Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, welcher Teufel und Satan (Eig der Satan) genannt wird, der den ganzen Erdkreis (O. die ganze bewohnte Erde) verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen.
Elberfelder 1871 – Offenbarung 12,9
Der große Drache, die uralte Schlange, die auch Teufel oder Satan genannt wird und die ganze Menschheit verführt hatte, wurde mit all seinen Engeln auf die Erde hinabgestürzt.
Neue evangelistische Übersetzung – Offenbarung 12:9
Und jener große Drache ward hinabgeworfen, die alte Schlange, welcher Teufel genannt wird und Satan, welcher die ganze Welt verführt (- Der große Drache: Als solcher war er von V. 3 an im Gesichte erschienen. Die alte Schlange heißt er als Verführer des Menschengeschlechtes. [1Mose 3,1-5] Teufel und Satan, Verkläger und Widersacher. Welcher die ganze Welt verführt: wie [Offenbarung 13] V. 14 [Offenbarung 20,8.10] zeigen. Die Darlegung findet ihre ganze Bedeutung erst im Zusammenhange mit dem folgenden V. 17. Die gehäuften Benennungen beschreiben das Wesen des Feindes so vollständig wie möglich, um einerseits zu zeigen, was er nun auf Erden gegen die Gläubigen tun werde (V. 12ff), andererseits hervorzuheben, dass, so mannigfach auch seine feindliche Wirksamkeit sein mag, er doch ein schon von Grund aus besiegter Widersacher ist. – Der Vision liegt in der Darstellung die Tatsache des Sturzes der gefallenen Engel zugrunde, die zwar mit dem vorliegenden Zusammenhange nichts zu tun hat, aber deren äußere Form die auszudrückende Wahrheit annimmt. -) ; er ward hinabgeworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen (- Nunmehr vermag er die Frommen nicht mehr zu verklagen. -) .
Joseph Franz von Allioli von Augustin Arndt überarbeitet – Offb 12,9

Diese Verse bilden die erste Erzählung von dem Drachen. Der Sieg Christi (V. 5) führt zu weitreichenden Konsequenzen, die mit dem Rauswurf Satans aus dem Himmel durch Michael beginnen, der hier als ein Helfer von Christus fungiert. Der Abschnitt spricht nicht vom Fall Satans zur Zeit der Schöpfung, sondern von der Niederlage Satans im Himmel durch die Kreuzigung und Auferstehung Christi (V. 12; Joh 12,31; Kol 2,15).
Reformations-Studien-Bibel
Der Verfasser deutet den Drachen als die zur Sünde verführende Schlange im Garten Eden, als Teufel (griech. diábolos, „Verleumder“) bzw. Satan (hebr. úâtân, „Widersacher“). Diábolos ist die griechische Übersetzung des hebräischen Nomens, das zunächst jedweden Gegner im zwischenmenschlichen Bereich, etwa den Feind des Gottesfürchtigen (vgl. Ps 38,21; 109,4), aber auch den Ankläger bei Gericht (vgl. Ps 109,6) bezeichnet, später dann ein Engelwesen, das Menschen (auf verleumderische Weise) vor Gott anklagt.
Herder-Übersetzung mit Kommentar und Erläuterungen
Ganze Welt: Nämlich alle die, so verloren werden.
Osiander – Luther Studienbibel (2025)
Geworfen: Es ist aber der Satan überwunden und aus dem Himmel geworfen worden, wie unter dem Kaiser Konstantin die christliche Religion im ganzen Römischen Reich öffentlich überall angenommen wurde und die heidnische Abgötterei ausgemustert und abgetan wurde. Da hat es ein Ansehen gehabt, als wäre der Satan vom Himmel gefallen, und als haben die Kirchen Christi ein wenig Ruhe bekommen.
Im Zwischenstück V. 7–12 streitet der Engel → Michael mit seinem → Engelheer in einem die Welt übergreifenden Kampf für das Volk Gottes. Sein Gegner ist der Drache und seine Engel, die auf die Erde gestürzt werden (in V. 9 dreimal geworfen; vgl. Jes 14,12–15 und die Verweise). Dort verführt er die ganze Welt (vgl. 2. Joh 7). Im Siegeslied über den Drachensturz (V. 10–11) wird die eigtl. Aufgabe des Satans benannt: Verkläger zu sein (vgl. Hiob 1–2; Sach 3,1). Seine Anklage ist aber schon außer Kraft gesetzt, da er bereits überwunden ist. Der himml. Sieg ist schon errungen und auf Erden hat die widergöttl. Macht nur noch wenig Zeit (V. 12). Die Wut des Verklägers wird in Kap 13 und Kap 17 auf dem Erfahrungshintergrund der Gemeinde eindrücklich geschildert.
Stuttgarter Erklärungsbibel: Lutherbibel mit Einführungen und Erklärungen
Hinausgeworfen, die Vorstellung entspricht einer bekannten jüdischen Tradition, nach der eine Gruppe von Engelwesen, genannt Wächter, vor der Sintflut aus dem Himmel gestürzt wurde (vgl. z.B. äthHen 6–21; Gen 6,1–4). Die alte Schlange, in rabbinischen Texten teilweise eine Bezeichnung für den Satan (z.B. tSota 1,19; SifDev 323), verbindet hier aber eindeutig den Satan mit der Schlange aus Gen 3,1–7 (so auch in slawHen 31). Teufel […] Satan […] auf die Erde geworfen, vgl. Lk 10,18–19, wo ebenfalls das „[T]reten auf Schlangen“ mit dem Sturz des Satans in Verbindung gebracht wird.
Das Neue Testament – jüdisch erklärt
Der Kampf endete damit, daß Satan … auf die Erde geworfen (wurde). Sein Wesen wird in den verschiedenen Beinamen, mit denen er belegt wird, deutlich: Der große Drache, die alte Schlange … Teufel und Satan. Mit ihm wurden die gefallenen Engel, die Dämonen, aus dem Himmel vertrieben.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Es ist schwer zu begreifen, daß Satan im Himmel sein soll, doch daß er dort als Ankläger fungiert, liegt auf der Hand (vgl. Hi 1,6; Offb 12,10). Er wurde zwar beim ersten Kommen Christi besiegt (Joh 16,11), seine endgültige Vernichtung steht jedoch noch aus. Nach Offb 12,8-9 wird er mitten in der Großen Trübsal aus dem Himmel verbannt. Während des Tausendjährigen Reiches wird er dann gebunden (Offb 20,1-3) und am Ende in den Feuersee geworfen (Offb 20,10), in den auch der Herrscher der Welt (der Antichrist) und der falsche Prophet tausend Jahre zuvor gestürzt wurden.
Satan widersetzte sich mit seinen Taten im Himmel und auf Erden Christus, dem himmlischen Hohenpriester, dem König bei der Weltherrschaft Satans in der Zeit der Großen Trübsal und wahren Propheten, indem er das Tier, den falschen Propheten (Offb 20,10), aus der Erde hervorgehen ließ. Satan wird hier als „die alte Schlange“, der „Teufel oder Satan“ bezeichnet, der die ganze Welt in die Irre führt. Wenn er auf die Erde geworfen wird, werden alle gefallenen Engel oder Dämonen mit ihm herabstürzen.
Der Drache wird so vollkommen besiegt, dass er jedes Recht auf Zugang zum »Himmel« verliert. Er und seine Untertanen werden »auf die Erde … geworfen«. Dies ist jedoch noch nicht sein endgültiges Schicksal (s. 20,1–3.10). Man beachte, wie Johannes ihn beschreibt: » Der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt.«
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
V. 9 bringt nun weiterhin eine fünffache Identifikation: 1) Es handelt sich um den „großen Drachen“ mit den sieben Häuptern und zehn Hörnern von V. 3. Näheres siehe in der Erklärung zu diesem Vers. 2) Es handelt sich zugleich um die „alte Schlange“ (ὁ ὄφις ὁ ἀρχαῖος [ho ophis ho archaios]). So heißt er auch in Offb 20,2. In V. 13 und 14 ist ebenfalls von der „Schlange“ die Rede. Nach G. Delling ist ὁ ὄφις ὁ ἀρχαῖος [ho ophis ho archaios] „übernommen aus dem (an Gen 3 entstandenen) rabbinischen Sprachgebrauch.“ Jedenfalls ist der Bezug auf die „Schlange“ von Gen 3,1ff sicher. Die „alte Schlange“ ist also die seit Urzeiten auftretende Schlange, die uns schon im Paradies begegnet.233 3) Gleichzeitig wird er „Teufel genannt“ (ὁ καλούμενος Διάβολος [ho kalumenos Diabolos]). Das deutsche Wort „Teufel“ kommt von diesem griechischen „Diabolos“. Johannes formuliert so, als ob „Teufel“ ein Zuname wäre („genannt“). Vermutlich empfand er den Begriff „Diabolos“ = „Teufel“, der erst von der griechischen Bibelübersetzung geschaffen wurde235, noch immer als etwas Fremdsprachliches. „Diabolos“ geht zurück auf διαβάλλω [diaballo], das folgende Bedeutungen hat: „auseinanderbringen; abbringen; anklagen, verleumden; täuschen“. Deshalb bedeutet „Diabolos“: „Auseinanderbringer“, „Ankläger“ (vgl. V. 10), „Widersacher“, „Verführer“. 4) Außerdem ist er „der Satan“ (ὁ Σατανᾶς [ho Satanas]). Hier stoßen wir auf einen biblisch-hebräischen Begriff. Das hebräische שָׂטָן [satan] bedeutet „Widersacher“, „Gegner“ und wird öfters auf Menschen angewandt, in Num 22,22.32 sogar auf den Engel Gottes, der zum „Widersacher“ Bileams wird. „Der Satan“ schlechthin ist aber ein bestimmter Engel, der im Himmel auftritt und als Ankläger oder Verführer die Menschen Gottes quälen und zu Fall bringen will (1Chron 21,1; Hiob 1,6ff; 2,1ff; Sach 3,1ff). Auch er wird mit dem großen Drachen identifiziert. Das NT hat die Aussagen des AT über den Satan sinngemäß aufgenommen (vgl. Mt 16,23; Lk 10,18; 22,31f). 5) Schließlich ist der große Drache derjenige, „der den ganzen Erdkreis verführt“ (ὁ πλανῶν τὴν οἰκουμένην ὅλην [ho planon ten oikumenen holen]). Das Verführerische klang schon beim Namen „Satan“ an. Jetzt aber tritt es in den Vordergrund. Da im Griechischen hier kein Name mehr steht, wie es von 1) bis 4) der Fall war, sondern ein Partizip (πλανῶν [planon]), könnte sich die Bemerkung der … verführt grammatikalisch auch auf alle vier zuvor genannten Identifikationsfiguren beziehen. Wir betrachten es jedoch als fünfte, selbstständige Identifikation. Die Auslegung bleibt dieselbe. πλανάω [planao] heißt „irreführen“, d.h. auf den falschen Weg führen, oder „täuschen“. ἡ οἰκουμένη ὅλη [he oikumene hole] (der ganze Erdkreis) bedeutet „die ganze bewohnte Erde“. Es darf nicht auf die Heiden eingegrenzt werden243, denn der große Drache versucht auch, die Christusgläubigen zu verführen (vgl. Mt 24,24; 1Petr 5,8). „Verführen“ muss als die Absicht verstanden werden, die Menschen in seinen eigenen Irrweg hineinzuziehen und zur Anbetung des Drachen statt zur Anbetung des dreieinigen Gottes zu bewegen (vgl. Mt 4,9; Offb 13,4ff).
Maier, Gerhard and Riesner, Rainer and Neudorfer, Heinz-Werner and Schnabel, Eckhard J. – Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament
Betrachtet man Offb 12,9, dann wird die Deutung des großen Drachen auf Rom ganz unmöglich. Schon menschlich weiß Johannes als gebürtiger Jude, dass das Reich der Römer nicht der ganze Erdkreis ist: Er kennt Nachrichten genug über die Länder jenseits der römischen Grenzen mit ihrer machtvollen Kultur, über Äthiopien, Arabien, Persien, Indien, über Skythen, Germanen, Afrikaner. Wenn er vom „ganzen Erdkreis“ spricht, hat er wie Lukas in Apg 2,5ff und wie die Völkertafel in Gen 10 die ganze Völkerwelt vor Augen. Erst recht ist der „Satan“, der „Teufel“ und Versucher eine universale antigöttliche Macht. Eine Einengung auf das vergängliche Römerreich wird der Wucht und Größe der Aussage von Offb 12 nicht gerecht. Schon der alttestamentliche Sprachgebrauch lässt dies nicht zu.
Und seine Engel wurden mit ihm geworfen: Das dreimalige geworfen hat den Charakter des Endgültigen. Wer dem Teufel anhängt, teilt sein Schicksal.
Und es wurde geworfen der große Drache, die uralte Schlange, genannt Diabolos und Satan. Diese Sprechweise klingt wie ein Auszug aus einer Urteilsverkündigung. Zu Beginn werden die Personalien des Verurteilten, seine Herkunft und sein Tun und Lassen genau aufgeführt.
Pohl – Wuppertaler Studienbibel
Es ist der große Drache. „Drache“ bezeichnete vor allem eine Riesenschlange, wiederum besonders die Seeschlange und das Seeungeheuer. Daran läßt der Wasserstrahl denken, den dieser Drache nach Vers 15 herausschießt. Aber die Beifügung groß übersteigert diesen Drachen gegenüber jedem natürlichen Wesen. Ein riesenhafter Riesendrache! So entsteht ein Bild für eine Größe, die alle Zoologie hinter sich läßt, nämlich für die Wirklichkeit des Satanischen.
In der Offb ist Satan der Gegner Gottes. Gern wäre er auch Gegengott, bringt es aber nicht weiter als bis zu einem „Affen Gottes“ (Luther). Wäre er Gegengott, ständen wir unter einem Dualismus zweier selbständiger Mächte. Gottes Volk hat darauf zu achten daß es Satan diese Ehre nicht antut. „Er lebt von dem Respekt, den man ihm zollt“ (Lamparter). Wir haben darum nicht an ihn zu glauben, sondern ihm zu widerstehen (1 Pt 5, 9; Jak 4, 7). Wir sollen ihn uns auch nicht genau vorstellen wollen und uns weder in eine Betrachtung des Satanischen vertiefen noch eine ausführliche Satanslehre anstreben noch in unserer Umwelt Satansgewißheit verbreiten. Nicht einmal dann, wenn andere den Satan wegdisputieren, streiten wir beharrlich mit ihnen. Wohl tut ein Hinweis auf den Ausspruch Goethes gut: „Den Teufel spürt das Völkchen nicht, und wenn er sie beim Kragen hält.“ Aber wer sich in Belehrung über Satan und Dämonen ergeht, gewinnt für das Heil rein gar nichts. Das Mittelalter strotzte nur so vor Teufelsglaube und war doch so arm an Christuserkenntnis und so in Fesseln geschlagen durch Gewalt, Unrecht und Unverstand.
Auch hier verfolgen wir nur die kurze Skizzierung des Satanischen, ohne sie mit allen möglichen Gesichtspunkten und Fragestellungen auszugleichen. Der große Drache wird auch die uralte Schlange genannt. Die Schlange spielte in der Umwelt Israels eine für uns unvorstellbare Rolle. Sie war fast überall verbreitet und bekannt. Schlangenkulte sind schon aus der Zeit 4500 v. Chr. belegt. Mancherlei Umstände förderten diese Kulte: der überlegene, hypnotisierende Blick der Schlange, ihr kaum merklicher, aber tödlicher Biß, ihre Heimtücke und Schnelligkeit und ihre Dressierbarkeit.
Aber nicht nur als Verderbensmacht wurde sie empfunden. Besonders die Griechen richteten sie als Haustier ab und verehrten sie als Lebensmacht. Die Schlange ist ja besonders der Erde verbunden, lebt in Grotten und Ritzen, kriecht auf der Erde, scheint Erde zu fressen und galt als „Seele“ der Erde, als Erdgottheit. Da die Erde aber Symbol für das Mütterliche und Weibliche ist, erscheint die Schlange auf den Abbildungen der Fruchtbarkeitsgöttinnen.
Weil die Schlange häufig an Quellen haust, schien sie mit unterirdischen, verborgenen Schätzen in Verbindung zu stehen. Sie galt als hellseherisches Orakeltier. Besonders an Heil quellen verehrte man sie, verfügte sie doch nicht nur über Gift, sondern auch über Gegengift, vgl. den Hinweis auf den blühenden Asklepioskult zu 2, 13. Schließlich konnte die Beobachtung, wie sich die Schlange häutet und sich auf diese Weise zu verjüngen und zu erneuern scheint, sie zum Symbol der Wiedergeburt und des ewigen Lebens werden lassen.
Bei der allgemeinen Hochschätzung des Schlangenkultes in allen umwohnenden Völkern ist es nicht verwunderlich, wenn Israel die Schlange als Verkörperung des Heidentums ansah. Daher der entschiedene Abscheu vor Schlangen im AT. Nie diente sie als Haustier, Opfertier oder als Speise. Sie ist das widerlich Schmierige, Schillernde, Zwielichtige, Mörderische und darum das Satanische.
An unserer Stelle finden wir eine ausdrückliche Gleichsetzung mit der Paradiesesschlange von 1 Mo 3: die uralte Schlange. So alt sie ist, sie hat ihre Feindschaft gegen Gott und alles Göttliche nie vergessen.
Erst jetzt erklingt zweisprachig (Anm. 301) der eigentliche Name des Drachen und der Schlange. Wir erörtern zunächst das hebräische Wort Satan. Es bezeichnet ursprünglich völlig neutral den Opponenten. Im israelitischen Gerichtswesen hat es möglicherweise die Planstelle für einen Ankläger gegeben469, der zur Rechten des Angeklagten stand (Sach 3, 1; 1 Chr 21, 1; Ps 109, 6). Mit Feindseligkeit und Bosheit hat diese gesellschaftliche Funktion noch nichts zu schaffen. Auch im Hiobbuch hat „Satan“ noch keinen bösen Beiklang. Er achtet wie ein guter Staatsanwalt darauf, daß man nicht einfach dem Augenschein traut und beantragt den Beweisgang. Teuflische Lust am Bösen liest man für ihn höchstens in den Text hinein. Er ist nicht Widersacher Gottes, sondern dient der genauen göttlichen Rechtsprechung.
Erst im Judentum wird „Satan“ zum Eigennamen für die aktiv böse Macht. Sie ist Gott und den Menschen, vor allem aber den Gerechten, feindlich gesinnt. Als Nachklang des AT bleibt bestehen, daß Satan ein von Gott abhängiges Geschöpf ist, nämlich ein Engelfürst.
Eine Zusammenfassung seines Tuns bietet das bekannte Zitat aus dem babylonischen Talmud: „Der Satan kommt herab und verführt, steigt hinauf und klagt an, nimmt Vollmacht und nimmt die Seele.“ Zunächst verführt er also zur Sünde, indem er Gott und die Sünde verharmlost und diese begehrenswert macht wie in 1 Mo 3. Sobald er den Menschen zum Sündigen gebracht hat, eilt er ins himmlische Gericht, um flammende Anklage gegen den zu erheben, den er selbst gereizt, gelockt und überredet hat. In „heiligster“ Entrüstung und unter Berufung auf Gottes Gebote fordert er Strafgerechtigkeit. Bevollmächtigt kehrt er zurück und vollstreckt die Strafe, indem er den Sünder tötet. So hat er sein Ziel erreicht: den Tod des Menschen, den Gott doch zum Leben geschaffen hat.
Nach jüdischer Lehre fungiert vor dem himmlischen Gericht aber auch ein Verteidiger Israels, nämlich der Erzengel Michael. Er trägt die Tugenden der Juden vor Gottes Thron. Er kann auch den Satan abweisen. Aber von Fall zu Fall steigt dieser immer wieder herauf, um frisch verführte Opfer anzuklagen und Vollmacht über sie zu gewinnen.
Als Verführer arbeitet der Satan also mit Lüge und als Vollstrecker mit Gewalt, aber als Verkläger arbeitet er mit Wahrheit. Kein Gewaltsystem verachtet eine gewisse Rechtlichkeit. Jede Lüge, die Erfolg haben will, bedarf einer Prise Wahrheit. Darum liegt die wesentliche Macht Satans in seiner mittleren Funktion begründet. Nirgendwo ist er so satanisch wie gerade in seiner Anklage, wo er vollmächtig von Gott scheidet und die Schuldwand zwischen Gott und Sünder himmelhoch emporzieht.
Haben Jesus und die Apostel diese jüdischen Anschauungen einfach übernommen? Nach dem Evangelium ist die furchtbare Verklägerfunktion Satans gelöscht. Das bedeutet die Lehre vom Satanssturz. Seine wesentliche Kraft ist gebrochen. Darauf bezieht sich in Vers 9 das jubelnde, dreimalige „gestürzt, gestürzt, gestürzt!“ Zwar geht er weiter als Lügner und Mörder um, doch die Rechtsposition ist ihm genommen. Er stürzte in die Illegalität. Sein Reich ist darum ohne Bestand.
Die grie Bezeichnung Diabolos wird gern mit „Durcheinanderbringer“ wiedergegeben. Er schafft in einer Gemeinschaft durch Verleumdung und Streitsucht Mißverständnisse und liebt das Chaos. Vielleicht wäre auch die Wiedergabe durch „Auseinanderbringer“ angebracht. Er bringt Gott und Menschen auseinander. Aber das Wort ist als Übersetzung von „Satan“ in die Bibel gekommen und also deckungsgleich aufzufassen.
Der Schluß des 9. Verses hebt die Verführerfunktion, also das Schlangenhafte, ausdrücklich hervor. Er verführte die ganze besiedelte Erde. In aller Verführung zu allen Zeiten und an allen Orten ist er der Verführer. Durch ihn ist ein „Geist der Verführung“ (1 Jo 1, 8; 2, 26; 3, 7) eingeströmt, so daß einer den anderen verführt und einer vom anderen verführt wird (2 Ti 3, 13). Dann setzt man Lügen voraus, erwartet man sie und glaubt verdrehterweise nur noch ihnen. In solch einer Atmosphäre spricht der Herr Jesus Christus: „Weil ich die Wahrheit rede, glaubt ihr mir nicht“ (Jo 8, 45).
In den Versen 10–12 erklingt, wie so oft nach einer Vision, eine deutende Stimme. Weil diese Stimme von „unseren Brüdern“ spricht, wurde sie auf die Stimme der Märtyrer von 6, 11 gedeutet. Aber auch Engel könnten so sprechen, da sie sich nadi 19, 10; 22, 9 „Mitknechte“ der Gläubigen nennen. Vor allem aber läßt der deutende Inhalt der Stimme mehr an den Dienst eines Engels denken.
»Es ward gestürzt« (V. 9): Jesus sagte seinen Jüngern, die er mit seiner Vollmacht auch gegen die Dämonen ausgesandt hatte: »Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz« (Lk 10,18).
Gerhardt Maier – Edition C
Der Feind war aufs Höchste alarmiert und eilte aufs Kampffeld. Bereits mit Jesu Kommen überhaupt wankte sein Reich (vgl. Mt 12,28; Joh 12,31; 16,11; 1 Joh 3,8). Erst recht ist die Herrschaft des Feindes seit der Entscheidungsschlacht, Jesu Opfertod, Kreuz und Auferstehung, gebrochen. Jesus ist als der Stärkere in des »Starken Haus« gekommen und hat den Starken gebunden und ihm seinen Raub, den er hier angesammelt hatte, genommen (vgl. Mt 12,29; Mk 3,27; Lk 11,22).
Alles hat Jesus, der für uns gekreuzigte und auferstandene Herr, »herwiedergebracht« (vgl. Apg 3,21), das heißt, er hat den Raub denen zurückgegeben, die vom Feind zuvor beraubt wurden.
Der Feind wird hier mit einem Raubritter verglichen, der in seiner Burg gefangene Menschen und Raubgut festhält. Nun aber werden durch Jesus, nachdem er den »Raubritter« besiegt hat, die Gefangenen frei, und das Gut wird den Geraubten zurückgegeben.
(4) Die Namen des Feindes.
»Der große Drache, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt«:
Zweimal in der Offenbarung wird der Feind mit allen seinen Namen, die zugleich sein ganzes »Sündenregister« ausdrucken, benannt: hier anlässlich des ersten Teiles der Vollstreckung des Urteiles gegen ihn, also seines ersten Absturzes vom Himmel auf die Erde. Und dann noch einmal in Offb 20,2 bei seinem zweiten Absturz von der Erde in den Abgrund.
a) »Der große Drache«, der alles verschlingen, der Gottes gute Schöpfung, voran den Menschen, verwüsten und zerstören will.
b) »Die alte Schlange«
(1 Mose 3), die sich listig an den Menschen heranmacht, ihm Gottes Gebot zweifelhaft erscheinen lassen will (»Sollte Gott gesagt haben…?«) und in den Menschen das Misstrauen gegen Gott sät (»Mitnichten werdet ihr des Todes sterben…«) und den Geist des Größenwahns und des Aufruhrs gegen Gott (»Ihr werdet sein wie Gott«).
c) »Teufel« (griechisch »diabolos«), ist der »Durcheinanderbringer«, der Entzweier, der Verfeinder, der Verleumder, der Verkläger.
d) »Satan« (hebräisch): »Widersacher«, »Feind«.
Er will das Werk Gottes fortgesetzt stören, durchkreuzen, zerstören, mit Spott und Hohn einen Fehlschlag von Gottes Plan und Werk feststellen und nachweisen. Insofern heißt auch das hebräische Wort Satan »Verkläger«, der verborgenes Unrecht aufdeckt, um zu zeigen: »So weit her ist’s auch bei den Frommen nicht!« (Vgl. Hiob 1,6-11; 2,4.5).
»Der die ganze Welt verführt«:
Alle haben gesündigt (Röm 5,12). Er »verführt«: Das heißt, er führt in die falsche Richtung, weg von Gott, und so ins Verderben, in die Verdammnis. Jesus dagegen führt zu Gott zurück und damit zum Leben und in die Seligkeit.
(5) Der jetzige Ort des Feindes.
a) »Er ward geworfen auf die Erde.«
Die Leute meinen, der Teufel sei in der Hölle. Die Schrift dagegen sagt: Er war im Himmel, er ist nun auf der Erde, und er kommt in die »Hölle«, das heißt ins »ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln« (Mt 25,41; Offb 20,10); während des Friedensreiches Jesu ist er an einem Ort des vorläufigen Verschlusses, »im Abgrund« (Offb 20,1-3; vgl. das zu Offb 9,1.11; 11,7 Gesagte!).
b) »Und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen« (V. 9):
Deshalb sind sie nun die »bösen Geister, die in der Luft herrschen«. Das heißt, sie durchdringen, vergiften und beherrschen die geistige Atmosphäre, das, »was in der Luft liegt«, auf dieser Erde. Und sie gängeln so die Nichtglaubenden, ohne dass diese sich dessen bewusst werden (Eph 2,2; 6,12; 2 Kor 4,4).
Die Vertreibung Satans und seines Anhangs aus dem Himmel findet in der Mitte der Drangsal statt. Viele Ausleger haben auf die Tatsache hingewiesen, dass die Verse 8.9 gerade die beiden mittleren Verse innerhalb der 404 Verse des ganzen Buches darstellen (siehe J. B. Smith). Die erste Hälfte des Buches endet also mit der Vertreibung Satans aus dem Himmel; die zweite Hälfte endet mit der Erhöhung des Lammes, so dass „der Thron Gottes und des Lammes“ (22,1) in Ewigkeit gesehen werden. Diese Vertreibung ist lediglich der erste Schritt auf dem Weg zum endgültigen Gericht des Feindes Gottes und der Menschen. Der gleiche Ausdruck „geworfen“ wird bei jedem Abwärtsschritt des Teufels verwendet:
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
12,9 „geworfen wurde er auf die Erde“ Vom Himmel ausgestoßen
20,3 „und warf ihn in den Abgrund“ In den Abgrund eingekerkert
20,10 „der Teufel wurde in den Feuersee geworfen“ In den Feuersee verbannt
Damit nicht der geringste Zweifel aufkomme bezüglich des Werkes und der Identität dessen, der hier aus dem Himmel geworfen wird, werden ihm drei seiner Titel gegeben:
„Die alte Schlange“ bezeichnet den, der im Garten Eden den Menschen in der Morgendämmerung der Geschichte ins Verderben lockte (1.Mo 3,1-24). Die buchstäbliche Schlange wurde von Satan als das Werkzeug verwendet, und sie musste dafür den Preis bezahlen. List und Trug sind die Eigenschaften der Schlange, Eigenschaften, die den ältesten und ärgsten Feind des Menschen kennzeichnen.
„Teufel und Satan“ ist ein zusammengesetzter Titel. Das Wort Teufel, diabolos , ist vom Verb diaballo , „verleumden, Zerwürfnis stiften“, abgeleitet. Er wird hier als „der Verkläger der Brüder“ bezeichnet. Er verklagt die Menschen vor Gott wie einst den Hiob (Hi 2,4), und er verleumdet Gott gegenüber den Menschen. Die andere Seite des Wesens des Feindes wird durch das hebräische Wort Satan bezeichnet. Es bedeutet so viel wie „Widersacher“. Dies ist sein durchgängig verwendeter Titel im Alten Testament, wo uns gezeigt wird, wie er sich Gott, Gottes Volk und Gottes Absichten widersetzt.
„der den ganzen Erdkreis verführt“ zeigt, dass er der Verführer par excellence ist. Siebenmal wird er im zweiten Teil dieses Buches mit Verführung in Verbindung gebracht (12,9; 13,14; 18,23; 19,20; 20,3.8.10). Damit wird gezeigt, dass der Verführer im Lauf der Jahrhunderte in den letzten Tagen sein verführerische Wirksamkeit auf die höchste Spitze treiben wird. Der ganze Erdkreis wird von dieser Verführung heimgesucht werden. Man hat behauptet, mit „Erdkreis“ sei lediglich die dem Johannes bekannte Welt gemeint. Damit wird die göttliche Offenbarung einer unbegründeten Einschränkung unterworfen; nichts im Wort selbst erlaubt eine Begrenzung auf „die römische Erde“ oder auf die „prophetische Erde“ oder auf die Länder der Christenheit -. Man beachte, dass das gleiche Wort auch in Heb 2,5 verwendet wird, wo der Ausdruck keinerlei Einschränkung zulassen kann.
Die Wiederholung des Verbums „hinabgeworfen“ unterstreicht die Schmach seiner Niederlage. Von diesem Zeitpunkt an können der Satan und seine Engel nur noch auf der Erde wirken. Wenn er auf der Erde besiegt wird, kann er sich nirgends zurückziehen (19,20). Gott hat den Prozess begonnen, an dessen Ende die gesamte Schöpfung vom Usurpator befreit sein wird.
Um die Mitte der Trübsalszeit bricht auf der Erde der Krieg zwi schen dem Antichristen und den zehn Königen aus; zur gleichen Zeit gibt es auch Krieg im Himmel (Vers 7). Es ist ein Kampf des Erzengels Michael und seiner Scharen gegen den Erzfeind Satan und seine Heere. Michael bleibt Sieger, und Satan und seine Heere werden aus dem Himmel geworfen und auf die Erde verbannt (Verse S-9) Satan hat fünf Namen, die alle seine Person und sein Werk beschreiben. In dem Namen „der große Drache“ erscheint seine Wut und Wildheit. Die „alte Schlange“ weist uns zurück zum Garten Eden, wo infolge der Versuchung der Mensch von Gott abfiel und allen kommenden Menschen die Sünde und den Tod einbrachte. (Die große Trübsal ist das Gericht über die Sünde des Menschen.) In dem Namen „Teufel“ wird er als der Verkläger aller Kinder Gottes gesehen. „Satan“ bedeutet Feind und weist ihn als den großen Gegenspieler gegen alles aus, was Gott plant und wirkt. Mit „Verführer“ wird er als der Meister der Fälschung und der Lüge gekennzeichnet, mit deren Hilfe er versucht, Erwählte und Nichterwählte in gleicher Weise zu betrügen.
Arnold Fruchtenbaum – Handbuch der biblischen Prophetie
Daß Satan auf die Erde verbannt wird, wirkt sich doppelt aus: erstens ist ihm nun der Zugang zum Himmel verwehrt, so daß er nicht mehr vor dem Thron Gottes stehen und die Brüder anklagen kann. Darüber herrscht Freude im Himmel. Zweitens ist Satan nun voller Zorn (Vers 12b),
weil er weiß, daß er nicht mehr viel Zeit hat, nämlich nur dreieinhalb Jahre. Wegen dieses Zornes heißt es in Vers 12a „wehe der Erde“. Das ist wichtig, um die Ereignisse während der Mitte und der zweiten Hälfte der Trübsal verstehen zu können. Deren volle Bedeutung wird später in dieser Untersuchung klar werden.
Die Passage identifiziert den Drachen eindeutig als den Teufel (12,9), und die meisten Gelehrten würden die Sterne, die auf die Erde „herabgeworfen“ (ballō; 12,4) wurden, mit den Engeln des Drachen identifizieren, die schließlich „hinabgeworfen“ (ballō; 12,9) wurden. Aber dieser Krieg am Himmel wird nicht explizit mit der Schöpfung, einer Zeit vor der Schöpfung oder dem Fall der Menschheit in Verbindung gebracht; er steht eindeutig im Zusammenhang mit der Geburt des Messias (12,5), da der Schreiber messianische Formulierungen für die Bestimmung des Kindes verwendet (Ps 2,9; Sach 9,10). Außerdem sagt die Passage nichts darüber aus, wann sich der Teufel von Gott abgewandt hat.
Michael S. Heiser – Die Bibel ungefiltert – Annäherung an die Heilige Schrift nach ihren eigenen Bedingungen
Außerdem gibt es Zweideutigkeiten in der Passage. Die eigentliche Erwähnung eines Krieges kommt erst in Offb 12,7, wo der Drache (der Teufel) und seine Engel gegen Michael und seine Engelskrieger kämpfen. Das wirft die Möglichkeit auf, dass das Drittel der Engel („Sterne“ in 12:4) nicht die Vertreter des Teufels sind, sondern göttliche Engel, die vom Teufel und anderen ihm treuen Engeln besiegt werden. Es ist eine Vermutung, dass die Kampfszene in 12,7-9 das Ereignis in 12,4 erweitert. Es könnte sich um zwei getrennte Ereignisse in demselben übergreifenden Konflikt handeln.
Auf jeden Fall ist der Zeitpunkt des himmlischen Krieges nicht das, was viele Bibelforscher vermuten. Die apokalyptische Natur dieses Textes bedeutet, dass wir uns bei keiner Interpretation sicher sein können. Wenn wir die Bibel studieren, ist es nur allzu leicht, die Lücken in unserem Verständnis mit eingefahrenen (und fehlerhaften) Annahmen zu füllen, besonders wenn es um schwierige Passagen geht. Wenn wir versuchen, dem Wort Gottes treu zu sein, müssen wir darauf achten, dass wir es nicht mit vorgefassten Interpretationen im Kopf lesen.






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