„Geld ist ein Schutz“

Denn im Schatten ist, wer Weisheit hat, im Schatten, wer Geld hat (Eig im Schatten ist die Weisheit, im Schatten ist das Geld;) aber der Vorzug der Erkenntnis ist dieser, daß die Weisheit ihren Besitzern Leben gibt (O. ihre Besitzer am Leben erhält.)
Elberfelder 1871 – Prediger 7,12

Denn wie die Weisheit Schutz gewährt, gewährt auch das Geld Schutz;(- Sinn des Hebr.: Denn Schatten bietet (es erfrischt) die Weisheit wie das Silber, doch die Weisheit verdient den Vorzug, weil sie allein Leben gibt, denn wer der Traurigkeit nachgibt, kommt in Gefahr, so das Leben des Leibes wie das der Seele zu verlieren. – Gott angenehm macht und Strafe abwendet. -) aber darin hat Erfahrung und Weisheit den Vorzug, dass sie ihren Besitzer Leben geben.
Allioli Bibel – Kohelet 7,13

Denn im Schatten der Weisheit heißt im Schatten des Silbers,
aber der Vorrang von Wissen ist: die Weisheit belebt ihren Meister.
Buber & Rosenzweig – Kohelet 7:12

Denn im Schatten der Weisheit ist’s wie im Schatten des Geldes, aber der Gewinn der Erkenntnis ist: Die Weisheit erhält ihren Besitzer am Leben.
Die Philippson-Bibel – Prediger 7:12

Ein realistischer Mensch weiß natürlich, daß man auf Geld nicht völlig verzichten kann. Die Bibel offenbart in dieser Hinsicht eine wirklich ausgewogene Weisheit, denn es heißt darin: „Weisheit dient zum Schutz, ebenso wie Geld zum Schutz dient; aber der Vorteil der Erkenntnis ist, daß die Weisheit ihre Besitzer am Leben erhält“ (Prediger 7:12). Die Bibel läßt uns somit erkennen, daß Geld zwar wichtig, aber nicht das Wichtigste ist. Es ist lediglich ein Mittel zum Zweck, und es ist nur von begrenztem Wert, wenn es einem an Weisheit fehlt, richtig damit umzugehen.

Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?

Nur wenige wissen, daß die Bibel das Reichsein nicht verurteilt. Einige treue Diener Gottes der Vergangenheit, wie Abraham und Hiob, waren sehr reich. Die Bibel erkennt an, daß Geld nützlich sein kann und im gegenwärtigen System der Dinge „zum Schutz dient“ (Prediger 7:12).
Zugleich verurteilt Gottes Wort aber die habgierige „Geldliebe“ und sagt, daß manche, die „dieser Liebe nachstrebten, . . . vom Glauben abgeirrt“ sind. Darüber hinaus haben sie „sich selbst mit vielen Schmerzen überall durchbohrt“. Deshalb warnt die Bibel eindringlich: „Die aber, die entschlossen sind, reich zu werden, fallen in Versuchung und in eine Schlinge und in viele unsinnige und schädliche Begierden, die die Menschen in Vernichtung und Verderben stürzen“ (1 Timotheus 6:9, 10).
Statt auf materiellen Reichtum als wertvollstes Gut hinzuweisen, sagt die Bibel: „Gewiß ist sie ein Mittel zu großem Gewinn, diese Gottergebenheit zusammen mit Selbstgenügsamkeit. Denn wir haben nichts in die Welt hineingebracht, und wir können auch nichts mit hinaustragen. Wenn wir also Lebensunterhalt und Bedeckung haben, werden wir mit diesen Dingen zufrieden sein“ (1 Timotheus 6:6-8). Derselbe Schreiber, der Apostel Paulus, drückt dies in einem anderen Brief wie folgt aus: „Eure Lebensweise sei frei von Geldliebe, indem ihr mit den vorhandenen Dingen zufrieden seid. Denn er hat gesagt: ,Ich will dich keineswegs im Stiche lassen noch dich irgendwie verlassen‘ “ (Hebräer 13:5).

Erwachet! – 22.Januar 1975

So einfach die Übersetzung von V. 12 erscheint, so schwierig ist seine Bedeutung. Der Schatten ist im AT ein geläufiges Bild für einen Schutzort. Daß die Weisheit eine schützende Funktion ausübt, ist auch aus anderen Einsichten der atl. Weisheitsliteratur ersichtlich. Aber daß dieser Schutz mit der schützenden Wirkung des Geldes in Zusammenhang gebracht wird, erscheint ungewöhnlich. Entweder gab es tatsächlich Weisheitslehrer, die sich nicht scheuten, aus der Weisheit Kapital zu schlagen bzw. sich mit Reichtum zu verbünden und abzusichern und diesen Reichtum vermittels ihrer Weisheit zu stabilisieren. Oder es wird einfach verglichen: Weisheit hat eine ähnlich schützende Wirkung wie das Geld. Aber – und dies wird deutlich hervorgehoben – der Nutzen von Erkenntnis geht weiter: Während der Reichtum sich schädlich, gar tödlich auswirken kann (vgl. 5,9ff), belebt die Weisheit ihren Besitzer, d.h. sie verhilft ihm zum Leben, bewahrt und stärkt sein Leben. Damit ist die Weisheit der Macht des Geldes noch überlegen.

Wuppertaler Studienbibel

In V 12 ist »Schatten« eine Metapher für Schutz (vgl. Ps 17,8; 36,8; 57,2; 63,8; 91,1f.). In 6,11 jedoch wurde das menschliche Leben mit einem (schnell dahingleitenden) Schatten verglichen (vgl. Ps 102,12; 109,23, 144,4 par. הֶבֶל). So ist, von 6,11 her gelesen, in 7,11–12 unterschwellig die Todesthematik präsent. Vor diesem Hintergrund wird dann in V 12b gesagt, dass die Weisheit denjenigen, der sie besitzt, am Leben erhält. Damit ist das Selbstverständnis der Weisheit auf den Begriff gebracht. »Wer nach ihr greift, dem ist sie ein Lebensbaum, wer sie festhält, ist glücklich zu preisen« (Spr 3,18; 28,26; vgl. Sir 1,20; Weish 6,18f.; 9,19; 10,1f.).

Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament

Wenn Wohlergehen Hand in Hand mit Weisheit geht, kann es dem Menschen sehr nützlich sein. Salomo stellt fest, daß Weisheit ein zusätzlicher Segen neben dem Wohlstand sein kann. ( Weisheit ist gut zusammen mit einem Erbgut). Weisheit beschirmt den Mensch (wörtlich: „bietet ihm Schatten“; vgl. „Schutz“ in 4Mo 14,9 ) und erhält das Leben dem, der sie hat . Wenn auch die äußeren Umstände die gleichen sind, so wird doch der Mensch, der einen törichten Lebensstil meidet, länger leben (vgl. Pred 7,17; Sprüche 13,14 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

In 7,11–12 geht es um den «Vorteil» von Weisheit (vgl. jōtēr in V.11; jitrōn in V.12). In beiden Versen wird Weisheit dabei mit «Besitz» bzw. «Geld» verglichen, wobei 7,12 präzisiert, dass dabei an «Schutz» gedacht ist. Die Grundbedeutung dieses Wortes ist «Schatten»; oft wird es im Sinn von «Schutz gebendem Schatten» bzw. eben «Schutz» gebraucht (vgl. z. B. Ps 17,8; vgl. die treffende Übersetzung der Zürcher Bibel mit «beschirmt»). In Übersteigerung dieses Gedankens heisst es am Ende von 7,12, dass Weisheit «am Leben erhält». Sowohl der Vergleich von Weisheit mit Reichtum (vgl. 8,10; 19,15; Sir 51,28) als auch die Assoziation von Weisheit mit Leben (vgl. Spr 3,16.18) sind typisch weisheitlich. Beim Reichtum sind dabei aber «besser-als»-Formulierungen üblich (vgl. Spr 3,14; 8,19; 16,16). Obwohl Kohelet viele der Sprüche aus 7,1–8 als «besser-als»-Formulierungen bringt, formuliert er hier beim Reichtum anders: Er gebraucht die Präposition ʿim, die in der Regel «mit» bedeutet, hier aber wohl im Sinn von «wie (auch)» zu verstehen ist (vgl. so auch in 2,16; Hiob 9,26; 37,18). Vermutlich ist das kein Zufall, vielmehr deutet Kohelet seine Zweifel an der traditionellen Lehre an und formuliert in einer Weise, die auch die Deutung zulässt, dass Weisheit «wie» Reichtum bzw. Besitz ist – auch in dem Sinn, dass sie ihrem «Besitzer» (hier übersetzt mit «wer Weisheit hat») wieder verloren gehen kann (vgl. 5,12–13 – ebenfalls mit dem Wort «Besitzer»). Folgt man dieser Linie, kann man auch das Wort «Schatten» in 7,12 dekonstruktiv lesen: nicht im Sinn von «Schutz», sondern im Sinn von «Vergänglichkeit» (vgl. so in 8,13; Ps 102,12; Hiob 8,9). Subtil macht Kohelet durch diese Zweideutigkeiten darauf aufmerksam, dass er die Maximen über die Vorteile von Weisheit für problematisch hält. Auch er weiss um Vorteile der Weisheit vor der Torheit zu Lebzeiten (vgl. 7,19; 8,1; 9,15; 10,2.10.12; in der Rolle des Königs weiter 2,13). Derart pauschale Aussagen aber, wie er sie in 7,11–12 zitiert oder nachahmt, hält er für falsch (vgl. 6,8; 9,11.16).

Annette Schellenberg – Zürcher Bibelkommentare

Hast du einen Mann gesehen, der bei seiner Arbeit geschickt ist?

Siehst du einen Mann, der gewandt ist in seinem Geschäft-vor Königen wird er stehen, (d. h. in den Dienst von Königen berufen werden) er wird nicht vor Niedrigen (Eig Unansehnlichen) stehen.
Elberfelder 1871 – Sprüche 22,29

Siehst du einen Mann, der in seinem Geschäft (oder: Fach) tüchtig ist, so wisse: bei Königen kann er in Dienst treten; er braucht nicht niedrigen Leuten seine Dienste zu widmen.
Menge – Sprüche 22:29

Siehest du einen Mann, der gewandt ist in seinem Geschäfte, der müsse beim Könige angestellt, und nicht bei Geringen angestellt werden.
van Ess 1858 – Sprüche 22,29

der seine Arbeit mit Geschick verrichtet Der hebräische Begriff māhīr bedeutet, „jemand, der schnell bei etwas ist“. Solch eine Geschwindigkeit bei der Arbeit rührt aber von gutgelernten Fähigkeiten anstatt von dem Umstand her, Abkürzungen zu nehmen.

Er wird in den Dienst von Königen treten Diese Worte sind eine indirekte Aufforderung zur Vortrefflichkeit, welche – wie in den ägyptischen Weisheitsschulen – die Vorbereitung für einen höheren Dienst darstellt (# 22,17–24,22).

Reformations-Studien-Bibel

Menschen mit großem Geschick, was auch immer ihr Handwerk sein mag, gewinnen den Respekt selbst von Königen. Die Ermahnung lautet, dass man nie nachlässig mit der Qualität seiner Arbeit umgehen soll.

Die ESV Studienbibel

Der Lohn für treue, harte Arbeit ist – mehr Arbeit! „Gut gemacht, du guter und treuer Diener; du warst treu in einigen Dingen, ich werde dich zum Herrscher über viele Dinge machen“ (Mt 25:21, NKJV; siehe Lukas 19:16-19). „Siehst du einen Mann, der sich in seiner Arbeit auszeichnet? Er wird vor Königen bestehen; vor Unbekannten wird er nicht bestehen“ (Spr 22:29, NKJV).
Einer der Segnungen fleißiger Arbeit ist die Freude, Fähigkeiten und einen Charakter zu entwickeln, auf die andere vertrauen können, und sich so für die nächste Aufgabe zu rüsten, die Gott für uns vorbereitet hat. Josef war treu im Leiden und im Dienst, und das bereitete ihn darauf vor, Ägypten zu regieren. David kümmerte sich treu um ein paar Schafe, und Gott gab ihm ein ganzes Volk zum Hirten (Ps. 78,70-72). Josua war der treue Helfer des Mose und wurde sein Nachfolger. „Die Weisheit ist das Wichtigste … Erhebe sie, und sie wird dich fördern“ (Spr 4,7-8, NKJV). „Die Weisen werden die Herrlichkeit erben, aber die Schande wird die Beförderung der Toren sein“ (3,35).

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Series

Wer fleißig und geschickt ( mAhIr kann auch „schnell oder prompt“ bedeuten) arbeitet , der nimmt am leichtesten auf seinen Arbeitgeber Einfluß. Fleiß hat häufig eine Beförderung zur Folge (den Dienst vor Königen und nicht nur vor Niedrigen). Wenn ein König (oder ein anderer Führer) von einem guten Arbeiter hört, wird er ihn einstellen wollen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Statt Grenzen zu verrücken und in die Felder von Waisen einzudringen, arbeite man mit dem Boden, den Gott gegeben hat. Gott hat einem jeden »seinen Beruf«, mǝlâᵓkâh, gegeben (vgl. 1Kor 7,17.20), d. h. sein Arbeitsfeld und das Vermögen, in ihm fruchtbar zu wirken. Wenn er sich darin befleißigt, wird er »kundig« werden, mâhîr (wie in Ps 45,2 der »kundige« Schreiber, in Esr 7,6 der »kundige« Schriftgelehrte und in Jes 16,5 der der Gerechtigkeit »kundige« König), und schließlich wird dieser »vor Königen … stehen«. Er wird Königen dienen, nicht »Niedrigen«, ḥašukkîm, Einzahl ḥâšôk, wörtlich »dunkel« (ein nur hier belegtes Wort), d. h. »unbekannt, unbedeutend«. Wir verwenden im Deutschen das entsprechende lateinische Wort »obskur«.
Ein Beispiel für die Wahrheit dieses Verses ist Jerobeam, der Sohn Nebats, der als einfacher Arbeiter durch seinen Fleiß die Aufmerksamkeit von König Salomo gewann und den dieser persönlich beförderte (1Kö 11,26–28). Schließlich wurde er selber König (1Kö 12,20).
Diesen Vers können wir auch auf den Christen anwenden. Er wird, wenn er bedenkt, dass er auf den Tag Christi zugeht und dass er berufen ist, einst mit Christus zu herrschen, dem Aufruf des Apostels folgen und umso fleißiger seine Berufung ausleben (2Petr 1,5–8); denn nur so wird ihm »reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesus Christus« (2Petr 1,11).

Benedikt Peters – Das Buch der Sprüche

die Bestie wurde eingefangen und mit ihr der Lügenprophet

Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet, der mit ihm war, der die Zeichen vor ihm tat, durch welche er die verführte, welche das Malzeichen des Tieres annahmen und die sein Bild anbeteten, -lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt.
Elberfelder 1871 – Offenbarung 19,20

Das Tier wurde gefangen genommen und auch der falsche Prophet, der unter den Augen des Tieres die Wunder getan hatte. Durch diese Wunder hatte er alle verführt, die das Zeichen des Tieres angenommen und das Standbild des Tieres angebetet hatten. Das Tier und der falsche Prophet wurden bei lebendigem Leib in einen See von brennendem Schwefel geworfen.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Offenbarung 19:20

Und die Bestie wurde eingefangen und mit ihr der Lügenprophet, der die Wunderzeichen in ihrer Gegenwart bewirkte, durch die er die in die Irre geführt hat, die das charakteristische Zeichen der Bestie angenommen haben, und die, die ihr Bild kniefällig verehren. Lebendig wurden die zwei in den mit Schwefel brennenden Feuersumpf geschleudert.
Andreas Eichberger – Gottes Agenda – Offb 19,20

Da wurde das Untier ergriffen und auch der falsche Prophet, der bei ihm war. Das ist der, der die Wunderzeichen vor ihm bewirkt hatte, durch die die Menschen verführt wurden, die Menschen, die das Zeichen des Untiers angenommen und die sein Bild angebetet hatten. Bei lebendigem Leib wurden die beiden in das Feuermeer geworfen, das mit Schwefel brennt.
Roland Werner – Das Buch – Offb 19:20

Beim lesen von verschiedenen Kommentaren zur Offenbarung fällt mir immer wieder auf: die einen schauen auf Gott und was ER tun wird, und sind begeistert, dass das Ende der Bibel den absoluten Sieg Jesu deutlich vorstellt. Und dann gibt es die „menschenzentrierten Kommentare“, die dann erklären was ich tun soll, bzw was ich unterlassen soll. Die letzteren sind besonders „spaßig“, weil die Autoren meist gar nicht mitbekommen, dass sie selber „in der Falle sitzen“. Ein Beispiel? Da heißt es in einer religiösen Zeitschrift zum Beispiel „Die Regierungen dieser Welt verlangen allerdings, dass wir sie in Wort und Tat voll unterstützen, was es uns sehr schwer machen kann, neutral zu bleiben.“ – und dann schau ich, und sehe dass genau diese Organisation nicht nur ständig über die „guten Vereinten Nationen“ geschrieben hat, sondern auch alle Bemühungen unternommen hat, um in den meisten Ländern „unbedingt“ den Status als „Kirche“ zu erhalten – und dazu genau das tun mußte, was oben kritisch gesehen wird!
Aber schauen wir uns einige Kommentare zu dem Vers 20 an:

Kein allmählicher Sterbeprozeß für das „wilde Tier“ und den „falschen Propheten“! Während sie als funktionierende politische Organisationen „noch lebendig“ sind, werden sie schnell in die ewige Vernichtung gestürzt, gleichsam in Feuer und Schwefel. Was aber ist von den politischen Herrschern selbst und ihren Heeren und Untertanen zu sagen, die das „wilde Tier“ und den „falschen Propheten“ im Kampf um ihren Fortbestand bis zum letzten unterstützt haben werden? Gott, der Allmächtige, der dann Siegreiche, wird nicht von dem abweichen, was er hinsichtlich ihrer Beseitigung vorausgesagt hat:

Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet

Die Teilnahme an der Schlacht. Der Feind griff mit großer Heftigkeit an, angeführt vom Tier und den Königen der Erde. Die Mächte der Erde und der Hölle versammelten sich, um sich auf das Äußerste anzustrengen (Vers 19).

Den Sieg, der von dem großen und glorreichen Haupt der Gemeinde errungen wurde: Das Tier und der falsche Prophet wurden gefangen genommen. Diese wurden ergriffen und „in den Feuersee geworfen“. Und ihre Nachfolger, seien es Offiziere oder nur normale Soldaten, wurden der militärischen Vernichtung übergeben und zu einem Festmahl für die Vögel gemacht, „die inmitten des Himmels fliegen“. Auch wenn die göttliche Rache primär das Tier und den falschen Propheten treffen wird, gibt es keine Entschuldigungen für diejenigen, die unter deren Zeichen kämpfen und ihren Führern und deren Befehlen gefolgt sind. Da sie für das Tier und den Propheten gekämpft haben, müssen sie auch mit ihnen fallen und verderben. „So nehmt nun Verstand an, ihr Könige, und lasst euch warnen, ihr Richter der Erde! Dient dem Herrn mit Furcht und frohlockt mit Zittern. Küsst den Sohn, damit er nicht zornig wird und ihr nicht umkommt auf dem Weg“ (Ps 2,10–12a).

Der Neue Matthew Henry Kommentar

    Bevor eine einzige Kriegshandlung stattfindet, werden die beiden feindlichen Anführer ergriffen und in die Hölle geworfen, ohne dass sie den physischen Tod sterben. Das Tier – der politische Führer des antichristlichen Westeuropa – und der falsche Prophet – der religiöse Führer des abtrünnigen Israel – können sich nicht verteidigen. In ihrem Leben waren sie eng miteinander verbunden, und das sind sie auch in dem Gericht, das Christus an ihnen ausübt. Der falsche Prophet war der durchtriebene Helfershelfer des Tieres, die Menschen zu verführen, das Zeichen des Tieres anzunehmen und dessen Bild anzubeten.
    Alles sah sehr erfolgversprechend aus, doch hier werden ihre ganze Prahlerei und jeder Anschein von Unbesiegbarkeit (13,4) auf einen Schlag durch beeindruckende Machtentfaltung völlig vernichtet. Sie bilden eine Ausnahme zu allen übrigen Ungläubigen, denn sie werden ohne jedes Gerichtsverfahren in die Hölle geworfen, während alle anderen ungläubigen Menschen erst vor dem großen weißen Thron verurteilt werden. Eine entgegengesetzte Ausnahme im Kreis der Gläubigen sind Henoch und Elias, die als Einzige ohne zu sterben in den Himmel aufgenommen wurden.

    de Koning – Eine Erklärung speziell für dich

    „Und ich sah das Tier und die Könige der Erde versammelt, Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferde saß, und mit seinem Heere“ (Vers 19). Wir haben schon gesehen, dass die Blüte der Armeen Europas, sowohl in Bezug auf Menschen als auf Waffen, zu dem Lande Palästina hin versammelt werden wird. Angeblich sind sie in so ungeheurer Zahl versammelt worden, um dem Einfall der riesigen Horden der nordöstlichen Mächte zu begegnen, die das Land zu überrennen suchen. Wir haben schon mehrfach von dem Bund gesprochen, den das Haupt der Juden, der Antichrist, mit dem Haupt des Römischen Reiches schließen wird, um Palästina vor dem drohenden Einfall der Völker aus Norden und Osten zu schützen, und dass dies nicht gelingen wird. In unserem Kapitel sehen wir, dass es die wahre Absicht Satans ist, durch das Tier und den falschen Propheten Krieg zu führen mit dem Lamm. Zwei sich bekämpfende Mächte werden also im Lande Palästina sein, die große Macht aus dem Norden mit ihren Verbündeten aus dem Osten, und die westlichen Mächte. In diesem Kapitel haben wir mehr die Heere der westlichen Mächte vor uns, mit denen der Herr Jesus persönlich handeln wird. Mit der assyrischen oder nördlichen Macht wird erst endgültig gehandelt werden, wenn der Herr Jesus seinen Thron in Jerusalem gegründet hat. Bei dem ersten Angriff des Assyrers auf Jerusalem wird die Hälfte der Stadt eingenommen, aber bei dem zweiten Angriff wird sie erfahren, dass der Herr daselbst ist, und dass Er mit seinem Volke streitet, die dadurch in den Stand gesetzt werden, einen vollständigen Sieg über ihre Feinde zu erlangen.
    Mit dem Haupte des Römischen Reiches und mit dem falschen Propheten beschäftigt sich der Herr persönlich: diese beiden von Satan geleiteten Führer werden genommen und lebendig in den Feuersee geworfen. Es ist von feierlichem Ernst, dieses schreckliche Gericht über diese beiden Menschen zu betrachten. An anderer Stelle wird uns gesagt, dass der Feuersee nicht für Menschen bereitet ist, sondern für den Teufel und seine Engel, aber hier wird uns gezeigt, dass diese beiden Menschen die ersten sind, die an jenen schrecklichen Ort gelangen. Sie haben sich selbst Satan ausgeliefert, um jedem Anspruch des Herrn Jesus zu widerstehen. Das Gericht über diese beiden Menschen ist deutlich erkennbar ein endgültiges, denn indem sie in den Feuersee geworfen werden, sind sie auf ewig von Gott geschieden. Das Schlagen des Überrestes mit dem Schwert ist kein endgültiges Gericht. Sie werden unter den Toten gefunden werden, die Kleinen und die Großen, welche auferweckt werden, um vor dem großen weißen Thron zu stehen, wie uns in Kapitel 20 gezeigt wird. Inzwischen wird uns gezeigt, wie deutlich Gottes Wort sich erfüllt. Die Vögel des Himmels waren herbeigerufen worden zu dem großen Mahle Gottes, und hier sehen wir dieses Mahl des Gerichts stattfinden: alle Vögel des Himmels wurden von ihrem Fleische gesättigt. Die Wahrheit des Wortes Gottes wird sich erfüllen, sowohl in Bezug auf die jetzt verheißenen Segnungen für solche, die an Christum glauben, als auch bezüglich solcher, die sich weigern, Ihn als Retter anzunehmen, und die deshalb mit Ihm als Richter zu tun haben werden.

    H.G. Moss – Das Buch der Offenbarung

    a) Die Schlacht von Harmagedon findet also gar nicht statt. In dem Augenblick, in dem der Herr sich und seine Macht offenbart, ist alles klar. Auch hier gilt: »Ein Wörtlein kann ihn fällen« (M. Luther).
    So sagt Paulus, dass der wiederkommende Herr dem Antichrist »mit dem Hauch seines Mundes ein Ende machen« werde, und zwar »durch seine Erscheinung, wenn er kommt« (2 Thess 2,8), das heißt ganz einfach, indem er in seiner göttlichen Herrlichkeit in Erscheinung tritt. Hier in Offb 19,20 lesen wir, dass der Antichrist und der falsche Prophet, ohne irgendein Zwischenspiel, insbesondere ohne dass sie irgendeine Gegenwehr leisten könnten, kurzerhand verhaftet werden.
    Genauso unsinnig ist heute schon aller Kampf gegen Gott und seinen Christus. Auch hier ist für alle Glaubenden entscheidend wichtig, »nicht zu sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare« (2 Kor 4,18).
    b) In Vorwegnahme des letzten Gerichts (Offb 20,11-15) wird über sie bereits jetzt das endgültige Urteil gesprochen und auch vollstreckt, wobei noch einmal ihre besonderen Übeltaten zur Urteilsbegründung genannt werden:
    Der falsche Prophet verführte mit seinen Wundern Menschen dazu, dass sie das antichristliche Eigentumszeichen annahmen und das Bild des Antichrists anbeteten.
    Die besondere Schuld des Antichrists besteht dabei vor allem darin, dass er sich anbeten ließ und so Gott seine Ehre raubte.
    c) Der »feurige Pfuhl«, das Meer von Feuer, ist derselbe endgültige Gerichtsort, den auch unser Herr nennt: »Das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln« (Mt 25,41; vgl. Mt 13,40.42; 18,8.9; Mk 9,43-48). Dass sie lebendig dem Feuergericht übergeben werden, bedeutet in besonderem Maße Schrecken und Grauen (vgl. 4 Mose 16,30.33.34).

    Gerhardt Maier – Edition C

    Während die Reihen der Feinde geschlossen dastehen und die Ankunft des himmlischen Heeres abwarten, werden ohne Ankündigung die Führer gegriffen. Der Ausdruck „wurde ergriffen“, piazô , wird im Johannesevangelium oft verwendet, um die Versuche, den Herrn zu ergreifen, zu beschreiben (Joh 7,30.32.44; 8,20; 10,39; 11,57). Die Grundbedeutung ist „in feindlicher Absicht ergreifen“. In einem Augenblick werden die Armeen der Erde ihrer Führer beraubt, der mit satanischer Macht ausgestatteten Anführer, auf die sie ihr Vertrauen gesetzt hatten. Wahrscheinlich hatten sie bis zuletzt gehofft, dass die Macht Satans den beiden noch heraushelfen werde, aber jetzt müssen sie sehen, wie sie lebendig in den Feuersee fahren.
    Das Kommen, der Charakter und die Laufbahn des Tieres sind in diesem Buch gründlich erörtert worden. Von seiner ersten Erwähnung an (11,17) bis zu seiner Manifestation im Kap 13 ist er als der Inbegriff satanischer Macht im Menschen dargestellt worden. Das letzte Weltreich der Erde fand seine Verkörperung in diesem Menschen, der seit seinem Aufsteigen aus dem Abrund (11,7) in der Mitte der Drangsal dem Satan willenlos ergeben gewesen ist. Er ist der „Anti-Gott“ (siehe den Ausdruck in 13,6) im vollendeten Sinn, und entsprechend fordert er für sich die Anbetung, die Gott allein zusteht (2.Thes 2,4). Diese charismatische Persönlichkeit der politischen Welt fand die Unterstützung jenes Menschen, der die religiöse Macht verkörpert, des „falschen Propheten“. Dieser Ausdruck steht erstmals in 16,13; er ist das Tier aus der Erde (13,11-18), ein Jude, der sein Volk, oder besser: den abgefallenen Teil desselben, anführt. Er ist der Antichrist (1.Joh 2,18), wobei „anti“ so viel wie „an Stelle von“ bedeutet. Israel hatte den Messias, den Gott ihm gesandt hatte, verworfen; an Seiner statt würden sie den annehmen, der in seinem eigenen Namen kommen sollte (Joh 5,43). Die Zeichen, semeia, die dieser Mann tut, wird ihm Glaubwürdigkeit verschaffen, so dass die Menschen sich von ihm verleiten lassen, das Zeichen des Tieres anzunehmen und das Bild des Tieres anzubeten (13,15.16). Das Tier und der falsche Prophet werden nun gegriffen und vor ihren entsetzt starrenden Anhängern in den Feuersee geworden. Welche furchtbaren Momente müssen das sein, in denen sie hilflos zusehen müssen, wie das Schwert Sein schreckenerregendes Werk tut!
    Dies ist der erste von fünf Belegen des Ausdrucks „Feuersee“ (20,10.14.15; 21,8). Der Zusammenhang macht es ganz deutlich, dass der Feuersee für alle, die Gottes Gnade verworfen haben, endgültig und ewig ist. Als Erste gehen das Tier und der falsche Prophet dahin, tausend Jahre später ihre Meister, der Satan (20,10). Am Ende folgen ihnen alle, deren Namen nicht im Buch des Lebens gefunden werden (20,14-15). Der Schrecken dieses Ortes wird im Ausdruck „See“ deutlich, die Intensität dieses Schrecken zeigt sich in der Tatsache, dass er „brennt“. Das Wort „brennt“ bezieht sich nicht auf das Feuer (neutrum), sondern auf den See (feminin), und dieser brennende See brennt mit der schauerlichen blauen Flamme brennenden Schwefels, der dreimal zusammen mit dem Feuersee genannt wird (19,20; 20,10; 21,8). Man könnte einwenden, dies sei symbolisch zu verstehen, um uns auf der Erde den Schrecken dieses Ortes begreiflich zu machen. Das ist zwar möglich, aber wenn die Symbolik schon so furchterregend ist, was wird dann die Wirklichkeit erst sein? Es ist besser sich der Offenbarung zu beugen und anzuerkennen, dass Gott einen Ort hat im Universum, der ursprünglich für den Teufel und seine Engel bereitet wurde (Mt 25,41), der ein ewig brennender Feuersee ist, in dem Leib und Seele all jener Geschöpfe gepeinigt werden müssen, die sich gegen den Schöpfer erhoben haben. Dies ist die Wirklichkeit hinter dem „Höllenfeuer“ (Mk 9,47) und der „eigen Pein“ (Mt 25,46), vor denen Christus uns gewarnt hat.

    Benedikt Peters- Was die Bibel lehrt

    In Bezug auf den Antichristen heißt es in Offenbarung 19:20: Und das Tier wurde gegriffen und mit ihm der falsche Prophet, der die Zeichen tat, die vor seinen Augen geschahen, womit er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und die sein Bild anbeteten; die beiden wurden lebendig in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. Es wird erklärt, dass der Antichrist lebendig in den Feuersee geworfen werden wird. Im vorigen Kapitel wurden Stellen zitiert, die besagen, dass der Antichrist als eines der ersten Opfer des zweiten Kommens getötet werden wird. Daher verlangt dieser Vers, dass der Antichrist zu diesem Zeitpunkt auferweckt und dann lebendig in den Feuersee geworfen wird. Aus diesem Grund erklärt Jesaja 14:20, dass der Leichnam des Antichristen niemals begraben werden wird.

    Diese Tatsache birgt eine gewisse Ironie in sich. Wie wir später in diesem Kapitel sehen werden, bezieht sich der Begriff „erste Auferstehung“ auf die Auferstehung aller Gerechten, auch wenn sie in Etappen erfolgt. Der Begriff „zweite Auferstehung“ bezieht sich auf die Auferstehung aller Verdammten, und auch diese wird in Etappen erfolgen. Jeschua war die Erstlingsfrucht der ersten Auferstehung. Die Ironie dabei ist, dass derjenige, der der falsche Sohn sein würde, die falsche Rolle bis zur Vollendung ausfüllen darf, indem er der Erstling der zweiten Auferstehung wird. Aber das Ergebnis seiner Auferstehung wird der Feuersee sein.

    C. Der falsche Prophet
    Wie bereits erwähnt, ist der falsche Prophet der gefälschte Heilige Geist, der eine gefälschte Gabe der Wunder haben wird, mit der er sein Werk der Täuschung vollbringt, indem er die Menschen aufruft, den Antichristen anzubeten, das Malzeichen des Tieres anzunehmen und sein Bild anzubeten. Nach Offenbarung 19:20 wird auch er lebendig in den Feuersee geworfen werden. Während der ersten tausend Jahre, in denen der Feuersee bewohnt sein wird, werden der Antichrist und der falsche Prophet dort ganz allein sein.

    Arnold G. Fruchtenbaum – Die Fußstapfen des Messias: Eine Studie über die Abfolge der prophetischen Ereignisse – 2020

    Denn die Zeit ist nah, in der sich all das Gesagte erfüllen wird

    Wer diese prophetischen Worte liest oder sie hört und entsprechend handelt, der darf sich glücklich schätzen. Denn die Zeit ist nah, in der sich all das Gesagte erfüllen wird.
    Fred Ritzhaupt – Willkommen daheim – Offb 1,3

    Glücklich zu nennen ist der, der diese prophetische Botschaft vorliest, und auch die, die sie hören und an dem festhalten, was hier niedergeschrieben ist. Denn die Zeit, in der das geschieht, ist nahe herbeigekommen.
    Roland Werner – Das Buch – Offenbarung 1:3

    Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe!
    Elberfelder 1871 – Offenbarung 1,3

    Johannes bekommt also ein „Video aus der Zukunft“ gezeigt, und versteht eigentlich hauptsächlich, wer „sein Freund Jesus“ wirklich ist! Endlich wird klar: ER wird die Geschicke der Welt in Seine Hand nehmen! Und ER braucht keine Hilfen dafür: denn bei IHM reicht ein Wort, damit es geschieht.

    Glücklich Die Offenbarung verheißt nicht nur Gericht für die Treulosen, sondern auch Segen für die Treuen (14,13; 16,15; 19,9; 20,6; 22,7.14).

    prophetische Botschaft (22,7–10.18f). Wie die alttestamentliche Prophetie verbindet auch das Buch der Offenbarung die Visionen von Gottes Zukunft mit der Ermahnung zur Treue. Diese Prophetie ist eine unverwechselbare und inspirierte Form des Zeugnisses, welches alle Christen abzulegen haben (# 1,2).

    sich danach richtet Die Offenbarung ist nicht dazu da, um ihre Leser zu unterhalten, sondern die Herzen der Gläubigen zu stärken

    Reformations-Studien-Bibel

    Die Seligpreisung ist eschatologisch ausgerichtet. Die Botschaft von den endzeitlichen Ereignissen hat höchste Aktualität und Heilsrelevanz; denn die Zeit des Endes, die Zeit der Entscheidung und Bewährung für die Christusgläubigen „ist nahe“, und die prophetischen Worte nicht nur im Gottesdienst zu hören, sondern auch lebenspraktische Folgerungen aus ihnen zu ziehen (vgl. 3,3.8.10; 12,17; 14,12), überaus dringlich, weil heilsnotwendig.

    Die Bibel: Herder-Übersetzung mit Kommentar und Erläuterungen

    Das Buch des Sehers Johannes soll in der gottesdienstlichen Versammlung vorgelesen und so zu Gehör gebracht werden (V. 3). Das, was in Kürze geschehen soll, von dem die angefochtenen Gemeinden wissen müssen, um in ihrer Hoffnung gestärkt und zum Durchhalten im Glauben befähigt zu werden, ist in 3,11; → 22,20 zugesagt: »Ich komme bald«. Zu selig vgl. Ps 1,1–2; Lk 11,28.

    Stuttgarter Erklärungsbibel

    Selig, das gr. makarios steht in der LXX für das hebr. ʾaschrej, übers. „glücklich, gesegnet“, vgl. Ps 1,1. Weissagung, ein Wort Gottes (hier in schriftlicher Form), das mündlich weitergegeben werden soll, und zwar nicht privat oder im Geheimen. Die Zeit ist nahe, gr. kairos, die entscheidende Stunde oder der entscheidende Tag, bezieht sich auf den Anbruch des neuen Zeitalters. Von Anfang an warnt die Schrift davor, dass das Ende dieses Zeitalters und das göttliche Gericht unmittelbar bevorstehen.

    Das Neue Testament – jüdisch erklärt

    Das letzte Buch der Bibel ist das einzige Buch, das für alle, die es lesen, hören und bewahren einen besonderen Segen verheißt. Dies ist die erste und umfassendste der sieben Glückseligpreisungen in diesem Buch (1,3; 14,13; 16,15; 19,9; 20,6; 22,7.14). Die nachfolgenden Seligpreisungen gelten den Heiligen der Drangsalszeit (14,13; 16,15; 19,9), des Millenniums (20,6) oder des ewigen Zustandes (22,7.14), die erste aber gilt den Heiligen des gegenwärtigen Zeitalters. W. Lincoln schreibt hiezu: »Es hat dem Heiligen Geist gefallen, das ganze Buch der Offenbarung mit einer besonderen Verheißung des Segens für den, »der hört und bewahrt«, einzuleiten und abzuschließen (1,3; 22,7).« Auf die Einzahl »der da liest« folgt die Mehrzahl »die da hören«, weil im Altertum in der öffentlichen Versammlung einer vorlas und die übrigen zuhörten. Das war die Praxis in der Synagoge (Luk 4,16; Apg 13,14.15; 15,21) und auch in den Gemeinden (1.Tim 4,13). Auch wenn wir heute alle unsere eigene Bibel besitzen und jeder für sich lesen kann, wäre das Vorlesen eine nützliche Gewohnheit.
    »Die da hören… und bewahren« sind die gleichen Leute; denn Hören fordert auch den entsprechenden Gehorsam. Johannes muss an die Worte des Herrn aus den Abschiedsreden gedacht haben: »Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt« (Joh 14,21). Die auf das Hebräische zurückgehende Wendung, Gebote zu halten, bedeutet, sie auszuführen (1.Joh 5,2).
    »Alles was er sah« vom V. 2 wurde durch Johannes zu dem »was geschrieben ist«. Damit ist das nunmehr abgeschlossene Buch gemeint, das der Leser vor Augen hat. Rienecker sagt zum Gebrauch des Perfekt, es betone den Zustand einer Sache und daher auch die Gültigkeit einer gesetzlichen Urkunde. Das Buch trägt den Stempel göttlicher Autorität, und der Heilige, der sich ihren Wahrheiten beugt, wird gesegnet werden. Satan hat ein besonderes Interesse daran, uns am Lesen und am Verstehen des Buches zu hindern.
    Der letzte Satz im Vers nennt uns den Grund, warum das Buch einen besonderen Segen verheißen kann: Die Zeit, von der es spricht, ist nahe. Nahe heißt, dass die hier geschriebenen Geschehnisse ohne weitere Vorwarnung jederzeit eintreten können. Das Wort »Zeit«, kairos, bezeichnet den Zeitpunkt, die durch besondere Bedingungen gekennzeichnete Epoche, dies im Gegensatz zu chronos, welches die Zeit im weitesten Sinn bezeichnet. Thayer sagt: » ho kairos bezeichnet die Zeit der Krisis, die besondere Epoche, auf die man gewartet hat« undverweist auf Mk 13,33; Lk 21,8; Off 1,3; 22,10. Bauer sagt zur Bedeutung dieses Wortes: »ein Hauptausdruck der Eschatologie die Endzeit«. Alle Weissagungen bis zum Kreuz, zum Tod, zur Grablegung, zur Auferstehung und zur Erhöhung des Herrn sind schon erfüllt. Die nächste Weissagung, die erfüllt werden muss, ist die Entrückung der Gemeinde, die unmittelbar bevorstehend ist (d. h., es muss nicht zuerst ein prophetisches Geschehen erfüllt werden). Die Entrückung schafft also den endzeitlichen Ereignissen auf der Erde Bahn. Wenn wir das Zeugnis dieses Buches wirklich annehmen, dann richten wir unser Leben entsprechend aus, und dann werden wir gesegnet werden. Der Ausdruck »nahe«, engys, kann räumliche oder zeitliche Nähe bezeichnen (Mk 13,28-29; Joh 6,4). Oft geht es um endzeitliche Nähe wie in Lk 21,31; Phil 4,5; Off 22,10. Die Jahrhunderte, die seit der Niederschrift des Buches verflossen sind, ändern nichts an der Tatsache, dass das Kommen des Herrn nahe ist.
    Die Zeit ist »nahe«, das heißt, das Kommen des Herrn ist jederzeit möglich. Es heißt nicht, die Ereignisse müssen sofort, ohne Verzug eintreten. Wäre das der Fall gewesen, wären sich die Heiligen betrogen vorgekommen, da der Herr nach Jahrzehnten und Jahrhunderten noch nicht gekommen war. Die Hoffnung, dass das Kommen des Herrn nahe ist, hat die Heiligen seit Pfingsten getragen; denn es ist uns nicht gesagt worden, dass irgend welche in der Schrift angekündigten Ereignisse eintreten müssten, bevor der Herr die Gemeinde zu sich holt. Gott, der alles in der Hand hat (Apg 1,7), hätte es so einrichten können, dass die Wiederkunft des Retters jederzeit hätte eintreten können. Das Perfekt, das Jakobus in Jak 5,8 verwendet (engiken) , läßt sich buchstäblich so übersetzen: »Das Kommen des Herrn ist nahe gekommen« (wie es in der Unrevidierten Elberfelder der Fall ist). Das zeigt, dass mit der Erfüllung von der Menschwerdung, Kreuzigung, Auferstehung und Erhöhung des Herrn das nächste Ereignis im prophetischen Fahrplan Sein Kommen sein muss. Es muss nicht sofort geschehen, aber es ist nahe, d. h., jederzeit möglich. Die Gläubigen aller Jahrhunderte haben sich auf Sein Kommen gefreut. Diese Überzeugung muss aber im Leben des Christen zu sittlicher Reinigung führen (1.Joh 3,3). Das war Gottes Absicht. Die falschen Deutungen der Bibel haben aber vielen Gläubigen die Freude und den Ansporn von der beständigen Naherwartung geraubt.

    Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

    Vers 3 enthält eine Verpflichtung an die fünfte Person der Offenbarungsübermittlung, den Glaubenden, und gibt ihm gleichzeitig auch eine Verheißung. Die Verpflichtung besagt, daß der Glaubende dieses Buch sorgfältig studieren soll. Die Verheißung spricht von einem Segen. Hier haben wir das einzige Buch der Bibel vor uns, das denen einen Segen verspricht, die es studieren. Es gibt viele Segensverheißungen Gottes, an die keine Bedingung geknüpft ist, und der Glaubende hat schon dadurch einen Anspruch auf sie, weil er eine Bedingung Glaubender ist. Aber andere Segenszusagen Gottes sind an Bedingungen gebunden. Das Studium der Prophetie verleiht dem Leser eine Liebe und ein Verlangen nach der Wiederkunft Christi. Den Glaubenden, die Christus lieben und nach seiner Wiederkunft ausschauen, wird eine besondere Krone verheißen, über die wir später noch sprechen werden. Aber Glaubende berauben sich oft bestimmter Segnungen Gottes, weil sie die Bedingungen, die Gott daran geknüpft hat, nicht ernst genug nehmen. Die Verheißung, die an das Lesen der Offenbarung geknüpft ist, gehört zu denen, die mit einer Bedingung verbunden sind. Wir könnten es so ausdrücken, daß Verheißungen göttlichen Segens an das Studium von Gottes Wort gebunden sind, jedoch ein einzigartiger Segen durch das Lesen und Studieren dieses besonderen Buches erfahren werden soll. Die Segenszusage gilt nicht nur denen, die die Worte der Offenbarung lesen und hören, sondern auch denen, die bewahren, was darin geschrieben steht. Wenn der Glaubende gelesen und auf das gehört hat, was die Offenbarung lehrt, sollte er auch wach sein für das, was kommen soll, und aufmerksam mit der Erfüllung all dessen rechnen. Die gleiche Ermahnung zu wachen gab Christus auch am Ölberg in Matthäus 24, 42-44 und 25,13.

    Arnold Fruchtenbaum – Handbuch der biblischen Prophetie

    nur ein Haupt – II

    sondern die Wahrheit redend, laßt uns in allen Dingen durch Liebe in den hineinwachsen, der das Haupt ist, Christus.
    neue Welt Übersetzung – Bi12 – Epheser 4:15

    Lasst uns in Liebe die Wahrheit an die vorderste Stelle setzen, und uns in allen Lebensbereichen weiterentwickeln, hin zu ihm, der das wahre Haupt ist, dem Messias.
    Roland Werner – Das Buch – Epheser 4,15

    Lass uns am besten immer bei der Wahrheit bleiben und uns durch die Liebe immer mehr an Jesus orientieren. Er ist ja schließlich der Kopf von unserer Gemeinschaft.
    VolxBibel – Epheser 4,15

    Da wir den Vers schon einmal hatten, heute ein paar Erweiterungen:

    Lasset uns aber die Wahrheit treiben in d. h. verbunden mit der Liebe. Niemand soll eben bloß an sich denken, sondern soll mit dem Eifer um die Wahrheit auch den Trieb verbinden, sich anderen mitzuteilen, damit der Nutzen der Allgemeinheit zugutekomme. Freilich soll die Rücksicht auf menschliche Freundschaft nur so weit reichen, dass die Wahrheit darunter nicht leidet. Sollen wir nun in unserem Wahrheitsstreben wachsen, so bewegt sich dieser Gedanke noch in der Linie dessen, was wir kurz zuvor hörten: erreichen wir auch das volle Mannesalter noch nicht, so gilt es doch, über die Stufe einer unbewussten und urteilslosen Kindheit hinauszuwachsen. So viel Festigkeit muss Gottes Wahrheit ins uns gewinnen, dass kein Angriff Satans uns aus der Bahn werfen kann. Fehlt dann noch das Vollmaß der rechten Kraft, so werden wir doch bis zum letzten Atemzuge vorwärtsdringen. Als Ziel dieses Fortschritts wird hingestellt, dass wir wachsen an dem, der das Haupt ist, Christus. Denn nur in seiner Gemeinschaft können wir stark und groß werden. Jeder Christ hat sich unter dies Haupt zu beugen und so in den Leib einzufügen. Christus allein muss wachsen, und alle anderen müssen abnehmen: so wird die Gemeinde wohl geordnet dastehen. Jeder Fortschritt soll sich in der Schranke halten, dass wir nur immer mehr das Haupt groß machen und ihm dienen wollen.

    Jean Calvin – Der Brief an die Epheser

    Schließlich kommt Paulus zum endgültigen Ziel – oder vielleichtbesser Ergebnis (hina) – der Ausrüstung der Heiligen zum Dienst am Herrn und am Nächsten durch die Träger der Gnadengaben. Negativ formuliert sollen die Gläubigen sich danach nicht mehr wie unmündige Kinder verhalten, die leicht zu beeinflussen und zu verwirren sind, und sich nicht von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen (vgl. Lk 8,24; Jak 1,6) durch trügerisches Spiel (kybeia, wörtlich: „Würfelspiel“) der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen (panourgia; vgl. auch Lk 20,23; 1Kor 3,19; 2Kor 4,2;11,3 ). Die falschen Lehrer verunsichern die Menschen in bezug auf die Wahrheit, um sie dazu zu bringen, an ihre Irrtümer zu glauben. Im Gegensatz dazu (de, aber) formuliert Paulus positiv, daß die Gläubigen durch die Wahrheit und Liebe (wörtlich: wahrhaftig sein in der Liebe) wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. Christus ist also die Quelle des Wachstums der Gläubigen und gleichzeitig Ende und Ziel dieses Wachstums (vgl. V. 13). Vom Haupt (vgl. Eph 1,22;5,23; Kol 1,18) erhält der ganze Leib die Fähigkeit zu Wachstum und Tätigkeit (Eph 4,16). Seine einzelnen Glieder werden sorgfältig zusammengefügt (2, 21), so daß ein Glied am andern hängt, … wodurch jedes Glied das andere unterstützt (vgl. Kol 2,19) nach (kata mit Akkusativ) dem Maß (metrO, von metron) seiner Kraft. So wächst der Leib Christi (vgl. Eph 4,15) und baut sich selbst (vgl. V. 12) auf in der Liebe. Die Wendung „in der Liebe“ findet sich dreimal in diesem Abschnitt (V. 2.15-16); sie weist auf den Weg hin, auf dem die Einheit erreicht wird. Bezeichnenderweise taucht auch der Begriff „Maß“ (metron) dreimal in diesem Zusammenhang auf (V. 7.13.16). Jeder Gläubige soll durch die Gnade Gottes im Leib Christi dienen nach dem Maß der Gabe, die Christus ihm gegeben hat (V. 7). Wenn das jeder tut, dann wächst die Kirche (V. 16) und wird schließlich immer stärker zum Ebenbild Christi (V. 13). Wenn man jedoch seine eigene Gabe oder die anderer unterdrückt, verkümmert das Wachstum.
    Die Bewahrung der Einheit liegt in den Händen derjenigen, die Gott mit Gnadengaben ausgestattet hat (V. 7-16). Innerhalb dieser Einheit finden sich nichtsdestoweniger viele verschiedene Aufgaben. Paulus stellt das Wachstum des ganzen Leibes in den Mittelpunkt, nicht das einzelner Glieder.

    Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

    In seiner Belehrung wird er von Wahrheit und Liebe Gebrauch machen. Das sind die richtigen Mittel, durch die wir zu Christus hin heranwachsen. Der Vers beginnt mit „sondern“ und bildet daher einen Gegensatz zu dem Vorhergehenden. Wahrheit steht gegenüber Betrug und Irrtum, und Liebe steht gegenüber Verschlagenheit. Sowohl Wahrheit als auch Liebe sind nötig, um gesund wachsen zu können. Wahrheit ohne Liebe ist kalt und führt zu Fanatismus. Liebe ohne Wahrheit ist schwach und führt zu fleischlicher Toleranz. „Die Wahrheit festhalten“ bedeutet, dass du als Glied des Leibes in deinem ganzen Auftreten wahrhaftig bist. Du lebst aus der Wahrheit, und du lebst die Wahrheit aus. Du tust das in einem Geist der Liebe. Die Liebe ist sozusagen der Duft eines guten Parfüms, der dich umgibt.

    Das war an Christus vollkommen zu sehen. Alles, was Er sagte und tat, war wahrhaftig und in Liebe eingebettet. Eine Folge davon ist, dass das, was nicht in der Gesinnung Christi gesagt wird, nicht wirklich wahr ist, es kommt dann aus dem Fleisch hervor. Jemand „die Wahrheit um die Ohren zu schlagen“, ist nicht „die Wahrheit festhalten in Liebe“. Ich fürchte, dass ich nicht der Einzige bin, der mit Scham bekennen muss, Dinge gesagt zu haben, die an sich zwar wahr waren, aber die nicht mit dem Duft der Liebe umgeben waren. Wahrheit ist nur das, was auch in Liebe festgehalten wird.

    Das Gegenteil ist auch wahr: Nur die Liebe ist wahre Liebe, die in Übereinstimmung mit der Wahrheit ist. Wenn du nur lieb tust und niemals über falsche Dinge sprichst, bist du nicht wahrhaftig in der Liebe. Dann ist Liebe Heuchelei, so tun als ob. Echte Liebe wird den anderen auf das Verkehrte hinweisen, denn das richtet Schaden an. Wenn du jemand darauf hinweist, beweist du damit, dass du ihn liebst, denn dadurch kannst du Schaden abwenden oder begrenzen.

    Was individuell gilt, gilt auch für die Gemeinde als Ganzes, und darum geht es hier in erster Linie. Eine Gemeinschaft, die die Wahrheit in Liebe festhält, ist nicht schnell von jedem Wind der Lehre hin und her zu werfen. Das ist eine Gemeinschaft von Menschen, wo jeder Gläubige seine eigene feste und unverbrüchliche Beziehung zu Christus hat, dem Haupt des Leibes. Zusammen wachsen sie in allem heran zu Ihm hin. Alle Aspekte ihres gemeinschaftlichen Lebens werden immer mehr von den Kennzeichen des Hauptes durchzogen. Wie gesagt, Wahrheit und Liebe sind die Kennzeichen Christi. Wenn diese bei seinen Gliedern gefunden werden, hat das zur Folge, dass sie Ihm ähnlich werden, zu Ihm hin heranwachsen.

    Ger de Koning – Der Brief an die Epheser – Eine Erklärung des Briefes von Paulus speziell für dich

    Als Gegensatz zum skrupellosen Betrug von V. 14 hebt der Apostel die Notwendigkeit hervor, »die Wahrheit festzuhalten in Liebe«. Das würde nicht nur der Verführung vorbeugen, sondern auch geistliches Wachstum fördern. »Die Wahrheit festhalten« ist ein Wort (aletheùo, Wahrheit tun, wahr sein, von alètheia, Wahrheit). Die Aufforderung ist nicht lediglich, die Wahrheit zu reden, sondern sie zu erkennen, an ihr festzuhalten und sie auszuleben. Das Festhalten oder Reden muß »in Liebe« geschehen. Wahrheit ohne Liebe gebiert Gesetzlichkeit; Liebe ohne Wahrheit Zuchtlosigkeit. Zu Ihm »heranwachsen in allem« bedeutet, Seine Gedanken immer besser verstehen und verwirklichen und Ihm, der das Haupt des Leibes ist, immer ähnlicher werden.

    Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

    Aber was, wenn ich meine Ehe in dem Wissen begonnen habe, dass mein Partner mein geistlicher Weggefährte auf der Reise in die neue Schöpfung ist? Was, wenn ich von der Ehe erwarte, dass sie uns beiden hilft, aus unseren Sünden und Macken herauszuwachsen, hinein in das neue Ich, das Gott in uns schaffen will? Dann habe ich die Phasen der „Entfremdung“ von vornherein erwartet, und wenn sie da sind, heißt es: Die Ärmel hochgekrempelt und ran an die Arbeit!
    Was sind die „Werkzeuge“ für diese Arbeit? Wie können wir einander geistliche Freunde werden, die sich auf der Reise zu ihrem neuen Ich begleiten? Wie können wir einander so lieben, dass unsere Ehe immer stärker wird, anstatt sich in kleinlichen Streitereien festzufahren, die in verbissenem Schweigen enden? Die Antwort: Wir müssen die Wahrheit sagen, und dies in Liebe und mit der Kraft der Gnade Gottes.

    Lasst uns aber die Wahrheit reden in Liebe und in allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus. (Epheser 4,15, ELB)

    Dieser Satz klingt beim ersten Hören nach einer Platitude. Aber fangen wir an, ihn zu analysieren. Als von Gott eingesetzte Institution birgt die Ehe eine dreifache Kraft, die wir annehmen und nutzen müssen: die Kraft der Wahrheit, die Kraft der Liebe und die Kraft der Gnade. In dem Maße, wie wir diese drei Dinge im Leben unseres Ehepartners einsetzen, werden wir ihm oder ihr helfen, zu einem Menschen zu werden, der nicht nur das Wesen Christi widerspiegelt, sondern der uns auf die gleiche Weise lieben und helfen kann. Diese drei Kräfte der Ehe wirken in uns am besten in jenen Zeiten, wo es uns schwerfällt, diesen Halbfremden, mit dem wir verheiratet sind, zu lieben.

    Timothy und Kathy Keller – Ehe – Gottes Idee für das größte Versprechen des Lebens

    Krankheit Hiobs

    Mein Fleisch ist bekleidet mit Gewürm und Erdkrusten, meine Haut zieht sich zusammen und eitert.
    Elberfelder 1871 – Ijob 7,5

    Meinen Leib bekleiden Made und Kruste, meine Haut wird steif und eitert.
    Die Philippson-Bibel – Hiob 7:5

    Wir gehen ja heute meist zum Arzt, wenn wir Schmerzen haben. Doch bei Hiob erfahren wir nichts von Medizin sondern nur davon, dass Hiob sich auf Gott beruft und von dort Hilfe erwartet…

    Vielleicht besteht Hiobs Leiden aus mehreren Krankheiten. Doch es sind an seiner ganzen Haut abstoßende Symptome aufgetreten, dem größten und empfindlichsten Organ des Körpers.

    Reformations-Studien-Bibel

    Die körperlichen Symptome von Hiobs Krankheit werden immer schrecklicher. Diese Beschreibung – „Mein Körper ist mit Würmern und Schorf bedeckt, meine Haut ist zerrissen und eitert“ – ist anschaulich, aber nur ein Teil einer sich entfaltenden Beschreibung von Hiobs körperlichen Schmerzen. Er hat „schmerzhafte Wunden von seinen Fußsohlen bis zu seinem Scheitel“ (2,7). Diese verursachen Juckreiz, so dass Hiob sich mit einer „zerbrochenen Tonscherbe“ kratzt (2,8). Sein Aussehen ist entstellt (2,12). Sein Gesicht ist „rot vom Weinen, dunkle Schatten umringen meine Augen“ (16,16). Sein Atem ist widerlich (19:17); er verliert viel Gewicht: „Ich bin nur noch Haut und Knochen“ (19:20). Seine Knochen schmerzen sehr (30:17), und seine Haut „wird schwarz und schält sich“ (30:30). Er hat hohes Fieber (30,30).
    All diese körperlichen Beschwerden sind nur ein kleiner Teil von Hiobs Gesamtschmerz. Anhand dieser Beschreibungen seines körperlichen Zustands können wir die Abwärtsspirale seiner Gefühle erkennen, während er versucht, sein persönliches körperliches Leiden und dessen Beziehung zu seinem Glauben zu verstehen.

    Wie wirken sich körperliche Gebrechen auf das geistige und/oder emotionale Wohlbefinden aus? Wie können wir uns in unserer Seelsorge der Realität körperlicher Schmerzen bewusst werden?

    NIV Bible Speaks Today

    dessen Herrschaft keinem anderen Volke überlassen werden wird

    Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, welches ewiglich nicht zerstört, und dessen Herrschaft keinem anderen Volke überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber ewiglich bestehen:
    Elberfelder 1871 – Daniel 2,44

    Aber in den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht untergehen wird; und sein Reich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird alle jene Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende machen; es selbst aber wird in Ewigkeit bestehen;
    Schlachter – Daniel 2:44

    Aber in den Tagen der Herrschaft dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich errichten, das für alle Ewigkeit Bestand hat. Kein anderes Volk wird je die Gewalt über dieses Reich an sich reißen können. Es wird alle jene Königreiche zerschmettern und vernichten, selbst aber für immer bestehen bleiben,
    Neues Leben 2006 – Daniel 2,44

    Nach diesen Erläuterungen kam Daniel auf die Zerstörung dieser Königreiche zu sprechen. Die Zeit dieser Könige kann sich auf die vier Reiche beziehen, oder, was wahrscheinlicher ist, auf die zehn Zehen (V. 42 ), da die ersten vier Reiche offensichtlich nicht mehr existierten, als die „Zehen“ auftraten (vgl. die Anmerkungen zu den zehn Hörnern des vierten Tieres; Dan 7,24 ). Nebukadnezar hatte einen Felsen gesehen, der das Standbild traf und zerschmetterte ( Dan 2,34 ). Das Standbild wurde nicht von menschlichen Händen zerstört, sondern durch den Felsen. Der Fels bezieht sich in der Bibel oft auf Jesus Christus, den Messias Israels (z. B. Ps 118,22; Jes 8,14; 28,16; 1Pet 2,6-8 ). Gott, der Nebukadnezar auf den Thron gesetzt hatte und die Macht von Babylon zunächst auf Medo-Persien, dann auf Griechenland und schließlich auf Rom übertragen hatte, wird eines Tages die politische Macht auf einen König übertragen, der über die Erde herrschen und so die ursprüngliche Bestimmung des Menschen in seiner Person zusammenfassen wird ( 1Mo 1,27 ).
    In Nebukadnezars Traum wurde aus dem Felsen schließlich ein Berg , der die ganze Erde erfüllte ( Dan 2,35 ). Der Berg ist in der Bibel häufig ein Bild für ein Königreich. Daniel erklärte, daß die vier Königreiche, die über die Welt und das Volk Israel herrschten, nicht durch menschliche Mittel zerstört werden, sondern durch das Kommen des Herrn Jesus, des Felsen. Wenn er kommt, wird er das messianische Königreich aufrichten, das Israel durch David verheißen wurde ( 1Sam 7,16 ). Bei seiner Wiederkunft wird er sich alle Reiche unterwerfen und sie zerstören (vgl. Offb 11,15; 19,11-20 ). Dann wird er für immer im Tausendjährigen Reich und in der Ewigkeit herrschen.
    Menschen, die ein Tausendjähriges Reich leugnen (Amilleniaristen) behaupten, daß dieses Königreich von Christus bei seinem ersten Kommen aufgerichtet worden sei und daß heute die Gemeinde dieses Königreich ist. Sie argumentieren, daß: (a) die Christenheit, wie ein wachsender Berg, immer größer geworden ist und sich immer weiter ausgedehnt hat und noch tut; (b) Christus ja in den Tagen des römischen Reiches gekommen ist; (c) das römische Reich in die Hände von zehn Königreichen gefallen sei (die zehn Zehen) und (d) Christus der Eckstein ist ( Eph 2,20 ).
    Die Vertreter des sogenannten Prämilleniarismus (das Tausendjährige Reich ist noch Zukunft) halten dem entgegen, daß Christus noch nicht auf dieser Erde regiert. Mindestens sechs Dinge sprechen für diese Sicht: (1) Der Stein wird plötzlich, nicht nach und nach, zu einem großen Berg werden. Die Christenheit aber hat nach dem ersten Kommen Jesu „die ganze Welt“ nicht in kurzer Zeit erfüllt ( Dan 2,35 ). (2) Obwohl Christus in den Tagen des römischen Reiches kam, zerstörte er es nicht. (3) Das römische Reich hatte in der Zeit, als Jesus auf dieser Erde war, keine zehn Könige gleichzeitig. Die Statue Nebukadnezars aber weist darauf hin, daß, wenn Jesus kommt, um sein Reich aufzurichten, zehn Herrscher regieren und von ihm zerstört werden. (4) Zwar ist Christus heute der Eckstein der Gemeinde ( Eph 2,20 ) und „ein Stein, der [die Ungläubigen] zum Stolpern bringt“ ( 1Pet 2,8 ), aber er ist noch nicht der Fels, der alles zerschmettert. Dies wird erst geschehen, wenn er wiederkommt. (5) Der Stein (Messias) wird alle Königreiche dieser Welt zerschmettern. Die Gemeinde aber hat die weltlichen Reiche nicht erobert und wird es auch nicht. (6) Die Gemeinde ist kein Königreich mit einem politischen Herrschaftsgebiet, das zukünftige Tausendjährige Reich aber wird es sein. Der Traum Nebukadnezars lehrt also eindeutig den Prämilleniarismus. Wenn Christus auf diese Erde kommen wird und seine Herrschaft auf ihr errichtet, wird er sich alle Nationen unterwerfen. Die Gemeinde ist nicht dieses Königreich

    Walvoord Bibelkommentar

    Das Ziel der Weltgeschichte kommt in Sicht: das Reich Gottes. »In den Tagen dieser Könige« ist wohl so zu verstehen: zur Zeit der letztgenannten Könige. Das sind die Herrscher während der fünften Epoche, also zur Zeit der Nachfolgestaaten des vierten Reiches (vgl. V.41–43). Der Ausgangspunkt des dann kommenden »Reiches« ist kein irdischer König mehr. Sein Ausgangspunkt ist vielmehr Gott selbst. Er, »der Gott des Himmels« (vgl. die Erklärung bei V. 28!), wird dieses letzte »Reich aufrichten«. Hier gibt es keine fortlaufende Linie ins Gottesreich hinein. Hier gibt es nur eine Neuschöpfung, das »aufrichten«. Außerdem wird eine zweite Eigenart sichtbar: dieses neue Reich »geht in Ewigkeit nicht zugrunde«. Wörtlich heißt es: »auf Ewigkeiten« (griech. eis tous aiōnas, LXX). Es hat also keinen Nachfolger. Die Geschichte als ein Werden und Vergehen hört auf. Damit ist auch die Zeit überflüssig geworden, überboten durch die Ewigkeita. Es gibt keine Gegner mehr, die zu fürchten wären. Die Deutung, die in den beiden Schlußversen 44 und 45 merkwürdigerweise dem Traumbezug vorausgeht, sagt klar: »die Herrschaft (dasselbe Wort wie Königreich) wird keinem anderen Volk mehr überlassen werden«. Daraus geht hervor, daß Gottes Reich allerdings ein »Volk« haben wird – ein Menschen-»volk«! An dieser Stelle zeigt sich noch einmal, daß der Wechsel der Königreiche zugleich ein Wechsel von Völkern war. Damit bestätigt sich unsere Deutung, wonach die Abfolge von Königreichen in V.38–41 keine Abfolge von Herrschern, sondern tatsächlich eine Abfolge von Weltreichen darstellt. Doch welches »Volk« ist nun gemeint? Vom Neuen Testament her gibt es nur eine Antwort: das Volk der Gläubigen, das sowohl Gläubige aus Israel als auch Gläubige aus den Völkern umfaßt. In der Formulierung »überlassen werden« (Luthertext: »kommen«, was weniger präzise ist) klingt an, daß es um einen endgültigen Richterspruch Gottes geht. Das Endreich Gottes »wird alle diese Königreiche zermalmen und ein Ende mit ihnen machen«. »Alle diese Königreiche« sind wieder die am Schluß der irdischen Geschichte noch bestehenden, d.h. konkret mindestens diejenigen der 5. Epoche (V.41 und 43). »Zermalmen« besagt in Verbindung mit dem Bild vom Stein, daß seitens »dieser Königreiche« kein großer Widerstand mehr geleistet werden kann. »Ein Ende mit ihnen machen« drückt aus, daß ihre gottgegebene Frist abläuft. Noch einmal betont Daniel: »Aber es selbst wird ewig bleiben«. Wir denken daran, daß die biblische Prophetie auch in 2Sam 7,13; Jes 9,6; 1Ko 15,28 von dem ewigen Gottesreich spricht.

    Wuppertaler Studienbibel

    Das Bild vermittelt uns eine vierte Wahrheit: Jesus Christus wird wiederkommen, seine Feinde vernichten und sein Reich aufrichten. Der Stein ist in der Heiligen Schrift ein häufiges Bild für Gott und insbesondere für den Messias, Jesus Christus, den Sohn Gottes (Ps. 118,22; Jes. 8,14; 28,16; Mt. 21,44; Apg. 4,11; 1 Kor. 10,4; 1 Petr. 2,4-8). Der Ausdruck „ohne Hände“ wird in der Schrift verwendet, um „nicht durch menschliche Kraft“ zu bedeuten und bezieht sich auf etwas, das nur Gott tun kann (Kol. 2:11; Heb. 9:11, 24). Es scheint, dass das Römische Reich in gewisser Weise bis zum Ende des Zeitalters fortbestehen und in der Herrschaft von zehn Königen gipfeln wird (Dan. 2:44; 7:24-27; Offb. 17:3, 12-18). Die Welt wird vom Bösen befreit werden, nicht durch einen Prozess, sondern durch eine Krise, die verheißene Wiederkunft Jesu Christi. Was auch immer von den vier heidnischen Königreichen übrig bleibt, die von einem Reich zum nächsten übergegangen sind, wird zerstört und in Spreu verwandelt werden. Dann wird Christus sein Reich errichten, das die ganze Erde erfüllen wird.

    Wenn wir diese Wahrheiten bedenken, sollten wir mit freudiger Zuversicht reagieren, weil wir wissen, dass der Herr alles unter Kontrolle hat und eines Tages auf dieser Erde herrschen wird. Das Volk Gottes sollte zwar alles tun, was es kann, um das Leid zu lindern und diese Welt sicherer und glücklicher zu machen, aber unsere Hoffnung liegt nicht in Gesetzen, politischen Bündnissen oder moralischen Kreuzzügen. Unsere Hoffnung ruht auf dem Herrn. Die Herzen der Menschen müssen durch die Gnade Gottes verändert werden, und das bedeutet, dass Gottes Volk bis an die Enden der Erde Zeugnis ablegen muss. Das einzige Reich, das für immer bestehen wird, ist das Reich Christi (Dan 2,44), und die einzigen Menschen, die Bürger dieses Reiches sein werden, sind diejenigen, die ihm vertraut haben und durch den Geist Gottes wiedergeboren wurden (Johannes 3,1-18).

    Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

    Wenn die ersten vier heidnischen Reiche ihren Lauf genommen haben, wird ein fünftes Reich errichtet werden. Wie die Verse 44-45a zeigen, wird dieses Reich ganz anders sein als alle anderen Reiche, die ihm vorausgegangen sind.
    Vers 44 zeigt, dass Gott selbst dieses Reich aufrichten wird: Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das niemals zerstört wird und dessen Herrschaft keinem anderen Volk überlassen wird, sondern das alle diese Königreiche zerbricht und verzehrt und ewig bestehen wird. Der Vers beginnt mit der Formulierung „in den Tagen jener Könige“. Um diese Könige zu identifizieren, muss man die Vorgeschichte der vorherigen Verse betrachten: die zehn Zehen. In den Tagen der zehn Könige, deren Herrschaft durch Uneinigkeit und Schwäche gekennzeichnet sein wird, wird der Gott des Himmels sein eigenes Reich errichten.
    Die Chronologie ist hier wichtig. Wie bereits erwähnt, befindet sich die Welt derzeit in der zweiten Stufe des vierten Reiches . Die Stufe der zehn Teilungen ist noch in der Zukunft. Daher liegt auch dieses von Gott aufgerichtete Reich in der Zukunft. Der amerikanische Theologe Merrill Unger (1909-1980) machte die folgende bemerkenswerte Beobachtung bezüglich des Zeitpunkts dieses Ereignisses:
    Das eiserne Königreich mit seinen Füßen aus Eisen und Ton … wird nach der Zeit der Kirche existieren, wenn Gott wieder mit der Nation Israel handeln wird. Wie sinnlos ist es für konservative Gelehrte, diese Tatsache zu ignorieren und zu versuchen, eine buchstäbliche Erfüllung dieser Prophezeiungen in der Geschichte oder in der Kirche zu finden, wenn sich diese Vorhersagen auf Ereignisse beziehen, die noch in der Zukunft liegen und keinerlei Anwendung auf die Kirche haben.
    Obwohl Unger in dem obigen Zitat nicht zwischen den verschiedenen Stufen des vierten Reiches unterscheidet, macht er einen sehr wichtigen Punkt: So wie die Zehn-Teilungs-Stufe noch in der Zukunft liegt, so liegt auch das Reich, das von Gott selbst aufgerichtet werden wird, in der Zukunft.
    Woods bringt eine weitere wichtige Überlegung zur Sprache, wenn er erklärt, dass
    Es ist bezeichnend, dass alle Reiche, die die verschiedenen Körperteile der bisher untersuchten Statue umfassen, buchstäbliche Reiche sind, die für eine buchstäbliche Zeit existierten, bestimmte Länder mit identifizierbaren Grenzen besetzten und eine Hauptstadt hatten. Dies wirft die Frage auf, warum das letzte Königreich, das durch den von Menschenhand gehauenen Stein dargestellt wird, nicht auch ein buchstäbliches Königreich sein sollte, das für eine buchstäbliche Zeit herrschen wird ( 20:1-10 ), das ein bestimmtes Land mit identifizierbaren Grenzen einnehmen wird (Gen 15:18-21 ) und eine Hauptstadt haben wird (Jes 2:2-3 )? Eine solche Darstellung stellt eine vormillenniale Sicht der Geschichte dar. Der Ausdruck „Millennium “ bedeutet einfach tausend Jahre. Prämillennialis m ist der Glaube, dass das tausendjährige Reich erst dann entstehen wird, wenn Jesus zuerst (oder „vorher“) wiederkommt und dann sein irdisches Reich aufrichtet (vgl. Offb 20,4-6 ).
    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gott selbst das fünfte Königreich während der Zehn-Teilungs-Phase des vierten Königreichs von Daniel aufrichten wird. Da er der Herrscher sein wird, wird das fünfte Reich eine Theokratie sein. Daniel erklärte, dass dieses Reich niemals zerstört werden wird. Gottes Herrschaft wird über alle menschlichen Reiche hinaus bestehen. Außerdem wird die Souveränität dieses Reiches nicht einem anderen Volk überlassen. Diese Aussage ist wichtig. Sie bedeutet, dass das fünfte Reich nicht den Heiden, sondern Israel gehören wird. Mit anderen Worten, mit diesem Reich werden die Zeiten der Heiden zu Ende gehen.
    Daniel schloss den Vers mit der Aussage, dass das fünfte Königreich für immer bestehen würde. Der aramäische Begriff für „ewig“, alam, bedeutet „Ewigkeit“ und „Altertum“. Er entspricht dem hebräischen Begriff olam. Während sich olam auf die unbestimmte Zukunft beziehen kann, kann es sich auch auf die Dauer eines Zeitalters beziehen. Diese Bedeutung ist in Vers 44 zutreffend. Das fünfte Reich wird für die Dauer eines Zeitalters bestehen.
    In Vers 45a bringt Daniel das fünfte Reich mit dem Stein aus dem Traum von Nebukadnezar in Verbindung: Denn du hast gesehen, dass ein Stein ohne Hände aus dem Berg gehauen wurde und dass er das Eisen , das Messing , den Ton , das Silber und das Gold zerbrach. Die Bibel verwendet viele Symbole, aber sie ist konsequent in ihrer Verwendung. In 95 % der Fälle bedeutet ein bestimmtes Symbol in beiden Testamenten das Gleiche. Wenn das Wort „Stein“ symbolisch verwendet wird, bezieht es sich immer auf den Messias. Diese Verwendung findet sich in Passagen wie Psalm 118:22 ; Jesaja 8:14 ; 28:16 ; Sacharja 3:9 ; Matthäus 21:44 ; Apostelgeschichte 4:11 ; 1. Korinther 10:4 ; und 1. Petrus 2:4-8 . Wenn der Begriff „Berg“ symbolisch verwendet wird, bezieht er sich immer auf einen König, ein Königreich oder einen Thron. Ein Beispiel für diese Verwendung ist Jeremia 51:25 .
    Laut Daniel wurde der Stein ohne Hände aus dem Berg gehauen. Diese Beschreibung zeigt den göttlichen Ursprung des Steins. Der Stein ist der Messias. In Vers 34 erwähnt Daniel nur, dass dieser Stein ohne Hände gehauen wurde. Hier fügt er hinzu, dass er aus dem Berg herausgehauen wurde. Zu dieser Formulierung sind mehrere Vorschläge gemacht worden. Walvoord stellt zum Beispiel fest: „Die Beschreibung des Steins, der ‚ohne Hände aus dem Berg gehauen‘ wurde, ist manchmal speziell auf den Berg Zion bezogen worden, aber es ist besser, dies als ein symbolisches Bild der politischen Souveränität zu betrachten.“ Der bekannte Bibelexeget Carl Friedrich Keil (1807-1888) erklärte in seinem Daniel-Kommentar, warum er glaubte, dass sich der Berg auf den Berg Zion bezieht:
    Da ein Stein, damit er ohne die Bewegung der menschlichen Hand rollen kann, von einem Berg gelöst werden muß, kann in der ausdrücklichen Erwähnung des Berges nur ein Hinweis auf den Berg Zion liegen, wo der Gott des Himmels sein Reich gegründet hat, das sich von dort aus über die Erde ausbreiten und alle Weltreiche vernichten wird.
    Von Bedeutung ist nicht unbedingt die Tatsache, dass der Stein als Teil dieses Berges beschrieben wird, sondern dass er ohne Hände herausgeschnitten wurde. Der Schwerpunkt liegt auf dem göttlichen Ursprung. In Vers 35 erklärte Daniel, dass der Stein selbst zu einem großen Berg werden und die ganze Erde ausfüllen würde. Da sich das Wort „Berg“, wenn es symbolisch verwendet wird, immer auf einen König, ein Reich oder einen Thron bezieht, bedeutet dies, dass das fünfte Reich das messianische Reich sein wird. Die Tatsache, dass es das Eisen , das Erz , den Ton , das Silber und das Gold zerbrechen wird, weist darauf hin, dass dieses Reich die Zeiten der Heiden zu Ende bringen wird.
    Es gibt eine Reihe von Unterschieden zwischen dem messianischen Königreich und den vier heidnischen Königreichen :

    Was den Ursprung betrifft, so sind die vier heidnischen Reiche menschlich, aber das Reich Gottes ist göttlich.

    Was die Dauer betrifft, so sind die heidnischen Reiche vorübergehend, aber Gottes Reich ist ewig.

    Was die Macht betrifft, so werden die heidnischen Reiche jeweils von nachfolgenden Reichen überwunden, aber Gottes Reich kann nicht erobert werden.
    Die rabbinische Theologie stimmt mit dieser Auslegung weitgehend überein. Raschi bemerkte: „Das Reich des Heiligen, gepriesen sei Er, das niemals zerstört werden wird, ist das Reich des Messias.“ Rabbi Bahya ben Asher (1255-1340), bekannt als Rabbeinu Bahya, erklärte: „Die ganze Botschaft ist, dass, sobald der Messias kommt, das Königtum nicht mehr für immer von Jehuda weichen wird.“ Der kabbalistische Zohar stellt fest:
    Einige haben sich in dieser Welt durchgesetzt, und alle werden sich bei der Ankunft des Königs Messias durchsetzen, wenn Jisrael „ein Volk im Lande“ sein wird (Hesekiel 37:22 ), ein Volk vor dem Heiligen, gepriesen sei Er. Das ist die Bedeutung des Verses „und ich will sie zu einem Volk im Lande machen“, und sie werden oben und unten herrschen, wie es geschrieben steht: „Und siehe, einer kam wie ein Menschensohn mit den Wolken des Himmels“ (Daniel 7:13 ). Dies ist der König Messias, wie geschrieben steht: „Und in den Tagen dieser Könige wird der Elohim des Himmels ein Königreich aufrichten…“ (Daniel 2:44 ).
    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das fünfte Reich nicht heidnisch, sondern jüdisch sein wird. In den Versen 44-45a werden zwei markante Symbole verwendet, die mit ihrer Verwendung an anderen Stellen übereinstimmen. Wenn das Wort „Stein“ symbolisch verwendet wird, steht es immer für die zweite Person der Dreifaltigkeit: Gott der Sohn, der Herr Jeschua , der Messias Israels. Wenn das Wort „Berg“ symbolisch verwendet wird, bezieht es sich immer auf einen König, ein Königreich oder einen Thron. So wird Gott nach dem vierten heidnischen Reich sein eigenes Reich errichten. Das Reich wird „augenblicklich, auf wundersame Weise und kataklysmisch“ errichtet während der Zehn-Teilungs-Phase (V. 44a), und seine Errichtung beendet die Herrschaft der anderen Reiche (V. 44b). Bei seinem zweiten Kommen wird der Messias, der Stein, der ohne Hände gehauen wurde , das Bild der heidnischen Herrschaft zerstören, bevor er das Reich Gottes aufrichtet .

    Arnold G. Fruchtenbaum – Ariels Bibel Kommentar – Das Buch Daniel