Glauben = Beten ??

Und Isaak sprach zu seinem Vater Abraham und sagte: Mein Vater! Und er sprach: Hier bin ich, mein Sohn Und er sprach: Siehe, das Feuer und das Holz; wo aber ist das Schaf zum Brandopfer? Und Abraham sprach: Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn Und sie gingen beide miteinander.
Elberfelder 1871 – Genesis 22,7–8

Jizchak sprach zu Abraham seinem Vater, er sprach:
Vater!
Der sprach:
Da bin ich, mein Sohn.
Er sprach:
Da ist nun das Feuer und die Hölzer,
aber wo ist das Lamm zur Darhöhung?
Abraham sprach:
Gott ersieht sich das Lamm zur Darhöhung, mein Sohn.
So gingen die beiden mitsammen.
Buber & Rosenzweig – 1.Mose 22,7–8

Isaak sagte zu Abraham: „Du, Papa?“ – „Ja, was willst du?“, antwortete Abraham. „Wir haben Benzin und Feuerzeug eingepackt, aber wo ist das Schaf, das wir für Gott verbrennen sollen?“
„Gott wird schon für ein Schaf sorgen, das wir nehmen können“, antwortete er. Dann gingen sie den Weg weiter.
VolxBibel – 1.Mose 22:7–8

Versetzt euch einmal in Isaaks Lage.
Zweifelsohne hatte er schon viele Opferungen gesehen.
Er konnte nicht verstehen, warum sie kein Schaf zum Opfern mitgenommen hatten.
Abraham hatte Isaak nicht gesagt, was Gott ihm befohlen hatte.
LIES 1 Mo 22,8
Hebräer 11,17-19
Abraham vertraute Gott.
Gott zu glauben ist die wichtigste Sache, die wir tun können.
Einfach nur einer Predigt zuzuhören oder die Worte der Bibel zu lesen, wird uns nicht aus der Herrschaft Satans befreien.
Wir müssen Gottes Worte annehmen und Ihm vertrauen.

Vergleiche:
Stellt euch vor, ihr wärt krank und der Arzt würde euch eine bestimmte Medizin verschreiben. Was würde es nützen, wenn er euch einfach nur von der Heilkraft dieser Medizin erzählen würde, ohne daß ihr sie selber einnehmt?
Die Worte Gottes einfach nur zu hören, wird uns nicht helfen. Wenn wir nur zuhören, aber uns weigern zu glauben, dann handeln wir so, wie Satan Eva gegenüber: wir stellen Gott als Lügner hin. Gott wird diejenigen niemals annehmen, die sich weigern Ihm zu glauben. Stattdessen nimmt Gott diejenigen an, die Seinen Aussagen glauben und auf Ihn allein vertrauen, so wie Abraham es tat.

Trevor Mc Ilwain – Auf festem Grund gebaut

Als er in der Gegend von Morija den Ort sah (V. 2 ; später der Tempelberg; 2Chr 3,1 ), nahm er nur Isaak und ließ die zwei Knechte zurück. Seine Erklärung, wir wollen anbeten und dann werden wir zurückkehren ( 1Mo 22,5 ), ist erstaunlich. Alles, was Abraham wußte, war , daß Gott die Zukunft im Umfeld Isaaks plante und , daß Gott wollte, daß er Isaak opferte. Er konnte nicht beides miteinander in Einklang bringen, aber er würde in jedem Fall gehorchen. Das ist Glaube. Als Antwort auf die Frage Isaaks: Wo ist das Schaf? , offenbarte Abraham wieder seinen Glauben: Gott selbst wird dafür sorgen (V. 8 ; vgl. V. 14 ). Isaak war zweimal »von den Toten« hergebracht worden – einmal aus dem toten Schoß Saras und dann wieder von einem Hochalter (vgl. Hebräer 11,17-19 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Heute würden ja viele Christen nicht weiter gehen – sondern beten, beten, beten… nach Weisheit, Geist und was auch immer…. Aber schau: Abraham GEHT – weil es der Auftrag von Jehovah an ihn war. So einfach 😉 Aufrag ausführen! so einfach?

Wir haben nichts anderes zu tun, als das Holz, das Feuer und das Messer zu bringen, wir haben uns nur bereit zu stellen zu jeglichem Opfer; was Er sich ersehen wird, was geschehen wird, wird nur geschehen, weil es Gottes Wille ist: wir wollen das Gott überlassen. Und damit hatte ihm Abraham alles gesagt, was er zu wissen hatte, was er zu wissen brauchte. „Wir haben den Altar zu bauen und Gott die Einsicht zu überlassen, sich das Opfer zu wählen, das nach Seiner Einsicht das rechte ist“ — und sie gingen beide zusammen. —

Rabbiner Samson Raphael Hirsch – Kommentar auf die Genesis

Und ganz zum Abschluß heute noch ein Kommentar, der zeigt, warum ich immer und immer wieder bei messianischen Juden schaue: die kennen die hebräische Sprache und verstehen, was da WIRKLICH steht:

1 Mose 22,7-8 zeichnet ein Gespräch zwischen Abraham und Isaak auf, das mit Isaaks Anrede an seinen Vater beginnt: Und Isaak sprach zu Abraham, seinem Vater, und sagte: Mein Vater. Abraham antwortete: Hier bin ich, mein Sohn. Dann kam Isaacs Anfrage: Und er sprach: Siehe, das Feuer und das Holz; wo ist aber das Lamm zum Brandopfer? Abrahams Antwort war: Und Abraham sprach: Gott wird selbst für das Lamm zum Brandopfer sorgen, mein Sohn. Im Hebräischen heißt es yireh-lo, was zwei Möglichkeiten zulässt. Die erste Option ist, dass Gott sich selbst versorgen wird, oder zweitens, dass Gott sich selbst als Opfer zur Verfügung stellen wird. Es war so oder so eine göttliche Bestimmung. Isaak fragte nicht weiter nach, und: Also gingen sie beide zusammen.

Arnold Fruchtenbaum – Genesis

befreit um frei zu sein???

Jesus sprach nun zu den Juden, welche ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Worte bleibet, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
Elberfelder 1871 – Joh 8,31–32

[Es] sagte also {der} Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn Ihr in meinem Wort bleibt, seid Ihr wirklich (wahrhaftig) meine Jünger und Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird Euch befreien (frei machen).
offene Bibel – Johannes 8,31–32

Jesus sagte einmal zu den Menschen: „Alle, die das, was ich sage, für sich als richtig akzeptieren und ihr Leben danach ausrichten, gehören wirklich zu meinen Leuten.
Erst dann werdet ihr kapieren, was wirklich wahr ist und was nicht. Und das wird euch die Möglichkeit geben, wirklich frei zu sein.“
VolxBibel – Johannes 8:31–32

Die Wahrheit wird euch frei machen. Zur Erkenntnis seines Evangeliums lockt der Herr nun auch damit, dass er auf die Frucht oder den Erfolg davon hinweist, auf das unvergleichlich hohe Gut der Freiheit. Daraus folgt, dass es nichts Besseres gibt, nichts, wonach man inniger verlangen muss, als die Erkenntnis des Evangeliums. Alle Menschen wissen und gestehen es: Sklaverei ist ein großes Unglück. Wenn das Evangelium uns nun aus der Sklaverei befreit, so folgt daraus, dass es ein kostbares Geschenk ist, das uns ein glückseliges Leben verschafft. Doch wollen wir nicht übersehen, an welcherlei Befreiung Christus denkt: an die, welche uns aus der Gewalt der drei Tyrannen Satan, Sünde und Tod erlöst. Wird uns das durchs Evangelium zuteil, so ist klar: von Natur sind wir alle Knechte der Sünde. Weiter gilt es zu beachten, wie die Befreiung zustande kommt. So lange wir uns von den eigenen Gedanken und Einfällen regieren lassen, sind wir der Sünde leibeigen. Wenn aber der Herr aus uns durch seinen Geist neue Menschen macht, dann schenkt er uns eben damit die Freiheit; aus den Stricken des Satans, in denen wir schmachteten, sind wir nun heraus und gehorchen willig der Gerechtigkeit. Aus dem Glauben kommt die Wiedergeburt. Daraus geht hervor: aus dem Evangelium kommt die Freiheit. So schlägt Christi Wort alle Träumereien von einem eigenen freien Willen nieder: nur Christus vermag uns zu befreien. Zu bemerken ist noch, dass diese Freiheit ihre Stufen hat, und zwar nach dem Maße des Glaubens; Paulus seufzte noch nach der völligen Freiheit, als er längst aus der Knechtschaft befreit war (Röm. 7, 24).

Jean Calvin – Das Johannes-Evangelium

Bin ich frei – nur weil ich die „Wahrheit kenne“ und „in der Wahrheit bin“? Was ist denn diese Freiheit, von der Jesus redet? Meinte Jesus wirklich die Freiheit, nicht mehr Angst vor bösen Geistern und dem Tod zu haben?

Freiheit. Die Befreiung aus Ägypten, dieses wichtigste Ereignis der Heilsgeschichte, wird zur Aufforderung an Israel, Unfreiheitsverhältnisse in seinem Bereich wenigstens von Zeit zu Zeit zu lösen (Dtn 15,12–15; ➛ Erlösung). Beim jährlichen ➛ Paschafest wurde der Befreiung von allerlei bösen Mächten gedacht (vgl. Ps 2,3); solche Feiern bestärkten die Hoffnung auf endzeitliche Erlösung (Jes 25,6–9). Freiheit, um frei von äußeren Zwängen sein Leben selbst gestalten zu können, nennt das AT als Ideal meist „Ruhe“ (z.B. Ps 95,11).
In der hell. Umwelt ist die Freiheit zu einem zentralen Thema weltanschaulicher Auseinandersetzungen geworden. Nach klassischem griech. Verständnis ist frei, wer Verfügungsgewalt über sich selbst hat. Aber wie sollte man dies verwirklichen angesichts der Gebrochenheit des Menschseins (Thema der Tragödien) und der Zwänge, die Welt und Gesellschaft bestimmen? Diese Frage wurde unterschiedlich beantwortet: Freiheit als innere Freiheit des Individuums, als Freiheit des Kynikers gegenüber den Konventionen, des stoischen Weisen, der seine Freiheit durch Unterwerfung unter den Welt-Logos gewinnt, oder als Weltverneinung und Gewinnung eines Wissens um die jenseits alles Materiellen liegende ewige Heimat der Seele (in der Gnosis).
Das NT schließt sich keiner dieser Antworten an, sondern bietet eine grundsätzlich andere Position. Ausgangspunkt ist dabei nicht der Mensch, sondern Gott: Freiheit ist nicht Unabhängigkeit, sondern die Aufhebung der Entfremdung des Menschen von Gott. Indem der Mensch zu Gott nein sagt, verfällt er der Macht der Sünde und gerät damit in einen Unheils- und Unfreiheitszustand. Davon hat Jesus, der einzig freie Mensch (weil er in Gemeinschaft mit Gott steht), befreit (Joh 8,31–36). So ist Freiheit v.a. Freiheit von der Sünde (Röm 6,15–23) und vom Gesetz (Röm 7,5 f). Die wirklich Freien sind also nur die Glaubenden; diese sind aus Unfreien zu „Söhnen“ Gottes gemacht worden (Gal 4,1–7), d.h. aber zugleich: zu verantwortlichen Teilhabern an Gottes Gaben, zu Mitvollstreckern seines Willens. Christliche Freiheit ist letztlich endzeitlich: Sie nimmt – als Möglichkeit und Aufgabe! – vorweg, was der gesamten Schöpfung vorherbestimmt und verheißen ist (Röm 8,18–30). ➛

Herders Neues Bibellexikon

Jeschua sagte zu den Juden, die glaubten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaftig meine Jünger (Joh. 8:31). Während ihr Glaube sie rettete, würde das Bleiben in seinem Wort sie zu wahren Jüngern machen. Wenn sie die Wahrheit kennenlernten, würde sie sie befreien (Joh. 8:32). Als neue Gläubige waren sie jedoch noch nicht frei von der pharisäischen Lehre, wie ihre Reaktion zeigt: Wir sind Avrahams Same und waren noch nie jemandem untertan; wie sagt ihr: Ihr sollt frei werden? (Joh 8,33).[63] Dies spiegelt ihr Festhalten an der grundlegenden pharisäischen Überzeugung wider, dass ganz Israel an dem kommenden Zeitalter Anteil haben wird. Beim Studium einiger weniger Quellen wird jedoch deutlich, dass sie zu dieser Zeit tatsächlich in der Knechtschaft Roms waren. In „Der jüdische Krieg“ schreibt Josephus:
„Da wir vor langer Zeit, meine großzügigen Freunde, beschlossen haben, niemals den Römern zu dienen, noch irgendeinem anderen als Gott selbst, der allein der wahre und gerechte Herr der Menschheit ist, ist nun die Zeit gekommen, die uns verpflichtet, diesen Vorsatz in der Praxis wahr zu machen.“

An die weitere Zuhörerschaft gerichtet, sagte Jeschua, wenn diese Lehre wahr wäre, wären sie nicht versklavt, wie sie es waren, denn das Prinzip lautet: Jeder, der Sünde begeht, ist der Sünde Knecht (Joh. 8:34). Sie mussten befreit werden, indem sie den Glauben an den Messias ausübten (Joh. 8:35). Wenn sie glaubten, würde das Ergebnis Freiheit sein: Wenn nun der Sohn euch frei macht, so werdet ihr wirklich frei sein (Joh 8,36). Sie waren vom physischen Samen Abrahams, nicht von seinem geistlichen Samen, was sich in ihrem Wunsch zeigte, Jeschua zu töten (Joh 8,37) und in ihrem Versagen zu erkennen, dass er die Worte seines Vaters sprach, während sie die Worte ihres Vaters, Satans, sprachen (Joh 8,38).

Als Jeschua sagte, euer Vater, führte das zu dieser Antwort: Unser Vater ist Avraham (Joh 8,39a), worauf Jeschua erwiderte: Wenn ihr Avrahams Kinder wärt, würdet ihr die Werke Avrahams tun (Joh 8,39b). Was war Abrahams Hauptwerk? Er setzte seinen Glauben auf Gott: Und er glaubte an Jehova; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an (1Mo 15:6). Wahre Kinder Abrahams suchen ihre Errettung auf dieselbe Weise wie Abraham: aus Gnade durch Glauben, unabhängig von Werken. Abraham ging nicht davon aus, dass er kraft seiner Geburt automatisch Gerechtigkeit besaß. Sie versäumten es, die Werke Abrahams zu tun, was sich in ihrem Wunsch zeigte, ihn zu töten: Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, die ich von Gott gehört habe; das hat Avraham nicht getan (Joh. 8:40). Ihr Wunsch, Jeschua zu töten, bewies ihre Gebundenheit an die Sünde. Hätten sie geglaubt, hätten sie entdeckt, dass Jeschua der wahre Erlöser von der Sünde war und ist: Wenn nun der Sohn euch frei macht, so seid ihr wirklich frei (Joh 8,36).

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Haben sie nicht die Wahrheit erkannt, wenn sie zum Glauben an Jesus kamen? Glauben an Jesus auf Grund seines Wortes gibt es nicht ohne Erkenntnis. Aber wir sahen schon bei 6,69, wie aus dem „Glauben“ eine neue, eine tiefere „Erkenntnis“ erwächst. „Die Wahrheit“ ist so unerschöpflich, so groß, so umfassend, dass es für ihre Erkenntnis beim Bleiben in Jesu Wort keine Grenzen gibt. Jesus meint mit „Erkenntnis der Wahrheit“ nicht das bloße Wissen von Tatbeständen und das Feststellen von Richtigkeiten, sondern meint die wesenhafte, lebendige Wahrheit, die uns zeigt, wer Gott wirklich ist und wer wir Menschen eigentlich sind. Sie zeigt uns, wie wir zum äonischen Leben kommen, welche herrlichen Ziele Gott mit der ganzen Schöpfung hat und wie Gott diese seine Ziele verwirklicht. Diese ganze Wahrheit ist nicht mit der eigenen Verstandeskraft zu erfassen, sondern wird vom Heiligen Geist (16,13) denen immer mehr erschlossen, die im Wort Jesu bleiben. Jesus wird es seinen Jüngern später sagen, dass er selber in Person diese Wahrheit „ist“ ( Joh 14,6). Durch das Bleiben in seinem Wort kommen sie daher mit der lebendigen Wahrheit Gottes in wesenhafte Verbindung.

Daß die „Wahrheit“, von der Jesus spricht, eine Wirklichkeit ist, die ihr ganzes Leben umgestaltet, das zeigt sich in der weiteren Verheißung, die Jesus an das Erkennen der Wahrheit knüpft. Er verspricht: „Und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Die freimachende Kraft der „Wahrheit“ erfahren wir auch sonst schon in unserm Leben. Sowohl Täuschung und Irrtum wie auch Lüge und Falschheit machen unsicher und unfrei. Jeder Mensch erlebt eine tiefe Befreiung, auch unter Schmerzen, wenn in seinem Leben die Wahrheit zum Durchbruch kommt und Irrtum und Lüge überwindet. Aber was wir in Anfängen bereits abgesehen von Gott an befreiender Kraft der Wahrheit erleben können, das erfüllt sich da, wo die ganze und letzte Wahrheit auch ganze und völlige Freiheit bringt. Wieder kann Paulus uns als das Bild dieser Freiheit vor Augen stehen. Er hat an sich selbst erlebt, wie Christus uns zur „Freiheit befreit“ und will darum auch die Gemeinde in dieser „Freiheit eines Christenmenschen“ sehen (Gal 5,1).

Wuppertaler Studienbibel

»Ihr werdet die Wahrheit erkennen.« Demnach er gibt sich die Erkenntnis aus dem Glauben und nicht umgekehrt (ebenso Joh 6,69)! Aber was ist »die Wahrheit«? Diese Frage wird Pilatus später in voller Schärfe stellen (Joh 18,38). Die »Wahrheit« ist nach dem Johannesevangelium der Gott, der in Jesus sichtbar erschienen ist (Joh 14,6.9). Darin sind Gottes Wille und Plan, die Tora und die Eschatologie (Erwartung und Hoffnung der Zukunft) eingeschlossen. Entscheidend ist hier, dass »die Wahrheit« Person geworden ist. Demnach verspricht Jesus dem beständigen und treuen Jünger, dass er ihn selbst (= den Gottessohn und Messias) und den Vater, der in ihm erschienen ist, mehr und mehr »erkennen« d. h. kennen lernen und praktisch erfahren wird. Diese »Wahrheit« lehnt die Mehrzahl der Juden ab. Infolgedessen mangelt ihnen die wahre Erkenntnis Gottes und seines Sohnes, des Messias. Lohnt es sich aber nicht für die Jünger, um dieser »Wahrheit« willen alles auf sich zu nehmen?

»Die Wahrheit wird euch frei machen«, nämlich frei von Sünde, Tod, Teufel und Verdammnis. Das vollbringt »die Wahrheit« in Person, nämlich Jesus, am Kreuz (vgl. Röm 6,18.22; 1Kor 7,22; 9,1.19; 2Kor 3,17; Gal 4,31; 5,13; 1Petr 2,16). Wie flach sind demgegenüber alle Formeln und Sprichwörter, die uns ein »Frei«-werden versprechen, wie flach auch alle Begriffe politischer »Freiheit«, die nur das neue Herren – und Sklaventum verschleiern!

Gerhard Maier – Edition C

Habe ich die Wahrheit – sprich wer und was Jesus wirklich ist, erkannt? Oder folge ich, wie die Zuhörer damals den religiösen Lehrern? Wem glaube ich – den religiösen Lehrern oder dem „größten Lehrer“?

„Ab jetzt wird Gott die Kontrolle über diese Welt übernehmen…“

Und der siebte Engel posaunte: und es geschahen laute Stimmen in dem Himmel, welche sprachen: Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen, und er wird herrschen in die Zeitalter der Zeitalter.
Elberfelder 1871 – Offb 11,15

Und der siebente Bote posaunte.
Und es geschahen große, ‹laute› Stimmen in dem Himmel, die sagten: „Die Königreiche der Welt sind unseres Herrn und seines Gesalbten geworden, und er wird ‹als König› herrschen in ‹alle› Ewigkeit.
Jantzen & Jettel 2017 – Offb 11,15

Und der siebente Engel blies: Da wurden mächtige Stimmen im Himmel laut, die riefen: Die Königsherrschaft über die Welt ist unserm Herrn und seinem Christus zuteil geworden. Er wird als König herrschen durch alle Zeitalter hindurch.
Bruns 2013 – Offenbarung 11,15–16

Dann ließ der siebte Engel die Trompete erschallen.
Da erhoben sich im Himmel laute Stimmen.
Sie riefen:
»Jetzt gehört die Herrschaft über diese Welt
endgültig unserem Herrn und seinem Christus.
Er wird nun für immer ihr König sein.«
BasisBibel 2012 – Offb. 11:15

Als Letztes blies dann der siebte Engel in seine Posaune. Aus dem Himmel konnte man laute Stimmen hören, die sagten: „Ab jetzt wird Gott die Kontrolle über diese Welt übernehmen, und Christus wird für immer das Sagen haben.“
VolxBibel – Offenbarung 11:15

Nun ja, die einen meinen, dass Jehovah schon die Kontrolle übernommen hätte – die anderen, dass dieses Ereignis noch aussteht. Wer meint, dass ER schon die vollständige Kontrolle übernommen hätte, der sollte sich vielleicht fragen, ob er wirklich meint, dass es so ewig weiter gehen sollte? oder ob er sich vielleicht doch in der Zeit geirrt hat und dieses Ereignis noch aussteht!

Ein wichtiger Teil des jetzt im Fortgang der Entfaltung befindlichen Planes des großen Baumeisters muss noch unvollendet sein, sonst würde der neue Fürst und die neue Heilszeitordnung längst eingeführt worden sein. Warum es auf eine bestimmte Zeit hinausgeschoben worden ist, und ebenso die Art und Weise, wie die gegenwärtige Herrschaft des Bösen unter Satan auf die Herrschaft der Gerechtigkeit unter Christum übergehen soll, sind Fragen von hohem Interesse, die weiter unten genauer erörtert werden sollen. Für jetzt genüge es, zu sagen, dass die Reiche dieser Welt, die jetzt Satan untertan sind, zur geeigneten Zeit die Reiche unseres Herrn und seines Christus werden sollen (Offenbarung 11:15). Der Zusammenhang zeigt, dass der Übergang durch eine allgemeine Zeit der Drangsal bewirkt werden wird. Hierauf sich beziehend, sagt der Herr Jesus: „Niemand aber kann in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken bindet, und alsdann wird er sein Haus berauben.“ (Mark. 3:27) Da werden wir also belehrt, dass Satan zuvor gebunden, unschädlich gemacht, abgesetzt werden muss, ehe Christi Regierung der Gerechtigkeit und des Frieden aufgerichtet werden kann. Daher wird auch das Binden Satans, des Starken, als das erste Werk der neuen Heilszeitordnung dargestellt.

Charles Taze Russell im Jahr 1886 – Der göttliche Plan der Zeitalter

Die große Posaune, durch diejenige vorgeschattet, die unter den Juden das Jubeljahr verkündete, die „siebente Posaune“ ist so wenig wie die sechs vorhergehenden (Offenbarung 11:15-18) in der Luft vernommen worden. Sie ertönt für solche, die Ohren haben zu hören, seit Oktober 1874 und wird bis zum Ende des Millennium ertönen. Mit dem Beginn dieser Posaune begann die Ernte dieses Zeitalters und das Einernten und die Trennung, die fortdauern muss, bis die „Auserwählten“, der „Weizen“, aus den gegenwärtigen Himmel (den Namenkirchen) heraus gesammelt sein wird, hin zu dem Herrn. Die „Engel“ (Boten) sind diejenigen, die die Botschaft von des Herrn Wort weitertragen, und welche die Trennung und die Sammlung seiner Auserwählten zu ihm hin bewirken.

Charles Taze Russell im Jahr 1897 – Der Krieg von Harmagedon

Nein Herr Russell – so schwach ist der Schöpfergott Jehovah nicht, dass ER über 150 Jahre braucht, um die Herrschaft anzutreten 😉 und Dinge auf der Erde zu verändern. ER der mit einem Wort Dinge erschafft – wird nicht Jahre benötigen um diese Erde zu übernehmen. Hier liegt Ihr Fehler, Herr Russel – hier hätten sie das Ruder rumreißen und den Denkfehler – ihren Denkfehler – eingestehen sollen, anstatt weiterhin an dem Gedanken zu basteln und weitere falsche Lehren einzuführen…

Und sie sprachen: Es ist die Königsherrschaft der Welt unseres Herrn und seines Gesalbten geworden. Im Mittelpunkt dessen, was geschehen ist, stand eine Königsherrschaft. Sie wird näher bezeichnet als die der Welt. In Mt 4,8 bietet der Teufel die „Königreiche der Welt“ an. Offb 17,18 besitzt die „Hure Babel“ die „Königsherrschaft über die Könige der Erde“. Hier aber ist etwas eingetreten, was diese Weltherrschaft in die Hände Gottes und Christi gebracht hat. Es kann sich nicht um ein innergeschichtliches Ereignis handeln, sondern nur um die endgültige Niederwerfung der bisherigen Besitzer durch das Kommen Christi zum Gericht.

„Gott ist König“ meinte nie etwas anderes, als dass er Großkönig sei. Er gehört nicht etwa in die Reihe der lokalen Stadt – oder Volksfürsten. Sie sind vielmehr die Unterkönige Gottes, des „Königs der Könige und Herrn der Herren“ der ganzen Erde (vgl. Offb 1,5; 17,14; 19,16 ). Diese seine universale Herrschaft wird gerade am Sinai, wo er sich ein einzelnes Volk aussucht, vorausgesetzt: „Die ganze Erde ist mein“ (2 Mo 19,5 ). Israel unterscheidet sich von den anderen Völkern nicht durch sein Eigentumsverhältnis zu Gott, sondern lediglich durch seine Priesterfunktion. Diese Weltweite der Herrschaft seines Gottes hat sich auch das ntst Israel beständig vor Augen zu halten. Unter diesem Gott geht es nie nur um die Gläubigen. Er blickt nicht etwa herzenswarm auf die Gemeinde und sternenkalt auf die sonstige Menschheit, auf ungerechte Verhältnisse, auf Verführung, Unterdrückung, Hunger und Sterben. Zum Reden vom Königsein Gottes gehört immer der Durchbruch zum Umfassenden, der Bezug auf die ganze Menschheit.

Zum anderen blieb den Propheten bewusst, dass dieses Königsein Gottes im Vollsinne etwas ist, was erst noch kommen muss. „Dein Reich komme!“ Es darf also nicht mit dem allgemeinen, gegenwärtigen Weltregiment Gottes verwechselt werden. So gewiss es bleibt, dass Gott zu keiner, auch nicht der dunkelsten Zeit abgetreten ist, so dass sein Thron leer stände, so gewiss muss eines doch erst noch kommen: seine Verherrlichung auf dem Thron. Das ist das Grundproblem der Gegenwart: die Nichtverherrlichung des Herrn aller Herren und die Verherrlichung der Nichtherren oder Unterherren, also dieses Knien an der falschen Stelle. Diese Nichtverherrlichung Gottes erschüttert seine Herrschaft zwar nicht (Ps 2,4 ), aber er will Antwort auf seine Herrlichkeit. Auch seine Gemeinde leidet darunter, dass der Herr und die Verherrlichung auseinandergerissen sind, zwei Größen, die doch zusammengehören. Diese Urspaltung zieht alle anderen Spaltungen in der Schöpfung nach sich, nämlich zwischen Mann und Frau, Vätern und Kindern, Volk und Volk, Ost und West, Nord und Süd, Mensch und Natur. Es kann darum nichts heil werden, wenn diese Urspaltung nicht behoben wird und Gott nicht seine Ehre bekommt. Eine Menschheit, die mit einem Munde Gott lobt (Rö 15,6 ), wird eine wiedervereinigte, heile, freie, gerechte und frohe Menschheit sein. In zwei der drei Hauptstellen über dieses Königwerden Gottes (K. 11 und 19) ist dies Ereignis deswegen mit dem Sturz Babels verknüpft. Babel ist ja die große Verführerin zur Nichtverherrlichung Gottes und zur Anbetung des Tieres.

Wuppertaler Studienbibel

(1) »Der siebente Engel posaunte« (Offb 11,15):
Die Lage der an Jesus Glaubenden scheint aussichtslos (Offb 13). Die widergöttlichen Mächte lehnen sich gegen Jesus Christus auf, geraten dann aber in einen schrecklichen Strudel (Offb 13; 16). Ein zum Feind übergelaufener Teil der Weltchristenheit triumphiert über die stille, scheinbar ohnmächtige Schar der wahrhaft Glaubenden und wird dann von den eigenen Freunden und Liebhabern erbarmungslos bekämpft und zunichte gemacht (Offb 17 und Offb 18).

(2) »Und es erhoben sich große Stimmen im Himmel«:
Gerade wo nun auf der Erde alles so schrecklich verworren und für die Sache Gottes aussichtslos erscheint, wird »im Himmel«, wo alles durchschaut und überblickt wird, bereits die große abschließende Feststellung getroffen – dies eben schließt die siebte, die »letzte« Posaune (1 Kor 15,52) auch mit ein:

(3) »Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden«:
a) Die Weltreiche sind zu Gottes Reich geworden. Was ist es um dieses »Reich Gottes«? (Vgl. auch das zu Offb 20,1ff.Gesagte).

aa) Weil Gott die Welt schuf, gehört sie ihm. Und er hat die schöne Provinz Erde im Ganzen seines Kosmos dem Menschen als »Oberpräsidenten« anvertraut (1 Mose 1,28). Doch der Mensch hat den Feind Gottes und der Menschen eingelassen, sich auf ihn eingelassen, sich ihm unterstellt, indem er ihm folgte (1 Mose 3). Seitdem ist der Feind »der Fürst dieser Welt« (Joh 12,31; 14,30; 16,11). Doch Gott hat uns Menschen nicht nach der erbarmungslosen Regel, wie man sich bettet, so liegt man, uns selbst überlassen. Nach seiner ewigen Weisheit hat er unsere Erlösung in die Wege geleitet. Und weil er das Recht keines Geschöpfes übergeht, auch nicht des Satans, hat er die Welt sozusagen von innen her zurückerobert.

bb) Gott hat dazu mit der Menschheitsgeschichte noch einmal neu begonnen, mit seinem neuen »Adam«, sozusagen mit der »Neuausgabe« Mensch (Röm 5,12-19). Dazu ist der ewige Sohn Gottes Fleisch, Mensch, geworden (Joh 1,14). Er hat dieselbe Prüfung noch einmal gemacht, in der der erste Adam durchgefallen ist (Mt 4,1-4 im Vergleich zu 1 Mose 3,1-6).

cc) Jesus war mit seinem Leben inmitten der Menschenwelt im Vollsinn »Reich Gottes«, Herrschaftsbereich, wo Gott ganz zu seinem Recht kam, wo ihm in ganzer Willigkeit gedient wurde. »Reich Gottes« ist nach der Schrift allein da, wo man Gott mit Willen dient. Jesus konnte zu den ihn umringenden Gegnern sagen: »Das Reich Gottes ist mitten unter euch« (Lk 17,21). Er selbst war der Anfang dieses neuartigen Reiches Gottes.

dd) Und nun hat seit Pfingsten der auferstandene und gegenwärtige Herr sich Menschen angegliedert, seine Gemeinde, Menschen, in denen Gott durch seinen Geist ganz zu seiner Herrschaft kommt. So schreibt Paulus für diese Weltzeit seit Pfingsten: »Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Friede und Freude durch den Heiligen Geist« (Röm 14,17). Die Arbeit für das Reich Gottes von Pfingsten bis zur Wiederkunft Jesu ist die Sammlung von noch verhüllten (Kol 3,3.4) Stützpunkten der großen kommenden guten Herrschaft Gottes in Jesus Christus auf dieser Erde. Diese Sammlung und Zubereitung der Gemeinde Jesu ist das zwar verborgene, aber beherrschende Thema dieser Weltzeit.

b) Inzwischen geht der Kampf in dieser Welt und nach Art dieser Welt weiter. Die Reiche der Großen dieser Welt kommen und gehen. Unter ihnen ist eine wilde Jagd nach Verwirklichung des »Reichs«, wie sie sich das denken, ihrer Weltherrschaft, im Gang. Dem Letzten, Größten, am meisten Dämonisierten von ihnen, dem Antichrist, wird es einen Augenblick gelingen, Weltherrschaft im wahren Sinn zu verwirklichen (Offb 13,8). Doch wenn die Seifenblase am schillerndsten ist, kommt sie zum Platzen. Und dann bricht der Tag an, an dem ganz am Tag ist: »Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.«

c) »Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden.« Das heißt: »Nun ist es so weit. Auch wenn es auf dieser Erde noch einige Augenblicke verhüllt ist. Wir in der himmlischen Welt sehen es schon.« Seit Karfreitag und Ostern ist der Feind entrechtet, nun wird er auch entmächtigt. Die Reiche der Welt sind dann, wenn Jesus kommt, »Seines Christus«, d. h. des Christus Gottes, »geworden« und nicht des »Christus des Feindes«, nicht des Antichrists. Jesus enthüllt dann sich, sein Werk, seine Leute, sein Reich (Kol 3,4).

d) »Er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit«,
wörtlich: »in die Äonen der Äonen hinein«, das heißt, für immer. »in die Äonen der Äonen hinein«, mit dem bestimmten Artikel »die«, hat in der Offenbarung immer die Bedeutung der auf jeden Fall absolut unbegrenzten Zeit (vgl. auch Offb 20,10; 22,5 und das zu diesen Schriftstellen Gesagte). Die Regierungszeit des Antichrists dagegen währt, von der Ewigkeit her gesehen, nur einen Augenblick; gleich wird alles überstanden sein. Dann ist Gott mit dem Plan seiner Liebe zu seinen Menschenkindern, mit seiner Heilsgeschichte, nach der schweren Katastrophe der Sünde zum Ziel gekommen. Durch den ewigen Sohn (Ps 2), durch seinen Gesalbten Christus Jesus, übt Gott die Herrschaft über diese Erde dann unmittelbar aus. »Es kann nicht Friede werden bis deine Liebe siegt und bis der Kreis der Erden zu deinen Füßen liegt« (Albert Knapp).

Gerhardt Maier – Edition C

glaubst du DAS oder ist es „nur geistig zu verstehen“?

Und (Vergl Micha 4) es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses Jehovas feststehen auf dem Gipfel der Berge (d. h. hoch über allen Bergen) und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt und laßt uns hinaufziehen zum Berge Jehovas, zum Hause des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln in seinen Pfaden. Denn von Zion wird das Gesetz (O. die Lehre) ausgehen, und das Wort Jehovas von Jerusalem; und er wird richten zwischen den Nationen und Recht sprechen vielen Völkern.
Elberfelder 1871 – Jes 2,2–4a

In der Endzeit wird es geschehen, daß der Tempelberg des HERRN festgegründet dasteht an der Spitze der Berge und über die (anderen) Höhen erhaben; dann werden alle Heidenvölker zu ihm strömen und zahlreiche Völkerschaften hinwallen und sagen: »Kommt, laßt uns zum Berge des HERRN hinaufziehen, zum Hause des Gottes Jakobs, damit er uns über seine Wege belehre und wir auf seinen Pfaden wandeln!« Denn von Zion wird Belehrung (oder: das Gesetz) ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem. Dann wird er zwischen den Völkern richten und vielen Völkerschaften Recht sprechen;
Menge 2003 – Jesaja 2,2–4

Und wird geschehen in den letzten Tagen, daß der Berg von Jehovahs Haus befestigt wird als Haupt der Berge, und erhaben über den Hügeln, und zu ihm alle Völkerschaften strömen werden. 5Mo 4,30; Ps 63,16.17; Mi 4,1f; Jer 3,17. Und viele Völker werden gehen und sprechen: Lasset uns gehen und hinaufziehen zum Berg Jehovahs, zum Haus des Gottes Jakobs, daß Er uns weise Seine Wege und wir wandeln in Seinen Pfaden, denn von Zion geht aus das Gesetz, und das Wort Jehovahs von Jerusalem. Jer 3,17; Ps 46,8; 50,2; 110,2; Lk 24,47; Joh 4,22; Mi 4,2.
Und richten wird Er zwischen den Völkerschaften und strafen viele Völker.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Jesaja 2:2–4

In den letzten Tagen von dieser Erde wird Folgendes passieren: Alle werden über den Berg reden, auf dem der Tempel von Gott steht. Er wird der heftigste von allen Bergen auf der Welt sein, und aus der ganzen Welt werden die Menschen zu ihm kommen. Viele Menschen aus der ganzen Welt werden mit Bussen und Reisegesellschaften dorthin fahren. Sie werden sagen: „Los, kommt, lasst uns einen Trip zum Berg von Gott machen! Kommt mit, wir fahren zu dem Haus, wo der Gott von diesen Leuten, die von Jakob abstammen, wohnt! Wir wollen von ihm lernen, was okay ist und was nicht. Wir wollen tun, was er uns sagt!“ Denn von diesem Berg, der Zion heißt, werden die heftigsten Ansagen herkommen, von Jerusalem aus wird man hören, was Gott zu sagen hat. Gott wird Gerichtsurteile sprechen über die Länder auf der Erde, er wird für alle Völker der Richter sein.
VolxBibel – Jes. 2:2–4

Wie jeder weiß, der schon einmal in Jerusalem war, ist der Berg Zion kein großer Berg. Er befindet sich auch nicht im geografischen Norden, sondern im südlichen Teil des Landes. Was ist also mit „den Höhen des Nordens“ gemeint?

Diese Beschreibung wäre den heidnischen Nachbarn Israels bekannt, besonders in Ugarit. Es ist tatsächlich aus ihrer Literatur entnommen. Die „Höhen des Nordens“ (ugaritisch: „die Höhen von Tsaphon“) ist der Ort, an dem Baal lebte und angeblich auf Geheiß des Hochgottes El und des göttlichen Rates den Kosmos regierte. 13 Der Psalmist stiehlt Baal den Ruhm und gibt ihn demjenigen zurück, dem er rechtmäßig gehört – Jahwe. Es ist ein theologischer und literarischer Schlag ins Gesicht, eine weitere Polemik.

Das erklärt, warum die Beschreibung in Bezug auf die tatsächliche Geographie Jerusalems seltsam klingt. Das ist der Grund, warum Jesaja und Micha Ausdrücke wie „der Berg des Hauses Jahwes“ verwendeten (Jes 2,2; Mich 4,1). Die Beschreibung soll eine theologische Aussage machen, nicht eine geographische. Der Zion ist das Zentrum des Kosmos, und Jahwe und sein Rat sind sein König und Verwalter, nicht Baal.

Der Tempel ist auch der Garten Eden, voll von üppiger Vegetation und Tieren. Die Beschreibung des Baus des Tempels in 1 Könige 6-7 ist in dieser Hinsicht eindeutig. 14 Blumen, Palmen, Kürbisse, Zypressen, Cherubim, Löwen und Granatäpfel schmücken den Tempel durch seine geschnitzten architektonischen Merkmale.

In Hesekiels Vision des neuen Tempels (Hes 40-48) sah er einen auf einem hohen Berg errichteten Tempel (40:2), dessen Vorhöfe mit Palmen geschmückt waren (40:31-34). Das Innere war mit weiteren Palmen und Cherubim geschmückt (41:17-20.). Hesekiels Tempelgarten war gut bewässert, wie Eden, denn aus ihm floss ein Fluss, der auf übernatürliche Weise alles andere belebte (47:1-12).

In der Theologie Israels waren Eden, die Stiftshütte, der Sinai und der Tempel gleichermaßen der Aufenthaltsort Jahwes und seines Rates. Die Israeliten, die die Stiftshütte und den Tempel besaßen, wurden ständig an die Tatsache erinnert, dass der Gott des kosmischen Berges und des kosmischen Gartens in ihrer Mitte wohnte, und wenn sie ihm gehorchten, würde Zion der Herrschaftsbereich Jahwes werden, der als der Ort dienen würde, an dem er die enterbten Völker, die in Babel verstoßen wurden, wieder zu sich zurückholen würde.

Michael S. Heiser – Das unsichtbare Reich

Es bleibt das Große im Gesamtbilde der prophetischen Verkündigung, dass nach jedem Abend der Geschichte dennoch ein neuer Morgen anbricht. Ein Morgen, der einen Tag einleitet, der in seinem Leben reicher, mit seinem Licht heller und in seinen Zielen der ersehnten Heilszukunft verwandter sein wird als der vorher untergegangene. Diese Fernschau, aus der immer neu eine weltüberwindende Hoffnung geboren wurde, hätte den Propheten nie werden können, wenn ihr Leben nicht im Umgang mit Gott gestanden hätte. Aus dem Werden der Geschichte, vom Boden ihres Volkes aus, oder aus den Machtbestrebungen der Weltmonarchien hätten sie nie [129] solche eschatologischen Heilserwartungen gewinnen können. Nur, wer Gott gesehen, sieht über alle Katastrophen hinweg eine Zukunft, die einmal unseres Gottes sein wird.

Wenn der Prophet das Haus Jahves als Stätte seiner machtvollen Gegenwart und zukünftigen Herrlichkeitsoffenbarung fest begründet auf einem Berge liegen sieht, so mag das Bild zwar beim Zionsberge Jerusalems anknüpfen, es kündet aber gewiss die zukünftige geistige Höhenlage im Völkerleben an. Bis zu dieser Zeit bleibt Gottes Offenbarungsstätte ein Wanderzelt. Weder ein bestimmtes Volk, noch irgendein großes Zeitalter der bisherigen Geschichte hat ihr eine feste Stätte gegeben. Als Israel-Juda erst auf hörte, sein Ohr an den Mund Gottes zu legen, da hörte auch sein Heiligtum auf, eine Offenbarungsstätte für die Zukunft zu sein. Seit Pfingsten zeltete alsdann die Gegenwart Gottes mit ihrer Heilsoffenbarung in der durch den Heiligen Geist gesammelten Christusgemeinde. Aber auch die Urgemeinden verloren mehr und mehr den Inhalt ihrer Botschaft, Christus, und wurden eine römische, christliche Weltinstitution, in der die Offenbarung wieder heimatlos werden musste. Da schuf sie sich in den Reformationskirchen ein neues Zelt, von dem aus die Kräfte der Welt Gottes sich den Völkern [130] mitteilen sollten. Wie wenig Raum hat jedoch heute wieder diese Gotteswelt mit ihrem Leben und Kräften in weitesten Schichten der gegenwärtigen Reformationskirchen und in den ihnen verwandten freikirchlichen Schwestergemeinden!
Noch fehlt Gott innerhalb der Völkerwelt der Berg, auf dem sein Offenbarungstempel eine festgegründete Heimat hat. Noch fehlt Gott das Volk, in dem Er uneingeschränkt das Heil seiner Gegenwart und den Frieden seiner Königsherrschaft entfalten kann. Noch zieht das Fleisch in seiner Macht Ihm in seinem Segnen und Regieren überall Grenzen, noch hat man nirgends dauernd Raum für Ihn und seinen Gesalbten. Noch schreiben Völker und Geschichte immer wieder über ihren Aufbau und über ihre Zukunft, über ihr Leben und über ihr Schaffen: „Nicht dieser!“

Die Weltwehen der Zukunft werden jedoch groß und die Katastrophen über alles vom Menschen im eigenen Geist Geschaffene schwer genug werden, dass die Völker Ausschau halten werden, ob es nicht irgendwo im Chaos der Geschichte eine Offenbarungsstätte gibt, von der aus die untergehende Welt eine neue Zukunft zu gewinnen vermag.
Diese sieht Jesaia in seiner prophetischen Fernschau. Er hört Völker zu Israel als dem Erstgeborenen Gottes 79 sprechen:

„Geht voran! Lasset uns hinauf zum Berge Jahves ziehen, zum Hause des Gottes Jakobs, damit Er uns unterrichte in seinen Wegen, denn auch wir möchten in seinen Pfaden wandeln.“

So werden einst nur müde Völker sprechen, die sich in ihrer Kraft ausgegeben und in ihren Zukunftsplänen erschöpft haben und nun keinen Ausweg mehr finden, um ihrem Leben eine neue, gerechtere und heilbringendere Zukunft zu geben.

Ist die Stunde des Menschen aber erst abgelaufen, dann beginnt Gottes Stunde mit ihrer Thora, d. h. mit ihrem Sprechen und mit der Aktivität ihrer Heilsoffenbarung. Aber mit dieser Stunde werden Umwälzungen im Geistesleben der Völker, in den Machtbestrebungen der Weltmonarchien und in der Gestaltung der Lebensordnungen jeder einzelnen Nation verbunden sein, wie sie die Geschichte bisher nicht gesehen hat.

Jacob Kroeker 1934 – Das lebendige Wort

Die Propheten machen es sehr deutlich, dass in der Mitte des Landes ein sehr hoher Berg wachsen wird, bis er der höchste Berg der Welt wird. Und irgendwo auf diesem höchsten Berg der Welt wird der Tempel des Millenniums errichtet werden.

Eine Stelle, die darüber spricht, ist Jesaja 2:2-4: „Und es wird geschehen in den letzten Tagen, dass der Berg des Hauses Jehovas auf dem Gipfel der Berge errichtet und über die Hügel erhöht wird; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, laßt uns hinaufgehen auf den Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, und er wird uns seine Wege lehren, und wir werden auf seinen Pfaden wandeln; denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem. Und er wird richten zwischen den Völkern und wird entscheiden über viele Völker; und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln schlagen; es wird nicht mehr Volk gegen Volk das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.

Jesaja sagt in Vers 2 deutlich, dass der Berg, auf dem das Haus Jehovas stehen wird, der höchste aller Berge und bei weitem der erhabenste sein wird, und dass alle Völker in ihrer Anbetung Jehovas auf ihn zugehen werden. In Vers 3 wird von diesem Berg das Gesetz für das Tausendjährige Königreich ausgehen. Und das wird zu einem weltweiten Frieden führen, weil die Differenzen zwischen den Völkern durch das Wort, das laut Vers 4 vom Berg des Hauses Jehovas kommt, beigelegt werden.

Später, in Jesaja 27,13, weist der Prophet darauf hin, dass dieser heilige Berg das Zentrum der weltweiten Anbetung Gottes durch alle Nationen werden wird: Und es wird geschehen an jenem Tag, dass eine große Posaune geblasen wird; und es werden kommen, die im Land Assyrien bereit waren, umzukommen, und die Verstoßenen im Land Ägypten; und sie werden Jehova auf dem heiligen Berg in Jerusalem anbeten.

In der Tat wird dieser große Berg des Hauses Jehovas ein Ort des Gebets für alle Menschen werden, Juden und Heiden gleichermaßen, wie es in Jesaja 56:6-8 heißt: Auch die Fremden, die sich Jehova anschließen, um ihm zu dienen und den Namen Jehovas zu lieben, um seine Diener zu sein, jeder, der den Sabbat hält und ihn nicht entweiht und meinen Bund festhält, auch sie will ich auf meinen heiligen Berg bringen und sie in meinem Haus des Gebets erfreuen; ihre Brandopfer und ihre Opfer sollen auf meinem Altar angenommen werden; denn mein Haus soll ein Haus des Gebets für alle Völker heißen. Der HERR Jehova, der die Ausgestoßenen Israels sammelt, spricht: Ich will noch andere zu ihm sammeln, außer den Seinen, die gesammelt sind.

Wenn die heidnischen Nationen dazu benutzt werden, das Volk Israel wieder zu sammeln, werden sie gemäß Jesaja 66:20 auf diesen Berg des Hauses Jehovas gebracht und wieder gesammelt: Und sie sollen alle deine Brüder aus allen Nationen als Opfergabe für Jehova bringen, auf Pferden und auf Wagen und auf Sänften und auf Maultieren und auf Dromedaren, zu meinem heiligen Berg Jerusalem, spricht Jehova, wie die Kinder Israel ihre Opfergabe in einem reinen Gefäß in das Haus Jehovas bringen.

Jesajas Zeitgenosse, der Prophet Micha, sprach auch über diesen großen Berg in Micha 4:1-4: Aber in den letzten Tagen wird es geschehen, dass der Berg des Hauses Jehovas auf dem Gipfel der Berge errichtet und über die Hügel erhöht wird, und Völker werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt her und laßt uns hinaufziehen auf den Berg des HERRN und zum Hause des Gottes Jakobs; der wird uns seine Wege lehren, und wir werden auf seinen Pfaden wandeln. Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem; und er wird richten zwischen vielen Völkern und wird entscheiden über starke Nationen in der Ferne; und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln schlagen; es wird nicht mehr Volk gegen Volk das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen. Sondern ein jeglicher wird sitzen unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, und niemand wird sie schrecken; denn der Mund des HERRN Zebaoth hat’s geredet.
Diese Worte Michas sind natürlich den Worten Jesajas sehr ähnlich. In Vers 1 wird der Berg, auf dem das Haus Jehovas steht, über jeden Berg und Hügel erhaben sein. In Vers 2 wird das Gesetz Gottes von diesem Tempel ausgehen. Die Tatsache, dass das tausendjährige Gesetzessystem vom Tempel auf dem Berg Jehovas ausgeht, führt in Vers 3 zum Weltfrieden; nicht nur zwischen den Nationen, sondern auch zum persönlichen Frieden zwischen den einzelnen Menschen in Vers 4.
So stellen wir aus diesen Passagen fest, dass es für das Königreich eine große geographische Veränderung im Land Israel geben wird. Ein großer Berg, der höchste der Berge in der Welt, wird im Land Israel sein, und irgendwo auf dem Gipfel des Berges wird der jüdische Tempel stehen

Arnold Fruchtenbaum – Die vier Tempel der Bibel

Friedlich oder kämpfen?

Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, (Eig Blut und Fleisch) sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern. Deshalb nehmet (O. ergreifet) die ganze Waffenrüstung Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage zu widerstehen und, nachdem ihr alles ausgerichtet (O. überwältigt) habt, zu stehen vermöget.
Elberfelder 1871 – Eph 6,12–13

Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und Gewalten des Bösen, die über diese gottlose Welt herrschen und im Unsichtbaren ihr unheilvolles Wesen treiben. Darum nehmt all die Waffen, die Gott euch gibt! Nur gut gerüstet könnt ihr den Mächten des Bösen widerstehen, wenn es zum Kampf kommt. Nur so könnt ihr das Feld behaupten und den Sieg erringen.
Hoffnung für Alle 2015 – Eph. 6,12–13

Ihr habt ja nicht gegen Wesen von Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen überirdische Mächte und Gewalten, gegen die Geister der Finsternis, die in dieser Welt die Herrschaft führen und gegen Machenschaften der bösen Geister in den jenseitigen Sphären. Darum ziehet die volle Waffenrüstung Gottes an, damit ihr stark genug seid, am ‚Bösen-Geister-Tag‘ Widerstand zu leisten und alles daran setzt, um fest zu bleiben.
Johannes Greber 1936 -Eph 6,12–13

Wir kämpfen ja nicht gegen Menschen, die ihre Muskeln und Fähigkeiten gegen uns einsetzen, sondern gegen übernatürliche Mächte, gegen böse Geister, linke Bazillen aus einer parallelen Dimension, gegen die dunkle Seite der Macht, die diese Welt beherrscht. Darum legt euch das gesamte Waffenarsenal zu, das Gott für euch bereitgestellt hat. Damit werdet ihr die linken Attacken der bösen Seite abwehren können, wenn es mal zu einem Kampf kommt.
VolxBibel – Epheser 6:12–13

Eph 6,13 ἀνα-λάβετε Aor. Imp. -λαμβάνω152 aufnehmen; ergreifen. δυνηθῆτε Aor. Konj. Pass. (ohne Pass.-Bdtg.) δύναμαι. ἀντι-στῆναι Wz.-Aor. Inf. ἀνθ-ἀνθ-ίσταμαι205 sich entgegenstellen; Widerstand leisten, widerstehen. ἅ-παντα = πάντα. κατ-εργασάμενοι Aor. Ptz. Med. -εργάζομαι92 vollenden, ausführen; bewältigen, besiegen; temp.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Das bedeutet sowohl in theologischer als auch in praktischer Hinsicht, dass geistliche Kampfführung im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen zwei Reichen verstanden werden muss: dem Reich Gottes und dem Reich Satans. Während des öffentlichen Wirkens Jesu sehen wir diese binäre Opposition. Jesus selbst artikulierte ihn: „Wenn ich durch den Geist Gottes Dämonen austreibe, dann ist das Reich Gottes über euch gekommen“ (Mt 12,28). Es ist kein Zufall, dass die Austreibung von Dämonen aus Menschen und Orten den Anbruch des Reiches Gottes begleitet. Während das Reich Gottes wächst, schrumpft das Reich der Finsternis und verliert an Boden.

Jesus hat seinen Nachfolgern nie befohlen, sich mit geistigen Wesenheiten auseinanderzusetzen. Stattdessen gab er den Missionsbefehl. Ein geistliches Wesen mag vertrieben werden, aber das führt nicht unbedingt dazu, dass eine neue Seele in das Reich Gottes eintritt. Dieses letztere Ziel ist der Grund, warum Jesus sein Leben gab und von den Toten auferstand. Beim Werk Christi ging es nicht um Machtbegegnungen mit Dämonen. Es war viel umfassender und dauerhafter als das. Das Ziel war, den Kreis von Eden zu schließen – Gottes Wunsch zu erfüllen, eine menschliche Familie für immer bei ihm zu haben. Gefallene Geister zu bestrafen, erfüllt nicht Gottes ursprüngliches edenisches Ziel. Nur der Missionsbefehl erfüllt die Ziele, auf die Gott hingearbeitet hat, sowie die Besiegung und Bestrafung der rebellischen bösen Geister. Der Missionsbefehl ist also ein umfassender Plan für die geistliche Kriegsführung.

Eine sorgfältige Lektüre der beiden Hauptstellen, die zur Unterstützung der Machtbegegnung im geistlichen Kampf verwendet werden, bestätigt die vorhergehende Behauptung, dass es bei der geistlichen Kriegsführung nicht um die Konfrontation mit übernatürlichen Wesenheiten geht, sondern um die Förderung des Evangeliums durch engagierte Gläubige:

Seid schließlich stark in dem Herrn und in der Kraft seiner Macht. Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Anschläge des Teufels bestehen könnt. Denn wir ringen nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächtigen, gegen die Gewalten, gegen die kosmischen Mächte dieser gegenwärtigen Finsternis, gegen die geistlichen Mächte des Bösen in den himmlischen Örtern. Darum nehmt die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr in dem bösen Tag bestehen könnt, und nach allem, was ihr getan habt, fest steht. So steht nun, indem ihr den Gürtel der Wahrheit umschnallt und den Brustpanzer der Gerechtigkeit anlegt, und als Schuhe für eure Füße die Bereitschaft anlegt, die durch das Evangelium des Friedens gegeben ist. Nehmt unter allen Umständen den Schild des Glaubens auf, mit dem ihr alle flammenden Pfeile des Bösen auslöschen könnt; und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist, und betet allezeit im Geist, mit allem Gebet und Flehen. Zu diesem Zweck wacht mit aller Beharrlichkeit und fleht für alle Heiligen, auch für mich, damit mir Worte gegeben werden, meinen Mund kühn aufzutun, um das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden, für das ich ein Botschafter in Ketten bin, damit ich es kühn verkünde, wie ich es zu reden habe. (Eph 6,10-20)
In Paulus‘ Erklärung der geistlichen Kriegsführung an die Gemeinde in Ephesus empfiehlt er nirgends, dass Gläubige die übernatürlichen Herrscher und Mächte konfrontieren oder ermahnen sollen. Seine Liste der Waffen enthält keinen Exorzismus gegen die geistlichen Mächte des Bösen in den himmlischen Örtern. Stattdessen steht hier, was Paulus im geistlichen Kampf gegen die Mächte der Finsternis für wirksam hielt:
-Wahrheit           (V. 14)
-Rechtschaffenheit        (V. 14)
-das       Evangelium (V. 15)
-Glaube               (V. 16)
-Rettung             (V. 17)
-das       Wort Gottes (V. 17)
-Gebet                 (V. 18)
Beharrlichkeit   (V. 18)

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass es bei der geistlichen Kampfführung in Epheser 6 nicht um Machtkämpfe geht, sondern darum, beharrlichen Glauben an das Evangelium und das Wort Gottes zu haben und ein heiliges, betendes Leben als Nachfolger Jesu zu führen. Die gleiche Strategie ist in der anderen beliebten Bibelstelle für geistliche Kampfführung zu erkennen:
Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, führen wir nicht nach dem Fleisch den Krieg.. Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht vom Fleisch, sondern haben göttliche Kraft, Festungen zu zerstören. Wir zerstören Argumente und jede hochmütige Meinung, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen, um Christus zu gehorchen, wobei wir bereit sind, jeden Ungehorsam zu bestrafen, wenn euer Gehorsam vollkommen ist. (2 Kor 10,3-6)

Paulus‘ Beschreibung, wie er die Hochburgen der Finsternis bekämpft, beinhaltet weder Exorzismus noch Bemühungen, territoriale Geister zu vertreiben. Die Konfrontation mit übernatürlichen Mächten gehört nicht zu seiner persönlichen Strategie. Vielmehr zerstört erfolgreiche geistliche Kampfführung in diesem Abschnitt „Argumente und jede hochmütige Meinung, die gegen die Erkenntnis Gottes erhoben wird“ und „nimmt jeden Gedanken gefangen, um Christus zu gehorchen.“ Mit anderen Worten, geistliche Kampfführung bedeutet, ein treuer Jünger zu sein, der nicht „hin und her geworfen wird von den Wellen und umhergetragen von jedem Wind der Lehre, von menschlicher List, von Schlauheit in betrügerischen Machenschaften“ (Eph 4,14). Bei der geistlichen Kampfführung geht es darum, ein Leben im Gehorsam gegenüber Jesus zu führen, seinem gehorsamen Beispiel für die Sache von Gottes Vision für ein Reich auf Erden zu folgen.

Es ist zwar nicht spektakulär, aber das Festhalten an der Wahrheit und die engagierte Nachfolge ist das, was in der neutestamentlichen Theologie die geistliche Kriegsführung ausmacht. Um es unverblümt zu sagen: Das ist viel schwieriger, als einem Dämon im Namen Jesu Befehle entgegenzuschreien (oder, was häufiger vorkommt, in die Luft). Als Jünger müssen wir uns darauf vorbereiten, Dämonisierung in Form von falscher Lehre, Versuchung und sündigen Lebensmustern zu vermeiden. Paulus‘ Charakterisierung des geistlichen Kampfes als Festhalten am Evangelium und anderen biblischen Wahrheiten und als ein betendes, ausdauerndes Leben der Rechtschaffenheit sind klar und treffend. Gehorsame Jünger zu sein ist das, was uns zu tauglichen Soldaten für Christus macht. Die Mission eines jeden Christen ist es, den Missionsbefehl auszuführen, das Mittel, durch das das Reich Gottes wächst und das Reich der Finsternis zurückweicht.

Michael Heiser – Dämonen – Was die Bibel wirklich über die Mächte der Finsternis sagt

Manche Menschen im A.T. erfuhren, dass ihnen ein geistlicher Kampf bevorstand (vgl. 1.Mose 32,23-33; Dan 10,10-21 ), doch sowohl für Daniel als auch für Paulus bestand der Kampf im Gebet und in der Unterordnung unter Gott und seinen Willen, nicht in der Rüstung für einen direkten Angriff der feindlichen Mächte ( Dan 10,12-13.21 ). Manche heidnischen Gottheiten der damaligen Zeit wurden als »Herren der Welt« bezeichnet, was zur Ausbildung populärer Vorstellungen von guten und bösen Engelhierarchien beitrug; die Formulierung »die geistlichen Mächte der Bosheit« (Schlachter) ist ein griechischer Sprachbegriff für »böse Geister«, ein jüdischer und neutestamentlicher Ausdruck.
Eph 6:13 : Die Zeitangabe »an dem bösen Tag« könnte sich ganz allgemein auf eine Zeit des Gerichts oder der Prüfung beziehen (z.B. Am 6,3 ); nach Ansicht mancher Gelehrter ist damit jedoch speziell die Zeit der Trübsal gemeint, mit der die Juden unmittelbar vor dem Ende des Zeitalters rechneten (vgl. Dan 12,1 ) und die, wie Paulus auch an anderer Stelle sagt, bereits angebrochen ist (vgl. Röm 8,22-23 ). Zu der Wendung »das Feld behalten« siehe die Ausführungen zu 6,10-11 .

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Die tiefere Begründung für diesen Aufruf zum Kampf bietet V. 12: »Denn unser Kampf geht nicht gegen Fleisch und Blut«, d. h. nicht gegen Menschen als schwache, hinfällige Geschöpfe, »sondern gegen die Mächte, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister in den Himmeln.« Das Wort »Kampf« meint nicht die offensive Kriegsführung, sondern mehr das hautnahe Ringen mit einem Gegner. Paulus hat in seinem Dienst immer wieder die Widerstände und Anfechtungen des Teufels zu spüren bekommen (2Kor 12,7; 1Thess 2,18; 1Tim 5,15). Er rechnet ganz real mit der Wirklichkeit des Teufels und seiner dunklen Mächte, die etwas ganz anderes sind als »Fleisch und Blut«. Nein, biblisch gesehen wird man diese Mächte nicht umdeuten können auf irgendetwas Innerweltliches bzw. auf menschliche oder gesellschaftliche Widerstände, wie das manche Ausleger versuchen, die meinen, Paulus würde hier mythologisch denken. Der Teufel und seine dunklen Mächte sind für den Apostel eine Realität. Sie sind als »Mächte« und »Gewalten« unendlich stärker als der schwache Mensch, sind als »Weltbeherrscher dieser Finsternis« mit einem Einfluss ausgestattet, der sich über die ganze von der Sünde bestimmte Welt erstreckt, sind als »böse Geister« das Gegenstück zu den guten Engeln Gottes und sind als Wesen, die »in den Himmeln« ihren Ort haben, jenseitige Mächte und damit eben nicht nur eine altertümliche Umschreibung für das innerweltlich Böse. Im Kolosserbrief werden diese Mächte zum Teil auch »Elemente der Welt« genannt (Kol 2,8; vgl. außerbiblisch das sog. Testament Salomos 8, 2 u. 18, 2 wo die »Elemente« als »Weltbeherrscher der Finsternis« und »Weltherrscher der Finsternis dieses Äons« bezeichnet werden). Gegen diese Mächte gilt es zu kämpfen.

Ihr Einfluss wird nicht einfach hingenommen, vor ihrer Macht nicht ängstlich kapituliert. Nein, »unser Kampf« geht gegen diese Mächte! Woher nimmt Paulus diesen Mut? Nochmals sei an V. 10.11 erinnert. Gestärkt »durch den Herrn und durch die Macht seiner Stärke« und geschützt durch »die Waffenrüstung Gottes« geht der Christ, der selbst ja auch nur »Fleisch und Blut« – und das heißt: ein schwacher Mensch – ist, in diesen Kampf. Ihm sind im Glauben die Augen für die Realitäten geöffnet, die Paulus schon in Eph 1,19-22 geschildert hat: nämlich für das Übermaß der Größe der Kraft Gottes, die in Christus wirksam wurde, als er ihn von den Toten auferweckte und zur Rechten Gottes einsetzte, hoch über allen Mächten und Gewalten und Kräften und Herrschaften, und diesem Herrn alles unterworfen hat. Von diesem Siegesboden aus erfolgt der Kampf. Aber – und auch das ist zu beachten – trotz dieses in Eph 1 schon proklamierten Sieges ist der tägliche Kampf für den Christen immer noch zu führen! Eins hebt da das andere nicht auf.

»Deshalb«, weil ihr es mit solch starken bösen Mächten zu tun habt, »nehmt die Waffenrüstung Gottes« (V. 13 a). Bildhaft wird der Schutz, den Gott seinen Kindern für den geistlichen Kampf gibt, als eine Waffenrüstung geschildert (vgl. 1Thess 5,8; Röm 13,12 b; 2Kor 6,7). Das hier gebrauchte Wort für »Waffenrüstung« (wörtl.: Vollwappnung) bezeichnet sonst die Ausrüstung des voll bewaffneten Fußsoldaten. Dan Paulus im Folgenden vornehmlich defensive Ausrüstungsgegenstände nennt, könnte man auch erwägen, ob ihm hier die Arenakämpfer vor Augen standen, die sich im Zirkus gegen wilde Tiere oder hochgerüstete Gladiatoren zu verteidigen hatten. Am einfachsten ist vielleicht sich vorzustellen, dass Paulus von seiner Gefängniszelle aus die römischen Wachsoldaten im Blickfeld hatte, die diese Ausrüstung trugen; und er beginnt nun das, was er da sieht, auf die Ausrüstung zu übertragen, die der Christ von Gott für den geistlichen Kampf erhält. Ziel dieser »geistlichen Aufrüstung« ist, dass sie, die schwachen Menschen, diesen weltbeherrschenden finsteren Mächten »widerstehen« und siegreich »standhalten« können (V. 13 b). Dieser Widerstand und dieses Durchstehen des Kampfes bis zum Sieg ist nötig »an dem bösen Tag«. Was ist damit gemeint? Die letzte böse Zeit vor dem Wiederkommen Christi? Vom Zusammenhang des Eph her weist nichts auf diese spezielle Bedeutung hin. Nach 5,16 sind jetzt schon »die Tage böse«. Die Endzeit hat längst begonnen. Innerhalb dieser »bösen Tage« ist »der böse Tag« wohl immer der, an dem der Christ den Betrügereien (V. 11) des Teufels ausgesetzt ist und ihnen widerstehen muss. Kosmisch gesehen ist jetzt nicht Friedenszeit; und der Tag des Kampfes ist nicht auf irgendeinen fernen Tag verschoben. Nein, jetzt gilt es für die Christen, die Waffen aufzunehmen und jederzeit zum Widerstand bereit zu sein, ob der Angriff nun heute oder in der Zukunft erfolgt.

Edition C

ist es nah oder da oder nicht nah?

Nachdem aber Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa, predigte das Evangelium des Reiches Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubet an das Evangelium.
Elberfelder 1871 – Markus 1,14–15

»Die von Gott bestimmte Zeit ist da.
Sein Reich wird sichtbar in der Welt.
Ändert euer Leben
und glaubt dieser Guten Nachricht.«
BasisBibel 2012 – Mark 1,15

„Es geht los, Leute! Es hat eine neue Zeit begonnen, eine Zeit, in der Gott das Sagen hat. Hört auf, Dinge zu tun, die Gott nicht will! Setzt euer Vertrauen auf diese neue gute Nachricht!“
VolxBibel – Markus 1:15

und sagte -sagte Temporal-modales Ptz. conj. (Partizip Präsens aktiv), das durch und mit dem Partizip predigte aus dem letzten Vers verbunden ist und auch so aufgelöst wurde. Die Konstruktion weist die folgende direkte Rede als die Kernbotschaft von Jesu Verkündigung aus.- {dass}: „Die Zeit ist eingetreten (gekommen, erfüllt) – Die Zeit ist eingetreten (gekommen, erfüllt) Gemeint ist eine heilsgeschichtliche Erfüllung, also dass ein ganz bestimmter Zeitpunkt eingetreten ist (Guelich 1989, 43; vgl. Delling, πληρόω, 294f.). Vgl. GNB »Es ist so weit«, NLB, HfA »Jetzt ist die Zeit gekommen« (ebenso NIV). Bei den beiden Verben eingetreten und nahegekommen handelt es sich um Perfekte. Das Perfekt betont den gegenwärtigen Zustand, man könnte betonen: »Die Zeit ist da, Gottes Herrschaft ist nahe.« Die beiden Aussagen stehen parallel zueinander und erhellen einander. – und Gottes Königsherrschaft (Königreich) ist nahegekommen. Kehrt um (tut Buße) und glaubt an das Evangelium!“
offene Bibel – Markus 1:15

Dies dokumentiert die erste von mehreren Predigttouren in und um Israel. Nachdem er in Jerusalem an die Öffentlichkeit getreten war, begann Jeschua nun einen sehr aktiven Dienst, in dem er sich selbst als den messianischen König verkündete und dieser Generation von Juden das messianische Königreich anbot. In dieser Rolle erfüllte er drei Funktionen: die eines Rabbiners, eines Lehrers und eines Propheten. In Markus 1,15 heißt es, dass ein Teil von Jeschuas Botschaft war, dass die Zeit erfüllt ist. Dies war die Zeit in Gottes Programm für die offizielle Darbringung des messianischen Königreichs und des Messias als dessen König. Jeschua würde nun von Stadt zu Stadt und von Synagoge zu Synagoge reisen.
In der jüdischen Geschichte war Jeschua die erste Person, die behauptete, der Messias zu sein, und es verging ein Jahrhundert, bevor es einen zweiten Anspruchsteller gab (Simon Bar Kosiba oder Bar Cochba). Diese Beobachtung wird auch von Brown gemacht:
Wenden wir uns den antiken Begriffen zu, so ist die wissenschaftliche Literatur über die politische Situation im 1. Jh. voll von Hinweisen auf jüdische „messianische“ Figuren, obwohl … der Begriff „Messias“ (christos) von Josephus nie auf einen Juden außer Jesus angewandt wird. Offensichtlich würden einige Gelehrte jeden Führer oder jede Bewegung, die soziale oder politische Unruhen verursachte, als „messianisch“ bezeichnen, wobei diese Bezeichnung manchmal mit eschatologisch gleichgesetzt wird.
Brown bemerkt, dass diese breite Verwendung des Begriffs „Messias“ irreführend ist. Jeder könnte selbsternannte Propheten oder politische Figuren als messianisch bezeichnen, auch wenn ihre eigenen Anhänger das nicht taten. Jeschuas Jünger hingegen riefen ihn als Messias aus, und indem sie deutlich auf seine davidische Abstammung hinwiesen, bewiesen die Evangelien, dass er die biblischen Voraussetzungen für die Messiasschaft erfüllte. Außerdem ähnelte keine andere Bewegung der Nachfolge Jeschuas.

Matthäus lieferte den grundlegenden Inhalt von Jeschuas Botschaft, die zweierlei war. Erstens war sie soteriologisch, also heilszentriert: Tut Buße (Mt. 4,17b). Markus fügte hinzu: und glaubt an das Evangelium (Mk. 1,15b). Das Wort Evangelium bedeutet „gute Nachricht“. In 1. Korinther 15,1-4 definiert Paulus die drei Punkte des heutigen Evangeliums: Erstens: Der Messias ist für unsere Sünden gestorben; zweitens: Er wurde begraben; und drittens: Er ist am dritten Tag auferstanden. Dieses Evangelium konnte jedoch erst verkündigt werden, nachdem der Messias gestorben war. Da Jeschua noch nicht gestorben war, war dies offensichtlich nicht die gute Nachricht, die er und seine Jünger verkündeten. Das Evangelium, das sie an diesem Punkt der Geschichte verkündeten, war, dass Jeschua der messianische König war. Der Inhalt des Evangeliums war also nicht immer derselbe. In der Tat, später, als Jeschua anfing, seinen Tod und seine Auferstehung zu verkünden, wurden dieselben Jünger davon überrascht.

Zweitens, der Inhalt der Botschaft des Messias war: Die Zeit ist erfüllt, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen (Mk. 1,15; Mt. 4,17). Es war eine eschatologische Botschaft; sie befasste sich mit der Endzeit, denn das Reich Gottes, das messianische Reich, war der Höhepunkt der gesamten alttestamentlichen Prophetie. Den hebräischen Propheten wurde keine Offenbarung gegeben, die über das messianische Reich hinausging, also war das Reich, auf das alle Juden warteten, das von den alttestamentlichen Propheten prophezeite Reich, das Reich des Messias. Jeschua ging nicht näher auf die Natur dieses kommenden Königreichs ein. Dies zeigt, dass keine Erklärung nötig war.

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

„Das Reich Gottes ist nahe!“ Das Neue Testament offenbart, dass das Reich Gottes sowohl hier als auch noch nicht hier ist. Gottes Reich ist nahe oder gegenwärtig (3,2; 4,17; 12,34; Lukas 17,21), und es wird noch in seiner Fülle kommen (25,1; Johannes 18,36; Apostelgeschichte 1,6-7). Heute kommt das Reich Gottes sofort, wenn auch nur zum Teil. Die Menschen können Frieden in ihren Herzen haben, auch wenn der Weltfrieden und tikkun olam (eine „wiederhergestellte Welt“) noch nicht vollständig verwirklicht sind.

The Complete Jewish Study Bible: Notes

Jochanans Botschaft ist hier identisch mit der von Jeschua in 4,17. 
Himmelsreich. Das Wort "Himmel" wurde in frommer Vermeidung des Wortes "Gott" verwendet (siehe 1:20N); und bis heute ersetzt das hebräische malkhut-haShammayim ("Königreich des Himmels") in der jüdischen religiösen Literatur das "Königreich Gottes", ein Ausdruck, der im Neuen Testament häufig vorkommt, zuerst in 6:33 unten. Im jüdischen Neuen Testament wird "Himmel" großgeschrieben, wenn es sich auf Gott bezieht; "Himmel" wird klein geschrieben, wenn es sich auf den Himmel oder das Paradies bezieht. 
Sowohl in Jochanans als auch in Jeschuas Predigt (4:17) ist der Grund für die Dringlichkeit zur Umkehr, dass das Himmelreich nahe ist. Das Konzept des Reiches Gottes ist für das Verständnis der Bibel von entscheidender Bedeutung. Er bezieht sich weder auf einen Ort noch auf eine Zeit, sondern auf einen Zustand, in dem die Herrschaft Gottes von der Menschheit anerkannt wird, einen Zustand, in dem Gottes Verheißungen eines wiederhergestellten Universums frei von Sünde und Tod erfüllt werden oder zu erfüllen beginnen. 
In Bezug auf das Reich Gottes lässt sich die Geschichte in vier Perioden einteilen: vor Jeschua, zu seinen Lebzeiten, das gegenwärtige Zeitalter (das ˓olam hazeh) und das zukünftige Zeitalter (das ˓olam haba). In gewisser Weise war das Reich Gottes schon vor Jeschuas Geburt vorhanden; Gott war tatsächlich König über das jüdische Volk (siehe 1 Samuel 12,12). Jeschuas Ankunft brachte einen Quantensprung in der irdischen Ausprägung des Reiches Gottes: "Denn in ihm lebt leibhaftig die Fülle alles dessen, was Gott ist" (Ko 2,9). 
Das Neue Testament lehrt zwei scheinbar widersprüchliche Dinge über das Reich Gottes: dass es nahe oder gegenwärtig ist (dieser Vers, 4:17, 12:34; Lk 17:21), und dass es erst noch kommen wird (25:1, Yn 18:36, Apg 1:6-7). Der Theologe George Ladd hat diesen Konflikt hervorgehoben und gelöst, indem er sein Buch über das Reich Gottes "The Presence of the Future" nannte.
Heute kommt das Reich Gottes unmittelbar und wahrhaftig - aber teilweise - zu allen, die ihr Vertrauen auf Jeschua und seine Botschaft setzen und sich damit verpflichten, das heilige Leben zu führen, das Gottes Herrschaft verlangt. Ein Beispiel für die "Teilhaftigkeit" ist, dass sie Frieden in ihren Herzen haben, obwohl es in der Welt keinen Frieden gibt. Aber in der Zukunft, am Ende des gegenwärtigen Zeitalters der Geschichte, wenn Jeschua wiederkommt, wird er das Reich Gottes wahrhaftig und vollständig einführen (Rv 19,6); dann wird Gott den Rest seiner Reichsverheißungen erfüllen. 
Eines der tiefgreifendsten geistlichen Studien, die ein Mensch in der Bibel unternehmen kann, ist das Studium des Reiches Gottes sowohl im Tanach als auch im Neuen Testament. 

Ziatat aus „Stern – Jewish New Testament Commentary : a companion volume to the Jewish New Testament“

„FOLGE MIR“
Markus‘ Bericht über die frohe Botschaft des Messias beginnt in der Wüste, aber er bleibt nicht lange dort; schon bald verfolgt er Jeschuas Schritte zurück nach Galiläa, der dicht besiedelten Heimat seiner Jugend, wo er sein öffentliches Wirken beginnen wird.
   Nachdem Jochanan verhaftet worden war, kam Jeschua nach Galiläa, verkündete die gute Nachricht von Gott und sagte: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen; tut Buße und glaubt an das Evangelium.“ (Markus 1,14-15)

Wie wir gesehen haben, ist das hebräische Wort für „gute Nachricht“ besorah. Es steht in Jesaja 40, einige Verse nach der „Stimme in der Wüste“, die wir in unserem letzten Kapitel betrachtet haben. „Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Verkünder der frohen Botschaft; erhebe deine Stimme mit Kraft, Jerusalem, du Verkünder der frohen Botschaft, erhebe sie, fürchte dich nicht; sage den Städten Judas: Hier ist dein Gott! “ (Jesaja 40,9).

„Herold der frohen Botschaft“ ist ein Wort aus dem Hebräischen, das auf derselben Wurzel wie besorah basiert. Ein Herold ist jemand, der eine königliche Verkündigung bringt, meistens von guten Dingen. Das Wort taucht zweimal in 40,9 und zweimal in 52,7 auf: „Wie schön sind auf den Bergen die Füße des Boten, der Schalom verkündet, der eine gute Nachricht bringt, der das Heil verkündet, der zu Zion sagt: ‚Dein Gott regiert.‘ „In Samuel taucht der Wortstamm wiederholt auf, um einen Bericht zu beschreiben, der in der Regel positiv ist und frisch vom Schlachtfeld kommt (1 Sam 31,9; 2 Sam 1,20; 4,10; 18,19). Wir können uns vorstellen, dass der Herold zum Lager des Königs oder zu einer belagerten Stadt eilt, um zu verkünden, dass soeben ein Sieg errungen wurde, um die Rettung zu verkünden und um zu verkünden, dass der König regiert, wie in Jesaja 52,7. Das Wort taucht in Jesaja 61 wieder auf, in dem Abschnitt, den Jeschua in seiner Heimatsynagoge in Nazareth vorliest und seinen eigenen Dienst ankündigt: „Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt; er hat mich gesandt, damit ich den Bedrängten eine gute Nachricht bringe, damit ich die Zerbrochenen verbinde, damit ich den Gefangenen die Freiheit verkünde und die Entlassenen freilasse …“ (Jesaja 61,1).

Der Kommentator William Lane schreibt, der Inhalt von Besorah sei „ein historisches Ereignis, das eine neue Situation für die Welt einleitet“. Er fährt fort:
    Besonders in Jesaja beziehen sich die hebräischen Begriffe, die „gute Nachricht“ bedeuten, auf die Ankündigung des zukünftigen Heils oder der Zeit des Heils. In diesem Zusammenhang ist die Verkündigung des Heils im Auftrag Gottes selbst ein schöpferischer Akt; sie weiht gewissermaßen die Wirklichkeit ein, von der sie spricht.

Die frohe Botschaft der Umkehr
Eine solche Ankündigung erfordert natürlich eine Antwort, und dieses Element der Besorah wird zu einem wesentlichen Teil ihrer Bedeutung. So verbindet Jeschua seine Verkündigung der frohen Botschaft mit einem Aufruf zur Umkehr: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen; tut Buße und glaubt an die frohe Botschaft“. Dieser Aufruf zur Umkehr steht jedoch nicht allein, sondern führt zu einer weiteren Aufforderung. Unmittelbar nachdem er „Tut Buße!“ gerufen hat. begegnet Jeschua zwei Brüdern, Simon und Andreas, die sich um ihre Fischernetze kümmern. Er sagt zu ihnen: „Folgt mir nach, und ich werde euch dazu bringen, Menschen zu fischen“ (Markus 1,15-17). In seinem parallelen Bericht schildert Matthäus die gleiche Abfolge von Umkehr und Nachfolge, als Jeschua aus der Wüste nach Galiläa zurückkehrt, um seinen Dienst zu beginnen:

    Von diesem Zeitpunkt an begann Jeschua zu verkünden: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ Als er am See Genezareth entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und seinen Bruder Andreas, die ein Netz ins Meer warfen – sie waren Fischer. Und er sagte zu ihnen: „Folgt mir nach, und ich werde euch dazu bringen, Menschen zu fischen.“ (Mt 4,17-19)

Der Ruf zur Umkehr ergeht an alle, und Jeschua wird ihn „von da an“ verkünden. „Folgt mir nach“ ist ein konkreter persönlicher Aufruf, den er jedem Einzelnen gegenüber wiederholen wird. Der Aufruf zur Umkehr wiederholt die Botschaft der hebräischen Propheten, die ausgiebig von der Umkehr, oder wie es im Hebräischen heißt, der Rückkehr, sprachen. Denken Sie zum Beispiel an die Worte von Hosea, auf den wir in unserem nächsten Kapitel zurückkommen werden:

   Kommt, lasst uns umkehren zum Herrn; denn er hat uns zerrissen, und er wird uns heilen; er hat uns geschlagen, und er wird uns verbinden. (Hos. 6:1)
    Du aber kehre um zu deinem Gott, halte fest an der Liebe und an der Gerechtigkeit und warte immer auf deinen Gott. (Hos. 12:7 [Hos. 12:6 in christlichen Bibeln2])
   Kehre um, Israel, zum HERRN, deinem Gott; denn du bist gestrauchelt wegen deiner Missetat. Nimm Worte mit dir und kehre zum HERRN zurück; sprich zu ihm: „Nimm alle Schuld weg; nimm an, was gut ist, und wir wollen die Frucht unserer Lippen darbringen.“ (Hos. 14:2-3 [Hos. 14:1-2])

Die Umkehr ist eine wesentliche jüdische Botschaft und ein wesentlicher Bestandteil der guten Nachricht, die Jeschua verkündet. Es kann keinen echten Glauben und keine echte Antwort auf Gott geben, wenn wir uns nicht von unserem alten Verhalten abwenden und ein neues Verhalten annehmen. Der griechische Begriff für Umkehr ist metanoia, was wörtlich mit „Sinneswandel“ übersetzt werden kann. Bibelstudenten denken manchmal, dass es sich um einen Sinneswandel handelt, der zu einer Änderung des Verhaltens führt. Aber im hebräischen Text und in der daraus abgeleiteten jüdischen Sichtweise konzentriert sich die Buße auf die Änderung des Verhaltens selbst. Wenn wir dem jüdischen Jesus folgen wollen, müssen wir bereit sein, unser Verhalten zu überdenken und nicht nur unsere Überzeugungen zu ändern.

Die umgestaltende Ethik Jesu ist eine Lebensweise, die wir nicht nur diskutieren, sondern der wir folgen sollen. Jeschua unterscheidet immer wieder zwischen Nachfolgern und Anhängern – jenen, die sich zum Glauben an Jeschua bekennen, aber wenig Anzeichen dafür geben, dass sie in seine Fußstapfen treten wollen. Der Unterschied zwischen Anhängern und Nachfolgern zieht sich in der Tat durch die gesamte Geschichte seit den Tagen des Messias. Einer der wichtigsten jüdischen Einwände gegen Jeschua als Messias lautet: „Die Propheten sagen, dass, wenn der Messias kommt, Frieden auf Erden herrschen wird, dass Gerechtigkeit herrschen wird und dass die ganze Menschheit den wahren Gott anbeten wird. Nichts von alledem ist geschehen, also ist der Messias offensichtlich noch nicht gekommen, und deshalb kann Jesus nicht der Messias sein.“ Um den Titel dieses Buches aufzugreifen, könnten wir diesen Einwand so umschreiben: „Die Propheten sagen, dass der Messias, wenn er kommt, eine göttliche Umkehrung der Bedingungen dieses Zeitalters bringen wird, um wahren Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen.“

Wenn wir dieses traditionelle jüdische Argument genauer untersuchen, können wir einen anderen Argumentationsstrang erkennen. Nicht nur, dass Frieden und Gerechtigkeit noch nicht eingetreten sind, die Anhänger Jesu tragen auch noch zu Unfrieden und Ungerechtigkeit bei, wie jeder andere auch. Eine der größten Persönlichkeiten des mittelalterlichen Judentums, Nachmanides, brachte dieses Argument vor fast siebenhundertfünfzig Jahren vor. „Von den Tagen Jesu bis heute ist die ganze Welt voller Gewalt und Plünderung, und die Christen sind die größten Blutvergiesser unter allen anderen … „


Unter Umkehr versteht Jochanan eindeutig eine Handlung, nicht nur eine veränderte Geisteshaltung. Es bedeutet, sich Gott zuzuwenden und sich von der Sünde abzuwenden – nicht als abstrakter Zustand, sondern als die konkreten hässlichen, falschen Dinge, die wir im wirklichen Leben tun. Seine Antwort auf die Frage „Was sollen wir tun?“ stellt uns direkt in den jüdischen Raum. Jahrhunderte später lehrte einer der Weisen des Talmuds: „Wenn der Mensch zum Gericht geführt wird, wird er gefragt: Hast du treu gehandelt …? (Schab. 31a). Rabbi Telushkin erklärt: „Der Talmud schlägt vor, dass die erste Frage, die das himmlische Gericht jemandem stellt, der gestorben ist, lautet: „Hast du deine Geschäfte ehrlich geführt? “ Ebenso scheint Jochanan von vielen, die zu ihm kommen, um unterzutauchen, zu verlangen, dass sie in ihren finanziellen und beruflichen Geschäften „treu“ handeln. Die Steuereintreiber bleiben Steuereintreiber, und die Soldaten bleiben Soldaten. Umkehr bedeutet, dass sie zu ehrlichen Steuereintreibern und Soldaten werden müssen, was natürlich schwierig genug ist. Im Gegensatz dazu hören wir heute manchmal die frohe Botschaft des Messias so verkündet, als hätte sie überhaupt nichts mit unserem Verhalten zu tun: „Glaubt nur“, wird uns gesagt, mit dem Hinweis, dass der Glaube eine rein innerliche Angelegenheit ist.

Resnik – Divine Reversal: Die transformierende Ethik von Jesus

Doch was war nun der Inhalt der Predigt Jesu? Markus hat uns nur wenige Stichworte und Kernsätze aufgeschrieben. Das erste Stichwort lautet: »das Evangelium Gottes« (Mk 1, 14). Offensichtlich ist damit gemeint, dass jetzt die frohe Botschaft von Jes 52,7 auf der Tagesordnung steht. »Gott« selbst hat ihn, Jesus, gesandt, um diese frohe Botschaft (griech. »euangelion«) zu verkündigen. Beachten wir, dass es hier heißt, »er predigte« oder »er machte bekannt« (nach dem Vorbild eines Herolds). Jesus legte also nicht nur Jes 52,7 und ähnliche Stellen aus, sondern sagte: »Heute fängt es damit an« (vgl. Lk 4,21), »die messianische Endzeit beginnt jetzt – mit mir!« In diese Kerbe schlägt auch die Fortsetzung: »Die Zeit ist erfüllt« (Mk 1, 15). Was für eine Kühnheit! Jesus beansprucht hier, dass er die Stunde auf Gottes Uhr richtig erkannt habe. Er setzt voraus, dass es einen göttlichen Heilsplan mit ganz bestimmten »Zeiten« gibt. Das ist übrigens die Aussage der ganzen Bibel (vgl. Dan 2,36ff.; Dan 7,16ff.; Dan 9,24ff.; Apg 3,20; Gal 4,4; 1 Thess 5,1ff.; Offb 1,1-3). Gerade jetzt, sagt Jesus, ist »die Zeit erfüllt«, dass der längst verheißene Messias auftritt und das Werk der Erlösung in Gang gesetzt wird.
Wir sollten hier einen Augenblick stehen bleiben und die Bedeutung dieses Satzes für unser eigenes Leben bedenken. Nicht immer ist für alles »Zeit«. Man sollte z. B. seine Bekehrung nicht aufschieben. Wer weiß, ob Gott noch einmal so mächtig in unserem Leben redet (vgl. Hiob 33,29; Hebr 3,7ff.)? Es gibt auch sehr verschiedene Zeiten, in denen geistlich einmal das eine und einmal das andere dran ist. Es gibt die guten und die bösen Tage (Ps 27,5; Pred 7,14; 12,1). Hoffentlich geht es uns nicht wie Jerusalem, über das Jesus klagte: »Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient!« (Lk 19,42).
Zurück zur Predigt Jesu. Sie enthält die weitere Aussage: »Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.« Die Lutherbibel (Fassung 1984) stimmt hier nicht, wenn sie übersetzt: »Das Reich Gottes ist herbeigekommen«. Vielmehr muss es heißen: »Es hat sich genähert«, »es ist nahe herbeigekommen«. Was also meint Jesus? Er bringt zum Ausdruck, dass »Gottes Reich« ganz nahe ist. Es beginnt schon mit ihm (Lk 17,21). Aber es vollendet sich jetzt noch nicht. Denn es steht ja noch seine Wiederkunft aus, es stehen auch das Jüngste Gericht und die Neuschöpfung aus. Mit anderen Worten: Seit Jesus leben wir im beginnenden Reich, aber noch nicht im vollendeten Reich. Deshalb beten wir nach wie vor: »Dein Reich komme.« Doch was ist »das Reich Gottes«? Das ist nichts, was Menschen machen, sondern dies ist Gottes Herrschaft, die das Böse besiegt und ausschaltet. Diese Aufrichtung der Herrschaft Gottes geschieht jetzt in einer geistlichen Weise, und zwar in der Form, dass Menschen zum Glauben kommen und sich als Angehörige des Reiches Gottes in der Gemeinde Jesu sammeln. Die Aufrichtung der Herrschaft Gottes geschieht aber am Ende der Geschichte auch in einer sichtbaren Weise, und zwar so, dass Jesus den Antichrist und den Teufel sichtbar besiegt und ausschaltet, das Weltgericht hält und danach der dreieinige Gott die neue Schöpfung heraufführt, in der alle Erlösten leben.
Aus dieser Nähe des Reiches Gottes zieht Jesus die Konsequenz für die Hörer: »Kehrt um und glaubt dem Evangelium!« (Mk 1, 15). Manche übersetzen auch: »glaubt an das Evangelium!« (Mk 1, 15), andere übersetzen: »Glaubt auf Grund des Evangeliums« oder »in der Sphäre des Evangeliums« oder »glaubt, wenn das Evangelium erschallt«. Die griech. Grammatik legt jedoch die Übersetzung »glaubt dem Evangelium« bzw. »setzt euer Vertrauen auf das Evangelium« nahe.

»Kehrt um!« oder »Bekehrt euch!« – wie oft schon erschallte dieser Ruf in Israels Geschichte: bei Samuel (1 Sam 7,3), bei Salomo (1.Kö 8,33ff.), bei den späteren Propheten (Jes 55,7; Jer 4,1ff.; Hes 18,32; Hos 14,2; Joel 2,12; Am 4,6ff.; Sach 1,3ff.; Mal 3,7) und zuletzt beim Täufer (Mt 3,2). Jesus steht also in der Linie der Propheten, wenn er so predigt. »Kehrt um« heißt im Hebr. eigentlich: »Wendet euch um (vom falschen Weg)«, und im Griech.
»Verändert eure ganze Gesinnung«. Deshalb ist die Übersetzung »Tut Buße« viel zu eng. Man könnte ja dieses »Tut Buße« so verstehen, als müsse man einfach für bestimmte Fehlleistungen Reue empfinden, eventuell Schadensersatz leisten. Die Bibel meint aber eine totale Veränderung des gesamten Lebens. Es soll sich in Zukunft ganz auf Gott richten, statt auf die eigenen Wünsche oder auf die Götzen.
»Kehrt um!« Das sagt Jesus innerhalb Israels. Die Angesprochenen waren bereits Mitglieder der Gemeinde Israel. Müssen sich also auch Mitglieder der Gemeinde noch bekehren? Ja, wenn sie bisher nur im formalen Sinne Mitglieder waren. Das gilt auch für Christen, sofern sie nur namensmäßig Christen sind, aber nicht wesensmäßig wiedergeboren durch den Heiligen Geist.
Jesus lädt mit Nachdruck zur Alternative ein: »Glaubt dem Evangelium!«, »Vertraut der frohen Botschaft!« Wer das tut, der braucht keine Angst vor dem Jüngsten Gericht mehr zu haben. Er weiß, dass er in Gottes Reich dabeisein und ewiges Leben haben wird. Weil Jesus als der Messias selbst das Evangelium verkörpert, ist der Ruf »Glaubt dem Evangelium!« zugleich der Ruf: »Glaubt an mich!«
Dieses »Evangelium« bleibt dasselbe, bis Jesus wiederkommt (vgl. Mk 8,35; 10,29; 13,10; Mt 24,14; 1 Kor 15,1ff.). Wer ein anderes Evangelium predigt, wird von Paulus verflucht (Gal 1,8ff.). Als Christen können wir also das Evangelium weder »verändern« noch »fortschreiben«.
Bedenkt man Mk 1,14-15, dann wird deutlich, worum es Jesus ging. Es ging ihm um Bekehrung, Glauben und Aufnahme ins ewige Gottesreich. Wer in der heutigen Zeit erfassen will, was das alles heißt, der wird auch die Frage stellen müssen, worum es Jesus nicht ging. Es ging ihm nicht um ein politisches messianisches Reich. Es ging ihm nicht um die Veränderung der sozialen Umstände durch humanitär-soziale Aktionen. Es ging ihm also auch nicht um den Kampf gegen die Römer, den viele vom Messias erwarteten. Jesus wusste um die Probleme dieser Welt. Aber er sah die Lösung dieser Probleme in der Erlösung: nämlich in der Erlösung von Sünde, Tod und Teufel durch seinen Sühnetod und durch den Glauben, der sich an Jesus anschließt und Jesus als Gottessohn und Messias bekennt.

Edition C

Kann ich nur das glauben, was ich sehe ?

Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und geglaubt haben!
Elberfelder 1871 – Joh 20,29

Jesus sagte zu ihm: »Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Freuen dürfen sich alle, die mich nicht sehen und trotzdem glauben!«
Gute Nachricht Bibel 2000 – Joh 20,29

Thomas sagte zu ihm: »Mein Herr und mein Gott!« 29 Jesus erwiderte: »Jetzt, wo du mich gesehen hast, glaubst du.l Glücklich zu nennen sind die, die nicht sehen und trotzdem glauben.«
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Johannes 20,28–29

Jesus’ Reaktion war nur: „Tja, du glaubst das jetzt, weil du das mit deinen eigenen Augen sehen konntest. Gut drauf kommen die, die das nicht können, es aber trotzdem glauben!“
VolxBibel- Johannes 20:29

Meine Frau hat für den Hauskreis „Werbung bei FB“ geschaltet. Ein Willi E* schrieb als Reaktion: „Armselig an so einen Scheiß zu Glauben“. Nunja, wenn es nur Glauben wäre – aber wir sind davon überzeugt! Uns geht es ähnlich wie dem Apostel Thomas in dem obrigen Zitat. Er hatte gesehen, wie Jesus festgenommen wurde. Er hatte bis dahin geglaubt, dass Jesus der verheißene Messias wäre. Dann hatte er die Verurteilung und die Hinrichtung von weitem mitbekommen. Er hatte mitbekommen, wie Jesus mißhandelt wurde, und hatte davon gehört, dass man ihn kaum noch wiedererkennen konnte. Das Grab war REAL!
Und dann die Behauptungen von einigen Frauen, und später von den anderen Aposteln, sie hätten diesen Menschen gesehen – und zwar auferweckt! Wer sollte DAS glauben? Wie sollte jemand, der so zugerichtet war, wieder leben? Ja, spöter, in der Auferstehung der Toten … da, ja, vielleicht. Aber jetzt? Und dann DAS was du oben lesen kannst – in Johannes 20 aufgeschrieben: Jesus erscheint und spricht mit Thomas! Und nein, es ging nicht um die Frage, ob Thomas glaubte, ob Jesus der Messias sei, sondern ob Jesus schon jetzt auferstanden sei und welche Person ER wirklich war! Wäre Jesus mit seinen Peitschenwunden im Gesicht und am ganzen Körper erschienen – dann wäre Thomas wahrscheinlich nicht so verwirrt gewesen! Aber Jesus war „gesund und munter“ nur seine Hand- und Seitenwunden zeigten, dass ER es ist! Nun war Thomas überzeugt, ja er glaubte, dass Jesus auferweckt wurde UND dass er der „Engel des Herrn“, der „Engel Jehovahs“ des AT war! Was für eine Überraschung für Thomas.
Glaubst du das?
Wenn nein, hast du wahrscheinlich noch nie Erfahrungen mit IHM gemacht. Denn wenn du Erfahrungen mit IHM gemacht hast, kannst du nicht mehr „glauben“ wie es heute gemeint ist – dann bist du davon überzeugt, dass es IHN gibt, und dass ER REAL ist.

In Johannes 20:26 heißt es: Und nach acht Tagen waren wieder seine Jünger drinnen, und Thomas mit ihnen.
Eine ganze Woche war zwischen der fünften und sechsten Erscheinung des auferstandenen Messias vergangen. Weil Thomas sich weigerte zu glauben, waren sie eine Woche später immer noch in Jerusalem; sie waren immer noch nicht nach Galiläa gewandert, wie es ihnen bei drei Gelegenheiten befohlen worden war.
Plötzlich erschien Jeschua und sprach direkt zu Thomas. Johannes 20:27 berichtet: … Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände; und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite; und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.
Schließlich hatte Thomas den auferstandenen Messias gesehen. Hat er geglaubt? Ja, in der Tat!
In Johannes 20,28 antwortet Thomas mit den Worten: … Mein Herr und mein Gott.
Er erkannte Jesus nicht nur als seinen Herrn und Messias, sondern auch als seinen Gott. Thomas erkannte deutlich, dass der Messias sowohl Gott als auch Mensch sein sollte. Er wurde ein fester Gläubiger, weil er den auferstandenen Messias gesehen hatte. Oft glauben Menschen, dass die Jünger einen viel größeren Segen hatten, weil sie tatsächlich sehen konnten, was geschehen war. Aber das ist einfach nicht wahr.
Jeschua selbst sagte in Johannes 20:29: … Weil ihr mich gesehen habt, habt ihr geglaubt; selig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben.
Der weitaus größere Segen ist es, auf der Grundlage des geschriebenen Wortes Gottes zu glauben, als auf der Grundlage persönlicher Erfahrung. Diejenigen, die den auferstandenen Messias nicht gesehen haben, aber trotzdem glauben, haben den größeren Segen.
Die Aussage des Thomas zu Jesus: „Mein Herr und mein Gott“, erreicht den Höhepunkt im Johannesevangelium. Johannes‘ Thema in seinem gesamten Evangelium war: Jesus, der Messias, der Sohn Gottes. Er betonte die Gottheit des Messias. Thomas‘ Bekenntnis „Mein Herr und mein Gott“ passt genau in das Thema des Johannes, und so wird der Höhepunkt erreicht.
So zieht Johannes seine Schlussfolgerung in Johannes 20,30-31: „Viele andere Zeichen aber tat Jesus vor den Augen der Jünger, die nicht geschrieben sind in diesem Buch; diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr glaubend das Leben habt in seinem Namen.
Mit dem Bekenntnis des Thomas hatte Johannes seine Schlussfolgerung erreicht. Die Aussage von Thomas illustriert den Zweck des Johannesevangeliums: zu zeigen, dass Jeschua tatsächlich der Sohn Gottes ist.

Arnold Fruchtenbaum – Die Auferstehung des Messias