Weil ihr von Gott auserwählt und seine geliebten Kinder seid

Ziehet nun an, (Eig Habet nun angezogen) als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut,
Elberfelder 1871 – Kolosser 3,12

Geschwister, ihr seid von Gott erwählt, ihr gehört zu seinem heiligen Volk, ihr seid von Gott geliebt. Darum kleidet euch nun in tiefes Mitgefühl, in Freundlichkeit (oder Güte), Bescheidenheit (oder Demut), Rücksichtnahme (oder Nachsicht/Sanftmut.) und Geduld.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Kolosser 3:12

Weil ihr von Gott auserwählt und seine geliebten Kinder seid, die zu ihm gehören, sollt ihr euch untereinander auch herzlich lieben in Barmherzigkeit, Güte, Demut, Nachsicht und Geduld.
Hoffnung für alle – 1996 – Kol 3,12

Von Gott seid ihr auserwählt worden. Zu ihm gehört ihr ganz und gar. Von ihm seid ihr in Liebe angenommen. Das sind die neuen Lebenseinstellungen, die ihr einüben sollt: barmherzige Zuwendung, Herzensgüte, Demut, Taktgefühl und Geduld.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Kol 3:12

Der folgende Vers lautet „Sagt ein echtes Ja zueinander, so wie ihr seid, und vergebt einander immer wieder.

ἐν-δύσασθε Aor. Imp. Med. -δύω V. 10. ἐκ-λεκτός9 (< ἐκ-λέγομαι [für sich] auswählen) ausgewählt; im NT fast durchweg: (aus)erwählt (ausgesondert, um zu Gott zu gehören bzw. ihm zu dienen). ἠγαπημένοι Pf. Ptz. Pass. ἀγαπάω, subst. σπλάγχνον nur Pl. Eingeweide; Herz (Sitz der Gefühle); Zuneigung, Liebe, Erbarmen. οἰκτιρμός Mitleid, Erbarmen, Barmherzigkeit; σπλάγχνα οἰκτιρμοῦ (gen. qualitatis, A160) inniges/herzliches Erbarmen, barmherzige Zuneigung. χρηστότης3 ητος ἡ Güte, Milde, Freundlichkeit. ταπεινοφροσύνη Bescheidenheit, Demut. πραΰτης3 ητος ἡ Sanftmut, Milde, Freundlichkeit. μακρο-θυμία Geduld, Ausdauer; Langmut.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Noch einmal fordert Paulus die Gläubigen zu energischem Handeln auf: So zieht nun an (endysasthe). Weil sie „den neuen (Menschen) angezogen haben“ (endysamenoi; V. 10), sollen sie nun auch ihrem neuen Stand gemäß leben und wirklich christliche Eigenschaften und Einstellungen an den Tag legen. In den Versen 8-9 hatte Paulus sechs Laster aufgezählt (Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte und Lüge). Im Gegensatz dazu sollen die Christen als die Auserwählten Gottes (vgl. Röm 8,33; Tit 1,1), als die Heiligen („die für Gott Ausgesonderten“; vgl. Kol 1,2) und Geliebten (vgl. Röm 5,8; 1Joh 4,9-11.19 ) verschiedene Tugenden besitzen. Darunter sind herzliches Erbarmen (splanchna oiktirmou; ein besonders anrührender Ausdruck; in Phil 2,1 verbindet Paulus die beiden Substantive mit einem „und“), Freundlichkeit (tätiges Wohlwollen; vgl. 2Kor 6,6), Demut (eine demütige Haltung gegenüber Gott; vgl. Phil 2,3; 1 Petrus 5,5), Sanftmut (prautEta; Milde, eine duldsame Haltung gegenüber anderen) und Geduld (makrothymian, „Selbstbeherrschung“, Ruhe und Festigkeit angesichts von Provokationen von außen; vgl. Kol 1,11). Die drei letzten dieser Tugenden werden in Eph 4,2 im Griechischen in genau derselben Anordnung genannt, und auch Gal 5,22 – 23 greift drei von ihnen heraus: Geduld, Sanftmut und Freundlichkeit.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Der Imperativ „ziehet also an herzliches Erbarmen usw.“ verdeutlicht die Aufgaben jener, die den neuen Menschen angezogen haben. Wie der alte Mensch wird der neue durch seine πράξεις, seine Handlungsweise, konstituiert. Jeder Getaufte ist angesprochen. Die πράξεις aber, die genannt werden, sind solche, die das Zusammenleben, die Bildung von Gemeinde einfordert und zur Voraussetzung hat. Auch in der detaillierten Betrachtung trägt der neue Mensch individuelle und kollektive Züge. Der Mikro- kann vom Makroanthropos nicht getrennt werden und umgekehrt. Die fünf aufgezählten Tugenden sind die des geselligen Lebens. Im Kontext bilden sie das Gegenstück zu den irae differentiae in V 8. Allerdings sind sie durchweg jüdisch empfunden.
Im einzelnen steht herzliches Erbarmen, wörtlich: „Eingeweide des Erbarmens“ an erster Stelle. Dieses ganz biblisch empfundene Bild geht davon aus, daß im Innern des Menschen seine Affekte und Gefühle sitzen. „In meinem Schoß und meinen Eingeweiden tut es mir weh“, klagt Salomo zum Ausdruck seelischen Schmerzes (PsSal 2, 15). „Ich brannte in meinen Eingeweiden, es offen zu sagen“, gesteht Naphtali (TestNaph 7, 4). So wird das physiologische Bild hergenommen als Metafer für die Regung und Gesinnung der Barmherzigkeit: „Josef war ein guter Mann, … barmherzig (εὔσπλαγχνος) und erbarmend“ (Test Sim 4, 4), auch von Gott: „Am Ende der Tage wird Gott sein Erbarmen (τὰ σπλάγχνα) auf die Erde senden.“ Die χρηστότης, die Güte, Milde, Freundlichkeit, gilt als Tugend der Könige und Mächtigen und ist auch eine Eigenschaft Gottes. Im griechischen Bereich kann sie auch ein abschätziges Urteil erfahren und in die Nähe von falscher Nachgiebigkeit und Mangel an Strenge gerückt werden. Im Neuen Testament ist sie als menschliche Eigenschaft stets positiv gesehen. Die ταπεινοφροσύνη rückt im Kolosserbrief in einen Gegensatz zur falschen Demut der Häretiker (2, 18 und 23). Es ist wiederholt gezeigt worden, daß das griechische Wort im biblischen Bereich eine völlige Umprägung erfuhr. Im Griechischen sagt man es dem nach, der eine niedrige, servile Gesinnung besitzt. In der Stoa kann es als Laster gelten. Im Sinn von Mäßigung (modestia) gewinnt es positiven Rang7. Die christliche Demut ist nicht die von F. Nietzsche verachtete Hundedemut, sondern jene Haltung, die im anderen Menschen ein Geschöpf Gottes und eine Schwester und einen Bruder Christi erblickt. Die πραύτης, die Sanftheit, Sanftmut, Milde, ist kaum von der χρηστότης zu unterscheiden. An dieser Stelle wird eine gewisse Unschärfe des Katalogs deutlich. Auch sie, Eigenschaft Gottes und des edlen Herrschers, ziemt nach Sir 36, 23 der guten Ehefrau. Sie ist insbesondere die Fähigkeit, menschliche Unterschiede außer acht zu lassen. Ihr Gegenteil ist die ἀγριότης (Härte, Rüdigkeit). Die μακροθυμία, die Langmut, Ausdauer, Geduld, schließlich ist im Zusammenleben jene Eigenschaft, die den anderen annimmt und erträgt, gerade auch den Schwierigen. Während die vorher genannten vier Tugenden Aktivitäten im Umgang mit dem Mitmenschen umschreiben, ist diese fünfte passiv. Doch bedarf sie nicht minder einer Anstrengung, zu der die Liebe befähigt (vgl. 1 Kor 13, 4: ἡ ἀγάπη μακροθυμεῖ). Es ist aufschlußreich, daß die Langmut im Neuen Testament ebenso von Gott und Christus (Röm 2, 4; 9, 22; 1 Tim 1, 16; 1 Petr 3, 20) ausgesagt wie vom Menschen gefordert wird (2 Kor 6, 6; Gal 5, 22; 2 Tim 3, 10). Ihr Gegenteil ist der Jähzorn (ὀξυχολία).
Weil alle fünf Eigenschaften – wie wir sahen – auch Gott zugesprochen werden, meinte man, es werde in V 12 zur imitatio Dei aufgerufen. Doch dürfte diese Auffassung den Text überfordern. Eine zusätzliche Begründung des Imperativs bietet die überschwengliche dreifache Anrede: Gottes Erwählte, Heilige, Geliebte. Sie will die vorausgegangene heilende und rettende Aktivität Gottes sicherstellen. Um ihretwillen – nicht um der physischen Gleichheit aller Menschen willen wie in der Stoa – ist der Christ primär zu den erläuterten Haltungen verpflichtet und befähigt. Das steigert die Verantwortung. Die theozentrische Sicht der Bibel unterscheidet sich von der anthropozentrischen der zeitgenössischen Philosophie12. Die Heiligkeit, heute leider ein abgegriffenes und abstraktes Wort, zeichnet die kritische Distanz zur Welt.

Gnilka – Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Die Aufforderung, das Gute zu tun, ist immer die genaue Kehrseite jener, das Böse zu unterlassen, vgl. Herm. mand VIII: „Des Bösen enthalte dich und tu es nicht. Des Guten enthalte dich nicht, sondern tu es.“ So ist auch V. 12 das Gegenstück zu V. 5: dem „tötet nun“, bezogen auf die fünf Laster, entspricht das „zieht nun an“, bezogen auf die fünf Tugenden. Die Bekleidungsmetapher zeigt, dass sich das schlussfolgernde „nun“ auf die Taufe bezieht (vgl. 2,11; 3,9f.); sie ist der Indikativ, aus dem sich der Imperativ ergibt. Bevor jedoch die neuen Verhaltensweisen benannt werden, werden zuerst die Adressaten und Adressatinnen in ihrem, in der Taufe grundgelegten neuen Verhältnis zu Gott beschrieben: Die einst fern von Gott gelebt haben (vgl. 1,21f.), sind jetzt „Auserwählte, Heilige und Geliebte“. Vor allem der erste Begriff dient als Ausdruck der Zugehörigkeit und verleiht den ehemaligen Heiden eine neue, von Gott ausgehende Identität, die sie zugleich mit allen Christen (= die Heiligen) verbindet.

Im Hintergrund steht die Vorstellung von der Erwählung Israels durch Gott (Dtn 4,37; 7,6f. u.a.), die später von Qumran und den christlichen Gemeinden übernommen und ausschließlich auf sich selbst bezogen wurde (vgl. 1QpHab 10,13; 1QS 8,6; 11,7.16; 1QM 12,1f.; 1Petr 1,1; 2,9). Der Gedanke der Auserwählung begegnet im Neuen Testament besonders in eschatologischem Kontext (vgl. Röm 8,33; Mk 13,20.22.27; Offb 17,14) und setzt voraus, dass die Auserwählten in der apokalyptischen Endzeit bzw. beim Gericht nichts zu befürchten haben.

Dem entspricht im Kol die Konstruktion des „einst und jetzt“; als Heiden waren sie dem göttlichen Zorngericht ausgeliefert (3,6f.), als Getaufte gehören sie jetzt zu den Auserwählten Gottes. Die Konsequenz der neuen Identität ist die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der „Heiligen und Geliebten“.
Nachdem der Autor seine Adressaten und Adressatinnen so in ihrer Selbstgewissheit bestärkt hat, zeigt er ihnen in einer weiteren, diesmal positiven Fünfergruppe, was es heißt, den „neuen Menschen anziehen“ (V. 10). Die Auswahl nennt weder heroische Tugenden noch solche, die nur der eigenen Vervollkommnung dienen; vielmehr handelt es sich um Verhaltensweisen, die sich zum Wohl anderer auswirken. Mit „Güte und Milde“ ist die freundliche Zuwendung gemeint, die anderen wohltut; das „herzliche Erbarmen“ bleibt nicht beim Mitgefühl stehen, sondern solidarisiert sich mit Leiden und Not; die „Demut“ ist die Bescheidenheit, die sich zugunsten eines anderen zurücknimmt. Das letzte Glied kann Standhaftigkeit und geduldige Ausdauer, aber auch – auf andere bezogen – Großzügigkeit und Langmut (vgl. auch 1,11) bedeuten, die man einem anderen entgegenbringt. Die Mahnung zum gegenseitigen Ertragen und Vergeben unterstreicht diese Richtung der zuvor aufgezählten „Tugenden“.

Maisch – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Nun stellt Paulus die »neuen Kleider« auch ganz gezielt vor, das, was wir als Christen sein und leben dürfen. Dass wir Neue sind, der neue Leib als persönliche Neugeburt und als Glied des ganzen neuen Leibes, der Gemeinde, geschaffen ist durch Christus, betonen die Bezeichnungen der Gläubigen. Sie beschreiben, wem wir gehören, was wir sind und warum wir das sind. Wir sind »Auserwählte Gottes«, das betont ganz und völlig Gottes Tun. Er hat uns erwählt, so wie Jesus sagt: »Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt …« (Joh 15,16; vgl. auch Jes 14,1; 41,8; 43,20; 45,4; 65,9; Mt 20,16; 24,22; Lk 18,7; Apg 9,15; Röm 8,29.33; 11,7; 1Kor 1,27; Eph 1,4; Tit 1,1; 1Petr 1,2.20; Offb 17,14). Doch »Erwählung« ist biblisch kein Zwangsgeschehen, sondern vollzieht sich an dem und mit dem, der sich ergreifen lässt. Aber die Betonung liegt mit ganzem Nachdruck auf Gottes Handeln: Er tut das; er will uns für sich. Keiner kann sich selbst zum Kind Gottes machen. »Heilige« sind wir, ganz und gar in die Gemeinschaft mit Gott und Christus hineingenommen und dadurch in unserem Sein verändert, neu gemacht und immer mehr in die Christusart hineingestaltet. Das sind wir! Warum wir das sind? Wir sind »Geliebte«. Einziger Grund für unsere Erwählung und Rettung ist Gottes Liebe, eine Liebe, die nicht nach unserer Würdigkeit fragt, sondern unsere Bedürftigkeit sieht. Gottes Liebe hat nichts Liebenswertes an uns. Es ist eine unverfügbare, umfassende Liebe. Liebe ist das Wesen Gottes (vgl. 1Joh 4,16).

Das sind wir. Nun dürfen wir als Erwählte, Heilige und Geliebte leben. So, nur so ist christliche Ethik zu begründen, da hat der Imperativ seinen Ort. Gott hat alles getan, nun kannst und darfst du mittun. »Anziehen« steht wieder bildhaft für die Praxis des neuen Lebens. Das muss und kann ich tun. Ich werde nicht zwangseingekleidet. Und nun die »neuen Kleider« im einzelnen – wohl in Entsprechung zu den »alten Kleidern« in Vers 8 -: »Herzliches Erbarmen« (wörtlich »ein Herz des Erbarmens«) ist der Gegensatz zu dem schwörenden Zorn. Solches Erbarmen, das aus dem Innersten, aus dem Herzen kommt, hat Jesus gelebt, wenn es heißt: »Als er das Volk sah, jammerte es ihn« (wörtlich »drehte sich sein Innerstes um«; Mt 9,36). Das ganze Mitgefühl, ja geübtes Mitleiden mit dem anderen ist gemeint. Solches Erbarmen fließt aus der »Barmherzigkeit«, die Gott an uns getan hat (vgl. Röm 12,1; auch 1Mose 24,27; 32,11; Ps 23,6; 51,3; 103,4; Jes 54,7; 63,7; Mt 5,7; 9,13; 23,23; Lk 1,50; 10,37; Röm 11,30; 12,8; 15,9; 2Kor 1,3; 4,1; Eph 2,4; Phil 2,1; 1Tim 1,13; Tit 3,5; 1Petr 1,3; Heb 4,16; Jak 2,13; 3,17). »Freundlichkeit« (wörtlich »Güte«) meint das freundliche, helfende Tun. Es sind die Werke, die aus dem »herzlichen Erbarmen« folgen. Die Grundbedeutung der »Güte« ist »Brauchbarkeit«: Ich lasse mich gebrauchen für den andern, ihm zu helfen.

Diese »Güte« ist Kennzeichen des Handelns Gottes, wie er uns geholfen hat und hilft (vgl. Ps 103,8; 106,1; 1 Ps 8,1-4; 136,1ff.; Jer 31,3; Kla 3,22; Mt 5,45; Röm 2,4; 11,22; 2Kor 10,1; Gal 5,22; Eph 2,7; 5,9; Phil 4,5; Jak 1,5). »Demut« ist die Haltung, (wörtlich »hinunterdenken«), in der ich dem andern begegne. Ich denke klein von mir und groß vom andern. Jesus hat das vorgelebt. Klein von sich zu denken meint dabei nicht, sich selbst krampfhaft schlecht zu machen, sondern bewusst und gern die eigene Person zurückzustellen, nichts für sich selbst zu wollen (vgl. Phil 2,3; auch 4Mose 12,3; Jes 57,15; Mi 6,8; Mt 11,29; 1Petr 3,8; 5,5). Die »Sanftmut«betont wieder das Handeln und meint in wohltuender Milde, mitfühlendem Handeln (wörtlich »erfreuend«) dem andern zur Seite stehen, so wie Jesus (vgl. Mt 11,29; auch 2Kor 10,1; Gal 5,23; Eph 4,2 und Mt 5,5; 21,5). Die »Geduld« (wörtlich »langer Mut«) bezeichnet den langen Atem in nachgehender Hilfe gegenüber dem andern. Es ist die »Frucht des Geistes« (vgl. Gal 5,22), die uns befähigt, nicht bitter zu werden und nicht mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Wieder ist Jesus das Vorbild, »der nicht widerschalt, als er gescholten ward, und nicht drohte, da er litt« (1Petr 2,23 vgl. auch 2Mose 34,6; 4Mose 14,18; Röm 2,4; 12,12; Eph 4,2; 1Petr 3,20; 2Petr 3,9; Jak 1,3ff.; Offb 1,9; 2,2ff.; Offb 3,10; 13,10).

Gerhard Maier – Edition C

Ging es bisher darum, welche Sünden der Nachfolger Jesu ablegen soll, weil er den alten Menschen ausgezogen hat, so werden nun die Tugenden behandelt, die der neue Mensch anziehen soll. Zuerst betont Paulus, welche Vorzüge dieser neue Mensch genießt: Er ist von Gott erwählt, geheiligt und geliebt. Genau diese drei Elemente begegnen uns in einem der wichtigsten Texte im AT, wenn es um die Beziehung zwischen Gott und Israel geht (vgl. 5 Mo 7,6–8). Paulus überträgt diese Eigenschaften bewusst auf die Nachfolger Jesu. Denn er ist der Überzeugung, dass auch sie, weil sie in Christus sind, zu dem erwählten Volk Gottes gehören und wie Israel damals ausgesondert sind, damit Gott seine Ziele durch sie verwirklicht, und dass sie von ihm geliebt sind.

Menschen, die sich dessen bewusst werden, leben anders als vorher. Paulus nennt fünf Eigenschaften, die sie charakterisieren sollen:
„Mitgefühl“ beschreibt die emotionale Anteilnahme am Ergehen eines anderen. Wörtlich ist die Rede von „Gedärmen der Barmherzigkeit“. Die Gedärme waren für den Menschen von damals der Sitz der Gefühle. Dort spürt man förmlich, wie man vom Leid oder von der Freude eines anderen im tiefsten Inneren bewegt wird.
„Freundlichkeit“ war in der Antike besonders hoch geschätzt. Das griechische Wort beschreibt die wohlwollende Haltung gegenüber anderen, die in konkreten Taten zum Ausdruck kommt.
Im Gegensatz dazu war „Bescheidenheit“ (wörtlich „Demut“) unter Menschen damals überhaupt nicht hoch im Kurs. Die allgemeine Haltung war, dass jeder um seinen eigenen Status und sein Prestige bemüht sein musste. Die Nachfolger Jesu sollten aber seinem Beispiel folgend „andere höher achten als sich selbst“ (Phil 2,3).
„Rücksichtnahme“ oder „Sanftmut“ wird in der Bibel oft mit Demut in Verbindung gebracht und beschreibt das aktive Bemühen um das Wohlergehen des anderen. Auch diese Eigenschaft war für Jesus charakteristisch (Mt 11,29).
„Geduld“ bezeichnet die Fähigkeit, schwierige Menschen zu ertragen. Sie gehört zu den Ureigenschaften Gottes (2 Mo 34,6; Röm 2,4).

Joel White – Kolosserbrief / Philemonbrief: Warum „Jesus allein“ eine gute Nachricht ist

    Zum Verb endyo, (» ziehet an «) siehe oben. Die Verbindung mit dem vorherigen Paragraphen wird durch das Wort » nun « hergestellt sowie durch das Bild vom Anziehen. Es wurde eben vom Ausziehen des Alten gesprochen. Paulus hat die Kolosser ermahnt, nichts zu behalten, was zum alten Menschen gehört, denn wie dieser ist alles, was an ihm ist, verdorben und hat verderblichen Einfluß. Der neue Mensch hat Wesenszüge, die ganz dem entsprechen, was Christus uns in der Neuschöpfung erworben hat. Diese sollen wie ein Gewand, das keine Motte zerfressen kann, angezogen werden. Es besteht auch nicht in einem zurechtgeflickten Judentum, sondern es ist ein vollständig neues Gewand, frisch aus der himmlischen Garderobe. » Als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte « nennt die Gründe, warum dieses beste Gewand des Himmels seine Bürger zieren soll. Als » Auserwählte Gottes « sind wir der Gegenstand Seiner Wahl; als » Heilige « stellen wir die Auswirkungen Seiner Macht dar, und als » Geliebte « sind wir der Gegenstand Seiner Liebe. Das neue Gewand, das dem neuen Menschen angemessen ist, zeigt, wessen Eigentum wir sind, was wir sind, und warum wir es sind.
        » Herzliches Erbarmen « ist alles andere, als die in V. 5 genannten » Leidenschaften « . splanchna hat den Sinn von zartem Mitgefühl. Zacharias singt von Gottes herzlichem Erbarmen in der Vergebung (Luk 1,78). Paulus verwendet das Wort in Phil 1,8, wo er vom » Herzen Jesu Christi « spricht. Der Verräter hatte alle Empfindungen dieser Art verloren, lange bevor ihn sein in Apg 1,18 beschriebenes Ende ereilte. Der ganze Ausdruck spricht von Mitgefühl.
        » Güte « , chrästotäs, wie in Röm 2,4; 11,22. Gott Selbst wird vom Herrn Jesus in Luk 6,35 chrästos, gütig, genannt. Gott ist reich an Güte, die Er den Menschen in freundlichen Taten erweist, damit sie dadurch zur Buße geführt werden (Röm 2,4). Paulus verwendet das Wort, um den höchsten und heiligsten Ausdruck göttlicher Güte in der Gabe des Heils in Seinem Sohn zu bezeichnen (Eph 2,7; Tit 3,4) Der Geist Gottes erzeugt diese Güte im Gläubigen. Er ist es, der die Energie darreicht, um solche Freundlichkeit, die sich in gütigen Werken äußert, zu zeigen. Gemeint sind Werke des Mitgefühls. Diese beiden Teile der Kleidung des Christen passen gut zusammen, wie wir am Herrn Jesus sehen. Als der Aussätzige vor Ihn trat, schreibt Markus: » Jesus aber, innerlich bewegt (splanchnizomai), streckte seine Hand aus, rührte ihn an… « (Mk 1,41). Zuerst stieg Mitgefühl im Herzen des Retters auf, dann folgte die gütige Handlung, welche jener geplagten Seele solche Erleichterung brachte. Wie groß das Bedürfnis nach solch freundlichem Sinnen und Tun ist, läßt sich nicht ermessen; aber ebenso ohne Maß ist die Gnade, die jedem Bedürfnis zu genügen vermag. Die Frage ist: Tragen auch wir die Wesenszüge des neuen Menschen?
        Die » Demut « (oder » Niedriggesinntheit «) in 2,18; 2,23 war gemacht und verlogen. Hier ist sie echt und richtig. Der Herr Jesus nannte sich selbst » demütig « (tapeinos), und Paulus mag an Ihn gedacht haben, als er den Philippern schrieb, sie sollen miteinander in » Demut « umgehen (Phil 2,3). Demut entspringt einem einfühlsamen Wesen.
        » Sanftmut « (so Luther, Zü und Menge; Elbf.: » Milde «) ist in Schranken gehaltene Macht, wie bei einem wilden Pferd, das gezähmt worden ist. Der sanftmütige Gläubige ist jemand, der nicht auf seinen Rechten besteht. Zweimal wird im Evangelium des Königs der Herr » sanftmütig « genannt. Einmal sagt es der Herr von sich selbst (Matth 11,29), einmal steht es im Zitat des Propheten Sacharja (9,2; Matth 21,5). Es steht für mitfühlendes Gebaren. Wie das erste Paar, ist eines innerliche, das andere mehr nach außen sichtbar werdende Gnade. Wer nicht demütig ist, wird auch keine Sanftmut aufweisen. Die Worte in 4 Mose 12,3 sind göttlich ausgesucht: » Der Mann Mose aber war sehr sanftmütig, mehr als alle Menschen, die auf dem Erdboden waren. « Mose wird hier als ein » Mensch « gesehen; wäre das nicht der Fall, könnten wir leicht verzweifeln. Seine Sanftmut zeigte sich darin, daß er Gott urteilen ließ als er rüde provoziert wurde. Noch deutlicher wird seine Sanftmut, wenn er-das einzige Mal, das er in jenem Kapitel spricht -für seine Schwester betet, daß sie bald und vollständig von ihrer von Gott auferlegten Krankheit genesen möchte.
        » Langmut « (Luther: » Geduld «) entspricht ganz wörtlich dem griechischen makrothymia. Es ist die Weigerung, zurückzugeben, wenn man herausgefordert wird. Es beinhaltet daher auch Geduld, wie es in Jak 5,10 übersetzt wird oder Ausharren, so wird es in Hebräer 6,12 wiedergegeben. Sie wird zur Frucht des Geistes gezählt, wie verschiedene Wesenszüge des vorliegenden Katalogs. Wir meinen, es unterstreiche die Notwendigkeit mitfühlender Geduld.

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    Dass aber die Toten wirklich auferweckt werden

    Daß aber die Toten auferstehen, hat auch Moses angedeutet „in dem Dornbusch“, wenn er den Herrn „den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs“ nennt. (2Mose 3,6)
    Elberfelder 1871 – Lukas 20,37

    Aber die andere Frage, ob es überhaupt eine Auferstehung gibt, wird schon von Mose beantwortet. Er beschreibt, wie Gott ihm im brennenden Dornbusch erschien, und er nennt ihn den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. 2. Mose 3,6
    Hoffnung für alle – 1996 – Lukas 20:37

    Dass aber die Toten wirklich auferweckt werden, hat auch Mose in der Erzählung vom Dornbusch klar zum Ausdruck gebracht; denn er nennt den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs.
    Johannes Greber 1936 – Das Neue Testament aus dem Griechischen neu übersetzt – Lk 20,37

    Da wir den folgenden Vers schon einmal hatten, hier nur „Ergänzungen“ – also bitte auch den Kommentar zu Vers 38 lesen 😉

    ὅτι dass. ἐγείρονται Pass. ἐγείρω. καί (erstes) auch, schon. ἐ-μήνυσεν Aor. μηνύω kundtun, anzeigen. βάτος ἡ u. ὁ Dornbusch; ἐπὶ τῆς βάτου bei (der Geschichte von) dem Dornbusch. λέγω m. doppeltem Akk. (A97,15) nennen; hist. Präs. (A235); ὡς λέγει κύριον τὸν θεὸν Ἀβραάμ … als er den Herrn den Gott Abrahams … nannte. Ἀβραάμ indekl., hier Gen., ebenso die beiden flgd. Namen. Ἰσαάκ 3,34. Ἰακώβ 1,33.

    2007 – Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

    Um die Auferstehung zu beweisen, zitierte Jesus 2. Mose 3,6 (wo »Mose … den Herrn« als »den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs« bezeichnet). Wenn nun die Sadduzäer einen Augenblick lang nachgedacht hätten, hätten sie erkannt:

    Gott »ist nicht der Gott der Toten, sondern der Lebenden«;
    Abraham, Isaak und Jakob waren tot. Die unumgängliche Schlussfolgerung lautet, dass Gott sie aus den Toten auferwecken muss. Der Herr sagte nicht: »Ich war der Gott Abrahams …«, sondern: »Ich bin der Gott Abrahams. Das Wesen Gottes als ein Gott der Lebenden erfordert die Auferstehung.

    MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

      Mit Vers 37 wendet sich Jesus dem grundsätzlichen Zweifel zu, ob es denn überhaupt eine Auferstehung gäbe. Er löst diesen Zweifel nicht durch logische oder philosophische Darlegungen, sondern durch den Rückgriff auf die Bibel. Und er setzt exakt bei jenem Teil der Bibel ein, den die Sadduzäer am höchsten schätzten, nämlich bei den Mosebüchern:

      »Dass aber die Toten auferstehen, hat auch Mose beim Dornbusch deutlich werden lassen, wenn er den Herrn den Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs nennt« (V. 37). Der Satz »die Toten stehen auf« ist ein klassischer biblischer Lehrsatz. Jesus hätte ihn aus Jes 26,19 oder Hes 37 oder Dan 12,2 entnehmen können. Aber aus Liebe zu den Sadduzäern, die alles auf Mose stützen wollen, geht er mit seinem Schriftbeweis zu Mose zurück. Er nimmt die berühmte, jedem jüdischen Kind geläufige Szene vom »Dornbusch« aus 2 Mo 3, wo Gott sich selbst als »der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs« vorstellt (2 Mo 3,6). Weil Gott dort außerdem dem Mose befiehlt, ihn unter diesem Namen den Israeliten bekanntzumachen (2 Mo 3,15ff.), zieht Jesus alle diese Aussagen von 2 Mo 3 in dem einen Satz zusammen: »Er (Mose) nennt den Herrn den Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs«. Manche Bibelübersetzungen sagen, Mose habe dies beim Dornbusch »angedeutet«. Aber das entsprechende griechische Wort heißt nicht »andeuten«, sondern »kundtun«, »aufdecken«, so dass man hier mit »deutlich werden lassen« oder »offenbaren« übersetzen muss.

      In der christlichen Geschichte hat diese Gottesbezeichnung eine erhebliche Rolle gespielt. Ein Beispiel dafür ist das Glaubensbekenntnis des berühmten französischen Philosophen Blaise Pascal: »Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Nicht der Philosophen Gott«. In der Tat beten wir als Christen keinen Gedanken -Gott an, sondern einen Gott, der real die Geschichte lenkt und in die Menschheitsgeschichte eingreift. Man kann ihn nicht aus menschlichen Gedanken (der Philosophie u. ä.) ableiten, sondern nur in der Geschichte erfahren und ihn durch seine Offenbarung kennen lernen.

      Gerhard Maier – Edition C

      In seiner Argumentation gegen die Sadduzäer berief sich Christus zunächst auf die Macht Gottes. Was Gott wirken würde, war etwas ganz anderes, als sie sich vorstellten: nicht eine bloße Wiedererweckung, sondern eine Verwandlung. Die kommende Welt sollte nicht eine Reproduktion dessen sein, was vergangen war – warum hätte sie sonst vergehen sollen -, sondern eine Erneuerung und Erneuerung; und der Leib, mit dem wir bekleidet werden sollten, würde dem gleichen, den die Engel tragen. Was also in unseren gegenwärtigen Beziehungen von der Erde und von unserem gegenwärtigen Körper der Sünde und der Verderbnis ist, wird vergehen; was darin ewig ist, wird fortbestehen. Aber die Macht Gottes wird alles verwandeln – den gegenwärtigen irdischen in den zukünftigen himmlischen Leib, den Leib der Erniedrigung in einen der Erhöhung. Dies wird die Vervollkommnung aller Dinge durch jene allmächtige Kraft sein, durch die er sich am Tag seiner Macht alles unterwerfen wird, wenn der Tod vom Sieg verschlungen sein wird. Und hierin besteht auch die Würde des Menschen kraft der eingeleiteten und gleichsam beim Sündenfall begonnenen Erlösung, dass der Mensch zu einer solchen Erneuerung und Vollendung fähig ist – und hierin liegt auch „die Kraft Gottes“, dass er uns mit Christus lebendig gemacht hat, so dass die Kirche schon hier in der Taufe in Christus den Keim der Auferstehung empfängt, der nachher durch den Glauben genährt und gespeist werden soll, indem der Gläubige am Sakrament der Gemeinschaft mit seinem Leib und Blut teilnimmt. Auch sollen hier nicht Fragen auftauchen wie dunkle Wolken, etwa nach der Dauerhaftigkeit jener Beziehungen, die uns auf Erden nicht nur so kostbar, sondern auch so heilig sind. Gewiss, sie werden bestehen bleiben, wie alles, was von Gott und gut ist; nur das Irdische in ihnen wird vergehen oder vielmehr mit dem Leib verwandelt werden. Nein, und wir werden uns auch gegenseitig erkennen, nicht nur an der Gemeinschaft der Seele; sondern wie jetzt schon der Geist den Zügen seinen Stempel aufdrückt, so wird dann, wenn alles ganz wahr ist, die Seele gleichsam mit ihrem Körper hervortreten und sich voll auf die äußere Erscheinung auswirken, und wir werden dann zum ersten Mal diejenigen voll erkennen, die wir jetzt voll erkennen werden – mit allem Irdischen, das in ihnen zurückgeblieben war, und mit allem Göttlichen und Guten, das voll entwickelt und zur Vollkommenheit der Schönheit gereift ist.

      Aber es genügte nicht, den fadenscheinigen Vorwurf beiseite zu schieben, der nur unter der Annahme einer grob materialistischen Auffassung von der Auferstehung Bedeutung hatte. Unser Herr wollte nicht nur antworten, er wollte den Sadduzäern antworten; und nie ist ein großartigerer oder edlerer Beweis für die Auferstehung angeboten worden als der, den er gab. Natürlich blieb Er, als Er zu den Sadduzäern sprach, auf dem Boden des Pentateuch; und doch berief Er sich nicht nur auf das Gesetz, sondern auf die ganze Bibel, ja, auf das, was der Offenbarung selbst zugrunde lag: die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Nicht nur diese oder jene isolierte Stelle beweist die Auferstehung; derjenige, der sich nicht nur historisch, sondern im wahrsten Sinne des Wortes der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs nennt, kann sie nicht tot lassen. Die Offenbarung bedeutet nicht nur eine Tatsache der Vergangenheit – wie die Vorstellung, die der Traditionalismus damit verbindet -, einen toten Buchstaben, sondern eine lebendige Beziehung. Er ist nicht der Gott der Toten, sondern der Lebenden, denn alle leben für ihn.

      Aldred Edersheim – Das Leben und die Zeiten von Jesus dem Gesalbten

      In Seiner unendlichen Weisheit korrigierte der Herr Jesus vier Irrtümer der Sadduzäer. Sie irrten sich in ihrer Deutung des Auferstehungslebens; denn obwohl die Ehe in dieser Welt zur normalen Ordnung gehört, wird sie in der Auferstehung nicht weiterbestehen: sie „heiraten nicht, noch werden sie verheiratet“. Er korrigierte ihren Unglauben an die Macht Gottes, der die Toten auferwecken kann. Er korrigierte auch ihre Weigerung, an Engel zu glauben, als Er sagte: „Denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind Engeln gleich, und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind.“ Er bezieht sich nur auf solche, die im Glauben gestorben sind und spricht daher von der „Auferstehung aus den Toten“, nicht „der Toten“, das heißt der gottlos Verstorbenen. So lehrt der Herr noch nebenbei, daß Engel wirklich und unsterblich sind und daß sie nicht heiraten. Es findet sich hierin kein Hinweis darauf, daß im Himmel die Familienbeziehungen aufgelöst würden. Es ist vielmehr so, daß erst im Himmel ungetrübte Beziehungen und ungeteilte Hingabe auf ewig bestehen werden.
       Und dann legte der Herr eine der in den Synagogen am häufigsten zitierten Stellen des AT korrekt aus: „Und er sprach: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“ (2Mo 3,6). Die Worte, die Gott an Moses aus dem brennenden Busch richtete, wurden mehrere hundert Jahre nach dem Tod der Erzväter gesprochen, und doch sagt Gott nicht: „Ich war der Gott Abrahams“, denn Er offenbart Moses die Bedeutung des unumschränkten „Ich bin“. Tote Dinge können einen Schöpfer haben, aber nur lebendige Menschen können den lebendigen Gott kennen. „Ich bin der Gott Abrahams“ bedeutet: „Ich bin sein Gott heute“, und das bedeutet, daß Abraham noch immer lebt, nicht dem Leibe nach, aber als der Geist eines Gerechten. Er lebt mit Gott und erwartet den Tag, da „die Geister der Gerechten“ in der Auferstehung „vollendet“ werden sollen (Hebräer 12,23). Nur Lukas fügt hinzu: „Denn für ihn leben alle“, das heißt, sie leben im Blick auf Gott. In unserer Welt sind sie tot, aber sie leben in Gottes Regionen des Lebens.

      Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

      Genauso wie wir in unserem Aussehen Adam gleich sind, dem von der Erde genommenen ersten Menschen, so werden wir auch das Ebenbild dessen sein, der vom Himmel kommt, nämlich Jesus.

      Und wie wir das Bild dessen von Staub getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen.
      Elberfelder 1871 – 1.Korinther 15,49

      So wie wir jetzt dem Menschen gleichen, der aus Erde gemacht wurde, so werden wir künftig dem gleichen, der vom Himmel gekommen ist.
      Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Korinther 15:49

      und wie wir das Bild des irdischen getragen haben, werden wir auch das Bild des himmlischen tragen. 1Mo 5:3; Rö 8:29
      Zürcher 1931 – 1.Kor 15,49

      Genauso, wie wir jetzt das Abbild des irdischen Adams sind, werden wir einmal das Abbild des himmlischen Adams sein.
      * Und wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, werden (aL(1) sollen) wir auch das Bild des Himmlischen tragen.
      Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Kor 15:49

      Jetzt hat jeder von uns einen vergänglichen Leib, wie ihn Adam hatte. Aber einmal werden wir – wie Christus – einen unvergänglichen Leib haben.
      Hoffnung für alle – 1996 – 1.Korinther 15,49

      und wie wir das Bild des irdischen (Adam) an uns getragen haben, so werden wir -(  aL: so laßt uns (o: wollen wir) auch . . . an uns tragen. )- auch das Bild des himmlischen (Christus) an uns tragen.
      Hermann Menge Übersetzung – 1926 – 1.Korinther 15:49

      Welche Hoffnung gibt dir der Heilige Geist? Der Heilige Geist ist mir als Pfand gegeben für die Hoffnung auf das ewige Leben. Ich werde sterben, aber Christus wird mich am jüngsten Tage leiblich auferwecken zum ewigen Leben in seinem Reich. [–] 1 Kor 15 Joh 5,39

      Dietrich Bonhoeffer — Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde 1935–1937

      Bei einigen Bibelauslegern werden diese Worte so verstanden, dass „einige Menschen“ oder „alle Christen“ in den Himmel kommen, weil dort ja Jesus bleiben wird. Aber die Bibel spricht davon, dass Jesus wiederkommen wollte, und wird! Deshalb ist es völlig abwegig davon auszugehen, dass „144 000“ oder „alle Gesalbten“ in den Himmel kommen. Im Gegenteil! Alle Menschen sind für die Erde erschaffen und werden auf der Erde bleiben! Und Jesus wird in Zukunft hier auf der Erde weilen!

      Das gesamte fünfzehnte Kapitel des 1. Korintherbriefs ist dem Thema der Auferstehung gewidmet, sowohl der Auferstehung Christi als auch der Auferstehung derer, die in Christus sterben. In den oben zitierten Versen sagt Paulus, dass die Körper, die wir jetzt haben, nicht in den Himmel kommen können; deshalb werden sie bei der Wiederkunft augenblicklich („im Handumdrehen“) verwandelt. Die Toten werden also gleichzeitig auferstehen und die Lebenden werden verwandelt werden. Es muss betont werden, dass diese Auferstehung bei der Wiederkunft Christi in Herrlichkeit stattfindet: „Ein jeder aber [wird auferweckt] in seiner eigenen Ordnung: Christus, der Erstling, danach die, die Christus gehören, wenn er kommt. Dann kommt das Ende, wenn er Gott, dem Vater, das Reich übergibt und aller Herrschaft und Macht ein Ende setzt“ (1 Korinther 15:23, 24, Hervorhebung hinzugefügt). Ein weiterer Hinweis darauf, dass Paulus von der Wiederkunft Christi und nicht von einer vorzeitigen Entrückung spricht, findet sich in Vers 52 im „Beweistext“ selbst: Die Auferstehung und die „Verwandlung“ der Lebenden geschieht bei der „letzten Posaune“ – und nicht bei der „vorletzten Posaune“ bei seiner vorletzten Wiederkunft bei der angeblichen „vorzeitigen“ Entrückung.
      Beachte auch, was in 1 Korinther 15 nicht besprochen wird. Paulus sagt nicht, dass Jesus im Geheimen kommt und dass nur seine Heiligen ihn sehen werden. Paulus sagt auch nicht, dass das Kommen Jesu und die damit einhergehende Auferstehung und Verwandlung der Lebenden vor der großen Trübsal stattfindet. Paulus sagt auch nicht, dass Jesus nach der Auferstehung und der Verwandlung der lebenden Heiligen für weitere sieben Jahre in den Himmel zurückkehren wird. (Im Übrigen können wir hinzufügen, dass Paulus hier auch nicht von einer tausendjährigen Herrschaft Christi auf der Erde spricht, bevor „er das Reich Gott dem Vater übergibt“.) Mit anderen Worten: In 1 Korinther 15 wird nirgendwo eine vorzeitige Entrückung gelehrt.

      T. L. Frazier – Ein zweiter Blick auf die Wiederkunft – Die Spekulationen sortieren

      In mehreren Versen des Neuen Testaments wird von der moralischen Erneuerung des Gläubigen im Hinblick auf das Bild Gottes gesprochen. In Kolosser 3,10 heißt es zum Beispiel, dass die Gläubigen „das neue Selbst angezogen haben, das in der Erkenntnis erneuert wird nach dem Bild seines Schöpfers“. Hier ist der Schöpfer des neuen Selbst Gott (oder vielleicht Christus); und das Bild des Schöpfers ist der Maßstab und das Ziel der moralischen Erneuerung, die Gott in seinem Volk bewirkt. Epheser 4,24 ist ähnlich: Die Gläubigen sind gelehrt worden, „das neue Selbst anzuziehen, das nach dem Ebenbild Gottes [wörtlich: nach Gott geschaffen ist] in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“.

      In diesem Sinne ist das „Bild Christi“ der Maßstab in Römer 8:29: „Diejenigen, die [Gott] vorhergesehen hat, hat er auch vorherbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden. Ähnlich heißt es in 1. Korinther 15,49: „Wie wir [die Gläubigen] das Bild des Menschen aus der Erde getragen haben, so werden wir auch das Bild des Menschen im Himmel tragen.“ Der Staubmensch ist Adam, der Himmelsmensch ist Christus (siehe V. 47); und das Bild eines von beiden zu tragen, bedeutet, ihm gleich zu sein (siehe V. 48).

      Betrachten wir nun die Bedeutung der in 1. Mose 1,26 verwendeten Wörter „Bild“ und „Gleichnis“. Der Begriff „Bild“ wird im Allgemeinen für eine feste Darstellung von etwas verwendet: In 1. Samuel 6,5 zum Beispiel machen die Philister „Bilder“ – kleine goldene Figuren – von ihren Tumoren und von den Mäusen, die sie plagen. In Hesekiel 23,14 sah die mutwillige Oholiba (Figur für Juda) „Menschen an der Wand, die Bilder der Chaldäer mit Zinnoberrot“; diese Bilder waren Reliefs an der Wand. In Daniel 2:31-33 und 3:1 wird das entsprechende Wort im Aramäischen für kolossale Statuen verwendet. Oft handelt es sich bei dem Bild um ein Götzenbild, wie in Numeri 33,52 (aus gegossenem Metall); 2. Könige 11,18; Amos 5,26; Hesekiel 7,20 (und wahrscheinlich 16,17).

      Andererseits ist „Gleichnis“ ein allgemeineres Wort für „Ähnlichkeit“, ohne zu sagen, um welche Art von Ähnlichkeit es sich handelt (das ergibt sich aus dem Kontext). Das Wort wird oft in Vergleichen verwendet, wie in Jesaja 13,4, wo „wie eine große Schar“ wörtlich „die Ähnlichkeit einer großen Schar“ bedeutet. Siehe auch Jesaja 40:18, „was für ein Bild“ willst du mit Gott vergleichen (vergleiche auch Hesek 1:5, 10). In Daniel 10:16 „berührte einer, der den Menschenkindern ähnlich war, [Daniels] Lippen“ – das Engelwesen sieht aus wie ein Mensch. An einer Stelle ist das „Abbild“ ein geschnitztes, „Kürbisfiguren“ (2. Chronik 4,3).

      Aber in Genesis 1:26 stehen die Worte „Bild“ und „Gleichnis“ nicht für sich allein, sondern in Verbindung mit den Präpositionen „nach dem Bilde“ und „nach dem Bilde“: Können wir Beispiele für unsere Worte in diesen Kombinationen finden, damit wir wissen, was die Ausdrücke bedeuten? Es gibt nicht viele solcher Beispiele, aber sie sind hilfreich. Psalm 58,4 zum Beispiel, „sie haben Gift wie das Gift der Schlange“, heißt wörtlich „sie haben Gift wie das Gift der Schlange“. Daniel 10:16, „einer, der den Menschenkindern ähnlich ist“, heißt wörtlich „einer, der den Menschenkindern ähnlich ist“, und ist gleichbedeutend mit „einer, der den Menschenkindern ähnlich ist“. Wenn wir schließlich Genesis 5:1-3 betrachten, das auf Kapitel 1 aufbaut, sehen wir, dass die Präpositionen mit „Bild“ und „Gleichnis“ vertauscht sind:
      1 Als Gott den Menschen schuf, schuf er ihn als Abbild [Gegensatz 1:26, nach dem Abbild] Gottes. 2 Er schuf sie als Mann und Frau und segnete sie und gab ihnen den Namen Mensch, als sie geschaffen wurden. 3 Als Adam 130 Jahre gelebt hatte, zeugte er einen Sohn nach seinem Ebenbild [vgl. 1:26 nach dem Ebenbild, nach der Ähnlichkeit] und nannte ihn Seth.

      Aus diesen Beispielen können wir ersehen, dass die Aussage „A ist nach dem Bilde des B“ dasselbe ist wie „A ist wie B“. Außerdem können wir aus der Art und Weise, wie die Präpositionen zwischen Genesis 1:26 und 5:1-3 vertauscht werden, erkennen, dass „im Bilde/Gleichnis“ und „nach dem Bilde/Gleichnis“ von der Bedeutung her ziemlich nahe beieinander liegen, wenn nicht sogar gleichwertig sind. Wir können also annehmen, dass die Aussage „A ist nach dem Bilde des B“ ungefähr dasselbe bedeutet wie „A ist eine konkrete Ähnlichkeit mit B“. Sie können sehen, wie dies den Sinn von Genesis 5:3 ergibt: Seth ist genau wie Adam, und er ist ein konkretes Ebenbild von ihm. Daher können wir Genesis 1:26 wie folgt umschreiben:
      „Lasst uns den Menschen zu unserem konkreten Ebenbild machen, damit er uns gleicht“.

      Der beste Weg, all dies in Genesis 1,26 zusammenzufassen, ist zu sehen, dass „nach unserem Bild“ und „nach unserem Ebenbild“ zwei Beschreibungen derselben Sache sind, und sie dienen dazu, einander zu verdeutlichen: Der Mensch ist ein körperliches Geschöpf, das Gott ähnlich ist – und zwar auf eine Weise, wie es kein anderes körperliches Geschöpf ist.

      Und in welcher Hinsicht ist dieser Mensch „wie Gott“? Die Bibel gibt uns keinen Anlass zu der Annahme, dass es nur an dem liegt, was der Mensch tut, und nicht an dem, was er ist; vielmehr drückt das, was er tut, aus, was er ist – genauso wie wir aus dem, was er tut, Rückschlüsse auf die Art und Weise ziehen können, wie Gott ist. In 1. Mose 1-2 sehen wir zum Beispiel, wie Gott seine Intelligenz in der Art und Weise zum Ausdruck bringt, wie er die Welt als idealen Ort für den Menschen zum Leben und Lieben entworfen und vorbereitet hat; diese Intelligenz ist mit energischer Kreativität verbunden. Wir sehen, wie Gott Sprache zum Ausdruck bringt, wenn er sagt: „Es werde …“. Aus der Art und Weise, wie Gott sieht, dass die Dinge, die er erschafft, „gut“ sind, sehen wir sowohl, dass Gott selbst moralisch ist, als auch, dass er Schönheit schätzt – da das Wort „gut“ beide Bereiche des Denkens abdeckt. Dabei sollten wir den siebten Tag nicht vernachlässigen, an dem Gott seinen Sabbat genießt, ihn segnet und heiligt. In ähnlicher Weise drückt Gott seine Beziehungsnatur in der Art und Weise aus, wie er eine Beziehung zum Menschen aufbaut (Gen 2,15-17), sowie in seiner Sorge, dass der Mensch eine Partnerin hat, die zu ihm passt, damit er nicht „allein“ ist (Gen 2,18). Natürlich sind diese Eigenschaften bei Gott nicht durch Zeit, Raum oder Veränderung begrenzt – und in dieser Hinsicht ist der Mensch als körperliches Geschöpf nicht wie Gott.

      All dies deutet auf eine Version der Ähnlichkeitsbetrachtung hin: Merkmale der menschlichen Natur ähneln Gottes eigener Natur. Wie können wir uns das vorstellen? Denken Sie an die Art und Weise, wie Sie ein Bild einer Szene zeichnen, z. B. eine Straße in einer Stadt: Sie stellen die Straße als zwei Linien dar, die ineinander übergehen, Sie verwenden spitze Winkel, um die Ecken von Gebäuden darzustellen, und so weiter. Oder stellen Sie sich vor, Sie reduzieren Beethovens Neunte Symphonie für Klavier. Dieselbe Klaviertaste muss die Arbeit einer Reihe von symphonischen Instrumenten übernehmen. Das zweidimensionale Bild ist also „nach dem Bilde, nach dem Bilde“ der dreidimensionalen Szene; das Klavierstück ist eine verkleinerte Darstellung der Sinfonie. Wie der Kommentator Derek Kidner es ausdrückte, ist der Mensch ein Ausdruck oder eine Übertragung des ewigen, unkörperlichen Schöpfers in die zeitliche, körperliche, geschöpfliche Existenz.

      Im Gegensatz zu den anderen Tieren hat der Mensch die Fähigkeit zur Vernunft, einen Willen, das zu wählen, was ihm gefällt, eine Sprache, einen moralischen Sinn, die Fähigkeit, Schönheit zu schaffen und zu genießen, und die Fähigkeit, Beziehungen einzugehen, die von Liebe und Bindung bestimmt sind. Andererseits sind wir endlich, wir sind durch die Zeit begrenzt und wir verändern uns (in dieser Hinsicht sind wir wie die anderen Tiere). Wir können also sagen, dass der Mensch eine Analogie zu Gott ist.

      Bei den ersten Menschen, die aus Gottes Hand stammten, waren diese Eigenschaften auch völlig im Einklang mit Gottes eigenem heiligen Willen und Wohlgefallen – was bedeutete, dass die Ehe voller Glückseligkeit und Harmonie war, der Gottesdienst voller Freude und Erfüllung und die Arbeit voller Freude und Fürsorge. Nichts in meiner Erfahrung stimmt damit überein, und ich bin bereit zu wetten, dass es bei Ihnen genauso ist. Was ist geschehen, wo sind all diese Glückseligkeit und Reinheit geblieben, und gibt es Hoffnung für uns, geheilt zu werden? Wir werden das im nächsten Kapitel genauer besprechen, aber zumindest können wir jetzt schon ein paar Dinge feststellen. Erstens können wir sehen, warum der „weite Sinn“ und der „enge Sinn“ des Bildes uns helfen: Der weite Sinn beschreibt die Fähigkeiten des Menschen, die denen unseres Schöpfers entsprechen, während der enge Sinn den Menschen mit all diesen Fähigkeiten beschreibt, die ganz im Einklang mit unserem Schöpfer stehen und daher den Charakter unseres Schöpfers besser widerspiegeln. Zweitens erklärt dies, warum das Neue Testament sowohl Christus als Ebenbild Gottes bezeichnet als auch seinen Charakter als Ziel für unsere eigene Erneuerung und unser Wachstum in der Gnade darstellt. Christus, als vollkommener Mensch, stellt den Charakter Gottes so vollständig dar, wie es der Mensch nur kann; und er zeigt uns auch, was Gott in seiner unaussprechlichen Liebe aus den Christen machen will, um ihre gegenwärtige Verunreinigung zu beseitigen.

      C. John Collins – Wissenschaft und Glaube – Freunde oder Feinde?

      Die Bedeutung ist klar: wie wir das Bild des Irdischen in dieser Welt getragen haben, so werden wir das Bild des Himmlischen in der nächsten Welt tragen. Es ist ziemlich umwerfend zu denken, daß Millionen Menschen von Adam abstammen und so sind wie er, denselben Körper und dieselbe Natur besitzen, und dennoch wird uns gesagt, daß es keine zwei Menschen gibt, die sich exakt gleichen. Im allgemeinen wird ein Mensch an seinem Gesicht erkannt, und das ist eine unglaubliche Leistung des Schöpfers. So werden wir in der Auferstehungswelt Leiber haben, wie Sein Leib, uns des Lebens erfreuen, das in ganzer Fülle da sein wird, dennoch wird jeder als eine eigenständige Persönlichkeit erkennbar sein. Dann werden wir dem Bild Seines Sohnes gleichgestaltet sein (Röm 8,29)

      Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

      Diese Verse (15,48-49) erklären die Schöpfungs „menschen“. Sie verkörpern jeweils alle Menschen, der erste Adam verkörpert die lebendigen Menschen, die aus Erde gemacht sind, der zweite Adam die Kinder Gottes, die „Himmlischen“. Dass die Auferstandenen „Himmlische“ genannt werden, drückt den gleichen Gedanken aus wie das Zitieren von Ps 82,6 in rabbinischer Auslegung (s. o. zu 15,45).
      In 15,49 bleibt Paulus im Rahmen dieser Deutung von 15,48, wendet sie nun aber konkret an: „Wir“, der Körper des Messias, sind Bild / eikon des ersten und des zweiten Adam. Was er mit „Bild“ meint, ist bereits durch 15,48 klar: der Schöpfungsmensch repräsentiert kollektiv die Menschheit. Neu ist aber, wie Paulus nun die Gemeinde sieht: sie trägt (ephoresamen Indikativ Aorist) das Bild Adams und sie will das Bild des himmlischen Menschen tragen. Dabei habe ich die textlich besser bezeugte Lesart Aorist Konjunktiv bevorzugt: „lasst uns tragen …“. Wenn die schwächer belegte Lesart „Wir werden tragen …“ bevorzugt wird, sollte daraus noch nicht auf eine jenseitige Auferstehung im Sinne einer linearen Zeit geschlossen werden. Diese Vorstellung ist Paulus ohnehin fremd. Die rabbinische Auslegung hilft, hier Paulus zu erläutern: Durch das Halten der Tora geschieht Auferstehung. Dies ist das paulinische Evangelium, wie er es immer wieder erklärt. Die Auferweckung des Messias öffnet den Weg in das Halten der Tora und in die Auferstehung (vgl. Röm 6,4). Die für heutige Menschen hier naheliegende Frage ist: Und was bedeutet das für mich, wenn ich dann tot bin? – Diese Frage hat Paulus nicht verhandelt, weil er sich der Leben schaffenden Geistkraft Gottes anvertraut hatte. Diese Frage war dadurch nicht (mehr) wichtig.

      Schottroff – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

      Paulus muß ein für die Korinther durchaus naheliegendes Mißverständnis abwehren und betonen: ‘Bislang gibt es nur einen himmlischen Menschen, Christus; wir werden erst dereinst zu himmlischen Menschen, wenn wir nämlich Christi Bild anlegen.’ Wie aber ist der Aorist in der ersten Vershälfte näherhin zu verstehen? Wird die Existenz der Glaubenden als ein Zwischensein gedacht: Der Vergänglichkeit, mit der Adam seine Nachkommen prägte, sind die Christen bereits entnommen, während das Anlegen der εἰκών des Himmlischen aber noch aussteht? Oder aber formuliert Paulus nicht eher vom Standpunkt des Eschaton aus: ‘Wie wir bis dahin das Bild Adams (vgl. Gen. 5,3) getragen haben, so werden wir dann das Bild Christi tragen’? Die Gegenwart auch des Christen ist noch, jedenfalls hinsichtlich des “Todesleibes”, von Adam geprägt (vgl. V.22), auch er bedarf der Auferweckung durch Gott. – Paulus verbindet zwei Vorstellungen miteinander, die des Gewandes (“tragen”) und die des Bildes; beide beziehen sich auf das σῶμα (vgl. V.53f.; 2.Kor. 5,2–4). Das Verständnis des Leibes als Gewand findet sich auch Hiob 10,11; syr. Bar. 49,3; b. Schab. 152b. Der Gebrauch der Gewandvorstellung ist bei Paulus vermutlich auf alttestamentlichem Hintergrund zu verstehen, wo sie “auf etwas angewendet (wird), was die Existenz bzw. das Handeln des Bekleideten bezeichnet”378 (vgl. Ri. 6,34; Jes. 51,9; 61,10; Ps. 35,26; 93,1; 2.Chron. 6,41; Hiob 29,14; Sir. 27,8; Ps. Sal. 11,7; Bar. 5,1; Luk. 24,49; Aboth 6,1 [Die Tora bekleidet den, der sich mit ihr beschäftigt, mit dem Kleid der Demut und der Gottesfurcht] und insbesondere die Redeweise von den “weißen Kleidern” in der Apokalyptik Hen. 62,15f.; slaw. Hen. 22,8; Offb. 3,4f.18 u. ö.). – In der εἰκών verkörpert sich das Wesen. Die Ausdrucksweise “die εἰκών tragen” versteht das σῶμα also nicht als etwas Äußerliches. Tragen die Glaubenden bislang das Bild Adams, sind sie also in ihrer wahrnehmbaren Existenz von seinem vergänglichen Wesen bestimmt, so werden sie dereinst vom Wesen des erhöhten Christus geprägt werden, ein ihm gleichgestaltetes σῶμα erhalten (vgl. Phil. 3,21; Röm. 8,29). Bemerkenswert ist, daß Paulus jetzt im Wir-Stil formuliert; er hat also nicht nur das Schicksal der verstorbenen Christen im Blick, sondern bezieht auch die bei der Parusie lebenden mit ein. Für alle Glaubenden gilt die Teilhabe an der eschatologischen Leiblichkeit Christi. Somit ist der folgende, abschließende Gedankengang vorbereitet.

      Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament – Der erste Brief des Paulus an die Korinther

      15,48.49 Diese Verse erklären die Schöpfungs„menschen“. Sie verkörpern jeweils alle Menschen, der erste Adam verkörpert die lebendigen Menschen, die aus Erde gemacht sind, der zweite Adam die Kinder Gottes, die „Himmlischen“. Dass die Auferstandenen „Himmlische“ genannt werden, drückt den gleichen Gedanken aus wie das Zitieren von Ps 82,6 in rabbinischer Auslegung (s. o. zu 15,45).
      In 15,49 bleibt Paulus im Rahmen dieser Deutung von 15,48, wendet sie nun aber konkret an: „Wir“, der Körper des Messias, sind Bild / eikon des ersten und des zweiten Adam. Was er mit „Bild“ meint, ist bereits durch 15,48 klar: der Schöpfungsmensch repräsentiert kollektiv die Menschheit. Neu ist aber, wie Paulus nun die Gemeinde sieht: sie trägt (ephoresamen Indikativ Aorist) das Bild Adams und sie will das Bild des himmlischen Menschen tragen. Dabei habe ich die textlich besser bezeugte Lesart Aorist Konjunktiv bevorzugt: „lasst uns tragen …“. Wenn die schwächer belegte Lesart „Wir werden tragen …“ bevorzugt wird, sollte daraus noch nicht auf eine jenseitige Auferstehung im Sinne einer linearen Zeit geschlossen werden. Diese Vorstellung ist Paulus ohnehin fremd. Die rabbinische Auslegung hilft, hier Paulus zu erläutern: Durch das Halten der Tora geschieht Auferstehung. Dies ist das paulinische Evangelium, wie er es immer wieder erklärt. Die Auferweckung des Messias öffnet den Weg in das Halten der Tora und in die Auferstehung (vgl. Röm 6,4). Die für heutige Menschen hier naheliegende Frage ist: Und was bedeutet das für mich, wenn ich dann tot bin? – Diese Frage hat Paulus nicht verhandelt, weil er sich der Leben schaffenden Geistkraft Gottes anvertraut hatte. Diese Frage war dadurch nicht (mehr) wichtig.

      Schottroff – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament – Der erste Brief an die Gemeinde in Korinth

      Durch ihn haben wir den PIN-Code für das Türschloss zum Himmel

      durch welchen wir mittelst des Glaubens auch Zugang haben (Eig erhalten haben (und noch besitzen)) zu dieser Gnade, (O. Gunst) in welcher wir stehen, und rühmen uns in der (O. auf Grund der, über die) Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.
      Elberfelder 1871 – Römer 5,2

      Er öffnete uns den Weg des Vertrauens und damit den Zugang zur Gnade Gottes, in der wir jetzt festen Stand gewonnen haben. Nun haben wir Grund, uns zu rühmen, weil wir die gewisse Hoffnung haben, dass Gott uns an seiner Herrlichkeit teilnehmen lässt.
      Gute Nachricht Bibel 2018 – Römer 5:2

      durch welchen wir auch den Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darin wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll.
      Luther Studienbibel – Röm 5,2

      Durch ihn haben wir freien Zugang zu der Gnade bekommen, die jetzt die Grundlage unseres Lebens ist, und im Glauben nehmen wir das auch in Anspruch. Darüber hinaus haben wir eine Hoffnung, die uns mit Freude und Stolz erfüllt: Wir werden einmal an Gottes Herrlichkeit teilhaben.
      Neue Genfer Übersetzung 2013 – Röm 5:2

      Durch ihn haben wir aufgrund unseres Vertrauens jetzt auch freien Zugang zu dieser Erfahrung der Gnade Gottes. In ihr stehen wir fest und verlassen uns voller Stolz auf die Hoffnung auf Gottes wunderbare Herrlichkeit.
      Roland Werner – Das Buch – 2009 – Römer 5,2

      über Ihn haben wir auch schon im Glauben Zugang zu dieser Gnade erhalten, durch die wir standhaft sind, und so sind wir stolz auf eine Erwartung von Gottes Herrlichkeit.
      Andreas Eichberger – Gottes Agenda – Römer 5:2

      (erstes) auch. προσ-αγωγή Zugang, Zutritt. ἐ-σχήκαμεν Pf. ἔχω; wir haben (bleibend; vgl. A231,1) erlangt/erhalten. τῇ πίστει dat. causae (A177) auf Grund des Glaubens. ἑστήκαμεν Pf. ἵσταμαι; ἐν ᾗ ἑστήκαμεν in der wir (jetzt) stehen, die jetzt unser Leben bestimmt (GN). καυχάομαι intr. sich rühmen ἐν einer Sache, hier ἐπί wegen/auf Grund von. τῆς δόξης gen. obi. (A158). τοῦ θεοῦ gen. auctoris (A153); vgl. 3,23 (die Herrlichkeit, die dem Sünder fehlt) u. 8,17f.21.30 (die ihm verheißen ist); ἐπʼ ἐλπίδι τῆς δόξης τοῦ θεοῦ wegen/auf Grund der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes (die Gott gibt).

      Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

      Außerdem haben wir »Zugang« zu einer unbeschreiblichen Vorrechtsstellung vor Gott. Wir sind in dem Geliebten angenommen, deshalb stehen wir Gott so nahe und werden von ihm wie sein eigener Sohn geliebt. Der Vater streckt auch uns das goldene Zepter entgegen (als Zeichen der Wohlannehmlichkeit, Anm. d. Übers.) und heißt uns als Kinder, nicht als Fremde, willkommen. »Diese Gnade« bzw. diese Gnadenstellung umfasst jeden Aspekt, wenn es um uns als diejenigen geht, die von Gott herzugerufen worden sind. Es ist eine Stellung, die so vollkommen und dauerhaft ist, wie die Position Christi, weil wir in Christus sind.
      Als ob das nicht genug wäre, »rühmen« wir uns auch »in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes«. Das bedeutet, dass wir freudig der Zeit entgegensehen, wenn wir nicht nur die ganze Herrlichkeit Gottes sehen, sondern selbst auch in Herrlichkeit dargestellt werden (s. Joh 17,22; Kol 3,4). Wir können die volle Bedeutung dieser Hoffnung hier auf Erden nicht erfassen, auch werden wir das Staunen darüber in alle Ewigkeit nicht verlernen.

      MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

      Komisch, für den letzte Satz finde ich keine Bibelstelle 🙂

      Für den, der auf dem Rechtsgrund des Todes Christi glaubend Fuß fasste, entfaltet sich Heil. Nunmehr gerechtgesprochen aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott. Bei »Friede«, biblisch gedacht, geht es immer ums Ganze und Umfassende. Der gerechtsprechende Gott tut nichts Halbes. Alles kommt in Ordnung. Das erfahren wir nicht durch das, was wir sind und haben, sondern durch unsern Herrn Jesus Christus als einen Raum der Gnade, in dem wir stehen. Dieser Raum ist nicht von allen Seiten lässig zu betreten, sondern hat einen bestimmten Zugang, wie z.B. einst der Tempelbezirk in Jerusalem. Dessen Tore trugen den Namen »Tore der Gerechtigkeit« (Ps 118,19–20; Jes 29,2); nur Gerechte durften nahen. So stockte der festliche Pilgerzug vor dem Tor und stellte sich der Überprüfung durch den Priester (Ps 15; 24). Nur wer als gerecht erfunden wurde, erhielt Einlass zum Raum göttlicher Gegenwart. Im Rahmen dieser Vorstellung sah die Urchristenheit auch ihre Gerechtsprechung durch Christus. Er führt hinein zu Gott, ja istb in Person unser Zugang zum Stand in der Gnade. Dass Christus hier als Herr bezeichnet wird, lenkt den Blick speziell auf den Erhöhten. Er war nicht nur unser Friede am Kreuz, sondern tritt auch gegenwärtig und bis hin ins Endgericht als unser Bürge vor Gott hin und bewahrt uns den Frieden Gottes (4,25; 8,34). Das alles gilt selbstverständlich im Glauben, wie Paulus in V. 1 und 2 noch einmal als unverlierbare Voraussetzung einschiebt.
      Jedem Menschen droht das Misslingen seines Lebens. Die Glaubenden aber erfüllt Zuversicht: und rühmen uns der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes. Schon zu 3,27 wurde dargelegt, dass die Bibel solches Sich-Rühmen nicht einfach als Angeberei abtut. Es ist notwendiges Merkmal menschlichen Daseins. Nicht der geknickte, sondern der strahlende Mensch, der zu siegen weiß und einmal tatsächlich sieggekrönt dastehen soll (8,37), ist Gottes Ziel. Wie wird der Mensch Sieger? Er strahlt, wenn Gott strahlt. Wenn einmal »das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit« endgültig Gottes sein wird, wird das auch die Mitverherrlichung aller sein, die in Christus sind (8,17.30; Phil 3,21).

      Adolf Pohl – Wuppertaler Studienbibel

      Darum ist unser Friede mit Gott ganz und gar die Gabe Jesu. 5,2a: Durch den wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade erlangt haben, durch die wir stehen. Mit der Sendung Jesu in die Welt und seiner Erhöhung aus dem Tod in die Herrlichkeit ist noch nicht alles getan, was zu unserer Rettung geschehen muß. Es müssen uns weiter die Wege geöffnet werden zu Christus bin, so daß wir die Gnade hören, merken und fassen können. Durch die Verkündigung des Evangeliums, durch den Dienst der Apostel, durch die Arbeit der Kirche, im Zusammenwirken innerer und äußerer Erlebnisse und Führungen werden wir hinzugeleitet zur Gnade, die uns im Christus bereitet ist. Auch diese Hinzuführung ist sein Werk. Sie bildet die Fortsetzung seiner Arbeit auf Erden, die immer wiederholte Erneuerung seines Rufs: Kommt her zu mir alle, den er nun als der Verherrlichte ins Werk setzt mit einer die Welt umfassenden Tätigkeit. Dadurch verschafft er uns die Aufrichtung aus unserem Fall und die Bewahrung vor dem uns verderbenden Sturz; nun stehen wir.
      Deshalb geht uns der Mund auf zum freudigen Ruhm. 5,2b–5: und wir rühmen uns wegen der Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit; aber nicht bloß das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, da wir wissen, daß die Bedrängnis Standhaftigkeit zustande bringt, die Standhaftigkeit aber Bewährtheit, die Bewährtheit aber Hoffnung; die Hoffnung aber beschämt nicht, weil Gottes Liebe in unsere Herzen durch den heiligen Geist ausgegossen ist, der uns gegeben ist. Wir rühmen uns der Gerechtigkeit, darum aber auch der Herrlichkeit Gottes. Was die Lebensfülle Gottes bildet, das läßt Paulus unzerteilt. Wo Gerechtigkeit ist, da ist Herrlichkeit. Wird die Gerechtigkeit für uns wirksam zur Rechtfertigung, so steigt auch die Herrlichkeit zu uns herab uns zur Verherrlichung. So erlebt es schon der Sünder, daß er um seiner Ungerechtigkeit willen auch der Herrlichkeit verlustig geht, vgl. 3,23. So sehen wir es an Christus, den die Gerechtigkeit Gottes in den Tod gegeben und darum die Herrlichkeit Gottes auferweckt hat, vgl. 6,4. So handelt Gott auch an uns, den Glaubenden, als der Einige und Unteilbare, der seine Herrlichkeit nicht vergißt, wenn er sich zu uns kehrt, sondern uns in sie kleidet, daß wir ein Abglanz und Abbild werden seiner Herrlichkeit. Daß wir ungeteilt lassen, was Gottes ist, in der Gewißheit, daß wir Jesu wegen den ganzen Gott für uns haben, das eben ist des Glaubens Art.
      Dies ist Hoffnung, vorerst noch nicht mehr. Denn Christus kam zwar als der Diener der göttlichen Gerechtigkeit, aber noch nicht als der Bringer der göttlichen Herrlichkeit. Darauf warten wir. Aber schon dies ist ein großer Gewinn, daß wir nun hoffen lernen. Solange wir fern von Gott sind, wissen wir gar nicht, was hoffen heißt. Wir hegen wohl beständig Bilder und Träume von Glück und Lust in uns; aber sie haben stets den inneren Zeugen wider sich, der sie als Traum kennzeichnet und unsere Erwartungen widerlegt. Und die wahrhaftigen Güter schauen uns, ehe der Glaube erwacht, leer und frostig an; sie erwecken unser Verlangen nicht. Erst glaube; dann wirst du sehen, was hoffen heißt, eine Hoffnung, deren man sich rühmt, weil sie eine lebendige und wahrhaftige Hoffnung ist.
      Die Gegenwart unseres Lebens steht freilich oft genug zu unserer Hoffnung in hartem Widerstreit. Not bedrängt uns, nicht nur die natürlichen Schmerzen des leiblichen Lebens, sondern noch mehr der Druck, den die Menschen auf uns legen, die sich der Botschaft Jesu widersetzen und alles, was sie an Gott erinnert, mit Leidenschaft bekämpfen, weshalb aus dem Dienst der Christenheit ein sie aufreibender Kampf entsteht. Paulus kannte ja diese Trübsal aus besonders reichlicher Erfahrung; sein Christenleben war ein beständiger Leidenslauf. Aber auch das erschüttert unsere Hoffnung nicht, sondern befestigt sie. Je mehr Druck, desto mehr Tragkraft; denn unter der Last erstarkt die Kraft. Je mehr ausharrende, tragende Geduld, desto mehr Erprobung; da bewährt sich unser Glaube, daß er nicht Einbildung und Phantasterei ist, sondern ein ernsthaftes Halten und Hängen an Gott. Je mehr Erprobung, desto mehr Hoffnung; sie gibt uns das gute Gewissen zu Gott, das freudige Bewußtsein, daß wir in Aufrichtigkeit mit entschlossenem Willen auf seinem Weg wandeln und seine Hilfe suchen dürfen. Und die Hoffnung bereitet uns keine Enttäuschung. Daß wir umsonst auf Gott hoffen, wenn wir nur wirklich auf ihn hoffen, das ist eine Unmöglichkeit; denn Gott verleugnet sich nicht, und seine Güte bleibt ewig in ihm. So kommt Paulus zu dem Resultat: je mehr Leiden, desto mehr Hoffnung und desto mehr Erfüllung der Hoffnung. Die Trübsal kann allerdings auch die entgegengesetzte Wirkung haben, daß sie Ungeduld wirkt, und die Ungeduld führt nicht zur Bewährung, sondern zum Fall, und der Fall nicht zur Hoffnung, sondern zur Furcht, und die Hoffnungen, die wir uns dennoch einbilden, werden zu Schanden, und die schlimme Ahnung unserer Furcht behält recht. Ob unser Kampf mit der Welt für uns zum Anfang der einen oder anderen Kette von Erlebnissen wird, hängt davon ab, ob wir im Glauben an Christus stehen oder nicht. Für den Glaubenden tritt das Leiden unter die Mittel, die ihm seine Hoffnung kräftigen und dadurch deren Erfüllung herbeiführen. Und darum stellt der Apostel auch die Bitterkeiten, die uns die Menschen bereiten, unter die Dinge, deren wir uns rühmen und freuen, und darin, daß wir auch zum Leiden willig und freudig werden und im Blick auf den Ausgang zu sprechen vermögen: Ich will, Herr, mit dir leiden, bewähren wir, daß unser Streit mit Gott zu Ende ist und wir den Frieden mit ihm haben.

      Schlatters Erlӓuterungen zum Neuen Testament

      Das zweite Ergebnis ist in Vers 2a zu sehen: Durch ihn haben wir auch den Zugang zu dieser Gnade, in der wir stehen, durch den Glauben. Als Folge der Rechtfertigung erhält der Gläubige Zugang zu Gottes Gnade. Dies ist Teil von Paulus‘ Lehre über die Wahrheit der Stellung. Alle Gläubigen sind im Messias. Sie stehen in Gottes Gnade und haben daher Zugang zu seiner Gnade. Ihr geistliches Leben hängt davon ab, wie sie diesen Zugang nutzen. In Hebräer 4,14-16 lehrt der Verfasser, dass diejenigen, die im geistlichen Leben versagen, dies nur tun, weil sie sich die ihnen zur Verfügung stehende Gnade nicht zu eigen machen:
      14 Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jeschua, den Sohn Gottes, lasst uns an unserem Bekenntnis festhalten. 15 Denn wir haben keinen Hohenpriester, der nicht mit unseren Schwächen fühlen kann, sondern einen, der in allen Stücken versucht worden ist wie wir, aber ohne Sünde. 16 Darum lasst uns mit Freimut zum Thron der Gnade treten, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden, die uns hilft, wenn wir in Not sind.

      Kein Gläubiger stolpert jemals im geistlichen Leben aufgrund von Umständen, die er nicht beeinflussen kann. Unabhängig von der Situation, in der er sich befindet, steht ihm genügend Gnade von Gott zur Verfügung. Allerdings muss er sich diese Gnade aneignen. Da er im Messias steht und Zugang zu Gottes Gnade hat, muss er sie auch nutzen.

      Das dritte Ergebnis wird in Vers 2b beschrieben: und wir freuen uns in der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Die Gläubigen haben die sichere Hoffnung auf ihre kommende Herrlichkeit. Dies ist der zukünftige Aspekt der Erlösung (Röm. 8:17), denn die Verherrlichung wird das Endprodukt der Heiligung der Gläubigen sein (Röm. 8:29-30). Da die Rechtfertigung bereits vollzogen ist und die Heiligung im Laufe des Lebens des Gläubigen fortgesetzt wird, ist ihm auch die Verherrlichung sicher. Die Gläubigen werden Gottes Herrlichkeit nicht nur sehen, sondern laut Kolosser 3:4 auch in sie eingehen: Wenn der Messias, der unser Leben ist, offenbart wird, dann werdet auch ihr mit ihm in Herrlichkeit offenbart werden.

      Arnold G. Fruchtenbaum – Ariel’s Bibelkommentar: Römer

      Nachdem Paulus klargemacht hat, daß Frieden mit Gott eine Segnung ist, die den Gerechtfertigten zu eigen ist, führt er nun den Gedanken ein, daß wir »Zugang haben zu dieser Gnade, in der wir stehen«. Auch diese Segnung kommt durch Jesus Christus. Der Ausdruck steht eigentlich im Perfekt, »wir haben Zugang erhalten«, was darauf hindeutet, daß der Zugang geöffnet wurde, als die Rechtfertigung stattfand, und daß er bis jetzt fortbesteht (siehe Fußnote Elberf). Das Wort für »Zugang« ( prosagôgê ) wird in Epheser 2,18 für den Zugang zum Vater gebraucht: »Denn durch ihn haben wir beide den Zugang durch einen Geist zu dem Vater.« Hier betrifft der Gedanke jedoch mehr den Zugang zur Gnade der Rechtfertigung, wie in 3,24 : »… und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christo Jesu ist.« Es kann jedoch auch die grenzenlose Gnade Gottes bedeuten, die sich zu denen erstreckt, die gerechtfertigt werden. Da der Zugang jedoch durch den Herrn Jesus Christus eröffnet ist, gibt es eindeutig auch eine Einführung in die kostenlose Gunst Gottes, die ein dauerhafter Zustand ist.
          Der Apostel betont wiederum, daß dieser Segen nicht verdient wurde; der Zugang wurde durch Glauben erhalten. In einigen Manuskripten fehlt »Glauben«, doch da das Thema mit »gerechtfertigt aus Glauben« (V. 1) verbunden ist, ist dieses Prinzip bereits unumstößlich aufgestellt. Die unverdiente Gunst Gottes ist eine dauerhafte Position. Die Gerechtfertigten sind sicher und können unmöglich von den Segnungen getrennt werden. Wenn Christus für unsere Übertretungen dahingegeben und zu unserer Rechtfertigung auferweckt wurde, ist unsere Stellung vor Gott unantastbar. Nichts kann den Gläubigen von dem trennen, was durch das Werk Christi gewonnen wurde.
          Das »Rühmen« kann hier auf zweierlei Weisen verstanden werden. Entweder heißt es »laßt uns rühmen« (Albrecht) oder »wir rühmen uns« (Elberf u.a.). Der griechische Grundtext kann beides bedeuten. Wiederum ist es die Frage, ob wir es mit einer Ermahnung (»laßt uns rühmen«) oder einer Darlegung (»wir rühmen uns«) zu tun haben. Wie dem auch sei, bezieht sich das Rühmen jedenfalls auf »in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes«. Die Hoffnung ist hier die volle Gewißheit der Freude an der künftigen Offenbarung der Attribute und Charakterzüge Gottes.

      Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

      Wir können mit den üblichen Übersetzungen sagen »Frieden mit Gott« oder nach wörtlicher Übersetzung »zu« Gott, προς τον θεον, pros ton theon, wie in 4,2 (wo es heißt, Abraham habe nichts zu rühmen »vor Gott«, eigentlich »zu Gott hin« [wie in Joh 1,1: »das Wort war zu Gott hin«, pros ton theon]). Das bedeutet: Paulus spricht hier nicht von einem inneren Frieden, von Frieden in der Seele, sondern von einem Frieden, der sich aus der rechten Beziehung zu Gott ergibt. Wir dürfen das nicht verwechseln mit dem »Frieden Gottes«, von dem Paulus in Phil 4,7 spricht. Der Friede mit Gott meint eine ganz neue Beziehung, in die wir getreten sind. Gott ist nicht mehr der Richter, der uns zürnt, wir sind nicht mehr seine Feinde; wir »[haben] die Versöhnung empfangen« (V. 11). Das ist eine objektive, unveränderliche Tatsache. Wir sind durch die Rechtfertigung in diese neue Stellung hineinversetzt. Der Friede Gottes hingegen, der unsere Herzen bewahren soll, bezieht sich auf unseren Zustand, auf etwas Subjektives, das sich ändert je nach unserer gerade gelebten Abhängigkeit von Gott.
      »durch unseren Herrn Jesus Christus«: Gott hat uns gerechtfertigt; er tat es, indem er seinen Sohn zum Sühneort machte durch den Glauben an sein Blut (3,25). Alles kommt von Gott dem Vater, alles ist durch Gott den Sohn. Aus mir heraus und durch mein eigenes Tun kann ich nie zum Frieden mit Gott gelangen. Ich kann mich nicht selbst gerecht machen; einzig durch Glauben an das stellvertretende Sterben Jesu Christi werde ich gerecht vor Gott. So habe ich durch den Herrn Jesus Christus Frieden mit Gott.
      Das ist unser von Gott gegebener Stand. Aber das ist nicht alles. Wir haben »auch Zugang … zu dieser Gnade, in der wir stehen«, d. h. zu allem, was uns in Gnade bereitet und geschenkt ist. Mit »Gnade« ist das Stichwort gegeben, welches das ganze Kapitel 5 dominiert (V. 15–17.20–21). In dieser Gnade stehen wir; denn was Gott sich in seiner Gnade vorgesetzt, uns geschenkt und an uns gewirkt hat, ist so fest und unwandelbar wie Gott selbst. Zu dieser Gnade gehört, dass wir Zugang haben zu Gott. Wir dürfen ihm mit Zuversicht nahen, denn unsere Sünden stehen nicht mehr zwischen Gott und uns; wir sind gereinigt vom bösen Gewissen (Hebr 10,22), es klagt uns nicht mehr an.
      Das Wort »Zugang«, προσαγωγη, prosagōgē, steht auch in Eph 2,18: »Durch ihn haben wir beide den Zugang durch einen Geist zu dem Vater«, und dann nur noch in Eph 3,12. Durch den Geist können wir Gott dem Vater freimütig nahen, da wir wissen und auch empfinden, dass wir als seine Kinder von ihm geliebt sind. Darum brauchen wir um nichts besorgt zu sein, sondern wir bringen unsere Anliegen mit Gebet und Danksagung vor Gott, und »der Friede Gottes« bewahrt unser Herz und unseren Sinn (Phil 4,6–7). Gottes Thron ist uns nicht mehr ein Thron des Gerichts (siehe Ps 97,2–3; Offb 20,11–12), sondern ein Thron der Gnade (Hebr 4,16). In seiner ganzen Macht – dafür steht der Thron – ist Gott für uns. Darum finden wir vor ihm stets die Hilfe, die wir benötigen. Wie wunderbar!
      Da Gott selbst uns gerecht gesprochen und der Sohn Gottes unsere Gerechtigkeit gewirkt hat, ist das Heil sicher. Wir stehen nunmehr in der Gnade, nicht mehr unter Gottes gerechtem Zorn; wir sind nicht mehr unter der Gewalt der Sünde und des Todes, sondern wir haben als Gerechtfertigte Leben, und dieses Leben findet seinen höchsten Ausdruck und seine letzte Verwirklichung in der »Herrlichkeit Gottes«, in der Teilhabe am Wesen Gottes selbst. Mit der Sünde hatten wir die Herrlichkeit Gottes verloren (3,23); mit der Befreiung von der Schuld und Macht der Sünde, wird uns die Herrlichkeit wieder gegeben. Da wir nun den Zugang haben zur Gnade und damit zu allem, was uns der Vater in Christus bereitet und mit der Gabe des Sohnes geschenkt hat (8,32), sind wir der Vollendung des Heils so gewiss, dass wir »[uns] rühmen … der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes«.
      Da wir als Gerechtfertigte noch in dieser Welt sind und einen langen Weg vor uns haben, bis wir beim Herrn in der Herrlichkeit sind, spricht Paulus von der Hoffnung der Herrlichkeit. Hoffnung steht in der Bibel für die Gewissheit zukünftiger Segnungen. Diese sind gewiss, doch sie sind noch nicht eingetreten; wir sehen sie noch nicht, darum hoffen wir noch (siehe 8,24–25), und während wir in der Hoffnung ausharren, rühmen wir uns bereits der kommenden Herrlichkeit.
      Rühmt man sich eines noch unsicheren Besitzes? Paulus zeigt schon im ersten Satz dieser drei Kapitel, dass die Rechtfertigung unfehlbar zur Verherrlichung führt, indem er Rechtfertigung und Verherrlichung direkt miteinander verbindet. Wir sind jetzt gerechtfertigt; wir haben daher jetzt Frieden mit Gott, und wir rühmen uns jetzt der Hoffnung der Herrlichkeit. In den abschließenden Versen von Teil 3 verbindet Paulus Rechtfertigung und Verherrlichung noch einmal. In 8,30 lesen wir: »Welche er … zuvorbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht« (8,30). Gott hat die Rechtfertigung und die Verherrlichung unauflösbar miteinander verbunden. Man kann nicht durch Gott gerechtfertigt sein, ohne auch durch ihn verherrlicht zu sein. Darum sagt Paulus in Röm 8,30: Gott hat uns bereits verherrlicht, obwohl es in unserer Erfahrung noch nicht geschehen ist.

      Benedikt Peters – Der Brief an die Römer

      Jesus Christus hat Frieden gemacht zwischen Gott und uns Menschen – wir wollen bei uns und wir bleiben, denn auch wir heute, die wir glauben, sind in dieses gewaltige Geschehen mit hineingenommen; damit haben „wir im Glauben“, in dieser neuen Atemluft der Freiheit der vertrauenden Kinder, „Zugang“. Hinter diesem Begriff steht ein ganz konkreter Vorgang, nämlich ursprünglich die Erlaubnis, den Tempel zu betreten. Zuerst aber mussten bestimmte Bedingungen der Reinheit und der Sühne erfüllt sein. Durch Jesus ist der „Eintritt“ zur „Gnade“ Gottes geöffnet, ohne alle menschlichen Reinheits – und Sühnebedingungen. Der Glaube genügt. „Gnade“ ist der neue Lebensboden, der Gnadenstand, in dem „wir stehen“. Das „Haben“ als Empfangen vollzieht sich in einem „Stehen“, in einem ständigen Erleben des Handelns Gottes an uns. Es ist nicht nur Friede gemacht, sondern wir leben unter den täglichen Gnadenerweisen Gottes. Als solch Begnadete „rühmen“ wir uns. Das ist etwas ganz anderes als der hohle Selbstruhm des Unversöhnten (vgl. Röm 2,17); es ist das Dankgebet der Gemeinde, die ihrem Herrn zujubelt (vgl. Lk 1,46f.; Lk 10,21). Wir rühmen nicht uns, sondern unser Jubel ist Erwartungsjubel, Hoffnungsruf „der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird“. „Nun“, im Erleben der Gnade Gottes, ist das Angeld der vollen Herrlichkeit Gottes. Luthers Beifügung „die Gott geben wird“, ist so im Griechischen nicht da, trifft aber inhaltlich. Nur wollen wir „Herrlichkeit“ nicht vorschnell auf uns eingrenzen. Es geht zunächst um die Herrlichkeit Gottes, um seine Ehre, die hervortritt, um seine Herrschaft. Das aber ist die Vollendung der Heilsgabe, dass wir teilhaben werden an der Herrlichkeit Gottes. Das ist das Ziel meines Glaubens, nicht zuerst dass ich selig werde – das auch -, sondern dass Gottes Herrlichkeit offenbart wird, und danach auch an mir.

      Gerhard Maier – Edition C

      Wir haben durch Glauben Zugang zu Seiner Gnade (Römer 5,2a): Der Vorhang, der die Menschen im Alten Testament von der Gegenwart Gottes trennte, ist weg. Matthäus berichtet: “Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus” (Römer 27,51). Das Wort “Zugang” beinhaltet die Idee “Eingang zum König durch die Gunst eines anderen”. Als Kinder des Königs, können wir jederzeit zu unserem Vater und zu Seiner Gnade kommen. „Gnade ist hier ein bleibendes, sich fortsetzendes Handeln Gottes am Menschen.
      Wenn man vom ‚Gnadenstand’ spricht, dann darf man nicht vergessen, dass Gott Herr der Gnade bleibt; es kommt in ihm zum Ausdruck, dass der Mensch einen ‚festen Stand erhält’“.
       Wir rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit (Römer 5,2b): Das Wort “Ruhm” spielt eine interessante Rolle in Römerbrief (siehe 2,17.23; 5,2.3. und 11). In 2,23 sagt Paulus: “Du rühmst dich des Gesetzes, und schändest Gott durch Übertretung des Gesetzes?“.
      Jetzt erreichen wir in Christus das Ziel, das Gott mit uns bei der Schöpfung hatte. Wir haben nur in Christus Grund zum Ruhm. Mac-Donald schreibt: “Das bedeutet, dass wir freudig der Zeit entgegensehen, wenn wir nicht nur die ganze Herrlichkeit Gottes sehen werden, sondern selbst auch in Herrlichkeit dargestellt werden“. In bezug auf diese Herrlichkeit schreibt Paulus etwas später in diesem Brief: „Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll“.
      „Wen eine solche Zukunft erwartet, der hat wahrhaftig Grund zur Freude und zum Stolz“.

      Paul W. Timblin – Der Römerbrief

      Alle Christen werden also an diesem „Ergebnis“ teilhaben! Wir werden alle das Ziel erreichen, dass Jehovah bei der Schöpfung im Sinn hatte: hier auf der Erde! Wir werden den wiederkommenden Christus direkt sehen und sprechen können! Was für eine Hoffnung! Nichts wird uns von IHM trennen!

      sondern sich dadurch auszeichnen, dass sie Gutes tun

      Ebenso will ich, dass die Frauen im Gottesdienst passend angezogen sind. Sie sollen sich mit Anstand und Schamgefühl schmücken anstatt mit auffallenden Frisuren, goldenem Schmuck, Perlen oder teuren Kleidern. Gute Taten sollen ihre Zierde sein. So gehört es sich für Frauen, die zeigen wollen, dass sie Gott ehren.
      Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Timotheus 2,9–10

      Und genauso möchte ich, dass die Frauen sich verantwortungsbewusst und zurückhaltend schmücken (oder dass die Frauen Verantwortungsbewusstsein und Zurückhaltung zu ihrem Schmuck machen.) und mit ihrer Kleidung (oder mit ihrem Verhalten.) keinen Anstoß erregen. Sie sollen nicht durch aufwändige Frisuren ( wörtlich durch Haarflechten.) , Gold, Perlen oder kostspielige Gewänder auf sich aufmerksam machen, sondern sich dadurch auszeichnen, dass sie Gutes tun; das ist der wahre Schmuck von Frauen, die sich zu Gott bekennen und ihn ehren.
      Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Timotheus 2:9–10

      ebenso dass sich ordentlich gekleidete Frauen mit Bescheidenheit und Ausgewogenheit einreihen, nicht mit übertriebenen Geflechten und goldgeschmückt oder mit Perlen oder kostspieliger Garderobe, sondern durch wohltuende Dienste, was sich für Frauen gehört, die sich zur Gottesfurcht bekennen.
      Andreas Eichberger – Gottes Agenda – 1.Tim 2,9–10

      Genauso sollen es auch die Frauen machen, und zwar in angemessener Kleidung. Mit Sinn für das richtige Maß und besonnen sollen sie sich kleiden, nicht mit aufwendigen Frisuren oder mit Gold, Perlen oder verschwenderischer Kleidung. Sondern so, wie es angemessen ist für Frauen, die sich der Ehrfurcht vor Gott verschrieben haben, soll sich ihr wahrer Schmuck in ihren guten Taten für andere ausdrücken.
      Roland Werner – Das Buch – 2009 – 1.Tim 2:9–10

      1Tim 2,9 ὡσ-αύτως in gleicher Weise, ebenso; erg. βούλομαι. γυναῖκας Subj. des AcI, abhängig v. βούλομαι. κατα-στολή Haltung (die sich bes. in der Kleidung ausdrücken kann). κόσμιος11 anständig, würdig [Var. κοσμίως Adv.]. αἰδώς οῦς ἡ Schamhaftigkeit, Schamgefühl. σω-φροσύνη Vernünftigkeit; Besonnenheit, Selbstbeherrschung; Sittsamkeit. κοσμεῖν Inf. κοσμέω in Ordnung bringen; schmücken; Präd. des AcI. πλέγμα3 Geflochtenes, Haarflechten; Pl. hier wohl (aufwendige) Haarflechten; Aufsehen erregende Frisur. χρυσίον Gold, Goldschmuck [Var. χρυσός Gold]. μαργαρίτης1 Perle. ἱματισμός Kleidung. πολυ-τελής7 (sehr) kostbar, teuer. 1Tim 2,10 πρέπω sich ziemen, sich gehören, sich schicken τινί für jmdn. ἐπ-αγγελλομέναις Ptz. -αγγέλλομαι versprechen, von sich ankündigen; sich zu etwas bekennen, m. Akk. (B 2); attr. θεο-σέβεια Gottesfurcht, Gottesverehrung, Frömmigkeit. διά m. Gen. hier mit. 1Tim

      Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

      Als nächstes wendet Paulus sich den Frauen in der Gemeinde zu. Sie sollen inneren Werten den Vorzug vor äußerem Schmuck geben und sich in schicklicher Kleidung … schmücken mit Anstand und Zucht (vgl. V. 15). Es geht hier weniger darum, daß das äußere Erscheinungsbild der Frauen nicht attraktiv sein darf, auch wenn dies möglicherweise mit hineinspielt, sondern eher darum, daß ihr Auftreten einfach, bescheiden, korrekt und frei von Koketterie ist. Die Details, die Paulus erwähnt (Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbare[s] Gewand), sind nicht an sich etwas Schlechtes, sondern nur, wenn sie Ausdruck falscher Wertmaßstäbe ihrer Trägerin sind (vgl. 1 Petrus 3,3). In der Gemeinde von Ephesus wurde ein solcher Schmuck vielleicht mit den Tempeldirnen assoziiert. Die Christen müssen darauf achten, daß nicht die heidnische Kultur ihre Mode bestimmt.
      Statt, wie die Welt es liebt, in äußerlicher Schönheit zu glänzen, soll eine Christin ganz andere Werte zur Schau stellen: sie soll sich mit (wörtlich: „durch“) guten Werken schmücken. Ihr treuer Dienst für Christus wird sie für andere attraktiv machen. Das heißt nicht, daß die Frauen sich bewußt häßlich machen sollen; es ist nur eine einfache Aufforderung, den weltlichen Maßstab für Schönheit beiseite zu lassen und statt dessen den himmlischen anzulegen (1Sam 16,7). Das ist nicht mehr als recht und billig für Frauen, die ihre Frömmigkeit bekunden wollen.

      Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

      Immer hat es Übersetzer und Ausleger gegeben, die das Wort „ebenso“ am Anfang dieser Verse so auffassen, als greife es den ganzen Inhalt von Vers 8 auf, das heißt die Aufforderung des Apostels, dass die Männer überall beten sollen. Diese Auffassung ist jedoch aus zwei Gründen unhaltbar. Erstens sind die Verse 9 und 10 im Griechischen grammatisch so aufgebaut, dass von den Einleitungsworten „ich will“ zwei Infinitivsätze abhängen (die in der Elberfelder Übersetzung durch Nebensätze mit dem Bindewort „dass“ wiedergegeben werden): „Ich will nun, dass die Männer … beten …, ebenso, dass (die) Frauen … sich schmücken …“. Das Wort „ebenso“ schließt sich also sprachlich eindeutig an die Worte „ich will nun“ an. Zweitens steht die Erklärung, der Apostel wolle, dass auch die Schwestern an jedem Ort beten sollten, im Widerspruch zu den übrigen Belehrungen des NT über ihren Dienst. Wir haben bereits bei der Betrachtung von Vers 8 gesehen, dass der Dienst der Frauen aufgrund ihrer Stellung in der Schöpfung nicht der gleiche ist wie der der Männer. So sollen nach 1. Korinther 14,34–35 die Frauen in den Versammlungen schweigen. Damit wird eindeutig die Erklärung ausgeschlossen, dass hier „ebenso … die Frauen“ zum Beten an jedem Ort aufgefordert würden.
      So wie alle gläubigen Männer aufgefordert werden, an jedem Ort in der rechten Haltung zu beten und dadurch ihre Abhängigkeit von Gott zum Ausdruck zu bringen, so wird hier allen Frauen, die sich zur Gottesfurcht bekennen, Schamhaftigkeit und Sittsamkeit auferlegt. In Gottes Wort finden wir von alters her Beispiele für den Drang der Frauen, sich zu verschönern und zu schmücken. Aber schon im AT wird diese Tatsache als eine fleischliche Eigenschaft dargestellt und verurteilt (vgl. 2. Kön 9,30; Jes 3,16–24). Auf diese gefährliche Neigung beim weiblichen Geschlecht wird auch in 1. Petrus 3,3–5 hingewiesen, und zwar speziell im Hinblick auf das Zeugnis vor den Ungläubigen. In unserem Brief handelt es sich um das rechte Verhalten im Haus Gottes. Dies schließt bei den Frauen ein bescheidenes oder ehrbares, anständiges und würdiges Verhalten und Auftreten ein, wozu die äußere Aufmachung in starkem Maß beiträgt. Das Wort „bescheiden“ (griech. kosmios) wird in Kapitel 3,2 bei der Beschreibung der Eigenschaften des Aufsehers mit „sittsam“ übersetzt.
      Wie der Apostel bei der Ermahnung an die Männer hinzufügt: „ohne Zorn und zweifelnde Überlegung“, so hier: „mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit (oder: Besonnenheit)“. Gott will, dass die christliche Frau sich schmückt, aber nur in einer Weise, die Er anerkennen kann. Ein solcher Schmuck soll nicht die Aufmerksamkeit anderer Menschen auf sich ziehen, sondern zu Seiner Freude sein! Das bedeutet, dass der Schmuck in Übereinstimmung mit der Stellung als Gottes Kind ist. Zwei Beispiele für dieses Schmücken in gottgemäßem Sinn möchte ich hier anführen. Die Sklaven werden im Brief an Titus aufgefordert, sich so zu verhalten, „dass sie die Lehre, die unseres Heiland-Gottes ist, zieren (oder: schmücken) in allem“ (Tit 2,10). In Offenbarung 21,2 wird die Versammlung Gottes in der Ewigkeit beschrieben: „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herniederkommen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.“ Der wahre christliche Schmuck dient zur Ehre unseres Gottes! Das kann von „Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung“ wohl nicht gesagt werden, mit denen die Blicke der Menschen auf sich gezogen werden sollen. Es handelt sich hier und in 1. Petrus 3 nicht um eine Modevorschrift, sondern um eine immer und für alle gültige Ermahnung, die in keiner Weise zeitgebunden ist. In der jeweiligen Anwendung mag sie zeitgebunden sein, denn was vor hundert Jahren als unstatthaft bezeichnet wurde, wird heute auch von ernsten Menschen als durchaus sittsam betrachtet. Wenn eine Christin ihren Herrn nicht verunehren will, muss sie aber nein sagen können, wenn die modischen Zeiterscheinungen aufreizend und unsittlich wirken. Es entspräche nicht dem Geist der Gnade und des Evangeliums, über das Wort Gottes hinausgehende Regeln aufzustellen, durch die in anderer Weise die menschliche Aufmerksamkeit erregt würde. Möchten die älteren und jüngeren Schwestern sich nur fragen, ob sie das Wort Gottes ernst nehmen und den Sinn dieser Ermahnungen verstanden haben und auch praktisch befolgen.
      Eine Frau, die sich zur Gottesfurcht bekennt, soll sich nicht durch derartige äußerliche Merkmale, sondern mit guten Werken schmücken. Gute Werke (griech. erga agatha) werden auch in Kapitel 5,10b und als Verb in Kapitel 6,18a erwähnt. Das sind Werke, die in ihren Auswirkungen gut und segensreich sind. Die in Kapitel 3,1; 5,10a; 5,25; 6,18b erwähnten guten Werke (griech. erga kala) sind Werke, die an sich schön, gut und edel sind. Wir sehen in den Evangelien, dass Frauen dem Herrn mit ihrer Habe dienten (Lk 8,3). Maria tat ein gutes Werk, als sie den Herrn salbte (Mt 26,7–10). Denken wir auch an eine Dorkas (Apg 9,39), Maria, die Mutter des Markus (Apg 12,12), eine Lydia (Apg 16,14 und 15). Es gibt viele gute Werke, die am besten von einer Schwester verrichtet werden können. Diese Werke können für den Herrn, für die Seinigen oder auch an Ungläubigen getan werden. Sie sind immer eine Frucht des neuen Menschen und der Abhängigkeit von Gott (Eph 2,10).

      Arend Remmers – Du aber …: Eine Auslegung zum 1. und 2. Timotheusbrief

      Nun wendet sich der Apostel den Frauen zu. Βούλομαι („ich will“) setzt sich hier syntaktisch fort, indem ein weiterer AcI angeschlossen wird, wobei Paulus sich an die Frauen richtet. Dort besteht die Notwendigkeit, auf ein bescheidenes Auftreten (καταστολῇ) zu Sprechen zu kommen. Dies ist nicht allein mit Kleidung (ἱματισμῷ) gleichzusetzen, da diese eigens dem Begriff untergeordnet erscheint. Zu πλέγμασιν vgl. Philo, de somniis 1.204: „τὸν γὰρ τοῦ πλέγματος παντὸς τούτου δημιουργὸν εὑρετὴν τῆς ποικιλτικῆς ἐπινοεῖν εὐθὺς ἐπιστήμης ἀναγκάζομαι“. „Denn ich muss annehmen, dass der Hersteller dieses ganzen Textilgewebes auch der Erfinder aller vielfältigen und variierenden Wissenschaften war“. Dito, 1.206: „καὶ τὸν τούτου τοῦ πλέγματος δημιουργὸν ὁ ἱερὸς λόγος Βεσελεὴλ ἐκάλεσεν“. „Nun nennt die heilige Schrift den Schöpfer dieser Kunstarbeit Bezalael, wobei der Name, wenn er interpretiert wird, im Schatten Gottes bedeutet“. Dito, de Vita Mosis 2.110: „ὁ μὲν οὖν ὑποδύτης ἀμιγεστέρας ἰδέας· ὅλος γὰρ ὑακίνθινος, ἔξω τῶν κατωτάτω καὶ πρὸς ἐσχατιὰς μερῶν, ταῦτα γὰρ ἐποικίλλετο χρυσοῖς ῥοΐσκοις καὶ κώδωσι καὶ ἀνθίνοις πλέγμασιν“. „Das Untergewand hatte nun eine einfachere Form und einen einfacheren Charakter, denn es war ganz aus Hyazinthenfarben, mit Ausnahme der untersten und äußeren Teile, und diese waren mit goldenen Granatäpfeln, Glocken und Kränzen aus Blumen geschmückt“. Flavius Josephus gebraucht das Wort für einen geflochtenen Korb, in dem Mose ausgesetzt wurde. Aelius Herodianus, de prosodia catholica 3.1,168, 11: „δηλοῖ δὲ καὶ πλέγμα τι ἐκ σχοινίων“. „Es ist klar, dass auch Kordeln etwas aus Stricken sind“. Da die Verwendung für Geflecht in Verbindung mit dem äußeren Auftreten erwähnt wird, scheint es um Verzierungen der Kleider mit Kordeln oder wohl eher um Haargeflechte zu gehen, auch wenn das sonst üblicherweise mit dem Zusatz „Haar“ verdeutlicht wird. Vgl. Aelius Dionysius, Onomasticon 10.186,3 für ein Beispiel: „κρωβύλος· πλέγμα τριχῶν“. „Ein Haarknäuel: Geflecht aus Haaren“.

      sondern, wie es sich für Frauen geziemt, die sich zu Gottesfurcht bekennen, durch gute Werke.
      Nachdem Paulus die unpassenden Möglichkeiten für den Schmuck von Frauen aus dem Weg geräumt hat, beschreibt er die passenden, nämlich, wie es für gottesfürchtige Frauen besser geeignet ist, die guten Werke.

      P. Streitenberger – 1. Timotheus

      Was ist zuweilen ihre besondere Gefahr, und worauf haben sie dann demzufolge besonders zu achten? Paulus redet hier von der Neigung zu auffallender Kleidung und von dem Verlangen, in den Vordergrund zu treten.

      Auffallende Kleidung: »Ich will nun …. dass die Frauen in schicklicher Kleidung sich schmücken mit Anstand und Zucht, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarem Gewand, sondern, wie sich ziemt für Frauen, die ihre Frömmigkeit bekunden wollen, mit guten Werken« (V. 8-10).

      Paulus geht davon aus, dass Frauen »sich schmücken«. Es ist nicht falsch, dass auch gläubige Frauen dem ihrer Natur entsprechenden Verlangen folgen, sich zu schmecken. Die Frage ist nur, wie sie das tun. Gott hat seine ganze Schöpfung nicht nur zweckmäßig, sondern auch schön gestaltet. Es ist deshalb durchaus im Sinne Gottes, dass etwa Frauen sich auch »schön machen« wollen. Doch es ist nötig, dass das unter Gott und vor allem um ihm zu gefallen geschieht. Ein Psalmsänger betet: »Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses, Herr, für alle Zeit« (Ps 93,5). Wir als an Jesus Glaubende dürfen mit unserem Leib und Leben »Tempel des Heiligen Geistes« sein (1Kor 6,19). Unserem Herrn wollen wir gefallen und in diesem Sinn »schön« sein. So betet Gerhard Tersteegen: »Lass die Deinen noch auf Erden ganz nach deinem Herzen werden; mache deine Kinder schön!«

      Von »schicklicher« Kleidung ist hier die Rede; würdig, »sittsam«, nicht auffallend soll sie sein. Mit »Anstand«, dem »Schamempfinden gemäß«, mit »Zucht«, mit »wohlbedachter Sittlichkeit« (wie auch übersetzt werden kann) sollen sich Frauen schmücken. Es wäre für das Gebet, den Gottesdienst und die Gemeinschaft der Gemeinde überhaupt ungemein störend, wenn Frauen so bekleidet wären, dass es für die Männer aufreizend wirken würde, ja die Frauen es sogar darauf anlegten. Dieser Geist und dieses Wesen war in der griechisch -römischen Welt zur Zeit der frühen Christenheit allerorten vorherrschend. Deshalb war es damals und ist es auch heute ungemein wichtig, dass die an Jesus Glaubenden sich diesem Geist und Wesen verschließen und sich vielmehr unter die Erziehung und Leitung des Heiligen Geistes stellen (Röm 8,14).

      Weiter sagt Paulus, dass gläubige Frauen sich nicht mit »Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarem Gewand«, mit aufwendiger Kleidung schmücken sollen.
      a) Auch damit sollen christliche Frauen nicht auffallen wollen.
      b) Auch wollen sie damit arme Frauen in der Gemeinde mit ihren geringen Kleidern nicht beschämen.
      c) Sie möchten diese nicht in die Versuchung des Neides bringen.
      d) Auch ist der rechte Gebrauch ihres Wohlstandes wahrlich etwas anderes: »die guten Werke« (V. 10). Wer mit dem gegenwärtigen Herrn und im Gebetsumgang mit ihm lebt, wer seinem Geist Raum gibt und ihm folgt, der wird innerlich dazu geführt und darin angeleitet.

      Denn so »ziemt es sich für Frauen, die ihre Frömmigkeit mit guten Werken bekunden wollen« – »Frömmigkeit« im Sinne des Wortes: »Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm« (1Mose 17,1). Mit »guten Werken«, mit der verständnis – und liebevollen, helfenden Zuwendung, mit Hilfe durch Speise, Kleidung, Wohnung, Geld, Pflege, Fürsprache usw. für Gemeindeglieder und Nichtglaubende (Gal 6,10) kann die »Frömmigkeit bekundet«, der Glaube an Jesus Christus bezeugt und zu ihm eingeladen werden. Die Gemeinde Jesu wuchs trotz aller Verfolgung durch die römische Staatsmacht während der folgenden Jahrhunderte an vielen Orten sehr. Öffentliche Verkündigung war nicht möglich. Wie viel mag da doch durch solches Zeugnis geschehen und wirksam geworden sein! Besondere Reichtümer waren dazu nicht nötig und sind es auch heute nicht. Auf solche Weise können wir immer, mitten auch in allen Anfechtungen, selbst der letzten Zeit, mit dem Evangelium durch das tröstende Wort und die Tat der Liebe sozusagen im Angriff bleiben.



      Nötig ist es in diesem Zusammenhang, die Stellung der Frau in der Bibel überhaupt zu bedenken.

      Im atl. Israel hatten auch Frauen mit entsprechenden Gaben herausragende Aufgaben. So heißt Mirjam »die Prophetin« und war eine Vorsängerin der Frauen Israels (2Mose 15,20ff.). Und Gott sprach zu seinem Volk durch den Propheten Micha: »Habe ich dich doch aus Ägyptenland geführt und aus der Knechtschaft erlöst und vor dir her gesandt Mose, Aaron und Mirjam« (Mi 6,4). Die »Prophetin Hulda«, die die Frau des »Hüters der Kleider« war, hatte von Gott her durch führende Männer Israels an den bußfertigen König Josia eine sehr wichtige Botschaft auszurichten, die in Israel eine gewisse Buß- und Erneuerungsbewegung bewirkte (2Kön 22,12-20).
      Später, auch während der Erdentage Jesu, wäre so etwas in Israel kaum noch denkbar gewesen. Unter Schriftgelehrten wurde sogar die Frage diskutiert, ob denn Frauen am Heil überhaupt teilbekommen können und es sinnvoll ist, mit ihnen über die Schrift zu sprechen.

      Bei Jesus und in seiner Gemeinde war und ist das deutlich anders. So anerkannte und lobte unser Herr das Verlangen von Maria, der Schwester von Martha und Lazarus, das Wort Gottes zu hören (Lk 10,38-42). Und sogar eine samaritische Frau zweifelhaften Rufs führte Jesus durch ein langes Gespräch zum Glauben (Joh 4,1-42). Petrus schreibt ausdrücklich, dass die Frauen »Miterben«, Mitteilhaberinnen des Heils, der Gotteskindschaft, der Seligkeit, der »Gnade des Lebens« sind, und dass Mann und Frau im gemeinsamen Gebet stehen können (1Petr 3,7).
      Unser Herr Jesus Christus betont, dass die Geschlechterunterschiede überhaupt nur vorläufig sind, in der Zeit unseres Lebens in dieser Welt, während wir irdische Leiber tragen. Danach werden wir alle sein »wie Engel im Himmel« (Mt 22,30). Darum schreibt auch Paulus: »Hier ist nicht Mann noch Frau; ihr seid allesamt einer in Christus Jesus« (Gal 3,28).
      So wurde nun damit gerechnet, dass auch Frauen, wenn sie als Glaubende den Heiligen Geist empfangen (Joh 7,39; Eph 1,13), zugleich von Gott »die Gaben des Geistes« erhalten, eben die Gaben zu bestimmten Aufgaben (Röm 12,6). Und wo Gott bestimmte Gaben verleiht, sollte auch dazu Raum gegeben werden, diese Gaben in entsprechenden Aufgaben einzusetzen; denn die Geistesgaben, die charismata (griech.), sind ja nicht als Zierat gegeben, sondern – schlicht und sachlich – als Ausrüstung für bestimmte Dienste

      Gerhard Maier – Edition C

      Das Wort Losautos („desgleichen“), mit „in gleicher Weise“ übersetzt, ist ehre Adverbialkonstruktion mit dem „ich will“ von V. 8; die folgenden Anweisungen sind also Teil des gleichen Willens. Ein entscheidender Anteil an der Atmosphäre in den öffentlichen Zusammenkünften der Heiligen wird durch die Kleidung der anwesenden Frauen bestimmt. Im allgemeinen drückt Kleidung Geschmack und Interessen aus und offenbart in der Tat auch Charakter; deswegen zeigt die Art und Weise, wie sich eine Frau kleidet, welche Art von Frau sie ist. Während der Apostel immer noch an die Zusammenkünfte der Heiligen denkt, hat der Gegenstand unvermeidlich weitere Implikationen, denn die gewohnheitsmäßige und tägliche Kleidung der Schwester reflektiert das, was sie ist. Das Schlüsselwort ist „Äußeres“ (katastole) von dem Elliott sagt: „Es vermittelt den Gedanken der äußeren Erscheinung, wie sie in erster Linie durch Kleidung ausgedrückt wird“. Es ist das Auftreten, wie es äußerlich in dem Verhalten, der Erscheinung, der Kleidung gesehen wird. Das Zeitwort „schmücken“ (kostneu) und das Eigenschaftswort „bescheiden“ (kosmios) sind verwandte Wörter, die von der Wurzel „arrangieren“ oder „ordnen“ stammen: Die Frauen sollen sich also „arrangieren“ in einer „wohlarrangierten“ Kleidung. Wir würden sagen „mit gutem Geschmack“ – aber es muß betont werden, das „Arrangement“ oder die „Ordentlichkeit“ soll nicht die des eleganten Mannequins der Welt sein. Hier geht es über passende Farben oder Stoffe hinaus, zum Zusammenhang zwischen ihrer Kleidung und ihrem christlichen Charakter und Zeugnis. Nur dann wird sie im biblischen Sinn „wohlarrangiert“ oder „wohlgeordnet“ sein.
      Zwei Dinge müssen ganz gewiß mit in Erscheinung treten. Wenn man bei dem Metapher der Kleidung bleibt, müssen zwei Zubehörstücke zur Kleidung (die Konjunktion ist „mit“ meta) die äußerliche Erscheinung begleiten. „Schamhaftigkeit“ ist das Wort aidos, es wird nur hier im Neuen Testament verwendet und beschreibt eine moralische Abscheu von allem, was ungeziemend ist, eine Ablehnung selbst nur des Anscheins, die Grenzen weiblicher Zurückhaltung zu übertreten. „Sittsamkeit“ (sophrosyne – aus sos, „gesund“
      und phren, „der Sinn, das Denken“, also „gesunde Urteilskraft“), das auch in 2,15 und Apostelgeschichte 26,25 verwendet wird, steht für jenes innere Urteil, das im Gläubigen durch die Schrift und den Geist Gottes hervorgerufen wird, das jedem rein physischen oder menschlichen Begehren Zurückhaltung auferlegt. So deutet das Wort die Beurteilung an, die hinter der moralischen Abscheu des vorhergehenden Wortes liegt. Außerhalb der Schrift hatte das Wort im allgemeinen eine sexuelle Schattierung, die keusches Verhalten implizierte. Die wohlgeordnete Kleidung (im schriftgemäßen Sinn) reflektiert ein wohlausgewogenes Denken.
      Es gibt vier „Dinge“, die nicht in Übereinstimmung sind mit dem „wohlarrangierten“ Auftreten gottesfürchtiger Frauen. Diese gehören zu einer anderen Gesellschaft, einer weltlichen, ob sie nun römisch, hellenistisch oder modern sei. „Haarflechten“ bezieht sich auf die komplizierten Frisuren, die zu arrangieren viel Geld und Zeit kosteten und die durch das Flechten und Knüpfen der Haare gestaltet wurden. Möglicherweise waren goldene Spangen, Clips und Perlen dazwischengeflochten, die das Haar im Licht schillern ließen und so den Reichtum widerspiegelten, der in dem Ausdruck „kostbare Kleidung“ (RV „teurer Schmuck) angedeutet wird.
      Die Konjunktion des Gegensatzes „sondern“ (alla) wendet sich vom Negativen ab (was nicht in Erscheinung treten sollte) und führt das Positive ein, (was gesehen werden sollte). Die Präposition „durch“ (dia) vor „gute Werke“ steht im Gegensatz zu dem „in“ vor „bescheidenem Äußeren“ (V. 9). Der Gedanke ist nicht, daß sie die guten Werke als Kleidung trägt, sondern durch dieses Ausdrucksmittel (dia) zeigt sich eine Darstellung christlichen Charakters, eine Attraktivität, die die äußerliche mit dem vergänglichen Tand der Erde geschmückte Erscheinung weit übertrifft. Eine Phöbe (Römer 16,1-2), eine Lydia (Apostelgeschichte 16,14-15), eine Dorkas (Apostelgeschichte 9,36-38) hatten einen Schmuck, der unabhängig von bloßer Kleidung war. Das Wort „geziemt“ lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß bei gottesfürchtigen Frauen das Bekenntnis der Lippen, durch ihr passendes Verhalten unterstrichen wird. Das Partizip Präsens „bekennend“ (wiederum in 6,21 verwendet) kommt von dem Zeitwort „versprechen, verheißen“ (siehe Titus 1,2) und läßt uns erkennen, wie Lippen und Leben harmonieren in einer Haltung von Respekt und Ehrfurcht Gott gegenüber, die den Menschen gegenüber in als gut (agathos) beschriebenen Werken praktiziert wird. Dieses letztere Wort betont den Nutzen, den diese Werke anderen bringen: nutzbringend in ihrem Charakter. Das Wort für Gottesfurcht ist theosebeia, welches betont, daß das entscheidende, richtungsweisende Element hinter der Kleidung und den Taten eine Haltung gegenüber Gott selbst ist. Wenn die Furcht Gottes das Herz mit Respekt und Ehrfurcht für ihn erfüllt, dann stehen Kleidung und Taten mit dem Bekenntnis in Übereinstimmung.

      Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

      Perspektive Ewigkeit

      Die Folge der Demut, der Furcht Jehovas, ist (And üb.: Die Folge der Demut ist die Furcht Jehovas usw.) Reichtum und Ehre und Leben.
      Elberfelder 1871 – Sprüche 22,4

      Die Folge der Demuth ist Furcht Jehova’s, Reichthum, und Ehre, und Leben.
      van Ess – Sprüche 22:4

      Die Nachkommenschaft der Weisheit sind: Furcht des Herrn
      und Reichtum und Ehre und Leben.
      Septuaginta Deutsch – Spr 22,4

      Auf der Ferse folgt der Gebeugtheit in der Furcht Jehovas Reichtum und gewichtige Herrlichkeit und Leben.
      Pfleiderer – Spr 22:4

      Die Frucht der Bescheidenheit ist die Furcht des Herrn; sie ist Reichtum, Ehre und Leben.
      Arndt-Allioli – Sprichwörter 22,4

      Kling nach „Wohlstandsevangelium“??

      Problematisch ist an diesem Spruch das Verhältnis von Demut und Furcht Jahwes. Unsere Übersetzung versteht mit LXX die Gottesfurcht als die Frucht der Demut. Aber das erregt bei vielen Anstoß. Auch nach 1Tim 4,7 ist der Mensch aufgefordert, sich selbst in der Gottesfurcht zu üben. Wie soll sie dann Lohn der Demut sein? Man möchte also »Furcht Jahwes« als Apposition zu »Demut« verstehen: Lohn der Demut, Furcht Jahwes, ist … Oder man beurteilt beides gleichwertig, indem man ein »und« dazwischensetzt: Lohn der Demut und der Furcht Jahwes, ist … Das ist wohl überspitzt. Denn ohne Demut ist es gar nicht möglich, Gott zu fürchten. Vielleicht ist es hilfreich, statt »Lohn« »Folge, Ergebnis« zu übersetzen. So sehr die Furcht Jahwes eine menschliche Haltung darstellt, so ist sie doch nicht realisierbar ohne die Gnade Gottes, die aber wieder dem Demütigen gegeben wird (3,34). Nach 15,33 geht die Demut der Ehre voran. Dieser können sich nun auch die anderen in 3,16 genannten Früchte der Weisheit zugesellen: Reichtum und Leben.

      Wuppertaler Studienbibel

      Der Glaube besteht zum großen Teil aus „der Demut und der Furcht des HERRN“, das heißt, demütig mit seinem Gott zu wandeln (Mi 6,8). Wir sehen hier, was man durch den Glauben gewinnen kann: in dieser Welt „Reichtum, Ehre“ und Kraft „und Leben“, das so lange dauert, wie Gott es für richtig hält, und am Schluss die Vorrechte des Gnadenbundes und ewiges Leben.

      Der Neue Matthew Henry Kommentar

      Kein Gutes wird denen vorenthalten, die den Herrn fürchten und aufrichtig wandeln, während jene, die keine Gottesfurcht haben und gesetzlos handeln, das Leben verlieren und nichts Gutes bekommen. „Die Furcht Jehovas mehrt die Tage, aber die Jahre der Gesetzlosen werden verkürzt.“ (Sprüche 10:27) „Kein Gutes [wird Jehova] vorenthalten denen, die in Lauterkeit wandeln. Jehova der Heerscharen! glückselig der Mensch, der auf dich vertraut!“ (Psalm 84:11, 12) „Die Furcht Jehovas ist ein Born des Lebens, um zu entgehen den Fallstricken des Todes.“ (Sprüche 14:27) Nicht nur wird der Herr die ihn Fürchtenden bewahren und ihnen viele Jahre hinzufügen, sondern er wird ihnen Weisheit, diese kostbarste Gabe, geben. „Die Furcht Jehovas ist der Weisheit Anfang.“ (Psalm 111:10) Dann folgen weitere Segnungen, denn er hat verheissen: „Die Folge (der Lohn, Zürcher B.) der Demut, der Furcht Jehovas, ist Reichtum und Ehre und Leben.“ (Sprüche 22:4) Die Jehova fürchten, sind rein und hassen das Böse, denn es ist unmöglich, an Sinn, Herz und Leib befleckt zu sein oder Ungerechtes, Böses zu lieben und gleichzeitig Gott wahrhaftig zu fürchten. „Die Furcht Jehovas ist rein, bestehend in Ewigkeit.“ (Psalm 19:9) „Die Furcht Jehovas ist: das Böse hassen.“ — Sprüche 8:13.

      Wachtturm – Juni 1950

      Dieser Grundsatz wird in der Welt auf den Kopf gestellt. Dort meint man, dass man zur Erlangung von Reichtum, Ehre und „Leben“ seine Ellenbogen gebrauchen muss. Und dass man auch hin und wieder „fünf gerade sein lassen“ sollte.
      Demut und Furcht des HERRN sehen anders aus. Gott verheißt, dass diesen Tugenden gesicherter Reichtum, wirkliche Ehre und lohnenswertes Leben folgt (Spr 8,18; 3,16). Für wiedergeborene Christen sind dies nicht in erster Linie irdische, sondern vielmehr geistliche Segnungen.

      Winterhoff_Brockhaus – Leben in Weisheit: Das Buch der Sprüche Vers für Vers praxisnah erklärt

      Demut und die Furcht des HERRN gehen Hand in Hand (vgl. Sprüche 15,33 ). Ein Mensch kann Gott nicht fürchten (ihn anbeten, ihm vertrauen, ihm gehorchen und ihm dienen) und gleichzeitig mit selbstsüchtigem Stolz erfüllt sein. Reichtum, Ehre und Leben resultieren aus der Furcht Gottes, und wie es in Sprüche 21,21 steht (vgl. den Kommentar dort), entspringen sie ebenfalls einem gerechten Wandel. So stehen die Furcht des Herrn und die Gerechtigkeit in enger Beziehung zueinander.

      Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

      In 15,33 und 18,12 hatten wir erfahren, dass Demut zu Ehre führt; nun hören wir, dass Demut als Erstes die »Furcht Jahwes« bewirkt, und das ist das hohe Gut, das alle weiteren Segnungen zur Folge hat, »Reichtum und Ehre und Leben«. Wir hatten in Vers 1 gelernt, dass der gute Name Jahwes und seine Gnade mehr wert sind als Reichtum. Nun lernen wir, dass wer den Namen Jahwes fürchtet, »Reichtum« empfängt, obwohl er ihn nicht gesucht hat. Salomo, der diesen Spruch verfasst hat, erfuhr etwas Ähnliches. Er hatte Gott um Weisheit gebeten, und Gott gab sie ihm, und dazu auch Reichtum (1Kö 3,10–13). Wer Gott durch Gottesfurcht ehrt, dem gibt Gott »Ehre« (1Sam 2,30), und schließlich gibt er ihm »Leben«. Damit ist der Demütige gerettet von allen Folgen des Sündenfalls: Anstelle der Schande und der Scham gibt ihm Gott Ehre, und statt des verdienten Todes empfängt er ewiges Leben.

      Benedikt Peters – Das Buch der Sprüche

      In der heutigen Zeit, können wohl nicht alle Christen darauf hoffen, Reichtum zu erlangen, auch wenn die „christlichen Nationen“ meist weit besser dastehen, als die „unchristlichen Nationen“. Aber gerade in dieser unruhigen Zeit können wahre Christen auf die Hoffnung schauen, die vor uns liegt: eine Ewigkeit ohne Ungerechtigkeit, ohne Heuchler – dafür mit unserem Erlöser!