Schlagwort: Jehova

„Wer will es wagen, uns fertigzumachen?“

wer ist, der verdamme? Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auch auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet.
Elberfelder 1871 – Röm 8,34

Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.
Luther 1984 – Röm. 8,34

Wer wollte es wagen, sie zu verurteilen? Keiner, denn Jesus Christus ist für sie gestorben, ja, mehr noch: Er ist vom Tod auferweckt worden und hat seinen Platz an Gottes rechter Seite eingenommen. Dort tritt er jetzt vor Gott für uns ein.
Hoffnung für Alle – Römer 8,34

Wer ist der, der ständig verdammt? Der Messias, der einmal hingerichtet wurde, ist da, um so mehr als Auferweckter, als der Er sich sogar an Gottes rechter Seite befindet und als der Er sich auch dauernd für uns verwendet.
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – Römer 8,34

κατα-κρινῶν Fut. Ptz. -κρίνω V. 3; subst.; τίς ὁ κατακρινῶν wer (ist da), der (uns) verurteilen könnte? (vgl. V. 33). ἀποθανών Aor. Ptz. -θνῄσκω, subst. der, der gestorben ist. μᾶλλον δέ ja vielmehr (B μᾶλλον 3d), mehr noch. ἐγερθείς Aor. Ptz. Pass. ἐγείρω, subst. ἐν-τυγχάνω V. 27.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Dass aber die Verteidiger des freien Willens Christus verleugnen, beweist nicht bloß diese Schriftstelle, sondern auch ihr Leben selbst. Somit haben sie sich Christus nicht mehr zum milden Mittler, sondern zum furchtbaren Richter gemacht, den zu besänftigen sie sich bemühen durch die Fürbitten der Mutter und der Heiligen wie auch durch die vielen erfundenen Werke, gottesdienstlichen Gebräuche, Orden und Gelübde. Mit dem allen bezwecken sie, dass Christus ihnen versöhnt die Gnade verleihe. Sie glauben aber nicht, dass er sie bei Gott vertrete (Röm 8,34) und ihnen durch sein Blut die Gnade erwerbe, ja, Gnade um Gnade, wie es hier heißt. Und wie sie glauben, so haben sie auch. Denn indem sie ihn als den gnädigen Mittler und Erlöser verlassen und sein Blut und seine Gnade für weniger wert halten als das Bemühen und Bestreben des freien Willens, ist Christus ihnen wahrhaft und zurecht ein unerbittlicher Richter.

Luther – Vom unfreien Willen

„Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja Vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns.“

Das Urteil ist gesprochen. Wer will noch verurteilen, nachdem der Richter uns gerecht gesprochen hat? Denn das Urteil ist an einem andern, an unserer Statt, vollzogen worden: an Christus, und er ist gestorben. Ja „noch mehr“: Der Tod hatte gerade nicht das letzte Wort. Jesus ist „auferweckt“, und er tritt jetzt als der lebendige Herr, als unser Fürsprecher, für uns vor Gott ein, er „vertritt uns“, ist unser Anwalt, dem Gott den Ehrenplatz zu seiner „Rechten“ gegeben hat (vgl. Ps 110,1). Jesus ist nicht gegen uns, sondern für uns, so wie Gott selbst für uns ist. In ihrer rettenden Liebe erweist sich das Einssein des Sohnes mit dem Vater. Seine Fürsprache trifft auf die volle Liebe Gottes (vgl. 1Joh 2,1; Heb 7,25; 9,24).

Edition C

Es folgt ein ähnlicher Gedankengang wie 31-32. Wer erhebt Anklage gegen die Auserwählten Gottes? Gott (ist ja) der Gerechtsprechende! Wer (ist) der (sie) Verurteilende? Christus (ist) der (für sie) Gestorbene. Aber dann spitzt Paulus anders zu: Christus ist vielmehr der Auferweckte, der auch da ist zur Rechten Gottes, der auch Fürsprache für uns einlegt! In V. 32 und 34a ist er derjenige, an dem gehandelt wird, in V. 34b dagegen der Handelnde. Die Aussage über Christus leitet Paulus hier mit einem „vielmehr“ ein und entfaltet daraus ein zweifaches „nicht nur, sondern auch“: Er ist nicht nur gestorben, sondern erstens auch auferweckt und zweitens auch als Erhöhter tätig. Dadurch ist der Wert seines Sterbens in gar keiner Weise herabgestuft; das „vielmehr“ besteht darin, dass es sich wirksam in die Gegenwart hinein verlängert. Ein Christus, der nur früher einmal da war und starb, später einmal wiederkommt und dazwischen Pause hat, wäre nicht der biblische Christus. Den urchristlichen Glauben beschäftigte zentral Jesu gegenwärtige Rolle zur Rechten Gottes, dem Platz des Mitregenten. Die Wendung stammt aus Ps 110,1, ein Basisvers für das NT, den es häufiger zitiert als jedes andere Schriftwort. Nach diesem Psalm ist der Herr zu unserer Zeit nach zwei Seiten tätig. Einerseits legt er im Rahmen des Weltgeschehens einen Feind nach dem anderen zu seinen Füßen nieder (1Kor 15,25). Andererseits aber steht er als Priester für seine Gemeinde ein (Heb 4,15-16; 7,25; Joh 14,16.17; 17,9-17; 1Joh 2,1; Jes 53,12: Hi 19,25-29). Von einer Sekunde zur anderen verdankt sie sich diesem seinem Wirken. In keiner Befindlichkeit steht sie vor Gott allein, allein als die, die sie in sich selber ist, sondern immer als die, die sie in Christus ist.

Wuppertaler Studienbibel

Wer wird Auserwählte Gottes verklagen? Gott ist der, der gerecht spricht. {Jesaja 50,8} Wer ist der, der verurteilen wird? Christus Jesus ist der, der starb, mehr noch, der, der auferweckt wurde, der zur Rechten Gottes ist, der uns auch vertritt. {1 Petrus 3,22; 1 Johannes 2,1; Hebräer 9,24}

Unsere Schuld bringt uns nicht das Verderben. Denn Gott hat uns in seiner Gnade für sich erkoren und zu seinem Eigentum ausgesondert und weist uns den Platz der Gerechten an. Christus hat seinen Tod und mehr noch als seinen Tod, seine Auferstehung und Erhöhung für uns vollbracht; als der Verklärte tritt er jetzt für uns ein. Da ist kein Raum mehr für Anklagen, die unsere Sünden ins Licht stellten und ein verdammendes Urteil gegen uns erwirkten. Durch Gottes Rechtfertigung und Jesu Heilandswerk ist unsere Sünde begraben; sie wird nicht mehr wider uns auferstehen.

Die andere Schwierigkeit liegt in der Not des Christenstandes.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Eine dritte Folge der Himmelfahrt des Herrn finden wir in der bekannten Schriftstelle Römer 8,34: „Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auch auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet.“ Welch ein Gedanke! Im Himmel wird von unserem Herrn für uns gebetet! Und das nicht dann und wann, sondern immerwährend! Um dies zu ermöglichen, mußte Er in den Himmel gehen. Hier auf Erden starb Er für uns, droben lebt Er für uns. Wir haben keine Fürbitte durch einen Heiligen nötig, wir haben einen Fürsprecher und Fürbitter in unserem Herrn selbst. Das ist eine der herrlichsten Folgen Seiner Himmelfahrt.
Was bittet Er für uns? Er kennt unsere Schwachheit, weiß um alle unsere Bedürfnisse und sieht jede Gefahr, wenn wir noch nichts davon wissen, und bittet für uns. Er bittet, daß unser Glaube nicht aufhöre. Er bittet, daß wir in der Welt bewahrt werden vor dem Bösen. Ständig sind Seine Hände für uns gehoben, niemals werden sie müde. Was würde aus uns werden, wenn dies von unserem Beten abhinge? Wir haben es nötig, zum Gebet ermahnt zu werden, und vieles vergessen wir in unseren Gebeten. Er aber betet aus der Fülle Seines liebenden Herzens allezeit und für alles. Was das für uns bedeutet, können wir nur schwach verstehen. Wenn wir einmal alle Gefahren hinter uns haben werden und uns im Lichte des Himmels befinden, werden wir erkennen, was die Fürbitte Christi für uns gewesen ist.

Ermunterung und Ermahnung 1969

In Römer 8,31-39 endet der lehrmäßige Teil des Briefs mit einer Reihe von „Wer-Fragen“:
• Frage 1: Wer ist gegen uns? Es gibt tatsächlich Feinde, die gegen uns sind. Doch als Gläubige sollen wir wissen, dass die Feinde uns nicht von Gott trennen können, weil Er für uns ist. Das hat Er bewiesen, als Er seinen Sohn für uns gegeben hat (Röm 8,31.32). Das ist ein festes Fundament, auf dem der Glaube ruht.
• Frage 2: Wer wird gegen uns Anklage erheben? Das tut der Teufel, doch es muss uns nicht beunruhigen. Der Richter erklärt, dass Er keine Schuld an uns findet. Er rechtfertigt uns und das bringt jede Anklage zum Schweigen (Röm 8,33.34).
• Frage 3: Wer ist es, der verdamme? Menschen mögen gegen uns sein und der Teufel mag uns anklagen. Verdammen könnte nur der Richter. Doch solche, die „in Christus“ sind, werden nicht verdammt, weil der gerechte Richter ein solches Urteil niemals aussprechen würde. Gott straft nicht zweimal. Unsere Strafe trug unser Heiland am Kreuz. Unsere Sicherheit liegt in Christus, in dem, was Er getan hat und immer noch tut (Röm 8,34).
• Frage 4: Wer wird uns von der Liebe des Christus scheiden? Nichts (kein Umstand) und niemand (keine Person) wird das je tun können (Röm 8,35-39).

Im Glauben leben 2021

Frage 4: Wer ist es, der verdamme?
Paulus stellt eine vierte Frage und gibt auch sogleich die wunderbare Antwort: «Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auch auferweckt worden, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet» (V. 34).
Es gibt niemand mehr, der uns verdammen könnte. Gott ist für uns. Wir sind seine Auserwählten. Er hat uns gerechtfertigt. Aber nicht nur das. Auch Christus ist für uns. Alles, was Er tat, tat Er für uns. Er ist gestorben, Er ist auferweckt worden, und Er ist jetzt zur Rechten Gottes, um sich dort für uns zu verwenden. Es ist herrlich, sich damit zu beschäftigen, was Christus tat. Darin sehen wir seine Herrlichkeit, und die wird uns gross.
Doch was Paulus uns hier aufs Herz legen möchte ist, dass Er es für uns tat. Es ist die Seite Gottes, dass Er Ihn hingegeben hat. Es ist die Seite des Herrn Jesus, dass Er es selbst tat. Sein Tod gibt uns die Sicherheit, dass unsere Sünden gesühnt sind. Seine Auferweckung gibt uns die Gewissheit, dass Gott sein Werk angenommen hat und wir gerechtfertigt sind. Jetzt ist Er als Sieger von Golgatha zur Rechten Gottes. Aber auch jetzt ist Er noch für uns tätig. Er verwendet sich dort für uns, die wir noch durch eine Welt gehen, die für den Glaubenden eine Wüste ist. Wir haben nicht nur den Heiligen Geist als göttliche Person in uns wohnen, der sich hier von der Erde aus für uns verwendet. Nein, wir kennen auch den Sieger von Golgatha, der zur Rechten Gottes ist und sich dort ebenfalls für uns verwendet. Tag für Tag tut Er diesen Dienst für uns, bis wir das Ziel erreicht haben.

Halte fest 2007

Jehova vergelte

Jehova vergelte dir dein Tun, und voll sei dein Lohn von Jehova, dem Gott Israels, unter dessen Flügeln Zuflucht zu suchen du gekommen bist!
Elberfelder 1871 – Ruth 2,12

Möge Jehova dir dein Thun vergelten, und möge dein Lohn vollkommen seyn von Jehova, dem Gott Israels, unter dessen Fügeln Schutz zu suchen du gekommen bist!
van Ess 1858 – Ruth 2,12

Jehova vergelte dein Tun, und dein Lohn sei vollkommen von Jehova, dem Gott Israels, unter dessen Flügeln du gekommen Schutz zu suchen.
de Wette Bibel – Ruth 2,12

 Jehova soll dich für das, was du getan hast, belohnen. Mögest du einen vollkommenen Lohn von Jehova bekommen, dem Gott Israels, unter dessen Flügeln du Schutz gesucht hast.“
neue Welt Übersetzung – 2018 – Ruth 2,12

Boas betete dafür, daß Gott Rut ihre Güte, die sie ihrer Schwiegermutter erwiesen hatte, vergelten würde. Er unterstrich seine Bitte mit dem Gebet, daß sie einen reichen Lohn von dem Gott erhalten möge, an den sie zum Glauben gekommen war. Er verglich dies mit dem Bild der Zuflucht unter den Flügeln Gottes , also dem Küken, das unter den Flügeln der Henne Schutz sucht (vgl. Ps 17,8; 36,8; 57,2; 61,5; 63,8; 91,4; Mt 23,37 ). Sie vertraute auf Gottes Schutz. Bald sollte Boas selbst das Werkzeug sein, das Gott zur Erfüllung seines Gebetes benutzte.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Eigentlich begann er damit bereits das in die Tat umzusetzen, was er nun für Rut von Jahwe erbat: »Jahwe möge dir dein Tun vergelten.« Dieser Satz bildet mit dem nun folgenden: »Voller Lohn möge dir zukommen von Jahwe« eine Einheit. Beide Sätze sind parallel zueinander aufgebaut und enthalten die gleiche Aussage mit anderen Worten. Dies ist eines der Kennzeichen hebr. Poesie. Nicht die Worte am Ende der Zeilen reimen sich lautmäßig miteinander, sondern die Zeilen bilden eine Art inhaltlichen Reim. Dabei kann der gleiche Gedanke noch einmal mit anderen Worten formuliert werden, die zweite Zeile kann die gegenteilige Aussage der ersten Zeile machen, oder sie greift den Gedanken der ersten Zeile auf und führt ihn fort. Oft finden wir dabei in der Grammatik einen sogenannten »Chiasmus«, d.h. die Wortstellung der beiden Zeilen ist über Kreuz angeordnet. Auch in unserem Fall ist dies so:

Die Worte für »vergelten« und »vollendet« gehen dabei im Hebräischen auf die gleiche Wurzel (schālam) zurück, eine Wurzel, die auch dem Wort für »Frieden« (schālōm) zugrunde liegt. Es geht bei dieser hebr. Wurzel immer darum, dass etwas vollkommen, heil, gesund, erfüllt ist. Deshalb kann von dieser Wurzel die Bedeutung »ein Tun vergelten« ebenso abgeleitet werden wie die Bedeutung »einen Lohn vollenden«.

Boas ahnte sicher nicht, dass Gott ihn selbst dazu benutzen würde, seinen Segenswunsch zu erfüllen und Rut dieses »Heil«, diese »Erfüllung« zu schenken. Aber er war sich sicher, dass Gott es tun würde, denn er wusste, dass Rut durch ihre Entscheidung für Noomi und für Israel auch zugleich eine Entscheidung für Jahwe, den Bundesgott Israels, getroffen hatte. Sie war gekommen mit dem Ziel, unter seinen Flügeln Zuflucht zu suchen. Hier wird ganz deutlich, dass der Höhepunkt des zweiten Kapitels – der Segenswunsch des Boas – auf den Höhepunkt des ersten Kapitels – die Entscheidung Ruts – Bezug nimmt. Sie hatte sich für das Volk Noomis und für ihren Gott entschieden: »Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott« (1,16). Damit hatte sie sich unter den Schutz Jahwes begeben.

Vor allem in den Psalmen wird dieses Bild des Schutzes unter den »Flügeln« Gottes, das Boas hier verwendet, oft benutzt (Ps. 17,8; 36,8; 55,7; 57,2; 63,8; 91,4). Und auch Jesaja sagt, dass Gott Jerusalem beschützen wird wie Vögel, die ihre Kinder mit ihren Flügeln beschützen (Jes. 31,5). Allerdings ist die Voraussetzung für diesen Schutz auch, dass man wie Rut zu Jahwe kommt, um unter seinen Flügeln Zuflucht zu suchen. Jesus greift später diese Formulierung auf, als er über Jerusalem klagt, dass er es oft unter seinen Flügeln sammeln wollte, wie eine Henne ihre Küken, aber Jerusalem wollte nicht (Mt. 23,37). Im Buch Rut finden wir dazu das Gegenstück. Hier ist es eine Heidin, die ihre Hilfe und Zuflucht bei Jahwe, dem Gott Israels, sucht und findet. Es ist sozusagen die Botschaft des gesamten Buches, die in diesem Segenswunsch für Rut ausgedrückt wird: Wer unter Gottes Flügeln Zuflucht sucht, der wird seinen Segen erfahren!

Oft haben Ausleger Parallelen zwischen Rut und Abraham gezogen. Beide haben ihr Vaterhaus, ihre Verwandtschaft und ihr Volk verlassen und sind unter Gottes Schutz in das Land der Verheißung, nach Kanaan gezogen. Rut ist damit ein Stück weit die Erfüllung der Segensverheißung an Abraham, dass in seinem Namen alle Völker der Erde gesegnet werden sollen (1Mo. 12,1–3).

Gow (1992, S. 54f) weist darauf hin, dass der Begriff, der von Boas für das Wort »Lohn« verwendet wird, auch in 1. Mose häufig zu finden ist. So sagt Gott z.B. zu Abram: »Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn« (1Mo. 15,1).

Zusammen mit dem »Lohn« wird Abram auch Schutz zugesagt – im Bild des Schildes. Bei Rut wird für dieselbe Zusage das Bild der Flügel verwendet. Abram klagte darauf hin, dass er keinen Sohn habe. Es ist deutlich, dass der verheißene »Lohn« in einem starken Zusammenhang mit diesem ersehnten und verheißenen Nachkommen steht. Dazu gibt es in 1Mo. noch weitere Parallelen. Als Lea schwanger wurde und einen Sohn bekam, sagte sie, dass er ihr ihren »Lohn« gegeben habe (1Mo. 30,18). Sie nannte dieses Kind daher Issaschar; das ist ein Name, in dem das Wort für »Lohn« ebenfalls enthalten ist. Und auch in Ps. 127,3 wird das Wort für »Lohn« auf Söhne bzw. Kinder bezogen.

Gewiss kann man daraus nicht schließen, dass schon Boas mit seinem Segensspruch für Rut als »Lohn« einen Sohn erbat. Das hebr. Wort hat dafür eine viel zu große Bandbreite und wird zudem außerhalb von 1Mo. gewöhnlich nicht im Sinne von »Sohn« oder »Kind« verwendet. Aber dass Gott diesen Segenswunsch später unter anderem durch ein Kind erfüllt hat, unterstreicht die inhaltliche Parallele, die zwischen Rut und Abraham gesehen werden kann, auch wenn man sie nicht überbewerten sollte.

Wünsch – Edition C Bibelkommentar

Die Verse 11 und 12 berichten von Boas’ Erläuterung: Da antwortete Boas und sagte zu ihr . . . Vers 11 zeigt uns seine Kenntnis: Es ist mir alles genau berichtet worden, was du an deiner Schwiegermutter getan hast nach dem Tod deines Mannes, da du deinen Vater und deine Mutter und das Land deiner Verwandtschaft verlassen hast und zu einem Volk gegangen bist, das du früher nicht kanntest. Obgleich er sie nie zuvor gesehen hatte, hatte er offensichtlich bereits viel von ihr gehört. In Vers 12 segnete er sie in zweifacher Hinsicht. Erstens möge Jehova . . . dir dein Tun vergelten, d.h. Jehova selbst möchte sie für ihre Treue belohnen. Zweitens möge dein Lohn . . . ein voller sein von Jehova, d.h. sie möge von dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, um unter seinen Flügeln Zuflucht zu suchen, belohnt werden. Das Bild ist das einer ihre Flügel schützend über ihre Kücken ausbreitenden Henne; in gleicher Weise wird sie Gottes Schutz anbefohlen. Boas gebraucht ein als Zoomorphismus bekanntes Stilmittel, das Gott mit bestimmten Aspekten im Tierreich vergleicht, wie hier das Schutzsuchen unter Gottes Flügeln, so wie sich Kücken unter den Flügeln der Henne in Sicherheit wissen. Ironischerweise zeigt sich, dass Boas um den Schutz und die Hilfe Gottes für Ruth bat – nichtsahnend, dass er selbst die Antwort auf sein Gebet werden würde.

Arnold Fruchtenbaum – Das Buch Ruth

„ich danke dir …“

Herr, ich danke dir dafür, 
  dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! 
  Großartig ist alles, was du geschaffen hast – 
  das erkenne ich! 

Hoffnung für Alle – Ps 139,14

Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin.
Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke.
Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift 2017 – Psalm 139,14

Ich preise dich, weil ich auf Ehrfurcht einflößende Weise wunderbar gemacht bin.
Deine Werke sind wunderbar,
das weiß ich nur zu gut.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Psalm 139:14

Das Thema hatten wir schon im November 2020.

Schönes Bild von logos.com – eine Nähmaschine – den da ist Konzentration und Planung wichtig.

Ich preise dich, denn ich bin furchtsam und wunderbar gemacht. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele weiß es wohl.

Die LXX, Syr und Vg. ersetzen „weil du wunderbar bist“ durch „weil ich wunderbar und furchterregend gemacht bin“, vielleicht weil dies eine bessere Parallele zur zweiten Hälfte des Verses bildet.

The Lexham Textual Notes on the Bible

Wann das Leben beginnt
Die Frage, wann das Leben beginnt, ist für jeden, der die Bibel liest, eindeutig zu beantworten. Leben beginnt mit der Zeugung. Doch der Teufel ist listig und deshalb wird die Frage heute häufig anders gestellt. Es heißt: Wann ist ein Mensch eine Person und wann hört er auf, eine Person zu sein? Ist ein ungeborenes Kind nur ein Zellklumpen, mit dem man beliebig verfahren kann? Ist eine alte und schwerkranke Person wirklich noch eine Person? Bereits im Jahr 1973 (!) entschied der Oberste Gerichtshof in den USA in einer Grundsatzentscheidung, dass ein ungeborenes Kind in der Gebärmutter zwar menschlich ist, aber doch keine Person gemäß der Verfassung der USA. Dieser moderne Dualismus (Trennung in Mensch und Person) ist heute Mainstream und führt dazu, dass man Abtreibung legalisiert. Er führt ebenso dazu, dass man aktive Sterbehilfe befürwortet.
Die Bibel ist zu diesem Thema eindeutig: David drückt es in Psalm 139 sehr treffend aus: „Denn du besaßest meine Nieren; du wobst mich im Leib meiner Mutter. Ich preise dich dafür, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele weiß es sehr wohl. Mein Gebein war nicht vor dir verborgen, als ich gemacht wurde im Geheimen, gewirkt wie ein Stickwerk in den untersten Örtern der Erde. Meinen Keim sahen deine Augen, und in dein Buch waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die entworfen wurden, als nicht einer von ihnen war“ (Ps 139,13-16). Allein dieser Text macht schon klar, dass ein ungeborenes Kind aus Gottes Sicht eine Person ist.
Es gibt weitere eindeutige Hinweise, dass Gott uns Menschen bereits im Mutterleib gebildet hat. Durch Jesaja lässt Gott seinem Volk sagen: „So spricht der Herr, dein Erlöser und der dich von Mutterleib an gebildet hat … “ (Jes 44,24). „Und nun spricht der Herr, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat …“ (Jes 49,5).
Hiob spricht vom Sterben im Mutterleib: „Warum starb ich nicht von Mutterleib an, kam aus dem Schoß hervor und verschied?“ (Hiob 3,11). Der Prophet Jeremia klagt: „Weil er mich nicht tötete im Mutterleib, so dass meine Mutter mir zu meinem Grab geworden und ihr Leib ewig schwanger geblieben wäre“ (Jer 20,17). Eindeutiger könnte es nicht dargelegt werden, dass der Tod im Mutterleib aus Gottes Sicht ein „töten“ ist.
Eindrucksvoll sind die prophetischen Worte über unseren Herrn: „Auf dich bin ich geworfen von Mutterschoß an, von meiner Mutter Leib an bist du mein Gott“ (Ps 22,11).

Bleib in mir 04-2020

Komplizierte Optik
Die Linse des menschlichen Auges ist ein weiteres Wunder. Durch die Linse nimmt das Sehzentrum die verschiedenen Formen in seiner Umwelt wahr; das Bild wird auf die Netzhaut projiziert. Das menschliche Auge stellt sich auf die wechselnde Entfernung ein, so ähnlich, wie man eine Kamera einstellt. Die Linse paßt sich der Entfernung an, indem sie ihre Form verändert. Die Kamera muß man mit der Hand einstellen; die Linse des Auges dagegen stellt die Brennweite automatisch auf die wechselnden Entfernungen ein.
Beim menschlichen Auge ist ein weiteres Phänomen interessant: Wenn man durch eine nach außen gewölbte, das heißt konvexe Linse schaut, wie die Linse unseres Auges, steht das Bild auf dem Kopf. Dieses Bild erscheint auf der Netzhaut und wird an das Gehirn weitergeleitet. Unser Gehirn wertet das Bild aber automatisch so aus, daß die Welt nicht auf dem Kopf zu stehen scheint, sondern aufrecht: Ein weiteres Beispiel, das uns zeigt, wie wunderbar der menschliche Körper funktioniert.
Wenn wir die technischen Meisterwerke des menschlichen Körpers kurz betrachten, erkennen wir darin die Weisheit des großen Schöpfers, der den Menschen gemacht hat. Wer ehrlich und verständig ist, wird wirklich veranlaßt, wie der Psalmist vor langer Zeit zu sagen: „Ich preise dich darüber, daß ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin.“ — Psalm 139:14.

Erwachet! 22. Juni 1970

Unsere Lunge ist wunderbar gemacht

● David, König von Israel und ein berühmter Musiker und Dichter, besang Jehova einmal mit den Worten: „Ich preise dich darüber, daß ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin.“ (Psalm 139:14) Wallace O. Fenn, Professor der Physiologie, bezeugte die Wahrheit dieser Worte, als er über die wunderbare Beschaffenheit der Lunge folgendes schrieb: „Das Atmungsorgan gehört zu den vielen Wundern des menschlichen Körpers. Die Atemfläche der Lunge ist mindestens so groß wie die Hälfte eines Tennisplatzes. Die dünne Wand der Lungenbläschen, durch die der Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxyd zwischen Blut und Luft vor sich geht, ist so fein und zart, daß keine vom Menschen gebaute künstliche Lunge ihre Leistungsfähigkeit erreicht. Die Anstrengung, die erforderlich ist, um die Luft in der Lunge zu erneuern, ist gering; die Energie dafür können zwei Stuck Zucker täglich oder etwas, was ihnen entspricht, liefern . . .
Das Atmungsorgan ist ein erstaunlich gut angepaßtes Gebilde und gibt jedem denkenden Menschen Anlaß, über die Prozesse ehrfürchtig zu staunen, durch die es entstanden ist: ,So erstaunlich sind wir gebildet, so furchteinflößend und wunderbar sind wir gemacht!‘ “

Erwachet! 8.September 1971

„meiden“ oder „befreiende Vergebung“

Und ich danke (Eig bin dankbar) Christo Jesu, unserem Herrn, der mir Kraft verliehen, daß er mich treu erachtet hat, indem er den in den Dienst stellte, der zuvor ein Lästerer und Verfolger und Gewalttäter war; aber mir ist Barmherzigkeit zuteil geworden, weil ich es unwissend im Unglauben tat. Über die Maßen aber ist die Gnade unseres Herrn überströmend geworden mit Glauben und Liebe, die in Christo Jesu sind. (O. ist) Das Wort ist gewiß (O. zuverlassig, treu; so auch Kap 3,1;4,9 usw.) und aller Annahme wert, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu erretten, von welchen ich der erste bin.
Elberfelder 1871 – 1 Tim 1,12–15

Ich bin voll Dank gegenüber Jesus Christus, unserem Herrn, der mir für meinen Auftrag die Kraft gegeben hat. Denn er hat mich für vertrauenswürdig erachtet und in seinen Dienst genommen, obwohl ich ihn doch früher beschimpft, verfolgt und verhöhnt habe. Aber er hat mit mir Erbarmen gehabt, weil ich nicht wusste, was ich tat. Ich kannte ihn ja noch nicht. Er, unser Herr, hat mir seine Gnade im Überfluss geschenkt und mit ihr den Glauben und die Liebe, die aus der Verbindung mit ihm erwachsen.
Es ist ein wahres Wort und verdient volles Vertrauen: Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten. Unter ihnen bin ich selbst der Schlimmste.
Gute Nachricht Bibel – 1.Timotheus 1,12–15

Ja, Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten. Auf dieses Wort ist Verlass; es ist eine Botschaft, die vollstes Vertrauen verdient. Und einen größeren Sünder als mich gibt es nicht!
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Tim. 1,15

Ihr könnt euch hundertprozentig darauf verlassen, dass Jesus Christus zu uns in die Welt gekommen ist, um Menschen zu retten, die ohne Gott leben! Ich bin da das beste Beispiel für.
VolxBibel – 1.Tim 1:15

Darum geht es in Vers 15 und 16, die das Herzstück dieses Abschnitts sind. Paulus war der schlimmste Sünder, sozusagen der „Chef-Sünder“. Im Rückblick sieht sich Paulus in dieser Rolle! Nicht, dass er das damals wusste: Er glaubte, Gottes Willen zu tun. Aufrichtigkeit ist aber nicht genug. Er sieht nun ein, dass seine zornigen Worte gegen die frühen Christen Blasphemie waren, eine Verleumdung der Menschen, die Jesus folgten, und dass seine zornigen Taten, die er dabei begangen hatte, genau die Verfolgungen waren, die Gottes Volk schon immer zu ertragen hatte. Er tat Gottes Volk genau das an, was die verderbten Heiden in der Vergangenheit Israel angetan hatten. Die Tatsache, dass er glaubte, Israel gegen Ketzerei zu verteidigen, machte es nur noch schlimmer. Dieser Mann war er gewesen. Die Christen, die sich vor seinen Gewaltattacken schützen mussten, werden ihn mit Sicherheit als jemanden angesehen haben, der außerhalb der Reichweite der Barmherzigkeit Gottes lebte.
Aber niemand befindet sich außerhalb des Reichweite der Liebe. Paulus fügt eine interessante Bemerkung an, ähnlich der über seine jüdischen Mitbürger im 10. Kapitel des Römerbriefs (Verse 2 und 3): Er handelte „unwissend; in Unglauben“. Wie Jesus betete, Gott möge den römischen Soldaten vergeben, die ihn ans Kreuz nagelten, weil sie nicht wussten, was sie taten (Lukas 23,34), so blickt Paulus zurück und erkennt, dass er keine Ahnung hatte, was er wirklich tat. Zweifellos würde er dasselbe über andere in der gleichen Situation sagen. Und Gott liebt es, gerade solchen Menschen zu zeigen, wie geduldig und nachsichtig er ist (Vers 16). So wird Paulus zum Muster, zum Modell für die Art und Weise, auf die Gott seine Liebe auch den unglaublichsten Menschen zeigt und sie zum Glauben bringt. Und, wie immer bei Paulus, wird der Glaube zum Schlüssel zur Mitgliedschaft im „kommenden Zeitalter“, dem neuen Zeitalter, nach dem sich die Juden sehnten. Paulus hatte ursprünglich geglaubt, der gotteslästerliche Unsinn der christlichen Botschaft könnte den Tag hinausschieben, an dem Gottes neues Zeitalter für Israel und die Welt anbrechen sollte. Jetzt weiß er, dass diese Botschaft in Wahrheit dieses neue Zeitalter beschreibt, das mit Jesus angebrochen ist und sein Licht nun auf alle Völker überträgt.
Paulus ist einer der wichtigsten Träger dieses Lichtes geworden. Er spürt nun, wie in ihm die Kraft wächst für alle Aufgaben, die Gott ihm aufgetragen hat, und er weiß: All das kommt allein von Jesus, dem König (Vers 12). Darüber hinaus weiß er, dass dies ein Zeichen dafür ist, dass Gott ihn als vertrauenswürdig ansieht. In einer Welt der Verdächtigungen, Lügen und Gegen-Lügen ist Gottes Projekt zur Rettung der Welt auf Vertrauen aufgebaut. Das scheint unglaublich riskant: Kann es ein, dass Gott schwachen, fehlerhaften Menschen vertraut? Aber auch das ist Teil des seltsamen Weges Gottes, des Weges der Liebe. Und wegen dieses Anfangsvertrauens ist dieser Paulus nun wiederum in der Lage, anderen zu vertrauen, ihm bei seiner Arbeit zu helfen. Das ist ein Teil dessen, worum es in den Pastoralbriefen geht.
Wie so oft beschreibt dieser Abschnitt, in dem sich alles um Paulus zu drehen scheint, in Wirklichkeit Gott und seine Gnade und Liebe. So ist es auch angemessen, dass Paulus mit einer Lobeshymne auf den einen wahren Gott endet. Sie ist berühmt geworden in der großen Hymne von W. Chalmers Smith (1824–1908) „Immortal, invisible, God only wise“ („Unsterblich, unsichtbar, Gott allein der Weise“). Wenn Ihre Gedanken sich fokussieren auf den Lobpreis des einen und wahren Gottes, dann sind Sie sicher, dass Er Ihnen vertraut und Sie mit dem Rüstzeug für seinen Dienst ausstattet. Das ist einer der Gründe für die zentrale Rolle des Lobpreises in jedem echten christlichen Leben.

Wright – Paulus für heute—Die Pastoralbriefe

Zuverlässig ist das Wort – pistos ho logos, so nur in den 1.Tim 3,1;4,9;2.Tim 2,11;Tit 3,8; pistos (Glaube) ist ein Grundwort der Past, das 17mal vorkommt.- . Diese Formel führt nicht ein Schriftzitat an, sondern weist auf eine vorgeprägte Aussage der Urchristenheit, wahrscheinlich auf liturgische Wendungen aus dem Gottesdienst. „Das Wort“ kann aber auch die Zusammenfassung des Evangeliums, die Summe der Heilsbotschaft bezeichnen. Sein Wort ist und bleibt gewiß und deshalb aller Annahme wert – nur noch in I 4,9: „alle“, kann auch mit „ganz“ übersetzt werden: das Wort annehmen; seine ganze Einwilligung geben. Vgl. 5,2: in aller Keuschheit. – . Annehmen hat den Sinn von anerkennen, gutheißen, aufnehmen.

Der Messias Jesus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu erretten. Die Aussage erinnert an Lk 19,10: „Der Sohn des Menschen ist gekommen, um das Verlorene (zu suchen und) zu erretten.“ Mit diesem Bekenntnis faßt der Apostel das Herzstück des Evangeliums zusammen, das ist dessen wahrer Inhalt – Vgl. das Lied: „Jesus nimm die Sünder an. Saget doch dies Trostwort allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an“ (E. Neumeister). –
Daß Christus Sünder erlöst, ist frohe Botschaft, nicht Vorwurf, Anklage, Drohung an die Welt; daß Sünder gerettet werden müssen durch Gottes Eingreifen in Christus, ist klarstellende |67| :Bd10/1,67 Botschaft, denn sie zeigt den verlorenen Zustand der Welt an. Der Mensch kann nur durch Gott zu Gott heimfinden. Daran ändern die Jahrtausende nichts. Nicht das Christentum oder von ihm beeinflußte Kulturen, nicht die Kirche oder ihr gesellschaftlicher Einfluß, nicht die Christen oder ihre missionarische Entschiedenheit – Christus allein rettet Sünder. Das apostolische Bekenntnis, auf dem die Gemeinde aufgebaut wird, gründet auf dem einzigen Grund: Christus. (1 Ko 3,11;Eph 2,10) Alles kommt darauf an, daß dieser Grund nicht verdeckt, verschoben, verlassen werde.
Ich bin der größte unter ihnen . Ich bin der hauptsächlichste Sünder, der durch die Größe seiner Sünde völlig verscherzt hat, Apostel genannt zu werden, (1 Ko 15,9) der von allen Heiligen den untersten und geringsten Platz einnimmt. (Eph 3,8) Das Selbstbekenntnis im Anschluß an das allgemeine Bekenntnis steht ganz in Übereinstimmung mit der seelischen Eigenart des Paulus, wie sie aus den andern Briefen bekannt ist.

Wuppertaler Studienbibel

Die am Leben des Paulus deutlich gewordene Grundregel für alle: Jesus macht Sünder selig (V. 15)
3.7.1 Nachdem Paulus hier das Wunder der Gnade zusammenfassend im Blick auf sein eigenes Leben ausgesprochen hat (V. 14), bringt er nun die große Botschaft des Evangeliums allgemein, für alle, auf den Nenner: »Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen« (V. 15 a). Es kann auch übersetzt werden: »Zuverlässig ist das Wort und aller Annahme wert: dass Christus Jesus gekommen ist in die Welt, Sünder zu retten.« Das war’s, was unser Herr schon in seinen Erdentagen immer wieder als Zweck und Ziel seines Kommens in die Welt bezeichnete, wenn er gerade auch nach den offenkundigen Sündern griff, wenn er bei ihnen einkehrte (Mt 9,9ff.; Lk 19,1-10). Er beschränkte sich keinesfalls auf die anerkannt Frommen, auf die »religiös Intakten«.

3.7.2 Gewiss, Jesus konnte auch erfreut feststellen: »Ein rechter Israelit, in dem kein Falsch ist«

(Joh 1,47). Vielleicht befand sich jener junge, auf den Messias wartende Nathanael »unter dem Feigenbaum« mit seinen weit herabhängenden Zweigen eben in einem Gebetsringen mit Gott um das baldige Kommen des Messias, wie sein VorfahrJakob/Israel (1Mose 32,27ff.).

3.7.3 Doch Jesus überschritt unablässig auch die Grenze hin zu den Sündern, auch zu den offenkundigen – nicht, um sich mit ihrer Sünde zu solidarisieren und sie darin zu bestätigen, sondern gerade, um sie aus ihrer Sünde herauszuretten: »Sündige hinfort nicht mehr« (Joh 8,11). Sünder – wie überhaupt alle Menschen, da ja alle Sünder sind – werden allein gerettet und so auch ewig selig, wenn sie sich aus ihrer bisherigen Welt der Sünde heraus zu Jesus rufen lassen, wenn sie sich aus der Herrschaft der Finsternis retten lassen (vgl. Kol 1,13) und sich durch Buße und Glauben hinein in die Gemeinschaft mit Jesus »versetzen« lassen, wo sie seiner guten, heilsamen Herrschaft unterstellt sind. Dann erzieht er auch und »heiligt durch und durch« (1Thess 5,23f.; Heb 12,14); dann macht er neu, gestaltet um in sein Wesen (Gal 4,19) und gebraucht vollmächtig und fruchtbar in seinem Dienst (Joh 15,4f.), besonders auch dem einen, mit ihm und in seinem Auftrag »zu suchen und zu retten was verloren ist«.

3.8 Gottes besondere Absicht mit der Berufung des Paulus: Er wollte ein Exempel statuieren (V. 15ff.)
3.8.1 Paulus kommt noch einmal auf sich selbst zu sprechen: Er redet von »Sündern« und fügt hinzu:«… Unter denen ich der erste bin« (V. 15 b). Paulus bleibt der Mann mit dieser Lebensgeschichte, dieser ungewöhnlichen, auch nachdem ihm seine Sünden vergeben sind. Besonders schwer hat er sich vergangen. Und besonders wunderbar hat ihn der Herr in seinen Dienst gestellt. Der Gedanke daran ist ihm selbst unablässig ein Anlass zur Beugung und zur Demut, zum Dank und zur Anbetung, wie im besonderen V. 17 zeigt.

Gerhardt Maier – Edition C

Die Tatsache, dass Gläubige immer noch Sünden begehen, wird von der Heiligen Schrift klar gelehrt. In 1 Timotheus 1,15 sagt Paulus zu Timotheus, dass er, Paulus, der größte Sünder ist. Paulus war ein Apostel, und er erreichte vielleicht den Inbegriff der Geistlichkeit, die ein Mensch in diesem Leben erreichen kann. Dennoch benutzte er nicht die Vergangenheitsform, als er den Brief an Timotheus gegen Ende seines Lebens schrieb. Er sagte nicht: „Ich war“ oder „ich war einmal“ der Oberste der Sünder. In Bezug auf Sünder benutzte Paulus die Gegenwartsform: „Ich bin der Haupt. Er betrachtete sich selbst immer noch als einen Sünder, der von Natur aus sündigt, und sah sich selbst als Sünder an.

Eine Schlüsselstelle, die über Sünde im Leben des Gläubigen spricht, ist 1. Johannes 1,8-10: Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. Wenn wir aber sagen, daß wir nicht gesündigt haben, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.

Das Buch 1 Johannes wurde an Gläubige geschrieben und spricht über Gläubige. In Vers 8 wies Johannes auf die Tatsache hin, dass Gläubige noch die Sündennatur haben. In Vers 9 erwähnt er, dass Gläubige bestimmte Sünden begehen, die sie bekennen müssen. In Vers 10 erwähnte er die Tatsache der persönlichen Sünden: Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. Durch die Verwendung des Pronomens wir schließt Johannes sich selbst in diese Aussage ein. Nach der Heiligen Schrift begehen Gläubige persönliche Sünden; es gibt Sünde im Leben des Gläubigen.

Arnold Fruchtenbaum – Was die Bibel über die Sünde lehrt

Jesus ist unser Vorbild. Da er in die Welt kam, um Sünder zu retten, sollten wir sein Beispiel nachahmen. Wie langmütig er war, sehen wir zum Beispiel an seiner Handlungsweise mit Saulus von Tarsus. Saulus war, wie er selbst zugab, ein Lästerer, ein Verfolger der Christen, ein schmählich handelnder Mensch, der der Ermordung des Christen Stephanus zugestimmt hatte. Dennoch neigte sich Christus zu ihm herab und machte ihn zu einem christlichen Sonderbeauftragten, zu einem Apostel, den wir heute als den Apostel Paulus kennen. An Timotheus schrieb Paulus: „Mir [wurde] deshalb Barmherzigkeit erwiesen, damit Christus Jesus vornehmlich durch mich seine ganze Langmut als Musterbeispiel für jene zeigen könnte, die ihren Glauben zum ewigen Leben in ihn setzen werden.“ (1 Timotheus 1:12-16) Mögen wir uns an der Langmut Christi gegenüber Saulus ein Beispiel nehmen, wenn wir uns fragen, wie weit wir in unserer Langmut einander gegenüber gehen sollten. — Matthäus 6:14, 15; 18:21, 22; Psalm 103:13, 14.

Wachtturm 1.Oktober 1966

Jup! Aber Paulus war ein „Feind“ der ersten Christen – und Jesus hat ihn trotzdem benutzt! Und wie steht es HEUTE bei „euch“ mit denen, die „ihr als eure Feinde“ betrachtet? Ist da auch „Barmherzigkeit“ oder ist da „echtes Ausgeschlossen sein“??

Der Erste der Sünder
Lasst uns ihn also zuerst als den Ersten der Sünder betrachten:
„Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu erretten, von denen ich der erste bin“ (1 Timotheus 1,15). Beachte insbesondere, dass der Geist über Saulus von Tarsus sagt, dass er der Erste der Sünder ist. Es ist nicht der Ausdruck der Demut des Paulus, obwohl das Bewusstsein seiner Vergangenheit ihn ohne Zweifel demütig sein ließ. Wir sollen uns nicht mit den Gefühlen eines inspirierten Schreibers beschäftigen, sondern mit den Aussagen des Heiligen Geistes, der ihn inspirierte. Es ist gut, das zu bedenken.
Die Art und Weise, wie sehr viele Leute von den Gefühlen der verschiedenen inspirierten Schreiber sprechen, führt dazu, dass die Bedeutung der kostbaren Wahrheit der wörtlichen Inspiration der Heiligen Schrift geschwächt wird. Sie mögen das nicht beabsichtigen, aber in Zeiten, in denen so vieles dem Verstand oder menschlicher Spekulation entspringt, können wir nicht wachsam genug gegen alles sein, was irgendwie, und sei es auch nur scheinbar, die Integrität des Wortes Gottes angreift. Wir wünschen sehr, dass unsere Leser die Heilige Schrift nicht als Ausdruck menschlicher Gefühle, so fromm und lobenswert sie auch sein mögen, sondern als Schatzkammer der Gedanken Gottes betrachten. „Denn die Weissagung wurde niemals durch den Willen des Menschen hervorgebracht, sondern heilige Menschen Gottes redeten, getrieben vom Heiligen Geist“ (2 Petrus 1,21).
Deshalb dürfen wir beim Lesen von 1 Timotheus 1,15 nicht an menschliche Empfindungen denken, sondern daran, dass es ein göttlicher Bericht ist, der sagt, dass Paulus der Erste der Sünder war. Das wird von keinem anderen gesagt. Zweifellos wird sich, in einem weiteren Sinn, jeder Bekehrte als der Schuldigste unter allen ihm bekannten Menschen vorkommen, aber das ist ein anderes Thema. Der Heilige Geist hat dies von Paulus gesagt, und die Tatsache, dass Er uns dies durch die Feder von Paulus mitgeteilt hat, schmälert oder beeinträchtigt in keiner Weise die Wahrheit oder den Wert dieser Aussage. Paulus war der Erste der Sünder. Egal wie schlecht irgendjemand sein mag, Paulus sagt: „Ich bin der Erste.“ Egal wie weit entfernt von Gott sich irgendjemand vorkommen mag – egal wie tief versunken in der Grube der Vernichtung – es kommt eine Stimme von einem noch tieferen Punkt an sein Ohr: „Ich bin der Erste.“
Doch lasst uns das Ziel aller Bemühungen um den Ersten der Sünder beachten. „Aber darum ist mir Barmherzigkeit zuteilgeworden, damit an mir, dem ersten, Jesus Christus die ganze Langmut erzeige, zum Vorbild für die, die an ihn glauben werden zum ewigen Leben“ (1 Timotheus 1,16). Der Erste der Sünder ist im Himmel. Wie ist er dorthin gekommen? Allein durch das Blut Jesu. Und außerdem ist er der „Präzedenz-Fall“ Christi. Alle sollen auf ihn blicken und sehen, wie sie gerettet werden sollen. Denn so wie der „Erste“ gerettet wurde, müssen auch alle „Untergeordneten“ gerettet werden. Die Gnade, die den Ersten erreichte, kann alle erreichen. Das Blut, das den Ersten reinigte, kann alle reinigen. Das Anrecht, durch das der Erste in den Himmel eintrat, ist auch allen anderen zugänglich. Es gibt keinen Sünder diesseits des Tors zur Hölle, keinen Abtrünnigen, gar keinen, der für die Liebe Gottes, das Blut Christi oder das Zeugnis des Heiligen Geistes unerreichbar ist.

Im Glauben leben 2020

Glücklicherweise hat Gott einen Weg für uns bereitgestellt, unsere angeborene Schwäche als Friedensstifter zu überwinden und zu lernen, auf Konflikte konstruktiv zu reagieren. Seine Lösung ist das Evangelium, die gute Nachricht, dass „Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu retten“ (1 Timotheus 1,15). Gott sandte seinen Sohn, um durch seinen Tod und seine Auferstehung den Preis für unsere Sünden zu bezahlen. Wenn wir das glauben und unser Vertrauen auf Jesus setzen, vergibt Gott uns alle unsere Sünden. Durch das Evangelium befähigt er uns auch zu lernen, wie wir der Versuchung widerstehen, seinen Geboten gehorchen und ein Leben führen können, das ihn ehrt.

Diese wunderbare Nachricht kann die Art und Weise, wie wir auf Konflikte reagieren, radikal verändern. Durch das Evangelium, das grundlegende G, befähigt uns der Herr, die vier Gs des Friedensstiftens zu leben. Wenn wir in Ehrfurcht vor seiner unvergleichlichen Gnade stehen, finden wir mehr Freude daran, Gott zu verherrlichen, als unsere eigenen egoistischen Ziele zu verfolgen. Wenn wir erkennen, dass Gott sich derer erbarmt, die ihre Sünden bekennen, hebt sich unsere Abwehrhaltung und wir sind fähig, unsere Fehler zuzugeben. Wenn wir die Art und Weise akzeptieren und davon profitieren, wie das Evangelium uns liebevoll unsere Sünde zeigt, werden wir inspiriert, andere, die Unrecht getan haben, sanft zu korrigieren und wiederherzustellen. Und wenn wir uns an der befreienden Vergebung Gottes erfreuen, werden wir befähigt, anderen auf die gleiche Weise zu vergeben. Durch das Evangelium liefert Gott sowohl das Modell als auch die Motivation zum Friedenstiften!

Ken Sande – Der Friedensstifter – Ein biblischer Leitfaden zum Lösen von persönlichen Konflikten

Genau so ist es! Anstatt Trennung und Feindschaft zu säen, ist wahres Christentum verbindend! Weil wir die befreiende Vergebung Gottes erfahren haben und diese deshalb weitergeben können!

„ich lebe davon, dass zu tun…“

Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist, daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe. (O. vollende)
Elberfelder 1871 – Joh. 4,34

Da erklärte Jesus: „Meine Nahrung ist, dass ich den Willen Gottes tue, der mich gesandt hat, und das Werk vollende, das er mir aufgetragen hat.
Neue evangelistische Übersetzung – Johannes 4,34

Jesus erklärte das dann so: „Ich lebe davon, das zu tun, was Gott möchte. Ich will seinen Auftrag erfüllen und bis zu Ende durchziehen.
VolxBibel – Johannes 4:34

„Meine Speise ist“ – „Mein Lebensziel ist“ ???

Habe folgendes gefunden:

Jehova hat Jesus den Auftrag gegeben, die gute Botschaft bekannt zu machen. Wie dachte Jesus darüber? Lies Johannes 4:34. Dazu die Fragen:
• Gutes Essen hält uns am Leben und macht uns glücklich. Warum verglich Jesus es mit Nahrung, den Willen Gottes zu tun – wozu auch das Predigen gehört?
• Was kann man Schönes erleben, wenn man mit anderen über die gute Botschaft spricht?
Tipps
○ In der Zusammenkunft unter der Woche darauf achten, wie man Gespräche beginnen kann.
○ Überlegen, ob man in der Zusammenkunft unter der Woche bei Schulungsaufgaben mitmachen möchte. Die Aufgaben sind eine gute Vorbereitung, mit anderen über die Bibel zu sprechen.
○ Mit den Aussagen und Fragen unter „Manche sagen“ und „Jemand könnte fragen“ kann man üben, wie man jeweils reagieren würde.
JEMAND KÖNNTE FRAGEN: „Was gibts Neues bei dir?“
• Wie könntest du diese Frage nutzen, um über etwas zu sprechen, was du aus der Bibel gelernt hast?

Glücklich – für immer. Ein interaktiver Bibelkurs

Echt, ist das euer Ernst, dass dies das Ziel des Lebens Jesu war?
Oder ist das Bibelstellenmikado?
Oder meinte Jesus eher das hier, als sein / unser Lebensziel?

Wir sind durch ein hohes Lösegeld erlöst worden. Nur wenn wir die Größe dieses Lösegeldes erkennen, können wir uns von dem Ergebnis desselben einen Begriff machen. Auf dieser Erde, der Erde, deren Boden durch die Tränen und das Blut des Sohnes Gottes befeuchtet worden ist, sollen die köstlichen Früchte des Paradieses hervorgebracht werden. Im Leben der Kinder Gottes sollen sich die Wahrheiten seines Wortes in ihrer Herrlichkeit und Vortrefflichkeit offenbaren. Durch seine Gemeinde wird Christus seinen Charakter und die Grundsätze seines Reiches kundtun. Satan versucht dem Werke Gottes entgegenzuwirken und er dringt beständig auf die Menschen ein, seine Grundsätze anzunehmen. Er stellt das erwählte Volk Gottes als betörte Menschen dar. Er ist ein Verkläger der Brüder und richtet seine Anklagen und Beschuldigungen gegen die, welche Gerechtigkeit wirken. Der Herr will durch die Seinen die Anklagen Satans beantworten, indem er die Folgen des Gehorsams gegen rechte Grundsätze zeigt. Diese Grundsätze sollen im einzelnen Christen, in der Familie und der Gemeinde und in jeder zur Förderung des Werkes Gottes begründeten Anstalt offenbart werden. Alle sollen Erkennungszeichen sein, was für die Welt getan werden kann. Sie sollen Vorbilder sein von der rettenden Kraft des Evangeliums.

Ellen Gould White – Christi Gleichnisse

Ach, dass konntet „ihr“ auch einmal – siehe hier 1953.

Ferner lesen wir über das Beispiel, das Jesus uns gab: „Seht aufmerksam auf den Anführer und Vollender unseres Glaubens, Jesus. Für die Freude, die vor ihm lag, erduldete er einen Marterpfahl, indem er die Schande als gering erachtete, und hat sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt.“ (Hebräer 12:2, NW) Was war diese Freude, die vor Jesus lag und die ihn befähigte, all die Schmach und das Leid zu tragen? Es war die Freude, das Herz seines Vaters dadurch froh zu machen, daß er ihn rechtfertigte. „Sei weise, mein Sohn, und erfreue mein Herz, damit ich Antwort geben könne meinem Schmäher.“ Und wie der Psalmist Jesu Empfindungen prophetisch ausdrückte: „Ich habe die Gerechtigkeit verkündet in der großen Versammlung: siehe, meine Lippen hemmte ich nicht — Jehova, d u weißt es! Deine Gerechtigkeit habe ich nicht verborgen im Innern meines Herzens; deine Treue und deine Rettung habe ich ausgesprochen, deine Güte und deine Wahrheit nicht verhehlt vor der großen Versammlung.“ — Sprüche 27:11; Psalm 40:9, 10.
Der Name seines Vaters bedurfte der Ehrung und Rechtfertigung, weil durch den schirmenden Cherub, der später Satan der Teufel wurde, viel Schmach auf ihn gehäuft worden war. Anstatt an der Ausübung des Willens Gottes Freude zu haben, hatte jener den Sinn voller Gesetzlosigkeit, und anstatt einem weisen Lauf der Demut und des Gehorsams zu folgen, wie es Jesus tat, verdarb er seine Weisheit durch Hochmut und Auflehnung. Durch seinen eigenen bösen Lauf und durch seinen Einfluß auf andere, den gleichen Weg einzuschlagen, häufte er Schmach auf den Namen Jehova. — Hiob, Kapitel 1 und 2.
In krassem Gegensatz zu diesem aufrührerischen Cherub liebte Christus Jesus seinen himmlischen Vater und eiferte für die Ehre seines Namens. Er war sich völlig über den Grund seines Kommens zur Erde bewußt und nützte jede Gelegenheit aus, ihm Ehre zu erweisen, indem er anderen erzählte, wie gut und liebend sein Vater ist. Oft lesen wir, wie er in den Heimen der Menschen, in ihren Synagogen, im Tempel, am Bergabhange und am Seegestade predigte. Sogar während der Rast an einem Brunnen machte er guten Gebrauch von der Gelegenheit, zu einem samaritischen Weibe mit schlechtem Ruf zu predigen, was zu einem großen Zeugnis in ihrer Stadt wurde. — Johannes 4:6-42.
Da die Ehre und die Rechtfertigung des Namens seines Vaters in seinem Sinn als das Höchste galt, war Jesus von brennendem Eifer erfüllt, solche bloßzustellen, die ihn schmähten. Gerade deswegen geißelte er immer wieder die Schriftgelehrten, Pharisäer und Gesetzesgelehrten und jagte in seinem gerechten Zorn die Geldwechsler zu Beginn und zum Schluß seines irdischen Dienstes zum Tempel hinaus. Rief er doch mit lauter Stimme: „Es steht geschrieben: ‚Mein Haus wird ein Haus des Gebets genannt werden‘, ihr aber macht es zu einer Räuberhöhle.“ — Matthäus 21:12, 13; 23:1-39; Johannes 2:13-17, NW.
Da Jesus den Willen Gottes für seine Person genau kannte, schulte er seinen Willen, um die unbeugsame Entschlossenheit zu besitzen, nichts zuzulassen, was ihn vom Wege abbringen könnte. Die Pfeile der Spitzfindigkeit und Schmeichelei des Teufels prallten beim Zusammentreffen mit ihm in der Wüste an seinem Glaubensschild ab, ohne Schaden zu verursachen. Er ließ auch nicht zu, daß die jüdische Volksmenge ihn mit Gewalt ergriff und ihn zum König machte, denn er wußte, daß dies nicht Gottes Wille für ihn war, und er war auch nicht von dem Ehrgeiz getrieben, sich selbst zu erhöhen. Als Petrus versuchte, ihm von dem demütigen Leidenslauf abzuraten, der durch seinen himmlischen Vater für ihn vorgezeichnet war, tadelte er ihn: „Geh hinter mich, Satan! du bist mir ein Stein des Anstoßes, denn du hast nicht Gottes Gedanken, sondern die der Menschen.“ Er war sich völlig bewußt, was seiner wartete, und „setzte sein Angesicht fest darauf, nach Jerusalem zu gehen“, als die Zeit gekommen war. — Matthäus 4:1-10; 16:23; Lukas 9:51; Johannes 6:15, NW.
Um den Zweck seines Kommens zur Erde ganz klar zu machen, sagte Jesus während seines Verhörs zu Pontius Pilatus: „Zu diesem Zweck bin ich geboren worden und zu diesem Zweck bin ich in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.“ Und daß diese Wahrheit in erster Linie den Namen seines Vaters betraf, z e i g t e Jesus in seinem Gebet zu seinem Vater in der Nacht seines Verrats: „Ich habe dich auf der Erde verherrlicht, indem ich das Werk vollendet habe, welches du mir zu tun gegeben hast. Ich habe deinen Namen kundgemacht den Menschen, die du mir aus der Welt gabest.“ — Johannes 17:4, 6; 18:37, NW.
Die Geisteseinstellung Jesu ist in den Worten des Propheten Jesaja (42:19) gut zusammengefaßt: „Wer ist blind, als nur mein Knecht? und taub wie mein Bote, den ich sende? Wer ist blind wie der Vertraute, und blind wie der Knecht Jehovas?“ Ja, Jesus war sowohl den Schmeicheleien als auch den Vorwürfen und Drohungen Satans und seiner Gimpel gegenüber blind und taub. Alles, was er sah und hörte, wollte sein Vater von ihm beachtet und getan wissen.

Wachtturm 1.Januar 1953

Die richtige Haltung für eine solche besondere Zeit mit Gott ist: „Herr, wie denkst du über mein Leben?“ Betrachten Sie Ihre Hauptziele und überlegen Sie, wie sie mit dem Willen Gottes übereinstimmen. Jesus sagte: „Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk“ (Johannes 4,34). Ist es Ihnen wichtiger als alles andere, den Willen Gottes zu tun?
Denken Sie über Ihre Aktivitäten nach. Wie passen sie mit Ihren Zielen zusammen? Gott möchte möglicherweise, dass Sie Ihren Zeitplan umstellen. Vielleicht werden Sie Dinge streichen, die zwar gut, aber nicht die besten sind. Eventuell zeigt er Ihnen, dass Sie Ihre Abende oder Ihre Samstage sinnvoller verbringen können und dabei gleichzeitig die nötige Erholung bekommen.
Schreiben Sie während des Gebets Ihre Gedanken in ein Notizbuch und planen Sie, Ihre Zeit besser zu nutzen. Vielleicht fällt Ihnen ein, dass Sie sich besser auf den Hauskreis vorbereiten sollten, dass eine bestimmte Person auf Ihren Besuch wartet oder dass Sie jemandem in besonderer Weise helfen könnten. Schreiben Sie alles auf.

ERF – Gott erleben in der Stille

Was Jesus der samaritischen Frau getan hat, hieß jeder Zuschauer bedeutungslos. Was ändert ein Gespräch mit einer Frau aus der untersten Schicht des kleinen und verachteten samaritischen Völkleins am Lauf der Weltgeschichte? Auch die Jünger begriffen nicht, dass er sich mit ihr einlassen mochte. Jesus nannte dagegen das, was geschehen war, seine Speise. Daraus strömt ihm Kraft zu, die die Müdigkeit von ihm nimmt und ihn inwendig stärkt. Denn er hat jetzt den Willen des Vaters getan, und das ist sein Lebensmittel, die unentbehrliche Bedingung und wirksame Gewährung des Lebens. Gottes Wille war es, dass die dürstende Frau das belebende Wasser empfange, und Gottes Wille war es, dass der boshafte Zank zwischen den Juden und den Samaritern, aus dem in nie endender Flut immer neue Versündigung entstand, ein Ende finde und die neue Gemeinde entstehe, die in der Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit geeinigt ist. Jesus sprach aber nicht nur vom Willen, sondern auch vom Werk Gottes. Der Vater gibt ihm nicht nur das Gebot, das der Sohn durch seinen Gehorsam zum eigenen Willen macht, sondern er ist der für Jesus Wirkende, wodurch es zum Beruf Jesu wird, das Werk des Vaters fertig zu machen und zum Ziel zu bringen. Gottes Wirken bereitet ihm den Raum, in den er sein eigenes Werk hineinstellt, und darum, weil er es auf das Werk des Vaters aufbaut, hat es Kraft und trägt es Frucht. Um in der samaritischen Frau Gottes Werk wahrzunehmen, war freilich der Blick Jesu nötig. Er aber sah die Hand des Vaters nicht nur darin, dass sie gerade jetzt zum Brunnen Jakobs kam, sondern darin, dass sie auf sein Wort aufmerkte, ihm standhielt und sich von Jesus dahin leiten ließ, dass er ihr seine königliche Salbung sagen konnte. Sie war eine zertretene Frau mit ihrer wilden Geschichte. Damit war aber für den Blick Jesu nicht verhüllt, was ihr der Vater gegeben hat, und dass er nun das, was der Vater vorbereitet und begonnen hatte, vollenden konnte, das hieß Jesus die Quelle seiner Kraft.
Ich bedarf der natürlichen Nahrung, Herr, Gott, nach Deiner Schöpferordnung; aber ich lebe nicht vom Brot allein, sondern durch Dein Wort und dieses wird meine Nahrung, wenn es mir Deinen Willen zeigt und ich ihn zu tun vermag. Dieses wahrhafte Brot, das mir das wahrhafte Leben gibt, suche ich bittend bei Dir. Amen.

Adolf Schlatter – Andachten 2018

Als Jesus der armen Frau half, tat er den Willen dessen, der ihn sandte; er vollbrachte Gottes Werk, indem er ihr im Geist und in der Wahrheit half. Da liegt nicht eins außer und neben dem anderen; beides ist in ihm eine herrliche, ungestörte Einheit. Daraus fließt die Kraft der Liebe Jesu samt ihrer durchdringenden Rückwirkung auf ihn selbst, sei es ihm zum Schmerz, wenn sie gehemmt bleibt, sei es ihm zur Kraft, wenn sie ihr Werk ausrichten kann. In den Willen des Vaters legt Jesus ein ungeteiltes, ganzes Herz. Dieser Wille beherrscht und erfüllt ihn völlig. Darum ist es ihm Lebensbedürfnis, den Willen Gottes zu tun, und Lebenserhaltung, wenn er ihn zu tun vermag.

Auf das Tun legt Jesus hier den Nachdruck. Inwendig ist er immer mit dem Willen des Vaters eins, mögen die Menschen ihn verstehen oder verwerfen, seine Gabe annehmen oder verstoßen. Von ihrem Verhalten ist jedoch abhängig, was er zu tun vermag, ob er den Willen des Vaters ungetan lassen muss oder vollführen kann. Diesmal war es ihm vergönnt zu handeln. Eine Tat ist geschehen, die mit fortwirkender Macht den Lebenslauf dieser Frau, und nicht nur den ihrigen, bestimmt. Solches Handeln ist für Jesus Speise im wahrhaften Sinn des Worts. Der Wille dessen, der ihn sandte, steht als vollkommene Gnade vor seinem Blick; er hat ihn durch das vollbracht, was er der Frau in seiner Gnade gab. Wir sehen, wozu er sich gesandt weiß. Seines Vaters Wille ist, dass er das lebendige Wasser allen gebe, die ihn bitten.

Mit dem hohen Wissen Jesu, dass er den Willen Gottes vollführt und seiner Gnade als Werkzeug dient, verbindet sich in fester Einheit die Demut des Sohns, der seine Größe nur in der Unterordnung unter den Vater hat. Sein Beruf ist, das Werk Gottes auszuführen. Er spricht nicht nur von dem Willen Gottes, zu dem sein Dienst die Tat fügt, sondern auch von dem Werk Gottes, an das er mit seinem Dienst gebunden bleibt. Geht diesem Dienst nicht das Wirken Gottes voran, so ist er unmöglich und bleibt vergeblich. Nur da, wo Gott selbst im Menschen sein Werk tat, ist Jesus der Raum bereitet, in den er seine Gabe legen kann. Jesus sieht darum auf diese Frau mit freudigem Dank gegen den Vater: „Hier hast du schon dein Werk getan, und ich durfte es vollenden.“ Scheinbar war sie freilich von aller göttlichen Leitung und Begnadung verlassen: sie war ja ganz und gar Samariterin, in die trüben Leidenschaften ihres Volkes eingetaucht und war auch in ihrem eigenen Lebensgang der Versuchung erlegen und tief gesunken. Dennoch tat Gott auch an ihr sein gnädiges Werk. Dass sie für Jesus ein offenes Ohr und ein Auge für ihre Sünde hatte, so dass sein Bußwort bei ihr Eingang fand und sie noch Wahrhaftigkeit genug besaß, um der Wahrheit die Ehre zu geben, — dass die Verheißung der Schrift vom kommenden Christus und die Sehnsucht nach Gott, den sie anbetet, ohne ihn zu kennen, auch in ihr lebendig war, das hatte der Vater in diesem zerrütteten und verarmten Herzen gewirkt. Er machte dem Wort Jesu Bahn, dass es ergriff. Und nun ist es die Speise Jesu, das, was der Vater begonnen hat, zu vollenden, die Gnade, die ihr nahe war, ihr zu zeigen, das Verlangen, das sich in ihr regte, zu erfüllen und sie an das Ziel zu führen, zu dem das Werk des Vaters sie bereitet hat. Das gilt wie von dieser Frau so vom ganzen Verkehr Jesu mit allen Menschen. Wo er das Werk des Vaters wahrnimmt, da sieht er sich zur Heilandstat berufen; wo er dieses nicht findet, da schweigt er und zieht sich zurück.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

In Hebräer 5,8 heißt es, dass Er, „obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam lernte“. Bei Ihm war es indes nicht – wie bei uns so oft – ein Gehorsam aus Zwang, sondern Gehorsam aus Liebe zu seinem Gott und Vater. Der Wille des Vaters war sein Motiv für alles, was Er tat. Er lebte nicht von Brot allein, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausging (vgl. Mt 4,4; Lk 4,4). Seine Speise war es, den Willen dessen zu tun, der Ihn gesandt hatte, und sein Werk zu vollbringen (Joh 4,34).
Als der Herr Jesus über diese Erde ging, erfüllte stets der Friede Gottes sein Herz, weil Er allezeit das dem Vater Wohlgefällige tat (Joh 8,29). Jedes Wort, das Er sprach, jeden Schritt, den Er ging, jeder Gedanke, den Er hatte – alles war zur Freude und zum Wohlgefallen seines Vaters. Am Anfang und am Ende seines Dienstes konnte der Vater über Ihn sagen: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,17; 17,5). Was für eine Freude muss es für den Vater gewesen sein, auf der Erde einen Menschen nach seinem Herzen zu sehen, einen, der weder zur Rechten noch zur Linken abwich, sondern mitten auf den Steigen des Rechts voranging (vgl. 2. Chr 34,2; Spr 8,20). Wie hatte Gott sich nach so einem Menschen gesehnt! Jahrtausende lang hatte Er vom Himmel auf die Erde geschaut, um zu sehen, ob es einen gäbe, der Gott suche, einen Gerechten, einen, der Gutes tue. Doch Er fand keinen, auch nicht einen. Alle waren abgewichen, alle waren untauglich geworden (Röm 3,10-12). Schließlich kam der Sohn auf die Erde – der Einzige, der ein Leben zur Freude und zum Wohlgefallen des Vaters führte. Wie sehr wurde der Vater durch seinen Gehorsam verherrlicht!

Im Glauben leben 2016

Meine Speise ist usw. Jesus will damit nicht bloß sagen, dass es sein höchstes Anliegen ist, des Vaters Willen zu tun, sondern auch, dass es nichts gibt, was ihm mehr Freude machen könnte, oder womit er sich lieber und begieriger beschäftigen möchte. So sagte David zur Empfehlung des göttlichen Gesetzes nicht bloß, dass es für ihn köstlich gewesen sei, sondern sogar süßer als Honig (Ps. 19, 11). Wollen wir rechte Nachfolger Christi sein, so müssen wir nicht nur mit inniger Begier uns Gott hingeben, sondern so willig sein in der Ausrichtung seiner Befehle, dass uns keine Arbeit zu sauer wird. Indem Christus fortfährt: und vollende sein Werk, gibt er genügenden Aufschluss darüber, worauf des Vaters Wille gerichtet war, dem er sich mit solcher Hingebung widmet, nämlich darauf, dass Jesus das ihm befohlene Amt ausführen sollte. So hat jeder auf seine besondere Berufung zu achten, damit keiner einen göttlichen Auftrag vorschütze, während er doch nach seinem eigenen Dafürhalten ohne Beruf etwas unternimmt. Übrigens ist ja zur Genüge bekannt, was Christo oblag: er sollte das Reich Gottes ausbreiten, verlorene Seelen wieder ins Leben rufen, das Licht des Evangeliums erstrahlen lassen, kurz der Welt das Heil bringen. Daran lag ihm alles! So konnte er trotz seiner Ermattung und seines Hungers Essen und Trinken vergessen. Überaus tröstlich für uns! Hat Christus so sehr das Heil der Menschen sich angelegen sein lassen, dass es für ihn die höchste Wonne war, sich darum zu bemühen, dann wohl uns! Denn zweifellos ist er heute noch ebenso gesinnt gegen uns, wie damals.

Jean Calvin – Das Johannes-Evangelium

„Jesus sagt zu ihnen: Meine Speise ist, dass ich tue den Willen dessen, der mich sandte, und sein Werk vollende.“ Nun erfahren wir mit den Jüngern, was es heißt, „der Sohn“ zu sein, und worin die „Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater“ (1,14) liegt. Sie liegt nicht darin, über alle irdischen Bedürfnisse erhaben zu sein und Müdigkeit und Hunger nicht zu kennen. Sie liegt auch nicht in einem glanzvollen Leben, das in reichem Maße Sättigung und Ruhe zur Verfügung hat. „Sohn“ sein heißt „gesandt sein“ und nun in dieser Sendung völlig für den Willen des Vaters zu leben. Und dieses so, dass es nicht ein harter Dienst wird, den der Sohn mit einem mühsamen Gehorsam leistet, sondern so, dass dieser Dienst selber zu „Speise“ wird, also zu dem, wovon er lebt, was ihn sättigt, stärkt, nährt und beglückt. Und dabei ist es durchaus „Gehorsam“. Nicht seinen eigenen Willen tut Jesus, sondern „den Willen dessen, der ihn sandte“; ihn aber tut er mit dem ganzen freien, eigenen Willen. Nicht sein eigenes Werk vollbringt Jesus, das ihn als das seine begeistern und über alles hinwegtragen mochte. Es ist des Vaters Werk, das er „vollendet“. Aber es ist darin so die Sache seiner eigenen Liebe und Hingabe, dass er Müdigkeit und Hunger völlig vergisst. Wir lernen hier am „Sohn“, was „Liebe“ ist, Liebe, die völlig vom Gehorsam durchdrungen ist und die umgekehrt den Gehorsam zu einer lebendigen und glückseligen Sache macht. Das ist das radikale Gegenstück zum Wesen der „Welt“ und erweist, wie recht der Täufer hatte: Hier ist der eine, der nicht „von der Erde ist“ (3,31).

Wuppertaler Studienbibel

Die Samariterin ließ ihre Wasserkanne zurück, kehrte in die Stadt zurück und verkündete den Einwohnern, dass sie einen Mann getroffen hatte, der ihr alles sagte, was sie je getan hatte. Er konnte ihre Gedanken lesen! Er konnte genau sehen, wer und was sie war. Sie schloss daraus: Kann das der Messias sein? (Joh. 4:29). Währenddessen boten die Jünger Jeschua etwas von den frischen Lebensmitteln an, die sie gekauft hatten. In dem darauf folgenden Gespräch ging Jeschua wieder vom Körperlichen zum Geistlichen über und sagte, dass er bereits gegessen habe: Meine Speise ist, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden (Joh 4,34). In seinem Gespräch mit der samaritanischen Frau, das sie zum rettenden Glauben brachte, hatte er tatsächlich das Werk des Vaters getan, und das war seine Speise.
Jeschua lehrte nun seine Jünger das Prinzip der Evangelisation und der Errettung (Joh. 4:36-38): Die einen säen und die anderen ernten. Beide sollen sich gemeinsam darüber freuen, dass die Frucht des ewigen Lebens hervorgebracht worden ist. Auf die Jünger angewandt, sagte Jeschua: Ich habe euch gesandt, das zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt (Joh 4,38). Sie waren bereits dabei, zu ernten (Joh 4,1-4), denn Jeschua gewann mehr Jünger als Jochanan der Täufer, und die Jünger tauften diese neuen Anhänger. Sie waren also am Ende des Prozesses, denn sie ernteten, was andere, wie Jochanan, vor ihnen gesät hatten.


So wie die Nahrung, die in den Körper aufgenommen wird, ein Teil des Körpers wird, wird der Messias ein Teil der Person, die ihren Glauben an ihn setzt. Er wird in dieser Person leben, und diese Person wiederum wird im Messias leben. Jeschua wiederholte, dass er das Brot ist, das vom Himmel herabgekommen ist und ewiges Leben hervorbringen wird (Joh. 6:58). Das Manna sorgte für das physische Leben in der Wüste, aber es gab kein ewiges Leben.

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

alles im Griff

Die sich auf Schiffen aufs Meer hinabbegeben, auf großen Wassern Handel treiben, Diese sehen die Taten Jehovas und seine Wunderwerke in der Tiefe: Er spricht (O. sich hinabbegaben… trieben… sahen… sprach usw.) und bestellt einen Sturmwind, der hoch erhebt seine Wellen. Sie fahren hinauf zum Himmel, sinken hinab in die Tiefen; es zerschmilzt in der Not ihre Seele. Sie taumeln und schwanken wie ein Trunkener, und zunichte wird alle ihre Weisheit. Dann schreien sie zu Jehova in ihrer Bedrängnis, und er führt sie heraus aus ihren Drangsalen. Er verwandelt den Sturm in Stille, (O. Säuseln) und es legen sich die (W. ihre) Wellen. Und sie freuen sich, daß sie sich beruhigen, und er führt sie in den ersehnten Hafen. Mögen sie Jehova preisen wegen seiner Güte, und wegen seiner Wundertaten an den Menschenkindern.
Elberfelder 1871 – Ps 107,23–31

Die aufs Meer niederzogen in Schiffen,
Werktätige auf großen Wassern,
selber da SEINE Taten sahen,
seine Wunder im Strudel
– wie er sprach und bestellte den Wind,
den Sturm, und er hob seine Wogen – ,
himmelan stiegen, urwirbeltief sanken,
ihre Seele berstend im Übel,
sich drehten, schwankten wie ein Trunkner,
all ihre Weisheit verwirrt,
die zu IHM schrien in ihrer Drangsal,
die er führte aus ihren Nöten,
bannte den Sturm zur Stille
daß ihre Wogen sich legten,
und sie freuten sich, daß die ruhten,
und er leitete sie zum Hafen ihres Wunsches:
danken sollen sie IHM seine Huld,
seine Wunder an Menschenkindern,
Buber – Psalm 107,23–31

Die zur See gingen auf Schiffen, schafften auf großem Gewässer;
sie sahen die Taten Jehovas, und seine Wunder in den Fluten.
Er sprach, und erregte einen Sturmwind, der türmte die Wellen des Meeres;
sie stiegen gen Himmel, sanken zum Abgrund; ihr Mut zerrann in der Not;
sie schwindelten und taumelten wie Trunkene, und all ihre Weisheit war vernichtet.
Da schrieen sie zu Jehova in ihrer Drangsal, und aus ihrer Beklemmung riß er sie;
er hemmte den Sturm zu leisem Wehen, und es schwiegen die Wellen;
und sie freuten sich, da sie sich legten, und er führte sie zur erwünschten Küste.
Preisen sie vor Jehova seine Gnade, und seine Wunder vor den Menschenkindern;
de Wette Bibel – Psalm 107:23–31

Ob sich die Apostel an diese Verse erinnerten, als sie in den Sturm gerieten und Jesus schlief??
Und wie oft fühlen wir uns so hilflos wie Matrosen auf einem tobenden Meer? Wie oft haben wir nur wenig, oder gar nichts, in unserem Leben wirklich im Griff?

Gott errettete Seeleute aus ihrer Not auf dem Meer. Die auf dem Meer fuhren, sahen seine Werke, wenn er einen Sturm herbeirief. Ihr Mut schwandt dahin, sie waren am Ende ihrer Weisheit (wörtl.: „all ihre Weisheit wurde verschlungen“), sie riefen zu ihm, und er beruhigte den Sturm, er errettete sie aus der Gefahr und brachte sie sicher ans Ziel. Deshalb sollte der Herr in der Versammlung gepriesen werden.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Das letzte Bild ist sehr plastisch. Es handelt von Seeleuten, die auf hochseetüchtigen Schiffen arbeiteten. Sie hatten Erfahrung mit der Kraft des HERRN, wenn sie auf See in einen Sturm gerieten. Erst nahm gewöhnlich der Wind in erschreckendem Maß zu, dann bildeten die Wellen riesige Wasserberge. Dann wurde das Schiff von den Wellen emporgehoben, sodass die Balken krachten. Auf dem Wellenkamm begann es meistens zu zittern, um danach in die Tiefe zu stürzen. Das stabilste Schiff wird dadurch zu einer hilflosen Nussschale in einem schäumenden, quirlenden Kessel. In einem solchen Sturm sinkt auch den zähesten Seeleuten der Mut. Ihnen bleibt nichts, als wie Betrunkene auf Deck herumzuschwanken und ihre Pflichten zu erfüllen. Sie empfinden ihre eigene schreckliche Bedeutungslosigkeit und sind mit ihrer Weisheit am Ende.
107,28–30 Da überrascht es nicht, wenn fluchende, gottlose Matrosen in solchen Zeiten zu beten anfangen. Und der Herr ist barmherzig genug, solche Gebete der Verzweiflung zu erhören. Er verwandelte den Sturm in Stille. Welch eine Errettung! Nun können die Männer wieder navigieren, und bald schon erreichen sie den ersehnten Hafen, den sie ansteuerten.
107,31–32 Die erretteten Seeleute sollten nicht vergessen, den HERRN für seine unwandelbare Gnade und für das Wunder der Erhörung ihrer Gebete zu preisen. Sie sollten ihm ihre Gelübde erfüllen, indem sie sich seinem gläubigen Volk anschließen, um ihn zu erheben, indem sie alle ihn in der Sitzung der Ältesten loben.
Überdehnen wir die Angelegenheit, wenn wir sagen, dies beschreibe Israels letztes Sturmerlebnis und den darauffolgenden Einzug in das Reich des Friedens? Der Sturm erinnert an die Große Drangsal. Das Meer stellt die brodelnden, ruhelosen Heidenvölker dar. Die Seeleute sind das Volk Israel während der Zeit der Drangsal Jakobs. Ein gläubiger Überrest des Volkes ruft den Herrn an. Er greift dann persönlich ein, kehrt auf die Erde zurück und richtet seine Herrschaft des Friedens und des Wohlstands auf.

MacDonald_2010 – Kommentar zum Alten Testament

Anspielungen im Neuen Testament. Die synoptischen Erzählungen über die Stillung des Seesturms durch Jesus inspirieren sich an der vierten Rettungserzählung unseres Psalms (V 23–32). Die wohl älteste Fassung Mk 4,35–41 ist zwar auch eine Geschichte über die Rettung der Jünger aus Seenot, aber dies ist nur eine untergeordnete Aussageperspektive. Wie in Ps 107 geht es auch in Mk 4,35–41 um das Vertrauen in die Macht Gottes über das Chaos. Mk 4,35–41 stellt plastisch dar, dass diese Macht Gottes in und durch Jesus wirksam ist. Anders als in der Jonageschichte, wo die Schiffsleute durch Gebet und schließlich durch die Opferung des Jona, den sie ins Meer werfen, Gott zum Eingreifen bewegen wollen, bringt Jesus kein Opfer dar und er betet auch nicht zu Gott, sondern er handelt in der Kraft Gottes und bringt (wie JHWH in Ps 107,29) den Sturm und das Meer zur Stille. »Die wunderbare Rettung der Jünger aus der Seenot bringt Jesu hoheitsvolle Macht über den Sturm und über das Meer zur Darstellung. Die Erzählung provoziert jene Frage, welche die abschließende und in Frageform gefaßte Akklamation formuliert: ›Wer ist denn dieser, daß der Sturm und das Meer ihm gehorchen?‹ (Mk 4,41). Die Antwort kann nur heißen: Jener, der in der Macht Gottes den Sturm und das Meer beherrscht und so zum Heil der Menschen handelt« (F. Schnider, Rettung 21987, 393). Diese Macht über das Chaos und den Tod wird dann in den anschließenden Erzählungen Mk 5,1–20 (Heilung des von einem Dämon Besessenen in Gerasa) und Mk 5,21–43 (Auferweckung der Tochter des Jairus und Heilung der an Blutfluss leidenden Frau) expliziert. Auch im Lukasevangelium steht die Erzählung Lk 8,22–25 in diesem Zusammenhang und illustriert die Macht des Wortes Jesu (und der in seiner Nachfolge geschehenden Verkündigung seines Evangeliums). Das Matthäusevangelium stellt seine »Seewundergeschichte« Mt 8,23–27 in einen anderen Zusammenhang. Eigentlich beginnt die Erzählung bereits in Mt 8,18 mit dem Befehl Jesu an die Jünger, ihn ans andere Ufer des Sees zu bringen, was dann auch in Mt 8,23–27 geschieht. Dazwischen aber stehen zwei kleine Szenen über das Thema »Nachfolge« (Schriftgelehrter: 8,19f.; reicher Jüngling: 8,21f.), sodass die Geschichte der Sturmstillung nun im Licht der Nachfolgethematik gelesen werden soll. Das Schiff wird so transparent auf die (junge) Kirche hin und der Kleinglaube der Jünger ist die eigentliche Gefährdung, aus der Jesus seine Jünger bzw. seine Kirche retten muss.

Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament

Leben & Tod in einer Hand?

Jehova tötet und macht lebendig; er führt in den Scheol hinab und führt herauf.
Jehova macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht auch.
Elberfelder 1871 – 1 Sam 2,6–7

Jehovah tötet und macht lebendig, Er bringt in die Hölle hinab und Er bringt herauf.
Jehovah läßt verkommen und macht reich, erniedrigt und erhöht auch, Ps 75,8.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – 1.Sam 2,6–7

Jehova tödtet, und belebet, er führt in’s Todtenreich hinab, und führt herauf.
Jehova macht arm, und macht reich; erniedrigt, und erhöht.
van Ess 1858 – 1.Samuel 2,6–7

Jehova tötet, und belebet, führt in die Unterwelt hinab, und führt herauf.
Jehova macht arm, und macht reich; erniedrigt, und erhöht;
de Wette Bibel – 1.Samuel 2:6–7

 Jehova tötet und erhält am Leben,
er bringt ins Grab hinab und führt herauf.
 Jehova lässt verarmen und macht reich,
er erniedrigt und erhöht.
neue Welt Übersetzung – 2018 – 1.Samuel 2:6–7

Einige Beispiele dafür, wie Gott seine Souveränität ausübt, sind die Tatsache, dass er die physikalischen Gesetze des Universums aufgestellt hat. In Seiner Macht hat Er die verschiedenen Ordnungen der Natur bestimmt und jeder ihren angemessenen Platz im Universum zugewiesen. Wir sehen Seine Souveränität bei der Arbeit in Seiner Ernennung eines jeden Individuums zu seiner Position und seinem Los. Wir sehen sie auch in Seiner Verteilung von Wohltaten.

Die folgenden Schriftstellen lehren das Attribut der Souveränität:

Arnold Fruchtenbaum – Was WIR über Gott wissen
- •      1 Samuel 2,6-8, wo Gott über den Status des Menschen entscheidet.
- •      1. Chronik 29,11-12, wo alles unter Gottes Kontrolle steht.
- •      2. Chronik 20:6, Er ist der Herrscher über die Königreiche.
- •      Psalm 47:2, Er ist der König der Erde.
- •      Psalm 115:3, Er hat getan, was er wollte.
- •      Daniel 4:35, er tut, was er will.

Der Herr zeigte durch seine Eigenschaften wie Heiligkeit, Stärke ( ein Fels ), Wissen und Unterscheidungsvermögen (V. 2 – 3 ) und in Anbetracht seiner Taten gegenüber den Gottlosen wie gegenüber den Gottesfürchtigen (V. 4 – 8 ), seine ehrfurchtgebietende Souveränität in menschlichen Angelegenheiten. Besonders der Verweis Hannas auf sich selbst (V. 5 ) beziehungsweise auf Peninna wird herausgestellt: Sie, die unfruchtbar war, hat sieben Kinder geboren, aber sie, die viele Söhne hatte, welkt dahin . Hanna hatte schließlich fünf andere Kinder (V. 21 ), aber der Ausdruck „sieben Kinder“ symbolisiert hier die volle Gewährung ihres Wunsches nach einem Sohn. Das Brechen des Bogens (V. 4 ), die Sättigung des Hungrigen (V. 5 ), die Auferweckung vom Tod (V. 6 ) und die Erhöhung des Armen (V. 7 – 8 ) beziehen sich auf den Grundsatz, daß die letzte Anordnung aller Dinge in der Hand des Herrn liegt. Er, der die ganze Welt erschaffen hatte, war auch in der Lage, Hanna zum Triumph zu verhelfen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

„Tod“ (māwet/mōt)

Da eine Verbindung zwischen dem Totenreich und dem Tod offensichtlich ist, sollte es nicht überraschen, dass der Tod im Alten Testament zeitweise personifiziert wird. Der weniger offensichtliche Punkt ist die Aufnahme der als Mōt („Tod“) bekannten Gottheit in das altkanaanitische Pantheon.

Einige alttestamentliche Passagen, die sich auf den Tod beziehen, haben „mythologische Obertöne in Texten, die jedoch völlig entmythologisiert gelesen werden könnten“. In der kanaanitischen Mythologie wird Mōt als „ein gefräßiger Verzehrer von Göttern und Menschen“ mit einem enormen Appetit dargestellt, der „in der Unterwelt wohnt, die ein unangenehmer (schlammiger) Ort des Verfalls und der Zerstörung ist“.

Die Beobachtung, dass Mōt „entmythologisiert“ wurde, ist angebracht. Die biblischen Schreiber hatten keinen von Jahwe getrennten „Gott des Todes“. Leben und Tod waren allein Sache des wahren Gottes (5 Mose 32,39; 1 Samuel 2,6; 2. Kön. 5,7). Der Tod (mōt) stand unter der Autorität Jahwes. Dennoch griffen die biblischen Schreiber auf die weit verbreitete semitische Vorstellung zurück, dass es ein geistiges Wesen gibt, das Herr über das Totenreich ist. Gott kann souverän jemanden in die Unterwelt schicken, aber bestimmte Texte brachten die Idee hervor, dass der Tote unter der Autorität seines Meisters stünde.

Das Alte Testament assoziiert den Tod nicht speziell mit der Schlangenfigur oder dem Begriff śāṭān. Der neutestamentliche Hinweis darauf, dass der Teufel „die Macht des Todes“ hat (Hebr 2,14), hat jedoch Wurzeln im kanaanäischen (und israelitischen) Denken. In der kanaanitischen Religion müssen die Söhne von El um die Position des Mitregenten mit ihrem Vater kämpfen. Im Baal-Zyklus besiegt Mōt zunächst Baal, so dass Baal tot zu sein scheint. Baal erwacht jedoch wieder und besiegt Mōt. „Fürst Baal“ (ugaritisch: baʿal zebul) steigt zur Mitregentschaft auf und wird dabei zum Herrscher der Unterwelt. Dieser kanaanäische Titel ist der Hintergrund für Beelzebul, eine Bezeichnung für Satan/Teufel im Neuen Testament.

Eine wichtige Idee erstreckt sich von Mōt’s Besiegung von Baal. Die letztgenannte Gottheit war ein Sturmgott und als solcher der Bringer des Regens, der wiederum das Leben erhält und das Land fruchtbar macht. Das bedeutete, dass Mōt mit dem Gegenteil assoziiert wurde – der unfruchtbaren, wüstenhaften Wildnis, die selbst eine Metapher für das Reich der Toten war. In seiner detaillierten Studie über das Wildnis-Motiv stellt Alston fest,

Es gibt beachtliche Hinweise im Alten Testament, dass eine enge Beziehung zwischen dem Konzept der „Wildnis“ und dem des Urchaos besteht … jener Teil der Realität, der sich nicht um menschliches Leben kümmert und nicht für seinen Unterhalt sorgt, sondern stattdessen die ständige Bedrohung durch die Auslöschung darstellt.

Spezieller zu Mōt („Tod“) bemerkt Talmon: „Im ugaritischen Mythos ist es Mot, der Gott all dessen, was an Leben und Vitalität fehlt, dessen ’natürliche Behausung die sonnenverbrannte Wüste ist, oder alternativ die finstere Region der Unterwelt‘. „

Es gibt im Alten Testament noch andere Bezeichnungen für Geister, die mit dem rĕpāʾîm im Totenreich verweilen. Wenn die Hoffnung der Gerechten die Entrückung aus der Scheol zum ewigen Leben bei Gott war, dann würden per Definition diejenigen, die in der Scheol verbleiben, dort mit den bösen Geistern verweilen, deren Aufenthalt in der Unterwelt auf die übernatürliche Rebellion zurückgeführt wird. Die Unterwelt war daher ganz logisch ein Ort, an dem sich die Geister der bösen menschlichen Toten und die übernatürlichen bösen Geister befinden würden.

Michael S. Heiser – Dämonen – Was die Bibel wirklich über die Mächte der Finsternis sagt