Denn Gott schenkt den Geist nicht aus einem Messbecher heraus.

Denn der, welchen Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn Gott gibt den Geist nicht nach Maß.
Elberfelder 1871 – Johannes 3,34

Denn welchen Gott gesand hat / der redet Gottes wort / Denn Gott gibt den Geist nicht nach dem mass (Ob wol des Geistes gaben vnd werck nach dem mass ausgeteilet werden / Rom 12 vnd j. Cor 12 Doch der Geist selbs ist in allen Christen reichlich vnd on mass ausgossen / das er alle sunde vnd tod verschlinget vber die mass. Tit 3)
Luther 1545 „letzte Hand“ – Johannes 3:34

Christus ist von Gott zu uns gesandt. Er redet Gottes Worte, weil Gottes Geist ihn ganz und gar erfüllt. – Wörtlich: denn nicht nach Maß gibt er den Geist
Hoffnung für alle – 1996 – Joh 3,34

Der nämlich, den Gott als Boten entsandt hat, der verkündet die Aussprüche Gottes. Denn Gott schenkt den Geist nicht aus einem Messbecher heraus.
Gottes Agenda – Joh 3:34

Der, den Gott in diese Welt gesandt hat, der spricht die lebendigen Worte Gottes. Denn Gott gibt den Geist über alle Maßen.
Das Buch – 2009 – Johannes 3:34

Betrifft die Aussage in diesem Vers nur Jesus oder alle Christen?

ὅν = οὗτος, ὅν (BDR § 29313; A358). ἀπ-έ-στειλεν V. 17. μέτρον Maß (Messgerät od. Messergebnis); οὐκ ἐκ μέτρου δίδωσιν er (d. h. Gott) gibt, ohne ein Maß zu gebrauchen/unbegrenzt/in unbegrenzter Fülle (B μέτρον 2b). τὸ πνεῦμα hier wohl AkkO, nicht Subj.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Dagegen sagt R. Acha (um 320) LvR 15 (115c): Selbst der heilige Geist, der auf den Propheten ruht, ruht (auf ihnen) nur nach Gewicht במשקל (= nach Maß); der eine von ihnen hat ein Buch geweissagt, u. ein andrer (wie Jeremia) zwei. ‖ Den Gegensatz „nach Maß“ במדה u. „ohne Maß“ שלא במדה oder בלא מדה s. zB GnR 11 (8c) bei Mt 5, 5 S. 200 u. Midr Esth 3, 1 (94a) bei Mt 7, 6 S. 448 f.

Strack & Billerbeck – Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch

Jesus ist der Gesandte Gottes, er repräsentiert Gott und ist zugleich das Fleisch gewordene Wort Gottes. Das Zentrum der joh. Sendungschristologie liegt in der Vorstellung der Identität von Bote und Botschaft. Jesus handelt ganz und gar und ausschließlich im Auftrag des Vaters. Als Gesandter Gottes spricht er die Worte Gottes, er tut dies in der Vollmacht des ihm von Gott in besonderer Weise verliehenen Geistes. Als Geistträger ist Jesus der Gesandte und als Sprecher Gottes gibt er den Geist (vgl. Joh. 6,63; 7,37–39; 20,22).

Schnelle- Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament

Jesus war der Eine, »den Gott gesandt hat«. Er »redete die Worte Gottes«. Um diese Aussage zu untermauern, stellte Johannes fest, dass »Gott den Geist nicht nach Maß gibt«. Christus ist durch den Geist Gottes auf eine Art gesalbt worden, die für niemand anders gilt. Andere sind sich der Hilfe des Heiligen Geistes in ihrem Dienst bewusst, doch niemand hat je einen solch geisterfüllten Dienst getan wie der Sohn Gottes. Die Propheten erhielten eine teilweise Offenbarung von Gott, aber »der Geist offenbarte den Menschen in und durch Christus die Weisheit, das Herz Gottes in all seiner unendlichen Liebe«.

MacDonald- Kommentar zum Neuen Testament

Aber wieso besiegle ich Gottes Wahrhaftigkeit, wenn ich Jesu Zeugnis annehme? „Denn welchen Gott gesandt hat, der redet die Worte Gottes.“ Darin ist Jesus ein echter „Zeuge“, daß er nichts eigenes sagt, sondern als der von Gott Gesandte auch nur „die Worte Gottes redet“. Dabei ist hier nicht von Gottes „Wörtern“ („logoi“), sondern von jenen „Worten“ („rhemata“, hbr „debarim“) gesprochen, die „Tatworte“, wirksame, Geschichte schaffende Worte sind. Jesus kann so unmittelbar diese Geschehensworte Gottes reden, weil er Empfänger und Träger des Geistes Gottes ist. Und „ohne Maß gibt Gott den Geist“. Das kann freilich, wie der folgende Vers zeigt, nur „vom Sohn“ gesagt werden, noch nicht von den Propheten, die nur jeweils für bestimmte Aufträge Geisteserleuchtungen und Geisteswirkungen empfingen, also den Geist nur in bestimmtem „Maß“ hatten. Für den Sohn aber gilt das „ohne Maß“. Wenn es wörtlich heißt „nicht aus Maß“, dann ist anschaulich daran gedacht, wie der Verkäufer seine Ware in sein Maß füllt, um sie dann abgemessen aus dem Maß dem Käufer in sein Gefäß zu schütten (vgl. Lk 6, 38). So macht es Gott nicht, wenn er dem geliebten Sohn den göttlichen Geist verleiht. Rückhaltlos und ganz hat Gott ihm den Geist geschenkt; darum setzt jeder, der Jesu Zeugnis annimmt, damit sein Siegel unter die Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit Gottes. Im glaubenden Hören auf Jesus wird Gott gerade nicht beiseite gesetzt, sondern geehrt und als treu und wahr anerkannt.

de Boor_2008 – Wuppertaler Studienbibel

Denn der, den Gott sandte, redet die Worte Gottes; denn er gibt den Geist nicht nach einem Maß. Vor Gottes Wort steht der Mensch bei dem, was ihm Jesus sagt, weil dieser von Gott gesandt ist, ein Bote aber nicht sein eigenes Wort redet, sondern dasjenige dessen, der ihn sendet. Zu solchem Dienst wird er dadurch ausgerüstet, daß Gott ihm seinen Geist gibt, nach der herrlichen, großen Weise Gottes, nicht kärglich und stückweise, nicht nach einem Maß abgeteilt und eingeschränkt, nicht so, daß seine Gabe ungenügend bliebe und zur Ausrichtung seines Dienstes nicht hinreichte, als wäre Gottes Liebe und Gabe unvollkommen, sondern so, daß ihm der Geist den Sinn und Willen Gottes wirklich kundmacht und er an der Wahrheit Gottes vollen Anteil hat.
Weil er der von oben Gekommene und durch Gottes volles Geben mit seinem Geist Erfüllte ist, darum ist er der Sohn.

Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament – Das Evangelium nach Johannes: Ausgelegt für Bibelleser

Noch immer ist die Größe Jesu das Thema des Täufers.
Er als der Messias ist in einmaliger Weise der, »den Gott gesandt hat«. Die Sendung Jesu durch »Gott« den Vater bildet ein unerschöpfliches Thema des NT (vgl. Joh 7,16; 8,26; 12,49; 14,24; Röm 8,3; Gal 4,4). Im Wort »entsenden« oder »senden« liegt immer ein Auftrag. Ein Teil des Auftrags Jesu besteht darin, dass er, »die Worte Gottes redet«, d. h., er übermittelt den Menschen den Willen Gottes in reinster und zuverlässigster Form. Das haben sogar die Gegner Jesu bestätigt (vgl. Mt 22,16; Mk 12,14). Mehr noch:
Er überbringt die geisterfüllten und lebenschaffenden »Worte Gottes« so, dass in den Hörern neues Leben entsteht (Joh 6,63). Die Wiedergeburt geschieht bis heute nicht durch Kunststücke oder brillante Redner, sondern durch das schlichte biblische Wort (1Petr 1,23). Natürlich überbrachten auch die Propheten und der Täufer eine beglaubigte Botschaft Gottes. Aber das, was Jesus sagt, ist die Vollendung der göttlichen Offenbarung und zugleich die letztgültige Botschaft bis zur Wiederkunft (vgl. Heb 1,1ff.). Die Apostel haben lediglich entfaltet und konkretisiert, was Jesus sagte.
Nun steht hier ein eigenartiger Satz:
»Er gibt den Geist ohne Begrenzung.« Übrigens hat die Mehrzahl der Handschriften:
»Gott gibt den Geist …« usw. Das ist auch zweifellos gemeint. Doch was ist der tiefere Sinn der Aussage, dass der Vater dem Sohn »den Geist ohne Begrenzung gibt«? Es handelt sich um den Unterschied zwischen Jesus einerseits und den Propheten bzw. dem Täufer andererseits. Letztere erhielten den Geist »nach dem Maß«, so wie die Glaubenden des Neuen Bundes ihre Geistesgaben auch »nach dem Maß« erhalten (vgl. Röm 12,3; Eph 4,7). Jesus aber erhielt den Geist »nicht nach dem Maß« (so wörtlich), d. h. »ohne Begrenzung«, was durch den siebenfachen Geist von Jesaja 11,2 angedeutet ist. Zugleich ist die grenzenlose Geistesfülle Jesu schon ein verborgener Hinweis auf den dreieinigen Gott (Vater, Sohn, Geist).

Gerhard Maier – Edition C

Bei der Erörterung der Person des Messias (Johannes 3:31-36) stellte Jochanan fest, dass Jeschua den Geist nicht nach Maß gegeben wurde (Johannes 3:34). Wie in Jesaja 11,1-5 prophezeit, hatte der Messias die siebenfache Fülle des Heiligen Geistes. Gläubige empfangen den Geist nach Maß (1 Korinther 12), nicht aufgrund ihrer geistlichen Fähigkeiten, sondern aufgrund der Aufgaben, die Gott ihnen gegeben hat und wo er sie innerhalb der Gemeinde einsetzt. Deshalb haben alle Gläubigen geistliche Gaben, aber nicht alle haben die gleichen geistlichen Gaben oder die gleiche Anzahl von Gaben. Jeder erhält die Gaben, die notwendig sind, um die spezifische Aufgabe zu erfüllen, die Gott im Leib erfüllt haben möchte. So empfängt jeder ein Maß des Geistes für diesen Zweck, aber der Messias empfing den Geist ohne Maß. Darrell L. Bock kommentiert:
Jesus wird nun so dargestellt, dass er Zeugnis ablegt von dem, was er gesehen und gehört hat. Jesus spricht für Gott im Himmel und offenbart seinen Weg (Johannes 1,11-12). Johannes liebt es, dies immer wieder zu sagen. Allerdings wird dieses Zeugnis von der Welt nicht angenommen. Wer es aber annimmt, setzt ein Siegel auf die Tatsache, dass Gott wahr ist. Das Siegel ist hier ein Fachausdruck im Griechischen für die Genehmigung eines juristischen Dokuments. Das liegt daran, dass der himmlische Zeuge Gottes Worte ausspricht und ihm der Geist ohne Grenzen gegeben wurde, oder wie das Johannesevangelium sagt, „ohne Maß“. Im späteren Judentum heißt es in Leviticus Rabbah zu Lev. 15,2 über die Propheten: „Der Heilige Geist ruhte auf den Propheten nach Maß.“ So wird Jesus auch hier als mehr als ein Prophet bestätigt.

In der Tat, Jeschua ist mehr als ein Prophet. Nachdem er den Geist ohne Maß empfangen hat, ist er der verheißene Messias, der Sohn Gottes. Ihm sind alle Dinge, alle Vollmacht gegeben worden: Der Vater liebt den Sohn und hat alle Dinge in seine Hand gegeben (Joh 3,35). Der Begriff „alle Dinge“ ist allumfassend, oder wie Bock es ausdrückt: „Diese Vollmacht erstreckt sich sogar auf das Leben, so dass der Glaube an den Sohn zum ewigen Leben führt“[ 164 ] (Joh 3,36).

Arnold FruchtenbaumJeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Dieses »Denn« begründet die in V. 33 gemacht Aussage: Wer das Zeugnis Jesu annimmt, hat deshalb besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist, weil »der, den Gott gesandt hat« nicht eigene Worte redete, sondern »die Worte Gottes«. Das konnte zwar von jedem Propheten gesagt werden, den Gott im Lauf der Heilsgeschichte gesandt hatte. Weil der Geist Gottes in den Propheten war (1Petr 1,11) und weil sie redeten, »getrieben vom Heiligen Geist« (2Petr 1,21), waren ihre Worte »Worte Gottes«. Beim Sohn Gottes aber war dies alles in höherem Maß der Fall.
»Gott gibt den Geist nicht nach Maß«: Der Sohn war durch den Geist gezeugt (Mt 1,18.20), er war voll Heiligen Geistes, und er wurde stets vom Heiligen Geist geführt (Lk 4,1). Darum war ein jedes seiner Worte während seines ganzen Lebens und in jedem Augenblick Wort Gottes. Das kann aber nicht von den Propheten gesagt werden, die alle Menschen waren von gleichen Gemütsbewegungen wie wir (Jak 5,17) und deshalb nicht immer vom Geist erfüllt und geführt waren und eigene Worte und Gedanken äußerten, wenn sie als Privatpersonen handelten, dachten und redeten – wie etwa Mose, von dem berichtet wird, wie er unbesonnene Worte redete (Ps 106,33) und deswegen von Gott gerügt und bestraft werden musste (4Mo 20,12).

Benedikt Peters – Kommentar zum Johannes-Evangelium

Ob die Menschen glauben oder nicht glauben, ändert nichts an der Tatsache, daß der von Gott Gesandte stets die Worte Gottes sprach. Wie der Herr zu den Pharisäern sagte: „Was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt“ (8,26; 12,49.50). Um das auf andere Weise zu bestätigen sagt Johannes (oder der Geist der Inspiration): „Gott gibt den Geist nicht nach Maß.“ Wir haben hier unendlichen Besitz und unendliches Verständnis der Gedanken Gottes vor uns. Uns gibt Gott „nach dem Maß des Glaubens“ in dem Sinne, daß Gaben sich nach dem Maß des Glaubens unterscheiden (Röm 12,3.6). Aber auch in unserem Fall befähigt uns der Geist, die Dinge zu erkennen, die uns von Gott geschenkt sind (1Kor 2,10-14). Aber der Herr war immer in Gemeinschaft mit Gott, Er tat alles durch „den ewigen Geist“, opfert sich sogar durch Ihn ohne Flecken Gott (Hebräer 9,14). Das geht weit über Lk 4,18 hinaus, wo der Geist des Herrn auf Ihm war, um zu predigen und zu heilen. Das bezieht sich auf Seinen Dienst auf Erden, während „nicht nach Maß“ sich auf Seine ewige Person bezieht. Der Geist, der bei der Taufe auf Ihn kam, stand in Beziehung zum Dienst auf der Erde, nicht zu Seiner ewigen Erkenntnis des Vaters. In der Tat, „der Vater liebt den Sohn“ bezieht sich auf die Ewigkeit, „denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt“ (17,24). Eine Haupteigenschaft der Liebe, das Geben, ist, daß der Vater „alles“ dem Sohn gegeben hat; zum Beispiel „alles ist mir übergeben von meinem Vater“ (Mt 11,27). Für uns gilt, daß uns Gott Seiner Liebe wegen (Röm 5,8) „alles“ geschenkt hat (Röm 8,32).

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt