Monat: Juni 2023

Warum die vielen Wunder Jesu?

Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind vergeben, oder zu sagen: Stehe auf, nimm dein Ruhebett auf und wandle? Auf daß ihr aber wisset, daß der Sohn des Menschen Gewalt hat auf der Erde Sünden zu vergeben… spricht er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, stehe auf, nimm dein Ruhebett auf und geh nach deinem Hause
Elberfelder 1871 – Markus 2,9–11

Was ist denn leichter? Zu dem Behinderten hinzugehen und zu sagen: ‚Dein Mist ist vergeben und vorbei‘‚ oder zu ihm zu sagen: ‚Steh auf, nimm dein Zeug unter deinen Arm und lauf wieder‘? Aber ich werde Ihnen jetzt beweisen, dass der Auserwählte Gottes die Vollmacht hat, den Mist zu vergeben und die Schulden zu erlassen, die man bei Gott hat.“ Dann beugte er sich zu dem Typen runter und sagte ihm: „Los, steh auf! Nimm deine Sachen und geh nach Hause! Du bist jetzt wieder gesund.“
VolxBibel – Markus 2:9–11

Was ist leichter: dem Gelähmten zu sagen: ,Deine Sünden sind vergeben‘, oder zu sagen: ,Stehe auf und nimm dein Bett und wandle‘? -Mt 9,5. Damit ihr aber wißt, daß der Sohn des Menschen Vollmacht hat, Sünden auf Erden zu vergeben», sagt Er dem Gelähmten: «Ich sage dir, stehe auf, nimm dein Bett und gehe in dein Haus!»
Abraham Meister – Markus 2,9–11

Ein ähnliches Thema hatten wir schon

Wie sind Jesu Wunder zu deuten?
Wie das Alte Testament überliefert uns auch das Neue Testament gleich eine ganze Palette an seltsamen und seltsamsten Wundergeschichten. Hier ist es vor allem Jesus, Gottes Sohn, der Wunder wirkt. Wir erinnern uns: Er treibt den Besessenen die Dämonen aus. Er heilt durch Handauflegen — zuweilen sogar aus der Ferne — Aussätzige, Gichtbrüchige, Blutflüssige, Lahme, Stumme, Taube, Blinde und Schlafwandler. Er speist fünftausend Menschen mit nur fünf Broten und zwei Fischen. Er verwandelt Wasser in Wein, stillt einen Seesturm, wandelt auf dem See und erweckt gar Tote zu neuem Leben … Schließlich wird Jesus selbst von den Toten auferweckt – was für christlich Gläubige das wohl alles entscheidende Wunder, das Wunder schlechthin ist: »Wer glaubt, glaubt an Wunder. Das Wunder ist der Inhalt jeder Theologie«, schreibt in diesem Sinne — nicht ganz zu Unrecht — der 1921 geborene Schweizer Gemeindepfarrer und Schriftsteller Kurt Marti in seinem Gedicht Von Ur an …
Wie die Wunder Jesu zumindest zu seiner Zeit aufgenommen wurden, steht für Gustav Mensching (1901 – 1978), den bedeutenden Vertreter der »Religionswissenschaft des Verstehens«, aber auch für viele zeitgenössische Theologen außer Frage: »Die ›Wundertaten‹ Jesu werden griech. Dynameis (Krafttaten) oder Semeia (Zeichen) genannt, womit ausgesprochen wird, dass man in ihnen der Kraft Gottes begegnete. Die Reaktion der Augenzeugen auf solche Krafttaten Jesu zeigt in aller Klarheit, dass hier nicht ein Widerspruch zum Naturgesetz, das man gar nicht kannte, mit Verwunderung festgestellt wurde, sondern die Kraft Gottes.«
Trotzdem tut man sich – nicht zuletzt in den eigenen Reihen der Theologen, katholischen wie vor allem evangelischen – spätestens seit dem Zeitalter der Aufklärung und des Rationalismus äußerst schwer mit dem Verständnis dieser »übernatürlichen«, die Naturgesetze vermeintlich aufhebenden (paranormalen) PSI-Phänomene. Wissen wir doch inzwischen alle, dass infolge des dominanten naturwissenschaftlich-technischen Denkens einer zusehends entzauberten Welt »dem Modernen fast nichts mehr Wunder sein kann« – im Gegensatz etwa zu den »primitiven«, archaischen, traditionsgebundenen Menschen, für die fast alles Wunder sein konnte, wie der niederländische evangelische Theologe und Religionshistoriker Gerardus van der Leeuw (1890 — 1950) weiß.
Sieht man von der Möglichkeit, die Wundererzählungen einfach als Wiedergabe der historischen Realität zu begreifen, einmal ab, wie lassen sich folglich die Wunderberichte des Neuen Testaments auslegen? Wir überspringen hier die Kirchenväter wie auch die Theologen des Mittelalters und der Renaissance, die – ungeachtet interpretatorischer Nuancen – die Wunderberichte des Neuen Testaments unisono als Demonstrationen von und für Jesu Göttlichkeit verstanden: So etwa gehen für Aurelius Augustinus (354 — 430) die Wunder Jesu auf Gottes Allmacht zurück. Genauso für Thomas von Aquin (1224 — 1274), der in den Wundern ein Geschehen gegen die Naturordnung (contra naturam) sah.
Der evangelische Theologe und Schriftsteller im Zeitalter der Aufklärung Karl Friedrich Bahrdt (1741 – 1792) versuchte natürliche Ursachen für die in den Wundern berichteten Vorgänge zu finden: Jesus sei beim Seewandel im Nebel am Seeufer oder auf dort im Wasser liegenden Bauhölzern entlanggegangen und daher von den Jüngern für ein Gespenst gehalten worden, das auf dem Wasser gehen könne. Bei der Sturmstillung habe er die verängstigten Jünger angeherrscht: Schweigt still, was diese auf Wind und Wellen bezogen, die sich zufällig im selben Moment legten. Dies hätten die Jünger dann auf seinen »Befehl« zurückgeführt.
Desgleichen suchte der evangelische Theologe Heinrich Eberhard Gottlob Paulus (1761 — 1851) nach »vernünftigen« Erklärungen der Wunder: Bei der Massenspeisung hätten genügend Zuhörer Nahrungsvorräte bei sich gehabt. Jesus habe seine Nahrung mit seinen Jüngern geteilt und damit die anderen Zeugen ebenfalls dazu angeregt, dies zu tun. Derlei rationalistische Erklärungsversuche sollten späterhin von Albert Schweitzer (1875 – 1965) in seiner Geschichte der Leben-Jesu-Forschung von 1906 köstlich karikiert werden, indem er etwa vorschlug, die Totenerweckungen neu zu betiteln: »Man sollte diese Erzählung gar nicht ›Totenauferweckungen‹ überschreiben, sondern etwa ›Jesus bewahrt vor zu frühem Begrabenwerden‹«, da es sich ja augenscheinlich um Scheintote gehandelt haben müsse!
Im Gegenzug sah David Friedrich Strauß (1808 — 1874) in Jesu Wundergeschichten lediglich Mythen, die eine bestimmte Idee zum Ausdruck bringen sollten. Diese hatten vor allem die Aufgabe, das im Alten Testament von den Propheten Erzählte noch zu überbieten und dergestalt Jesus als den verheißenen Messias darzustellen. Und dies, obgleich Jesus selbst Wunder eher abgelehnt habe, jedoch die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen musste. Strauß deutete einige Heilwunder mithin gleichsam »psychosomatisch«, während er in anderen Volkssagen sah, die auch ohne historische Grundlage einen religiösen Sinn hätten.
Folgt man Rudolf Bultmann (1884 – 1976), dem protestantischen Theologen und Entmythologisierer par excellence, ist ein Großteil der Wunderberichte erst nach Jesu Tod im Urchristentum entstanden. In seiner Geschichte der synoptischen Tradition aus dem Jahre 1921 vertritt er die These, dass hellenistische Motive auf Jesus übertragen wurden, und führt als Beispiel dafür das Weinwunder von Kana an, das aus dem Dionyskult stamme. In ähnlicher Art und Weise bewertete auch der Neutestamentler Martin Dibelius (1883 – 1947) in seiner Formgeschichte der Evangelien von 1919 die meisten Wundertexte, nämlich als spätere Anpassung der kirchlichen Verkündigung an profane Legenden der antiken Umwelt. Für den Altphilologen Ludwig Bieler (1906 — 1981) wurde die Figur Jesus nach dem antiken Typus eines Wundertäters, eines »göttlichen Menschen« – griechisch: Theios Aner – konstruiert; vergleiche dazu sein gleichnamiges Buch von 1936.
Diese theologische Blockadehaltung dem »Wunder« gegenüber wurde in den letzten Jahrzehnten jedoch etwas aufgebrochen. Man schlussfolgert heute nicht mehr zwingend, dass die Heilungstätigkeit Jesu historisch nicht wahr sei beziehungsweise dass es sich bei den Wundererzählungen lediglich um reine Symbolerzählungen handeln würde: »Ein heilsgeschichtliches Verständnis sieht die Wunder als Zeichen, als Hinweise und nicht als Beweise. Sie weisen auf die Nähe des Gottessohnes hin und stehen im Dienste der Verkündigung der Botschaft Jesu. Das eigentliche Zeichen Gottes ist dabei das Erscheinen Jesu selbst.«
Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen Wunder noch heutzutage im Christentum im Bereich der Wallfahrten und der Marien- und Heiligenverehrung der katholischen Kirche. So hat das I. Vatikanuum von 1869/70 festgelegt, dass Wunder grundsätzlich möglich und erkennbar sind. In Heilungsbewegungen sowie bei den Pfingstlern und Charismatikern gelten Wunder als Ausweis des Wirkens des Heiligen Geistes. Auch für die Heiligsprechung ist der Nachweis eines Wunders eine Grundvoraussetzung.

Richard Reschika – Christentum – 50 Fragen – 50 Antworten

Man versucht also die Wunder Jesu zu streichen? Warum?

Es gibt auch eine Reihe von intertextuellen Verbindungen zu diesem Abschnitt, insbesondere Mt 11,2-5. In diesem Abschnitt schickte Johannes der Täufer, der im Gefängnis saß, eine Nachricht an Jesus, um ihn zu fragen, ob er „derjenige ist, der kommen soll, oder sollen wir einen anderen erwarten?“ (Mt 11,3). Die Zweifel von Johannes dem Täufer an der Messiasschaft von Jesus sind verständlich. Er hatte von dem einen gepredigt, der kommen und sowohl Gericht als auch Segen bringen würde. Jetzt hörte er nur noch von Jesus, der den Segen bringt, ohne einen Hinweis auf das Gericht. Außerdem sollte der Messias die Gefangenen befreien, und stattdessen fand sich Johannes als Gefangener im Gefängnis von Herodes Antipas wieder.
Jesus antwortete auf die Frage des Johannes, indem er auf die Wunderheilungen hinwies, die er vollbrachte (Mt 11,4-5), indem er Jesaja 35,5 und 61,1 miteinander verknüpfte; Jesaja 35 beschreibt die Rückkehr der Erlösten nach Zion mit begleitenden Zeichen wie der Wiederherstellung des Seh- und Hörvermögens. Jesus verband diese physischen Wunder eindeutig mit der Erfüllung der messianischen Mission. Das vielleicht stärkste Argument dafür, Jesaja 35 als messianisch zu betrachten, ist, dass der Messias Jesus selbst dies tat.

Moody Handbuch messianische Prophezeiungen – Studien und Darlegungen zum Messias im AT

In Kapitel 4 – 5 sind vier Wunder
Der Zweck dieser Wunder: Diese Wunder zeigen den Aposteln, dass Jesus der Messias ist und dass sie ihm vertrauen sollen. Er ist nicht nur ein hervorragender Prediger und Lehrer! Hier gibt Jesus ausreichenden Beweis, damit seine Jünger ihm vertrauen. Die Wunder liefern die Grundlage und Vorbereitung für die weitere Lehre über Vertrauen in Kapitel 6-9. Hätte irgendjemand anders als nur Gottes Sohn über die Autorität und Kraft verfügt, solche Wunder zu tun wie Jesus sie tat?
(1) Die Stillung des Sturms – 4,35-41
Hier ist der Hinweis, dass Jesus, der alles erschaffen hat (Joh 1,3.10; Kol 1,16-17; Hebr 1,2), auch unbegrenzte Autorität und Kraft über die Natur hat.
(2) Die Heilung des von vielen Dämonen besessenen Geraseners – 5,1-20
Jesus hat Autorität und Kraft sowohl über Dämonen, wie in dieser Stelle, als auch über Satan, der Jesus in der Wüste nicht zum Bösen verleiten konnte und auch am Ende der Zeit von Jesus die prophezeite, endgültige Niederlage und ewige Strafe empfangen wird (1Mose 3,15; Offb 20,10).
(3) Auferweckung der Tochter des Jairus – 5,21-24.35-43
Dieses Wunder zeigt, dass Jesus Autorität und Vollmacht über den Tod hat. Diejenigen, die an Jesus glauben, werden eigentlich nie sterben (Joh 11,25-26). Wenn sie diese Erde verlassen, werden sie bei Jesus leben (Phil 1,23).
(4) Heilung der blutflüssigen Frau – 5,25-34
Jesus hat Kraft und Autorität über Krankheit, auch über „unheilbare“ Krankheiten. Die Folgen des stellvertretenen Opfers Jesu für die Sünden der Menschen haben mannigfaltige Auswirkungen für diejenigen, die ihn annehmen. Uns wird nicht verheißen, dass wir auf der Erde von jeder Krankheit geheilt werden, aber in der Ewigkeit werden wir, als Folge des Opfers Jesus, von allen Krankheiten frei sein (Jes 53,4; Offb 21,4).

ERF – Bibelkunde Neues Testament Teil I

genau!! Jesus wollte zeigen, WER er ist! Deshalb genau diese Wunder!

Anschließend legt er ihnen selbst eine Lehrentscheidung vor: »Was ist leichter: Zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf und nimm die Matte und geh umher?« (Mk 2, 9). Auf diese Frage erhält er keine Antwort (vgl. Mk 2, 10). Beides ist ja auch gleich schwer. Aber diese Frage hat es in sich. Denn beides, das Schöpferwort zur Herstellung der Gesundheit und das Wort der Vergebung, kann eigentlich nur Gott sprechen. Im Übrigen: Selbst wenn Jesus lediglich für die Heilung beten würde, könnte er nach pharisäischer Lehre nur erhört werden, wenn er ein »Gerechter« wäre (vgl. Ps 66,18; Spr 15,29; Jes 1,15; Joh 9,31). Ganz gleich also, wie man sich zu den Einzelheiten stellt: Wird der Gelähmte auf Jesu Befehl hin gesund, dann ist Jesus kein Lästerer, sondern ein Gerechter, ja einer, der mit göttlicher Vollmacht Sünde vergeben kann. Die Schriftgelehrten wissen um diese Konsequenz und schweigen deshalb – so wie sie öfter auf die Fragen Jesu hin geschwiegen haben (vgl. Mk 3,4; 11,33; Mt 22,46).
Im Fortgang der Erzählung wechselt Markus zu einem Bericht, in dem Jesus nur noch in der 3. Person vorkommt: »Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sagt er zu dem Gelähmten…« (Mk 2, 10). Er vollzieht jetzt die Heilung, um seine »Vollmacht« zur Sündenvergebung zu begründen. Obwohl Jesus voll Erbarmen ist und mit unserem menschlichen Elend Mitleid hat (Mk 1,41), darf nicht daran gerüttelt werden, dass der Mensch die Vergebung viel nötiger braucht als die körperliche Heilung.


n Mk 2, 10 fallen uns drei Punkte besonders auf. Der erste ist der Begriff »Menschensohn«. Dieser Begriff taucht hier zum ersten Mal im Markus – Evangelium auf. Er stammt aus Dan 7,13 und wurde von Jesus besonders gern benutzt. Von Dan 7,13 her ist es klar, dass es sich um eine himmlische Gestalt handelt, die aber von außen betrachtet »wie ein Mensch« erscheint. Im Grunde sagt Jesus damit, dass er vom Himmel gekommen ist (vgl. Mk 1,38 mit Joh 3,12f.). Der zweite Punkt ist der Begriff »Vollmacht«. Wie in Mk 1,22 ist damit die besondere Gabe gemeint, die ihm vom Vater im Himmel verliehen worden ist (vgl. Joh 3,35ff.). Im Umgangsdeutsch würden wir sagen: »Der Vater im Himmel steht voll dahinter.« Drittens bestätigt Jesus in Mk 2, 10, dass er selbst es ist, der »Sünden vergeben« kann. »Auf Erden« heißt: Unbegrenzt bei allen Menschen, die »auf Erden« leben (vgl. Joh 17,2)
In die Spannung jenes Augenblicks hinein gebietet also Jesus: »Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Matte und geh heim in dein Haus!« (Mk 2, 11). Einfache Worte! Hier wird nichts Zweideutiges formuliert. Jesus macht sich ohne jeden Abstrich kontrollierbar. Wie er es sagt, geschieht’s (vgl. Ps 33,9): »Und er stand auf und nahm sogleich die Matte und ging hinaus vor aller Augen« (Mk 2, 12). »Die Matte«, das »Bett des armen Mannes«, ließ sich leicht zusammenrollen und davontragen. Das geradezu Schockierende liegt darin, dass Jesu Befehlswort wirklich ein Schöpfungswort ist, das die Lähmung in einem einzigen Augenblick (»sogleich«) wegnimmt. »Aller Augen« konnten es beobachten, ganz gleich, ob es die Augen Glaubender oder Nichtglaubender waren. Sogar die »Augen« der Schriftgelehrten! Ein wenig seltsam ist es, dass kein Wort des Geheilten erwähnt wird, weder ein Dank noch ein Staunen. Allerdings muss zu seiner Ehrenrettung gesagt werden, dass er in Wirklichkeit doch Gott gelobt und gedankt hat (Lk 5,25).
Markus aber lässt dies weg – vermutlich deshalb, weil er unseren Blick völlig auf die Herrlichkeit Jesu konzentrieren will. Diese Herrlichkeit leuchtet jetzt in der Reaktion der Anwesenden auf: »Sie gerieten alle außer sich (oder: verloren völlig ihre Fassung) und priesen Gott mit den Worten: So etwas haben wir noch nie gesehen.« Israel hat zwar auch damals Wunder erlebt, so z. B. die Gebetserhörungen frommer Rabbinen. Aber »so etwas« hat es nach ihrer Erinnerung »noch nie« gegeben (vgl. Mt 9,33). Trifft ihre Feststellung zu, dann liegt in diesem Vorkommnis ein deutlicher Hinweis auf die Einzigartigkeit Jesu. Man könnte auch sagen: Ein Hinweis darauf, dass er der Messias ist. Denn gerade der Messias sollte unglaubliche Wunder vollbringen (Jes 9,5ff.; Jes 11,10ff.; Jes 42,6ff.; Jes 49,6; 61,1ff.; Jer 23,5ff.; Mt 11,1ff.). Ob das Wort »alle« in diesem Zusammenhang auch die Schriftgelehrten einschließt oder nur »alle« Anwesenden außer den Schriftgelehrten meint, bleibt offen. Mt 9,8 deutet jedoch an, dass die Schriftgelehrten reserviert blieben.

Edition C

Bei ähnlichen Gelegenheiten fuhr Jeschua einfach fort, zu heilen, aber nicht dieses Mal. Stattdessen entschied er sich, eine Ankündigung zu machen. Matthäus bemerkte, dass Jeschua mit den Worten begann: „Sohn, sei guten Mutes“ (Matthäus 9:2). Im Neuen Testament wird diese Aussage nur von Jeschua verwendet. Alle drei Evangelien zitieren ihn dann mit den Worten: „Deine Sünden sind dir vergeben. Er wusste sehr wohl, dass die Behauptung der Autorität, Sünden im Sinne der Errettung zu vergeben, in den Köpfen der Leiter einige ernsthafte Fragen aufwerfen würde, und so war es auch – und das umso mehr, als er es im Passiv sagte: „Eure Sünden sind euch vergeben“. Man muss sich vor Augen halten, dass Jeschua auf Hebräisch sprach. Die hebräische Form des Passivs, eure Sünden sind euch vergeben, wird nur in einem Abschnitt der gesamten hebräischen Bibel verwendet: in Levitikus 4-6. Der Kontext dieser Kapitel ist die Sühne, da sie die Blutopfer beschreiben, die für die Vergebung der Sünden notwendig sind. Die Aussage der Vergebung im Passiv folgt dem Opfer (z. B. Lev. 4:20, 26, 31, 35; 5:10, 13, 16, 18; 6:7). Das hebräische „nislechu lecha chatoteicha“ bedeutet „Deine Sünden sind dir vergeben“. Außerdem wird das hebräische Wort für „Vergebung“, salach, von Gott verwendet. Das Passiv bedeutet, dass Gott vergibt. Da diese Leute Pharisäer waren, kannten sie sowohl die Thora als auch das Hebräische, und sie verstanden die Verbindung, die er herstellte. Er beanspruchte die Autorität, die Gott in Levitikus 4-6 für sich selbst beanspruchte: dass Gott ihnen durch die Blutsühne ihre Sünden vergeben hatte. Im Neuen Testament wurde diese Phraseologie nur von Jeschua selbst verwendet. Jeschua sprach also so, als ob er Gott wäre.

Jeschua tat das Schwierigste, indem er den Gelähmten heilte: „Und er stand auf und hob alsbald das Bett auf“ (Markus 2:12). Lukas schreibt: Und alsbald stand er auf vor ihnen (Lukas 5,25). Es gab einen sofortigen Beweis, dass Jeschua den Gelähmten tatsächlich geheilt hatte. Das Aufführen des Schwierigeren wurde zum Beweis dafür, dass Er das Leichtere behaupten konnte, dass Er dem Gelähmten sagen konnte: Deine Sünden sind dir vergeben. Wenn er das Leichtere sagen konnte, weil er gerade das Schwerere vollbracht hatte, bedeutete das, dass er der messianische Gottmensch ist. Alle drei Evangelienschreiber haben dieses Gott-Mensch-Konzept hervorgehoben (Matthäus 9,6; Markus 2,10; Lukas 5,24). Als Jeschua sich Menschensohn nannte, gab er sich den messianischen Titel, der seine Menschlichkeit betonte. Als er die Vollmacht beanspruchte, Sünden zu vergeben, betonte er seine Gottheit, und als Gott-Mensch hat er die Vollmacht, Sünden in einem heilsgeschichtlichen Sinne zu vergeben.

Arnold Fruchtenbaum -Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Verraten und verkauft

Und David sprach: Jehova, Gott Israels! dein Knecht hat für gewiß gehört, daß Saul danach trachtet, nach Kehila zu kommen, um die Stadt zu verderben um meinetwillen. Werden die Bürger von Kehila mich seiner Hand ausliefern? wird Saul herabziehen, wie dein Knecht gehört hat? Jehova, Gott Israels, tue es doch deinem Knechte kund! Und Jehova sprach: Er wird herabziehen. Und David sprach: Werden die Bürger von Kehila mich und meine Männer der Hand Sauls ausliefern? Und Jehova sprach: Sie werden dich ausliefern.
Elberfelder 1871 – 1.Samuel 23,10–12

Er fragte Gott: „Du bist der Chef von Israel? Ich gehöre dir und tu, was du willst. Man hat mir aus sicherer Quelle gesteckt, dass Saul hierher unterwegs ist. Er will die ganze Stadt plattmachen, nur weil ich hier bin. Könnte gut sein, dass die Bewohner von Keila mich an ihn ausliefern. Sind die Gerüchte jetzt wahr, die ich gehört habe? Wird Saul kommen? Bitte, Gott, rede zu mir!“ Und Gott sprach durch die Lose zu David. „Die Antwort ist: Ja, Saul wird kommen!“ „Und wie ist das, Gott? Würden die Bewohner mich an ihn ausliefern, mich und meine Leute?“ – „Die Antwort ist: Ja, sie würden dich und deine Leute ausliefern.“
VolxBibel – 1.Samuel 23:10–12

Schon mal von Menschen, denen du geholfen hast, hinterhältig verraten worden?
Wenn ja, dann wird das Kapitel 23 in 1.Samuel dir sicher gefallen!

Hier sehen wir wieder den großen Unterschied zwischen Saul und David.
Saul fühlt sich von David bedroht, und denkt das David eine Gefahr für ihn wäre. Deshalb hat er David nicht nur „die Gemeinschaft entzogen“ sondern bekämpft David, wo immer er kann. Doch was war der Auftrag, den Saul bekommen hatte, als er zum König berufen wurde? Ach ja, Saul sollte die Philister aus dem „verheißenen Land“ treiben! Aber das Kapitel 23 fängt damit an, dass die Philister nicht nur am Mittelmeer sind, sondern eine zentrale Stadt – Keila – bedrohen. Nun, die Philister wollen die Israeliten nicht vertreiben, sondern „nur deren Ernte rauben“!
David und seine Leute greifen ein, und „befreien Keila“. „Belohnung für David“ – er wird von den Bewohnern der Stadt an Saul verraten. Und David? Wird er auch wütend wie Saul? Oder kann er auf Rache und Haß verzichten? Betrachtet David die Leute aus Keila nun auch als aus „Israel ausgeschlossen“ – oder zeigt David sogar Verständnis?
Hier sehen wir deutlich: wer den Geist Jehovahs hat, der sinnt nicht nach Rache, der „schließt andere nicht aus seiner Gemeinschaft aus“ – sondern zeigt die „agape-Liebe“ zu allen seiner Zeitgenossen.
Aber es geht ja gleich weiter mit dem Verrat – David flieht immer weiter weg von Saul – und Saul folgt David – so groß kann Haß werden, wenn Jehovah nicht mehr Teil des eigenen Lebens ist.

Achte beim Lesen des Kapitels mal auf Saul, wie er denkt: Saul glaubt tatsächlich, er hätte den Segen Jehovahs, und Jehovah hätte David in eine Falle tappen lassen, Jehovah hätte David verlassen! Wenn also Menschen heute behaupten, sie hätten den Segen Jehovahs und/oder würden sogar in Seinem Namen reden – dann schau, ob sie eher wie David oder eher wie Saul mit ihren Mitbrüdern und auch mit ihren angeblichen Feinden umgehen.

Während der Flucht vor Saul tat David mehr, als sich nur zu verstecken. Im Interesse seines belagerten Volkes kämpfte er auch gegen die sie ständig bedrohenden Philister. Zuerst befreite er, nachdem er den Herrn unter Gebrauch der heiligen Lose befragt hatte (V. 2 ; vgl. V. 6 ), die Stadt Ke´la , in der Nähe der Grenze der Philister, 24 km südwestlich von Bethlehem (V. 1 – 5 ). Aber das Volk „bezahlte“ ihm seine Freundlichkeit, indem es ihn an Saul verriet (V. 7 – 12 ). So zog er sich mit 600 Mann, die ihm treu geblieben waren (V. 13 ; vgl. 1Sam 27,2; 30,9; 2Sam 15,18 ), in die Wüste Sif zurück ( 1Sam 23,14 ), ein ödes, hügeliges und bewaldetes Gebiet zwischen Hebron und dem Toten Meer. Hier traf er sich ( in Horescha in der Wüste ) kurz mit Jonatan, der wieder die Legitimität der Königsherrschaft Davids bestätigte (V. 16 – 18 ).
Auch die Sifiter verrieten David an Saul (V. 19 – 23 ). David merkte das (V. 22 – 25 ) und floh deshalb in die Wüste Maon , 16 km südöstlich von Hebron. Saul verfolgte ihn auch dorthin, wurde aber zeitweilig zurückgerufen, um Israel gegen einen erneuten Angriff der Philister zu verteidigen (V. 27 – 28 ). Das gab David Gelegenheit, nach En-Gedi zu gehen ( 1Sam 24,1 ), einer Oase 16 km nördlich von Massada am Toten Meer.

Walvoord Bibelkommentar

Und sie sagten es David an und sprachen: Siehe, die Philister streiten wider Kegila und rauben die Mähdrescherböden. Und David fragte den HERRN und sprach: Soll ich hingehen und diese Philister schlagen? Und Jehova sprach zu David: Gehe hin und schlage die Philister und rette Kegila. Da sprachen Davids Männer zu ihm: Siehe, wir fürchten uns hier in Juda; wie viel mehr, wenn wir nach Kegila ziehen, gegen die Scharen der Philister? Und David fragte den HERRN abermals; und der HERR antwortete ihm und sprach: Steh auf und zieh hinab nach Kegila; denn ich will die Philister in deine Hand geben. Und David zog hin mit seinen Männern gen Kegila und stritt wider die Philister und trieb ihr Vieh weg und schlug sie mit großer Schlacht; und David wendete die Einwohner von Kegila.
Und es geschah, als Abjathar, der Sohn Ahimelechs, zu David nach Kegila floh, da kam er hinab mit einem Leibrock in seiner Hand. Und es ward Saul angesagt, daß David gen Kegila gekommen war; und Saul sprach: Gott hat ihn meiner Hand überlassen; denn er ist eingeschlossen, daß er in eine Stadt geht, die Tore und Riegel hat. Und Saul rief alles Volk zum Streit auf, dass sie hinab nach Kegila zögen, David und seine Männer zu belagern. Und David wußte, daß Saul Böses gegen ihn vorhatte, und sprach zu Abjathar, dem Priester: Bringe her den Leibrock! David aber sprach: HERR, Gott Israels, dein Knecht hat gehört, daß Saul versucht, nach Kegila zu kommen, um die Stadt meinetwegen zu verderben. Werden mich die Herren von Kegila in seine Hand geben? Wird Saul herunterkommen, wie dein Knecht gehört hat? Jehova, der Gott Israels, sage es deinem Knecht. Und Jehova sprach: Er wird herabkommen. David sprach: Werden die Herren von Kegila mich und meine Männer in die Hände Sauls geben? Jehova sprach: Sie werden dich erretten. Und David machte sich auf mit seinen Männern, bei sechshundert, und sie zogen aus von Kegila und zogen umher, wohin sie konnten. Und es ward Saul angesagt, daß David von Kegila entflohen war; und er wagte nicht, hinauszuziehen.
Und David wohnte in der Wüste, in den Festungen. Und er wohnte auf dem Gebirge in der Wüste Siph. Und Saul suchte ihn beständig; aber Gott gab ihn nicht in seine Hand. Und David sah, daß Saul ausgegangen war, ihm nach dem Leben zu trachten; und David war in der Wüste Siph in einem Walde. Da machte sich Jonathan, der Sohn Sauls, auf und ging zu David in den Wald und stärkte seine Hand in Gott. Und er sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, denn die Hand meines Vaters Saul wird dich nicht finden; und du sollst über Israel herrschen, und ich will neben dir sein; und das weiß auch Saul, mein Vater. Und die beiden schlossen einen Bund vor dem HERRN. Und David blieb im Walde, und Jonathan ging in sein Haus.
Und die Eziphiten kamen zu Saul hinauf nach Gibea und sprachen: Versteckt sich David nicht bei uns in den Festen im Walde, auf dem Hügel Hachila, der gegen Mittag in der Wüste liegt? So komm nun, König, herab, wie es deine Seele begehrt, und wir werden ihn in die Hände des Königs geben. Und Saul sprach: Gesegnet seid ihr vom HERRN, denn ihr habt Erbarmen mit mir. Gehet hin und erkundigt euch, wo er wohnt, und wer ihn daselbst gesehen hat; denn man sagt mir, daß er sehr schändlich handelt. So seht nun zu und erkundet alle Schlupfwinkel, darin er sich verbirgt, und kommt wieder, daß ich mit euch gehe; und wenn er im Lande ist, so will ich ihn suchen unter allen Tausenden in Juda. Und sie machten sich auf und kamen nach Siph vor Saul; David aber und seine Männer waren in der Wüste Maon, in der Araba, südlich von der Wüste. Und Saul und seine Männer kamen, um zu suchen; und sie sagten es David an, und er ging die Klippe hinab und blieb in der Wüste Maon. Und Saul hörte es und jagte David nach in die Wüste Maon. Und Saul ging auf die eine Seite des Berges und David und seine Männer auf die andere Seite des Berges; und David eilte, um von Saul wegzukommen, und Saul und seine Männer umringten David und seine Männer, um sie zu fangen. Und es kam ein Bote zu Saul und sprach: Eile und komm, denn die Philister sind in das Land eingefallen. Und Saul kehrte um von der Verfolgung Davids und zog wider die Philister; darum nannten sie den Ort Sela-Hammalekoth.

Die Numerische Bibel

Um diese Zeit erbot sich David, als er vernommen hatte, die Palaestiner seien in das Land der Killaner eingefallen und hätten dasselbe verwüstet, ein Heer gegen sie zu führen, wofern Gott, den er durch den Propheten um Rat fragen liess, ihm den Sieg verheissen würde. Und da Gott den Sieg wirklich in Aussicht stellte, griff er mit seiner Streitmacht die Palaestiner an, bereitete ihnen eine gewaltige Niederlage, machte grosse Beute und verblieb dann bei den Killanern, bis sie ihr Getreide von der Tenne nach Hause gebracht hatten. Sein Aufenthalt daselbst aber wurde dem Saul hinterbracht. Denn dass sein Unternehmen einen so glücklichen Erfolg gehabt, konnte nicht bloss in dem Lande, wo dasselbe stattgefunden, bekannt sein; vielmehr verbreitete sich der Ruf davon weithin und kam so auch dem Könige zu Ohren. Saul freute sich sehr, als er hörte, dass David in Killa sei, da er glaúbte, Gott habe ihn in seine Gewalt gegeben, weil er ihn in eine mit Mauern, Thoren und Riegeln wohlverwahrte Stadt eingeschlossen habe. Er befahl daher dem gesamten Kriegsvolke, Killa anzugreifen, den David gefangen zu nehmen und ihn umzubringen. Als aber David von Gott vernahm, die Killaner würden ihn, wenn er bei ihnen bleibe, dem Saul ausliefern, flüchtete er sich mit vierhundert Männern aus der Stadt und begab sich in eine Wüste oberhalb Engedaïn. Nachdem nun Saul vernommen, dass David den Killanern entschlüpft sei, stellte er den Kriegszug gegen ihn ein.

David gelangte von da zu einem Orte im Lande der Ziphener mit Namen Kaina („die Neue“), wo Sauls Sohn Jonathas ihn besuchte und begrüsste. Er ermahnte ihn, gutes Muts zu sein, von der Zukunft das Beste zu hoffen und sich durch die gegenwärtigen Übel nicht wankend machen zu lassen. Denn er werde König sein und die gesamte Truppenmacht der Hebräer unter seinem Oberbefehl haben; so erhabene Dinge pflege man aber nicht ohne grosse Anstrengungen zu erringen. Darauf schwur er ihm nochmals, er werde die Treue und Freundschaft, die zwischen ihnen bestehe, in Zukunft pflegen, und rief Gott zum Zeugen des Fluches an, den er sich selbst androhte für den Fall, dass er ihr Bündnis verletzen würde. Und nachdem er ihn so getröstet und von Furcht und Kummer befreit hatte, verliess er ihn und begab sich wieder nach Hause. Die Ziphener aber liessen dem Saul, um sich seiner Gunst zu versichern, melden, dass David sich bei ihnen aufhalte, und dass sie ihn ausliefern wollten, falls er sich zu ihnen bemühen wolle. Denn wenn man den Engpass von Ziphene besetze, könne er nicht entwischen. Der König lobte ihren Eifer, versprach ihnen für die Anzeige seinen Dank, den er ihnen in kurzem erstatten werde, und schickte Häscher ab, um den David aufzusuchen; er selbst wolle ihnen bald nachfolgen. Diese beeilten sich, den David vor der Ankunft des Königs festzunehmen, da sie sich ein Anrecht auf seine Dankbarkeit nicht nur durch die Anzeige sichern wollten, sondern auch dadurch, dass sie den David in seine Hände lieferten. Obgleich sie jedoch ihren Eifer für Saul beweisen und ihm sich besonders gefällig erzeigen wollten, indem sie den Liebling Gottes dem Tode zu überantworten und ihn dem Könige auszuliefern versprachen, schlug ihr boshaftes Vorhaben dennoch fehl. Als nämlich David von dem hinterlistigen Anschlage der Ziphener und der Ankunft des Königs Kunde erhalten hatte, verliess er durch den Engpass die Gegend und floh auf einen hohen Felsen in der Wüste Maon.

Saul aber eilte dem David nach, und da er unterwegs hörte, David sei glücklich durch den Engpass entwischt, begab er sich auf die andere Seite des Felsens. Da aber rief ihn, als er nahe daran war, den David gefangen zu nehmen, das Gerücht ab, die Palaestiner hätten wiederum einen Einfall in das Gebiet der Hebräer unternommen. Er marschierte also wieder zurück und gegen dieselben, denn er hielt es für besser, deren Frechheit zu strafen, als das Land ihrer Gewalt zu überlassen, während er einem persönlichen Feind nachjage.

Jüdische Altertümer – Josephus, Flavius

wo der Geist ist, da ist Freiheit

Der Herr aber, von dem dieses Wort spricht, nämlich Jesus Christus, ( – von dem …: verdeutlichender Zusatz; zur Deutung der alttestamentlichen Aussage auf Jesus Christus vgl. Sacherklärung »Herr«. – ) wirkt durch seinen Geist. Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 2. Korinther 3,17

Der Herr aber ist der Gottesgeist, und wo der Geist des Herrn wirkt, ist Freiheit.
NeÜ bibel.heute Stand 2020 – 2. Korinther 3,17

Mit «dem Herrn» ist hier der Geist gemeint*. Denn wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit ( – von dem Buchstaben des Gesetzes – ).
Ludwig Albrecht – 2.Korinther 3,17

da wir diesen Vers schon mit vielen Kommentaren 2020 hatten – hier nur ein paar zusätzliche Gedanken:

Paulus bediente sich einer Standardmethode der jüdischen Auslegung, um Entsprechungen zwischen den handelnden Personen beim ersten Geben des Gesetzes und im neuen Bund herauszuarbeiten: Dem »Herrn« in der Passage aus 2. Mose entspricht in heutiger Zeit der »Geist«.

Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Christliche Freiheit

«Wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit» (2 Korinther 3,17).
Christliche Freiheit ist nicht:
• frei zu sein, um zu sündigen.
• frei zu sein, um zu leben, wie man will oder um sich mit der Welt zu verbinden.
• frei zu sein, um sich dem Teufel zur Verfügung zu stellen, damit er uns zum Schaden im Werk des Herrn benutzen kann.

Christliche Freiheit zeigt sich vielmehr im Folgenden:
a. Weil der Herr Jesus uns, die an Ihn glauben, völlig frei gemacht hat (Johannes 8,36), müssen wir nicht mehr sündigen. Wir sind nun frei, den in der Bibel offenbarten Willen Gottes zu tun. Jakobus nennt dies das vollkommene Gesetz der Freiheit (Jak 1,25; 2,12).
b. Wir dienen unserem Herrn freiwillig, weil wir Ihn lieben. Er hat keine Zwangsarbeiter. Jeder Dienst für Ihn sollte aus der Freiwilligkeit unseres Herzens heraus geschehen. In 1 Petrus 5,2 wird den Ältesten, die in der örtlichen Versammlung eine besondere Verantwortung wahrnahmen, zugerufen: «… indem ihr die Aufsicht nicht aus Zwang führt, sondern freiwillig.»
c. Wir haben allezeit freien Zugang zu Gott, unserem Vater (Röm 8,15.16). Das ist die Freiheit der Kinder Gottes. Als Besucher sollte man sich bei einem Gastgeber vorher anmelden, damit man nicht ungelegen kommt. Aber die Kinder des Gastgebers müssen das nicht. Sie dürfen unangemeldet zum Vater kommen, weil sie seine Kinder sind. So ist es auch mit uns Glaubenden. Wir sind Kinder Gottes und haben im Glauben freien Zugang zu unserem himmlischen Vater.
d. Unsere Freiheit hat mit der herrlichen Person des Herrn Jesus zu tun. Er sagt in Johannes 10,9: «Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.» Als Erlöste sind wir frei, in die Gegenwart Gottes einzugehen, um uns dort mit Jesus Christus zu beschäftigen. Weiter sind wir frei, von dort zu den Menschen auszugehen, um ihnen durch unser Leben und durch unsere Worte den Erlöser vorzustellen. Bei Ihm finden wir auch Überfluss an geistlicher Nahrung.
Als freie Christen blicken wir im Glauben in drei Richtungen:
• zurück nach Golgatha ans Kreuz: Da wird unser Herz voll Dank über das Erlösungswerk unseres Heilands.
• nach oben zum Himmel: Da wird unser Herz voll Freude über die Herrlichkeit unseres Herrn.
• nach vorn ans Ziel: Da wird unser Herz voll Verlangen, zum Herrn Jesus zu gehen.
Das ist christliche Freiheit.

Halte fest 2011 – Seite: 365 – Verfasser: Dieter Born

Wendung oder schuldig?

Da sprach David zu Abjathar: Ich wußte an jenem Tage, weil Doeg, der Edomiter, daselbst war, daß er es Saul sicher berichten würde. Ich bin schuldig an allen Seelen des Hauses deines Vaters.
Elberfelder 1871 – 1. Samuel 22,22

David klagte sich selbst an und sagte zu Abjatar: »Als ich damals Doëg in Nob sah, wusste ich gleich, dass er es Saul verraten würde. Ich bin schuld, ich habe deine ganze Familie auf dem Gewissen!
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Samuel 22:22

Da sagte David zu Ạbjathar: „An dem Tag, als ich Dọeg, den Edomịter, dort sah, habe ich gewusst, dass er Saul mit Sicherheit alles verraten würde. Ich persönlich bin verantwortlich für den Tod jedes Einzelnen aus dem Haus deines Vaters.
neue Welt Übersetzung – 2018 – 1.Samuel 22:22

Dawid sprach zu Ebjatar:
Wissen mußt ichs an jenem Tag – Doeg der Edomiter war ja dort – ,
daß mans melden, ja, Schaul melden würde,
ich selber habs an alle Seelen deines Vaterhauses herantreten lassen, –
Buber & Rosenzweig – 1.Sam 22,22

Wenn man in dt Bibeln den Text liest, könnte man zu dem Schluß kommen, dass David die Verantwortung für das Handeln von Saul übernehmen würde. Oder wie steht es in deiner Bibel?
Doch sobald ich eine Übersetzung eines jüdischen Mannes in die Hand nehme – also die letzten beiden – dann entsteht ein ganz anderer Eindruck! Hier wird davon gesprochen, dass David die Wendung gewesen ist!
Schauen wir uns einige Kommentare dazu an:

wie Gott es dem Hohepriester Eli prophezeit hatte Josephus bringt das Massaker von Nob mit der Prophezeiung in Verbindung, die Gott Eli durch Samuel gegeben hatte, dass seine Nachkommenschaft wegen der Sünde seiner Söhne vernichtet werden würde (Ant. 5.350). Diese Begründung ähnelt der von Pseudo-Philo, wonach die Priester von Nob die dem HERRN geweihten Speisen entweihten und die Erstlingsfrüchte des Volkes für sich selbst nahmen; deshalb versprach Gott in seinem Zorn, die Bewohner von Nob zu vernichten, weil sie den Weg von Elis Söhnen gehen, die ebenfalls die Opfergaben des Volkes für sich selbst nahmen, bevor sie Gott dargebracht wurden (L.A.B. 63:1). Sowohl Josephus als auch Pseudo-Philo betonen daher die Art der Sünde der Priester von Nob. Pseudo-Philo bietet eine weitere Rechtfertigung für das Massaker von Nob, indem er erklärt, dass die Einwohner von Nob sich der Vergewaltigung der Konkubine des Leviten schuldig gemacht haben (L.A.B. 45:3; Judg. 19); beachte, dass die Vergewaltigung bei Pseudo-Philo nicht in Gibea stattfindet, wie in der Bibel (Judg. 19:15), sondern in Nob. Auf der anderen Seite sind die Targum (TJon 1 Sam. 22:22) und der Talmud (B. Sanh. 95b) betonen beide Davids Verantwortung für das Massaker an den Priestern von Nob, wobei ersterer Davids Schuld und letzterer seine Bestrafung hervorhebt. Insbesondere behauptet der Talmud, dass der Priester wie Abimelech nur einen Sohn hatte (1 Sam. 22:20), und zwar für Davids Nachkommen, mit Ausnahme eines einzigen verbliebenen Sohnes, Joasch.

Louis H. Feldman – Außerhalb der Bibel – Antike jüdische Schriften mit Bezug zur Schrift

Warum gefährdete David wissentlich den Hohenpriester Ahimelech, was zu dessen Tod führte, wie das David gemäß 1Samuel 22:22 auch zugab?
In 1Samuel 22:22 wird in Wirklichkeit nicht angedeutet, daß David im voraus wußte, daß seine Handlungsweise zu Ahimelechs Tod führen würde. Es heißt dort: „Hierauf sprach David zu Abjathar [Sohn Ahimelechs]: ‚Ich wußte wohl an jenem Tag, weil Doeg, der Edomiter, dort war, daß er [Doeg] es Saul bestimmt mitteilen würde. Ich persönlich habe jeder Seele des Hauses deines Vaters [Ahimelech] Unrecht angetan.‘ “
David, der vor dem erzürnten König Saul floh, ging nach Nob, wo der Hohepriester Ahimelech ansässig war. David gab ihm nicht den genauen Grund dafür an, warum er sich in diesem Gebiet aufhielt, vielleicht aus Sorge, der Hohepriester würde sich sonst verpflichtet fühlen, Davids Verbleib dem König mitzuteilen. Dennoch blieb sein Aufenthalt in Nob nicht unbemerkt. Der Edomiter namens Doeg sah David und berichtete danach die Sache dem zornigen Saul.
Nichts in dem Bericht beweist jedoch, daß David bereits vorher etwas von Doegs Anwesenheit gewußt hatte. Doeg „befand sich an jenem Tag . . . dort, festgehalten vor Jehova“ (1Samuel 21:7). David war wahrscheinlich überrascht, wenn nicht sogar schockiert, daß der grundsatzlose Doeg ihn bei Ahimelech sah. Als es jedoch geschehen war, war es geschehen. David konnte es nicht rückgängig machen, noch konnte er die schrecklichen Folgen verhindern, die sich durch Sauls Zorn für den Hohenpriester und für zahlreiche andere Priester sowie Frauen, Kinder und Tiere in Nob ergaben (1Samuel 22:9-19).
Mit diesem Gedanken im Sinn sollte man Davids traurige Worte an Abjathar, der dem Massaker entkommen war, erneut betrachten: „Ich wußte wohl an jenem Tag, weil Doeg, der Edomiter, dort war . . .“ Jetzt verstehen wir, daß David meinte: ‘Ich wußte es an jenem Tag, als ich merkte, daß Doeg mich bei Ahimelech gesehen hatte . . .’ Aber es war zu spät. Doeg war unerwarteterweise dort und bemerkte Davids Kontakt mit dem Hohenpriester. Daher schlußfolgerte David sofort, daß Doeg die Sache Saul berichten würde. Aus diesem Grund gestand David später gewisse Schuldgefühle gegenüber Abjathar ein, obwohl David nur indirekt zu dem darauf folgenden Massaker beigetragen hatte. Er drängte Abjathar, bei ihm zu bleiben, denn er vertraute auf Jehovas Führung und Schutz (1Samuel 22:22, 23).

Wachtturm – 15.11.1886

Die Wachen, die dem König am nächsten standen („Lakaien“, KJV), weigerten sich, die Priester zu töten. Das erinnert uns an die Zeit, als Saul dem Volk befahl, Jonatan zu töten, weil er den Eid gebrochen hatte, und sie sich weigerten, ihm zu gehorchen (14:41-46). Saul wusste, dass Doeg bereit war, die böse Tat zu begehen, und gab ihm die Erlaubnis, Ahimelech und sein Haus, fünfundachtzig Priester des Herrn, hinzurichten. Dög, der im Grunde seines Herzens ein Lügner und Mörder war (Johannes 8,44), setzte sich über Sauls Befehl hinweg und ging nach Nob, wo er die gesamte Bevölkerung und das Vieh ausrottete.

Auch wenn uns dieser ungerechte Prozess und das rechtswidrige Urteil beunruhigen, müssen wir bedenken, dass dies Teil von Gottes Plan war. Diese Abschlachtung der Priester war eine teilweise Erfüllung der unheilvollen Prophezeiung, die dem untreuen Eli gegeben worden war (1. Sam. 2:27-36; 4:10-18), denn Gott versprach, das Haus Eli durch das Haus Zadok zu ersetzen (1. Kön. 2:26-27; 4:2).

Der geschützte Priester (1 Sam. 22:20-23). Der einzige Überlebende des Massakers von Nob war Abiathar, ein Sohn Ahimelechs, der dann Hohepriester wurde. Er wusste, dass seine einzige Hoffnung darin bestand, sich David anzuschließen, und so floh er nach Kegila, wo David nun lagerte (23,6). Wann David von Hereth nach Kegila zog, geht aus dem Text nicht hervor, aber einen Priester mit einem Efod zu haben, war für David und seine Begleiter eine enorme Hilfe. Die 400 Männer hatten den Propheten Gad, den Priester Abjatar und den König David, und sie kämpften in den Schlachten des Herrn. David nahm die Schuld für die Ermordung der Priester auf sich, aber er übernahm auch die Verantwortung, sich um Abjatar zu kümmern und dafür zu sorgen, dass er in Sicherheit war. – Leider stellte sich Abjatar bei seinem Streben nach dem Thron auf die Seite von Adonia, und Salomo ersetzte ihn durch Asarja aus der Priesterfamilie Zadoks. Dies war der letzte Schritt, um die Familie von Eli aus dem levitischen Priestertum auszuschließen.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary

Wahrscheinlich wusste Saul damals nicht, dass „ein“ (wörtlich: „einer“ [V. 20], was die Tatsache betont, dass er der einzige Überlebende ist) Sohn Ahimelechs „entkommen“ war (dasselbe Verb wird häufig für David verwendet; vgl. 19:10, 12, 17-18) und sich Davids flüchtender Gruppe anschloss. Abiathar („Der [göttliche] Vater ist ausgezeichnet“) (vgl. Moses‘ Schwiegervater, der Priester Jethro, dessen Name „Seine Exzellenz“ bedeutet), übte für den Rest von Davids Leben priesterliche Funktionen für David aus (vgl. 23:6, 9; 30:7; 2 Sa 8:17); er wurde schließlich unter Salomos Herrschaft durch Zadok ersetzt (1 Ki 2:27, 35; zum Hinweis auf Abiathar in Mk 2:26 siehe Kommentar zu 21:6).
Als Abjatar David mitteilt, dass Saul den Befehl zum Massaker an allen Priestern von Nob gegeben hat, außer an ihm selbst (V. 21), sagt David ihm (V. 22), dass er Doegs Verrat schon seit ihrer früheren Begegnung in Nob vorausgesehen hat (vgl. 21,7). Dann gesteht David, dass er selbst, wenn auch unbewusst, für das Massaker verantwortlich ist. Mit den Worten „Ich bin verantwortlich“ verwendet David eine Form desselben hebräischen Verbs, das in V. 18 mit „umkehren, sich wenden“ übersetzt wird. Obwohl es Doeg, der Edomiter, war, der sich „umdrehte“ und die Priester tötete, war es David, der durch seine frühere Anwesenheit in Nob „verantwortlich“ für den Tod der Priester war. Deshalb bietet er Abjatar Zuflucht an und sagt ihm, er solle sich nicht „fürchten“ (V. 23; vgl. Jonatans ähnliche Zusicherung an David in 23,17). Abiathar kann sich auf Davids Schutz verlassen: „Du“ (mit Nachdruck), sagt David, „wirst bei mir sicher sein.“ Saul trachtet nun nach dem Leben (siehe Kommentar zu 20:1), und so werden sie zu Partnern auf der Flucht. Der gewählte König und der gewählte Priester haben sich auf der Flucht zusammengetan.

Tremper Longman III & David E. Garland – Der Bibelkommentar des Auslegers

Jetzt habe ich die ganze Familie deines Vaters umgebracht. Wörtlich: „Ich habe das ganze Leben des Hauses deines Vaters umzingelt.“ Es ist nicht nötig, sabbothi zu ändern [TH5437, ZH6015] („Ich habe umzingelt“) in das ungewöhnliche Wort khabti (khub [TH2325, ZH2549], „ich bin schuldig“, das nur in Dan 1,10 vorkommt, und dort im Piel und nicht im Qal, wie hier vorgeschlagen) auf der Grundlage des eimi aitios (Ich bin die Ursache oder der Urheber). Es scheint wahrscheinlicher, dass die LXX ihre Übersetzung aus dem Kontext abgeleitet hat. Das Wort sabbothi ist hier wahrscheinlich im Sinne von „ich habe den Tod umzingelt“ zu verstehen, wie von de Boer (1949:43) vorgeschlagen. Hertzberg (1964:186) schlägt vor: „Ich habe das Leben gefährdet“ = „Ich bin der Anlass von“.

Eckstein Bibelkommentar – Samuel

Ich habe es veranlasst – David erinnert sich nun mit Bedauern an die Unwahrheiten, mit denen er Ahimelech getäuscht hatte, und gesteht seine Schuld ein. Aber die unbesonnene und blutige Tat Sauls überzeugt ihn davon, dass der König gottverlassen ist, und er stärkt sich angesichts dessen und spricht die Gefühle seines Herzens in einem unnachahmlichen Psalm aus. Siehe Psalm 52, der sich weniger gegen Doeg als gegen Saul richtet und an dessen Ende David seine eigene Hoffnung und sein Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes zum Ausdruck bringt.

D.Steele – Kommentar das alte Testament

Ich habe veranlasst. Im Hebräischen heißt es „ich habe mich gewendet“. Wenn der erste Konsonant des hebräischen Verbs geändert wird, ändert sich das Verb von „ich habe mich gewendet“ zu „ich bin verantwortlich“. Das ist die Lesart, die in der Septuaginta und in den alten syrischen und lateinischen Übersetzungen zu finden ist. Sie wird von NRSV, NIV, NJB und NAB ÜBERNOMMEN, ebenso wie von TEV. Tatsächlich gibt es aber kaum einen wirklichen Unterschied in der Bedeutung zwischen den Übersetzungen von RSV und TEV. NJPS behauptet in einer Fußnote, einen unsicheren hebräischen Text übersetzen zu wollen, in dem es heißt: „Ich bin schuld“.

Roger L. Omanson – Ein Handbuch zum ersten Buch Samuel

Wir können also leicht erkennen – wir brauchen einen „Muttersprachler“ um wirklich zu verstehen, was David dachte! Und David war ein wirklicher Hirte! Er sah sich „verantwortlich für die ihm anvertrauten Schafe“! David hatte seine Eltern nach Moab geschickt, um diese vor Saul zu schützen. Nun erkannte David, dass er auch die Priesterstadt vor Saul hätte schützen müssen! So denkt ein wirklicher Hirte: er macht nicht „die Schafe verantwortlich“ sondern sucht bei sich die Fehler!
Wir können das Denken von David am besten nachvollziehen, wenn wir Psalm 52 dazu lesen: David versteht klar, dass Saul zu weit gegangen ist – und sich damit von Jehovah abgeschnitten hat.

Saul verschenkt fleißig Land …

da sprach Saul zu seinen Knechten, die bei ihm standen: Höret doch, ihr Benjaminiter! Wird auch der Sohn Isais euch allen Felder und Weinberge geben, euch alle zu Obersten über tausend und zu Obersten über hundert machen,
Elberfelder 1871 – 1.Samuel 22,7

»Hört zu, ihr Männer vom Stamm Benjamin!«, rief Saul ihnen zu. »Hat der Sohn Isais euch Felder und Weinberge versprochen? Hat er versprochen, euch zu Hauptleuten und Heerführern zu machen?
Neues Leben – Bibel 2006 – 1.Samuel 22:7

Saul sprang plötzlich auf und machte seine Leute zur Sau: „Ihr Trottel glaubt doch bestimmt, dass dieser Typ vom Familienstamm Juda ausgerechnet euch Benjaminiter bevorzugen wird, wenn er mal an der Macht ist, oder? Ihr glaubt im Ernst, er wird euch ganz viel Land und Weinberge schenken und jeden von euch zu einem General befördern! Ha!
VolxBibel – 1.Samuel 22,7

Was für ein „großer König“! Er sammelt seine Verwandtschaft um sich, seinen Stamm, um deren Aufmerksamkeit und Treue (?) durch Geschenke zu kaufen! Wie lange soll das gut gehen? Das man seinen eigenen Kindern mehr Vertrauen entgegenbringt, als Fremden – ist verständlich.
Und David? Schauen wir in Vers 2 an – um David scharen sich die „Nichtsnutze“ – Männer die Probleme hatten. Aber es scheinen Männer aus allen Stämmen zu sein. Und David muß diese nicht mit Geschenken „gefügig“ machen.

Alle, die in Not sind – die unter Mangel leiden oder in Schwierigkeiten mit ihren Nachbarn sind. Schulden – hebräisch, einen Gläubiger haben; und die, die nicht in der Lage sind, ihren Verpflichtungen nachzukommen, werden wahrscheinlich an ihre Gläubiger verkauft werden. Lev. 25:39. Unzufrieden – unzufrieden mit der Regierung Sauls. Ungefähr vierhundert Mann – Eine Bande von Gesetzlosen, die jedoch unter Davids weiser Führung zu einer Gruppe von mächtigen Helden wurde. Eine Liste der tapfersten von ihnen findet sich in 2 Sam. 23:8-39; 1 Chron. 11:10–47. Wie lange David vor seiner Flucht nach Moab in der Höhle von Adullam blieb, wird nirgends berichtet.

D.Steele Kommentar das alte Testament

Saul würde „über Leichen gehen“ und sogar seinen eigenen Sohn töten – David dagegen bringt seine Eltern in Sicherheit! Wohin? Nun seine Urgroßmutter war Ruth – deshalb bringt er seine Eltern nach Moab – die Gegend woher Ruth viele Jahre vorher weggezogen war.

Wenn wir den obrigen Vers der Bibel im Kopf behalten, dann werden wir die Geschichte aus 2.Samuel 21 besser verstehen – wir verstehen dann, dass Saul die hier in 1.Samuel 22:7 genannten Felder und Weinberge nicht aus den eigenen Erbteil her verschenken konnte, sondernd dass Saul die Menschen, die in „seinem Stammesgebiet“ lebten, vertrieb oder ermordete, um dann deren Felder und Weingärten zu verschenken – und dass Jehovah wohl eine Weile zusah, aber in 2.Samuel dann „ein Gericht“ über die „Empfänger dieser Schenkungen“ brachte.

Liebe schließt Kritik mit ein – II

Wer Narren mahnt, holt sich nur Schande 
und wer den Bösewicht zurechtweist, seinen Makel.
Mahn nicht den Narren, daß er dich nicht hasse 
den Weisen mahne, und er wird dich lieben. 
Dem Weisen gib, er kann noch weiser werden 
belehre den Gerechten, lernt er weiter zu.
Neftali-Herz-Tur-Sinai – Sprüche 9,7–9

Im Jahr 2020 nur einen Kommentar – nun heute ein paar mehr zu dem Vers:

Die beiden Menschengruppen begegnen auch Ps 1,1. Wer Spötter (1,22) und Gottlose (3,33; 4,14) ermahnt, läuft Gefahr, selbst Gegenstand ihres Spottes und ihrer Abneigung zu werden. Trotzdem wagt es die Weisheit, über sie zu sprechen und sie sogar anzureden. Vielleicht will sie durch die negative Darstellung zum Positiven reizen. Man vergleiche die Methode der Antiwerbung. Der Spötter ist über die Gottesfurcht und die Tugend erhaben. Der Gottlose folgt bedingungslos dem Trieb zum Bösen.
[8] Der Spötter verträgt keine Kritik. Er wird sie sofort als persönlichen Angriff werten und mit Hassen beantworten. Der Weise dagegen empfindet Kritik als Hilfe und ist entsprechend dankbar.
[9] Gib bezeichnet die Tätigkeit des Lehrers. Sie steht dem Annehmen gegenüber, das oft vom Schüler gefordert wird. Bescheiden nimmt der Weise Hinweise, ja sogar Strafen an als Gelegenheit der Selbstbereicherung. Es fällt auf, daß Weise und Gerechte nebeneinanderstehen. Das könnte der Weisheit eine sittliche Bestimmung geben und sie als Befolgung der Gebote sichtbar sein lassen. Der Gerechte vermehrt dank jeder Belehrung seine Hinsicht in Gottes Willen

Wuppertaler Studienbibel

Im Buch der Sprüche geht es im Wesentlichen um verschiedene Arten von Menschen, was sie glauben und tun und wie sie miteinander umgehen. Menschen schaffen Umstände, die gut und schlecht sind, und Sie und ich müssen mit Menschen und Umständen umgehen, während wir durch das Leben gehen. Salomo will uns mit diesem Buch helfen, geschickt mit Menschen und Umständen umzugehen, damit wir unser Leben zur Ehre Gottes erfolgreich gestalten können.
Während unseres Überblicks über Sprüche 1-9 haben wir beiläufig fünf verschiedene Arten von Menschen kennengelernt: den Weisen, den Bösen, den Narren, den Einfältigen und den Spötter. Jetzt ist es an der Zeit, diese Menschen besser kennenzulernen und zu erfahren, was es wirklich bedeutet, weise zu sein.

Die Weisen
Das gesamte Buch der Sprüche ist ein Leitfaden zur Erlangung von Weisheit, aber hier und da weist Salomo auf einige wichtige Eigenschaften des weisen Mannes und der weisen Frau hin. Der erste Schritt zur Weisheit ist natürlich der rettende Glaube an Jesus Christus. Weise Menschen sind „weise zum Heil“ (2. Tim. 3:15), bevor sie Weisheit über irgendetwas anderes erlangen, denn Jesus Christus ist die Weisheit Gottes (Kol. 2:3; 1. Kor. 1:30). Gebildete und geschulte Menschen, die Christus ignorieren oder ablehnen, können es schaffen, ein gutes Leben zu führen, aber ohne ihn können sie niemals ein gutes Leben führen – eines, das Gott verherrlicht. Das Klügste, was ein Mensch tun kann, ist, Christus zu vertrauen und im Gehorsam ihm gegenüber zu leben.

Betrachten wir einige der wichtigsten Eigenschaften weiser Menschen.
Weise Menschen hören auf weise Anweisungen, insbesondere auf das Wort Gottes. „Ein kluger Mensch1 hört und lernt immer mehr“ (1,5). Weise Menschen achten sowohl auf die mündliche Unterweisung als auch auf das geschriebene Wort Gottes (22,17-21). Jesus warnt uns, darauf zu achten, was wir hören (Markus 4,24) und wie wir hören (Lukas 8,18). „Höre nicht auf die Belehrung, mein Sohn, und du wirst von den Worten der Erkenntnis abkommen“ (Spr 19,27, NIV). „Kaufe die Wahrheit und verkaufe sie nicht, auch nicht Weisheit und Unterweisung und Verstand“ (23:23, NKJV). Es kostet, Weisheit zu erwerben, aber das ist es wert!
Das bedeutet, dass wir fleißig Zeit damit verbringen müssen, das Wort Gottes zu lesen und zu studieren, seine Wahrheiten in unser Herz aufzunehmen und dem zu gehorchen, was Gott befiehlt (2,1-9). Es reicht nicht aus, eine Studienbibel zu besitzen und Bücher über die Bibel zu lesen, so hilfreich sie auch sein mögen. Es ist eine Sache, etwas über die Bibel zu wissen, und etwas ganz anderes, Gott durch sein Wort sprechen zu hören und uns seine Weisheit zu lehren, damit wir Jesus Christus ähnlicher werden. In den vielen Jahren meines Dienstes bin ich einigen Menschen begegnet, deren Kenntnis der Heiligen Schrift phänomenal war, die aber die Frucht des Geistes (Gal 5,22-23) nicht zum Ausdruck brachten. „Wissen bläht auf, Liebe aber baut auf“ (1. Korinther 8,1, NIV).
Aber das hat auch eine negative Seite: Weise Menschen verschwenden ihre Zeit nicht damit, auf Dummheiten und Lügen zu hören. Weise Menschen sind vorsichtig mit dem, was sie lesen, was sie hören und sehen und worüber sie im täglichen Gespräch sprechen. Sie sind darauf bedacht, Müll aus ihren Gedanken und Herzen fernzuhalten, denn „Müll rein“ bedeutet letztlich „Müll raus“ (siehe Spr 4,23). Aus diesem Grund kontrollieren sie sorgfältig Radio und Fernsehen und sind wählerisch bei ihrer Lektüre.
Wer weise ist, profitiert von Zurechtweisung (9:8-9; 10:17; 17:10) und von Ratschlägen (13:10; 12:15; 19:20). Sie halten nicht so viel von sich selbst, dass sie nicht von anderen lernen können (3,7; 26,12). Wenn wir „weise in unseren eigenen Augen“ sind, werden wir in Gottes Augen sicher nicht weise sein!

Kluge Menschen fürchten den Herrn. „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit“ (1,7). „Seid nicht klug in euren eigenen Augen, sondern fürchtet den Herrn und weicht vom Bösen“ (3,7). Wir haben bereits gelernt, dass „den Herrn fürchten“ bedeutet, ihn so zu achten, dass wir seinen Willen befolgen und seinen Namen ehren wollen. Den Herrn zu fürchten ist das Gegenteil davon, den Herrn in Versuchung zu führen, indem man ihm absichtlich nicht gehorcht und ihn dann herausfordert, einzugreifen. „Arbeitet an eurem eigenen Heil mit Furcht und Zittern“ (Phil 2,12). „Dienet dem Herrn mit Furcht und freuet euch mit Zittern“ (Ps 2,11).
Die Furcht des Herrn ist „eine Quelle des Lebens“ (Spr 14,27) und führt zum Leben (19,23). Sie gibt Sicherheit (14,26), Hoffnung (23,17-18) und die Verheißung eines langen Lebens (10,27). Wer den Herrn fürchtet, setzt seine Prioritäten richtig. „Besser ist ein kleiner Schatz in der Furcht des Herrn als ein großer Schatz in der Not“ (15:16, NKJV). Man hält sich auch vom Bösen fern (8:13; 16:6; siehe auch 14:2).

Kluge Menschen verkehren mit klugen Menschen. „Wer mit den Weisen geht, wird weise sein, aber der Gefährte der Toren wird zugrunde gehen“ (13:20, NKJV). Wenn wir die Heilige Schrift lesen und studieren, verkehren wir mit den klugen Männern und Frauen der biblischen Geschichte und lernen von ihnen. Indem wir Zeit mit gottesfürchtigen Freunden verbringen, können wir Weisheit lernen und in unserer Erkenntnis von Christus wachsen. Wenn ich auf meine christliche Pilgerreise zurückblicke, danke ich Gott für die vielen Menschen, die der Herr in mein Leben gebracht hat, um mir zu helfen, die Weisheit und die Wege des Herrn besser zu verstehen. „Ein Gerechter ist vorsichtig in der Freundschaft, aber der Weg der Gottlosen führt sie in die Irre“ (12:26, NIV).

Weise Menschen bewahren, was sie erworben haben, und sie nutzen es. „Die Weisen bewahren das Wissen, aber der Mund der Törichten ist dem Untergang nahe“ (10:14, NKJV). Wenn Weisheit im Herzen gespeichert ist, dann sagen wir das Richtige zur richtigen Zeit, und den Menschen wird geholfen. Aber Narren verlieren jede Weisheit, die sie aufgesammelt haben, und ihre Worte bringen nur Verderben.
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Der Verächter

Spötter meinen, sie wüssten alles, und jeder, der versucht, sie zu belehren, verschwendet nur seine Zeit. „Ein stolzer und hochmütiger Spötter ist sein Name“ (21:24). Spötter können keine Weisheit finden, selbst wenn sie danach suchen (14:6), denn Gottes Wahrheit zu lernen erfordert einen demütigen Geist und einen gehorsamen Willen. Was den Spöttern an Wissen fehlt, machen sie durch Arroganz wieder wett. Anstatt eine Sache vernünftig mit denen zu diskutieren, die sie lehren könnten, spotten sie nur über die Wahrheit und leugnen sie. Meine hebräischen Lexika beschreiben sie als „leichtsinnig und unverschämt“. Da er keine intellektuelle oder geistige Munition hat, ist der Verächter auf Spott und Verachtung angewiesen, um seine Feinde zu bekämpfen.

Spötter zeigen ihre Unwissenheit durch die Art und Weise, wie sie auf Ratschläge und Zurechtweisungen reagieren. „Wer einen Spötter zurechtweist, macht sich selbst lächerlich … Einen Spötter sollst du nicht zurechtweisen, damit er dich nicht hasst; einen Weisen sollst du zurechtweisen, damit er dich liebt“ (9:7-8, NKJV). „Ein weiser Sohn hört auf die Unterweisung seines Vaters, aber ein Spötter hört nicht auf Zurechtweisung“ (13:1, NKJV). „Ein Spötter liebt den nicht, der ihn zurechtweist, und geht nicht zu den Weisen“ (15:12, NKJV). Wenn du versuchst, einen Spötter zu belehren, wirfst du nur Perlen vor die Säue. Der Spötter weiß alles!
Die Tragödie ist, dass Verächter überall, wo sie hinkommen, alle möglichen Probleme verursachen. Ob in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz oder in der Kirche, der Verächter ist giftig und steckt die Menschen an. „Werft den Spötter hinaus, und der Streit wird aufhören; ja, Streit und Schmähung werden aufhören“ (22:10). Spötter können sogar Probleme für eine ganze Stadt verursachen. „Spötter regen eine Stadt auf, aber weise Männer wenden den Zorn ab“ (29:8, NIV). Das hebräische Verb, das mit „anfachen“ übersetzt wird, vermittelt das Bild von jemandem, der ein Feuer anfacht oder in eine Flamme bläst, damit sie stärker brennt. Mit ihren verächtlichen Worten und ihrem Verhalten schüren sie ein Feuer, das eigentlich erlöschen sollte.
Die Seiten der religiösen und politischen Geschichte sind mit den Aufzeichnungen über die Taten stolzer Spötter befleckt, die nicht auf weise Ratschläge hörten, sondern sich impulsiv in Angelegenheiten stürzten, die ihnen zu hoch waren (Ps. 131). Ihre Zungen wurden „von der Hölle angezündet“ (Jakobus 3,6); sie verunreinigten und beschädigten Familien, Kirchen, Städte und ganze Nationen. Gemeinden können schnell von arroganten Menschen gespalten und zerstört werden, die über die biblische Wahrheit lachen und ihren eigenen Willen durchsetzen wollen. Alle geistlichen Leiter müssen Apostelgeschichte 20,28-31 und Jakobus 3,13-18 lesen und beherzigen.
Spötter sind „ein Greuel für die Menschen“ (Spr 24:9) und für Gott. In der Tat „verachtet der Herr die Verachteten, aber den Demütigen gibt er Gnade“ (3:34, NKJV). Dieser Vers wird sowohl von Jakobus (4,6) als auch von Petrus (1 Petrus 5,5) zitiert. „Für die Spötter ist das Gericht vorbereitet“ (Spr 19:29), und weil die Spötter Gott verhöhnen, verhöhnt Gott die Spötter. Denken Sie daran, was der Herr mit den Baumeistern von Babel (1. Mose11), mit Pharao am Roten Meer (2. Mose 14), mit Nebukadnezar in Babylon (Dan 4), mit Herodes Agrippa in Judäa (Apg 12,20-25) und mit vielen anderen tat, die sich seinem Willen widersetzten.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Nun sind wir nicht nur immer diejenigen, die „Rat geben“ sondern des öfteren auch diejenigen „die auf Rat hören“ – und wir sollten uns natürlich die Frage stellen: wie reagiere ich auf Rat?

2020 war ja der Hinweis auf den wirklich sehenswerten Film „not a Fan“ und viele Fragen, die sich jeder stellen sollte….

David kommt nach Gath

Und David machte sich auf und floh an selbigem Tage vor Saul, und er kam zu Achis, dem König von Gath.
Elberfelder 1871 – 1.Samuel 21,11

Und Dawid machte sich auf und floh an jenem Tag vor Schaul; und er kam zu Achisch, dem König von Gat.
Neftali-Herz-Tur-Sinai – 1.Samuel 21:11

Davids Flucht vor Saul brachte ihn am selben Tag noch nach Gat. Dort wollte er sich mit dem Präsidenten Achisch treffen.
VolxBibel – 1.Sam 21,11

Warum flieht David vor Saul? Wir hatten in den letzten Wochen gesehen, dass David flieht, weil Saul den David umbringen will. Die Flucht geht zuerst Richtung dem Propheten Samuel. Dort wird David aufgespürt – und nur der Geist Jehovahs schützt David vor Saul. Darauf geht die Flucht von der „Prophetenschule“ Richtung „Bundeslade“ – mit einer kleinen Stipvisite bei seinem Freund Jonathan. Vor zwei Wochen stellten wir uns hier im Blog die Frage zu den Schaubroten…
Doch warum läßt sich David erst das Schwert von Goliath geben, um dann direkt in die Heimatstadt von Goliath zu laufen? War David lebensmüde? Wollte David provozieren?
Erschreckend, wie viele den Vers so verstehen, wie diesen die Volxbibel übersetzt.
Doch die Bibel ist ein Buch, bei dem wir den gesamten Inhalt betrachten müssen, und nicht einfach einen Vers aus dem Zusammenhang reißen dürfen!

David floh zu Achisch, dem König von Gat, weil er meinte, unter Israels Feinden sicherer zu sein als im Herrschaftsbereich Sauls. Aber man berichtete Achisch, dass David jener Mann sei, der vor Jahren den großen Helden der Philister erschlagen habe. Und nun fand er sich bei den Gegnern Israels, wo er eigentlich Zuflucht gesucht hatte, selbst in großer Gefahr. Da täuschte er seine Feinde, indem er sich wahnsinnig stellte und konnte ihnen schließlich so entrinnen.
Davids erster Fehler war sein mangelndes Gottvertrauen in Nob und sein zweiter die Täuschung vor Achisch. Bis dahin hatte er edle Charakterzüge gezeigt und mit seinem einwandfreien moralischen Verhalten die Gunst des Volkes gewonnen. Aber in dieser Bewährungsprobe geriet sein Glaube ins Wanken. Menschliche Schwächen kamen zum Vorschein. In jedem Mann sah er einen Spion und Verräter. Voller Vertrauen hatte David in größter Not auf Gott geschaut und den Riesen der Philister besiegt. Im Glauben war er in Gottes Namen vorangegangen. Doch als Gehetzter und Verfolgter verlor er vor lauter Not und Gefahr seinen himmlischen Vater aus den Augen.
Doch diese Erfahrung war für ihn sehr lehrreich. Sie führte ihn dazu, seine eigene Schwäche und die Notwendigkeit einer beständigen Abhängigkeit von Gott zu erkennen. Wie wertvoll ist doch das wohltuende Wirken des Heiligen Geistes im Leben von bedrückten und verzweifelten Menschen. Er ermutigt die Verzagten, stärkt die Schwachen, erfüllt die angefochtenen Diener Gottes mit Mut und steht ihnen bei. Was haben wir doch für einen Gott, der mit den Irrenden gnädig umgeht und uns im Unglück oder in Zeiten großer Sorge seine Geduld und sein Mitgefühl zeigt.

Ellen White – Wie alles begann: Von der Schöpfung bis zum König David

Machmal mag ich ja die Phantasie der Ellen White – doch oft – so auch hier – widersprechen ihre Aussagen dem „Wort Gottes“!

Während David in Nob war, wurde er von einem Spion Sauls ausfindig gemacht, nämlich von DoÙg, dem Edomiter , der Saul über Davids Verbleib informierte (V. 8 ; 1Sam 22,9 ). David nahm Goliats Schwert , das die Priester in Nob erbeutet hatten ( 1Sam 21,9-10 ) und flüchtete sofort um sein Leben. Er floh, alle Vorsicht außer acht lassend, nach Gat, der Heimatstadt des toten Philisterhelden Goliat (V. 10 ). Von Achisch, dem Herrn von Gat, erkannt, tat David so, als sei er (geistes)krank und entging damit der Vergeltung der Philister (V. 12 – 14 ). Das passierte in Übereinstimmung mit der Praxis der alten Welt, die Krankheit in gewissem Sinn als ein böses Zeichen zu betrachten und so den Kranken vor Schaden zu bewahren, um die Götter nicht zu provozieren.

Walvoord Bibelkommentar

Aber auch der von mir sonst gern geschätzter Walvoord geht am Ziel vorbei.
Wo finden wir die Lösung, warum David in Gath landet?

Es erscheint in der Tat seltsam, dass David so schnell in das Land von Israels erbittertstem Feind geflohen ist und mit dem Schwert von Goliath in der Hand dennoch in Gath, der letzten Heimat von Goliath, Zuflucht gesucht hat. Aber wir müssen bedenken, dass seit Davids Sieg über den Riesen mehrere Jahre vergangen waren, und Vers 12 gibt uns zu verstehen, dass David nicht damit rechnete, erkannt zu werden. Dieser Bericht über David in Gath ist jedoch sehr kurz, und die fragliche Schwierigkeit mag darauf zurückzuführen sein, dass wir nicht alle Umstände des Falles kennen. Vielleicht kam David nicht von sich aus nach Gat, sondern wurde, nachdem er in das Gebiet von Achis geflohen war, von den Dienern dieses Königs ergriffen und mit Gewalt in die königliche Gegenwart gebracht. Diese Vermutung steht in völliger Übereinstimmung mit den Einzelheiten dieser Erzählung und wird durch den Titel von Psalm 56 bestätigt, den David bei dieser Gelegenheit verfasste.

Die Knechte von Achis, die David in die königliche Gegenwart brachten. Wo und wie diese Knechte David begegneten, wird nicht gesagt; aber die Vermutung, die sich auf den Titel von Psalm 56 stützt, ist äußerst plausibel: dass sie ihn gefangen genommen hatten, als er im Lande Philistäa umherirrte. König des Landes – „So nennen sie David, nicht weil sie seine Salbung und göttliche Erwählung kannten, sondern wegen seiner siegreichen Taten, die Saul völlig in den Schatten gestellt hatten“ – Keil.

D.Steele – Kommentar das alte Testament

Das ist der Vorteil, wenn man sich nicht mit einem Kommentar genügt, sondern mehrere Kommentare „lesen darf“ – da ist in Psalm 56 die wahre Lösung! David wird von Soldaten aufgegriffen und dann zum König gebracht. Und wie denkt David? Was passiert, nachdem David aus der Gefangenschaft entlassen wird? Ist David „stolz auf sich“ und auf „seine guten Ideen“?
Schauen wir wieder in die Bibel – bzw in den Kommentar D.Steele:

Ob er aus dem Land vertrieben wurde oder heimlich entkam, wird hier nicht gesagt, aber aus dem Titel von Psalm 34 schließen wir, dass er vertrieben wurde. Nachdem er auf diese Weise entkommen war, gibt sein freudiges Herz seinen Gefühlen in diesem unnachahmlichen Psalm Ausdruck.

D.Steele – Kommentar das alte Testament

Die Überschriften zu den Psalmen bieten uns also die Lösung!
Lese deine Bibel also nicht nur im „Vers des Tages“ – sondern als BUCH – und am besten chronologisch!