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Zu spät den wahren Mensch erkannt?

Danach erschien er Jakobus, dann den Aposteln allen; am letzten aber von allen, gleichsam der unzeitigen Geburt, erschien er auch mir.
Elberfelder 1871 – 1 Kor 15,7–8

 Dann wurde er von Jakobus gesehen und später von allen Aposteln. Als Letzter von allen habe auch ich ihn gesehen, so als wäre ich zur falschen Zeit geboren worden.
Neues Leben Bibel 2014 -1.Kor 15,7–8

Als Letztem von allen hat er sich auch mir gezeigt; ich war wie einer, für den es keine Hoffnung mehr gibt, so wenig wie für eine Fehlgeburt – Oder gezeigt; ich war wie eine unzeitige Geburt. Aü gezeigt, dieser Missgeburt von einem Apostel, wie manche mich nennen. W gezeigt, gleichsam der Fehlgeburt/Missgeburt.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Korinther 15:8

Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch

Warum empfindet Paulus sich als „zu spät geboren“??

Der Ausdruck »unzeitige Geburt« (Euther, Elberfelder, Schlachter) bzw. »Fehlgeburt« (Zürcher, Menge) oder »Missgeburt« (Einheitsübersetzung) bezog sich normalerweise auf einen toten Fötus, nach einer Fehlgeburt oder einer Abtreibung. Vielleicht bezeichnet Paulus sich selbst im Vergleich mit den anderen Aposteln als Missbildung ( 15,9 ); sicher ist, dass er sich hier in irgendeiner Weise herabwürdigt. Er könnte meinen, dass er zur falschen Zeit geboren ist (in diesem Fall jedoch wohl eher zu spät als zu früh), und zwar nach den ersten Epiphanien Jesu. Nach Ansicht anderer Kommentatoren wurde Paulus im Mutterleib auserwählt, machte diese Berufung jedoch durch seine Verfolgung der Kirche zunichte und sich selbst auf diese Weise bis zu seiner Bekehrung gleichsam zu einem abgetriebenen Fötus.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Paulus bezeichnet seine eigene Bekehrung als eine unzeitige Geburt, denn ihm fehlt die Zeit, die die anderen mit Christus auf Erden verbracht haben (vgl. Apg 1,21-22).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Mit seiner eigenen Person schliesst die Kette der Zeugen ab – auch zeitlich. Die Erscheinung des Auferstandenen vor Paulus bei Damaskus war ebenso wirklich wie die vor den anderen Zeugen. Es steht dasselbe griechische Wort (»ist er auch von mir gesehen worden«). Der auferstandene Christus ist Paulus begegnet (vgl. Apg 9,3ff.; Apg 22,6ff.; Apg 26,12ff.; besonders Apg 26,13: »sah«). Der Apostel nennt sich selbst in aller Demut eine »unzeitige Geburt« (wörtlich: »Fehlgeburt«), also ein eigentlich nicht lebensfähiges Wesen. Autorität, Vollmachtsanspruch und Demut gehören hier zusammen. Die Autorität als Apostel leitet sich von dem Auferstandenen ab, die Demut von dem ehrlichen Blick auf die eigene Person. Paulus versteht sein Apostelamt als unverdiente, geschenkte Gnade und Würde.

Gerhard Maier – Edition C

Warum sieht er sich als „unzeitige Geburt“? Weil er „die Gemeinde Gottes verfolgt“ hat. Der Begriff bezieht sich also auf seine „Geburt“ als Apostel. Diese „Fehlgeburt“ hängt ihm nach, so dass er „der geringste unter den Aposteln“ ist und eigentlich „nicht wert“ ist, Apostel genannt zu werden.
Dass er trotzdem ein Apostel ist, verdankt er nicht sich selbst, sondern allein der Gnade Gottes. Gleichzeitig stellt er fest, dass Gottes Gnade in seinem Leben „nicht vergeblich gewesen“ ist, sondern bewirkt hat, dass er „viel mehr gearbeitet“ hat als alle anderen Apostel. Damit nicht der Eindruck entsteht, dass er seine Arbeit als ein Werk versteht, durch das er sich bei Gott etwas verdient, oder seine Aussage auf andere Weise missverstanden wird, betont er noch einmal, dass sein Engagement die Wirkung der Gnade Gottes ist, die mit ihm ist.

Mainka – 1. Korintherbrief

Nun nennt Paulus zum Schluß auch sich selbst als „Zeugen der Auferstehung“ (Apg 1, 22). „Am letzten aber von allen, wie von der Fehlgeburt, wurde er gesehen auch von mir. Denn ich bin der geringste der Apostel, der ich nicht tauglich bin, ein Apostel genannt zu werden, weil ich verfolgt habe die Gemeinde Gottes.“ Er muß mit in der Zeugenreihe stehen, wenn er überhaupt ein wirklicher „Apostel“ ist. Aber er ist darin nur so etwas wie „die Fehlgeburt“18 oder „die Mißgeburt“ eines Apostels. Denn die Aufgabe eines Apostels ist der grundlegende Aufbau der „Gemeinde Gottes“. Paulus aber hat vielmehr „die Gemeinde Gottes verfolgt“ und sie zu vernichten gesucht (Gal 1, 13). So war er — völlig anders als alle anderen „Apostel“ bei all ihrem Versagen — in sich selbst das genaue Gegenteil eines Apostels. Er ist „nicht tauglich, ein Apostel genannt zu werden“, und so „der geringste der Apostel“.

Wuppertaler Studienbibel

Das Wort ἔσχατος („der Letzte“) erscheint hier nicht als Adverb („zuletzt“), da danach πάντων („von allen“) folgt, d.h. Paulus war der Letzte von allen Genannten Personen, denen der Herr erschien. Daher gebraucht er auch das Wort ἔκτρωμα („unzeitige Geburt, Fehlgeburt, Früh-/Spätgeburt), das an einigen weiteren Stellen vorkommt: Numeri 12.12: „μὴ γένηται ὡσεὶ ἴσον θανάτῳ ὡσεὶ ἔκτρωμα ἐκπορευόμενον ἐκ μήτρας μητρὸς καὶ κατεσθίει τὸ ἥμισυ τῶν σαρκῶν αὐτῆς“. „Sie möge nicht werden wie etwas, das dem Tod gleich ist, wie eine Fehlgeburt, die aus dem Mutterschoß herauskommt und (so) die Hälfte ihres Fleisches verzehrt. Prediger 6.3: „ἐὰν γεννήσῃ ἀνὴρ ἑκατὸν καὶ ἔτη πολλὰ ζήσεται καὶ πλῆθος ὅ τι ἔσονται ἡμέραι ἐτῶν αὐτοῦ καὶ ψυχὴ αὐτοῦ οὐκ ἐμπλησθήσεται ἀπὸ τῆς ἀγαθωσύνης καί γε ταφὴ οὐκ ἐγένετο αὐτῷ εἶπα ἀγαθὸν ὑπὲρ αὐτὸν τὸ ἔκτρωμα“. „Wenn jemand 100 (Kinder) zeugt und viele Jahre leben wird und es eine Menge ist, was er an Lebensjahren haben wird, aber seine Seele nicht satt werden wird vom Guten und ihm auch kein Grab zuteil ist, ich sagte: Besser als er hat es die Fehlgeburt“. Den Vergleich mit einer Fehlgeburt macht auch Hiob 3.16: „ἢ ὥσπερ ἔκτρωμα ἐκπορευόμενον ἐκ μήτρας μητρὸς ἢ ὥσπερ νήπιοι οἳ οὐκ εἶδον φῶς“. „Oder wie eine Fehlgeburt aus dem Schoß der Mutter herauskommt oder wie Säuglinge die das Licht nicht sahen (wäre ich nicht da)“. In Abgrenzung zur Fehlgeburt beschreibt Philo in Legum allegorianum das Wort als „unzeitige Geburt“: ἀμβλωθρίδια εὑρίσκεται καὶ ἐκτρώματα („Man hält es für eine Fehlgeburt und unzeitige Geburt“). Da Paulus ja doch in geistlicher Hinsicht auf die Welt kam, spricht der Zusammenhang eher für eine „unzeitige Geburt“, da Paulus wohl meinte, er kam zu spät zu Christus, andererseits für eine Fehlgeburt. da er sich für tot in Sünden und Übertretungen hielt und erst durch das Eingreifen und die Erscheinung des Herrn zum Leben kam. Da der Artikel τῷ („der“) gebraucht wird, scheint Paulus dies wie eine Apposition für sich zu gebrauchen, d.h. „mir, als der unzeitigen Geburt“.

Peter Streitenberger – 1. Korinther

Paulus ist also weder deprimiert noch überheblich. Er versucht nicht, sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken, wie das heute einige „christliche Hirten“ tun. Ihm war bewußt, dass er zu einer Zeit gelebt hatte, wo er Jesus Christus persönlich hätte begleiten können – doch aus Gnade später für IHN eintreten durfte.
Lass dich, lieber Leser, also bei Fragen zu Bibelstellen nicht von nur wenigen Zeilen abspeisen – sondern lerne, selbst aktiv nachzuforschen, was andere über diesen Vers herausgefunden haben.

Passah 2020

Da die Besuchseinschränkungen durch Corona ja über Ostern noch immer gelten, haben wir dieses Jahr nicht wie üblich die Wohnung „voll“ einladen können. Aber der Vorteil war, dass ich dieses Jahr „jemand anders“ leiten lassen konnte – denn die jüdisch-messianische Gemeinde in Berlin übertrug eine Feier live ins www. So waren wir hier nur zu viert und doch irgendwie „ganz viele“ 😉

Dank an meine liebe Frau die das Festessen auf den Tisch brachte!
Mazza und Wein, und der gedeckte Teller
warten darauf, dass die Übertragung beginnt

Jedes Jahr immer wieder interessant, wie Jesus und seine Apostel das Fest wirklich gefeiert haben – den Zusammenhang und die verschiedenen Abläufe besser zu verstehen. Und dabei im Hinterkopf… irgendwann feiern wir ein großes Freudenfest mit IHM hier, weil ER uns befreit hat!

Vorbereitungen zum Pessach 2020

Dieses Jahr werden wir wohl alle das Pessach etwas anders feiern, als „gewohnt“, den die Möglichkeiten sich in großen Gruppen zu treffen sind ja nun eingeschränkt.
Deshalb gebe ich heute die Daten weiter, wo wir die letzten Jahre unser „Traditionspaket“ bestellt haben – hier bei doronia findest du alles, was du für die unterschiedlichsten jüdischen Feiertage benötigen würdest. Im ersten Jahr hatten wir den Sedertepper und den Mazzateller sowie Mazzatasche bestellt ….Diese Dinge benötigst du nur, wenn du das Pessach so feiern möchtest, wie Jeschua es damals gefeiert hat. Doch viele Christen kennen ja nur den kleinen Teil, der in den Evangelien benannt werden. Die üblichen Abläufe und Bräuche wurden natürlich nicht in der Bibel niedergeschrieben, weil diese ja nicht den Kern der Botschaft ausmachen.
Wenn du also nur den Wein und das Brot = die Mazza dort bestellen möchtest, dann tue dies bitte in den nächsten Tagen, damit die ganzen Dinge noch rechtzeitig bei dir zu Hause eintreffen können.
Hier noch der link zu dem Pessach-Katalog.

Warum eine gute Studienbibel?

Heute möchte ich ein Einleitungsvideo mit euch teilen, das sehr gut erklärt, was die von mir so beliebte Software „Logos“ kann. Es ist viel mehr als nur eine Suchdatenbank, wie das, was wir im Internet finden oder als *lib auf unserem Rechner haben! Bitte schaue es dir in Ruhe an:

Warum ist das für mich so interessant? Mitte 1986 kam eine echte Studienbibel in deutsch heraus, aber ich mußte ein paar Monate warten bis ich diese in meinen Händen halten konnte. Der Grund: diese Bibel gab es nur im „Westteil“ der Stadt und das große Format machte es schwierig, diese über die Grenze zu schmuggeln. Hiermit möchte ich mich noch einmal ganz lieb bei der Frau meines Vaters bedanken, die damals die Chance hatte, wegen eines Trauerfalls in ihrer Familie, in den Westen zu fahren und mir tatsächlich mein persönliches Exemplar mitbrachte!
Endlich eine Bibel, wo es nicht nur die bekannten Querverweise zu anderen Bibelstellen gab, sondern bei ganz vielen Versen auch richtige Fußnoten, wo auf den hebräischen/griechischen Hintergrund des übersetzenden Wortes eingegangen wurde! Noch heute nutze ich diese Bibel gern – und da ich diese Bibel bei logos vermisse, sitze ich gerade daran, daraus ein „persönliches Buch“ zu basteln.
Doch was nun? Online wurde diese Studienbibel vor einigen Tagen (und vermutlich wird das auch in den nächsten Monaten auf der *lib so passieren) entfernt und durch eine wirkliche „Sparversion“ ersetzt. „Ganz neu“ eine Studienbibel, wo die wichtigsten Hintergründe nun rausradiert sind: nur noch kurz und knapp in viel viel weniger Fußnoten nur noch ein paar Anmerkungen wie man es auch übersetzen könnte … (ich könnte heulen wenn ich das neue Exemplar online sehe!) ……

Schade, keine Bibelforscher mehr! Deshalb nutzt de.logos.de – ein Werkzeug für jeden der die Bibel erforschen möchte!

Halloween…

und zum heutigen Abend: aus hebräisch für Chisten:

In Bezug auf den heidnischen Feiertag von “ Halloween,“ denken sie daran, dass es keinen “ Zauber “ oder böse Beschwörung (i. e., nachash: naẖaş̌) effektiv gegen Jacob gibt, es gibt keine Hexerei (i. e., kesem: qesem) gegen Israel. Zu dieser Zeit muss man von Jakob und von Israel sagen: „Schau dir an, was Gott getan hat ( mah-pá̇ʻal erweiterte )“ [Num. 23:23]. Keine Waffe, die gegen Gottes Volk gebildet wird, wird gedeihen (Isa. 54:17), und der Fluch der Gottlosen ist machtlos gegen die tzadikim (Prov. 26:2). Ein od milvado (ʼéyn ʻwòd milĕbaḋw) – Gott ist die einzige wahre Kraft (Deut. 4:35; 1 chron. 29:11; Rev. 4:11). Satan ist ein Hochstapler und ein vereitelt Usurpator. Wie Yeshua seinen Anhängern sagte: „Siehe, ich gebe dir die Autorität ( exousía ), um auf Schlangen und Skorpione und über die ganze Kraft des Feindes zu treten ( und epí pâsan tēn dýnamin tou echthroû ), und nichts soll dir schaden“ ( Lukas 10:19). Wie Bileam und Haman, alle, die Gottes Menschen verfluchen oder versuchen, seine Pläne zu folieren, wird,… Halleluja und Amen!

Hat Gott alles in seiner Hand?

Bei FB und anderen sozialen Medien lese ich in den letzten Tagen des öfteren, welche Probleme es in den nächsten Monaten geben würde, und ob man für oder gegen die Umweltschützer sein sollte. Dabei stellt sich dann die Frage: Gibt es den irgendetwas, was Jehovah nicht in seiner Allmacht lenken kann? Ist IHM etwa entglitten?

Da ich gerade „im Auftage“ die älteren WT durcharbeite, bin ich über folgendes gestolpert:
Zitat aus Wachtturm Februar 1950

NEBUKADNEZAR war ein Dämonenanbeter. Im Sinn dieses Namens ist der Name eines babylonischen Gottes eingeschlossen, nämlich „Nebo schützt vor Unglück“. Nebukadnezar nannte seinen Sohn und Nachfolger auf dem babylonischen Thron nach einem andern heidnischen Gott: „Ewil-Merodak“. An seinem Hofe waren Heidenpriester, seine Äusserungen verherrlichten die Dämonenanbetung, zu seinen Bauwerken zählten viele Heiligtümer für heidnische Gottheiten, und er selbst war entschieden religiös veranlagt. Dennoch sagt Jehova Gott von ihm, seinen Namen in einer Variante gebrauchend: „Nebukadrezar, der König von Babylon, mein Knecht.“ Wie konnte dies sein?
Jehova Gott bediente sich Nebukadnezars als eines Werkzeuges, um am abgefallenen Juda das Gericht zu vollziehen.

Also jeder, der heute irgendwo lebt, KANN – wenn Jehovah es will – dazu benutzt werden, um SEINEN Plan umzusetzen. Dazu ist meine persönliche Anstrengung NICHT nötig. Ich muss nicht für oder gegen den einen oder anderen Politiker sein, ich muss nicht für oder gegen eine Bewegung sein, ich muss auch keine Notfallkoffer anlegen! Das einzige was ich als SEIN ANBETER tun muss – ist mich ganz auf IHN zu verlassen, IHM zu vertauen und IHN zu lobpreisen ( ob allein, zu zweit oder in großer Menge).

Kann ich mir bei Gott etwas verdienen?

So manch einer denkt, dass er mit besonderer Anstrengung Gott zu einer Gegenleistung zwingen könnte. So ist bei manchen der Gottesdienst einmal oder mehrmals die Woche „Pflicht“ – bei anderen „das Gespräch mit Nichtgläubigen“ oder gar „mit Gewalt gegen Andersgläubige vozurgehen“.

Jesus sagte gemäß Matthäus 5:19 das „unsere Gerechtigkeit größer sein muss, als die Gerechtigkeit der Pharisäer“. Da stellt sich ja die Frage: WIE war den die Gerechtigkeit der Pharisäer zu seiner Zeit????

Ich habe einfach mal den Gedanken aus „Kommentar zum NT aus Talmud und Midrasch“ zu diesem Vers hierher kopiert. Vielleicht wird daraus klar, was Jesus meinte 😉

Wenn eure Gerechtigkeit nicht erheblich mehr wird als die der Schriftgelehrten u. Pharisäer.
γραμματεῖς, Schriftgelehrte = סוֹפְרִים, s. bei 2, 4. ‖ Φαρισαῖοι = פְּרוּשִׁים, Sing. פָּרוּשׁ, s. den Exkurs „Pharisäer u. Sadduzäer“.
Zu den Schriftgelehrten gehörten nicht nur Pharisäer, sondern auch Sadduzäer; erst als mit dem Untergang des jüd. Staatswesens i. J. 70 n. Chr. die Partei der Sadduzäer aus der inneren Geschichte des Judentums verschwand, nahm auch die sadduzäische Schriftgelehrsamkeit ein Ende. — Die Partei der Ph. umfaßte nicht bloß Schriftgelehrte, sondern in noch weit höherem Maße auch Laien, nämlich alle, die bereit waren, ihr Leben nach den religionsgesetzl. Anschauungen u. Anordnungen der pharis. Schriftgelehrten zu führen. — Wenn hier die Schriftgelehrten u. Ph. nebeneinander genannt werden, so haben wir bei jenen in erster Linie an die Männer der Theorie zu denken, die die pharis. Lehrmeinungen schulmäßig ausbildeten u. begründeten. Unter den Ph. aber werden wir besonders die Vertreter der Praxis zu verstehn haben, die das tägliche Leben in Handel u. Wandel nach den Satzungen der Schriftgelehrten zu gestalten u. zu regeln sich bemühten.
ὑμῶν ἡ δικαιοσύνη πλεῖον τῶν γραμματέων καὶ Φ., abgekürzte Vergleichung mit Auslassung von ἤ. — Die Gerechtigkeit der Schriftgelehrten u. Ph. wird von Paulus, also demjenigen Apostel, der vermöge seines Bildungsganges einen genauen Einblick in die pharis. Schulmeinungen gewonnen hatte, charakterisiert als eine δικαιοσύνη ἐκ τοῦ νόμου oder als eine δ. ἐξ ἔργων νόμου, d. h. als eine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz u. seinen Werken erwächst, s. Röm 10, 5; Gal 3, 21; Phil 3, 9; Röm 3, 20; Gal 2, 16. Diese Charakterisierung finden wir auch außerhalb des NTs. Test Dan 6: Stehet ab von jeder Ungerechtigkeit u. hangt der Gerechtigkeit des Gesetzes Gottes an κολλήθητε τῇ δικαιοσύνῃ τοῦ νόμου τοῦ θεοῦ. — Apoc Bar 67, 6: Der balsamische Weihrauchduft der Gerechtigkeit aus dem Gesetz iustitiae ex lege ist aus Zion getilgt. — Auch hier bezeichnet die δικαιοσύνη τοῦ νόμου, bezw. die iustitia ex lege die Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt. Aber aus allem dem erfahren wir nichts Näheres darüber, wie denn nun eigentlich nach der Meinung der alten Synagoge des Israeliten Gerechtigkeit aus dem Gesetz u. seinen Werken hervorgeht. Darüber belehrt uns erst die rabbin. Literatur. Die Sache verhält sich so. Jede Gebotserfüllung מִצְוָה schließt als ein Akt des Gehorsams gegen den göttlichen Gesetzgeber ein Verdienst זָכוּת (Plur. זָכִיּוֹת) des Israeliten vor Gott in sich, ebenso wie jede Gesetzesübertretung עֲבֵירָה eine Schuld חוֹבָה vor Gott nach sich zieht. Von den Gebotserfüllungen abgesehen werden Verdienste vor Gott weiter erworben durch Almosen, Fasten u. besondere Liebeswerke, nicht zuletzt durch das Torastudium. Das Verhältnis, in welchem die Verdienste des Menschen nach Zahl u. innerm Wert zu seinen Übertretungsschulden stehen, stellt den jeweiligen rechtl. Stand des Menschen vor Gott dar: überwiegen die Verdienste, so wird der Mensch von Gott als ein Gerechter צַדִּיק angesehen; überwiegen seine Übertretungsschulden, so gilt er als ein Frevler רָשָׁע. — Hierbei ist die wichtige Frage noch nicht berührt, von deren Beantwortung die ganze Verdiensttheorie abhängt, die Frage: was ist als Gebotserfüllung u. was ist als Gebotsübertretung anzusehn? Eine Gesetzesübertretung läßt sich nur an der Hand des Wortlautes des Gesetzes feststellen; eine Handlung, auf die der Wortlaut eines Gesetzes nicht zutrifft, kann nicht als Übertretung dieses Gesetzes hingestellt werden. Demgemäß haben auch die rabbin. Gelehrten für eine Gesetzesübertretung nur diejenige Handlung angesehen, die entweder dem Buchstaben einer Gesetzesbestimmung nicht voll entsprach oder ihm geradezu widersprach. Liegt aber darin nicht zugleich die Anerkennung beschlossen, daß nun auch umgekehrt jede buchstäbliche Erfüllung eines Gebotes als eine volle, dem Gesetz Genüge tuende anzusehn sei? Die alte Synagoge hat diese Frage bejaht. Gewiß können auch nach ihrer Meinung subjektive Momente den Wert einer Gebotserfüllung erhöhen. Hat jemand zB ein Verbot beobachtet unter schwerem innerem Kampf gegen den eignen bösen Trieb; oder hat ein andrer keine Kosten gescheut, um die Ausführung eines Gebotes so schön zu gestalten, wie es nur in seinen Kräften stand; oder hat ein dritter einer Gesetzesbestimmung nicht aus Furcht vor Gott, sondern aus Liebe zu Gott genügt: so sind das alles Gründe, die der Gebotserfüllung einen besonderen Wert verleihen; aber es sind doch immer nur Akzidenzien; fehlten sie, so würde auch ohne sie eine vollgültige Gebotserfüllung vorliegen, falls nur dem Buchstaben des Gebotes genügt war. Erst die Anerkennung dieses Grundsatzes, daß die buchstäbliche Erfüllung eines Gebotes als eine vollgültige u. verdienstliche Gebotserfüllung anzusehen sei, hat die Verdienstlehre der alten Synagoge möglich gemacht.
Hiernach kommt die Gerechtigkeit aus dem Gesetz zustande dadurch, daß der Israelit durch pünktliche, wäre es auch nur äußerliche Erfüllung der einzelnen Gesetzesbestimmungen eine solche Menge von Gebotserfüllungen u. einen solchen Schatz von Verdiensten erwirbt, daß die Gebotsübertretungen u. die daraus sich ergebenden Übertretungsschulden nach Zahl u. Gewicht überragt werden. Ist diese Bedingung erfüllt, dann hat er Gottes Urteil für sich, d. h. Gott sieht ihn als einen Gerechten an.
Diese Art von Gerechtigkeit hat Jesus nicht anerkannt: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht erheblich mehr wird als die der Schriftgelehrten u. Pharisäer (d. h. wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten nicht bei weitem übertrifft), so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehn.“ Aber dabei bleibt Jesus nicht stehn: er tritt auch in den Kampf gegen die Gesetzesgerechtigkeit der Ph. ein. Das tut er, indem er das Fundament zerstört, auf dem die Verdienstlehre der Schriftgelehrten mit der ganzen Gesetzesgerechtigkeit ruhte. Dieses Fundament war der Satz, daß die buchstäbliche Erfüllung des Gesetzes eine volle, den göttl. Ansprüchen genügende Gesetzeserfüllung sei. Gegen diesen Satz erhebt die ganze Bergpredigt Jesu Protest: nicht dem Buchstaben nach gilt es das Gesetz zu erfüllen; Gott will eine bessere Erfüllung seiner Gebote, eine Erfüllung im Geist u. in der Wahrheit. Was das heißt, macht Jesus dann klar durch die Auslegung, die er einzelnen Geboten zuteil werden läßt. Dabei stellt er überall der buchstäblichen Ausdeutung der Gebote, wie sie von den Schriftgelehrten beliebt wurde, seine Auslegung entgegen, die den vollen religiös-ethischen Gehalt aufdeckt, den Gott in seine Gebote hineingelegt hat. In solcher Tiefe sollen seine Jünger die Gebote erfassen u. erfüllen; dann werden sie bald erkennen, daß es um die Gesetzeserfüllung der Ph. nichts sei, u. daß die Verdienstlehre der Schriftgelehrten samt der darauf aufgebauten Gesetzesgerechtigkeit vor dem Richterstuhl des menschl. Gewissens haltlos in sich selbst zusammenbricht.