Schlagwort: Bibelstudium

zufrieden oder Mangel?

Nicht daß ich dies des Mangels halber sage, denn ich habe gelernt, worin ich bin, mich zu begnügen.
Elberfelder 1871 – Philipper 4,11

Nicht wegen des Mangels sage ich das; ich habe nämlich gelernt, mit der Lage zufrieden zu sein, in der ich mich befinde.
Schlachter 2004 – Phil 4,11

Nicht, dass ich über äußere Not zu klagen hätte. Ich habe ja gelernt, in allen meinen Lebenslagen mit wenigem auszukommen.
Johannes Greber – Phil 4,11

Ich sage das nicht, als ob ich Mangel gelitten hätte; denn ich habe gelernt, mir mit dem, was ich habe, genügen zu lassen. Spr 15,16; 16,8; 1Tim 6,6; Heb 13,5.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Phil 4,11

Aus der Freude, die die Sendung der Philipper Paulus machte, sollten sie nicht schließen, er klage über seine Lage oder stelle an die Gemeinde Ansprüche. Er ist ein völlig freier Mann und beherrscht jede Lage; er braucht niemand, sondern reicht mit dem aus, was er hat. Von selbst fällt niemand eine solche Selbständigkeit zu. Ich habe sie gelernt, sagt Paulus, in langer Übung und mancher Erfahrung. Nun aber geht er in jeder Lage fest und sicher seinen Weg. Muss er entbehren, so erschüttert und lähmt ihn dies nicht; er meint nicht, er habe durch sein Botenamt oder durch seinen Glauben einen Anspruch an ein behagliches Leben im Überfluss. Stehen ihm reiche Mittel zur Verfügung, so machen sie ihn nicht zum Knecht der Begehrlichkeit und von Gott los; sie ziehen ihn nicht von seiner Arbeit ab. Seine Stärke, die ihn in allem frei macht, verdankt Paulus Jesus, der ihm beständig mit seiner Kraft zur Seite steht. Er gibt es ihm, dass er für alles danken und Gott mit völliger Liebe dienen kann, so dass ihn die äußeren Dinge nie an seinem Lauf hindern. Dadurch verliert aber die Gabe der Gemeinde für ihn ihren Wert nicht. Die Entbehrung drückt, und Paulus dankt denen, die sie ihm abnehmen.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Paulus, dessen Leben und Werk in unserer Zeit mehr und mehr die Aufmerksamkeit vieler Kreise auf sich ziehen, hat in seinen Schriften verschiedene Male ein Wort gebraucht, das in den Kriegsjahren auf wirtschaftlichem Gebiet eine ganz neue Bedeutung gewonnen hat. Es ist das Wort «Autarkie», womit man das Streben andeuten wollte, das Land selbständig zu machen, unabhängig von allen andern. Damit wird also ein Sichbegnügen mit dem Vorhandenen zum Ausdruck gebracht.
Aber lange vor unserer Zeit schon wurde dieses Wort von den Griechen viel gebraucht, wohl in dem Sinn: Der Mensch soll seine Gemütsverfassung nicht durch die Umstände beeinflussen lassen. Er muss über ihnen stehen. Er soll sich begnügen mit dem, was er ist und hat.
Dieses Wort und diesen Gedanken hat Paulus in das christliche Leben herübergenommen. Wer wirklich auf Gott, auf den lebendigen Gott vertraut, muss sich nicht durch die äusseren Lebensumstände beeinflussen lassen, sondern kann allezeit guten Mutes sein.
Es ist aber wahrlich nicht leicht, dies in die Praxis umzusetzen, wenn alles, was uns umgibt, gegen uns zu sein scheint. Darum teilt Paulus den Philippern mit, dass er diese Lektion auch selber habe lernen müssen (Phil 4,11). Er sagt nicht, hochmütig und von sich selbst eingenommen, er habe sich zu diesem hohen Standpunkt hinaufgearbeitet, nein, mit einem niedriggesinnten Herzen bekennt er, dass er durch Lebenserfahrung gelernt habe, sich zu begnügen. Ich habe einen Lehrmeister, so sagt er, der mich in allem unterwiesen hat: den Überfluss nicht zu missbrauchen oder auch mit frohem Herzen mich in den Mangel zu schicken. Dieses Sichbegnügen war das Geheimnis seines christlichen Lebens, in das er durch Christus eingeweiht worden war, der ihm gleichzeitig auch die Kraft dazu darreichte. Da der Apostel nun diese Lektion gelernt hatte, konnte er auch andere in dieser Tugend unterweisen. War er in dieser Lebenskunst nicht selber ein Vorbild? Im Gefängnis zu Rom schrieb er unter andern diesen Brief an die Philipper, der vom Anfang bis zum Ende von echter Freude zeugt, und worin er sich am Schluss vorstellt als einer, der nichts nötig hat, weil er alles empfangen hat. Timotheus unterweist er, dass «wenn wir Nahrung und Bedeckung haben», wir uns daran genügen lassen sollen, und dass die Gottseligkeit mit Genügsamkeit ein grosser Gewinn sei.

Halte fest 1958

Die griechischen Moralphilosophen priesen unter dem Einfluss des Gedankengutes der Stoa die Menschen, die mit wenigem ebenso zufrieden waren wie mit vielem. (Die Kyniker achteten, um ihre Zufriedenheit mit wenigem beweisen zu können, eigens darauf, immer nur das Nötigste zu besitzen.) Es hieß, dass der Weise keinen Menschen brauche außer sich selbst, also absolut autark sei. Paulus gibt hier zwar der Zufriedenheit in allen Lebensumständen Ausdruck (V. 11-12 ), wie sie von den Philosophen der Stoa und anderen gefordert wurde, den Gedanken der Standhaftigkeit und Geduld um Gottes willen (V. 13 ) hatten jedoch bereits die alttestamentlichen Propheten, die jüdischen Märtyrer und andere Diener Gottes in ihrem Leben verwirklicht.
Der »Überfluss« des Apostels war nach modernen Maßstäben wohl eher bescheiden; Kunsthandwerker hatten zwar ein besseres Auskommen als die Armen, doch ihr Lebensstandard lag weit unter dem, der der heutigen Mittelschicht der westlichen Welt bzw. der Oberschicht der Antike selbstverständlich ist bzw. war. (»Mäßigung« – der Mittelweg zwischen zwei Extremen – war ein Hauptaspekt der griechischen Tugendvorstellung, vor allem bei Aristoteles , der auch in die Ethik der jüdischen Diaspora Eingang fand. Paulus strebt keinen solchen Mittelweg an; wie die besten der griechischen Philosophen ist er in jeder Lage zufrieden. Seine Formulierungen in dieser Passage erinnern deshalb eher an die Philosophie der Stoa und der Kyniker als an die der [aristotelischen] Peripatetiker. Im Gegensatz zu denen, die völlige Autarkie anstrebten, gründet sich seine »Selbstgenügsamkeit« jedoch ganz und gar auf Christus, der in ihm wirkt).

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Heute sieht man diese pharisäische Lehre in jenen Kreisen, die das Konzept des „positiven Bekenntnisses“ oder des „name-it-and-claim-it“ lehren, bei dem die Leute herumgehen und Dinge wie Cadillacs oder Mercedes oder Millionen-Dollar-Häuser für sich beanspruchen. Es ist klar, dass ihr Gott in Wirklichkeit der Mammon ist, nicht Jeschua der Messias. Wenn ihr Gott der Herr Jesus wäre, würden sie in allen Dingen zufrieden sein, wie Paulus es war (Philipper 4:11). Ob er nun reich oder arm war, Paulus war ganz zufrieden in dem Wissen, dass alles, was er vom Herrn erhielt, der vollkommene Wille Gottes für ihn zu dieser Zeit war. Er war bereit, alles für den Messias aufzugeben.
Aber wenn wir darauf bestehen, dass Reichtum ein Zeichen der göttlichen Gunst ist, wie es leider einige bekannte religiöse Führer getan haben, wird das bei uns das Gleiche bewirken wie bei den Pharisäern. Wir werden anfangen, auf die materiellen Dinge zu achten und uns dem Reichwerden hingeben, weil das ein Zeichen der göttlichen Gunst ist. Am Ende werden wir nicht mehr Gott dienen, sondern dem Mammon.

Arnold Fruchtenbaum – Mammon der Ungerechtigkeit

Paulus hat es für seine Person grundsätzlich abgelehnt, sich von den Gemeinden unterhalten zu lassen. In jener Zeit zahlreicher und oft recht zweifelhafter Wanderredner (s.o.S.132) wollte er seine Verkündigung von vornherein gegen jeden Verdacht eigennütziger Hintergründe schützen. Darum erarbeitete er sich das Wenige, das er zum Leben brauchte, mit eigener Hand. Entbehrungen, Armut und Leiden gehörten ihm unabtrennbar zum apostolischen Dienst (1 Kor 4,9ff.; 2 Kor 6,4ff.). Nur den Philippern erlaubte er es, eine „Rechnung auf Gegenseitigkeit“ („Abrechnung des Gebens und Nehmens“ ist der damalige geschäftliche Fachausdruck dafür) aufzumachen. Ja, so wurden die Philipper „Teilhaber“ in seinem „Geschäft“! Sonst bleiben die Gemeinden allein die Empfangenden und Paulus allein der Gebende, so klar Paulus das Recht der Boten auf Erhaltung durch die Gemeinden betonte (1 Kor 9,4-14). Welche Gründe Paulus dazu veranlassten, bei den Philippern eine Ausnahme zu machen, erfahren wir nicht. Es wird das mit zu der besonderen Herzlichkeit der Liebe gehören, die wir im ganzen Brief von Anfang an spüren. Eben darum ist es so lieb ausgedrückt, wenn Paulus diese Bevorzugung seiner Geliebten in das Bild vom „Geschäft“ fasst: Ihr allein tratet in das Geschäft mit gegenseitiger Abrechnung mit ein! Für uns aber ist es wichtig, dass Paulus trotz seiner Beharrlichkeit in dieser Sache den Korinthern gegenüber (2 Kor 11,7-12; 12,13) kein Mann bloßer „Prinzipien“ war, sondern die Freiheit des Handelns behielt. So haben die Philipper ihn schon in Thessalonich „ein-, zweimal“ unterstützt. Diese Mitteilung legt übrigens nahe, dass wir uns ein falsches Bild machen, wenn wir aus Apg 17,2 schließen, Paulus sei nur drei Wochen in Thessalonich geblieben; sein Aufenthalt muss doch wohl etwas länger gedauert haben, wenn in dieser Zeit mehrfach eine Unterstützung aus Philippi an ihn gelangte. Paulus bezeichnet jene Tage als „Anfang des Evangeliums“. Hier ist wieder wie in Phil 4, 3 das Wort „Evangelium“ nicht nur für den Inhalt der Botschaft, sondern auch für ihr Wirksamwerden benutzt, so dass geradezu die Bestimmung einer „Zeit“ daraus wird (s. o. S. 141). In ähnlicher Weise könnte etwa ein Vater seinem Sohn schreiben: „Im Anfang der Studien riet ich Dir …“ (Ewald). Aus 2 Kor 11,8.9 geht hervor, dass die Philipper ihre Unterstützung auch während der Arbeit des Paulus in Korinth fortgesetzt haben.
Aber nun hatte Paulus lange nichts mehr von der Gemeinde erhalten. Darum freut er sich „mächtig“ – er braucht hier ein Wort, das stärker ist als unser abgegriffenes „sehr“ -, dass Epaphroditus eine erhebliche Gabe mitbrachte. Die Philipper ließen das „Denken an ihn“ – es ist das Wort „Denken“, „Bedacht sein“, das in unserm Brief oft vorkam und hier das „Sorgen für ihn“ bezeichnet – wieder „aufblühen“ oder „aufgrünen“. Benutzt ist das Bild der Pflanze, die nach der Winterzeit wieder „ausschlägt“ oder „aufblüht“. Auf das „Denken an ihn“ waren sie freilich immer bedacht, das weiß Paulus. Aber es fehlte ihnen der „kairos“, die geeignete Zeit, die Gelegenheit zum Helfen. Schon 2 Kor 8,2 hatte Paulus die in der Kollektensache säumigen Korinther an die Armut der Mazedonier im Zusammenhang mit schweren Bedrängnissen der Gemeinde erinnert. So waren sie zur Unterstützung des Apostels nicht in der Lage. Nun hat Paulus wieder eine reiche Gabe bekommen, die Epaphroditus aus Philippi mitbrachte (s.o. S. 16). Über ihre tatsächliche Höhe erfahren wir nichts. Paulus bescheinigt, „alles erhalten zu haben“, und versichert, nun „Überfluss zu haben“ und „erfüllt“ zu sein. Das sind freilich sehr relative Begriffe! Der an Mangel und Entbehrung Gewöhnte hält für „Überfluss“ und „Fülle“, was dem Verwöhnten recht bescheiden vorkommen mag. Die Liebe eines Paulus hat die „Größe“ der Gabe sicher mehr an der Armut der Geber als an dem Umfang seiner Bedürfnisse gemessen.
Aber ihm liegt überhaupt nicht an der „Gabe“ als solcher, auch wenn er sich „mächtig“ an ihr freuen kann. Ihm liegt an der „Frucht“. Der Mensch ist von Natur gierig oder doch wenigstens ängstlich im Festhalten seines Besitzes. Wenn er zu geben vermag, und dies noch aus eigener schwieriger Lage heraus (die Gemeinde stand noch immer im Kampf 1,27-30), dann zeigt sich darin die Wirkung des Wortes, das den Menschen zum Vertrauen auf den lebendigen Gott gebracht und das Herz zur Liebe befreit hat. Solche „Frucht“ begehrt Paulus. Wir sahen es mehrfach in unserm Brief, wie er nicht nur eine Gnade kennt, die als verheißungsvoller Bogen über einem unverändert grauen Lebe steht, sondern eine solche, die das wirkliche Leben umwandelt und für Gott tatsächlich fruchtbar macht. Er hat eben das geschäftliche Bild verwendet. So gebraucht er es nun gleich noch einmal und sagt: Diese wachsende Frucht kommt „auf eure Rechnung“. Euer Konto steigt dadurch. In feiner Weise verbindet Paulus den Dank für das große Geschenk mit der vollen Unabhängigkeit den Philippern gegenüber: Sie erhöhen nur ihren eigenen Kontostand, wenn sie die Frucht bringen, die von einer Pflanzung des Evangeliums erwartet werden darf. Der eigentliche Grund der Freude des Apostels liegt nicht in der Hilfe, die er selbst erfährt, sondern in dem Gedeihen der Gemeinde, das in solchen Gaben zum Ausdruck kommt.
Denn für seine Person hat Paulus gelernt, „in der Lage, in der er ist, selber auszukommen“. Und nun beschreibt er eine Lebenshaltung, die wieder mit manchem „griechischen“ oder „philosophischen“ Ideal verwandt erscheint, die aber in Wahrheit diese „Ideale“ weit unter sich lässt und selber nicht ein „Ideal“, sondern einfache Wirklichkeit ist. Wenn der Mensch sein „Menschsein“ entdeckt, dann werden ihm seine Triebe zur Not, die ihn zum bloßen Naturwesen stempeln und hart an die Verhältnisse binden. Wird er wahrhaft „Mensch“ nicht erst dann, wenn er die Triebe möglichst abtötet und sich aus der Knechtschaft der Verhältnisse befreit? „Frei“ ist der Mensch erst, wenn er die „Autarkie“ besitzt, die Fähigkeit, sich selbst zu genügen, „selber auszukommen.“ Aber nur der „Genügsame“ hat sie! Darum kommt der Philosoph stoisch-kynischer Richtung zur „Askese“, zur möglichst armen und primitiven Lebensgestalt.

Wuppertaler Studienbibel

Zufriedenheit:-
I. IHRE NATUR. 1. Sie ist der Unzufriedenheit entgegengesetzt, und indem sie sich den Härten des Lebens unterwirft, entzieht sie ihnen die Hälfte ihrer Macht. Sie ist zu vernünftig, um nach Unmöglichkeiten zu streben oder die Unzulänglichkeiten des Lebens durch Verdrießlichkeit zu vergrößern. Ein gerechter Geist ist dazu notwendig, einer, der die Dinge sieht, wie sie sind, statt durch das verzerrende Medium eines verbitterten Auges. Die Ungerechtigkeit des Geistes, die mit Stolz einhergeht, erzeugt Verdrießlichkeit, und die, die mit Ehrgeiz einhergeht, Launenhaftigkeit. 2. Es ist jedoch nicht Gleichgültigkeit oder Dummheit, obwohl diese manchmal als solche durchgehen. Ein Verstand, der zu träge ist, um zu denken, ein Herz, das zu gefühllos ist, um zu fühlen, eine Seele, die zu selbstsüchtig ist, um beides zu tun, hat weder Sensibilität noch Sinn, um sich zu beschweren. Aber die Zufriedenheit kann fühlen, hoffen, seufzen; aber ihre Gefühle dürfen nicht in Verdrossenheit ausarten, und ihre Seufzer werden oft gegen Lächeln ausgetauscht. Wenn sie nicht haben kann, was sie möchte, wird sie nicht über ihre Enttäuschungen grübeln, sondern sie durch süße Unterwerfung aufhellen. 3. Es hat keine Verwandtschaft mit Fatalismus. Wenn die Rufe der Pflicht mit dem Verlangen nach gehegter Sündhaftigkeit in Konflikt geraten, ist es nicht ungewöhnlich, dass ein törichter Sünder sagt, dass seine Pläne und Handlungen nichts ändern können; er ist zu faul, um überhaupt zu planen oder zu handeln; so nennt er sein Laster fälschlicherweise die Tugend der Zufriedenheit. Paulus‘ Zufriedenheit aber bestand darin, zu arbeiten, zu planen, zu beten. Er fügte sich nicht vorher, weil er es nicht vorher wusste; aber als das Ereignis kam, sagte er: „Ich bin zufrieden“, d.h. mit dem festgestellten Willen seines Meisters.
II. DIE ART UND WEISE DER ERLANGUNG. „Ich habe gelernt“, d.h. als eine Lektion, und auch mit Schwierigkeiten. Wenn wir seinen Erfahrungen nachgehen, finden wir: 1. eine Sensibilität für die göttliche Hand. Er sah Gott in seinen Prüfungen und sagte: „Dein Wille geschehe.“ Es ist etwas ganz anderes, sich unter die Übel des Lebens zu fügen, weil man ihre göttliche Bestimmung erkennt, als sich aus Verdrossenheit oder Dummheit zu fügen. Sieh also in ihnen den Gott aller Weisheit und Güte. 2. Er hoffte auf Gott. Ohne Hoffnung kann kein Mensch zufrieden sein. Diese führt zur Zufriedenheit in der sicheren Erwartung der Befreiung, wenn nicht hier, so doch in der Zukunft. „Ich weiß, wem ich geglaubt habe“, &c. 3. Er hatte seinen Schatz im Himmel; und wenn wir den haben, können wir sagen: „Unsere leichte Bedrängnis, die nur für einen Augenblick ist“, &c., und so zufrieden sein. Und selbst im Wohlstand ist dieser Trost nötig; denn inmitten von überreichem Reichtum gibt es Unzufriedenheit. Etwas mehr ist nötig. 4. Er hatte Erfahrungen, die ihn prüften. Seine Zufriedenheit ergab sich nicht aus dem Unterricht, dem Glauben, der Hoffnung, der himmlischen Gesinnung, allein oder zusammen. Seine schmerzlichen Erfahrungen gaben seiner Zufriedenheit Kraft, und machten die folgenden Prüfungen leichter und bereitwilliger. Sie lehrten ihn zu sagen: „Wenn ich schwach bin, bin ich stark; ich vermag alles durch Christus“, &c.
III. DIE GRÜNDE, DIE IHN BESTÄRKEN. 1. Die Macht, die unseren Zustand zugewiesen hat. Gott regiert. Eine unergründliche Weisheit und übergeordnete Vorsehung ist am Werk. Wie unvernünftig ist es dann, sich zu beklagen, wenn Schwierigkeiten kommen. Es ist entweder eine verdiente Strafe oder eine heilsame Disziplinierung. Unzufriedenheit ist eine Ungerechtigkeit in hohen Kreisen. Nimm also deinen glücklichen Platz ein, es ist die Bestimmung deines himmlischen Vaters in Liebe. 2. Zufriedenheit ist Sicherheit. Wie viele haben unwiederbringlich gelitten, weil sie von dem ihnen zugewiesenen Weg abgewichen sind, oder weil sie es sich wünschten und danach strebten. Die bescheidenste Hütte ist besser als ein vom Fieber befallener oder erdbebengeschüttelter Palast. 3. Zufriedenheit steigert unsere Freude und vermindert unser Elend. Übel werden durch geduldiges Ausharren leichter, und Vorteile werden durch Unzufriedenheit vergiftet. 4. Das Elend des Lebens ist tief und umfangreich genug, ohne dass man es noch vergrößern muss. 5. Zufriedenheit ist das Mittel, um neue Lektionen über Gott zu erhalten. (I. S. Spencer, D.D.) Zufriedenheit bedeutet Selbstgenügsamkeit. Hier ist es nicht unbedingt so zu verstehen, als ob es Unabhängigkeit in der Natur lehrte, nichts außerhalb von sich selbst zu wollen. Paulus wollte Gott oder seine Vorsehung nicht ausschließen, sondern unterstellte sie – „nicht als ob wir aus uns selbst genügten, sondern unsere Genügsamkeit ist von Gott.“ Er wünschte oder vermisste nicht mehr als das, womit Gott ihn versorgt hatte. Sein Wille entsprach seinem Zustand, sein Verlangen überstieg nicht seine Kraft. Das Ziel der Zufriedenheit ist also der gegenwärtige Zustand der Dinge, was auch immer es sein mag, in den Gott uns gesetzt hat. Diejenigen, die das größte Vermögen haben, sind am meisten geneigt, die kleinsten Dinge zu respektieren, während ein armer Stand leicht durch den Zuwachs von wenig getröstet wird. Der formale Gegenstand mag ein Zustand sein, der unserem Sinn widerspricht – aber da alle Menschen mehr oder weniger in einem solchen Zustand sind, kann jeder Zustand der Gegenstand der Zufriedenheit sein, und Prinz und Bauer müssen diese Lektion gleichermaßen lernen. Wenden wir uns nun den Handlungen zu, in denen die Praxis bestand.
I. WAS UNSERE MEINUNGEN UND URTEILE BETRIFFT. Zufriedenheit erfordert, dass-1. wir glauben sollten, dass unser Zustand, wie auch immer er sein mag, von Gott bestimmt ist, oder zumindest, dass er ihn nach seinem Wohlgefallen zulässt. 2. Daher sollten wir alles, was geschieht, als durch und durch gut und Gottes Bestimmung würdig beurteilen und keine harten Gedanken über ihn hegen. 3. Wir sollten sogar in unserem Geist davon überzeugt sein, dass nach Gottes Absicht alle Ereignisse nicht nur zum Wohl der Dinge im Allgemeinen, sondern auch zu unserem im Besonderen beitragen. 4. Daher sollen wir glauben, dass unser gegenwärtiger Zustand alles in allem der beste ist – besser, als wir es uns selbst hätten ausdenken können.
II. WAS DIE ABLAGERUNGEN DES WILLENS UND DER ZUNEIGUNG BETRIFFT. 1. Wir sollten alle Vorkommnisse, wie schlimm sie auch sein mögen, mit völliger Unterwerfung unter den Willen Gottes betrachten. 2. Wir sollten alle Dinge mit beständiger Ruhe und Gelassenheit des Geistes ertragen und jene Exzesse der Leidenschaft unterdrücken, die der Sinn für Dinge, die uns widerwärtig sind, zu erregen pflegt. 3. Wir sollten die schlimmsten Ereignisse mit süßem Frohsinn ertragen und nicht der Entmutigung erliegen. „Wie ein Trauernder und doch immer fröhlich.“ 4. Wir sollten uns mit Glauben und Hoffnung auf Gott verlassen und auf die Beseitigung oder Erleichterung unserer Bedrängnisse warten, oder ihm die Gnade anvertrauen, sie gut zu ertragen. „Warum bist du niedergeschlagen“, &c. 5. Wir sollten nicht in Ohnmacht fallen oder schmachten. Keine Widrigkeit soll die Kräfte unserer Vernunft oder unseres Geistes beeinträchtigen, unseren Mut entkräften oder unseren Fleiß erlahmen lassen. „Wenn du in der Not ohnmächtig wirst, ist deine Kraft gering.“ 6. Wir sollten unseres Zustandes nicht überdrüssig werden oder lästige Sehnsüchte nach Veränderungen haben, sondern mit einer stillen Gleichgültigkeit und Bereitschaft darunter liegen, solange es Gott gefällt, in Anbetracht dessen, „der solche Widersprüche von Sündern gegen sich selbst ertragen hat.“ 7. Wir sollten durch widrige Unfälle in unseren eigenen Augen demütig werden, sanftmütig in unserem Gemüt und sensibel für unsere eigene Unwürdigkeit. „Seid demütig unter der mächtigen Hand Gottes.“ „Auf diesen Mann will ich sehen“, &c. 8. Es wird von uns verlangt, dass wir trotz aller Härte in unserem Zustand freundlich zu anderen sind, zufrieden und erfreut über ihren wohlhabenderen Zustand. 9. Zufriedenheit bedeutet Freiheit von Angst in Bezug auf die Versorgung mit unseren Bedürfnissen, „unsere Last auf den Herrn werfen.“ 10. Sie verlangt, dass wir unsere Begierden zügeln und nicht mehr an Quantität oder besserer Qualität anstreben, als unsere Natur oder unser Zustand erfordern. „Derjenige“, wie Sokrates sagte, „ist den Göttern (die nichts brauchen) am nächsten, der am wenigsten Dinge braucht.“ 11. Es bedeutet, dass, was auch immer unser Zustand ist, unser Geist und unsere Zuneigung dementsprechend ausgerichtet sein sollten. Wenn wir reich sind, sollten wir ein freigebiges Herz haben; wenn wir arm sind, sollten wir genügsam sein; wenn wir hoch in der Würde sind, sollten wir gut ballastiert sein; wenn wir niedrig sind, sollten wir sanftmütig und beständig sein.
III. Daraus sollte sich die KORRESPONDENTE EXTERNE DEMEANOUR ergeben. 1. Wir sollten unsere Zungen von allen ungebührlichen Ausdrücken zurückhalten, die Unmut über Gottes Vorsehung andeuten. „Warum klagt ein lebender Mensch?“ „Sei still und erkenne, dass ich Gott bin.“ 2. Wir sollten unsere Zufriedenheit mit Gottes Handeln bekunden, seine Weisheit, Gerechtigkeit und Güte anerkennen und ihn für alles segnen. 3. Wir sollten uns aller ungesetzlichen Maßnahmen zur Behebung unserer Nöte enthalten und lieber still in ihrer Gegenwart verweilen, als uns gewaltsam Erleichterung zu verschaffen. 4. Wir sollten trotz aller Widrigkeiten unsere Angelegenheiten mit Eifer, Mut und Fleiß angehen und nicht zulassen, dass uns der Kummer lustlos oder träge macht. Aktivität ist ein gutes Mittel zur Ablenkung und der schnellste Weg, um viele Übel zu beseitigen. 5. Wir sollten uns fair und freundlich gegenüber den Werkzeugen unseres Unglücks verhalten, „geschmäht werden“ sollten wir „segnen“, &c. (I. Barrow, D.D.)
Christliche Zufriedenheit:-
I. IHR UMFANG. Sie wird unter verschiedenen Umständen ausgeübt. 1. Inmitten von Kompetenz, in welchem Fall sie das Streben des Ehrgeizes und das neidische Murren wegen der Erfolge anderer unterdrückt. 2. Unter aufgeschobener Hoffnung, in welchem Fall sie ein geduldiges Warten auf Gottes Zeit als die beste lehrt. 3. Unter dem Druck des Unglücks, aus dem es in dieser Welt kein Entrinnen gibt; in diesem Fall unterdrückt es Mürrischkeit und eine törichte Anklage gegen Gott.
II. SEINE QUALIFIKATIONEN UND ILLUSTRATIONEN. 1. Es war sein Anteil an weltlichen Gütern, mit dem der Apostel zufrieden war – nicht mit seinem geistlichen Zustand. Das wäre Sünde gewesen. Damit sollten wir unzufrieden sein. Das ist auch nicht unvereinbar mit der Dankbarkeit für die empfangene Gnade. Die Zufriedenheit eines unerneuerten Menschen ist eine große Verschlimmerung seiner Sündhaftigkeit. Aber während du unzufrieden bist wegen der Bosheit deines eigenen Herzens, sei nicht unzufrieden mit dem langsamen Wirken der heiligmachenden Gnade Gottes, so dass du dich ärgerst und ärgerst, dass du nicht schon vollkommen bist. 2. Die Zufriedenheit mit unserem weltlichen Zustand ist nicht unvereinbar mit dem Bestreben, ihn zu verbessern. (1) Zum ärmsten Menschen sagt das Christentum: „Sei zufrieden“, aber auch: „Sei fleißig in den Geschäften“ (1. Kor. 7,21). Die gebotene Zufriedenheit gilt für die Gegenwart. Der Mann ist heute arm, und für diesen Tag gebietet ihm der Glaube, zufrieden zu sein. Aber die Befreiung von der Armut kann am besten für den morgigen Tag sein, und deshalb arbeitet er für seine Befreiung. Vielleicht gelingt es ihm nicht, aber er sagt, dass es am besten erscheint, wenn die Armut noch einen weiteren Tag andauert, und so macht er weiter, bis die Erlösung kommt. (2) Einige Personen mit einem zarten, aber falschen Gewissen haben das Gefühl, als wäre es eine Sünde, zu versuchen, sich zu erheben. Das ist töricht. Es ist unsere gebotene Pflicht, uns zu bemühen, unsere Umstände zu verbessern, nur dürfen wir nicht murren, wenn es uns nicht gelingt. (3) Es gibt solche, die sich anmaßen, Menschen anzuprangern, wenn sie sich für die Aufhebung schlechter Gesetze einsetzen – und die christliche Pflicht der Zufriedenheit predigen. Dass die Zufriedenheit ein Teil der Pflicht ist, wird zugegeben. Eine ungerechte Gesetzgebung ist ebenso ein erlaubtes Urteil Gottes wie eine Hungersnot, und während der Zeit ihrer Verhängung müssen wir uns demütigen. Aber in beiden Fällen ist ein Mensch ein Verbrecher, der nicht alle Mittel zur Beseitigung des Fluches einsetzt. Was wäre unser Zustand ohne einen edlen christlichen Patriotismus gewesen. 3. Diese Zufriedenheit ist relativ zu unserem gegenwärtigen Zustand, und nicht absolut in Bezug auf die gesamten Anforderungen unserer Natur. Der Christ ist mit seinen Vorräten als Pilger zufrieden. Mit der Welt als Heimat zufrieden zu sein, ist sündhaft. Sie ist gut genug als ein Land zum Reisen, aber ich erwarte etwas Besseres.
III. DIE ART UND WEISE, WIE SIE GEPFLEGT WERDEN SOLL. 1. Lasst uns bedenken, dass, was auch immer unsere Umstände sind, sie die Anordnung der Vorsehung Gottes sind, der ein souveränes Recht hat, über uns zu verfügen. „Lass die Scherben mit den Scherben der Erde streiten, aber wehe dem, der mit seinem Schöpfer streitet.“ 2. Es ist notwendig, dass wir uns angewöhnen, sowohl die günstige als auch die ungünstige Seite zu sehen. Wenn du arm bist, hat Gott dir deine Gesundheit gegeben; wenn er dir zwei deiner Kinder genommen hat, hat er ein drittes verschont; einigen deiner Nachbarn geht es schlechter; im schlimmsten Fall hast du deine Bibel und deinen Heiland. 3. Angenommen, unser ganzes Leben wäre Trübsal, so würden wir doch Schlimmeres verdienen. 4. Gott plant unseren Vorteil in jedem Unglück. Die christliche Hoffnung ist das Geheimnis der christlichen Zufriedenheit. (W. Anderson, LL.D.)
Hilfen zur Zufriedenheit:-
I. BETRACHTUNG. 1. Über die besondere Materie davon. (1) Wer ordnet den Staat, und wie ist er geordnet? (Ps. 31:15). Gott ordnet die Dinge a) unwiderstehlich (Jes. 43:13; Pred. 8:3; Eph. 1:11); b) gerecht (1. Mose 18:25; Ps. 145:17; Offb. 15:3); c) weise (Ps. 104:24); d) gnädig (Ps. 25:10). (2) Der Zustand selbst. (a) Er ist gemischt – das Gute mehr als das Böse; das Böse ist unsere Wüste und das Gute der Gnade. b) Er ist allgemein (1. Kor. 10,13; 1. Petr. 5,9). (c) Es gehört zu diesem gegenwärtigen Leben, das nur eine Pilgerreise ist. (d) Es könnte schlimmer sein. (3) Der Zustand der Genügsamkeit. (a) Es ist eine gnädige Haltung. (b) Es ist ein Zustand, der Gott höchst angenehm ist. (c) Es ist ein Zustand, der für uns selbst sehr vorteilhaft ist. Sie erfüllt uns mit Trost, macht uns fit für die Pflicht, verschafft uns die Gnade, die wir uns wünschen, oder etwas Besseres, versüßt jeden Kelch. Wohingegen Unzufriedenheit ein trauriger Eingang zur Sünde ist; eine Vorbereitung zu allen Versuchungen; beraubt das Glück; setzt es dem Gericht aus (Ps 106,24-27; 1Kor 10,10). 2. Von besonderen Fällen, in denen Rücksicht zu nehmen ist, um Zufriedenheit zu erlangen. (1) Niedrigkeit des Vermögens. Liegt extreme Armut vor? Dann bedenke: (a) Der Herr macht arm und reich (1. Sam. 2,7). (b) Niemand ist so arm, der nicht mehr hat, als er verdient. (c) Bis jetzt hat der Herr für uns gesorgt, und wenn wir ihm vertrauen, wird er immer noch für uns sorgen (Psalm 73,3; Matthäus 6,25; Hebräer 13,5). (d) Ein wenig mit Gottes Segen wird weit gehen und gut tun (2. Mose 23,25; 1. Könige 17,12). (e) Das Wenige des Heiligen ist besser als das Ganze des Sünders (Spr 15,16; Ps 37,16). (f) Niemand kann Gottes Liebe oder Hass nach diesen Dingen beurteilen (Pred. 9:1; Mt. 8:20; 2. Kor. 8:9). (g) Gott hält dich in irdischen Dingen gering, aber wie ist es mit dir in höheren und besseren Dingen (Offb. 2,9; Jak. 2,5; 1. Tim. 6,18; Lk. 12,21). (h) Du denkst, Gott ist knapp mit dir in zeitlichen Dingen, aber ist er nicht überreichlich gnädig in geistlichen Dingen? (2) Es gibt einige, mit denen es viel besser ist. Bedenke in deinem Fall: (a) Wie groß die Sünde der Unzufriedenheit bei dir ist, mehr als bei den Personen, von denen vorher die Rede war. (b) Wie dankbar würden viele sein, wenn sie in deiner Lage wären. (c) Christen sollen ihre Begierden an die Dinge unter der Erde binden (Jer. 45,5; 1. Tim. 6,8; Mt. 6,11). (d) Ein wenig genügt der Natur, weniger der Gnade; aber die Begierde wird nie befriedigt. (e) Ein großes Anwesen ist nicht das beste Anwesen (Spr 30,8) für die Pflicht (Prediger 5,13); für die Sicherheit – je höher das Gebäude, desto gefährdeter; für den Komfort. (f) Der Zufriedene ist nie arm, mag er noch so wenig haben; der Unzufriedene ist nie reich, mag er noch so viel haben. (g) Was sind irdische Schätze, dass wir nach ihnen gierig sein sollten? (1. Tim. 6:17; Spr. 23:5). (h) Je weniger wir haben, desto weniger werden wir zu verantworten haben. (3) Es gibt Menschen, die verloren haben, was sie hatten. Bedenken Sie: (a) Gottes Hand ist im Verlust (Hiob 1,21). (b) Etwas ist weg, aber möglicherweise ist nicht alles verloren. (c) Haben Sie sie wirklich gebraucht? (1. Petr. 1,6). (d) Angenommen, alles ist verloren, dann ist es wenig (1. Korinther 7,31). (e) Wenn du ein Kind Gottes bist, ist das Beste sicher. 3. Die Art und Weise, wie die Rücksichtnahme gehandhabt werden soll. Sie muss sein: (1) Häufig. (2) Zügig. (3) Ernsthaft.
II. GÖTTLICHKEIT. Dies erzeugt Zufriedenheit. 1. Sie richtet die verschiedenen Fähigkeiten der Seele auf. (1) Sie richtet den Verstand auf, indem sie die natürliche Finsternis vertreibt und ein erlösendes Licht aufrichtet. (2) Sie richtet den Willen auf, indem sie ihn dazu bringt, dem Willen Gottes zu entsprechen. (3) Sie richtet die Gefühle auf, indem sie ihre Unmäßigkeit gegenüber irdischen Dingen beseitigt und sie in wahren Grenzen hält. (4) Sie macht das Gewissen gut (Spr 15,15). 2. Sie macht den Menschen zu einem starken Sinn für Gottes Herrlichkeit, so dass er immer in ihr als seinem höchsten und wünschenswertesten Gut ruht. 3. In der allgemeinen Gewohnheit der Gnade gibt es besondere Gnaden, die die Genügsamkeit fördern. (1) Demut. (2) Glaube. (3) Beharrlichkeit. (4) Himmlische Gesinnung. (5) Selbstverleugnung.
III. GEBET. Hiervon hängen die beiden anderen ab. Es fördert die Zufriedenheit. 1. Weil es dem Geist in der Not Luft verschafft. 2. Weil es Gnade und Kraft von Gott erhält. (T. Jacomb, D.D.)
Lernen, zufrieden zu sein: – Diese Worte bedeuten, wie man Zufriedenheit erlangen kann. Sie ist keine uns angeborene Begabung, sondern ein Produkt der Disziplin – „ich habe gelernt“. Es war eine Frage von Plato, ob Tugend erlernt werden kann. Der heilige Paulus löst sie eindeutig durch das Zeugnis seiner Erfahrung. Sie erfordert jedoch große Entschlossenheit und Fleiß bei der Überwindung unserer Begierden; daher ist sie eine Kunst, die nur wenige studieren.
I. GEGEN GOTT können wir in Betracht ziehen, dass die Gerechtigkeit verlangt, die Dankbarkeit fordert und die Vernunft gebietet, dass wir zufrieden sein sollen; oder dass wir uns, wenn wir unzufrieden sind, unwürdig und unwürdig verhalten, sehr ungerecht, undankbar und töricht gegen Ihn sind. 1. Der Punkt der Gerechtigkeit betrachtet, nach der Regel des Evangeliums: „Ist es mir nicht erlaubt, mit dem Meinen zu tun, was ich will?“ 2. Der Punkt der Dankbarkeit, da wir kein Recht oder Anrecht auf irgendetwas haben; alles, was wir haben, kommt aus Gottes reiner Freigebigkeit und ist zu unserem Wohl bestimmt. 3. Die der Vernunft, weil es am vernünftigsten ist, Gottes Entscheidung über unser Vermögen zu akzeptieren, da er unendlich weiser ist als wir, uns besser liebt als wir uns selbst und das Recht hat, über uns zu verfügen, wie es ihm gefällt.
II. IN BEZUG AUF UNS SELBST können wir viel Grund zur Zufriedenheit feststellen. 1. Als Menschen und Geschöpfe sind wir von Natur aus arm und ohnmächtig; wir haben keinen gerechten Anspruch auf irgendetwas, noch können wir irgendetwas durch unsere eigene Kraft erhalten. Deshalb ist das Wenige, was uns zugestanden wird, kein Unrecht und kein Grund zur Klage. 2. Und in moralischer Hinsicht haben wir noch weniger. (1) Als Sünder sind wir dem Zorn verhaßt und sollten uns daher über nichts beklagen. (2) Wir sind Gottes Diener, und soll ein einfacher Diener oder Sklave sich anmaßen, seinen Platz zu wählen oder seinen Rang in der Familie zu bestimmen? Ist es nicht angebracht, dass diese Dinge dem Ermessen und dem Wohlgefallen des Meisters überlassen werden? (3) Nochmals, wenn wir uns als Kinder Gottes durch Geburt und Natur oder durch Adoption und Gnade betrachten, wie können wir dann mit irgendetwas unzufrieden sein?
III. WENN WIR UNSEREN ZUSTAND betrachten, wie auch immer er sein mag, können wir keinen vernünftigen Grund für Unzufriedenheit haben. 1. Unser Zustand kann, wenn er richtig betrachtet und gut verwaltet wird, nicht unerträglich sein. Der Mangel an manchen Dingen wird durch andere Genüsse ausgeglichen. Wenn wir einige Dinge hoch schätzen, so ist es kein Wunder, dass unser Zustand unangenehm ist, wenn sie uns fehlen; und wenn wir andere für mächtige Übel halten, so können wir, wenn sie über uns kommen, kaum entgehen, dass wir unzufrieden sind; aber wenn wir alle Dinge nach den Geboten der wahren Vernunft einschätzen, so werden wir finden, dass weder das Fehlen des einen noch das Vorhandensein des anderen beklagenswert ist. 1) Nehmen wir die Armut, d.h. das Fehlen einiger überflüssiger Dinge, die eher unsere Phantasie erfreuen als unser Bedürfnis befriedigen, und ohne die die Natur leicht zufrieden zu stellen ist. (2) Nimm den Fall, der von der Ehre in die Verachtung gefallen ist; das kann nur eine Änderung in der Meinung der Leichtsinnigen sein, das Zerplatzen einer Seifenblase, die Veränderung des Windes. (3) Nimm den, der verleumdet wird; ist nicht jeder Mensch dem unterworfen? und der größte und weiseste dem am meisten ausgesetzt? Oder ist dein Vorwurf gerecht? Dann verbessere diesen Umgang und mache ihn heilsam. (4) Nimm den, der in seinen Unternehmungen enttäuscht und gekreuzt ist. Warum bist du in dieser Hinsicht beunruhigt? Hast du viel Erwartung auf Ungewissheit aufgebaut? Hast du nicht die Möglichkeit vorausgesehen, dass dein Vorhaben scheitern könnte? Und wenn ja, warum bist du nicht bereit, das Geschehene anzunehmen? (5) Nimm einen, der von seinen Freunden mit Unfreundlichkeit und Undankbarkeit konfrontiert wurde. Solches Fehlverhalten ist aber mehr ihr Unglück als unseres. Der Verlust von schlechten Freunden ist kein Schaden, sondern ein Vorteil. (6) Nehmen wir den, der den Tod von Freunden betrauert. Kann er denn seinen besten Freund verlieren? Es ist auch nicht der Verlust, den er beklagt, sondern nur die Trennung für eine kurze Zeit. Er ist nur weg, als wenn er eine kleine Reise tut. Aber…(7) Es mag uns vielleicht missfallen, dass der Lauf dieser Welt nicht richtig oder nach unserem Sinn verläuft; dass die Gerechtigkeit nicht gut verteilt wird, die Tugend nicht gebührend berücksichtigt, der Fleiß nicht ausreichend belohnt wird; aber Gunst, Parteilichkeit, Plattheit, List und Korruption tragen alles vor sich her. Doch warum sollte dir das missfallen? Bist du schuldig, dazu beizutragen? dann ändere es selbst; wenn nicht, dann ertrage es; denn so ist es immer gewesen, und so wird es immer sein. Und doch ist Gott beauftragt, für uns zu sorgen. Gott beobachtet diesen Lauf der Dinge, und doch lässt er ihn zu. Aber er hat ein Gericht für das Jenseits bestimmt. 2. Wie es hier keinen Zustand gibt, der vollkommen und rein gut ist, so gibt es auch keinen, der so durch und durch schlecht ist, dass er nicht etwas Angenehmes und Bequemes in sich hätte. Selten oder nie verlassen alle guten Dinge einen Menschen auf einmal, und in jedem Zustand gibt es einen gewissen Ausgleich für das Böse. Wir sollten uns nicht über kleine Unannehmlichkeiten aufregen und die Vorteile übersehen. Das hindert uns daran, in allen anderen Dingen Zufriedenheit zu ernten. 3. Ist unser Zustand so extrem schlecht, dass er nicht schlimmer sein könnte? Sicherlich nicht. Gottes Vorsehung wird es nicht zulassen. Es gibt immer Hilfen gegen Extreme – unser eigener Verstand und Fleiß; das Mitleid und die Hilfe anderer. Wenn alles vorbei ist, dürfen wir den unschätzbaren Segen eines guten Gewissens bewahren, auf Gott hoffen und seine Gunst genießen. Warum sind wir dann unzufrieden? 4. Dann betrachte den Nutzen des Unglücks – die Schule der Weisheit, den läuternden Ofen der Seele, Gottes Methode, Sünder zurückzufordern, die Vorbereitung auf den Himmel. Wer wurde jemals groß oder weise oder gut ohne Widrigkeiten. 5. Was auch immer unser Zustand sein mag, er kann nicht von Dauer sein. Die Hoffnung liegt auf dem Grund des schlimmsten Zustandes, der sein kann. „Sorgt nicht für den morgigen Tag.“ Beachten Sie die Verheißungen, dass keiner, der auf Gott hofft, enttäuscht wird. Und dann wird der Tod alles beenden und der Himmel für alle irdischen Übel entschädigen.
IV. BETRACHTEN WIR DIE WELT UND DEN ALLGEMEINEN ZUSTAND DER MENSCHEN HIER. 1. Betrachte die Welt, wie sie im Allgemeinen von den Menschen verwaltet wird. Bist du unzufrieden, dass du darin nicht gedeihst? Wenn du weise bist, wirst du dich nicht grämen, denn vielleicht hast du weder die Fähigkeit noch die Veranlagung dazu. Diese Welt ist für Weltlinge. 2. Wir sind in der Tat sehr geneigt, zu den wenigen aufzublicken, die uns an vermeintlichen Vorteilen des Lebens zu übertreffen scheinen, und uns über ihr Glück zu beklagen; aber selten werfen wir unsere Augen auf die zahllosen guten Menschen herab, die in allen Arten von Unterkünften unter uns liegen; während wir, wenn wir den Fall der meisten Menschen betrachten würden, reichlich Grund sehen würden, mit unserem eigenen zufrieden zu sein. 3. Wenn wir sogar darauf achten würden, unseren Zustand mit dem der Menschen zu vergleichen, die wir am meisten bewundern und beneiden, würde uns das oft Trost und Zufriedenheit geben. 4. Es kann uns dazu bringen, zufrieden zu sein, wenn wir bedenken, was gemeinhin das Los der guten Menschen in der Welt gewesen ist. In der Heiligen Schrift wird kaum eine Person erwähnt, die sich durch Güte auszeichnete und die nicht auch Not und Bedrängnis zu spüren bekam – sogar unser Herr. Haben denn alle diese, „deren die Welt nicht würdig war“, alle Arten von Unannehmlichkeiten erlitten, indem sie „arm, geplagt, gequält“ waren; und sollen wir es verachten oder bereuen, in solcher Gesellschaft zu sein?
V. BETRACHTE DIE ART DER PFLICHT SELBST. 1. Sie ist das souveräne Heilmittel für alle Armut und Leiden; sie beseitigt sie oder mildert das Unheil, das sie uns zufügen können. 2. Ihr Glück ist besser als jedes, das aus weltlichem Wohlstand entsteht. Die Befriedigung, die aus vernünftiger Zufriedenheit und tugendhafter Gesinnung entspringt, ist edler, solider und dauerhafter, als jede Frucht weltlicher Güter es sein kann. 3. 3. Zufriedenheit ist der beste Weg, unseren Zustand zu verbessern, uns zu veranlassen, Vorteile zu nutzen, wenn sie auftreten, und Gottes Segen zu sichern (Isaac Barrow, D.D.) Die beste Lektion (Kinderpredigt): Die Welt ist eine Schule, und wir müssen unsere Lektionen in ihr lernen. Die beste Lektion, die wir lernen können, ist Zufriedenheit.
I. WARUM ES DIE BESTE LEKTION IST. 1. Weil sie diejenigen, die sie lernen, glücklich macht. Nichts auf der Welt kann einen unzufriedenen Menschen glücklich machen. Es war einmal ein Junge, der wollte nur eine Murmel; als er die Murmel hatte, wollte er nur einen Ball; als er einen Ball hatte, wollte er nur einen Kreisel; als er einen Kreisel hatte, wollte er nur einen Drachen; und als er Murmel, Ball, Kreisel und Drachen hatte, war er nicht glücklich. Es war einmal ein Mann, der wollte nur Geld; als er Geld hatte, wollte er nur ein Haus; als er ein Haus hatte, wollte er nur Land; als er Land hatte, wollte er nur eine Kutsche; aber als er Geld, Haus, Land und Kutsche hatte, wollte er mehr denn je. Ich erinnere mich, als ich ein Junge war, las ich eine Fabel über eine Maus, die mit einem Sieb zu einer Quelle ging, um etwas Wasser hineinzutragen. Er tauchte das Sieb in das Wasser, aber sobald er es anhob, lief natürlich das ganze Wasser durch. Er versuchte es wieder und wieder, aber immer noch blieb kein Wasser im Sieb. Die arme Maus hatte nicht genug Verstand, um zu wissen, wo das Problem lag. Sie dachte nicht an die Löcher im Sieb. Die Fabel besagt, dass, während die Maus noch vergeblich versuchte, etwas Wasser in das Sieb zu bekommen, um es nach Hause zu tragen, ein kleiner Vogel kam und sich auf einen Ast des Baumes setzte, der in der Nähe der Quelle wuchs. Er sah den Ärger, in dem die arme Maus steckte, und sang ihr freundlicherweise einen kleinen Rat in diesen einfachen Worten vor:
„Stopfe es mit Moos und schmiere es mit Lehm, dann kannst du alles wegtragen.“

The Biblical Illustrator: Philipper

Tag der Arbeit

noch haben wir von jemand Brot umsonst gegessen, sondern wir haben mit Mühe und Beschwerde Nacht und Tag gearbeitet, um nicht jemand von euch beschwerlich zu fallen.
Elberfelder Bibel 1905 – 2 Thessalonich 3,8

wir ließen uns von niemand unser Brot schenken; wir haben vielmehr bei Tag und Nacht schwer gearbeitet, um keinem einzigen aus euch zur Last zu fallen. …Nun hören wir doch, daß einige bei euch ein ungeordnetes Leben führen und nichts schaffen, sondern nur geschäftig tun.
Grünewald – 2 Thess 3,8.11

Auch haben wir nicht jemandes Brot umsonst gegessen, sondern mit Mühe und Beschwerde Tag und Nacht gearbeitet, um keinem unter euch beschwerlich zu werden; Apg 20,33.34; 1Thess 2,9.10; 2Kor 11,7f.
Weil wir hören, daß etliche unter euch unordentlich wandeln, nicht arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben. Röm 1,24; 1Tim 5,13; Spr 12,11.
Tafelbibel – 2 Thess 3,8.11

Haben wir jemals geschnorrt und uns auf Kosten anderer durchgeschlagen? Null! Wir haben geschuftet wie blöd, tagsüber und im Nachtdienst haben wir gearbeitet, nur um niemandem auf der Tasche zu liegen. … Jetzt haben wir aber gehört, dass es ein paar Leute bei euch gibt, die wie Penner leben, nicht arbeiten wollen und auch sonst nur Dünnsinn im Kopf haben.
VolxBibel – 2 Thess 3,8.11

Warum hat Paulus hart gearbeitet? War er nicht ein ausgebildeter Schriftgelehrter? Nun, alle jüdischen Rabbis arbeiteten ja weiter! Lehrer des Wortes war in Jehovahs Volk immer ein „Nebenjob“ oder wie bei den Propheten ein „Freizeitspaß“.
Aber die Thessalonicher sahen dies anders, denn diese waren es von ihren nichtchristlichen Lehrern gewohnt, durch den Zuhörer bezahlt zu werden.
Aber warum sollte jemand, der die gute Botschaft, dass Jesus Christus für deine und meine Sünden gestorben ist, und nun aufererweckt neben dem Vater im Himmel ist, etwas bezahlt werden? Sollten wir unser Glück nicht unentgeltlich mit allen Menschen teilen? Haben wir den diese gute Botschaft bezahlen müssen?
Ja, Paulus predigte das Wort Gottes – und arbeitete 6 Tage die Woche mit einem „Knochenjob“ indem er als Zeltmacher arbeitete – ein Job der sehr unbeliebt war, weil das Gerben der Felle sehr unangenehm stinkt.

Paulus erinnert die Heiligen an sein eigenes Leben unter ihnen, das ein Vorbild von einem ordentlichen Lebenswandel war. Dadurch hatte er seine eigenen Belehrungen selbst praktiziert. Um für den einfachsten Gläubigen ein Vorbild zu sein, lehnte er vorübergehende Hilfe von diesen Gläubigen ab. Als Diener des Herrn hatte er „das Recht“ auf diese Hilfe (1 Korinther 9,7–14). Aber zu ihren Gunsten verzichtete er auf sein Recht und arbeitete „mit Mühe und Beschwerde“, Tag und Nacht, für seine Belange. So wurde sein Leben ein Beispiel für alle und eine Zurechtweisung für die, die nicht arbeiten wollten. Der Feind konnte diese Heiligen offensichtlich nicht der Wahrheit über das Kommen des Herrn berauben und versuchte daher, sie zu einem Missbrauch der Wahrheit zu verleiten. So schaffte er es anscheinend, dass einige ihre reguläre Arbeit unter dem Vorwand der kurz bevorstehenden Ankunft des Herrn aufgaben.
„Denn auch als wir bei euch waren, geboten wir euch dieses: Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen. Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nichts arbeiten, sondern fremde Dinge treiben“ (3,10–11).
Bei seinem Besuch hatte der Apostel sie schon vor unordentlichem Lebenswandel gewarnt: Wenn jemand nicht arbeiten wollte, sollte er auch nicht essen. Trotz des Vorbildes seines eigenen Lebens und trotz seiner Warnung gab es einige, die nicht arbeiteten wollten und sich in die Angelegenheiten anderer Leute einmischten. Ihr Leben war gekennzeichnet durch unordentlichen Wandel, Unwilligkeit zu arbeiten und unnützes Gerede. Von solchen sollen wir uns zurückziehen. Jemand hat gesagt: „Dumme Schwätzer werden ermuntert durch dumme Zuhörer, und unverdientes Brot müssen die finden, die bereit sind, dafür zu bezahlen.“ Unnützes Geschwätz würde schnell aufhören, wenn da keine törichten Ohren wären, um zuzuhören.
„Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie im Herrn Jesus Christus, dass sie, in der Stille arbeitend, ihr eigenes Brot essen“ (3,12).
Nachdem der Apostel den Brüdern Anweisungen im Umgang mit Unordentlichen gegeben hat, wendet er sich jetzt direkt an die Letzteren. Er ermahnt sie eindringlich, im Namen des Herrn Jesus, in der Stille zu arbeiten und ihr eigenes Brot zu essen.
„Ihr aber, Brüder, ermattet nicht, Gutes zu tun“ (3,13).
Bei unordentlich wandelnden Menschen müssen wir achtgeben, nicht ungeduldig und mutlos zu werden im Gutestun. Die Gefahr besteht, dass wir durch die ständigen Anstrengungen den unordentlichen Menschen gegenüber entweder abgestumpft werden oder aber hart mit ihnen umgehen.
„Wenn aber jemand unserem Wort durch den Brief nicht gehorcht, den bezeichnet und habt keinen Umgang mit ihm, damit er beschämt werde; und erachtet ihn nicht als einen Feind, sondern weist ihn zurecht als einen Bruder“ (3,14.15).
Missachtet dieser undisziplinierte Mensch weiterhin die Anweisungen des Apostels, dann sollen wir uns von ihm distanzieren und keinen Umgang mit ihm haben, damit er beschämt werde. Doch gleichzeitig werden wir ermahnt, ihn nicht als einen Feind zu betrachten, sondern ihn als einen Bruder zurechtzuweisen. Wir sollen uns vor dem Geist der Pharisäer hüten. Wenn wir auch für eine Zeit keinen Umgang mit ihm haben können, müssen wir doch in brüderlicher Liebe handeln.
„Er selbst aber, der Herr des Friedens, gebe euch den Frieden allezeit auf alle Weise! Der Herr sei mit euch allen!“ (3,16).
Zum Schluss befiehlt der Apostel sie dem Herrn des Friedens an. Paulus kann uns unter der Leitung des Herrn unterweisen, aber allein der Herr selbst kann den Heiligen allezeit und auf alle Weise Frieden verleihen. Unordentlicher Wandel kann Störungen und Konflikte unter den Gläubigen auslösen. Der Herr des Friedens aber kann den göttlichen Frieden in diese Gemeinschaft bringen, den Frieden, den er bald in seinem Reich einführen wird. Wo der Friede des Herrn regiert, da wird auch der Herr selbst zugegen sein. Daher schließt der Apostel mit dem Wunsch, dass der Herr selbst mit allen sei.

Hamilton Smith – Auslegung über die Briefe an die Thessalonicher

Das Vertrauen des Paulus zu Gott, dass Gott die Thessalonicher befestigen und bewahren wird. (3,3.5)
f. Das Vertrauen des Paulus zu den Thessalonichern, dass sie tun werden, was Paulus gebietet. (3,4)
(1) Ordentlichkeit und ordentliche Arbeit – 3,6-15
a. Mit den Unordentlichen sollte keine Gemeinschaft gepflegt werden (3,6.14-15).
Warum? Diese wollen nicht arbeiten und erwarten Hilfe von anderen, obwohl sie selbst nur unnütze Dinge treiben (3,11). Paulus schreibt im Epheserbrief einen der wichtigsten Gründe, warum jeder arbeiten soll:
Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. (Eph 4,28)
b. Beispiel der Arbeit des Paulus (3,7-9)
Vergleichen Sie 1 Thess 2,9; Apg 18,3; 1 Kor 4,12; 9,6
c. Das Prinzip: Wenn jemand nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. (3,10)
d. Die eigentliche Ermahnung für diejenigen, die nicht arbeiten wollen. (3,11-13)

ERF – Bibelkunde Neues Testament Teil II

Das Wort „Unordentliche“ bedeutet vom Grundtext her „ohne Ordnung“. Es kommt außer in unserer Schriftstelle noch dreimal in dem Abschnitt 2 Thessalonicher 3,6-15 vor. Die kurzzeitliche Aufeinanderfolge der beiden Briefe an die Thessalonicher, verbunden mit ihrem engen Zusammenhang, gibt uns sicher die Berechtigung, aus diesem Abschnitt zu schließen, welches damals die Kennzeichen der Unordentlichen waren und auch heute noch sind.
Paulus mußte den Thessalonichern schreiben: „Denn wir hören, daß etliche unter euch unordentlich wandeln, indem sie nichts arbeiten, sondern fremde Dinge treiben“ (2 Thessalonicher 3,11). Dieses schädliche Verhalten hatte sich schon früh angebahnt, hatte der Apostel ihnen doch schon geboten und sie dann auch ermahnt, ihre „eigenen Geschäfte zu tun“ und mit ihren „eigenen Händen zu arbeiten“ (1 Thessalonicher 4,11). Der Apostel war ihnen darin ein gutes Vorbild gewesen (2 Thessalonicher 3,7-9) und erst recht der Herr Jesus, der „nicht gekommen“ war, „um bedient zu werden, sondern um zu dienen“ (Mk 10,45). Die „Unordentlichen“ schienen auf der einen Seite auf Kosten des Fleißes anderer Geschwister, vielleicht gerade auch derer, die in besonderer Weise unter ihnen arbeiteten (1 Thessalonicher 5,12), nicht zu arbeiten, auf der anderen Seite aber „fremde Dinge“ zu treiben, indem sie sich unzulässigerweise in die Angelegenheiten anderer, und auch hier wohl wieder besonders solcher, die ihnen im Herrn vorstanden (1 Thessalonicher 5,12), einmischten.
Es war nicht, wie man bisweilen hört, die lebendige Erwartung des Kommens des Herrn, die den unordentlichen Wandel herbeiführte (vgl. 1 Johannes 3,3), sondern eher der die Thessalonicher auf Grund der Mitteilungen falscher Lehren so sehr erschreckende Gedanke, „als ob der Tag des Herrn da wäre“ (2 Thessalonicher 2,1-3).
„Weiset die Unordentlichen zurecht“. Das zugrundeliegende griechische Wort bedeutet „jemand etwas in den Sinn hineinbringen“. Außerhalb der Briefe an die Thessalonicher (wo das Wort noch in 1 Thessalonicher 5,12 und 2 Thessalonicher 3,15 vorkommt) wird es sogar mit „ermahnen“ übersetzt. Es geht also (anders als bei „ermahnen“ am Anfang unseres Verses) um ein eindringliches Ermahnen. Dabei sollte aber nicht vergessen werden: „Und achtet ihn nicht als einen Feind, sondern weiset ihn zurecht als einen Bruder“ (2 Thessalonicher 3,15).
Erkennen wir nicht, wie gerade aus dem Wandel Unordentlicher Gefahren für die Gemeinschaft untereinander entstehen können? Befolgen wir daher doch in Treue und in der rechten Weise die uns gegebene Ermahnung. Lassen wir uns aber, so es nötig ist, auch zurechtweisen. Wenn das so bei uns gefunden würde, welche wohltuende Ordnung und welcher Friede untereinander würden dann zur Ehre des Herrn Jesus und zu unserem eigenen Nutzen unter uns gefunden werden! Wie würde dann auch der Weg frei für andere Aufgaben in der Nachfolge des Herrn!

Ermunterung und Ermahnung 1988

Der Apostel stellt Arbeit und Unordnung einander gegenüber: «Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nichts arbeiten, sondern fremde Dinge treiben» (2 Thessalonicher 3,11). «Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen», ein Grundsatz, den auch der Kommunismus für seine eigenen Zwecke übernommen hat, (was kann man der Bibel nicht alles entnehmen!); unter der Feder des Apostels hat dieses Wort den Sinn: Wer zu einer Arbeit fähig ist, hat kein Recht zu essen, wenn er die entsprechende Tätigkeit vernachlässigt.
Was ist denn, nach unseren Schriftstellen, der Zweck der Arbeit?
Zunächst arbeiten wir, «um niemandem … beschwerlich zu fallen»; der Apostel ist uns hierin ein Vorbild; es gilt, «sein eigenes Brot zu essen», für seine eigenen Bedürfnisse zu sorgen, sofern man dies kann und gesund ist. Der Ehemann hat auch seine Gattin zu «nähren» (Eph 5,29); wer eine Familie hat, ist gehalten, für alles zu sorgen, wessen sie nötig hat: «Wenn aber jemand für die Seinen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger» (1 Timotheus 5,8) – eine ausserordentlich ernste Ermahnung. Gibt es Witwen in der Familie, so haben die Kinder die Verpflichtung, besonders wenn die verwitwete Mutter nicht mehr für ihre eigenen Bedürfnisse aufkommen kann, «den Eltern Gleiches zu vergelten» (1 Timotheus 5,4). Der Apostel fügt hinzu: «Wenn ein Gläubiger oder eine Gläubige Witwen hat, so leiste er ihnen Hilfe, und die Versammlung werde nicht belastet» (Vers 16).
Für einen jungen Mann ist es der normale Weg, dass er sich durch eine Lehre oder durch Studium für einen Beruf vorbereitet, damit er selbst für seine Bedürfnisse sorgen kann. Begehrt er ein eigenes Heim zu gründen, so sagt ihm Sprüche 24,27: «Besorge draussen deine Arbeit und bestelle sie dir auf dem Feld; danach magst du dann dein Haus bauen.» Das tönt nicht sehr «modern», aber es ist die grundlegende Belehrung der Schrift, wenn die Umstände auch unendlich verschieden sein mögen, und der Herr den einen oder anderen der Seinen in besondere Lagen bringen kann.
Nach 1 Thessalonicher 4,12 hat die Arbeit einen doppelten Zweck: Sie setzt uns in die Lage, «niemand nötig zu haben», was sich mit dem soeben Gesagten deckt. Ferner hilft sie uns, «ehrbar zu wandeln vor denen, die draussen sind», ein Zeugnis, das der Christ in dieser Welt ablegen soll.
Müssiggang führt zu Unordnung. In 1 Timotheus 5,13 wird die jüngere Witwe vor dieser Gefahr gewarnt: Sie soll nicht in den Häusern umherlaufen, nicht müssig und geschwätzig sein, sich nicht um Dinge kümmern, die sie nichts angehen und Dinge sagen, die sich nicht gehören. Die Arbeit auferlegt uns eine persönliche Disziplin; sie lehrt uns Pünktlichkeit methodisches Ausnützen der Zeit und Ausharren. Ein Christ, der nachlässig arbeitet, ohne triftigen Grund am Arbeitsort fehlt oder über alles und alle seufzt, ist kein gutes Zeugnis.
Die Arbeit, der sich jeder widmen wird, ist sehr verschiedenartig. Wie wichtig ist es da, vor dem Eintritt in einen Beruf mit dem Herrn zu tun zu haben, um den Weg zu erkennen, auf dem Er uns wandeln sehen will. Hat man einmal einen Beruf ergriffen, ist es oft schwer, ihn zu wechseln. Für die jungen Christinnen stellt sich ein Problem. Nach dem soeben Gesagten ist es auch für eine unverheiratete Frau normal, dass sie sich für eine bestimmte Beschäftigung ausbildet – vor allem für eine solche, wo sie christliche Liebe und christlichen Einfluss entfalten kann – und so für ihre eigenen Bedürfnisse aufkommen kann, es sei denn, dass sie berufen ist, im Rahmen der Familie zu bleiben, um ihrer Mutter zu helfen oder ihre Geschwister zu umsorgen.
Darf eine verheiratete Frau ohne Kinder nach der Bibel auswärts für Lohn arbeiten? Die Schrift macht uns in dieser Beziehung wohl keine wörtlichen Angaben. Zweifellos hat die Gattin ihren ersten Platz in ihrem Heim, um ihrem Gatten die «Hilfe seinesgleichen» zu sein; aber die Zeiten und Umstände ändern sich, und es gibt so manche Gelegenheit, auswärts ein nützliches Amt auszufüllen.
Was aber die Hausmutter anbelangt, ist die Schrift sehr eindeutig. Sie hebt zum Beispiel das gute Zeugnis hervor, das eine Witwe hinterlassen kann:
• «Kinder auferzogen, …
• Fremde beherbergt, …
• der Heiligen Füsse gewaschen, …
• Bedrängten Hilfe geleistet, …
• jedem guten Werk nachgegangen…»
(1 Timotheus 5,10)
Lasst uns auf die Reihenfolge dieser fünf Beschäftigungen achten. Zu allererst soll sie die Kinder auferziehen, sie nicht nach ihrer eigenen Weise wachsen und sich entfalten lassen, sondern sie auf, ziehen «in der Zucht und Ermahnung des Herrn». Sie hat auch das Vorrecht, Gastfreundschaft zu üben und wird dies umso aufmerksamer tun, wenn es sich um die «Heiligen» handelt, denen sie, bildlich gesprochen, «die Füsse wäscht», eine Besorgung, die der Pharisäer (Lukas 7) dem Herrn Jesus gegenüber unterlassen hatte und die, gemäss Johannes 13, auch eine sittliche Bedeutung hat. Die Tätigkeit der Hausfrau überschreitet den Kreis ihres Heims, indem sie auch Bedrängten Hilfe leistet und jedem guten Werk nachgeht. Lasst uns jedoch beachten, dass diese beiden letzten Tätigkeiten erst nach den ersten Beschäftigungen aufgezählt werden: eine christliche Frau darf ihre Kinder nicht vernachlässigen, um sich «Werken» ausserhalb des Hauses zu widmen. Ein solches Programm lässt für eine zusätzliche, auf Verdienst zielende Tätigkeit nicht mehr viel Zeit übrig; aber auch da sind die Verhältnisse äusserst verschieden. Eine Mutter wird vielleicht genötigt sein, an den Haushaltskosten beizusteuern oder mit ihrem Gatten zusammenzuarbeiten; sie wird dabei aber auch «die Vorgänge in ihrem Haus überwachen», damit weder die Kinder noch das Zeugnis darunter zu leiden haben. Wenn wir das sagen, so denken wir auch an unsere Schwestern auf dem Land und an die mühevolle Arbeit, die ihnen oft obliegt, und auch an die Schwestern, deren Gatte nicht gesund genug ist, um allen Bedürfnissen des Haushalts selbst zu entsprechen.
Alle diese Arbeit, die der Apostel empfiehlt, soll sich «in der Stille» vollziehen (1 Thessalonicher 4,11; 2 Thessalonicher 3,12). Das ist in unserer Zeit höchster Anspannung und beschleunigter Entwicklung sehr schwierig zu verwirklichen. Zwei Verse aus den Sprüchen verhelfen uns vielleicht zu einem besseren Verständnis der Bedeutung dieser «Stille». Damit ist nicht ein Nachlassen in der Anstrengung gemeint; in Sprüche 22,29 wird der «gewandte» Mann gelobt. Gewandtheit heisst aber nicht gewinnsüchtig: «Bemühe dich nicht, reich zu werden» (Spr 23,4). Nicht das Streben, unter allen Umständen vorwärts zu kommen und etwas zu erreichen, soll uns kennzeichnen, sondern Sorgfalt und Aufmerksamkeit in der täglichen Arbeit. An den Landwirt gerichtet, aber auf alle anwendbar, sagt uns Sprüche 27,23-24: «Kümmere dich gut um das Aussehen deines Kleinviehs, richte deine Aufmerksamkeit auf die Herden. Denn Wohlstand ist nicht ewig; und währt eine Krone von Geschlecht zu Geschlecht?» Mehr als einer hat geglaubt, auf dem von seinem Vater oder Grossvater geerbten Wohlstand in einem Landgut oder einem Familienunternehmen ausruhen zu können und hat aus diesem Grund der Sache nicht die nötige Sorgfalt angedeihen lassen. Ein solcher vergass, dass eine Krone nicht von Geschlecht zu Geschlecht währt!
Kann man die Ermahnung «in der Stille arbeitend» (2 Thessalonicher 3,12) gar als Vorwand benutzen, um die Leistung von Überstunden zu verweigern? Sagt uns der Apostel nicht, er habe Nacht und Tag gearbeitet, um den Unterhalt für sich und seine Begleiter zu bestreiten? (2 Thessalonicher 3,8) Wir werden dabei jedoch nicht vergessen, dass der wöchentliche Ruhetag lange vor dem Gesetz von Gott eingesetzt worden ist. Sind auch wir Christen vom Sabbat zum ersten Tag der Woche, dem Auferstehungstag des Herrn Jesus, übergegangen, so bleibt doch der göttliche Gedanke nicht weniger bestehen; es ist daher sehr infrage zu stellen, ob ein Gläubiger weise handelt, wenn er den Sonntag mit einer irdischen Arbeit ausfüllt, die nicht unumgänglich nötig ist und wozu er nicht durch berufliche Pflicht gezwungen ist.
Wie gut ist es auch, wenn wir uns jedes Jahr einige Wochen für genügende Ferien aufsparen, die Gelegenheit geben, mehr als gewöhnlich zu den Füssen Jesu zu sitzen, um Ihn zu uns reden zu lassen!
Die Arbeit des Christen ist durch die Ermahnung von Kolosser 3,23-24 wunderbar geadelt. Sklavenarbeit war besonders entwürdigend. Der Sklave selbst zog aus ihr keinen Nutzen, keinen Gewinn, und doch sagte ihm der Apostel: «Was irgend ihr tut, arbeitet von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen … ihr dient dem Herrn Christus.» Bei jedem Tagewerk, im Haushalt oder auf dem Land, während der langen Stunden in der Werkstatt oder im Büro … immer soll uns der Satz eingeprägt sein: «Was irgend ihr tut, arbeitet von Herzen als dem Herrn.» Dann wird es weder wildes Drauflosarbeiten noch Gewinnsucht geben; wir werden der uns anvertrauten Aufgabe alle Geschicklichkeit und Sorgfalt widmen. Der Christ arbeitet nicht nur während den erforderlichen Stunden, um seinen Zahltag zu verdienen, sondern hat als Devise: «Ihr dient dem Herrn Christus.»
Die Schrift hebt noch ein anderes Ziel der Arbeit hervor: «Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen etwas zu geben habe» (Eph 4,28). Arbeiten, um aus dem Verdienst weitergeben zu können – an wen war diese Aufforderung gerichtet? An den, der früher gestohlen hatte! Welch eine wunderbare Veränderung bringen doch die Gnade und Neugeburt hervor! Wer früher in Arglist andere ihrer Habe beraubte, wird jetzt mit Freuden von der Frucht seiner eigenen Hände den Bedürftigen weitergeben. Er gleicht nun dem Vorbild des Apostels, der sagen konnte: «Ich habe euch in allem gezeigt, dass man, so arbeitend, sich der Schwachen annehmen … müsse» (Apg 20,35)

Halte fest 1963

Wenn es uns äusserlich gut geht, vergessen wir manchmal, dass Gott es ist, der uns unterhält. Darum muss Er uns zuweilen in schwierige Umstände führen, damit wir uns neu daran erinnern. Diese besonderen Umstände mögen für den Unternehmer ein Mangel an Aufträgen sein, für den Angestellten eine drohende Arbeitslosigkeit und für den Bauern ein zu Viel an Regen oder Sonnenschein. In solchen Situationen wird uns erst recht bewusst, wie sehr wir von Ihm abhängig sind. Die Zusicherung in 1 Timotheus 4,10: «Wir hoffen auf einen lebendigen Gott, der ein Erhalter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen», bekommt dann eine besondere Bedeutung. Doch damit wir allezeit mit seiner Hilfe rechnen können, müssen wir zwei Dinge bedenken.
Zunächst gilt der göttliche Grundsatz: «Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen» (2 Thessalonicher 3,10). Möchten wir uns die Frage stellen, ob wir in der rechten Treue unsere beruflichen Pflichten erfüllen. Wir können nicht die Hände in den Schoss legen und dann mit der Hilfe Gottes rechnen. Er unterhält keine Faulenzer. In Thessalonich machte sich ein solcher Geist breit, so dass Gott ihnen durch den Apostel sagen musste: «Wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nichts arbeiten, sondern fremde Dinge treiben. Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie im Herrn Jesus Christus, dass sie, in der Stille arbeitend, ihr eigenes Brot essen» (2 Thessalonicher 3,11.12).
Zum zweiten lesen wir in Matthäus 6,33: «Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles (Essen und Kleidung) wird euch hinzugefügt werden.» Wenn die Arbeit uns das Wichtigste ist und wir darum das tägliche Lesen des Wortes Gottes, das persönliche Gebet und die Zusammenkünfte der Gläubigen vernachlässigen, werden wir erfahren müssen, dass diese Art Hast nur zum Mangel führt. «Die Gedanken des Fleissigen führen nur zum Überfluss; und jeder, der hastig ist – es ist nur zum Mangel» (Spr 21,5).

Halte fest 1983

Weiter oben in diesem Brief (3,10) erwähnte Paulus einige Dinge, die in ihrem Glauben fehlten, und die er zu korrigieren wünschte. In seinem zweiten Brief (3,10-12) bezieht er sich auf manche, die unordentlich wandelten, überhaupt nichts arbeiteten und fremde Dinge trieben. Er gebietet, daß jemand, der nicht arbeiten will, auch nicht zu essen bekommen soll. Er hatte sie die große Wahrheit vom Kommen des Herrn gelehrt. Einige von ihnen hatten nun wahrscheinlich gedacht, wenn das Kommen des Herrn so unmittelbar bevorsteht, warum sollten wir uns dann noch mit täglicher Arbeit abgeben? Was die Bruderliebe betraf, so zeichnete sich die überwiegende Mehrheit der Versammlung darin aus, aber es gab einige unter ihnen, die das für sich ausnützten. Sie legten mit frommer Miene ihre Hände in den Schoß und erwarteten von ihren Geschwistern, unterstützt zu werden. Das war kein gutes Zeugnis für die Welt. Er ermahnt sie, sich zu beeifern, still zu sein und sich um ihre eigenen Geschäfte zu kümmern und mit ihren Händen zu arbeiten. Dies ist ein Gebot. Moulton und Milligan führen in ihrem Vocabulary of the Greek New Testament aus , daß das Wort »sich beeifern« »sich mit aller Kraft und allem Eifer um etwas bemühen« bedeutet. Es hat den Sinn von »ehrgeizig sein«. So wird es hier auch übersetzt mit »es als Ehrensache ansehen« (Albrecht, GN), »seinen Ehrgeiz dareinsetzen« (Bruns, Wilckens), »eure Ehre dareinsetzen« (Einh, Elberf Fußnote, Jerusalemer, Konkordante, Luther ’84, Rev Elberf, Schlachter, Zink, Zürcher), »seine Ehre darin suchen« (Interlinear, Menge), »danach ringen« (Luther ’12, ’56), »sich eine Ehre daraus machen« (MNT), »Ehrgeiz besitzen« (Rienecker). Das Wort ( philotiméomai, wörtl. »ehr-liebend sein«) kommt sonst nur noch in Röm 15,20; 2.Kor 5,9 vor. »Still sein« ( hêsychazô ) ist das Gegenteil von Unruhe und bedeutet »Ruhe des Geistes, innerer Frieden«. Das Wort wurde verwendet, um Menschen zu beschreiben, die nicht hierund dorthin rennen, sondern zuhause bleiben und sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Die thessalonischen Gläubigen werden ermuntert, ein ruhiges, unaufdringliches, zurückgezogenes Leben zu führen inmitten von Verfolgung und bei ihren täglichen Beschäftigung.
Paulus selbst setzte ein Beispiel durch das Arbeiten mit seinen eigenen Händen, als er in Thessalonich war (2,9). Unser Herr verbrachte den größten Teil Seines irdischen Lebens, indem er mit Seinen eigenen Händen als Zimmermann arbeitete. Dieser Vers verleiht mit Händen verichteter Arbeit große Würde. Die Griechen verachteten Handarbeit und hielten Sklaven, um diese für sie zu erledigen. Aber bei den Juden stand sie in hohem Ansehen; jeder jüdische Junge lernte ein Handwerk ohne Rücksicht auf den Reichtum der Familie. Es gibt nichts Ehrbareres und Empfehlenswerteres als einen Mann, der ein volles Tagewerk leistet, um sich und seine Familie zu ernähren, und der alles darüber hinausgehende Einkommen Gott zur Verfügung stellt für Sein Werk und zur Hilfe der Armen und Bedürftigen. In V. 12 wird knapp und klar zusammengefaßt: »auf daß ihr ehrbarlich wandelt gegen die, welche draußen sind und niemandes (oder ’nichts‘) bedürfet«. Die Welt erkennt und achtet einen ehrbaren Menschen.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Gute Reise!

Wer uns schon eine Weile begleitet, der kennt unser Zelt, dass wir uns in Berlin zugelegt hatten. Wir nutzten es für „Rock Berlin“ dann für den „Hauskreis Weißensee“ – und dann suchten wir eine neue Aufstellmöglichkeit – und sind deshalb nach Allerbüttel gezogen.

Nun haben wir für den „Bibel-Hauskreis“ ein „Obergemacht“ – und deshalb wurde das Zelt letzte Woche Donnerstag verschenkt, an die Christian-Hope-Church Braunschweig. Wir hoffen, dass es dort noch lange gute Dienste bringt!

Jesus ist das Brot des Lebens

Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens: wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nimmermehr dürsten.
Elberfelder 1871 – Johannes 6,35

Ich selbst bin das lebendige Brot. Wer zu mir kommt, wird nie wieder Hunger haben. Wer mir vertraut, wird keinen Durst mehr bekommen, für immer!
VolxBibel – Joh 6,35

ἐγώ betont (A122). ὁ ἄρτος Präd.-Nom. m. Art. hebt die Einzigartigkeit hervor (H-S § 135a; vgl. A80). τῆς ζωῆς Gen. des Zwecks (A162) das Leben gibt/verleiht. ἐρχόμενος Ptz., subst.; ὁ ἐρχόμενος πρὸς ἐμέ jeder, der zu mir kommt (A104,1). οὐ μή m. Aor. Konj. (seltener m. Ind. Fut.) stärkste Verneinung zukünftigen Geschehens (A257). πεινάσῃ Aor. Konj. πεινάω34 hungern, hungrig sein, Hunger leiden. πιστεύων Ptz., subst. (A104,1). διψήσει Fut. διψάω35 Durst haben [Var. διψήσῃ Aor. Konj.]. πώ-ποτε (vgl. A18) je(mals), m. Neg: niemals (B).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Joh 6:34 : Die Hörer deuten das Gesagte auf einer völlig anderen Ebene, als Jesus es gemeint hat (vgl. 4,15 ), deshalb fährt er mit seinen Erklärungen fort. Die Unkenntnis von Gegnern oder Nebenfiguren wurde in den Schriften der Antike (bei Platon , den Rabbinen, in Romanen usw.) oft als Hintergrund benutzt, um ein wichtiges Argument noch klarer herauszuarbeiten.
Joh 6:35-40 : Die jüdischen Exegeten gebrauchten den Begriff Manna häufig als Symbol für geistliche Nahrung, d. h. das Gesetz Gottes oder die Tora / die Weisheit / das Wort. Die Toten sollen »am Jüngsten Tage«, dem Tag des Herrn, an dem Gott die Welt verwandeln und sein ewiges Reich herauffuhren wird, zum ewigen Leben auferweckt werden.
Joh 6:41-43 : Die Menschen verstehen Jesus weiterhin falsch, obwohl er jetzt ganz eindeutig vom ewigen Leben spricht. Ihr »Murren« spielt auf das Murren Israels in der Wüste an.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Bei diesem Wort Jesu – wie bei allen seinen „Ich bin“-Worten – liegt der Ton auf dem gewaltigen „Ich“. Es ist darum in der griechischen Sprache wieder betont hervorgehoben. Jesus will nicht schildern, welchen vielfältigen Reichtum seine Person umschließt und wie er nebem vielem andern auch das Brot des Lebens sei. Nein, wenn Menschen begriffen haben, was dieses eigentliche Brot ist und wie nötig sie es haben, und nun fragen, wo sie es finden können, dann kann Jesus nur antworten: „Dieses gesuchte und unentbehrliche, wunderbare Brot – bin Ich.“ Dieses Brot gibt es nicht abgelöst von Jesus. Er in seiner Person ist dieses Brot. Es ist daher noch nicht zur Stelle in irgend etwas, was mit Jesus zusammenhägen mag, aber doch nicht wirklich er selber ist. Nicht eine noch so zutreffende Lehre über Jesus, nicht ein von ihm eingesetztes Sakrament als solches, auch nicht |200| das Herrenmahl A, „ist“ dieses Brot. Das mächtige „Ich bin das Brot des Lebens“ schließt alles andere aus. Wir müssen Jesus selbst haben, wenn wir dieses Brot des Lebens wirklich haben wollen.
A) Es ist mit dem „Sakrament“ wie mit der „Schrift“: nur wenn es uns hilft, dass wir zu Jesus selbst kommen und das Leben bei ihm empfangen, hat es wahrhaft seinen Dienst getan (vgl. 5,39 f).
Es ist der Beachtung wert, dass die bieden ersten Selbstoffenbarungen Jesu „Wasser“ und „Brot“ nennen. „Wasser und Brot“ ist das unmittelbar Lebensnotwendige, das man haben muss, um überhaupt am Leben zu bleiben. Jesus gibt nicht Luxus, nicht eine schmückende und erfreuende, fromme Zugabe zum Leben, sondern die unentbehrlichen „Lebensmittel“.
Zugleich dürfen wir diese Selbstoffenbarung Jesu im Zusammenhang der ganzen Botschaft der Bibel sehen. Der Mensch war nach dem Sündenfall vom „Baum des Lebens“ und damit vom ewigen Leben abgeschnitten und dem Tode verfallen (1 Mo 5,22-24). Das wird von Gott nun aufgehoben, wenn er das Brot des Lebens aus dem Himmel sendet und dem Menschen anbietet. Die Erfüllung dessen, was nach Offb 2,7 und 22,2 einmal vollendet dastehen wird, hat in Jesus schon jetzt begonnen.
Da das „Brot des Lebens“ in einer Person besteht, vermeidet Jesus für das Aufnehmen des Brotes zunächst noch die naheliegenden Bilder des „Essens“. Er bleibt bei den einfachen und doch alles aussagenden Ausdrücken: „Zu ihm kommen“, „an ihn glauben“. Wer „zu Jesus kommt“, lässt sich selbst los und tritt aus seinem ganzen bisherigen Leben heraus. Und wer „an Jesus glaubt“, vertraut sich ihm völlig an und hat sein Leben nur noch in Jesus. Und nun verspricht Jesus, dass das Brot, „das der Welt Leben gibt“, auf diese Weise wirklich empfangen und gegessen wird und seine Wirkung tut. „Wer zu mir kommt, wird gewiss nicht hungern und wer an mich glaubt, wird gewiss niemals dürsten.“ Jesus versprach es damals den Galiläern mit voller Gewissheit. 1900 Jahre Geschichte seiner Gemeinde haben es erwiesen, wie wahr es ist. Aber nur der kann es erfahren, der wirklich zu Jesus selbst kommt und sich ihm anvertraut.

Wuppertaler Studienbibel

Yeshua verwendet, um die wunderbare Speisung der Fünftausend über sich selbst zu unterrichten. Die Leute fragten: „Wie kann er so etwas tun?“ Yeshua die Diskussion auf eine andere Ebene gehoben, sagte: „Ich bin das Brot, das Leben ist!“ (Johannes 6:35). Das Wunder gezeigt, wer er war. Er behauptete: „Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er für immer leben. Darüber hinaus, dass das Brot gebe ich mein eigenes Fleisch“(6,51). In dieser letzten Unterrichtsstunde mit den Jüngern vor seiner Verhaftung, sagte Yeshua: „Ich bin der wahre Weinstock“ (Johannes 15: 1). Das Lebenselixier der Rebe getrunken am Pessach Seder symbolisiert den Lebensnerv des Messias.
Neben dem Brot und Wein, Yeshua Wasser verwendet zu zeigen, wer er war: „Wer auch immer das Wasser trinkt, werde ich ihm nie wieder durstig sein! Im Gegenteil, eine Quelle des Wassers in ihm das Wasser, das ich ihm geben wird, quillt in der ewige Leben!“(Joh 4,14). „Wer setzt sein Vertrauen in mich, … Ströme lebendigen Wassers aus seinem innersten fließen zu sein!“ (7,38).

Zum Nachdenken

Yeshua gab nicht nur Brot; er war Brot! Er hat nicht nur geben Wein; er war die Rebe, die Quelle des Weines! Er hat nicht nur Wasser geben; er war der Brunnen Wasser.

Segnet den König des Universums

Das Brot des Lebens
Jesus kann satt machen. Das haben weit über 5000 Menschen erlebt (Johannes 6,1-15; die 5000 umfassten ja nur die beteiligten Männer). Am Tag darauf beginnt Jesus ein Gespräch und sagt von sich: „Ich bin das Brot des Lebens“ (Johannes 6,35).Den biblischen Hintergrund dieses Wortes haben zuvor schon die Juden geliefert, mit denen Jesus spricht. Sie erwarten ein weiteres Wunder von Jesus und erinnern daran, dass Mose das Volk Israel in der Wüste ja mit Manna versorgt hat (2. Mose 16). So etwas müsste Jesus doch auch mal hinbekommen! Jesus stellt das richtig: Nicht Mose gab dieses „Brot aus dem Himmel“, sondern Gott. Und dann setzt er fort: Er selbst ist das Brot des Lebens. In seinem Gespräch stellt Jesus zwei Punkte heraus:
Er vergleicht Israel damals mit Gottes Volk heute (zur Zeit von Jesus). Denn er sagt: Nicht Mose hat euch das Manna (aus dem dann Brot gebacken wurde) gegeben, sondern Gott gibt euch das wahrhaftige Brot. „Gibt“ – das ist die Gegenwart. „Euch“ – das sind die, mit denen Jesus redet. Gott handelt nicht nur damals, sondern handelte auch heute noch. Ihr seid Gottes Volk. Gott selbst ist seit jeher der Versorger des Volkes und er ist es noch immer. Er ist treu.
Damals in der Wüste bei Mose reichte das Manna für den Tag. Am nächsten Tag wurde man wieder hungrig. Am Ende dieses irdischen Lebens muss man sterben. Anders ist es bei Jesus. Wer von diesem lebendigen Brot „isst“, hat keinen Hunger mehr und wird ewig leben (Johannes 6,34.49-51).

Was sagt das über Jesus? In Jesus knüpft Gott an das an, was er am alten Israel getan hat – und er überbietet es auf unvergleichliche Weise. Jesus übertrifft alles, was Juden von Mose erwarteten.

Faszination Bibel 1/2019

Wirst du durch Jesus und die Bibel gesättigt? Oder benötigst du eine andere Quelle, um geistig satt zu werden?

Was bedeutet es, Wiedergeboren zu sein?

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem (O. von oben her) geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.
Elberfelder 1871 – Joh 3,3

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von oben her geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. (1) das grW., das gemäss V. 31 u. 19,11 üs. ist: „von oben her“, bed. auch: „von neuem“. Deshalb konnte Nikodemus es missverstehen. Joh 1:13; 1Pe 1:23; 1Jo 3:9
Zürcher 1931 – Johannes 3,3

„Ich sag Ihnen jetzt mal was“, meinte Jesus, „wenn jemand nicht noch mal ganz neu geboren wird, bekommt er kein Ticket für das neue Reich, in dem Gott das Sagen hat.“
VolxBibel – Joh 3,3

ἀπ-ε-κρίθη Aor. Pass. (ohne Pass.-Bdtg.) ἀπο-κρίνομαι. καὶ εἶπεν pleon. (Hebr.; A297,2). τις jemand, einer (B 1aγ); ein Mensch. γεννηθῇ Aor. Konj. Pass. γεννάω. ἄνωθεν von oben her (bes. vom Himmel her); wiederum, von neuem (B 3). ἰδεῖν Aor. Inf. ὁράω.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

WAS BEDEUTET »VON NEUEM GEBOREN WERDEN«?

»Von neuem geboren werden« ist gleichbedeutend mit »erneuert werden« (man bekommt neues Leben). Als der Herr Jesus zu Nikodemus sagte, dass er von neuem geboren werden müsse, sprach er nicht von einer physischen, sondern von einer geistlichen Geburt (Joh 3,4-6). Der Herr Jesus fragte ihn, warum er als Lehrer seines Volkes dies nicht verstehe (Joh 3,10). Die Neugeburt oder Erneuerung des Volkes Israel wurde im Alten Testament gelehrt (Hes 36,26; 37,1-10). Die Befreiung der Geschöpfe aus ihrem sündengeprägten Dasein durch eine Wiedergeburt in der Zukunft war ebenfalls eine wohlbekannte Lehre (Mt 19,28). Nikodemus hatte nicht verstanden, dass das Wort Wiedergeburt auf Menschen zutrifft, die Glieder der göttlichen Familie werden. Von neuem geboren werden ist eine persönliche Erfahrung. Sie bedeutet neues Leben, eine neue familiäre Beziehung, eine neue Kraft von innen. Die Bibel sagt, dass wir in das Reich Gottes eingehen als jemand, der vom Tod zum Leben übergegangen ist (Joh 5,24). Wir gehen über vom Wandel in der Finsternis zum Wandel im Licht (Joh 8,12). Wir gehen über vom Reich Satans in das Reich des Sohnes der Liebe Gottes (Kol 1,13). Wir werden eine neue Schöpfung (2Kor 5,17). Diese neue Schöpfung besteht in Gerechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit (Eph 4,24). Warum muß der natürliche Mensch von neuem geboren werden? Der »natürliche Mensch« bezeichnet den Menschen, wie er geboren ist und im Fleisch lebt, bevor er neues Leben aus Gott bekommt:Er ist böse von Jugend auf (1Mo 8,21). Er hat ein arglistiges Herz (Jer 17,9). In seinem Fleisch wohnt nichts Gutes (Röm 7,18).
Er ist tot in Sünden (Eph 2,1). Nach Gottes Maßstab gibt es bei ihm kein geistliches Leben.
Er ist unter der Herrschaft Satans (Eph 2,2).
Er ist ein Feind Gottes (Röm 5,10). Er hat keine Hoffnung und ist ohne Gott in dieser Welt (Eph 2,12).

Jean Gibson – Training im Christentum}

EINFÜHRUNG

Eine der faszinierenderen Begebenheiten im Leben des Messias war der berühmte Dialog zwischen ihm und Nikodemus. Der Zeitpunkt dieser Begebenheit war früh im Wirken des Messias. Kurz nach seiner Taufe begann Jeschua (Jesus) seinen Dienst, indem er sich selbst als den Messias Israels verkündete und viele Wunder und Zeichen tat, um seine Messiasschaft zu beglaubigen. Darum geht es in Johannes 2,23-25: Als er aber in Jerusalem war zum Passahfest, glaubten viele an seinen Namen, da sie seine Zeichen sahen, die er tat. Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle Menschen kannte und weil er es nicht nötig hatte, dass jemand Zeugnis über den Menschen ablegte; denn er wusste selbst, was im Menschen war.

Als Ergebnis seiner Wunder glaubten viele und akzeptierten seinen Anspruch, dass er der jüdische Messias war. In der Menge stehend und viele dieser Wunder beobachtend, war ein Rabbi mit dem Namen Nikodemus. Was er sah, rührte ihn sehr und er wusste, dass er herausfinden musste, wer Jesus wirklich war.

Der erste Teil des Gesprächs findet sich in Johannes 3,1-12: „Es war aber ein Mann von den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden; der kam zu ihm bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus sprach zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er ein zweites Mal in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundert euch nicht, daß ich zu euch gesagt habe: Ihr müßt von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will, und ihr hört seine Stimme, wißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht; also ist ein jeglicher, der aus dem Geiste geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann das sein? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Lehrer Israels und verstehst solches nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben; und ihr nehmt unser Zeugnis nicht an. So ich euch das Irdische gesagt habe und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage?

Aus diesen wenigen Aussagen, die wir haben, lassen sich mehrere Dinge über Nikodemus ableiten. Erstens finden wir, dass er ein Pharisäer war, was bedeutet, dass er ein Rabbiner war. Um zu verstehen, warum das für dieses Gespräch wichtig ist, sollte man wissen, was das pharisäische Judentum glaubte. Laut den Pharisäern hat „ganz Israel Anteil an der kommenden Welt“. Ein anderer Teil der pharisäischen Theologie besagte: „Abraham sitzt an den Pforten der Gehenna, um jeden Israeliten zu retten, der dorthin verfrachtet wird.“ Nach dem Pharisäertum genügte es also, physisch als Jude geboren zu sein, um in das Königreich zu gelangen. Während Nichtjuden zum Judentum konvertieren mussten, qualifizierten sich die Juden selbst, kraft ihrer Geburt als Juden, für den Eintritt in das Königreich. Eine zweite Sache, die der Abschnitt anmerkt, ist, dass Nikodemus ein Vorsteher der Juden war. Das heißt, er war ein Mitglied des Sanhedrins.

Als das Gespräch begann, sagte Jeschua zu Nikodemus ganz klar: „Es sei denn, dass ein Mensch von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Nun sollte man genau darauf achten, wie Nikodemus darauf reagierte, denn er sagte: „Wie kann ein Mensch wiedergeboren werden, wenn er alt ist?“ Nikodemus fragte nicht nur nach der Wiedergeburt. Was ihn verwirrte, war die Frage, wie es möglich sei, dass ein Mensch wiedergeboren werden kann, wenn er das Alter eines Greises erreicht hat. Denn wenn die Frage nur auf die Erfahrung der Wiedergeburt abzielte, wäre das Alter irrelevant. Nikodemus schien etwas von der Wiedergeburt zu verstehen, aber was ihn verwirrte, war, wie dies möglich war, wenn er alt war.

Um voll und ganz zu verstehen, warum er die Frage so stellte, wie er es tat, ist es notwendig zu verstehen, dass es im pharisäischen Judentum sechs verschiedene Wege der Wiedergeburt gab. Nikodemus qualifizierte sich für vier der sechs Wege. Die zwei Wege, für die er nicht qualifiziert war, waren: Erstens: Wenn Nichtjuden zum Judentum konvertierten, sagte man, sie seien wiedergeboren. Da Nikodemus kein Heide war, konnte er sich nicht auf diese Weise qualifizieren.

Eine zweite Möglichkeit, wie er sich nicht qualifizierte, war, zum König gekrönt zu werden, denn wenn ein Mann zum König gekrönt wurde, sagte man, er sei wiedergeboren. Es wird nichts darüber gesagt, dass Nikodemus aus dem Haus Davids stammte, und daher war er nicht von königlicher Abstammung.

Aber es gab noch vier andere Möglichkeiten, wiedergeboren zu werden, und Nikodemus qualifizierte sich für alle vier. Erstens: Wenn ein jüdischer Junge im Alter von dreizehn Jahren Bar Mitzwa wird, sagt man, er sei wiedergeboren. In diesem Alter unterwirft er sich dem mosaischen Gesetz und ist für seine eigenen Sünden verantwortlich. Da Nikodemus über das Alter von dreizehn Jahren hinaus war, hatte er seine Bar Mitzwa bereits erlebt.

Ein zweiter Weg war durch Heirat, denn wenn ein Jude heiratete, hieß es, er sei wiedergeboren. Obwohl nichts über Nikodemus‘ Frau gesagt wird, ist klar, dass er ein Mitglied des Sanhedrins war. Eine der Regeln, um ein Mitglied des Sanhedrins zu werden, war, dass man verheiratet sein musste, und so wissen wir daraus, dass Nikodemus verheiratet war.

Drittens war ein anderer Weg, auf dem ein Jude wiedergeboren werden konnte, die Ordination zum Rabbiner. Da Nikodemus ein Pharisäer war, war er als Rabbi ordiniert worden und wurde auf eine dritte Weise wiedergeboren.

Die letzte Möglichkeit, im Judentum wiedergeboren zu werden, war, Leiter einer rabbinischen Schule zu werden. In Vers 10 sagte Jesus zu Nikodemus, dass er „der Lehrer Israels“ sei. Derjenige, der das Oberhaupt einer rabbinischen Schule war, wurde immer als Lehrer Israels bezeichnet. Folglich war Nikodemus auch das Oberhaupt einer rabbinischen Schule.

Der Punkt ist also dieser: Nikodemus hatte jeden im Judentum verfügbaren Prozess durchlaufen, um wiedergeboren zu werden. Es gab keinen anderen Weg im Judentum und so war der einzige Weg, den er in seinem Alter sehen konnte, wiedergeboren zu werden, in den Schoß seiner Mutter zurückzukehren und den Prozess von vorne zu beginnen.

Es war dieses Problem der pharisäischen Theologie, an das Jeschua sich wandte. Er sagte Nikodemus klar und deutlich: „Es sei denn, dass ein Mensch geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ Aus Wasser geboren werden war ein jüdischer Ausdruck für die physische Geburt. Nach der pharisäischen Theologie reichte es aus, aus Wasser geboren zu sein oder als Jude physisch geboren zu werden, um in das Reich Gottes zu gelangen. Aber Jesus sagte ihm, dass es nicht ausreicht, aus Wasser geboren zu sein, denn „man muss aus Wasser und Geist geboren werden, um in das Reich Gottes zu kommen.“ Mit anderen Worten, man muss sowohl physisch als auch geistig geboren werden, denn die physische Geburt allein reicht nicht aus, um in das Reich Gottes zu gelangen. Er erklärte dies weiter, als Er sagte: „Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.“ Hier erklärte Er wieder deutlich die zwei Arten von Geburten. Aus Wasser geboren zu werden, bedeutet, aus dem Fleisch geboren zu werden, und das, was aus dem Fleisch geboren wird, ist Fleisch. Diese Geburt reicht nicht aus, um in das Königreich zu kommen. Es muss eine geistliche Geburt geben, damit man in das Reich Gottes eintreten kann. Dass Nikodemus als Jude geboren wurde, reichte also nicht aus; er muss eine geistliche Wiedergeburt haben, um wirklich auf die erforderliche Weise wiedergeboren zu werden.

Und was ist dieser Weg? Es gibt zwei grundlegende Schritte, die Jeschua Nikodemus bezüglich der Wiedergeburt gab, die für seinen Eintritt in das Königreich notwendig ist. Sie finden sich in Johannes 3,13-15: Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, nämlich der Sohn des Menschen, der im Himmel ist. Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss auch der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat.

Hier sind die zwei grundlegenden Schritte, die für die Art der neuen Geburt erforderlich sind, die einen für den Eintritt in das Himmelreich qualifizieren. Ein Schritt wurde von Gott getan, und der andere Schritt muss vom Menschen getan werden. Der Schritt von Gott ist der Tod des Gottmenschen, Jeschua, des Messias. Denn der Gott-Mensch ist vom Himmel herabgestiegen, um am Kreuz emporgehoben zu werden und für die Sünden der Welt zu sterben. Aber nun hat der Mensch die Verpflichtung, an den Messias und an das, was er am Kreuz getan hat, zu glauben, um ewiges Leben zu haben.

Dieselben beiden Schritte werden in Johannes 3,16-18 wiederholt: Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Denn Gott hat den Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet: Wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet worden, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

Wieder einmal erzählte Jesus Nikodemus, wie Gott die Welt liebte und seinen einzigen Sohn gab, um für die Welt zu sterben. Aber Nikodemus, als ein Mensch, muss darauf reagieren und glauben. Wenn Nikodemus glauben würde, würde er wiedergeboren werden; er würde ewiges Leben haben, und er würde sich für den Eintritt in das Königreich qualifizieren. Zu diesem Zeitpunkt war Nikodemus nur aus Wasser geboren worden. Er musste noch aus dem Geist geboren werden.

Diese beiden grundlegenden Schritte gelten auch heute noch. Gott hat seinen Teil getan. Er ließ seinen geliebten Sohn am Kreuz für den sündigen Menschen sterben. Haben Sie Ihren Teil getan? Haben Sie das Opfer von Jesus, dem Messias, angenommen und ihn zum Herrn Ihres Lebens gemacht? Wenn nicht, dann bete ich, dass Sie es heute tun werden.

Arnold Fruchtenbaum Nikodemus: Die Suche eines Rabbiners

„an Eides statt“

Jehova, deinen Gott, sollst du fürchten und ihm dienen, und bei seinem Namen sollst du schwören.
Elberfelder 1871 – Deuteronomium 6,13

 Vor Jehova, deinem Gott, sollst du Ehrfurcht haben und ihm sollst du dienen und bei seinem Namen sollst du schwören.
neue Welt Übersetzung – 2018 – 5.Mose 6,13

Ihr müsst immer Respekt vor Gott haben. Er ist der Chef: tut, was er euch sagt. Wenn ihr etwas schwört, dann tut das nur, wenn ihr Gott dabei ganz klar hinter euch habt.
VolxBibel – 5 Mose 6,13

Wenn die Israeliten zu Wohlstand kämen, sollten sie noch sorgfältiger darauf achten, ihn zu fürchten (vgl. den Kommentar zu 5Mo 4,10 ) und ihm zu dienen. Das Gebot, beim Namen des HERRN zu schwören (Eid … ablegen) , verstärkt die Anweisung, ihn zu fürchten. Wenn jemand bei dem Gott schwört, den er fürchtet, so heißt das, daß er diesem Gott auch zur Erfüllung seines Eides verpflichtet ist. Wenn sie Gott vergessen würden (V. 12 ), würden sie fast selbstverständlich anderen Göttern folgen , weil Gott die Menschen nicht nur mit der Fähigkeit zur Anbetung, sondern auch mit dem Bedürfnis nach Anbetung geschaffen hat. Dieser Akt der Untreue würde im Gericht enden, weil der HERR … ein eifersüchtiger Gott ist (vgl. 5Mo 4,24; 5,9; 32,16.21 ). Das bedeutet, daß er eifrig schützt, was ihm allein gehört . Eifersüchtig in diesem Sinn ist ethisch richtig. Eifersüchtig sein im Sinne von Mißgunst gegenüber den Besitztümern oder Privilegien anderer ist natürlich falsch.

DIe Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Jeder Glaubende ist aufgerufen, zuerst Gott zu dienen (Lk 4,8b; 5Mo 6,13). Wir werden sogar gewarnt, dass wir nicht zwei Herren dienen können (Lk 16,13; Mt 6,24). Nicht nur der Prediger oder der Pastor ist ein Diener Gottes. Wir alle sind dazu berufen. Aber nur der Jünger versteht wirklich die Bedeutung dieser Berufung für sein eigenes Leben. Dem Herrn zu dienen bedeutet, Ihm zu folgen (Joh 12,26). Das ist Jüngerschaft. Unser Herr war der vollkommene Diener Gottes. Das Markusevangelium ist diesem Thema gewidmet und führt es uns in verschiedenen Aspekten vor Augen. „Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende“ (Lk 22,27). Er sagte dies im Zusammenhang damit, dass sie den niedrigsten Platz einnehmen sollten (Lk 22,25.26). Dienen ist eine Berufung zu etwas niedrigem, nicht zu hohem. Wenn wir der Erste sein wollen, müssen wir der Diener von allen sein. Wenn wir groß werden wollen, müssenwir dienen. So lehrte es der Herr. Und Er zeigte es in Seinem Leben: „Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen“ (Mk 10,45). Bei der Fußwaschung nahm Er sogar das Handtuch und kniete nieder, um den niedrigsten Dienst zu tun, den Seine Jünger übersehen oder vermieden hatten. Wie ein niedriger Sklave tat Er die Arbeit, die Gottes Wille war. Erneut lebte Er vor, was Er lehrte. Und der Knecht ist nicht über Seinem Herrn. Durch das Vorbild des Herrn, wie Er den Jüngern gedient hat, wurden sie, aber auch wir, aufgerufen, dasselbe für Andere zu tun, und den Platz eines Dieners einzunehmen.

Jean Gibson – Training im Christentum

Es ist eine allgemein menschliche Sitte, die Wahrhaftigkeit einer Aussage oder die Zuverlässigkeit eines Versprechens durch Beteuerungen zu bekräftigen. Man setzt da etwas Wertvolles, Teueres, z. B. sein Leben, zum Pfand und erklärt sich bereit, den Verlust desselben als Strafe für den Bruch seines Wortes tragen zu wollen. Schon auf solche Beteuerungen ohne eigentlich religiösen Charakter wird in der Bibel, wie sonst, oft das Wort „schwören“ angewandt, z. B. Jos. 2, 14: „unsere Seele soll für euch des Todes sein,“ (vgl. V. 12: „schwöret mir“); Mt. 5, 36: „bei seinem Haupte schwören“. Auffallen kann nur, daß so häufig im A. T. die Wendung vorkommt: „so wahr deine Seele lebt“, namentlich bei dem Schwur, der einem Höherstehenden geleistet wird (z. B. 1 Sa. 17, 55; 2 Sa. 11, 11; 14, 19). Es erklärt sich dies aus der morgenländischen Höflichkeit, welche das Leben des anderen als etwas Wertvolleres bezeichnen will und darum zum Pfande setzt. Ähnlich ist die Beteuerung Josephs: „beim Leben Pharaos“ (1 Mo. 42, 15 f.); scherzhaft die des Hohelieds: „bei den Rehen oder Hinden“ (3, 5). Zum eigentlichen Schwur im religiösen Sinn aber erhebt sich die Beteuerung, wenn das Heilige als das Höchste und Wertvollste, was der Mensch kennt, von ihm zum Pfand seiner Wahrhaftigkeit eingesetzt wird. Und dies war beim Volk Israel, wie übrigens bei den meisten Völkern des Altertums, fast durchweg der Fall. Daher die häufige Schwurformel im A. T.: „so wahr der Herr lebt“ (z. B. 1 Sa. 14, 39; 2 Sa. 4, 9; 1 Kö. 17, 1 usw.), manchmal verbunden mit dem anderen: „so wahr deine Seele lebt“ (1 Sa. 20, 3; 25, 26). Diese Formel will das Dasein Gottes nicht bloß als das Allergewisseste bezeichnen, sondern auch als das Allerwertvollste für den Menschen; der Schwörende setzt seinen Anteil an dem lebendigen Gott, als sein höchstes Gut, zum Pfand für seine Wahrhaftigkeit. Daher treten zu „der Herr“ oft noch solche Beifügungen hinzu, welche sagen, was der Herr dem Schwörenden ist; z. B. der Herr, vor dem ich stehe (1 Kö. 17, 1; 2 Kö. 3, 14), der Herr, der mich bestätigt hat (1 Kö. 2, 24), der Herr, der die Kinder Israel aus Ägyptenland geführt hat (Jer. 16, 14) usw. Aber weil der lebendige Gott nicht nur ein totes Unterpfand ist für die Wahrhaftigkeit des Schwörenden, sondern ein lebendiger Zeuge des Eidschwurs, so gestaltet sich dieser zu einer unmittelbaren Anrufung Gottes, zu der Bitte, er möge Zeuge sein (vgl. 1 Mo. 31, 50; Jos. 22, 22 f.; Ri. 11, 10; 1 Sa. 20, 42; Jer. 42, 5), ja er möge auch als unparteiischer und unerbittlicher Richter über die Heiligkeit des geschworenen E. wachen (1 Mo. 31, 49. 53; Jos. 22, 23). Letzteres geschieht namentlich häufig durch die Formel: „Gott tue mir dies und das“ (1 Sa. 14, 44; 2 Sa. 19, 14; 1 Kö. 2, 23 usw.), d. h. was er nur will — wenn ich meinen E. breche. Wird diese Herausforderung der Rache Gottes noch stärker ausgedrückt, so wird der Schwur geradezu zur Selbstverfluchung (Mt. 26, 74). Übrigens kam bei den Israeliten neben dem Schwur, den man selbst freiwillig leistete, auch noch häufig die Form der Beschwörung vor, da ein anderer Gottes Zeugenschaft und Rächeramt über den anrief, der die Wahrheit sagen oder etwas versprechen sollte. Zu solchen Beschwörungen dienten dieselben Formeln wie beim einfachen Schwur (1 Sa. 3, 17, Gott tue dir dies und das u. dgl.), namentlich auch die Fluchformeln (Jos. 6, 26; 1 Sa. 14, 24). Als äußere Zeremonie beim Schwören wird das Aufheben der Hände zum Himmel (1 Mo. 14, 22; 5 Mo. 32, 40; Da. 12, 7; Off. 10, 5) oder auch das Legen der Hand unter die Hüfte des Beschwörenden erwähnt (1 Mo. 24, 2. 9; 47, 29). Letztere Sitte hängt wohl mit der Beschneidung, durch welche das Zeugungsglied geheiligt ist, zusammen. Alles Bisherige ist nun aber — dies ist wohl zu beachten — eine Beschreibung der natürlichen Volkssitte Israels. Was ist das göttliche Urteil darüber, insbesondere für Christen? Das Gesetz gibt für den Eid zwei Hauptvorschristen: 1) das in das zweite Gebot miteingeschlossene Verbot des falschen Eides und des Eidbruchs (3 Mo. 19, 12). 2) Das Verbot, beim Namen anderer Götter als bei dem Jahvehs zu schwören (5 Mo. 6, 13; Jos. 23, 7), vgl. Art. Bekenntnis. Befohlen ist die öffentlich (gerichtliche) Anwendung des Eides in verhältnismäßig seltenen Fällen: nämlich 1) wenn ausgeliehenes Vieh zugrunde geht, soll der Entlehner beschwören, daß er es sich nicht angeeignet hat, 2 Mo. 22, 9 f.: ein sogenannter Reinigungseid, der nach 3 Mo. 5, 19 ff. auch in andern ähnlichen Fällen zur Anwendung kam, wo es sich um keinen Zeugenbeweis handeln konnte (vgl. 1 Kö. 8, 31 f.). Wenn jemand nachträglich selbst bekannte, daß er einen solchen Eid fälschlich geschworen habe, so durfte er durch ein Schuldopfer nebst Erstattung des Unterschlagenen (unter Zuschlag von ⅕ des Wertes) sein Vergehen sühnen (3 Mo. 5, 19 ff.).

Calwer Bibellexikon: Biblisches Handwörterbuch

„Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten“ (was bedeutet, seinen Namen auszusprechen). Das gilt nicht, erstens, weil es, wie oben gesagt, durch den Namen sein muss; und zweitens kann eine Warnung vor einem positiven Gebot nicht als Warnung gezählt werden. Und wenn man will, kann man sagen, weil es so deutlich geschrieben ist [Lev. 24:11]: „Der Sohn der israelitischen Frau sprach (we-yiqaub) den heiligen Namen aus und lästerte ihn.“ Daher wird dieser Begriff für Lästerung verwendet. Aber vielleicht ist man nicht schuldig, wenn man nicht beides getan hat – den Namen ausgesprochen und gelästert? Das ist nicht anzunehmen, denn weiter unten heißt es [ebd. 14]: „Führt den Lästerer hinaus“, und der Ausdruck „nauquib“ wird nicht erwähnt. Es ist also ein und dasselbe.

Der Babylonische Talmud

Heb. šāḇaʿ (Hes. 21:23), Niphal von šāḇaʿ (z. B. Gen. 21:23; Ex. 32:13; Lev. 5:4; Nu. 11:12; Dtn. 6:13; Jos. 2:12; Jgs. 2:1; 1 S. 3:14), Hiphil von šāḇaʿ (z. B., Gen. 24:3; Ex. 13:19; Jos. 23:7; 1 S. 20:17; 1 K. 2:42; 2 Ch. 36:13), šeḇûʿâ („geschworenes Versprechen“, 1 Ch. 16:16), nāśāʾ yāḏ-‚die Hand erheben‘ (Ex. 6:8; Neh. 9:5; Hes. 20:5; 36:7), hiphil von rûm + yāḏ-‚die Hand erheben‘ (Gen. 14:22), ʾim-lōʾ-‚gewiß‘ (Jes. 5:9), kîʾim-‚wahrhaftig‘ (Jgs. 15:17); Gk. omnýō (z. B., Mt. 5:34, 36; Mk. 14:71; Lk. 1:73; Apg. 2:30; He. 3:11, 18; 4:3; Offb. 10:6), epiorkéō („falsch schwören“, Mt. 5:33), hórkos („was man geschworen hat“, Mt. 5:33)]; AV auch OATH, „die Hand erheben“ (Gen. 14:22), „wahrhaftig“ (Jes. 5:9), „doch“ (Jgs. 15:7), usw.; NEB auch OATH, „mit erhobener Hand sich binden“, usw. Der Akt des Schwörens war eine formelle Erklärung des eigenen Wortes, Versprechens oder Vorsatzes in der Gegenwart Gottes und anderer Zeugen. Im Allgemeinen bezog er sich auf eine zukünftige Verpflichtung und nicht auf die Wahrhaftigkeit einer vergangenen Handlung.
Die Wurzel šbʿ kommt 216 Mal im AT vor und ist besonders im Pentateuch, den historischen Büchern und den Propheten zu finden; in der Weisheitsliteratur ist sie selten. Die Wörter „schwören“ (šāḇaʿ) und ‚Eid‘ (šeḇûʿâ) werden manchmal mit Bezug auf die Zahl „sieben“ (šeḇaʿ) erklärt, aber die genaue Beziehung ist unklar. Die Erklärung des Namens Beer-Scheba in 1. Mose 21:25-34 legt eine Beziehung zwischen den Begriffen nahe: Abraham legte sieben Schaflämmer als Zeugen beiseite, und sowohl er als auch Abimelech schworen einen Eid an einem Ort, den sie Beer-Sheba („Quelle des Eides“ oder „Quelle der Sieben“; vgl. V 31, RSV mg; siehe BEER-SHEBA I) nannten. Da aber an keiner anderen Stelle ein klarer Zusammenhang zwischen diesen beiden Wörtern zu erkennen ist, ist jede etymologische Vermutung fragwürdig.
Das Verb „schwören“ kommt in drei verschiedenen Kontexten vor. Erstens findet man schwören im Zusammenhang mit dem Schließen eines Bundes (siehe BUND [AT] II-III). Die Bundesbeziehung, die auf Treue beruhte, wurde aufgezeichnet, von anderen Menschen oder von Gott bezeugt und mit einem Eid beschworen (vgl. Dtn 4,31; Lk 1,73; He 6,13-17). Gott diente als Zeuge des Vertrages zwischen David und Jonathan: „Wir haben beide im Namen des Herrn geschworen und gesagt: ‚Der Herr soll zwischen mir und dir sein und zwischen meinen Nachkommen und deinen Nachkommen in Ewigkeit'“ (1. Kön. 20,42). Wenn Gott einen Bund mit seinem Volk schloss, schwor er bei sich selbst (1Mo 22,16; 2Mo 32,13), bei seiner „Heiligkeit“ (Am 4,2; Ps 89,35 [MT 36]) oder bei seiner Treue (V 49 [MT 50]).
Zweitens findet sich das Schwören in anderen Zusammenhängen, die das Ablegen eines Eides beinhalten (z. B. Jos. 2:12, 17, 20; 6:22; 9:20; Ps. 119:106). Diejenigen, die einen Eid schworen, nahmen gewöhnlich einen Fluch auf sich, wenn ihr Wort gebrochen wurde (z. B. 2. Samuel 3,35). Ein Schwur konnte für einen selbst oder auch für nachfolgende Generationen bindend sein (vgl. 1. Mose 50,5f., 25).
Drittens findet man das Schwören im Zusammenhang mit dem Ablegen von Gelübden (z. B. Nu. 30:2). Siehe VOW.
Die Israeliten verwendeten verschiedene Formen des Schwörens (siehe EID). Zu den am häufigsten verwendeten Formeln gehörten: „Möge Gott mir das tun und noch mehr, wenn ich …“ (z. B. 2 S. 3:35; vgl. 1 S. 3:17), und „Denn so wahr der Herr lebt …“ (z. B. 1 S. 14:39). Mehrere andere formelhafte Ausdrücke werden in Jgs. 21 verwendet: „Die Männer Israels hatten geschworen …, ‚Keiner von uns soll seine Tochter Benjamin zur Frau geben'“ (V. 1); „Was sollen wir tun …, da wir bei dem Herrn geschworen haben, dass wir ihnen keine unserer Töchter zur Frau geben werden? “ (V. 7); „Denn das Volk Israel hatte geschworen: ‚Verflucht sei, wer Benjamin eine Frau gibt‘ “ (V. 18).
Oft begleitete der Schwörende den Schwur mit einer symbolischen Geste, z. B. indem er seine Hand nach oben hob (1Mo 14,22; Hes 20,5; 36,7; Neh 9,15; Dtn 12,7; Offb 10,5f) oder seine Hand „unter den Schenkel“ eines anderen legte (1Mo 24,2; 47,29); siehe GESTURE I.
Die Verbindlichkeit dessen, was geschworen wurde, beruhte auf der Treue Gottes. Gott erwartete von seinem Volk, dass es genauso treu zu seinem Wort steht wie er selbst zu seinem Wort. Das AT berichtet in anthropomorpher Weise, dass Gott selbst geschworen hat (1. Mose 22,16; Jes. 45,23; Hes. 17,19; Am. 6,8). Das Schwören war eine feierliche Handlung, weil Gott als Zeuge angerufen wurde (1Mo 31,50; Jos 24,22.27; 1So 12,5; Jer 42,5; 2Kor 1,23; Phil 1,8). Die Nationen, die Israel umgaben, schworen bei den Göttern des Himmels und der Erde. In einem Vertrag von Esarhaddon, dem König von Assyrien, heißt es: „Ihr seid beschworen bei Ashur … bei Anu, Anlil und Ea … bei Sin, Shamash, Adad und Marduk … bei allen Göttern Assyriens … bei allen Göttern von Babylon, Borsippa und Nippur … bei allen Göttern von Sumer und Akkad … bei allen Göttern eines jeden Landes, ihr seid beschworen bei den Göttern des Himmels und der Erde“ (ANET, S. 534f.). Den Israeliten wurde befohlen, beim Herrn zu schwören, als Akt der demütigen Unterwerfung (Dtn 6,13; 10,20; Jer 4,2; vgl. 1 S. 25,26; 2 S. 15,21; Ps 63,11 [MT 12]). Aber den Namen „Jahwe“ vergeblich zu nehmen – d.h. unaufrichtig oder mit böser Absicht zu schwören – war im dritten Gebot streng verboten (Ex. 20:7). Falsches Schwören wurde als eine sehr schwere Sünde angesehen (5. Mose 6,3.5 [MT 5,22.24]; 19,12; Jer. 5,2; 7,9; Sach. 5,3f.; Mal. 3,5); siehe KRIMINAL: Falsches Schwören.
Jesus warnte eindringlich vor dem Schwören als bloßer Form der Beteuerung (Mt. 5,34-37; 23,16-22). Jedes Schwören, egal worauf man schwört, schließt ein, dass man Gott als Zeugen anruft; daher ist jemand, der schwört, in Gefahr, das dritte Gebot zu brechen. Jesus gebot die Art von Wahrhaftigkeit, die keine Eide braucht, um die Aufrichtigkeit zu betonen (Mt. 5,37; vgl. Jak. 5,12). Andererseits hat Jesus nicht alles Schwören verboten, da er selbst auf Geheiß des Hohenpriesters schwor (Mt. 26,63f.). Auch Paulus berief sich bei Gelegenheit auf Gott als Zeugen (vgl. 2Kor 1,23; Gal 1,20). Petrus machte sich des Falschschwurs schuldig, als er leugnete, Jesus zu kennen (Mt. 26,72.74).

The International Standard Bible Encyclopedia

Jakob oder?

Und Gott sprach zu ihm: Dein Name ist Jakob; dein Name soll hinfort nicht Jakob heißen, sondern Israel soll dein Name sein. Und er gab ihm den Namen Israel.
Elberfelder 1871 – Genesis 35,10

Und Gott sprach zu ihm: Dein Name ist Jakob; dein Name soll nicht mehr Jakob genannt werden, vielmehr Israel soll dein Name sein. Und Er nannte seinen Namen Israel. 1Mo 32,28; 1Kön 18,31.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Genesis 35,10

In den Versen 9 kommt es zu einer göttlichen Erscheinung vor Jakob: Und Gott erschien Jakob wieder, als er von Paddan-Aram heraufkam. Dies war die zweite Erscheinung Gottes vor Jakob seit seiner Rückkehr ins Land und die fünfte Erscheinung vor Jakob seit dem Beginn des Umgangs Gottes mit ihm. Außerdem ging es darum, den abrahamitischen Bund, der mit der Aussage beginnt, dass Gott ihn gesegnet hat, noch einmal zu bestätigen. Der Segen, nach dem er sein ganzes Leben lang gestrebt hatte, war nun sein. Dies war die zweite Bestätigung des Abrahams-Bundes durch Jakob.

In 35,10 steht die Bestätigung von Jakobs Namensänderung: Und Gott sprach zu ihm: Dein Name ist Jakob; dein Name soll nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel soll dein Name sein; und er nannte seinen Namen Israel. Von diesem Zeitpunkt an rief Gott ihn mit beiden Namen. Die Aussage: Dein Name soll nicht mehr Jakob heißen, ist im Sinne von „nicht mehr nur“ Jakob genannt werden zu verstehen. Er wird nicht mehr nur Jakob heißen; er wird auch Israel genannt werden.

Arnold Fruchtenbaum – Genesis

Jakob oder Israel, Sohn Isaaks, Enkel Abrahams, Vater von zwölf Söhnen, aus welchen die zwölf Stämme des Volkes J. hervorgingen, also der eigentliche Stammvater dieses Volkes, das mit seinem Namen genannt ist. Siehe darüber den Art. Israel. Über den Doppelnamen ist zu bemerken: Jakob („Fersenhalter“) bezeichnet ihn nach 1 Mo. 25, 26 als den, der schon bei seiner Geburt dem vorangehenden Esau keinen Vorsprung lassen wollte, sondern ihn an der Ferse hielt. Da jedoch das Fersenhalten im Ringkampfe ein ähnlicher Kunstgriff war wie unser „ein Bein stellen“, erinnerte der Name für gewöhnlich an die Gewandtheit, mit welcher der schlaue Mann die Schwäche des Gegners wahrzunehmen und zu benützen, d. h. ihn zu übervorteilen wußte, 27, 36. Israel („Gotteskämpfer“) dagegen bezeichnet ihn edler als den, dessen Wettkampf einem höhern, Gott abzuringenden Ziele galt, u. wurde ihm daher als Ehrenname beigelegt, 32, 28; 35, 10, vgl. Hos. 12, 4. Sein Leben läßt sich in 4 Perioden teilen: 1) J.s Jugendgeschichte erfüllt sein unablässiges Trachten nach dem Erstgeburtsrecht, das nach der Natur seinem älteren Zwillingsbruder Esau zugefallen wäre. Der Zwiespalt der Brüder, der durch die Geschichte zweier Völker sich hindurchziehen sollte, äußerte sich schon vor ihrer Geburt, 1 Mo. 25, 22 f. Mit der Zeit wußte der zahme, häuslich gesittete (25, 27) J. klug dem ungeschlachten Esau einen Verzicht auf jenes Recht abzulocken, 25, 29 ff. Ebenso gelang es ihm mit Hilfe seiner listigen Mutter (25, 28; 27, 5 ff.), vom Vater die feierliche Zusicherung des Erstgeburtssegens zu erschleichen. Er mußte aber nach Empfang dieses Segens (27, 27 ff., vgl. 28, 3 ff.) das Land verlassen, wobei er zu Bethel in einem nächtlichen Traumgesieht von Gott selbst die Bestätigung der Bundesverheißung empfing (28, 11 ff.). — 2) Seine zwanzigjährige Fremde brachte J. in Haran zu, wo er sein Haus gründete, indem er Labans Töchter Rahel und Lea zu Weibern erhielt, und zwar zuerst letztere wider seinen Willen, nachdem er 7 Jahre lang um die schöne, von ihm heiß geliebte Rahel gedient hatte. Diese wurde ihm nur unter der Bedingung dazugegeben, daß er weitere 7 Jahre den Herden Laban seine Dienste widme. Auch in den folgenden 6 Jahren, wo er seinen Lohn an Vieh bekommen sollte, täuschte ihn der zweizüngige Laban einmal ums andere. Nur durch seine eigene List und seines Gottes Einsehen konnte er zu seinem sauer verdienten Lohn gelangen (31, 38–42), aber so wurde der mit seinem Stab in die Frernde gewanderte J. dort zum reichen Herdenbesitzer, der sein Eigentum in zwei stattliche Heere teilen konnte (32, 10). Auch elf Söhne und eine Tochter Dina (wenigstens ist nur diese genannt wegen des verdrießlichen Handels, Kap. 34) wurden ihm da von seinen beiden Weibern und deren Mägden Bilha und Silpa geboren, von der zärtlich geliebten Rahel erst zuletzt nach langer Unfruchtbarkeit ein Sohn, Joseph. Da die Reibungen mit seinem Schwiegervater und dessen Söhnen sich mehrten und dieser ihn aus Gewinnsucht nicht wollte ziehen lassen, entwich J. zuletzt heimlich mit den Seinigen. Laban, der ihm nachsetzte, durfte ihm kein Leides antun, da Gott es ihm wehrte, und schloß zuletzt am Grenzgebirge Gilead, das fortan die Israeliten von den Aramäern trennte, einen Freundschaftsbund (31, 43 ff.). — 3) Bei der Rückkehr nach dem gelobten Lande hatte J. zuerst den geheimnisvollen Ringkampf mit Gott am Jabbokfluß zu bestehen, 32, 24 ff., vgl. Hos. 12, 4. 5. Dann folgte die Aussöhnung mit Esau, der, im spätern Edomiterland seinen Sitz nehmend, ihm Kanaan überließ. J. ließ sich im Herzen dieses Landes zu Sichem nieder, von wo ihn die Verschuldung jener Dina und die hitzige Rache seiner Söhne (Kap. 34) vertrieben. Er zog dann südwärts nach Bethel, wo er nach früherm Gelübde ein Heiligtum errichtete und Gott seine Verheißungen an ihn erneuerte (35, 1 ff.); dann nach Hebron zum Wohnsitz seiner Väter, wo er Isaak begrub (35, 27). Auf dem Wege dorthin starb ihm Rahel bei der Geburt seines zwölften Sohnes Benjamin (35, 16ff.). — 4) Zuletzt wurde J. noch im Alter durch die wunderbaren Schicksale seines Sohnes Joseph nach Ägypten geführt. Dorthin hatten die Brüder, welche Joseph beneideten, diesen Liebling J.s verkauft, indem sie ihrem Vater, der ihn tot glaubte, schweres Herzeleid bereiteten. Joseph aber, am Pharaonenhof zu hohen Ehren gekommen, zog seine Familie nach sich und wies ihr das fruchtbare Weideland Gosen zum Wohnsitz an. J. verließ das gelobte Land, um den Totgeglaubten wieder zu sehen. An der geweihten Stätte zu Beersaba erschien ihm der Herr, nochmals ihn seiner Huld versichernd (46, 1 ff.). In Ägypten wurde er vom Pharao chrenvoll aufgenommen und lebte dort noch 17 Jahre. Im Alter von 147 Jahren starb er in Ägypten, wurde aber nach einem dem Joseph vertrauten Vermächtnis (47, 29 ff.) bei seinen Vätern begraben, 50, 4 ff. Vor seinem Tode hatte er noch die Söhne Josephs (48, 8 ff.) und seine eigenen (Kap. 49) prophetisch gesegnet. Der „Segen Jakobs“ über seine Söhne (Kap. 49) zeichnet in wenigen ausdrucksvollen Zügen die künftige Eigenart der Stämme, die J. im Geist über das Land der Verheißung verteilt erblickt. — Die Erzählung des Lebens J.s, wie sie jetzt vorliegt, ist, ähnlich wie die Abrahams, nicht ganz aus Einem Guß, sondern es sind verschiedene Darstellungen (wie sie etwa in Bezug auf das Leben Jesu in den vier Evangelien vorhanden sind) in eins verschmolzen; daher bei der jetzigen Zusammenstellung gewisse Schwierigkeiten entstehen. Vgl. z. B. den Namenwechsel, 35, 10, ohne Rücksicht auf 32, 29. Nach 47, 9. 28, verglichen mit 41, 46; 31, 41 wäre J. bei der Flucht nach Haran schon etwa 77 jährig gewesen, während er offenbar dort noch jugendlicher zu denken ist. Allein diese und ähnliche Punkte, wo die verschiedenen Berichte voneinander abweichen, sind unwesentlich, wie denn auch der Verfasser der jetzigen Darstellung keinen erheblichen Widerspruch, wohl aber eine gegenseitige Ergänzung darin erblickte. An der Geschichtlichkeit der Person Jakobs ist nicht zu zweifeln, wenn auch mündliche Überlieferung und Erzählungslust hier gewaltet haben und auch Stammverhältnisse in genealogische Form gekleidet sein können, z. B. bei der Zwölfzahl der Söhne. Der Charakter Is ist kein so gerader und lauterer, wie der eines Abraham. Er verschmäht nicht List und Umweg, um zu seinem Ziel zu gelangen bei seinem Ringen mit dem starken Esau und dem berechnenden Laban, die er beide überwindet. Aber das Ziel, das er mit Aufbietung aller Kräfte und nicht immer mit tadellosen Mitteln anstrebt, ist kein gemeines: nicht niedriger Besitz oder eitle Menschenehre, sondern der Segen seines Gottes, der hohe Bundessegen, den er zuletzt mit aller Rührigkeit und Energie nicht erwerben kann, sondern dem Herrn selbst in Gebet und Tränen (Hos. 12, 5) abringen muß. Die Schrift beschönigt nicht die Fehler dieses Charakters, als ob Gott seinem Liebling alles durchgehen ließe. Hat er seinen blinden Vater auf Anstiften seiner Mutter betrogen, so erfährt er die Ahndung dafür in dem Betrug, den ihm Laban (29, 22 ff.) spielt und in dem, was ihm noch in seinem Alter von seinen eigenen Söhnen widerfährt (37, 31 ff.). Sein ganzes Leben ist infolge seiner Unlauterkeiten ein trüberes (47, 9) als das seiner Väter. Aber unter solchen Prüfungen läutert sich sein Herz, und da sein ganzes Dichten und Trachten der Verheißung Gottes gilt, wodurch er sich nach Hos. 12, 4 ff. gar sehr von seinen Nachkommen unterscheidet, die später oft ihr ganzes Sinnen und Suchen in den Dienst des Mammon stellten und so ein „Kanaan“ (= Phönikier = Krämervolk) wurden, so wird ihm schließlich das von Esau verschmähte Erbe zuteil. Im N. T. steht er daher als Vater des erwählten Volkes dem von Gott verworfenen Esau gegenüber, Rö. 9, 13, und erscheint Mt. 8, 11 unter den seligen Vätern, auf deren Gemeinschaft in jenem Leben die Frommen sich freuen dürfen.

Calwer Bibellexikon

Wie kann dieser Vers sagen, dass Jehovah dem Jakob erschien und dessen Name ändert – und ein Bibelbuch weiter wird gesagt, dass niemand Jehovah gesehen hat? Die Lösung : Jacob sieht den „Sohn“ – oder wie im AT immer wieder genannt „den Engel Jehovahs“ – aber er sieht nicht den Vater!