Schlagwort: Gebet

Wir wollen auch den Leuten verzeihen, die uns verletzt haben.

und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns schuldig ist; und führe uns nicht in Versuchung
Elberfelder 1871 – Lukas 11,4

Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben allen, die an uns schuldig sind. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Bösen.‘ “
Luther 2019 – Lukas 11:4

Und schicke weg in unsrem Interesse unsre Sünden; denn auch unsererseits erlassen wir’s jedem, wenn er uns schuldig ist; und nicht führe uns hinein in ein Versuchungsnetz.
Pfleiderer – Lk 11,4

Und nimm fort von uns unsere Verfehlungen! Und auch wir werden denen vergeben, die uns gegenüber Schuld auf sich geladen haben. Und lass uns nicht in Lebenslagen geraten, in denen die Prüfungen überhandnehmen!«
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Lk 11:4

ἄφ-ες Aor. Imp. -ίημι. ἀφ-ίομεν (hier v. -ίω [volkstüml. für -ίημι; BDR § 947; vgl. H-S § 114f]) [Var. ἀφ-ίεμεν]. ὀφείλοντι Ptz. ὀφείλω schulden, schuldig sein (eig. u. übertr.); hier sich einer Sünde schuldig machen, sich verfehlen τινί gegen jmdn. (B 2bβ); subst., hier nach πᾶς ohne Art. (BDR § 4135); καὶ γὰρ αὐτοὶ ἀφίομεν παντὶ ὀφείλοντι ἡμῖν denn auch wir (selbst) vergeben jedem, der an uns schuldig wird. εἰσ-ενέγκῃς Aor. Konj. -φέρω198 hineintragen, -bringen; prohibitiver Konj. (A256). πειρασμός Prüfung, Erprobung; Versuchung, Anfechtung; μὴ εἰσενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμόν bring uns nicht in Versuchung (d. h. in die äußerl. od. seelische Lage, die uns Anlass zur Sünde werden kann [B 2b] bzw. in eine solche Versuchung, hinter der die Macht des Bösen steht u. in der wir den Glauben u. das Heil verlieren). [Var. ῥῦσαι Aor. Imp. Med. ῥύομαι8 m. ἀπό (vgl. BDR § 1801) retten/erretten von od. bewahren vor (B). ἀπὸ τοῦ πονηροῦ von/vor dem Bösen (Mask. [= Teufel] od. Ntr.; vgl. BDR § 2634).]

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Zu entschuldigen, was wirklich gute Entschuldigungen vorbringen kann, ist nicht christliche Liebe; es ist nur recht und billig. Ein Christ sein, heißt, das Unentschuldbare vergeben, weil Gott das Unentschuldbare in uns vergeben hat. Das ist hart. Es ist vielleicht nicht so hart, ein einzelnes großes Unrecht zu vergeben. Aber die unablässigen Herausforderungen des täglichen Lebens zu vergeben – immer wieder der herrschsüchtigen Schwiegermutter, dem tyrannischen Ehemann, der nörgelnden Gattin, der selbstsüchtigen Tochter, dem Sohn, der einen hintergeht, vergeben – können wir das? Nur dann vermutlich, wenn wir daran denken, wo wir selbst stehen, wenn wir es jeden Abend beim Beten ernst meinen mit unseren Worten: “Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.” Nur unter dieser Bedingung wird uns Vergebung angeboten. Sie ablehnen, heißt, Gottes Barmherzigkeit für uns ablehnen. Ausnahmen werden keine angedeutet, und Gott meint, was er sagt.
(C. S. Lewis, 1898–1963)

CMV-Materialsammlung

Corrie ten Boom erzählt: Ein Freund fragte mich, als er mich nach langer Zeit wieder einmal besuchte, nach bestimmten Leuten, die mich vor zehn Jahren kräftig übervorteilt hatten. “Das ist erledigt”, sagte ich ein bisschen selbstgefällig. “Es ist alles vergeben.” – “Von dir ja”, nickte er. “Aber die anderen- haben sie deine Vergebung angenommen?”
“Sie sagten, da sei nichts zu vergeben. Sie leugneten alles ab. Aber ich kann ihnen beweisen, dass sie falsch gehandelt haben.” Ich ging schnell an meinen Schreibtisch und zog die Schublade auf. “Sieh’, ich habe es schwarz auf weiß. Ich habe alle ihre Briefe aufgehoben und kann es dir zeigen…”
“Corrie!” Mein Freund schlug seinen Arm um mich und holte mich vom Schreibtisch zurück. “Sind deine Sünden nicht ins Meer versenkt worden? Und die Sünden deiner Freunde bewahrst du schwarz auf weiß auf?”
Mir verschlug es die Sprache. “Herr Jesus”, flüsterte ich, “du, der alle meine Sünden weggenommen hat, vergib mir, dass ich die Sünden der anderen die ganzen Jahre über aufgehoben habe. Lass mich dir all das Schwarz-Auf-Weiße als ein lieblich duftendes Brandopfer zu deiner Ehre darbringen.”
Bevor ich an diesem Abend zu Bett ging, räumte ich meinen Schreibtisch aus und warf die schon leicht vergilbten Briefe in den Heizungsofen. In der Asche jener Briefe erkannte ich eine neue Seite seiner Gnade. Seine gute Nachricht hatte mich erreicht. Und ich war gespannt, was er mich in dem Fach Vergebung künftig weiterlehren würde.

CMV-Materialsammlung

Ebenso wie wir beten, dass unsere Sünden vergeben werden möchten, weil wir bekümmert sind über unsere wider Gott begangenen Sünden, beten wir auch für uns, dass wir nicht in die Versuchung zur Sünde hineingebracht werden möchten. Somit heisst es im Gebet des Herrn weiter: „Und bringe uns nicht in Versuchung hinein.“ (Matthäus 6:13, NW; Lukas 11:4) Wie konnte Jesus dies beten, wenn die Schrift uns doch sagt, dass er gleich nach seiner Taufe im Jordan „durch den Geist [Gottes] hinaufgeführt wurde in die Wüste, um von dem Teufel versucht zu werden“ und der Versucher zu ihm herantrat, um ihn von Gott wegzuziehen? Auch wird Jesus der „Sohn Abrahams“ genannt, von dem geschrieben steht: „Und es geschah nach diesen Dingen, dass Gott den Abraham versuchte.“ Dies geschah, indem er ihm gebot, Isaak, seinen geliebten Sohn, den er von Sara erhalten hatte, zu opfern. (1 Mose 22:1) Und dann, als Satan Gott herausforderte, überliess ihm Gott den treuen Hiob, damit er ihn, wenn möglich, dazu versuche, Gott ins Angesicht zu fluchen. Und an dem Abend, da Jesus von Judas verraten wurde, sagte er zu seinen elf treuen Aposteln: „Ihr aber seid es, die mit mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen.“ (Hiob 1:1 bis 2:13; Lukas 22:28) Von welchem Standpunkt aus können wir also beten, dass unser himmlischer Vater uns nicht in Versuchung hineinbringe? Als Versuch, die anscheinende Schwierigkeit zu lösen, geben Die Vier Evangelien (engl.) von C. C. Torrey die Bitte wie folgt wieder: „Und lass uns nicht der Versuchung nachgeben“, während The Emphatic Diaglott die Stelle wie folgt wiedergibt: „Und gib uns nicht der Prüfung preis.“ — Matthäus 6:13.
Eines ist gewiss: Unser himmlischer Vater unterwirft uns der Prüfung, doch nicht durch Übles oder durch die Versuchung zur Sünde. Folglich schreibt Jakobus: „Wenn in der Prüfung, sage niemand: ‚Ich werde von Gott versucht.‘ Nein, denn Gott kann nicht von üblen Dingen versucht werden, noch versucht er selbst jemand. Sondern jeder wird versucht, indem er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Wenn dann die Begierde befruchtet ist, gebiert sie Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, bringt Tod hervor.“ (Jakobus 1:13-15, NW) Als Jehova Gott Adam und Eva vor das Verbot stellte, vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen, versuchte er sie dadurch nicht mit dem Bösen, denn der Baum an sich war nicht böse. Jehova warnte sie davor, im Ungehorsam zu essen, und unterrichtete sie von den üblen Folgen. Deshalb konnten sie nicht zufolge von Unwissenheit dazu versucht werden. Als Eva auf die verführerische Rede der Schlange hörte, wurde sie versucht. Gottes Warnung vor dem Essen hatte keinen Appetit oder Wunsch nach dem Baume in ihr geweckt, aber die falsche Schilderung der Schlange hinsichtlich der Folgen des Essens von diesem Baume im Widerspruch mit Gottes Verbot und Warnung weckte ein unrechtes Verlangen in ihr. Dies war es, was sich für sie zur Versuchung auswirkte, wie Jakobus es oben sagt. Weil sie diesen Wunsch nicht als etwas Unrechtes und als etwas, was gegen Gott war, aus dem Sinn schlug, sondern unterhielt, liess sie sich durch die Versuchung in Sünde hineinziehen und betrügen. — 1 Mose 3:1-7; 2 Korinther 11:3.
Indes unterwirft uns Gott der Prüfung oder stellt uns auf die Probe, nicht um unsern Sturz herbeizuführen, sondern um zu beweisen, was wir sind, um das, was wir sind, ans Licht treten zu lassen. Er versucht uns nicht mit Üblem zur Bosheit, sondern wir selbst schaffen uns unter dem Einfluss Satans die Versuchung durch den Gedanken, wie schön es wäre, etwas zu tun oder zu haben, was mit Gottes Willen in Widerspruch ist, und dadurch, dass wir uns dann den durch solch unrechtes Denken erweckten Wunsch nicht aus dem Sinne schlagen, sondern ihn mehr und mehr nähren. Auf diese Weise werden wir fortgezogen und so weit weggelockt, dass wir Gottes Rat und Warnung ausser acht lassen. Wir kommen in die Versuchung hinein.

Wachtturm Oktober 1951

Durch eine Sünde der Übertretung wider Gottes Gesetz verschulden wir uns ihm gegenüber. „Der Lohn, den Sünde zahlt, ist Tod.“ (Römer 6:23, NW) Gott könnte für unsere Sünde unser Leben verlangen und einfordern; er könnte uns von seiner heiligen Organisation und von der Geselligkeit und Gemeinschaft mit ihr ausschliessen. Er könnte uns seinen Frieden nehmen, indem er alle friedlichen Beziehungen mit uns abbräche. Er könnte uns veranlassen, ihm alles zurückzugeben, was wir von ihm durch seine unverdiente Güte empfangen haben. Wir schulden ihm Liebe, die im Gehorsam zum Ausdruck kommt; und wenn wir sündigen, verfehlen wir, ihm unsere Schuld der Liebe zu zahlen, denn Sünde ist Lieblosigkeit gegen Gott. (Römer 13:8-10) Die Sünde als eine Schuld betrachtend, die bei Gott beglichen werden muss, formulierte Jesus die nächste Bitte im Gebet des Herrn: „Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben haben unsern Schuldnern.“ (Matthäus 6:12, NW) Als Beweis, dass Schuld hier Sünde bedeutet, drückt Jesus dieselbe Bitte im entsprechenden Gebet in den Worten aus: „Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns verschuldet ist.“ — Lukas 11:4, NW.
9 Zu dieser Bitte wären wir nicht ermächtigt, wenn es nicht eine Grundlage gäbe, auf der uns Gottes Vergebung zukommt. Die Grundlage dafür ist nicht einfach seine Liebe und Barmherzigkeit in abstraktem Sinne und ungeachtet seiner vollkommenen Gerechtigkeit, die für Sünde den Tod fordert. Die Grundlage der Vergebung ist seine Liebe und Barmherzigkeit, wie sie im menschlichen Opfer seines Sohnes Jesus Christus zum Ausdruck kommt, welches Opfer in unserem Interesse allen Forderungen der Gerechtigkeit vollständig entspricht. Als Jesus dieses Gebet in der Bergpredigt lehrte, hatte er bereits erklärt, dass einigen, die er geheilt hatte, die Sünden vergeben seien. So war denn zu verstehen, dass Gottes Vergebung durch Christus Jesus komme, und zwar durch sein vollkommenes Loskaufsopfer. Der Apostel Paulus, der sich als der vorderste der Sünder ausgab, sagte zu Gottes Kindern: „Der Sohn seiner Liebe, durch den wir unsere Erlösung durch Loskauf haben, die Vergebung unserer Sünden.“ „Nun hat er sich ein für allemal kundgemacht in der Vollendung der Systeme der Dinge, um Sünde hinwegzutun durch das Opfer seiner selbst.“ Um somit diesen Teil des Gebetes des Herrn wirksam zu beten, müssen wir an das Opfer Christi aufrichtig glauben und es annehmen. — Lukas 5:20-24; 7:47-49; Matthäus 9:1-8; Kolosser 1:13, 14 und Hebräer 9:26, NW; Galater 1:4.

Wachtturm – Oktober 1951

»Und vergib uns unsre Sünden, denn auch wir selbst vergeben allen unseren Schuldnern« (V. 4): Wie bei Matthäus macht der Beter seine eigene Vergebung zur Voraussetzung. Es heißt ja in Mt 6,12 bei genauer Übersetzung: »… wie auch wir vergeben haben (!) unseren Schuldnern«. Das heißt, der Beter will seine Bitte um Vergebung erst dann aussprechen, wenn er selbst seinen »Schuldnern« vergeben hat – und zwar »allen«! »Schuldner«: Das sind die Leute, die ihm selbst etwas schulden bzw. an ihm schuldig geworden sind. Man vergleiche das Gleichnis vom Schalksknecht in Mt 18,21ff Der Weg der Vergebung lässt sich also im Vaterunser wie folgt nachzeichnen: Gottes Wort trifft uns – es bewegt uns zur Vergebung – darauf bitten wir selbst um Vergebung. Die Mehrzahlform »uns« / »unsre« / »wir« deckt noch einmal auf, dass es sich ursprünglich um ein Gemeinschaftsgebet handelt.
Übrigens schließt sich Jesus auch hier an die früheren Lehrer Israels an (Sir 28,2).

Der Leser bleibt auch an dieser Stelle mit der nachdenklichen Frage zurück: »Tue ich das, was ich lese?« Wer meint, als Christ nicht mehr zu sündigen, der wird durch das Vaterunser schlagend widerlegt.

Die fünfte Bitte ist eine Bitte um Bewahrung: »und führe uns nicht in Versuchung« (V. 4). Sie deckt sich wörtlich mit der entsprechenden Bitte bei Matthäus (Mt 6,13). Die genaue Übersetzung lautet: »und bringe uns nicht in Versuchung hinein«. Das heißt, man bittet hier Gott darum, dass er den Test nicht zu schwer macht. Nach der Bibel versucht uns Gott ja nicht (Jak 1,13). Aber er lässt es zu, dass der Teufel an uns herantritt, um uns zu versuchen (vgl. Hiob 1,6ff.; Hiob 2,1ff.; Lk 22,31). Dabei sind die Willensrichtungen Gottes und des Teufels einander total entgegengesetzt. Gott will, dass wir die Versuchung bestehen und deshalb unser Glaube bewährt wird (vgl. Jak 1,12). Der Teufel will, dass wir die Versuchung nicht bestehen und deshalb unser Glaube verschwindet. Die fünfte Bitte des Vaterunsers bei Lukas geht also von der Erkenntnis unserer Schwachheit aus (vgl. Mt 26,41 par). Der Jünger weiß, dass er unterliegt, wenn ihn Gott nicht bewahrt. Und Jesus weiß es auch, sonst hätte er uns nicht so zu bitten gelehrt. Darum zielt diese Bitte »und führe uns nicht in Versuchung« darauf hin, dass Gott dem Teufel eine Grenze setzt, bevor wir in der Versuchung unterliegen. Das Wort Gottes schenkt uns übrigens die Gewissheit, dass Gott diese Bitte erhört (vgl. Lk 22,32; Joh 17,15; 1 Kor 10,13; 2 Thess 3,3). In der Endzeit wird diese Bitte noch dringender werden. Denn die Versuchungen werden zunehmen (Mt 24,4ff.; 2 Thess 2,3ff.; Offb 12-13). Aber Gott wird diese grauenhafte Zeit verkürzen (Mt 24,22), so dass jeder wahre Jünger durchkommt. Im Grunde zeugt die Bitte »und führe uns nicht in Versuchung« von der grenzenlosen Zuversicht, dass Gott stärker ist als der Teufel und alles Böse.

Gerhard Maier – Edition C

Manche haben gedacht, diese Aussage bedeute, daß unsere Bereitschaft, andern zu vergeben, die Grundlage sei, auf der Gott uns vergeben kann. Die Vergebung unserer Sünden vor Gottes Thron ist das Ergebnis der Sühne, die der Herr Jesus am Kreuz erwirkt hat. Das gilt für Sünden, die an einem „vergangenen Tag“ begangen wurden, wie auch für unsere Sünden während des gegenwärtigen Tages der Gnade (Röm 3,22-26). Der Gedanke hier ist: Daß wenn sogar sündige Menschen einander vergeben können, dann wird gewiß ein barmherziger Vater im Himmel uns alle unsere Sünden vergeben, und zwar ausschließlich aufgrund Seiner unumschränkten Gnade. Wir verweisen einmal mehr auf die Zeit, in der dieses Gebet gesprochen wurde und beachten den Gegensatz zwischen ihr und der Zeit, in der wir leben. Wir bitten als Gläubige nicht um Vergebung, sondern „wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1Jo 1,9). Vergessen wir dabei aber nicht den hier und andernorts (Mt 6,14.15) vom Herrn gelehrten und in den Lehrbriefen wiederholten (Eph 4,32) Grundsatz, daß wir nicht im Genuß der Vergebung des Vaters oder der Gemeinschaft mit Ihm stehen können, solange wir andern gegenüber unversöhnlich sind.
 „Führe uns nicht in Versuchung“ hat auch zu mancherlei Mißverständnissen Anlaß gegeben. „Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, und selbst versucht er niemand“ (Jak 1,13) ist göttliche, für alle Zeiten unabänderliche Wahrheit. „Versuchung“, peirasmos, ist das Wort, das stets für die verschiedenen Ausdrücke verwendet wird, die im NT von Versuchung, Anfechtung und Erprobung sprechen. Der Zusammenhang gibt uns Aufschluß darüber, ob es sich um Versuchung zur Sünde, die unserem Fleisch entspringt (Jak 1,14), handelt, oder um von Gott gesandte Versuchung im Sinne von Prüfung (Jak 1,2-4). Das Wort „Böse“ kann sich auf Sündhaftes beziehen, das aus unserem Herz quillt oder auf satanische List zurückgeht, aber es kann auch für Schwierigkeiten an einem Tag der Prüfung stehen wie Unglück oder Krankheit. In dieser Bitte um Bewahrung scheint die „Versuchung“ sich auf Prüfungen zu beziehen, nicht auf Verleitung zur Sünde. Wenn es um Sünde gehen sollte, wie einige meinen, dann hat die Bitte den Sinn, daß man als Jünger von Umständen bewahrt bleibt, die dem Fleisch Anlaß zur Sünde bieten. Wiederum wird die Bitte in den Tagen der großen Drangsal eine besondere Bedeutung bekommen, wenn nämlich die Gläubigen zum Herrn schreien, daß Er sie von dem Bösen und seinen Verbündeten erretten möge.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Die Frage ist für mich also nicht so sehr, ob Gott handelt, sondern vielmehr, wie viele Leute noch da sein werden, die dem Menschensohn, dem Auserwählten, auf diese Art und Weise vertrauen, wenn er dann irgendwann auf die Erde zurückkommen wird.

Gott aber, sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und ist er in Bezug auf sie langmütig? Ich sage euch, daß er ihr Recht schnell ausführen wird. Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?
Elberfelder 1871 – Lukas 18,7–8

Sollte Gott aber nicht erst recht [für] die Strafe (Rache) seiner Erwählten, die am Tag als auch in der Nacht ihn laut anrufen, eintreten? Sollte er auch über sie lange Geduld haben (ausharren)? Ich spreche zu euch, dass er ihre Strafe (Rache) unverzüglich machen (ausführen) wird. Doch wird der Sohn der Menschen, wenn er komm,[dann noch] den Glauben (Treue) auf der Erde finden?
offene Bibel – Lukas 18:7–8

Jetzt stelle ich euch die Frage: Wird Gott nicht den Menschen zu ihrem Recht verhelfen, die er zu sich gezogen und auserwählt hat und die Tag und Nacht zu ihm schreien? Wird er sie etwa lange auf seine Hilfe warten lassen? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich zu ihrem Recht verhelfen! Und dennoch stellt sich die Frage: Wird der von Gott gesandte Menschensohn eurer Meinung nach Glauben auf der Erde finden, wenn er kommt?«
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Lk 18,7–8

Lk 18,7 οὐ μή m. Aor. Konj. stärkste Verneinung zukünftigen Geschehens (A257), bez. hier in der rhetorischen Frage eine Bejahung (BDR § 3655). ποιήσῃ Aor. Konj. ποιέω; ποιέω τὴν ἐκδίκησίν τινος umschreibt das einfache Verbum ἐκδικέω (B I1bδ; vgl. V. 3) jmdn. rächen, jmdm. Recht verschaffen (ThWNT 4, S. 383). ἐκ-δίκησις8 Rache, Bestrafung. ἐκ-λεκτός9 (< ἐκ-λέγομαι [für sich] auswählen) ausgewählt, im NT fast durchweg: auserwählt (ausgesondert, um zu Gott zu gehören bzw. ihm zu dienen); subst.; ὁ θεὸς οὐ μὴ ποιήσῃ τὴν ἐκδίκησιν τῶν ἐκλεκτῶν αὐτοῦ …; Gott sollte seinen Auserwählten … nicht erst recht zu ihrem Recht verhelfen? (vgl. BDR § 3655). βοώντων Ptz. βοάω (laut) rufen, schreien; attr. ἡμέρας καὶ νυκτός gen. temp. (H-S § 168a; A166) Tag und Nacht. καί (zweites) wohl alternativ (A314) oder; leitet wohl eine neue Frage (jetzt m. Ind.) ein. μακρο-θυμέω Geduld haben, geduldig/langmütig sein; hier wahrscheinl. zögern; καὶ μακροθυμεῖ ἐπʼ αὐτοῖς; oder zögert er bei ihnen lange? bzw. oder zieht er es lange hin mit ihnen? (B 3) bzw. und wird er sie etwa lange warten lassen (NGÜ); andere Deutungen dieser schwierigen Stelle: und er übt Langmut (auch) an ihnen (ThWNT 4, S. 384 Anm. 56); auch (wenn) (καί konz.) er Langmut bei ihnen übt (Menge). Lk 18,8 ὅτι recitativum = Doppelpunkt (A333). ποιήσει Fut. V. 7. τάχος7 Schnelligkeit; ἐν τάχει in Kürze, bald. πλήν aber, doch, jedoch. ἐλθών Aor. Ptz. ἔρχομαι, temp. ἆρα Fragepartikel vor direkter Frage (A320). εὑρήσει Fut. εὑρίσκω; πλὴν ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου ἐλθὼν ἆρα εὑρήσει τὴν πίστιν ἐπὶ τῆς γῆς; jedoch wird der Menschensohn, wenn er kommt (bei seiner Wiederkunft), auf der Erde den Glauben finden? (so meistens, doch ist der Zusammenhang m. dem Kontext [bes. V. 1 u. 8] dann schwierig), viell. Fut. in einer deliberativen Frage (vgl. BDR § 366) auf die ausstehende Reaktion der Hörer bezogen: jedoch findet der Menschensohn, nachdem er gekommen ist (näml. jetzt), auf der Erde den Glauben? (näml. dass Gott die Gebete seiner Auserwählten bald erhören wird).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Im Gleichnis vom ungerechten Richter ging es Jesus um Beständigkeit im Gebet: daß sie, die Jünger, allezeit beten und nicht nachlassen sollten. Eine Witwe bedrängte einen ungerechten Richter immer wieder, ihr Recht zu verschaffen, doch er lehnte es stets ab, sie anzuhören. Doch am Ende gab er ihrem Drängen nach, weil sie ihm soviel Mühe machte, damit sie nicht zuletzt komme und ihm ins Gesicht schlage. In seiner Deutung (V. 6 – 8) wies Jesus darauf hin, daß, wenn sogar der ungerechte Richter der Frau Recht schaffte, dann doch auch Gott (der gerechte Richter) Recht schaffen sollte seinen Auserwählten, und zwar rasch. Jesu Frage: Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden? war kein Zeichen für seine Unwissenheit. Er fragte auch nicht danach, ob es bei seiner Rückkehr überhaupt noch Gläubige auf Erden geben würde, sondern wollte die Jünger zum gläubigen und standhaften Beten ermutigen. Auch in diesem Zusammenhang verwendete er also ein negatives Beispiel, um etwas Gutes deutlich zu machen (vgl. Lk 16,1-13).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Nach der in dem Fragesatz: „Sollte Gott nicht Seinen Auserwählten zu ihrem Recht verhelfen?“ erwähnten göttlichen Langmut gibt Jesus die Antwort, daß Gott in Eile das Recht Seiner Auserwählten ausführen wird. Die Schlußfolgerung, die der Herr hier aus dem Gleichnis zieht, bekräftigt Er mit Einsetzung Seines Wortes: „Ich sage euch“. Die Worte „en tachei = in Eile“ bedeuten entweder den schnellen Verlauf der Hilfe (vgl. Rö 16, 20) oder das baldige Eintreten des Rettungsvorganges (Offb 1, 1; 22, 6). Beides fließt ineinander (Apg 12, 7; 22, 19). (Vgl. 5 Mo 32, 43; Jes 63, 4; 2 Pt 3, 9. 15; Rö 16, 20). Einen Widerspruch enthält diese Aussage nicht zu der vorhin genannten Verzögerung der Erhörung des Gebetes. Das „in Eile“ ist ein göttliches Zeitmaß für die ganze Zeit der Geduld. Er kann nicht schneller zur Erlösung und Offenbarung eilen, als dies Seine Weisheit erlaubt. Gott wirkt alles unablässig eins nach dem andern. Alles, was geschehen muß, wird endlich und plötzlich am Ende der Tage hereinbrechen. Die Befreiung „in Eile“ wird dann im vollen Sinne Wirklichkeit. Jesus sagt mit diesen Worten gar nicht, wie bald Seine Ankunft eintreten wird.
Am Schluß des Gleichnisses fragt Jesus nicht, ob der wiederkommende Menschensohn wohl Glauben vorfindet, sondern ob Er „den Glauben“ findet. Da Jesus „den Glauben“ nennt, meint Er den Glauben des unablässigen, nicht ermüdenden Bittens, kurz den ausharrenden Glauben.
Weil der Glaube der Auserwählten durch die Verzögerung der Erhörung und die Verzögerung der Wiederkunft des Herrn eine schwere Anfechtung zu bestehen hat, meint der Herr die Frage so: Ob wohl der Glaube nach der langen Prüfung noch beharrlich genug ist, um eine solche Rettung wie jene Witwe zu erfahren? Die leichte Zweifelsfrage des Herrn soll anspornen, im gläubigen Gebete auszuharren und nicht matt und lässig zu werden.

Rienecker – Wuppertaler Studienbibel

Aber der Herr sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt. Sollte aber Gott seinen Auserwählten nicht Recht schaffen, die zu ihm bei Tag und Nacht rufen, auch wenn er über ihnen langmütig bleibt? Ich sage euch: Rasch wird er ihnen Recht schaffen. Überwindet der dringliche, anhaltende Ernst der Bitte sogar einen ungerechten Richter auf Erden, so wird Gott vollends das Recht der Seinen schirmen und erweisen, die als seine Erwählten in seiner Liebe stehen und sein eigen sind. Nicht Fremden zur Hilfe offenbart er seine Gottesmajestät, sondern für die Seinigen. Ihnen hilft er zum Recht gegen die, die Gewalt an ihnen üben, ihr Wort verspotten, ihren Glauben verhöhnen, sie ins Böse stoßen und verführen und ihr Leben antasten. In diesem Streit ums Recht wird er die Entscheidung sichtbar geben und offenbar machen, wer seine Erwählten sind, wessen Wort von ihm ist und wessen Werk seinen Willen tut. Rufen sie ihn Tag und Nacht an, während er Langmut übt und des Gerichts sich noch enthält und auch der Sünderwelt Raum und Frist gibt, daß sie dahinleben kann wie in Noahs Tagen, so entsteht allerdings der Schein, als riefen auch sie wie jene Witwe den zum Richter an, der sich ihrer nicht annehmen will. Jesus aber sagt: Gott wird nicht umsonst angerufen; rasch greift er ein und macht das Recht derer offenbar, die auf ihn warten.
18,8b: Allein wird der Sohn des Menschen, wenn er kommt, auf Erden den Glauben finden? Droben im Himmel ist der Richter bereit, denen, die ihn anrufen, beizustehen und das Recht derer zu schirmen, die sich zu Jesus bekennen. Sieht er aber auf die Erde, dann entsteht die Frage, die er seiner Gemeinde vorlegt, damit sie sie bewege. Die Bitte findet droben Erhörung; aber werden sich auf Erden die Beter finden? Das Bitten erwächst aus dem Glauben und kommt nicht zustande, kann auch nicht Erhörung finden, wenn es nicht aus dem Glauben fließt. Als der Menschensohn zu seinem Dienst auf Erden kam, fand er den Glauben nicht, den er suchte. Es ist eine kleine Schar, die bei ihm steht. Nun geht er zum Vater zurück. Wird der Glaube bleiben, auch am Unsichtbaren hängen, auch dann, wenn man von seinen Tagen nichts sieht und jedermann ißt und trinkt, freit und sich freien läßt ohne Sorge, da ja der Menschensohn längst begraben ist? Jesus sagt nicht, er werde auf Erden den Glauben nicht mehr finden, sondern läßt die Frage ohne Antwort, damit sie das Gewissen der Seinen bewege; denn sie sind es, durch die dieser Frage die Antwort gegeben werden muß.
Seine Sorge ist wieder völlig derjenigen entgegengesetzt, die uns Menschen bedrückt. Wir fürchten gleich, Gott versäume sein Amt, lasse sich anrufen ohne Erhörung und werde an uns zum ungerechten Richter, der unsere Sache nicht zur seinen macht. Diese Sorge hat Jesus nicht bewegt. Auf Gott fällt kein Makel; denn er schafft rasch allen, die ihn bitten, Recht. Aber auf das, was die Menschen aus seinem Wort machen, sah Jesus mit tiefem Ernst. Sie können es freilich dahin bringen, daß dieses umsonst auf die Erde kam, und ein glaubensloses Geschlecht bleiben, das nicht um Gottes Hilfe bittet, weil es seine Sache nicht in Gottes Hände legen mag, auch nicht kann.
Daß der Menschensohn komme, sagt auch hier Jesus als ein gewisses Wort. Nicht ob ihn Gott nochmals sende, ob er sein begonnenes Werk vollenden und seine Gemeinde zu sich holen dürfe, nicht das macht er zur Frage, nur das eine, was als die Frucht seines irdischen Dienstes und seiner Kreuzestat den Menschen verbleibe, ob sich der Glaube, den er durch diese pflanzt, auf Erden erhalten werde bis zum Tag, an dem er kommt. Seine Sendung steht unabhängig über dem, was der Mensch will und glaubt, da er sie aus der Hand des Vaters empfängt. Was der Mensch will und glaubt, bedingt freilich sein eigenes Geschick, scheidet ihn von Gottes Reich oder gibt ihm daran teil. Doch Gottes Werk wird er nicht hindern und der Menschensohn sein Reich offenbaren; für wen und wie, das liegt in Gottes Rat.

Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament

Nachdem er seine Jünger über eschatologische Themen belehrt hatte, lehrte Jeschua zwei Prinzipien bezüglich des Gebets. Das erste Prinzip ist das der Beharrlichkeit (Lukas 18,1-8): Und er redete ein Gleichnis zu ihnen, dass sie allezeit beten und nicht verzagen sollten (Lukas 18,1). Beharrlichkeit im Gebet war besonders in Bezug auf das zweite Kommen notwendig. Da das Reich Gottes zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgerichtet sein würde, sollten die Jünger so beten, wie er sie zuvor gelehrt hatte: Dein Reich komme (Matthäus 6,10). Um diese Art des Gebets zu ermutigen, erzählte Jeschua das Gleichnis von der ungeduldigen Witwe (Lukas 18,2-5), in dem eine Frau zu einem Richter kam und verlangte: Räche mich an meinem Widersacher (Lukas 18,3). Der Richter war nicht allzu sehr auf Gerechtigkeit bedacht, aber weil die Witwe immer wieder kam, gab er schließlich nach und gewährte ihre Bitte. Ihre Hartnäckigkeit, nicht die Gerechtigkeit des Richters (Lukas 18:6), hat ihr Ziel erreicht.

Die Anwendung ist diese: Und wird Gott nicht seine Auserwählten rächen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und ist er langmütig über sie? Ich sage euch, daß er sie bald rächen wird. Wenn aber des Menschen Sohn kommt, wird er Glauben finden auf Erden? (Lukas 18:7-8). Die Formulierung „wenn der Sohn des Menschen kommt“ weist darauf hin, dass sich dieses Gebet auf das zweite Kommen bezieht. Wenn ein ungerechter Richter aufgrund von Beharrlichkeit antwortet, wie viel mehr wird Gott, der gerecht ist, auf beharrliches Gebet antworten? Obwohl der Vers andeutet, dass das zweite Kommen noch einige Jahre entfernt ist, stellt er auch klar, dass es mit Sicherheit kommen wird. Das Prinzip bezüglich des Gebets für das zweite Kommen ist folgendes: Die Gewissheit dessen, was erbeten wird, sollte uns zu Beständigkeit im Gebet führen. So sollte der Gläubige beharrlich beten: „Dein Reich komme“.

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Wenn sogar ein ungerechter Richter in der Lage ist, Recht zu schaffen, wieviel mehr wird dann ein Gott der Liebe und Wahrheit Seinen eigenen Auserwählten Recht schaffen, die Tag und Nacht zu Ihm schreien. Wir sollten diesen Ausdruck beachten, der auf einen Aufschub des göttlichen Eingreifens hinweist. Die Auserwählten „schreien Tag und Nacht zu ihm“, und er „ist langmütig in Bezug auf sie“. Gottes Verzug ist eine der Hauptmethoden der Erziehung in der Schule der Gnade, denn dadurch lehrt Er uns Glauben und Geduld. Es gibt noch einen zweiten Grund für den Verzug. Wo Petrus von Gottes Uhr spricht, sagt er, daß Gott „nicht will, daß irgendwelche verloren gehen, sondern daß alle zur Buße kommen“ (2 Petrus 3,9). Das ist der Zusammenhang hier. Wenn der Menschensohn kommt, wird Er Gericht über die Gesetzlosen bringen, aber Gott wartet in Geduld, daß böse Menschen zur Buße kommen; daher wartet der Herr noch ab.
Wenn nach Gottes Plan die Zeit für Sein Eingreifen gekommen ist, wird das Gericht plötzlich beginnen. Das stimmt völlig mit den Warnungen überein, die der Herr eben über das plötzliche Gericht beim Kommen des Menschensohnes gegeben hatte. Im soeben zitierten Abschnitt des Hebräerbriefes finden wir als exakte Parallelen zur Unterweisung über die Geduld des Herrn und das Warten Gottes (Hebräer 10,36) dennoch auch das plötzliche Kommen, denn es heißt „er wird nicht verziehen“ (10,37). Der Herr wird Sein Kommen hinausschieben, vielleicht sehr lange, so daß der Glaube der Treuen hart erprobt werden wird, aber „über ein gar Kleines, und der Kommende wird kommen und nicht verziehen“. Hierin steckt das Prinzip der unmittelbaren Erwartung Seines Kommens, das dem Ungläubigen paradox erscheinen mag, für den Gläubigen hingegen eine wunderbare Bedeutung hat. Der Herr lobt die Versammlung in Philadelphia „weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast“. Hier haben wir wiederum das Warten des Herrn, aber dann sagt Er: „Siehe, ich komme bald“ (Fußn. Elberf wörtl. „schnell, eilends“, Offb 3,10.11).
 Daß das Ausharren im Gebet und die Aufforderung, nicht zu ermatten, Sein Kommen im Auge hat, wird an der Frage ersichtlich, die das Gleichnis abschließt. „Den Glauben … auf der Erde“ muß persönlich verstanden werden als der Glaube der Getreuen, die weiterhin im Gebet verharren und die Hoffnung auf das Kommen des Herrn nicht preisgeben. Ein treuer Überrest wird auf den Sohn des Menschen warten, wenn Er vom Himmel herniederkommt. Das ist die Auslegung, die zum Zusammenhang des Gleichnisses paßt; wir sollten darüber aber nie die praktische Lektion übersehen, daß beharrliches Gebet mit Erhörungen vom Himmel her belohnt wird.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Wenn man in einer Gesellschaft lebt, die verrottet (17:37), ist die Luft giftig, und man wird leicht ohnmächtig! Aber das Gebet bringt uns in Kontakt mit dem reinen Sauerstoff des Himmels, so dass wir weitermachen können. In diesem Gleichnis über das Gebet stellt Jesus den selbstsüchtigen Richter und den himmlischen Vater einander gegenüber (und vergleicht sie nicht). Damals war es für arme Witwen sehr schwierig, zu ihrem Recht zu kommen, weil ihnen die Mittel fehlten, um die Beamten zu bestechen, die den Richter zum Handeln bewegen sollten. Aber diese Witwe wollte nicht aufgeben, bis der Richter ihr gegeben hatte, was ihr zustand.

Wenn schon ein selbstsüchtiger Richter die Bedürfnisse einer armen Witwe erfüllt, wie viel mehr wird dann der liebende himmlische Vater die Bedürfnisse seiner eigenen Kinder erfüllen, wenn sie zu ihm schreien? Dieses Gleichnis fordert uns nicht auf, Gott so lange zu bedrängen, bis er handelt; es besagt, dass wir ihn nicht zu bedrängen brauchen, weil er bereit und willens ist, unsere Gebete zu erhören. (Siehe 11:5-10 für ein ähnliches Argument.) Die Witwe hatte keinen Anwalt, aber wir haben einen Hohepriester am Thron Gottes im Himmel. Sie hatte keine Verheißungen, aber wir haben eine Bibel voller Verheißungen, die wir in Anspruch nehmen können. Sie war eine Außenseiterin, aber wir sind Kinder Gottes! Welch ein Privileg ist es, zu beten!

Wiersbes Erläuterungen zum Neuen Testament

soll er das mit Gottvertrauen tun

Doch soll der Betreffende seine Bitte in einer Haltung des Vertrauens vorbringen und nicht in der Haltung des Zweiflers; denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die – vom Wind aufgepeitscht – einmal hierhin und dann wieder dorthin getrieben wird.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Jakobus 1:6

Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifelnde ist gleich einer Meereswoge, die vom Winde bewegt und hin und her getrieben wird.
Elberfelder 1871 – Jakobus 1,6

Doch wenn er diese Bitte vorbringt, soll er das mit Gottvertrauen tun und sich keinen Zweifeln hingeben. Ein Zweifler ist nämlich wie eine vom Wind gepeitschte hin- und herwogende Meereswelle.
NeÜ bibel.heute Stand 2020 – Jak 1,6

Doch er soll voller Vertrauen bitten und keinesfalls zweifeln! Denn wer zweifelt, der ist wie eine Welle im Meer, vom Wind aufgepeitscht und hin und her geworfen.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Jak 1:6

Jehovah erhört unsere Gebete – das ist klar. Aber gibt Jakobus 1,6 wirklich her, dass wir alles, worum wir „im Glauben beten“ auch erhalten?? Vers 5 ist hier wichtig, um den Vers nicht aus dem Zusammenhang zu reißen!

Die Gaben Gottes sind jedoch an gewisse Vorbedingungen geknüpft. Um in der Anfechtung der Weisheit Gottes teilhaftig zu werden, muß der Gläubige richtig bitten, d. h. erstens, er muß im Glauben bitten: Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht (diakrinomenos, das Wort für „zweifeln“, versinnbildlicht ein Schwanken). Er darf nicht zu Gott kommen wie eine Meereswoge, die vom Winde getrieben (horizontal) und bewegt (vertikal) wird. Gott hat kein Gefallen an einem Zweifler (dipsychos, wörtlich „ein Mensch mit zwei Seelen“; vgl. Jak 4,8), der unbeständig auf allen seinen Wegen ist wie ein schwankender, strauchelnder Betrunkener. Gottes Antwort hängt auch von der Glaubensfestigkeit des Bittenden ab.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Der folgende sechste Vers ist schwer zu verstehen: „Er soll aber im Glauben bitten, ohne sich Zweifeln hinzugeben.“ Eigentlich heißt es hier: „indem er an nichts zweifelt“. Aber der Kontext macht klar, dass es sich nicht um gelegentliche Anfälle von Zweifeln handeln kann, sondern dass eine innere Grundlinie gemeint ist. Die Bedeutung von „zweifeln“ für das Verb διακρίνεσθαι „ist nicht vor dem NT nachweisbar“, wie Friedrich Büchsel feststellt. Büchsel stellt ferner mit Recht fest, dass Zweifel eine Gespaltenheit bezeichnet, die sich auf unsere Gesamthaltung bezieht. Deshalb haben wir die Übersetzung „sich Zweifeln hinzugeben“ vorgezogen. Die Gegenüberstellung „Glaube“ – „Zweifel“ lässt sich erneut auf Jesus zurückführen (Mt 21,21; Mk 11,23). „Glaube“ bedeutet hier ein ungebrochenes Vertrauen auf Gott – und zwar einen Gott, der sowohl schenken kann als auch schenken will.
Ist dieses ungebrochene Vertrauen nicht vorhanden, sondern wechselt der Mensch zwischen Vertrauen und Misstrauen, zwischen der Zuflucht zu Gott und der Zuflucht zu anderen Mächten und Voraussetzungen, dann „gleicht“ er „einer Brandung“. Der Vergleich mit der „Brandung, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird“, ist sehr eindrucksvoll. Er findet sich schon im AT (Jes 57,20) und ist im apostolischen Zeitalter beliebt, wie Eph 4,14; Jud 13 zeigen. Man darf dabei nicht vergessen, dass das bewegte Meer für den hebräischen Menschen immer etwas Unberechenbares und Unheimliches darstellte. Schäumende Brandung: Ist der Mensch, der bei sich selbst Halt sucht, oder der sich an anderen Menschen oder gar am Zeitgeist orientieren will, etwas anderes? Die biblische Lehre will zur Festigkeit führen, nicht zum Umhergetriebensein (vgl. I Tim 2,8).

Maier – Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament

Der rückhaltlosen Gebefreudigkeit Gottes entspricht es, wenn der, der um Weisheit bittet, vertrauensvoll betet und nicht zweifelt. Er bitte aber in vollem Vertrauen und ohne zu zweifeln. Welchen Grund zum Zweifeln hätte er auch? Jak verwendet hier wieder ein Jesuswort (Mt 21,21f). Wer glaubt und nicht zweifeltb, hat eine ungeheure Macht. Er kann sogar Berge versetzen und sie ins Meer stürzen lassen.
LUTHER beschließt seine Auslegung des Vaterunsers – des letzten Wörtchens »Amen« – im Großen Katechismus mit einem Hinweis auf Jak 1,6: »Siehe, soviel ist Gott daran gelegen, daß wir gewiß sollen sein, daß wir nicht ümbsonst bitten und in keinem Wege unsere Gebete verachten.«
Wer aber zweifelt, der ist wie eine Woge, die vom Wind hin- und hergeworfen wird. Er wendet sich mal auf die eine, mal auf die andere Seite. Er ist unbeständig und ruhelos. Zweifel entsteht dann, wenn in einem Menschen zwei Bewertungsmaßstäbe miteinander im Streit liegen, wenn ein Mensch sich nicht ungeteilt auf die Zusage Gottes, auf das Urteil Gottes und auf dessen Maßstab verlassen kann. Es ist, als ob sich zwei Stimmen zugleich melden. »Die eine Stimme in ihm sagt: Ruf Gott an, er verdient dein Vertrauen! Die andere Stimme sagt: Du betest umsonst, Gott denkt gar nicht daran, sich mit dir zu beschäftigen – schlimmer noch: so, wie du bist, hast du von ihm nichts zu hoffen.« In diesem Hin und Her ist viel Bewegung, und doch geht es nicht voran – wie beim Spiel der Wellen, die der Wind vor sich her treibt. Es ist eine innere Lebhaftigkeit ohne Ziel.
In der Neuzeit ist der Zweifel zur Tugend geworden. Der Zweifel gilt hier als der Anfang der Weisheit. In der Bibel besteht der Anfang der Weisheit in der Gottesfurcht (Spr 1,7).

Hans-Jürgen Peters – Wuppertaler Studienbibel

Er bitte aber im Glauben“: Gott kann und Gott will geben. Er schenkt in lauterer Güte, ohne seine Willigkeit zu geben durch unser vergangenes Verhalten beeinträchtigen zu lassen. Dem entspricht nun von unserer Seite das lautere, uneingeschränkte Vertrauen. Der grenzenlosen Güte Gottes kann man – will man sie nicht in Frage stellen, beleidigen und verletzen – nur mit grenzenlosem Vertrauen begegnen. – „Und ohne im geringsten zu zweifeln“: Der Zweifel stellt Gott und seine Güte in Frage. Er zerstört unsre Gemeinschaft mit Gott und ist die Ursünde (1 Mo 3,4.5: Gott meint es gar nicht gut mit euch; er will euch bloß „druntenhalten“). – „Denn der Zweifler gleicht der Meereswoge, die vom Wind bewegt und getrieben wird:“: Er ist hin und her gerissen: jetzt vertraut er Gott einen Augenblick lang und dann ist er wieder voll Mißtrauen: „Ich empfang ja doch nichts.“ Luther hat gesagt, der Zweifler gleiche einem Bettler, der einen Augenblick sein Gefäß darbietet und es dann gleich wieder zurückzieht in der Furcht, ja doch nichts zu erhalten; einem solchen Menschen könne man ja nichts ausschöpfen.

F. Grünzweig – Wuppertaler Studienbibel

Nach Weisheit kann man im Glauben streben. Man sollte aufpassen, daß man nicht zweifelnd oder schwankend bittet. Der Glaube bittet zuversichtlich. Wir setzen unsere Zuversicht nicht in die eigene Person, sondern in den allweisen Gott. Unseren Mangel einzugestehen, hat nichts mit Schwäche zu tun. Vielmehr handeln wir im Glauben, wenn wir Gott vertrauen und uns auf Ihn verlassen. Die Schwankenden vertrauen nicht völlig. „Ohne irgend zu zweifeln“ steht im Mittel und sagt daher etwas über den Bittenden aus. Zunächst beschreibt dieser Vers einen Mangel leidenden Bittenden, dessen Haltung und Handlung ihn als Beter erkennen lassen. Er befindet sich nicht in einer öffentlichen Versammlung, sondern ist mit Gott allein. Er ist der Bittende, Gott der Geber. Nichts deutet darauf hin, daß besondere Wendungen gebraucht werden, wodurch andere als Zuhörer aufmerksam gemacht werden könnten. Dieser Mensch ist mit Gott allein, er ist allein, ohne leere Worte zu verwenden. Er als derjenige, der freien Zugang zu Gott hat, wird von einer Not bedrängt. Er bittet daher flehentlich und als von einer persönlichen Not Bewegter. Sowohl die Tatsache, daß er Gott bittet, als auch die Art und Weise seines Bittens heben nachdrücklich hervor, daß hier der Glaube tätig ist. Durch Glauben ist er mit Gott verbunden. Tatsächlich gewinnt der Glaube im gesamten vorliegenden Brief für uns als Gott Nahende große Bedeutung. Was immer uns fehlt – der Glaube erkennt, daß es in Gott volle Genüge gibt, um unserer Not zu begegnen.
 In V.5 verweist Jakobus den bittenden Heiligen an Gott und führt gute Gründe dafür an, warum er seine Bitte an Ihn richten sollte. Gott wird als gebender Gott beschrieben, wobei Seine Gaben stets die gleichen Merkmale aufweisen: unübertroffen, in überreichem Maße dargebboten und anliegenbezogen. Gott erinnert den flehenden Heiligen nicht ständig daran, daß Er ihm bereits gegeben hat. Auch wird Er weder ärgerlich noch ungehalten, wenn Sein Angebot abgelehnt und falsch gebraucht wird. Er gibt weiterhin. Nun wird in V.6 der Flehende belehrt, wie er Gott bitten soll: Es muß mit Zuversicht zu dem Gott geschehen, dem sein Flehen jetzt galt. Wer im Glauben bittet, läßt uneingeschränkte Zuversicht erkennen, bei der es kein Zweifeln und Schwanken mehr geben soll. Uns sollte es weder an Zuversicht fehlen, wenn wir Gott inständig bitten, noch sollte in uns etwas auf den Unglauben ansprechen (was für andere möglicherweise nie sichtbar, uns selbst und Gott aber bekannt wäre). Wir sollten in Einfalt und ohne untergeordnete Motive bitten. Hierin stimmen Paulus und Jakobus miteinander überein (siehe Röm 12,8; 2Kor 9,12.13).
 Mit dem anschaulichen Bild einer ruhelosen, von einem starken Wind umhergetriebenen Woge illustriert Jakobus auf einfache Weise das Hin und Her des unbeständigen Herzens. Wer im Glauben bittet, läßt den Anker des Glaubens hinab und befestigt ihn auf sicherem Felsengrund. Der Mensch des Glaubens bittet und bleibt in seinem Glauben an Gott felsenfest. Andere, ungläubige Menschen gleichen dem Auf und Ab des Meeres, ruhelos und unbeständig.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Wenn wir Gott in Verbindung mit Prüfungen um Weisheit bitten, sollten wir dies im Glauben tun. Wir sollten dabei den gleichen Glauben, das gleiche Vertrauen und die gleiche Zuversicht haben, wie man sie gegenüber einem liebevollen Vater haben sollte, der am Wohl seiner Kinder sehr interessiert ist. Wir sollten nicht den geringsten Zweifel daran haben, daß wir Weisheit benötigen und daß Gott sie uns gewähren wird. Der Bittende muß einen unerschütterlichen Glauben an Gott und Jesus Christus haben und davon überzeugt sein, daß sie bereit sind, ihn mit dem Nötigen zu versorgen. Er muß ferner die richtigen Beweggründe haben, das heißt, er muß seinen Sinn ausschließlich auf die Interessen des christlichen Glaubens und die Vorsätze Gottes gerichtet halten. Sein eigenes Wohl ist natürlich eng damit verknüpft, und daher wird ein solches Gebet auch in seinem eigenen Interesse sein (Mark. 11:24).

Jemand, der unsicher ist, ob Gott seine Bitten erhören wird, ist wirklich wankelmütig. Seine Unsicherheit beraubt ihn seines Herzensfriedens. Manchmal ist er voller Hoffnung und Zuversicht, und dann fällt er wieder in Hoffnungslosigkeit und Zweifel zurück. Er legt nicht all seine Angelegenheiten ganzherzig in Gottes Hand. Ein solcher Zweifler gleicht einer Meereswoge, die hin und her getrieben wird. Weil es ihm an fester Überzeugung fehlt, läßt er sich leicht vom Druck der Verhältnisse beeinflussen. (Vergleiche Epheser 4:14.)

Kommentar zum Jakobusbrief – jw.org

In den Versen 6-8 jedoch stellt Jakobus eine Warnung, eine Art Dämpfer auf. Ein Bittsteller darf zwar Weisheit erbitten, um eine Prüfung durchstehen zu können; aber er muss im Glauben bitten – Er bitte aber im Glauben (V. 6). Bitte steht im Imperativ Präsens: Bitte fortwährend, halte an im Gebet. Der Glaube ist die Sicherheit, dass Gott sowohl willens als auch fähig ist, zu antworten. Die Haltung bei der Bitte: ohne irgend zu zweifeln. Zweifeln ist das Gegenteil von Glauben; es ist ein Wort, das „innere Unentschlossenheit“ ausdrückt. In seinem Gebet soll der Gläubige bitten, „ohne irgend zu zweifeln“. Das ist die Bedingung für die Sicherheit von Vers 5. Wenn er „im Glauben bittet“, wird ihm Weisheit gewährt, weil Gott es versprochen hat. Wer zweifelt, ist wie eine Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Das griechische Wort bezeichnet aufeinander folgende Wellen, eine nach der anderen, vom Wind getrieben. Das Wort finden wir nur hier und in Lukas 8,24. Wie eine Welle wird der Zweifler bewegt und hin und her getrieben. Das Wort bewegt heißt „vom Wind seitlich getrieben werden“; hin und her getrieben bedeutet eigentlich „mit dem Wind steigen und fallen“. Gemeint ist also eine zweidimensionale Instabilität – horizontal und vertikal. Wieder gebraucht Jakobus die Gegenwartsform, um diese konstante Unruhe und Aufregung im Zweifler zu betonen. Die Wogen der See reagieren auf äußere Kräfte, weil Wasser keine innere Stabilität besitzt, um äußeren Kräften zu widerstehen. Das ist die Beschreibung eines Zweiflers: Er hat keine innere Stabilität durch seinen eigenen Willen. Und das ist der Grund für seine andauernde Unruhe, Aufregung und Unentschlossenheit.
Ein solcher Mensch muss mit der Tatsache in Vers 7 konfrontiert werden: Der Zweifler wird schlicht und einfach keine Weisheit erhalten.

Arnold Fruchtenbaum – Der Jakobusbrief

Wenn ihr bei ihm nach Antworten sucht, dann wird er sie euch auch geben!

Und ich sage euch: Bittet, und es wird euch gegeben werden; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgetan werden.
Elberfelder 1871 – Lukas 11,9

Und ich sage euch: Bittet, und ihr werdet bekommen, ‹was ihr braucht›; sucht, und ihr werdet finden, klopft an, und es wird euch geöffnet!
NeÜ bibel.heute Stand 2023 – Lukas 11:9

Und so fordere ich euch auf: Bittet immer wieder und es wird euch gegeben werden, seid auf der Suche und ihr werdet Entdeckungen machen, klopft dauernd an und euch wird geöffnet werden!
Gottes Agenda – Lk 11,9

Und Ich, Ich sage euch: Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und es wird euch geöffnet werden; -Mt 7,7; 21,22; Mk 11,24; Joh 15,7; Jak 1,6; 1 Joh 3,22.
Abraham Meister – Lk 11:9

einen ähnlichen Gedanken hatten wir ja schon bei Matthäus gefunden

In dem unmittelbar zuvor gemachten Vergleich ist ein „Um wie viel mehr“-Argument impliziert: Wenn die menschliche Abneigung überwunden werden kann, sodass er auf die Bitte des Freundes eingeht, um wie viel mehr sollten wir die Bereitschaft Gottes erwarten, wenn wir ihn bitten, suchen oder bei ihm anklopfen?

Reformations-Studien-Bibel

Vers 9 enthält die Anwendung des voranstehenden Beispiels. Alle Bilder sind dem Gleichnis entnommen: das Anklopfen, das Bitten, aber auch das Suchen. Dies letztere erinnert an die Bemühungen des Freundes, der bei Nacht die Tür suchen muß und sie öffnen möchte. Die Steigerung in den Bildern hebt den Eifer des bittenden Freundes hervor, der bei den sich mehrenden Hindernissen noch wächst. — Diese Vorschrift hat Jesus Seiner persönlichen Erfahrung entnommen (Lk 3, 21ff.).
Es liegen feine Unterschiede in der Anwendung der drei Bildworte vor. Wer bittet, will etwas empfangen, was er nicht hat. Wer sucht, hat entweder etwas verloren, oder er möchte suchend etwas erlangen, was Zeit und Mühe verlangt. Wer anklopft, muß sich den Zutritt zu dem verschaffen, von welchem er die Erfüllung seines Wunsches erwartet. Die Aufforderung zum Suchen bedeutet ein ernsthaftes Verlangen (vgl. Jer 29, 13. 14). Das An-die-Tür-Klopfen bezeichnet ein anhaltendes Verlangen, wenn die Gewährung der Bitte sich auch verzögert und schwierig scheint (vgl. Lk 18, 1).
Die Grundtatsache, daß der Bittende empfängt, der Suchende findet und daß dem Anklopfenden die Türe geöffnet wird, mit anderen Worten, daß der ernste Beter die Erhörung seiner Gebete erlangt, begründet Jesus in Vers 11–13 mit Vorgängen aus dem praktischen Alltag.

Wuppertaler Studienbibel

Jesus hat die Absicht, die Jünger zum Gebet zu ermutigen.

»Ja, ich sage euch« – so beginnt Jesus diesen Abschnitt (V. 9). Das »ich« ist betont. Man könnte geradezu übersetzen: »So lehre ich euch«. Offensichtlich entdeckte Jesus bei seinen Jüngern viele Gebetsmängel. Nicht nur, dass sie nicht wussten, was sie beten sollten (V. 1); sondern sie wagten es auch nicht, ihre Anliegen dringlich vorzubringen (V. 5-8), und sie zweifelten außerdem an der Erhörung (V. 9-13). Ist es heute bei uns besser?

In kurzen Merksätzen gibt Jesus seine Instruktionen: »Bittet, so wird euch gegeben!« – »Suchet, so werdet ihr finden!« – »Klopfet an, so wird euch aufgetan!« (V. 9). Das »wird euch gegeben« und »wird euch aufgetan« bezieht sich jeweils auf Gott. Der Sinn ist also: »dann wird Gott euch geben«, »dann wird Gott euch auftun«. Vielleicht denkt Jesus an die Prozedur eines Bettlers. Erst bittet er, dann geht er dem Angebettelten nach (sucht), dann klopft er sogar noch an die Tür, durch die der Angebettelte soeben entschwunden ist. Zugleich verbinden uns die Stichworte »anklopfen« und »auftun«, also »öffnen«, mit dem Gleichnis vom bittenden Freund (V. 5-8). So, in Bettlerexistenz und mitder Zähigkeit eines Bettlers, sollen wir vor Gott leben. Es ist deutlich, dass Jesus in V. 9 den Akzent auf die Beharrlichkeit des Gebets legt.

Abgesehen von der Einleitung »Ja, ich sage euch«, stimmt Lk 11,9 wortwörtlich mit Mt 7,7 überein. Wir beobachten ferner, dass die Stichworte »bitten«, »geben«, »suchen«, »finden«, von der Tür, vom Haus, und vom »Anklopfen« sich schon zahlreich im AT finden (z. B. 2 Chr 33,13; Esr 8,23; Ps 37,4; Spr 8,17; 8,34ff.; Spr 9,1; 14,1; Jer 29,12ff.). Außerdem lehrt uns ein kurzer Überblick, wie wichtig im NT die Zusage der Gebetserhörung ist (vgl. Mt 18,19; Mk 11,24; Joh 14,13ff.; Joh 15,16; 1 Joh 3,22; Joh 5,14ff.; Jak 1,5ff.).

Gerhard Maier – Edition C

Die Geschichte drückt menschliche Gefühle aus und läßt auch an den Egoismus denken, von dem uns noch immer einiges anhaftet. Bei Gott aber kann von widerwilligem Geben keine Rede sein; im Gegenteil: Es ist Ihm eine Wonne, uns mit Gnadenerweisen und Segnungen zu überschütten. Halbherziges Bitten wird freilich keinen Segen auf uns herabbringen. Die Not muß sich dem Herzen tief eingeprägt haben, und die Bitten müssen von Dringlichkeit und Ausharren gekennzeichnet sein. Das ist wahres „Harren auf den Herrn“ (Ps 37,9; Jes 40,31). Durch dieses Warten lehrt uns Gott unsere vollständige Abhängigkeit von Ihm. Die drei Verben „bitten“, „suchen“, „anklopfen“ bezeichnen nicht eine einmalige Handlung, sondern eine beständige Haltung. Wir bitten um Stillen des Bedürfnisses; wir suchen, was uns mangelt, und wir klopfen an, wenn die Tür der Versorgung geschlossen ist.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Die Tatsache, dass Jesus beten musste, während er hier auf der Erde wirkte, ist Beweis genug, dass wir beten müssen. Jesus betete bei seiner Taufe (3,21), bevor er die Zwölf auswählte (6,12), bei der Verklärung (9,28), vor seiner Verhaftung (22,40-44), am Kreuz (23,46) und zu anderen Zeiten (5,16; 9,18). Die Zwölf lernten bald, wie wichtig das Gebet ist.

Was wir als „Vaterunser“ bezeichnen, sollte wahrscheinlich „Jüngergebet“ heißen, denn es enthält Dinge, die nicht den Herrn Jesus betrafen. Es ist ein „Mustergebet“, das uns hilft, unsere Gebetsanliegen so zu ordnen, dass sie dem Willen Gottes entsprechen. Beachten Sie, dass die Pronomen, die sich auf die Gläubigen beziehen, alle im Plural stehen, denn dies ist ein „Familiengebet“. Wir können zwar in der Einsamkeit beten (Mt 6,6), aber wir beten nicht allein, denn wir sind Teil „der ganzen Familie“ (Eph 3,14-15). Wenn wir beten, müssen wir Gottes Anliegen an die erste Stelle setzen (V. 2), bevor wir mit unseren Bitten kommen (V. 3-4).

Wahres Gebet basiert auf Sohnschaft und nicht auf Freundschaft. Dies ist kein Gleichnis, das „Beharrlichkeit im Gebet“ lehrt (obwohl das ein wichtiger Faktor ist), sondern die Bereitschaft Gottes, für die Seinen zu sorgen. Wenn ein müder, hartnäckiger Nachbar schließlich seinem Freund hilft, wie viel mehr wird ein liebender himmlischer Vater (der niemals schläft) die Bedürfnisse seiner eigenen Kinder erfüllen! Ja, wir sollten „immer weiter bitten, suchen und anklopfen“, nicht um Gottes Widerstand zu brechen, sondern um ihm unser großes Anliegen zu offenbaren, dass sein Wille geschieht. Es ist gut gesagt worden,

„Der Zweck des Gebets ist nicht, den Willen des Menschen im Himmel durchzusetzen, sondern den Willen Gottes auf der Erde.“

Gläubige brauchen heute nicht um die Gabe des Geistes zu beten, da der Geist in jedem Kind Gottes lebt, aber wir sollten um die „guten Gaben“ des Geistes beten (Mt 7,11), die wir brauchen, um unseren Charakter zu bilden, unser Verhalten zu lenken und uns zum Dienst zu befähigen (Eph 1,15-23 und 3,14-21).

Wiersbes Erläuterungen zum Neuen Testament

Am nächsten Morgen ging Jesus ganz früh an einen Ort, wo er ganz alleine sein konnte, um zu beten.

Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus und ging hin an einen öden Ort und betete daselbst.
Elberfelder 1871 – Markus 1,35

Am nächsten Morgen verließ Jesus lange vor Sonnenaufgang die Stadt und zog sich an eine abgelegene Stelle zurück. Dort betete er.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Markus 1:35

Und frühmorgens, als es noch tief in der Nacht war, stand er auf ‹und› ging hinaus. Und er ging weg an einen einsamen, ‹öden› Ort. Und dort war er am Beten.
Jantzen & Jettel 2017 – Mk 1,35

Ganz früh am nächsten Morgen, noch halb in der Nacht, ging Jesus aus dem Ort hinaus an eine einsame Stelle. Dort betete er.
Das Buch – 2009 – Mk 1:35

Beten nach Plan? Oder ist Beten etwa ein Gespräch – und für ein gutes Gespräch möchte man „keine Ablenkung“ und ist deshalb mit „seinem Gegenüber“ gern allein, um über alle Dinge zu sprechen, die einem auf dem Herzen sind. Ist Gebet für dich genau das: ein „Gespräch mit einem Gegenüber“??

Trotz der Anstrengung des vergangenen Tages (V. 21 – 34) stand Jesus am nächsten Morgen noch vor Tage auf (etwa um vier Uhr morgens) und ging hinaus an eine einsame (erEmon, „unbewohnt, abgelegen“) Stätte und betete dort. Er zog sich vor dem Ansturm der Menschen in Kapernaum in die Wüste zurück – den Ort, an dem er zum ersten Mal Satan begegnet war und seinen Versuchungen widerstanden hatte (vgl. V. 12 – 13).
Dreimal zeigt Markus Jesus im Gebet: zu Beginn seines Berichts (V. 35), in der Mitte (Mk 6,46) und am Ende (Mk 14,32-42). Jedesmal ist eine Atmosphäre von Dunkelheit und Einsamkeit um ihn. In allen drei Situationen stand Jesus vor der Versuchung, seinen messianischen Auftrag auf angenehmere, weniger mühselige Art und Weise zuerfüllen. Doch jedesmal gab das Gebet ihm Kraft, die übernommene Aufgabe weiterzuführen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Herrlichkeit … der schillernde Glanz der Gegenwart Gottes‘ verhüllt in menschlichem Fleisch. Herrlichkeit … nicht auf den Flügeln der Engel, sondern im Schoß einer jugendlichen Bäuerin. Herrlichkeit … nicht auf einem Kissen neben den knisternden Scheiten eines Kamins‘ sondern in einem Futtertrog inmitten des dampfenden Dungs von Schafen und Ziegen.

Jochanan beschrieb Jeschuas Herrlichkeit mit diesem Satz: Es war „die Sch’khinah des einzigen Sohnes des Vaters‘ voller Gnade und Wahrheit“ (Joh 1,14). Jeschuas Herrlichkeit war nicht seine blendende Schönheit und Pracht – seine Herrlichkeit war sein Status als einziger Sohn des Vaters.

Wie hat Jeschua diese herrliche Gemeinschaft aufrechterhalten? „Sehr früh am Morgen‘ als es noch dunkel war‘ stand Jeschua auf‘ ging weg‘ an einen einsamen Ort und blieb dort betend“; die Zeitform in diesem Satz deutet darauf hin, dass dies Jeschuas ständige Gewohnheit war (Markus 1,35). Selbst im dunklen Schatten des Richtpfahls betete er: „Vater, verherrliche deinen Namen!“ (Johannes 12,28).
Durch die Gebete des Juden Jesus können wir einen Blick auf das innere Leben Gottes werfen. Wir sehen.
… ein Gott, der Freude daran hat, das Unerwartete zu tun.
… ein Gott, der unsere Annahmen über seine Werke und seine Wege erschüttert.
… ein Gott, der eine Gemeinschaft schaffen will, die seine Herrlichkeit widerspiegelt.
… ein Gott, der sich so sehr nach einer neuen Zukunft für uns sehnt, dass er bereit war, seinen Sohn zu opfern, um sie zu schaffen.

Und das ist noch nicht alles. Genauso wichtig ist, dass die Gebete, die Jeschua betete, offenbaren, dass es im Zentrum von Gottes Wesen eine herrliche Gemeinschaft des Gebets gibt. Das bedeutet, dass wir, wenn wir beten, nicht nur ein paar Sätze an den Herrscher des Universums schicken – obwohl das an sich schon erstaunlich genug wäre. Durch das Gebet haben wir „Anteil an der Natur Gottes“ (2 Petrus 1,4). Wir erleben die unendliche‘ innere Gemeinschaft Gottes. Wir erhalten einen Vorgeschmack auf die glorreiche Zukunft, die Gott für uns geplant hat.
Karl Barth sagte einmal: „Sich im Gebet die Hände zu reichen, ist der Beginn eines Aufstandes gegen die Unordnung der Welt. „Ich denke, er hatte Recht. Wenn ich bete, nehme ich teil am inneren Leben des Einen, der sich danach sehnt, dass seine Schöpfung seine eigene Herrlichkeit vollkommen widerspiegelt, und der bereit war, den Juden Jesus, seinen kostbaren Messias, zu opfern, um seine Sehnsucht erfüllt zu sehen.

Timothy – P. Jones Beten wie der Jude Jesus – Die antiken Wurzeln des neutestamentlichen Gebets wiederentdecken

Früh am nächsten Morgen ging Jeschua allein los, um zu beten. Er suchte eine Zeit der Einsamkeit, eine Zeit weg von den Menschenmassen und doch eine Zeit mit dem Vater, um sich auf die nächste Phase seines Dienstes vorzubereiten (Markus 1,35; Lukas 4,42). Als die Apostel ihn fanden, teilte er ihnen mit, dass er nicht in Kapernaum bleiben würde, sondern von Stadt zu Stadt gehen würde, um die gute Nachricht vom Königreich zu verkünden (Markus 1,38; Lukas 4,43). Dies würde Jeschuas zweite große Predigttour sein.

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Die Wüste ist der wesentliche Übergang. Ohne diese zweifache Lektion wird es keine Begegnung mit einem heiligen Gott geben. Wir stellen uns manchmal eine geistliche Reise vor, die einen sofortigen Übergang von Ägypten zum Sinai bietet, die uns von den alten Wegen trennt und uns in die vollständige Offenbarung bringt, ohne die Realitäten von Disziplin, Prüfung und Vorbereitung. Aber wir werden die Begegnung mit einem heiligen Gott nicht wollen, wenn wir immer noch denken, dass wir etwas in uns selbst sind.
Der früheste Bericht über das Leben des Messias beginnt in der Wüste. Johannes ist „die Stimme eines Rufenden in der Wüste“, die vom Propheten Jesaja vorausgesagt wurde (Markus 1,3). Wie Mose ruft er die Israeliten hinaus in die Wüste, um Gott zu begegnen. Sie bereiten sich auf die Begegnung vor, indem sie im Jordan untertauchen und ihre Sünden bekennen. Auch Jeschua geht zu Johannes in die Wüste und wird ebenfalls untergetaucht, um dann weiter in die Wüste zu gehen und versucht zu werden. Nach der Versuchung ist er bereit, in die Dörfer und Städte Israels zurückzukehren, aber er kehrt immer wieder in die Wüste zurück, um Gott zu suchen und zu beten (Markus 1,35.45; Lukas 5,16). Im weiteren Verlauf der Geschichte nimmt er auch seine Jünger mit in die Wüste. Sie etablieren einen Rhythmus der Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Menschen und des Rückzugs in die Gegenwart Gottes.
Wüste ist wesentlich für unsere Bildung als Volk und als Individuen. Wir müssen die Wüste, die Stille und die Einsamkeit als Quellen der spirituellen Fülle annehmen. Andere Disziplinen, wie Fasten, Abstinenz von Unterhaltung oder einfach das Befolgen des Gebots, am Schabbat von unseren eigenen Werken abzulassen, führen uns zurück in die Wüste. Dort erinnern wir uns an eine zweifache Lektion: Wir sind verletzlich und abhängig, und Gott begegnet uns in unserer Abhängigkeit.

Russell Resnik – Tore zur Tora

Nur Markus und Lukas (Lk 4,42ff.) berichten diesen Vorfall. Die Art, wie Markus erzählt, deutet darauf hin, dass er die anschauliche Schilderung des Petrus wiedergibt.
Obwohl der vorausgehende Abend (Mk 1, 32) anstrengend war, erhebt sich Jesus »am frühen Morgen, noch vor Tage« (Mk 1, 35). Es ist die Zeit zwischen 3 und 6 Uhr morgens.
»Er verließ die Stadt« (d. i. Kapernaum), weil er die Einsamkeit suchte. Vermutlich stieg er die Anhöhen westlich oder nordwestlich von Kapernaum hinauf.
»Dort betete er.« Nach der Grammatik des griech. Textes ist daraus zu schließen, dass er längere Zeit im Gebet verweilte. Häufig weisen die Evangelien auf solche Gebetszeiten Jesu hin (vgl. Mt 14,23; 26,36; Lk 3,21; 5,16; 6,12; 9,18.28; 11,1). Offensichtlich konnte Jesus nur wirken, weil er viel und dringlich betete.
Tun wir dies auch?
Doch Jesus fand nicht die Ruhe, die er sich gewünscht hatte.

Gerhard Maier – Edition C

Mächtig ist die Volksbewegung in Kapernaum geworden. Das Volk sieht in Jesus vor allem den Wundermann und Helfer in aller materiellen Not.

Jesus entzieht Sich diesem Treiben, indem Er noch vor Sonnenaufgang, als es noch völlig Nacht war, in die Einsamkeit geht, um Sich im Gebet Kraft und Orientierung vom Vater zu holen. Noch mehrere Male, aber im ganzen recht sparsam und zurückhaltend (Markus 1,45;6,46;14,32; Lk 5,16;6,12;9,18), wird von den Evangelisten ein solcher Vorgang: Er ging fort an eine einsame Stätte, wo Er betete, vermerkt. Häufig genug mag im Leben des Heilandes dieser Gebetsvorgang sich ereignet haben.

Wichtig ist hier, in V 35 zu beobachten, daß drei Zeitbestimmungen die Morgen frühe betonen: 1. proi = frühmorgens – 2 ennycha = nächtlicherweise (dieses Wort steht im ganzen NT nur hier) -. lian = sehr. Man kann daraufhin so übersetzen: „Als es noch völlig Nacht war.“ Als also alles noch im Schlafe lag, noch völlig Nacht war, da drängt es den Sohn Gottes zum Vater. Im Gebet flieht der Sohn in die tiefste Einsamkeit.

„Was das Gebetsleben Jesu vor allem kennzeichnet, ist also die Verborgenheit, in der es verläuft. Wenn der Herr von den Seinen fordert: Betest du, dann gehe in dein Kämmerlein, schließ die Türe zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen (Mt 6,6), so hat Er das vor allem selbst geübt. Nirgends betet Er lieber denn in der Einsamkeit, dort, wo kein anderer Mensch ist, wo nur der Vater ist. Und da Er das Volk entlassen hatte, stieg Er auf einen Berg, um allein zu beten. Und es war sehr spät. Und Er war dort allein (Mt 14,23 = Markus 6,46;Johannes 6,15). In nächtlicher Einsamkeit, wo geheimnistiefes Schweigen um Ihn war, da fand Er Seinen Vater, Ihn allein. In Lk 6,12 erfahren wir: Und es begab sich in diesen Tagen, daß Er auf einen Berg ging, um zu beten. Und Er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott.

Dieses einsame Beten Jesu floß aber nicht bloß aus dem Bedürfnis Seiner Andacht, konzentriert, gesammelt zu beten. Noch ein viel Größeres lag hier verborgen. Es ist die geheimnisschwere Einsamkeit des Sohnes. In Seiner menschlichen Seele war ein Punkt, und zwar gerade der tiefste, innerste Punkt, der völlig menschenleer, völlig erdenfrei, der restlos allen irdischen Beziehungen entrückt, der in einer schlechthin überirdischen Aufgeschlossenheit dem Vater geweiht war. „Der Vater‘ war Seine Welt, Seine Wirklichkeit, Sein Leben. Erst durch den Vater wird Sein Leben, Sein irdisches Leben fruchtbarste Wirksamkeit. Jesu Beten ist nichts anderes denn ein immer neues Fühlungnehmen mit dem Vater, eine beglückende Nötigung, die Einsamkeit Seines Ich im Du des Vaters zu entspannen und auszulösen. Gerade im Gebet schließt Er sich mit dem Vater in eine Einheit zusammen, an der sonst niemand von den Menschen Teil hat, nicht einmal Seine Jünger. Der Vater, zu dem Er ruft, gehört Ihm in ganz besonderem Sinne an. Jesu Beten ist ein einzigartiges Beten, weil es die Einsamkeit des Sohnes mit dem Vater ist.“ (Vgl. Karl Adam „Jesus Christus“ S. 146.)

F. Rienecker – Wuppertaler Studienbibel

Bemerkenswert ist wieder die zweite Zeitangabe (s. Anm. zu 1,32). Indem Markus ausdrücklich einen Zeitpunkt noch vor Sonnenaufgang markiert (Anm. zu 13,35), schließt er aus, daß Jesu Beten sich aus der jüdischen Sitte des Morgengebetes erklärte. Fromme Juden übten drei tägliche Gebete: das erste bei Sonnenaufgang, das zweite um 15.00 Uhr zur Zeit des Abendopfers im Tempel und das dritte bei Sonnenuntergang. Beten darüber hinaus, gar zu jeder Zeit, stieß auf Skepsis, galt teilweise sogar als verboten, um nicht den Allerhöchsten zu belästigen (Bill. II, 237f.1036). Jesus aber betete stundenlang und zu untraditionellen Zeiten (vgl. 6,46; 14,32ff), nach Lk 6,12 durch die ganze Nacht hindurch. Jedenfalls fiel sein Beten auf (Lk 11,1). Er war der Beter ohnegleichen, der Sohn. So werden mitten im Heilungsbetrieb zu Kapernaum die Linien des Sohneszeugnisses nachgezogen und damit auch die Wunder Jesu eingeordnet (s. zu 1,27). Daß sie keinesfalls ausgeschieden werden sollen, wird V. 39 zeigen. Jesu Beten stand hier und 6,46 und ganz deutlich 9,29 im Zusammenhang mit seiner Wundertätigkeit.

Adolf Pohl – Wuppertaler Studienbibel

Jesus stand schon »frühmorgens, als es noch sehr dunkel war«, auf und ging an einen Platz, wo er nicht abgelenkt wurde, um dort eine Zeit im Gebet zu verbringen. Der Knecht Gottes öffnete jeden Morgen sein Ohr, um von Gott dem Vater Anweisungen für den Tag zu erhalten (Jes 50,4.5). Wenn der Herr Jesus es nötig hatte, morgens eine »Stille Zeit« einzulegen – wie viel mehr haben wir es nötig! Man beachte, dass er zu einer Zeit betete, die von ihm ein Opfer verlangte. Er stand auf und ging hinaus, als es noch sehr dunkel war, d. h. sehr früh am Morgen. Das Gebet sollte nicht eine Sache der persönlichen Bequemlichkeit sein, sondern der Selbstzucht und der Hingabe. Erklärt das vielleicht, warum heute so viel unfruchtbarer Dienst getan wird?

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Der Herr hatte einen Tag unermüdlichen Dienstes in Kapernaum verbracht.
Dennoch stand er früh auf, um an einem einsamen Ort mit Gott im Gebet Gemeinschaft zu pflegen und seinen Geist zu erfrischen. Es gibt zwei Worte im griechischen Text, die anzeigen, wie früh es war, als er Simons Hausverließ und sich zu einem einsamen Ort begab: „sehr früh“, und „nachts“. Diese wertvolle Mitteilung, die wir ausschließlich bei Markus finden, erinnert an das prophetische Wort über den Dienenden Herrn: „Erweckt jeden Morgen, er weckt mir das Ohr, damit ich höre gleich solchen, die belehrt werden.“ (Jes 50, 4). Das unterstreicht die völlige Abhängigkeit des Vollkommenen Dieners, der doch Sohn Gottes war, währender Jahwe dienend auf der Erde wandelte. Gebet ist der Ausdruck von Abhängigkeit. Jesus bedurfte Zeiten der Zurückgezogenheit und Gemeinschaft, in denen er sich immer wieder von neuem auf den Vater werfen konnte, dessen Ehre er suchte und für dessen Ruhm er gekommen war um zudienen und zu leiden. Bevor er in einen neuen Abschnitt seines Dienstes eintrat, verbrachte er Zeit allein mit Gott. Darin ist er unser Beispiel. Wie oft versagen wir in unserem Dienst, weil wir den heiligen, vertrauten Umgang mit dem Vater versäumen. Jeder Diener Gottes kennt die Wichtigkeit des Alleinseins im Gebet mit Gott, denn nur darin liegt das wahre Geheimnis der Kraft zu Dienen.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

BIBLISCHE BESINNUNG: DER MORGEN

Jeder neue Morgen ist ein neuer Anfang unsers Lebens. Jeder Tag ist ein abgeschlossenes Ganzes. Der heutige Tag ist die Grenze unsers Sorgens und Mühens (Mt 6,34 Jac 4,14). Er ist lang genug, um Gott zu finden oder zu verlieren, um Glauben zu halten oder in Sünde und Schande zu fallen. Darum schuf Gott Tag und Nacht, damit wir nicht im Grenzenlosen wanderten, sondern am Morgen schon das Ziel des Abends vor uns sähen. Wie die alte Sonne doch täglich neu aufgeht, so ist auch die ewige Barmherzigkeit Gottes alle Morgen neu (Klag. 3,23). Die alte Treue Gottes allmorgendlich neu zu fassen, mitten in einem Leben mit Gott täglich ein neues Leben mit ihm beginnen zu dürfen, das ist das Geschenk, das Gott uns mit jedem neuen Morgen macht.
In der heiligen Schrift ist der Morgen eine Zeit voller Wunder. Er ist die Stunde der Hilfe Gottes für seine Kirche (Ps 46,6), die Stunde der Freude nach einem Abend des Weinens (Ps 30,6), die Stunde der Verkündigung des göttlichen Wortes (Zeph 3,5), der täglichen Austeilung des heiligen Mannas (2 Mose 16,13 f). Vor Tagesanbruch geht Jesus beten (Mk 1,35), in der Frühe gehen die Frauen zum Grab und finden Jesus auferstanden, im Morgengrauen finden die Jünger den Auferstandenen am Ufer des Sees von Tiberias (Joh 21,4). Es ist die Erwartung der Wunder Gottes, die die Männer des Glaubens früh aufstehn läßt (1 Mos 19,27 2 Mos 24,4 Hiob 1,5 und öfter). Der Schlaf hält sie nicht mehr. Sie eilen der frühen Gnade Gottes entgegen.
Beim Erwachen vertreiben wir die finsteren Gestalten der Nacht und die wirren Träume, indem wir alsbald den Morgensegen sprechen und uns für diesen Tag für Hilfe dem dreieinigen Gott befehlen. Böse Launen, unbeherrschte Stimmungen und Wünsche und Sorgen, die wir am Tag nicht mehr los werden, sind oft genug Nachtgespenster, die nicht beizeiten verjagt worden sind und uns den Tag vergällen wollen. In die ersten Augenblicke des neuen Tages gehören nicht eigene Pläne und Sorgen, auch nicht der Übereifer der Arbeit, sondern Gottes befreiende Gnade, Gottes segnende Nähe. Wen die Sorge frühzeitig aufweckt, zu dem sagt die Schrift: „es ist umsonst, daß ihr frühe aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Tränen“ (Ps 127,2). Nicht die Angst vor dem Tag, nicht die Last der Werke, die ich zu tun vorhabe, sondern der Herr „weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr daß ich höre wie ein Jünger“; so heißt es vom Knecht Gottes (Jes 50,4). Bevor das Herz sich der Welt aufschließt, will Gott es sich erschließen, bevor das Ohr die unzähligen Stimmen des Tages vernimmt, soll es in der Frühe die Stimme des Schöpfers und Erlösers hören. Die Stille des ersten Morgens hat Gott für sich selbst bereitet. Ihm soll sie gehören.
Vor das tägliche Brot gehört das tägliche Wort. Nur so wird auch das Brot mit Danksagung empfangen. Vor die tägliche Arbeit gehört das morgendliche Gebet. Nur so wird die Arbeit in der Erfüllung des göttlichen Befehls getan. Für stille Gebetszeit und gemeinsame Andacht muß der Morgen eine Stunde hergeben. Das ist wahrhaftig keine vergeudete Zeit. Wie könnten wir anders gerüstet den Aufgaben, Nöten und Versuchungen des Tages entgegengehen? Und ob wir auch oft nicht „in Stimmung“ dafür sind, so ist es doch schuldiger Dienst an dem, der von uns angerufen, gelobt und gebeten sein will und der uns unsern Tag nicht anders als durch sein Wort und unser Gebet segnen will.
Es ist nicht gut von „Gesetzlichkeit“ zu reden, wo es um die Ordnung unsers christlichen Lebens, um die Treue in den gebotenen Dingen des Schriftlesens und Betens geht. Unordnung zersetzt und zerbricht den Glauben. Das muß der Theologe besonders lernen, der Zuchtlosigkeit so leicht mit evangelischer Freiheit verwechselt. Wer einmal ein ausfüllendes geistliches Amt versehen und nicht in Betriebsamkeit sich und seine Arbeit zugrunde richten will, der lerne beizeiten die geistliche Disziplin des Dieners Jesu Christi. Der junge Theologe wird es als eine große Hilfe erfahren, wenn er sich für sein stilles Gebet und für die Andacht feste Zeiten setzt, die er in großer Beharrlichkeit und Geduld einhält.
Die stille Gebetszeit braucht jeder Christ. Der Theologe, der Christ sein will, braucht sie nötiger als irgend ein anderer. Er braucht mehr Zeit für Gottes Wort und für das Gebet, denn dazu ist er besonders [ein]gesetzt (Akta 6,4). Wie sollen wir den Tag über mit Gottes Wort umgehen, predigen und unterweisen lernen, anderer Menschen Last brüderlich tragen helfen, wenn wir nicht selbst Gottes Hilfe für den Tag erfahren haben? Wir wollen ja nicht Schwätzer und Routiniers werden. Es ist ratsam der stillen Gebetszeit ein Wort Gottes zugrunde zu legen. Das gibt dem Gebet Inhalt, festen Grund und Zuversicht. Es kann für eine Woche derselbe Schriftabschnitt sein. Dann wird das Wort in uns zu wohnen und zu leben beginnen und uns bewußt oder unbewußt gegenwärtig sein. Ein zu rascher Wechsel macht oberflächlich. Auf dem Grund der Schrift lernen wir in der Sprache, in der Gott zu uns gesprochen hat, zu Gott sprechen, wie das Kind zum Vater. Vom Worte Gottes ausgehend beten wir alles was das Wort uns lehrt, bringen wir den kommenden Tag vor Gott und reinigen unsre Gedanken und Vorsätze vor ihm, beten wir vor allem um die volle Gemeinschaft Jesu Christi mit uns. Wir wollen nicht vergessen für uns selbst zu beten. „Achte deine Seele hoch in Demut“ ([Jesus Sirach 10,31]17). Dann aber liegt vor uns das weite Feld der Fürbitte. Hier weitet sich der Blick, er sieht nahe und ferne Menschen und Dinge, um sie der Gnade Gottes zu befehlen. Keiner, der uns um unsre Fürbitte gebeten hat, darf fehlen. Dazu kommen all die, die uns persönlich oder beruflich besonders anbefohlen sind und das sind viele. Schließlich weiß jeder von Menschen, denen sonst wohl kaum einer diesen Dienst tut. Nicht vergessen wollen wir, Gott für die zu danken, die uns durch ihre Fürbitte helfen und stärken. Wir wollen die stille Gebetszeit nicht beschließen, bevor wir mehrfach und schließlich mit großer Gewißheit das Amen gesprochen haben.
Zur gemeinsamen Andacht suchen wir Hausgenossen oder Brüder aus der Nachbarschaft, um mit ihnen zusammen das Wort Gottes zu hören, zu singen und zu beten. In die Andacht gehören vor allem die gemeinsam gelesenen Psalmen, die nur dann zu unsrem Besitz werden, wenn wir sie täglich und reichlich und ohne Auslassung lesen und beten, auch dort wo sie uns schwer werden. Dann sollte ein nicht zu bescheidener Abschnitt im Alten und Neuen Testament fortlaufend zur Verlesung kommen. Das Lied der Kirche stellt uns in die große Gemeinde der Gegenwart und Vergangenheit. Das Gebet, das einer für die ganze Gemeinschaft spricht, bringt die gemeinsamen Anliegen der kleinen Hausgemeinde vor Gott.
Nun hat Gott in dem Schweigen des Morgens sein Wort geredet, nun haben wir mit ihm und mit der Gemeinde der Christen Gemeinschaft gefunden. Sollten wir nun nicht zuversichtlich an das Tagewerk gehen?

Dietrich Bonhoeffer – Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde 1935–1937

Dagegen sollen eure Wünsche in jeder Gebets- und Bittzeit zusammen mit Danksagung Gott gegenüber kundgetan werden.

Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasset durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden;
Elberfelder 1871 – Philipper 4,6

Macht euch um nichts Sorgen! Wendet euch vielmehr in jeder Lage mit Bitten und Flehen und voll Dankbarkeit an Gott und bringt eure Anliegen vor ihn.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Philipper 4:6

Seid um nichts besorgt! Dagegen sollen eure Wünsche in jeder Gebets- und Bittzeit zusammen mit Danksagung Gott gegenüber kundgetan werden.
Gottes Agenda – Phil 4,6

Lasst euch nicht von Sorgen kaputt machen! Stattdessen sagt Gott in eurem Zwiegespräch mit ihm und in euren Bitten an ihn frei und offen das, was ihr braucht, und drückt dabei eure Dankbarkeit aus!
Das Buch – 2009 – Phil 4:6

im vorhergehenden Vers hat Paulus zu Nachgiebigkeit aufgerufen. Jetzt fordert er sie zu einer beständigen Haltung des Gebets auf. Das Wort für besorgt Seine, merimnao wurde für die Sorge des Timotheus um die Gläubigen zu Philippi gebraucht (2,20). in Matth 6,25 belehrte verwahrt wurde, und in 1.Petr 1,5, daß Gott uns durch Seine Macht bewahrt, (eigentlich über uns Wache hält; B.P.).
    Herz und Verstand werden miteinander verbunden, und sie stehen auch in Sprüche 23,7 zueinander in Beziehung. Das Herz, kardia, ist die unsichtbare Quelle aller Aktivität, wie die zahlreichen Stellen im AT wie im NT belegen. Petrus spricht vom » verborgenen Menschen des Herzens « (1.Petr 3,4). Für » Sinn « steht hier noäma, was in 2.Kor 2,11; 10,5 mit » Gedanken « wiedergegeben wird. » In Christus Jesus « betont die Bewahrung durch den Herrn selbst. Die Reihenfolge der Titel ist wichtig: Es geht um den Herrn Jesus als den Auferstandenen und zur Herrlichkeit Erhöhten.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Freude und Güte (V. 4-5) sollten eigentlich, zusammen mit dem Bewußtsein, daß die Rückkehr Christi unmittelbar bevorsteht, jede Angst vertreiben. Paulus fordert die Philipper denn auch auf: „Sorgt euch um nichts.“ Das ist allerdings kein Aufruf zu einem leichtfertigen Leben. Sich um etwas zu kümmern und wirklich Anteil zu nehmen, ist eines, sich zu ängstigen ein anderes. Paulus und Timotheus engagierten sich für die Menschen, denen sie dienten ( 2Kor 11,28; Phil 2,20), doch sie setzten ihr Vertrauen auch dabei auf Gott. Schon Jesus hatte die Menschen vor der Angst und Sorge gewarnt, die das Vertrauen auf Gott untergraben ( Mt 6,25-33 ).
Paulus ermahnt die Philipper statt dessen zum Gebet. Gebet und Danksagung erwachsen aus dem Vertrauen auf Gott. Mit vier Begriffen wird hier die Gemeinschaft und das Gespräch des Gläubigen mit Gott beschrieben. „Im Gebet“ (proseuchE) bezeichnet den Weg, auf dem der Christ sich Gott nähert. „Das Flehen“ (deEsai) betont die Bitte um Antwort auf ein bestimmtes Bedürfnis. „Danksagung“ (eucharistias) ist eine innere Einstellung, die im Gebet niemals fehlen darf. Die „Bitten“ (aitEmata) beziehen sich auf ganzbestimmte Dinge, um deren Erfüllung der Gläubige bittet.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Vers 6 erläutert die zweite Hälfte des Bekanntmachens. War es im vorangehenden Vers darum gegangen, bei unseren Mitmenschen für unsere Milde bekannt zu sein, so wird hier betont, dass wir das Notvolle und Beschwerliche unseres Lebens bei Gott bekanntmachen sollen. Wir dürfen und sollen all das, was wir nicht in Milde tragen können, bei Gott abladen. Bei Gott dürfen wir uns »abreagieren«. Mit allem, was wir zu erbitten haben, dürfen wir zu Gott kommen. Natürlich ist auch hier wichtig, wie wir im Vaterunser gelehrt werden, »dein Wille geschehe« in rechter Weise zu beten.
Dieser Vers sagt uns Grundsätzliches über das Beten und über die Art und Weise, in der es verrichtet werden soll. Wir haben hier eine kleine Sammlung der Begriffe für das Gebet: Anbetung, Bittgebet, Flehen/Verlangen und Dankgebet. Jeder dieser aufgeführten Begriffe kann mit »Gebet« wiedergegeben werden. Jedoch hat jeder einzelne Begriff seine besondere Bedeutung. Die Anbetung meint das Gebet, das an Gott in Lob und Preis gerichtet wird. Das Bittgebet meint das Beten, das auch den deutschen Begriff »Gebet« prägt: das Bitten. Das »Flehen« verstärkt diese Form des Betens (das Verbum aiteo bedeutet »fragen«, »erbitten«, »benötigend und »verlangen«) und bringt das Ringen mit Gott im Gebet zum Ausdruck. dass Gebet aber auch »Danksagung« ist, zeigt das letzte Wort. Diese vier sind nicht einfach verschiedene Möglichkeiten, mit Gott zu reden. Vielmehr gehören alle vier Aspekte des Gebetes zusammen, um in geeigneter Weise mit Gott reden zu können.
In der Aufforderung »sorgt euch um nichts« finden wir eine Entsprechung zu »freuet euch allewege« (V. 4). Es sind zwei Seiten einer Mitteilung. In beiden Hälften wird die Ausschließlichkeit betont. Einmal soll die Freude immer vorhanden sein, auf der anderen Seite soll es keine Sache geben, deretwegen der Christ sich sorgt. Auch in diesem zweiten Punkt wird der Grund genannt. Weil wir zu Gott kommen dürfen mit alldem, was uns sonst Sorgen bereiten würde, gibt es keinen Anlass, sich selber Sorgen darüber zu machen. Wenn wir wirklich glauben, dass Gott Gebete erhört und über Bitten und Verstehen tut, dann ist es nur folgerichtig, wenn wir die Sorgen mit den Problemen gleich abgeben. Manchmal tut der Christ so, als ob Gott mit seinen Problemen nicht fertig werden würde. Er sagt ihm zwar seine Nöte, trägt aber weiterhin alle Sorgen mit sich herum. Es ist nicht einfach, die Sorgen loszulassen, geschweige denn, sie »auf Gott zu werfen«. Alles Menschliche und Natürliche in uns wehrt sich dagegen. Und doch will es Gott von uns, dass wir dies lernen.

Gerhard Maier – Edition C

Nichts aber stört so leicht jene wahre Christenfreude, als die Besorgniss um unser irdisches Ergehen, die im Blick auf die drohenden Gesahren und Trübsale ängstlich nach Hülfe umherschaut. Darum soll der Christ in keinem Stücke sorgen, vielmehr soll er in allen Stücken sich damit begnügen, seine Wünsche vor Gottes Angesicht kund werden zu lassen, und damit zeigen, dass er weiss, wo sicher Hülfe zu finden ist. Er soll es thun in dem Gebete, das, ohne rathlos umherzublicken, sich gläubig und getrost direct an den rechten Helfer, an Gott selbst, wendet, und in dem Flehen, das auf alle Selbsthülfe verzichtend, demüthig alles allein von Gott erbittet. Dieses Gebet aber muss stets begleitet sein mit Danksagung für alle empfangenen Wohlthaten, auch für das, was auf den ersten Vlick nicht wie Wohlthat erscheint; denn so allein zeigt man zugleich die wahre Ergebung in den göttlichen Willen, welche jedes Gebet erhörlich macht und alle Sorge überwindet.

Bernhard Weiss – Der Philipperbrief Ausgelegt und die Geschichte Seiner Auslegung Kritisch Dargestellt: Kommentar

Wie gut hat es eine Gemeinde Jesu! Das, wozu sie „gemahnt“ wird, ist ja doch lauter Glück! „Freude“, „Milde“ und nun auch „Sorglosigkeit!“ Warum ist solche Aufforderung „Um nichts macht euch Sorgen!“ etwas anderes als eine erbauliche Rederei, die man am Sonntag von zehn bis elf in der Kirche anhören mag, aber am Montagmorgen beim Aufstehen in die Woche hinein doch nicht durchführen kann? Weil hier dem negativen „Nichts sorgen“ das mächtige, tragende Positivum zur Seite tritt: „sondern beten!“ „Sondern in allem sollen durch das Gebet und durch das Bitten mit Danksagung eure Anliegen kundwerden zu Gott!“ Statt „in allem“ sollten wir vielleicht noch besser übersetzen „in jedem einzelnen Fall“. Die „Anliegen“ sind im griechischen Wort „die Dinge, die man vom andern begehrt und erbittet“. Was wir in unserer Lage brauchen, das hat Gott für uns reichlich bereit. Darum sollen wir das, was wir haben müssen, nicht sorgend uns selbst vorerzählen – das ergibt einen wahren „Teufelskreis“ der ständigen Steigerung des Sorgens und Ängstens –, sondern bittend im Gebet zu Gott hin kundwerden lassen. Daß wir wirklich vertrauensvoll beten und nicht nur unsere Not hinausrufen, wird sich daran zeigen, daß wir auch jetzt „danken“ und dankend dessen gedenken, was Gottes Hilfe uns so oft schon gegeben hat. Das „Bitten mit Danksagung“ legt Zuversicht und Kraft in unser Beten. Sind wir Christen in einer von Angst und Sorgen umgetriebenen Welt als die heilig Sorglosen erkennbar?

de Boor – Wuppertaler Studienbibel

Um nichts besorgt sein
„Seid um nichts besorgt“ (Phil 4,6). Was für ein herrliches Wort! Ich habe seine tröstende Kraft oft erfahren. Selbst wenn uns eine schwere Prüfung auferlegt ist, gilt dennoch: „Seid um nichts besorgt.“
Du sagst: „Es geht nicht um Kleinigkeiten; es geht um Gläubige, die einen falschen Weg gehen.“ Nun, „seid um nichts besorgt“. Nicht dass du gleichgültig sein sollst – aber du versuchst, die Last zu tragen, und damit zermarterst du dein Herz. Wie oft hat eine Last den Sinn eines Gläubigen vereinnahmt, und wenn er versucht, sie abzuschütteln, kommt sie zurück und quält ihn. Aber: „Seid um nichts besorgt“ ist ein Gebot, und es ist wunderbar, so ein Gebot zu haben.
Es ist ein Gebot Gottes: „Seid um nichts besorgt“.
Was soll ich dann tun? Zu Gott gehen. „In allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden“ (Phil 4,6). Dann kannst du inmitten aller Sorgen danken. Du musst nicht warten, bis du herausgefunden hast, ob das, was du dir wünschst, der Wille Gottes ist. Nein. „Lasst eure Anliegen kundwerden.“
Liegt eine Last auf deinem Herzen? Geh damit zu Gott! Er sagt nicht, dass du das, um was du bittest, bekommen wirst. Als Paulus betete, bekam er zur Antwort: „Meine Gnade genügt dir“ (2 Korinther 12,9). Aber der Friede Gottes wird dein Herz und deinen Sinn bewahren – du selbst kannst diesen Frieden nicht bewahren. Ist Gott je durch die kleinen Dinge beunruhigt, die uns beunruhigen? Erschüttern sie seinen Thron? Er denkt an uns, wir wissen es; aber Er ist nicht in Unruhe. Und der Friede, der in Gottes Herz ist, soll uns bewahren. Ich bringe alles zu Ihm, und ich finde, dass Er ganz in Ruhe darüber ist.
Ich bringe alles zu Ihm, und ich finde, dass Er ganz in Ruhe darüber ist.
Es ist alles entschieden: Er weiß ganz genau, was Er tun wird. Ich habe meine Last niedergelegt am Thron der Gnade, der nie erschüttert wird, und habe die vollkommene Gewissheit, dass Gott Interesse an mir hat. So bewahrt der Friede, in dem Er selbst ist, mein Herz, und ich kann Ihm danken, noch bevor die Not vorüber ist. Ich kann sagen: „Gott sei Dank! Er hat ein Interesse an mir.“ Es ist wunderbar, dass ich diesen Frieden besitzen kann. Ich darf zu Gott gehen und mein Anliegen vorbringen – vielleicht ein sehr törichtes Anliegen – und kann darüber in Gemeinschaft mit Gott sein, anstatt über die Prüfungen zu grübeln.

Im Glauben leben 03-2016

Sorgen sind überall zu Hause. Es gibt keinen Kontinent, kein Land, keine Stadt und kein Haus, wo sie nicht wohnen würden. Sorgen sind an keine Zeit gebunden. Sie sind in schweren Stunden gegenwärtig, aber sie verdunkeln auch die schönsten Augenblicke. Keiner liebt sie. Jeder kennt sie.
Doch Kinder Gottes brauchen um nichts besorgt zu sein! Keine einzige Not soll uns niederdrücken, kein Gedanke quälen. Denn wir haben eine Anlaufstation, wo wir unsere Sorgen „entsorgen“ können – bei Gott. Wenn Sorgen in unseren Herzen aufsteigen, sollten wir darum aus ihnen immer ein Anliegen machen, das wir vor Gott bringen. „Werft es mit Haufen hinaus … Und sollten es eitel Säcke voll Mangels sein. Alles hinaus!“ (M. Luther). Wer so alles hinauswirft, kann das genießen, was Gott uns geben will: seinen eigenen Frieden.
Gott sitzt auf seinem Thron in völliger Ruhe. Nichts kann den Souverän erschüttern, kein Ereignis im Universum Ihn unruhig machen, niemand Ihn erschrecken. Und das Herrliche ist: Was für den großen Gott im Himmel gilt, soll auch für kleine Menschen auf der Erde wahr werden. Wir sollen Frieden haben! Auch dann, wenn das Lebensschiff auf den Wellen der Erprobungen bedenklich schaukelt und uns der Sturm der Erprobung ins Gesicht bläst.
Bringen wir Gott unsere Sorgen, schenkt Er uns seinen Frieden. Wahrlich ein großartiger Tausch! Natürlich ändern sich die Umstände nicht sofort, wenn wir gebetet haben. Aber wir ändern uns. Nachdem Hanna im Schmerz der Kinderlosigkeit ihre bittere Seele vor Gott ausgeschüttet hatte, war ihr Angesicht nicht mehr dasselbe und sie ging hin in Frieden (1 Samuel 1,17.18). Das kann auch deine Erfahrung sein.

Gerrid Setzer – Im Glauben leben 06-2017

gedenke doch meiner, und stärke mich doch nur diesmal

Und Simson rief zu Jehova und sprach: Herr, Jehova! gedenke doch meiner, und stärke mich doch nur diesmal, o Gott, daß ich an den Philistern eine einmalige Rache nehme für meine beiden Augen!
Elberfelder 1871 – Richter 16,28

Da rief Simson zu Jehova, und sprach: Herr Jehova! gedenke doch meiner, und stärke mich, dass ich doch diesesmal für meine zwei Augen Eine Rache an den Philistern nehmen kann!
van Ess 1858 – Richter 16:28

Und Schimschon rief zum Ewigen und sprach: Herr, Ewiger, gedenke doch meiner und stärke mich doch nur diesmal, oh Gott, dass ich einmal Rache nehme an den Pelischtim wegen meiner beiden Augen.
Die Philippson-Bibel – Ri 16,28

Es kam die Zeit, zu der die Fürsten der Philister ihrem Gott Dagon ein großes Opfer darbringen wollten . Dagon war eine westsemitische Getreidegottheit (vgl. 1Sam 5,2-7; 1Chr 10,10 ), die die Philister von den Amoritern übernommen hatten. Weil sie glaubten, daß ihr Gott ihnen Simson in die Hände gegeben hatte, riefen sie diesen aus dem Gefängnis, denn sie wollten, daß er sie unterhalten sollte (offensichtlich erwarteten sie, einige Kraftakte zu sehen, oder sie wollten sich vielleicht auch nur über ihren jetzt ohnmächtigen Feind lustig machen). Ein philistäischer Tempel war normalerweise ein langgezogener Innenraum mit zwei Hauptsäulen, die das Dach stützten. Eine große Gruppe von Philistern (darunter etwa 3 000 Menschen auf dem Dach) beobachteten Simsons Auftritt, offensichtlich in einem Außenhof. Worin sein „Auftritt“ bestand, wissen wir nicht. Dann bat der blinde Simson den Knecht, der ihn führte, unter dem Vorwand, daß er sich an sie anlehnen wollte, ihn zu den Säulen, die den Tempel trugen, zu bringen. Aber dann betete er zu dem HERRN , daß er ihm noch einmal Stärke schenken möge, damit er an den Philistern Rache nehmen könnte. Simson … stützte sich gegen die Säulen (entweder, indem er sie nach außen drückte oder indem er sie dadurch zusammenschob, daß er sich nach vorn beugte), drückte mit all seiner Kraft und sagte: Laß mich mit den Philistern sterben! Gott erhörte sein letztes Gebet, und der Tempel wurde zerstört. So starben bei Simsons Tod mehr Menschen als er während seines Lebens erschlagen hatte. Zuvor hatte er zumindest 1 030 Philister erschlagen (30 in Askalon; Ri 14,19 und 1 000 bei Ramat-Lehi; Ri 15,14-17 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Pseudo-Philo ändert die Reihenfolge der Ereignisse und beginnt seine Predigt mit dem Anfang des Endes der biblischen Geschichte (Judg. 16:16). Im weiteren Verlauf seines Werks bezieht er sich nie wieder auf Delila und das verräterische Abschneiden von Samsons Haar, sondern zieht es vor, über andere Ereignisse seines Lebens zu sprechen. Vielleicht beginnt er Samson mit dieser dramatischen Episode, um die Leser (oder das Publikum) zu verführen und ihre Aufmerksamkeit für das Folgende zu gewinnen. Er sieht Samsons unwiderstehliche Lust als Hauptgrund für seine Niederlage an, beschreibt sie in pompösen Worten und vergleicht insbesondere die Wollust mit einem Kreuz, an das die Opfer genagelt werden. Obwohl die Bibel Samsons Lust nicht ausdrücklich als Grund für seinen Verrat des Geheimnisses ansieht (stattdessen heißt es, dass er der Frau nachgab, weil sie ihn täglich bedrängte und drängte, so dass er „todmüde“ war), stimmt Pseudo-Philos Interpretation mit der in jüdischen Quellen überein. Num. Rab. 9:24 zum Beispiel, der sich auf Judg. 16:28 bezieht („Da rief Simson zum HERRN und sprach: ‚HERR, Gott, gedenke meiner'“ usw.), kommentiert den Vers dahingehend, dass Simsons Forderung nach Gedenken an Gott kaum gerechtfertigt war, da er der Hurerei verfallen war. Sot. 9b erklärt „drängte ihn“ als die Trennung Delilas von Simson im Moment der Vollendung (d.h. er konnte seine Lust nicht befriedigen und musste ihr das Geheimnis offenbaren); die Schlussfolgerung in der Mischna ist, dass derjenige, der der Lust seiner Augen nachging, seine Augen verlor. Josephus in Ant. 5.312 erzählt die Episode in gemäßigteren Worten und bezieht sich dabei weder auf Samsons Todesmüdigkeit noch auf seine unermessliche Lust: Am Ende, so Josephus, sagte Samson der Frau die Wahrheit, weil „sie fragte“ (deomenēs) und „er Delila gefallen wollte“ (charizesthai boulomenos tēi Dalalei).

Louis H. Feldman – Außerhalb der Bibel – Antike jüdische Schriften mit Bezug zur Schrift

Richter 16,26-28: Simson aber sprach zu dem Knaben, der ihn bei der Hand leitete: Lass mich, dass ich die Säulen taste, auf welchen das Haus steht, dass ich mich dranlehne. Das Haus aber war voll Männer und Weiber. Es waren auch der Philister
Fürsten alle da und auf dem Dach bei dreitausend, Mann und Weib, die zusahen, wie Simson spielte. Simson aber rief den Herrn an und sprach: Herr, Herr, gedenke mein und stärke mich doch, Gott, diesmal, dass ich für meine beiden Augen mich einmal räche an den Philistern!

Was die Philister nicht wissen
Im Leben des Sirnson ist eine Wende eingetreten. Er hat die Macht der Buße erfahren und die Herrlichkeit der Vergebung.
Das wissen allerdings die Philister nicht, als sie Simson hervorholen aus seinem Kerker, dass der Herr ihn wieder angenommen hat und dass er ein Mann ist, der wieder beten kann. Darum täuschen sie sich gewaltig über den Simson. Die Welt hat keine Ahnung von den Geheimnissen und der Kraft eines Lebens mit Gott.

Simsons Gebet
Wir müssen zunächst darauf achten, dass dieses Gebet ein Schreien ist. Zweimal ruft er: »Herr, Herr!« Wie matt sind oft unsre Gebete. Sie sind, wie wenn ein undichter Wasserhahn tröpfelt. Das Gebet des Simson aber ist wie das Brausen des Niagarafalles.
So schrie Israel zum Herrn, als sie in der Sklaverei in Ägypten waren (2.Mose 3,9).
So schrie David zu seinem Gott, als er in Angst war (Psalm 18,7).
So schrie Hesekiel, als er in einer Vision den Untergang Jerusalems sah (Hesekiel 9,8). So schreit die Gemeinde der Vollendeten, wenn sie vor dem Thron des Lammes anbetet (Offenbarung 7,10).

Dies Schreien Simsons, des einen Mannes, war mächtiger als das große Geschrei der Götzendiener, die ihren Dagon priesen.

Dieses Gebet des Simson mitten in dem heidnischen Lärm ist ein Zeugnis für den dreieinigen Gott. Alle Stimmen gelten Dagon, aber eine einzige Stimme ist da für Gott. Wir sollten hier von Simson lernen. Selbst wenn alle Welt den Götzen dieser Welt die Ehre gibt, sollte unser Leben eine Stimme für Gott sein. »Gedenke mein«, betet Simson. Kann denn Gott vergessen? O ja, Er kann vergessen – nämlich die Sünden, die durch Jesu Blut vergeben sind. Kolosser 2,14 heißt es:
»Er hat ausgetilgt die Handschrift, so wider uns war. und hat sie an das Kreuz geheftet.«

Und Gott kann auch Menschen vergessen, die sich beharrlich gegen das Wirken Seines
Geistes gewehrt haben. Die Hölle wird einmal der Ort sein, wo Gott nicht mehr hinsieht, wo die sind, die Gott vergessen will. Im Gefängnis hat Simson die grauenvolle Angst durchgemacht, der Herr könnte ihn so abgeschrieben haben. Aber dann erfuhr er die Seligkeit, die ein Psalmist im 115. Psalm so ausdrückt:

»Der Herr denkt an uns und segnet uns.«

»Stärke mich noch diesmal«, ruft Simson. Wie oft hat er seine Kraft für sein persönliches Eigentum gehalten, mit dem er nach Belieben umgehen zu können meinte! So war es bei der Delila, und so war es, als er sich rühmte nach dem Sieg über die Philister (Richter 15,16). Nun spricht er wie ein rechter Mann des Glaubens: »Der Herr ist meine Stärke.«

»… dass ich mich für meine beiden Augen einmal räche an den Philistern.« Die oberflächlichen Leute sind schnell bei der Hand mit dem Urteil: »Das ist typisch alttestamentlich und unchristlich.« Aber wir sollten doch bedenken, dass der Herr das Gebet des Simson erhört. Er hat es gnädig angenommen. Was sollen wir also zu diesem seltsamen Racheschrei sagen?

Gewiss müssen wir zugeben: In dem Lebendieses Mannes ist viel Unreines und Fleischliches mit unterlaufen. Und so mag hier ein ungeistlicher Zorn vorliegen. Sind denn unsre Gebete immer frei von ungeistlichem Wesen? Aber ich glaube, wir dürfen doch noch anderes darin sehen. Simson weiß sich als Knecht des lebendigen Gottes, als Vertreter Gottes in der heidnischen Welt. Er weiß, wie der Herr mit Seinen Knechten sich solidarisch erklärt hat. Darum geht es ihm um die Ehre Gottes. Gott darf und kann nicht schweigen dazu, dass Sein Knecht geschändet ist. Gott muss Gerechtigkeit üben. Und diese Gerechtigkeit heißt: »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« Gewiss sind wir hier mitten im Alten Testament. Aber dieser Racheschrei steht nicht unter unserm Urteil, weil er ein Schrei ist nach der Gerechtigkeit Gottes.

Wilhelm Busch – Bileam Josaphat Simson

Es ist ein hoher Tag in Gaza. Aus allen Städten sind die Fürsten der Philister heraufgezogen, und aus dem ganzen Umland hat sich das Volk versammelt. Der Tempel des Gottes Dagon, des Fischgottes, des Beschützers des Meeres, ist festlich geschmückt und bevölkert. Unten feiern die Fürsten der Philister und alle Oberhäupter des Volkes das Opfermahl; oben, auf dem Dach, ist die Empore rundherum von dreitausend Männern und Frauen bevölkert, die auf das Spektakel unten herabschauen. Es ist ein Fest der Danksagung an Dagon, des Triumphs über Philister, des Triumphs über Jehova und sein Volk und über den gefangenen Simson. Das Bild Dagons – der Körper eines Fisches mit dem Kopf und den Händen eines Menschen -, das weniger als zwanzig Jahre zuvor vor der Lade Jehovas gestürzt und zerbrochen worden war (1. Sam. 5:4), steht nun wieder stolz da und fordert den Gott Israels heraus. Und nun haben die Freude und das Gelage ihren Höhepunkt erreicht: Simson wird hereingeführt und in die Mitte des Tempels gestellt, zwischen die zentralen Säulen, die das riesige Dach und das Gebäude selbst stützen. Ein paar Worte, die er seinem treuen hebräischen Diener zuflüstert, und Samsons Arme umschlingen die massiven Säulen. Und dann ein unausgesprochener, quälender Schrei der Reue, des Glaubens des Nasiräers, der sich nicht nur der Nation und seiner Berufung unterordnen, sondern das Leben selbst aufgeben will! Der blinde Simson tastet nach einem neuen Licht – und die Helligkeit eines neuen Morgens erhellt bereits seinen Horizont. Mit all seiner Kraft beugt er sich. Die Säulen taumeln und geben nach. Mit einem furchtbaren Krachen stürzen Dach und Galerie, Tempel und Bild des Dagon, und in den Trümmern gehen mit Simson die Herren der Philister und die Blüte des Volkes zugrunde.

Es ist in Zora erzählt worden. Gaza und Philistia sind in Ehrfurcht und Trauer versunken. Samsons Brüder und das Haus seines Vaters kommen herunter. Aus den Trümmern suchen sie den verstümmelten Körper des Nasiräers heraus. Niemand kümmert sich darum, sie zu stören. Unbehelligt tragen sie die sterblichen Überreste weg und bestatten sie in der Grabstätte seines Vaters Manoah.

Und so endet die Zeit der Richter. Simson hätte keinen Nachfolger haben können – er hat eine Epoche abgeschlossen. Aber schon zu Silo bereitete sich eine andere Reformation vor; und mit anderen Waffen wird das reuige Israel unter Samuel gegen die Philister kämpfen und siegen!

Alfred Edersheim – Geschichte der Bibel

In den Versen 23-30 wird der letzte Tag in Samsons Leben vorgespult – ein Tag, den seine Mutter schon vor seiner Geburt angedeutet hatte (13:7). Der Kontext ist ein Opferfest zu Ehren des philistäischen Gottes Dagon. Der Vorwand für die Feier ist, dass Dagon ihren großen Feind Simson „in ihre Hand“ gegeben hat (V. 23), und als Simson vor den feiernden Philistern vorgeführt wird, bestätigt sich ihre Absicht: Sie preisen Dagon dafür, dass er Simson „in ihre Hände“ gegeben hat (V. 24). Die Erzählung unterstreicht eine ironische Wendung des יד/yād-Motivs („Hand“), das im Buch der Richter immer wieder auftaucht. Immer wieder haben wir beobachtet, dass Jahwe Israel entweder in die „Hand“ fremder Unterdrücker gibt oder diese fremden Unterdrücker in die „Hand“ der Israeliten und/oder ihrer Anführer befreit. Obwohl sie hier feiern, dass Dagon Simson in ihre „Hand“ ausgeliefert hat, wissen sie nicht, dass Simsons Erniedrigung und Gefangenschaft den Kontext für das Ende von Simsons Beginn der Rettung Israels aus der „Hand“ der Philister bilden, die Jahwes Bote bei Simsons Geburtsankündigung vorausgesagt hat (13,5). In der „Hand“ des phili.. Knechtes (V. 26) versetzt Simson seinen Feinden den letzten Schlag.

Auf dem Höhepunkt der Feierlichkeiten wird Simson herausgeholt, um die Philister zu „unterhalten“ (V. 25) – eine Aufforderung, die Simson weiter erniedrigen sollte. Mit Hilfe des Dienerjungen positioniert sich der blinde Simson strategisch günstig zwischen den Stützen des Gebäudes. Der Erzähler stellt fest, dass es ein volles Haus war: Nicht nur alle Philisterfürsten waren anwesend, sondern auch dreitausend weibliche und männliche Schaulustige (V. 27). Verachtet, verlassen, gedemütigt und allein inmitten einer Menschenmenge, die nichts als tiefste Verachtung für ihn übrig hat, tappt Simson in der Dunkelheit nach einem Ziel. Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels haben Nester, aber der Sohn des Manoah hat keinen Ort, an dem er sein Haupt ausruhen kann. Unruhig unter seinen eigenen Verwandten, findet er trotz all seiner Bemühungen keine Akzeptanz bei den Philistern. Doch jetzt, in diesem fremden „Haus“ (בית/bayit: V. 26, 27, 29, 30), wird Simson seine Ruhe finden.

Erst zum zweiten Mal in diesem Erzählzyklus wendet sich Simson an Jahwe. Wir sehnen uns danach, dass Simson an dieser Stelle seine gottgegebene Bestimmung annimmt, sich selbst und seinen Stolz aufgibt und sich am Ende ganz Jahwe hingibt. Diese Sehnsucht wäre vergeblich. Obwohl er zu Jahwe „schreit“ und dabei seine eigene Verwundbarkeit und Abhängigkeit anerkennt, spielt Samsons Ego in seinem Gebet eine große Rolle – ganz nach Samsons Art. Wie Block feststellt, „hat Samson keinen Gemeinschaftssinn. Seine Sorge äußert sich in ‚Gedenke meiner‘, ‚Stärke mich‘, ‚Lass mich meine Rache bekommen‘, ‚für meine beiden Augen‘ und ‚Lass mich sterben!‘ (V. 30).“ Und in typischer Jahwe-Manier arbeitet Jahwe in, durch und trotz fehlerhafter menschlicher Motivationen, um sein Ziel zu erreichen. Obwohl Jahwe nicht mündlich antwortet und der Erzähler nicht ausdrücklich sagt, dass Jahwe Samsons Gebet erhört hat, sollten wir davon ausgehen, dass Jahwe hinter Samsons letzter übermenschlicher Leistung steht: „Er zieht mit all seiner Kraft an den Säulen und erst dann, als sie zu knacken und sich zu bewegen beginnen, erfährt er, dass sein Gott ihn doch nicht verlassen hat.“ Der Tempel stürzt ein, die Philisterfürsten kommen um, die dreitausend phil. Frauen und Männer kommen um … und auch Simson kommt um. Erst in seinem Tod und als Antwort auf sein Gebet findet Simson Solidarität mit den Philistern. Am Ende dieser Szene stellt der Erzähler fest, dass Samsons Todesopfer unter den Umständen seines eigenen Todes höher waren als die Opfer, die er zu Lebzeiten forderte – ein ziemliches Vermächtnis (V. 30c).

David J. H. Beldman – Richter

Simson ist jedoch noch nicht fertig. Er bittet seinen Führer: »Lass mich los, dass ich nach den Säulen taste, auf denen das Haus steht, damit ich mich daran lehne« (V. 26). Unter dem Dach, das von diesen Säulen getragen wird, befindet sich eine riesige Menschenmenge. Mit dabei sind auch »alle Fürsten der Philister« und natürlich das Standbild ihres Gottes. Auf dem Dach sind nochmals dreitausend Menschen versammelt (V. 27). Alles ist für Simsons Auftritt bereit. Wir lesen hier zum zweiten Mal in seinem Leben davon, dass er betet. Zuvor hatte er seine Kraft immer als etwas Gegebenes vorausgesetzt und sie verwendet, um sich selbst zu retten (14,5–6.19; 15,3–5.13–17; 16,3.9.12.14). Einmal hatte er sich dabei geirrt (16,20–21). Jetzt aber, blind und schwach, bittet er zum ersten Mal: »Herr HERR, denke an mich und gib mir Kraft, Gott, noch dies eine Mal, dass ich mich mit einem Mal für meine beiden Augen räche an den Philistern!« (V. 28).
Das muss der Grund sein, warum Simsons Stärke zurückkommt. Vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben beweist er Glauben. Einige Kommentatoren sind der Meinung, die Bitte in Vers 28 sei lediglich ein Ausdruck von Rachedurst – und es stimmt, dass hier nicht von der Rettung Israels die Rede ist, sondern nur von Rache für Simsons Augen. Dagegen spricht jedoch erstens, dass wir hier eine neue Demut sehen. Simson erkennt, dass der Gott Israels souverän (Adonai) ist – man bedenke, er steht gerade im Tempel des Gottes, mit dessen Jüngerinnen er während seines Erwachsenenlebens ständig ins Bett ging. Zudem weiß Simson nicht nur, dass Gott sein Gott ist (Elohim), sondern auch, dass er der rettende Bundesgott ist, der die Beziehung zu seinem Volk Israel sucht (Jahwe). Das ist ein ganz anderer Simson als der, der auf »seine« Kraft baute und von Gott Wasser forderte, ohne ihm in irgendeiner Weise zu danken (15,18).
Zweitens wird Simson in Hebräer 11,32–34 als ein Mann des Glaubens beschrieben – und zweifellos haben wir hier die einzige Stelle, aus der man schließen kann, dass Simson im Glauben handelte. Höchst interessant ist der Hinweis in Hebräer 11,34: »aus der Schwachheit zu Kräften gekommen«. Das ist ein großartiger Einblick. Simson wurde bis in den Staub hinunter erniedrigt und sah seine Schwachheit. Seine letzte Bitte ist etwas anderes als seine früheren kraftstrotzenden Heldentaten. In Richter 16,28 bittet Simson zunächst: »Denke an mich« – er bittet demütig um Gottes Aufmerksamkeit. Er weiß, dass Gott jedes Recht hat, ihn zu ignorieren und zu vergessen. Anschließend bittet er: »Gib mir Kraft, Gott, noch dies eine Mal«. Hier ist (endlich) das Eingeständnis, dass er von Gottes Gnade abhängig ist. Simsons eigentliche Versuchung war die Überzeugung gewesen, wir Menschen würden von Gott gesegnet, weil in uns etwas Großartiges oder Verdienstvolles ist. Simson hatte das, was ihm aus Gnade geschenkt worden war, selbstgefällig als sein rechtmäßiges Eigentum betrachtet, das er nach Belieben gebrauchen kann. Das war seine eigentliche Sünde, viel mehr noch als Delila! Wir vergessen so leicht, dass wir nur aufgrund von Gottes Gnade tun, was wir tun, und dass uns seine Gnade gegeben wird, damit wir tun, was ihm gefällt und seinem Volk dient.

Timothy Keller – Die Bibel erklärt

Vers 25b leitet den Abschluss des Simson-Zyklus ein: Und sie stellten ihn zwischen die Säulen. Das waren die beiden mittleren Säulen, die mindestens die Haupthalle stützten, wenn nicht mehr. Hier waren die prominentesten Mitglieder der phil. Gesellschaft versammelt.

In Vers 26 wird Simsons Bitte wiedergegeben: Und Simson sprach zu dem Knaben, der ihn bei der Hand hielt: Erlaube mir, dass ich die Säulen taste, auf denen das Haus ruht. Wörtlich heißt es im Hebräischen: „lass mich fühlen“, das heißt, er bat den Jungen, ihn zu führen und an die Hauptsäulen zu stellen. Der erklärte Zweck war: dass ich mich auf sie stützen kann.

In Vers 27 werden die Umstände und der Kontext des Spottes beschrieben. Was die Bevölkerung betrifft: Das Haus war voll von Männern und Frauen; das Innere des Raumes war stark bevölkert. Was die Anführer betrifft: Und alle Fürsten der Philister waren da, das heißt, alle fünf Philisterkönige waren anwesend; und es bedeutete auch, dass die Philister alle fünf ihrer Könige an einem Tag verlieren würden. Und auf dem Dach befanden sich etwa dreitausend Männer und Frauen. Die Halle öffnete sich zu einem großen Hof, der mit einem flachen Dach überdacht war, und auf dem Dach befand sich eine Menschenmenge, die in die Halle hinunterschaute, wo Simson stand. Was das Treiben der Gruppe anbelangt, so sahen sie zu, wie Simson sich vergnügte, und alle verspotteten und verhöhnten Simson.

Vers 28 zitiert Samsons erstes Gebet, das drei Aussagen enthält: Erstens: Gedenke meiner, ich bitte dich; zweitens: Stärke mich, ich bitte dich, nur dieses eine Mal, o Gott; und drittens: Dass ich sofort von den Philistern für meine beiden Augen gerächt werde. In diesem Gebet verwendet Simson drei Namen Gottes: Adonai, YHVH und Elohim. Der Schwerpunkt lag auf dem wahren Gott anstelle des falschen Gottes.

Die Verse 29 bis 30 beschreiben die Zerstörung des Tempels von Dagon, wobei Vers 29 die Stellung von Simson beschreibt: Und Simson ergriff die beiden mittleren Säulen, auf denen das Haus ruhte, und lehnte sich an sie, die eine mit der rechten und die andere mit der linken Hand. Dies führte in Vers 30a zu Simsons zweitem Gebet: Lass mich mit den Philistern sterben. Der Mann, der von Gott und für Gott auserwählt war, würde nun mit den unbeschnittenen Philistern sterben. In Vers 30b wird die Zerstörung beschrieben. Das Mittel war: Und er beugte sich mit all seiner Kraft. Er stellte sich zwischen die Säulen und drückte sie mit seiner ganzen Kraft auseinander, was zu zwei Ergebnissen führte. Erstens stürzte das Haus auf zwei Gruppen: auf die Fürsten, so dass alle fünf Philisterkönige an einem Tag getötet wurden, und auf das gesamte Volk, das sich darin befand. Das zweite Ergebnis war, dass die Toten, die er bei seinem Tod erschlug, mehr waren als die, die er zu Lebzeiten erschlug. Zuvor hatte er, wenn man 14:19, 15:8 und 15 zusammennimmt, mindestens 1.100 Philister getötet. Aber hier könnte er bis zu dreitausend getötet haben.

Arnold Fruchtenbaum – Richter