WEN verkündigen wir?

den wir verkündigen, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, auf daß wir jeden Menschen vollkommen in Christo darstellen
Elberfelder 1871 – Kolosser 1,28

Ihn verkündigen wirindem wir jeden Menschen ermahnen und 
ὃν1καταγγέλλομεν3ἡμεῖς2►4πάντα5ἄνθρωπον6νουθετοῦντες4καὶ7
honkatangellomenhēmeis  pantaanthrōponnouthetounteskai
ὅςκαταγγέλλωἐγώ  πᾶςἄνθρωποςνουθετέωκαί
hoskatangellōegō  pasanthrōposnoutheteōkai
RR-ASMVPAI1PRP1NP  JASMNASMVPAP-PNMCLN
373926052249  395644435602532
92.2733.20492.1  59.239.133.42489.92
jeden Menschen lehren in aller Weisheitum jeden Menschen
διδάσκοντες8πάντα9ἄνθρωπον10ἐν11πάσῃ12σοφίᾳ13ἵνα14πάντα16ἄνθρωπον17
didaskontespantaanthrōponenpasēsophiahinapantaanthrōpon
διδάσκωπᾶςἄνθρωποςἐνπᾶςσοφίαἵναπᾶςἄνθρωπος
didaskōpasanthrōposenpassophiahinapasanthrōpos
VPAP-PNMJASMNASMPJDSFNDSFCAPJASMNASM
1321395644417223956467824433956444
33.22459.239.190.1059.2332.3289.5959.239.1
 vollkommen in Christus Jesus darzustellen
τέλειον18ἐν19Χριστῷ20Ἰησοῦ21παραστήσωμεν15
teleionenChristōIēsouparastēsōmen
τέλειοςἐνΧριστόςἸησοῦςπαρίστημι
teleiosenChristosIēsousparistēmi
JASMPNDSMNDSMVAAS1P
50461722554724243936
11.1889.593.38793.16937.111

Schlachter 2004 – Kol 1,28

Er ist es,
den wir verkünden.
Dabei richten wir uns
an die Vernunft eines jeden Menschen
und unterrichten jeden Menschen in aller Weisheit*.
Denn durch die Verbundenheit mit Christus
soll jeder Mensch
als Vollkommener vor Gott treten können
BasisBibel – Kolosser 1,28

Ihn machen wir bekannt, indem wir jedem Menschen ins Gewissen reden und jeden mit umfassender Weisheit unterrichten, um jeden Menschen als durch den Messias vollendet darzulegen.
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – Kol 1,28

Diesen Christus verkünden wir. Und wir hören nicht auf, jeden Einzelnen in der Gemeinde zu ermahnen und jedem Einzelnen in der Gemeinde den Weg zu zeigen, den uns Christus gewiesen hat. Das tun wir mit der ganzen Weisheit, die uns gegeben ist. Denn wir möchten jeden und jede in der Gemeinde dahin bringen, dass sie vor Gott dastehen in der Vollkommenheit, die aus der Verbindung mit Christus erwächst.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Kolosser 1,28

Von diesem Jesus erzählen wir euch. Mit dem totalen Überblick, den ich von Gott über die Dinge bekommen habe, erkläre ich das jedem Menschen. Ich erzähle euch, worauf ihr aufpassen müsst, damit ihr alles bekommt, was Christus für euch hat. Ihr sollt einfach starke, reife Christen werden.
VolxBibel – Kol 1,28

Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen mahnen und jeden Menschen unterrichten mit jeder Weisheit, um jeden Menschen als vollkommen im Christus vor ihn zu stellen, wofür ich mich auch anstrenge und kämpfe auf Grund seiner Wirkung, die sich in mir wirksam macht mit Kraft. Aus dem, wozu ihn Gott braucht, folgt, daß er Christus verkündigt, nicht sich selbst, auch nicht irgendeine andere Weisheit; denn allein darum handelt es sich bei seiner Sendung, daß Christus unter den Völkern sei. Daher kann er sich keinem Menschen entziehen; wer es sei, jeden mahnt er, jeden unterrichtet er. Das entspricht dem Herrlichkeitsreichtum des göttlichen Geheimnisses. Mit ihm sind von der Arbeit des Paulus alle beschränkenden Grenzen weggetan. Er braucht sich bei niemand zu besinnen, ob er ihn warnen soll oder ob er ihn ungewarnt im Bösen lassen dürfe, ob er ihn über Gottes Willen unterrichten dürfe oder ob ihm Gottes Wort nicht gelte. Wer er sei, Paulus hat ihm gegenüber die Pflicht, ihm das Bußwort zu sagen, das ihm seine Sünde zeigt, und ihm den Unterricht zu geben, der ihm den Weg zu Gott erkennbar macht. Und so macht er es auch, übt keine Parteilichkeit und hat keine gebrochene Liebe, die nur wenigen gälte, sondern tritt an alle mit der Gewißheit heran, daß er ihnen das Größte geben kann, jenes alles überragende Geheimnis: „Christus in euch.“
Dazu braucht er Weisheit. Wer ohne Weisheit warnt und lehrt, kann niemand helfen. Paulus braucht sie nicht nur, sondern er hat sie. Christus entzieht sich ihm nicht, sondern gibt ihm bei seiner Arbeit, die er an jedem Menschen zu tun hat, jede Weisheit, deren er bedarf. Sein Ziel ist, daß er jeden in den fertigen, vollendeten Zustand bringe, in dem er vor Gott bestehen kann, vor den er einst zu treten hat. Er will nicht nur eine Anregung geben, die wieder erlahmt, einen Anfang machen, auf den sich nichts aufbaut. Er tut ganze Arbeit; denn er hat ihr Ziel fest im Auge, daß er die Gemeinde für den Christus zu rüsten hat, damit er sie für immer zu sich nehme. Dazu hilft er allen dadurch, daß er sie zum ganzen Glauben, zur vollen Liebe und zum beharrlichen Gehorsam führt. Seine Arbeit bringt ihm nicht nur Erquickung und Lust. Er braucht vielmehr für sie seine ganze Kraft, wird müde und steht in einem beständigen Kampf. Aber er verweilt nicht bei der Anstrengung, die sein Dienst von ihm fordert, sondern sieht dankbar zu Gottes Wirken empor, das ihn trägt, ohne das er seine Arbeit nicht leisten und nicht bis zur Frucht vollenden könnte. Dadurch lenkt er den Blick der Gemeinden von der Größe seiner eigenen Leistung ab, weg von der Glut seines Eifers, die ihre Bewunderung erweckt. Was er erreicht hat, wäre ihm ja nicht möglich geworden, wenn nicht Gott mit seiner Kraft in ihm wirksam wäre. Er schreibt dies nicht, damit die Gemeinde ihn bewundere, sondern damit sie Gott danke. Von der menschlichen Denkweise aus wäre es nicht auffallend, wenn er aus dem göttlichen Wirken den entgegengesetzten Schluß gezogen hätte: weil Gott mächtig in ihm und für ihn wirke, sei ihm eine solche Anstrengung erspart, wie sie der übt, der in den Wettkampf tritt und sich um den Sieg bemüht. So denkt der lieblose Sinn: „Mache es du ohne mich.“ Paulus hat die Liebe Gottes in sich und denkt deshalb in der entgegengesetzten Weise. Weil sich Gottes Wirken kräftig an ihm erweist, darum ist ihm keine Mühe zu groß, keine Anstrengung zu hart. In dieser Weise bringt die Liebe unser Wirken und Gottes Wirken in Zusammenhang.

Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament

In Kolosser 1,28-29 finden wir ein klares, kompromissloses Ziel für den Aufbau einer Kultur der Gnade in der Ortsgemeinde:
„28 Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen. 29 Dafür arbeite und ringe ich auch gemäß seiner wirksamen Kraft, die in mir wirkt mit Macht“ (Ko! 1,28-29).

Paulus’ Ziel war, Gemeinden zu sehen, die einzig der Botschaft des lebendigen Christus ergeben waren. Beachten Sie, dass er sagt, er lehre jeden Menschen, sodass jeder Mensch zur Reife in Christus wachsen kann. Paulus bekräftigt dieses Bekenntnis an anderen Stellen, so auch in 1.Korinther 2,1-2:
„1 So bin auch ich, meine Brüder, als ich zu euch kam, nicht gekommen, um euch in hervorragender Rede oder Weisheit das Zeugnis Gottes zu verkündigen. 2 Denn ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen als nur Jesus Christus, und zwar als Gekreuzigten“ (1.Kor 2,1-2).

Für Paulus ist es unvorstellbar, dass es eine Gemeinschaft von Christen gibt, die nicht tief in der Gnade Gottes in Christus gegründet ist. Im selben Maß wie Christus nicht im Mittelpunkt ist, wird dieser Leib von Gläubigen unzureichend funktionieren, weil eine andere Botschaft im Mittelpunkt steht.

Timothey S. Lane – Alles anders – aber wie?

Wichtig: Bitte schaue auch nach, ob die Bibel gegenteilige Aussagen zu dem Thema macht. Denn das tut sie oft. Aber nicht, um sich zu widersprechen, sondern weil sie lebendig und ganzheitlich ist. Viele Dinge sind eben etwas komplexer und deswegen zeigt auch die Bibel verschiedene Perspektiven zu einem bestimmten Thema. So schafftes die Bibel, ganzheitlich und individuell zu sein, ohne die Allgemeingültigkeit dabei zu verlieren. 

Ich mache das jetzt mal für unseren Text von oben und suche nach einem gegenteiligen Begriffzu der Aufforderung, die andere Wange hinzuhalten. Das könnte beispielsweise Rache sein. Oder vielleicht etwas weniger Starkes wie „ermahnen“. Aha. Hier steht etwas Interessantes: 

„Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen.“ (Kolosser 1,28)

Jetzt verstehe ich die Stelle aus Matthäus viel besser: Ich soll Menschen ermahnen, wenn sie sündigen, damit sie sich ändern können. Auch dann, wenn die Person an mir sündigt und mich zum Beispiel schlägt. Aber ich soll der Person auch vergeben und vor allem soll ich nicht zurückschlagen. 

Stell dir das einmal bildlich vor: Ein Nachbar schreit dich an. Du sagst ihm ganz ruhig und freundlich, dass es besser wäre, wenn ihr friedlich eine Lösung finden könntet. Aber wenn der Nachbar weiter und noch lauter schreien will, wirst du ihn trotzdem liebhaben. Und genau das sagst du ihm auch. Das wäre krass. Aber machbar.

Faszination Bibel 1/2020

Also es geht NICHT um mich, nicht um meine Familie und auch nicht um „meine Religion“ oder „meine Kirche“ oder „meine org“ – sondern einzig und allein um den Schöpfer und Lebengeber! Bei Paulus drehte es sich nur um diesen Einen! Und bei mir?

Leviatan ?

Dieses Meer, groß und ausgedehnt nach allen Seiten hin: daselbst wimmelt’s, ohne Zahl, von Tieren klein und groß. Daselbst ziehen Schiffe einher, der Leviathan, den du gebildet hast, um sich darin zu tummeln.
Elberfelder 1871 – Ps 104,25–26

Da ist das Meer, so groß und weit ausgedehnt; / darin wimmelt es ohne Zahl, / kleine Tiere samt großen; / da fahren die Schiffe; / der Leviatan, den du gemacht hast, um darin zu spielen. 
Schlachter 1952 – Psalm 104,25–26



        Dies ist das große und weite Meer, 
  dort sind die Kriechtiere, die ohne Zahl sind, 
  Lebewesen, kleine wie große; 
        dort ziehen Schiffe umher, 
  dieser Drache, den du geformt hast, um ihn zu verspotten. 

Septuaginta Deutsch: Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung: Text – Psalm 103,25–26

So auch das Meer: (Dies – das Meer – [ist], dort [ist] das Meer:) aq groß und weit {die Seiten}:ar ℘Dort [gibt es] Gewürmas ohne Zahl,Kleine Tiere und große.
Dort schwimmen Schiffe, (schwimmen dort gleich Schiffen.)
[Schwimmt der] Leviathan, den du gebildet, um mit ihm Spaß zu haben (damit er darinnen Spaß habe).
offene Bibel – Psalm 104,25–26

Schaut man sich die verschiedenen Wörterbüchern schaut, bekommt man je nach Ansicht des Schreibers, die unterschiedlichsten Erklärungen. Aber wenn wir eben NICHT in den Talmut schaut und auch nicht die alten Sagen und Geschichten beachtet, sondern nur das anschaut, was die Bibel sagt, ergibt es ein ganz wichtiges Bild:

Das nächste Wort in Vers 2 (die Tiefe) heißt auf Hebräisch tehom. Die grundlegende Bedeutung des hebräischen Wortes ist die »salzige Tiefe«, der urzeitliche Weltozean oder der »Abgrund«. Das Weltmeer der Urzeit wird noch an drei anderen Stellen erwähnt5. Psalm 104,6: Gott bedeckt die Tiefe wie mit einem Kleid; Sprüche 8,24: Gottes Weisheit existierte schon, bevor es die Tiefen gab; Jesaja 51,10: die Wasser der großen Tiefe. In 1 Mose weist diese Urflut oder Tiefe weder Persönlichkeit noch Autonomie auf. Das widerspricht der zeitgenössischen heidnischen Literatur jener Tage, wo die Tiefe mit dem Drachen in Verbindung gebracht wird. In heidnischer Theologie war die Tiefe bei der Schöpfung irgendwie aktiv – wie beispielsweise Tiamat in der babylonischen Mythologie. In der Bibel wird die Tiefe ebenfalls mit dem Drachen [in der Rev. Elberfelder Seeungeheuer, Anm. d. Übers.] verbunden; sie vermittelt jedoch nicht die Vorstellung eines aktiven, schaffenden Agenten. In der gesamten Bibel findet man in Verbindung mit der Tiefe und der Schöpfung die Erwähnung des Drachen, der Schlange, des Leviatan, des Seeungeheuers und der Rahab; doch sie dienen nur als geliehene Bilder, nicht als aktiv erschaffende Agenten. Dieses Motiv findet sich in Hiob 3,8 (der Leviatan); Hiob 26,12.13 (Rahab und die Schlange); Hiob 40,25 – 41,26 (der Leviatan); Psalm 74,13–17 (das Wasserungeheuer und der Leviatan); Psalm 89,11 (Rahab); Psalm 104,25.26 (der Leviatan); Jesaja 27,1 (der Leviatan und die Schlange); Jesaja 30,7 (Rahab); Jesaja 51,9–10 (Rahab und das Seeungeheuer). Die biblische Verwendung des Drachenmotivs und des Wassermotivs hat einen vergangenen, einen gegenwärtigen und einen zukünftigen Aspekt.

Arnold Fruchtenbaum – Das 1. Buch Mose

Die biblischen Autoren formulierten diese Situation im Lichte ihres Glaubens an Gottes souveräne Kontrolle und die Beteiligung böser Geister an den Bedrohungen, denen sie gegenüberstanden. Die Metapher von gewalttätigen, ungezähmten Monstern war sowohl in der biblischen als auch in der altorientalischen Literatur üblich. Diese Chaosbestien kamen aus dem Meer (Leviathan, Rahab) und vom Land (Behemoth). 88 Diese Ungeheuer „repräsentierten die Kräfte des Chaos, die durch die Macht der Schöpfergottheit in Schach gehalten wurden“.89 Wenn Leviathan im Alten Testament erwähnt wird, behauptet der Text im Allgemeinen Jahwes Macht über das Meeresungeheuer (siehe Hiob 3,8; 41,1; Ps 74,14; 104,26; Jes 27,1). Der Konflikt zwischen Jahwe und diesen Kreaturen unterscheidet sich grundlegend von den ähnlichen Konflikten in der kanaanäischen und mesopotamischen Mythologie.

Der mythologische Hintergrund, dass die Gottheit ein Meeresungeheuer bekämpft und besiegt (d.h. das Chaoskampf-Motiv), ist am deutlichsten in Ps 74,14 und Jes 27,1…. Im Gegensatz zu den mythologischen Geschichten vom Kampf zwischen Ba’al und Yam oder Marduk und Tiamat sind Jahwe und Leviathan nicht beide göttliche Geschöpfe und gleichwertig. Jahwe ist der alleinige göttliche Schöpfer, und Leviathan ist eine bloße Schöpfung…. Die physische Beschreibung des Leviathan in Hiob 41 zeigt deutlich eine Kreatur, die nicht durch menschliche Macht gezähmt oder unterworfen werden kann. In diesem Fall hat sich der Schreiber von Hiob eindeutig Bilder angeeignet, um den rhetorischen Punkt zu machen, dass nur Jahwe mächtig genug ist, die Kräfte des Chaos in Schach zu halten. 90

Diese Ungeheuer wurden nicht als reale Tiere betrachtet, denen man mit unergründlich großen Dimensionen und Kräften begegnen konnte. 91 Die Metapher vermittelte den furchtbaren (und oft tödlichen) Kampf mit irdischer und himmlischer Rebellion und Chaos. Die ganze Welt könnte im Chaos versinken und sich der Beherrschung durch einen guten Gott widersetzen.

Michael S. Heiser – Dämonen – Was die Bibel wirklich über die Mächte der Finsternis sag

Schauen wir uns also die obrigen Psalenverse an: Jehovah ist nicht „im Kampf“ mit dem Leviatan – und es besteht auch keine Gefahr, dass Jehovah gegen diesen verlieren könnte. Der Leviatan ist ein Geschöpf, und Jehovah spielt mit diesem.

Jesu Worte werden sich definitiv erfüllen

„Der Himmel und die Erde werden vergehen, aber meine Worte werden mitnichten vergehen.“
Piscator-Bibel NT – Matthäus 24,35

Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber sollen nicht vergehen.
Elberfelder 1871 – Mt 24,35

Der Himmel wird sich irgendwann verabschieden, und die Erde wird mal kaputtgehen, aber was ich sage, wird immer seine Gültigkeit behalten!
VolxBibel – Matthäus 24,35

παρελεύσεται Fut. Med. -έρχομαι; entgegen der übl. Regel (A94) Sg.-Präd. (da das vorausgehende zusammengesetzte Subj. nicht persönl. ist [vgl. BDR § 1352] bzw. semantisch eine Einheit bildet [s. aber Var.]); ὁ οὐρανὸς καὶ ἡ γῆ παρελεύσεται Himmel und Erde (= das Universum; vgl. H-S § 295) werden vergehen. παρ-έλθωσιν Aor. Konj. -έρχομαι.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Die Regierung Gottes ist für jede Weissagung, auch für diejenige Jesu, die einzige richtige Auslegung, und wir dürfen nicht übersehen, dass sein Reich nicht bloß das Sichtbare, sondern auch das Unsichtbare, nicht nur das Irdische, sondern auch das Himmlische umspannt.

Ebenso bestimmt, wie Jesus seine Gewissheit zum Ausdruck bringt, spricht er aus, dass auch sein Vorblick in die Zukunft Schranken hat.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Die Heilige Schrift beschreibt nicht nur diesen eben erwähnten traurigen Zustand, sondern spricht nun auch von einem neuen Himmel und einer neuen Erde (Offb 21,1; 2Petr 3,13; Jes 65,17; 66,22). Die Erde, wie wir sie kennen, wird mitsamt ihren Überresten (Spuren) der Sünde vergehen (Mt 24,35; Heb 1,10-12). In diesem ewigen Reich Gottes wird ewige Gerechtigkeit herrschen. Gott verhieß Israel, dass es ewig als Volk bestehen und in seinem Land wohnen werde. Deshalb wird es eine ewige Erde geben.

Jean Gibson – Training im Christentum

Jesus verheißt ein Doppeltes: Das Volk der Juden (mit „Geschlecht“ wird „das Geschlecht der Juden“ gemeint sein) wird erhalten bleiben, bis sich alles erfüllt (es ist tatsächlich erhalten geblieben!). Seine Worte werden bleiben, selbst wenn eine völlige Neuordnung der Dinge eintreten wird (sie haben Ewigkeitsbedeutung).

Bruns – Die Bibel mit Erklärungen: Erklärungen

Aber Jeremia kündigte auch an, dass die Gefangenschaft siebzig Jahre dauern würde (Jer. 25,1-14; 29,10; siehe Dan. 9,1-2). Bibelforscher sind sich nicht einig über die Datierung dieses Zeitraums, ob er mit der babylonischen Invasion im Jahr 606 oder mit der Zerstörung der Stadt und des Tempels in den Jahren 587-586 beginnt. Von 606 bis 537-536, als der Überrest nach Juda zurückkehrte, sind es siebzig Jahre; aber das gilt auch für den Zeitraum vom Fall Jerusalems (586) bis zur Fertigstellung des zweiten Tempels im Jahr 516. Unabhängig davon, welche Berechnung Sie akzeptieren, die Vorhersage und ihre Erfüllung sind erstaunlich.3 Ob er nun Züchtigung oder Segen verspricht, Gott ist seinem Wort immer treu. „Von all dem Guten, das der Herr, dein Gott, über dich geredet hat, ist nicht ein einziges fehlgeschlagen“ (Jos. 23:14, NKJV). „Von all seinen guten Verheißungen ist kein einziges Wort ausgefallen“ (1. Könige 8:56, NKJV). „Himmel und Erde werden vergehen“, sagte Jesus, „aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Mt. 24:35).
Gott ist treu zu seinem Bund. Trotz ihrer Sünden waren diese Exilanten Gottes auserwähltes Volk und Kinder des Bundes, den er mit Abraham, Isaak und Jakob geschlossen hatte (1. Mose 12,1-3). Die Nation hatte den Bund gebrochen, aber der Herr war seinem Wort treu geblieben. Er hatte die jüdische Nation dazu berufen, der ganzen Erde Segen zu bringen, und er würde dafür sorgen, dass sie ihre Mission erfüllten. Durch sie würde die Welt das Wissen um den einen wahren und lebendigen Gott, das geschriebene Wort Gottes und schließlich den Erlöser der Welt erhalten. „Das Heil ist aus den Juden“ (Johannes 4,22).

Sei heldenhaft

aus dem Machtbereich befreit

der uns errettet hat aus der Gewalt der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe, in welchem wir die Erlösung haben, die Vergebung der Sünden
Elberfelder 1871 – Kolosser 1,13–14

welcher uns errettet hat aus der Gewalt-Eph 6,12; Hebräer 2,14; 1 Petr 2,9- der Finsternis und versetzt hat in das Königreich-1 Thess 2,12; 2 Petr 1,11- des Sohnes Seiner Liebe,  in welchem wir haben die Erlösung-Eph 1,7- durch Sein Blut, die Vergebung der Sünden.
Abraham Meister – Kol 1,13–14

Er hat uns aus dem Machtbereich der Finsternis heraus an sich gezogen und in Seines Sohnes Königreich der Liebe hineinversetzt. In Ihm besitzen wir die Auslösung, den Freispruch von den Verfehlungen.
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – Kol 1,13–14

Denn er hat uns aus der Gewalt der dunklen Mächte gerettet und uns unter die Herrschaft seines geliebten Sohnes gestellt. Durch den Sohn und in dessen Machtbereich ist uns die Erlösung zuteilgeworden: Unsere Schuld ist uns vergeben.
Gute Nachricht Bibel – Kolosser 1,13–14

Er hat uns aus der Gefangenschaft rausgeholt und von den Handschellen befreit, die die dunkle Seite der Macht angelegt hatte. Und jetzt stehen wir unter der Kontrolle seines geliebten Sohnes Jesus. Er hat uns befreit. Unsere Schulden wurden durch ihn erlassen. Das ist doch echt geil, Leute, oder?
Martin Deyer – VolxBibel

Das Geistliche Königtum
Die zweite Variante von Gottes Plan für sein Reich ist das Geistliche Königtum, womit Gottes Herrschaft im Herzen des Gläubigen gemeint ist. Das Geistliche Königreich setzt sich aus allen Gläubigen und nur aus Gläubigen aller Zeiten zusammen. Das Mittel, um in dieses Reich zu gelangen, ist die Wiederherstellung durch den Heiligen Geist. In der gegenwärtigen Zeit, von Apostelgeschichte 2 bis zur Entrückung, sind das Geistliche Königreich und die Gemeinde identisch, aber nur in dieser Zeit. Das Geistliche Königreich existierte nämlich schon, bevor die Gemeinde geboren wurde, und wird auch noch da sein, nachdem die Gemeinde gegangen ist. Es schließt also all die Heiligen des Alten Testaments mit ein und ebenso diejenigen nach der Entrückung.

Schriftstellen, die von dem Geistlichen Königreich sprechen, sind z. B. Matthäus 6,33: Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit Ö; Matthäus 19,16.23–24 – das ewige Leben ist identisch mit dem Königreich der Himmel; Johannes 3,3–5 – man muss von Neuem geboren sein, um das Königreich Gottes betreten zu können; Apostelgeschichte 8,12 – der Glaube an die gute Nachricht über das Königreich; Apostelgeschichte 20,24, die Predigt des Königreiches war dasselbe wie das Evangelium; Kolosser 1,13–14 – Ö das Reich des Sohnes seiner Liebe, in dem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Sünden; Kolosser 4,11 – Mitarbeiter für das Reich Gottes; 1 Thessalonicher 2,12: Ö der euch zu seinem Reich und seiner Herrlichkeit beruft. Das Geistliche Königreich setzt sich aus allen Gläubigen zusammen, von Adam an bis zur letzten erretteten Person am Ende des messianischen Königreiches

Arnold Fruchtenbaum – Geheimnisse Gottes – Israel, Satan und das Neue Testament

Kolosser 1:13: Errettet aus der Gewalt der Finsternis
Der Vater hat uns also fähig gemacht zu diesem herrlichen Anteil am Erbe der Heiligen in dem Licht. Alles wird auf Ihn zurückgeführt. Er ist es auch, der uns errettet hat aus der Gewalt der Finsternis. Er hat uns nicht nur fähig gemacht, sondern auch errettet aus einer ganz schrecklichen Gewalt. Wir lesen von dieser Gewalt zweimal im Epheserbrief. Diese Stellen zeigen uns, wie hoffnungslos verloren wir waren. In Kapitel 2,1.2 heißt es: „Auch euch, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden, in denen ihr einst wandeltet nach dem Zeitlauf dieser Welt, nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams.“
In 2 Korinther 4 wird gesagt, dass dieser Fürst, Satan, den Sinn der Menschen verblendet hat: Sie können – in geistlicher Hinsicht – nicht sehen. Es ist erschütternd, dass ein Mensch in dieser Welt – und dazu gehörten auch wir! – unter der Macht eines solchen Fürsten steht. Das Furchtbare ist, dass der Mensch aus diesem Machtbereich aus eigener Kraft überhaupt nicht herauskommen kann, selbst wenn er es wollte. Aber nicht einmal das wollte auch nur einer von uns. Zudem suchte keiner von uns Gott (vgl. Rö 3). Wenn wir später doch gewollt haben, dann nur deswegen, weil der Geist Gottes bereits an unserer Seele gewirkt hat. Dadurch waren wir dann bereit, uns zu öffnen. Das ist nichts anderes als Gottes Gnade. Deswegen heißt es: „Durch Gnade seid ihr errettet … Und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es“ (Eph 2,5.8).
Die zweite Stelle über diese Gewalt im Epheserbrief steht in Kapitel 6. Dort heißt es: „Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Fürstentümer, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern“ (Vers 12). Hier haben wir denselben Machtbereich wie in Kapitel 2. Nur diesmal geht es um erlöste Menschen, die mit diesem Feind zu tun haben und deren eigentlicher Kampf gegen Satan und seine geistlichen Mitstreiter stattfindet.
Es gibt viele Gläubige, denen Gott die Gnade geschenkt hat, Kinder gläubiger Eltern zu sein. Als ein solches Kind kann man den Eindruck gewinnen, dass man in den Glauben sozusagen automatisch hineinwächst – jedenfalls war das bei mir so. Wir wussten: Wir müssen uns bekehren. Und das haben wir auch getan. Aber ich habe doch nicht gewusst, was es bedeutet, im furchtbaren Machtbereich Satans zu sein. Kinder gläubiger Eltern sind genauso sündig wie alle anderen. Allein kommen auch sie aus diesem Bereich Satans nicht heraus. Es ist Jemand nötig gewesen, der uns gleichsam von außen her herausholen musste. Keiner von uns hat sich von sich heraus bekehrt. Aber Gott, unser Vater, hat uns errettet aus dieser Gewalt der Finsternis. Wir haben ewig Grund, Ihm dafür zu danken.

Versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe
Der Vater nimmt uns nicht aus einem Machtbereich heraus, der nicht gut ist, um uns dann in einem Vakuum stehen zu lassen. Nein, Er bringt uns unter eine andere, eine gute Autorität. Er hat uns aus dem Machtbereich Satans herausgenommen und in das Reich des Sohnes seiner Liebe versetzt. Das hat Er schon getan, es ist nichts Zukünftiges! Genauso, wie Er uns schon jetzt errettet und fähig gemacht hat für das Anteil am Erbe der Heiligen, hat Er uns jetzt schon in das Reich des Sohnes seiner Liebe versetzt.
Dieses Reich ist weder die Versammlung, noch weniger sein Reich auf der Erde. Als Sohn des Menschen wartet Er zur Rechten Gottes auf sein Reich, Er hat es noch nicht empfangen. In Kolosser 1,13 jedoch geht es darum, dass Gott uns aus der Gewalt Satans herausgenommen und uns in ein anderes Reich gebracht, unter die Autorität eines anderen gestellt hat, und das ist die Autorität seines eigenen Sohnes.
Im Griechischen heißt es eigentlich immer „Königreich“. In der Elberfelder Übersetzung  wird das Wort jeweils mit „Reich“ wiedergegeben (Reich der Himmel, Reich Gottes, usw.). Aber wir sollten nicht denken, der Herr Jesus sei unser König. Er wird es nie sein! Er ist der König Israels, der König der ganzen Erde, aber die Versammlung wird neben Ihm stehen, nicht unter Ihm. Wir sind ein Teil von Ihm, in diesem Sinn stehen wir nicht unter Ihm. Natürlich bleibt Er Gott und Herr; das werden wir nie sein. Aber wenn es um die Herrschaft geht, stellt der Herr Jesus die Versammlung, seine Braut, neben sich.
Die Bezeichnung „Reich des Sohnes seiner Liebe“ finden wir nur hier. Damit wird jener geistliche Bereich beschrieben, in dem die Person des Herrn Jesus den wahren Mittelpunkt bildet. Er, der der Sohn der Liebe des Vaters ist, gibt diesem Bereich seinen eigentlichen Charakter. Unendliche Segnung! In Christus passend für die Herrlichkeit; in Christus errettet von der Gewalt der Finsternis und Gott so nahe gebracht, wie Er, der Sohn seiner Liebe, Ihm nahe ist!


Der Sohn seiner Liebe
„Sohn seiner Liebe“ – dieser Titel kommt nicht noch einmal vor in Gottes Wort. Wir haben im 2. Johannesbrief einen ähnlichen Ausdruck, wo von dem Herrn Jesus die Rede ist als von dem „Sohn des Vaters“. Hier ist Er der „Sohn seiner Liebe“. Das ist eine Herrlichkeit der Person Christi, die Er nicht verliehen bekommen hat, sondern die seit jeher sein eigen ist. Als Sohn des Menschen wird Er über die Menschen herrschen, über die Erde usw. Das ist eine Ihm verliehene Herrlichkeit. Aber „Sohn der Liebe des Vaters“ drückt eine Beziehung aus, die ewig ist. Diese hat Er nicht irgendwann geschenkt bekommen. Er hat sie immer gehabt als der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist.
Ich wüsste kein besseres Bild, um das besser zu verstehen, als Joseph in 1 Mose 37. Der Vater hatte ihn besonders lieb und ihm ein Gewand geschenkt. Er war der Sohn seines Alters, sagt dort die Schrift. Es existierte also eine enge Beziehung zwischen Jakob und seinem Sohn Joseph. Sie fand ihren Ausdruck in diesem schönen Gewand. Das ist ein schwaches Bild von dem, was der Herr Jesus für das Herz seines Vaters ist. Und unter genau diese Herrschaft des Herrn sind wir gekommen – unter eine Person, die der Sohn seiner Liebe ist. Er ist der volle Ausdruck der Liebe des Vaters. Christus ist der Mittelpunkt dieses Reiches. Alles in der Bibel strebt zum Herrn Jesus, und alles, was wir an Segnungen besitzen, findet in dem Herrn Jesus Grund und Ziel.
Ein zweiter Punkt kommt noch hinzu. Christus ist nicht nur der Mittelpunkt dieses Reiches, sondern auch der Maßstab für unsere Segnungen. Denn durch die Gnade haben wir teil an diesem Reich, sind mit Dem innig verbunden, der davon der Mittelpunkt ist. Das ist etwas, was uns glücklich zu machen vermag. Wenn wir ablesen wollen, welche Segnungen uns Gott geschenkt hat, müssen wir den Herrn Jesus anschauen als den Sohn seiner Liebe. Nur in Ihm können wir ablesen, was uns alles geschenkt worden ist. Das ist für den menschlichen Verstand nicht zu erfassen, aber wir können und dürfen es anbetend glauben.
Wenn der Sohn in solchen Beziehungen zum Vater steht, bedeutet das, dass wir in die gleichen Beziehungen gebracht worden sind (seine Gottheit natürlich ausgenommen). Der Herr Jesus sagt das in Johannes 15,9: „Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt.“ Und in Johannes 17,23: „… damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast.“ Die Liebe des Vaters zum Sohn ist dieselbe, wie die Liebe des Vaters zu uns, seinen Kindern.
Haben wir nicht wirklich allen Grund, unserem Vater zu danken?


Kolosser 1:14: Erlösung in dem Sohn
Der Vater hat uns aus dem Bereich der Finsternis in einen Bereich versetzt, dessen Mittelpunkt der Sohn seiner Liebe ist. In diesem Sohn haben wir die Erlösung, nämlich die Vergebung der Sünden. Das erscheint auf den ersten Blick ein wenig seltsam. Denn ich wüsste außer einer weiteren Stelle nicht, wo die Erlösung auf eine solch schmale Basis gebracht wird. Die andere Stelle ist Epheser 1,7, wo es heißt: „Begnadigt in dem Geliebten, in dem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade“. Das ist genau die gleiche Ausdrucksform, allerdings mit dem Zusatz „durch sein Blut“.
Der Herr Jesus hat uns die Erlösung geschenkt. Er ist der Erlöser, und Erlösung bedeutet nach diesem Vers: die Vergebung der Sünden. An anderen Stellen wie zum Beispiel in Römer 8 oder auch im 1. Petrusbrief wird Erlösung oder Errettung in Verbindung gebracht mit der endgültigen Erlösung, wenn auch der Körper des Christen Anteil haben wird an der Macht der Auferstehung. Es muss in der Tat wunderbar sein, wenn auch der Körper vollkommen fähig sein wird, in der Herrlichkeit Gottes zu sein. Dann wird jede feindliche Macht, die gegen uns ist, überwunden sein, und wir werden in der Lage sein, den Herrn Jesus zu sehen, wie Er ist.


Vergebung
„Erlösung“ (Loskaufung) hat als christliche Segnung ein breites Bedeutungsspektrum und schließt zuweilen, wie bemerkt, die Erlösung des Körpers mit ein (Rö 3,24; 8,23; 1 Korinther 1,30; Eph 1,14; 4,30; Tit 2,14; Heb 9,12; 1 Petrus 1,18). Die angegebenen Stellen machen deutlich, dass der Begriff „Erlösung“ (oder „Erlösen“) im normalen Gebrauch des NT Segnungen beschreibt, die über die Vergebung der Sünden hinausgehen. Sie mögen sie durchaus voraussetzen, aber sie gehen darüber hinaus. In Kolosser 1,14 und in Epheser 1,7 wird Erlösung jedoch auf diesen einen Aspekt beschränkt. Erlösung und Sündenvergebung werden hier als dieselbe Sache angesehen. Das heißt jedoch nicht, dass diese eingeschränkte Sichtweise der Erlösung nicht dennoch etwas Gewaltiges in sich birgt. Wie viele und welche Sünden hat Gott uns vergeben? Nicht nur die Sünden bis zu unserer Bekehrung, sondern auch diejenigen, die wir als Kinder Gottes – leider! – noch begehen mögen. Gott sei Dank! Er hat uns alle Sünden vergeben.
Ein Kind Gottes hat die Vergebung der Sünden. Das ist die Grundlage für jede weitere Belehrung (1 Johannes 2,12). Wenn uns nicht alle Sünden vergeben wären, wären wir verloren. Denn der Herr Jesus wird nicht noch einmal für Sünden sterben. Die Vergebung der Sünden ist tatsächlich eine absolute Wahrheit, das heißt, sie gilt für jedes Kind Gottes. Wir haben diese Vergebung durch das Blut des Herrn Jesus. Diese Gewissheit sollte indes niemand dazu verführen zu denken: Dann kann ich ja ruhig sündigen. Denn dies wäre nicht nur eine bösartige, sondern auch absurde Schlussfolgerung. Wenn ich jemand sehr lieb habe – zum Beispiel meine Ehefrau –, werde ich ihr dann unbekümmert Weh antun, weil ich ja weiß, dass sie mich liebt? Das ist unmöglich. So verhält es sich auch im Blick auf Gott: Wenn wir Ihn lieben, werden wir nicht schnell sündigen.
Nun fehlt in Kolosser 1 der Zusatz „durch sein Blut“. Gewiss besitzen wir die Erlösung dadurch, dass das Blut unseres Herrn geflossen ist, das heißt, dass Er gestorben ist. Aber das steht hier nicht. Ich habe den Eindruck, dass der Heilige Geist bei den Kolossern nicht so sehr über das Werk des Sohnes sprechen, sondern unmittelbar zur Person des Sohnes kommen will. Dieser Führung wollen wir uns anschließen. Wir denken jetzt nicht nur über das nach, was Er getan hat, sondern vor allem darüber, wer Er ist.
Das erinnert mich an David und Jonathan und an die Frauen in Israel. Diese Frauen haben, nachdem Goliath bezwungen worden war, David erhoben, indem sie sangen: „David hat seine Zehntausende erschlagen“ – das war sein Werk. Was aber finden wir bei Jonathan? „Da verband sich die Seele Jonathans mit der Seele Davids“ (1 Samuel 18,1). Das ist viel mehr. Er schätzte nicht nur das wert, was David getan hatte. Bei ihm finden wir Hingabe an die Person Davids. So verweilt der Heilige Geist auch im Kolosserbrief nicht lange bei dem Werk des Herrn. Er will die Gläubigen in Kolossä und auch uns direkt auf die Person des Herrn hinlenken.

Christian Briem – Christus vor Augen

Der Herr wird dann als derjenige definiert, der uns von der Herrschaft der Finsternis befreit und uns in das Reich des Sohnes seiner Liebe versetzt hat. Diese kurze, aber dicht gedrängte Äußerung weist eine Reihe von paulinischen Schlüsselthemen auf. Erstens gibt es eine apokalyptische Ausrichtung, da die Gläubigen von bösartigen geistlichen Kräften, die mit dem gegenwärtigen Zeitalter verbunden sind, gerettet wurden (siehe Gal 1,4; Kol 2,15). Zweitens haben wir hier die Sprache eines groß angelegten Transports, da das Wort übertragen (methistēmi) in Bezug auf die Verpflanzung ganzer Völker verwendet werden kann (Josephus Ant. 9.235). Gott hat sein Volk abgeholt und in ein ganz neues Gebiet verpflanzt. Paulus rahmt die Erlösung in Begriffen ein, die an den Exodus erinnern, bei dem die Gläubigen einen neuen Exodus und eine neue Erlösung erleben, indem sie in das unvergängliche Erbe Gottes eintreten (siehe die gemeinsame Sprache mit Exod 6,6; 14,30; Deut 13,5; Judg 6,9 [LXX]). 16 Möglicherweise gibt es eine spezifischere Anspielung auf Jesajas Aneignung des Exodus-Themas angesichts des Bildes von der Wiederherstellung Israels aus der „Finsternis“ zum „Licht“ in Jes 9,1-2, 42,6-7.16, 58,10, 60,1-3.17 Drittens gibt es zwar nur wenige Hinweise auf das Reich Gottes bei Paulus, aber es ist nicht weniger bedeutsam.18 Für Paulus ist das Reich Gottes etwas, das prinzipiell in der Zukunft liegt (Belohnung, Gericht, Vollendung), sich aber bereits auf die Gegenwart auswirkt.19 In der Tat kann die gesamte Erfahrung der Erlösung in gewisser Hinsicht als „Reich“ definiert werden. Paulus stellt hier das Reich in die Nähe des Sohnes und unterstreicht damit die einzigartige Beziehung, die Jesus zum Vater hat, und seine einzigartige Rolle bei der Einweihung und Ausführung des Reiches des Vaters (auch mit offensichtlichen Anklängen an eine messianische Lesart von 2 Sam 7,13-17 und Ps 2,7).20 Der Sohn ist auch die Sphäre des rettenden Handelns des Vaters, und es ist in ihm, dass die Gläubigen die Erlösung, die Vergebung der Sünden, erlangen. Das Konzept der Erlösung für griechisch-römische Menschen war durch die Freilassung von Sklaven bekannt. Erlösung bedeutete Freilassung durch die Zahlung eines Preises. An anderer Stelle in seinen Briefen gibt Paulus an, wie dieser Preis bezahlt wurde (z. B. Röm 3,24; Eph 1,7; 1 Kor 6,20; 1 Tim 2,6; Titus 2,14).21 Konkret wird die Erlösung hier mit der Vergebung der Sünden in Verbindung gebracht. Viele von Paulus‘ Metaphern für Erlösung überschneiden sich. Zum Beispiel ist Vergebung mit Rechtfertigung (Apg 13,38-39; Röm 4,7-8) und Erlösung (Kol 1,14; Eph 1,7) verbunden. An anderer Stelle im Neuen Testament ist die Vergebung mit dem Opfer (Hebr 9,22; 10,18) und der Reinigung (1 Joh 1,9) verbunden. Die Begriffe Erlösung und Vergebung gehören natürlich zusammen, da beide mit Befreiung zu tun haben. Im Fall der Vergebung bezeichnet das Wort aphesis Vorstellungen von Befreiung, Freilassung, Verzeihung oder Aufhebung einer Verpflichtung.

New Covenant Commentary Series

All dies war gutes jüdisches Denken, aber Paulus‘ neue christliche Perspektive ermöglichte es ihm, es in einem anderen Licht zu sehen.

Für Juden lag „das kommende Zeitalter“ oder „Reich Gottes“ in der Zukunft, vielleicht in weiter Ferne. Aber Jesus hatte seine Ankunft angekündigt und behauptete, es sei in seinem eigenen Leben und Wirken gegenwärtig, denn er selbst sei der Messias und Sohn Gottes. Er sagte seinen Jüngern, dass „einige hier nicht sterben werden, bis sie das Reich Gottes mit Macht haben kommen sehen“ (Mk 9,1), und als die frühesten Christen auf Jesu Leben, Tod und Auferstehung und das Kommen des Heiligen Geistes zu Pfingsten zurückblickten, waren sie sicher, dass diese Verheißung tatsächlich wahr geworden war. Paulus stimmte mit ihnen überein. Obwohl er nicht typischerweise die Terminologie des „Reiches Gottes“ benutzte, war er sich der Tatsache zutiefst bewusst, dass Christ zu werden die Übertragung der eigenen Zugehörigkeit von den Standards der gefallenen Welt zu den Werten von Gottes neuer Schöpfung bedeutete: ‚Jeder, der mit Christus verbunden ist, ist ein neues Wesen; das Alte ist vergangen, das Neue ist gekommen … Gott hat uns aus der Macht der Finsternis errettet und uns in das Reich des geliebten Sohnes Gottes gebracht, durch den wir frei geworden sind …‘ (2. Korinther 5,17; Kolosser 1,13-14).

Gewiss, Christen leben immer noch in der Welt, die von der Sünde beherrscht wird. Aber der vorherrschende Einfluss in ihrem Leben muss das Reich Gottes sein, und ihr Verhalten sollte das widerspiegeln. Das war die Grundlage für den ethischen Rat des Paulus an seine Leser: „Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an, sondern lasst euch von Gott innerlich umgestalten durch eine völlige Veränderung eures Sinnes. Dann werdet ihr fähig sein, den Willen Gottes zu erkennen …‘ (Römer 12,2).

Das bedeutete nicht, dass die Christen bereits perfekt waren. Wie Jesus vor ihm hielt Paulus eine eschatologische Spannung aufrecht zwischen dem gegenwärtigen Wirken von Gottes Souveränität im Leben der Christen und ihrer vollständigen und endgültigen Enthüllung zu einem Zeitpunkt in der Zukunft. Aber die Gegenwart des Heiligen Geistes im Leben der Christen stellte die Invasion dieser Welt durch Gottes Reich dar – und bedeutete, dass Christen entsprechend leben sollten.

Einführung in das Neue Testament – Drane, John William

und was wäre wenn

Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube eitel; ihr seid noch in euren Sünden. Also sind auch die, welche in Christo entschlafen sind, verloren gegangen. Wenn wir allein in diesem Leben auf Christum Hoffnung haben, so sind wir die elendesten von allen (O. elender als alle) Menschen. (Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen;
Elberfelder 1871 – 1 Kor 15,17–20

Wenn aber Christus nicht auferweckt wurde, ist euer Glaube nichtig; ihr seid noch in euern Sünden! -Röm 4,25.
So gehen also auch die Entschlafenen in Christo verloren!
Wenn wir allein in diesem Leben solche sind, die auf Christum hoffen, sind wir die elendesten-a- von allen Menschen. -a) 2 Tim 3,12.
Jetzt aber, da Christus-a- auferweckt wurde aus Toten, ist Er der Erstling-b- der Entschlafenen. -a) 1 Petr 1,3.   b) Apg 26,23; V. 23; Kol 1,18; Offb 1,5.
Abraham Meister – Neues Testament – 1 Korinther 15,17–20

Doch wenn der Messias nicht erweckt ist, ist euer Glaube grundlos und ihr lebt noch in euren Verirrungen. Folglich sind auch die durch den Messias Entschlafenen zugrundegegangen. Falls wir lediglich in diesem Leben durch den Messias eine Erwartung gehabt haben, sind wir erbärmlicher als alle Menschen. Nun ist aber der Messias als Erstlingsgabe der schon Entschlafenen erweckt worden.
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – 1 Kor 15,17–20

Wenn aber Christus nicht von den Toten auferweckt wurde, ist euer Glaube nichts als Selbstbetrug, und ihr seid auch von eurer Schuld nicht frei. Ebenso wären auch alle verloren, die im Glauben an Christus gestorben sind. Wenn der Glaube an Christus uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt, sind wir die bedauernswertesten unter allen Menschen. Tatsächlich aber ist Christus als Erster von den Toten auferstanden. So können wir sicher sein, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden.
Hoffnung für Alle – 1 Korinther 15,17–20

ἠλπικότες Pf. Ptz. ἐλπίζω93 hoffen ἐν auf; umschrieb. Pf. (A249) ἠλπικότες ἐσμέν wir (haben unsere Hoffnung gesetzt und) hoffen (vgl. BDR § 3413; A243). μόνον gehört wohl zu ἠλπικότες ἐσμέν nur Hoffende sind/nur hoffen (= Genarrte sind; BDR § 3531; vgl. B 2a). ἐλεεινότερος Komp. v. ἐλεεινός bemitleidenswert, wohl in Bdtg. des Superlativs (A118,2), m. gen. comparationis (A168) bzw. partitivus (A164).
νυνί18 nun, jetzt. ἐγήγερται V. 4. ἀπ-αρχή Erstlingsgabe (term. tech. der Opfersprache: der Jahwe geweihte erste Teil der Naturerträge, durch dessen Darbringung das Ganze geheiligt wurde); übertr. Erstling/erster, m. gen. partitivus (A164); Obj.-Präd. (A65) als Erstling/erster. κε-κοιμημένων Pf. Ptz. Pass. V. 6; subst.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Diese Verse deuten darauf hin, dass Paulus die griechische Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele ohne leibliche Auferstehung ablehnt; wenn es keine leibliche Auferstehung gibt, dann folgt daraus die epikureische kategorische Leugnung eines Lebens nach dem Tod ( 15,32 ). (Trotz ihres Glaubens an ein Gericht war die griechische Lehre vom Leben der Menschen nach dem Tod als Schatten in der Unterwelt doch bestenfalls trübselig und konnte dem menschlichen Geist kaum den leidenschaftlichen Anreiz bieten, den die Auferstehung für Paulus darstellt.) Paulus konnte, wie es viele Pharisäer taten, an die Auferstehung und zugleich an eine Art zwischenzeitliche Existenz der Seele glauben. Doch wenn Gott keine künftige Hoffnung für den ganzen Menschen anbieten konnte, hätten Juden wie Paulus, die das körperliche Wesen der menschlichen Existenz anerkannten, an einer künftigen Hoffnung überhaupt gezweifelt.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Hoffen wir allein in diesem Leben ans Christum, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. – Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten, und der Erstling geworden unter den Entschlafenen.

Damit wir die Ereignisse aus der Geschichte unseres hochgelobten Herrn recht begreifen, müssen wir uns daran erinnern, dass Er, obwohl Er Gott selbst war, in allen Taten und Begebenheiten Seines Lebens nicht Seine Gottheit in Wirksamkeit treten ließ, sondern sich zu der Stellung und zu den Kräften eines Menschen erniedrigte, in welchem Stande Er durch Glauben lebte wie andere Menschen. Seine Wunder z.B. wirkte Er als ein Mensch, nicht durch die Seiner göttlichen Persönlichkeit eigene Kraft, sondern durch die Kraft des heiligen Geistes. Und daher konnte Er sagen: „Wahrlich, „ ich sage euch, der, welcher an mich glaubet, wird die Werke auch tun, welche ich tue; und wird größere Werke denn diese tun.“ Dass Er wirklich ein Mensch war, und dass Er wie ein Mensch fühlte und litt, den Trost des heiligen Geistes bedurfte, und ihn durch Glauben empfing, ist eine Tatsache, welche uns Trost für uns und für andere Menschen gewährt, indem wir an Sein Leben und an alle die Lagen denken, welche Er durchmachte. In allen Tiefen des traurigen Daseins des gefallenen Menschengeschlechtes bleibt uns eine getroste Hoffnung, weil Er denselben Weg gegangen ist. Wahr ist es, Er unterschied sich darin von uns, dass Er ein sündloser Mensch war, und wir sind sündhaft. Aber Er hat unsere Sünden hinweggenommen und Gott vergibt uns. „So ist nun nichts Verdammliches an denen, welche in Christo Jesu sind.“ Unser Zustand ist der im zweiunddreißigsten Psalm beschriebene: „Selig ist der Mensch, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde bedecket ist. Selig ist der, welchem der Herr die Missetat nicht zurechnet.“ Er war sündlos, weil Er nie gesündigt hatte, und wir müssen den Muth haben, zu glauben, dass wir sündlos sind, weil unsere Sünden-getilgt sind. So ließ Er sich denn wahrhaftig in unsere Lage herab.
Und Er ertrug und überwand Alles durch die Kraft des heiligen Geistes. Er ward begraben, Er lag im Grabe. Und Er kam aus demselben hervor, nicht durch die Wirkung Seiner Gottheit, sondern weil Er als Mensch auf Gott vertraute und weil Gott Ihn heimsuchte. Daher hat Er das Licht der Hoffnung und der Zuversicht auf die Auferstehung in das Grab getragen und es als ein leuchtendes daselbst gelassen.
Wir blicken nun auf die, welche in Jesu entschlafen sind, und durch Glauben sehen wir sie von jenem Lichte umgeben, wartend wie Er wartete, bis dass Sein Vater Ihn heimsuchte.

Aber nicht allein das, sondern wir wissen, dass Er mit uns ist in allen Lagen unseres Lebens, worin wir geprüft und versucht werden. Wie der Vater mit Ihm war, so ist Christus mit uns. Wie Er durch keinen der Vorfälle, die Ihm in der Welt zustießen, von dem Vater geschieden ward – durch nichts, außer durch unsere Sünde, bis dass Er sie durch Sein Blut gesühnt hatte – so wissen wir nun seit jener Sühnung, die wir mit Ihm verbunden und mit Ihm eins gemacht worden sind, wie Er eins ist mit dem Vater, wir wissen, dass Er mit uns ist in allen Vorfällen, die uns zustoßen. Er ist in dem Allem mit uns, und Er wird mit uns sein und sollten wir selbst in den Staub der Erde gebettet werden und, wartend auf die Auferstehung, im Grabe liegen.

Dieser Tag ist ausgesondert zur Feier der Auferstehung des Herrn und um der Auferstehung der Heiligen entgegen zu schauen. Er starb wahrhaftig eben denselben Tod, welchen andere Menschen sterben. Seine Seele ward von Seinem Leibe abgesondert, und Er ist jenseits des Todes wieder erschienen.
Er brachte denselben Leib, in welchem die Sterblichkeit geherrscht hatte, lebendig wieder ans Licht, nicht mit dem wieder erlangten alten Leben, sondern mit einem neuen Leben, das Ihm Sein Vater gab. Als wahrhaftiger Mensch, wie Er zuvor gewesen war, geistlich, doch nicht in einen Geist verwandelt. Er zeigte Seinen Jüngern Seine verwundeten Hände und Seine durchstochene Seite. Er unterredete sich mit ihnen mit der Stimme und mit den Worten eines Menschen. Er aß vor ihren Augen nach Seiner Auferstehung. Seine Auferstehung hat Ihn uns nicht entfremdet oder in die Ferne gerückt. Er ist noch einer von den Brüdern. Aber Er hat uns gezeigt, wie wir durch Ihn von dem Fleisch und Blut befreit werden sollen, welches in das Himmelreich nicht eingehen kann. Durch den Tod und durch die Auferstehung ging Er in das Himmelreich ein. Und Er will uns auf demselben Pfade in dasselbe Reich bringen. Durch den Tod und durch die Auferstehung, oder durch jene Verwandlung, welche der heilige Paulus als gleichgeltend bezeichnet, werden wir in Seine Herrlichkeit eingehen. Denn als Er in die Höhe fuhr, legte Er die kreatürliche Gestalt nicht ab, welche Er angenommen hatte, sondern als Mensch fuhr Er in die Höhe und als Mensch sitzet Er mit dem Vater auf Seinem Throne.
Durch dasselbe Band Seiner wahren Menschheit, welche Ihn eins mit uns auf Erden machte, ist Er noch mit uns verbunden.

Er ist der Erstgeborne aus den Toten-. Das bedeutet, dass auch viele Andere aus den Toten geboren werden sollen.
Er wird der Erstgeborne unter vielen Brüdern genannt, das besagt, dass die vielen Brüder nach Ihm hervortreten werden.
Er war der „Erstling von den Entschlafenen.“ Die Erstlingsfrucht wurde um ein Kleines vor der Ernte geerntet und sie wurde unter dem Gesetze Gott dargebracht, zum Zeichen, dass die Ernte herbeigekommen sei und um dadurch die Früchte der Ernte zu heiligen. So erstand Jesus als der Erstling von denen, welche entschlafen sind, zum Zeichen, dass die Auferstehung nahe sei, und zur Bereitung des Weges für die Ernte Gottes aus der Erde, welches die Auferstehung derer ist, welche mit Seinem Sohne vereinigt sind.

Heinrich Thiersch – Beiträge zum Verständnis der christlichen Lehre

Aufgrund des Sündenfalls hatte Satan die rechtmäßige Herrschaft über uns alle. Was meine ich damit? Aufgrund von Adams Sünde „breitete sich der Tod über alle aus“ (Römer 5:12). Die Schlange wurde verflucht, hinuntergeworfen, um über das Reich der Toten zu herrschen – die Unterwelt, oder was wir als Hölle bezeichnen. Aufgrund des Sündenfalls ist jeder dazu bestimmt, zu sterben und in das Totenreich zu gehen – wo der Teufel regiert.

Das alles änderte sich, als Jesus das erste Mal kam und Gottes Plan der Erlösung erfüllte, indem er am Kreuz starb und von den Toten auferstand. Der erste Schritt zur Wiederherstellung von Eden war die Bereitstellung eines Mittels für die Menschheit, um dem Fluch des Todes zu entkommen. Alle, die glauben, die zu Mitgliedern der Familie und des Reiches Gottes gemacht werden, sind nicht länger Geiseln des Fluches des Todes und des Herrn der Toten. Das ist der Grund, warum Jesus, als er seinen Dienst der Wiederbelebung des Reiches begann (Lukas 10,1-9), sagte: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ (Lukas 10,18). Jesus wusste, dass sein Tod und seine Auferstehung die Schuld des Sünders bezahlen und Satan keinen Anspruch mehr auf unsere Seelen haben würde. Das Reich Gottes war der Anfang vom Ende für den Herrn der Toten.

Wir müssen uns wieder daran erinnern, wer wir sind – und woher unsere Identität kommt. Die Gläubigen, gemeinsam als Gemeinde, werden der Leib Christi genannt. Und der Leib Jesu wurde auferweckt. Wir werden auferstehen, weil er auferstanden ist (1 Korinther 15,20-23). Er ist der Erstgeborene unter den Toten. Wir sind „die Versammlung der Erstgeborenen, die im Himmel eingeschrieben sind“ (Hebräer 12,22-24). Wie Johannes sagte: „So viele ihn aber aufnahmen, denen, die an seinen Namen glauben, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Johannes 1,12 LEB). Satan hat keinen Anspruch auf die Kinder Gottes, weil sie aus dem Tod auferstehen werden. Es gibt keinen Grund, die Lebenden im Reich der Toten zu suchen.

Michael S. Heiser – Überirdisch – Was die Bibel wirklich über Gottes himmlische Herrscharen sagt

Es wurde in den alten Prophezeiungen vorhergesagt, dass er auferstehen würde, und es ist durch viele Augenzeugen bewiesen worden, dass er auferstanden ist.
Wenn man der Annahme zustimmen würde, dass es keine Auferstehung der Toten gebe, würde das den wichtigsten Beweis des Christentums zerstören, und damit würde es:
2.1 Die Verkündigung vergeblich machen. „ ‚Wir [Apostel] werden aber auch als falsche Zeugen Gottes erfunden.‘ Wäre nicht alle unsere harte Arbeit vollkommen vergeblich? Wenn Christus nicht auferweckt wurde, ist das Evangelium ein Witz; dann ist es leer und wertlos.“
2.2 Den Glauben der Christen vergeblich machen, denn nur durch seinen Tod und sein Opfer für die Sünde kann Vergebung zugesprochen werden. Wenn er unter der Macht des Todes geblieben wäre, wie hätte er uns dann von dessen Macht retten können? Wie vergeblich wäre überdies der Glaube an Christus? Es hätte keine Rechtfertigung oder Rettung gegeben, wenn Christus nicht auferstanden wäre.
Es würde auch folgen, dass „die in Christus Entschlafenen verloren“ sind. Diejenigen, welche die Auferstehung leugneten, verstanden den Tod so, dass er die Vernichtung und Auslöschung der Person bedeutete, nicht bloß des leiblichen Lebens. „Angenommen, es gibt keine Auferstehung, keinen Stand und kein Leben danach, dann sind gestorbene Christen vollkommen verloren. Wie vergeblich wäre unsere Religion und unser Glaube gemäß dieser Annahme!“
Ferner würde daraus folgen, dass die geistlichen Diener und Knechte Christi „die elendesten unter allen Menschen“ wären, „wenn sie nur in diesem Leben auf Christus hoffen“ (Vers 19). Wenn es keine Auferstehung oder keinen Stand des zukünftigen Lohns gäbe und wenn all ihre Hoffnungen auf Christus nur innerhalb der Grenzen dieses Lebens lägen, sind sie unter viel schlimmeren Bedingungen als der Rest der Menschheit. Unter diesen Bedingungen wäre es besser, alles andere als ein Christ zu sein. Sie haben viel größere Schwierigkeiten als andere in diesem Leben, wenn sie keine weitere Hoffnung haben noch irgendeine bessere. Christen sind durch ihre Religion dieser Welt gekreuzigt und werden gelehrt, auf der Grundlage der Hoffnung auf eine andere zu leben.

Der Neue Matthew Henry Kommentar

Es fehlte nicht viel…

Wenig fehlte, so hätten sie mich vernichtet auf der Erde; (O. im Lande) ich aber, ich habe deine Vorschriften nicht verlassen.
Elberfelder 1871 – Ps 119,87

Ich weigere mich, gegen deine Anordnungen zu verstoßen, 
  obwohl die Feinde mich fast umgebracht hätten.

Hoffnung für Alle – Psalm 119,87

 Es fehlte nicht viel, und meine Feinde hätten hier in unserem Land ein Ende mit mir gemacht;
ich aber weiche dennoch nicht von deinen Anordnungen ab.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Ps 119,87

Sie haben mich schier umgebracht usw. David wiederholt mit wenig abweichenden Worten, was er schon gesagt hat: wie hart er auch angefochten wurde, er blieb doch auf seinem Posten und wich nicht von der Frömmigkeit. Für vollkommene Leute wäre es genug, wenn dies einmal gesagt würde; denken wir aber an unsere Schwachheit, so werden wir diese wiederholte Belehrung nicht für überflüssig erachten. Vergessen wir doch Gottes Gesetz nicht bloß unter der Erschütterung der heftigsten Kämpfe, – die meisten wanken schon, ehe der Kampf noch beginnt. Umso bemerkenswerter erscheint die wunderbare Stärke des Propheten: obgleich er halbtot war, ließ er doch nicht ab, durch beständige Betrachtung des Gesetzes seine Seele zu erquicken. Mit gutem Grunde weist er auch darauf hin, dass er seine Erfahrungen auf Erden gemacht. Darin liegt ein verborgener Gegensatz gegen den Himmel: mochten sich auf Erden von allen Seiten die Schrecken des Todes herandrängen, – er hob seinen Geist nach oben; denn wenn der Glaube zum Himmel dringt, wird es leicht sein, aus der Verzweiflung empor zu tauchen. Auch der letzte Vers enthält nichts Neues. Denn zuerst gründet David sein Leben auf Gottes Barmherzigkeit, nicht bloß, weil er sich der menschlichen Gebrechlichkeit bewusst war, sondern weil er täglich sich mehrfachen Todesgefahren ausgesetzt sah, ja ohne Gottes Kraft schon entseelt hätte daliegen müssen. Wird er aber dem Leben wiedergegeben sein, so verspricht er, sich dankbar zu beweisen, und zwar nicht bloß mit der Zunge, sondern mit dem ganzen Leben. Jede Durchhilfe, mit der uns Gott aus Gefahren befreit, ist ein Geschenk neuen Lebens. Darum ist es billig, die verlängerte Zeit, die er uns noch gibt, seinem Dienst zu weihen: Ich halte die Zeugnisse deines Mundes. Dieser Bezeichnung des Gesetzes rühmt herrlich seine Autorität.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

Die gesamte Bibel ist voll von Geschichten, in denen es den Menschen, die sich für das Richtige entscheiden richtig richtig schlecht geht. Woran liegt das?
Und dann sind „wir Christen“ noch so gut, und hauen auf die „kleinen Fehler“ dieser Personen noch drauf rum. So wie heute Vormittag im Gottesdienst besprochen: ein Beispiel: Petrus – jeder kennt die Geschichte, dass der Petrus doch den Herrn 3 Mal verraten hat! Und? Ich wäre gern so mutig wie der Petrus! Denn von den 11 verbliebenen Aposteln liefen genau 9 nach Hause, als Jesus verhaftet wurde! Und nur Johannes und Petrus befinden sich in der Nähe von Jesus! Ja, wer nicht arbeitet, macht keine Fehler 😉 – und wer dicht an Jesus dran bleibt, verspürt halt auch den Druck! – und kommt damit auch in die Gefahr, einen Fehler zu machen! Also ich finde, dass Petrus mutig war – und dass er wohl völlig damit überfordert war, seinen Herrn in dieser mißlichen Lage zu sehen. Und Petrus war völlig übermüdet! – den gesamten 13.Nisan auf den Beinen, dann das Passah dann das Abendmahl – dann mit dem Herrn in den Garten – ein paar Mal eingenickt (nach 5 Gläsern Wein) – und nun in den frühen Morgenstunden noch klare und vernünftige Antworten geben können? Hätte er gewußt, wie wir heute über ihn denken, er wäre sicher lieber nach Hause gegangen, wie die anderen 9 erwachsenen Männer.
Wenn der Druck so groß ist, wie in dem oben angeführten Psalm, dann hilft nur noch beten – denn nur mit IHM schaffen wir auch diese Situation – und sind dann „schlauer als Petrus“.