel: Die Buße. Ohne Buße gibt es keine Rettung. Jesus drückt das verschieden aus: Einmal nennt er sich den einzigen Weg (Joh 14,6), ein andermal spricht er davon, dass alle, die an ihn glauben (!), nicht verloren gehen (Joh 3,16; Mk 16,16). Wieder ein anderes Mal bekennen die Jünger den Namen Jesu als den einzigen, der Rettung verschafft (Apg 4,18 ; vgl. Röm 1,16).
»Buße tun« bedeutet im Griechischen wörtlich »umdenken«. In der griech. Welt, wo das Denken so hoch in Ehren stand, bewährte sich der Glaube an Jesus in der neuen Denkweise, dass der Mensch sich seiner Schuld vor Gott bewusst wird (Apg 2,37f.). Das entsprechende hebr. Wort im AT heißt wörtlich »umkehren«, »zu Gott zurückkommen«; es lebt von der bibl. Offenbarung, dass sich der Mensch nach Leib, Seele und Geist von Gott entfernt hat. Die rechte Buße umfasst darum nicht nur das Denken, sondern den ganzen Menschen. Darum gebraucht Petrus die etwas umständliche Formulierung »den Platz wechseln zur Buße«. Die griech. Übersetzung des AT, die sog. Septuaginta (LXX), gebraucht dieses griech. Wort für ein hebräisches, das wörtlich »bedauern«, »traurig sein« heißt.
Nachdem Petrus erklärt hat, dass aus Gottes Warte zwischen tausend Jahren und einem Tag kein Unterschied ist, nennt er eine Ursache, warum in unserer Welt so viel Zeit verstreichen muss, bis der Herr kommt, sodass uns hier auf der Erde die Zeit lang wird.
Benedikt Peters – Kommentar zu 2. Petrus
»Der Herr verzieht nicht die Verheißung«: Der Herr zögert seine Verheißungen nicht hinaus, auch wenn wir meinen, er hätte nach bald 2000 Jahren längst kommen müssen. So dachten wohl auch viele Heilige, die auf das erste Kommen des Herrn warteten. Durch Jesaja hatte er verheißen: »Ich habe meine Gerechtigkeit nahe gebracht, sie ist nicht fern, und mein Heil zögert nicht; und ich gebe in Zion Heil, und Israel meine Herrlichkeit« (Jes 46,13; Hervorhebung hinzugefügt). Es dauerte aber noch etwa 700 Jahre, bis dieses Wort sich erfüllte. Der Herr ist dennoch nicht säumig im Erfüllen seiner Verheißungen, wie es Menschen sind. Wenn wir ein Versprechen geben und es nicht pünktlich einhalten, dann deshalb, weil wir entweder mehr versprochen haben, als wir innerhalb der genannten Frist zu leisten vermögen, oder aber weil etwas Unvorhergesehenes uns in die Quere gekommen ist. Es passiert auch, dass wir unser Versprechen vergessen oder, schlimmer noch, abstreiten. Das ist nur allzu menschlich; bei Gott gibt es weder Vergessen noch Unvermögen, schon gar kein Verleugnen; noch kann je etwas geschehen, was er nicht gewusst hätte, das Anlass und Ursache zum Hinauszögern oder Aussetzen der Verheißung wäre.
»wie es etliche für einen Verzug achten«: Gott ist anders als wir; und doch meinen etliche, Gott sei ganz wie wir. Das ist eine Torheit, die Gott am Menschen rügt, denn sie verleitet ihn zu vielen bösen Taten (Ps 50,20.21).
»er ist langmütig gegen euch, da er nicht will, dass irgendwelche verlorengehen«: Gott wartet nicht aus Schwachheit, Vergesslichkeit oder Gleichgültigkeit, sondern aus Freundlichkeit. Wenn den Heiligen die Zeit des Wartens lang wird, dann gibt ihnen Petrus hier einen guten Grund, geduldig und dankbar zu warten: Der gnädige Gott will nicht, dass irgendwelche verlorengehen, »sondern dass alle zur Buße kommen«. Er will auch nicht, dass auch nur einer der Seinigen, der sich für eine Zeit hat verführen oder entmutigen lassen, in seinem Unglauben umkommen soll, sondern er gibt ihnen Zeit, dass sie alle zur Buße kommen können. So wird »die Langmut unseres Herrn … Errettung« (V. 15). In den Tagen Noahs wartete die Langmut Gottes lange (1Petr 3,20), bevor er die Flut sandte. Am festgesetzten Tag, nachdem Gott seine Kinder alle in sein Haus gesammelt hat, kommt der Herr.
Dieser Vers wird zu einer Aussage, die ein Merkmal des Einen zum Ausdruck bringt, der nicht an Tage oder Jahre gebunden ist. Er wird, wie Er zugesagt hat, die Geschichte der Gottlosen mit Seinem Gericht beenden. Wenn wir uns vorstellen, daß es Zeit ist für Gott, als Herrscher zu handeln, dann denken wir daran, daß Er geduldig und nicht säumig ist. Er wird Seine Verheißung erfüllen und will nicht, daß irgendjemand verloren geht. Aus dem Tag des Heils (2Kor 6,2) sind fast zwei Jahrtausende geworden. In Jes 61,2 spricht der Prophet vom Jahr der Annehmung, wo lauter Gnade und Langmut im Gegensatz zum Tag der Rache regiert. Er wartete mehr als einhundert Jahre, bevor er zu Lebzeiten Noahs die Flut schickte. Heute bietet Er seit Hunderten von Jahren Gnade an, bevor die Zerstörung durch Feuer kommt. Verzögerung gehört nicht zu Seinem Wortschatz. Er ist langmütig und wartet, indem Er diese ganze Zeit verstreichen läßt und Menschen Raum zur Buße und nicht zum Untergang gibt.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Dieser Vers spricht nicht nur davon, wie der HERR ist negativ ausgedrückt (Er verzieht nicht), sondern hebt nachdrücklich Seine positive Seite hervor: Er ist langmütig und will nicht, daß jemand verloren geht. Paulus schreibt in 1Tim 3,15 an Timotheus: „wenn ich aber zögere“ – wenn sich mein Kommen zu dir verzögert. Es gibt in Gottes Vokabular keine Verzögerung. Er wartet mit Langmut. Diese anhaltende Gnade des HERRN ist gegenwärtig offenbar. In Mt 18,21-35 veranlaßt die Frage des Petrus bezüglich seiner Haltung zum unausstehlichen Bruder den Herrn Jesus, Seine Langmut und vergebende Gnade zu enthüllen. In dem Gleichnis, das Er auf die Knechte bezieht, die beim König schwer verschuldet waren und um Zeit zur Rückzahlung baten, gibt sie ihnen der König aus Gnaden. Die Geschichte endet jedoch traurig, indem der König trotz seiner Nachsicht den (unbarmherzigen) Knecht bestraft und ihn den Peinigern überliefert. Trotz der Langmut und vergebenden Gnade des Königs kam der Tag des Gerichts.
Paulus sagt in 1Tim 2 ,daß nach Gottes Willen alle Menschen errettet werden sollen und dafür alles getan ist. Doch ebenso wahr ist, daß nicht alle das Heil Gottes annehmen und Seine Geduld und Langmut überbeanspruchen. Buße wird als der Weg zurück zu Gott angeboten und wurde von Petrus in früheren Jahren oft seinem Volk und den Heiden verkündigt (Apg 2,38;5,31;11,18).
Aber beachten wir die Richtung der Langmut: „gegen euch“. In besonderer Hinsicht galt sie Petrus, seinen Mitarbeitern und den Heiligen jener Zeit, doch natürlich trifft sie heute für alle Heiligen zu. Ein unermüdlicher Gott geht langmütig mit Seinem Volk um. Wie geduldig und langmütig war Gott zu Lot und seiner Familie! Letztendlich führte Er ihn aus dem Bereich der Verwüstung und des Gerichts heraus. Gott wird mit Seinem Volk gerecht handeln.
