Und ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn, sondern ziehet sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn
Elberfelder 1871 – Epheser 6,4
Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Unterweisung und Zurechtweisung des HERRN.
Luther 2019 – Eph 6,4
Und ihr Väter, verhaltet euch euren Kindern gegenüber so, dass sie keinen Grund haben, sich gegen euch aufzulehnen; erzieht sie mit der nötigen Zurechtweisung und Ermahnung, wie der Herr es tut.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Epheser 6:4
Und ihr Väter, seid nicht ungerecht gegen eure Kinder. Erzieht sie vielmehr mit Disziplin und zeigt ihnen den richtigen Weg, so wie es Christus entspricht.
Neues Leben – Bibel 2006 – Eph 6:4
Ihr Eltern, behandelt eure Kinder nicht ungerecht! Sonst fordert ihr sie nur zum Widerspruch heraus. Eure Erziehung muß vielmehr in Wort und Tat von der Liebe zu Christus bestimmt sein.
Wörtlich: Ihr Väter, erzürnt eure Kinder nicht, sondern erzieht sie in der Zucht und Mahnung des Herrn.
Hoffnung für alle – 1996 – Epheser 6,4
Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern begleitet sie beim Aufwachsen durch die Erziehung und persönliche Ermutigung, die ihr von Jesus, dem Herrn, übernommen habt.
das Buch – Epheser 6:4
Euch Väter aber ermahne ich, eure Kinder durch euer Verhalten nicht verbittert (oder mutlos) zu machen, sondern erzieht sie (liebevoll und konsequent). Vor allem vergesst nicht, dass sie euch nur für eine bestimmte Zeit anvertraut sind und eigentlich Christus gehören.
Willkommen daheim – Epheser 6,4

Eltern ehren hatten wir ja schon
πατέρες (A142) Väter od. (durch Synekdoche, A382) Eltern (B 1a). παρ-οργίζετε Imp. -οργίζω zum Zorn reizen, erzürnen; GN: behandelt eure Kinder nicht so, dass sie widerspenstig werden. ἐκ-τρέφετε Imp. -τρέφω nähren; aufziehen, erziehen. ἐν hier mit. παιδεία Erziehung, Unterweisung, Zucht; Bildung (als Ergebnis). νου-θεσία (< νοῦς Sinn + τίθημι) Ermahnung, Zurechtweisung. κυρίου (gen. pertinentiae, A152ff) wie sie (näml. die Erziehung u. Zurechtweisung) zum Herrn gehören, d. h. so, wie der Herr erzieht und zurechtweist, bzw. so, wie es ihm entspricht.
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Wiederum mittels einer Litotes erläutert Paulus, die Väter ansprechend, wie er sich deren Verhältnis zu ihren Kindern vorstellt, nämlich sie nicht zum Zorn zu erregen, sondern sie in der Erziehung/Zucht und Ermahnung des Herrn zu erziehen. Es geht für die Väter also darum, die Interessen und Vorstellungen des Herrn in Erziehung und Ermahnung zu beherzigen. Die Art und Weise, wie dies geschieht, stellt Paulus in einer modalen Angabe mittels ἐν παιδείᾳ καὶ νουθεσίᾳ κυρίου („in der Erziehung und Ermahnung des Herrn“) dar. Da die beiden Pole sich entsprechen, kann man sagen, dass eine gottgemäße Erziehung, die Kindern nicht aufgrund von Ungerechtigkeiten oder Ungleichbehandlungen oder Über- oder Unterforderungen zum Zorn bringt.
Peter Streitenberger – Der Epheserbrief
Schab 10b: Rabba b. Mechasja hat gesagt, Rab Chama b. Gorja (um 270) habe gesagt, Rab († 247) habe gesagt: Niemals mache der Mensch einen Unterschied zwischen einem Sohn u. den andren Söhnen (indem er jenen den übrigen vorzieht); denn wegen eines Gewandes im Werte von zwei Selaʿ, das Jakob dem Joseph mehr gab als seinen übrigen Söhnen, wurden seine Brüder eifersüchtig auf ihn. Und dann kam jenes Ereignis herbei, daß unsre Väter nach Ägypten hinabzogen.
Strack & Billerbeck – Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch
6, 4 B: Sondern ziehet sie auf in Zucht u. Zurechtweisung des Herrn.
Zu den Pflichten des Vaters gegen den Sohn gehörte unter andrem, daß er ihn Tora lernen ließ, s. TQid 1, 11 (336) bei Joh 2, 1 S. 380 Anm. c u. Qid 29a bei Apg 18, 3 S. 745; von dieser Pflicht waren die Frauen (Mütter) befreit, s. Qid 1, 7 bei Gal 3, 28 S. 561 Anm. i u. Qid 29b bei 1 Kor 14, 35 A Ende. ‖ Qid 29b: Woher, daß er ihn Tora lehren muß? Weil es heißt: Lehret sie eure Kinder Dt 11, 19. ‖ Qid 30a: Er muß ihn die Schrift lehren, aber nicht braucht er ihn Mischna (den Traditionsstoff) zu lehren. Und Raba († 352) hat gesagt: „Schrift“, das ist die Tora. — ‖ Zum Lob der guten Erziehung s. Jeb 62b bei Joh 2, 1 S. 374 Anm. c. ‖ ExR 1 (65a): Wer seinen Stock zurückhält, der haßt seinen Sohn; wer ihn aber liebt, sucht ihn auf mit Züchtigung Spr 13, 24 … Das will dich lehren, daß jeder, der seinem Sohn Züchtigung vorenthält, so daß dieser schließlich in schlimme Art gerät, ihn haßt. (Als Beispiele werden dann genannt Ismaël, Esau u. Absalom; darauf folgt: Schlimmer ist böse Zucht תַּרְבּוּת רָעָה im Hause eines Menschen als der Krieg Gogs u. Magogs. (Hierzu s. Berakh 7b bei Apg. 4, 25 B S. 633.) Aber wenn jemand seinen Sohn züchtigt, so vermehrt dieser die Liebe zu seinem Vater u. ehrt ihn, wie es heißt: Züchtige deinen Sohn, so wird er dich erquicken Spr 29, 17, u. ferner heißt es: Züchtige deinen Sohn, denn (noch) ist Hoffnung da Spr 19, 18 … (dabei wird rühmend hingewiesen auf die strenge Zucht im Hause der Erzväter). — Parallele: Tanch שמות Anfang.
Die Väter werden angesprochen, weil sie als Familienoberhäupter die Verantwortung dafür tragen, daß ihre Kinder zu ordentlichen Menschen heranwachsen. Sie dürfen sie nicht durch unvernünftige Forderungen, kleinliche Vorschriften oder ungerechtfertigte Bevorzugung zum Zorn reizen (parorgizete; das Verb steht außer an dieser Stelle nur noch in Röm 10,19 und Kol 3,21), denn das würde ihre Söhne und Töchter entmutigen (Kol 3,21). Statt dessen sollen sie sie in der Zucht (das Substantiv paideia, „Erziehung“, schließt die Vorstellung von Leitung und Korrektur mit ein; vgl. „Erziehung in der Gerechtigkeit“ in 2Tim 3,16 und „Züchtigung“ in Hebräer 12,8) und Ermahnung (nouthesia; vgl. 1Kor 10,11; Tit 3,10) des Herrn erziehen (ektrephete, „für die körperlichen und geistlichen Bedürfnisse sorgen“; vgl. auch Eph 5,29). Kinder sollen ihren Eltern „in dem Herrn“ gehorchen (Eph 6,1), und Eltern sollen ihre Kinder „in dem Herrn“ erziehen und unterweisen. Der Mittelpunkt des Verhältnisses zwischen Eltern und Kindern, das vom Lehren auf der einen und Lernen auf der anderen Seite geprägt ist, ist also Gott.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Ähnlich wie schon in der Anweisung an die Ehepartner (Eph 5,22ff. u. 25ff.) findet sich als Gegenstück zur Unterordnung unter eine Autorität nun nicht ein Freibrief zum Missbrauch dieser Autorität. Dem Ruf zum Gehorsam an die Kinder steht auf seiten der Eltern also nicht das Recht zur Willkür gegenüber. Im Gegenteil. Die Eltern (das Wort »Väter« kann beide Elternteile bezeichnen, vgl. Heb 11,23) werden ihrerseits in die Pflicht genommen, ihre Weisungsbefugnis nicht zu missbrauchen. Wenn sie ihre Kinder »zum Zorn reizen«, d. h. durch willkürlichen Autoritätsmissbrauch, durch Unterdrückung und dauerndes Nörgeln in den Kindern Aggressionen wecken, ist dies gegen Gottes Ordnung. Kinder sind nicht das Eigentum ihrer Eltern, sie sind ihnen vielmehr anvertraut. Entsprechend sollen sie die Kinder, bis diese erwachsen werden, »aufziehen in der Zucht und Ermahnung des Herrn«, d. h. in der Erziehung, die der Herr selbst (»Ermahnung des Herrn«!) durch die Eltern den heranwachsenden Kindern angedeihen lassen will. Der Erzieher ist damit nicht mehr selbstherrlicher Machthaber über das Leben von Kindern, sondern verantwortliches Werkzeug Gottes. Er hat die Aufgabe, Kinder »aufzuziehen«, d. h. zu erwachsenen Menschen heranzuziehen. Und die Mittel, die er dabei so, wie es der Herr tun würde, einsetzen soll, sind »Zucht«, d. h. Zurechtweisung bis hin zur Strafe (vgl. Heb 12,5-11), und »Ermahnung«, d. h. Korrektur der Gedanken bzw. Zurechtrücken des Sinnes, so dass die Richtung wieder stimmt (vgl. 1Kor 10,11; Tit 3,10, wo das gleiche Wort gebraucht ist).
Gerhard Maier – Edition C
Es wird deutlich, wie sowohl für die Kinder als auch für die Eltern die Verwurzelung »im Herrn« das entscheidende Motiv zum Leben in den Ordnungen Gottes ist. Paulus errichtet hier in der »Haustafel« kein neues Gesetz, sondern zeigt, wie die Lebensbeziehung zu Jesus im Alltag praktisch wird.
»Väter« (patères) könnte auch mit »Eltern« übersetzt werden, was allerdings dem Zusammenhang nicht gerecht würde. In V. 1 ist »Eltern« die Übersetzung vongoneùsin, und V. 2 »Vater und Mutter« von patèr und mèter. So scheint hier der Apostel nicht nur von der besonderen Aufgabe, sondern auch von einer besonderen Gefahr des Vaters zu sprechen: »Reizt nicht zum Zorn« (parorgizo, erzürnen, ärgern; das zum gleichen Verb gehörende Hauptwort parorgismòs kam bereits in 4,26 vor). Kinder gehorchen; Väter reizen nicht zum Zorn, indem sie Selbstzucht üben, nicht beständig nach Fehlern Ausschau halten, noch unüberlegt oder gar genüßlich strafen oder selbst ein schlechtes Beispiel sind. Kollisionen müssen vermieden werden; Strafe muß gerecht, aber sie darf aber nicht hartherzig sein und muß in Liebe geübt werden. »Zieht sie auf« (ektrèphete) heißt sie zu nähren, Gesundheit und Kraft zu fördern, zu bilden (5,29). »In der Zucht und Ermahung des Herrn« läßt daran denken, daß dem Vater die Kinder als Verwaltung vom Herrn gegeben sind, und daß er, indem er selbst den Herrn und dessen erziehende Hand kennt, sich bemüht, sie stark zu machen für den Herrn. Wenn ein Vater, der den Herrn nicht kennt, seine Kinder so erzieht, daß sie sich in dieser Welt einen Namen machen wollen, dann zielt der christliche Vater höher, seine Ziele sind himmlisch. »Zucht« (paideìa) heißt Korrektur, Zurechtweisung (Hebräer 12,5.7.8.11):
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Der Vater, der seine Kinder für den Herrn erzieht, wird Fehler weder ermutigen noch entschuldigen, sondern wird sie freundlich aber bestimmt korrigieren. »Ermahnung« (nouthesìa) ist auch Unterweisung und Warnung: Wie die Fehler Israels zu unserer Ermahnung gegeben sind (1.Kor 10,11) und der sektiererische Mensch zweimal ermahnt werden muß (Tit 3,10), so können Väter nicht die warnende Funktion der Ermahnung vernachlässigen (siehe 5 Mose 6,7.20; 11,18.19; Spr 13,24; 29,15).
Was bedeutet diese Anschauung im Lichte des Wortes Gottes? Der Gesichtspunkt der Individualität bekommt für uns nur Sinn im Zusammenhang der Schöpfung. Das gibt uns einen letzten Sinn, aber auch eine entscheidende Begrenzung. Der Reichtum der Individualitäten ist ein Zeugnis von dem Reichtum der Schöpferherrlichkeit Gottes. Jede Besonderheit eines Kindes bekommt damit die Bedeutung des Schöpferwillens. Es ist unmöglich, im Gehorsam vor diesem Schöpferwillen Individualitäten zu unterdrücken. Man darf in diesem Zusammenhang, weil man den Schöpfer Himmels und der Erde ehrt, wohl auch von dem großen Erziehungsziele reden, jedem Menschen in Demut Raum zu geben für seine besondere Eigenart, damit er das werden kann, wozu er bestimmt ist.
F.Rienecker – Wuppertaler Studienbibel
Das haben viele Eltern vergessen und darum nicht den Schöpferwillen Gottes respektiert. Jede Menschenseele hat zu ihrer Voraussetzung einen Gedanken Gottes. Jede Seele ist ein Original. So verschieden die Menschen von Angesicht sind, so verschieden sind auch ihre Seelen. Die Kindesseele darf darum nicht schematisch behandelt werden, sonst entsteht eine verkrüppelte Kopie. Jemand hat einmal gesagt: „Die Menschen werden als Originale geboren und sterben oft als Kopien.“ Auf das Respektieren dieser schöpfungsmäßigen Eigenständigkeit im Kinde weist die paulinische Vermahnung hin, es „nicht zu erzürnen“.
Aber diese Erkenntnis vom Schöpferwillen gibt dem Gesichtspunkt der Individualität auch ihre Grenze. Wenn man den Schöpfer kennt, dann kann man sprechen vom Menschen nur als vom Geschöpf. Seine Lebensbahnen sind gelegt. Und nur, weil sie gelegt sind, kann er sie gehen. Denn der Mensch ist immer Sohn oder Tochter, Bruder oder Schwester, er steht nie allein, sondern immer in Beziehung vom andern her – zum andern hin. Und wenn wir die Schöpfung ernst nehmen, dann müssen wir auch die Ordnung dieser Schöpfung ernst nehmen, nach der immer eine Generation nach der andern kommt, nach der die eine Generation immer der andern weitergibt, was sie selbst empfangen hat. Von dieser Schöpfer-Ordnung Gottes her verstehen wir nun auch, was Individualität ist. Wer aber nur Individualität allein sieht, sieht zu wenig. Wer den einzelnen nicht im Zusammenhang der Schöpferordnung Gottes sieht, sieht ihn gar nicht. Diese Ordnung, die immer eine Generation als Erwachsene setzt und die andere als Kind, die eine Generation zu Gebenden, die andere zu Empfangenden macht, wird im Neuen Testament voll bejaht. In der Gemeinde Jesu wird diese Schöpferordnung bestätigt. In den Epheserversen wird einmütig den Kindern das Gehorchen zur Pflicht gemacht. Es werden nicht Individuen, sondern Väter, Mütter und Kinder angeredet. Innerhalb dieser Ordnung wird Autorität aufgerichtet, gepaart mit einer letzten Ehrerbietung voreinander.
