Tag: 2. April 2025

meine Bergung ist in Gott.

Auf Gott ruht mein Heil und meine Herrlichkeit; der Fels meiner Stärke, meine Zuflucht, ist in Gott
Elberfelder 1871 – Psalm 62,8

Bei Gott ist meine Rettung und meine Würde, mein starker Fels, meine Zuflucht, sie sind bei Gott.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Psalm 62:8

Bei Gott ist meine Freiheit und Ehre.
Der Fels meiner Macht,
meine Bergung ist in Gott.
Buber & Rosenzweig – Ps 62,8

Jeder, der seine Hilfe und seinen Schutz in irgendwelche Organisationen oder Religionen oder Kirchen sucht, wird in naher Zukunft sehr enttäuscht werden. Denn nur eine persönliche Beziehung zu dem Schöpfergott wird wirklich „Schutz“ bedeuten. Das gilt auch für Nationen, die sich auf andere Völker und oder menschliche Herrscher verlassen.

David wiederholte, daß er in Stille auf den Herrn harre und bekannte, daß seine einzige Hoffnung bei Gott läge (vgl. Ps 25,5.21;33,20;39,8;71,5 ). Noch einmal versicherte er, daß Gott die Quelle seiner Sicherheit (sein Fels), seine Errettung und seine Feste (vgl. Ps 62,3 ) wäre und daß er sich deshalb in Sicherheit befände (er konnte nicht wanken ; vgl. den Kommentar zu Ps 15,5 ). Gott war seine Rettung und seine Herrlichkeit (Ehre). Ohne Gottes vielfache Errettung wäre David längst von seinen Widersachern überwältigt worden.
Deshalb wies der Psalmist die Frommen an, Gott in gläubigem Vertrauen ihr Herz auszuschütten und zu erkennen, daß er ihre Zuflucht ist ( maHseh , „Schutz vor Gefahr“; vgl. Ps 14,6; 46,2; 61,4; 71,7; 73,28; 91,2.9 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Bei Gott ist mein Heil usw. David häuft Worte auf Worte, um sich innerlich aufrecht zu erhalten. Denn die Schwachheit unseres Fleisches ist nur zu geneigt, sich in Irrtum verführen zu lassen. Wir bekennen vielleicht mit einem Worte, dass nur bei Gott unser Heil steht; aber in Wahrheit misstrauen wir seiner Kraft und suchen hier und dort Hilfen zusammen, um zu decken, was uns fehlt. Jedes Wort also, mit welchem David Gottes Rettermacht preist, ist eine Stütze, an die er sich klammert, und ein Zügel, mit welchem er den Flattergeist seines Fleisches bändigt, damit er seine Rettung in jeder Hinsicht nur bei Gott suchen lerne. Nachdem er aber sich selbst redlich ermahnt, richtet er (V. 9) seine Rede an andere, die mit ihm kämpfen sollen, um auch mit ihm zu siegen und zu triumphieren. Er redet sie an: lieben Leute, was buchstäblich zu übersetzen wäre: „o Volk“. Gemeint sind also seine jüdischen Volksgenossen: denn in einer Zeit, wo den Heiden noch nicht die Erkenntnis Gottes und das Licht des Glaubens aufgegangen war, konnte die Aufforderung, auf Gott zu hoffen und ihn anzurufen, nur für Juden einen Sinn haben. So scheidet David das auserwählte Volk deutlich von den unreinen Heiden, indem er ihm etwa zuruft: Wie unwürdig wäre es, wenn Abrahams Kinder, denen Gott seine Gnade offenbarte, und die er in seinen Schutz nahm, sich nicht ganz und gar an ihn hängen wollten! Sollen sie allezeit auf ihn hoffen, so gilt dies für böse Tage nicht minder, wir für gute: wer also auch nur im Geringsten abweicht und seine eigenen Wege geht, tut Unrecht. Mag also Gott die Seinen durch Trübsal prüfen, so sollen sie doch tapfer und geduldig in der Hoffnung stehen. Die Heuchler, die im Glück vielleicht den Herrn loben, aber sofort den Mut sinken lassen, sobald ihnen etwas Widriges zustößt, tun ihm eine schwere Schmach an und verlegen seinem Machtwirken den Weg. Es gilt also, dem Herrn die Ehre zu geben und sich auch unter den schwersten Übeln mit dem Gedanken zu trösten, dass er aus dem Tode herausführen kann. Weil aber unter dem Unglück das Menschenherz gleichsam zusammengedrückt wird und in diesem fehlerhaften Zustande nichts anderes zustande bringt, als dass es sich gegen Gott entrüstet und die Traurigkeit nur größer macht, empfiehlt David als bestes Heilmittel, dass die Gläubigen die Last ihrer Sorgen vor Gott ausbreiten sollen: schüttet euer Herz vor ihm aus. Denn so lange der Schmerz das Herz zuschnürt, kommen die Bitten nicht frei heraus. Damit uns also die Last der Versuchungen nicht erdrücke, sollen wir Erleichterung darin suchen, dass Gott unsere Bitternis heilen will, wenn wir nur nicht versäumen, sie in seinen Schoß auszuschütten. Diese Ermahnung haben wir umso nötiger, weil wir unser Gemüt nur zu gern verstocken und verschließen und damit der Verzweiflung entgegen treiben. Jedermann ist geschickt und eifrig, selbst Auswege aus dem Unglück zu suchen, geht aber der Begegnung mit Gott geflissentlich aus dem Wege, wodurch er sich nur in tiefere Verwirrung verstrickt. Alles in allem: David greift die angeborene Krankheit unserer Natur an, dass wir unsern Schmerz verbergen und uns lieber innerlich aufreiben, als durch Ausschüttung unserer Klagen und Bitten vor Gott uns erleichtern wollen. Davon kommt es dann, dass man immer tiefer in den Schmerz und endlich in die Verzweiflung hinein sinkt. Was übrigens David zuvor (V. 8) von sich allein gesagt, wendet er jetzt auf das ganze Volk: Gott ist unsre Zuversicht.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

»Auf Gott ruht mein Heil«: Das ist eine geradezu neutestamentliche Wahrheit. Gott hat das Heil gewirkt, er hat mich gerettet, er erhält mich. Seine Treue und seine Macht bürgen für die ewige Sicherheit des Erwählten. Ist er selbst für mich, wer mag dann wider mich sein (Röm 8,31)? Und auf Gott ruht auch »meine Herrlichkeit« (oder »Ehre«). Beneidenswert ist der Mensch, der diesen Satz mit Recht und in Wahrhaftigkeit sagen kann. Der muss weder sein Ergehen noch seinen Ruf verteidigen. David hat alles aus der Hand gegeben; alles ist nun in Gottes Hand, alles »ruht« in dieser mächtigen Hand. Was er gelernt hat, kann er nicht für sich behalten. Er muss sein Glück mit anderen teilen; auch sie sollen finden, was er gefunden hat.

Benedikt Beters – Kommentar zu den Psalmen

David ist von „Ich werde nicht stark erschüttert werden“ (V. 2, NASB) zu „Ich werde nicht erschüttert werden“ (v. 6, NASB). Je mehr er erkannte, dass Gott seine Festung war, desto mehr Ruhe kehrte in sein Herz ein. Er verließ sich nicht auf sich selbst oder seine eigenen Ressourcen, sondern auf den Herrn, den allmächtigen Gott. Sein Thron, sein Ansehen und sein Leben hingen allein von der Treue des Herrn ab. In Vers 8ermahnt David sein Volk, Gott als ihre Zuflucht zu sehen, ihm immer zu vertrauen und ihr Herz im Gebet auszuschütten (42:4; 142:2). David war auf die Gebete anderer angewiesen und scheute sich nicht, wie Paulus zu sagen: „Betet für uns“ (1. Thess. 5,25; 2. Thess. 3,1). Zeiten des Wartens können schwierig sein, wenn wir uns nicht ganz auf den Herrn verlassen. Gottes Verzögerungen sind keine Verweigerungen Gottes, aber unsere Ungeduld kann vom Teufel dazu benutzt werden, uns auf gefährliche und zerstörerische Umwege zu führen.

Gott allein belohnt uns (Vv. 9-12)
Als David auf den Herrn blickte, sah er sich selbst als einen schwachen, wankenden Zaun und eine Mauer (V. 3). Wenn er nun auf den Feind blickte, sah er ihn als ein Nichts! Ganz gleich, wie hoch die gesellschaftliche Stellung oder wie groß die wirtschaftliche Macht ist, alle Menschen sind nichts als Eitelkeit („ein Hauch“ – 102:3; Jakobus 4:14; Hiob 7:7). Wenn man sie auf die Waage legt, wird nichts gezählt, denn sie wiegen nichts (Hiob 6,2; Jes 40,15; Dan 5,27). Davids Feinde hatten ihre Macht und ihren Reichtum durch die Unterdrückung und den Missbrauch anderer erworben, und David warnte sein eigenes Volk davor, ihre Lebensphilosophie zu übernehmen. Wie tragisch ist es, wenn Gottes Volk heute sein Vertrauen auf seinen Reichtum, seine Stellung und seine menschlichen Fähigkeiten setzt und nicht auf den Gott, der allein Segen spenden kann.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Series