„Seit wann ist Treue out?“

heute war ein sehr interessanter Artikel in der Bild-Zeitung!

TREUE Gehört sie noch zum guten Ton?

Treue bis ins hohe Alter: Die Würde, die Selbstachtung erwächst aus dem Vermögen, sich selbst zu etwas verpflichten zu können – und dabei dann zu bleiben

… Treue, das galt früher als Tugend. Heute hat es eher den Klang von: „treudoof“. Wer nach fünf Jahren immer noch in derselben Firma ist, gilt als arme Wurst. Wenn mich meine Chefin als „mein treuer Mitarbeiter Alexander“ vorstellen würde – mir wäre das peinlich. Wenn früher große Firmen Hunderte Mitarbeiter feuerten, galt das als Makel. Heute sprechen Wirtschaftsmedien anerkennend von „natürlichem Abschmelzungsprozess“.

Erinnert sich noch jemand an den Liebesroman „Die Brücken am Fluss“? Verfilmt von Clint Eastwood?

Es ist einer der schönsten Liebesfilme überhaupt. Und zwar weil sie, die Ehefrau (Meryl Streep), eben nicht mit dem Mann ihrer Träume davonläuft. Die Szene, wie er stundenlang an ihrem Geheimversteck auf sie wartet – und weiß, dass sie nicht kommen wird. Und das hinnimmt. Aus Liebe!

Wie sie ihn noch ein letztes Mal sieht, ihr ganzes Herz sich nach ihm verzehrt, und sie sich – gegen ihr Herz – für ihre Familie entscheidet. Der Film ist aus dem Jahr 1995. Könnte man ihn heute noch so drehen? Ein „Happy End“ sähe heute so aus: Sie schmeißt alles hin, ihre Ehe, ihre Familie, und folgt ihm in den Sonnenuntergang.

Was ist in unserer Gesellschaft schiefgelaufen, dass Treue von der Tugend zum Makel geworden ist?

Andererseits: Wenn ein Fußballstar und seine Frau sich trennen – und sich dann rausstellt, dass ihre beste Freundin mit ihm … dann sind unsere Instinkte doch noch intakt. Wir reden von Verrat.

VERRAT. Mit hartem R! Die Umkehrung von Treue!

In Dantes „Göttlicher Komödie“ (vor 700 Jahren geschrieben!), dem vielleicht wichtigsten literarischen Werk des Abendlandes, schmoren Verräter (Judas, Brutus) im alleruntersten Kreis der Hölle. Gleich neben Luzifer, auch jemand, der illoyal war. In unseren Herzen, in unserer Kultur, schlummert – verdeckt vom liebreizenden Schein der neuzeitlichen Angebotsvielfalt – das Wissen, dass das eine tugendhaft und das andere teuflisch ist.

„Kein moderner Mensch gibt zu, dass er sich nach Treue und Bindung sehnt“, sagt die Autorin Birgit Ehrenberg („Die Mami-Falle“), „in Wirklichkeit tun wir das alle, gerade in diesen Zeiten der Unsicherheit und Unverbindlichkeit.“

Warum gestehen wir uns diese Sehnsucht nicht ein? Ehrenberg: „Weil wir stark erscheinen wollen. Keiner soll merken, dass man jemanden braucht und dass man gebraucht werden will. Treue ist das Gegenteil von Egoismus.“

Stimmt das wirklich? Hat Treue immer mit dem anderen zu tun?

Das Wort, sagen Sprachforscher, stammt aus dem Althochdeutschen – von triuwe, ein Eigenschaftswort, das so viel bedeutet wie „fest sein“ – heute würde man sagen: stehen können, Rückgrat zeigen! Darum geht es doch eigentlich: Das Festhalten an einer Pflicht sich selbst gegenüber.

Die Würde, die Selbstachtung erwächst aus dem Vermögen, sich selbst zu etwas verpflichten zu können – und dabei dann zu bleiben. Egal ob es eine Überzeugung, ein Mensch, ein Geschäft, ein Versprechen ist. Wir verraten, bevor wir jemand anders verraten, immer erst uns selbst. Nur wer sich selbst treu ist, kann auch anderen treu sein. Weil das uns erst zur Liebe befähigt.

Dem Partner treu zu sein, wenn man verliebt ist, ist keine Kunst. Sich anbrüllen, miteinander hadern, verzweifelt über den anderen sein – und trotzdem dableiben, nicht gedanklich bereits – quasi per Mausklick – nach Alternativen suchen, DAS ist Treue.

Wir brauchen die Treue, weil wir sie uns selbst schuldig sind. Die Rückkehr der Treue in die Welt wäre ein Geschenk.

Ein Gedanke zu „„Seit wann ist Treue out?““

  1. Sehr schön zu sehen, dass es auch in der heutigen Zeit noch Menschen gibt, denen Werte wie Treue und Ehe etwas bedeuten und die sich nicht scheuen, diese Meinung auch öffentlich kundzutun – denn es ist ja unmodern, wie wir gerade gelesen haben.

    Warum eigentlich?

    Wenn die Autorin Ehrenberg sagt: „Weil wir stark erscheinen wollen. Keiner soll merken, dass man jemanden braucht und dass man gebraucht werden will“, dann frage ich ich immer, warum sind wir eigentlich so wild darauf, mit unsern Mitmenschen Spielchen zu spielen?

    Warum können wir nicht offen und ehrlich zu unseren Gefühlen stehen?

    Wie die Autorin hier schon sagt, geht es wohl mehr um die Angst, von dem anderen verletzt zu werden. Wenn ich offen und ehrlich sage, was ich denke und fühle, dann mache ich mich angreifbar. Aber warum ist das so?

    Ist eine Partnerschaft und Ehe nicht das innigste, was zwei Menschen miteinander teilen können? Sollten wir da nicht auch beste Freunde sein?

    Mit meinem besten Freund kann ich über alles reden, ihm kann ich mich öffnen und bei ihm muss ich keine Angst haben, dass ich es „morgen in der Bild-Zeitung lese“ 😉

    Nichts tötet die Liebe und das gegenseitige Verständnis mehr, als diese elende Spielchenspielerei. Sie tötet Liebe und Vertrauen. Wir erwarten, dass unser Partner weiß, was wir brauchen und wie wir empfinden – „wenn er mich nur wirklich liebt“. Aber Fakt ist, dass wie einem anderen nur vor den Kopf gucken können und nicht ins Herz. Wir müssen unserem Partner eine echte Chance geben, uns richtig kennen zu lernen. Dann wird er uns auch nicht verletzten.

    Wenn ich aber immer irgendwie auf Abstand bleibe, aus Angst, verletzt zu werden, dann werde ich zwangsläufig verletzt. Vielleicht auch einfach nur aus Unwissenheit. Mein Partner bricht sich dann einen ab, um herauszufinden, was ich wohl will und dieses zu erfüllen. Mit meinen Spielchen sende ich aber unbewusst falsche Signale und so tut er mit Sicherheit genau das Verkehrte.

    Gestern haben wir uns eine Aufnahme von bibel-Tv angesehen, wo es um Paare ging, die sich auseinandergelebt haben. Zum Anfang gab es eine gestellte Szene eines Ehepaars, das Abends bei einem Gläschen Wein auf dem Sofa sitzt und sich ganz offensichtlich nichts zu sagen hat. Man sieht, dass sich beide damit unwohl fühlen und jeder versucht für sich, die Situation zu ändern, indem er irgendetwas sagt – nur um etwas zu sagen. Aber es ist total unpersönlich, sie reden vom Wetter, von Politik und anderem, nur nicht über sich und was sie beide betrifft. In der Schlußzene sehen wir dann, dass es der Geburtstag der Ehefrau ist und beide so tun, als wäre es ein gelungener Abend gewesen.

    Im Anschluß gab es ein Interview mit einer Paartherapeutin, die versuchte, den Grund für dieses Schweigen zu erklären: man traut sich oftmals nicht mehr miteinander zu reden, weil vielleicht in der Vergangenheit ein offenes Gespräch zu verletzten Gefühlen oder Streit geführt hat. Also rührt man das Persönliche lieber nicht mehr an.

    Sie gibt dann den Rat, den wir bereits auch aus unseren Publikationen kennen: das, was wir sagen wollen, als Ich-Botschaft zu formulieren: „ich fühle mich gerade verletzt, weil das was du sagst, bei mir so ankommt…“ usw.

    Gerade diese Sprachlosigkeit ist ja auch oftmals Anlass zu Ehebruch und darauf folgender Trennung und Scheidung. Mit dem eigenen Partner reden wir nicht mehr, aus Angst vor Verletzungen und Streit. Dann treffen wir auf einen anderen, der uns zuhört. Weil wir von ihm nichts erwarten, öffnen wir uns ihm und daraus entwickeln sich dann die Gefühle von Nähe, die dann den Nährboden für Hurerei und Ehebruch bereiten.

    Dabei könnte man mit dem eigenen Partner ebenso gut reden. Siehe hierzu den Film „Flaschenpost an meinen Mann“, den wir vor einigen Tagen im Fernsehen gesehen hatten:

    FLASCHENPOST AN MEINEN MANN

    Der Film erzählt von Susanne (Melika Foroutan) und Till (Tobias Oertel), die über die Mühen des Alltags ihre Liebe verloren haben und sie durch eine Flaschenpost wieder finden – allerdings ganz anders als geplant.

    Susanne und ihr Ehemann Till haben sich und ihre Liebe über den Alltagsstress in der eigenen Tanzschule verloren. Ihren Frust über den vergessenen Hochzeitstag und darüber, dass das gemeinsame Leben scheinbar nur noch aus Arbeit besteht, lädt Susanne bei Freundin Vivien ab. Nach einer gemeinsamen Flasche Champagner verselbständigt sich die Sache: Susanne schreibt ein flammendes Plädoyer über die Liebe und das Verliebtsein, steckt den Brief in die leere Flasche und wirft sie in die Spree. Dass sich kurz darauf nicht das Universum, sondern ein ziemlich interessanter und interessierter Mann per Email bei ihr meldet, holt sie auf den Boden der Tatsachen zurück – schließlich ist sie verheiratet. Was sie jedoch nicht weiß, ist, dass der anonyme Schreiber ihr eigener Ehemann Till ist. Denn das Schicksal war nicht untätig und bringt die beiden in einen intensiven und romantischen Emailverkehr, ohne zu wissen, dass der bzw. die Angebetete im Ehebett direkt neben einem liegt.

    Auch diesen Film fanden wir sehr überraschend, denn er tritt – ebenso wie der heutige Artikel der Bild-Zeitung – für Ehe und Moral und Treue in der Ehe ein und dafür, dass es nur an uns selbst liegt, an unserer Ehe zu arbeiten. In einer Ansprache sagt Bayless Conley dazu: „Wenn der Boden deiner Ehe öd und trocken ist – dann gehe nicht woanders hin, sondern bewässere den Boden deiner Ehe.“

    In diesem Film wird dies ja sehr schön gezeigt. Die beiden haben das Gefühl, mit dem falschen Partner verheiratet zu sein. Aber durch die Flaschenpost und die Emails kommen sie – wenn auch unbewusst – mit dem eigenen Ehepartner ins Gespräch. Zuvor war es ähnlich wie in der Szene bei bibel-tv. Die Ehe starrt vor Sprachlosigkeit, über das berufliche hinaus scheint man sich nichts mehr zu sagen zu haben.

    Mit dem Fremden, mit dem man nun eMails austauscht, ist alles so anders. Hier kann man sich öffnen, denn der andere kennt einen nicht und kann einen daher auch nicht verletzten. So öffnen sich die beiden immer mehr ihrem eMail-Partner und offenbaren ihre tiefsten Gedanken und Gefühle. Natürlich erwachsen daraus dann auch romantische Gefühle. Der andere ist so lieb und nett und romantisch, „er/sie interessiert sich wirklich für mich“, ach, wenn der eigene Partner doch nur auch so wäre.

    Wir Zuschauer sehen entsetzt zu, denn wir wissen, dass sie ihrem eigenen Ehepartner schreiben und gerade wieder lernen, ihren eigenen Partner zu lieben und zu schätzen.

    Sie verabreden ein Treffen, beide mit schlechtem Gewissen, aber es kommt durch unglückliche Umstände nicht dazu. Dann verfällt die eMail-Adresse der Frau und so kann er ihr nicht schreiben, und sie ihm nicht, da sie seine Adresse und seinen Namen nicht hat. So macht sie sich mit Flugblättern auf die Suche nach ihrem Flaschenpost-Mann. Das Ehepaar trennt sich, weil sich beide in einen anderen verleibt haben.

    Aber im Verlauf der Trennung und Suche merken sie, dass sie ihren Ehepartner vermissen und geben die Suche auf. Beide wollen es noch einmal miteinander probieren. Sie haben gemerkt, dass es in ihrer Beziehung hapert, weil sie zu wenig miteinander geredet haben.

    An diesem Punkt, wo beide ihrer Ehe noch eine Chance geben wollen, kommen sie durch Zufall dahinter, dass sie einander geschrieben hatten. Beide sind froh, dass sie dabei nicht auf einen anderen gestoßen waren und nun können sie ihre neu entflammte Liebe genießen und weiter nähren.

    Eine interessante Wendung für uns, dass sie sich füreinander entscheiden, bevor sie merken, dass der eMail-Partner der eigenen Ehepartner war. Die Moral von der Geschichte gefällt uns als Christen natürlich besonders gut.

    Also:

    Bitte reden wir mit unserem Ehepartner. Wenn es Probleme gibt, dann reden wir darüber. Wir können dazu auch die elektronischen Hilfsmittel zur Hilfe nehmen. Schreiben wir unserem Ehepartner eine eMail oder sms. Verhalten wir uns so, als wären wir frisch verliebt – damit erhalten wir unsere Liebe lebendig.

    Wir haben ja heute „gelernt“, dass sich jeder von uns im Geheimen nach Liebe, Treue und Beständigkeit sehnt. Warum also dem Partner suggerieren, wir bräuchten ihn nicht, um uns unverletzbarer zu machen?

    Geben wir uns unserem Ehepartner ganz hin – mit Haut und Haaren, ohne Geheimnisse oder Spielchen zu spielen – dann wird unsere Ehe ein Erfolg sein. Geben wir einander eine echte Chance!

    weitere Ansprachen zur Ehe und Parnerschaft von Bayless Conley finden wir hier:

    sicherlich gibt es noch sehr viel mehr Ansprachen von ihm zu diesem Thema, aber dies sind die, die wir hier auf der Seite anbieten können

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