Autor: Thomas

ein Teil unserer Bestimmung

und wir sandten Timotheus, unseren Bruder und Mitarbeiter Gottes (O. unter Gott) in dem Evangelium des Christus, um euch zu befestigen und zu trösten (O. zu ermuntern) eures Glaubens halber, auf daß niemand wankend werde in diesen Drangsalen. (Denn ihr selbst wisset, daß wir dazu gesetzt sind;
Elberfelder 1871 – 1.Thessalonicher 3,2–3

und unseren Bruder Timotheus zu euch zu schicken, der als Mitarbeiter Gottes zusammen mit uns das Evangelium von Christus verkündet. Wir gaben ihm den Auftrag, euch im Glauben zu stärken und zu ermutigen, damit keiner von euch durch die Verfolgungen, denen ihr ausgesetzt seid, in seinem Vertrauen auf Gott erschüttert wird. Ihr wisst ja selbst, dass solche Leiden zu unserem Leben als Gläubige gehören.
Neue Genfer Übersetzung – 1.Thessalonicher 3:2–3

Er ist unser Bruder und ein Mitarbeiter Gottes in der Aufgabe, die gute Botschaft des Messias zu verbreiten. Der hatte den Auftrag, euch zu stärken und darin zu ermutigen, an eurem Vertrauen auf Gott festzuhalten, damit keiner in diesen Anfeindungen aus der Bahn geworfen wird. Denn ihr selbst wisst ja, dass das ein Teil unserer Bestimmung ist.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – 1.Thessalonicher 3,2–3

Warum planen manche christliche Gruppen „eine Verfolgungswelle“? Hat Gott nicht alles im Griff? Und ist es nicht unsere Aufgabe, für Christus verfolgt zu werden??

So ist das »Stärken und Ermuntern« direkt mit der Abwehr von Erschütterungen des Glaubens verbunden. Das griech. Verb, das wir mit »erschüttern lassen« wiedergegeben haben, kommt im NT nur hier vor. Im außerbiblischen Sprachgebrauch bedeutet es »mit dem Schwanz wedeln«, von daher dann auch »schöntun«, »schmeicheln«. Somit nehmen manche Ausleger die Übersetzung »sich bewegen/betören lassen« an: Die Christen würden somit in Gefahr stehen, sich von den Gegnern den Glauben ausreden zu lassen. Dies paßt nur gezwungen zu »in diesen Bedrängnissen«. Daher findet sich in den frühen Übersetzungen und bei den griechischen Auslegern die Deutung »bewegen«, »erschüttern«, für die inzwischen auch ein außerbiblischer Beleg entdeckt wurde.
Paulus hofft nicht nur darauf, daß ein Großteil der Gemeinde im Glauben beständig bleiben möge. Vielmehr soll »keiner« angesichts der Umstände aufgeben. Dem entspricht, daß Paulus nach 2,11 jeden einzelnen der thessalonischen Christen ermahnt hat, sein Leben in der Gemeinschaft mit und im Gehorsam gegenüber Gott zu führen.
Was steht hinter »diesen Bedrängnissen«? Die Thessalonicher waren selbst Augenzeugen der Verfolgungen, die Paulus und seine Mitarbeiter wegen der Predigt von Jesus Christus in ihrer Stadt erfahren haben (vgl. Apg 17,5ff.). Als Ohrenzeugen sind sie über ähnliche Vorgänge in Philippi unterrichtet (1. Thes 2,2). Sie selbst sind von ihren Landsleuten angefeindet worden, als sie begannen, an Jesus Christus zu glauben (1,6; 2,14). Offenbar setzt sich dieser Druck auch in der Gegenwart fort, nicht nur bei den Missionsbemühungen des Paulus, sondern auch für die Gemeinde in Thessalonich. Wie im Deutschen, so verweist auch im Griechischen der Begriff ursprünglich auf ein »Zusammendrängen«, »Einengen« und meint daher auch ein »Bedrängen«, »Quälen«; dadurch entstehen »Druck« und »Hitze« (vgl. 1. Petr 4,12).
Allerdings bedeuteten solche »Bedrängnisse« keineswegs etwas Außergewöhnliches und Befremdliches (1. Petr 4,12), sondern etwas Vorhersehbares, Naheliegendes und Normales (vgl. Apg 14,22). Christen sind dazu »bestimmt« (derselbe Begriff begegnet auch in Phil 1,16: Paulus ist »bestimmt« zur Verteidigung des Evangeliums). Darin äußert sich kein resignativer Fatalismus, sondern eine nüchterne Wahrnehmung der Situation der Christen in der Welt. Wer die Sachlage kennt, wird von derartigen Vorkommnissen nicht überrascht und in falscher Weise verunsichert. Um diesen Realismus ist es Paulus zu tun. Ihn hat Jesus seinen Jüngern vermittelt: Mt 5,11f.; 10,17–23; 23,34; 24,9f. So verstanden soll die Bedrängnis nicht zum Abfall, sondern zu Geduld, Bewährung und Hoffnung (Röm 5,3f.) und somit zum Erweis der Kostbarkeit des Glaubens (1. Petr 1,6f.) führen.

Edition C Bibelkommentar

Das Ziel ist konkret und genau umrissen: »Auf daß niemand wankend werde in diesen Drangsalen. Denn ihr selbst wißt, daß wir dazu gesetzt sind«. »Wankend werden« ist Infinitiv Präsens Passiv von saino (mit dem Schwanz wedeln, schöntun, mit Schmeichelei betören). In diesem Sinn findet sich das Wort nur hier im NT und steht in scharfem Kontrast zu Timotheus‘ Arbeit der Befestigung. Es ist nicht »durch« (GN) sondern »in« (alle anderen Üss) diesen Drangsalen; sie durchlitten sie tatsächlich. Sowohl unser Herr selbst als auch alle Apostel weisen auf diese Bestimmung zum Leiden hin und machen darauf aufmerksam, daß Verfolgung und Drangsal das jedem Gläubigen beschiedene Los in der Zeit Seiner Verwerfung sein wird: »Dies habe ich zu euch geredet, auf daß ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Drangsal‘, aber seid guten Mutes, i c h habe die Welt überwunden« (Joh 16,33). Petrus schreibt: »Geliebte, laßt euch das Feuer der Verfolgung unter euch, das euch zur Versuchung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes; sondern insoweit ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, freut euch, auf daß ihr auch in der Offenbarung seiner Herrlichkeit mit Frohlocken euch freuet« (1.Petr 4,12.13).

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Ich habe keinerlei Anlass, ich sehe auch nirgends in der Schrift, da wird nie ein düsteres Bild gezeichnet von der Endzeit. Ich glaube, dass es die glorreichste Stunde der Kirche sein wird. Das ist so wichtig, dass Jesus von Wehen spricht. Wehen sind nämlich nichts Schlimmes. Wehen sind keine Krankheit. Wehen bringen nämlich etwas hervor, und dieses Etwas ist das hier. Wenn es keine Wehen gäbe, bliebe das Baby da drin. Das ist für beide Beteiligte ein paar Monate lang schön, aber für immer auch nicht. Das heißt, die Wehen bringen ein neues Leben zur Welt. Das ist nicht ein Gottesgericht, ein zorniger Gott schmettert seine Pfeile auf die Erde, sondern die Erde ist in den Geburtswehen, bis die Söhne Gottes hervorbrechen. Deswegen ist es wirklich Unsinn zu glauben, dass da vorher irgendwo Leute wegentrückt werden. Da fliegen wir weg und dann stürzen die Flugzeuge alle ab, weil die Christen alle Piloten waren. Das ist Unsinn, denn inmitten dieser Trübsal wird die Braut Christi vorbereitet durch Leiden und Herrlichkeit, durch Nordwind und Südwind. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns beschäftigen mit den vielen Christen, die schon jetzt Verfolgung erleiden, nicht, weil ich sage, das kommt auch zu uns. Das ist nicht, worauf ich hinaus will. Sondern weil das normaler Bestandteil des christlichen Lebens ist. Es ist normal, und manchmal sind mir Westler sehr weinerlich. Wenn wir benachteiligt werden und verspottet werden als Christen, müssten wir manchmal fast sagen: Gewöhne dich dran, das ist normal. Jesus hat gesagt: Mich haben sie gekreuzigt, was meinst du, was sie mit meinen Jüngern tun werden?

Es ist ein herrlicher Ruf einmal mehr, ich habe es so oft schon gesagt: Jesus ist nicht gekommen, um uns glücklich zu machen. Er beruft uns zu etwas bedeutend Größerem als zu persönlichem Glück. Bei diesem Ding hier dabei zu sein, bei dieser großen Invasion, das ist etwas bedeutend Herrlicheres, also werde ich da auch glücklich. Also stell dir Soldaten vor, denen der General sagt: Wir nehmen dieses Land ein und ich weiß, wir nehmen es ein. Es wird Blut, Schweiß und Tränen kosten, aber es ist eine herrliche Sache. Der eine Soldat sagt: Werde ich aber auch immer warm schlafen und wird es mir gut dabei gehen? So ein Soldat ist ein Feigling. Ein Soldat ist zu etwas anderem berufen. Wir sind auf dieser Erde als Botschafter dieses Königreichs. Wir sind Teil dieser Invasionsarmee. Kein Wunder, wenn die uns nicht mögen. Es wäre schlimm, wenn sie es täten. Einmal mehr der Vergleich: Wenn du im Schützengraben bist, schießt die ganze Zeit und es schießt nie jemand zurück, ist das kein gutes Zeichen, sondern ein Zeichen, dass du in die falsche Richtung schießt, mein Freund. Wenn da nie Widerstand kommt, stehst du auf verlorenem Posten. Da kommt nie etwas zurück. Wenn du schießt und da schießt jemand zurück, dann sagen Leute: Aber ich habe so viele Anfechtungen, habe so viele Widerstände. Ja, herzlichen Glückwunsch! Das heißt, dass du dich überhaupt bewegst, dass du in eine Richtung gehst. Was wäre das für eine Armee, die sagt: Immer, wenn jemand schießt, gehen wir in die andere Richtung. Klar, wir leben in dieser Zeit des Kampfes. Aber, ich habe das Buch fertig gelesen, wir siegen am Schluss, es geht gut aus. Diese Wehen bringen etwas hervor. Sie bringen die Fülle der Söhne Gottes hervor, sie bringen neuen Himmel und neue Erde hervor. Die Wehen sind keine schlimmen Schmerzen. Tatsächlich lernt eine Mutter im Geburtsvorbereitungskurs, mit den Wehen zu kooperieren, mit denen zu atmen, nicht gegen die zu sein, sich nicht zu verkrampfen. Auf eine ähnliche Art und Weise werden wir als Braut Christi lernen zu kooperieren mit dem Herrn inmitten der Erschütterungen. Das wird die herrlichste Stunde der Kirche sein.

Johannes Hartl – Lebensfragen und Herausforderungen

Gottes Versprechen

und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht Jehova, (Eig ist der Spruch Jehovas) daß, weil du dieses getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, ich dich reichlich segnen und deinen Samen sehr mehren werde, wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist; und dein Same wird besitzen das Tor seiner Feinde; und in deinem Samen werden sich segnen (O. gesegnet werden) alle Nationen der Erde: darum, daß du meiner Stimme gehorcht hast.
Elberfelder 1871- Genesis 22,16–18

Bei mir schwöre ich
– SEIN Erlauten –
ja, dieweil du dieses getan hast, hast deinen Sohn, deinen Einzigen, nicht vorenthalten,
segne, ja segne ich dich,
mehren will ich, mehren deinen Samen
wie die Sterne des Himmels und wie den Sand der am Ufer des Meers ist,
ererben soll dein Same das Hochtor seiner Feinde,
segnen sollen einander mit deinem Samen alle Stämme der Erde,
dem zu Folge daß du auf meine Stimme gehört hast.
Buber & Rosenzweig – 1.Mose 22,16–18

Bei mir habe ich geschworen, spricht Gott, dass, weil du dieses vollbracht, und hast mir deinen Sohn, deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten,
werde ich unbedingt dich segnen und unbedingt deine Nachkommen vermehren wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, welcher am Ufer des Meeres ist, und dein Same wird das Tor seiner Feinde erben,
und es werden sich durch deinen Samen alle Völker der Erde segnen, als Folge dessen, dass du meiner Stimme gehorcht hast.
Rabbiner Samson Raphael Hirsch – 1.Mose 22:16–18

Hat Jehovah sich geiirt? ODer hat ER gelogen? Oder warum gibt es heute so viele Menschen, die den Worten Jehovahs aus 1.Mose 22 widersprechen, und sagen, dass Gott durch die Christen in der einen oder anderen Gemeinde „das Heil“ bringen würde? Warum glauben so viele Menschen, dass Jehovah die 144000 aus den „Heiden“ wählen müßte? Dann hätte Jehovah sich wohl geirrt oder gar gelogen, als ER Abraham versprach aus dem Samen Abrahams den Segen bringen zu lassen! Was hätte wohl Abraham gesagt, wenn er diese „neuzeitliche Auslegung“ hören würde? Ganz klar: Abraham würde erklären, dass durch einen seiner Ururur…enkel der Hauptsegen kommen würde – durch Jehoschuah, den Messias! und dass durch weitere Nachkommen von ihm dann der Segen zu allen Volksstämmen der Erde verbreitet werden!
Ich persönlich glaube ja, dass Jehovah die gesamte Geschichte der Menschheit von Anfang an kannte, und deshalb sich genau so ausdrückt wie wir es lesen können: durch Israel wird der Segen über die gesamte Erde kommen – und ja der „zukünftige König“ der von Zion aus die gesamte Erde beherrschen wird, heißt Jesus Christus – ein Nachkomme von Abraham und Isaak und Jakob.


Gott bestätigte wieder seinen Bund mit Abraham (vgl. 1Mo 15,5.18-21; 17,3-8 ). Seine Nachkommen sollten zahlreich wie die Sterne sein (vgl. 1Mo 15,5; 26,4 ), wie der Sand am Ufer des Meeres (vgl. 1Mo 32,13 ) und »wie der Staub auf Erden« (vgl. 1Mo 13,16; 28,14 ). Gott fügte dann noch ein anderes Element hinzu: Die Nachkommen Abrahams sollten über die Städte ihrer kanaanitischen Feinde siegen. Das geschah später bei der Landnahme durch Josua.
Die Belehrungen über die wahre Verehrung Gottes sind zeitlos gültig: (1) Der Glaube gehorcht völlig dem Wort Gottes. (2) Der Glaube übergibt das Beste Gott und hält nichts zurück. (3) Der Glaube wartet auf den Herrn zur Erfüllung aller seiner Bedürfnisse. Gott sorgt nicht, bevor nicht auch persönliche Opfer gebracht werden. Wahre Verehrung Gottes kostet viel. Das galt zu jeder Zeit für Israel, wenn sie ihre Opfer darbrachten. Jene Gaben sollten im Glauben dargebracht werden und Gott stillte alle Bedürfnisse eines jeden, der bereitwillig Gott anbetete.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Da Gottes Segen vom Glauben abhängt und sich der Glaube durch Gehorsam zeigt, wurde Abrahams Glaube erneut auf die Probe gestellt, als Gott ihm befahl, Isaak als Opfer darzubringen. Wieder einmal wurde Abrahams Glaube durch seinen Gehorsam unter Beweis gestellt. Abrahams Glaube, dass Isaak der einzige Erbe Gottes sein könnte, war so stark, dass er glaubte, Gott müsse ihn von den Toten auferwecken, um die Verheißung zu erfüllen (Hebr. 11:17-19).
Wie zuvor reagierte Gott auf den Gehorsam des Glaubens. Er sagte zu Abraham: „Ich schwöre bei mir selbst, spricht der Herr, dass ich dich segnen und deine Nachkommenschaft so zahlreich machen werde wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Meer, weil du dies getan und deinen einzigen Sohn nicht zurückbehalten hast. Deine Nachkommen werden die Städte ihrer Feinde in Besitz nehmen, und durch deine Nachkommen werden alle Völker der Erde gesegnet werden, weil du mir gehorcht hast“ (Gen 22,16-18). Auch hier versprach Gott Abraham, dass er der Empfänger der Segnungen des Bundes sein würde. Der Bund basierte nicht auf Gehorsam, und auch die Beständigkeit des Bundes beruhte nicht auf Gehorsam – vielmehr war der Empfang der Segnungen des Bundes an Gehorsam gebunden. Vergiss nicht, dass ein unbedingter Bund auch bedingte Segnungen haben kann. Auf der Grundlage des Glaubens, der zum Gehorsam geführt hatte, würde Abraham also die Segnungen der Verheißungen und des Bundes erfahren.

J. Dwight Pentecost – Dein Reich komme – Gottes Reichsprogramm und Bundesverheißungen in der Geschichte nachspüren

Die Einleitung zur fünften Bekräftigung des Abrahams-Bundes beginnt in Vers 15 mit einem Ruf: Und der Engel Jehovas rief Abraham zum zweiten Mal aus dem Himmel. Dies ist die zweite Erscheinung des Engels Jehovas in dieser Begebenheit, aber es ist die zehnte Erscheinung Gottes insgesamt vor Abraham, und diesmal ist es der Engel Jehovas. Dieser Ruf ist auch die fünfte und letzte Bekräftigung des Abrahams-Bundes.
Mose 22:16 gibt die Grundlage für die erneute Bestätigung, die mit einer göttlichen Erklärung beginnt: Bei mir selbst habe ich geschworen, sagte Jehova, was der feierlichste Eid war, den Gott leisten konnte. Er wird auch in Jesaja 45:23, Jeremia 22:5, 49:13 und 51:14, Amos 6:8 und Hebräer 6:13-14 verwendet. Dann fuhr Gott fort, die Grundlage der Bekräftigung zu formulieren: Weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen Sohn, nicht zurückbehalten hast.
In 2.Mose 22,17-18a nennt Gott einige der Bestimmungen des Bundes, wobei er vier Dinge erwähnt. Erstens: Gott sagt, dass ich dich segnen werde, wenn du segnest. Zweitens sagt Gott, dass ich deinen Samen vermehren werde, wobei er zwei Beispiele anführt: wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Meeresufer, was zeigt, dass es sich um synonyme Ausdrücke handelt. Drittens: Gott fährt fort: Dein Same wird das Tor seiner Feinde einnehmen. Viertens schließt Gott ab: In deinem Samen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden. Wie in der ersten Aussage des Abrahambundes, so verspricht Gott auch hier in der letzten Bekräftigung des Bundes gegenüber Abraham eindeutig den Segen der Heiden.
Mose 22,18b bekräftigt dann die Grundlage für diese Bestätigung des Abrahamsbundes: weil du meiner Stimme gehorcht hat.

Arnold Fruchtenbaum – Genesis

Abraham hat bewiesen, dass er bereit ist, seine Nachkommenschaft im Gehorsam gegenüber Gottes Willen aufzugeben. Deshalb ist es angemessen, dass alle früheren Verheißungen jetzt noch einmal bekräftigt werden. Die Formulierung weist mehrere ungewöhnliche Elemente auf. Alle bisherigen Segnungen sind reine Taten der göttlichen Gnade; jetzt werden sie zum ersten Mal als Belohnung für Abrahams Hingabe an Gott präsentiert. Zum ersten Mal werden sie auch mit einem feierlichen Schwur eingeleitet, bei dem Gott bei seinem eigenen Wesen schwört; (- Für Gott, der bei sich selbst schwört, vgl. Jes. 45:23; Jer. 22:5; 49:13; Amos 6:8 -) und sie werden mit der prophetischen Formel „Der HERR verkündet“ (hebr. neʾum YHVH) eingeleitet. Auch beim Inhalt der Segenssprüche gibt es zwei Neuerungen: Der Sand wird als Metapher für die Menge verwendet, und der Nachkommenschaft des Patriarchen wird der Sieg über ihre Feinde versprochen.


Es wird oft behauptet, dass die Geschichte der Akedah eine Polemik gegen Menschenopfer ist und somit einen Wendepunkt in der Religionsgeschichte darstellt, der den Übergang von der rituellen Tötung von Menschen zum Ersatz von Tieren markiert. Ein solches Verständnis der Erzählung lässt sich weder durch die Geschichte noch durch die biblische Tradition stützen. Die Geschichte von Kain und Abel in 1. Mose 4,3f., die erste Opfererzählung in der Bibel, widerspricht dem, denn sie betrachtet ein Tier oder die Produkte des Bodens als natürliche Bestandteile einer Opfergabe. Auch Noah opfert beim Verlassen der Arche Tiere und Vögel, wie in 8,20 berichtet wird. Isaaks unschuldige Frage (V. 7) auf dem Weg nach Morija geht davon aus, dass Gott normalerweise ein Schaf geopfert wird, während der Ersatz des Widders für Isaak eine spontane Geste Abrahams ist, die auf seine eigene Initiative zurückgeht und nicht göttlich angeordnet wurde. Außerdem war das Tieropfer in der gesamten antiken Welt schon immer die akzeptierte Norm. Das musste so sein, schon allein deshalb, weil die alten Heiden glaubten, dass die Götter für ihr eigenes Überleben das Fleisch der Tiere brauchten, das die Menschen ihnen gaben.

Es ist seltsam, dass Abraham nicht gegen die Unmenschlichkeit der göttlichen Aufforderung protestiert, seinen Sohn auf dem Altar zu opfern. Und die Geschichte enthält keine ausdrückliche Verurteilung oder Ablehnung einer solchen Praxis durch Gott. Ein Zeitgenosse hätte daraus schließen können, dass das Menschenopfer nur in diesem Fall begnadigt wurde, aber dass das Opfer bei anderer Gelegenheit durchaus vollzogen werden könnte. Aus all diesen Gründen kann die Behauptung, die Akedah sei ein Protest gegen Menschenopfer, nicht aufrechterhalten werden.

In der Tat ist ein solcher Protest nicht nötig. Die Akedah hat nichts mit heidnischen Menschenopfern gemein, die praktiziert wurden, um eine zornige oder unaufmerksame Gottheit zu besänftigen, wie in 2 Könige 3:21-27. In solchen Fällen ergreift der Anbeter die Initiative. Im Fall von Abraham gibt es keine Notlage, kein drohendes Unheil, das abgewendet werden muss. Es ist Gott selbst, der die Bitte vorbringt, und es ist Gott, der das Opfer unterbricht. In ihrer jetzigen Form ist die Erzählung das Produkt einer religiösen Haltung, die schon lange auf die Vorstellung konditioniert ist, dass der israelitische Monotheismus mit Menschenopfern unvereinbar ist. Eine unbestreitbare Atmosphäre des Besonderen und Einzigartigen durchdringt die Episode. Die Bitte Gottes wird als etwas völlig Außergewöhnliches behandelt, etwas, das ein Mensch von sich aus niemals tun würde. Mehr noch: Sie stellt den Mann des Glaubens so sehr auf die Probe, dass seine Reaktion keineswegs vorhersehbar ist. Es ist selbstverständlich, dass man normalerweise vor einer solchen Tat wie einem Kinderopfer zurückschrecken würde. Gottes Bitte ist so eindeutig schockierend und unwiederholbar, dass der Leser im Voraus darüber informiert wird, dass Gott Abraham nur auf die Probe stellt und das Opfer nicht für seine eigenen Bedürfnisse will. Es ist übrigens erwähnenswert, dass die Autoren, die sich auf die „Versuchung“ Abrahams beziehen, einen veralteten Gebrauch des Wortes verwenden. Im heutigen Sprachgebrauch ist dies eine äußerst unpassende Beschreibung des Geschehens, das nur Leiden und Qualen mit sich brachte.

Warum wird Abraham geprüft? Seit dem ersten Ruf Gottes an ihn in Haran hat keine seiner Erfahrungen bewiesen, dass seine Hingabe an Gott bedingungslos und grenzenlos war, unbeeinflusst von den vielen glorreichen Verheißungen, die er erhielt, oder dem Reichtum, den er erlangte. In dieser Hinsicht haben Abraham und Hiob einen gemeinsamen Umstand, und die Frage des Widersachers nach der Uneigennützigkeit von Hiobs Frömmigkeit (Hiob 1,9) trifft auch auf den Patriarchen zu. Abraham ist dazu bestimmt, ein neues Volk zu gründen, ein Volk, das mit einer einzigartigen Bestimmung in der Familie der Völker ausgestattet sein soll. Deshalb muss er eindeutig beweisen, dass er würdig ist, Gottes Auserwählter zu sein. Seine völlig uneigennützige Hingabe an Gott muss zweifelsfrei bewiesen werden.

Daraus ergibt sich die Ungewöhnlichkeit der Prüfung, und genau diese Ungewöhnlichkeit erklärt, warum Gott und nicht sein Engel sie vorlegen muss, im Gegensatz zum Befehl, sie zu unterlassen. Es wäre nicht angemessen, wenn Abraham aufgefordert würde, sich selbst zu opfern, denn er würde dies sicherlich tun, um seinen Sohn zu bewahren, und er wüsste immer noch, dass die göttlichen Verheißungen eingehalten werden. Die Opferung seines Sohnes ist also die entscheidende letzte Prüfung, die man sich ausdenken kann.

Die Akedah muss in diesem Licht gesehen werden, und nur in diesem Licht. Der Fokus liegt ausschließlich auf Abraham. Alles andere ist aus der Sicht des Erzählers irrelevant und aufdringlich. Deshalb erfahren wir auch nichts über Sara oder die Gefühle Isaaks

Der JPS Tora-Kommentar – Genesis

Ohne Barmherzigkeit wird das Gerichtsurteil über den ergehen, der selbst unbarmherzig gehandelt hat. Und doch ist es so: Die Barmherzigkeit Gottes behält das letzte Wort über das Gericht.

Roland Werner – Das Buch – Jak 2,13

Denn das Gericht wird ohne Barmherzigkeit sein gegen den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat. Die Barmherzigkeit rühmt sich wider das Gericht (O. triumphiert über das Gericht.)
Elberfelder 1871 – Jakobus 2,13

Wer selbst kein Erbarmen gehabt hat, über den wird auch Gott erbarmungslos Gericht halten. Wenn aber jemand barmherzig war, dann gilt: Das Erbarmen triumphiert über das Gericht.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Jakobus 2:13

Gott wird nämlich kein Erbarmen haben mit dem, der selbst unbarmherzig ist. Er wird das Urteil über ihn sprechen. Wer aber barmherzig ist, braucht sich nicht zu fürchten: Bei ihm triumphiert das Erbarmen über das Gericht.
Hoffnung für Alle – Jakobus 2,13

Denn ein unbarmherzig Gericht ergeht über den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat, und Barmherzigkeit rühmt sich wider das Gericht. Mt 5,7; 7,2; 18,34; 25,34f; Lk 16,9; Tit 3,14; 1,16; Weish 6,5f.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Jakobus 2:13

Schon „komisch“ diesen Vers ausgewählt zu sehen, bei einer Gemeinschaft, die es Eltern untersagt, mit Kindern Gemeinschaft zu pflegen, wenn diese nicht mehr Mitglied der Glaubensorganisation sein wollen – aber es zeigt, dass „sie es wissen“ und gegen „besseres Wissen“ diese Regeln fest legen. Aber was wollte Jakobus mit dieser Aussage?

(Vgl. Sach 7,9; Mt 5,7; 18,21–35). Obwohl Gott nicht verpflichtet ist, Gnade zu zeigen, bestimmt er doch freiwillig, sie reichlich zu gewähren. Er behält das göttliche Privileg für sich selbst vor, Gnade zu zeigen, wem er will (Röm 9). Durch sein Gesetz sind wir aufgefordert, Herzenshärte mit Gnade zu begegnen. Er warnt uns davor, dass, wenn wir keine Gnade gewähren, auch wir letztlich keine Gnade von ihm empfangen werden.

Reformations-Studien-Bibel

Unbarmherziges Gericht […] nicht Barmherzigkeit getan, die Rabbinen bezeichneten dies als „Maß für Maß,“, wobei es sich um das Grundprinzip der göttlichen Gerechtigkeit handelt (vgl. bSan 90a), das sich bereits im Tanach zeigt (z.B. Ex 22,20–26). Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht, obwohl der Ausdruck „Denn du bezwingst [hebr. kovesch] mit deinem Erbarmen das Prinzip des Rechts“ (SifBem 134) zusammen mit einem Schriftbeleg aus Mi 7,19–20 in vielen rabbinischen Lehren auftaucht, entsprechen diese nicht ganz dem, was Jakobus meint: Ihm geht es nämlich um die ethische Haltung der Person, die um göttliche Barmherzigkeit bittet. Die engste rabbinische Parallele dafür ist BerR 33,3 zu Gen 8,1: „Wehe den Frevlern, welche das Maß der göttlichen Barmherzigkeit [hebr. rachamim] in das Maß der Gerechtigkeit verwandeln [hebr. din] [d.h. die ungebremste Gewalt, die von der Generation der Sintflut verübt wurde, und der göttliche Zorn, der sie im Gegenzug traf], Heil aber den Frommen, welche die Eigenschaft der Gerechtigkeit in Barmherzigkeit verwandeln“ [z.B. Noah, indem er alle Lebewesen auf der Arche fütterte].

Das Neue Testament – jüdisch erklärt

Absoluter Gehorsam ist ein weiterer Schlüssel zu geistlicher Reife. Ein Christ muß so reden und handeln (Imperativ Präsens), wie Leute, die durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen. Gottes Gesetz bringt durch seine weisen Begrenzungen wahre Freiheit (vgl. Jak 1,25). Ungehorsam gegenüber diesem Gesetz dagegen bringt Abhängigkeit. Gegenüber denen, die nicht Barmherzigkeit geübt haben, erweist sich das Gericht Gottes als ein unbarmherziges Gericht. Doch wie die Liebe über das Vorurteil triumphiert, so triumphiert die Barmherzigkeit … über das Gericht. Das Verb „triumphieren“ oder „sich erheben über“ (katakauchatai) steht außer an dieser Stelle nur noch in Jak 3,14 und Röm 11,18.
Gott hat unveränderliche Gesetze erlassen. Wer geistliche Reife erstrebt, muß diesen Gesetzen zu jeder Zeit voll und ganz gehorchen. Der Gläubige ist deshalb dazu aufgerufen, seinen Bruder liebevoll, barmherzig und mit beständiger Zuneigung zu behandeln.
Jakobus

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Jak spricht von einem Gericht, das nicht nur kühl und sachlich Recht oder Unrecht feststellt. Er redet von der Barmherzigkeit. Es kann ein unbarmherziges oder ein barmherziges Gericht ergehen. Ob wir das eine oder das andere erfahren, richtet sich danach, wie wir mit Menschen, insbesondere mit unseren Brüdern und Schwestern umgegangen sind. Ein unbarmherziges Gericht erwartet die, die selber nicht Barmherzigkeit geübt haben. Ein barmherziges Gericht bekommen die, die selber Barmherzigkeit geübt haben. Jeder wird mit dem Maß gemessen, mit dem er selber gemessen hat (Mt 7,2; 18,29.34).
»Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht« bedeutet: wer Barmherzigkeit geübt hat, wird im letzten Gericht auch Barmherzigkeit erfahren und so aus dem Gericht »siegreich« hervorgehen. »Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem HERRN, und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat« (Spr 19,17).
Mit der Barmherzigkeit ist an dieser Stelle nicht die Barmherzigkeit Gottes gemeint. Das Wort steht im Gegensatz zu dem zuvor erwähnten unbarmherzigen Handeln, das dem Armen die nötige Ehrerbietung schuldig bleibt. Dennoch wird man sich daran erinnern, dass Jesus von denen Barmherzigkeit verlangt, denen selber Barmherzigkeit widerfahren ist: »Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist« (Lk 6,36; Mt 18,23–35). Jak meint die Barmherzigkeit von Menschen, die ihrerseits bereits die Barmherzigkeit Gottes erlangt haben und davon leben.
Der Abschnitt 2,1–13 ist voll ernster Ermahnungen; er endet aber mit einem Jubelruf: Die Barmherzigkeit wird triumphieren, sie wird jubeln, sich gegen das Gericht »rühmen« (so wörtl.). Damit ist nicht gemeint, dass sich der Barmherzige in Selbstruhm erhebt. Die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht, weil sie es nicht zu fürchten braucht.

Hans-Jürgen Peters – Wuppertaler Studienbibel

Die Bedeutung der Barmherzigkeit im Gericht (V. 13).

13 a) Die erfahrene Barmherzigkeit. „Die Barmherzigkeit rühmt sich gegen das Gericht“: Wer kann denn da noch selig werden, wenn hier (im Bild des Schülers gesprochen) sozusagen eine volle Eins als Durchschnittszeugnis verlangt wird? Jakobus gibt die Antwort mit dem Wort „Barmherzigkeit“, grie „éleos“ A .
A) „Kyrie eleison“, der alte Gebetsruf der Kirche, hängt sprachlich damit zusammen und bedeutet: „Herr, erbarme dich.“

Ins Blickfeld trat die Barmherzigkeit Gottes erstmalig in der atst Geschichte, als es auf des Messers Schneide stand, ob Gott das von ihm erwählte Volk wieder verwerfen müsse. Hier wurde ausgesprochen: Gott übt nicht nur Barmherzigkeit, er ist Barmherzigkeit. Barmherzigkeit ist geradezu die Summe seines Wesens, sein Name (2 Mo 33,19;34,6). Das Gericht einer vergeltenden Gerechtigkeit sagt: Der Mensch muß sterben. Die Barmherzigkeit sagt: Der Mensch soll leben. Die richtende Gerechtigkeit fordert, daß der Mensch in Ewigkeit von Gott geschieden sei. Die Barmherzigkeit Gottes will den Menschen ganz nah bei sich haben. Und nun triumphiert die Barmherzigkeit über das Gericht. Wie ist es dazu gekommen? Die Barmherzigkeit Gottes ist „erschienen“ (Lk 1,78.79). So jubelt en Zeuge der Geburt des Sohnes. Nun war die Barmherzigkeit Gottes im Vollsinn da und am Werk. Dieser Eine machte sozusagen die volle „Eins“ So bezeugte der Vater: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Und nun hat Jesus mit uns Menschen getauscht: „Er ist für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir in ihm würden die Gerechtigkeit Gottes“ (2 Kor 5,21). Unser Herr hat unser miserables Zeugnis übernommen und alle Folgen daraus getragen; er ließ sich an unserer Statt wie eine völlig unbrauchbare Schülerarbeit „durchkreuzen“. Und umgekehrt gibt er uns sein hervorragendes Zeugnis, so daß wir uns auch vor dem letzten Gericht nicht zu fürchten brauchen. Auf diese Weise triumphiert in unserem Leben einmal in Ewigkeit die Barmherzigkeit über das Gericht; die Barmherzigkeit hat und spricht das letzte Wort A .
A) Interessant ist die Entstehung der deutschen Wörter „erbarmen“ und „Barmherzigkeit“. Als einst gotische Missionare vom heutigen Siebenbürgen her donauaufwärts nach Süddeutschland kamen, waren sie in derselben Lage, in der sich oft auch unsere Missionare unter der heidnischen Volksstämmen befinden: Sie fanden nicht die Wörter, die Wortgefäße vor, in denen die biblische Botschaft ausgedrückt werden konnte, z. B. der biblische Begriff der Barmherzigkeit. So mußten auch sie schon zu neuen Wortbildungen greifen. Es war ein Zeitwort „arman“, „armen“ vorhanden, das „arm machen“, „berauben“ bedeutete. Das kannten unsere germanischen Vorfahren offenkundig. Nun verwandelten die Missionare dieses Zeitwort durch die Vorsilbe „ab“ in die gegenteilige Bedeutung. Darauf setzten sie noch eine verstärkende Vorsilbe davor „ir“ oder „er“; das „a“ fiel dabei weg. So entstand „erbarmen“ = ganz und gar von der Armut befreien. Und schließlich wurde daraus „barmherzig“ und „Barmherzigkeit“ = ein Herz haben für die Armen und sie ganz und gar von der Armut befreien.


b) Die geübte und nicht geübte Barmherzigkeit. In der Bibel steht von der Barmherzigkeit Gottes, ehe von der Barmherzigkeit des Menschen die Rede ist (2 Mo 34,5.6;Ps 103,4.8). Jesus selbst war zunächst der große „barmherzige Samariter“, der von „Jerusalem“ nach „Jericho“, von der himmlischen Herrlichkeit in diese Welt hinabging (Phil 2,6-8) und unter Einsatz seines Lebens sich des unter den Mörder und Räuber, den Feind, gefallenen Menschen annahm. Doch Gott will, daß wir die empfangene Barmherzigkeit weitergeben. „Weil uns denn Barmherzigkeit widerfahren ist, so werden wir nicht müde“ (2 Kor 4,1). Der Mensch geht der Gnade, der Vergebung und der Barmherzigkeit, die er empfangen hat, wieder verlustig, wenn er sich weigert, sie auch andern Menschen weiterzugeben. „Das Gericht wird erbarmungslos gegen den ergehen, der kein Erbarmen bewiesen hat“: Wir können und müssen uns die Seligkeit nicht verdienen. Durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit wird sie uns geschenkt. Doch wir können ihrer wieder verlustig gehen, wenn wir unser Vergeben und unsere Barmherzigkeit überhaupt andern Menschen vorenthalten.

Im Gleichnis vom Schalksknecht (Mt 18,21 ff) sagt Jesus von dem Mann, der 100 Millionen veruntreut hat und nun um Stundung bittet (eine unsinnige Sache, denn er kann ja seine Schulden nie zahlen). Durch die Barmherzigkeit seines Herrn empfing er noch viel mehr als er erbeten hatte, nicht nur Zahlungsaufschub, sondern Erlaß. Doch als er nachher seinem Mitknecht unbarmherzigerweise die Stundung von auch nur hundert Mark verweigerte, da ging er der empfangenen Barmherzigkeit wieder verlustig; er hatte sie nicht wahrhaft als Barmherzigkeit empfangen, sonst hätte er so nicht handeln können A .
A) Rechte Barmherzigkeit reicht auch bis zu den Tieren: „Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs“ (Spr 12,10). Der Wurm im Staub ist nicht tiefer unter dem Menschen als der sündige Mensch unter Gott.

Unsere Unbarmherzigkeit kann sehr verschiedene Gestalt haben. Sie kann auch darin bestehen, daß wir unsere wirklichen oder vermeintlichen Qualitäten sehr ins Licht rücken, und andere darüber verzagt und gegen ihren Schöpfer bitter werden. „Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe und erfahre, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege“ (Ps 139,23.24).

Zu diesem „bösen Weg“, zu dieser Versagung der Liebe und Barmherzigkeit gehört, so sagt uns Jakobus, auch das „Person-Ansehen“. Auch dieses führt zu einem erbarmungslosen Gericht. Bleiben wir uns dessen eingedenk, daß wir alle auf dem Weg sind zu dem großen Gerichtstag mit den schweren Folgen der versagten Barmherzigkeit.

F. Grünzweig – Wuppertaler Studienbibel

Wenn der Verkehr so geschieht, wie er im Vorangehenden dargestellt ist, geschieht lauter Unbarmherzigkeit. Unbarmherzig handeln die, die die Christen verurteilen und hinrichten, unbarmherzig aber auch die Christen, sowohl wenn sie den Armen verachten, als wenn sie dem Reichen schmeicheln. Da findet nirgends ein ποιῆσαι ἔλεος statt, ein Handeln, durch das das, was den anderen bedrückt, mitempfunden und hilfreich beseitigt würde. Und doch steht über allen das sie richtende Gesetz, vor dem es für den Übertreter keine Entschuldigung gibt. Gibt es etwas, was ihn rettet? Ist er unbarmherzig, dann rettet ihn nichts. Das Boshafte und Verwerfliche, das unser Verhalten zu der uns den Tod bringenden Verschuldung macht, ist die Unbarmherzigkeit. Diese verdammt und vernichtet das Gesetz unerbittlich. Dadurch aber, daß das Gesetz gegen die Unbarmherzigkeit streitet, bereitet es uns den Weg in die Freiheit, die über seinem Gericht steht und es mit Zuversicht und Jubel erwartet. Zum Geber der Freiheit und der Gerechtigkeit wird das Gesetz für den Barmherzigen.
Indem Jakobus von dem zur Hilfe bereiten Erbarmen spricht, nennt er dem, der sich auf das Gebot beruft: „Du sollst deinen Nächsten lieben“, den Prüfstein, an dem er erkennen kann, ob seine Liebe mehr sei als verschönte Eigensucht. Wenn ihm die Liebe da fehlt, wo er helfen soll, wenn er nur im Reichen den Nächsten sieht, den er lieben muß, dann ist seine Berufung auf das Gebot der Liebe Selbstbetrug.
ποιεῖν τὸ ἔλεος, so handeln, daß daraus hilfreiches Erbarmen wird, ist eine alte hebräische Formel.1 Sie gibt das Positive zu den Verboten der zweiten Tafel des Dekalogs und faßt alles zusammen, was diese verlangen. Daraus, daß Jakobus unsere Pflicht an jenen Verboten maß, entstand folgerichtig der Satz, das Gericht verdamme den Unbarmherzigen. Aber nicht nur im sprachlichen Ausdruck bewahrt Jakobus die Gemeinschaft mit dem Rabbinat, sondern die ganze Gedankenreihe: Recht und Barmherzigkeit, דִּין und חֶםֶד, die Zweiheit der Normen, die beide heilig sind, ihr Unterschied, der sich für unser Denken zum Gegensatz verschärfen kann, und der Vorrang der Barmherzigkeit, die stärker ist als das Recht, das alles war befestigtes Eigentum der jerusalemischen Theologie. Tritt damit auch eine Annäherung an jenen Gedanken ein, den Jakobus mit Vers 10 verworfen hat, der im gütigen, hilfreichen Werk die Deckung für die Sünde sucht? Aber gerade weil der Satz, der den Übertreter des einen Gebotes ohne Ausflucht schuldig heißt, unantastbare Gewißheit und heilige Geltung hat, hat die Frage den tiefsten Ernst, was es für ein Verhalten gebe, auf das das Gesetz keine Verdammung legt. Wenn wir nichts als sündigen könnten, wären wir verloren. In treuem Anschluß an die Verheißung, die Jesus den Barmherzigen gegeben hat, sagt Jakobus: Größer als das vergeltende Recht ist die helfende Barmherzigkeit. Das ist so, weil Gott barmherzig ist, und deshalb gibt es für die Verschuldeten nicht nur ein angstvolles Entrinnen vor dem Gericht des Gesetzes, sondern einen freudigen Empfang seines Spruchs, weil der barmherzige Gott die Barmherzigen vom Urteil des Gesetzes befreit.
Wieder wird der Jubel hörbar, mit dem der Brief 1, 2 begann. Jakobus steht als der Schuldige vor Gott, nun aber nicht so, daß die Angst nach Erbarmung riefe; die aus der Angst geborene Bitte um Barmherzigkeit kennt er nicht. Gottes Barmherzigkeit hat Gottes Herrlichkeit in sich und steht mit Gottes Vollmacht über dem Recht und Gericht. Darum hat Jakobus, der alle schuldig heißt, den freisprechenden Spruch Gottes nicht nur Vergebung, Erlaß der Strafe, ἄφεσις, sondern, wie Paulus, Rechtfertigung genannt.
Denen, die ihre Rede vom Eid rein halten und bei der Wahrheit bleiben, sagt Jakobus: „Ihr fallt nicht unter das Gericht“, ihr kommt nicht in seine Gewalt, 5, 12. Wer nicht unter das Gericht gestellt wird, rühmt sich gegen dasselbe. Dem, der den Bruder aus der Verirrung zurückführt, sagt er, er könne die Menge seiner Sünden zudecken, 5, 20. Sind die Sünden bedeckt, so werden sie nicht gerichtet. Die Formeln des Jakobus sind nicht weniger zuversichtlich als die des Johannes, wenn er dem Glaubenden sagt, er komme nicht in das Gericht.
Wir hören durch dieses Wort, was Jakobus aus einem Knecht des Gesetzes zu einem Knecht Jesu gemacht hat. Im Gesetz fand er nirgends etwas, was ihm helfen könnte; es ist ganz gebrochen. Was ihm hilft, ist das Erbarmen, und dieses hat er bei Jesus gefunden. Wir erfahren, was das Kreuz Jesu für Jakobus bedeutet hat; es war ihm die Offenbarung des göttlichen Erbarmens.

Schlatter – Der Brief des Jakobus

In V.13 wird uns ein unfreundlicher und unbarmherziger Mensch vorgestellt. Am Tag der Beurteilung wird er gerettet werden, doch so wie durchs Feuer. Indem wir dies wissen, geziemt es uns mit Sicherheit, barmherzig zu sein. Mit anderen Worten: Wir sollen die Gnade Gottes an Mitmenschen – Heilige wie Sünder – weitergeben, denn die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht. Die Welt bezeichnet denjenigen, der keine Barmherzigkeit erweist, umgangssprachlich als Rauhbein (A.d.Ü.: Textangleichung). (1) A.d.Ü.: Hier wurde bei der Versangabe eine Ergänzung vorgenommen. (2) A.d.Ü.: vgl. Anm. zu 1,5 (3) A.d.Ü.: In Anlehnung an den Bibeltext heißt es „ihr“ im Original. Die deutsche Wiedergabe vermeidet einen Wechsel des Subjekts.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Nach dem Aufruf zum Reden und Handeln in Vers 12 liefert Jakobus in Vers 13 die Grundlage für diesen Aufruf: Denn das Gericht wird ohne Barmherzigkeit sein gegen den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat. Die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht. Das Gesetz des Messias vergibt also dementsprechend Barmherzigkeit oder Gericht. Das Wort denn bietet die Erklärung für das, was in Vers 12 geschrieben wurde. Die Erklärung lautet: Das Gericht wird ohne Barmherzigkeit sein gegen den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat. Das Gericht bezeichnet hier das Gericht aus Vers 12, vor allem den Richterstuhl Christi (2Kor 5,10). Der Gerichtsmaßstab vor dem Richterstuhl ist das Gesetz der Freiheit oder Gesetz des Messias. Das Wort geübt ist ein Aorist, der aufzeigt, dass im Leben eines Menschen ein Mangel an Barmherzigkeit andern gegenüber charakteristisch war. Das Wort Barmherzigkeit betont die äußerlichen Erweise von Mitleid und Mitgefühl, gezeigt durch freundliche Handlungen. Mangelnde Barmherzigkeit kommt vor dem Richterstuhl des Messias wie ein Bumerang zurück. Die Worte ohne Barmherzigkeit sind im Griechischen nur ein Wort. Dieses Wort kommt nur hier vor; es ist ein negatives Adjektiv. Die zuvor in diesem Kapitel beschriebene Behandlung des Armen spiegelt einen Mangel an Barmherzigkeit; jedoch triumphiert [Barmherzigkeit] über das Gericht. Das griechische Wort triumphieren bedeutet „sich über etwas rühmen, sich über etwas erheben“. Es wird nur drei Mal gebraucht: hier, nochmals in 3,14 und außerdem in Römer 11,18. Auch steht im Griechischen dieses Wort an betonter Stellung.

Die Kernaussage: Barmherzigkeit zu erzeigen, bedeutet Barmherzigkeit zu erhalten; Gericht zu zeigen, bedeutet Gericht zu empfangen. Jedoch triumphiert Barmherzigkeit sieghaft über Verdammung. Gott möchte nicht verdammen; er möchte lieber Barmherzigkeit erzeigen. Wer jedoch keine Barmherzigkeit erzeigt, wird Verdammnis erhalten.

Arnold Fruchtenbaum – Der Jakobusbrief

ist es alles SEIN Plan?

Denn Gott hat in ihre Herzen gegeben, seinen Sinn zu tun und in einem Sinne zu handeln (W. einen Sinn zu tun) und ihr Königreich dem Tiere zu geben, bis die Worte Gottes vollbracht sein werden.
Elberfelder 1871 – Offenbarung 17,17

Gott selbst hat ihnen den Gedanken eingegeben, mit dem Tier gemeinsame Sache zu machen und diesem ihre ganze Macht zur Verfügung zu stellen, um gegen die Hure zu kämpfen. Denn damit führen sie den Plan Gottes aus, bis alles geschehen ist, was er angekündigt hat (- wörtlich: bis die Worte Gottes vollendet/erfüllt sind -).
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Offenbarung 17,17

Denn Gott hat ihnen einen Plan eingegeben, der sie zu Werkzeugen seiner Absicht macht. Sie werden vereinbaren, ihre Vollmacht an das scharlachrote Tier abzutreten, bis sich Gottes Worte erfüllt haben.
Neues Leben – Bibel 2006 – Offenbarung 17:17

Wenn man die Bibel zum x-Mal liest, dann könnte man zu dem Schluß kommen: alles läuft genau so ab, wie es sich der Schöpfer vor Beginn der Zeit „ausgedacht hatte“ – es kommt genau zu dem „guten Ende“ wo ER hin wollte. Und durch den „Schlamassel zwischendurch“ zeigt ER uns SEINE große Liebe – denn ohne dieses Zwischenspiel, wüßten wir überhaupt nicht, was auf dem Spiel stand, und auch nicht, wie groß SEINE Liebe zu uns Menschen ist.
Wenn das so ist, dann sollten wir aufhören, die Offenbarung „auseinander zu schneiden“ – und verstehen, dass die Offenbarung uns eins zeigen will: ja, es wird schlimmer, aber das „schlimmer“ hat nur das Ziel, dass Gott eingreift. Und alles, jeder Schritt und jede Stufe ist unter Seiner Kontrolle!


„Und die zehn Hörner, die du sahst, diese werden die Hure hassen und werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen“ (Vers 16). Zweifellos wird die Kirche Roms das Werkzeug sein, um die zehn Königreiche mit der Macht Roms zu verbinden. Während diese ihre Herrschaft für eine Zeit ertragen werden, weil sie ihren Zwecken dient, werden sie sich mit dem Tiere mit grimmigem Hass gegen sie wenden und sie ihres gewaltigen Wohlstandes berauben, wie sie es auch schon mit anderen gemacht haben. Sie werden sie für das Feuer bestimmen. Ohne Zweifel wird dies am Ende der ersten Hälfte der letzten Jahrwoche geschehen, wenn das Tier seinen Bund mit dem jüdischen Volke brechen wird, durch welchen es die Anbetung Jehovas gestattet hat, um göttliche Ehren nur für sich selbst in Anspruch zu nehmen unter Ausschluss aller anderen. Das Tier wird dann mit den Heiligen Krieg führen. Das wird in der Hauptsache durch das zweite Tier im Lande Palästina geschehen und mit dem Aufstellen des Bildes des Tieres in Verbindung stehen. Zu derselben Zeit wird durch die zehn Könige in Verbindung mit dem Tiere ein Vertilgungskrieg gegen die abgefallene Kirche geführt werden, die äußerlich den Namen Christi tragt und Anspruch auf Seine Rechte erhebt, indem sie behauptet, dass die Forderungen Gottes in ihr niedergelegt sind. Diese Könige zerstören sie nicht nur wegen ihres Verderbens, sondern weil sie den Namen Gottes trägt, den sie zu hassen gelernt haben. Sie erfüllen aber gleichzeitig, ohne sich dessen bewusst zu sein, den Willen Gottes, Gott benutzt sie, um die falsche Kirche zu zerstören. Vereinigt mit dem Tiere, und indem sie diesem ihre Macht geben, erfüllen sie lediglich Gottes eigenes Wort. Himmel und Erde werden vergehen, aber Gottes Worte werden nicht vergehen. Welch eine Grundlage für den Heiligen, um darauf zu ruhen! „Der Grimm des Menschen wird dich preisen, und mit dem Rest des Grimms wirst du dich umgürten.“ Es ist kein Eifer für Gott in der Erfüllung Seines Wortes zu finden, sondern nur Verachtung und Hass gegen Ihn, und darum werden sie nachher selbst in das Gericht Gottes gebracht.

H.G. Moss – Das Buch der Offenbarung

Wirst du, lieber Leser, Teil einer Organisation sein, die alle Kompromissse eingegangen ist, um auch als „Gemeinschaft des öffentliches Rechts“ anerkannt zu werden, um an Steuervergünstigungen zu kommen?

Gott ist der Veranlasser dieses ganzen Geschehens.
a) »Denn Gott hat’s ihnen gegeben in ihr Herz, zu tun seinen Ratschluss« (V. 17):
Sie meinen, es sei ihr Ratschluss, ihre großartige Idee, dass sie nun die Hure ausschalten; in Wirklichkeit aber vollstrecken sie, ohne es zu wissen, Gottes Urteil.
Gott macht auch die Kraft des Bösen, des Feindes selbst, für seine Ziele nutzbar, was jedoch die Feinde Gottes nicht entlastet; denn alle werden nach ihren Absichten gerichtet.

b) »Und zu tun einerlei Ratschluss und zu geben ihr Reich dem Tier, bis dass vollendet werden die Worte Gottes«:
Zunächst wird noch einmal von der Tatsache der Bevollmächtigung des Antichrists gesprochen (V. 13 und das dazu Gesagte) und damit von der großen Gemeinsamkeit. Dann aber redet unser Schriftwort auch hier von der Ursache dieser Gemeinsamkeit: »Gott hat’s ihnen in ihr Herz gegeben« (V. 17).
Und schließlich hat diese Zusammenführung des Tieres und seiner Satelliten, diese Zusammenballung der Macht, nach Gottes Willen und Wort, nach seiner Ankündigung, zum Ziel, dass sie alle miteinander von dem Gericht getroffen werden (vgl. Offb 16,16 und das dort Gesagte und ebenso Offb 19,19.20).
In seiner unermesslichen Überlegenheit an Weisheit und Macht vollzieht Gott zunächst durch den Antichrist und seinen Anhang das Gericht an der Hure und anschließend unmittelbar an diesen Mächten selbst.

Gerhardt Maier – Edition C

Die zehn Könige hatten ihre privaten Gründe, warum sie die Hure vernichten wollten. Auch das Tier hatte seine Ursachen, um mit ihr abzurechnen. In den Jahren seines Aufstiegs war sie ihm nützlich gewesen. Es ist denkbar, dass sie den diplomatischen Geniestreich einfädelte, der ihm die Macht über die zehn Könige verschaffte. Jetzt brauchte er sie nicht mehr, und ihm wird ihre Macht gefährlich groß geworden sein. Aber hinter diesen Marionetten steht ohne Zweifel Satan, der befindet, jetzt sei der Augenblick gekommen, seinem Mann, dem Tier, alle göttlichen Ehren zu verschaffen, wie es in 2.Thes 2,4 heißt, dass er „sich selbst erhöht über alles, was Gott heißt oder ein Gegenstand der Verehrung ist, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst darstellt, daß er Gott sei“. Die Hure ist jetzt nicht mehr; nun ist der Weg frei zur letzten Religion der Menschheit, der Anbetung des Menschen. Jedes Geheimnis ist jetzt weggeblasen, alle Hüllen sind gefallen. Die letzte und endgültige Form des babylonischen Götzendienstes ist für die letzten drei ein halb Jahre eingerichtet. Das Judentum ist verboten worden, das Christentum ist inzwischen weggefegt, im Menschen der Sünde wird Satan angebetet. Die zehn Könige, das Tier und Satan wirken nach ihren eigenen Absichten und sie meinen, sie würden frei entscheiden, was ihnen beliebt, dabei tun sie das, was Gott von ihnen will. RV beruft sich auf gute Handschriften und liest (wie Elberf): „Denn Gott hat in ihre Herzen gegeben, seinen Sinn zu tun und in einem Sinne zu handeln und ihr Königreich dem Tiere zu geben, bis die Worte Gottes vollbracht sein werden.“ Der Ausdruck „und ihr Königreich dem Tiere zu geben“ ist stärker als der Ausdruck „und geben ihre Gewalt und ihre Macht dem Tiere“. Sie sind nunmehr abhängige Monarchen unter der Hoheit des Tieres, und es scheint, dass die Vernichtung der Hure ihre erste gemeinsame Aktion ist. Dabei tun sie, ohne es zu wissen und zu wollen, Gottes Willen. Gott nannte den Assyrer „Rute meines Zornes“, als dieser lediglich das Werkeug in Gottes Hand war, um Israel zu züchtigen (Jes 10,5). Als die Babylonier Jerusalem zerstörten und Juda verschleppten, waren sie lediglich Vollstrecker des göttlichen Urteils. Ebenso das Tier und die zehn Könige in ihrer Aktion gegen die Hure. Der letzte Satz im Vers zeigt, wie diese gottlosen Gerichtswerkzeuge unter göttlicher Einschränkung stehen. Sie können nur handeln, „bis die Worte Gottes vollbracht sein werden“. Was der Engel in 14,8 gerufen hatte, hallt jetzt durch die ganze Welt: „Gefallen, gefallen ist Babylon!“ Gott hat vollstreckt, was Er verheißen hatte.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

„Geld ist ein Schutz“

Denn im Schatten ist, wer Weisheit hat, im Schatten, wer Geld hat (Eig im Schatten ist die Weisheit, im Schatten ist das Geld;) aber der Vorzug der Erkenntnis ist dieser, daß die Weisheit ihren Besitzern Leben gibt (O. ihre Besitzer am Leben erhält.)
Elberfelder 1871 – Prediger 7,12

Denn wie die Weisheit Schutz gewährt, gewährt auch das Geld Schutz;(- Sinn des Hebr.: Denn Schatten bietet (es erfrischt) die Weisheit wie das Silber, doch die Weisheit verdient den Vorzug, weil sie allein Leben gibt, denn wer der Traurigkeit nachgibt, kommt in Gefahr, so das Leben des Leibes wie das der Seele zu verlieren. – Gott angenehm macht und Strafe abwendet. -) aber darin hat Erfahrung und Weisheit den Vorzug, dass sie ihren Besitzer Leben geben.
Allioli Bibel – Kohelet 7,13

Denn im Schatten der Weisheit heißt im Schatten des Silbers,
aber der Vorrang von Wissen ist: die Weisheit belebt ihren Meister.
Buber & Rosenzweig – Kohelet 7:12

Denn im Schatten der Weisheit ist’s wie im Schatten des Geldes, aber der Gewinn der Erkenntnis ist: Die Weisheit erhält ihren Besitzer am Leben.
Die Philippson-Bibel – Prediger 7:12

Ein realistischer Mensch weiß natürlich, daß man auf Geld nicht völlig verzichten kann. Die Bibel offenbart in dieser Hinsicht eine wirklich ausgewogene Weisheit, denn es heißt darin: „Weisheit dient zum Schutz, ebenso wie Geld zum Schutz dient; aber der Vorteil der Erkenntnis ist, daß die Weisheit ihre Besitzer am Leben erhält“ (Prediger 7:12). Die Bibel läßt uns somit erkennen, daß Geld zwar wichtig, aber nicht das Wichtigste ist. Es ist lediglich ein Mittel zum Zweck, und es ist nur von begrenztem Wert, wenn es einem an Weisheit fehlt, richtig damit umzugehen.

Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?

Nur wenige wissen, daß die Bibel das Reichsein nicht verurteilt. Einige treue Diener Gottes der Vergangenheit, wie Abraham und Hiob, waren sehr reich. Die Bibel erkennt an, daß Geld nützlich sein kann und im gegenwärtigen System der Dinge „zum Schutz dient“ (Prediger 7:12).
Zugleich verurteilt Gottes Wort aber die habgierige „Geldliebe“ und sagt, daß manche, die „dieser Liebe nachstrebten, . . . vom Glauben abgeirrt“ sind. Darüber hinaus haben sie „sich selbst mit vielen Schmerzen überall durchbohrt“. Deshalb warnt die Bibel eindringlich: „Die aber, die entschlossen sind, reich zu werden, fallen in Versuchung und in eine Schlinge und in viele unsinnige und schädliche Begierden, die die Menschen in Vernichtung und Verderben stürzen“ (1 Timotheus 6:9, 10).
Statt auf materiellen Reichtum als wertvollstes Gut hinzuweisen, sagt die Bibel: „Gewiß ist sie ein Mittel zu großem Gewinn, diese Gottergebenheit zusammen mit Selbstgenügsamkeit. Denn wir haben nichts in die Welt hineingebracht, und wir können auch nichts mit hinaustragen. Wenn wir also Lebensunterhalt und Bedeckung haben, werden wir mit diesen Dingen zufrieden sein“ (1 Timotheus 6:6-8). Derselbe Schreiber, der Apostel Paulus, drückt dies in einem anderen Brief wie folgt aus: „Eure Lebensweise sei frei von Geldliebe, indem ihr mit den vorhandenen Dingen zufrieden seid. Denn er hat gesagt: ,Ich will dich keineswegs im Stiche lassen noch dich irgendwie verlassen‘ “ (Hebräer 13:5).

Erwachet! – 22.Januar 1975

So einfach die Übersetzung von V. 12 erscheint, so schwierig ist seine Bedeutung. Der Schatten ist im AT ein geläufiges Bild für einen Schutzort. Daß die Weisheit eine schützende Funktion ausübt, ist auch aus anderen Einsichten der atl. Weisheitsliteratur ersichtlich. Aber daß dieser Schutz mit der schützenden Wirkung des Geldes in Zusammenhang gebracht wird, erscheint ungewöhnlich. Entweder gab es tatsächlich Weisheitslehrer, die sich nicht scheuten, aus der Weisheit Kapital zu schlagen bzw. sich mit Reichtum zu verbünden und abzusichern und diesen Reichtum vermittels ihrer Weisheit zu stabilisieren. Oder es wird einfach verglichen: Weisheit hat eine ähnlich schützende Wirkung wie das Geld. Aber – und dies wird deutlich hervorgehoben – der Nutzen von Erkenntnis geht weiter: Während der Reichtum sich schädlich, gar tödlich auswirken kann (vgl. 5,9ff), belebt die Weisheit ihren Besitzer, d.h. sie verhilft ihm zum Leben, bewahrt und stärkt sein Leben. Damit ist die Weisheit der Macht des Geldes noch überlegen.

Wuppertaler Studienbibel

In V 12 ist »Schatten« eine Metapher für Schutz (vgl. Ps 17,8; 36,8; 57,2; 63,8; 91,1f.). In 6,11 jedoch wurde das menschliche Leben mit einem (schnell dahingleitenden) Schatten verglichen (vgl. Ps 102,12; 109,23, 144,4 par. הֶבֶל). So ist, von 6,11 her gelesen, in 7,11–12 unterschwellig die Todesthematik präsent. Vor diesem Hintergrund wird dann in V 12b gesagt, dass die Weisheit denjenigen, der sie besitzt, am Leben erhält. Damit ist das Selbstverständnis der Weisheit auf den Begriff gebracht. »Wer nach ihr greift, dem ist sie ein Lebensbaum, wer sie festhält, ist glücklich zu preisen« (Spr 3,18; 28,26; vgl. Sir 1,20; Weish 6,18f.; 9,19; 10,1f.).

Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament

Wenn Wohlergehen Hand in Hand mit Weisheit geht, kann es dem Menschen sehr nützlich sein. Salomo stellt fest, daß Weisheit ein zusätzlicher Segen neben dem Wohlstand sein kann. ( Weisheit ist gut zusammen mit einem Erbgut). Weisheit beschirmt den Mensch (wörtlich: „bietet ihm Schatten“; vgl. „Schutz“ in 4Mo 14,9 ) und erhält das Leben dem, der sie hat . Wenn auch die äußeren Umstände die gleichen sind, so wird doch der Mensch, der einen törichten Lebensstil meidet, länger leben (vgl. Pred 7,17; Sprüche 13,14 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

In 7,11–12 geht es um den «Vorteil» von Weisheit (vgl. jōtēr in V.11; jitrōn in V.12). In beiden Versen wird Weisheit dabei mit «Besitz» bzw. «Geld» verglichen, wobei 7,12 präzisiert, dass dabei an «Schutz» gedacht ist. Die Grundbedeutung dieses Wortes ist «Schatten»; oft wird es im Sinn von «Schutz gebendem Schatten» bzw. eben «Schutz» gebraucht (vgl. z. B. Ps 17,8; vgl. die treffende Übersetzung der Zürcher Bibel mit «beschirmt»). In Übersteigerung dieses Gedankens heisst es am Ende von 7,12, dass Weisheit «am Leben erhält». Sowohl der Vergleich von Weisheit mit Reichtum (vgl. 8,10; 19,15; Sir 51,28) als auch die Assoziation von Weisheit mit Leben (vgl. Spr 3,16.18) sind typisch weisheitlich. Beim Reichtum sind dabei aber «besser-als»-Formulierungen üblich (vgl. Spr 3,14; 8,19; 16,16). Obwohl Kohelet viele der Sprüche aus 7,1–8 als «besser-als»-Formulierungen bringt, formuliert er hier beim Reichtum anders: Er gebraucht die Präposition ʿim, die in der Regel «mit» bedeutet, hier aber wohl im Sinn von «wie (auch)» zu verstehen ist (vgl. so auch in 2,16; Hiob 9,26; 37,18). Vermutlich ist das kein Zufall, vielmehr deutet Kohelet seine Zweifel an der traditionellen Lehre an und formuliert in einer Weise, die auch die Deutung zulässt, dass Weisheit «wie» Reichtum bzw. Besitz ist – auch in dem Sinn, dass sie ihrem «Besitzer» (hier übersetzt mit «wer Weisheit hat») wieder verloren gehen kann (vgl. 5,12–13 – ebenfalls mit dem Wort «Besitzer»). Folgt man dieser Linie, kann man auch das Wort «Schatten» in 7,12 dekonstruktiv lesen: nicht im Sinn von «Schutz», sondern im Sinn von «Vergänglichkeit» (vgl. so in 8,13; Ps 102,12; Hiob 8,9). Subtil macht Kohelet durch diese Zweideutigkeiten darauf aufmerksam, dass er die Maximen über die Vorteile von Weisheit für problematisch hält. Auch er weiss um Vorteile der Weisheit vor der Torheit zu Lebzeiten (vgl. 7,19; 8,1; 9,15; 10,2.10.12; in der Rolle des Königs weiter 2,13). Derart pauschale Aussagen aber, wie er sie in 7,11–12 zitiert oder nachahmt, hält er für falsch (vgl. 6,8; 9,11.16).

Annette Schellenberg – Zürcher Bibelkommentare

Hast du einen Mann gesehen, der bei seiner Arbeit geschickt ist?

Siehst du einen Mann, der gewandt ist in seinem Geschäft-vor Königen wird er stehen, (d. h. in den Dienst von Königen berufen werden) er wird nicht vor Niedrigen (Eig Unansehnlichen) stehen.
Elberfelder 1871 – Sprüche 22,29

Siehst du einen Mann, der in seinem Geschäft (oder: Fach) tüchtig ist, so wisse: bei Königen kann er in Dienst treten; er braucht nicht niedrigen Leuten seine Dienste zu widmen.
Menge – Sprüche 22:29

Siehest du einen Mann, der gewandt ist in seinem Geschäfte, der müsse beim Könige angestellt, und nicht bei Geringen angestellt werden.
van Ess 1858 – Sprüche 22,29

der seine Arbeit mit Geschick verrichtet Der hebräische Begriff māhīr bedeutet, „jemand, der schnell bei etwas ist“. Solch eine Geschwindigkeit bei der Arbeit rührt aber von gutgelernten Fähigkeiten anstatt von dem Umstand her, Abkürzungen zu nehmen.

Er wird in den Dienst von Königen treten Diese Worte sind eine indirekte Aufforderung zur Vortrefflichkeit, welche – wie in den ägyptischen Weisheitsschulen – die Vorbereitung für einen höheren Dienst darstellt (# 22,17–24,22).

Reformations-Studien-Bibel

Menschen mit großem Geschick, was auch immer ihr Handwerk sein mag, gewinnen den Respekt selbst von Königen. Die Ermahnung lautet, dass man nie nachlässig mit der Qualität seiner Arbeit umgehen soll.

Die ESV Studienbibel

Der Lohn für treue, harte Arbeit ist – mehr Arbeit! „Gut gemacht, du guter und treuer Diener; du warst treu in einigen Dingen, ich werde dich zum Herrscher über viele Dinge machen“ (Mt 25:21, NKJV; siehe Lukas 19:16-19). „Siehst du einen Mann, der sich in seiner Arbeit auszeichnet? Er wird vor Königen bestehen; vor Unbekannten wird er nicht bestehen“ (Spr 22:29, NKJV).
Einer der Segnungen fleißiger Arbeit ist die Freude, Fähigkeiten und einen Charakter zu entwickeln, auf die andere vertrauen können, und sich so für die nächste Aufgabe zu rüsten, die Gott für uns vorbereitet hat. Josef war treu im Leiden und im Dienst, und das bereitete ihn darauf vor, Ägypten zu regieren. David kümmerte sich treu um ein paar Schafe, und Gott gab ihm ein ganzes Volk zum Hirten (Ps. 78,70-72). Josua war der treue Helfer des Mose und wurde sein Nachfolger. „Die Weisheit ist das Wichtigste … Erhebe sie, und sie wird dich fördern“ (Spr 4,7-8, NKJV). „Die Weisen werden die Herrlichkeit erben, aber die Schande wird die Beförderung der Toren sein“ (3,35).

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Series

Wer fleißig und geschickt ( mAhIr kann auch „schnell oder prompt“ bedeuten) arbeitet , der nimmt am leichtesten auf seinen Arbeitgeber Einfluß. Fleiß hat häufig eine Beförderung zur Folge (den Dienst vor Königen und nicht nur vor Niedrigen). Wenn ein König (oder ein anderer Führer) von einem guten Arbeiter hört, wird er ihn einstellen wollen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Statt Grenzen zu verrücken und in die Felder von Waisen einzudringen, arbeite man mit dem Boden, den Gott gegeben hat. Gott hat einem jeden »seinen Beruf«, mǝlâᵓkâh, gegeben (vgl. 1Kor 7,17.20), d. h. sein Arbeitsfeld und das Vermögen, in ihm fruchtbar zu wirken. Wenn er sich darin befleißigt, wird er »kundig« werden, mâhîr (wie in Ps 45,2 der »kundige« Schreiber, in Esr 7,6 der »kundige« Schriftgelehrte und in Jes 16,5 der der Gerechtigkeit »kundige« König), und schließlich wird dieser »vor Königen … stehen«. Er wird Königen dienen, nicht »Niedrigen«, ḥašukkîm, Einzahl ḥâšôk, wörtlich »dunkel« (ein nur hier belegtes Wort), d. h. »unbekannt, unbedeutend«. Wir verwenden im Deutschen das entsprechende lateinische Wort »obskur«.
Ein Beispiel für die Wahrheit dieses Verses ist Jerobeam, der Sohn Nebats, der als einfacher Arbeiter durch seinen Fleiß die Aufmerksamkeit von König Salomo gewann und den dieser persönlich beförderte (1Kö 11,26–28). Schließlich wurde er selber König (1Kö 12,20).
Diesen Vers können wir auch auf den Christen anwenden. Er wird, wenn er bedenkt, dass er auf den Tag Christi zugeht und dass er berufen ist, einst mit Christus zu herrschen, dem Aufruf des Apostels folgen und umso fleißiger seine Berufung ausleben (2Petr 1,5–8); denn nur so wird ihm »reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesus Christus« (2Petr 1,11).

Benedikt Peters – Das Buch der Sprüche

die Bestie wurde eingefangen und mit ihr der Lügenprophet

Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet, der mit ihm war, der die Zeichen vor ihm tat, durch welche er die verführte, welche das Malzeichen des Tieres annahmen und die sein Bild anbeteten, -lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt.
Elberfelder 1871 – Offenbarung 19,20

Das Tier wurde gefangen genommen und auch der falsche Prophet, der unter den Augen des Tieres die Wunder getan hatte. Durch diese Wunder hatte er alle verführt, die das Zeichen des Tieres angenommen und das Standbild des Tieres angebetet hatten. Das Tier und der falsche Prophet wurden bei lebendigem Leib in einen See von brennendem Schwefel geworfen.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Offenbarung 19:20

Und die Bestie wurde eingefangen und mit ihr der Lügenprophet, der die Wunderzeichen in ihrer Gegenwart bewirkte, durch die er die in die Irre geführt hat, die das charakteristische Zeichen der Bestie angenommen haben, und die, die ihr Bild kniefällig verehren. Lebendig wurden die zwei in den mit Schwefel brennenden Feuersumpf geschleudert.
Andreas Eichberger – Gottes Agenda – Offb 19,20

Da wurde das Untier ergriffen und auch der falsche Prophet, der bei ihm war. Das ist der, der die Wunderzeichen vor ihm bewirkt hatte, durch die die Menschen verführt wurden, die Menschen, die das Zeichen des Untiers angenommen und die sein Bild angebetet hatten. Bei lebendigem Leib wurden die beiden in das Feuermeer geworfen, das mit Schwefel brennt.
Roland Werner – Das Buch – Offb 19:20

Beim lesen von verschiedenen Kommentaren zur Offenbarung fällt mir immer wieder auf: die einen schauen auf Gott und was ER tun wird, und sind begeistert, dass das Ende der Bibel den absoluten Sieg Jesu deutlich vorstellt. Und dann gibt es die „menschenzentrierten Kommentare“, die dann erklären was ich tun soll, bzw was ich unterlassen soll. Die letzteren sind besonders „spaßig“, weil die Autoren meist gar nicht mitbekommen, dass sie selber „in der Falle sitzen“. Ein Beispiel? Da heißt es in einer religiösen Zeitschrift zum Beispiel „Die Regierungen dieser Welt verlangen allerdings, dass wir sie in Wort und Tat voll unterstützen, was es uns sehr schwer machen kann, neutral zu bleiben.“ – und dann schau ich, und sehe dass genau diese Organisation nicht nur ständig über die „guten Vereinten Nationen“ geschrieben hat, sondern auch alle Bemühungen unternommen hat, um in den meisten Ländern „unbedingt“ den Status als „Kirche“ zu erhalten – und dazu genau das tun mußte, was oben kritisch gesehen wird!
Aber schauen wir uns einige Kommentare zu dem Vers 20 an:

Kein allmählicher Sterbeprozeß für das „wilde Tier“ und den „falschen Propheten“! Während sie als funktionierende politische Organisationen „noch lebendig“ sind, werden sie schnell in die ewige Vernichtung gestürzt, gleichsam in Feuer und Schwefel. Was aber ist von den politischen Herrschern selbst und ihren Heeren und Untertanen zu sagen, die das „wilde Tier“ und den „falschen Propheten“ im Kampf um ihren Fortbestand bis zum letzten unterstützt haben werden? Gott, der Allmächtige, der dann Siegreiche, wird nicht von dem abweichen, was er hinsichtlich ihrer Beseitigung vorausgesagt hat:

Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet

Die Teilnahme an der Schlacht. Der Feind griff mit großer Heftigkeit an, angeführt vom Tier und den Königen der Erde. Die Mächte der Erde und der Hölle versammelten sich, um sich auf das Äußerste anzustrengen (Vers 19).

Den Sieg, der von dem großen und glorreichen Haupt der Gemeinde errungen wurde: Das Tier und der falsche Prophet wurden gefangen genommen. Diese wurden ergriffen und „in den Feuersee geworfen“. Und ihre Nachfolger, seien es Offiziere oder nur normale Soldaten, wurden der militärischen Vernichtung übergeben und zu einem Festmahl für die Vögel gemacht, „die inmitten des Himmels fliegen“. Auch wenn die göttliche Rache primär das Tier und den falschen Propheten treffen wird, gibt es keine Entschuldigungen für diejenigen, die unter deren Zeichen kämpfen und ihren Führern und deren Befehlen gefolgt sind. Da sie für das Tier und den Propheten gekämpft haben, müssen sie auch mit ihnen fallen und verderben. „So nehmt nun Verstand an, ihr Könige, und lasst euch warnen, ihr Richter der Erde! Dient dem Herrn mit Furcht und frohlockt mit Zittern. Küsst den Sohn, damit er nicht zornig wird und ihr nicht umkommt auf dem Weg“ (Ps 2,10–12a).

Der Neue Matthew Henry Kommentar

    Bevor eine einzige Kriegshandlung stattfindet, werden die beiden feindlichen Anführer ergriffen und in die Hölle geworfen, ohne dass sie den physischen Tod sterben. Das Tier – der politische Führer des antichristlichen Westeuropa – und der falsche Prophet – der religiöse Führer des abtrünnigen Israel – können sich nicht verteidigen. In ihrem Leben waren sie eng miteinander verbunden, und das sind sie auch in dem Gericht, das Christus an ihnen ausübt. Der falsche Prophet war der durchtriebene Helfershelfer des Tieres, die Menschen zu verführen, das Zeichen des Tieres anzunehmen und dessen Bild anzubeten.
    Alles sah sehr erfolgversprechend aus, doch hier werden ihre ganze Prahlerei und jeder Anschein von Unbesiegbarkeit (13,4) auf einen Schlag durch beeindruckende Machtentfaltung völlig vernichtet. Sie bilden eine Ausnahme zu allen übrigen Ungläubigen, denn sie werden ohne jedes Gerichtsverfahren in die Hölle geworfen, während alle anderen ungläubigen Menschen erst vor dem großen weißen Thron verurteilt werden. Eine entgegengesetzte Ausnahme im Kreis der Gläubigen sind Henoch und Elias, die als Einzige ohne zu sterben in den Himmel aufgenommen wurden.

    de Koning – Eine Erklärung speziell für dich

    „Und ich sah das Tier und die Könige der Erde versammelt, Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferde saß, und mit seinem Heere“ (Vers 19). Wir haben schon gesehen, dass die Blüte der Armeen Europas, sowohl in Bezug auf Menschen als auf Waffen, zu dem Lande Palästina hin versammelt werden wird. Angeblich sind sie in so ungeheurer Zahl versammelt worden, um dem Einfall der riesigen Horden der nordöstlichen Mächte zu begegnen, die das Land zu überrennen suchen. Wir haben schon mehrfach von dem Bund gesprochen, den das Haupt der Juden, der Antichrist, mit dem Haupt des Römischen Reiches schließen wird, um Palästina vor dem drohenden Einfall der Völker aus Norden und Osten zu schützen, und dass dies nicht gelingen wird. In unserem Kapitel sehen wir, dass es die wahre Absicht Satans ist, durch das Tier und den falschen Propheten Krieg zu führen mit dem Lamm. Zwei sich bekämpfende Mächte werden also im Lande Palästina sein, die große Macht aus dem Norden mit ihren Verbündeten aus dem Osten, und die westlichen Mächte. In diesem Kapitel haben wir mehr die Heere der westlichen Mächte vor uns, mit denen der Herr Jesus persönlich handeln wird. Mit der assyrischen oder nördlichen Macht wird erst endgültig gehandelt werden, wenn der Herr Jesus seinen Thron in Jerusalem gegründet hat. Bei dem ersten Angriff des Assyrers auf Jerusalem wird die Hälfte der Stadt eingenommen, aber bei dem zweiten Angriff wird sie erfahren, dass der Herr daselbst ist, und dass Er mit seinem Volke streitet, die dadurch in den Stand gesetzt werden, einen vollständigen Sieg über ihre Feinde zu erlangen.
    Mit dem Haupte des Römischen Reiches und mit dem falschen Propheten beschäftigt sich der Herr persönlich: diese beiden von Satan geleiteten Führer werden genommen und lebendig in den Feuersee geworfen. Es ist von feierlichem Ernst, dieses schreckliche Gericht über diese beiden Menschen zu betrachten. An anderer Stelle wird uns gesagt, dass der Feuersee nicht für Menschen bereitet ist, sondern für den Teufel und seine Engel, aber hier wird uns gezeigt, dass diese beiden Menschen die ersten sind, die an jenen schrecklichen Ort gelangen. Sie haben sich selbst Satan ausgeliefert, um jedem Anspruch des Herrn Jesus zu widerstehen. Das Gericht über diese beiden Menschen ist deutlich erkennbar ein endgültiges, denn indem sie in den Feuersee geworfen werden, sind sie auf ewig von Gott geschieden. Das Schlagen des Überrestes mit dem Schwert ist kein endgültiges Gericht. Sie werden unter den Toten gefunden werden, die Kleinen und die Großen, welche auferweckt werden, um vor dem großen weißen Thron zu stehen, wie uns in Kapitel 20 gezeigt wird. Inzwischen wird uns gezeigt, wie deutlich Gottes Wort sich erfüllt. Die Vögel des Himmels waren herbeigerufen worden zu dem großen Mahle Gottes, und hier sehen wir dieses Mahl des Gerichts stattfinden: alle Vögel des Himmels wurden von ihrem Fleische gesättigt. Die Wahrheit des Wortes Gottes wird sich erfüllen, sowohl in Bezug auf die jetzt verheißenen Segnungen für solche, die an Christum glauben, als auch bezüglich solcher, die sich weigern, Ihn als Retter anzunehmen, und die deshalb mit Ihm als Richter zu tun haben werden.

    H.G. Moss – Das Buch der Offenbarung

    a) Die Schlacht von Harmagedon findet also gar nicht statt. In dem Augenblick, in dem der Herr sich und seine Macht offenbart, ist alles klar. Auch hier gilt: »Ein Wörtlein kann ihn fällen« (M. Luther).
    So sagt Paulus, dass der wiederkommende Herr dem Antichrist »mit dem Hauch seines Mundes ein Ende machen« werde, und zwar »durch seine Erscheinung, wenn er kommt« (2 Thess 2,8), das heißt ganz einfach, indem er in seiner göttlichen Herrlichkeit in Erscheinung tritt. Hier in Offb 19,20 lesen wir, dass der Antichrist und der falsche Prophet, ohne irgendein Zwischenspiel, insbesondere ohne dass sie irgendeine Gegenwehr leisten könnten, kurzerhand verhaftet werden.
    Genauso unsinnig ist heute schon aller Kampf gegen Gott und seinen Christus. Auch hier ist für alle Glaubenden entscheidend wichtig, »nicht zu sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare« (2 Kor 4,18).
    b) In Vorwegnahme des letzten Gerichts (Offb 20,11-15) wird über sie bereits jetzt das endgültige Urteil gesprochen und auch vollstreckt, wobei noch einmal ihre besonderen Übeltaten zur Urteilsbegründung genannt werden:
    Der falsche Prophet verführte mit seinen Wundern Menschen dazu, dass sie das antichristliche Eigentumszeichen annahmen und das Bild des Antichrists anbeteten.
    Die besondere Schuld des Antichrists besteht dabei vor allem darin, dass er sich anbeten ließ und so Gott seine Ehre raubte.
    c) Der »feurige Pfuhl«, das Meer von Feuer, ist derselbe endgültige Gerichtsort, den auch unser Herr nennt: »Das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln« (Mt 25,41; vgl. Mt 13,40.42; 18,8.9; Mk 9,43-48). Dass sie lebendig dem Feuergericht übergeben werden, bedeutet in besonderem Maße Schrecken und Grauen (vgl. 4 Mose 16,30.33.34).

    Gerhardt Maier – Edition C

    Während die Reihen der Feinde geschlossen dastehen und die Ankunft des himmlischen Heeres abwarten, werden ohne Ankündigung die Führer gegriffen. Der Ausdruck „wurde ergriffen“, piazô , wird im Johannesevangelium oft verwendet, um die Versuche, den Herrn zu ergreifen, zu beschreiben (Joh 7,30.32.44; 8,20; 10,39; 11,57). Die Grundbedeutung ist „in feindlicher Absicht ergreifen“. In einem Augenblick werden die Armeen der Erde ihrer Führer beraubt, der mit satanischer Macht ausgestatteten Anführer, auf die sie ihr Vertrauen gesetzt hatten. Wahrscheinlich hatten sie bis zuletzt gehofft, dass die Macht Satans den beiden noch heraushelfen werde, aber jetzt müssen sie sehen, wie sie lebendig in den Feuersee fahren.
    Das Kommen, der Charakter und die Laufbahn des Tieres sind in diesem Buch gründlich erörtert worden. Von seiner ersten Erwähnung an (11,17) bis zu seiner Manifestation im Kap 13 ist er als der Inbegriff satanischer Macht im Menschen dargestellt worden. Das letzte Weltreich der Erde fand seine Verkörperung in diesem Menschen, der seit seinem Aufsteigen aus dem Abrund (11,7) in der Mitte der Drangsal dem Satan willenlos ergeben gewesen ist. Er ist der „Anti-Gott“ (siehe den Ausdruck in 13,6) im vollendeten Sinn, und entsprechend fordert er für sich die Anbetung, die Gott allein zusteht (2.Thes 2,4). Diese charismatische Persönlichkeit der politischen Welt fand die Unterstützung jenes Menschen, der die religiöse Macht verkörpert, des „falschen Propheten“. Dieser Ausdruck steht erstmals in 16,13; er ist das Tier aus der Erde (13,11-18), ein Jude, der sein Volk, oder besser: den abgefallenen Teil desselben, anführt. Er ist der Antichrist (1.Joh 2,18), wobei „anti“ so viel wie „an Stelle von“ bedeutet. Israel hatte den Messias, den Gott ihm gesandt hatte, verworfen; an Seiner statt würden sie den annehmen, der in seinem eigenen Namen kommen sollte (Joh 5,43). Die Zeichen, semeia, die dieser Mann tut, wird ihm Glaubwürdigkeit verschaffen, so dass die Menschen sich von ihm verleiten lassen, das Zeichen des Tieres anzunehmen und das Bild des Tieres anzubeten (13,15.16). Das Tier und der falsche Prophet werden nun gegriffen und vor ihren entsetzt starrenden Anhängern in den Feuersee geworden. Welche furchtbaren Momente müssen das sein, in denen sie hilflos zusehen müssen, wie das Schwert Sein schreckenerregendes Werk tut!
    Dies ist der erste von fünf Belegen des Ausdrucks „Feuersee“ (20,10.14.15; 21,8). Der Zusammenhang macht es ganz deutlich, dass der Feuersee für alle, die Gottes Gnade verworfen haben, endgültig und ewig ist. Als Erste gehen das Tier und der falsche Prophet dahin, tausend Jahre später ihre Meister, der Satan (20,10). Am Ende folgen ihnen alle, deren Namen nicht im Buch des Lebens gefunden werden (20,14-15). Der Schrecken dieses Ortes wird im Ausdruck „See“ deutlich, die Intensität dieses Schrecken zeigt sich in der Tatsache, dass er „brennt“. Das Wort „brennt“ bezieht sich nicht auf das Feuer (neutrum), sondern auf den See (feminin), und dieser brennende See brennt mit der schauerlichen blauen Flamme brennenden Schwefels, der dreimal zusammen mit dem Feuersee genannt wird (19,20; 20,10; 21,8). Man könnte einwenden, dies sei symbolisch zu verstehen, um uns auf der Erde den Schrecken dieses Ortes begreiflich zu machen. Das ist zwar möglich, aber wenn die Symbolik schon so furchterregend ist, was wird dann die Wirklichkeit erst sein? Es ist besser sich der Offenbarung zu beugen und anzuerkennen, dass Gott einen Ort hat im Universum, der ursprünglich für den Teufel und seine Engel bereitet wurde (Mt 25,41), der ein ewig brennender Feuersee ist, in dem Leib und Seele all jener Geschöpfe gepeinigt werden müssen, die sich gegen den Schöpfer erhoben haben. Dies ist die Wirklichkeit hinter dem „Höllenfeuer“ (Mk 9,47) und der „eigen Pein“ (Mt 25,46), vor denen Christus uns gewarnt hat.

    Benedikt Peters- Was die Bibel lehrt

    In Bezug auf den Antichristen heißt es in Offenbarung 19:20: Und das Tier wurde gegriffen und mit ihm der falsche Prophet, der die Zeichen tat, die vor seinen Augen geschahen, womit er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und die sein Bild anbeteten; die beiden wurden lebendig in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. Es wird erklärt, dass der Antichrist lebendig in den Feuersee geworfen werden wird. Im vorigen Kapitel wurden Stellen zitiert, die besagen, dass der Antichrist als eines der ersten Opfer des zweiten Kommens getötet werden wird. Daher verlangt dieser Vers, dass der Antichrist zu diesem Zeitpunkt auferweckt und dann lebendig in den Feuersee geworfen wird. Aus diesem Grund erklärt Jesaja 14:20, dass der Leichnam des Antichristen niemals begraben werden wird.

    Diese Tatsache birgt eine gewisse Ironie in sich. Wie wir später in diesem Kapitel sehen werden, bezieht sich der Begriff „erste Auferstehung“ auf die Auferstehung aller Gerechten, auch wenn sie in Etappen erfolgt. Der Begriff „zweite Auferstehung“ bezieht sich auf die Auferstehung aller Verdammten, und auch diese wird in Etappen erfolgen. Jeschua war die Erstlingsfrucht der ersten Auferstehung. Die Ironie dabei ist, dass derjenige, der der falsche Sohn sein würde, die falsche Rolle bis zur Vollendung ausfüllen darf, indem er der Erstling der zweiten Auferstehung wird. Aber das Ergebnis seiner Auferstehung wird der Feuersee sein.

    C. Der falsche Prophet
    Wie bereits erwähnt, ist der falsche Prophet der gefälschte Heilige Geist, der eine gefälschte Gabe der Wunder haben wird, mit der er sein Werk der Täuschung vollbringt, indem er die Menschen aufruft, den Antichristen anzubeten, das Malzeichen des Tieres anzunehmen und sein Bild anzubeten. Nach Offenbarung 19:20 wird auch er lebendig in den Feuersee geworfen werden. Während der ersten tausend Jahre, in denen der Feuersee bewohnt sein wird, werden der Antichrist und der falsche Prophet dort ganz allein sein.

    Arnold G. Fruchtenbaum – Die Fußstapfen des Messias: Eine Studie über die Abfolge der prophetischen Ereignisse – 2020