Und er spricht zu mir: Schreibe: Glückselig, die geladen sind zum Hochzeitsmahle des Lammes! Und er spricht zu mir: Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes.
Elberfelder 1871 – Offenbarung 19,9
Der Engel (- Vermutlich nicht der Engel von Kapitel 18,1, sondern der von 17,1 bzw. von 1,1 (vergleiche 22,6, 8, 9). Od Jemand. W Er. -)befahl mir: »Schreibe: Glücklich, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen (- oder berufen -) ist!« Und er fügte hinzu: »Auf alle diese Worte (- oder Aussage -) ist Verlass, denn es sind Worte Gottes (- Od Das (alles) sind Gottes eigene Worte. W Diese Worte sind wahre/zuverlässige Worte Gottes. -) .«
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Offenbarung 19:9
Und er sagte zu mir: „Schreibe: Selige sind die zum Hochzeitsmahl des Lammes Gerufenen!“
Und er sagt zu mir: „Diese sind die wahrhaftigen Worte Gottes.“
Jantzen & Jettel 2017 – Offb 19,9
Dann sagte der Engel zu mir: »Schreibe auf: Glücklich zu nennen sind die Menschen, die zum Hochzeitsmahl des Gotteslammes eingeladen sind!« Danach sagte er zu mir: »Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes!«
Das Buch – 2009 – Offb 19:9

Die zum Hochzeitsmahl des Lammes Geladenen sind nicht verschiedene Gruppen, sondern dieselbe Gruppe der erlösten Gläubigen1, doch die Auslegung ihrer genauen Zusammensetzung wird in den Quellen unterschiedlich bewertet.
KI – Abfrage in Logos…
Eine Interpretation sieht in den Gästen die Gläubigen des Alten Testaments, die Freunde des Bräutigams, darunter Menschen wie Johannes der Täufer, Abraham und Sara, Mose, Deborah, Elia und Daniel2. Diese Sicht unterscheidet zwischen der Braut (die neutestamentliche Gemeinde) und den Gästen (alttestamentliche Heilige).
Eine andere Perspektive betont die universale Dimension der Einladung. Im Neuen Testament ist es der dreieinige Gott, der Menschen zum Heil einlädt; die Einladung erstreckt sich auf „alle” Menschen und nicht nur auf eine bestimmte Gruppe1. Entscheidend ist dabei, dass der eingeladene Mensch das angebotene Heil annehmen muss—es sind die von Jesus erlösten Menschen, die zum Heil eingeladen wurden und diese Einladung auch angenommen haben1.
Eine dritte Position fasst die Geladenen breiter: Die Gemeinde ist die himmlische Braut, die geladenen Gäste sind die restlichen Erlösten3. Dies schließt auch die Gläubigen aus der Zeit des Alten Testaments ein4.
Gemeinsam ist allen Auslegungen, dass eingeladen sind alle, die der Einladung bzw. dem Ruf des Evangeliums zur Umkehr und zum Glauben an Jesus Christus als den Sohn Gottes folgen5. Die Seligpreisung in Offenbarung 19,9 richtet sich also an diejenigen, die durch Glauben die Einladung angenommen haben—ob aus dem Alten oder Neuen Testament.
Der Engel, der Johannes befahl, das Gesehene aufzuschreiben (Offb 14,13), wies ihn erneut an, die Botschaft weiterzugeben: Selig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Eine der falschen Deutungen, unter denen die christliche Kirche zu leiden hatte, ist die Vorstellung, daß Gott alle Gläubigen genau gleich behandelt. Eine wörtliche Auslegung der Bibel unterscheidet dagegen zwischen verschiedenen Gruppen von Heiligen – wie an dieser Stelle die Braut von denen, die zum Hochzeitsmahl geladen sind, unterschieden ist. Statt mit allen genau gleich zu verfahren, hat Gott für Israel als Volk und für jene in Israel, die gerettet sind, einen ganz bestimmten Plan. Daneben verfolgt er ein konkretes Ziel mit den Heiden im Alten Testament, die zum Glauben an Gott kommen. Im Neuen Testament entfaltet er wiederum einen Heilsplan für die Kirche als eine weitere Gruppe von Heiligen. In der Offenbarung werden die Heiligen aus der Zeit der Großen Trübsal von anderen, früheren Gruppierungen abgehoben. Es geht bei dieser Unterscheidung nicht so sehr um verschiedene Formen der Segnung als vielmehr darum, daß Gott für jede dieser Gruppen einen ganz eigenen Plan hat, der in Beziehung zu ihrer speziellen Stellung innerhalb seines großen Heilsplanes steht. An dieser Stelle wird der Kirche – der Braut – von den Engeln und den Heiligen, die nicht mit ihr identisch sind, aufgewartet.
Die Ausleger haben sich darüber gestritten, ob die Hochzeit zwischen Jesus und der Kirche im Himmel oder auf Erden stattfinden wird. Diese Frage ist im Grunde nicht so wichtig, doch das interpretative Problem in diesem Zusammenhang läßt sich lösen, wenn man die hier beschriebene Feier mit den Hochzeitsfesten im 1. Jahrhundert vergleicht. Normalerweise umfaßte eine Hochzeit damals die folgenden Schritte: (1) die gesetzliche Schließung der Ehe durch die Eltern der Braut und des Bräutigams mit der Bezahlung der Mitgift; (2) das Kommen des Bräutigams, der die Braut für sich beanspruchte (wie es in Mt 25,1-13 in dem bekannten Gleichnis von den zehn Jungfrauen geschildert wird); (3) das Hochzeitsmahl (wie es in Joh 2,1-11 dargestellt wird), das sich als mehrtägiges Fest an die vorangehenden Formalia anschloß.
Das „Hochzeitsmahl“ in Offb 19,9 stellt also den dritten Schritt der festlichen Abfolge dar. Die Ankündigung dieses Festes fällt mit dem zweiten Kommen Christi zusammen. Es hat daher den Anschein, als ob das Mahl selbst noch nicht begonnen hat. Die erste Stufe der Erfüllung dieses Bildes liegt also in der Rettung der Gläubigen im Kirchenzeitalter. Die zweite Stufe wird bei der Entrückung der Kirche erreicht, wenn Christus seine Braut in den Himmel, das Haus seines Vaters, bringt (Joh 14,1-3). Mit dem Beginn des Tausendjährigen Reiches erfüllt sich dementsprechend die letzte Stufe, das Symbol des Hochzeitsmahls (gamos). Es ist wichtig, sich klarzumachen, daß der Gebrauch des Wortes „Braut“ in Offb 19,7 (gynE, wörtlich „Frau“) den Abschluß des zweiten Schrittes der Hochzeit voraussetzt und damit nur noch das Festmahl aussteht. (Das sonst für „Braut“ gebrauchte Wort ist nymphE; vgl. Joh 3,29; Offb 18,23;21,2.9;22,17 .)
All das deutet darauf hin, daß das Hochzeitsfest, um das es hier geht, ein irdisches Fest ist – was auch mit den Darstellungen von Hochzeitsfeiern in der Bibel übereinstimmt ( Mt 22,1-14; Mt 25,1-13 ) – und mit dem Beginn des Tausendjährigen Reiches auf Erden zusammenfällt. Die Bedeutung der Ankündigung und der Einladung zum Hochzeitsmahl, die in Offb 22,17 nocheinmal wiederholt wird, erhält zusätzliches Gewicht durch die Worte des Engels: Dies sind wahrhaftige Worte Gottes.
a) »Und er sprach zu mir« (V. 9):
Gerhardt Maier – Edition C
Hier redet der Engel, der Johannes alles zeigt (von Offb 17,1-19,10).
b) »Schreibe!«:
Diese Weisung bezieht sich nicht nur auf das jetzt Folgende, sondern auch auf das schon bisher Gesagte:
Der Doppelpunkt nach diesem »Schreibe!« in unseren heutigen Bibelausgaben ist in den ältesten Handschriften nicht enthalten; sie haben überhaupt keine Satzzeichen. Johannes war von dem, was er nach Offenbarung 19,6ff.hörte und sah, so überwältigt und hingenommen, dass er wohl, trotz des allgemeinen Schreibgebots (Offb 1,11.19), darüber das Schreiben vergaß und einer besonderen Ermahnung bedurfte.
c) »Selig sind«:
Die Anweisung an Johannes, das Gehörte und Geschaute schriftlich festzuhalten, bezieht sich auch auf diese Seligpreisung, eine der sieben Seligpreisungen, die die Offenbarung enthält: Selig ist, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung« (Offb 1,3). »Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben« (Offb 14,13). »Selig ist, der da wacht« (Offb 16,15). Selig sind, die zum Abendmahl des Lammes berufen sind« (Offb 19,9).»Selig und heilig ist, der da teilhat an der Ersten Auferstehung« (Offb 20,6). »Selig ist, der da hält die Worte« (Offb 22,7). »Selig sind, die ihre Kleider waschen« (Offb 22,14). »Glückselig«, heißt es jeweils wörtlich.
d) »Die zum Abendmahl des Lammes berufen sind«:
aa) »Abendmahl«:
Das heißt zu seinem Hochzeitsmahl, zu seinem Hochzeitsfest.
Glückselig sind die, die zu der Schar gehören, die seine »Braut« ist, seine Gemeinde.
bb) In diesem Zusammenhang mag davon gesagt werden, dass manche Kreise der Auffassung sind, die »Braut« sei Israel, und der »Leib« Christi sei seine Gemeinde aus den Völkern. Was ist dazu zu sagen? Gewiss ist zunächst die »Braut«, die »Gattin«, das glaubende Israel (Hos 2,21.22).
Aber Gott hat von Israel, sofern es an seinen Messias Jesus von Nazareth glaubt und sich so von den weiteren Schritten der Heilsgeschichte hat mitnehmen lassen, und von den Glaubenden aus den Völkern »eines« gemacht (Eph 2,14; im Griechischen steht hier das Zahlwort »eins«; vgl. auch das Bild von dem einen Ölbaum, in den wir eingepflanzt werden, Röm 11,17-24).
So ist sowohl die »Braut« Christi als auch der »Leib« Christi die eine Gemeinde Jesu aus Israel und den Völkern, die während dieser Weltzeit, zwischen Pfingsten und Wiederkunft, gesammelt wird. »Braut« heißt die Gemeinde, sofern die liebevolle Gemeinschaft des Herrn mit ihr ins Auge gefasst ist, und »Leib« heißt sie, sofern der Herr durch sie wirkt; das griechische Verständnis von »Leib« hat stark auch den Aspekt im Auge, dass der Leib ein Instrument, ein Werkzeug, ein Mittel der Wirksamkeit für den Geist ist.
In seinen Erdentagen hatte Jesus für seinen großen Gottesdienst durch Wirkung des Heiligen Geistes einen Menschenleib. Seit Pfingsten hat er, wieder durch Wirkung des Heiligen Geistes, für seinen großen Dienst einen Menschenleib, einen Leib aus Menschen, über den er als das Haupt regiert.
Dass beides, »Braut« und »Leib«, die eine und selbe Gemeinde meint, macht u. a. Eph 5,30.32, bzw. der Gesamtzusammenhang von Eph 5,25-33 deutlich: Paulus sagt dort zunächst von der Ehe und fährt dann fort: Ich rede von Christus und der Gemeinde«, also von der »Braut«, spricht aber in diesem Zusammenhang zugleich von der Gemeinde als dem »Leib« (Eph 5,28-30). Vgl. auch das zu Offb 22,17 Gesagte!
cc) Berufen sind die, die sich jetzt von ihm rufen lassen und der Stimme des Guten Hirten unbeirrt folgen, auch wo er in Dienst und Leiden führt. Wer jetzt durch dick und dünn bei ihm ist, darf auch in jener Stunde im Vollsinn bei ihm sein. Paul Gerhardt sagt wie es einmal in der Rückschau gesehen wird: »Wer dort wird mit verhöhnt, wird hier auch mit gekrönt. »Wer dort mit sterben geht, wird hier auch mit erhöht.«
dd) »Des Lammes«:
Noch einmal wird betont: Als der ans Kreuz Gegangene hat unser Herr sie alle für das große Fest »hoffähig« gemacht, nicht im eigenen, selbst erworbenen »Schmuck und Ehrenkleid«, sondern in dem durch »Christi Blut und Gerechtigkeit« geschenkten (vgl. V. 8 »gegeben«). Allein in ihm können wir »vor Gott bestehn« (vgl. Jes 61,10).
»Christi Blut und Gerechtigkeit,
das ist mein Schmuck und Ehrenkleid,
damit will ich vor Gott bestehn,
wenn ich zum Himmel werd eingehn«
(Zinzendorf).
(9) Die Zuverlässigkeit der göttlichen Zusage.
»Er sprach zu mir: Dies sind wahrhaftige Worte Gottes«:
Gegen alle Anfechtung, allen Zweifel, allen Kleinglauben, auch heute, wird uns zugesichert: Unser Herr hat den Sieg erworben, er hält uns die Treue, er bringt uns durch, er bereitet uns zu, und er feiert am Schluss mit uns das große Fest.
So ist bei uns, den ihm einfältig vertrauenden Leuten, das Letzte nicht die »äußerste Finsternis«, wie auch wir’s wohl verdient hätten, sondern durch seine Gnade das herrliche, lichte Fest. Dafür ist unser Herr »gut«; dafür übernimmt er die Gewähr (vgl. Phil 1,6).
Ankündigung der Hochzeit des Lammes. Vs. 9. Und er (ein Engel, wahrsch. derselbe, der seit 17, 1. [Beng. Züll.], nach Ew. der, welcher während der ganzen Vision dem Apkl. zur Seite steht, s. aber z. 1, 1.) sagt zu mir: Schreibe (näml. was folgt, und was dadurch dem Gedächtnisse überliefert werden soll, vgl. 14, 13.): Selig, die zum Mahle der Hochzeit des Lammes geladen sind! (vgl. 3, 20.) Und er sagt zu mir: Οὗτοι οἱ λόγοι ἀληθινοί εἰσι τ. θεοῦ oder nach A 2 Minn. Ln. Tf. οἱ λόγ. οἱ ἀληθ. und nach A 14. 16. all. pl. Areth. Beng. Matth. Ln. Tf. Tr. τ. θεοῦ εἰσιν] Diese Worte sind (die) wahrhaften (Worte) Gottes. Züll.: Diese wahrhaften Worte sind Gottes (Worte). Es soll damit das Gesagte bekräftigt werden wie 21, 5. Wäre diese Parallele nicht, so würde die Erklärung Beng.’s vorzuziehen sein: Das sind die wahrhaften Worte Gottes, d. h. jetzt zeigt sich die Wahrheit der Worte Gottes (näml. οὗτοι wäre wie 20, 5. Luc. 24, 44. Subject, und wiese auf die nahen Erfolge hin); denn kaum scheinen die h. verkündigten Worte einer Bekräftigung zu bedürfen; es sei denn, dass darin indirect die Ankündigung der Nähe der Hochzeit des Lammes liegen soll.
de Wette- Kurzgefasstes Exegetisches Handbuch zum Neuen Testament
Zunächst ist die Frage: Wer spricht hier? Die Worte Und er sagt zu mir (Καὶ λέγει μοι [Kai legei moi]) nennen kein Subjekt. In 1,11.19; 2,1–3,22 gibt Christus den Befehl: „Schreibe!“, in 21,5 ist es Gott der Vater, in 14,13 eine Stimme aus dem Himmel. Aber hier in V. 9–10 macht der 10. Vers klar, dass es ein Engel ist, vermutlich der Engel, der in 17,1ff sprach.
Maier – Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament
Die nächste Parallele zum Befehl Schreibe! (V. 9) ist also Offb 14,13. Das gilt auch für die Seligpreisung: μακάριοι οἱ … [makarioi hoi …]. Hier in V. 9 haben wir die vierte von insgesamt sieben Seligpreisungen der Offenbarung vor uns (vgl. 1,3; 14,13; 16,15): Selig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind. Form und Inhalt dieser Seligpreisung erinnern an Lk 14,15. Wer zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen ist, der wird auch ins Reich Gottes und ins ewige Leben aufgenommen. Es fällt auf, dass das Bild hier wechselt. In V. 7 sind uns die erlösten Gläubigen unter dem Bild der Braut begegnet, jetzt begegnen sie uns als Gäste des Hochzeitsmahles. Aber ein solcher Bildwechsel findet sich immer wieder in den Evangelien (vgl. Mt 9,15; 22,1ff; 25,1ff; Lk 14,15ff; Joh 3,29) wie in der Offenbarung selbst (vgl. 3,20; 12,1.17; 19,7.9; 21,2.7.9; 22,17). Hinzu kommt eine Vielfalt anderer Bilder, wie z.B. Kinder Gottes und Knechte Gottes. Ein solcher Bildwechsel sollte uns also nicht erstaunen. Mounce bezeichnet ihn sogar als „a normal characteristic of apocalyptic writing“. Braut und Gäste sind also nicht verschiedene Gruppen, sondern dieselbe Gruppe der erlösten Gläubigen wie auch in 7,1–17; 14,1–5.12–13; 15,1–4; 16,15. Und wer ist geladen (κεκλημένος [keklemenos])? Im NT ist es der dreieinige Gott, der Menschen zum Heil einlädt oder (noch wörtlicher) ruft. Karl Ludwig Schmidt urteilt mit Recht, „daß καλεῖν im NT ein terminus technicus für den Heilsvorgang ist“2191. Nach Jes 49,6 und nach den Worten Jesu erstreckt sich die Einladung zum Heil auf „alle“ Menschen und nicht nur auf eine bestimmte Gruppe oder bestimmte Auserwählte (vgl. Mt 22,1ff; 28,19; Lk 14,16ff; Joh 6,37). Es ist aber notwendig, dass der eingeladene Mensch auch das angebotene Heil annimmt (vgl. Mt 22,11ff; 23,37; Lk 8,13; 18,17; Joh 17,8). Wir müssen also in Offb 19,9 beide Ebenen in der Wendung zum Abendmahl des Lammes geladen wahrnehmen: Es sind die von Jesus erlösten Menschen, die 1) wie alle anderen Menschen zum Heil eingeladen wurden; und die 2) diese Einladung auch angenommen haben.
Dem ersten Satz des Engels in V. 9 folgt ein zweiter: Und er sagt zu mir: Dies sind wahrhaftige Worte Gottes (οὗτοι οἱ λόγοι ἀληθινοὶ τοῦ θεοῦ εἰσιν [hutoi hoi logoi alethinoi tu theu eisin]). Hier lässt die Grammatik zwei Möglichkeiten des Verständnisses zu: Entweder sind „diese Worte Gottes wahrhaftig“, oder es sind dies „wahrhaftig“ = in Wahrheit „Worte Gottes“ und nicht Worte eines anderen. Da die griechischen Wörter τοῦ θεοῦ [tu theu] nicht bei λόγοι [logoi], sondern bei ἀληθινοί [alethinoi] angefügt sind, ziehen wir die zweite Verstehensmöglichkeit vor, also „diese Worte sind wirkliche Worte Gottes“. Der Engel betont damit, dass er tatsächlich im Namen Gottes spricht (vgl. Offb 22,6). Sowohl die Seligpreisung als auch der Ernst der Einladung werden dadurch unterstrichen.
Nach dem Ausblick auf das „hymnische Finale“ folgen zwei Engelworte, in denen die Gültigkeit des eben Gehörten bekräftigt wird. Vielleicht stammen sie wieder von dem in 17,1 erwähnten Engel – also von einem der sieben Engel „welche die die sieben Schalen hatten“ (vgl. 21,9). Weil Johannes verwehrt wird, den Sprecher anzubeten, kann es sich jedenfalls nicht um Gott und „nur“ um einen Engel handeln.
Pastor Michael Mainka – Offenbarung des Johannes
Der Engel fordert Johannes auf, eine weitere Seligpreisung aufzuschreiben (1,3; 14,14; 16,15; 20,6; 22,7.14). Danach sind alle selig zu preisen, „die eingeladen sind zum Hochzeitsmahl des Lammes!“ Die Aussage knüpft an das in Vers 7 eingeführte Bild der Hochzeit an. Wurde die Gemeinde dort mit dem Begriff „Frau“ (Braut) bezeichnet, erscheinen die Gläubigen nun als Hochzeitsgäste (vgl. Mt 22,1-14). Selig ist der, der zu dieser Hochzeit „eingeladen“ ist, womit noch einmal deutlich wird, dass das zukünftige Heil der Gläubigen auf der Einladung Gottes beruht.
Die Seligpreisung wird ausdrücklich bekräftigt: „Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes.“ Damit wird gesagt, dass die Worte Gottes zuverlässig sind (21,5: „… Denn diese Worte sind gewiss und wahrhaftig.“; 22,6: „Diese Worte sind gewiss und wahrhaftig …“).
Johannes ist vom Gesehenen so ergriffen, dass ihm der Engel befehlen muss: „Schreibe!“ Dreimal kommt es vor, dass Johannes aus seinen Gedanken aufgeweckt werden muss, und diesmal bekommt er den Auftrag, die vierte Seligpreisung dieses Buches zu schreiben. Sie gilt diesmal denen, die „zum Hochzeitmahl des Lammes“ geladen sind. Es sollte klar sein, dass der Engel einen Unterschied macht zwischen der Hochzeit (V. 7) des Lammes im Himmel und diesem Hochzeitsmahl. Niemand, der die entsprechenden Sitten kannte, konnte die Hochzeit mit dem Hochzeitsmahl verwechseln. Es waren verschiedene Ereignisse, die zu verschiedener Zeit und an verschiedenen Orten stattfanden. Die Hochzeit von V. 7 findet im Vaterhaus im Himmel statt, weshalb es anzunehmen ist, wiewohl es nicht direkt gesagt wird, dass diese Einladung dem Hochzeitsmahl auf der Erde gilt. Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die anderen sechs Seligpreisungen in diesem Buch (1,3; 14,13; 16,15; 20,6; 22,7.14) sich ohne Ausnahme auf die Menschen auf der Erde beziehen; das gilt auch für die vorliegende Seligpreisung. Gott gibt Seinen Segen besonderen Gruppen von Menschen auf der Erde, und diesmal solchen, die zum Hochzeitsmahl gerufen werden. Die Gleichnisse in den Evangelien lehren uns, dass es Menschen geben wird, die von den Feierlichkeiten ausgeschlossen werden (Mt 22,1-13; 25,10-11).
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Die Personen, die zum Hochzeitsmahl gerufen werden, sind geladene Gäste. Christus als der Bräutigam hat Seine blutserkaufte Braut neben sich, und sie bilden den Mittelpunkt des Geschehen; aber es werden andere geladen, am Fest teilzuhaben. „Die geladen sind“ ist der gleiche Ausdruck mit dem gleichen griechischen Verb wie in den Gleichnissen vom großen Gastmahl (Mt 22,3; Lk 14,17). Die ist der „Ruf“ des Evangeliums, das während der ganzen Drangsalszeit gepredigt wird, und die Seelen, die ihm gefolgt sind, dürfen nun am Hochzeitsmahl zu Beginn des Millenniums teilhaben. Das zeigt, dass der Ausdruck „glückselig“ sich spezifisch auf jene Menschen auf der Erde bezieht, die an das Evangelium geglaubt haben. Alle, die es abgewiesen haben, werden in die äußere Finsternis geworfen werden (Mt 25,30). Zweifelsohne werden auch andere Gäste dort sein, jene, die Johannes der Täufer als die Freunde des Bräutigams bezeichnete (Joh 3,29). Die erste Auferstehung wird zu diesem Zeitpunkt gerade geschehen sein (20,4-6), so dass dieses Fest all jenen offenstehen wird, die durch alle Zeitalter hindurch die göttliche Offenbarung über Christus angenommen haben. Es werden dort die vorsintflutlichen Heiligen sein wie Abel und Henoch, die Heiligen vor Abraham wie Noah und Hiob, dann alle Gläubigen aus Israel, die auf das Reich gewartet haben, bis hin zu den auferweckten Märtyrern der Drangsalszeit. Welch herrliche Festversammlung wird das sein!
Ein so großartiges Geschehen sprengt jede menschliche Erfahrung, weshalb es dem Menschen als zu schön seinen muss, um wahr zu sein. Darum sagt der Engel dem Johannes und durch ihn dem Leser: „Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes.“ Die Wahrheit Gottes wird durch die Worte vermittelt, welche den Stempel göttlicher Glaubwürdigkeit haben. Dass Johannes überwältigt ist, ist eine naheliegende Reaktion, und er fällt vor dem Engel nieder. Es ist zwar korrekt, einem Übergeordneten Ehre zu geben, aber Johannes ist so bewegt, entweder durch das Gesehene und Gehörte oder durch das Wissen, dass der Engel für Gott redet, dass er in Gefahr steht, die Anbetung dem Engel zu geben, die Gott allein gebührt. Der Engel wehrt ihm („Siehe zu, tue es nicht.“) und unterweist ihn über die rechte Beziehung der Geschöpfe zum Schöpfer. Engel und Menschen sind alle nur Knechte. Der Engel nimmt seinen ihm zustehenden Platz als ein Diener ein, und Diener dürfen einander nicht anbeten; ein jeder darf nur Gott allein anbeten. Die Brüder des Johannes werden als die bezeichnet, „die das Zeugnis Jesu haben“. Diese Bezeichnung ist schon in 12,17 vorgekommen und zeigt, dass es eine besondere Gruppe von Brüdern des Johannes ist. Der Ausdruck „das Zeugnis Christi“ hätte auf alle Heiligen in allen Zeitaltern, die Gemeindezeit eingeschlossen, hingewiesen. Dass aber hier steht „das Zeugnis Jesu“, zeigt dass es um die Heiligen der Drangsalszeit geht, jene, die in den finstersten Tagen der Drangsal das Zeugnis des verachteten Jesus hochhielten, als es gar nicht danach aussah, als würde Er je auf der Erde anerkannt werden. Diese Deutung wird durch das anschließende erläuternde „denn“ gestützt. Dass der prophetische Geist sich im Zeugnis Christi erweist, lehrt uns die Bibel (1.Pet 1,11); aber darum geht es hier nicht. Der Engel hebt hervor, dass jene, die das Zeugnis Jesu haben, glaubten, dass Jesus auf der Erde herrschen werde, dies allem gegenteiligen Schein zum Trotz. Diese Heiligen halten an ihrem Zeugnis fest sogar bis in den Tod, dass Gott alle Verhißungen bezüglich Jesus erfüllen wird. In Ihm wird Gott Seine Fülle und Seine Macht offenbaren, und dieser Verachtete wird öffentlich als „der König der Könige und Herr der Herren“ (V. 16) offenbar werden. Dies ist die Essenz aller Weissagung, und der Glaube gerade an diese Weissagungen ist es, welche die Gläubigen in den letzten Tagen der Drangsal durchtragen wird.
Nach der Hochzeitszeremonie folgt die vierte Phase, das Hochzeitsmahl, das in Offenbarung 19,9 beschrieben wird: Und er sprach zu mir: Schreibe: Selig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind. Und er sprach zu mir: Das sind wahrhaftige Worte Gottes.
Fruchtenbaum – The Messianic Bible Study Collection
Da viele zum Hochzeitsmahl eingeladen sind, deutet dieser Abschnitt darauf hin, dass das Hochzeitsmahl an einem anderen Ort stattfinden wird als die Hochzeitszeremonie. Wir wissen aus dem Wort Gottes, dass die Heiligen des Alten Testaments nicht vor der Trübsal mit der Gemeinde auferstehen, sondern am Ende der Trübsal (Dan. 12,2). Johannes der Täufer, der der letzte der alttestamentlichen Propheten war, bezeichnete sich selbst als Freund des Bräutigams und betrachtete sich nicht als Teil der Braut des Messias, der Gemeinde (Joh 3,27–30). Daher sind die „vielen“, die zum Hochzeitsmahl auf Erden eingeladen sind, all die alttestamentlichen Heiligen und die Heiligen der Trübsal, die nach der Wiederkunft Jesu, des Messias, auferstehen.
Während die Trauung kurz vor der Wiederkunft des Messias im Himmel stattfinden wird, wird das Hochzeitsmahl nach der Wiederkunft des Messias auf der Erde stattfinden. Tatsächlich scheint es, als würde das Hochzeitsmahl das Millennium oder das messianische Zeitalter einleiten; die Mitregentschaft der Kirche mit dem Messias wird mit einem gewaltigen Hochzeitsmahl beginnen!
Mit dem Hochzeitsmahl werden alle vier Phasen des jüdischen Hochzeitssystems abgeschlossen sein.
Für wen ist diese Seligpreisung gemeint? Wer sind die Hochzeitsgäste, die zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen sind? Jahrhundertelang vertraten die Theologen selbstverständlich die Auffassung, daß die Braut niemand anders als die Kirche sein könnte und daß mit den Gästen die alttestamentlichen Gläubigen gemeint wären. In anderen Worten: die Brautgemeinde wird demnach aus Christen gebildet und die Hochzeitsgäste aus Juden. An sich is es plausibel, aber die Bibel sagt etwas anderes. Glauben Sie nun wirklich, daß Av’raham, der einzige Mensch auf Erden, der von G’tt selbst „Freund“ genannt wurde, Moshe, der mit dem Ewigen von Angesicht zu Angesicht sprach, oder David, aus dessen Nachkommen der Mashiach hervorgekommen ist, kein Teil der Brautgemeinde sein würde? Ich denke, daß hier ein großer Denkfehler gemacht wird. Die Prophezeiung aus i>vh Hoshea / Hosea 2:21-22 in der Übersetzung von „Hoffnung für alle“ läßt keinerlei Zweifel darüber bestehen, für wen der himmlische Bräutigam sich bereits entschieden hat: „Die Ehe, die ich an diesem Tag mit dir, Israel, schließe, wird ewig bestehen!
Werner Stauder – Bibelstudie über die Hochzeit des Lammes – CHATUNAT HASEH
Ich schenke dir Liebe und Barmherzigkeit, ich schütze dich und helfe dir; immer werde ich treu sein und dich nie verlassen! Daran wirst du erkennen, daß ich der ewige bin!“ Wir brauchen uns deshalb gar nicht mehr zu fragen wer die Braut ist, denn der Bräutigam selbst hat seine Wahl schon lange getroffen: er hat für sich das Volk Israel zur Braut erwählt, das heißt, den gläubigen Teil Israels! Danach fand auf dem Berg Sinai die ycvra Erusin / Verlobung statt und wurde vom Bräutigam die Tora als hbvtk K’tuba / Ehevertrag aufgesetzt und ganz offiziell dem Notar übergeben. Dieser Notar war Moshe / Moses , weil er als Anwalt für sein Volk gehandelt hat. In diesem Ehevertrag hat der Bräutigam seine Bedingungen aufgezeichnet, woran die Braut sich zu halten hat in ihrer Ehe mit ihm. In der K’tuba gibt der Bräutigam eine deutliche Beschreibung der Identität seiner Braut: „In der ganzen Gemeinde soll ein und dieselbe Satzung gelten, für euch und für den Fremdling; eine ewige Satzung soll das sein für eure künftigen Geschlechter; wie ihr, so soll auch der Fremdling sein vor dem Ewigen. Ein Gesetz und ein Recht gilt für euch und für den Fremdling, der sich bei euch aufhält.“ Es war demnach schon von Anfang an der ausdrückliche Wunsch des Bräutigams, daß auch die Gläubigen aus den Nationen, die quasi die K’tuba mitunterzeichnet haben, zur Brautgemeinde gehören. Die wahren Gläubigen aus den Nationen, die zusammen mit den gläubigen Israeliten die Brautgemeinde bilden, tragen darum ebenfalls aus Liebe den Ehering, den Shabat, als sichtbares Zeichen ihres Ehebundes mit Adonai. Es ist daher für uns alle sehr wichtig zu wissen, wer auf dieser königlichen Hochzeit zur Brautgemeinde und wer zu den geladenen Gästen gehört. Ich denke, wir sollten diese Begriffe wörtlich nehmen. Gemäß der Tatsache, daß die offizielle Eheschließung, auf Hebräisch yav>n Nisu’in genannt, laut Offenbarung 19:6 erst stattfinden wird, nachdem Yeshua beim Blasen des siebten Shofars seine Königsherrrschaft angetreten hat (Offenbarung 11:15), also nach der Auferstehung der verstorbenen und Wiedervereinigung mit den lebendigen Gläubigen, die gemeinsam in die Wolken entrückt werden, komme ich zu dem Schluß, daß die Gläubigen, die die Wegnahme verpassen und dadurch als Märtyrer sterben werden, gewiß nicht zu den Hochzeitsgästen gezählt werden dürfen. Nach Offenbarung 20:4 werden sie nämlich mit ihm als Könige regieren und sind daher ein Teil der Brautgemeinde. So bleibt die Frage, wer die Gäste sind. Ehrlich gesagt glaube ich, daß es gar keine Gläubigen sein werden, denn sonst würden sie ja zur Braut gehören. Nein, ich denke eher an Ungläubige, die zur Hochzeit eingeladen und selig gepriesen werden wegen ihrer Haltung gegenüber G’ttes Volk während der Großen Drangsal. Nachdem die Auserwählten weggenommen und zu einem sicheren Zufluchtsort gebracht sind, werden alle übrigen Gläubigen, die aus verschiedenen Gründen zurückbleiben wie auch solche, die erst nach der Wegnahme zum Glauben kommen werden, sowie der Teil des jüdischen Volkes, der Yeshua bis dahin noch nicht als seinen Mashiach anerkannt hat, schwer verfolgt werden und auf fremde Hilfe angewiesen sein. Gerade im Hinblick auf letzteres bin ich daher der Meinung, dass wir bei den Glückseligen, die zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen sind, in erster Linie an die „Schafe“ in vhyttm Matit’yahu Matit’yahu / Matthäus 25:31-46 zu denken haben, von denen Yeshua in Hinblick auf seine Wiederkunft gesagt hat, daß sie ihn gespeist haben als er hungrig war, ihm zu trinken gaben als er Durst hatte, ihn beherbergt haben als er ein Fremdling war, ihn bekleidet haben als er nackt war, ihn besucht haben als er krank war und zu ihm kamen, als er im Gefängnis war, denn in sofern sie es einem seiner geringsten Brüder getan haben, haben sie es ihm getan. Es ist ganz klar, daß Yeshua mit „seinen Brüdern“ die Juden meinte, die tatsächlich seine Brüder im Fleisch sind. Daher wird er zu den Schafen sagen: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, und erbt das Reich, das euch bereitet ist seit Grundlegung der Welt!“ Auch wenn er diese Schafe „Gesegnete meines Vaters“ nennt, sind sie trotzdem sicherlich keine Gläubigen, sondern weltliche Menschen, deren Herz an der richtigen Stelle ist! Sie werden belohnt für ihr Mitgefühl gegenüber den armen und verfolgten Kindern G’ttes in der Zeit der großen Trübsal, die Hunger und Durst leiden, ständig fliehen müssen, sich verstecken und untertauchen. Daher wird es tatsächlich lebensbedrohlich sein, um diesen Menschen, die Yeshua „die geringsten seiner Brüder“ nennt, zu helfen weil eine solche Hilfe mit dem Tod bestraft wird, so wie es auch in der Shoa / dem Holocaust während des Zweiten Weltkriegs gewesen ist! Viele, die unter Gefahr für ihr eigenes Leben zu jener Zeit den Juden beim untertauchen vor den Nazis geholfen hatten, erhielten zum Dank dafür nach dem Krieg die Ehrenbürgerschaft von Israel, obwohl sie selbst keine Juden waren.
