aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
Elberfelder 1871 – Römer 7,23
Aber in meinen Gliedern, in meinem ganzen Verhalten, sehe ich ein anderes Gesetz am Werk. Dieses Gesetz liegt im Streit mit dem Gesetz, das ich innerlich bejahe, und macht mich zu seinem Gefangenen. Es ist das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern regiert und mir mein Verhalten diktiert.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Römer 7:23
doch in meinem Handeln sehe ich ein anderes Gesetz am Werk. Es steht im Kampf mit dem Gesetz, dem ich innerlich zustimme, und macht mich zu seinem Gefangenen. Darum stehe ich nun unter dem Gesetz der Sünde, und mein Handeln wird von diesem Gesetz bestimmt.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Röm 7,23
Doch in mir wirkt ein anderes Gesetz, das gegen meine Vernunft kämpft. Dieses Gesetz gewinnt die Oberhand und macht mich zum Sklaven der Sünde, die immer noch in mir ist.
Neues Leben – Bibel 2006 – Röm 7:23

Religion setzt dich unter Druck! Da wird zum Beispiel behauptet (natürlich in dem man die obige Bibelstelle aus dem Zusammenhang reißt): „Der Kampf gegen falsche Wünsche kann dich mutlos machen. … Wenn du vor einer Versuchung stehst, musst du also nicht lange überlegen. Du hast bereits alle Optionen ausgeschlossen, außer einer: …“
Dieses religiöse Denken führt dann zu Minderwertigkeitsgefühlen, dem Gefühl versagt zu haben, und auch Jehovah nicht lieben zu können.
Doch WAS sagt Paulus hier wirklich??
Wer mit Gott versöhnt worden ist, darf sein kostbares Verhältnis zu ihm nicht als selbstverständlich betrachten. Möchte er sich Gott weiterhin mit Freimut der Rede nahen, muß er ein reines Gewissen bewahren. Das erfordert Anstrengung, weil das Gesetz der Sünde oder die angeborene Neigung zum Bösen ständig in seinen Gliedern wirksam ist. Das „Gesetz der Sünde“ sucht seinen Wandel zu beherrschen und ihn auf einen Weg zu zwingen, der nicht in Übereinstimmung mit Gott ist. Der Apostel Paulus schrieb über diesen Kampf, den er an sich selbst verspürte: „Ich habe wirklich Lust an dem Gesetz Gottes gemäß dem Menschen, der ich innerlich bin, aber ich sehe in meinen Gliedern ein anderes Gesetz, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich gefangennimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Ich elender Mensch! Wer wird mich befreien von dem Leibe, der diesem Tod verfallen ist?“ — Römer 7:22-24.
Erwachet! 8.November 1972
Da Paulus solche inneren Kämpfe geführt hat, mag es scheinen, es sei ihm unmöglich gewesen, ein reines Gewissen vor Gott zu bewahren, obwohl er die „toten Werke“ bereut hatte. Aber dem ist nicht so. Als Antwort auf die obige Frage schrieb Paulus: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ (Röm 7:25) Ja, das Sühneopfer Jesu Christi „befreite“ Paulus; es ermöglichte es ihm, sein Verhältnis zu Gott und ein gutes Gewissen zu bewahren.
Auch wir können wie Paulus das gute Gewissen bewahren, das wir durch Reue über „tote Werke“ erlangt haben, indem wir fortgesetzt Gott im Glauben bitten, uns die Sünden aufgrund des Loskaufsopfers Jesu zu vergeben. Dann werden wir von unserem himmlischen Vater weiterhin liebevoll unterstützt, und wir dürfen auch die Hoffnung hegen, ewig zu leben.
Paulus zeichnet das Bild des durch das Gesetz unruhig gewordenen, aber sich mit ihm abquälenden Menschen so anschaulich, daß jeder sich sofort verstanden und angesprochen fühlt; das ist selbst erlebt und durchlitten. Hier wird nicht das Bild des gottlosen und auch nicht das Bild des idealistischen Menschen gezeichnet; der kennt sich nicht, der seufzt nicht so und ist nicht so zerrissen. Hier wird auch nicht das Bild eines des Heils gewissen Christen gemalt; der kennt seinen Herrn und weiß trotz mancher Niederlage und Demütigung um die Erlösung und auch um den Sieg über die Sünde. Er bricht darum in den Dank aus, der in V. 25 steht. Er weiß, daß er selbst es eben nicht schafft, sondern nur sein Herr, dem er alles verdankt. Hier wird das Auf und Ab, das Hin und Her des Menschen gekennzeichnet, der sich selbst gleichsam aus dem Sumpf ziehen will, der darum immer wieder von seinem Ich spricht (es kommt hier 24 mal vor). Aber es gibt mehr als solch ein „Armsünder-Christentum“. Es gibt einen frohen, heilsgewissen Glauben, der aus der Sünde herausführt oder doch herausführen kann. Trotzdem liegt Römer 7 nicht einfach hinter uns, sondern steht hier als Warnung vor uns.
Bruns – Die Bibel mit Erklärungen: Erklärungen
Bereit, aus seinen Erfahrungen zu lernen, kommt er zu der Schlußfolgerung: So finde ich nun das Gesetz, daß mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. Damit ist natürlich nicht das mosaische Gesetz gemeint, sondern eine einfache Erfahrungstatsache. Auch in Röm 8,2 hat „Gesetz“ (nomos) die Bedeutung von „Prinzip“. Das Gesetz oder Prinzip, um das es dabei geht, ist die Realität des in jedem Menschen stets vorhandenen Bösen, das sich Bahn bricht, wann immer er Gutes tun will. Paulus spricht die Wahrheit, wenn er sagt: Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen (vgl. Röm 7,25; zum „inwendigen Menschen“ vgl. auch 2Kor 4,16 und Eph 3,16). Die „Lust am Gesetz Gottes“ war auch die Antwort des Psalmisten in Ps 119 (z. B. V.16.24.47; vgl. Ps 1,2). Weil er wiedergeboren ist, ist ein Glaubender ein neuer Mensch bzw. hat er die Fähigkeit, die geistliche Wahrheit zu lieben. Doch in Anerkennung einer Erfahrungstatsache muß Paulus einräumen: Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern: das Prinzip der Sünde. Er nennt es „die Sünde, die in mir wohnt“ (Röm 7,17.20), das Böse, (das mir) anhängt (V.21), „das sündige Fleisch“ (Röm 5,1; 8,25).
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Dieses Prinzip bewirkt ständig zwei Dinge: Es widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Das dem Menschen innewohnende Prinzip der Sünde liegt in dauerndem Kampf mit dem neuen Menschen, den es unterwerfen und beherrschen will (vgl. „Knechte“ bzw. „Dienst“ in Röm 6,17.19-20). Die neue menschliche Qualität, die der Gläubige nach seiner Bekehrung besitzt, wird als „das Gesetz“ des „Gemüts“ (noos, vgl. Röm 7,25) bezeichnet; sie versetzt ihn in die Lage, moralische Urteile zu fällen. Doch trotzdem der Gläubige Christus in Tod und Auferstehung gleich geworden ist und sich bemüht, ihm in seinen Einstellungen und Handlungen die Ehre zu geben, hat er von sich aus nicht die Kraft, der ihm innewohnenden Sünde entgegenzutreten. In sich und aus sich selbst heraus erlebt er ständig nur Niederlagen und Frustrationen.
Diese Enttäuschung bricht sich Bahn in dem Ausruf: Ich elender Mensch! (Das entspricht dem Zustand der Gemeinde in Laodizea, wie ihn der Evangelist Johannes wahrnahm – auch sie war „elend“; Offb 3,17.) Der Apostel fragt: Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? Paulus ist klar, daß er, solange er in seinem sterblichen Leib gefangen ist, dem Konflikt mit der ihm innewohnenden Sünde ausgesetzt ist, die er aus eigener Kraft nicht besiegen kann. Die Wendung „todverfallener Leib“ und „Leib der Sünde“ (Röm 6,6) bedeuten, daß die Sünde im Körper des Menschen am Werk ist (vgl. Röm 6,6.12-13.19; Röm 7,5.23) und den Tod bringt (Röm 6,16.21.23; 7,10-11.13; 8,10). Doch dem hält Paulus triumphierend entgegen: Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn! Seine Antwort besteht also in dem Verweis auf den endgültigen Sieg über die Sünde, den Christus für die Menschen errungen hat. So wie die Gläubigen Christus in seinem Tod und seiner Auferstehung bereits hier und jetzt gleich geworden sind, so werden sie in ihrem neuen Leib für alle Ewigkeit von der Gegenwart der Sünde befreit sein (Röm 8,23; Phil 3,20-21). In der Zwischenzeit, in diesem Leben, schließt Paulus, diene ich nun mit dem Gemüt (noi; vgl. noos in Röm 7,23) dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch (sarki; vgl. V.18, wo sarki, von sarx, ebenfalls mit „Fleisch“ übersetzt ist) dem Gesetz der Sünde (vgl. „unter die Sünde verkauft“; V.14). Während sie auf die Freiheit von der Sünde warten, leben die Gläubigen in dem Konflikt zwischen ihrem wiedergeborenen Geist (bzw. ihren neuen Eigenschaften oder Fähigkeiten) und der Sünde.
Das Gesetz Gottes steht als ohnmächtiger Zuschauer dabei. Freudig stimme ich nämlich dem Gesetz Gottes zu nach meinem inneren Menschen, erblicke aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, Krieg führend mit dem Gesetz meiner Vernunft, mich (jedes Mal) zum Kriegsgefangenen machend durch das Gesetz der Sünde in meinen Gliedern. Paulus verlebendigt seine Ausdrucksweise. Sachliches Beipflichten nach V. 16 wird hier freudiges Zustimmen zum guten Gesetz Gottes. An Stelle des abstrakten »ich« erscheint jetzt der »innere Mensch«, der in einen heftigen Krieg zwischen Gut und Böse hineingerissen ist.
Wuppertaler Studienbibel
Auf der einen Seite steht das »Gesetz meiner Vernunft«, vergleichbar dem »Gewissen« in 2,15. Es ist nicht identisch mit dem Gesetz Gottes, aber weiß in irgendeiner, wenn auch fragwürdigen Form um Gottes Gebot und Verbot. Immerhin meldet es sich als sein Anwalt. Die Spannung, von der hier die Rede ist, besteht also nicht zwischen einer guten und einer bösen Hälfte in mir, sondern zwischen Gott einerseits (im Medium der Vernunft oder des Gewissens) und andererseits mir, dem rebellischen Menschen. Dieser Mensch lebt maßgeblich von seinen Gliedern her. Gedacht ist dabei gewiss an seine Körperfunktionen, doch über die massive Körperlichkeit hinaus ist das ganze Tun und Lassen des Menschen umfasst (s. zu 6,12–13). Dort hat das andere Gesetz, das Antigesetz, das Gesetz der Sünde, seine Residenz eröffnet. Von dort her rücken seine Argumente in erdrückender Selbstgewissheit gegen die vernehmende Vernunft (1,20) vor. Sie umringen sie und treten sie nieder. Dann tragen sie den Menschen gefangen davon, in ein vernunftloses Tun hinein. Das alles, ohne dass ein Handgemenge anschaulich wird; er wird einfach weggetragen.
Die Verse 21-25 enthalten das dritte Bekenntnis des Paulus. In Vers 21 bekennt er, dass in seinem Leben ein Prinzip herrscht, mit dem er kämpft: „Ich finde also das Gesetz, dass mir, der ich Gutes tun will, Böses widerfährt. Im Leben eines Gläubigen gibt es einen Konflikt, der Zweifel hervorrufen kann, besonders bei neuen Gläubigen. Sie fragen sich vielleicht, ob sie wirklich gerettet sind, wenn sie an den Kampf denken, der in ihnen tobt. Ungläubige haben diesen Kampf jedoch nicht. Deshalb ist die Tatsache, dass der Gläubige seine Unfähigkeit, Gutes zu tun, bemerkt – die Tatsache, dass er das Böse in sich bemerkt – ein Beweis für seine Errettung.
Die Verse 22-23 liefern den Beweis für diese Aussage:
Arnold G. Fruchtenbaum – Ariel’s Bibelkommentar: Römer
22 Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen; 23 ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz meines Verstandes streitet und mich gefangen hält unter dem Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
Der griechische Begriff für „Freude“, sunédomai, bedeutet „sich gemeinsam freuen“. Moo weist darauf hin, dass dieses biblische griechische hapax legomenon eine Vielzahl von Bedeutungen hat, wie z. B. „beglückwünschen“ und „mitfühlen“. Der Begriff bezieht sich auf eine mitfühlende Freude, die man mit einem anderen haben kann. Paulus hatte große Freude daran, in seiner neuen Natur dem Gesetz Gottes zu gehorchen (V. 22). Er hatte ein echtes Verlangen, das zu tun, was richtig und gut ist. Dieses Verlangen löste jedoch einen großen Konflikt in seinem Geist aus. Sobald Paulus sah, dass er sich verpflichtet hatte, nach dem Gesetz des Geistes, also nach Gottes Willen, zu leben, kam der Wunsch auf, dies nicht zu tun. In seinen Gliedern wirkte eine andere Art von Gesetz. Dieses Gesetz machte Paulus zu einem Gefangenen des Gesetzes der Sünde, das seit dem adamischen Sündenfall über jeden Menschen regiert. Das Präsens des griechischen Begriffs für „Krieg führen gegen“, antistrateuomenon, zeigt, dass dieser innere Krieg andauert. Das Ergebnis ist, dass der Krieg dazu führt, dass der Gläubige unter dem Gesetz der Sünde versagt.
In den Versen 24-25 kommt Paulus zu einer dritten Schlussfolgerung, die in Vers 24 mit einem Schrei der Verzweiflung beginnt: Ich elender Mensch, wer wird mich aus dem Leib dieses Todes erlösen? Der Ausruf des Paulus verweist auf den dritten Zweck des Gesetzes: Das Gesetz sollte einem vor Augen führen, dass auf seiner Grundlage niemand etwas tun kann, um die Rechtfertigung oder Heiligung zu erreichen. Paulus fragte, wie er endlich aus diesem ständigen Kreislauf von Versprechen, nie wieder zu sündigen, und dem Versagen, dieses Versprechen zu erfüllen, frei werden könnte.
Die Antwort kommt in Vers 25: Ich danke Gott durch Jeschua Messias, unseren Herrn. So diene ich nun zwar mit dem Verstand dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde. Die Hilfe für den kämpfenden Gläubigen kommt vom Herrn. Die griechische Formulierung für „also“, ara oun (wörtlich: „also“), leitet die Schlussfolgerung „als eine zusammenfassende Rekapitulation“ dessen, was Paulus in diesem Abschnitt gesagt hat. Mit dem Fleisch kann der Gläubige nur dem Gesetz der Sünde dienen, denn die sündige Natur ist nicht in der Lage, Gott unter allen Umständen zu dienen. Wenn Gläubige also versuchen, das geistliche Leben mit Hilfe des Fleisches zu leben, werden sie garantiert scheitern. Sobald sie ein Gesetz aufstellen, nach dem sie ihr geistliches Leben ausrichten, und versuchen, es mit Hilfe der Werke dieses Gesetzes zu leben, werden sie am Ende noch mehr sündigen. Das Gesetz Gottes, von dem hier die Rede ist, bezieht sich nicht auf das Gesetz des Mose, das nur für Juden bestimmt war. Vielmehr bezieht sich der Ausdruck auf das Gesetz des Messias, das sowohl für jüdische als auch für heidnische Gläubige gilt. In diesem Zusammenhang wird der griechische Begriff für „Geist“, nous, synonym für den menschlichen Geist verwendet, der der Ort der Erweckung ist. Kapitel 8 wird zeigen, dass das Mittel, mit dem die Gläubigen die Gebote des Gesetzes des Messias erfüllen, die Kraft des Heiligen Geistes ist
»Denn ich habe Freude am Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen«: Dieser Satz erklärt, woher es kommt, dass Paulus »das Rechte tun will« (V. 21). In V. 16 hatte er gesagt, dass er dem Gesetz beistimmt; hier sagt er, dass er Freude hat am Gesetz Gottes (wie der Gerechte in Ps 1,1–2). Und diese Freude hat er »nach dem inneren Menschen«. Vom inneren Menschen spricht Paulus außer hier noch in 2Kor 4,16 und in Eph 3,16. In 2. Korinther sagt er, dass unser innerer Mensch täglich erneuert wird, während der äußere verfällt. Und er betet für die Christen in Ephesus, dass Gott sie durch seinen Geist mit Kraft stärken möchte »an dem inneren Menschen«. Das zeigt, dass hier jemand spricht, der um einen inneren Menschen weiß, jemand, der eine neue Natur bekommen hat. Im nächsten Vers sagt er:
Benedikt Peters_2019 – Der Brief an die Römer
»aber in meinen Gliedern sehe ich ein anderes Gesetz, das Krieg führt gegen das Gesetz meines Sinnes«: Ein Gesetz, das in seinen Gliedern ist, stellt er hier dem »Gesetz [seines] Sinnes« entgegen, dem Sinn des inneren Menschen. Gerne wollte er das Gesetz Gottes befolgen, aber da ist in seinen Gliedern ein anderes Gesetz, das stärker ist, und das bringt ihn »in Gefangenschaft … unter das Gesetz der Sünde«. Das ist ein sehr sprechender Vergleich. Die Sünde, die in seinen Gliedern ist, führt Krieg gegen sein gutes Wollen, und sie besiegt ihn und macht ihn zum Kriegsgefangenen. Das hier verwendete griechische Wort aichmalōtizō bedeutet wörtlich »jemanden mit der Lanze oder dem Speer (aichmē) treiben«. Der Sieger hält dem Besiegten die Spitze des Speeres in den Nacken und treibt ihn so vor sich her. Der Gefangene ist ganz der Willkür des Siegers ausgeliefert. So steht es um den Mann, der in diesen Versen spricht. Wir verstehen, dass er ganz verzweifelt ruft:
»Ich elender Mensch!«: Da ist jemand, dessen Wille frei ist, das Gute zu wählen, aber gerade das macht seine Not nur umso größer. Er hat Erkenntnis und auch ein wachsendes Empfinden dafür, wie übel die Sünde ist; er will darum die Sünde meiden und das Gute tun, aber er hat nicht die Kraft, das gute Wollen in die Tat umzusetzen. Die Sünde ist stärker als der Wille zum Guten. Das macht sein Elend aus. Wird er denn nie frei von dieser überlegenen Macht, die er gelernt hat zu verabscheuen? Endlich stellt er die alles entscheidende Frage: »Wer wird mich entreißen diesem Leib des Todes?« Er fragt nicht nach einer Kraft, die ihn befähigen könnte, sondern er fragt nach einer Person. Mit dem Verb entreißen, rhyomai, verwendet Paulus nach »Krieg führen« (V. 23) und »in Gefangenschaft bringen« (ebenfalls V. 23) zum dritten Mal ein Wort aus der Welt der Kriegsführung. Der Kriegsgefangene hofft auf einen Befreier, der kommt und ihn aus der Gefangenschaft befreit. So fragt irgendwann der Christ nicht mehr: Wie kann ich mich der Übermacht der Sünde entwinden? Sondern er fragt: »Wer?« Damit schaut er weg von sich, und so hört sein Versuchen auf, dem Gesetz Gottes gehorsam zu sein, das ihn auf sich selbst und auf sein menschliches Vermögen zurückwarf.
In V. 21 offenbart Paulus, daß er eine Entdeckung gemacht hat: »Ich finde also das Gesetz, daß bei mir, der ich das Gute tun will, nur das Böse vorhanden ist« (Rev.Elberf). Dennoch erklärt er im nächsten Vers, daß er Wohlgefallen am Gesetz Gottes hat. Hier in V. 23 verwendet er das Wort blepô (»sehen«), um seinen geistigen Blick zu beschreiben, mit dem er ein anderes Gesetz in seinen Gliedern wahrnimmt. Das Wort, das mit »ein anderes« wiedergegeben wurde ( heteros ), bedeuet »von verschiedener Art«.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Das andere Gesetz, das sich vom Gesetz Gottes unterscheidet, an welchem er Wohlgefallen hat, streitet in seinen Gliedern. Dieses Gesetz führt einen Feldzug gegen das Gesetz seines Sinnes. Dieses bösartige Prinzip, das er verabscheut, ist dasselbe wie in V. 21. »Ich finde also das Gesetz, daß bei mir, der ich das Gute tun will, nur das Böse vorhanden ist« (Rev.Elberf). Es ist sehr unwahrscheinlich, daß Paulus an ein anderes böses Prinzip denkt, das sich vom Prinzip der Sünde unterscheidet. Er sagt nicht, daß er in Sklaverei unter noch einem weiteren Befehlshaber sei, der mit dem anderen Meister um die Herrschaft über ihn ringt. Es muß dasselbe Gesetz sein, das er bereits in V. 5 beschrieben hat, das »in unseren Gliedern wirkt, um dem Tode Frucht zu bringen«.
Paulus‘ Wortwahl weist auf einen Konflikt hin. Das Schlachtfeld befindet sich in seinem Sinn, ein Ausdruck, der in diesem Zusammenhang eine breitere Bedeutung hat als bloß den Sitz seiner Wahrnehmung. Es ist nicht das Herz. Es geht nicht um seine Gefühle. Vielmehr geht es hier um sein ganzes Sinnen und Denkvermögen. Der Kampf ist von intellektueller Natur. In diesem Reich wird der Kampf ausgefochten, und der Feind, das Gesetz der Sünde, versucht ihn gefangenzunehmen. Es will ihn beherrschen und ihn versklavt wegführen. Die Sprache ist eindrücklich. Das ist notwendigerweise so, um zu betonen, daß sogar das Denkvermögen und die Kraft der Gedanken dem Gesetz der Sünde unterworfen werden können. Wenn das geschieht, müssen der Leib und seine Glieder folgen, da sie nicht unabhängig von den Anweisungen des Sinnes Gutes tun können.
Der Vers besagt, daß das Gesetz der Sünde gegen das Gesetz seines Sinnes streitet. Dieser Ausdruck »das Gesetz meines Sinnes« deutet an, daß es im rationalen Teil seines Wesens eine Leitungsfunktion der Handlungen gibt und daß es diese ist, die im Konflikt mit dem Bösen steht. Dieses aktive Prinzip des Sinnes stimmt dem Gesetz Gottes zu, daß es heilig, gerecht und gut ist, aber es befindet sich im Kampf. Das Gesetz der Sünde (das böse Prinzip) ist gegenwärtig. Es hat einen festen Wohnsitz in seinen Gliedern. Es ist der Eindringling, der sich festgesetzt hat und bleibt. Es hat nicht die Schlacht um ihn gewonnen, aber es besteht kein Zweifel an seiner Macht. Dennoch neigt sich seine Beschreibung des Kampfes dem Ende. Sein Umgang damit war dramatisch. Die verwendete Sprache war eindrücklich, doch leisere Töne hätten die Ernsthaftigkeit der Situation nicht ausreichend verdeutlicht. Die Feststellung, wo der Gläubige bezüglich Gesetz und Sünde steht, ist von überragender Wichtigkeit und kann keiner Mutmaßung überlassen werden.






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