Schlagwort: Bibel

Er verführt alle Menschen zum Bösen

Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, welcher Teufel und Satan (Eig der Satan) genannt wird, der den ganzen Erdkreis (O. die ganze bewohnte Erde) verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen.
Elberfelder 1871 – Offenbarung 12,9

Der große Drache, die uralte Schlange, die auch Teufel oder Satan genannt wird und die ganze Menschheit verführt hatte, wurde mit all seinen Engeln auf die Erde hinabgestürzt.
Neue evangelistische Übersetzung – Offenbarung 12:9

Und jener große Drache ward hinabgeworfen, die alte Schlange, welcher Teufel genannt wird und Satan, welcher die ganze Welt verführt (- Der große Drache: Als solcher war er von V. 3 an im Gesichte erschienen. Die alte Schlange heißt er als Verführer des Menschengeschlechtes. [1Mose 3,1-5] Teufel und Satan, Verkläger und Widersacher. Welcher die ganze Welt verführt: wie [Offenbarung 13] V. 14 [Offenbarung 20,8.10] zeigen. Die Darlegung findet ihre ganze Bedeutung erst im Zusammenhange mit dem folgenden V. 17. Die gehäuften Benennungen beschreiben das Wesen des Feindes so vollständig wie möglich, um einerseits zu zeigen, was er nun auf Erden gegen die Gläubigen tun werde (V. 12ff), andererseits hervorzuheben, dass, so mannigfach auch seine feindliche Wirksamkeit sein mag, er doch ein schon von Grund aus besiegter Widersacher ist. – Der Vision liegt in der Darstellung die Tatsache des Sturzes der gefallenen Engel zugrunde, die zwar mit dem vorliegenden Zusammenhange nichts zu tun hat, aber deren äußere Form die auszudrückende Wahrheit annimmt. -) ; er ward hinabgeworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen (- Nunmehr vermag er die Frommen nicht mehr zu verklagen. -) .
Joseph Franz von Allioli von Augustin Arndt überarbeitet – Offb 12,9

Diese Verse bilden die erste Erzählung von dem Drachen. Der Sieg Christi (V. 5) führt zu weitreichenden Konsequenzen, die mit dem Rauswurf Satans aus dem Himmel durch Michael beginnen, der hier als ein Helfer von Christus fungiert. Der Abschnitt spricht nicht vom Fall Satans zur Zeit der Schöpfung, sondern von der Niederlage Satans im Himmel durch die Kreuzigung und Auferstehung Christi (V. 12; Joh 12,31; Kol 2,15).

Reformations-Studien-Bibel

Der Verfasser deutet den Drachen als die zur Sünde verführende Schlange im Garten Eden, als Teufel (griech. diábolos, „Verleumder“) bzw. Satan (hebr. úâtân, „Widersacher“). Diábolos ist die griechische Übersetzung des hebräischen Nomens, das zunächst jedweden Gegner im zwischenmenschlichen Bereich, etwa den Feind des Gottesfürchtigen (vgl. Ps 38,21; 109,4), aber auch den Ankläger bei Gericht (vgl. Ps 109,6) bezeichnet, später dann ein Engelwesen, das Menschen (auf verleumderische Weise) vor Gott anklagt.

Herder-Übersetzung mit Kommentar und Erläuterungen

Ganze Welt: Nämlich alle die, so verloren werden.
Geworfen: Es ist aber der Satan überwunden und aus dem Himmel geworfen worden, wie unter dem Kaiser Konstantin die christliche Religion im ganzen Römischen Reich öffentlich überall angenommen wurde und die heidnische Abgötterei ausgemustert und abgetan wurde. Da hat es ein Ansehen gehabt, als wäre der Satan vom Himmel gefallen, und als haben die Kirchen Christi ein wenig Ruhe bekommen.

Osiander – Luther Studienbibel (2025)

Im Zwischenstück V. 7–12 streitet der Engel → Michael mit seinem → Engelheer in einem die Welt übergreifenden Kampf für das Volk Gottes. Sein Gegner ist der Drache und seine Engel, die auf die Erde gestürzt werden (in V. 9 dreimal geworfen; vgl. Jes 14,12–15 und die Verweise). Dort verführt er die ganze Welt (vgl. 2. Joh 7). Im Siegeslied über den Drachensturz (V. 10–11) wird die eigtl. Aufgabe des Satans benannt: Verkläger zu sein (vgl. Hiob 1–2; Sach 3,1). Seine Anklage ist aber schon außer Kraft gesetzt, da er bereits überwunden ist. Der himml. Sieg ist schon errungen und auf Erden hat die widergöttl. Macht nur noch wenig Zeit (V. 12). Die Wut des Verklägers wird in Kap 13 und Kap 17 auf dem Erfahrungshintergrund der Gemeinde eindrücklich geschildert.

Stuttgarter Erklärungsbibel: Lutherbibel mit Einführungen und Erklärungen

Hinausgeworfen, die Vorstellung entspricht einer bekannten jüdischen Tradition, nach der eine Gruppe von Engelwesen, genannt Wächter, vor der Sintflut aus dem Himmel gestürzt wurde (vgl. z.B. äthHen 6–21; Gen 6,1–4). Die alte Schlange, in rabbinischen Texten teilweise eine Bezeichnung für den Satan (z.B. tSota 1,19; SifDev 323), verbindet hier aber eindeutig den Satan mit der Schlange aus Gen 3,1–7 (so auch in slawHen 31). Teufel […] Satan […] auf die Erde geworfen, vgl. Lk 10,18–19, wo ebenfalls das „[T]reten auf Schlangen“ mit dem Sturz des Satans in Verbindung gebracht wird.

Das Neue Testament – jüdisch erklärt

Der Kampf endete damit, daß Satan … auf die Erde geworfen (wurde). Sein Wesen wird in den verschiedenen Beinamen, mit denen er belegt wird, deutlich: Der große Drache, die alte Schlange … Teufel und Satan. Mit ihm wurden die gefallenen Engel, die Dämonen, aus dem Himmel vertrieben.
Es ist schwer zu begreifen, daß Satan im Himmel sein soll, doch daß er dort als Ankläger fungiert, liegt auf der Hand (vgl. Hi 1,6; Offb 12,10). Er wurde zwar beim ersten Kommen Christi besiegt (Joh 16,11), seine endgültige Vernichtung steht jedoch noch aus. Nach Offb 12,8-9 wird er mitten in der Großen Trübsal aus dem Himmel verbannt. Während des Tausendjährigen Reiches wird er dann gebunden (Offb 20,1-3) und am Ende in den Feuersee geworfen (Offb 20,10), in den auch der Herrscher der Welt (der Antichrist) und der falsche Prophet tausend Jahre zuvor gestürzt wurden.
Satan widersetzte sich mit seinen Taten im Himmel und auf Erden Christus, dem himmlischen Hohenpriester, dem König bei der Weltherrschaft Satans in der Zeit der Großen Trübsal und wahren Propheten, indem er das Tier, den falschen Propheten (Offb 20,10), aus der Erde hervorgehen ließ. Satan wird hier als „die alte Schlange“, der „Teufel oder Satan“ bezeichnet, der die ganze Welt in die Irre führt. Wenn er auf die Erde geworfen wird, werden alle gefallenen Engel oder Dämonen mit ihm herabstürzen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Der Drache wird so vollkommen besiegt, dass er jedes Recht auf Zugang zum »Himmel« verliert. Er und seine Untertanen werden »auf die Erde … geworfen«. Dies ist jedoch noch nicht sein endgültiges Schicksal (s. 20,1–3.10). Man beachte, wie Johannes ihn beschreibt: » Der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt.«

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

V. 9 bringt nun weiterhin eine fünffache Identifikation: 1) Es handelt sich um den „großen Drachen“ mit den sieben Häuptern und zehn Hörnern von V. 3. Näheres siehe in der Erklärung zu diesem Vers. 2) Es handelt sich zugleich um die „alte Schlange“ (ὁ ὄφις ὁ ἀρχαῖος [ho ophis ho archaios]). So heißt er auch in Offb 20,2. In V. 13 und 14 ist ebenfalls von der „Schlange“ die Rede. Nach G. Delling ist ὁ ὄφις ὁ ἀρχαῖος [ho ophis ho archaios] „übernommen aus dem (an Gen 3 entstandenen) rabbinischen Sprachgebrauch.“ Jedenfalls ist der Bezug auf die „Schlange“ von Gen 3,1ff sicher. Die „alte Schlange“ ist also die seit Urzeiten auftretende Schlange, die uns schon im Paradies begegnet.233 3) Gleichzeitig wird er „Teufel genannt“ (ὁ καλούμενος Διάβολος [ho kalumenos Diabolos]). Das deutsche Wort „Teufel“ kommt von diesem griechischen „Diabolos“. Johannes formuliert so, als ob „Teufel“ ein Zuname wäre („genannt“). Vermutlich empfand er den Begriff „Diabolos“ = „Teufel“, der erst von der griechischen Bibelübersetzung geschaffen wurde235, noch immer als etwas Fremdsprachliches. „Diabolos“ geht zurück auf διαβάλλω [diaballo], das folgende Bedeutungen hat: „auseinanderbringen; abbringen; anklagen, verleumden; täuschen“. Deshalb bedeutet „Diabolos“: „Auseinanderbringer“, „Ankläger“ (vgl. V. 10), „Widersacher“, „Verführer“. 4) Außerdem ist er „der Satan“ (ὁ Σατανᾶς [ho Satanas]). Hier stoßen wir auf einen biblisch-hebräischen Begriff. Das hebräische שָׂטָן [satan] bedeutet „Widersacher“, „Gegner“ und wird öfters auf Menschen angewandt, in Num 22,22.32 sogar auf den Engel Gottes, der zum „Widersacher“ Bileams wird. „Der Satan“ schlechthin ist aber ein bestimmter Engel, der im Himmel auftritt und als Ankläger oder Verführer die Menschen Gottes quälen und zu Fall bringen will (1Chron 21,1; Hiob 1,6ff; 2,1ff; Sach 3,1ff). Auch er wird mit dem großen Drachen identifiziert. Das NT hat die Aussagen des AT über den Satan sinngemäß aufgenommen (vgl. Mt 16,23; Lk 10,18; 22,31f). 5) Schließlich ist der große Drache derjenige, „der den ganzen Erdkreis verführt“ (ὁ πλανῶν τὴν οἰκουμένην ὅλην [ho planon ten oikumenen holen]). Das Verführerische klang schon beim Namen „Satan“ an. Jetzt aber tritt es in den Vordergrund. Da im Griechischen hier kein Name mehr steht, wie es von 1) bis 4) der Fall war, sondern ein Partizip (πλανῶν [planon]), könnte sich die Bemerkung der … verführt grammatikalisch auch auf alle vier zuvor genannten Identifikationsfiguren beziehen. Wir betrachten es jedoch als fünfte, selbstständige Identifikation. Die Auslegung bleibt dieselbe. πλανάω [planao] heißt „irreführen“, d.h. auf den falschen Weg führen, oder „täuschen“. ἡ οἰκουμένη ὅλη [he oikumene hole] (der ganze Erdkreis) bedeutet „die ganze bewohnte Erde“. Es darf nicht auf die Heiden eingegrenzt werden243, denn der große Drache versucht auch, die Christusgläubigen zu verführen (vgl. Mt 24,24; 1Petr 5,8). „Verführen“ muss als die Absicht verstanden werden, die Menschen in seinen eigenen Irrweg hineinzuziehen und zur Anbetung des Drachen statt zur Anbetung des dreieinigen Gottes zu bewegen (vgl. Mt 4,9; Offb 13,4ff).
Betrachtet man Offb 12,9, dann wird die Deutung des großen Drachen auf Rom ganz unmöglich. Schon menschlich weiß Johannes als gebürtiger Jude, dass das Reich der Römer nicht der ganze Erdkreis ist: Er kennt Nachrichten genug über die Länder jenseits der römischen Grenzen mit ihrer machtvollen Kultur, über Äthiopien, Arabien, Persien, Indien, über Skythen, Germanen, Afrikaner. Wenn er vom „ganzen Erdkreis“ spricht, hat er wie Lukas in Apg 2,5ff und wie die Völkertafel in Gen 10 die ganze Völkerwelt vor Augen. Erst recht ist der „Satan“, der „Teufel“ und Versucher eine universale antigöttliche Macht. Eine Einengung auf das vergängliche Römerreich wird der Wucht und Größe der Aussage von Offb 12 nicht gerecht. Schon der alttestamentliche Sprachgebrauch lässt dies nicht zu.
Und seine Engel wurden mit ihm geworfen: Das dreimalige geworfen hat den Charakter des Endgültigen. Wer dem Teufel anhängt, teilt sein Schicksal.

Maier, Gerhard and Riesner, Rainer and Neudorfer, Heinz-Werner and Schnabel, Eckhard J. – Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament

Und es wurde geworfen der große Drache, die uralte Schlange, genannt Diabolos und Satan. Diese Sprechweise klingt wie ein Auszug aus einer Urteilsverkündigung. Zu Beginn werden die Personalien des Verurteilten, seine Herkunft und sein Tun und Lassen genau aufgeführt.
Es ist der große Drache. „Drache“ bezeichnete vor allem eine Riesenschlange, wiederum besonders die Seeschlange und das Seeungeheuer. Daran läßt der Wasserstrahl denken, den dieser Drache nach Vers 15 herausschießt. Aber die Beifügung groß übersteigert diesen Drachen gegenüber jedem natürlichen Wesen. Ein riesenhafter Riesendrache! So entsteht ein Bild für eine Größe, die alle Zoologie hinter sich läßt, nämlich für die Wirklichkeit des Satanischen.
In der Offb ist Satan der Gegner Gottes. Gern wäre er auch Gegengott, bringt es aber nicht weiter als bis zu einem „Affen Gottes“ (Luther). Wäre er Gegengott, ständen wir unter einem Dualismus zweier selbständiger Mächte. Gottes Volk hat darauf zu achten daß es Satan diese Ehre nicht antut. „Er lebt von dem Respekt, den man ihm zollt“ (Lamparter). Wir haben darum nicht an ihn zu glauben, sondern ihm zu widerstehen (1 Pt 5, 9; Jak 4, 7). Wir sollen ihn uns auch nicht genau vorstellen wollen und uns weder in eine Betrachtung des Satanischen vertiefen noch eine ausführliche Satanslehre anstreben noch in unserer Umwelt Satansgewißheit verbreiten. Nicht einmal dann, wenn andere den Satan wegdisputieren, streiten wir beharrlich mit ihnen. Wohl tut ein Hinweis auf den Ausspruch Goethes gut: „Den Teufel spürt das Völkchen nicht, und wenn er sie beim Kragen hält.“ Aber wer sich in Belehrung über Satan und Dämonen ergeht, gewinnt für das Heil rein gar nichts. Das Mittelalter strotzte nur so vor Teufelsglaube und war doch so arm an Christuserkenntnis und so in Fesseln geschlagen durch Gewalt, Unrecht und Unverstand.
Auch hier verfolgen wir nur die kurze Skizzierung des Satanischen, ohne sie mit allen möglichen Gesichtspunkten und Fragestellungen auszugleichen. Der große Drache wird auch die uralte Schlange genannt. Die Schlange spielte in der Umwelt Israels eine für uns unvorstellbare Rolle. Sie war fast überall verbreitet und bekannt. Schlangenkulte sind schon aus der Zeit 4500 v. Chr. belegt. Mancherlei Umstände förderten diese Kulte: der überlegene, hypnotisierende Blick der Schlange, ihr kaum merklicher, aber tödlicher Biß, ihre Heimtücke und Schnelligkeit und ihre Dressierbarkeit.
Aber nicht nur als Verderbensmacht wurde sie empfunden. Besonders die Griechen richteten sie als Haustier ab und verehrten sie als Lebensmacht. Die Schlange ist ja besonders der Erde verbunden, lebt in Grotten und Ritzen, kriecht auf der Erde, scheint Erde zu fressen und galt als „Seele“ der Erde, als Erdgottheit. Da die Erde aber Symbol für das Mütterliche und Weibliche ist, erscheint die Schlange auf den Abbildungen der Fruchtbarkeitsgöttinnen.
Weil die Schlange häufig an Quellen haust, schien sie mit unterirdischen, verborgenen Schätzen in Verbindung zu stehen. Sie galt als hellseherisches Orakeltier. Besonders an Heil quellen verehrte man sie, verfügte sie doch nicht nur über Gift, sondern auch über Gegengift, vgl. den Hinweis auf den blühenden Asklepioskult zu 2, 13. Schließlich konnte die Beobachtung, wie sich die Schlange häutet und sich auf diese Weise zu verjüngen und zu erneuern scheint, sie zum Symbol der Wiedergeburt und des ewigen Lebens werden lassen.
Bei der allgemeinen Hochschätzung des Schlangenkultes in allen umwohnenden Völkern ist es nicht verwunderlich, wenn Israel die Schlange als Verkörperung des Heidentums ansah. Daher der entschiedene Abscheu vor Schlangen im AT. Nie diente sie als Haustier, Opfertier oder als Speise. Sie ist das widerlich Schmierige, Schillernde, Zwielichtige, Mörderische und darum das Satanische.
An unserer Stelle finden wir eine ausdrückliche Gleichsetzung mit der Paradiesesschlange von 1 Mo 3: die uralte Schlange. So alt sie ist, sie hat ihre Feindschaft gegen Gott und alles Göttliche nie vergessen.
Erst jetzt erklingt zweisprachig (Anm. 301) der eigentliche Name des Drachen und der Schlange. Wir erörtern zunächst das hebräische Wort Satan. Es bezeichnet ursprünglich völlig neutral den Opponenten. Im israelitischen Gerichtswesen hat es möglicherweise die Planstelle für einen Ankläger gegeben469, der zur Rechten des Angeklagten stand (Sach 3, 1; 1 Chr 21, 1; Ps 109, 6). Mit Feindseligkeit und Bosheit hat diese gesellschaftliche Funktion noch nichts zu schaffen. Auch im Hiobbuch hat „Satan“ noch keinen bösen Beiklang. Er achtet wie ein guter Staatsanwalt darauf, daß man nicht einfach dem Augenschein traut und beantragt den Beweisgang. Teuflische Lust am Bösen liest man für ihn höchstens in den Text hinein. Er ist nicht Widersacher Gottes, sondern dient der genauen göttlichen Rechtsprechung.
Erst im Judentum wird „Satan“ zum Eigennamen für die aktiv böse Macht. Sie ist Gott und den Menschen, vor allem aber den Gerechten, feindlich gesinnt. Als Nachklang des AT bleibt bestehen, daß Satan ein von Gott abhängiges Geschöpf ist, nämlich ein Engelfürst.
Eine Zusammenfassung seines Tuns bietet das bekannte Zitat aus dem babylonischen Talmud: „Der Satan kommt herab und verführt, steigt hinauf und klagt an, nimmt Vollmacht und nimmt die Seele.“ Zunächst verführt er also zur Sünde, indem er Gott und die Sünde verharmlost und diese begehrenswert macht wie in 1 Mo 3. Sobald er den Menschen zum Sündigen gebracht hat, eilt er ins himmlische Gericht, um flammende Anklage gegen den zu erheben, den er selbst gereizt, gelockt und überredet hat. In „heiligster“ Entrüstung und unter Berufung auf Gottes Gebote fordert er Strafgerechtigkeit. Bevollmächtigt kehrt er zurück und vollstreckt die Strafe, indem er den Sünder tötet. So hat er sein Ziel erreicht: den Tod des Menschen, den Gott doch zum Leben geschaffen hat.
Nach jüdischer Lehre fungiert vor dem himmlischen Gericht aber auch ein Verteidiger Israels, nämlich der Erzengel Michael. Er trägt die Tugenden der Juden vor Gottes Thron. Er kann auch den Satan abweisen. Aber von Fall zu Fall steigt dieser immer wieder herauf, um frisch verführte Opfer anzuklagen und Vollmacht über sie zu gewinnen.
Als Verführer arbeitet der Satan also mit Lüge und als Vollstrecker mit Gewalt, aber als Verkläger arbeitet er mit Wahrheit. Kein Gewaltsystem verachtet eine gewisse Rechtlichkeit. Jede Lüge, die Erfolg haben will, bedarf einer Prise Wahrheit. Darum liegt die wesentliche Macht Satans in seiner mittleren Funktion begründet. Nirgendwo ist er so satanisch wie gerade in seiner Anklage, wo er vollmächtig von Gott scheidet und die Schuldwand zwischen Gott und Sünder himmelhoch emporzieht.
Haben Jesus und die Apostel diese jüdischen Anschauungen einfach übernommen? Nach dem Evangelium ist die furchtbare Verklägerfunktion Satans gelöscht. Das bedeutet die Lehre vom Satanssturz. Seine wesentliche Kraft ist gebrochen. Darauf bezieht sich in Vers 9 das jubelnde, dreimalige „gestürzt, gestürzt, gestürzt!“ Zwar geht er weiter als Lügner und Mörder um, doch die Rechtsposition ist ihm genommen. Er stürzte in die Illegalität. Sein Reich ist darum ohne Bestand.
Die grie Bezeichnung Diabolos wird gern mit „Durcheinanderbringer“ wiedergegeben. Er schafft in einer Gemeinschaft durch Verleumdung und Streitsucht Mißverständnisse und liebt das Chaos. Vielleicht wäre auch die Wiedergabe durch „Auseinanderbringer“ angebracht. Er bringt Gott und Menschen auseinander. Aber das Wort ist als Übersetzung von „Satan“ in die Bibel gekommen und also deckungsgleich aufzufassen.
Der Schluß des 9. Verses hebt die Verführerfunktion, also das Schlangenhafte, ausdrücklich hervor. Er verführte die ganze besiedelte Erde. In aller Verführung zu allen Zeiten und an allen Orten ist er der Verführer. Durch ihn ist ein „Geist der Verführung“ (1 Jo 1, 8; 2, 26; 3, 7) eingeströmt, so daß einer den anderen verführt und einer vom anderen verführt wird (2 Ti 3, 13). Dann setzt man Lügen voraus, erwartet man sie und glaubt verdrehterweise nur noch ihnen. In solch einer Atmosphäre spricht der Herr Jesus Christus: „Weil ich die Wahrheit rede, glaubt ihr mir nicht“ (Jo 8, 45).
In den Versen 10–12 erklingt, wie so oft nach einer Vision, eine deutende Stimme. Weil diese Stimme von „unseren Brüdern“ spricht, wurde sie auf die Stimme der Märtyrer von 6, 11 gedeutet. Aber auch Engel könnten so sprechen, da sie sich nadi 19, 10; 22, 9 „Mitknechte“ der Gläubigen nennen. Vor allem aber läßt der deutende Inhalt der Stimme mehr an den Dienst eines Engels denken.

Pohl – Wuppertaler Studienbibel

»Es ward gestürzt« (V. 9): Jesus sagte seinen Jüngern, die er mit seiner Vollmacht auch gegen die Dämonen ausgesandt hatte: »Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz« (Lk 10,18).
Der Feind war aufs Höchste alarmiert und eilte aufs Kampffeld. Bereits mit Jesu Kommen überhaupt wankte sein Reich (vgl. Mt 12,28; Joh 12,31; 16,11; 1 Joh 3,8). Erst recht ist die Herrschaft des Feindes seit der Entscheidungsschlacht, Jesu Opfertod, Kreuz und Auferstehung, gebrochen. Jesus ist als der Stärkere in des »Starken Haus« gekommen und hat den Starken gebunden und ihm seinen Raub, den er hier angesammelt hatte, genommen (vgl. Mt 12,29; Mk 3,27; Lk 11,22).
Alles hat Jesus, der für uns gekreuzigte und auferstandene Herr, »herwiedergebracht« (vgl. Apg 3,21), das heißt, er hat den Raub denen zurückgegeben, die vom Feind zuvor beraubt wurden.
Der Feind wird hier mit einem Raubritter verglichen, der in seiner Burg gefangene Menschen und Raubgut festhält. Nun aber werden durch Jesus, nachdem er den »Raubritter« besiegt hat, die Gefangenen frei, und das Gut wird den Geraubten zurückgegeben.
(4) Die Namen des Feindes.
»Der große Drache, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt«:
Zweimal in der Offenbarung wird der Feind mit allen seinen Namen, die zugleich sein ganzes »Sündenregister« ausdrucken, benannt: hier anlässlich des ersten Teiles der Vollstreckung des Urteiles gegen ihn, also seines ersten Absturzes vom Himmel auf die Erde. Und dann noch einmal in Offb 20,2 bei seinem zweiten Absturz von der Erde in den Abgrund.
a) »Der große Drache«, der alles verschlingen, der Gottes gute Schöpfung, voran den Menschen, verwüsten und zerstören will.
b) »Die alte Schlange«
(1 Mose 3), die sich listig an den Menschen heranmacht, ihm Gottes Gebot zweifelhaft erscheinen lassen will (»Sollte Gott gesagt haben…?«) und in den Menschen das Misstrauen gegen Gott sät (»Mitnichten werdet ihr des Todes sterben…«) und den Geist des Größenwahns und des Aufruhrs gegen Gott (»Ihr werdet sein wie Gott«).
c) »Teufel« (griechisch »diabolos«), ist der »Durcheinanderbringer«, der Entzweier, der Verfeinder, der Verleumder, der Verkläger.
d) »Satan« (hebräisch): »Widersacher«, »Feind«.
Er will das Werk Gottes fortgesetzt stören, durchkreuzen, zerstören, mit Spott und Hohn einen Fehlschlag von Gottes Plan und Werk feststellen und nachweisen. Insofern heißt auch das hebräische Wort Satan »Verkläger«, der verborgenes Unrecht aufdeckt, um zu zeigen: »So weit her ist’s auch bei den Frommen nicht!« (Vgl. Hiob 1,6-11; 2,4.5).
»Der die ganze Welt verführt«:
Alle haben gesündigt (Röm 5,12). Er »verführt«: Das heißt, er führt in die falsche Richtung, weg von Gott, und so ins Verderben, in die Verdammnis. Jesus dagegen führt zu Gott zurück und damit zum Leben und in die Seligkeit.
(5) Der jetzige Ort des Feindes.
a) »Er ward geworfen auf die Erde.«
Die Leute meinen, der Teufel sei in der Hölle. Die Schrift dagegen sagt: Er war im Himmel, er ist nun auf der Erde, und er kommt in die »Hölle«, das heißt ins »ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln« (Mt 25,41; Offb 20,10); während des Friedensreiches Jesu ist er an einem Ort des vorläufigen Verschlusses, »im Abgrund« (Offb 20,1-3; vgl. das zu Offb 9,1.11; 11,7 Gesagte!).
b) »Und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen« (V. 9):
Deshalb sind sie nun die »bösen Geister, die in der Luft herrschen«. Das heißt, sie durchdringen, vergiften und beherrschen die geistige Atmosphäre, das, »was in der Luft liegt«, auf dieser Erde. Und sie gängeln so die Nichtglaubenden, ohne dass diese sich dessen bewusst werden (Eph 2,2; 6,12; 2 Kor 4,4).

Gerhardt Maier – Edition C

Die Vertreibung Satans und seines Anhangs aus dem Himmel findet in der Mitte der Drangsal statt. Viele Ausleger haben auf die Tatsache hingewiesen, dass die Verse 8.9 gerade die beiden mittleren Verse innerhalb der 404 Verse des ganzen Buches darstellen (siehe J. B. Smith). Die erste Hälfte des Buches endet also mit der Vertreibung Satans aus dem Himmel; die zweite Hälfte endet mit der Erhöhung des Lammes, so dass „der Thron Gottes und des Lammes“ (22,1) in Ewigkeit gesehen werden. Diese Vertreibung ist lediglich der erste Schritt auf dem Weg zum endgültigen Gericht des Feindes Gottes und der Menschen. Der gleiche Ausdruck „geworfen“ wird bei jedem Abwärtsschritt des Teufels verwendet:
12,9 „geworfen wurde er auf die Erde“ Vom Himmel ausgestoßen
20,3 „und warf ihn in den Abgrund“ In den Abgrund eingekerkert
20,10 „der Teufel wurde in den Feuersee geworfen“ In den Feuersee verbannt
Damit nicht der geringste Zweifel aufkomme bezüglich des Werkes und der Identität dessen, der hier aus dem Himmel geworfen wird, werden ihm drei seiner Titel gegeben:

„Die alte Schlange“ bezeichnet den, der im Garten Eden den Menschen in der Morgendämmerung der Geschichte ins Verderben lockte (1.Mo 3,1-24). Die buchstäbliche Schlange wurde von Satan als das Werkzeug verwendet, und sie musste dafür den Preis bezahlen. List und Trug sind die Eigenschaften der Schlange, Eigenschaften, die den ältesten und ärgsten Feind des Menschen kennzeichnen.

„Teufel und Satan“ ist ein zusammengesetzter Titel. Das Wort Teufel, diabolos , ist vom Verb diaballo , „verleumden, Zerwürfnis stiften“, abgeleitet. Er wird hier als „der Verkläger der Brüder“ bezeichnet. Er verklagt die Menschen vor Gott wie einst den Hiob (Hi 2,4), und er verleumdet Gott gegenüber den Menschen. Die andere Seite des Wesens des Feindes wird durch das hebräische Wort Satan bezeichnet. Es bedeutet so viel wie „Widersacher“. Dies ist sein durchgängig verwendeter Titel im Alten Testament, wo uns gezeigt wird, wie er sich Gott, Gottes Volk und Gottes Absichten widersetzt.

„der den ganzen Erdkreis verführt“ zeigt, dass er der Verführer par excellence ist. Siebenmal wird er im zweiten Teil dieses Buches mit Verführung in Verbindung gebracht (12,9; 13,14; 18,23; 19,20; 20,3.8.10). Damit wird gezeigt, dass der Verführer im Lauf der Jahrhunderte in den letzten Tagen sein verführerische Wirksamkeit auf die höchste Spitze treiben wird. Der ganze Erdkreis wird von dieser Verführung heimgesucht werden. Man hat behauptet, mit „Erdkreis“ sei lediglich die dem Johannes bekannte Welt gemeint. Damit wird die göttliche Offenbarung einer unbegründeten Einschränkung unterworfen; nichts im Wort selbst erlaubt eine Begrenzung auf „die römische Erde“ oder auf die „prophetische Erde“ oder auf die Länder der Christenheit -. Man beachte, dass das gleiche Wort auch in Heb 2,5 verwendet wird, wo der Ausdruck keinerlei Einschränkung zulassen kann.
Die Wiederholung des Verbums „hinabgeworfen“ unterstreicht die Schmach seiner Niederlage. Von diesem Zeitpunkt an können der Satan und seine Engel nur noch auf der Erde wirken. Wenn er auf der Erde besiegt wird, kann er sich nirgends zurückziehen (19,20). Gott hat den Prozess begonnen, an dessen Ende die gesamte Schöpfung vom Usurpator befreit sein wird.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Um die Mitte der Trübsalszeit bricht auf der Erde der Krieg zwi schen dem Antichristen und den zehn Königen aus; zur gleichen Zeit gibt es auch Krieg im Himmel (Vers 7). Es ist ein Kampf des Erzengels Michael und seiner Scharen gegen den Erzfeind Satan und seine Heere. Michael bleibt Sieger, und Satan und seine Heere werden aus dem Himmel geworfen und auf die Erde verbannt (Verse S-9) Satan hat fünf Namen, die alle seine Person und sein Werk beschreiben. In dem Namen „der große Drache“ erscheint seine Wut und Wildheit. Die „alte Schlange“ weist uns zurück zum Garten Eden, wo infolge der Versuchung der Mensch von Gott abfiel und allen kommenden Menschen die Sünde und den Tod einbrachte. (Die große Trübsal ist das Gericht über die Sünde des Menschen.) In dem Namen „Teufel“ wird er als der Verkläger aller Kinder Gottes gesehen. „Satan“ bedeutet Feind und weist ihn als den großen Gegenspieler gegen alles aus, was Gott plant und wirkt. Mit „Verführer“ wird er als der Meister der Fälschung und der Lüge gekennzeichnet, mit deren Hilfe er versucht, Erwählte und Nichterwählte in gleicher Weise zu betrügen.
Daß Satan auf die Erde verbannt wird, wirkt sich doppelt aus: erstens ist ihm nun der Zugang zum Himmel verwehrt, so daß er nicht mehr vor dem Thron Gottes stehen und die Brüder anklagen kann. Darüber herrscht Freude im Himmel. Zweitens ist Satan nun voller Zorn (Vers 12b),
weil er weiß, daß er nicht mehr viel Zeit hat, nämlich nur dreieinhalb Jahre. Wegen dieses Zornes heißt es in Vers 12a „wehe der Erde“. Das ist wichtig, um die Ereignisse während der Mitte und der zweiten Hälfte der Trübsal verstehen zu können. Deren volle Bedeutung wird später in dieser Untersuchung klar werden.

Arnold Fruchtenbaum – Handbuch der biblischen Prophetie

Die Passage identifiziert den Drachen eindeutig als den Teufel (12,9), und die meisten Gelehrten würden die Sterne, die auf die Erde „herabgeworfen“ (ballō; 12,4) wurden, mit den Engeln des Drachen identifizieren, die schließlich „hinabgeworfen“ (ballō; 12,9) wurden. Aber dieser Krieg am Himmel wird nicht explizit mit der Schöpfung, einer Zeit vor der Schöpfung oder dem Fall der Menschheit in Verbindung gebracht; er steht eindeutig im Zusammenhang mit der Geburt des Messias (12,5), da der Schreiber messianische Formulierungen für die Bestimmung des Kindes verwendet (Ps 2,9; Sach 9,10). Außerdem sagt die Passage nichts darüber aus, wann sich der Teufel von Gott abgewandt hat.

Außerdem gibt es Zweideutigkeiten in der Passage. Die eigentliche Erwähnung eines Krieges kommt erst in Offb 12,7, wo der Drache (der Teufel) und seine Engel gegen Michael und seine Engelskrieger kämpfen. Das wirft die Möglichkeit auf, dass das Drittel der Engel („Sterne“ in 12:4) nicht die Vertreter des Teufels sind, sondern göttliche Engel, die vom Teufel und anderen ihm treuen Engeln besiegt werden. Es ist eine Vermutung, dass die Kampfszene in 12,7-9 das Ereignis in 12,4 erweitert. Es könnte sich um zwei getrennte Ereignisse in demselben übergreifenden Konflikt handeln.

Auf jeden Fall ist der Zeitpunkt des himmlischen Krieges nicht das, was viele Bibelforscher vermuten. Die apokalyptische Natur dieses Textes bedeutet, dass wir uns bei keiner Interpretation sicher sein können. Wenn wir die Bibel studieren, ist es nur allzu leicht, die Lücken in unserem Verständnis mit eingefahrenen (und fehlerhaften) Annahmen zu füllen, besonders wenn es um schwierige Passagen geht. Wenn wir versuchen, dem Wort Gottes treu zu sein, müssen wir darauf achten, dass wir es nicht mit vorgefassten Interpretationen im Kopf lesen.

Michael S. Heiser – Die Bibel ungefiltert – Annäherung an die Heilige Schrift nach ihren eigenen Bedingungen

    Mit allem, was ich hab, will ich dir „danke“ sagen

    Ich will dich preisen, (O. dir danken) Herr, mein Gott, mit meinem ganzen Herzen, und deinen Namen verherrlichen ewiglich.
    Elberfelder 1871 – Psalm 86,12

    Ich lobpreise dich, o Jehova, mein Gott, mit meinem ganzen Herzen,
    Und ich will deinen Namen verherrlichen auf unabsehbare Zeit,
    neue Welt Übersetzung – Bi12 – Psalm 86:12

    Ich will dich preisen, Herr, mein Gott, mit meinem ganzen Herzen
    und will deinen Namen verherrlichen in Ewigkeit,
    Septuaginta Deutsch – Ps 85,12

    Ich will dir danken,
    mein Herr, mein Gott,
    mit all meinem Herzen,
    in die Zeit hin ehren deinen Namen,
    Buber & Rosenzweig 1976 – Ps 86:12

    Vers 12a entspricht fast genau dem Wortlaut von 9,1a; und in Vers 12b werden Worte aus Vers 9c verwendet. Mein ganzes Herz in Zeile a wiederholt die Vorstellung von einem „ungeteilten Herzen“ in Vers 11c. Der Ausdruck „verherrliche deinen Namen“ kann in einigen Sprachen so wiedergegeben werden: „Ich werde immer allen sagen, dass du groß bist“, oder in direkter Anrede: „Ich werde immer zu den Menschen sagen: „Du, Gott, bist groß“. „

    Bratcher – Ein Übersetzerhandbuch zum Buch der Psalmen

    Eine Unterordnung im Glauben geschieht, wenn einer zu Gott sagt: Lehre mich, Jahwe, deinen Weg. Hier ist einer bereit, sich korrigieren zu lassen. Das ist die andere Seite des Lobpreises, die den inneren Menschen an das Herz Gottes erhebt. Der Gehorsam ist eine Konzentration des Inneren auf den Einen Gott, darum bittet David: Einige mein Herz, ganz im Sinne von 5Mo 6, 4f. Entsprechend heißt es anschließend: Ich preise dich, mein Gott, mit meinem ganzen Herzen. Im Blick auf die Prophetie von V. 9 wird man sich fragen müssen, ob die Völker, die zur Anbetung Gottes kommen werden, sich so radikal und ausschließlich dem Gott Israels verschreiben wollen. Preisen heißt Gott verherrlichen, ihm seinen Glanz und seine Würde »noch einmal« in menschlicher Reaktion zukommen lassen, und das in Ewigkeit.

    Schneider – Wuppertaler Studienbibel

    Hier haben wir die Ursache, warum David so betet, wie wir in Vers 11 sahen: Nur wer ein Herz hat, das Gott fürchtet (V. 11), kann Gott »preisen von ganzem Herzen«. Das zu tun, ist sein Begehr; darum betet er um ein gottesfürchtiges Herz. Die doppelte Anrede »mein Herr und mein Gott« lässt uns etwas von der Innigkeit ahnen, mit der David an seinem Gott hing. Wir begegnen dieser Anrede wörtlich wieder im Neuen Testament. Es ist der ungläubige Thomas, der sie an den Herrn richtet, nachdem dieser ihm erschienen und ihn seines Unglaubens wegen gerügt hat (Joh 20,28).
    »und deinen Namen … rühmen«: David will den Namen seines Herrn rühmen. Georg Whitefield, ein Knecht des Herrn im 18. Jahrhundert, schrieb in einem Brief: »Der Name Whitefield möge erlöschen, wenn nur der Name meines geliebten Herrn Jesus erhoben werde!« Ist das nicht eines der sicheren Erkennungszeichen eines wahren Knechtes des Herrn?
    Und David sagt, er wolle den Namen des Herrn »ewig rühmen«. Ist das lediglich eine gut klingende Beteuerung, eine vor Majestäten übliche Übertreibung? Zu oft spricht David davon, dass er seinen Gott immer und ewig rühmen wolle, als dass es lediglich eine Phrase sein sollte; zudem war David von Gottes Geist erfüllt und geführt, als er seine Lieder niederschrieb: »Der Geist des HERRN hat durch mich geredet, und sein Wort war auf meiner Zunge. Es hat gesprochen der Gott Israels, der Fels Israels zu mir geredet« (2Sam 23,2.3). Der Erlöste wird seinen Herrn ewig rühmen, ohne dass sein Lied veraltet; denn er wird im Herrn einen Gegenstand grenzenloser Herrlichkeit vor Augen haben; so wird er in alle Ewigkeiten seine Herrlichkeiten nie ausgelotet haben, sondern wird stets tiefer und tiefer eindringen in die Erkenntnis seines Herrn und ihn deshalb ewig und immer inniger rühmen.


    »Hier haben wir einen von Gott gesetzten Anfang (und ein praktisches Mittel) zur Erhörung seines Gebets: Sein ›ganzes Herz‹ ist vom Lob verschlungen. Er ist entschlossen, nicht passiv so lange zu warten, bis er die in Vers 11 erbetene geistliche Reife erlangt hat« (Kidner).

    Benedikt Peters – Die Psalmen

    אֹודְךָֽ׃אֲדֹנָ֣יa‬ אֱ֭לֹהַי בְּכָל־לְבָבִ֑י וַאֲכַבְּדָ֖ה שִׁמְךָ֣ לְעֹולָֽם׃
    mlt Mss יהוה; frt dl m cs
    Biblia Hebraica Stuttgartensia – Ps 86,12

    ‮אודך׃ אדני אלהי בכל־לבבי ואכבדה שמך לעולם׃
    Bíblia Hebraica – Códice Leningrado

    אודי קדמך יהוה אלהי בכל לבבי ואיקר שמך לעלם׃
    Targum Psalms – Ps 86,12

    אוֹדְךָ֤׀ אֲדֹנָ֣י אֱ֭לֹהַי בְּכָל־לְבָבִ֑י וַאֲכַבְּדָ֖ה שִׁמְךָ֣ לְעוֹלָֽם׃
    The Lexham Hebrew Bible 2012 – Ps 86,12

    Weil er komplett tot war und weil er sich wie ein Schwerverbrecher behandeln ließ, wird das so sein.

    Darum werde ich ihm die Großen zuteil geben, (Eig Anteil geben an den Großen) und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, daß er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und den Übertretern (O. den (die) Abtrünnigen) beigezählt worden ist; (O. sich beizählen ließ) er aber (O. jedoch, hingegen) hat die Sünde vieler getragen und für die Übertreter (O. den (die) Abtrünnigen) Fürbitte getan.
    Elberfelder 1871 – Jesaja 53,12

    drum teile ich die Vielen ihm zu,
    die Menge teilt er als Beute,
    dafür daß er entblößte seine Seele zum Tode,
    unter die Abtrünnigen gerechnet ward.
    Und trug doch, er, die Sünde der Vielen,
    für die Abtrünnigen ließ er sich treffen.
    Buber & Rosenzweig – Jesaja 53:12

    Darum gebe ich ihm Anteil unter vielen, und mit Mächtigen soll er Beute sich teilen, dafür, dass er preisgab sein Leben dem Tode und zu Missetätern gezählt ward, da er doch trug die Sünden vieler und für Missetäter eintrat.
    Die Philippson-Bibel – Jes 53,12

    drum geb ich Anteil mit den Großen ihm und mit den Mächtgen teilt er Beute weil er dem Tod sein Leben hingegossen und unter die Verräter war gezählt wo er der Großen Sünde trug und der Verräter Schickung auf sich nahm.
    Tur-Sinai – Jes 53:12

    Den Vers 11 hatten wir schon – es ist also eine „Ergänzung“ des alten Beitrags:

    Jesaja wies als Nächstes darauf hin, dass, nachdem die Seele des Knechtes zum Schuldopfer gemacht wurde, etwas Besonderes geschehen wird: Er wird seinen Samen sehen (V. 10c). Diese Aussage ist ein weiterer scheinbarer Widerspruch. Wie kann der Knecht seine Nachkommen sehen, wenn er gestorben und begraben wurde? Die Antwort findet sich in Vers 10d: Er wird seine Tage verlängern. JHWH würde die Tage des Knechtes verlängern. Aber wie kann das sein, wenn der Knecht gestorben und begraben ist? Der einzig mögliche Weg ist die Auferstehung. Indem Gott ihn von den Toten auferstehen lässt, verlängert er die Tage des Knechtes über den Tod hinaus. Die Nachkommen des Dieners sind diejenigen, die von seinem Tod durch eine geistliche Wiedergeburt profitieren. In dem Moment, in dem sie seinen stellvertretenden Tod für ihre Sünden akzeptieren, werden sie durch den Heiligen Geist geistlich wiedergeboren. Durch diese geistliche Wiedergeburt werden sie zum Samen des Gottesknechtes. Weil der Diener auferstanden ist, sieht er seinen Samen; er sieht diejenigen, die durch den Glauben zu ihm kommen. Nach 1. Korinther 15,1-4 ist das dritte, was man glauben muss, um gerettet zu werden, dass der Messias auferstanden ist.

    Jesaja schloss diesen Vers mit den Worten: Und das Wohlgefallen Jehovas wird in seiner Hand gedeihen (V. 10e). Der leidende Knecht würde nicht versagen. Sein Tod wäre kein Misserfolg, sondern ein großer Erfolg, denn er würde genau den Zweck erfüllen, den Gott beabsichtigt hatte. Diese Aussage erinnert an die Ankündigung der Erhöhung des Knechtes in der ersten Strophe. Trotz der Machenschaften Satans, trotz der Intrigen der jüdischen Führer, trotz der Hinterhältigkeit der römischen Führer, trotz aller Intrigen in der physischen und geistlichen Welt wurde Gottes Wille am Kreuz und bei der Auferstehung erfüllt, und es war Gottes Erfolg, der sich in dem zeigte, was der Diener durchmachte.

    Nach Vers 11a würde die Darbringung des Knechtes als Aschamopfer zur Rechtfertigung führen: Er wird die Mühsal seiner Seele sehen und wird zufrieden sein. Der theologische Begriff „Versöhnung“ beinhaltet den Grundgedanken der Besänftigung oder Genugtuung, insbesondere gegenüber Gott. Gottes Zorn ist gegen alle Sünde und Ungerechtigkeit offenbart worden, und dieser Zorn Gottes muss besänftigt werden. Laut Jesaja wird er tatsächlich besänftigt oder befriedigt werden, denn Gott wird die Mühen der Seele des Gottesknechts ansehen und zufrieden sein. Das Mittel zur Befriedigung oder Besänftigung wäre der Tod des Gottesknechts, des Sohnes Gottes. Das Blut des Knechtes würde zum Schuldopfer werden. Der Tod seines Sohnes wäre also die Bezahlung für die Sünde und würde Gottes Zorn besänftigen. Gott würde das Opfer annehmen. Seit den ersten Tagen der Genesis war Gott bereit, Tierblut zu akzeptieren. Wenn der Messianische Gottesknecht als Aschamopfer stirbt, ist das das letzte Blutopfer, und kein anderes Opfer wird mehr angenommen.

    Der nächste Vers stellt das Ergebnis der Versöhnung vor: Durch die Erkenntnis seiner selbst wird mein gerechter Knecht viele rechtfertigen, und er wird ihre Sünden tragen (V. 11b). Im Hebräischen gibt es zwei Möglichkeiten, den ersten Teil dieses Satzes wiederzugeben. Es könnte entweder „durch die Erkenntnis seiner selbst“ oder „durch die Erkenntnis seiner selbst“ heißen. Kaiser erklärt den Unterschied: „Wenn wir dies in einem objektiven Sinne verstehen, dann werden ‚durch die Erkenntnis seiner selbst‘ viele gerechtfertigt werden (vgl. Johannes 17,3). Nimmt man es subjektiv, dann werden viele durch seine eigene Erkenntnis gerechtfertigt (vgl. Jes 11,2).“ Letztlich sind beide Möglichkeiten gültig und aus dem größeren biblischen Kontext heraus sind beide wahr. Es gibt zwei hebräische Wörter für „Wissen“, von denen sich das eine auf Kopfwissen und das andere auf Erfahrungswissen bezieht. Das Wort in diesem Vers ist daat und bezieht sich auf Erfahrungswissen. Durch das Erfahrungswissen des Gottesknechts würden die Menschen gerechtfertigt werden. Wenn wir Jeschua als unseren Messias akzeptieren, wenn wir seinen stellvertretenden Tod für unsere Sünde annehmen, akzeptieren wir, was er in seinem Leiden und Sterben für uns getan hat. In diesem Moment lernen wir ihn aus eigener Erfahrung kennen. Durch diese Erfahrung mit ihm werden wir gerechtfertigt. Wir werden für gerecht erklärt, weil unser Erlöser gerecht ist und seine Gerechtigkeit auf uns oder für uns angerechnet wird. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass diejenigen gerechtfertigt werden, die den Erlöser aus eigener Erfahrung kennen, und wie es in diesem Vers heißt, wird er unsere Schuld tragen.

    Die alte rabbinische Sichtweise auf diese Passage war messianisch, wie der Targum zeigt:
    Von der Unterwerfung der Völker wird er ihre Seelen befreien, sie werden auf die Strafe derer blicken, die sie hassen, und sich an der Beute ihrer Könige satt sehen; durch seine Weisheit wird er die Schuldlosen von der Schuld freisprechen, um viele in die Unterwerfung unter das Gesetz zu bringen, und für ihre Sünden wird er Fürsprache einlegen.

    Laut Scherman bezieht sich diese Targum-Wiedergabe auf einen Messias, der sein Volk aus der Unterjochung befreit und es zur Tora zurückführt, nachdem er für die Vergebung ihrer Sünden gebetet hat. Auch Yerushalmi erkennt die Möglichkeit einer messianischen Implikation dieses Verses an und erklärt, dass der Messias durch sein Leiden Weisheit erlangen wird und weiß, wie er die Menschen auf den richtigen Weg führen kann. Er wird sie den Weg lehren, der zurück zu Gott führt, und er wird ihre Sünden tragen oder sühnen.

    Das Kapitel endet mit einem Versprechen auf Belohnung in Vers 12a: Darum will ich ihm ein Teil mit den Großen geben, und er soll die Beute mit den Starken teilen; denn er hat seine Seele in den Tod gegeben und ist unter die Übeltäter gerechnet worden; aber er hat die Sünde vieler getragen. Das Wort „darum“ verbindet diesen Vers mit dem, was zuvor gesagt wurde. Wegen all dem, was der Gottesknecht laut den Versen 1-11 getan hat, weil er stellvertretend für die Sünder gelitten hat, zu denen er gezählt wurde und für die er gestorben ist, würde er sehr belohnt werden. Gott würde ihm einen Anteil an den Großen geben. Außerdem würde der Knecht die Beute mit den Starken teilen dürfen. Diese beiden Aussagen beziehen sich auf den Tag, an dem der Messias am Ende der Trübsal wiederkommt. Zu diesem Zeitpunkt wird er die ganze Welt erben und über die Reiche der Menschen herrschen. Während seiner eintausendjährigen Herrschaft werden die Heiligen der Kirche und die Heiligen der Trübsal mit ihm zusammen regieren (Offb. 20:4-6). Das sind die Großen und Starken, und sie sind auch sein Same, die Nachkommen, die ihm in Vers 10 versprochen wurden. Als sein Same sind sie mit dem Messias Erben der Reichsverheißungen und der Segnungen des Reiches. Der Messias wird die Herrschaft über die Erde unter diesen Heiligen aufteilen.

    Die Passage endet in Vers 12b mit einer Aussage über den gegenwärtigen Dienst des Messias: und legte Fürbitte ein für die Übertreter. Kaiser macht folgende Beobachtung zur Verbform in diesem Satz: „Im Gegensatz zu den anderen drei Aussagen, die betonen, dass er diese drei Werke vollendet hat, betont das Verb in dieser Aussage, dass der Dienst Jeschuas andauert, denn ‚er fährt fort, Fürsprache zu halten‘.“ Der Messias war und ist Fürsprecher für die Heiligen. Vers 12 wird zum Teil in Lukas 22:37 zitiert.

    Yerushalmi bietet wieder die messianische Sichtweise an und erklärt:
    Der Messias … betet für die Sünder, trägt ihre Sünden und wird doch zu ihnen gezählt. So wie Mose sein Leben gab, um die Sünder zu retten, und unter ihnen begraben wurde, um für ihre Sünden zu büßen, ist der Messias bereit, das Gleiche zu tun. So wird Gott dem Messias einen persönlichen Anteil im Land geben, mitten unter den vielen seiner Brüder.

    Arnold Fruchtenbaum – Bibelkomentar Jesaja

    Der Knecht wird in Vers 12 belohnt: Darum will ich ihm ein Teil mit den Großen geben, und er soll die Beute mit den Starken teilen; denn er hat seine Seele in den Tod gegeben und ist unter die Übeltäter gerechnet worden; aber er hat die Sünde vieler getragen und für die Übeltäter Fürbitte getan.

    Deshalb wird der Knecht für alles, was er in den Versen 1-11 getan hat, sehr belohnt werden. Im messianischen Königreich wird der Knecht alle Königreiche der Welt erben und einen Teil und die Beute teilen. Die Begriffe „die Großen“ und „die Starken“ beziehen sich auf seinen Samen, der im vorherigen Vers gerechtfertigt worden ist. Der Same, der während dieser Dispensation gerechtfertigt wurde, wird an den Belohnungen des Königreichs in der nächsten Dispensation teilhaben. Diejenigen, die aufgrund ihres Glaubens an den Knecht gerechtfertigt sind, werden die Beute im Königreich teilen und einen Platz der Autorität haben. Dann werden vier weitere Gründe genannt, warum der Diener belohnt werden wird: Erstens, er hat seine Seele bis zum Tod ausgegossen; zweitens, er wurde unter die Übertreter gerechnet; drittens, er hat die Sünde vieler getragen; und viertens, er hat für die Übertreter Fürsprache eingelegt. Dies unterstreicht die stellvertretende Natur Seines Leidens und Sterbens. Dieser Vers wird in Lukas 22,37 zitiert und auf Jeschua angewandt.

    Arnold Fruchtenbaum – Der Knecht Jehovas

    Der Prophet erklärt nun das Kreuz aus der Sicht Gottes. Obwohl Jesus durch die Hand böser Menschen gekreuzigt wurde, war sein Tod von Gott vorherbestimmt (Apg 2,22-23). Jesus war weder ein Märtyrer, noch war sein Tod ein Unfall. Er war das Opfer Gottes für die Sünden der Welt.

    Er ist nicht tot geblieben! „Er wird seine Tage verlängern“ (Jes 53,10) bedeutet, dass der Gottesknecht auferweckt wurde, um ewig zu leben. In seiner Auferstehung triumphierte er über jeden Feind und beanspruchte die Siegesbeute (Eph 1,19-23; 4,8). Satan bot Christus ein herrliches Reich als Gegenleistung für seine Anbetung an (Mt 4,8-10), was bedeutet hätte, dass er das Kreuz umgangen hätte. Jesus war „gehorsam bis zum Tod“, und Gott hat ihn „hoch erhoben“ (Phil 2,8-10).

    Ein weiterer Teil seines „Lohns“ findet sich in der Aussage: „Er wird seinen Samen [Nachkommen] sehen“ (Jes 53,10). Kinderlos zu sterben war für die Juden eine Schande, aber Jesus hat durch seine Mühen am Kreuz eine geistliche Familie geboren (V. 11). Jesajas Aussage über seine natürliche Familie (8,18) wird in Hebräer 2,13 zitiert und auf Christus und seine geistliche Familie angewendet.

    Das Werk des Gottesknechtes am Kreuz brachte Genugtuung (Jes 53,11). Zunächst einmal hat der Gottesknecht das Herz des Vaters zufriedengestellt. „Ich tue immer das, was ihm [dem Vater] gefällt“ (Joh 8,29). Der himmlische Vater hatte keine Freude daran, seinen geliebten Sohn leiden zu sehen, denn der Vater ist nicht erfreut über den Tod der Bösen, geschweige denn über den Tod des gerechten Sohnes Gottes. Aber der Vater freute sich, dass der Gehorsam seines Sohnes die Erlösung vollbrachte, die er von Ewigkeit her geplant hatte (1 Petr 1,20). „Es ist vollbracht“ (Johannes 19,30).

    Der Tod des Gottesknechts erfüllte auch das Gesetz Gottes. Der theologische Begriff dafür lautet „Versöhnung“ (Röm 3,25; 1 Joh 2,2). In den heidnischen Religionen bedeutete das Wort „ein Opfer darbringen, um einen zornigen Gott zu besänftigen“; aber die christliche Bedeutung ist viel umfassender. Gott ist zornig über die Sünde, weil sie seine Heiligkeit beleidigt und gegen sein heiliges Gesetz verstößt. In seiner Heiligkeit muss er die Sünder richten; aber in seiner Liebe möchte er ihnen vergeben. Gott kann die Sünde nicht ignorieren oder Kompromisse mit ihr schließen, denn das würde seinem eigenen Wesen und seinem Gesetz widersprechen.

    Wie hat Gott das Problem gelöst? Der Richter nahm den Platz der Verbrecher ein und erfüllte die gerechten Forderungen seines eigenen heiligen Gesetzes! „Er wurde zu den Übertretern gezählt“ und betete sogar für sie (Jes 53,12; Lk 22,37; 23,33-34). Das Gesetz wurde erfüllt, und Gott kann nun allen, die seinen Sohn annehmen, gnädig vergeben.

    Gnade ist Liebe, die einen Preis bezahlt hat, und Sünder werden aus Gnade gerettet (Eph. 2,8-10). Die Gerechtigkeit kann nur die Bösen verurteilen und die Gerechten rechtfertigen (1. Könige 8,32), aber die Gnade rechtfertigt die Gottlosen, wenn sie Jesus Christus vertrauen! (Jes. 53:11; Röm. 4:5) Rechtfertigen bedeutet „für gerecht erklären“. Er hat unsere Sünden auf sich genommen, damit wir die Gabe seiner Gerechtigkeit empfangen können (2. Korinther 5,21; Römer 5,17). Rechtfertigung bedeutet, dass Gott gläubige Sünder in Christus für gerecht erklärt und ihre Sünden nie wieder aufzeichnet. (Siehe Ps. 32:1-2 und Röm. 4:1-8.)

    Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

    Passt bloß auf, dass ihr nicht alles wieder verliert

    Sehet auf euch selbst, auf daß wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen.
    Elberfelder 1871 – 2.Johannes 8

    Gebt auf euch Acht, damit ihr das, was wir miteinander erarbeitet haben, nicht wieder verliert, sondern damit ihr ´zur gegebenen Zeit` den vollen Lohn bekommt.
    Neue Genfer Übersetzung 2013 – 2.Johannes 8

    Passt auf euch auf, damit ihr nicht verliert, was wir erarbeitet haben, sondern die volle Belohnung bekommt.
    neue Welt Übersetzung – 2018 – . 2.Joh 8

    Gebt acht auf euch selbst, damit ihr die Dinge nicht verliert, die wir erarbeitet haben, sondern daß ihr vollen Lohn erlangen mögt.
    {neue Welt Übersetzung – Bi12 – 2. Joh 8

    βλέπετε Imp. ἑαυτούς (= att. ὑμᾶς αὐτούς, A126). ἀπ-ολέσητε Aor. Konj. -όλλυμι. εἰργασάμεθα Aor. Med. ἐργάζομαι. μισθός Lohn; Belohnung. πλήρης voll; vollständig, -zählig. ἀπο-λάβητε Aor. Konj. -λαμβάνω empfangen, erhalten.

    Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

    Daß ihr vollen Lohn empfangt.

    Targ Ruth 2, 12: Es wird dein Lohn vollständig sein אַגְרִיךְ שְׁלֵימָא in der zukünftigen Welt. ‖ Targ Qoh 1, 3: Um vollen Lohn אגיר שלים in der zukünftigen Welt vor dem Herrn der Welt zu empfangen. — Ähnlich so ebenda 2, 10. 11; 5, 18.

    Strack & Billerbeck – Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch

    „Dies ist ein AKTIVES IMPERATIV. Das Verb „sehen“ (blepo) wird metaphorisch für eine Warnung vor dem Bösen verwendet (vgl. Mt 24,4; Mk 13,5; Lk 21,8; Apg 13,40; I Kor 8,9; 10,12; Gal 5,12; Heb 12,25). Die Gläubigen sind dafür verantwortlich, das Böse zu erkennen, weil :
    (1) sie kennen das Evangelium ;
    (2) sie haben den Heiligen Geist;
    (3) sie haben eine ständige Gemeinschaft mit Christus.

    LSR „damit wir die Früchte unserer Arbeit nicht verlieren“ NKJV „damit wir die Dinge, für die wir gearbeitet haben, nicht verlieren“
    Übersetzung: „damit wir die Dinge, für die wir gearbeitet haben, nicht verlieren“.
    NRSV „so dass du nicht verlierst, wofür wir gearbeitet haben“ Übersetzung: „damit du nicht verlierst, wofür wir gearbeitet haben“.
    TEV „so that you will not lose what we have worked for“ Übersetzung: „damit ihr nicht das verliert, wofür wir gearbeitet haben“.
    NJB „or all our work will be lost“ Übersetzung: „oder unsere ganze Arbeit wird verloren sein“.
    Es gibt eine Variation in den griechischen Handschriften bezüglich des ersten PRONOMS: Ist damit „ihr“ gemeint (LSV, NRSV, TEV) oder „wir“ wie in NKJV)? Die SBU argumentiert
    « Das bedeutet, dass die erwähnten Gläubigen das Ziel des Evangeliums, das durch das Zeugnis der Apostel vermittelt wird, möglicherweise nicht erreichen.
    « Das griechische Verb ist ein SUBJONKTIVER AORIST, was die Betonung auf den früheren Empfang des Evangeliums legt, den sie gemacht hatten. Der SUBJUNKTIV ist ein kontingenter Modus und hat keine Beziehung zu ihrer Errettung, sondern zu ihrer Reife und der Ausbreitung des Evangeliums durch sie (vgl. I Kor 9,27; 15,10.14.58; II Kor 6,1; Gal 2,2; Phil 2,16; I Thes 2,1; 3,5).

    Kommentar zu 1., 2. und 3.Johannes

    Angesichts der Versuche der Verführer, Christen vom Wort Gottes abzuziehen ergeht eine Warnung: Βλέπετε ἑαυτούς („seht auf euch selbst“). Sie ist keine Aufforderung zum Egoismus, dass sich alles um die eigenen Bedürfnisse dreht. Die Phrase kommt so selten in der Literatur vor, vgl. jedoch das sonst uninteressante Werk Lucinaus, De saltatione 81,10, wo er Tipps zur weltlichen Schauspielerei gibt, aber dennoch die Phrase in Gottes Wort verwendet, nur leider für falsche Hinweise: „ὅταν ἕκαστος τῶν ὁρώντων γνωρίζῃ τὰ αὑτοῦ, μᾶλλον δὲ ὥσπερ ἐν κατόπτρῳ τῷ ὀρχηστῇ ἑαυτὸν βλέπῃ καὶ ἃ πάσχειν αὐτὸς καὶ ἃ ποιεῖν εἴωθεν“. „Wenn jeder der Zuschauer die eigenen Belange erkennt, mehr noch, wie in einem Spiegel durch den Schauspieler sich selbst sieht und was er selber fühlt, dann ist das Ziel erreicht“. Diese Analogie angewandt, könnte für den Text bedeuten, dass man sich selber bespiegelt und acht auf sich gibt, d.h. auf der Hut ist, dass nichts Falsches in da Leben hineinkommt, in dem Zusammenhang also, dass man das Erarbeitete behält und nicht verliert. Das ist eine Gefahr, wenn von außen Falsches an Christen herangetragen wird, in Lehre und Praxis. In der Situation gilt es, aufzupassen und sich den Spiegel des Wortes vorzuhalten und dann andere Einflüsse abwehrt, denn sonst würde man für Gott unbrauchbar und kann nicht mehr für den Arbeiten, was Verlust von Lohn zu Folge haben würde. Angesichts der genannten Gefahr ist Vorsicht geboten und sich vor den Einflüssen der falschen Lehrer zu entziehen, denn sonst gerät man von der Spur dem Lamme nach weg auf falsche Wege und Lehren und Praktiken, die bedeuten, dass Gott sich nicht mehr dazu bekennen kann und auch die Belohnung verlustig geht, die eigentlich in Aussicht steht. Johannes gebraucht den Imperativ im Präsens, womit er deutlich macht, dass die Notwendigkeit dauerhaft besteht und kein nur einmaliges Achtgeben beinhaltet. Johannes wechselt die Personen und spricht erst Kyria und ihre Kinder und damit auch alle anderen Christen an, verbunden mit dem Appell, auf sich aufzupassen, da Gefahren drohen, mit dem Ziel die Brauchbarkeit für Gott nicht zu verlieren, wenn Abwege eingeschlagen werden, denn dann ist der Lohn dahin. Das ist nicht der Wille Gottes, daher sollen Christen wie Kyria aufpassen und so weiterleben, wie es den Geboten Gottes entspricht, sich nicht abhalten oder aufhalten lassen oder gar falschen Lehrern Aufmerksamkeit schenken. Johannes erweitert die Person und bezieht sich in das Prinzip mit ein, weiterzuarbeiten und dabei zu bleiben, egal was andere Lehrer an Änderungen in der Lehre und im Leben hervorrufen wollen. Wie man Erarbeitetes verlieren kann beschreibt unter Verwendung der Vokabeln von Johannes Demosthenes, Contra Phaenippum „ἐπειδὴ δὲ τὰ μὲν τῆς κοινῆς ἀτυχίας μετασχὼν τοῖς ἄλλοις τοῖς ἐργαζομένοις ἐν τοῖς ἔργοις, τὰ δ’ ἰδίᾳ μεγάλαις περιπεπτωκὼς ζημίαις ἀπολώλεκα τὴν οὐσίαν“. „Da ich Anteil an dem allgemeinen Unglück hatte, die auch die anderen, die in den Werken arbeiten betraf, habe ich auch durch heftige private Verluste mein Vermögen verloren“. Obwohl der arme Mann viel Besitz hatte, ging ihm der verloren, da Anteil an dem Niedergang bei den Arbeiten in den Minenwerken hatte und auch sich privat wohl verspekulierte. Das kann auch Christen passieren, wenn sie Anteil am Abfall und dem Niedergang haben, indem sie sich fremden Einflüssen öffnen, wenn sie nicht achtgeben, etwa falschen Lehren anhaften, der Besitz des Wortes Gottes steht auf dem Spiel und damit der Gewinn, den man hat, wenn man dieses Wort befolgt. Xenophon benutzt den Ausdruck im letzten Satz (Anabasis 7.7,14): „οἴομαι ἂν οὖν, ἔφη, ὑμᾶς ἀπολαβεῖν τῇ στρατιᾷ τὸν ὀφειλόμενον μισθόν“. „Ich glaube wohl nun, sagte er, dass ihr den geschuldeten Lohn für das Heer bekommt“. Wer arbeitet bekommt Lohn, wie hier die Söldner, auch bei Gott erhalten seine Arbeiter Lohn für ihr Tun und ihre Arbeit. Christen sollen bis zum Ende auf sich achtgeben, sich von Gott gebrauchen zu lassen und nicht von ihm und seinem Wort abkommen, denn dann arbeiten sie nicht in seinem Sinne und verlieren ihren Lohn am Richterstuhl Christi. Gott will aber treue Arbeiter und ihnen vollen Lohn geben, dies geschieht beim Beibehalten der Lehren des Herrn und die Umsetzung im Leben.

    P. Streitenberger – Der zweite Johannesbrief

    Es geht also nicht etwa um eine Vielfältigkeit von Ansichten, 8 die einen theologischen Reichtum darstellen könnte, sondern um das Heil selber, das gerade in der Endzeit – ganz entsprechend den Worten Jesu selbst in Mt 24, 24 – in besonderer Weise von Verführern und Antichristen bedroht wird. Jesu eigener Warnruf an seine Jünger in Mt 24, 4 wird darum von seinem Jünger Johannes aufgenommen: „Seht auf euch selbst.“ Jeder Christ, jede Gemeinde trägt hier eine Verantwortung für sich selbst, die sich ganz praktisch in ihrem ewigen Schicksal auswirken wird. Hier droht der Unachtsamkeit ein schwerer Verlust: „Damit ihr nicht verliert (oder: damit wir nicht verlieren), was wir erarbeitet haben (oder: was ihr erarbeitet habt).“ Die Entscheidung über die Textform „was wir erarbeitet haben“ oder „was ihr erarbeitet habt“, ist nicht leicht zu treffen. Johannes kann an seine eigene apostolische Arbeit denken, die vergeblich getan ist, wenn sich die Gemeinde von der modernen Verführung erfassen läßt. Johannes hat der Gemeinde das wahre Heil gebracht; die Gemeinde verliert es, wenn sie den Verführern folgt. Der Apostel könnte auch an die eigene „Arbeit“ der Gemeinde denken. Gemeinde Jesu in dieser Welt zu sein und als solche zu leben, ist kein Spiel, sondern kostet immer neue Mühe und ernste Arbeit. Alles, was die Gemeinde darin bisher „erarbeitet hat”, verliert sie, wenn sie nicht aufmerksam und wach in den innern Bedrohungen der Endzeit steht. Wie immer wir den Text fassen, auf jeden Fall ist es die Sorge des Apostels im Blick auf die Glieder der Gemeinde, daß „ihr nicht verliert, sondern vollen Lohn empfangt“. Die neue Bewegung verspricht ihnen einen großen „Gewinn“ und stellt es ihnen als verlockend und „lohnend“ hin, ein neues und höheres Christentum zu erhalten. Johannes warnt: Ihr „gewinnt“ nicht, sondern ihr „verliert“. Euch entgeht der wahre, „volle Lohn“ ewiger Herrlichkeit.
    Vom „Lohn“ ist im NT immer wieder ganz unbefangen die Rede. Man hat sich oft daran gestoßen und von einer „niedrigen Lohn-Ethik“ gesprochen. Man müsse doch das Gute um des Guten willen tun, ohne nach „Lohn“ zu fragen. Nun, darüber müssen wir das NT nicht erst belehren. Jesus hat ein falsches Lohndenken radikal abgewiesen (Lk 17, 10). Und die zentrale Botschaft des NT von der Gerechtigkeit vor Gott ohne Verdienst allein aus Gnade (Rö 3, 24) schließt alles Schielen nach „Lohn“ grundsätzlich aus. Aber es gehört zur „Lebendigkeit“ und „Menschlichkeit“ der biblischen Botschaft, daß sie in scheinbarem Widerspruch dazu nun doch auch froh und mutmachend von „Lohn“ sprechen kann. Auch der größte ethische Fanatiker wird es nicht ablehnen, wenn ihm nach einem harten und gefahrvollen Einsatz „gedankt“ wird und wenn er Anerkennung findet und ein freies Geschenk empfängt. Der „Lohn“ im NT ist nie Sache eines Rechtsanspruches. Aber es ist die Freude eines lebendigen und liebenden Gottes, seine Diener in freier Großzügigkeit zu „belohnen“, wenn sie durch Gefahr und Not hindurch treu in ihrem Einsatz gewesen sind. So darf die Gemeinde auf den Tag Gottes blicken, an dem es sich zeigen wird, daß keiner vergeblich Gott diente, daß alle Treue in ihrem Einsatz für Gott „vollen Lohn“ erhält. Diesen Blick soll die Gemeinde gerade jetzt in der Anfechtung durch Verführung haben, damit sie nicht „verliert“, sondern „das Ziel ihres Glaubens davonträgt“ (1 Pt 1, 9) und den vollen Gnadenlohn erhält.

    de Boor – Wuppertaler Studienbibel

    In diesen Angriffen sind die Christen zur Wachsamkeit gerufen. So hat es Jesus immer wieder betont, und so schreibt es Johannes.

    »Seht euch vor« (wörtlich: »seht auf euch selbst«) heißt: Schaut nicht hin auf die Verführer, sondern auf das, was ihr durch Christus geworden seid und was ihr durch ihn und in ihm gewirkt habt. Sie sollen nicht »verlieren, was wir erarbeitet haben« (wörtlich: »dass ihr nicht verderbt, was wir gewirkt haben«). »Erarbeiten« darf gewiss nicht im Sinne einer Leistung, die einen Leistungsanspruch begründet, missverstanden werden. Christen arbeiten, besser: wirken, mit dem, was ihnen ihr Herr gegeben hat, sie wirken mit den anvertrauten Talenten (vgl. Mt 25,14ff.). Dann aber wirken, schaffen sie auch für ihren Herrn (vgl. Röm 14,16; Phil 2,12; Heb 13,21). Nachfolge Jesu Christi ist Einsatz der ganzen Kraft, nicht für mein Heil – das hat er mir erworben -, sondern für den Herrn, dass sein Reich gebaut wird. Wo solcher Einsatz nicht da ist – und der Apostel schließt sich in das »wir« mit ein -, da verdirbt die Gabe Jesu Christi und da verlieren wir den Anschluss an unseren Herrn. Wo wir wegsehen auf die Lockungen der Irrlehrer, können wir nicht mehr aus unserem Herrn und für ihn wirken. Es ist aber das Wunder, dass er durch und mit uns wirkt, ja, wir sollen sogar »vollen Lohn empfangen«. Wieder ist das nicht misszuverstehen als Verdienstlohn, sondern es ist der Gnadenlohn, den Gott in seiner überfließenden Güte all denen gibt, die mit dem Anvertrauten wirken. In diesem Sinn dürfen wir mit der Bibel ganz unbefangen, demütig, aber freudig erwartend auf den Lohn im Himmel schauen (vgl. 1Mose se 15,1; Ps 19,12; Mt 6,1.4.6; 10,41; 19,27ff.; Mt 20,1ff.; Lk 6,23.35; 1Kor 3,8.14; Offb 11,18; 22,12). Das griech. Wort für »Lohn,« kann auch mit »Kampfpreis« wiedergegeben werden. Es ist der Siegeskranz derer, die standgehalten haben in allen Angriffen des Verführers und des Antichristen. Was er oder seine Vasallen auch für Lohn versprechen, ist Betrug. Nur einer kann wirklich lohnen: Christus selbst.

    Gerhard Maier – Edition C

    Obwohl die Herrin und ihre Kinder sorgfältig hinhören müssen, um die falsche Lehre herauszufinden, haben sie zunächst auf sich zu sehen, damit sie nicht von der Einfalt Christus gegenüber abgewandt würden (vgl. 2Kor 11,3 Rev.Elberf). Diese sektiererischen Lehrer könnten ihnen die schon erworbene und genossene geistliche Wahrheit rauben. Die Elberfelder und Rev. Elberfelder Bibel geben die zweite Vershälfte unterschiedlich wieder: „auf daß wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen“ (Elberf); „damit ihr nicht verliert, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangt“ (Rev.Elberf). Dabei steht in einigen Handschriften das Verb in der ersten, in anderen in der zweiten Person Mehrzahl. Die Bedeutung scheint darin zu bestehen, „achtzugeben, daß diese Verführer nicht das Werk zunichte machen, das die Apostel und Evangelisten unter euch aufgebaut haben, sondern daß ihr dessen volle Frucht empfangt“ (Plummer). Johannes und seine Gefährten hatten gearbeitet, indem sie den Gläubigen die grundlegenden Wahrheiten in Bezug auf die Person des Herrn Jesus lehrten. Ihm liegt viel daran, daß die auserwählte Herrin diese Wahrheiten beibehält und nicht fallenläßt. Johannes hatte etwas „erarbeitet“ (was das harte Ringen unter Gebet bei der Vermittlung der Wahrheit erkennen läßt) und möchte nun, daß
     1. er am Richterstuhl Christi vollen Lohn für seine Anstrengungen empfängt
     2. sie vollen Lohn empfängt:
     a. durch Frucht, die in ihrem Leben hervorgebracht wird
     b. durch Frucht, die zur Ehre Gottes am Richterstuhl sichtbar wird.

    Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt – Johannesbriefe

    Mir gehen deine Worte nicht mehr aus dem Kopf raus

    Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Sinnen den ganzen Tag
    Elberfelder 1871 – Psalm 119,97

    Wie liebe ich deine Weisung!
    all den Tag ist sie mein Sinnen.
    Buber & Rosenzweig – Psalm 119:97

    Wie liebe ich deine Torah! Sie ist mein Sinnen den ganzen Tag.
    Der Tanach Deutsch – Ps 119,97

    Wie sehr liebe ich dein Gesetz! / Es füllt mein Denken den ganzen Tag.
    NeÜ bibel.heute – Ps 119:97

    Liebst du Gottes Wort wirklich? Dann geht es dir sicher, wie dem Psalmisten: Gottes Wort geht dir nicht mehr aus dem Kopf!

    Noch nie gab es so viele Hilfsmittel für ein ernsthaftes Bibelstudium, und wir sind dankbar für sie. Das Wort Gottes ist jedoch anders als jedes andere Buch: Wir müssen ein gutes Verhältnis zum Autor haben, wenn wir aus dem lernen wollen, was er geschrieben hat. Unsere Beziehung zum Herrn wird durch unsere Beziehung zu seinem Willen bestimmt, und die wird dadurch bestimmt, wie wir uns zu seinem Wort verhalten. Zu viele Gläubige haben nur akademisches Kopfwissen über das Wort Gottes, aber sie wissen nicht, wie sie dieses Wissen in den Entscheidungen des täglichen Lebens in die Praxis umsetzen können. Was wir alle brauchen, ist eine Herzenskenntnis des Wortes, und das bedeutet, von Gott gelehrt zu werden (V. 102). Hier sind die Bedingungen, die wir erfüllen müssen.

    Wir müssen sein Wort lieben und darüber meditieren (V. 97-100). Wir denken gerne über Menschen und Aktivitäten nach, die wir lieben, und Meditation bedeutet, den Herrn zu lieben, indem wir über sein Wort nachdenken und seine Wahrheiten in unser Herz eindringen lassen. (Siehe Vv. 48, 113, 127, 159, 165, 167; und 1:2). Das bedeutet nicht, dass wir unsere täglichen Pflichten aufgeben oder dass wir uns ständig Bibelverse zitieren und unsere Arbeit vernachlässigen. Es bedeutet vielmehr, dass wir unseren Verstand und unser Herz dem Heiligen Geist so hingeben, dass er uns an das Wort Gottes erinnern kann, wenn wir es brauchen, und uns ein neues Verständnis für die neuen Herausforderungen schenken kann, vor denen wir stehen. Es gibt viele Möglichkeiten, die Wahrheit zu lernen. Wir können von unseren Feinden in den Begegnungen des Lebens lernen (V. 98), von unseren Lehrern in den Erklärungen des Lebens aus Büchern und Lektionen (V. 99), und von den älteren Heiligen, die die Erfahrungen des Lebens gemacht haben und die Prinzipien kennen, die funktionieren (V. 100). Josua lernte aus dem Dienst mit Mose, aus den Schlachten, die er schlug, und aus den guten und schlechten Erfahrungen, die er in seinem Leben machte. Aber das Wichtigste, was er tat, war, über das Wort Gottes zu meditieren (Jos 1,1-9), denn seine Meditation half ihm, zu prüfen, was er in den anderen drei „Klassenzimmern“ gelernt hatte, und alles zu einem ausgewogenen Ganzen zusammenzufügen. Gott teilt seine Wahrheit mit Säuglingen (Lukas 10,21) und mit denen, die demütig genug sind, sie zu empfangen (1. Korinther 1,18-2,8).

    Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

    »Wie liebe ich dein Gesetz!«: Wir können nicht beschreiben, wie sehr wir Gott und sein Wort lieben, aber manchmal müssen wir aus voller Seele rufen, dass wir es lieben. David liebte es seiner Vollkommenheit, seiner Wahrheit, seiner Schönheit, seiner Nützlichkeit wegen, und er liebte es, weil es das Gesetz dessen ist, den er mehr liebte als alles andere. Wir lieben das Gesetz, weil es von Gott kommt, und wir lieben es, weil es von Christus zeugt, weil es uns zu Christus führt und weil dessen Summe und Ziel Christus ist.
    »Es ist mein Sinnen den ganzen Tag«: Was ich liebe, trage ich im Herzen; denn wo mein Schatz ist, da wird auch mein Herz sein (Mt 6,21). Liebe ich Gottes Gesetz, werde ich beständig über seine Wahrheit und Vollkommenheit nachdenken; und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr liebe ich es. Das Sinnen über Gottes Wort ist damit beides: der Beweis, dass ich es liebe, und das Mittel, die Liebe zum Gesetz zu stärken. Ich werde im Buch der göttlichen Offenbarungen vom göttlichen Geist an der Hand genommen und von einer Schatzkammer zur nächsten geführt. Es enthüllen sich meinem anbetenden Herzen Gottes Geheimnisse der Schöpfung und Erlösung, der Regierung und des kommenden Gerichts, der göttlichen Ratschlüsse mit der Menschheit, mit seinem Volk und mit mir, seiner Gedanken über seinen Sohn und alle Wunder der Menschwerdung Gottes. Über dieses Wort will ich sinnen Tag und Nacht (Ps 1,2). Wenn ich morgens erwache, ist Gott und sein Wort mein erster Gedanke, bevor ich mich schlafen lege, bin ich in Gedanken bei seinem Wort. Zuweilen stehe ich sogar nachts auf, um sein Wort zu lesen und betend in mir aufzunehmen. Ich lese es täglich, ich rede von ihm, versuche, es immer besser zu verstehen; ich lerne es auswendig, halte die Ohren offen, wenn es vorgelesen und erklärt wird, und nichts erfreut mich mehr, als wenn man seine Vollkommenheiten preist.

    Benedikt Peters – Die Psalmen

    Alle, die an ihn glauben: Hört nie auf, Gott zu lieben! Die Treuen wird er beschützen, die Treulosen kriegen, was sie verdienen.

    Liebet Jehova, ihr seine Frommen alle! Die Treuen behütet Jehova, und vergilt reichlich dem, der Hochmut übt.
    Elberfelder 1871 – Psalm 31,24

    Liebt den Ewigen, all seine Getreuen. Die Treuen beschützt der Ewige, aber er vergilt reichlich den hochmütig Handelnden.
    Die Philippson-Bibel – Psalm 31:24

    Liebet IHN,
    ihr seine Holden alle!
    Die Getreuen wahrt ER,
    aber er zahlt nach dem Faden
    dem, der hoffärtig handelt.
    Buber & Rosenzweig – Ps 31,24

    Ihr alle, die ihr zum HERRN gehört: zeigt ihm eure Liebe!
    Der HERR behütet alle, die ihm die Treue halten.
    Doch denen, die vermessen handeln (oder die sich über ihn erheben), zahlt er ihren Hochmut gründlich heim.
    Neue Genfer Übersetzung 2013 – Ps 31:24

    Liebt den Herrn, all seine Frommen,
    denn Wahres (- wörtlich Wahrheiten, d.h. wohl Erweise von Wahrheit -) verlangt der Herr,
    und er vergilt denen, die über die Maßen hochmütig handeln.< (- : wörtlich Hochmut tun -)
    Septuaginta Deutsch – Ps 30,24

    רחומו ית יהוה כל חסידוי מהמניא נטיר מן ביש יהוה ופריע על דורבני דעבדין גיותנותא׃
    Targum Psalms – Psalm 31:24

    Ein öffentliches Dankesritual mit der Gemeinde des Psalmisten (30,12–13). Die Erfahrung des Psalmisten bestätigt den Grundsatz, auf Gott zu vertrauen, und ermutigt andere, dies ebenfalls zu tun.

    The Jewish Study Bible

    Wahres: Die Form ἀληθείας als Gen. Sg. zu verstehen ist möglich, jedoch regiert das Verb ἐκζητέω gewöhnlich kein Obj. im Gen. Als Akk. Pl. verstanden, entspräche die Form dem Pl. אמונים »die Treuen« im MT, wobei der Pl. ἀλήθειαι jedoch eher »wahre Dinge«, d.h. wohl ehrliches, aufrichtiges Verhalten meint (vgl. Ps 11,2; SPICQ, 80.83f.). Noch weiter geht Theodor von Mopsuestia (CCL 88A, 137): »LXX veritates dixerunt, id est veros qui fidem suam approbarent.«
    verlangt: Zur Wiedergabe von נצר »bewahren« mit ἐκζητέω s. zu Ps 24,10; 77,7.
    die über die Maßen hochmütig handeln: In der LXX ist das Adv. περισσῶς vom Part. ποιοῦσιν abhängig, während nach dem MT Gott den Hochmütigen übermäßig vergilt. An dieser Interpretation hält auch Diodor von Tarsus (CCG 6, 181) fest und bezieht περισσῶς auf ἀνταποδίδωσιν.

    Septuaginta Deutsch: Erläuterungen und Kommentare zum griechischen Alten Testament

    Nachdem er die Liebe Gottes geschmeckt hat, liebt Christus seinerseits Gott und empfindet zu Recht, dass alle anderen dies ebenfalls tun sollten. Seine Frommen können sich darauf verlassen, dass der HERR sie beschützt und den arroganten Rebellen ihre gerechte Strafe zumessen wird!
    Jeder Gläubige, der in scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten steckt, kann also stark und mutig sein in der Sicherheit, dass niemand auf den HERRN vergeblich harrt – nie und nimmer!

    MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

    Das Bild ändert sich ein wenig, wenn jetzt im erneuten »Lobruf« (Westermann) Gott mit einer befestigten Stadt verglichen wird. Auch ein Geretteter, der in Ruhe bittet, hat nicht vergessen, was vorher gewesen ist. Das Gedächtnis verhilft zur Demut, läßt aber den Jubel um so mehr hervorbrechen. Hatte David einst vor Gott gesprochen: Ich bin abgeschnitten von deinen Augen – den Augen Gottes, die der Inbegriff der Zuwendung und Leitung sind –, so hat sich das jetzt geändert: Gott schaut in Davids, David schaut in Gottes Augen. Jetzt steigert sich das Gotteslob zum: Liebt Jahwe! gegenüber der Gemeinde. Die Liebe zu Gott137 ist die Intensiv- und Radikal-Form des Glaubens, sie meint die nicht mehr zu überbietende Willenshingabe an den rettenden Gott. Gott zu lieben ist aber nur denen möglich, die sich Gott verschrieben haben, den Frommen, das heißt den Treuen, eben denen, die sich nicht haben irritieren lassen. In dieser Hingabe an Gott zerschmilzt nicht nur alles Halbherzige, sondern auch alles Widergöttliche. Die, die Gott radikal lieben, können auch dem abschließenden Wort keine Borniertheit oder Verhärtung entnehmen, wenn es heißt: Seid stark und fest in eurem Herzen.

    Schneider – Wuppertaler Studienbibel

    Eine bemerkenswerte Nähe zwischen dem Apostel und dem rabbinischen Judentum besteht sodann darin, dass der Begriff des Glaubens sich hier wie da in der Spannweite von Vertrauen und Glauben bewegt und dass man die Aussagen über den „Lohn“ für den Glauben im rabbinischen Judentum auch so verstehen kann, dass sie „Heilswirksamkeit des Glaubens auch im rabbinischen Denken“ zu erkennen geben. Auch wenn dabei die spezifisch paulinische Prägung des Glaubensbegriffs durch seinen Bezug auf die Botschaft von der Auferweckung des Gekreuzigten nicht aus den Augen zu verlieren ist, bleibt doch insbesondere der folgende Zusammenhang bemerkenswert. So wie Paulus den Abraham rechtfertigenden Glauben ohne ausdrücklichen christologischen Bezug als Glauben an den Gott, der die Toten auferweckt, qualifizieren kann (Röm 4,17), so kann es in einer späten rabbinischen Auslegung von Ps 31,24 heißen:
    „‚Die Getreuen/Gläubigen (ämunim) hütet der Herr‘:
    Das sind die Israeliten, die sagen: ‚Gepriesen sei er, der die Toten belebt‘, und im Glauben antworten: Amen (u-bä-ʿämuna onin amen).
    (Das sind die Israeliten,) die mit all ihrer Kraft an den Heiligen, gepriesen sei er, glauben (schä-ma’aminim be-kol kochan ba-kadosch-baruk-hu), der die Toten belebt, auch wenn die Belebung der Toten noch nicht gekommen ist.
    (Das sind die Israeliten,) die sagen: ‚Gepriesen sei er, der Israel erlöst‘, obwohl sie noch nicht erlöst wurden.
    (Das sind die Israeliten,) die sagen: ‚Gepriesen sei er, der Jerusalem erbaut‘, obwohl es noch nicht erbaut wurde.
    Es sagt der Heilige, gepriesen sei er: Die Israeliten, die nur für eine kurze Zeit erlöst und dann wieder verknechtet wurden, sie glauben an mich (we-hem ma’aminim bi), dass ich sie erlösen werde: ‚Die Getreuen/Gläubigen hütet der Herr.‘
    Es sagte R. Acha bar Ada: ‚Dann werdet ihr den Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Frevler‘ (Mal 3,18) sehen – zwischen dem, der glaubt, und dem, der nicht glaubt (ben ha-ma’amin le-mi schä-eno ma’amin).‘ “
    Der Akzent liegt hier angesichts der zweimaligen Rede vom Glauben an den Gott Israels wie in Röm 4,17 deutlich auf dem Vertrauen auf den Gott Israels und Schöpfer der Welt als den, der die Toten belebt, Jerusalem erbaut und Israel erlöst, d. h. endzeitlich rettend an ihm handeln wird.

    Osten-Sacken – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament – Der Brief an die Gemeinden in Galatien

    Doch an einem Punkt war David vielleicht schon bereit, aufzugeben: „In meinem Schrecken sagte ich: ‚Ich bin aus deinem Blickfeld verschwunden!‘ “ (v. 22und siehe 30:6). Nicht der Feind machte ihm Angst, sondern der Gedanke, von dem Gott, dem er vertraute und diente, verlassen zu werden. Er tat, was wir alle tun müssen, wenn wir spüren, dass Gott nicht mehr in der Nähe ist: Er rief den Herrn um sein Erbarmen an, und der Herr antwortete. Als die schreckliche Erfahrung des Aufruhrs vorbei war, sprach David zum Volk (V. 23-24) und gab Gott die Ehre, ihn befreit zu haben. David hatte über seinen Glauben an den Herrn geschrieben (Vv. 1, 6, 14, 19), aber jetzt ermutigt er sein Volk, den Herrn zu lieben und seine Hoffnung auf ihn zu setzen. Glaube, Hoffnung und Liebe gehören immer zusammen (1. Korinther 13,13). Der Mut und die Kraft, die wir in den Prüfungen des Lebens brauchen, werden uns vom Herrn geschenkt, wenn wir unseren Glauben auf ihn setzen. Lasst uns sicher sein, dass wir ihm die Ehre geben.

    Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

    Damit ist eindeutig bewiesen: Er ist wirklich nicht mehr tot, er lebt!

    welchen er sich auch nach seinem Leiden in vielen sicheren Kennzeichen lebendig dargestellt hat, indem er vierzig Tage hindurch von ihnen gesehen wurde und über die Dinge redete, welche das Reich Gottes betreffen.
    Elberfelder 1871 – Apostelgeschichte 1,3

    Sie waren es auch, denen er sich nach seinem Leiden und Sterben zeigte und denen er viele überzeugende Beweise dafür gab, dass er wieder lebendig geworden war: Während vierzig Tagen erschien er ihnen immer wieder und sprach mit ihnen über das Reich Gottes und alles, was damit zusammenhängt.
    Neue Genfer Übersetzung 2013 – Apostelgeschichte 1:3

    Ihnen hat Er sich auch nach dem Leiden durch zahlreiche Beweise als lebend präsentiert, als Er sich während 40 Tagen bei ihnen blicken ließ und das besprach, was das Königreich Gottes betrifft.
    Gottes Agenda – Apg 1,3

    denen Er auch dargestellt hatte Sich selbst als Lebendigen nach Seinem Leiden unter vielen Ziel – und Neugeburtszeichen, indem Er durch 40 Tage hindurch Sich ihnen zu sehen gab und ihnen sagte die das Königtum und Königreich Gottes betreffenden Dinge;
    Pfleiderer – Apg 1:3

    οἷς diesen/ihnen (rel. Anschluss, A364a). παρέ-στησεν Aor. -ίστημι hier τινά τινι jmdn. (als etwas) jmdm. darstellen/vor Augen stellen; οἷς καὶ παρέστησεν ἑαυτὸν ζῶντα diesen stellte er sich auch als lebend/Lebenden dar = diesen zeigte er auch, dass er lebte. ζῶντα Ptz. ζάω, Ptz. (wie ein Adj./Subst.) als Obj.-Präd. (Artergänzung; A82) gebraucht. μετὰ τό m. AcI temp. (A282). παθεῖν Aor. Inf. πάσχω; Präd. des AcI; μετὰ τὸ παθεῖν αὐτόν nach seinem Leiden (gemeint sind sein Tod am Kreuz u. das damit zusammenhängende Leiden). ἐν instr. durch (A193). τεκμήριον (überzeugender) Beweis. διά m. Gen. hier hindurch, während (B AII1a), d. h. nicht ständig, sondern wiederholt (BDR § 2233). τεσσεράκοντα19 vierzig. ὀπτανόμενος Ptz. ὀπτάνομαι (nachklass. < ὤφθην [Aor. Pass. v. ὁράω] „ich ließ mich sehen“ bzw. „ich erschien“) sich zeigen/sehen lassen, erscheinen; Präs. iter. (A226); mod. λέγων Ptz., mod. τὰ περί m. Gen. das, was jmdn./etwas angeht (B περί 1i); τὰ περὶ τῆς βασιλείας τοῦ θεοῦ er sprach von dem, was das Reich Gottes angeht = er sprach vom Reich Gottes (GNB: darüber, wie Gott seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden werde).

    Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

    Während der »vierzig Tage« zwischen seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt war der Herr seinen Jüngern erschienen und hatte ihnen die überzeugendsten »Kennzeichen« oder Beweise geliefert, dass er leiblich auferstanden war (vgl. Joh 20,19.26; 21,1.14).
    Während dieser Zeit hat er mit ihnen auch über »das Reich Gottes« gesprochen. Seine Aufmerksamkeit galt nie den Reichen dieser Welt, sondern dem Reich oder dem Herrschaftsgebiet, in dem Gott als König anerkannt wird.
    »Das Reich« darf nicht mit der Gemeinde verwechselt werden. Der Herr Jesus hatte sich selbst dem Volk Israel als König vorgestellt, wurde jedoch verworfen (Matth 23,37). Die Aufrichtung eines Reiches im wörtlichen Sinne musste deshalb zurückgestellt werden, bis sich Israel eines Tages bekehren und ihn als Messias annehmen wird (Apg 3,19–21).
    Im gegenwärtigen Zeitalter ist der König abwesend. Er hat jedoch ein unsichtbares Reich auf Erden (Kol 1,13). Es besteht aus allen, die sich zu ihm bekennen (Matth 25,1–12). In gewissem Sinne gehört dazu jeder, der behauptet, ein Christ zu sein. Das ist der äußere Bereich (Matth 13,1–52). Doch es gibt auch einen inneren Bereich, der nur die Menschen umfasst, die wiedergeboren sind (Joh 3,3.5). Das Reich in seinem gegenwärtigen Zustand wird in den Gleichnissen in Matthäus 13 beschrieben.
    Die Gemeinde ist etwas vollkommen Neues. Sie wurde in den Prophezeiungen des AT nicht erwähnt (Eph 3,5). Sie besteht aus allen Gläubigen von Pfingsten an bis zur Entrückung. Als Braut Christi wird die Gemeinde mit Christus im Tausendjährigen Reich regieren und für immer seine Herrlichkeit teilen. Christus wird gegen Ende der Großen Trübsal als König zurückkehren, seine Feinde vernichten und seine gerechte Herrschaft über die ganze Erde aufrichten (Ps 72,8).
    Obwohl Christi Regierung von Jerusalem aus nur tausend Jahre dauern wird (Offb 20,4), so ist doch »das Reich« in dem Sinne ewig, dass alle Feinde Gottes für immer vernichtet sein werden und er ohne Widerstand oder Hindernisse für immer im Himmel herrschen wird (2. Petr 1,11).

    MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament}

    Zum anderen erhalten wir in Apg 1,3 eine neue Information über die Zeit zwischen der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu. »Vierzig Tage lang« ist Jesus seinen Jüngern erschienen. Ein Blick in die Konkordanz zeigt uns die Bedeutung der Zahl »vierzig« in der Bibel: Vierzig Tage und Nächte ließ Gott die Sintflut herabregnen; vierzig Jahre lang zogen die Israeliten in der Wüste umher; vierzig Tage blieb Mose auf dem Berg Sinai; nach vierzig Tagen kehrten die Kundschafter des Volkes Israel um; vierzig Tage Frist zur Buße erhält Ninive. Am nächsten liegt es wohl, in den vierzig Tagen Moses auf dem Berg bei Gott seine Parallele zu sehen. So wie Gott damals Mose seinen Willen erklärte, so erlebten es nun die Führer des neutestamentlichen Gottesvolkes, die Apostel, mit Jesus. Denn das erfahren wir ja auch, daß Jesus ihnen in dieser Zeit »das darlegte, was das Gottesreich angeht« (Apg 1,3). Es ist nun freilich nicht an uns, zu spekulieren, was damals wohl mitgeteilt worden sein mag. Wir dürfen aber annehmen, daß es Eingang in die Lehre der Apostel und somit auch in das Neue Testament gefunden hat. Der Evangelist Johannes hebt hervor, daß den Jüngern das Verständnis mancher Vorgänge in Jesu Leben und Leiden erst nach seiner Auferstehung eröffnet wurde (vgl. etwa Joh 12,16 für den Einzug in Jerusalem). Erst im Rückblick, erst mit dem Auf erstandenen im Rücken, fanden sie den Zugang hierzu. Lukas selbst deutet in seinem Bericht über Jesu Gespräch mit den Jüngern bei Emmaus an (Lk 24,13–35), wie Jesus ihnen die Augen für Gottes Plan und Willen öffnete. So ist es bis heute geblieben: Wer nach Gottes Willen und Plan fragt, der suche in der Bibel, im Alten und im Neuen Testament. Hier und nur hier ist Gottes zuverlässiges Wort zu finden, hier und nur hier redet Gott uns verbindlich an.
    So ist für Lukas die »Lehre der Apostel«, der er später großes Gewicht beimessen wird (vgl. Apg 2,42), organisch mit Jesu eigenem Reden und Lehren verbunden und aus diesem heraus entstanden. Wie sich diese Botschaft in der Gemeinde durchgesetzt und in der Welt ausgebreitet hat, darüber berichtet Lukas in der Apostelgeschichte.

    Edition C Bibelkommentar Neues Testament

    Die Erscheinungen des auferstandenen Herrn dienten als Beweise für seine Auferstehung. Der Begriff „Beweise“ (tekmEriois) kommt nur an dieser einen Stelle im Neuen Testament vor; gemeint sind damit sichtbare Indizien, im Gegensatz zu Beweisen, die sich auf Zeugenaussagen stützen. Die Jünger konnten sich mit eigenen Augen und durch die Berührung des Auferstandenen von der Wahrheit des Geschehens überzeugen (vgl. Lk 24,39-40; 1Joh 1,1).
    Vierzig Tage lang zeigte sich Jesus nach seiner Auferstehung den Aposteln und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Was meint Lukas mit dem „Reich Gottes“ (vgl. den Kommentar zu Mt 3,2;13,10-16)? War Gott nicht schon immer der Herrscher der Welt, ganz besonders der Herr über Israel (Dan 2,47; 3,33; 4,22-23.29.31-34; 5,21; 6,26-28; Ps 84,4; 89,7-19;103; usw.)? Das ist richtig, doch es wird eine Zeit – das „Tausendjährige Reich“ – kommen, in der Gott auf spektakuläre Weise in die menschliche Geschichte eingreifen und für alle sichtbar seine Herrschaft auf Erden errichten wird. Obwohl Jesus seine Jünger schon vor seiner Kreuzigung immer wieder auf dieses kommende Ereignis hinwies, hielt er es für angebracht, noch vierzig Tage nach der Auferstehung mit ihnen darüber zu reden.

    Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

    Auf den Dienst Jeschuas an seinen Aposteln nach der Auferstehung folgte seine Himmelfahrt. In Vers 2b war der Inhalt seines Dienstes, dass er ein Gebot gegeben hatte, d. h. er gab den Aposteln Anweisungen. Das Mittel war der Heilige Geist, und die Empfänger waren die Apostel, die er erwählt hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Apostel die übrigen elf Männer, die während der Zeit des Evangeliums ausgewählt wurden (Lk 6,13-16).

    Vers 3a gibt eine Zusammenfassung von Jeschuas Dienst nach der Auferstehung. Was seine Auferstehung betrifft, so zeigte er sich lebendig. Mit anderen Worten: Den Aposteln, die er erwählt hatte, zeigte er sich als sehr lebendig (Joh 20,19-26; 21,1-14). Was den Zeitpunkt betrifft, so diente er nach seiner Passion. Das Wort „Passion“ schließt sowohl Jeschuas Leiden als auch seinen Tod ein. Nach der Zeit seines Leidens zeigte er sich durch viele Beweise als lebendig. Nach den Berichten der Evangelien ist er den Aposteln mindestens zehn Mal erschienen. Das Wort „Beweise“ bezieht sich hier auf ein zwingendes Zeichen. Es bedeutet, dass es sich um einen anschaulichen Beweis handelt, im Gegensatz zu bloßer Einbildung oder mystischen Behauptungen. Der Dienst Jeschuas nach der Auferstehung dauerte vierzig Tage, die vierzig Tage zwischen seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt. Während dieser vierzig Tage diente er seinen Aposteln.

    Zum Inhalt des Dienstes Jeschuas gehörte auch, dass er über das Reich Gottes sprach. Mit anderen Worten: Er lehrte seine Apostel weiterhin die Wahrheiten über das Reichsprogramm, das sowohl das messianische Reich als auch das geheimnisvolle Reich einschließen würde. Äußerlich befasst sich die Apostelgeschichte mit dem Fortschritt der Gemeinde, dem Leib des Messias, aber innerlich geht es um diejenigen, die wirklich aus Gnade durch den Glauben an die Messiasschaft Jeschuas gerettet wurden. Die Lehre über das Programm des Königreichs wäre für den Umgang mit der jüdischen Gemeinschaft von wesentlicher Bedeutung. Wenn Jeschua der Messias war, was geschah dann mit dem Reich Gottes? Dies müsste hinreichend erklärt werden, damit die Juden ihn als Messias akzeptieren. Die Apostelgeschichte berichtet über die Fortsetzung des geheimnisvollen Reichsprogramms

    Arnold G. Fruchtenbaum – Ariel’s Bibelkommentar: Apostelgeschichte

    @book{John F. Walvoord u. Roy B. Zuck,
    title={ – Matthäus bis Römer},
    author={John F. Walvoord u. Roy B. Zuck},
    pages={Apg 1,1–2} }