Job eines Christen?

Mir, dem Allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, unter den Nationen den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen, (W. zu evangelisieren)
Elberfelder 1871 – Eph 3,8

Mir, dem Allergeringsten von allen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, hat Gott in seiner Gnade den Auftrag gegeben, den nichtjüdischen Völkern zu verkünden, was für ein unermesslich großer Reichtum uns in der Person von Christus geschenkt ist.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Epheser 3,8

Ausgerechnet mich, den letzten von allen Leuten, die zu Jesus gehören, hat Gott ausgesucht, um diesen Job zu erledigen, nämlich den anderen Menschen zu erzählen, was für wahnsinnig fette Sachen durch Jesus möglich geworden sind.
VolxBibel – Epheser 3:8

In dieser Selbsteinschätzung schwingt die Erinnerung des Apostels mit, dass er einmal ein Verfolger der Gemeinde, ein Gewalttäter und Gotteslästerer war, der sich angesichts dieser Vergangenheit als Größten der Sünder und Geringsten der Gläubigen empfand (1Kor 15,9; 1Tim 1,12-15). Er konnte von daher zweierlei gut einschätzen, nämlich welcher Macht der Gnade es bedurfte, ihn zu einem Diener des Evangeliums zu machen, und welch unverdientes Geschenk Gottes es war, gerade ihn so als ein Werkzeug der frohen Botschaft zu gebrauchen.
So wurde der Apostel aufgrund der mächtigen Gnade Gottes zum Heidenmissionar. Was nun von V. 8 b bis V. 11 beschrieben wird, schildert den Heilsplan Gottes für das neue Missionszeitalter, das mit der Offenbarung des neuen Verhältnisses von Heiden und Juden in der Gemeinde angebrochen ist. Der Auftrag zur Mission ergibt sich geradezu notwendig aus dem Wesen der Gemeinde. Solange Israel als Nation allein das erwählte Gottesvolk war, gab es keine Heidenmission größeren Stils. Allenfalls konnten sich einzelne Heiden als Proselyten dem Volk Israel anschließen. Erst für die Endzeit erwartete man ein Herzuströmen von Heiden nach Israel auf breiterer Basis. Anders jetzt im Gemeindezeitalter, wo Heiden genauso wie Juden durch Jesus gerettet und in die Gemeinde eingegliedert werden können. Heilsgeschichtlich ist jetzt ein Zeitalter der Mission angebrochen. Sein prominentester Vorkämpfer war kein anderer als der Heidenapostel Paulus.
In wenigen Versen beschreibt er hier, worum es beim Thema »Mission« geht: Mission ist Evangelisation und Belehrung mit dem Ziel, dass Gemeinde als Anschauungsbeispiel der Weisheit Gottes entsteht.
Erstens geht es bei Mission um Evangelisation. Paulus wurde von Gott die Gnade verliehen, »den Heiden den unaufspürbaren Reichtum Christi als frohe Botschaft zu verkünden« (V. 8 b). Gewiss, der Apostel hat auch seinen jüdischen Volksgenossen die Botschaft von Jesus gebracht (1Kor 9,20; Röm 1,14; 9,1ff.). Aber seine eigentliche Sendung ging zu den »Heiden«, d. h. den Angehörigen der nicht -jüdischen Völker (Gal 2,9; 1Tim 2,7). Ihnen darf er »die frohe Botschaft verkünden«, was im griech. Grundtext an dieser Stelle mit dem Wort »evangelisieren« bezeichnet ist. Inhalt dieser frohen Botschaft ist der »unaufspürbare Reichtum Christi«. Wohlgemerkt, es heißt hier nicht: den »unerschöpflichen«, sondern den »unaufspürbaren« Reichtum Christi! Welche Fülle an Heil und Segen Gott in Christus für die Menschen bereit hat, konnte kein Mensch von sich aus ergründen. Es war Gottes geheimer Ratschluss, unaufspürbar für menschliche Spekulation. Aber nun wird dieser Reichtum Christi offen als frohe Botschaft verkündet! Worum es bei diesem »Reichtum Christi« geht, kann man schon sehr gut erkennen, wenn man im Eph nur einmal nachschlägt, was uns alles »in Christus« geschenkt ist: in ihm erwählt, zur Gotteskindschaft vorherbestimmt, begnadet, erlöst; in ihm wird einmal alles zusammengefasst im Himmel und auf Erden; in ihm sind wir zu Erben Gottes gemacht, mit dem Heiligen Geist versiegelt, zu neuem Leben erweckt, in eine himmlische Stellung versetzt, zu guten Werken geschaffen, in das Gottesvolk eingefügt, mit den jüdischen Glaubensgeschwistern verbunden und mit dem gleichen Zugang zu Gott, dem Vater, beschenkt (Eph 1,3-13; 2,5-10.13.16.18). Dies alles – und gewiss noch mehr – ist in dem »Reichtum Christi« eingeschlossen, der nun den Heiden als Evangelium verkündet wird. Ohne dieses Evangelium von Christus ist christliche Mission nicht vorstellbar.
Zweitens geht es bei Mission um Belehrung: ….

Gerhardt Maier – Edition C

Mit V. 8 setzt der zweite Teil des Einschubs (V. 2-13) ein, in dem Paulus ebenfalls seine Funktion in der Bekanntmachung des göttlichen Geheimnisses beschreibt: „Mir, dem geringsten von allen Heiligen, wurde diese Gnade gegeben“. Betont setzt Paulus „mir“ an den Satzanfang. Allerdings füllt diese hervorgehobene Stellung der „geringste von allen Heiligen“ aus. Damit knüpft der Apostel an die Aufzählung der Auferstehungszeugen in 1Kor 15 an. Dort nennt sich Paulus den „geringsten unter den Aposteln“ (V. 9). Diese Aussage wird hier in doppelter Weise gesteigert: Einmal vergleicht sich Paulus in Eph 3,8 mit „den Heiligen“, d. h. allgemein den Gläubigen (Eph 1,1.15) und bezeichnet sich als deren geringsten. Zum andern benützt er für „geringster“ „ ein Ausdruck, der an sich schon einen Superlativ beinhaltet „ die Komparativform „elachisteros“ (statt „elachistos“ in 1Kor 15,9).
In 1Tim 1,15 nennt sich Paulus den „ersten der Sünder“ und bringt damit dasselbe zum Ausdruck: Derjenige, der seinen erbitterten Widerstand gegen Christus durch die Verfolgung der Gemeinde öffentlich bekanntgemacht hat, wurde von Gottes Gnade erfaßt, auf einen neuen Weg gestellt und zum Diener Christi berufen.
Die Begabung mit der Gnade ist stets mit der Aufgabe zum Zeugnis verbunden; bei Paulus war dies die Berufung in sein Apostelamt (vgl. Röm 1,5): „um den Heiden den unergründlichen Reichtum Christi zu verkündigen“.
Mit dem Hinweis auf sein Amt als Apostel „der Heiden“ hatte Paulus diesen Abschnitt begonnen (3,1; vgl. die Erläuterung dazu). Die Botschaft, die er auszubreiten hat, ist das Evangelium: „verkündigen“ ist Übersetzung für „euangelizesthai“. In diesem Evangelium ist der „unergründliche Reichtum Christi“ beschlossen. Er äußert sich im „Reichtum der Gnade“ (1,7; 2,7), durch den auch die Heiden in Christi Rettungstat aufgenommen werden. Daraus erwächst der „Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes“ (1,18) als Inhalt christlicher Hoffnung.
Solcher Reichtum ist „unergründlich“ und „nicht aufspürbar“. Das Adjektiv kommt im NT nur noch in Röm 11,33 vor, im Lobpreis des Apostels, mit dem er die Wunderwege göttlicher Weisheit im Umgang mit Israel und den Heiden rühmt. Dabei ist bemerkenswert, daß in diesem doxologischen Abschnitt im Blick auf Vokabular und Satzstruktur Berührungen mit Eph deutlich erkennbar sind: „Oh, die Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes“; „wie unergründlich sind seine Wege“; „denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.“ (Röm 11,33-36; vgl. Eph 1,7.8.10.17; 3,18.20.21)

Wuppertaler Studienbibel

Eph 3:8-11 : In manchen vorchristlichen jüdischen Schriften ist die Rede davon, dass Gott den Engeln durch sein Volk seine Macht und Herrlichkeit demonstriert und dass diese ihn dafür loben müssen. Da die »Mächte und Gewalten im Himmel« als Engel der verschiedenen Völker – und als ihre Herrscher – galten, manifestiert sich in der Einheit der Kirche die absolute Herrschaft Gottes, dessen Macht die der Engel übertrifft und alle irdischen Grenzen überwindet. Zu »Gnadenamt« (Menge) siehe die Ausführungen zu 3,1-2 ; zu »geheimen Ratschluss« siehe die Ausführungen zu 3,3-5 . Paulus sagt hier aus, dass die Kirche – ein geeintes Volk, das Gott verherrlichen soll – gleichsam die Trägerin des Heilsplanes Gottes in der Geschichte ist (s. 1,9-12 ) und dass die Christen in der Erfüllung dieser Rolle ihre höchste Lebensaufgabe finden sollen (s. 4,11-13 ).

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Auch jetzt erweckt Paulus wieder die Erinnerung an seinen früheren Irrweg, ähnlich wie 1 Korinther 15,9,10, um sich und allen die Größe der göttlichen Gnade deutlich zu machen, die ihm gewährt worden ist, und um von der Bezeugung seiner besonderen Stellung alles fernzuhalten, was zur Verehrung seiner Person und zur Gebundenheit an sie führen könnte. Wenn er sich hier nicht nur hinter die anderen Apostel, sondern hinter alle Christen stellt, so redet er damit ähnlich wie 1 Timotheus 1,15. Um so höher erhebt sich dadurch vor seinem Blick die Herrlichkeit des ihm gegebenen Amtes.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament


Diese Haltung sehen wir immer bei Paulus. Wenn er sich mit den anderen Aposteln vergleicht, nennt er sich den „geringsten der Apostel“ (1Kor 15,9). Wenn er sich mit den Sündern vergleicht, sagt er: „… von denen ich der erste bin“ (1Tim 1,15). Die Wahrheit, die er weitergeben darf, hat Einfluss auf seine Haltung. Dass wir die Wahrheit verstehen, muss eine Sache unseres Herzens sein, und dann sehen wir auch unsere eigene Geringheit. Wenn es nur Kenntnis ist, werden wir aufgeblasen. Paulus fühlt seine Geringheit, wenn er den enormen Umfang seines Dienstes sieht („unter den Nationen“) und dessen alles übersteigenden Inhalt („den unergründlichen Reichtum des Christus“). Er, und niemand anders, bekommt den Auftrag, Dinge zu verkündigen (wörtlich: zu evangelisieren), die so reich sind, dass niemand sie je völlig ergründen kann. Auch hier geht es wieder um den Christus, das heißt um Christus zusammen mit seiner Gemeinde.

Ger de Koning – Der Brief an die Epheser


Stimmt – es geht nicht um eine Religion, nicht um eine org, nicht um das, was wir bis vorgestern gemacht haben, nicht um das, was mir gut tut! Nein. Es geht nur und ausschließlich um IHN den einen Christus!
Und unser Auftrag ist es, IHN zu verkünden, den die „anderen“ können IHN nicht von alleine finden, wenn wir IHN nicht verkünden! Unser Auftrag OHNE org und Religion!

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