Schlagwort: Jehova

„sollt ihr nicht so tun“

Jehova, eurem Gott, sollt ihr nicht also tun
Elberfelder Bibel 1905 – 5.Mose 12,4

Ihr sollt dem Herrneurem Gottnicht auf diese Weise dienen
►24 לַ5 יהוָ֖ה7 כֶֽם6 אֱלֹהֵי1 לֹֽא3 כֵּ֔ן2 תַעֲשׂ֣וּן
   yhwhḵěmʹʾělō·hêlō(ʾ)ʹ  kēnʹṯǎ·ʿǎśûnʹ
  1 לְ יהוהאַתֶּםאֱלֹהִיםלֹא  2 כֵּן1 עשׂה
  l 1 yhwhʾǎt·těmʾělō·hîmlō(ʾ)  kēn 2ʿśh 1
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Schlachter_2004 – Dtn 12,4

Ihr sollt es nicht so halten mit dem Herrn, eurem Gott, (wie jene Völker mit ihren Göttern,)
Zürcher 1931 – Dtn 12,4

Heute bei der Bibelbetrachtung einen interessanten Vers gefunden. Aus dem Zusammenhang könnte man diesen in die eine oder andere Richtung übersetzten!
Entweder, die Israeliten sollen nicht die selbe Gottesdienstpraxis von den Götzenanbetern übernehmen – oder, was sich eigentlich aufdrängt: die Israeliten sollen ihren Gott nicht aus dem Land entfernen!

Interessant, dass genau in diese Richtung einige jüdische Lehrer gehen:

RASHI
Du sollst den HERRN, deinen Gott, nicht auf diese Weise anbeten. Indem du an irgendeinem Ort Opfer darbringst, außer an dem, den er erwählt hat. Eine andere Lesart: Du sollst den Namen Gottes nicht „auslöschen“, wie du es mit den Götzen tust, oder einen Stein vom Altar oder vom Tempelvorhof entfernen. R. Ishmael sagte: Könnte es dir in den Sinn kommen, dass Juden den eigenen Altar Gottes niederreißen würden? Es bedeutet dies: „Handelt nicht so, dass eure Übertretungen dazu führen, dass das Heiligtum eurer Vorfahren zerstört wird.“

NAHMANIDES
Du sollst den HERRN, deinen Gott, nicht auf gleiche Weise anbeten. Siehe den Kommentar von Raschi. Die Worte von R. Ismael, die er zitiert, haben den Beigeschmack eines Midraschs; was unsere Weisen über diesen Vers sagen, ist, dass er sich auf das Auslöschen von Gottes Namen bezieht (siehe B. Mak. 22a). R. Ishmaels Worte (die aus den Sifrei stammen) sind nicht widersprüchlich; sein Punkt ist, dass das Auslöschen eines Buchstabens aus Gottes Namen wie das Herausreißen eines Steins aus dem Altar ist. Unser Vers würde also bedeuten: „Reißt den Altar Gottes nicht nieder und löscht seinen Namen nicht aus“, wie ich euch befohlen habe, es mit den Göttern der anderen Völker zu tun. Stattdessen sollt ihr seinen Namen und seinen Altar ehren und eure Opfergaben an den Ort bringen, an dem er seinen Altar aufstellen und seinen Namen etablieren will.

Und was ist dann daraus geworden? Aus Jehoschuah wurde Jesus gemacht, aus Jehovah wurde Jahwe oder noch schlimmer Baal – also Herr! Anstatt auf die Sicht zu schauen, dass Jehovah der Gott ist, der über Raum und Zeit ist – und damit nicht nur die Vergangenheit und die Gegenwart beherrscht = Jahwe – sondern auch die Zukunft in seiner Hand hat = Jehovah. Anstatt darauf zu schauen das Jehovah die Rettung ist = Jehoschua, schaut man auf einen griechischen Namen, den so viele Menschen getragen haben. Hätten wir doch alle diesen Gedanken aus 5.Mose 12 richtig verstanden – mit beiden Bedeutungen!

„Freude im Himmel“

Ich sage euch: Also wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, welche der Buße nicht bedürfen.
Elberfelder 1871 – Lukas 15,7

Ich sage euch: Also wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die da die Sinnesänderung nicht nötig haben!» -Mt 18,13; Lk 5,32.
Abraham Meister – Lukas 15,7

Ich versichere euch, dass auf dieselbe Weise im Himmel Freude vorhanden sein wird im Hinblick auf nur einen vor Gott schuldigen Menschen, der sich besinnt, wie über 99 Rechtschaffene, solche, die keine Umkehr nötig haben.
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – Lukas 15,7

ὅτι V. 2. ἔσται Fut. εἰμί; οὕτως χαρά … ἔσται ἐπὶ ἑνὶ ἁμαρτωλῷ … ἢ ἐπί so wird … mehr Freude sein/herrschen über einen Sünder … als über (H-S § 242b). μετα-νοοῦντι Ptz. -νοέω seinen Sinn ändern, Reue empfinden, umkehren; attr. χρείαν ἔχω τινός jmdn./etwas nötig haben, brauchen. μετά-νοια Sinnesänderung, Umkehr, Bekehrung.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Gott fordert jeden Menschen auf, Buße zu tun (Apg 17,30). Manche folgen diesem Gebot, andere weigern sich. Hier gibt es nur ein Entweder-oder! Davon, dass jemand nicht genug Buße getan hätte, lesen wir in der Bibel nichts.
Die Schwierigkeit entsteht dadurch, dass Empfindungen der Reue mit der einmaligen Buße des Sündersverwechselt werden. Das Empfinden darüber, wie schlecht unsere Taten gewesen sind, ist veränderlich und kann nicht ausschlaggebend dafür sein, dass wir Vergebung bekommen. Vergebung hängt davon ab, ob wirüberhaupt Buße getan haben – ob wir vor Gott kapituliert und eingestanden haben, dass wir schuldig sind.
Außerdem hat nie jemand genug über seine Sünden Leid getragen, denn Gottes heilige Maßstäbe sind unerreichbar für uns Menschen. In seinen Augen ist eine einzige Sünde schlimmer als für uns alle Sünden der Welt zusammengenommen. Wir sehen die Sünden nie so, wie Gott sie sieht. Doch wer einmal als Sünder über seine Schuld Buße getan hat, darf wissen, dass er neues Leben und ewiges Heil besitzt (Apg 11,18; 2 Korinther 7,10).
Hast du Buße getan und dein Vertrauen allein auf den Herrn Jesus gesetzt? Dann war Freude über dich im Himmel (Lk 15,7.10). Und auch du darfst dich freuen.
Ich sage euch: Ebenso wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut. (Lukas 15,7)

Gerrid Setzer – Anker der Seele

Verachtet denn ein Mensch sein Eigentum, ein Hirte ein einziges seiner Schafe? Wenn ihm von seinen hundert ein einziges entläuft, gibt er es nicht auf, weil er noch andere hat, sondern überlässt diese vorerst sich selbst — mögen auch sie sich zerstreuen in den Bergen, in denen er sie weidet, er wird sie schon wiederfinden — und sucht das verirrte! An ihm hat er, wenn er es findet, eine besonders tiefe Freude. Denn die Gefahr des Verlustes hat die Liebe zu dem, was ihm gehört, nicht geschwächt, vielmehr erregt, und darum ist seine Freude, nachdem die Gefahr überwunden ist, besonders stark. Jesus redet hier mit den Jüngern wie mit den Pharisäern, als er ihnen den Willen Gottes über den Sabbat erläuterte. Er macht auch ihnen an der Liebe des Menschen zu seinem Vieh klar, wie die Liebe denkt. An unseren Tieren, deren Wohlsein unser Gewinn ist und deren Verlust uns schädigt, müssen wir harten, lieblosen Menschen lernen, was es heißt, einander liebhaben, und erkennen, dass die

Geringschätzung, die die Schwachen aufgibt und zu trag ist, ihnen zu helfen, Sünde ist. Hier sollen wir es merken, wie die Liebe auch für das Kleine sorgt, dem Verirrten gegenüber nicht schwächer, sondern kräftiger wird und daran, es zu finden und heimzubringen, ihre größte Freude hat. Denn die Gnade Gottes umfasst auch alle Kleinen, die an Jesus glauben.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Und endlich: Der Anlass des Gleichnisses zeigt deutlich, wen Jesus meint, wenn Er dem einen Verlorenen die neunundneunzig Nichtverlorenen gegenüberstellt und sie zurücklässt . Er meint die murrenden Pharisäer.
Wie Jesus bisher zeigte, dass sie zum Murren kein Recht haben, sagt Er ihnen jetzt, dass sie in rechter Herzensstellung geradezu eine liebende Mitfreude aussprechen müssten. Der Gedanke des Gleichnisses ist, wenn schon ein Mensch wegen seines wiedergefundenen Schafes die Freunde und Nachbarn zur Mitfreude auffordert, wie viel mehr darf Jesus die Teilnahme an der Freude über die Bekehrung der Sünder beanspruchen?
Die Berechtigung Seines Verlangens, sich über die Bekehrung der Sünder zu freuen, zeigt der letzte Satz des Gleichnisses. Er fordert aber nun die Pharisäer nicht auf, sich mit Ihm zu freuen, sondern hält ihnen vielmehr vor, dass im Himmel die Freude des Heilandes über die Bekehrung auch nur eines einzigen Sünders wirklich mit Ihm mit überströmendem Glücksgefühl geteilt wird. Dieser Hinweis musste die Murrenden in besonderem Maße beschämen. Die Zukunftsform: „Es wird Freude sein“ ist gewählt, um anzudeuten, dass sich die Bekehrung des Sünders bis in die fernsten wiederholen wird.
Der Herr hält den Pharisäern in heiliger Ironie zur Beschämung ein Zweifaches vor: 1. Die Himmelsbewohner freuen sich über die Bekehrung eines Sünders, was ihnen ein Anlass des Murrens ist; 2. die Engel Gottes haben an einem Sünder, der sich bekehrt, mehr Freude als an neunundneunzig Gerechten ihrer Art.

Wuppertaler Studienbibel

Vielmehr entscheidet sich das Verständnis all dieser Worte daran, ob man begreift, was hier inhaltlich gesagt wird: Wer ist der, der das Verlorene reitet, der der gute Hirte heißt, der das Weltgericht vollzieht, der die Misshandelten und Darniederliegenden heilt, die Zerstreuten sammelt, der zu den Verlorenen gesandt ist? Die Frage nach der Würde Jesu beantwortet der, dem es aufgeht, was Jesu Tun, Wirken, Reden bedeutet.

Bei unserem Gleichnis liegt die Würde Jesu in der einfachen Tatsache beschlossen, dass er eben dies Gleichnis, dass er alle unsere drei Gleichnisse erzählt! Er bildet sie, um sein eigenes Verhalten gegenüber den Sündern zu beschreiben, beschreibt es aber so, dass er von Gottes Tun und von Gottes Freude redet. Gott wendet sich zu den Sündern, gerade zu den Sündern, zu denen, auf die er den gleichen Anspruch hat wie auf die Gerechten- die sich aber Von seiner Herde verloren haben. Und Gott freut sich, wenn die Verlorenen wiederkehren. Von Gottes Freude nämlich wird in Lk 15,7 gesprochen; „Freude im Himmel“ heißt so viel wie „Freude bei Gott“.

Der Name Gottes wird ehrerbietig verschwiegen; ebenso im Bekenntnis des verlorenen Sohnes (Lk 15,21): „Ich habe gesündigt gegen den Himmel“, d.h. „gegen Gott“.

Umkehr zu Gott ist Freude. Wir übersetzen das Wort, das Luther mit „Buße tun“ wiedergibt, durch „umkehren“. Buße ist Umkehr, ist Bekehrung! Die Übersetzung „Sinnesänderung“ genügt nicht. Sie entspricht nicht dem Klang der Muttersprache Jesu, sondern sie stammt aus einem Missverständnis des betreffenden griechischen Wortes. Es geht bei der Buße nicht nur um den Sinn, sondern zugleich um das ganze Tun; es geht nicht nur um den Menschen und seinen Sinn, sondern um unser ganzes Verhalten zu Gott. Aber diese Umkehr aus der Verlorenheit und Gottesferne ist nicht. Qual und Angst, sondern über ihr sieht Gottes Freude. – Gewiss, auch Jesus spricht von „Buße in Sack und Asche“ (Mt 11,21), er zeichnet uns die Reue des verlorenen Sohnes. Der Schmerz über das Versäumte, Verdorbene – bis zu Tränen – behält sein Recht. Wenn die Evangelien von Petri Verleugnung erzählen – „Er weinte bitterlich“ -, wenn Jesus den Frauen von Jerusalem sagt: Weinet über euch und über eure Kinder !, wenn Lukas die große Sünderin in ihren Reuetränen zeigt: so ist das alles nicht Sentimentalität, sondern bitterer Ernst. Es ist hier nicht anders um Reue und Umkehr z bestellt als in den Psalmen und in unseren Kirchenliedern: unsere Trennung; von Gott geht an unser innerstes Herz. Aber in dem allen vollzieht sich nicht T eine Leistung der Reue, durch die wir Menschen auf Gott einwirken, auf der; wir dann ausruhen, auf die wir stolz sein könnten. Paulus unterscheidet ein- Z mal (2 Kor7,10) die göttliche Traurigkeit von der Traurigkeit der Welt. Es kann auch bei der Reue eine weltliche Traurigkeit geben, der es nur um die; Folge der Sünde, um die Enttäuschung der eigenen Vortrefflichkeit oder um l Ähnliches geht. Eine solche Traurigkeit, sagt Paulus, führt zum ewigen Tod; eine Traurigkeit aber, die nach Gottes Art ist, führt zur Umkehr und zur ewigen Rettung. Ebenso beschreibt Jesus in der Bergrede das rechte Fasten (Mt 6,16ff.). Fasten ist Zeichen der Trauer, der Reue; und es kann sein, dass solches Fasten sehr am Platze ist. Dann aber, sagt Jesus, „salbe dein Haupt und wasche dein Antlitz“; fast möchte man sagen: Wasche die Tränen ab.; Deine Reue steht vor Gott, und Gott vergibt die Sünde. Noch stärker ist i das Wort: „Können Hochzeitleute fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ (Mk 2,18.19.) Die Pharisäer fasten und die Jünger Johannes des Täufers, und ihr Fasten ist ein Zeichen der Entsagung und der Reue. Aber E bei Jesus ist Hochzeitfreude. So wird in der Geschichte von Zachäus ausdrücklich gesagt (Lk19,6): Zachäus „nahm ihn auf mit Freuden“, – da er nun umkehrt und alles, was er gutmachen kann, wiedergutmacht; und Jesus spricht, dass er gekommen sei, das Verlorene zu suchen (Lk19,8-10).

Diese Freude muss das Kennzeichen der Gegenwart Jesu gewesen sein, im Gegensatz auch zu Johannes dem Täufer (Mt 11,16ff.), mit dem sich Jesus doch sonst in eins setzt (Mt 21,23-27. 32). Diese Freude, so sagen unsere Gleichnisse, ist der Widerschein der ewigen Freude Gottes. Jesus spricht in unserm Gleichnissen Gottes Urteil, Gottes Freude denen zu, die Ohren haben zu hören.

Werden die Pharisäer hören, wie Gottes Ruf in unserem Gleichnis an sie ergeht? Gottes Ruf heißt: Freut euch mit mir. Freut euch, dass die Verlorenen meiner Herde zurückkehren! Seid barmherzig, wie der Vater im Himmel barmherzig ist. Das dritte unserer Gleichnisse wird davon reden, dass die Frommen an Gottes Freude nicht teilnehmen, die Barmherzigkeit Jesu tadeln und lästern, die anderen verachten und, da Gott sie ihnen gleichstellt, sie beneiden. Bedürfen sie wirklich, wie es hier heißt, der Umkehr nicht?

Schniewind – Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

wer hat mein Leben im Griff?

In deine Hand befehle ich meinen Geist Du hast mich erlöst, Jehova, du Gott (El) der Wahrheit!
Elberfelder 1871 – Psalm 31,6

In Deine Hand bestelle ich meinen Geist. Du hast erlöst (eingelöst) mich, Jehovah, Gott der Wahrheit. Ps 49,16; 119,173; Weish 3,1; Lk 23,46; Apg 7,58.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Ps 31,6


  In deine Hände werde ich meinen Geist übergeben. 
  Du hast mich erlöst, Herr, Gott der Wahrheit. 

Septuaginta Deutsch – Psalm 30,6

In deine Hände befehle ich meinen Geist. Aufs Neue hält David Gott seinen Glauben vor und bezeugt, dass er so hoch von seiner Vorsehung halte, dass er alle seine Sorgen ihr überlasse. Denn wer sich in Gottes Hand und in seinen Schutz übergeben hat, macht ihn nicht allein zum Herrn über Leben und Tod, sondern verlässt sich auch ruhig unter allen Gefahren auf seinen Schutz. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass nur der allein sein Leben in Wahrheit dem Herrn befehlen wird, der bedenkt, dass ihm von tausend Seiten der Tod droht und dass sein Leben an einem Faden hängt und gleichsam wie ein Hauch ist. So bleibt auch für David in der größten Verzweiflung nichts übrig, als im Vertrauen darauf, dass Gott der Hort und Beschützer seines Lebens ist, ruhig seinen Gang zu gehen. Doch ist es wunderbar, dass obwohl uns alle so vieles beunruhigt, doch kaum unter hundert einer so verständig ist, sein Leben in Gottes Hand zu stellen. Die Menschen leben so fröhlich und sicher in den Tag hinein, als wäre ihr Nest, in dem sie wohnen, vor allem Unglück geborgen. Sobald sie jedoch eine Furcht überfällt, geraten sie vor Angst fast außer sich: die Folge davon ist, dass sie nie zu Gott kommen. Denn entweder täuschen sie sich durch eitle Hoffnungen, oder wenn Zittern sie erfasst und sie vor Furcht wie angedonnert dastehen, empfinden sie nichts von Gottes väterlicher Fürsorge. Quält uns darum eine bange Sorgenhitze oder wirft uns auch plötzlich zu Boden, will sie uns vom rechten Wege abbringen oder doch im Laufe hemmen, so können wir uns allein mit dem Gedanken beruhigen, dass Gott, der unser Leben geschaffen hat, es auch erhalten will: ein anderes Mittel, die Last zu erleichtern und Kummer und Verzweiflung abzuschütteln, gibt es nicht. Wenn nun Gott sich herablässt, die Sorge für unser Leben zu übernehmen und zu tragen, so wollen wir lernen, immer diesen Zufluchtsort aufzusuchen, selbst wenn ein tausendfacher Tod uns droht. Ja, je zahlreichere Gefahren jemandem drohen, umso eifriger muss er sich in diesem Gedanken üben. Dies ist der Schild wider jeden Ansturm von Schwierigkeiten, wider alle Anfechtungen und Stürme: Mag unser Heil vernichtet erscheinen, so wird doch Gott es treulich schützen. Daraus erwächst dann das Gebet, dass Gott seinen Schutz und seine Verteidigung nun auch in die Hand nehmen möge. Solche Zuversicht wird auch einen jeglichen veranlassen, mit bereitwilligem Gehorsam die Pflichten seines Berufs auf sich zu nehmen und unverwandt und furchtlos seinem Ziel entgegen zu gehen. Denn woher kommt es, dass so viele lässig und träge sind, andere treulos ihre Pflicht versäumen? Kommt es nicht daher, dass sie allzu vorsichtig sind, durch Gefahren und Unannehmlichkeiten sich zu sehr schrecken lassen und der göttlichen Vorsehung nichts zutrauen? Kurz, wer nicht in Gottes Schutz ruht, so dass er sein Leben seinem Schutz und Schirm anvertraut, der lernt gar nicht recht, was es heißt, zu leben. Wer hingegen Gott zu Hort seines Lebens gemacht hat, der wird auch mitten im Tode nicht daran zweifeln, dass sein Leben erhalten bleiben wird. Nicht bloß dazu müssen wir unser Leben in Gottes Hand legen, damit er es in dieser Welt erhalte und bewahre, sondern auch damit er es mitten im Tode gegen den Untergang schütze, – wie uns dies Christus durch sein Beispiel gelehrt hat. Denn so wie David wünschte, dass sein Leben trotz der Todesgefahren verlängert werde, so bat Christus, als er am Ende dieses hinfälligen Lebens stand, dass sein Geist im Tode erhalten bleiben möchte (Lk. 23, 46). Wir haben es hier also mit einem allgemeinen Gebet zu tun, in welchem die Gläubigen ihr Leben dem Herrn befehlen, zuerst damit er es mit seiner Hand beschütze, so lange es den Gefahren dieser Welt ausgesetzt ist, darnach dass er es im Tode, der lediglich Vernichtung zu sein scheint in seiner verborgenen Hut bewahre. So wollen wir daran festhalten, dass uns Gott weder im Leben noch im Tode jemals verlässt: denn wen er unter seinem Schutze heil bis ans Ende geleitet hat, den wird er beim Abscheiden endlich zu sich nehmen. Wir haben hier einen der kräftigsten Sprüche der heiligen Schrift, der ganz besonders dazu angetan ist, uns von dem Misstrauen gegen Gott zu heilen: nun können die Gläubigen wissen, dass sie sich nicht ohne Maß und Ziel mit verkehrten Sorgen und Mühen zu quälen brauchen, weiter dass keine Furcht sie von der Bahn der Pflicht abzutreiben braucht, dass sie auch nicht nötig haben, auf der Jagd nach eitlen Hoffnungen und trügerischen Hilfen sich zu verirren und zu Fall zu kommen, dass sie keinem Schrecken zu erliegen noch den Tod zu fürchten brauchen, – denn was vielleicht dem Fleisch Verderben bringt, kann doch die Seele nicht töten. Insbesondere muss es uns aber wider alle Versuchungen wappnen, dass Christus, der im Sterben seine Seele dem Vater befahl, damit auch alle Seelen seiner Gläubigen in Obhut nahm; darum rief auch Stephanus ihn als seinen Hüter an (Apg. 7, 58): „Herr Jesu, nimm meinen Geist auf.“ Weil nun der Geist oder die Seele der Sitz des Lebens ist, so bedeutet der Ausdruck schließlich das Leben selbst.
Du hast mich erlöst. Manche Ausleger übersetzen: „Du erlöst mich,“ – in dem Sinne: „Du wirst mich gewisslich erlösen.“ Ich glaube aber, dass sich David durch Erinnerung an früher erfahrene göttliche Gnadenbeweise in seiner Zuversicht stärken will. Ist es doch für die Zukunft besonders tröstlich zu wissen, dass Gott schon früher unser Erlöser war: so dürfen wir gewiss sein, dass er unser Leben in seine Obhut nimmt. Darauf deutet auch die Anrede: du treuer Gott. Weil der Herr treu und wahrhaftig ist, dürfen wir ihm zutrauen, dass er derselbe bleibt, der er zuvor war: so knüpft David zwischen der Zuversicht des Gebets und der Hoffnung künftiger Hilfe einerseits und den früher erfahrenen Wohltaten anderseits ein festes Band. Es ist, als sagte er zum Herrn: „Herr, der du dir immer gleich bleibst und nicht nach Menschenweise deine Gesinnung änderst, du hast es schon tatsächlich bezeugt, dass du der Beschützer meines Heils bist. Deshalb lege ich meine Seele in deine Hand, da du schon bei Erretter gewesen bist.“ Was David hier in Bezug auf das irdische Leben sagt, überträgt Paulus (2. Tim. 1, 12) auf das ewige Heil: „Ich weiß, an wen ich glaube, und ich bin gewiss, er kann mir bewahren, was mir beigelegt ist, bis an jenen Tag.“ Und fürwahr, wenn schon David so viel Zuversicht aus dieser zeitlichen Befreiung gewonnen hat, so sind wir sehr böse und undankbar, wenn die Erlösung durch Christi Blut uns nicht mit unbesiegbarer Tapferkeit ausrüstet.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

Vom Ende Jesu sagen Matthäus und Markus nur, dass er mit einem lauten Schrei verschied. Lukas gibt das Psalmwort Psalmen 31,5 als Jesu letztes Gebet. Zum Bittenden hatte er sich mit seiner vollen königlichen Majestät gewandt: er ist der, der Sünden vergibt, ewiges Leben schenkt und des Vaters gewiss ist; darum steht jeder, den er zu sich zieht, in des Vaters Gnade. Für sich selbst spricht Jesus mit dem einfachsten, schlichtesten Gebetswort das ganze Verlangen seines Herzens aus. Er redet nicht vom Paradies, sondern von des Vaters Hand, in die er nun seinen Geist legt, in der er wohlgeborgen ist. Er redet nicht von seiner Majestät und Herrlichkeit, sondern nur davon, dass der Vater mit seinem Schirm und Schutz auf seinen Geist achthabe. Dieser weicht jetzt von ihm, und das Bewusstsein versinkt; aber die Hand Gottes umfängt ihn. Das ist genug.

Man darf mit ruhiger Gewissheit sagen: Die letzten Worte Jesu, wie wir sie bei Lukas lesen, haben in unerfindlicher Deutlichkeit die Art Jesu an sich. Gerade so war er; er vereinigte, was für unser Auge unvereinbar ist. Mit erschütterndem Ernst stand er vor Jerusalem als der Richter, der ihm seinen schauerlichen Untergang ansagt, und erbat ohne Zweifel und Schwankung Gottes Vergeben für dasselbe Jerusalem. Er sprach zum Schacher in der Majestät des Versöhners, der den Glauben erhört und darum auch den rechtfertigt, der in Sünde und Schande stirbt, und sprach zum Vater mit der Einfalt des Kindes, das nichts begehrt, als dass er seinen Geist behüte, weil sein Schutz ganze Geborgenheit ist. Matthäus erzählt uns kein Wort der Gnade aus dem Mund des Sterbenden, nur das aus dem Leiden geborene Gebet, das bezeugt, wie durchbohrend Jesus seine Verlassenheit von Gott empfunden hat. Matthäus richtet damit ernst und treu das Amt eines Apostels aus, dessen Pflicht es ist, aller Welt zu bezeugen, dass Jesus gelitten hat. Es ist jedoch der Kirche durch Lukas ein großer Dienst dadurch erzeigt, dass er sie sehen lässt , wie Jesus den reichen, vollen Schatz seiner vergebenden Gnade und seine sichere Ruhe in Gott unvermindert auch am Kreuz in sich getragen hat.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

In deine Hände werde ich meinen Geist übergeben: V.6a begegnet zweimal im NT: mit geringen Unterschieden gegenüber dem LXX-Text als Sterbewort Jesu nach Lk 23,46, noch stärker abgewandelt in Apg 7,59. Die christl. Verwendung des Wortes als Sterbegebet wird vorbereitet durch Texte wie Justin, dial. 105,5.

Septuaginta Deutsch: Erläuterungen und Kommentare zum griechischen Alten Testament

alle Bereiche unseres Lebens von ihm bestimmen lassen

Wenn wir durch den Geist leben, so laßt uns auch durch den Geist wandeln.
Elberfelder 1871 – Galater 5,25

Wenn wir durch den Geist Gottes das Leben haben,
dann gilt:
Aus diesem Geist heraus
wollen wir auch unser Leben führen.
BasisBibel – Galater 5,25

Wenn wir nun durch Gottes Geist ein neues Leben haben, dann wollen wir auch aus diesem Geist unser Leben führen.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Gal 5,25–26

Wenn wir jetzt wegen dem Heiligen Geist überhaupt erst richtig anfangen zu leben, dann sollte er auch wirklich alles in unserem Leben unter Kontrolle haben.
VolxBibel – Galater 5,25

πνεύματι (erstes) durch den Geist Leben haben, (zweites) dem Geist folgen (B 5dβ). στοιχῶμεν Konj. στοιχέω in einer Reihe gehen; folgen, m. Dat.; adhortativer Konj.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Wem wird der Heilige Geist gegeben?
Antwort:
Allen Menschen, die in Buße (Sinnesänderung) und Glauben an den Herrn Jesus Christus als Heiland für sich persönlich annehmen und wissen, daß das Werk Jesu am Kreuz von Golgatha für sie geschehen ist. Joh 3,5-8 ; Röm 8,9 ; 1Joh 5,12 .
Wenn ein Mensch den Heiligen Geist besitzt, dann ist es Gottes Wille, daß dieser Geist lebendig in ihm wirksam wird. Joh 3,34 ; Apg 1,8 ; Röm 8,13-14 ; Gal 5,16.25 ; Eph 5,18 ; 2Tim 1,7 .

Dieter Boddenberg – Arbeitsbuch für den biblischen Unterricht

Menschen, in denen Gottes Geist so wirken kann, die sind Jünger Jesu Christi, sie gehören zu ihm, sie sind die Seinen. Solche Jesusleute haben »ihr Fleisch gekreuzigt samt den Lüsten und Begierden«. Es ist ein Vorgang, der am Anfang der Nachfolge steht. Darauf deutet die Zeitform hin, die im Griechischen für einen abgeschlossenen Vorgang verwendet wird. »Sie haben gekreuzigt«, Paulus denkt hier wohl an den einmaligen öffentlichen Akt der Taufe. Bei der Taufe ist ja auch eine entschiedene Absage an alles »teuflische Werk und Wesen« ausgesprochen. Der Jünger sagt »nein« zu sich selbst, zu seinem alten Menschen mit seinen »Lüsten«, mit seiner Neigung zum Sichausleben und zu seinen »Begierden«, diesen einzelnen triebhaften Handlungen, in denen sich die »Lüste« entfalten.

Das alte Leben wird entschlossen aufgegeben und das neue Leben im Geist ergriffen. »Wenn wir dann so im Geiste leben«, sagt Paulus, »so lasset uns auch im Geiste wandeln.« Diese Absage an das Fleisch ist wohl ein einmaliger, entschiedener Vorgang, und doch bleibt es dem Jünger als Aufgabe immer wieder aufgegeben. Paulus redet vom »Sterben« des alten Menschen (vgl. Röm 6,1-11) gerade im Zusammenhang mit der Taufe und hat dabei sicher die Missionstaufe an Erwachsenen vor Augen.

Gerhardt Maier – Edition C

Wenn wir die Frucht des Heiligen Geistes in unserem Leben sehen wollen, dann müssen wir uns für sein Wirken öffnen. Das kann so aussehen, dass wir beten und sagen: „Heiliger Geist, ich stehe dir zur Verfügung. Ich will deinen Weg gehen.“ Er hilft uns dann dabei, anders zu leben. Auch hier möchte ich wieder eine Geschichte erzählen, um zu verdeutlichen, wie das geht: Ein kleiner Junge kann das ABC noch nicht, will aber unbedingt seinen Namen schreiben können. Er bittet seine Mutter, dass sie ihm hilft, seinen Namen zu buchstabieren. Sie fordert ihn daraufhin auf, einen Bleistift zu nehmen und legt dann beim Schreiben ihre Hand auf seine. Der Name wird geschrieben. Wenn Sie jetzt fragen, wer den Namen geschrieben hat – der Junge oder seine Mutter –, dann lautet die Antwort: Beide!
So ist es, wenn wir im Einklang mit dem Heiligen Geist leben. Wir gehorchen Gott, aber wir tun das mit der Kraft, die Gott uns gibt. Er befähigt uns, Jesus in unserem Charakter ähnlicher zu werden. Während dieses Veränderungsprozesses brauchen wir ein gutes Gedächtnis. Wir müssen uns immer wieder daran erinnern: „Ich bin ein Kind Gottes! Ich bin ein Erbe Gottes! Der Heilige Geist wohnt in mir!“ Wenn mir bewusst ist, wer ich in Christus bin, dann werde ich anfangen, anders zu leben. Dann können Sie sich jeden Tag neu entschieden, nicht nach ihren egoistischen Wünschen zu leben sondern nach der Vorstellung des Heiligen Geistes.
Dieses Mal erzähle ich Ihnen dazu eine Geschichte aus meinem eigenen Leben: Während ich einmal in England an meinem Schreibtisch arbeitete, spielten die Mädchen nebenan mit dem Gartentor und schlugen es immer wieder zu. Bäng! Bäng! Bäng! Es war wie ein Erdbeben in meiner Wohnung. Ich habe versucht, mich zu konzentrieren, aber dieser Krach hat mich fertig gemacht. Ich habe mich sehr geärgert und dachte mir: „Ich stehe jetzt auf, gehe zu diesen Mädchen und dann werde ich sie … tadeln!“ (Dieser milde Ausdruck ist nicht ein Zeichen für meine Selbstbeherrschung sondern für meine mangelnden Deutschkenntnisse.) Aber ich bin nicht hingegangen, weil ich Engländer bin. Stattdessen habe ich mich die ganze Zeit nur darüber geärgert, dass sie diesen Krach machen. Schließlich bin drauf gekommen, dass ich beten könnte. (Bin ich nicht ein toller Christ?! So schnell habe ich ans Gebet gedacht!) Ich habe gebetet: „Bitte Gott schenke, dass dieser Krach mit dem Gartentor aufhört!“ Es hat aufgehört! Ich war so froh darüber. Ich habe Gott dafür gedankt, und mich bei ihm entschuldigt, weil ich so ungeduldig war und mich so geärgert habe. Dann habe ich ihn gebeten, mich Geduld zu lehren. Was meinen Sie, was als nächstes passierte? Genau! Bäng! Bäng! Bäng!
Wenn Sie in Ihrem Glaubensleben vorankommen wollen, wird Gott Ihnen Gelegenheiten schenken, ihm durch die Kraft des Heiligen Geistes zu gehorchen. Er schüttet allerdings keinen Krug voller Geduld aus, so dass Sie auf einmal in der Frühe wach werden und merken, dass Sie über Nacht ein geduldiger Mensch geworden sind. Stattdessen werden Sie Geduld in der Praxis lernen. Im Einklang mit dem Heiligen Geist zu leben wird das Abenteuer Ihres Lebens! Gott lebt in Ihnen und Sie dürfen mit ihm leben. Sie sind befreit zur Liebe. Sie können sich für andere Menschen einsetzen und bekommen dabei Freude zurück, weil der Heilige Geist in Ihnen lebt.

ERF – Der Galaterbrief

Im fünften Punkt seines praktischen Arguments weist er auf die soziale Praxis hin, da er das Prinzip des täglichen Lebens auf die Gesellschaft anwendet und nicht auf die individuelle Praxis, wie er es zuvor getan hat. Er beginnt mit einer Ermahnung in Vers 25: Wenn wir durch den Geist leben, sollen wir auch durch den Geist wandeln.

„Da wir von der Stellung her schon im Geist leben, lasst uns auch im Geist wandeln.“ Zum zweiten Mal sagt uns Paulus, dass wir im Geist wandeln sollen. Das erste Mal war in Vers 16; jetzt sagt er es uns erneut in Vers 25.

Im Griechischen werden zwei verschiedene Worte verwendet. In Vers 16 verwendet Paulus ein griechisches Wort, das mit dem physischen Akt des Gehens zu tun hat; es hat mit dem täglichen Gehen, den täglichen Aufgaben und den täglichen Aktivitäten zu tun. Daher ging es ihm in den Versen 15-24 um die individuelle Praxis.

Das griechische Wort in Vers 25 ist ein militärischer Ausdruck für „im Gleichschritt bleiben“, „im Gleichschritt mit anderen Soldaten bleiben“, denn wenn man beim Marschieren nicht im Gleichschritt bleibt, fängt man an, den anderen ein Bein zu stellen. Hier geht es darum, mit anderen im Gleichschritt zu bleiben; deshalb hat das, was er in den folgenden Versen zu sagen hat, eher mit sozialer Praxis zu tun als mit persönlicher, individueller Praxis. Nachdem er uns die Ermahnung gegeben hat, in allen Einzelheiten unseres Lebens mit dem Geist Schritt zu halten, mit dem Geist und mit anderen Schritt zu halten, fährt er dann in Kapitel 5,26-6,10 damit fort, sieben Wege aufzuzeigen, wie man Schritt halten kann.

Der erste Weg, im Gleichschritt zu bleiben, wird in Vers 26 genannt: Lasst uns nicht hochmütig werden, uns gegenseitig reizen und einander beneiden.

Wir werden ermahnt, nicht nach weltlicher Ehre oder eitler Prahlerei zu streben, denn das wird dazu führen, dass wir mit anderen nicht im Gleichschritt bleiben und Provokationen verursachen.

Der zweite Weg hat mit dem Dienst der Wiederherstellung in Kapitel 6, Vers 1 zu tun: „Brüder, wenn jemand in irgendeine Übertretung gerät, so stellt ihr, die ihr geistlich seid, den Betreffenden im Geist der Sanftmut wieder her, indem ihr auf euch selbst achtet, damit ihr nicht auch in Versuchung kommt.

Hier geht es um einen anderen Gläubigen, der aus dem Tritt geraten ist, weil er von der Sünde überwältigt wurde. Hier geht es nicht um eine absichtliche Sünde, sondern um ein Fallen aufgrund von Schwäche. Wenn ein Gläubiger in Sünde gefallen ist und aufgrund von Schwäche aus dem Tritt gerät, sollen diejenigen, die geistlich sind, den Dienst der Wiederherstellung tun. Es ist nicht irgendein Gläubiger, der diesen Dienst ausführen soll, sondern diejenigen, die geistlich sind.

Nach der Heiligen Schrift gibt es drei verschiedene Arten von Menschen. Der erste ist der natürliche Mensch, d.h. der unerlöste Mensch (1. Korinther 2,14). Die zweite Art von Mensch ist der fleischliche [Mensch], der „ein Kind im Messias“ ist (1. Korinther 3,1-3; Epheser 4,14; Hebräer 5,13). Der dritte Menschentyp ist der geistliche [Mensch], der ein reifer Gläubiger ist und der auf der Grundlage seines neugeborenen menschlichen Geistes in der individuellen Praxis regelmäßig wandelt und auch in der gesellschaftlichen Praxis im Gleichschritt wandelt und marschiert (1. Korinther 2,15; 14,37-38; Heb. 5,14). Es ist dieser dritte Typ von Mensch, der geistliche, der dafür verantwortlich ist, einen Gläubigen, der aus dem Gleichschritt gefallen ist, wiederherzustellen. Er soll einen Geist der Sanftmut anwenden, nicht einen Geist der Verurteilung. Gleichzeitig sollte er immer auf der geistlichen Hut vor sich selbst sein, damit er nicht auch aus dem Tritt gerät.

Arnold Fruchtenbaum – The Messianic Bible Study Collection

Wer plant meinen Weg?

Ich weiß, Jehova, daß nicht beim Menschen sein Weg steht, nicht bei dem Manne, der da wandelt, seinen Gang zu richten.
Elberfelder 1871 – Jeremia 10,23

Ich weiß es, Ewiger 
daß nicht beim Menschen steht sein Weg
beim Mann nicht, daß er führe
und richte seinen Schritt.
Neftali-Herz-Tur-Sinai – Jer 10,23

Ich weiss, Jehova! der Weg des Menschen hängt nicht von ihm selbst ab, noch von dem Wanderer, seinen Schritt zu leiten
van Ess 1858 – Jeremia 10,23

 Ich weiß nur zu gut, Jehova, dass es dem Menschen nicht zusteht, seinen Weg selbst zu bestimmen.
Es steht dem Menschen nicht zu, auf seinem Lebensweg auch nur seinen Schritt zu lenken.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Jer 10,23

Gott gehören alle Dinge.
Er hat das Recht, mit uns und allen anderen von Ihm geschaffenen Dingen, zu tun, was Er will.
Er hat das Recht, uns zu sagen, was wir tun sollen.
Gott erschuf Adam, deshalb gehörte Adam Gott. 28
Jehovah ist die höchste Autorität; es gibt niemanden, der über Ihm steht.

Trevor Mc Ilwain – Auf festem Grund gebaut

Echte Freude und Zufriedenheit kann man unabhängig vom Schöpfer des Lebens nicht finden (Jer 10:23). Ist dir durch dieses Kapitel bewusst geworden, auf welchen Gebieten du deine Schritte noch mehr von Jehova lenken lassen kannst? Gottes Wort ist der einzige Ratgeber, der uns den Weg zu wahrem Glück und echtem Erfolg zeigt. „Gehorcht meiner Stimme“, bittet uns Jehova eindringlich, „damit es euch gut geht“ (Jer 7:23).

Was Gott uns durch Jeremia sagen lässt

stimmt – aber NUR Seiner Stimme – und Jehovah spricht durch die Bibel und nicht durch eine org

Dieses vollkommene Leben ist ein Leben, in dem Jehova Berater und Führer ist. Es heißt: es steht „… nicht bei dem Manne, der da wandelt, seinen Gang zu richten“ (Jer 10,23). Und wiederum lesen wir: „Erkenne ihn auf allen deinen Wegen, und er wird gerade machen deine Pfade“ (Spr 3,6). Es geht nicht nur darum, daß wir uns in irgendeiner großen Notlage an den Herrn wenden, sondern daß wir gewohnheitsmäßig in allen Einzelheiten des Lebens, seien es große oder kleine Dinge, auf den Herrn warten. Wenn wir Ihn damit in Verbindung bringen und Ihn darin anerkennen, werden wir finden, daß Er uns leitet. Dann werden wir in der Lage sein zu sagen: „Jehova werde ich preisen, der mich beraten hat.“
„Ich habe Jehova stets vor mich gestellt; weil er zu meiner Rechten ist, werde ich nicht wanken“ (Vers 8).
Das vollkommene Leben hat nur einen Gegenstand – Gott Selbst. Christus wandelte auf Erden mit einem einfältigen Auge. Er stellte Jehova vor Sich als Seinen einzigen Gegenstand. In einem solchen Leben gibt es keinen Eigennutz und keinen Raum für Eigenwillen.

Hilfe und Nahrung – 1987

«Wo keine Führung ist, verfällt ein Volk» (Spr 11,14). Es steht «nicht bei dem Mann, der da wandelt, seinen Gang zu richten» (Jer 10,23). Um unseren Lauf zur Verherrlichung Gottes zu vollenden, müssen wir unbedingt die Richtung kennen, in die wir zu gehen haben. Wer kann uns richtig führen?
«Ich will dich unterweisen und dich den Weg lehren, den du wandeln sollst; mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten» (Ps 32,8). So hat Gott uns alle nötigen Hinweise in seinem Wort niedergelegt, um uns auf dem Weg, dem wir zu folgen haben, zu leuchten. Wir sollten deshalb nicht zögern, die Weisheit, die uns fehlt, von Ihm zu erbitten. Er wird sie uns willig geben (Jak 1,5

Halte fest 1989

Auf IHN können wir uns immer verlassen, und Seinen Weg zu folgen bingt Segen.

Wer ist dein Hirte?

Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte gibt seine Seele (Auch Johannes und Jesus gebraucht „Seele“ für Leben und Persönlichkeit.) hin für die Schafe.
Die vier Evangelien des Reinhardt – Joh 10,11

Ich bin der gute (schöne) Hirte. Der gute (schöne) Hirte läßt (setzt) sein Leben für die Schafe. 1Pe 2,25; Jes 40,11.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Johannes 10,11

Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte läßt (Eig setzt ein; legt dar; so auch v 15. 17. 18.) sein Leben für die Schafe.
Elberfelder 1871 – Joh 10,11

Ich bin der gute Hirte. Gute Hirten sind deshalb gut, weil sie bereit sind, für die Schafe alles zu geben, sogar ihr Leben.
Volxbibel – Johannes 10,11

ἐγώ V. 7. ποιμήν V. 2; ὁ ποιμὴν ὁ καλός Präd.-Nom. m. Art. hebt die Einzigartigkeit hervor (vgl. BDR § 2733) der gute Hirte. τὴν ψυχὴν τίθημι das Leben hingeben bzw. einsetzen (vgl. B τίθημι I1bδ) [Var. δίδωσιν Konj. δίδωμι]. πρό-βατον V. 1.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Der Hirte ist bereit, für die Herde auch zu sterben, weil sie sein Eigentum ist. Der gedungene Knecht dagegen setzt nicht das Leben für das ein, was ihm nicht gehört. Weil die Gemeinde Jesu Eigentum ist, ihm übergeben und als sein Volk unter seine Führung gestellt ist, stirbt er für sie, um sie vor dem Sterben und Verderben zu bewahren, mit dem der Wolf sie bedroht. Spricht Jesus vom Wolf, so denkt er an den teuflischen Verderber des Menschen. Ihm tritt er als der Beschirmer der Seinen entgegen und setzt sich selbst dem Ansturm des Teufels aus, der ihn durch seine Werkzeuge angreift und ums Leben bringt.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

„DER GUTE HIRTE“
Wir hören Ihn von sich selbst sagen: „Ich bin der gute Hirte“ (Joh 10,11.14). Schon im Alten Testament spricht der Herr, Jehova: „Siehe, ich bin da, und ich will nach meinen Schafen fragen und mich ihrer annehmen… Auf guter Weide werde ich sie weiden … Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückführen, und das Verwundete will ich verbinden, und das Kranke will ich stärken“ (Hes 34,11 ff.). Was Er dort verheißen, das hat Er erfüllt, und mehr als das, denn Er starb für Seine Herde, wie Er gesagt hat: „Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe.“ Wir aber, die wir an Ihn glauben, ob aus dem Volke Israel oder aus den Nationen gekommen, dürfen heute sagen: Wir sind „sein Volk und die Herde seiner Weide“ (Ps 100,3). Wir sind Ihm von Gott, Seinem Vater, als ein kostbares Geschenk gegeben, wie wir Ihn sagen hören: „Dein waren sie, und mir hast du sie gegeben“ (Joh 17,6). Zugleich bilden wir einen Teil von dem Lohne Seiner Schmerzen und von der „Frucht der Mühsal seiner Seele“. Ob Er uns nun als ein Geschenk vom Vater oder als Lohn Seiner Schmerzen betrachtet, wir sind Ihm unendlich kostbar; ja, Er hat uns geliebt und Sich selbst für uns da-hingegeben. Er sagt es auch zweimal in dem Gleichnis vom guten Hirten, daß Er Sein Leben lasse für die Schafe (Joh 10,11. 15).
Aber der Herr gibt noch einen zweiten Grund an, warum Er von sich sagt: „Ich bin der gute Hirte“, nämlich: „Ich kenne die Meinen und bin gekannt von den Meinen, gleichwie der Vater mich kennt, und ich den Vater kenne“ (V. 14 u. 15). Es besteht also eine lebendige, innige Verbindung und Einheit zwischen dem Hirten und der Herde, also zwischen Ihm und uns, und zwar in demselben Maße, wie sie zwischen dem Vater und dem Sohne bestehen. Welch einen Trost muß uns dies gewähren, da wir heute die Mächte der Finsternis wirksamer sehen denn je! Sie vermögen Seine geliebten Schafe, von denen Er sagt, daß sie auf Seine Stimme hören und Ihm folgen, nicht zu betören und irrezuführen. Vor allem aber vermögen sie Ihm die Seinen nicht aus den Händen zu reißen. Er sagt uns zum Tröste: „Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren ewiglich, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben“ (V. 28).
Je gefahrvoller und bedrohlicher die Welt und Wüste für das Volk Gottes wird, um so mehr gilt es, auf die Stimme des guten Hirten zu hören, und zwar nicht nur, um keine Schande auf Seinen Namen zu bringen und keinen Schaden zu erleiden, sondern auch um Seine Tröstungen und Ermunterungen zu vernehmen. Seine Stimme, Seine Worte verscheuchen die Angst und Bangigkeit: „Seid gutes Mutes, ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ (Mt 14,27). „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden“ und: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Mt 28,18. 20), ferner: „Siehe, ich komme bald!“ – so ruft uns unser Hirte zu.
Auch im 22. Psalm finden wir den Herrn als den „guten Hirten“, der Sein Leben läßt für Seine Schafe. Zunächst finden wir darin eine so ergreifende Beschreibung des Schauplatzes des Kreuzes, wie in keiner anderen Stelle des Alten Testamentes. Der Herr Jesus ist allein; niemand denkt an Ihn. Die durch Satan verführte Welt verwirft Ihn und fügt Ihm die schändlichsten Qualen zu. Er ist von allen, sogar von Seinen Jüngern verlassen. Die Stunden der Finsternis umhüllen Ihn und breiten sich über Seine Seele aus. Er wird zur Sünde, zum Fluch gemacht, von Gott verlassen. Alle diese Tiefen des Leidens hat Er erduldet, um uns, Seine Schafe, zu erretten. An diesem einzigartigen Weg haben wir, bis auf unsere Sünden, keinen Anteil. Wir können daran glauben, aber verstehen können wir die Tiefen dieses Werkes nicht.
Sobald die Auferstehung Christi stattgefunden hat, ist alles anders. Sein Gott, der Ihm nicht geantwortet hat, als Er des Tages und des Nachts zu Ihm schrie, erhört Ihn nun „von den Hörnern der Büffel“. Nachdem Sein kostbares Blut vergossen worden ist, holt Er Ihn aus dem Tod.
Der gute Hirte der Schafe erhält nun von seilen Gottes eine Familie, während Er vorher ganz allein war. Er verkündigt Seinen Brüdern den Namen des Vaters, und sie werden Kinder Gottes. So haben wir die vollständigste Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn, die man sich überhaupt denken kann. Wir genießen die wunderbare Liebe des Herrn und unseres Gottes und Vaters.
Folgen wir nun in dem praktischen Genuß dieser Gemeinschaft Ihm, unserem guten Hirten, treu und hören wir täglich und stündlich auf Seine Stimme und auf Seine Worte!

Ermunterung und Ermahnung 1978

10, 11 A: Ich bin der gute Hirte.

Ps Sal 17, 40 f. heißt es vom Messias: Mächtig von Tat u. stark in der Furcht Gottes hütet er des Herrn Herde treu u. recht u. läßt nicht zu, daß (eines) von ihnen auf ihrer Weide strauchle. Gerade leitet er sie alle, u. unter ihnen ist kein Übermut, daß Gewalttat unter ihnen verübt würde. ‖ Im Rabbinischen wird für „guter Hirt“ beides gesagt: רוֹעֶה יָפֶה u. רוֹעֶה טוֹב.

ExR 2 (68b): Gott prüfte den David bei einer Schafherde u. erfand ihn als einen guten Hirten רועח יפח, s. Ps 78, 70: Er nahm ihn von den Hürden der Schafe weg. — Vgl. auch das von Mose handelnde Zitat aus ExR 2 bei Lk 15, 5. ‖ ExR 11 (74d) wird Gott unter Hinweis auf Ex 9, 3 im ironischen Sinn als ein guter Hirt רועה יפה der Ägypter bezeichnet. ‖ PesiqR 26 Anfang: Es geschah zur Zeit, als die Schafherde (= Israel) sich verschuldete u. auf die Worte der Herren nicht hörte, da haßte sie ihre guten Hirten u. Fürsten u. Führer רועיה … דּטובים. — Den Gegensatz zu den „guten Hirten“ bilden dann weiterhin „die Hirten der Lüge“ רועים של שקר.

Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasc

10, 11 B: Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe.

τὴν ψυχὴν τιθέναι ὑπέρ τινος = מסר oder נתן נפשו על.
SDt 12, 23 § 76 (90b): Rabban Schimʿon b. Gamliël (um 140) hat gesagt: Jedes Gebot, für welches die Israeliten zur Zeit der Religionsverfolgung ihr Leben dahingegeben haben שמסרו נפשם עליה, das üben sie frei öffentlich; aber für welches die Israeliten zur Zeit der Religionsverfolgung ihr Leben nicht dahingegeben haben, das ist noch jetzt schwankend (unbefestigt) in ihren Händen. — In Schab 130a steht statt עצמן ׃ נפשם = sich selbst. ‖ Aramäisch heißt es Berakh 20a: Die Früheren haben ihr Leben hingegeben für die Heiligung des göttlichen Namens קמאי הוו קאמסרי נפשייהו אקדושת השם, wir haben unser Leben nicht für die Heiligung des göttlichen Namens hingegeben. ‖ Pesiq 87a: R. Chijja b. Abba (um 280) hat gesagt: Wenn jemand zu dir sagen sollte: Gib dein Leben hin für die Heiligung des göttlichen Namens תן נפשך על קירוש השם, so sage ihm: Ich will es hingeben אני נותנה, nur daß man meinen Kopf sofort abhaut, nicht aber wie zur Zeit der (Hadrianischen) Religionsverfolgung, wo man glühende Kugeln unter ihre Achselhöhlen u. spitze Rohrstäbchen unter ihre Nägel legte. ‖ GnR 93 (59b): R. Chijja b. Abba (um 280) hat gesagt: In allen Worten, von denen du liesest, daß sie Juda zu Joseph vor seinen Brüdern gesprochen hat, bis du an die Worte kommst: Joseph konnte nicht mehr an sich halten Gn 45, 1, lag eine Besänftigung für Joseph, für seine Brüder u. für Benjamin. Eine Besänftigung für Joseph, daß man sagen sollte: Seht, wie er sein Leben hingibt für den Sohn der Rahel נותן נפשו על בניה של רהל! Eine Besänftigung für seine Brüder, daß man sagen sollte: Seht, wie er sein Leben hingibt für seine Brüder! Eine Besänftigung für Benjamin, indem er zu ihm sagte: Wie ich mein Leben für dich hingegeben habe, so gebe ich mein Leben für deine Brüder hin.

Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasc

Ob dieser große Hirte auch alle zwei Jahre eine „überarbeitete Version“ seiner Handlungsanweisungen benötigt? Ich glaube eher nicht – den ein guter Hirte kennt seine Schafe und tut ALLES für diese – und braucht dazu keine Regeln. Es ist SEIN Herz, dass an seinen Nachfolgern/seinen Schafen hängt – ER liebt die Seinen – und deshalb ist ER so ganz anders als die anderen, die gern Hirten sein möchten, es aber nie und nimmer mit IHM aufnehmen können.

Leviatan ?

Dieses Meer, groß und ausgedehnt nach allen Seiten hin: daselbst wimmelt’s, ohne Zahl, von Tieren klein und groß. Daselbst ziehen Schiffe einher, der Leviathan, den du gebildet hast, um sich darin zu tummeln.
Elberfelder 1871 – Ps 104,25–26

Da ist das Meer, so groß und weit ausgedehnt; / darin wimmelt es ohne Zahl, / kleine Tiere samt großen; / da fahren die Schiffe; / der Leviatan, den du gemacht hast, um darin zu spielen. 
Schlachter 1952 – Psalm 104,25–26



        Dies ist das große und weite Meer, 
  dort sind die Kriechtiere, die ohne Zahl sind, 
  Lebewesen, kleine wie große; 
        dort ziehen Schiffe umher, 
  dieser Drache, den du geformt hast, um ihn zu verspotten. 

Septuaginta Deutsch: Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung: Text – Psalm 103,25–26

So auch das Meer: (Dies – das Meer – [ist], dort [ist] das Meer:) aq groß und weit {die Seiten}:ar ℘Dort [gibt es] Gewürmas ohne Zahl,Kleine Tiere und große.
Dort schwimmen Schiffe, (schwimmen dort gleich Schiffen.)
[Schwimmt der] Leviathan, den du gebildet, um mit ihm Spaß zu haben (damit er darinnen Spaß habe).
offene Bibel – Psalm 104,25–26

Schaut man sich die verschiedenen Wörterbüchern schaut, bekommt man je nach Ansicht des Schreibers, die unterschiedlichsten Erklärungen. Aber wenn wir eben NICHT in den Talmut schaut und auch nicht die alten Sagen und Geschichten beachtet, sondern nur das anschaut, was die Bibel sagt, ergibt es ein ganz wichtiges Bild:

Das nächste Wort in Vers 2 (die Tiefe) heißt auf Hebräisch tehom. Die grundlegende Bedeutung des hebräischen Wortes ist die »salzige Tiefe«, der urzeitliche Weltozean oder der »Abgrund«. Das Weltmeer der Urzeit wird noch an drei anderen Stellen erwähnt5. Psalm 104,6: Gott bedeckt die Tiefe wie mit einem Kleid; Sprüche 8,24: Gottes Weisheit existierte schon, bevor es die Tiefen gab; Jesaja 51,10: die Wasser der großen Tiefe. In 1 Mose weist diese Urflut oder Tiefe weder Persönlichkeit noch Autonomie auf. Das widerspricht der zeitgenössischen heidnischen Literatur jener Tage, wo die Tiefe mit dem Drachen in Verbindung gebracht wird. In heidnischer Theologie war die Tiefe bei der Schöpfung irgendwie aktiv – wie beispielsweise Tiamat in der babylonischen Mythologie. In der Bibel wird die Tiefe ebenfalls mit dem Drachen [in der Rev. Elberfelder Seeungeheuer, Anm. d. Übers.] verbunden; sie vermittelt jedoch nicht die Vorstellung eines aktiven, schaffenden Agenten. In der gesamten Bibel findet man in Verbindung mit der Tiefe und der Schöpfung die Erwähnung des Drachen, der Schlange, des Leviatan, des Seeungeheuers und der Rahab; doch sie dienen nur als geliehene Bilder, nicht als aktiv erschaffende Agenten. Dieses Motiv findet sich in Hiob 3,8 (der Leviatan); Hiob 26,12.13 (Rahab und die Schlange); Hiob 40,25 – 41,26 (der Leviatan); Psalm 74,13–17 (das Wasserungeheuer und der Leviatan); Psalm 89,11 (Rahab); Psalm 104,25.26 (der Leviatan); Jesaja 27,1 (der Leviatan und die Schlange); Jesaja 30,7 (Rahab); Jesaja 51,9–10 (Rahab und das Seeungeheuer). Die biblische Verwendung des Drachenmotivs und des Wassermotivs hat einen vergangenen, einen gegenwärtigen und einen zukünftigen Aspekt.

Arnold Fruchtenbaum – Das 1. Buch Mose

Die biblischen Autoren formulierten diese Situation im Lichte ihres Glaubens an Gottes souveräne Kontrolle und die Beteiligung böser Geister an den Bedrohungen, denen sie gegenüberstanden. Die Metapher von gewalttätigen, ungezähmten Monstern war sowohl in der biblischen als auch in der altorientalischen Literatur üblich. Diese Chaosbestien kamen aus dem Meer (Leviathan, Rahab) und vom Land (Behemoth). 88 Diese Ungeheuer „repräsentierten die Kräfte des Chaos, die durch die Macht der Schöpfergottheit in Schach gehalten wurden“.89 Wenn Leviathan im Alten Testament erwähnt wird, behauptet der Text im Allgemeinen Jahwes Macht über das Meeresungeheuer (siehe Hiob 3,8; 41,1; Ps 74,14; 104,26; Jes 27,1). Der Konflikt zwischen Jahwe und diesen Kreaturen unterscheidet sich grundlegend von den ähnlichen Konflikten in der kanaanäischen und mesopotamischen Mythologie.

Der mythologische Hintergrund, dass die Gottheit ein Meeresungeheuer bekämpft und besiegt (d.h. das Chaoskampf-Motiv), ist am deutlichsten in Ps 74,14 und Jes 27,1…. Im Gegensatz zu den mythologischen Geschichten vom Kampf zwischen Ba’al und Yam oder Marduk und Tiamat sind Jahwe und Leviathan nicht beide göttliche Geschöpfe und gleichwertig. Jahwe ist der alleinige göttliche Schöpfer, und Leviathan ist eine bloße Schöpfung…. Die physische Beschreibung des Leviathan in Hiob 41 zeigt deutlich eine Kreatur, die nicht durch menschliche Macht gezähmt oder unterworfen werden kann. In diesem Fall hat sich der Schreiber von Hiob eindeutig Bilder angeeignet, um den rhetorischen Punkt zu machen, dass nur Jahwe mächtig genug ist, die Kräfte des Chaos in Schach zu halten. 90

Diese Ungeheuer wurden nicht als reale Tiere betrachtet, denen man mit unergründlich großen Dimensionen und Kräften begegnen konnte. 91 Die Metapher vermittelte den furchtbaren (und oft tödlichen) Kampf mit irdischer und himmlischer Rebellion und Chaos. Die ganze Welt könnte im Chaos versinken und sich der Beherrschung durch einen guten Gott widersetzen.

Michael S. Heiser – Dämonen – Was die Bibel wirklich über die Mächte der Finsternis sag

Schauen wir uns also die obrigen Psalenverse an: Jehovah ist nicht „im Kampf“ mit dem Leviatan – und es besteht auch keine Gefahr, dass Jehovah gegen diesen verlieren könnte. Der Leviatan ist ein Geschöpf, und Jehovah spielt mit diesem.