Autor: Thomas

Wer mich liebt, wird von meinem Vater geliebt

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbar machen.
Elberfelder 1871 – Johannes 14,21

Wer Meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der Mich liebt, und wer Mich liebt, der wird von Meinem Vater geliebt werden, und Ich werde ihn lieben und Mich ihm offenbaren. Joh 14,15; 15,23; 12,26
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Johannes 14:21

Wer meine Anweisungen erhalten hat und sie in die Tat umsetzt, der zeigt damit, dass er mich wirklich liebt. Und wer mich liebt, der wird die Liebe meines Vaters erfahren. Und ich werde diesem Menschen meine Liebe zeigen. Ja, ich werde mich ihm selbst zu erkennen geben.
Roland Werner – Das Buch – Johannes 14,21

Der, der im Besitz meiner Anweisungen ist und sie befolgt, jener ist der, der in Hingabe für mich lebt. Wer mir aber Liebe erweist, wird von meinem Vater geliebt werden und so werde auch ich in Liebe für ihn da sein und mich ihm persönlich.
Andreas Eichberger – Gottes Agenda – Johannes 14:21

Es geht hier um die Worte Jesu, und nicht um neuzeitliche Ausleger! Wer die Worte Jesu beherzigt, zeigt so, dass er Jesus und damit auch den Vater liebt. Aber Jehovah möchte eine persönliche Beziehung und nicht, dass wir einer Organisation folgen.

Wird von meinem Vater geliebt, Gottes Liebe zu Israel wird in zahlreichen Quellen ausgeführt, z.B. in Dtn 23,6; 1Chr 17,13; daneben wird das gesamte Hohelied als Liebeslied zwischen Gott und Israel verstanden (z.B. SchirR).

Das Neue Testament – jüdisch erklärt

Die christliche Liebe zeigt sich am Gehorsam der Gläubigen gegenüber den Geboten des Herrn (vgl. V. 15.23). Die Belohnung für diese Liebe wird groß sein: (a) der Vater wird den Gläubigen seine Liebe zeigen (vgl. V. 23), und (b) der Sohn wird sie lieben und sich ihnen offenbaren. Diese Textstelle will nicht der Werkgerechtigkeit das Wort reden. Sie besagt vielmehr, daß ein Mensch, der Christi Worte liebt und ihnen gehorcht, vom Herrn geliebt wird. Der rettende Glaube führt zum Gehorsam (vgl. „den Gehorsam des Glaubens“, Röm 1,5).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Gerade damit unser Ungehorsam Jesus nicht vertreibt, wird in V. 21 gesagt: »Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.« »Lieben« ist wie in V. 15 ein Ausdruck für die umfassende Gemeinschaft mit Jesus. Jesusgemeinschaft aber fordert, dass der Jünger Jesu »Gebote hat und sie hält«. Zum »Halten der Gebote« vgl. ebenfalls die Erklärung bei V. 15. Neu steht hier der Ausdruck: »meine Gebote hat«. »Haben« ist hier so viel wie besitzen, »zur Hand haben«, »anvertraut bekommen haben« und »in sich haben« (so nach dem griechischen Wortsinn). Ein Jünger ist also jemand, der Jesu Gebote akzeptiert und empfangen hat und sie nun »intus« hat. Eine interessante Perspektive! Wieder zeigt sich, dass Geistempfang und Gehorsam nicht voneinander zu trennen sind. Und ganz deutlich ist zu sagen, dass Jesu Wort gerade bei denen verbindlich bleibt (»Gebote«!), die im Heiligen Geist leben. Der Heilige Geist schafft die Gebote nicht ab und überspringt auch nicht die Bibel.

Dort, wo man weder schwärmerisch lebt noch das Gebot Jesu abschafft (vgl. Eph 1,13; 4,30), bildet sich eine immer tiefer werdende Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn im Heiligen Geist: »Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und ihm mich offenbaren« (vgl. später Joh 14,23; 16,27; 17,23). Von der Jesusliebe geht es weiter zum Geliebtsein vom Vater und vom Sohn. Nur der Schluss klingt rätselhaft. Was heißt: »Und ich werde ihm mich offenbaren«? Für »offenbaren« steht im Griechischen ein Wort, das sowohl das »sichtbar werden« als auch das innere »offenbaren« ausdrücken kann. Deuten wir aus dem Zusammenhang heraus, wo ja eben vom Kommen im Geist (V. 18) und vom Sehen im Geist (V. 19) die Rede war, dann liegt nahe, dieses »mich offenbaren« ebenfalls auf das Kommen Jesu im Heiligen Geist zu beziehen. Das braucht aber den Doppelsinn nicht auszuschließen, wonach sich Jesus auch gleich nach der Auferstehung den Jüngern »offenbart« (dasselbe griechische Wort in Mt 27,53 »erschienen«!). Handelt es sich aber vor allem um das Kommen Jesu im Geist, dann ist V. 21 geradezu ein Hinweis auf die göttliche Dreieinigkeit. Denn dann erlebt der Jünger die Begegnung mit dem Vater (»von meinem Vater geliebt«), mit dem Sohn (»und auch ich werde ihn lieben«) und mit dem Heiligen Geist (»und ihm mich offenbaren«: nämlich im Geist).

Gerhard Maier – Edition C

Der Zusammenhang zwischen Liebe und Seinen Geboten ist hier etwas verschieden. In V.15 ist Liebe die Bedingung, um Seine Gebote zu halten; hier ist das Halten der Gebote die Bedingung, damit Liebe gezeigt werde. Die Liebe des Gläubigen zu Christus hat eine ganze Reihe von Ergebnissen. Er wird erstens vom Vater geliebt werden. Dies ist offenkundig nicht die im Evangelium geoffenbarte Liebe, welche dem bußfertigen Sünder das Heil bereitet. Es ist vielmehr die Offenbarung des göttlichen Wohlgefallens über einen Gläubigen seines neuen Lebens in Christo wegen. Ein solcher Gläubiger wird zweitens vom Sohn geliebt werden. Dies ist wiederum nicht die Liebe Christi gemäß dem Evangelium, welche Paulus so ausdrückt: „Der Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20). Es ist vielmehr die darauf folgende, nie endende Liebe, „die die Erkenntnis übersteigende Liebe Christi“ (Eph 3,19). Drittens wird sich der Sohn einem solchen Gläubigen „offenbar machen“. Dies ist nicht eine Offenbarung des auferstandenen Herrn, da diese Liebe jedem Gläubigen persönlich gilt. Es geht vielmehr um eine beständige Kundgebung durch das ganze Leben eines Gläubigen hindurch. Sie geschieht durch den Heiligen Geist, der Seine Liebe in unsere Herzen ausgegossen hat (Röm 5,5).

Es stimmt, daß wir Ihn lieben, weil Er uns zuerst geliebt hat (1Jo 4,19). Das ist die Liebe Christi, wie sie sich im Evangelium zum Heil manifestierte – eine Liebe, die zuerst da war. Aber in unserem Vers lehrte der Herr das umgekehrte: Wenn wir Ihn lieben, werden wir vom Vater und vom Sohn geliebt werden. Dies bezieht sich auf das nachfolgende Christenleben, das die göttliche Liebe hervorruft im Wohlgefallen über eine bereits errettete Seele.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Es ist gut, wenn ihr den prophetischen Worten Aufmerksamkeit schenkt

Und so besitzen wir das prophetische Wort befestigt, (W. haben wir… befestigter) auf welches zu achten ihr wohl tut, als auf eine Lampe, welche an einem dunklen Orte leuchtet, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen;
Elberfelder 1871 – 2.Petrus 1,19

Dadurch wissen wir nun noch sicherer, dass die Voraussagen der Propheten* zuverlässig sind, und ihr tut gut daran, auf sie zu achten. Ihre Botschaft ist für euch wie eine Lampe, die in der Dunkelheit brennt, bis der Tag anbricht und das Licht des Morgensterns* eure Herzen hell macht.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 2.Petrus 1:19

Darüber hinaus haben wir die Botschaft der Propheten, die durch und durch zuverlässig ist. Ihr tut gut daran, euch an sie zu halten, denn sie ist wie eine Lampe, die an einem dunklen Ort scheint. Haltet euch an diese Botschaft, bis der Tag anbricht und das Licht des Morgensterns es in euren Herzen hell werden lässt.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 2.Petrus 1,19

Wollte Petrus, dass wir unser Augenmerk auf die aktuelle Politik richten? Sehen wir uns die Verse genauer an, stellen wir fest, dass Petrus auf Jesus schaute – und nicht auf die politische Welt seiner Tage. Da aber Christen der letzten 2000 Jahre immer wieder anstatt auf Christus zu schauen, auf die Weltsituation schauen, glaubten Christen immer wieder, dass der „Tag des Herrn“ unmittelbar bevorstehen würde.

die Botschaft der Propheten, die durch und durch zuverlässig ist Das prophetische Wort der Heiligen Schrift kann hier als ein noch verlässlicherer Prüfstein angesehen werden als die spektakuläre Erfahrung der Verklärung durch die Augenzeugen. Es ist besser den griechischen Begriff (bẹbaios) „durch und durch zuverlässig“ hier nicht als Komparativ, sondern mit superlativer Bedeutung zu verstehen („absolut sicher“, „garantiert“), sodass das verlässliche Augenzeugenbekenntnis der Apostel auf derselben Ebene steht wie das verlässliche Zeugnis der Heiligen Schrift. Sowohl das apostolische Zeugnis als auch das Schriftzeugnis sind absolut verlässlich. In der Tat verleiht das apostolische Zeugnis des NTs, welches das prophetische Wort des ATs bestätigt, eine noch größere Gewissheit, dass die Propheten und Apostel beide zusammen die Wahrheit verlässlich bezeugen.

des Morgensterns Dieser Ausdruck spielt wahrscheinlich auf 4.Mose 24,17 an, eine Passage, die messianisch verstanden wurde (Offb 2,28; 22,16). Wenn dies stimmt, dann bezieht sich das Bild auf Christus bei seiner Wiederkunft.

in euren Herzen hell werden lässt Dies ist ein schwierige Passage, denn der Ausdruck „der Tag anbricht“ und „das Licht des Morgensterns“ beziehen sich offensichtlich beide auf die Wiederkunft Christi, ein äußerliches Ereignis. Petrus bezieht sich hier wahrscheinlich auf die Auswirkungen der umfassenden Offenbarung für die Gläubigen, welche die Wiederkunft Christi begleiten werden. Seine Leser sollen dem sicheren „prophetischen Wort“ Aufmerksamkeit schenken, bis zu dem Tag, wenn das Wort durch die zukünftige umfassende Offenbarung übertroffen werden wird.

Reformations-Studien-Bibel

Die Autorität der Prophetie 19 Prophetisches Wort, es ist nicht klar, ob der Autor sich auf Prophetien des Tanach bezieht, die Jesus erfüllt hat, oder auf eine Botschaft Gottes durch den Heiligen Geist (wie etwa in V. 21). Ein Licht, das da scheint, Mt 5,15 (in Bezug auf die Jünger); 6,22–23; Joh 5,35. Bis der Tag anbricht, wahrscheinlich ein Verweis auf den Jüngsten Tag (vgl. 2Petr 2,9; 3,7). Morgenstern, nur hier gr. phōsphoros. In Offb 2,28; 22,16 bezieht sich Morgenstern auf Jesus, wobei andere gr. Begriffe gebraucht werden.

Das Neue Testament – jüdisch erklärt

Die Prophetie wird dadurch, dass sie bereits teilweise erfüllt ist, »fester« gemacht. Die erfüllte Prophetie ist ein Beweis für die Inspiration, weil die Voraussagen zukünftiger Ereignisse in der Heiligen Schrift so lange Zeit vor dem Eintreten dieser Ereignisse ausgesprochen wurden, dass Scharfsinn oder Voraussehen des Menschen sie nie hätten vorauswissen können – diese Voraussagen sind bis ins Kleinste so genau, so bestimmt und einzigartig, dass es ausgeschlossen ist, sie einfach als glückliches Rätselraten zu bezeichnen. Hunderte von Voraussagen über Israel, über das Land Kanaan, über Babel, Assyrien, Ägypten und über eine große Anzahl von Personen sind so alt, so genau, scheinbar so unmöglich und doch so einzigartig und bestimmt, dass kein Sterblicher sie hätte Voraussagen können. Sie wurden durch die Elemente oder durch Menschen erfüllt, die sie gar nicht kannten oder sie überhaupt nicht glaubten oder die sogar mit rasender Verzweiflung kämpften, um ihre Erfüllung zu verhindern. Es ist also gewiss, dass die Schriften, die sie enthalten, inspiriert sind.

Scofield-Bibel

Während Petrus von diesem unvergeßlichen Erlebnis auf dem Berg der Verklärung sprach, kam ihm das andere Wort Gottes, das geschriebene Wort, wie es von den Propheten verkündet wurde, in den Sinn. Ja, Gottes Stimme auf dem Berg machte das prophetische Wort … um so fester (bebaioteron; vgl. bebaian, V. 10), denn die Verklärung war ein Vorgeschmack auf die Erfüllung der alttestamentlichen Weissagungen. Sowohl die Propheten als auch die Verklärung waren Hinweise auf das Reich Jesu auf Erden.
In mahnender Form weist Petrus seine Leser sodann darauf hin, wie sie zum Verständnis des Wortes Gottes finden können: „Ihr tut gut daran, daß ihr darauf achtet.“ Als ein Licht hat Gottes geschriebenes Wort Gültigkeit und Autorität. In der heutigen empiristisch orientierten Gesellschaft versuchen viele Menschen – darunter auch manche Christen -, die Wahrheit nach dem zu beurteilen, was Gott in ihrem Leben getan hat. Doch für den Apostel verblaßt der Glanz seiner eigenen Erfahrung (bei der Verklärung) angesichts der Sicherheit der aufgeschriebenen Offenbarung der Propheten.
Petrus spricht von dem „Licht“ (V. 19) und von der „Weissagung“ (V. 20), die „getrieben von dem Heiligen Geist“ (V. 21) niedergeschrieben wurde. Die Prophetie des Alten Testaments ist wie ein Licht inmitten der Düsternis eines verwahrlosten Zimmers. Gottes prophetisches Wort ist ein Licht (lychnO, „eine brennende Öllampe“; vgl. Ps 119,105), das da scheint an einem dunklen Ort. Auch wenn die Welt von der Sünde verdunkelt ist (vgl. Jes 9,1; Eph 6,12), so erhellt doch Gottes in die Zukunft weisendes Wort den Gläubigen den Weg. Doch der Tag (der Wiederkehr Christi; Röm 13,12) wird kommen. Am Tag braucht man keine Lampen mehr. Eine Lampe ist nichts, verglichen mit dem Morgenstern (phOsphoros, „Lichtbringer“; das Wort kommt nur an dieser einen Stelle im Neuen Testament vor). So wie eine Lampe bei Nacht ein Vorgeschmack des hellen Morgensterns ist, der sie überstrahlt, wenn er aufgeht, so ist die Prophetie des Alten Testaments ein Vorgeschmack des Kommens Christi, „des hellen Morgensterns“ (astEr; Offb 22,16). Bis er kommt, müssen die Gläubigen ihre Herzen von der Heiligen Schrift erleuchten lassen (auch wenn dieses Licht der Schrift an jenem Tag von der Erkenntnis, die dann in ihren Herzen aufgehen wird, weit überstrahlt wird).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Die Verklärung sollte dem prophetischen Wort der Heiligen Schrift zusätzlich Gewicht verleihen. Dieses Erlebnis der drei Jünger prägte ihnen die Echtheit der alttestamentlichen Schriften ein. Wenn sie je Hilfe oder Beweis brauchten, würde diese Offenbarung wertvoll sein. Die Prophezeiungen von alters her sind für immer gültig und gehen wahrheitsgemäß sowie untrüglich in Erfüllung. Petrus gebrauchte, wenn er Christus verkündigte, sehr häufig alttestamentliche Zitate. Das Alte Testament konnte nicht gewisser werden, außer in den Gedanken der Lernenden und Jünger. Die Propheten waren so vertrauenswürdig wie die Apostel des Neuen Testaments.
  Die Metapher von der Schrift als Lampe, die ihre Strahlen in einen dunklen, trüben Raum sendet, war bekannt; vgl. Ps 119,105 .Das Licht bringt den Schmutz zum Vorschein und beseitigt die Finsternis. Daher müssen wir die Schrift benutzen und im Licht ihrer Wahrheit wandeln.
  „Bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe“ – beides hilft uns bei der Vergegenwärtigung der Finsternis dieses jetzigen und des Lichtes des kommenden Zeitalters. Alttestamentliche Propheten wiesen ständig nach vorn, wobei das letzte Buch im Alten Testament (Mal 4,2) von der Sonne der Gerechtigkeit spricht, die aufgehen wird, um die Dunkelheit der Nacht zu vertreiben. Damit müssen wir bis zu jenem Ereignis unsere Hoffnung aus der Schrift schöpfen und den Morgenstern erwarten, der den neuen Tag voller Licht ankündigt. Die alttestamentlichen Schriften scheinen wie eine Lampe in der Dunkelheit, und ein neues Zeitalter wird anbrechen, wenn der Messias mit Macht kommt. Das Bild des Sternes ist im Alten Testament bekannt (4Mo 24,17) und setzt sich im Neuen Testament fort; vgl. Lk 1,78; Eph 5,14; Offb 2,28;22,16 .Unsere Elberfelder Bibel läßt daran denken, daß der Tag anbricht und der Morgenstern in unseren Herzen aufgeht. Es ist besser, das Ereignis nicht zu vergeistigen, als ob er in unseren jämmerlichen Herzen Platz finden könnte. Die Wendung „in euren Herzen“ sollte an die Bemühung angegliedert werden, dieses kommende Ereignis zu beachten oder im Auge zu haben (vgl. Konkordante mit entsprechender Klammersetzung). Obwohl es stimmt, daß das Wunder der sittlichen Umgestaltung in unseren Herzen stattfindet, wenn wir das Alte Testament als Lampe richtig benutzen, kann dies die wahre Erfüllung der Wiederkunft Jesu nicht ersetzen. Dieser Vers verdeutlicht, was die alttestamentlichen Schriften sind, warum sie gegeben wurden und wie sie gebraucht werden sollten.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Offenbarung im Alten Testament ist das zweite der beiden Hauptmittel fürs Wachstum In Vers 19 bezeichnet Petrus das Alte Testament als das festere Wort der Prophetie: wir [besitzen] das prophetische Wort umso fester. Der griechische Text lässt zwei unterschiedliche Übersetzungen zu. Eine Möglichkeit ist: Aufgrund der Stimme, die sie gehört hatten, besitzen sie bezüglich des prophetischen Wortes größere Sicherheit als zuvor. Das wäre allerdings nicht die beste Übersetzung. Die zweite Möglichkeit ist: Das Wort der Prophetie ist eine festere Bestätigung der Wahrheit Gottes als die Stimme aus dem Himmel. In anderen Worten: Das Alte Testament ist überzeugender als die Stimme. Denn es gilt immer: Das geschriebene Wort ist gültiger als die eigene Erfahrung. Obwohl Petrus große und bemerkenswerte Erlebnisse vorweisen konnte, da er Zeuge der Verklärung war, ist das niedergeschriebene Wort Gottes eine gültigere Quelle der Autorität als die Erfahrung eines beliebigen Menschen. Auch Petrus’ Erfahrung ist hier mit eingeschlossen. Weil das die Wahrheit ist, tut ihr gut, auf das geschriebene Wort zu achten. Das geschieht dadurch, dass man das Wort betrachtet als eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet. Das ist von größter Bedeutung, weil Gläubige an einem dunklen Ort leben. Gläubige wandeln inmitten einer dunklen Welt, und das einzige Licht des Gläubigen ist das Licht des Wortes Gottes. Nun, so verheißt Petrus, kommt der Tag, an dem das volle Licht der Offenbarung Gottes in eurem Herzen leuchten wird. Dann werden die Gläubigen ihn sehen, wie er ist; und dann wird der Morgenstern aufgehen. Der Morgenstern ist laut Offenbarung 22,16 Jesus selbst. Das griechische Wort bedeutet ebenfalls »Morgenstern«. Der Zeitpunkt für diese Fülle des Lichts ist das Zweite Kommen: bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht. Mit anderen Worten: Die Fülle des Lichts erscheint nicht vor Anbruch des Tages seiner Zweiten Ankunft. (Eine ähnliche Aussage findet sich in Römer 13 Vers 12.) Gläubige müssen auf die prophetischen Schriften achten, bis das Licht der parousia – das Licht des Zweiten Kommens – anbricht. Sie sollen im Lichte des Wortes Gottes wandeln, weil das Alte Testament genauso wie das Neue eine Quelle des Wachstums ist.

Arnold Fruchtenbaum – Die Petrusbriefe

Denn unser Gott ist reich an Güte und Erbarmen.

Der Gesetzlose verlasse seinen Weg und der Mann des Frevels seine Gedanken; und er kehre um zu Jehova, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserem Gott, denn er ist reich an Vergebung.
Elberfelder 1871 – Jesaja 55,7

Der Frevler verlasse seinen Weg,
der Mann des Args seine Planungen,
er kehre um zu IHM,
und er wird sich sein erbarmen,
zu unserem Gott,
denn groß ist er im Verzeihn.
Buber & Rosenzweig – Jesaja 55:7

Wer seine eigenen Wege gegangen ist und sich gegen den HERRN aufgelehnt hat, der lasse von seinen bösen Gedanken und kehre um zum HERRN, damit er ihm vergibt! Denn unser Gott ist reich an Güte und Erbarmen.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Jesaja 55,7

Hast du dich gegen Gott aufgelehnt? Bist du eigene Wege gegangen und eigenen Plänen gefolgt? Dann hör auf damit! Kehr deinem alten Leben den Rücken, und komm zum Herrn! Er wird sich über dich erbarmen. Unser Gott vergibt uns, was auch immer wir getan haben.
Hoffnung für alle – 1996 – Jesaja 55:7

Jehovah verspricht in Jesaja 55 das Versprechen, dass ER dem David gegeben hat, einzulösen – obwohl „sein Volk“ diesen Bund eigentlich gebrochen hatte! Deshalb fordert Jehovah SEIN Volk auf, zu IHM umzukehren!
Die Verse 8 und 9 hatten wir ja schon einmal...

Gottlose … Übeltäter Gott fordert einen lebendigen Glauben, der sich durch Buße und Änderung des Verhaltens zeigt (Jak 2,18; 1.Joh 1,3–5).

Erbarmen … viel Vergebung Der Prophet wiederholt mit großer Unerschrockenheit und Direktheit die Einladung von 1,18.

Reformations-Studien-Bibel

Dies ist eine Ermahnung an den Gottlosen, den Pfad oder Weg, dem er gefolgt ist, und seine eigenen Pläne für sein Leben (seine Gedanken) zu verlassen. Beachte die umgekehrte Reihenfolge von „Gedanken“ und „Wegen“ in V. 8.

CSB Studienbibel

Er will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er lebe. Gott handelt mit uns nicht so, wie wir oft mit unsern Mitmenschen. Wenn er an uns denkt, dann bewegen ihn Barmherzigkeit, Liebe und Mitgefühl. Er sagt: “Wer sich gegen den Herrn aufgelehnt hat, wer seine eigenen Wege gegangen ist, seinen eigenen Plänen gefolgt ist, der soll umkehren und zum Herrn kommen. Der Herr wird ihn wieder annehmen, denn er ist voll Güte und Erbarmen.” Jesaja 55,7. An anderer Stelle heißt es: “Ich habe eure ganze Schuld vergeben; sie ist verschwunden wie der Nebel vor der Sonne.” Jesaja 44,22. Und schließlich läßt Gott uns sagen: “Ich habe keine Freude daran, wenn einer wegen seiner Vergehen sterben muß. Das sage ich, der Herr. Also ändert euch, damit ihr am Leben bleibt!” Hesekiel 18,32. Satan tut alles, um uns Gottes Verheißungen fragwürdig erscheinen zu lassen. Zumindest redet er uns ein, daß wir viel zu sündig seien, als daß wir sie in Anspruch nehmen könnten. Damit will er uns den letzten Funken Hoffnung rauben. Das dürfen wir nicht zulassen. Wenn der Verführer Zweifel sät, sollten wir ihm entgegnen: Jesus ist gestorben, damit ich lebe! Er liebt mich und will nicht, daß ich verlorengehe. Mein himmlischer Vater ist barmherzig. Es stimmt, daß ich seine Liebe oft mißachtet und seine Segnungen mißbraucht habe, aber ich bin trotz allem sein Kind. Und jetzt werde ich zu ihm gehen und sagen: “Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!” Diese Sätze sind dem Gleichnis vom verlorenen Sohn entnommen.

Ellen Gould White – Der bessere Weg zu einem neuen Leben

Die Ermahnung in den Versen 6-7 enthält sowohl einen positiven als auch einen negativen Aspekt. Vers 6 offenbart den positiven Aspekt und zeigt, was die Menschen tun sollen: Sucht Jehova, solange er zu finden ist; ruft ihn an, solange er nahe ist. Jeder soll Gott aktiv anrufen, solange er noch vom Gericht absieht und noch bereit ist, Barmherzigkeit zu gewähren.
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Der negative Aspekt wird in Vers 7 dargestellt: Der Gottlose soll seinen Weg verlassen und der Ungerechte seine Gedanken; er soll sich zu Jehova bekehren, dann wird er sich seiner erbarmen, und zu unserem Gott, denn er wird reichlich verzeihen. Die Bösen und Ungerechten müssen ihre Wege und Gedanken aufgeben. Wenn sie das tun und sich zu Gott bekehren, wird JHWH ihnen gegenüber genauso gnädig sein wie gegenüber David. Er wird ihnen ihre Bosheit und alle Ungerechtigkeit, die dem Moment der Umkehr vorausging, reichlich verzeihen.

In der rabbinischen Theologie ist die Zeit, in der diese Buße möglich ist, der zehntägige Zeitraum zwischen Rosch Haschana (dem Fest der Posaunen) und Jom Kippur (dem Versöhnungstag):
Es gibt immer einen Weg, Gott nahe zu kommen. Die Gemara fragt: Aber steht nicht geschrieben: „Suchet den Herrn, solange er zu finden ist; rufet ihn an, wenn er nahe ist“ (Jesaja 55,6), was bedeutet, dass es Zeiten gibt, in denen er nicht nahe ist und nicht antwortet. Die Gemara antwortet: Dort bezieht sich der Vers auf eine Einzelperson, der Gott nur zu bestimmten Zeiten nahe ist; hier bezieht sich der Vers auf eine Gemeinschaft, der Gott nahe ist, wann immer das Volk nach ihm ruft. § Die Gemara fragt: Wann ist Gott einem einzelnen Menschen nahe? Rabba bar Avuh sagte: Das sind die zehn Tage zwischen Rosch HaSchana und Jom Kippur.

Arnold Fruchtenbaum – Bibelkomentar Jesaja

Umkehr ist der erste Schritt, um Freiheit von Sünde und Konflikt zu erlangen. Buße ist nicht etwas, das wir aus eigener Kraft tun können; sie ist ein Geschenk Gottes, um das wir ständig beten sollten, wodurch er uns von unserer Sünde überführt und uns den Weg zur Freiheit zeigt (2 Timotheus 2,24-26). Reue bedeutet nicht, dass wir uns einfach nur traurig und unwohl fühlen. Sie beinhaltet auch nicht eine bloße Entschuldigung. Umkehr bedeutet buchstäblich, dass wir unsere Denkweise ändern. Daher wird Buße manchmal als „zur Vernunft kommen“ beschrieben (siehe Lukas 15,17; 2 Timotheus 2,25-26). Sie beinhaltet ein Aufwachen zu der Tatsache, dass wir uns selbst getäuscht haben und dass unsere Ideen, Einstellungen, Werte oder Ziele falsch waren. Wenn diese Veränderung im Denken echt ist, wird sie zu einer Abkehr von der Sünde und einer Hinwendung zu Gott führen (Hesek. 14,6; Apostelgeschichte 3,19). Dieser Vorgang wird in Jesaja 55,7 beschrieben: „Der Gottlose lasse ab von seinem Weg und der Böse von seinen Gedanken. Er soll sich zum HERRN BEKEHREN, und er wird sich seiner erbarmen, und zu unserem Gott, denn er wird gnädig sein.“

Obwohl Reue oft von Reue begleitet wird, beweist das bloße Gefühl, schlecht zu sein, nicht, dass man reumütig ist. In der Tat gibt es einen großen Unterschied zwischen bloßer Reue und echter Reue. Wie Paulus den Korinthern erklärte: „Ich freue mich nicht, weil ihr bereut habt, sondern weil eure Reue euch zur Umkehr geführt hat…. göttliche Reue bringt Umkehr, die zum Heil führt und keine Reue hinterlässt, weltliche Reue aber bringt den Tod“ (2 Korinther 7,9-10).
Weltliches Bedauern bedeutet, sich traurig zu fühlen, weil man dabei erwischt wurde, etwas Falsches zu tun, oder weil man die unangenehmen Folgen seiner Handlungen erleiden muss, wie z. B. finanzielle Verluste, eine zerbrochene Ehe, einen beschädigten Ruf oder nagende Schuldgefühle. Jeder normale Mensch wird Reue empfinden, wenn er mit diesen unangenehmen Umständen konfrontiert wird. Doch schon bald vergeht die weltliche Trauer, und die meisten Menschen beginnen, sich genauso zu verhalten wie zuvor. Anstatt ihr Denken und Verhalten zu ändern, bemühen sie sich einfach mehr, nicht wieder erwischt zu werden. Diese Art der begrenzten Reue führt nur zu weiterem Kummer.

Im Gegensatz dazu bedeutet göttliche Traurigkeit, sich schlecht zu fühlen, weil man Gott beleidigt hat. Es bedeutet, die Tatsache aufrichtig zu bedauern, dass das, was man getan hat, moralisch falsch war, unabhängig davon, ob man unangenehme Konsequenzen erleiden muss oder nicht. Dazu gehört eine Änderung des Herzens – was nur möglich ist, wenn Sie verstehen, dass Sünde eine persönliche Beleidigung gegen Gott selbst ist (2. Chron. 6,37-39; vgl. Jeremia 31,19). Gottesfürchtige Trauer wird nicht immer von intensiven Gefühlen begleitet sein, aber sie setzt eine Veränderung im Denken voraus, die zu einer Veränderung im Verhalten führen sollte.

Als Paulus sagte, dass Umkehr zur Errettung führt, bezog er sich nicht nur auf die ewige Errettung, sondern auch auf die Tatsache, dass der Büßer von sündigen Gewohnheitsmustern befreit wird (2 Korinther 7,10). Die Tatsache, dass echte Umkehr zu verändertem Verhalten führen sollte, wird an anderer Stelle in der Schrift bestätigt. Zum Beispiel ermahnte Johannes der Täufer die Menschen, „Frucht zu bringen, die der Umkehr entspricht“ (Mt. 3,8). In ähnlicher Weise predigte Paulus immer wieder, dass die Menschen sich „zu Gott bekehren und ihre Reue durch ihre Taten beweisen“ sollten (Apostelgeschichte 26,20).

Ken Sande – Der Friedensstifter – Ein biblischer Leitfaden zum Lösen von persönlichen Konflikten

„Gehe in das Gefängnis. Begib Dich direkt dorthin. Gehe nicht über Los. Ziehe nicht DM 4000 ein“

Und Josephs Herr nahm ihn und legte ihn in die Feste, an den Ort, wo die Gefangenen des Königs gefangen lagen; und er war daselbst in der Feste.
Elberfelder 1871 – Genesis 39,20

der Herr Jossefs nahm ihn und übergab ihn in das Zwingerhaus,
den Ort, wo die Königsgefangnen gefangen sind.
Er blieb dort im Zwinger.
Buber & Rosenzweig – 1.Mose 39,20

Und der Herr Josefs nahm ihn und legte ihn ins Gefängnis, an den Ort, wo die Gefangenen des Königs gefangen saßen, daselbst war er im Gefängnis.
Die Philippson-Bibel – 1.Mose 39:20

Schon mal unschuldig von einem Richter verurteilt worden? Dann denkt man, man wäre im „falschen Film“ – „das kann doch nicht wahr sein!“ und „wo ist Gott in diesem Augenblick, und warum läßt ER es zu?“, Aber bei Joseph kam ja zu der „Schnellverurteilung“ auch direkt der Gefängnisaufenthalt.
Das in diesen Momenten Jehovah trotzdem bei Joseph war, sagt der nächste Vers, den wir schon einmal hatten…

Obwohl Potiphars Zorn sich anfänglich vielleicht gegen Joseph richtete, zeigt seine nachfolgende Aktion, dass er die Anschuldigung seiner Frau bezweifelt. Die versuchte Vergewaltigung der Frau seines Herrn durch einen Sklaven hätte möglicherweise ein Todesurteil verdient gehabt, aber die Bestrafung Josephs (Haft mit den Gefangenen des Königs) ist relativ mild.

Reformations-Studien-Bibel

Wem der Zorn Potifars gilt, wird nicht gesagt. Die Art der Strafe spricht nicht dafür, dass er die Schuld allein bei Josef sah. Er hätte den Sklaven, der so etwas wagte, ohne Weiteres töten können. Stattdessen kommt Josef ins Gefängnis des Pharao, wo ihm wiederum der soziale Aufstieg gelingt. Und wie zu Beginn des Sklaven-Daseins in Potifars Haus (V. 2–4) wirkt sich der göttl. Beistand aus. Nur in Kap 39 erklärt der Erzähler, dass der HERR mit Josef war (→ Mitsein Gottes) und gibt seiner Geschichte theol. Kontur. Ob Josef dies auch so sieht, erfahren wir nicht.

Stuttgarter Erklärungsbibel

Die Schnelligkeit, mit der der Erzähler von der Gefangennahme Josephs berichtet, spiegelt das wider, was in der Realität geschah. Als Sklave hatte Josef keine gesetzlichen Rechte. Auch wenn dem Leser nicht sofort bewusst ist, welche Bedeutung die Tatsache hat, dass Josef dort gefangen gehalten wurde, wo auch die Gefangenen des Königs eingesperrt waren (V. 20), wird dies für die weitere Entwicklung von Bedeutung sein. (In den Gesetzbüchern des Alten Orients, einschließlich der alttestamentlichen Gesetzgebung, gibt es keine Bestrafung durch Kerkerhaft. Dennoch ist diese Praxis bekannt und in der altägyptischen Literatur bezeugt; daher passt diese Geschichte gut zur Kultur des alten Ägyptens.) Indem sie viele Formulierungen aus den Versen 2-5 aufgreifen, deuten diese Verse an, dass Josefs Erfahrung im Gefängnis mit seiner früheren Erfahrung in Potiphars Haus übereinstimmt. Weil der Herr bei ihm ist, geht es Josef gut (V. 23).

Die ESV Studienbibel

Überraschenderweise tötete Potiphar Joseph nicht einfach auf der Stelle. Ist es möglich, dass Josef Potiphar in der langen Zeit, in der er in seinen Diensten stand, so sehr beeindruckt hatte, dass er die Geschichte, die seine Frau ihm erzählte, nicht mehr ganz glaubte? Ist es möglich, dass Potiphar beschloss, Josef in das königliche Gefängnis zu werfen, über das er das Kommando hatte (39:1; 40:3; 41:9-11), um Josefs Leben zu schonen? Auf jeden Fall landete Josef im Gefängnis für etwas, das er sich standhaft geweigert hatte zu tun.

Die Nelson Studienbibel

Freilich, Potiphars Gunst war trotz des traurigen Einflusses seiner Frau, die ihn betrog und belog, noch nicht völlig dahin, denn er überlieferte seinen Sklaven nicht, wie es nahegelegen hätte, dem Tod, sondern nur dem Gewahrsam des Gefängnisses. Kommt uns da nicht die Grube in Erinnerung, in die ihn seine Brüder warfen, damit „ihre Hand nicht an ihm sei“? Indes, auch das „Gefängnis“, der Ort, wo „die Gefangenen des Königs“ gefangen lagen, die dem Zorn des Herrschers verfallen waren, war nach der grausamen Sitte jener Zeit ein schauerlicher Ort; Joseph selbst nennt ihn späterhin einen „Kerker“ (Verließ) oder, wie es buchstäblich heißt, eine „Grube“! (Kap. 40,14.15; vergl. 41,14; eine andere Übersetzung des hebräischen Textes dieser letzten Stelle lautet: „Und sie hoben ihn schnell aus der Grube.“). Überdies blieb sein ferneres Schicksal auch so noch ungewiss, und manch einen der „Gefangenen des Königs“ mag man im Laufe der Zeit vor seinen Augen dem Scharfrichter zugeführt haben, wie später den Obersten der Bäcker (Kap. 40,19 ff.). Nein! es war nur eine Verlängerung seiner Qual; und dass es Qualen waren, die er, als Folge seiner Treue, zu erdulden hatte, lesen wir an anderer Stelle: „Man presste seine Füße in den Stock, und er kam in das Eisen“ (Ps 105,18).
Es waren Leiden, seelische und körperliche, der bittersten Art, die Joseph eintauschte, als er die „zeitliche Ergötzung der Sünde“ ausschlug; und noch einmal leuchtet seine sittliche Schönheit hell vor uns auf, wenn wir bedenken, dass er, als er „sich weigerte“, „nicht hörte“ und schließlich „floh“, dies alles sehr wohl voraussehen konnte.
Es ist gut, wenn wir über die Folgen unserer Treue in dieser Welt uns keinen verkehrten Vorstellungen hingeben. Denn viele andere, die das Teil der Treue erwählt, haben gleiche oder ähnliche Erfahrungen gemacht wie Joseph. Daniels Freunde führte es in den „brennenden Feuerofen“, und den Propheten selbst (der uns in mancher Hinsicht an Joseph erinnert!) in die Löwengrube. Jeremia brachte einen großen Teil seines Lebens im „Gefängnishof“ zu; der große Apostel der Nationen „litt Trübsal bis zu Banden wie ein Übeltäter“ und wurde schließlich dem Tod seines Herrn „gleichgestaltet“, dem er mit solcher Hingabe gedient hatte. Naboth und Stephanus endeten ihr Leben unter einem Haufen von Steinen; ein Los, dem Kaleb und Josua nur mit Mühe entgingen. „Andere wurden durch Verhöhnung und Geißelung versucht, … sie wurden gesteinigt, zersägt, versucht, starben durch den Tod des Schwertes, gingen umher in Schafpelzen, in Ziegenfellen, hatten Mangel, Drangsal, Ungemach“ – und warum? Ja, warum? Weil sie alle das Vorrecht besaßen, solche zu sein, „deren die Welt nicht wert war“ (Heb 11,36 ff.).
Indes, diese „Wolke von Zeugen“ verschwindet, wie die Sterne vor der Sonne verblassen, wenn wir nun an den wahren Joseph denken, dessen erhabene Person in göttlicher Treue jedes menschliche Bemühen weit in den Schatten gestellt hat. Was fand Er in dieser Welt? Nichts als Verachtung, Verwerfung und Hass, nichts als Schmach und Schande und Leiden. Und wie Joseph erst unter dem Hass seiner Brüder litt und später, wie wir gesehen haben, unter der Bosheit der Heiden, so auch Er: „In dieser Stadt versammelten sich in Wahrheit gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, sowohl Herodes als auch Pontius Pilatus mit den Nationen und den Völkern Israels“ (Apg 4,27). Aber mehr noch als Joseph war Er, unser geliebter Herr, der „Lippe der Lüge“ und der „Zunge des Truges“ ausgesetzt, den „scharfen Pfeilen eines Gewaltigen, samt glühenden Ginsterkohlen“ (Ps 120,2-4). Mehr noch als auf Joseph passt auf Ihn das Wort: „Es treten ungerechte Zeugen auf; was ich nicht weiß, fragen sie mich. Sie vergelten mir Böses für Gutes; verwaist ist meine Seele“; oder jenes andere: „Mehr als die Haare meines Hauptes sind derer, die ohne Ursache mich hassen; mächtig sind meine Vertilger, die ohne Grund mir Feind sind; was ich nicht geraubt habe, muss ich alsdann erstatten“ (Ps 35,11.12; 69,5).
Auch hinter Ihm, wie hinter Joseph, schlossen sich, im Bild gesprochen, die Tore eines furchtbaren, finsteren Kerkers: „Meine Bekannten hast du von mir entfernt, hast mich ihnen zum Gräuel gesetzt; ich bin eingeschlossen und kann nicht herauskommen“ (Ps 88,9). Und ob wir nun Joseph betrachten oder sein über alles erhabenes Ebenbild, wir haben wahrlich Grund, auch in den Übungen unseres Weges „auszuharren, indem wir Gutes tun und leiden“, denn „das ist wohlgefällig bei Gott“ (1 Petrus 2,20).

Fritz von Kietzell – Der Abgesonderte unter seinen Brüdern

Aber auch wenn er wörtlich „dort im Gefängnis war“. Um die offensichtliche Redundanz des Satzes zu vermeiden, verstand Radak ihn als „er blieb dort“, d. h., er hatte keine Aussicht auf Freilassung. Es ist jedoch besser, den Satz an den nächsten Vers anzuhängen, wie es in dieser Übersetzung im Anschluss an Schadal geschieht. Das hat den Vorteil, dass Vers 21 fast genau parallel zu Vers 2 steht.

Nahum M. Sarna – Der JPS Tora-Kommentar – Genesis

In 39:19-20 reagierte Potiphar auf den Bericht seiner Frau auf zweierlei Weise. Erstens reagierte er in Vers 19 mit Zorn: Und es geschah, als sein Herr die Worte seiner Frau hörte, die sie zu ihm sagte und sprach: So hat mir dein Knecht getan, da entbrannte sein Zorn. Aus dem Text geht jedoch nicht eindeutig hervor, auf wen er zornig ist: Joseph? seine Frau? Zweitens, in Vers 20, kam die Gefangennahme: Und Josephs Herr nahm ihn und legte ihn in das Gefängnis; dieses Gefängnis war der Ort, an dem die Gefangenen des Königs gefesselt wurden; es war das königliche Gefängnis. Es gibt mehr als ein hebräisches Wort für Gefängnis, und der hier verwendete Begriff ist ein Wort, das nur in den Kapiteln 39 und 40 der Genesis vorkommt. Es ist eigentlich ein ägyptisches Lehnwort, und es hat die Bedeutung eines königlichen Gefängnisses. Potiphar war ein Offizier des Pharaos und unterstand somit eigentlich seiner Autorität. Außerdem war er der Hauptmann der Scharfrichter und hätte Joseph nach ägyptischem Recht hinrichten können, was er aber nicht tat. Das kann sehr wohl bedeuten, dass er von der Geschichte seiner Frau nicht völlig überzeugt war.

Arnold Fruchtenbaum – Genesis

Eure ganze Bruderschaft in der Welt macht die gleiche Art Leiden durch

Dem widerstehet standhaft im (O. durch) Glauben, da ihr wisset, daß dieselben Leiden sich vollziehen an eurer Brüderschaft, die in der Welt ist.
Elberfelder 1871 – 1.Petrus 5,9

Leistet ihm Widerstand und haltet unbeirrt am Glauben fest. Denkt daran, dass die Gemeinschaft eurer Brüder und Schwestern in der ganzen Welt die gleichen Leiden durchzustehen hat.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Petrus 5:9

Bezieht fest im Glauben gegen ihn Stellung, während euch bewusst ist, dass genau dieselben leidvollen Dinge eurem Geschwisterkreis weltweit immer wieder auferlegt werden.
Andreas Eichberger – Gottes Agenda – 1.Petrus 5,9

Widersteht ihm, indem ihr unbeirrt am Glauben festhaltet; ihr wisst ja, dass die Leiden, die ihr durchmacht, genauso auch euren Geschwistern in der ganzen Welt auferlegt sind (- oder auferlegt werden -).
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Petrus 5:9

da dieser Vers „aus dem Zusammenhang gerissen“ ist, hier nur Ergänzungen – wir hatten diesen im Zusammenhang mit Vers 8 …

Leiden kommen – zumindest zum Teil – vom Teufel, aber letztlich ist Gott souverän über alle Leiden (vgl. 2,21; 4,19).

Reformations-Studien-Bibel

Brüder und Schwestern in der Welt, die angesprochene Gemeinschaft ist in ihrem Leiden nicht allein; allerdings gab es keine reichsweite Christenverfolgung bis ca. 250 u.Z. unter Kaiser Decius.

Das Neue Testament – jüdisch erklärt

Auch in den Schlussmahnungen geht der Verfasser noch einmal auf die Situation der Verfolgung ein. Die Aufforderungen zur Demut, zum Vertrauen und zur Nüchternheit sind gesprochen mit dem Blick auf Verfolgungen und Leiden, in denen sich – wenn auch unter der Hand Gottes – die Macht des Widersachers, des Teufels (→Satan), noch austobt (vgl. Offb 2:10; 13:7). Diese Macht wird nach Ps 22:14 als die eines brüllenden Löwen beschrieben, der seinen Rachen aufreißt. Während Gott die Bewährung der Christen im Leiden sucht, zielt der Teufel auf den Abfall vom Glauben, um die Abgefallenen verschlingen zu können.

Einführungen und Erklärungen aus der Stuttgarter Erklärungsbibel

Widerstehe ihm. Christen brauchen den Teufel nicht zu fürchten, denn der Herr hat ihnen die Kraft gegeben, gegen ihn zu bestehen, indem sie fest im Glauben stehen (vgl. Eph. 6,12-18). Im Vertrauen auf Gottes Verheißungen wissen die Gläubigen, dass das Leiden nicht das letzte Wort ist und dass sie schließlich erhöht werden (vgl. Jakobus 4,7). Das Leid, das die Gläubigen im Norden Kleinasiens erfahren haben, ist kein Einzelfall, denn es ist der Anteil der Gläubigen überall (deine Bruderschaft auf der ganzen Welt). Daher können sie Mut schöpfen, dass sie nicht allein sind. Auch wenn „in der ganzen Welt“ nicht auf ein reichsweites Dekret gegen die Christen zur Zeit des Petrus hinweist (siehe Einleitung: Zweck, Anlass und Hintergrund), können Christen, die in jedem Zeitalter leiden, sicher sein, dass sie in ihrer Not nicht allein sind.

Die ESV Studienbibel

eure christlichen Brüder und Schwestern: Wörtlich: eure Brüder, ein allgemeiner Begriff, der oft sowohl für männliche als auch für weibliche Gläubige verwendet wird. – in der ganzen Welt: Die Verfolgung beschränkte sich nicht auf die Kirchen in Kleinasien. In verschiedenen Formen und mit unterschiedlicher Intensität wurden Christen fast überall verfolgt, wo die Gute Nachricht von Jesus Christus verkündet wurde. Petrus erinnert seine Leser daran, um sie zu trösten und zu ermutigen, denjenigen nachzueifern, die die Prüfung des Leidens erfolgreich bestanden haben.

New Living Translation Study Bible

sterben sterben

Und es legte Gott dem Menschen das Gebot auf: Von jeglichem Baume des Gartens darfst du sehr wohl essen; aber von dem Baume der Erkenntnis dessen, was gut und bös ist, sollst du nicht essen; denn an dem Tage, an welchem du von ihm issest, musst du sterben.
Rabbiner Samson Raphael Hirsch – Genesis 2,16–17

ER, Gott, gebot über den Menschen, sprechend:
Von allen Bäumen des Gartens magst essen du, essen,
aber vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse,
von dem sollst du nicht essen,
denn am Tag, da du von ihm issest, mußt sterben du, sterben.
Buber & Rosenzweig – 1.Mose 2,16–17

Und Jehova Gott gebot dem Menschen und sprach: Wohl magst du von allen Bäumen des Gartens essen; doch von dem Baume der Erkenntniss des Guten und des Bösen — von diesem sollst du nicht essen; denn an welchem Tage du von ihm issest, wirst du des Todes sterben.
van Ess 1858 – 1.Mose 2:16–17

Scheinbar war es nicht Gottes großer Plan, dass der Mensch sterben sollte, falls dieser gehorsam bleiben würde – denn ansonsten wäre die Androhung des Sterbens ja keine Strafe gewesen – oder?

sollst du nicht essen Dieses einzigartige Verbot konfrontiert Adam mit der Herrschaft des Schöpfers über ihn (s. theol. Komm.: Der Bund der Werke; 1.Mose 2).

Reformations-Studien-Bibel

dagegen behauptet eine andere Studienbibel:

zeigt, dass Sterblichkeit von jeher zum Menschenlos gehört (→ 2,7). Der Tod gilt hier nicht als Folge des Sündenfalls (anders in Weish 2,23–24; Röm 5,12; 6,23). Gott hat demnach die in 2,17 angedrohte Todesstrafe nicht vollstreckt, was die kluge Schlange wusste (V. 4). Der Schöpfer gewährt dem schuldigen Menschen trotz Todesdrohung das Leben (so später auch ggü. Kain); das ist ein Erweis göttl. Zuwendung in aller Verschuldung.

Stuttgarter Erklärungsbibel

ganz andere Sicht:

Adam und Eva waren schon in einem Zustand der Sündhaftigkeit, und in ihnen war wegen der Sünde der Same des Todes gepflanzt. In der Frucht dieses Baumes lag offenbar eine Kraft, die das physische Leben unbeschränkt verlängert hätte. Es würde aber für die Menschen tragisch gewesen sein, wenn sie in einem Zustand der Sünde und des nahenden Todes endlos hätten leben müssen. Das wahre Leben ist jetzt der ganzen Menschheit zugänglich gemacht worden, allerdings durch den Tod Christi an einem anderen »Baum« (Apg 5,30; 10,39; 1Petr 2,24). Dieser Baum des Lebens erhält nach Offb 2,7; 22,2 eine noch reichere Bedeutung für den Erlösten in einem ewigen Paradies, das von Gott bereitet ist für Sünder, gerettet durch seine Gnade.

Scofield-Bibel

oder

Der Garten Eden (vgl. Erklärung nach V. 9) ist kein Schlaraffenland: Der Mensch bekommt einen Auftrag. Zugleich gibt ihm Gott ein Gebot, das ihn an seine Grenzen als Geschöpf erinnern soll. Bei Erkenntnis des Guten und Bösen denkt der Hebräer nicht zuerst oder ausschließlich an das sittlich Gute bzw. Verwerfliche. Gut und Böse kann in einem umfassenden Sinn »das Positive und das Negative« bedeuten und steht dann für »alles« (vgl. 24:50; 5Mo 1:39; Zef 1:12). Dann ginge es bei der Frucht des Erkenntnisbaumes um die Teilhabe an der göttlichen Allwissenheit (vgl. 3:22). Wahrscheinlicher ist hier jedoch die Bedeutung »das Nützliche und das Schädliche« (»gut und schlecht« wie in 4Mo 13:19). Es ginge dann um ein begrenztes Wissen, das der Lebensbewältigung dient. Ein solches Wissen würde es dem Menschen erlauben, sein Leben in eigener Regie zu führen und nicht aus der stetigen Verbindung mit dem Schöpfer, der seine Schritte lenkt und ihn davor bewahrt, dass er seine Grenzen überschreitet und sich selbst und seine Umwelt zerstört. So oder so ist die Warnung eindeutig: Leben oder Tod des Menschen entscheiden sich am Gehorsam gegenüber der göttlichen Weisung.

Einführungen und Erklärungen aus der Stuttgarter Erklärungsbibel

wird sicher sterben: Diese nachdrücklichen Worte bestehen aus zwei Formen des Verbs, das „sterben“ bedeutet. Es geht nicht darum, dass der Schuldige auf der Stelle tot umfallen würde, sondern darum, dass es mit Sicherheit geschehen wird – es gibt kein Entrinnen (Hebr. 9,27).

Die Nelson Studienbibel

Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen. Das negative Bundesgebot war ein Test für den Gehorsam, aber auch ein Test für das Vertrauen des Menschen in Gott – dass Gott besser als Adam wusste, was für den Menschen richtig war. an dem Tag, an dem du davon isst, wirst du gewiss sterben. Der Tod, der hier zum ersten Mal in der Bibel erwähnt wird, war nicht Teil von Gottes ursprünglicher Schöpfung (1,29-31), sondern kam durch die Verletzung von Gottes Gesetz durch Adam (Röm. 5,12).

Die Reformation Heritage KJV Studienbibel

In Vers 16 wird zum ersten Mal im AT das Wort QAwCh , das wichtigste Verb für »gebieten« (»Gebot«), verwendet. Gottes erstes Gebot an den Menschen betraf Leben und Tod, Gut und Böse. So wie bei allen fogenden Geboten Gottes gehörten auch zu diesem ersten Gebot positive Segnungen und negative Warnungen. Alle irdischen Güter und Freuden standen dem Menschen zur Verfügung. Ausgenommen war nur dieser eine verbotene Baum. Die hebräischen Worte in Vers 16-17 beschreiben das Gebot mit strengen Worten: der Mensch konnte völlig frei von all den anderen Früchten essen, aber wenn er von dem verbotenen Baum äße, würde er sicher sterben .
Auch diese erste Lektion muß mit dem Volk Gottes unter Mose in Verbindung gebracht werden. Gott erschuf die Menschen nach einem besonderen Plan und gab ihnen die Fähigkeit zur moralischen Verantwortlichkeit. Er setzte sie in den Garten, damit sie seine gehorsamen Diener sein sollten, warnte sie aber, daß vor ihnen Leben oder Tod läge, was davon abhinge, ob sie dem Gebot Gehorsam leisten würden. 5Mo 30,11-20 macht Israel alle Gebote parallel zu den Motiven in 1Mo 2,8-17 bekannt: Gehorsam gegen Gottes Gebote hat Leben und Segen zur Folge, der Ungehorsam das Elend und den Tod.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Das zweite Mandat Gottes gebietet dem Menschen, sich selbst zu bewahren. Es beginnt mit der großen Freigabe aller Bäume des Gartens. Der Mensch braucht keinen Mangel zu leiden. Er hat Nahrung im Überfluß und soll nichts entbehren. Mit dem Aussprechen des Gebots will Gott dem Menschen nichts vorenthalten. Er will vielmehr sein Geschöpf zu einem vollen und ganzen Menschen machen, der mit ihm, dem lebendigen Gott, reden und umgehen kann. Zu einem vollen und ganzen Menschsein gehört aber ein »Sich-Verhalten zu Gott, das erst durch ein Gebot Gottes ermöglicht wird«. Daran, ob der Mensch Gottes Gebot hält oder nicht, wird Gott das Herz, die Gesinnung des Menschen, erkennena. Deshalb spricht Gott in derselben Form, wie er später die Zehn Gebote erläßt: »Du sollst nicht essen von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.« Das Gebot ist wie jedes der Zehn Gebote ein göttlicher Indikativ und heißt wörtlich übersetzt: »Du wirst nicht essen.« Der Grund, auf dem die göttliche Anrede der Zehn Gebote steht, ist die Zusage: »Ich bin der Herr, dein Gott.« Das Gebot im Garten Eden gründet in der von Gott gesetzten Tatsache, daß er in ganz direkter, unmittelbarer Rufweite ist. Gott ist bei seinem Menschen und tritt ihm mit einer göttlichen Anrede gegenüber. Dadurch, daß Gott den Menschen anredet, macht er ihn auf seine Grenze aufmerksam. Gott zeigt dem Menschen, daß er Gott ist und der Mensch sein Geschöpf. Adam weiß mit den Begriffen »Gut und Böse« noch nichts anzufangen, er kann das Böse nicht denken, auch nicht den Tod. Aber dadurch, daß Gott ihn anredet, weiß er um seine Grenze. »Er weiß die Grenze nicht als überschreitbare, sonst wüßte er um das Böse, aber er weiß sie als gegebene Gnade seiner Geschöpflichkeit und Freiheit.« Gott versucht den Menschen nicht. Was der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen und der Lebensbaum sind, weiß bisher allein der Schöpfer. Der Mensch lebte damals noch jenseits von Gut und Böse, nämlich aus dem Leben, das von Gott kommt. Das Gebot und der Baum der Erkenntnis machen dem Menschen lediglich seine Grenze als Geschöpf deutlich. Gott wollte, daß der Mensch in Gehorsam und Freiheit mit dieser Grenze lebte. Mit den Begriffen Gut und Böse wies Gott den Menschen »auf die tiefste Entzweiung des menschlichen Lebens in jeder Richtung hin«. Dadurch, daß Gott mit seinem Gebot den Menschen in den vollen Stand des Menschseins setzte, war der Mensch auch im Stande, die Grenze zu überschreiten, indem er nach den Früchten jenes verbotenen Baumes griff. Da Adam immer noch das Leben hatte, brauchte ihm der Baum des Lebens nicht verboten zu werden. Der Baum des Lebens bekommt für den Menschen erst dann eine Bedeutung, nachdem der Baum der Erkenntnis für den Mensehen zum »Todesbaum« geworden war. Das letzte kündigt Gott in seinem Gebot an: »An dem Tage, an dem du von ihm ißt, mußt du des Todes sterben.« Dies bedeutet: wenn du vom Baum der Erkenntnis gegessen hast, wird es dir nie mehr möglich sein, vom Lebensbaum zu essen. Es ist dann völlig ausgeschlossen, daß du je das ewige Leben ererbst, sondern eines Tages wirst du des Todes sterben.
Die harte Formulierung »des Todes sterben« braucht also nicht verstanden zu werden als sofortige Hinrichtung. Der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen ist ein Todesbaum, kein Giftbaum. Auch die Formulierung »an dem Tage« muß nicht bedeuten »an demselben Tage, an dem das Gebot übertreten wird«, sondern die Formulierung kann auch übersetzt werden: »sobald du mir wieder unter die Augen trittst, mußt du sterben«.
Tot-Sein heißt deshalb nicht »die Aufhebung des Geschaffenseins, sondern es heißt vor Gott nicht mehr leben können und doch vor ihm leben müssen, es heißt vor ihm als Geächteter, Verlorener, Verdammter, aber nicht als Nichtseiender stehen«.
Gott wollte, daß der Mensch in vollem Bewußtsein seines Menschseins vor ihm lebte. Deshalb setzte er in die Mitte des Gartens zwei Bäume, die es dem Menschen ermöglichten, voll und ganz Mensch zu sein. Die beiden Bäume in der Mitte des Garten Edens waren »Segensbäume«.

Wuppertaler Studienbibel

Viertens bezeugt das Universum Gott als eine Person. Indem Gott den Menschen nach seinem eigenen Bilde schuf, gab er mehr Aufschluss über sich selbst, als er es an irgendeiner anderen Stelle des gesamten Universums getan hat. Die Engel könnten dies zwar auch bezeugen, doch stellt die Bibel den Menschen in den Vordergrund, den Menschen, den wir alle kennen. Inmitten von allem, was ist, ist etwas Personales – der Mensch. Und dieses personale Wesen legt Zeugnis ab von der Personalität des großen Schöpfers des Alls. Hätte Gott die Schöpfung beim mechanischen Teil des Universums oder bei Pflanzen oder Tieren abgeschlossen, wäre kein derartiges Zeugnis da. Indem er aber den Menschen nach seinem eigenen Bilde schuf, hat der dreieine Gott, bei dem es schon vor der Erschaffung alles anderen Liebe und Kommunikation gab, etwas geschaffen, worin sich seine Persönlichkeit, Kommunikation und Liebe widerspiegeln. Der Mensch ist offen für Kommunikation von Gott, weil er, zum Unterschied von allem Nicht-Menschlichen, nach dem Bilde Gottes gemacht ist. Der Mensch ist ein sprachbegabtes Wesen, und Gott kann sich ihm durch Sprache mitteilen. Der Mensch denkt in logischen Sätzen, und Gott kann sich dem Menschen in sprachlich gefassten logischen Sätzen mitteilen.

So lesen wir zum Beispiel in 1. Mose 2,16–17: „Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allen Bäumen des Gartens; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welchen Tages du davon issest, musst du unbedingt sterben!“ Hier wird uns gezeigt, dass vor dem Fall Kommunikation zwischen Gott und dem Menschen bestand. Zwischen Gott und dem Menschen herrschte Gemeinschaft, eine Liebesbeziehung. Bemerkenswert ist, dass es sich bei dieser Kommunikation keineswegs um eine inhaltslose erstrangige Erfahrung im Sinne des Existentialismus handelte, sondern um wirkliche, logisch verständliche Kommunikation.

Schaeffer – Genesis in Raum und Zeit: Der Anfang der Biblischen Geschichte und Seine Bedeutung für Unser Welt- und Menschenbild

Genesis 2:17 ‎“Am Tage, an welchem du von ihm issest, mußt du sterben.“ Wohl nur: verfällst du dem Tode; denn sie starben ja in der That nicht sogleich; vielmehr ward infolge der Nichtachtung des göttlichen Verbotes der Tod über sie verhängt. Ist doch der Tod anerkannt auch heute ein noch ungelöstes Problem der Physiologie. Soll doch auch einst, wenn die Menschheit sich erst zur vollen Rückkehr zu Gott durchgearbeitet hat, auch der Tod von der Erde verschwinden (Jesaias 25, 8), und hätte diese Periode für Israel nach der Lehre der Weisen schon mit מתן תורה begonnen, wenn es das göttliche Gesetz mit voller Hingebung erfüllt hätte (5a עיז). — Möglich aber, dass der Ausspruch מות תמות auch sofort in Erfüllung gegangen. Wir finden ja auch sonst, dass an die Stelle der Todesstrafe Verbannung von der Heimat tritt, so beim Kain und dem unvorsätzlichen Totschläger. Verbannung aus der Heimat ist verjüngter Tod, der ja auch nicht eine Vernichtung des Daseins, sondern des Hierseins ist. Und so dürfte die Verbannung des Menschen aus dem Paradiese ein Tod in verjüngtem, gemildertem Maße sein. Wir haben ja keine Vorstellung von dem Leben im ג“ע. Zwischen ihm und der gewöhnlichen Erdwelt mag eine solche Kluft gewesen sein, dass der Übergang aus jenem in diese unserem Scheiden aus dieser Welt nicht unähnlich gewesen sein mag.

Rabbiner Samson Raphael Hirsch – Kommentar auf die Genesis

Gott hatte Adam eine große Ehre und ein großes Privileg zuteil werden lassen, indem er ihn zu seinem Stellvertreter auf der Erde machte (1,28), aber mit dem Privileg kommt auch immer Verantwortung. Dasselbe göttliche Wort, das das Universum ins Leben gerufen hat, drückt auch Gottes Liebe und Willen gegenüber Adam und Eva und ihren Nachkommen aus (Ps. 33:11). Gehorsam gegenüber diesem Wort würde sie in der Sphäre von Gottes Gemeinschaft und Anerkennung halten. Alle Gebote Gottes sind gute Gebote und bringen denen, die sie befolgen, Gutes (Ps 119,39; Spr 6,20-23). „Und seine Gebote sind nicht beschwerlich“ (1. Johannes 5,3).

Gott setzte zwei besondere Bäume in die Mitte des Gartens: den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse (Gen 2:9, 17; 3:3, 22, 24). Das Essen vom Baum des Lebens würde Unsterblichkeit verleihen (V. 22). Das Essen vom zweiten Baum würde die Erfahrung der Erkenntnis von Gut und Böse bringen, aber auch den Tod (2,17). Da sie noch nie Erfahrungen mit dem Bösen gemacht hatten, waren Adam und Eva wie unschuldige Kinder (5. Mose 1,39; Jes. 7,15-16). Als sie Gott nicht gehorchten, wurden sie ihm ähnlich, indem sie zwischen Gut und Böse unterscheiden konnten; aber sie wurden ihm unähnlich, indem sie ihre Sündlosigkeit verloren und schließlich starben.

Aber warum musste Gott Adam und Eva auf die Probe stellen? Es mag viele Antworten auf diese Frage geben, aber eines ist sicher: Gott wollte, dass die Menschen ihn aus freien Stücken lieben und ihm gehorchen und nicht, weil sie wie Roboter programmiert wurden, die gehorchen müssen. In gewissem Sinne ging Gott ein „Risiko“ ein, als er Adam und Eva nach seinem Ebenbild schuf und ihnen das Privileg gab, selbst zu wählen; aber das ist der Weg, den er für sie vorgesehen hat, damit sie Freiheit und Gehorsam lernen. Es ist eine der grundlegenden Wahrheiten des Lebens, dass Gehorsam Segen bringt und Ungehorsam Gericht.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Series

Die sechste Bestimmung in 2,16-17a befasst sich mit der menschlichen Ernährung: erlaubte und verbotene Speisen. Vers 16 beginnt mit: Und Gott Jehova gebot dem Menschen und sprach. Das hebräische Wort für befohlen findet sich hier zum ersten Mal, und hier wird zum ersten Mal ein tatsächlicher Befehl erwähnt. Es beginnt mit dem Erlaubten: Von jedem Baum des Gartens darfst du frei essen. Der Mensch sollte sich streng vegetarisch ernähren, und es war ihm erlaubt, von jedem einzelnen Baum des Gartens zu essen. Es gab jedoch ein Verbot, in Vers 17a: Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen. Der Zweck dieses Verbots war die Prüfung der Anerkennung und Unterwerfung unter den Willen Gottes. Der Mensch sollte nicht annehmen, dass er, weil ihm die Herrschaft über die Erde übertragen wurde, von Gott unabhängig und von Gottes Gesetz ausgenommen sei. Die Frage, die das Verbot aufwirft, lautet: Wird der Mensch, wie Satan, Gottes Herrschaftsrecht ablehnen und sich für unabhängig von Gott erklären? Die Prüfung war nur für die Probezeit gedacht. Der Mensch wurde vollkommen und heilig erschaffen, aber zu diesem Zeitpunkt wurde seine Heiligkeit nicht geprüft. Theologisch gesehen bedeutet dies, dass der Mensch in einem Zustand unbestätigter, kreatürlicher Heiligkeit geschaffen wurde; und ihm wurde die Fähigkeit gegeben, eine gegenteilige Wahl zu treffen, was bedeutet, dass er die Fähigkeit hatte, sich entgegen seiner Natur zu entscheiden, da er zwar vollkommen und heilig geschaffen wurde, aber die Fähigkeit hatte, eine unheilige und unvollkommene Wahl zu treffen. Der Mensch muss sich aus eigener Kraft dafür entscheiden, Gott zu lieben und ihm zu gehorchen. Der Mensch wurde mit der Fähigkeit zu einer gegenteiligen Entscheidung geschaffen. Gott selbst hat diese Fähigkeit nicht. Die Heilige Schrift lehrt, dass die Heiligkeit Gottes so absolut ist, dass er keine Sünde begehen kann; Gott ist nicht fähig zu sündigen. Er hat nicht die Fähigkeit, sich entgegen seiner heiligen Natur zu entscheiden. Aber er hat den Menschen mit dieser Fähigkeit geschaffen, und der Mensch muss sich aus eigener Kraft entscheiden, Gott zu lieben und ihm zu gehorchen. Diese Prüfung war von vorübergehender Dauer. Hätte der Mensch die Prüfung bestanden, wäre seine Heiligkeit bestätigt worden, und er wäre nicht in der Lage gewesen, eine Sünde zu begehen, so wie es auch mit dem Auferstehungsleib der Fall sein wird. Bei der Auferstehung wird die Heiligkeit des Gläubigen bestätigt, und er oder sie wird nicht mehr in der Lage sein zu sündigen. Wenn Adam die Prüfung während der Probezeit bestanden hätte, wäre er in seiner Heiligkeit bestätigt worden und hätte nicht mehr die Fähigkeit zu sündigen. Dieses ganze Szenario wurde bereits von den Engeln erlebt. Alle Engel wurden mit der Fähigkeit geschaffen, eine gegenteilige Entscheidung zu treffen, und sie durchliefen eine Probezeit. Ein Drittel der Engel sündigte, und nun sind sie in ihrer Unheiligkeit und Ungerechtigkeit bestätigt; sie haben nicht die Fähigkeit, rechtschaffen und sündlos zu werden. Zwei Drittel der Engel haben jedoch ihre Prüfung bestanden, und so wurde ihre Heiligkeit bestätigt; sie haben nicht mehr die Fähigkeit, sich für die Sünde zu entscheiden. Aus diesem Grund gibt es in der Bibel keine Engel, die im Laufe der Geschichte fallen. Der Fall der Engel war ein einmaliger Fall. Diejenigen, die fielen, wurden in ihrer Ungerechtigkeit bestätigt, und diejenigen, die nicht fielen, wurden in ihrer Rechtschaffenheit bestätigt. Hätte Adam die Prüfung bestanden, wäre er in seiner Rechtschaffenheit bestätigt worden und hätte rechtschaffene Kinder ohne die Natur der Sünde gezeugt.
Die siebte Bestimmung in Vers 17b betrifft die Strafe für den Ungehorsam, den geistlichen Tod: Denn an dem Tag, an dem du davon isst, wirst du sterben. Nach dieser Aussage sollte der Tod am selben Tag eintreten, an dem der Verstoß begangen wurde. Daher kann sich dies nicht auf den physischen Tod beziehen, da Adam an dem Tag, an dem er von dem Baum aß, nicht physisch starb, sondern geistlich. Geistiger Tod bedeutet „Trennung von Gott“. Die hebräische Form ist eine besondere Konstruktion, mot tamut, bei der dieselbe hebräische Wurzel zweimal zusammen verwendet wird, um sie zu betonen. Wörtlich heißt es: „Sterbend werdet ihr sterben“, aber die Bedeutung ist nachdrücklich: „Ihr werdet sicher sterben“. In dieser Form kommt es vierzehn Mal in der hebräischen Bibel vor: Mose 2,17, 3,4 und 20,7; 1. Samuel 14,44 und 22,16; 1. Könige 2,37 und 2,42; 2. Könige 1,4, 1,6 und 1,16; Jeremia 26,8; und Hesekiel 3,18, 33,8 und 33,14. Es impliziert die Ankündigung eines Todesurteils entweder durch ein göttliches Dekret oder durch ein königliches Dekret. Das ist es, was mit der Erbsünde gemeint ist: An dem Tag, an dem der Mensch von der Frucht isst, wird er geistig sterben; und der geistige Tod wird auf seine Nachkommenschaft übertragen werden. Daher werden die Nachkommen von Adam und Eva geistig tot geboren. Das Judentum glaubt nicht an die Erbsünde oder den geistigen Tod und muss daher diesen Vers auf andere Weise erklären. Die Rabbiner müssen erklären, warum Adam an dem Tag, an dem er die Frucht aß, nicht physisch starb. Eine rabbinische Erklärung für diesen Vers ist, dass der Mensch an diesem Tag sterblich wurde; er würde nicht an diesem Tag sterben, aber er würde an diesem Tag sterblich werden. Die Rabbiner lehren, dass Gott Adam aus Mitleid einen von Gottes Tagen leben ließ, was tausend Jahren entspricht (Ps. 90:4). Adam lebte jedoch nicht tausend Jahre, sondern neunhundertdreißig Jahre. Die Rabbiner erklärten, dass die letzten siebzig Jahre David geschenkt wurden, sonst wäre er tot geboren worden. Eine andere rabbinische Ansicht besagt, dass mit „am Tag“ nur der Wochentag gemeint war; da sie an einem Freitag sündigten, starb Adam nach rabbinischer Tradition an einem Freitag. Eine dritte rabbinische Ansicht besagt, dass Adam nur dann an diesem Tag sterben würde, wenn er nicht bereuen würde, was er aber tat. Dies sind verschiedene Erklärungen, mit denen die Rabbiner versuchen, das Konzept der Erbsünde zu vermeiden. Nimmt man den Text jedoch wörtlich, so ist an dem Tag, an dem Adam gesündigt hat, eine Art Tod eingetreten. Da sie an diesem Tag nicht körperlich starben, starben Adam und Eva offensichtlich geistlich. Die Reaktion von Adam und Eva auf die Stimme Gottes an dem Tag, an dem sie sündigten, zeigt die Tatsache des geistlichen Todes.

Arnold Fruchtenbaum – Genesis

Aber sie werden eines Tages wissen, dass ein Prophetentyp sie gewarnt hat

Und was sie betrifft, ob sie hören werden oder [es] unterlassen — denn sie sind ein rebellisches Haus —, sie werden zweifellos doch wissen, daß sich ein Prophet in ihrer Mitte befunden hat.
neue Welt Übersetzung – Bi12 – Hesekiel 2,5

Und sie, mögen sie hören oder es lassen (denn sie sind ein widerspenstiges Haus) sie sollen doch wissen (O. erkennen, erfahren,) daß ein Prophet in ihrer Mitte war.
Elberfelder 1871 – Hesekiel 2:5

Sie aber, ob sie hören oder es lassen – denn ein widerspenstiges Geschlecht sind sie –, sollen erkennen, dass ein Prophet in ihrer Mitte gewesen ist.
Die Philippson-Bibel – Hesekiel 2,5

Sollten wir enttäuscht sein, wenn niemand das Wort Gottes hören möchte, und dann enttäuscht aufgeben?

Hesekiels Aufgabe war, Gottes Wort zu verkünden. Ob sie darauf eingingen, stand in der Verantwortung der Menschen selbst. Am Ende aber (wenn die Ereignisse eintraten) würden sie (das abtrünnige Haus ; vgl. die Anmerkungen zu Hes 3,9 ) wissen, daß ein Prophet in ihrer Mitte gewesen war.
Als Prophet würde Hesekiel ein Werkzeug für den allmächtigen HERRN ( ?ADOnAy Yahweh ) sein. Hesekiel benutzt diesen Titel Gottes 217mal. An anderen Stellen im AT kommt er nur 103mal vor ( Theological Dictionary of the Old Testament . Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans Publishing Co., s. u. ?ADNn , ?ADOnAy , 1:62-63). Dieser Name betont sowohl Gottes höchste Autorität als auch seine Bündnistreue.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Einen Erfolg wird Hesekiels Predigt auf jeden Fall haben: Seine israelitischen Hörer werden »erkennen, dass ein Prophet in ihrer Mitte ist« (V. 5). Diese Erkenntnis ist unabhängig davon, »ob sie hören oder es lassen«. Ja, gerade auch dann, wenn »sie es lassen«- und das sagt Gott für die Mehrheit deutlich voraus, »denn sie sind ein Haus des Widerspruchs« -, werden sie an dieser Erkenntnis nicht vorbeikommen. Diese göttliche Voraussage ist in mehr als einer Hinsicht interessant. Zunächst überlegt man: Wie kommen die Hörer zu dieser Erkenntnis? Antwort: ganz einfach dadurch, dass Hesekiel Recht behält: Was er prophezeit, trifft ein.l Dann aber taucht sofort die nächste Frage auf: Warum bekehrt sich das damalige Israel im Exil nicht? Sie wissen doch, »dass ein Prophet in ihrer Mitte ist«! Antwort: Nie hat Wissen allein gerettet. Selbst die Erkenntnis, dass sie einen »Propheten« unter sich haben, macht harte Gesichter und harte Herzen nicht ohne weiteres weich. Der Mensch, der vernarrt ist in seine Autonomie, geht diesen Weg so lange weiter, bis er ans Ende seiner schrecklichen Sackgasse gerät. Oder sind wir, die wir heute leben, in dieser Beziehung besser? Rechtzeitig die Konsequenzen zu ziehen bedeutet ja, den Sturz zu vermeiden. Aber gerade das geschieht bei uns selten oder nie. In der Regel müssen wir bis in tiefste Tiefen fallen, bevor wir uns ganz in Gottes Hände legen. Drittens bezeichnet Gott Hesekiel unzweideutig als »Propheten«, besser gesagt: als seinen Propheten. H.-P. Müller erklärt das hebräische Wort für »Prophet« (nabi) als »den von Gott berufenen Mittler des Wortes«. Hesekiel ist also ein von Gott berufener, legitimer und vollmächtiger Verkündiger der göttlichen Botschaft. Und das nicht nach eigener Einbildung, sondern nach dem Urteil Gottes!
Nun stoßen wir in V. 5 auf das »Haus des Widerspruchs«. Sechsmal begegnet uns dieser Ausdruck bei Hesekiel. Er ist wirklich zu einer Art zweitem Namen für Israel geworden. Warum? Weil Israel Gottes Gebote ablehntem. Die Erfahrung Hesekiels kommt hier nahe an die Erfahrung des Paulus in Röm 9,32–10,3 heran. Menschen besitzen also die Freiheit, Gottes Wort anzunehmen oder abzulehnen. Hier waltet keine Vorherbestimmung (Prädestination). Ablehnung wird dann zur Schuld. Und gerade diese Schuld wird Israel vorgehalten, wenn vom »Haus des Widerspruchs« (oder: der Widerspenstigkeit) die Rede ist.

Wuppertaler Studienbibel

Geh und sprich (Hesek. 2:3-5). Propheten waren keine Menschen, die nur die Zukunft vorhersagten, obwohl das zu ihrem Dienst gehörte. Sie waren in erster Linie Weitererzähler, die dem Volk Gottes Wort verkündeten. Manchmal verkündeten sie eine Botschaft des Gerichts, aber gewöhnlich folgte darauf eine Botschaft der Hoffnung und der Vergebung. Die Juden mussten die Botschaften Hesekiels hören, weil sie rebellisch, halsstarrig und hartherzig waren. Mindestens sechzehn Mal werden die Juden in diesem Buch als „rebellisch“ bezeichnet. Sie hatten sich gegen den Herrn aufgelehnt und weigerten sich hartnäckig, sich seinem Willen zu unterwerfen. Ihre Weigerung, die Bedingungen des Bundes zu befolgen, hatte zu ihrer Niederlage und Gefangennahme durch die babylonische Armee geführt. Sogar in ihrer Gefangenschaft hegten sie falsche Hoffnungen, dass Ägypten ihnen zu Hilfe kommen oder der Herr ein großes Wunder tun würde.

Das jüdische Volk war so rebellisch, dass Gott es „ein rebellisches Volk“ nannte und das hebräische Wort „Goj“ verwendete, das normalerweise für die Heiden reserviert war! Israel war Gottes auserwähltes Volk, eine besondere Nation, und doch verhielt es sich wie die Heiden, die nicht alle Segnungen und Privilegien hatten, die Gott den Juden gegeben hatte. Das war kein sehr ermutigendes Wort für den jungen Propheten, aber er musste im Voraus wissen, dass seine Arbeit schwierig sein würde. Gott gab Jesaja die gleiche Botschaft, als er ihn berief (Jes 6,8-13). Aber ob das Volk nun zuhörte und gehorchte oder sich taub stellte, Hesekiel musste seiner Aufgabe treu bleiben (1. Korinther 4,2).

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Series

Gott sagt drei Dinge über die Empfänger der Botschaft. Erstens wird Hesekiel zu den Kindern Israels gesandt, die in Vers 3 als rebellische Nationen charakterisiert werden: „Und er sprach zu mir: Menschensohn, ich sende dich zu den Kindern Israels, zu den Nationen, die rebellisch sind, die sich gegen mich aufgelehnt haben; sie und ihre Väter haben sich gegen mich vergehen lassen bis auf den heutigen Tag.

Das Wort Nationen ist Plural, weil es sich sowohl auf das Haus Juda als auch auf das Haus Israel bezieht. Das zeigt, dass die nördliche Nation, Israel, zwar schon über hundert Jahre im Exil war, aber nicht verloren war. Beide Nationen Israels hatten sich gegen Gott aufgelehnt, sogar bis zum heutigen Tag.

Zweitens werden sie in Vers 4 als unverschämt und hartherzig charakterisiert: Und die Kinder sind unverschämt und hartherzig: Ich sende euch zu ihnen; und ihr sollt zu ihnen sagen: So spricht der Herr Jehova.

Das Wort „unverschämt“ bedeutet „hart im Nehmen sein“. Es bezieht sich auf die schamlose Haltung eines Menschen, der seinen Blick nicht senken will, sondern es vorzieht, „unverschämt zu sein“. Das hebräische Wort für hartherzig bedeutet wörtlich „fest im Herzen“. Es bezieht sich auf einen sturen und unnachgiebigen Willen, der sich weigert, unter allen Umständen nachzugeben. Zu dieser Art von Menschen, „hartherzig“ und „hartherzig“, wird Hesekiel gesandt. Er soll zu ihnen sagen: So spricht der Herr Jehova, gefolgt von der spezifischen Offenbarung, die er erhalten hat.

Drittens zeigt Vers 5, dass es ein Volk ist, das eine Lektion gut lernen wird: Und sie, ob sie nun hören wollen oder nicht, (denn sie sind ein widerspenstiges Haus), sollen doch wissen, dass ein Prophet unter ihnen gewesen ist.

An der Erfüllung seiner Prophezeiungen werden sie erkennen, dass Hesekiel tatsächlich ein Prophet war. Später im Buch Hesekiel werden das Volk und die Ältesten Israels im Exil zu Hesekiel kommen und ihn befragen (Hes. 8,1; 14,1; 20,1; 33,31-33). Hesekiel wird gesagt, dass er zwar zu einem Volk geht, das nicht auf ihn hören wird, dass aber dennoch eine Zeit kommen wird, in der sie erkennen und zugeben müssen, dass es einen Propheten unter ihnen gegeben hat. Dieser Prophet wird Hesekiel sein. Sie werden dies durch die Erfüllung seiner Prophezeiungen mit Sicherheit erkennen.

Arnold Fruchtenbaum – Der Ruf des Hesekiel