Alles hat eine bestimmte Zeit, und jedes Vornehmen (O. jede Sache, Angelegenheit) unter dem Himmel hat seine (Eig eine; so auch nachher) Zeit. Elberfelder 1871 – Kohelet 3,1
Für alles ist eine Zeit, eine Frist für alles Anliegen unter dem Himmel: Buber & Rosenzweig – Prediger 3,1
Für alles gibt es eine feste Zeit und eine rechte Zeit für jede Sache unter dem Himmel: Die Philippson-Bibel – Prediger 3:1
Salomo stellt folgende Behauptung auf: Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde (vgl. Pred 8,6 ). Das Wort für „Vorhaben“ bezeichnet eine planvolle, bewußte Handlung; es hat die Grundbedeutung „Wunsch“ und die hiervon ableitende Bedeutung „das, was man sich wünscht“ (vgl. Jes 58,13 ,wo dieses Wort mit „Geschäft(e)“ übersetzt ist). Der Ausdruck bezieht sich stets auf den Menschen. Dieser ist nach Salomo für seine bewußten Handlungen voll verantwortlich (vgl. Pred 3,17 ). Wie er bemerkt, gibt es für alle diese Vorhaben eine bestimmte Zeit (dieser Begriff bezieht sich sowohl auf den Zeitpunkt als auch auf die Dauer). (2) Veranschaulichung der These ( Pred 3,2-8 ): Salomo verfolgt seine allgemeine Behauptung mit einem Gedicht über 14 Gegensatzpaare weiter, in dem von Dingen die Rede ist, die jeweils ihre Zeit haben. Die Tatsache, daß Salomo 14 (also siebenmal zwei) gegensätzliche Dinge aufzählt und dabei mit Geburt und Tod beginnt, ist von großer Bedeutung. Die Zahl ist ein Symbol der Vollkommenheit, und das Stilmittel des Merismus (ein bekannter Kunstgriff, bei dem eine Sache durch ihre beiden Gegensätze bezeichnet wird) deutet auf Vollständigkeit hin (vgl. Ps 139,2-3 ). Die exakte Tragweite einiger dieser „Vorhaben“ ist zwar nicht genau bekannt, aber alle Taten eines Menschen, ob sie nun konstruktiv oder destruktiv sind, und alle seine Reaktionen auf das Tun seiner Mitmenschen und auf bestimmte Umstände oder Ereignisse sind nach Salomo an festgesetzte Zeiten gebunden.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Mit der Formulierung unter der Sonne nimmt Kohelet nun wieder das allgemeine, der menschlichen Erfahrung zugängliche Leben in den Blick, so wie es dem Menschen unabhängig von seiner Weltanschauung begegnet: Alles hat seine Stunde. Alles Erleben ist eingeordnet in einen göttlichen Zeitplan, der dem Menschen »unter der Sonne« allerdings verborgen ist. Was im ersten Satzteil überschriftartig mit Stunde bezeichnet ist, wird in den nachfolgenden Versen auf den Begriff Zeit bezogen. In sieben doppelten Gegensatzpaaren werden konkrete und zugleich bildhaft-wesentliche Einzelbeispiele für jede Angelegenheit des Lebens aufgezählt. Hauptaussage ist dabei nicht die Klage über die Vergänglichkeit des Lebens, daß der Mensch nichts festhalten könne. Vielmehr bringt Kohelet den Leser und Hörer zum Staunen darüber, wie Gott in seiner Voraussicht, in seinem ordnenden Handeln in der Schöpfung alles mit Bedacht versieht. Der erlebende Mensch ist nicht der Willkür irgendwelcher Mächte oder Ereignisse ausgeliefert, sondern eingeordnet in eine Welt, über die Gott die Hand hält. Dies ist die Einsicht der Weisheit aus Erfahrung und Beobachtung des Lebens, die von dem einen als belastend, vom anderen als befreiend empfunden werden kann. Freilich wird Gott als entscheidender Faktor erst am Ende dieses Abschnitts (V. 10.11) eingeführt. V. 1–8 nur für sich gelesen, werden deshalb fast zwangsläufig im pessimistischen Sinne als eine fatalistische Haltung unterstützend mißverstanden werden müssen. Wo jedoch das sich ergebende Vertrauen zu diesem ordnenden und damit auch Geborgenheit gewährenden Gott da ist, wird weder der Gedanke an eine schicksalhafte Vorherbestimmung noch das Gefühl eines hilflosen Ausgeliefertseins belasten müssen. Kohelet lehrt hier keine Vorherbestimmung (Prädestination) in dem Sinne, daß alles Tun und Lassen des Menschen von Gott schon immer so geplant sei und der Mensch wie eine Maschine danach laufe, Genausowenig vertritt er die Auffassung, der Mensch sei nur Spielball von Kräften, über die er keinerlei Verfügung habe (Determinismus). Vielmehr beschreibt er die vertrauensvolle Erfahrung, daß der Mensch in all seinem Erleben, ob gut oder böse, letztlich doch in Gottes Hand geborgen ist. Damit wird er nicht seiner Verantwortlichkeit enthoben. Aber er wird befreit von dem Druck, immer mehr tun zu müssen, um möglichst viel zu verbessern, als ob der Mensch für alles selbst und ausschließlich verantwortlich sei.
Claus-Dieter Stoll – Wuppertaler Studienbibel
Man muss kein Philosoph oder Wissenschaftler sein, um zu wissen, dass „Zeiten und Jahreszeiten“ ein fester Bestandteil des Lebens sind, ganz gleich, wo man lebt. Ohne die Verlässlichkeit der von Gott gegebenen „Naturgesetze“ wären sowohl die Wissenschaft als auch das tägliche Leben chaotisch, wenn nicht gar unmöglich. Es gibt nicht nur Zeiten und Jahreszeiten in dieser Welt, sondern auch eine übergeordnete Vorsehung in unserem Leben. Von der Zeit vor unserer Geburt bis zu unserem Tod führt Gott seine göttlichen Absichten aus, auch wenn wir nicht immer verstehen, was er tut. In vierzehn Aussagen bekräftigt Salomo, dass Gott in unserem individuellen Leben am Werk ist und seinen Willen zu erfüllen sucht. Alle diese Ereignisse kommen von Gott, und sie sind gut zu ihrer Zeit. Die Schlussfolgerung ist klar: Wenn wir mit Gottes Zeitplan zusammenarbeiten, wird das Leben nicht sinnlos sein. Alles wird „schön zu seiner Zeit“ sein (V. 11), selbst die schwierigsten Erfahrungen des Lebens. Die meisten dieser Aussagen sind leicht zu verstehen, so dass wir nur auf diejenigen eingehen werden, die vielleicht einer besonderen Erklärung bedürfen.
Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden werden den Söhnen der Menschen vergeben werden, und die Lästerungen, mit welchen irgend sie lästern mögen; wer aber irgend wider den Heiligen Geist lästern wird, hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig; – weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist Elberfelder 1871 – Markus 3,28–30
Wahrlich ich sage euch: Alle Sünden werden den Menschenkindern vergeben werden, auch die Lästerungen, so viele sie deren aussprechen mögen; wer sich aber gegen den heiligen Geist der Lästerung schuldig macht, der erlangt in Ewigkeit keine Vergebung, sondern ist einer ewigen Sünde schuldig« – (das sagte Jesus) weil sie behaupteten, er sei von einem unreinen Geist besessen. Menge – Markus 3:28–30
Klar und deutlich sage ich euch: Jegliche Schuld kann den Menschen vergeben werden, selbst die Gotteslästerungen, ganz gleich, wie diese Lästerungen genau aussehen. ° Wer aber Lästerungen gegen den heiligen Gottesgeist ausspricht, dem wird bis in alle Ewigkeit nicht vergeben werden, denn seine Schuld hat Auswirkungen bis in die Ewigkeit hinein.« ° Das sagte Jesus, weil sie behaupteten, dass er von einem unreinen Geist getrieben sei. Roland Werner – Das Buch – Mk 3,28–30
Auf dem Hintergrund der vorausgegangenen Anschuldigungen sprach Jesus nun eine strenge Warnung aus. Die Worte wahrlich (Amen), ich sage euch bilden eine wiederholt gebrauchte Formel feierlicher Bestätigung, die nur in den Evangelien vorkommt (bei Markus dreizehnmal) und nur von Jesus ausgesprochen wird. Jesus sagte, daß alle Sünden, auch die Lästerungen (Schmähworte gegen Gott), den Menschenkindern vergeben werden können (vgl. Mk 1,4), mit einer Ausnahme: die Lästerungen gegen den Heiligen Geist. Hier ist von einer allgemeinen Haltung (nicht von einer einmaligen Handlung oder Äußerung) trotziger Feindseligkeit gegenüber Gottdie Rede, die Gottes rettende Kraft, wie sie in den Werken des Geistes und in der Person Jesu zum Ausdruck kommt, ablehnt, und der Dunkelheit den Vorzug gibt, trotzdem das Licht zu sehen ist (vgl. Joh 3,19). Eine solche eigensinnig verneinende Haltung des Unglaubens kann sich mit der Zeit zu einem Zustand verhärten, in dem Buße und Vergebung – beide bewirkt durch den heiligen Geist – unmöglich werden. Wer sich so verhält, macht sich ewiger Sünde (Singular, die äußerste Sünde, da sie für immer unvergeben bleibt; vgl. Mt 12,32) schuldig (enochos, „verantwortlich für, in den Klauen von“). Judas Iskariot (Mk 14,43-46; Mt 27,3-5) war ein lebendiges Beispiel für diese Worte. Markus erklärt, daß Jesus sich zu dieser Äußerung genötigt sah, weil sie (die Schriftgelehrten; Mk 3,22) immer wieder behaupteten, er habe einen unreinen Geist (V. 30). Jesus sagte nicht, daß die Schriftgelehrten diese unverzeihliche Sünde (der Lästerung gegen den Geist) tatsächlich schon begangen hatten, doch er warnte sie, weil sie ihr gefährlich nahe gekommen waren, indem sie seine Dämonenaustreibungen, die er durch die Macht des Heiligen Geistes vollbrachte, der Macht des Satans zuschrieben. Sie waren nahe daran, den Heiligen Geist „Satan“ zu nennen
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Er gab nun eine hochernste Warnung aus, die er mit der Redewendung „wahrlich, ich sage euch“ einleitete. Dies ist eine bekräftigende Wendung, die nur von Jesus gebraucht wird. Sie ist ausschließlich in den Evangelien zu lesen und kommt bei Markus dreizehnmal vor. Mit gnadenreichen Worten legte Jesus dar, daß die Gnade Gottes Vorsorge getroffen hatte, das Schlimmste zu verhüten: Alle Sünden und Gotteslästerungen, mit denen sie Gott lästern werden, würden den Söhnen der Menschen vergeben werden. Menschen aller Rassen und Gesellschaftsschichten könnten die Vergebung der Sünden empfangen. Allerdings stellte er eine Ausnahme dahin für den Fall, den er als „ewige Sünde“ beschrieb: dafür kann es keine Vergebung geben. Was ist die Natur dieser schrecklichen Sünde? Es ist die Sünde, die Austreibung von Dämonen böswillig satanischer Macht zuschreibt und so den Heiligen Geist verunehrt, in dessen Macht dieses Werk in Wirklichkeit vollbracht worden war. Diese Sünde wog im Falle der Schriftgelehrten noch schwerer, „weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist“. Sie nannten den Heiligen Geist „Satan“. Verharren in diesem Denken schließt aus von der Vergebung und verstrickt in Schuld, aus der es keine Befreiung gibt. Das Wesen der unvergebbaren Sünde macht es unwahrscheinlich, daß sie in diesem Zeitalter begangen wird. Die Umstände, unter denen sie auftrat, wareneinzigartig: Die Gegenwart des Christus auf der Erde, als er daran ging alle zuheilen, die vom Teufel unterdrückt waren. Der Heilige Geist wirkte durch ihn in außergewöhnlicher Macht. Die Ersetzung des Heiligen Geistesdurch Satan war der Kern dieser ewigen Sünde. Es ist umstritten, ob dies jetzt geschehen könnte.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Nachdem er sich gegen die Anschuldigung verteidigt hatte, von Dämonen besessen zu sein, sprach Jeschua ein besonderes Urteil über diese Generation Israels aus (Matthäus 11,16-17), weil sie sich einer ganz besonderen Sünde schuldig gemacht hatte, die als unverzeihliche Sünde oder Lästerung des Heiligen Geistes bekannt geworden ist (Matthäus 12,31). Weil sie unverzeihlich war, wurde ein Gericht über diese Generation verhängt, das niemals entfernt oder gemildert werden konnte. Dieses Gericht kam vierzig Jahre später, im Jahr 70 n. Chr., als Jerusalem und der Tempel zerstört wurden.
(1) Der Kontext der unverzeihlichen Sünde Es ist sehr wichtig, die unverzeihliche Sünde in ihrem genauen Kontext zu verstehen, denn dies ist der einzige Kontext, in dem diese Sünde vorkommt. Daher muss sie entsprechend interpretiert werden. Per Definition war die unverzeihliche Sünde die nationale Ablehnung der Messiasschaft Jeschuas durch Israel aufgrund von Dämonenbesessenheit, während Er physisch auf Erden anwesend war.
Lassen Sie uns diese Definition weiter ausarbeiten. Erstens war dies eine nationale Sünde, nicht eine individuelle Sünde. Einzelne Personen jener Generation, wie der Apostel Paulus, konnten dem Gericht entgehen und taten es auch auf eine Weise, die im Epilog dieser Arbeit erklärt wird. Außerdem kann diese Sünde heute nicht mehr begangen werden. Die Bibel macht einen Punkt sehr deutlich: Dem Menschen, der durch das Blut des Messias zu Gott kommen wird, wird vergeben werden, egal welche Sünde er begangen hat. Die Art der Sünde ist irrelevant. Der Messias ist nicht nur für bestimmte Arten von Sünden am Kreuz gestorben. Er starb für jede Art von Sünde und machte sie alle vergebbar für den Menschen, der durch sein Blut zu Gott kommt. Der Begriff „wer auch immer“ in Matthäus 12,32 könnte sich auf eine Einzelperson oder eine Gruppe beziehen, je nach Kontext. In diesem Zusammenhang wird er durch den Begriff „diese Generation“ in den Versen 41 und 42 definiert, die besagen: Die Männer von Ninive werden aufstehen im Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verurteilen. Die Königin des Südens wird aufstehen im Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen… (Matthäus 12:41-42).
Das bedeutet, dass sich das Wort „wer auch immer“ auf eine Gruppe bezieht. Dem Einzelnen könnte vergeben werden, aber die Nation wird nun nicht begnadigt werden.Zweitens ist diese Sünde einzigartig für die jüdische Generation zur Zeit Jeschuas, und sie kann nicht auf spätere jüdische Generationen übertragen werden, ein Trugschluss, den zum Beispiel die katholische Kirche gelehrt hat. Es war diese besondere Generation, zu der der Messias sowohl physisch als auch sichtbar kam. Er bot sich an, das messianische Königreich für sie zu errichten, und Er bot sich selbst als ihr messianischer König an. Es war auch diese spezielle Generation, die ihn ablehnte. Wenn man die Evangeliumsberichte sorgfältig studiert, ist es ganz offensichtlich, dass von diesem Punkt an die Formulierung „diese Generation“ häufig verwendet wird. Diese Generation allein war schuldig an der Lästerung gegen den Geist (Matthäus 12:31). Das Wirken des Heiligen Geistes war das letzte Zeugnis, das bestätigte, dass Jeschua der Messias war. Es war möglich, Jeschua aufgrund seiner Worte und Werke abzulehnen, aber dann durch das Wirken des Heiligen Geistes davon überzeugt zu werden, dass er der Messias war. Das Zeugnis des Heiligen Geistes abzulehnen, bedeutete aber auch, die Person des Messias abzulehnen. Die Sünde war also die vorsätzliche Ablehnung der Person des Messias, der durch die Zeichen des Heiligen Geistes beglaubigt worden war. Diese Zeichen dem Satan zuzuschreiben, bedeutete, den Heiligen Geist zu lästern, was wiederum zur Ablehnung von Jeschuas Messiasschaft führte. Der Messias musste anwesend sein, um diese Zeichen zu vollbringen, weshalb diese Sünde auf diese Generation beschränkt war und heute nicht mehr begangen werden kann.
Drittens, keine andere Nation konnte diese Sünde begehen. Jeschua war niemals sichtbar und physisch bei irgendeiner anderen Nation anwesend, um sich selbst als Messias dieser Nation anzubieten. Dies war eine einzigartige Beziehung, die Er mit Israel hatte. Es gibt nur eine Bundesnation: Israel. Es gab zwei Konsequenzen für die Generation, die die unverzeihliche Sünde beging: Erstens wurde das Angebot des messianischen Königreichs zurückgenommen; zweitens stand die Generation der Juden, die die Sünde beging, unter einem besonderen göttlichen Gericht. Weil diese beiden Punkte für das richtige Verständnis der Schrift wesentlich sind, werden sie in den nächsten beiden Punkten ausführlicher behandelt.
Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive
Was für Gewinn ist in meinem Blute, in meinem Hinabfahren in die Grube? Wird der Staub dich preisen? Wird er deine Wahrheit verkünden? Elberfelder 1871 – Psalm 30,10
»Was für Gewinn ist an meinem Blut, an meinem Sinken zur Schluft? kann der Staub dich bekennen? kann er deine Treue vermelden? Höre mich, DU, leihe mir Gunst! DU, sei ein Helfer mir!« Buber & Rosenzweig – Psalm 30,10–11
Was nützet mein Verbluten sink ich zur Grube? Kann Staub dir huldigen verkünden deine Treue? Neftali-Herz-Tur-Sinai – Psalm 30,10
Hier beginnt die Geschichte wirklich, denn es war Davids Stolz, der es notwendig machte, dass der Herr ihn züchtigte. „Wohlstand“ bedeutet „sorglose Leichtigkeit, eine sorglose Selbstsicherheit, weil es so gut läuft“. Das ist häufig die Haltung der Unbekehrten (10,6; 73,12; Lk 12,16-21), aber auch für Gläubige ist es eine ständige Versuchung (siehe Deut 8). Ein Grund, warum der Herr Prüfungen zulässt, ist, dass wir es uns in unserem Glauben nicht bequem machen und aufhören zu wachsen. „Ich habe mich wohl gefühlt“, sagte Hiob, „aber er hat mich erschüttert, und er hat mich am Hals gepackt und in Stücke gerissen: Er hat mich auch zur Zielscheibe gemacht“ (Hiob 16,12, NASB). Wohlstand ohne Demut kann zu Unglück führen. Davids Berg (Königreich, wie in Jer. 51,25) schien stark zu sein, aber der Herr zeigte David, wie schwach er war.
Wenn Gottes Angesicht auf uns scheint (Num 6,23-27), dann genießen wir seine reichen Segnungen; wenn wir aber rebellieren, kann er sein Angesicht verbergen, und das verursacht Schwierigkeiten (siehe 10,11; 13,1; 27,9; 88,14; Dtn 31,17-18; 32,20). Das hebräische Wort, das mit „beunruhigt“ übersetzt wird, beschreibt „intensive Qualen, Schrecken, Angst“. Es wird in 1 Samuel 28,21 verwendet, um König Sauls Gefühle im Haus der Hexe zu beschreiben. David wusste, dass er gesündigt hatte, aber er flehte den Herrn immer wieder um Gnade an und diskutierte sogar mit ihm. „Bin ich dir im Grab nützlicher als lebendig auf Erden? Können die Toten dich preisen und dir dienen?“ (Siehe 88:7-12; 115:17; Jes 38:18-19.) David war ein großer König mit einem starken Königreich, aber er war nur Staub, einen kurzen Atemzug vom Grab entfernt. Er demütigte sich und bekannte seine Sünde, und der Herr vergab ihm barmherzig und stellte ihn wieder her.
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Series
Dieser Schrei aus der Tiefe verbindet sich nun – aus unserer Sicht merkwürdig, aber typisch für alttestamentlichen Glauben – mit einem Appell an Gottes Ehre. Was wir geneigt sind, als Dreistigkeit auszulegen, ist für alttestamentlich-biblisches Denken genau umgekehrt ein Zeichen für festen Glauben, wenn es nun heißt: Was für einen Gewinn (bringt) dir mein Blutg? Wenn also David in der Finsternis bliebe, wenn er sein Blut ließe, im übertragenen und wörtlichen Sinn, dann müßte Gott einen großen Verlust verbuchen, weil ein von ihm Begnadigter vor der Zeit die Segel streicht. Gott kann aber nicht als unfähig erscheinen, und deshalb wird Gott aufgefordert, auch in seinem eigenen Interesse die Initiative für David (und für jeden anderen Gerechten) zu ergreifen. Im Falle des Hinscheidens »würde sich Gott des Lobpreises berauben, den ihm der Lebende bringen würde und so gern bringen möchte. Seine Bitte um Lebensfristung war also nicht auf irdischen Besitz und Genuß, sondern auf Gottes Ehre gerichtet. Er fürchtete den Tod als Ende des Lobes Gottes« (Delitzsch). Der Schrei um Rettung ist somit ein Teil der Verherrlichung des Schöpfers, die ihm ein Geschöpf darbringt. Gott und Tod, Gott und Staub gehören grundsätzlich nicht zusammen. Im Tode kann man Gottes Treue nicht verherrlichen. So endet dieser zurückblickende Gebetsgang in einer neuerlichen Bitte, weil David auch in Zukunft vom aktuellen Erhören Gottes leben wird: Höre, Jahwe, und erbarme dich.
Dieter Schneider – Wuppertaler Studienbibel
Der Staub wird Gott nicht preisen, sondern die Lebenden preisen ihn. Das hatte auch Hiskia gesagt, nachdem Gott ihn aus der Grube heraufgeholt hatte (Jes 38,18.19), und David auch (Ps 6,5.6). Diese Wahrheit ist dem David ein Argument für einen Handel: »Was gewinnst du, wenn du mich sterben lässt? Du gewinnst nichts, sondern im Gegenteil: Du verlierst einen Diener und Anbeter.« Das ist sehr kühn gebetet, aber Gott hört David und gibt ihm damit recht. So bleibt beides wahr: Gott braucht uns nicht; er ist auch ohne uns der glückselige Gott (1Tim 1,11). Und doch sucht er Anbeter (Joh 4,23), und jeder verlorene Anbeter ist ihm ein Verlust. Und damit haben wir Davids Beweggrund erkannt. Er betet nicht um seinetwillen, dass Gott ihn beleben möchte. Er betet um Gottes willen, dass an ihm das geschehen möchte, was Gott erfreut, und er das werden möchte, was Gott sucht.
Deshalb nun laßt auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns (Eig uns umlagernd) haben, indem wir jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde ablegen, (Eig abgelegt haben) mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf, Elberfelder 1871 – Hebräer 12,1
Wir sind also von einer großen Schar von Zeugen umgeben, deren Leben uns zeigt, dass es durch den Glauben möglich ist, den uns aufgetragenen Kampf zu bestehen. Deshalb wollen auch wir – wie Läufer bei einem Wettkampf – mit aller Ausdauer dem Ziel entgegenlaufen. Wir wollen alles ablegen, was uns beim Laufen hindert, uns von der Sünde trennen, die uns so leicht gefangen nimmt, Deshalb wollen auch wir, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, alles Beschwerliche und (od und zwar; od und vor allem) die leicht umschlingende Sünde ablegen und mit Ausdauer den uns auferlegten (od den vor uns liegenden) Kampf durchlaufen. Neue Genfer Übersetzung 2013 – Hebräer 12:1
Wie Zuschauer im Stadion die Wettkämpfer anfeuern, so sind diese Zeugen des Glaubens Vorbilder für unseren Kampf.a Darum wollen wir alles ablegen, was uns in diesem Kampf behindert, vor allem die Sünde, die uns immer wieder fesseln will. Mit zäher Ausdauer wollen wir auch noch das letzte Stück bis zum Ziel durchhalten. [a] Wörtlich: Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben Hoffnung für alle – 1996 – Hebr 12,1
Eine Wolke von Zeugen aus dem Alten Testament steht für das engagierte Glaubensleben, von dem im Hebräerbrief die Rede ist. (Das heißt nicht, daß diese Zeugen die heutigen Christen beobachten.) Daher sollen die Gläubigen laufen mit Geduld (hypomonEs; vgl. Hebräer 10,32.36;12,2-3.7 ) in dem Kampf, in dem sie sich als Christen bewähren müssen, und ablegen alles, was sie beschwert, und die Sünde, die sie ständig umstrickt (euperistaton). Ihr höchstes Vorbild dabei ist immer noch Jesus, wie bewundernswert die alttestamentlichen Gestalten auch sein mögen. Er ist sowohl beides, der Anfänger und Vollender des Glaubens. Der Begriff „Anfänger des Heils“ (archEgon) tauchte schon in Hebräer 2,10 auf (vgl. den Kommentar dort) und ist ein Ausdruck dafür, daß Jesus den Christen auf dem Pfad des Glaubens, auf dem sie ihm nun folgen sollen, „voranging“. Zugleich „vollendete“ er den Glaubensweg auch, indem er ihn erfolgreich bis ans Ende ging. Er behielt das Ziel seines Auftrags im Auge, die Freude, von der in Hebräer 1,9 die Rede ist, wo ihm der ewige Thron zugewiesen wird. Auch die Gläubigen werden Anteil an dieser Freude haben und sollen immer an sie denken. Nachdem er das Kreuz erduldete (hypemeinen, das Verb ist verwandt mit dem Substantiv hypomonE in Hebräer 12,1; vgl. V. 3.7) und die Schande gering achtete, nahm Jesus den Ehrenplatz zur Rechten des Thrones Gottes ein (vgl. Hebräer 1,3;8,1;10,12 ), der schon jetzt auf seinen endgültigen Sieg und den der Gläubigen hindeutet (vgl. Hebräer 1,13-14 ).
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Die Szene stammt direkt aus einem sportlichen Wettkampf. Zuschauer drängen sich auf der Tribüne. Sie wollen sehen, wie die Athleten um die Medaillen kämpfen. Unten auf der Aschenbahn lockern die Läufer ihre Muskeln und bereiten sich auf den Startschuss vor. Zwei Jahrtausende haben die in Hebräer 12,1.2 anklingende Erregung bei solchen Ereignissen nicht geschmälert. Doch es gibt Unterschiede. Damals trainierten Athleten für die antiken Wettkämpfe mit Gewichten, die an ihrem Körper befestigt waren. Am Tag des Rennens legten sie diese Gewichte ab (tatsächlich liefen sie nackt). Ihre Körper fühlten sich dann federleicht an. Auf diesem Hintergrund rät Paulus in Vers 1: „Lasst uns ablegen alles, was uns beschwert.“ Wichtiger aber ist, dass damals wie heute nur einer Sieger werden konnte. Im Rennen des Lebens gewinnt dagegen jeder, der das Ziel erreicht. Als Christen treten wir auch nicht gegeneinander an, sondern helfen uns vielmehr gegenseitig auf dem Weg zum Ziel. Wir können höchstens mit uns selbst kämpfen und uns durch Gottes Gnade bemühen, das höchste Leistungsniveau zu erreichen, zu dem wir imstande sind. Mit der „Wolke von Zeugen“ (V. 1) sind wahrscheinlich die Glaubenshelden aus Kapitel 11 gemeint. Sie sind allerdings nicht in dem Sinne Zuschauer, dass sie vom Himmel aus unseren Lauf beobachten, denn in Kapitel 11,39 heißt es ausdrücklich, dass sie noch „nicht erlangt [haben], was verheißen war“. Aber das stille Zeugnis ihrer Glaubenstreue ist beispielhaft und spornt uns an. Wir alle leben nur einmal, haben nur diese eine Chance, einen vortrefflichen Charakter zu entwickeln und unsere Gaben zu entfalten. Sie hatten ihren Wettkampftag und liefen erfolgreich; nun sind wir an der Reihe. Aber es gibt genügend andere himmlische Zuschauer, die an unserem Lauf interessiert sind. Und an der Ziellinie erwartet uns Jesus. Seine Augen verfolgen, welche Fortschritte wir machen. Er feuert uns an. Er selbst hat diesen Lauf absolviert und ist als Sieger angekommen. Nun unterstützt er uns in unserem Rennen. So ist er nicht nur der Anfänger des Glaubens, sondern auch der Vollender (V. 2). Wir fangen mit ihm an und hören mit ihm auf. Unsere ganze Erlösung stammt allein von ihm und ist allein sein Werk. Wir können niemals schaffen, was er geleistet hat. Er kommt in diesen Tagen zu uns und ruft uns zu: „Folget mir nach!“ Genau diesen Ruf hörten damals auch die Fischer am See. Jesus ruft uns zur Jüngerschaft auf. Wir sollen in seinen Fußtapfen gehen und sein Werk des Heilens, Lehrens und Predigens weiterführen. Wir gehen ihm nach und folgen den Spuren seines Lebenslaufes. Dennoch können wir niemals genau das tun, was er tat – und müssen es auch nicht. Zwischen ihm und uns wird und muss stets eine qualitative Lücke klaffen. Er ist unser Retter und Hoherpriester. Wir sind seine Anbeter. Er ist das Opfer, wir sind Sünder, die seine Hilfe benötigen.
William G. Johnsson – Studienreihe zur Bibel
Es wird betont, dass »auch wir« berufen sind, denselben Glaubensweg wie »die Alten« (Heb 11,2) zu beschreiten. Die Gemeinde Jesu steht aber nicht einsam da. Die Erinnerung an die Glaubenszeugen vergangener Zeiten ist gegenwärtig und lebendig; sie bestärkt die Christen in der Überzeugung, vertrauensvoll den Glaubenslauf vollenden zu können. »Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben«, darf der Christ nicht verzagen. Zwar hat es den Anschein, dass er in dieser Welt sich selbst überlassen sei, aber über ihm erstreckt sich »eine so große Wolke von Zeugen«, deren Vorbild neuen Mut zuspricht (vgl. Heb 11,4-40). Während er noch danach strebt, zum Ziel zu gelangen, haben jene schon den Lauf vollendet und dadurch die Kraft des Glaubens bezeugt. In dieser Ermahnung benutzt der Verfasser ein Bild, das der Sportwelt entnommen ist. Der Lebenslauf, den die Gläubigen zurückzulegen berufen sind, lässt sich einem Wettkampf vergleichen. Dieses Bild kommt im NT öfter vor (vgl. 1Kor 9,24f.; Phil 3,13f.; 2Tim 4,7). Im Gotteswort beschlossen winkt uns das himmlische Ziel. Dann wird auch der Siegeskranz denen dargereicht, die sich als treu erwiesen haben (vgl. Offb 2,10; 3,11). Deshalb ist es von größter Wichtigkeit, frei und unbeschwert zu sein. Wie dei Wettläufer jede Last abwirft, die sein Leistungsvermögen beeinträchtigen könnte, so müssen die Gläubigen sich auch für den Kampf freimachen. »Was uns beschwert«, sind nicht nur äußere Umstände. Vielmehr ist es vor allem »die Sünde, die uns ständig umstrickt«, d. h. sich an uns hängt, so dass sie uns zur Gewohnheit wird (vgl. Röm 7,21). Hierher gehört die ständige Versuchung, in Ungehorsam vom Weg abzubiegen. Umso wichtiger ist es, alle diese Hindernisse entschlossen beiseite zu schieben und »mit Geduld« (vgl. Heb 10,36) unseren Wettlauf zu vollenden, indem wir das Ziel nie aus den Augen verlieren. Es versteht sich von selbst, dass jede Sünde, die nicht konsequent aufgegeben wird, im Stande ist, die Aufmerksamkeit vom Ziel abzulenken. Deshalb ist das Christenleben ein ständiger Kampf, in dem wir als Christen immer hilfsbedürftig bleiben.
Gerhard Maier – Edition C
Die Konjunktion „deshalb“ oder „daher“, womit dieses Kapitel jetzt die Abhandlung weiterführt, veranlaßt uns, innezuhalten und den Inhalt des gerade beendeten Kapitels zu betrachten. Dieses lange Kapitel hatte die Tugenden des einfältigen, unerschütterlich en Glaubens an den HERRN gerühmt und diesen tätigen Glauben im Leben sowie Dienst der Patriarchen, Richter, Könige und Propheten wie auch in der unzählbaren Schar der Ungenannten erkannt, die Gott durch Glauben redlich gedient und so oft dafür gelitten hatten. Doch man darf nicht annehmen, daß solcher Glaube nur in Berichten über die Vergangenheit zu finden ist. Es geht um etwas Gegenwärtiges, Fortwährendes, das sich über alle Zeitalter erstreckt und keine Grenzen kennt, und der Schreiber ist jetzt darauf bedacht, seine hebräischen Leser zu ermuntern, dem Glauben der Alten nachzueifern und wie sie für Gott zu leben. Deshalb, so sagt er, haben wir eine so große Wolke von Zeugen um uns. Die Zeugen sind zweifellos die Glaubenden der Vergangenheit, über die er gerade geschrieben hat. Aufgrund des Wortes „Zeugen“ hat sich aber eine Schwierigkeit ergeben, so daß es bestimmte Meinungsverschiedenheiten darüber gibt, was der Schreiber sagen will. Das Wort (martys) kann zwei Bedeutungen haben, die gleichermaßen ohne weiteres in den Kontext passen. Es kann eine Person bezeichnen, die etwas sieht, die Zuschauer bzw. Zeuge dessen ist. Es kann auch eine Person meinen, die von etwas Zeugnis ablegt. Doch in welcher Bedeutung soll man es hier verstehen? Die Exegeten sind sich nicht einig. J.N. Darby sagt: „‚Zeugen‘ hat zwei Bedeutungen: ’sehen, um bezeugen zu können‘ und ‚eine Zeugenaussage machen‘. Nur um die letztgenannte geht es nach meinem Verständnis hier im Griechischen“. William Kelly macht sich mit charakteristischer Offenheit J.N. Darbys Ansicht zu eigen und schreibt: „Die Zeugen … sind nicht unsere Zuschauer, wie einige in ihrem Unverständnis angenommen haben, sondern Menschen, die von Gott aufgrund des Glaubens ein Zeugnis erlangten“. F.F. Bruce schreibt viel verhaltener: „Doch in welchem Sinne sind sie ‚Zeugen‘? Wahrscheinlich nicht im Sinne von Zuschauern, welche die Nachgeborenen beobachten, die ihrerseits den Wettlauf verfolgen, zu dem sie angetreten sind, sondern vielmehr in dem Sinne, daß sie durch ihre Treue und ihr Durchhaltevermögen über die Möglichkeiten des Glaubenslebens Zeugnis abgelegt haben“. W.E.Vine sieht das jedoch anders und schreibt: „Was die in Kap.11 erwähnten Personen betrifft, wird von ihrem Glaubensleben in den alttestamentlichen Erzählungen so berichtet, als seien sie heute lebende Zuschauer, die uns anfeuern, so wie sie zu laufen“. F.F. Bruce räumt ein, daß das Wort diese auch an anderen Stellen vorkommende Bedeutung haben kann, wobei er als Beispiel 1Tim 6,12 zitiert. Vielleicht ist es lohnenswert, Dr. John Brown aus Edinburgh ausführlich zu zitieren. Er schreibt: „Hier wird … auf jene öffentlichen Spiele der Athleten oder Turner hingedeutet, die unter Griechen weniger den Charakter eines frivolen Vergnügens als den einer feierlichen bürgerlichen Gepflogenheit hatten … In der imposantesten Form präsentierte sich dieser einzigartige Brauch vielleicht in Olympia, einer Stadt in Elis, wo zu Ehren Jupiters einmal alle fünf Jahre feierlich Spiele ausgetragen wurden. Eine fast unglaublich große Menge aus all den Stadtstaaten Griechenlands und aus den umliegenden Ländern war bei diesen Spielen als Zuschauer zugegen. Die Edelsten der Jugend Griechenlands traten als Wettkämpfer auf … Die Sieger der morgendlichen Wettkämpfe erhielten ihre Preise erst am Abend, doch nach ihren Übungen mischten sie sich unter die Schar der Zuschauer und schauten zu, wie sich andere den gleichen großen Anstrengungen unterzogen, die sie ehrenvoll hinter sich gebracht hatten … Die alten Glaubenshelden, deren Taten in der Schrift aufgezeichnet sind, werden als Zuschauer dargestellt. Ihre in der Schrift festgehaltenen Taten, Leiden und Triumphe sind dazu angetan, den gleichen Einfluß auf die Gesinnung der gläubigen Hebräer auszuüben, wie das beim Mitgehen und den anfeuernden Ovationen der Menge ringsum auf die Einstellung der griechischen Kämpfer der Fall war … Das Leuchten auf zahllosen ehrwürdigen Gesichtern sollte ermuntern, und zehntausend mal zehntausend freundliche Stimmen schienen laut zu verkünden: ‚Lauft so, daß ihr den Preis erlangt: Einst haben wir gekämpft, jetzt kämpft ihr, und ihr werdet siegen, wie wir gesiegt haben. Vorwärts! Vorwärts!'“ Beachten wir, daß sich der Schreiber selbst mit zu denen zählt, die am Wettlauf teilnehmen: „wir (haben) … um uns“; „laßt auch uns … jede Bürde … ablegen“. Und nehmen wir auch das Wort „nun“ zur Kenntnis. Die Glaubensgrößen früherer Tage hatten Zeug en ihrer Zeit um sich, und so auch wir: Uns zur Ermunterung umgeben uns Scharen. Der Schreiber sieht diese Scharen als Wolke, ein allgemein bekanntes Bild, das die unermeßliche Größe dieser Gemeinschaft beschreibt (siehe Jes 60,8; Hes 38,9 in bezug auf das gleiche Bild). In 1 Thessalonicher 4 werden wir beim Kommen des Heilandes gemeinsam in Wolken Ihm entgegen in die Luft entrückt werden. „Siehe, er kommt mit den Wolken“ (Offb 1,7) kann sich durchaus auf diejenigen Wolken der Heiligen beziehen, die zuvor Ihm entgegengerückt worden sind (1 Thessalonicher 4). Laßt uns angesichts all dieser Überlegungen jede Last ablegen. Wer ernsthaft kämpft, wird nicht das Handicap einer überflüssigen Last auf sich nehmen. Der Wettlauf ist im Gang, und wir müssen uns jedes Hindernisses entledigen, selbst wenn jener Sachverhalt anderen völlig legitim erscheinen mag. Wie viele Heilige werden oft durch Lasten behindert, hinsichtlich derer sie fragen: „Gibt es daran etwas auszusetzen?“ Natürlich gibt es wahrscheinlich keine Gesetze dagegen, daß ein Athlet unförmige Schuhe oder dicke Winterkleidung trägt, während er bei den Spielen läuft, doch man stelle sich das vor! Wie viele Gläubige haben sich durch Geschäft, Hobbies, Sport oder dadurch Lasten aufgeladen, daß sie unnötige zusätzliche Studien an weltlichen Einrichtungen aufgenommen oder sich Beschäftigungen gewidmet haben, die so viel Zeit, Interesse und Energie beanspruchen, daß der Wettlauf vernachlässigt wird! Wir müssen uns in Zucht halten sowie jedes Hindernis ablegen und unsere Zeit sowie Kräfte ernsthaft dem vor uns liegend en Wettlauf widmen. Doch zuallererst müssen wir uns vor der Sünde hüten. Der Wortlaut der AV läßt an eine bestimmte Sünde denken, von der ein Mensch sagen kann: „Dies ist meine schwache Stelle“. Daran ist hier nicht gedacht. Es geht um Sünde in jeder Gestalt und Form, die uns so leicht, zu jeder Zeit, umstricken kann. Das Wort „bestricken“ (euperistatos) kommt nur hier im Neuen Testament vor. Es vermittelt den Gedanken des Einkreisens oder Umgebens bis hin zum Haften am betreffenden Objekt. Die Neigung zur Sünde ist ständig in uns. Wir müssen sie ablegen. Sie wird uns beim Wettlauf raffiniert verstricken und behindern, so wie ein Läufer gehandicapt ist, wenn er ein langes, weites Gewand trägt, wodurch er sich beim Laufen verheddern kann. Weil uns so viel behindern kann, ist es demnach nicht überraschend, daß wir fortwährend standhaftes Ausharren nötig haben. Daher auch die Ermahnung des Schreibers: „Laßt uns mit Ausharren laufen“. Laufen wir den vor uns liegenden Wettlauf mit Ausdauer und mit Ausharren, stets entschlossen, nichts unseren Bemühungen Hinderliches zuzulassen, sei es legitim oder sündhaft.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt – Hebräerbrief
Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.
Der Schreiber liefert zwei Anreize für praktiziertes geduldiges Ausharren. Der erste wird in Vers 1 genannt und kommt von der Liste der Glaubenshelden in Kapitel 11: Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben… Auf Grund dessen, was er in Kapitel 11 gesagt hat – deshalb – werden die Gläubigen nun als Wettkämpfer gesehen, die danach streben, einen Preis zu gewinnen. Während die Gläubigen in der Arena (im Stadion) sind, sitzen diese alttestamentlichen Heiligen auf der Tribüne in den Zuschauerreihen. Nicht, dass sie die Gläubigen beobachten, um zu sehen, wie gut sie sind, sondern in dem Sinne, dass sie Zeugen ihres Glaubenslebens sind. Sie bezeugen, dass durch gelebten Glauben und geduldiges Ausharren das Rennen gewonnen werden kann. Es ist nicht das Publikum, das hier zuschaut, sondern die Wettkämpfer schauen zu. Diese Verse lehren nicht, dass diejenigen, die im Himmel sind, sehen können, was hier auf der Erde geschieht. Wenn der Schreiber sagt um uns haben, meint er, dass die Glaubenshelden aus Kapitel 11 in den Gedanken der Wettkämpfer sein sollen. Die Wettkämpfer sollen sich dessen bewusst sein, was diese Helden durch den Glauben vollbracht haben, und geduldiges Ausharren praktizieren. Von den beiden griechischen Begriffen für Wolke bedeutet das, was hier verwendet wird, nicht eine einzelne Wolke, sondern eine Masse, eine dichte Wolkengruppe. Deshalb steht im Text auch so große Wolke. Damit wird gesagt, dass die Leser eine große Masse, eine gewaltige Gruppe von Menschen im Gedächtnis behalten sollen, die als Zeugen dienen sollen, damit das Rennen durch Glauben und geduldiges Ausharren gewonnen werden kann.
Der Schreiber fährt fort, indem er durch drei Partizipien (im Griechischen) zeigt, wie man sich auf das Rennen vorbereiten soll. Diese drei Partizipien betonen, dass man alles ablegen soll, was einem daran hindert, beim Rennen gut abzuschneiden. Das erste Partizip heißt habend oder sehend. Dazu gehört, dass man den Glauben, den die Heiligen von Kapitel 11 hatten, sieht, und dass man erkennt, dass dieser Glaube nachgeahmt werden muss. Das zweite Partizip heißt ablegend. Dieses griechische Wort bezieht sich auf alles, was jemanden davon abhalten kann, ungehindert am Wettlauf teilzunehmen. Alles, was die Aufmerksamkeit von der ungehinderten Teilnahme am Rennen abzieht, muss abgelegt werden. Im Kontext dieses Schreibens, wie schon in 6,1-3 gesagt, ist nun der Judaismus das überschüssige Gewicht, das abgelegt werden muss. Das heißt, sie sollen das Rennen bestreiten mit Glauben und geduldigem Ausharren. Das dritte Partizip steht in Vers 2 und heißt hinschauend. Auf diese Weise müssen sie am Wettlauf teilnehmen, und das wird weiter unten besprochen.
Der Ausdruck die uns leicht umstrickende Sünde gibt einen Einblick in das, was diese Leser ablegen sollten, denn die Sünde, wenn sie begangen wird, wird die Ursache ihres Misserfolgs sein. Dieser Ausdruck hat einen bestimmten Artikel. Es ist nicht nur irgendeine Sünde, sondern die Sünde schlechthin. Es ist eine spezielle Sünde. Bei ihnen ist es die Sünde des Abweichens. Die Sünde ist das Zurückgehen in den Judaismus (10,38.39). Bei anderen mag es eine andere Sünde sein, die sie aus der geistlichen Bahn wirft. Die Verpflichtung besteht darin, die Sünde abzulegen und mit dem Lauf fortzufahren. Der Wettlauf ist lang und sie müssen mit Ausdauer laufen. Wie lang ist er? Er beginnt am Tag der Errettung und dauert bis zum Tod. Es ist ein lebenslanger Marathon. Das griechische Wort für „Wettlauf“ ist der Ursprung unseres Lehnwortes Agonie. Der Wettlauf ist eine Agonie. Die Art und Weise, wie dieses Rennen bestritten werden muss, ist geduldiges Ausharren. Das Wort Geduld bedeutet „eine stetige Entschlossenheit, weiterzumachen“. Sie müssen weitermachen, auch wenn sie das Verlangen haben, langsamer zu werden oder aufzuhören. Und sie müssen bis zum Ende ihres Lebens laufen.
Früher habe ich des öfteren „Diskussionen“ über die Zeit, wo Gott noch nichts erschaffen hatte, und wie viel Zeit Er allein war. Habe in den letzten Tagen ein Buch gehört, und möchte einen Gedanken hier zitieren:
Die meiner Ansicht nach beste Definition Gottes ist schon etwas älter und stammt vom Theologen Anselm von Canterbury (1033–1109). Sinngemäß schreibt er in seinem Werk Proslogion: Gott ist das in jeder Hinsicht größte vorstellbare Wesen. Wenn wir von etwas noch größer als von Gott denken können, ist das Gott (id quo nihil maius cogitari potest).
Stephan Lange – Begründet glauben: Denkangebote für Skeptiker und Glaubende
Wenn Theisten sagen, Gott sei der Schöpfer, meinen sie ja nicht nur, dass er feste Gegenstände wie Planeten oder Pflanzen erschaffen hat. Sie meinen damit, dass er wirklich alles erschaffen hat. Alles, was man sich vorstellen kann: Nichts war, bevor Gott es erschuf. Das heißt, dass Gott sogar Ideen erschuf. Er erschuf nicht nur das konkrete Universum aus Quantenfeldern, Gasen, festen Körpern und Flüssigkeiten; er erschuf auch alle abstrakten Wirklichkeiten wie Güte oder Sinn. Diese Ideen existierten nicht, bevor er sie erschuf. So wie es keine Pflanzen gab, ehe Gott die erste Pflanze erschuf, so gab es auch keinen Anfang, ehe Gott den ersten Anfang erschuf. Der Einwand beruht also auf einem Missverständnis. Man kann schlecht fragen »Wer erschuf Gott?«, weil bereits die Idee des Erschaffens Gottes Idee war. So etwas wie die Schöpfung gab es nicht, bevor Gott sie erschuf. In den Ausführungen spiegelt sich auch die anfangs skizzierte Definition Gottes von Anselm wider: Wer fragt, wer Gott erschaffen hat, der spricht eben noch nicht von Gott, dem in jeder Hinsicht größten vorstellbaren Wesen, sondern denkt noch an eine Zwischeninstanz, eine Art »Weltenbaumeister« – einen Demiurgen.
Stephan Lange – Begründet glauben: Denkangebote für Skeptiker und Glaubende
Was aber die Toten betrifft, daß sie auferstehen, habt ihr nicht in dem Buche Moses’ gelesen, „in dem Dornbusch“, wie Gott zu ihm redete und sprach: „Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“? (2Mose 3,6) Er ist nicht der Gott der Toten, (O. Gott ist nicht ein Gott der Toten) sondern der Lebendigen. Ihr irret also sehr. Elberfelder 1871 – Markus 12,26–27
Und was sonst die Auferstehung der Toten betrifft, habt ihr nicht im Buch Mose gelesen, wie Gott bei dem Dornbusch zu ihm sagte*: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Gott ist nicht ein Gott von Toten, sondern ein Gott von Lebenden. Ihr irrt euch also völlig.“ Bruns 2013 – Markus 12:26–27
Betreffs der Gestorbenen aber, dass sie erweckt werden: Laset ihr nicht in dem Buch Mose von dem Dornbusch, wie Gott zu ihm sprach, sagend: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Er ist nicht der Gott der Gestorbenen, sondern der Lebenden. Ihr irrt viel. Das neue Testament – Grundtextnah übersetzt von W. Einert – Mk 12,26–27
Auch mit ihrer Behauptung, daß im Pentateuch von der Auferstehung nicht die Rede sei, waren die Sadduzäer im Irrtum. In seiner zweiten Frage, die ebenfalls nur zu bejahen war, berief sich Jesus im Gegenteil auf das Buch des Mose, und zwar auf das Wunder mit dem brennenden Dornbusch (2Mo 3,1-6). Damals hatte Gott selbst sich Mose zu erkennen gegeben und ihm bestätigt, daß er der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs sei (2Mo 3,6). Damit gab er ihm zu verstehen, daß die Patriarchen noch am Leben waren und er als ihr Gott, der seinen Bund mit ihnen hielt, noch immer in Verbindung mit ihnen stand, auch wenn sie schon vor langer Zeit gestorben waren. Das beweist, so schloß Jesus, daß Gott nicht ein Gott der Toten ist, in dem Sinn, wie die Sadduzäer den Tod verstanden, nämlich als ein Auslöschen, sondern ein Gott der Lebenden. Er war noch immer der Gott der Väter Israels, was er nicht sein könnte, wenn sie mit dem Tod aufgehört hätten zu existieren, d. h. wenn mit dem Tod alles enden würde. Seine Bundestreue war letztlich die Garantie für ihre leibliche Auferstehung.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Jesus geht noch weiter. Er führt gegenüber den Sadduzäern den Schriftbeweis exakt aus jenen biblischen Büchern, die sie als einzige voll und ganz anerkennen, nämlich aus den Mosebüchern: »Aber über die Toten, dass sie auferstehen, habt ihr da nicht gelesen im Buch des Mose, beim Dornbusch, wie Gott zu ihm sagte: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?« (Mk 12, 26). Das »Buch des Mose, beim Dornbusch« ist das zweite Mosebuch. Jesus bezieht sich hier auf die Berufung »Moses beim Dornbusch« nach 2 Mo 3,1ff. Man könnte übrigens an dieser Stelle auch übersetzen »zur Zeit des Dornbuschs« (d. h. der Dornbuschberufung). Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Aussage, die »Gott« dabei machte: »Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs« (2 Mo 3,6.15). Jesus liest also 2 Mo 3 so, dass er es als geschichtlich zuverlässigen Bericht betrachtet. Außerdem setzt er voraus, dass das 2.Mosebuch (mit dem Fremdwort: Exodus) »Mose« selbst zurückgeht. Schließlich führt er »Mose« wie in Joh 5,45 ff. als Zeugen für sich an. Er beurteilt also Mose nicht als seinen Gegner oder als seine Kontrastfigur, sondern als seinen Zeugen und Vorgänger. Man beachte auch die Erscheinung Moses auf dem Verklärungsberg (Mk 9,2ff.). Aber was ergibt sich nun aus der Gottesaussage am Dornbusch? Gott »ist«, erklärt Jesus, »nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden« (Mk 12, 27). Er stellt sich hier ja nicht vor als ein »Gott« längst vergangener Menschen, sondern als ein »Gott« der noch »Lebenden«. Was wäre das auch für ein Gott, dem der Tod die Seinen aus der Hand nehmen könnte! Nein, Gott behält sie in seiner Nähe, auch wenn sie gestorben sind. Sie existieren also nach dem Tode weiter und werden auferstehen (vgl. Mk 9,2ff.; Mt 2,18; 8,11; Lk 16,19ff.; Joh 8,56).
»Ihr irrt sehr«: Noch einmal stellt Jesus fest, dass die Sadduzäer in punkto Auferstehungslehre eine Irrlehre vertreten. Er macht unmissverständlich klar, dass es eine Totenauferstehung gibt, die auch die früher lebenden Menschen einbezieht (vgl. 1 Petrus 4,6; Offb 20,11ff.). Darin ist er mit den Pharisäern einer Meinung (vgl. Mk 12, 28; Lk 20,39; Apg 23,6ff.). Sogar in der Art des Schriftbeweises gibt es eine Ähnlichkeit zwischen Jesus und den Pharisäern. So bewiesen z. B. die pharisäischen Rabbinen die Totenauferstehung aus 5 Mo 32,39 (babylonischer Traktat Sanhedrin 91 b).
Ergebnis: Jesus betont, dass es eine Totenauferweckung gibt. Er wagt es, den mächtigen Sadduzäern, die sich großenteils aus der Priesterschaft rekrutierten, einen Irrtum nachzuweisen. Im Verlauf seiner Beweisführung wird ein Doppeltes klar: a) Dass er das AT als wörtlich von Gott eingegeben betrachtet, b) dass er den Propheten und den übrigen Teilen der Schrift denselben Rang einräumt wie den Mosebüchern.
Wer des Armen sich erbarmt, leiht Jehova; und er wird ihm seine Wohltat vergelten Elberfelder 1871 – Sprüchd 19,17
IHM leiht, wer dem Schwachen ein Gönner ist, was er fertigte, wird ER ihm bezahlen. Buber & Rosenzweig – Sprüche 19:17
Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem Ewigen: Er wird ihm die Wohltat vergelten. Die Philippson-Bibel – Spr 19,17
Wenn wir den Armen helfen, investieren wir in den Herrn, und er wird dafür sorgen, dass wir unsere Dividende zur rechten Zeit erhalten. „Wer sich der Armen erbarmt, leiht dem Herrn, und er wird ihm zurückgeben, was er gegeben hat“ (19,17; siehe 11,24; 22,9). Bevor die Kirche hilft, hat die Familie jedoch die Pflicht, ihren eigenen Bedürftigen zu helfen (1 Tim. 5:4, 8). Damit steht es der Kirche frei, denen zu helfen, die niemanden haben, der ihre Last mit ihnen teilt. Wenn wir unsere Ohren vor den Schreien der Armen verschließen, wird Gott seine Ohren vor unseren Gebeten verschließen (Spr 21,13).
Als Pastor von drei Kirchen kenne ich einige der Probleme, die Gemeinden mit „Betrügern“ haben können, die sich als „Gläubige auf der Durchreise, die Hilfe brauchen“ ausgeben. In den mehr als vierzig Jahren meines Dienstes kann ich mich nur an sehr wenige Fälle erinnern, in denen Fremde, denen wir geholfen haben, uns geschrieben und gedankt haben, als sie nach Hause kamen, oder sogar die Spende zurückgezahlt haben. Sicherlich müssen Pastoren und Diakone Vorsicht und Weisheit walten lassen, damit sie nicht mehr Schaden als Nutzen anrichten, aber wir müssen auch daran denken, dass wir wirklich bedürftigen Menschen um Jesu willen helfen (Mt 25,34-40). Bernhard von Clairvaux, der Komponist von „Jesus, the Very Thought of Thee“, gab einen weisen Rat, als er sagte: „Die Gerechtigkeit sucht nach den Vorzügen des Falles, aber das Mitleid betrachtet nur die Not.“ Wenn unser Herr uns heute nur auf der Grundlage der Gerechtigkeit behandeln würde, wo wären wir dann?
…
„Wer sich der Armen erbarmt, leiht dem Herrn, und er wird ihm zurückgeben, was er gegeben hat“ (Sprüche 19:17, NKJV). Wenn wir geben, um anderen zu helfen, geben wir eigentlich dem Herrn; er rechnet es an und zahlt reichlich aus (Phil. 4:15-17). „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40, NKJV). Dieser Grundsatz gilt übrigens auch für die Art und Weise, wie wir unsere Feinde behandeln (Spr 20,22; 25,21-22; Röm 12,18-21).
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Series
Die Nächstenliebe galt als göttliches Attribut, denn „Gott unterstützt die Sache der Waisen und der Witwen und nimmt sich des Fremden an und versorgt ihn mit Nahrung und Kleidung“ (Dtn 10,18). Auch das Geben an die Armen wurde als ein wesentliches Element des gerechten Lebens angesehen. In Bezug auf Jom Kippur geißelt Jesaja (58,5-7) diejenigen, deren Fasten nur darin besteht, ihre Seele zu betrüben und Sack und Asche zu tragen. Stattdessen erklärte der Prophet in den nächsten Versen, dass ein „dem Herrn wohlgefälliger Tag“ und „das Fasten, das ich [Gott] wünsche“ darin besteht, dass Juden „ihr Brot mit den Hungrigen teilen … und die armen Elenden in ihr Haus aufnehmen“ und die Nackten bekleiden. Nach Hesekiel (16,49) war die Zerstörung Sodoms die Folge eines Mangels an Nächstenliebe: Sie hatten „Brot im Überfluss und ungetrübte Ruhe; doch … unterstützten sie die Armen und Bedürftigen nicht.“ Eine „tüchtige Frau“ (siehe S. 129) zeichnet sich dadurch aus, dass „sie den Armen großzügig gibt und ihre Hände nach den Bedürftigen ausstreckt“ (Spr 31,20). „Wer den Armen gegenüber großzügig ist, leiht dem Herrn etwas, und der wird ihm das, was ihm zusteht, zurückzahlen“ (Spr 19,17). Bei der Einführung des neuen Purimfestes wurde im Buch Esther (9,12) der Brauch aufgenommen, Geschenke an die Armen zu schicken (mishloach manot; siehe S. 258).
Ronald L. Eisenberg – Der JPS-Führer zu jüdischen Traditionen
Während 14,31 Gott durch das Erbarmen geehrt wurde, geht unser Spruch noch weiter und erklärt, daß die Hinwendungen zum Geringen Leihgaben an Gott sind. Jahwe wird der Schuldner der Barmherzigen und wird ihm das Geliehene zurückerstatten. Natürlich wäre es falsch, nur aus Berechnung Gutes zu tun und von den guten Werken Ansprüche Gott gegenüber abzuleiten. Aber wenn der Undank der Welt einen betrübt, kann man sich mit diesem Spruch trösten. Beachten wir, daß die Hilfsbereiten in Mt 25,34ff sich ihrer Guttaten gar nicht bewußt waren. Und das »gedrückt, gerüttelt und überfließend Maß« von Lk 6,38 übertrifft sicher alle Gaben und alle Erwartungen.
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