Laß los vom Schnauben und lasse das Hitzende, nicht entbrenne, jedoch wäre es zum Bösetun.

Stehe ab vom Zorn und laß den Grimm! Erzürne dich nicht! nur zum Übeltun verleitet es.
Elberfelder 1871 – Psalm 37,8

Lass dich nicht hinreißen zu Wut und Zorn,
ereifere dich nicht, wenn andere Böses tun;
sonst tust du am Ende selber Unrecht!
Gute Nachricht Bibel 2018 – Psalm 37:8

Gib auf den Ärger! So ereifere dich nicht,
daß selbst du Böses tätest!
Grünewald – Ps 37,8

Lass die Wut gehen und gib den Zorn auf.
Ärgere dich nicht und fang nicht an, Schlechtes zu tun.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Ps 37:8

Laß los vom Schnauben und lasse das Hitzende, nicht entbrenne, jedoch wäre es zum Bösetun.
Dabhar – Psalm 37,8

Vertrauen und Hingabe ermöglichen Gelassenheit angesichts des schäumenden Inneren. David hat sie in jener Höhle erfahren, als er in jungen Jahren den hilflosen Saul hätte beseitigen können, es aber nicht tat. Sei stille vor Jahwe ist dann mehr als mit beruhigten Nerven abzuwarten, vielmehr ist dieser Satz bestimmt von seiner Fortsetzung: und warte angespannt auf ihn. Trotz gespannter Erwartung ist Ruhe möglich. Weil Gott selbst erscheinen wird, macht das den Angefochtenen ruhig. Dann kann das leidenschaftlich eifernde Herz von der Sünde der Selbstüberhebung bewahrt bleiben. Dann wird auch die Herausforderung durch den, dem sein Weg – scheinbar! – gelingt, dabei aber ungehindert seine Ränke schmiedet, überwunden werden können. Und schließlich bringt dieses angespannte Warten und die Auslieferung an Gott eine weitere Frucht. Der Beter erkennt die Zukunft der Frevler, die über das bloße Beobachten des Tuns der Gottlosen hinausgeht. Endzeitliche Sicht ist immer Geschenk des sich offenbarenden Gottes: die Übeltäter werden ausgerottet. Das wird das Ergebnis sein, wenn Gott sich aufs neue zeigen wird. Im Stehen vor Gott und im angespannten Warten auf ihn verkürzen sich die Zeiten. Was ohne den Blick auf Gott unendlich quälend, kein Ende nehmend, das Herz verkrampft, wird zur kurzen Zeit: Nur noch ein kleines, dann gibt es eine heilsame Wende, gleichgültig, wie lange es letztlich dauert. Wenn Gott rettet, gibt es eine vollständige Rehabilitation, die bis ins Sichtbare reicht: die Gerechten werden das Land besitzen. Das Land ist Zeichen der Fülle des Heils, denn Gott rettet und gibt zugleich Lebensraum. Weil der Ausgangspunkt der Gerechten die Lust an Gott war, dürfen sie jetzt Lust an der Friedensfülle haben, ohne daß sie behäbig werden.
Dieses alles ist Verheißung für eine kommende Zeit. Die Gegenwart ist für den Beter eher dürftig: Es ist Weniges (V. 16), was er jetzt in seinen Händen hält; die Wirklichkeit scheint für den Gottlosen zu sprechen; denn in mancher Beziehung sonnt er sich im Überfluß. Und Gott selbst scheint seinem Treiben tatenlos zuzusehen, wenn er Böses plant. Das ist die eine Seite, die der Betende realistisch zur Kenntnis nimmt. Doch sofort zeigt sich auch die andere. Beten läßt immer auch das Gegenwärtige überschreiten: Eine andere Dimension umfängt ihn, und aus dieser hört er, wie der Herr lacht über ihn, den Gottlosen. Gott verhält sich nie hämisch oder schadenfroh. Das Lachen Gottes ist eher Ausdruck seiner Fassungslosigkeit über die Torheit der Menschen. Anders gesagt: Weil Gott als der Herr über alles Lebendige die begrenzte Frist allen menschlichen Wirkens vor Augen hat, wundert er sich, daß sich der Gottlose offensichtlich als unendlich vorkommt und nicht sehen will, daß sein Tag kommt. Das ist der Tag des Gerichtes, an dem der Mensch von seinen Taten eingeholt wird: Ihr Schwert fährt ihnen in ihr eigenes Herz. Und der zum Vernichtungsschlag ausgereckte Arm sinkt nieder: »Wem die Arme, die eigenen nämlich, zerbrochen sind, der kann weder anderen schaden noch sich selber helfen« (Delitzsch).

Schneider – Wuppertaler Studienbibel

„Stehe ab vom Zorne und laß den Grimm.“ Schaue nicht auf ihr Glück, sondern erwarte das Ende, und Du wirst das Verderben sehen. Zorn aber ist das Verlangen nach Rache. Rache Vergeltung des Bösen. „Erzürne nicht, so daß Du Böses thust.“ Wisse wohl, daß die, welche sich an die göttliche Hoffnung angeklammert haben und das rechtschaffene Leben wählen, in ungestörtem Frieden verharren, indem sie in der Reinheit ihres Gewissens beständige Lust genießen, die aber auf das zeitliche Glück Vertrauen, einem raschen Wechsel unterworfen sein und gänzlicher Vergessenheit anheimfallen werden.

Athanasius – Bibliothek der Kirchenväter

Im nächsten Abschnitt wird der Aufruf zum Ausharren durch die Erinnerung an die Aussicht auf kommende Vergeltung verstärkt. Die ersten beiden Verse enthalten den Aufruf und wiederholen die Warnung „Fürchte dich nicht“. Die erste Zeile fordert das Volk auf, still (דּוֹם von דָּמַם) vor dem HERRN zu sein und geduldig zu warten (הִתְחוֹלֵל von חוּל, ein Wort, das „sich winden“ bedeutet, also im Hithpolel „sehnsüchtig warten“) – die stille Erwartung, die eindeutig im Gegensatz zu Ängsten und frustrierten Wünschen steht. Die Idee des Stillseins ist eine ruhige Resignation, die sich in die Hände Gottes begibt;3 die Idee des geduldigen Wartens ist die Erwartung von Gottes Eingreifen. Gegen den allgegenwärtigen Tumult des ängstlichen Lebens und im Gegensatz zu den Intrigen der Bösewichte, die erfolgreich zu sein scheinen, sollen die Gerechten also innehalten und darauf warten, dass der Herr für sie sorgt und sie beschützt. Schließlich ist es so, wie Jesus sagte, dass die Menschen durch solche Ängste ihrer Lebensspanne nicht einen Tag hinzufügen können (Mt 6,27). Deshalb wird die Ermahnung wiederholt: Sorgt euch nicht. Nun erklärt der Text mehr über die Übeltäter, denn sie sind diejenigen, die Erfolg haben (מַצְלִיחַ) – niemand würde sich um einen Übeltäter sorgen oder ihn beneiden, der in allem versagt – und diejenigen, die böse Pläne ausführen (מְזִמּוֹת; s.v. Ps. 10:2). Die Übeltäter haben durch ihre bösen Pläne eine Zeit lang Erfolg; sich über sie zu ärgern, ist sicherlich kurzsichtig.

Aber die Anweisung geht darüber hinaus. Die Gerechten werden angewiesen, sich vom Zorn abzuwenden (אַף; s.v. Ps. 30:5) und den Zorn (חֵמָה) zu meiden, weil er nur dazu führt, Böses zu tun (אַךְ-לְהָרֵעַ), und zwar genau das, womit sie von anderen konfrontiert wurden (siehe auch Ps. 73:2-3; 15; Gal. 5:20, 21, 26). Ein Leben mit intensivem Ärger und Eifersucht kann zu Zorn führen, und der Zorn über die falschen Dinge wird zu Handlungen führen, die denen der Übeltäter gleichen, oder zu Vergeltungsmaßnahmen, die eine ebenso böse Taktik anwenden.

Allen P. Ross – Ein Kommentar zu den Psalmen 1-89 – Kommentar – Kregel exegetische Bibliothek

Dreimal hintereinander fordert David uns allein in diesem Vers auf, nicht zu zürnen, und insgesamt zum dritten Mal in diesem Psalm (nach V. 1 und 7) sagt er uns: »Entflamme nicht!« Wir haben diese Wiederholung offensichtlich gleich nötig wie die Aufforderung »Freut euch im Herrn!« oder: »Seid um nichts besorgt!« (Mt 6,25; Phil 4,7; Hebr 13,5.6; 1Petr 5,7)! Oder: »Glaubt an Gott und glaubt an mich!« (Joh 14,1); oder: »Sagt Dank in allem!« (Eph 5,20; 1Thes 5,18), oder: »Betet allezeit!« (Lk 18,1; 1Thes 5,17); oder: »Unterwerft euch Gott!« (Jak 4,7; 1Petr 5,6).
Zorn verleitet »nur zum Übel«. Er »wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit« (Jak 1,20). Im Zorn tun wir erstens Übel an Gott; denn wir empören uns gegen seine Führungen. Sodann tut wir mit unseren Zorn Übel an unseren Nächsten; drittens sündigen wir an den Brüdern, indem wir ihnen ein schlechtes Beispiel geben, und viertens tun wir uns selbst nur Übles. Wir berauben uns eigenhändig des Friedens Gottes und des Lichts seines Angesichts.

Benedikt Peters – Die Psalmen

Ruhe in dem Herrn (V. 7-11). Das Verb bedeutet „still sein, still sein“. Es beschreibt die ruhige Hingabe an den Herrn (62,5). Schöpferische Stille ist heute ein seltenes Gut, selbst in Gottesdiensten. Die Menschen können Stille nicht ertragen. Ein stiller Radio- oder Fernsehbildschirm lädt Hörer und Zuschauer dazu ein, auf einen anderen Sender oder Kanal umzuschalten. Aber wenn wir nicht lernen, still vor Gott zu warten, werden wir seinen Frieden nie erfahren. Wenn wir uns über die bösen Machenschaften der Gottlosen aufregen, dann zweifeln wir an der Güte und Gerechtigkeit Gottes (Vv. 7, 12, 32). „Sanftmut“ bedeutet nicht „Schwäche“. Es bedeutet Kraft unter der Kontrolle des Glaubens. Mose war sanftmütig (Num. 12:3), aber er war ein Mann mit großer Kraft. Jesus zitierte Verse 11 (Mt 5,5), erweiterte ihn aber auf „die Erde“. „Erbe das Land“ (Vv. 9, 11, 22, 29) bezieht sich auf die Sicherheit künftiger Generationen im Land der Verheißung gemäß dem Bund Gottes (1. Mose 12,1-3; 13,14-18; 15,7-17), denn Gott hatte ein großes Werk für seinen gerechten Überrest in diesem Land zu tun, das im Kommen des Messias gipfelte. Schließlich werden die Gottlosen ausgerottet werden (Vv. 9, 22, 28, 34, 38), was in Israel gewöhnlich den Ausschluss aus der Bundesgemeinschaft bedeutete (Ex. 12:15; 30:33, 3831:14; Lev. 7:20-21), aber es konnte auch Hinrichtung bedeuten (Gen. 9:11; Lev. 20:17; Num. 15:30-31).

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie