Autor: Thomas

Euch gehört ein Stück von dem neuen Land, in dem Gott das Sagen hat.

Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben.
Elberfelder 1871 – Lukas 12,32

Sei ohne Angst, du kleine Herde! Euer Vater ist entschlossen, euch seine neue Welt zu schenken!«
Gute Nachricht Bibel 2018 – Lukas 12:32

Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben. Lu 22:29; Jes 41:14; Da 7:27
Zürcher 1931 – Lk 12,32

Hab also keine Angst, du kleine Herde! Euer Vater hat Freude daran, euch sein Reich anzuvertrauen.
Neue evangelistische Übersetzung 2019 – Lk 12:32

Früher, als es noch kein Land Israel mehr gab, dachten die meisten Christen, dass Jesus nur von einem „geistlichen“ / „geistigen Israel“ spricht. Aber seit einigen Jahrzehnten gib es wieder ein Land in dem Juden leben! Und deshalb sollte man heute darüber nachdenken, ob Jehovah „zu klein ist“, um mit einem „gläubigen Teil“ von Israeliten handelt könnte, und deshalb nur „geistige Israeliten“ zu seiner Lösung brauchen würde!
Ich gehe persönlich davon aus: Jesus meint es genau so, wie er es sagt: wie im 1.Jahrhundert gibt es auch heute „eine kleine Herde“ von Juden, die an Jehovah glauben und IHM dienen! Menschen, die nicht auf menschliche „Retter“ hoffen, sondern auf Gottes Eingreifen warten.

Andere Kommentare:

Und wenn man verzagt? Wenn man daran zweifelt, ob das »Reich« Gottes erreichbar ist? Jesus kennt unser verzagtes Herz (Jer 17,9). Deshalb stellt er an das Ende seiner Mahnungen eine Verheißung: »Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben« (V. 32). »Herde« ist ein uralt -biblischer Name für die Gemeinde des Herrn (vgl. 4 Mo 27,17; 1Kön 22,17; Hes 34,2ff.; Joh 10,1ff.; Joh 21,15ff.; Apg 20,28; 1 Petrus 5,2). Jesus sagt, dass seine Gemeinde »klein« oder »gering« sei. Gilt das nur für damals? Vermutlich nicht. Vermutlich wird die Gemeinde immer eine Minderheit sein. Aber nach Gottes Plan (»es hat eurem Vater wohlgefallen«) wird sie »das Reich« Gottes zum Geschenk erhalten. D. h. also: ewiges Leben in der neuen Schöpfung (vgl. Offb 21-22). Was hier »klein« und gering ist, wird dort herrlich sein (2 Kor 4,17ff.; Offb 7,14ff.). Beachten wir ferner: Jesu Beurteilung ist geradezu eine Erfüllung der Prophetie in Zeph 3,12, wo es von der endzeitlichen Gemeinde heißt: »Ich will in dir übrig lassen ein armes und geringes Volk; die werden auf des Herrn Namen trauen.« Das also ist der springende Punkt: Zu Jesus gehören, mit dem Plan des Vaters einig sein. Dann kann uns niemand das Gottesreich nehmen (Joh 10,11-30).
Es scheint, dass Jesus hier an die alttestamentlichen Weissagungen aus Jes 41,14; Dan 7,18.27 angeknüpft hat (vgl. auch Mt 25,34; Heb 12,28; Offb 20,4ff.).

Gerhard Maier – Edition C

Gott ist ein Gott kleiner Anfänge. Das Königreich der Himmel soll „euch“ werden. In diesem persönlichen Fürwort ist die ganze Unscheinbarkeit der kleinen Jüngerschar ausgedrückt, von der Jesus sich umgeben sah. Wird nicht die Größe des Inhalts das so menschliche, ja allzu menschliche Gefäß sprengen? Werden nicht die „Kleingläubigen“ und „Unverständigen“ das Evangelium des Sohnes völlig missverstehen? Werden nicht sie, denen die „Geheimnisse des Himmelreiches“ anvertraut wurden und die „den Schlüssel des Himmelreiches“ empfangen haben, das Königreich Gottes aufs Neue den Armen im Geist, den Mühseligen und Beladenen, den Hungernden und Dürstenden, den Zöllnern und Sündern verschließen? Wird nicht Gottes verborgenes Wirken in der Mission der Jünger zur fanatischen Propaganda, das fleischgewordene Wort zum heiligen Buchstaben, die durch Erleuchtung des Geistes gewirkte Erkenntnis nur zu einem pflichtgemäßen Dogma und Bekenntnis werden?
Gewiss, das alles – und unendlich mehr – drohte dem angebrochenen Gottesreiche. Dem allen ist es im Laufe der christlichen Zeitrechnung unzählige Male verfallen. Es ist aber nicht untergegangen. Es fiel nicht mit dem Jünger. Es wurde nicht Staat mit dem christlichen Weltstaate, es wurde nicht Buchstabe mit dem dogmatischen Bekenntnis. Zwang der Mensch das Reich Gottes erst in die Formen und in die Art seines eigenen Wesens, baute erst die Kirche das Reich Gottes, anstatt dass sie sich vom Reich Gottes bauen ließ, dann überließ das Königreich der Himmel dem Menschen den Schein des Himmelreiches. Jedoch die Kraft desselben stand daneben, trat in neuen Jüngern auf. Wäre das Königreich der Himmel die Schöpfung der Kirche und nicht die Kirche die Schöpfung des Himmelreiches, gewiss, dann wäre das Reich Gottes längst auf Erden untergegangen.
Gott fürchtete sich jedoch nie, im Verlauf der Geschichte mit seiner Wahrheit und Offenbarung in die kleinen und unscheinbaren Dinge hinabzusteigen. Er begann seine Gottesschöpfung innerhalb der Menschheit nie mit Macht und Glanz, sondern hüllte sie in die kleinsten, unscheinbarsten Anfänge. Es ließ sich in die alte Welt tragen durch die Botschaft der Apostel und durch das Zeugnis und das Leben der schlichtesten Jesusjünger. Innerlich überwältigt von dieser Erscheinung konnte Paulus mithin seinen Brüdern in Korinth schreiben: „Seht doch einmal: wer ist bei euch zum Heil berufen, Brüder? Da finden sich nicht viel Weise nach menschlichem Urteil nicht viel Einflussreiche, nicht viel Edelgeborene. Vielmehr, was der Welt als töricht gilt, das hat sich Gott erwählt, damit er die Weisen beschäme.“

Gott ist ein Gott großer Dinge. Was den Jüngern vom Vater gegeben werden soll, das ist „das Königreich der Himmel“.
Wonach Propheten viele Jahrhunderte ausgeschaut, was ihr Mund als Offenbarung Gottes gekündet, ihr Griffel auf Pergament zum Troste kommender Geschlechter verewigt hatte, das sollten sie in ihrem Leben in Erfüllung gehen sehen. Es lag in diesem Jesuswort etwas so Überraschendes für die Jünger, ja es war eine der grandiosesten Paradoxien der Geschichte. Ihnen, den Fischern vom See Genezareth, sollte werden, um was letzthin Könige und Cäsaren mit ihren Völkern Jahrtausende schon gekämpft hatten: Das Königreich.
Was andern durch Politik und Macht, durch Religion und Kultus nicht geworden war, sollten sie in der schlichten, einfachen Nachfolge Jesu finden: eine Welt der sozialen Gerechtigkeit, der göttlichen Vollmachten, des ewigen Friedens, der gegenwärtigen Gottesherrschaft.
Nach menschlichen Maßstäben gemessen, war so eine Sprache völlig unverständlich Aber Jesus sah bereits in den kleinsten Anfängen einer in der Seele seiner Jünger beginnenden Gottesherrschaft die Herrlichkeit eines kommenden vollendeten Gottesreiches. In dieser Freude konnte er bei einer anderen Gelegenheit in seliger Anbetung sprechen: „Ich preise dich, o Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies den Weisen und Klugen verborgen und es den Einfältigen geoffenbart hast. Ja, Vater, so hat dir’s gefallen!“ Dieser Ausbruch der innerlichen Freude geschah nicht etwa auf Grund überraschender Erfolge, die Er in der letzten Zeit durch sein Wirken erzielt hatte. Im Gegenteil, selbst Johannes der Täufer hatte seine Jünger mit der Frage zum Herrn gesandt: „Bist du der Kommende, oder sollen wir noch auf einen andern warten?“„ Johannes konnte nicht verstehen, dass Jesus in seinem messianischen Wirken so bei Einzelheiten stehen blieb. Wartete doch auf allen Gebieten des menschlichen Lebens die Not auf den Retter, die Versklavung auf den Erlöser, die Ungerechtigkeit auf die Gerechtigkeit, die Finsternis auf das Licht.
Jesus lässt seinem alten Freund und Wegbereiter sagen: „Blinde werden sehend, Lahme gehen. Aussätzige werden rein. Taube hören, ja Tote werden auferweckt und Armen wird die Botschaft vom Heil verkündigt, und selig, wer nicht an mir irre wird.“ Jesus ließ sich nicht entmutigen und seine reine Freude nicht trüben, dass die verheißene Gottesherrschaft auf Erden zunächst in Einzelerscheinungen zum Durchbruch kam. Geschehenes war ihm Garantie für das noch zu Geschehende.

Jakob Kroeker – ER sprach zu mir

Es braucht Ehrlichkeit, um unsere Ängste zuzugeben oder zu bekennen, daß wir uns überhaupt ängstigen. Aber der Herr kennt unsere geheimsten Bedürfnisse, und Er weiß, daß wir sehr ängstliche Kreaturen sind. Die gesegneten Ermunterungen „fürchte dich nicht!“, die sich in diesem Kapitel finden, sind uns kostbar, denn sie beginnen mit dem Licht Seiner Gegenwart, das uns nicht mehr ängstigen kann, hat Er uns doch von allem gereinigt, was gegen uns zeugte. Die vier ersten Mitteilungen des Himmels in NT sind jedesmal „Fürchte dich nicht!“ (Mt 1,20; Lk 1,13.30; 2,10).
 „Kleine Herde“ läßt uns an einen liebenden Hirten denken, der auf eine kleine Herde acht hat. Diese „kleine Herde“ bestand aus den Jüngern, aber das gleiche Wort für Herde wird viermal im NT für eine Versammlung von Gläubigen verwendet (Apg 20,28.29; 1 Petrus 5,2.3). Es entspricht so vollkommen Gottes Wesen, ohne Widerwillen und ohne Maß zu geben. Die vollständige Anrede „Fürchte dich nicht, du kleine Herde“ findet sich an keiner anderen Stelle mehr im NT. Die Einmaligkeit der Wendung läßt uns ihren Wert erkennen. Als eine „kleine Herde“ sind alle Schafe dem Herzen des Hirten wie auch dem Herzen des Vaters teuer, dessen Wohlgefallen es ist, ihnen als Gabe das Reich zu geben. Dies ist ein äußerst wichtiger Ausdruck bezüglich der neutestamentlichen Lehre über das Reich. Das Reich kann durch keine menschliche Anstrengung erworben werden; es ist eine Gnadengabe.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Zweitens soll der Überrest die Treue Gottes beweisen (vgl. Dan 1,1-21; Röm 11,25-27). Dies hängt logisch mit der ersten Funktion zusammen, denn wenn die Verheißungen Gottes nicht in Anspruch genommen werden, zeugen sie von der Untreue Gottes bei seiner ursprünglichen Erwählung Israels. Da die Verheißungen jedoch von dem Überrest in Anspruch genommen werden, wird die Treue Gottes unter Beweis gestellt. Selbst in den schwierigsten Zeiten der Bestrafung gibt es einen Teil des Volkes, der Gottes Treue und Zuverlässigkeit beweist. Der gläubige Überrest vertraut und gehorcht Gott, manchmal sogar bis zum Tod, was einmal mehr beweist, dass Gott vertrauenswürdig ist. Die Mehrheit des Volkes mag glauben, dass Gott seinem Wort untreu ist, und ihn vor seinem Angesicht verfluchen, aber es wird immer einen kleinen Teil geben, eine lautstarke Minderheit, die ihn immer wieder für seine Treue preisen wird.
Drittens: Der Überrest soll das Volk Israel bewahren (vgl. Amos 7,1-6; Jes 1,9; 65,8; Röm 9,29). Es gibt Zeiten, in denen Gott das Volk „wenige an der Zahl“ zurücklässt, nur um einige in die Knie zu zwingen, damit sie sich seinem vollkommenen Plan unterwerfen, und zwar bis „in die letzten Tage“ (Dtn 4,27-31). Es ist dieser gläubige Überrest, diese „wenigen an der Zahl“, der die Nation als Ganzes erhält. Oft waren es die Propheten selbst, die allein zwischen Gott und dem Volk standen, das nur noch eine Haaresbreite vom Untergang entfernt war (vgl. Jes 65,8; Amos 3,7; 7,1-6). Mit anderen Worten: Der Überrest fungiert als Konservierungsmittel innerhalb des Volkes und schützt Israel vor dem Verfall und der Zerstörung von innen heraus, weil es ansteckend verdorben ist. Eine Wiederholung eines Zitats von Keil ist an dieser Stelle durchaus angebracht. In seinem Kommentar zu Deuteronomium 30,1-10 stellt er fest, dass es immer einen Überrest geben würde, „da es selbst in Zeiten des größten Abfalls der Nation immer einen heiligen Samen geben würde, der nicht aussterben könnte“ Andernfalls wäre die Nation vollständig und dauerhaft verworfen worden, wodurch die Verheißungen Gottes null und nichtig geworden wären, was ein unmögliches Ergebnis ist.
Viertens soll der Überrest bei der Nation Israel ausharren (z. B. Jer. 43:4-7; Hes. 3:10-15; Dan. 1:1-21; 2:49; 3:1-30; 6:1-28; Neh. 1:1-2:10; Num. 14:5-10, 30). Der gläubige Überrest soll nicht vor dem Volk fliehen, wenn es unter dem Gericht Gottes steht, sondern soll mit dem Volk leiden. Es mag Zeiten geben, in denen Gott selbst den Überrest herausnimmt, bevor das Gericht hereinbricht (z. B. 70 n. Chr.; vgl. Lk 21,20-24), aber solange er die Herausnahme nicht vornimmt, muss der Überrest bei seinen Brüdern bleiben. Im Folgenden wird deutlich, warum dies für den Überrest zwingend erforderlich ist.
Fünftens: Der gläubige Überrest soll für das Volk Israel beten (vgl. Num 14,11-21; Amos 7,1-6; Dan 9,3-19; Neh 1,1-11; Röm 9,1-3; 10,1). Das ist einer der Gründe, warum der Überrest die Nation Israel nicht im Stich lassen soll, wenn sie im Gericht steht. Er muss mit und für das Volk beten, was ein Beweis seiner Liebe ist. Das Gebet ist immer effektiver, wenn es aus dem Schmelztiegel selbst kommt. Das gibt dem Gebet Realität und Kraft. Wenn der Überrest für das sündige Volk betet, greift Gott zu seiner eigenen Ehre ein (Jak. 5,17-18; Jes. 48,9).
Sechstens soll der gläubige Überrest Gott drängen, die Verheißungen des Bundes zu erfüllen (vgl. Dan 9,3-19; Neh 1,1-11; Offb 6,9-11). Dies ist ein wesentlicher Teil des Inhalts des Gebets des Überrestes für das ganze Volk. Der Überrest soll Gottes Wort zu ihm zurückbeten, insbesondere die Verheißungen des Bundes, und dann auf Gott einwirken, damit er sie erfüllt. Ein Gebet, das sich auf Gottes vertragliche Vereinbarungen stützt, ist ein Gebet, das direkt zum Herzen Gottes geht. Er hat es gesagt, der Überrest betet es, und er erfüllt es zu seiner Zeit.
Siebtens soll der gläubige Überrest dem Volk die Wahrheit Gottes verkünden (vgl. Jer. 1,1-19; 2,1-45,5; Hes. 2,1-10; 3,1-27; 11,14-21; 14,1-24,27; 33,1-48,35; Dan. 1,1-2,3; 8,1-12,13; Apg. 2,14-41; 3,12-4,31; 5,12-42; 6,8-7,60; 13,13-41). Dies ist der wichtigste Grund dafür, dass der Überrest das leidende Volk in seiner Stunde des Schmerzes nicht im Stich lassen soll. Das jüdische Volk muss Gottes Wahrheit hören, vor allem, wenn er es durch strenge Züchtigung zurechtweist. Es gibt immer einige aus dem Volk, die darauf reagieren und Teil des gläubigen Überrestes werden. In der Tat ist das ein Weg, wie Gott den Überrest an die Oberfläche bringt.
Achtens: Der gläubige Überrest soll das Volk Israel zur Eifersucht reizen (Röm. 11,13-14). Die nichtjüdischen Gläubigen sollen in diesem Zeitalter der Gnade dasselbe tun (Röm 11,11-12). Der Überrest soll mit dem Volk in Verbindung bleiben und die Segnungen des Neuen Bundes zur Schau stellen, damit das Volk zu Gott zurückgeführt werden kann. Dies ist Teil der Treue Gottes gegenüber dem Volk als Ganzem. In der Tat lehrt Paulus dies im gesamten Abschnitt von Römer 9-11, und dennoch ist die Kirche überrascht, dass Gott dem Volk Israel solche Gnade erweist. Zimmerli kommt zu diesem Schluss, wenn er sagt:
Die christliche Kirche hat diese Verkündigung des Apostels weitgehend vergessen. Und so fällt es der christlichen Kirche in unseren Tagen zu, über die Treue Gottes zu erschrecken, der seine barmherzige Geschichte dem menschlichen Programm einer Endlösung (der Judenfrage) entgegengesetzt hat.

Barry R. Leventhal – Wo war Gott? – Theologische Perspektiven auf den Holocaust

„Denn mein Vater will, dass alle, die blicken, dass ich sein Sohn bin, und mir vertrauen, für immer leben können.“

Denn dies ist der Wille meines Vaters, daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage
Elberfelder 1871 – Johannes 6,40

Und Folgendes ist der Wille dessen, der mich geschickt hat: dass jeder, der den Sohn ansieht und an ihn glaubt, ewiges Leben hat und ich ihn am letzten Tag auferstehen lassen werde.“
Leonberger Bibel – byzantinischen Text von Robinson-Pierpont 05 – 2015 – Joh 6,40

Denn dies ist der Wille meines Vaters: dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben hat und ich ihn auferstehen lassen werde am letzten Tag.“
Leonberger Bibel – Nestle-Aland 28 – 2020 – Joh 6:40

Und auch das will mein Vater: Jeder, der den Sohn sieht und ihm sein Vertrauen schenkt, soll ewiges Leben haben. Ja, ich werde ihn am Ende der Zeiten zum Leben erwecken.«
Das Buch – 2009 – Johannes 6:40

Reicht es, zu glauben, dass Jesus Christus der Sohn des allmächtigen Vaters ist? Oder muss ich Jesus auch vertrauen, dass er alles im Griff hat?

Noch einmal (vgl. V 39) spricht Jesus vom Willen des Vaters, der ihn gesandt hat, und stellt so sein Wort nachdrücklich unter den göttlichen Ratschluß. Seine Sendung geschieht zum Heil der Menschen (vgl. 3, 16f), der Lebensspendung an alle Glaubenden. Der Vater wünscht nichts anderes, als daß jeder an den Sohn glaubt und dadurch ewiges Leben erlangt. Wenn es hier zunächst heißt „den Sohn sieht“, so liegt darin vielleicht eine Erinnerung an V 36 und ein Appell, ihn in der rechten Weise zu „sehen“. Dahinter steht der Gedanke, daß man im Sohn den Vater (14, 9) im Gesandten den Sendenden (12, 45) sieht. In solchem „Sehen“ verwirklicht sich das Glauben; dieses wird nur zur Verdeutlichung noch eigens genannt (wie in V 35b nach dem „Kommen“). Vor allem aber soll begründet oder erläutert werden (γάρ), worin das „Nicht-verloren-gehen-Lassen“ positiv besteht: in der Erlangung ewigen Lebens. So fügt sich auch der Ausblick auf den letzten Tag wieder an, in der gleichen Form wie V 39. Sie ist wegen der aktiven Rolle, die dabei Jesus zugesprochen wird (ἀναστήσω), bemerkenswert. Die eschatologische Auferweckung, sonst Gott Vorbehalten, wird in der joh. Theologie dem „Sohn“ anvertraut (vgl. 5, 24: ὁ υἱὸς … ζωοποιεῖ; 11, 25a). Ein erneuter Appell Jesu an die Glaubenswilligkeit seiner Zuhörer ist unüberhörbar.

Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Der Herr fuhr nun fort zu erklären, wie ein Mensch zur Familie der Erlösten dazukommen kann. Gottes »Wille« ist es, »dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe«. »Den Sohn sehen« bedeutet hier nicht, ihn mit irdischen Augen, sondern mit den Augen des Glaubens zu sehen. Man muss sehen oder erkennen, dass Jesus der Sohn Gottes und der Retter der Welt ist. Außerdem muss man an ihn glauben. Das bedeutet, dass der Mensch den Herrn Jesus durch einen Glaubensakt als seinen persönlichen Heiland annehmen muss. Alle, die das tun, erhalten »ewiges Leben« als sofortiges Eigentum und die Zusicherung, dass sie »am letzten Tag« auferstehen werden.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Freilich, so wie der Sohn ganz gebunden ist an das Handeln des Vaters, so sind wir von Gott her ganz gebunden an den Sohn. Wieder steht diese eigentümliche lebendige Einheit von Vater und Sohn vor uns, auf die wir immer wieder hingewiesen werden, weil sie das besondere Thema gerade unseres Evangeliums ist. „Denn dies ist der Wille meines Vaters, daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe, und ihn werde ihn auferwecken am letzten Tage.“ Wir können nicht unmittelbar zu Gott kommen und bei Gott ewiges Leben finden. Gerade Gott „will“ dies nicht. Gott „will“ jetzt nur im Sohn „gesehen“ (14, 8) und gefunden werden. Daß Jesus hier noch einmal vom „Sehen“ des Sohnes spricht, dem das Glauben folgt, während am Ende des Evangeliums die von Jesus selig gepriesen werden, die „nicht sehen und doch glauben“ (Kap. 20), kann einfach darin liegen, daß Jesus jetzt als der Sichtbare in seiner Person und in seinen „Werken“ vor den Menschen steht. Solange er im Fleisch lebt, ist „sehen“ und „glauben“ die Heilsordnung. Es kann aber gerade auch in unserm Vers ein Hinweis darauf liegen, warum es kein unmittelbares Kommen zu Gott gibt. Denn das wußte jeder Israelit sehr wohl, daß „kein Mensch leben wird, der Gott sieht“ (2 Mo 33, 20). Für den Menschen, wie er jetzt als Sünder ist, wäre ein „Sehen“ Gottes nicht das Leben, sondern der Tod! Nur in Jesus ist Gott für den Sünder so zu „sehen“, daß daraus das rettende Glauben und der Empfang des Lebens wird.
„Jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt“ — das ist der genaue Gegensatz zu dem, was jetzt die Haltung der Galiläer ist, denen Jesus sagen mußte: Gesehen habt ihr mich und doch glaubt ihr nicht (V. 36). So stehen sie nicht nur gegen Jesus, was sie für ungefährlich halten könnten, sondern gegen „Gottes Willen“, so wenig sie das selber möchten, und bringen sich um die einzigartige und unentbehrliche Gabe Gottes, um das „ewige Leben“.
Jesus stellt — wie es darum auch die apostolische Verkündigung tut, den bereits gegenwärtigen Besitz des „äonischen“ Lebens und den vollen Eingang in den neuen „Äon“ durch eine „Auferweckung am letzten Tage“ nebeneinander hin, ohne darin ein „Problem“ zu empfinden und einen Ausgleich dafür zu suchen. Der wirkliche Besitz göttlichen Lebens verwandelt jetzt noch nicht unsere gesamte Existenz. Es steht mit uns vielmehr so, wie Paulus es in Rö 8, 10. 11 lehrhaft darstellt. Darum ist uns trotz des neuen Lebens, das wir bereits „haben“, das leibliche Sterben nicht erspart. Und eben darum bedürfen wir auch der „Auferweckung“, der Gleichgestaltung mit dem Herrn bis in die Leiblichkeit hinein (1 Jo 3, 2; Phil 3, 20. 21; Rö 8, 29f).

Wuppertaler Studienbibel

Τοῦτο{D-NSN} δέ{CONJ} ἐστιν{V-PXI-3S} τὸ{T-NSN} θέλημα{N-NSN} τοῦ{T-GSM} πέμψαντός{V-AAP-GSM} με,{P-1AS} ἵνα{CONJ} πᾶς{A-NSM} ὁ{T-NSM} θεωρῶν{V-PAP-NSM} τὸν{T-ASM} υἱὸν{N-ASM} καὶ{CONJ} πιστεύων{V-PAP-NSM} εἰς{PREP} αὐτόν,{P-ASM} ἔχῃ{V-PAS-3S} ζωὴν{N-ASF} αἰώνιον,{A-ASF} καὶ{CONJ} ἀναστήσω{V-FAI-1S} αὐτὸν{P-ASM} ἐγὼ{P-1NS} τῇ{T-DSF} ἐσχάτῃ{A-DSF} ἡμέρᾳ.{N-DSF}
Das ist nun der Wille dessen, der mich sandte, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben hat, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

Der Vers beginnt und endet gleichlautend mit dem davor, jedoch wird am Anfang das Genitivobjekt zu θέλημα („Wille“) anders ausgedrückt, der Referent ist jedoch identisch, nämlich der Vater. Der mit ἵνα („dass“) eingeleitete Nebensatz weist ein langes Subjekt auf, das mit πᾶς („jder“) beginnt und mit αὐτόν („ihn“) endet und einen mit ὁ („der“) eingeleiteten Relativsatz aufweist. Das Prädikat des Nebensatzes ἔχῃ („er hat“) verbindet das Subjekt mit der Verheißung des ewigen Lebens, worauf das Subjekt der Auferweckung, wovon im letzten Satz die Rede ist, mit ἐγὼ („ich“) besonders betont ist.

P. Streitenberger

„Nimm nicht zu viel“ – oder „Fülle deine Taschen“?

Nehmet an meine Unterweisung, und nicht Silber, und Erkenntnis lieber als auserlesenes, feines Gold
Elberfelder 1871 – Sprüche 8,10

Nehmt meine Zucht an, nicht Silber,
Erkenntnis lieber als erlesenes Gelbgold,
Buber & Rosenzweig – Sprüche 8:10

Sucht meine Unterweisung,
nicht Silberschmuck!
Strebt nach Erkenntnis statt nach
Schmuck aus Gold!
Gute Nachricht Bibel 2018 – Spr 8,10

Nehmt Bildung und nicht Silber,
und Erkenntnis ist mehr als geprüftes Gold,
wählt Erfahrung statt reinen Goldes;
Septuaginta Deutsch – Spr 8:10

Stelle dir vor, du würdest eingeladen, dir einige Goldmünzen zu nehmen, und diese behalten zu dürfen. Wie viele würdest du nehmen, wenn dort tausende Goldmünzen liegen würden? Würdest du nur dein Handy zücken, und ein Foto machen? Oder würdest du beide Hände voll machen?
Einige religiöse Zeitschriften bitten ihre Leser, die Bibel zu lesen, „aber bitte nicht zu viel“! Das ist wirklich eine komische Aufforderung! Die Bibel zu lesen, zu studieren und so Jehovah noch besser zu verstehen und noch mehr kennen zu lernen ist wertvoller als Gold! Also nimm „beide Hände voll“ – und mach nicht nur ein paar Fotos mit deinem Handy 😉

Die Unterweisung durch die Weisheit besitzt einen unvergleichlichen Wert; wir sollten sie weit mehr begehren als Silber, feines Gold, Juwelen oder andere Dinge, denen Menschen großen Wert beimessen.

MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

Wenn jemand die Wahl hätte, sollte er die Weisheit allen anderen Werten vorziehen, denn sie ist besser. Zu V. 11 vgl. 3,15. In diesem Zusammenhang ist die 3. Person schwierig. Der Rat ist für junge Leute besonders wichtig. Sie lassen Lern- und Studienmöglichkeiten mitunter fahren, um sofort viel Geld zu verdienen. Später, wenn das Lernen ihnen wesentlich schwerer fällt, holen sie das Versäumte unter großem Nervenverschleiß nach.

Dietrich – Wuppertaler Studienbibel

Die Weisheit fordert die Menschen auf, lieber ihre Unterweisung und Erkenntnis anzunehmen als Silber und auserlesenes Gold ( HArUQ , reines, geläutertes Gold, das in Vers 19 feines Gold genannt wird) oder Rubine (vgl. Sprüche 3,13-15 ). Der Gedanke, daß der Wert der Weisheit über den Wert materieller Dinge hinausgeht, wird in Sprüche 8,18-21 erläutert. Dort wird hervorgehoben, daß Weisheit das gibt, was man nötig hat, und den Wohlstand fördert; die Weisheit zur Rechtschaffenheit und zum Frieden, den ein Mensch genießt; etwas, was Silber, Gold und Edelsteine nicht vermögen. In den Sprüchen haben diese nicht materiellen Dinge größeren Wert als alles, was man käuflich erwerben kann.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Die Worte der Weisheit sind »richtig dem Verständigen«: Sie entsprechen der Natur des Weisen, der Natur derer, »die Erkenntnis gefunden« haben. Das bedeutet, dass nur ein Weiser Gefallen hat an der Weisheit. Wie sollte der Sünder »Erkenntnis [Gottes] lieber als erlesenes Gold« annehmen, da er doch die Finsternis mehr liebt als das Licht (Joh 3,19)? Wir verstehen, dass zuerst Gott am Sünder wirken muss, ehe er die Weisheit liebt; er muss dem Blinden die Augen und Ohren öffnen (Spr 20,12; 5Mo 29,3). Wie tut er das? Durch die Stimme der Weisheit, die an alle ergeht, durch das Evangelium, das aller Schöpfung gepredigt wird (Mk 16,15). Darum müssen die Menschen es hören, und wenn sie recht hören, werden sie glauben (Röm 10,17). Und mit dem Glauben bekommen sie Lust an der Weisheit Gottes. Der Glaubende ist ein Sohn der Weisheit geworden, und darum wählt er Weisheit vor »Korallen« (wie in 3,15; 20,15; 31,10; Hi 28,18; Kla 4,7) und achtet alle »Kleinode« für nichts. Was ihm einst Gewinn war, gilt ihm nun so viel wie Straßenkot (Phil 3,7–8).

Benedikt Peters – Das Buch der Sprüche

Die Menschen sind bereit, in ihrem Beruf fleißig zu arbeiten, weil sie wissen, dass sie einen Gehaltsscheck bekommen, aber was ist mit der fleißigen Beschäftigung mit Gottes Wort, um geistliche Reichtümer zu erlangen, die wertvoller sind als Gold, Silber und Juwelen, Reichtümer, die ewig halten? (Siehe 2:4; 3:13-15; 8:10-21; 16:16.) Es gibt einen Preis zu zahlen, wenn wir geistliche Weisheit erlangen wollen, aber es gibt einen noch höheren Preis zu zahlen, wenn wir sie nicht erlangen. Wir müssen mit Gott durch das Studium seines Wortes gehen.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Die Weisen hatten eine innige Beziehung zur Heiligen Schrift. Ihre Bewunderung dafür kommt auf jeder Seite zum Ausdruck:

„MÖGE MEINE LEHRE WIE REGEN HERABKOMMEN“ (5. Mose 32,2). „MEINE LEHRE“ bedeutet Worte der Tora, wie es heißt: „DENN ICH HABE EUCH GUTE LEHRE GEGEBEN; VERLASSET MEINE TORA NICHT“ (Spr. 4,2). Und es heißt: NEHMT MEINE ZÜCHTUNG AN STATT SILBER (Spr. 8,10), und „Züchtigung“ bedeutet immer Worte der Tora.
WIE DER REGEN (5. Mose 32,2). So wie der Regen ewig währt, so währen die Worte der Tora ewig … MEINE REDE TROPFEN WIE DER TAU (5. Mose 32,2). So wie sich die ganze Welt über den Tau freut, so freut sich die ganze Welt über die Worte der Tora.
WIE TROPFEN AUF DEM GRAS (5. Mose 32,2). So wie die Tropfen rein sind und alles bedecken, so bedecken die Worte der Tora alle Sünden und Übertretungen

The Classic Midrash: Tannaitic Commentaries on the Bible

hatten sie noch nicht wirklich kapiert, dass man Jesus total vertrauen kann.

Und er stieg zu ihnen in das Schiff, und der Wind legte sich. Und sie erstaunten sehr über die Maßen bei sich selbst und verwunderten sich; denn sie waren durch die Brote nicht verständig geworden, denn ihr Herz war verhärtet.
Elberfelder 1871 – Markus 6,51–52

Da gerieten sie vor Entsetzen ganz außer sich. Denn sie waren durch das Wunder mit den Broten nicht zur Einsicht gekommen; sie waren im Innersten verstockt.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Markus 6:51b–52

Da waren sie erst recht fassungslos. Denn selbst nach dem Erlebnis mit den Broten hatten sie noch nichts begriffen; ihre Herzen waren verschlossen.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Mk 6,51b–52

Sie aber staunten und wunderten sich über die Massen. Denn durch jene Brode waren sie noch nicht zur Einsicht gekommen; weil ihr Sinn so unempfänglich war.
van Ess 1858 – Mk 6:51b–52

Wie hätten wohl die Gespräche ausgesehen, wenn die Jünger Jesus wirklich „erkannt“ hätten? Wenn sie gewusst hätten, dass er schon Adam & Eva kannte, und alle Fragen, die uns beim Bibellesen aufkommen, beantwortet hätte?

συνῆκαν Aor. -ίημι202 verstehen, einsehen, begreifen; Aor. hier wohl ingr. (A240b). ἐπί m. Dat. hier auf Grund von (v. dem Grund, auf dem ein Zustand od. ein Geschehen beruht); οὐ γὰρ συνῆκαν ἐπὶ τοῖς ἄρτοις, ἀλλʼ ἦν αὐτῶν ἡ καρδία πεπωρωμένη denn auf Grund der Brote (= des Brotwunders [V. 32–44]) waren sie (noch) nicht zur Einsicht gekommen (vgl. B II1bγ), sondern ihr Herz war verhärtet/verstockt od. denn selbst nach dem Erlebnis mit den Broten hatten sie noch nichts begriffen; ihre Herzen waren verschlossen (NGÜ); durch den γάρ-Satz erklärt (vgl. B γάρ 2) der Verfasser die eben genannte Reaktion der Jünger: obwohl sie das Brotwunder (das u. a. Jesu eig. Identität offenbaren sollte) persönl. miterlebt hatten, haben sie, die doch zu den engsten Vertrauten des Gottessohnes best. u. bereits aktiv an seinem Wirken beteiligt waren (V. 7–13 u. 30), noch immer nicht begriffen, wen sie vor sich hatten (vgl. zu 4,13). ἦν V. 47. πε-πωρωμένη Pf. (A231) Ptz. Pass. πωρόω versteinern, verhärten, verstocken; umschrieb. Plsqpf. (A249b).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

V. 51 steigt Jesus in das Boot, wodurch sich der Wind legt (Konstatierung des Wunders) und die Jünger aus der Not gerettet werden. Sie reagieren darauf sehr bestürzt, was hier wohl positiver – im Sinne einer Admiration – als nach dem Schrecken von zuvor (V. 49.50a) zu verstehen ist.
Der abschließende erklärende Zusatz (vgl. gár: denn; V. 52) zeigt allerdings, dass die Admiration der Jünger nicht Ausdruck ihres Verstehens ist. Sie haben vielmehr schon die vorhergehende Speisung des Volkes durch Jesus in ihrer eigentlichen Bedeutung nicht verstanden (6,32–44); dies gilt auch vom Seewandel Jesu. Beides erklärt sich aus der Verhärtung ihrer Herzen, durch welche sie unempfänglich werden für Gottes Einfluss und damit auch für das Verstehen der Offenbarung der christologischen Hoheit Jesu bei der Speisung und beim Seewandel. An einer Herzensverhärtung leiden also nicht nur Jesu Gegner (vgl. dazu bei 3,5), sondern auch seine engsten Vertrauten, die Jünger.

Dschulnigg – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Was ist die „Bedeutung der Brote“, von der in Markus 6:52 die Rede ist?
In Markus 6:51, 52 lesen wir: „Er [Jesus] stieg zu ihnen [den Jüngern] in das Boot, und der Wind ließ nach. Darüber waren sie bei sich selbst überaus erstaunt denn sie hatten die Bedeutung der Brote nicht erfaßt, sondern ihr Herz blieb im Verständnis abgestumpft.“ Die Jünger hatten zuvor erlebt, wie Jesus Christus fünf Brote und zwei Fische auf übernatürliche Weise so sehr vermehrte, daß ungefähr 5 000 Männer außer den Frauen und Kindern gespeist werden konnten. Die übriggebliebenen Brocken, die man gesammelt hatte, füllten 12 Körbe, was eindeutig bewies, daß alle Anwesenden satt geworden waren. Die Jünger hätten daraus erkennen sollen, daß Jesus von Gott ermächtigt worden war, Wunder zu wirken (Matth 14:19-21; Markus 6:41-44).
Als daher Jesus später über das Wasser schritt und der Wind nachließ, als er in das Boot stieg, hatten die Jünger Grund, diese Wunder mit der übernatürlichen Vermehrung der Brote in Zusammenhang zu bringen. Wenn Jesus Christus die Volksmenge speisen konnte, sollte es bestimmt nicht so ungewöhnlich oder erstaunlich erschienen sein, daß er auch über das Wasser schreiten und den Wind beschwichtigen konnte.
Doch die Jünger waren noch nicht in der Lage, das eine Wunder im Lichte des anderen zu sehen. Sie erfaßten in ihrem Herzen einfach noch nicht die Größe der Macht, die Jesus Christus durch den heiligen Geist gewährt worden war. Sie reagierten mit einem Erstaunen wie es für Personen charakteristisch gewesen wäre, die keinen Grund gehabt hatten, zu glauben, daß der Sohn Gottes über das Wasser schreiten und dem Wind Einhalt gebieten konnte.

Wachtturm – 1.September 1980

Und sie staunten überaus stark; denn bei den Broten war ihnen das Verständnis nicht gekommen; sondern es war ihr Herz verhärtet, ganz so, wie Markus auch beim früheren Sturm gesagt hat: Fehlt euch denn der Glaube? Mit allem, was ihnen Jesus tat, hätte er ihnen gerne eine inwendige und bleibende Gabe geschenkt, nicht nur eine kurze Labung und Ergötzung an Gottes Schöpfermacht, sondern einen bleibenden, hellen Einblick in das, was Gott ihm und durch ihn auch den Jüngern war. Wenn sie aber über jeden neuen Erweis seiner Gemeinschaft mit dem Vater in ein tiefes Erstaunen verfielen und davon völlig überrascht wurden, als wäre es etwas Unmögliches, so wurde dadurch offenbar, daß sie Jesu Gemeinschaft mit dem Vater vor Augen hatten, ohne sie mit ihrem stumpfen Herzen wahrzunehmen und zu verstehen.
Matthäus hat noch das große Erlebnis des Petrus erzählt, der nach dem Anteil an Jesu herrlicher Macht begehrt, ihn auch empfängt, aber dabei erlebt, wie ungeschickt und unfähig er noch zum Glauben ist. Markus hat nicht an der besonderen, außergewöhnlichen Tat des Petrus, wohl aber am Verhalten aller Jünger mit bewußter Absicht hervorgehoben, wie deutlich und demütigend ihre Schwachheit zutage trat. Denn es gehört mit zum Bußwort des Evangeliums, daß es uns neben dem Reichtum Jesu die Armut der Jünger zeigt und allen an ihnen erkennbar macht, wie viel Güte und Geduld er mit uns haben muß, bis wir an ihn glauben.

Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament

Das letzte Echo im Bewusstsein der Beteiligten ist ein doppeltes. Bei den Teilnehmern ist es Fassungslosigkeit: »Sie entsetzten sich (oder: gerieten außer sich) über die Maßen sehr« (Mk 6, 51; vgl. Mk 5,42). Jesus vollbrachte, was nur Gott vollbringen kann: Er ging auf dem Wasser (vgl. das Bekenntnis in Mt 14,33). Der rückblickende Evangelist aber konstatiert den völligen Mangel an Verständnis: »Sie waren trotz der Brote nicht zur Einsicht gekommen, sondern ihr Herz war verhärtet« (Mk 6, 52). Wer Jesus ist, erfassen sie noch immer nicht. Jesu Leiden am Unverständnis der Jünger setzt sich fort. Also in diesem Sinne kein Happy End! Es fällt auf, dass bei Markus das Unverständnis der Jünger besonders betont wird (vgl. Mk 1,36ff.; Mk 4,13; 6,52; 7,18; 8,17ff.; Mk 9,10.32; 10,14). Es ist, als wolle Markus seinen Lesern sagen: Wir Menschen sind unfähig, die Herrlichkeit des Sohnes Gottes zu begreifen. Zweimal gebraucht er bei den Jüngern sogar den Ausdruck »verhärtetes Herz«. »Verhärtet« muss man unterscheiden von »verstockt«, obwohl beide Begriffe nahe beieinander liegen. In Mk 6,52 heißt »verhärtet« jedenfalls so viel: Die Jünger haben ihr Herz selber hart gemacht, so dass keine göttliche Erkenntnis in sie eindringen konnte.

Der Leser verlässt diesen Bericht mit der Frage: Wann werden die Jünger endlich begreifen? Andererseits stellt der Bericht auch an den heutigen Leser eine Frage: Hast du selbst schon begriffen?

Gerhard Maier – Edition C

Sie mussten lernen, sich in jeder Situation auf den Messias zu verlassen. Diese Lektion hätten sie schon bei der Speisung der Fünftausend lernen sollen, worauf Markus hinweist: „Und sie entsetzten sich sehr über sich selbst; denn sie verstanden nichts von den Broten, sondern ihr Herz war verstockt“ (Markus 6,51-52). Ihr Versagen, diese Lektion zu lernen, erklärte, warum sie im Boot so ängstlich waren. Matthäus berichtet: Und die im Boot waren, beteten ihn an und sprachen: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn (Matthäus 14,33). Hier ist ein Beispiel für gute Theologie, aber schlechte Anwendung. Die Jünger wussten eindeutig, dass er der Sohn Gottes war (gute Theologie); aber sie hatten nicht gelernt, sich auf ihn zu verlassen (schlechte Anwendung). Sie wurden ängstlich in einer Situation, in der sie dem Herrn hätten vertrauen sollen. Geistliches Leben ohne gute Theologie ist unmöglich. Auf der anderen Seite führt eine gute Theologie ohne gute Anwendung zu geistlicher Leere. Der Gläubige muss gute Theologie auf das tägliche Leben anwenden.

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Die Jünger erstaunten sehr über die Maßen. Markus gebraucht den Ausdruck bei zwei früheren Gelegenheiten. Bei der Heilung des Gelähmten und bei der Auferweckung der Tochter des Jairus waren die Zuschauer über die Maßen erstaunt. Das hier verwendete Wort existanto bedeutet wörtlich „außer sich sein“ (2, 12; 5, 42). Markus alleinberichtet den Grund für diese Haltung der Jünger: „Sie waren durch die Brote nicht verständig geworden, denn ihr Herz war verhärtet.“
Das Wunder der Brotlaibe war ein machtvolles Zeichen der wahren Identität Jesu. Er war der allmächtige Sohn Gottes, der Schöpfer aller Dinge.
Der Mangel an Verständnis dieses Wunders ist ihrer geistlichen Taubheit zuzuschreiben. Sie vermochten nicht seine wahre Identität an dem öden Ort zu erkennen, wo er die Brote und die Fische vermehrt hatte. Infolgedessen erkannten sie ihn auch nicht, als er über die Oberfläche des Sees schritt.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Wenn jemand zu euch kommt und nicht die Wahrheit über Christus lehrt …

Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmet ihn nicht ins Haus auf und grüßet ihn nicht (Eig bietet ihm keinen Gruß; so auch v 11.)
Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken.
Elberfelder 1871 – 2.Johannes 10–11

Wenn also jemand zu euch kommt, der etwas anderes verkündet als diese Lehre (- oder als das, was Christus gelehrt hat. -), dann nehmt ihn nicht bei euch (- in eurem Haus. Entweder ein Privathaus (das dem Irrlehrer als Basis für seine Tätigkeit dienen würde) oder der Ort der Gemeindeversammlung (wo es zu einer offiziellen Begrüßung käme). -) auf und heißt ihn nicht willkommen! Denn wer ihn willkommen heißt, macht sich mitschuldig an seinem verwerflichen Tun.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 2.Johannes 10,11

Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, nehmt ihn nicht in die Wohnung und sagt ihm nicht: „Freue dich!“ (- einen Gruß, wie: „Freue dich!“ -),  denn wer ihm „Freue dich!“ sagt, nimmt teil an seinen bösen Werken.
Jantzen & Jettel – 2.Joh 10–11

Wenn jemand zu euch kommt und nicht die Wahrheit über Christus lehrt, dann ladet ihn nicht in euer Haus ein und ermutigt ihn auch sonst in keiner Weise. Wer ihn ermutigt, macht sich mitschuldig an seinem schlechten Tun.
Neues Leben – Bibel 2006 – 2.Joh 10,11

Sollte also jemand zu euch kommen, der euch etwas anderes erzählen will, den nehmt nicht bei euch auf und grüßt ihn nicht einmal.  Denn wer diesen Verführern auch nur Gutes wünscht, unterstützt sie und macht sich mitschuldig an all dem Bösen, was sie anrichten.
Hoffnung für Alle – 2.Johannesbrief 1:10,11

Da durch das Annehmen falscher Lehren alles auf dem Spiel steht, sogar die Gemeinschaft mit Gott, müssen ernste Warnungen vor denen folgen, die dies wollen, den Irrlehrern. Das Indefinitpronomen τις („jemand“) macht die Angabe nach der jeweiligen Person unbestimmt. Egal wer es ist, wenn die Kriterien zutreffen, nämlich, dass die Lehre Christi nicht gebracht wird, dann gelten die Aussagen, wie damit umzugehen ist. Mit dem Demonstrativpronomen ταύτην („diese“) nimmt Johannes Bezug auf die Lehre Christi, wie er sie im Vers davor genannt hatte (sog. Linksverweisung). Es wird sich nicht um ein generelles Verbot handeln, etwa Postboten etc., die keine Christen sind, in das Haus hereinlassen zu dürfen, obwohl diese i.d.R. auch nicht die Lehre Christi bringen. Vielmehr ist der Kontrast zu ταύτην („diese“) ja, irgendeine andere Lehre. D.h. es handelt sich um Personen, die eine falsche Lehre bringen und über das Wort Gottes, wie von Johannes beschrieben, hinausgehen bzw. etwas weglassen und nicht dabei geblieben sind, was von Anfang an in Gottes Wort gelehrt wurde. Durch die Verneinung mit μή statt mit οὐ wird klar, dass es kein Aussagesatz ist, sondern eine Feststellung, wie es de facto ist, also eine Aufforderung mittels eines Imperativs, obwohl λαμβάνετε („nehmt nicht auf!“) und λέγετε („sagt!“) formengleich mit dem Indikativ sind, jedoch aufgrund der Art der Verneinung als Imperative erkennbar sind. Flavius Josephus gebraucht die von Johannes gebrauchte Grußformel ebenfalls (Antiquitates Judaica 13.81): „Πτολεμαῖος δὲ προσδεξάμενος ἡδέως τὴν μνηστείαν ἀντιγράφει χαίρειν τε λέγων“. „Ptolemäus nun, nachdem er den Heiratsvorschlag wohlwollend erhielt, antwortete, indem er einen Gruß sagte“. Wie andere Beispiele im Neuen Testament zeigen (vgl. Matthäus 26,49; 27,29 etc.) wird es sich hier bereits um einen Willkommensgruß handeln, denn, da die Person gar nicht erst im Haus aufgenommen werden kann, kann es keine Verabschiedung in erster Linie beschreiben, obwohl es deutlich ist, dass diese ebenso wenig angebracht ist. Dies würden Mitteilungen bestätigen, wie etwa aus Attica (IG II.2 1099), die so überschrieben ist: „Πλωτεῖνα Σεβαστὴ πᾶσι τοῖς φίλοις χαίρειν“. „Plotina Augusta grüßt alle Freunde!“. Darauf folgt die Mitteilung. In den Anreden werden neben Freunden häufig auch höhergestellte und anerkannte Personen oder Institutionen in der Form gegrüßt: „Κόιντος Φάβιος […] τοῖς ἄρχουσι καὶ συνέδροις καὶ τῆι πόλει χαίρειν“. „Kointus Fabius […] grüßt die Führer und die Räte und das Volk“ (Rizakis, Achaïe III 5). In einem Grußwort in Delphi, Griechenland heißt es: „ἐπιφανέστατος Καῖσ̣αρ Δελφῶ[ν ἄρχουσι, βουλῇ], πόλει χαίρειν“. „Der allervortrefflichste Kaiser grüßt die Führer, den Rat, die Stadt der Delphier!“. Somit lässt sich sagen, dass in der Form Freunde, Autoritäten etc. gegrüßt werden und man wünscht ihnen damit Wohlergehen, all dies scheidet bei Johannes aus, wenn es sich um Gegner der Lehre Christi handelt. Ein Kontrastbeispiel zu dem, was Johannes schreibt, liest man in Homerus, Odysseia, 1.119ff „νεμεσσήθη δ’ ἐνὶ θυμῷ ξεῖνον δηθὰ θύρῃσιν ἐφεστάμεν· ἐγγύθι δὲ στὰς χεῖρ’ ἕλε δεξιτερὴν καὶ ἐδέξατο χάλκεον ἔγχος, καί μιν φωνήσας ἔπεα πτερόεντα προσηύδα· „χαῖρε, ξεῖνε, παρ’ ἄμμι φιλήσεαι· αὐτὰρ ἔπειτα δείπνου πασσάμενος μυθήσεαι ὅττεό σε χρή. ὣς εἰπὼν ἡγεῖθ’, ἡ δ’ ἕσπετο Παλλὰς Ἀθήνη“. „Besorgt aber im Inneren, dass ein Fremder lange vor den Türen steht, trat er nun herzu und ergriff ihre rechte Hand und nahm ihr den ehernen Speer ab und sprach zu ihr das geflügelte Wort: „Sei gegrüßt, Fremde, du sollst bei uns willkommen sein! Doch dann, wenn du das Essen genossen hast, sage, was immer du brauchst. Als er noch redete, ging er voran, Pallas Athene nun folgte“. Hier sieht man die normale Reihenfolge und nicht wie bei Johannes, nämlich erst die Aufnahme in das Haus und dann den Willkommensgruß. Somit kann man bei Johannes ein stilistisches Element Hysteron Proteron (ὕστερον πρότερον, d.h. das eigentlich Spätere kommt vorher) erkennen, wobei die übliche Reihenfolge vertauscht wird und offenbar Wichtigeres vorgezogen wird, obwohl dies der Abfolge nach üblicherweise danach geschieht. Ein Alltagsbeispiel davon ist etwa „sich Schuhe und Socken anziehen“. Dabei wird klar, dass dem Wichtigeren der Vorzug im Satz gegeben wird, obwohl der Ablauf sonst anders geschieht. Somit ist es Johannes wichtig, keine Aufnahme im Haus zu gewähren, aber sogar nicht einmal einen Gruß sagen. Obwohl beides untersagt ist, scheint es doch so zu sein, dass eine Aufnahme im Haus noch schwerwiegender falsch wäre als der Gruß allein. Jedoch drückt der Gruß, wörtlich genommen den Wunsch aus, der Gegenüber möge sich freuen (χαίρειν), das kann nicht die Intention sein, dies so zu wünschen, wenn dies bei einer Aktion geäußert wird, die gegen das Wort Gottes und die Lehre und die Person des Herrn Jesus gerichtet ist.

Mit γὰρ („denn“) begründet der Apostel, warum man falsche Arbeiter nicht grüßen oder gar aufnehmen kann, denn dies würde Identifikation und Einsmachung bedeuten. Der Böse könnte etwa sich ermutigt fühlen oder es als Bestätigung auffassen, was es auch de facto wäre, wenn er von Christen Unterstützung für sein falsches Tun bekäme, selbst wenn es nur ein Gruß ist. Damit sind nicht die brüderlichen Umarmungen gemeint, denn wie gezeigt, ist das hier gebrauchte Wort ja, die normale Begrüßungsformel, wie heute „Guten Tag“. Die Ablehnung des Herrn Jesus ist in den Augen Gottes so böse, dass nicht einmal die kleinsten Dinge der Unterstützung möglich sind. Diese Anweisung hat enorme praktische Bedeutungen, etwa wenn Sektierer an der Türe läuten oder in der Stadt auf Christen zukommen oder wie man sich Personen gegenüber verhalten muss, die als Böse aus der Mitte der Gläubigen hinausgetan wurden. In diesem Fällen können keine Nettigkeiten ausgetauscht werden.

P. Streitenberger – Der zweite Johannesbrief

εἰ m. Ind. indefiniter Fall (A342). λαμβάνετε Imp. εἰς οἰκίαν ins Haus (auch ohne Art. best., A106). χαίρειν Inf.; hier als griech. Grußformel: χαίρειν τινὶ λέγειν jmdm. den Gruß entbieten, jmdm. guten Tag sagen (B 2a). λέγετε Imp. 2Jh λέγων subst. κοινωνέω Anteil haben, erhalten od. nehmen τινί an etwas; hier sich mitschuldig machen an etwas (B 1bβ).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Der gewöhnliche Gruß war der Friedensgruß, Richt. 19, 20 und andere, aber auch: „Gott sei dir gnädig“, 1Mos. 43, 29, oder: „Der Herr sei mit euch“, worauf entgegnet wird: „Der Herr segne dich“, Ruth 2, 4, sodass für grüßen auch segnen steht, 2Sam. 19, 40.
Näherstehende umarmen und küssen sich dabei 1Mos. 29, 11. 1Mos. 29, 13. Höherstehenden geht man entgegen, beugt sich bis zur Erde 1Mos. 18, 2, wirft sich zu Boden 2Sam. 9, 6, küsst die Füße 2Kön. 4, 27. Vielfach werden Begrüßungs- und Abschiedsgeschenke gegeben, besondere Ehrfurcht wird dem Alter bezeigt 3Mos. 19, 32. Aus der Umständlichkeit dieser Umgangsformen erklärt sich das Verbot 2Kön. 4, 29; Luk. 10, 4, während 2Joh. 10 damit den Abbruch der Gemeinschaft fordert, die sich auf „böse Werke“ nicht erstrecken darf, Vers 2Joh. 11.
Andererseits will Jesus, dass nicht nur die Brüder gegrüßt werden Matth. 5, 47. — Die Grußabschnitte in den neutestamentlichen Briefen, zum Beispiel Röm. 16, 1ff bezeugen die Innigkeit der persönlichen Verbundenheit in der Gemeinde. Die Grußformeln, Segenssprüche, zum Anfang und Schluss der Briefe lehnen sich an die allgemeine Briefform an, wie sie andererseits, die persönliche Ansprache in der Gemeindeversammlung vertretend, liturgisches Gepräge tragen, daher bei aller Mannigfaltigkeit der kasuellen Anwendung, die zum Teil den Grundton des ganzen Briefes voraus kundgibt (Gal. 1, 1 der Kampf um das Apostolat des Paulus, Röm. 1, 1–7 die Darlegung „seines“ Evangeliums), ihre wesentliche Übereinstimmung in sämtlichen paulinischen, 1. und 2. Petrus-, 2. Joh.-Brief der Wunsch der Gnade und des Friedens, das heißt der Gruß des Orients (siehe oben) und der griechischen Welt („Freude [chara] zuvor“, dafür charis = Gnade) in christlicher Vertiefung. Ohne Gruß ist der 1. Joh.-Brief, der Hebr.-Brief am Anfang.

Calwer Bibellexikon

Es geht hier bei der »Lehre« nicht um verschiedene theologische Standpunkte, sondern die Lehre macht deutlich, ob einer den Vater und den Sohn »hat« oder »nicht hat«, ob er also in seiner Lehre die Gemeinschaft mit dem Retter Christus ausruft oder von dem Retter Christus wegführt, die Christen also verführt und abführt in den ewigen Tod. Das ist die entscheidende Frage, und darüber muß es zur klaren Trennung kommen. Der Apostel sagt deshalb zu »der auserwählten Herrin« mit ihrem wohl gastfreundlichen Haus: »Nehmt ihn nicht ins Haus.« Die orientalische Sitte großen Gastfreundschaft bietet dem Gast das Haus als eigenes Heim auf Zeit an, was zu engster Gemeinschaft führt. Die kann es aber gegenüber den Irrlehrern nicht geben (Ps 26,4; 1. Kor 10,20; 2. Kor 6,14). »Wendet euch von ihnen ab«, schreibt auch Paulus (Röm 16,17), ja sogar: »Wenn jemand den Herrn nicht lieb hat, der sei verflucht« (1. Kor 16,22; vgl. auch 2. Thess 3,6; Tit 3,10). Auch der Gruß soll dem Irrlehrer verweigert werden, denn der Gruß ist Glück- und Segenszusage für den so Gegrüßten. Wie kann aber solches einem gewünscht werden, der zum Tod leitet? So würde sich der Christ mit dem Irrlehrer gemein machen und hätte »teil an seinen bösen Werken«, »würde teilhaben« (wörtlich). So hätte der Christ aber auch Anteil an der Schuld, die ein solcher Irrlehrer auf sich lädt, dadurch, daß er Menschen zum Verderben verführt. Da kann es nur eine klare Trennung geben, die sich auch äußerlich ganz konkret vollziehen muß.
Diese deutlichen Anweisungen klingen hart, aber so spricht die Liebe, gerade die christliche, vom Geist Gottes gewirkte Liebe. Beachten wir dabei viererlei: a) Es sind Anweisungen gegenüber Irrlehrern, gegenüber solchen also, die als Lehrer in der Gemeinde auftreten – damals wohl oft als reisende Wanderprediger –, die Einfluß in der Gemeinde gewinnen und Anhänger ihrer falschen Lehre sammeln wollen. Ihnen muß konsequent das öffentliche Auftreten verwehrt werden. Die Ablehnung ihnen gegenüber gilt ihrem Anspruch und ihrer Lehre, b) Die Christen sollen geschützt werden. Gerade in den jungen Gemeinden gab es sicher noch viele »Kinder im Glauben«, die noch nicht so gefestigt waren, daß sie diesen oft so volltönend auftretenden Irrlehrern gegenüber urteilen konnten. Das ist bis heute so. Auch die absurdeste Irrlehre, wo sie nur recht hochgestochen und theologisch verkleidet daherkommt, findet Anhänger. Es ist Aufgabe der »Hirten« der Gemeinde – und die »Herrin« ist dies für ihre Hausgemeinde –, die ihr Anvertrauten vor den »Wölfen im Schafspelz« zu schützen (vgl. Mt 7,15). c) Gerade die Liebe muß und kann deutlich und hart reden, nicht zuletzt um der Irrlehrer selbst willen. Ist das ein Tun der Liebe, wenn ihr verderbliches Handeln – das ihnen ja auch selbst zum Verderben wird – beschönigen, verdeckt oder gar gebilligt wird? Das wäre eine falsche Liebe, die die Bosheit nur noch wachsen und ausufern ließe. Die geistliche Liebe redet in suchender Härte zu dem, der sein und der anderen Verderben anrichtet, d) Das Gebot der Nächstenliebe ist ja nicht außer Kraft gesetzt. Käme solch ein Irrlehrer in äußere Not, gälte auch ihm das selbstverständliche Tun der barmherzigen Hilfe. Nur: Als Lehrer muß ihm gegenüber klare Distanzierung sein.

Krimmer – Edition C Bibelkommentar

Doch das Bleiben in der Wahrheit von Jesus Christus erfordert auch eine klare Absage an diejenigen, die falsche Lehren verbreiten. Deshalb setzt Johannes hinzu: Wenn jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht, so nehmt ihn nicht ins Haus und grüßt ihn auch nicht. Zu Lebzeiten des Johannes waren Wanderphilosophen und umherziehende religiöse Lehrer ein vertrauter Anblick. Auch die christlichen Prediger reisten von Ort zu Ort und waren von der Unterstützung und Gastfreundschaft der verschiedenen Ortsgemeinden abhängig (3Joh 1,5-8). Doch die Leser des 2. Johannesbriefes werden dringend dazu aufgefordert, in solchen Fällen genau hinzusehen und zu -hören. Wenn jemand (in der Rolle eines Wanderapostels) zu ihnen „kommt“, ohne ihnen die gesunde Lehre (didachEn) zu bringen, so soll ihm keine Hilfe gewährt werden. Das griechische Verb für „bringen“ ist pherO („tragen“), ein Wort, das ebenfalls das Motiv des Reisens aufnimmt. Wenn die Wahrheit nicht zum „Reisegepäck“ gehört, so soll dem Reisenden von denen, die dieser Wahrheit treu bleiben, die Gastfreundschaft verweigert werden. (Den wahren Gläubigen dagegen muß in jedem Fall Gastfreundschaft gewährt werden; 3Joh 1,5.8.) Einem Verführer aber soll man nicht einmal den Willkommensgruß bieten, denn das würde bedeuten, an seinen bösen (ponErois; vgl. to ponEron, „der Böse“, 1Joh 2,13-14 ) Werken teilzuhaben. „Grüßt ihn“ (2Joh 1,10-11) heißt wörtlich „begrüßt ihn“. Das griechische Wort an dieser Stelle ist chairein, das mit chairO, „sich freuen, glücklich sein“, verwandt ist. Chairein war der übliche herzliche Willkommens- oderAbschiedsgruß, etwa im Sinne von „ich freue mich, dich zu sehen“ oder „Alles Gute“ (vgl. Apg 15,23; 23,26; Jak 1,1).
Für unsre heutigen Ohren klingt diese Anweisung unangemessen hart und engstirnig. Ein großer Teil der Probleme der modernen Welt liegen jedoch gerade darin, daß sie oft zu allzu großer Toleranz gegenüber religiösen Unterschieden neigt. Man muß der Tatsache ins Gesicht sehen, daß die Verfasser des Neuen Testamentes diese tolerante Haltung nicht teilten. Ihre Verpflichtung auf die Wahrheit und ihr Wissen um die Gefahren religiöser Irrtümer ließen sie mit äußerster Strenge gegen die Irrlehrer zu Felde ziehen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß unsere moderne Zeit, die kein Gefühl mehr für die Gefahren der Häresie hat, auch ihre Überzeugung von der Wahrheit verloren hat.
Doch der Abschnitt darf auch nicht überinterpretiert werden. Johannes ging es um Irrlehrer, die sich aktiv dafür einsetzten, falsche Vorstellungen zu verbreiten. In dieser Tätigkeit sollen sie keinesfalls unterstützt werden. Schon ein simpler Gruß gab ihnen vielleicht ein Gefühl des Akzeptiertseins, das falsch verstanden werden konnte. Durch ihr abweisendes Verhalten sollten die Leser klarmachen, daß sie solchen Männern in keiner Weise in die Hände arbeiteten. Dieser Rat hat seine Gültigkeit bis heute nicht verloren. Johannes spricht die Frage, welche Bemühungen unternommen werden sollten, um diese Leute für die Erkenntnis der Wahrheit zu gewinnen, zwar nicht an. Doch es ist klar, daß alles getan werden muß, daß sie nicht durch eine Art Billigung ihres Irrtums noch tiefer in ihn hineingetrieben werden.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Der Autor verwendet den Begriff „Anti-Messias“ in Vers 7 als Neologismus (siehe auch 1. Johannes 2,18 und 4,3), um anzudeuten, dass die Gegner buchstäblich „gegen den Messias“ sind, und nicht als Hinweis auf einen bestimmten satanischen Vertreter.
Johannes warnt seine Leser davor, sich an ihren bösen Taten zu beteiligen (V. 11), indem sie ihre Überzeugungen annehmen oder ihre Propaganda in irgendeiner Weise unterstützen. Denn diese Lehrer, schreibt er, sind in die Welt hinausgegangen (V. 7 und 1 Joh 2,18-19), was darauf hindeutet, dass es sich um ehemalige Gemeindemitglieder handelt, die die Gemeinde verlassen haben und nun wahrscheinlich versuchen, andere für ihre Lehre zu gewinnen.

Die angesprochene Lehre ist dieselbe wie in 1. Johannes – die Verführer „erkennen das Kommen Jeschuas, des Messias, als Mensch nicht an (V. 7)“ und haben den Kreis der Gemeinschaften unter der Obhut und Autorität des Johannes verlassen (1. Johannes 2,19) und versuchen, andere zu beeinflussen. Es geht um den Glauben, dass Jeschua nicht leibhaftig gekommen ist.
Jobes weist darauf hin: „Das Partizip ‚kommen‘ (ἐρχόμενον) bezieht sich nicht auf ein zukünftiges Kommen, wie etwa das zweite Kommen Christi, sondern auf das vergangene Ereignis der Inkarnation.“ Sie fährt fort zu betonen:
Wahre Gotteserkenntnis findet sich nur in der Menschwerdung Jesu Christi, denn das Wort ist Fleisch geworden, um den sonst unsichtbaren Gott zu offenbaren (Joh 1,18). Daher erkennt jeder, der eine wahre Gotteserkenntnis hat, an, dass „Jesus Christus im Fleisch gekommen ist“, das heißt, dass der Sohn Gottes ein Mensch geworden ist. Diese Wahrheit spricht zweifellos gegen den Doketismus, aber auch allgemeiner gegen viele Formen des christologischen Irrtums.

Die besondere Formulierung „ist im Fleisch gekommen“ deutet darauf hin, dass die Debatte, die den Ältesten beschäftigte, wahrscheinlich mehr mit den Mitteln der Erlösung zu tun hatte als mit dem Wesen Jesu Christi … das Verb „kommen“ bedeutet in johanneischen christologischen Zusammenhängen nicht nur „auf der Bildfläche erscheinen“, sondern auch „heilsam handeln“ (siehe Johannes 5,43; 7,28; 8,42; 12,46; 16,28; 18,37). Während eine solide Christologie sicherlich auf der physischen Inkarnation Christi als ganzem Menschen besteht, war die volle Menschlichkeit Christi aufgrund seiner Rolle in Gottes Heilsplan als Sühneopfer für die Sünde notwendig.
Daher wird in Vers 11 davor gewarnt, eine Person, die das Gegenteil lehrt, auch nur zu grüßen, denn der Gruß war damals ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Protokolls, und der Gruß (Shalom aleichem, „Friede sei mit dir“) war als Segen oder Gebet gedacht, um Frieden zu vermitteln.

Laut Keener:
In den Schriftrollen vom Toten Meer wurde derjenige, der einen Abtrünnigen aus der Gemeinschaft versorgte, als Sympathisant des Abtrünnigen betrachtet und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, ebenso wie der Abtrünnige selbst. Einen Irrlehrer zu beherbergen oder zu segnen, wurde daher als Kollaboration mit ihm angesehen.

Dies wird in ähnlicher Weise durch ein Zitat aus Avot von Rabbi Natan bestätigt:
Wer sich denen anschließt, die Übertretungen begehen, obwohl er nicht tut, was sie tun, wird dennoch wie einer von ihnen bestraft.

Rabbiner Joshua Brumbach – Die drei Briefe des Johannes – Hoffnung, Liebe und Bündnistreue

Nachdem diese falschen Lehrer von ihrem Herrn ausgesandt worden waren, um seine Leugnung des Vaters und des Sohnes zu verbreiten, trieben sie ihr böses Werk weiter und würden schließlich nach den Befürchtungen des Johannes zum Haus dieser Herrin kommen. Er hatte ihr die Möglichkeit mitgeteilt, wie sie die wahren von den falschen unterscheiden konnte. Deshalb sind, wenn sie erkennt, daß „jemand … diese Lehre nicht bringt“, die Anweisungen für sie eindeutig: „Nehmet ihn nicht ins Haus („in euer Haus“ GN) auf“. Welches Haus? Das Haus, wo sie Verantwortung und Autorität hat – nicht die Ortsgemeinde, sondern wörtlich „ihr eigenes Haus“. Dies deutet erneut darauf hin, daß sie Witwe war; kein Mann wird erwähnt, der in dieser Frage berücksichtigt werden mußte. Die Anweisungen für sie (und uns) lauten: „Nehmet ihn nicht ins Haus auf“, wenn er kommt; „Grüßet ihn nicht“ (Elberf), „bietet ihm auch keinen Gruß“ (Menge), wenn er weggeht. Einige argumentieren, daß dies unfreundlich, lieblos und unchristlich sei, doch sollten wir diejenigen aufnehmen, beherbergen und segnen, die Antichristen und Verführer sind sowie die Gottheit und das Menschsein des Herrn Jesus leugnen? Zweifellos hat man, wenn man sie empfängt, mit ihnen Gemeinschaft in ihrem bösen Werk der Leugnung des Christus. So müssen wir mit denjenigen umgehen, die in der festen Absicht ausgezogen sind, Menschen zu verführen und Ihn zu leugnen. Die von ihnen Irregeführten sind in Jud 1,22 angesprochen: „Und erbarmt euch der einen, die zweifeln“ (Rev.Elberf). Aber selbst hier müssen einfältige Gläubige vorsichtig handeln: „… der anderen aber erbarmt euch mit Furcht, indem ihr sogar das vom Fleisch befleckte Kleid haßt“ ( Jud 1,23 Rev.Elberf). Damit ist die Lehre eindeutig: solche nicht aufnehmen, nicht bewirten, nicht grüßen oder unterstützen. (Vergleichen wir das mit dem 3. Johannesbrief, wo Gajus für genau diese Aufmerksamkeiten gegenüber den wahren Dienern Gottes gelobt wird.) „Wenn die Anweisungen des Johannes anscheinend streng sind, liegt es vielleicht daran, daß seine Sorge um die Ehre des Sohnes und das Wohl der menschlichen Seele größer als unsere ist“ (Stott) oder daran, daß „die Toleranz, worauf wir stolz sind, in Wirklichkeit Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit ist“ (Alexander). Möglicherweise ist es nur Feigheit – schämen wir uns des Herrn Jesus? Mangelt es an tiefer Überzeugung in Bezug auf die Ansprüche des Christus?
  „Zu dieser Zeit, als es keine Missionsorganisationen gab, um Unterstützung für die Mission weiterzuleiten, war die schlichte Wahrnehmung christlicher Gastfreundschaft gegenüber umherreisenden Lehrern und Evangelisten eine einfache Form missionarischer Hilfe“ (Burdick). Ist es nicht noch immer der beste, der schriftgemäße Weg? „Johannes untersagt eindeutig die Unterstützung aller, deren Lehre leugnet, daß Jesus der menschgewordene Sohn Gottes ist“ (Burdick).

„Wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken.“ Teilnehmen ( koinoneo) bedeutet Anteil haben. Indem sie Unterkunft, Nahrung oder Proviant besorgte und Gottes Segen erbat, würde die Herrin unter Einsatz ihrer Kraft, Zeit und Mittel dazu beitragen bzw. daran beteiligt sein, die böse Lehre zu verbreiten und so dem Teufel bei seinem verwerflichen Werk helfen. Wenn man einen solchen Menschen in sein Haus aufnimmt, bietet man seiner falschen Lehre ein Zentrum, ein Hauptquartier, und bringt die eigenen Familienangehörigen in geistliche Gefahr. Das Wort für böse ( poneros) entspricht dem, was für „den Bösen“ benutzt wird (1Jo 2,13.14; 3,12; 5,18.19). Wir wollen lieber kein Komplize solch böser Taten sein. Einem Menschen „Gott sei mit dir“ (engl. Originaltext) zu sagen, läßt erkennen, daß wir den Wunsch zum Ausdruck bringen, daß Gott seinen Auftrag segnen möge. Der griechische Begriff entspricht dem normalen Gruß ( chairein, sich freuen; vgl. auch Konkordante: „Freuet euch!“). Das weist darauf hin, daß der Sprecher dem Reisenden Freude wünscht. Die Konkordante Übersetzung „Wer ihm sagt, sich zu freuen“ liegt daher dicht bei dem Gedanken, den Johannes meinte.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Ich muss die Nachricht, dass eine neue Zeit begonnen hat, noch überall weitererzählen.

Er aber sprach zu ihnen: Ich muß auch den anderen Städten das Evangelium vom Reiche Gottes verkündigen, denn dazu bin ich gesandt worden.
Elberfelder 1871 – Lukas 4,43

Aber er sagte zu ihnen: »Ich muss auch den anderen Städten die Botschaft vom Reich Gottes verkünden, denn dazu bin ich gesandt worden.«
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Lukas 4:43

Aber er sagte zu ihnen: „Auch den anderen Städten muss ich die gute Botschaft vom Königreich Gottes sagen, weil ich dazu gesandt bin.“
Jantzen & Jettel – Lk 4,43

Der erklärte ihnen jedoch: „Es tut not, dass ich auch den anderen Städten gute Nachricht bringe; denn dafür bin ich einmal entsandt worden.“
Gottes Agenda – Lk 4:43

Am nächsten Tag zog Jesus sich »an einen einsamen Ort« in der Nähe von Kapernaum zurück. »Die Volksmengen suchten ihn«, bis sie ihn fanden. Sie drängten ihn, nicht zu gehen. »Er aber« erinnerte sie daran, dass er in »den anderen Städten« Galiläas noch eine Aufgabe hatte. So ging er von Synagoge zu Synagoge und »predigte« die Gute Nachricht »vom Reich Gottes«. Jesus selbst war der König. Er wollte die Angehörigen des Volkes gern regieren, doch vorher mussten sie sich bekehren. Er wollte nicht über Menschen herrschen, die an ihren Sünden festhielten. Das war das Hindernis: Sie wollten sich zwar von ihren politischen Problemen erlösen lassen, doch nicht von ihren Sünden.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Jesus sagte den Menschen, daß er einen Auftrag erfüllen mußte (vgl. V. 18): Er war zu dem gläubigen Rest des Volkes Israel gesandt worden. Die Aufnahme, die ihm in Kapernaum zuteil wurde, stand in schroffem Gegensatz zu der Aufnahme, die er in seiner Heimatstadt Nazareth fand. Die Einwohner von Kapernaum baten ihn sogar, ganz bei ihnen zu bleiben, doch er mußte auch den andern Städten das Evangelium predigen vom Reich Gottes.
Jesu eigentliche Aufgabe war es, das Gottesreich zu verkündigen, nicht, Kranke zu heilen. Er half den Menschen zwar auch, weil er Mitleid mit ihnen hatte, doch in der Regel war seine Tätigkeit als Wunderheiler lediglich eine Bestätigung seines Wirkens als Prediger (vgl. Mt 11,2-6). Unter diesem Aspekt ist sicherlich auch die Angabe zu verstehen, daß er in den Synagogen Judäas predigte. „Judäa“ (Ioudaias) bezieht sich wahrscheinlich auf das ganze Volk (das Land der Juden), nicht nur auf das Südreich. Lukas hebt hervor, daß Jesus überall, wo er hinkam, lehrte, daß er der Messias sei, der gekommen war, um das Gnadenjahr Gottes zu verkündigen (Lk 4,18-19).
Lukas

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Gewöhnlich ist es Lukas, der uns berichtet, wie der Herr betete, hier aber sagt uns Markus, daß Er an einen abgeschiedenen Ort ging, um zu beten (Mk 1,35). Lukas erzählt, wie das Volk sich in Scharen an Seine Fersen hängte und Ihm kaum Zeit für Gebet und Rast gönnte. Sie wollten Ihn nötigen, bei ihnen zu bleiben. Aber Er mußte ihnen antworten, daß Er „auch den anderen Städten das Evangelium verkündigen“ müsse, weil Er ja dazu gesandt war. Für „gesandt“ steht ein passiver Aorist von apostello, was bedeutet, daß man als besonderer Repräsentant gesandt ist. Er war wahrlich der Gesandte Gottes.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Warum? Ganz einfach, weil sie zu seinem Königreich gehören. Das Reich Gottes ist eines der großen Themen von Lukas. Er berichtet, dass Jesus (nach meiner Zählung) dreißigmal vom Reich Gottes spricht und es ankündigt: »Ich muss«, sagt er zu seinen Jüngern, »auch den andern Städten das Evangelium predigen vom Reich Gottes; denn dazu bin ich gesandt« (Lk 4,43, Hervorhebung hinzugefügt). Das Reich Gottes war das, was er durch seine Wunder offenbarte. Die Menschen, die sich versammelt hatten, um die Feldrede zu hören, waren gekommen, »ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden« (6,18). Diese Heilungen waren ein Vorgeschmack auf das ewige Reich Jesu Christi – einen Ort, an dem alles, was in diesem Leben falsch ist, in Ordnung gebracht werden wird. Durch seinen Tod und seine Auferstehung öffnete er die Tür zu diesem Reich. Als der Schächer am Kreuz neben dem Herrn erkannte, wer Jesus war und worüber er herrschte, bat er ihn: »Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!« (23,42). Es handelt sich um ein ewiges Reich, das eines Tages in seiner ganzen Fülle kommen wird, das aber schon jetzt in dieser Welt existiert, wo immer seine Untertanen leben (vgl. 17,20–21).

Begg – Das Jesus-Manifest: Authentisch Christ sein im 21. Jahrhundert

Deutlich und liebevoll erklärt Jesus, weshalb er Kapernaum jetzt verlassen muss: »Auch den andern Städten muss ich die frohe Botschaft vom Reich Gottes bringen, denn dazu bin ich gesandt« (V. 43). Keine menschliche Sympathie, kein Erfolgserlebnis kann ihn in Kapernaum festhalten. Als Messias gehört er ganz Israel. Bestimmend für sein Leben ist das göttliche »Muss«, das sich aus dem Heilsplan Gottes ergibt. Aber was er »muss« tut Jesus gern (Joh 4,34). Wozu er »gesandt« ist, weiß er a) aus der Heiligen Schrift, und b) aus dem Gebet, das die Menge ja nicht liebt. Als Inhalt seiner Verkündigung bezeichnet Jesus »die frohe Botschaft vom Reich Gottes«, wörtlich: »das Reich Gottes evangelistisch verkündigen«. Kein Wort von dem, was heute auf christlichen Konferenzen als Thema der Mission verkündigt wird: Befreiung der Völker, bewaffneter Kampf gegen die Unterdrücker, Parteinahme für die Armen, revolutionäre Umverteilung von Macht und Besitz. Jesus hat eine ganz andere Stoßrichtung: die Menschen aus der Verdammnis des ewigen Gerichts zu befreien, sie zu Kindern Gottes zu machen und zu Teilnehmern am ewigen Gottesreich. »Frohe Botschaft« ist seine Verkündigung, weil sie die Chance eröffnet, an diesem ewigen Gottesreich teilzunehmen und das ewige Leben mitsamt der Erlösung zu empfangen. Und nicht um ein irdisches »Reich«, um irdische Herrschaftsverhältnisse geht es, sondern um »Gottes Reich«, das »ohne Zutun von Menschenhänden« kommt (Dan 2,45). Jesus ist ein Messias des Worts, nicht der Waffen.

Gerhard Maier – Edition C

Früh am nächsten Morgen ging Jeschua allein los, um zu beten. Er suchte eine Zeit der Einsamkeit, eine Zeit weg von den Menschenmassen und doch eine Zeit mit dem Vater, um sich auf die nächste Phase seines Dienstes vorzubereiten (Markus 1,35; Lukas 4,42). Als die Apostel ihn fanden, teilte er ihnen mit, dass er nicht in Kapernaum bleiben würde, sondern von Stadt zu Stadt gehen würde, um die gute Nachricht vom Königreich zu verkünden (Markus 1,38; Lukas 4,43). Dies würde Jeschuas zweite große Predigttour sein. Die Evangelienberichte fahren fort, den Ort, den Inhalt und die Beglaubigung seines Dienstes zu beschreiben. Was den Ort betrifft, so verbrachte er hauptsächlich Zeit damit, in ihren Synagogen zu lehren (Matthäus 4:23; Lukas 4:44). Was den Inhalt betrifft, so predigte er das Evangelium [oder die gute Nachricht] des Königreichs (Matthäus 4:23). Zu dieser Zeit war das Evangelium, das er verkündete, nicht, dass er für ihre Sünden gestorben, begraben und auferstanden war, denn diese Ereignisse hatten noch nicht stattgefunden. Wie bereits erwähnt, war der Inhalt der guten Nachricht nicht immer derselbe, sondern musste durch den Kontext bestimmt werden, und das Evangelium in diesem Kontext war die gute Nachricht vom Königreich und die Tatsache, dass Er der messianische König war. Wenn sie Ihn als den Messias annehmen würden, könnten sie das Königreich in ihrer Zeit aufrichten. Was die Beglaubigung betrifft, so beglaubigte er seine Botschaft, indem er alle Arten von Krankheiten heilte (Matthäus 4,23) und Dämonen austrieb (Markus 1,39).

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Wir beginnen mit Jesu eigenem Wirken. In jedem der ersten drei Evangelien befasst sich Jesu öffentliches Wirken mit der Verkündigung des „Reiches Gottes“ („Herrschaft Gottes“) oder, in der Variante im Matthäusevangelium, des „Reiches der Himmel“ (Mk 1,15 ist offensichtlich als zusammenfassende Aussage der Verkündigung Jesu gedacht; siehe auch Mt 4,23; 9,35; Lk 4,43; 8,1).

Im vierten Evangelium spricht Jesus mit Ausnahme von Kapitel 3 (in dem von der Begegnung Jesu mit Nikodemus berichtet wird) und Kapitel 18 (in dem der Dialog zwischen Jesus und Pilatus wiedergegeben wird) nie über das Reich Gottes. Während die synoptischen Evangelien sicherlich Recht haben, wenn sie Jesus über das Reich Gottes sprechen lassen, ist für das vierte Evangelium Jesus die Verkörperung des Reiches Gottes. Deshalb ist die symbolische Sprache der Synoptiker („wie das Himmelreich“) zur „Ich bin“-Sprache des vierten Evangeliums geworden. Alle Evangelien enthalten theologische Überlegungen, aber diese Überlegungen sind in der Sprache, die Jesus im vierten Evangelium verwendet, noch deutlicher.

Jesus beschäftigte sich nicht nur mit dem Reich Gottes, aber es gab besondere Aspekte in seiner Verkündigung, die wir in den zeitgenössischen jüdischen Schriften, die sich mit demselben Thema beschäftigen, nicht finden. Die Vorstellung vom Reich Gottes hat ihre Wurzeln im jüdischen Glauben an die Herrschaft Gottes über die gesamte Schöpfung (Psalm 98). Im Judentum der Zeit vom Beginn des zweiten Jahrhunderts V. CHR. bis zum Beginn des zweiten Jahrhunderts N. CHR. bekam dieser traditionelle Glaube einen neuen Schwerpunkt. Angesichts des Unglücks und der Niederlagen Israels unter einer fremden Macht nach der anderen konzentrierte sich der Glaube an Gottes Reich auf die Zeit, in der sich Gottes Macht nicht nur gegenüber Israel, sondern auch gegenüber allen fremden Nationen, die Israel unterdrückten, zeigen würde. Außerdem kamen viele Juden zu der Überzeugung, dass die gegenwärtige Ordnung der Geschichte nicht mehr zu retten sei und dass der Tag, an dem sich Gottes Herrschaft endgültig manifestieren würde, der letzte Tag der Menschheitsgeschichte sein würde. Darauf würde ein neues Zeitalter folgen, in dem Israel gegen alle Mächte des Bösen und der Unterdrückung gerechtfertigt würde und in dem Gottes göttliche Ordnung über alle Menschen und die gesamte Schöpfung errichtet würde. Bibelwissenschaftler/innen und Theolog/innen bezeichnen dies als die „eschatologische“ Dimension des Reiches Gottes. (Der Begriff kommt von den griechischen Wörtern logos, „Wort“ oder „Begriff“, und eschaton, „Ende“).
Aus jüdischen Dokumenten dieser Zeit – wie dem 1. Henoch (etwa zeitgleich mit Jesus) und dem Testament des Mose (das wahrscheinlich um 170 V. CHR. vor dem Makkabäeraufstand geschrieben und irgendwann zwischen 7 und 30 N. CHR. überarbeitet wurde) – wissen wir, dass diese Lehre über Gottes kommendes Reich in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts ein zentraler Bestandteil des jüdischen Glaubens war. Sicherlich gab es innerhalb dieses allgemeinen Glaubens verschiedene Varianten. Aber diese Hoffnung auf Gottes Herrschaft zu verstehen, ist unerlässlich für das Verständnis der Predigt Jesu und die Praxis seines Dienstes.

Frederick J. Cwiekowski – Die Anfänge der Kirche

Ich habe dieser Frau wirklich genug Zeit gegeben, ihr Leben zu ändern. Aber sie will einfach nicht.

Und ich gab ihr Zeit, auf daß sie Buße täte, und sie will nicht Buße tun von ihrer Hurerei.
Elberfelder 1871 – Offenbarung 2,21

Ich habe ihr Zeit gegeben, sich zu besinnen und umzukehren, aber ´es war umsonst`: Sie weigert sich, ihre unmoralische Lebensweise aufzugeben.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Offenbarung 2:21

Ich habe ihr ja eine Frist gegeben, damit sie umkehrt. Doch sie will sich nicht von ihrem sexuellen Fehlverhalten abwenden.
das Buch – Offb 2,21

Ich habe ihr Frist gegeben, dass sie Buße tue (- Auch dass Gott die falsche Prophetin hat gewähren lassen, ist ein darbieten von Bußzeit, obwohl die Gemeinde nicht berechtigt war, sie auftreten zu lassen. Jetzt ist unsere Zeit, jetzt können wir tun, was wir wollen, Gutes oder Böses, doch einst kommt Gottes Zeit, alsdann werden wir nicht mehr tun können, was wir wollen, sondern werden empfangen, was wir verdient haben. (Thom.) -); aber sie will sich nicht bekehren von ihrer Unzucht.
Allioli Bibel – Offb 2:21

Und ich habe ihr eine Zeitspanne gewährt, damit sie sich besinnt, und doch möchte sie infolge ihrer abgöttischen Unzucht ihre Gesinnung nicht ändern.
Gottes Agenda – Offenbarung 2:21

μετανοήσῃ, καὶ οὐ θέλει μετανοῆσαι ἐκ τῆς πορνείας αὐτῆς. ἰδοὺ βάλλω αὐτὴν εἰς κλίνην, καὶ τοὺς μοιχεύοντας μετʼ αὐτῆς εἰς θλῖψιν μεγάλην, ἐὰν μὴ μετανοήσωσιν
„sie Buße tut, und sie will nicht Buße tun von ihrer Unzucht. Siehe, ich werfe sie aufs Bett und die, welche Ehebruch mit ihr treiben, in große Bedrängnis, wenn sie nicht Buße tun“ (Offb 2,21–22, ELB)

Lemmaparallelismus (figura etymologica) entsteht durch die Wiederholung der Wurzel von „sie Buße tut“ (μετανοήσῃ metanoēsē) in „Buße tun“ (μετανοῆσαι metanoēsai). Die Wiederholung derselben Wurzel über eine eine längere Testpassage sorgt für ein Worstpiel.

Andere Wörter und Phrasen, die an dem Lemmaparalleslismus beteiligt sind, sind:
„sie nicht Buße tun“ (μετανοήσωσιν metanoēsōsin)

Wortspiel in der Bibel – Faithlife

ἔ-δωκα Aor. δίδωμι. ἵνα hier statt Inf. (A270 u. 328). μετα-νοήσῃ Aor. Konj. -νοέω V. 5. μετα-νοῆσαι Aor. Inf. πορνεία Unzucht (= illegitimer Geschlechtsverkehr jeder Art), Hurerei.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Weil sie nicht »Buße« tun wollte, beabsichtigte der Herr, »sie aufs Bett« der Drangsal (d. h. aufs Krankenbett; vgl. Anm. ER; Anm. d. Übers.) statt auf ihr Lustlager zu werfen. Diejenigen, »welche Ehebruch mit ihr treiben«, sollten in »große Drangsal« geraten und sogar sterben, »wenn sie nicht Buße tun« und Isebel verlassen würden. Dann würden »alle Gemeinden erkennen«, dass der Herr achtgibt und den Menschen ihre Taten vergilt. Wahrscheinlich gab es in Thyatira wirklich eine Prophetin mit Namen Isebel. Doch Ausleger haben in dieser Gestalt auch einen Hinweis auf die Entstehung eines falschen Kirchensystems gesehen, in dem Bilder angebetet werden, es Ablasshandel gibt und Priester die Absolution von Sünden wie Ehebruch erteilen.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Und ich habe ihr eine Frist gegeben, damit sie Buße tue. Obwohl es Apg 11, 18 heißt, Gott „gibt“ Buße, versetzt er doch nicht einfach in Buße. Er wirft sie dem Menschen nicht an, wie den Putz an die Wand. Der Mensch wird von Gott nicht wie eine Wand behandelt, das wäre gnadenlose Gnade (Einleitung Nr. 46). Er gibt Raum und Zeit zur Buße. Aber sie will nicht Buße tun von ihrer Unzucht. Nach Mt 23, 37 hatte Jesus seinen guten Willen geraume Zeit aufrechterhalten: „Wie oft habe ich gewollt … aber du hast nicht gewollt.“ Auch Jo 5, 40 heißt es: „Ihr wollt nicht.“ Ebenso hatte Israel unter dem Bekehrungswirken des Elia (1 Kö 18, 37) wirklich etwas zu wollen. Die Länge der Gnadenfrist wird 1 Kö 18, 21 vorausgesetzt: „Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten?… Und das Volk antwortete ihm nichts.“ Keine Zusage und keine Absage. Bockig steht es in der Gnadenstunde da.
Das folgende Drohwort (Exkurs 1d, zur Schärfe siehe zu 2, 16) besteht im Blick auf „Isebel“ nur noch aus einer Strafmitteilung, weil ihre Bußzeit ja bereits abgelaufen war: Siehe, beginnt die schwurähnliche Versicherung. „Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten; denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal 6, 7). In diesem Sinne wird der Zusammenhang zwischen Sünde und Gericht (Anm. 208) auch hier erkennbar:

Pohl – Wuppertaler Studienbibel

Und ich gab ihr Zeit, daß sie Buße tue, und sie will wegen ihrer Unzucht nicht Buße tun. Sieh! ich werfe sie in ein Bett und die, die mit ihr Ehebruch trieben, in große Not, wenn sie nicht wegen der Werke Isebels Buße tun, und ihre Kinder werde ich durch eine Seuche töten, und alle Gemeinden werden erkennen, daß ich der bin, der Nieren und Herzen erforscht, und ich werde jedem von euch geben, was seinen Werken entspricht. Die Strafe kam über die, die sich von der Gemeinde getrennt hatten, nicht sofort, sondern bisher erfuhren sie die Geduld Jesu. Ihr Zweck ist aber, sie zur Buße zu führen, und da sie die Freiheit, die ihnen gegeben war, und die Güte, die sie gewähren ließ, dazu benützten, um ihr Sündigen fortzusetzen, wird Christus nun dieser verdorbenen christlichen Gemeinschaft das Ende bereiten. Das wird der ganzen Art der Weissagung entsprechend durch ein Bild ausgesprochen. Isebel wird krank; ihre Buhlen, d. h. die, die sich an ihren Sünden beteiligten, werden von schwerer Bedrängnis heimgesucht, und ihre Kinder, die Glieder der Sekte, werden sterben. Die Wirkung dieser Vorgänge wird nicht nur auf die Christenheit von Thyatira beschränkt bleiben; sondern es wird allen Gemeinden durch diese Vorgänge deutlich werden, daß kein Schein und keine fromme Gebärde den Christus täuscht, sondern daß sein Blick ins inwendige Leben des Menschen dringt und ihn nach dem mißt, was er dort bei sich trägt, sei es gut oder böse. Aus seinem inwendigen Besitz erwächst das Werk des Menschen, und nach diesem bestimmt Jesus sein Verhältnis zu allen mit vollkommener Gerechtigkeit.

Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament

Jesu schärfstes Verdammungsurteil richtete sich gegen Isebel …, diese Frau, die von sich behauptete, eine Prophetin zu sein und die Gläubigen lehrte, Hurerei zu treiben – ein Kennzeichen vieler heidnischer Religionen – und Götzenopfer zu essen. Was in der heidnischen Gesellschaft Thyatiras durchaus akzeptiert war und zum Alltag gehörte, war Christus ein Greuel. Der moralische Verfall der Gemeinde hatte bereits vor einiger Zeit eingesetzt (V. 21). Vielleicht hatten die Menschen in Thyatira das Evangelium zuerst durch die Purpurkrämerin Lydia gehört, die von Paulus bekehrt worden war ( Apg 16,14-15 ). Interessanterweise war es auch jetzt eine Frau, eine selbsternannte „Prophetin“, die so großen – diesmal verderblichen Einfluß auf die Gemeinde hatte. Ihr Name „Isebel“ erinnert an Ahabs Frau Isebel, die einst Israel ins Unglück stürzte (1Kö 16,31-33). Christus verhieß ihr jedoch ein plötzliches und unmittelbar bevorstehendes Gericht. Er bezeichnete ihre Sünde ungeschminkt als „Hurerei“ und kündigte an, daß alle, die der Verderberin folgten, in große Trübsal geraten würden. Auch ihre Kinder sollten mit dem Tode bestraft werden – ihre Anhänger würden also ebenfalls nicht ungeschoren davonkommen. Die Strafe über die Abgefallenen in Thyatira sollte so drastisch sein, daß alle Gemeinden … erkennen würden, daß Christus derjenige ist, der die Nieren und Herzen erforscht.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Wenn Gott ein Urteil spricht, bedeutet das immer, dass es Zeit zur Umkehr gibt, bevor das Urteil vollstreckt wird. Wir sehen ein Beispiel dafür im Buch des Propheten Jona. Jona wird von Gott beauftragt, Gottes Gericht über die Stadt Ninive zu verkünden (Jona 1,1), aber weil Ninive auf Gottes Wort hört und Buße tut (Jona 3,5), vollstreckt Gott nicht das Gericht, das Ninive hätte treffen sollen (Jona 3,10).
Irgendwie hat Jesus Isebel gewarnt und sie zur Umkehr gedrängt, aber anscheinend hat sie nicht auf Gott gehört, weil sie es nicht will. a) In gleicher Weise sollten wir auch mit Menschen umgehen, die uns in irgendeiner Weise falsch behandeln; wir sollten ihnen Zeit zur Umkehr geben, anstatt sie rundheraus abzuweisen. Gott ist barmherzig zu allen Menschen und so sollten auch wir sein.

Christian Mölk’s Bibelkommentar

    Isebel war eine Baalsanbeterin und wurde die Königin des Königs Ahab von Israel. Sie herrschte über ihn und gebrauchte ihren Einfluss, um das Zehn-Stämme-Königreich in unsittliche Baalsverehrung hineinzutreiben. Die Wirkung ihres Einflusses war dieselbe wie jene der Anregung Bileams vor dem König Balak wider die Israeliten. So kann sich der Widersacher Personen beiderlei Geschlechts bedienen, um zur Versuchung zu verleiten. Er geht nicht nur darauf aus, gewisse Personen zu ruinieren, sondern will vielmehr die ganze Organisation verderbt machen und Schmach auf sie und ihren Gott bringen, damit in ehrlichen Menschen so Vorurteile dagegen erweckt würden.
    20 Es besteht nun für uns jegliche Notwendigkeit, ‚wider die Versuchung zu Unsittlichkeit zu beten und zu wachen, besonders jetzt, da wir der neuen Welt so nahe sind. Wenn wir der Grube der Verderbtheit dieser Welt entgangen sind, warum sollten wir uns dann durch falsche, blendende Verlockungen zu „freier Liebe“ und zu Vergebung, die von einem barmherzigen Gott für unsere Unsittlichkeitssünden leicht erhältlich wäre, zu ihr zurückschleppen lassen? Lass dich nicht umgarnen durch Verheissungen auf Freiheit des Wandels! Dies bedeutet Sklaverei gegenüber Verderbtheit und endet mit Vernichtung. In

    Wachtturm Juni 1951

    Der Herr hatte Jesabel schon gewarnt. Wie das geschehen war, wissen wir nicht, aber Er kann einen Johannes dazu gebraucht haben wie bei Diotrephes (3.Joh 1,10). Der Herr hatte ihr Zeit gegeben, Buße zu tun und ihre Lehre zu verwerfen. Sie hatte sich geweigert, und sie weigerte sich noch. R. L. Thomas sagt: »Das Präsens (Durativ, d. Übers.) des Verbums thelei besagt, dass sie noch immer nicht willens ist.«
    Die Hurerei in diesem Vers kann zwar die Ausschweifung dieser Frau persönlich meinen, aber es ist wahrscheinlicher, daß der Herr hier zusätzlich die geistliche Hurerei anspricht, also den falschen Gebrauch geheiligter Dinge. Der Ausdruck wird auch bei der alttestamentlichen Jesabel in diesem übertragenen Sinn verwendet (2.Kö 9,22); es ist im AT eine häufige Metapher für geistliche und religiöse Untreue (Jer 3,6; Hes 23,19; Hos 9,1).

    Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt