Kategorie: Fragen zur Bibel

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ – II

Jesus sagte zu Thomas:
Ich bin selber die Wahrheit.
Und ich bin selber das Leben.
Und ich bin selber der Weg.
 Ich bin der Weg zum Vater.
Das bedeutet:
Niemand kann alleine zum Vater im Himmel kommen.
Ihr könnt nur zum Vater im Himmel kommen, wenn ihr bei mir bleibt.
Weil ich der Weg bin.
Evangelium in Leichter Sprache – Johannes 14

Um also ein gutes Bild vom Vater zu erhalten, benötigen wir was?
eine gute Gemeinde? … eine gute Familie?
waren die Fragen 2020

6: Der Weg …, Zusammenfassung der johanneischen Christologie. Die Christusgläubigen nannten sich selbst „der Weg“ (Apostelgeschichte 9,2). Die Wahrheit … Leben, die Erkenntnis der Wahrheit ist eine persönliche Beziehung, keine intellektuelle Erfahrung. Niemand … außer durch mich, Grundlage für den exklusiven Anspruch des christlichen Heils.

The Jewish Annotated New Testament: New Revised Standard Version Bible Translation

Zu wem sollten wir beten? Wie Jesus seine Nachfolger lehrte, zu unserem „Vater im Himmel“ (Matthäus 6:9). Er sagte auch: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Johannes 14:6). Wir sollten also nur zu Jehova beten, und zwar durch Jesus. Was bedeutet es, durch Jesus zu beten? Es erfordert, die besondere Rolle anzuerkennen, die Jehova Jesus gegeben hat. Wie wir gelernt haben, kam Jesus zur Erde, um uns von Sünde und Tod zu befreien (Johannes 3:16; Römer 5:12). Jehova hat Jesus außerdem zum Hohen Priester und Richter ernannt (Johannes 5:22; Hebräer 6:20).

Was lehrt uns die Bibel?

Aber da gibt es doch sicher eine Organisation, die den Weg zu Jehovah frei macht? Hat Jehovah etwa einen „Jesus-Ersatz-Weg“ eingerichtet?
Also schauen wir uns die Worte Jesu noch einmal an!

Die Aussage des Thomas (Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst) und seine Frage (wie können wir den Weg wissen) spiegelt das Erstaunen der Elf wider (vgl. Petrus‘ ähnlich lautende Frage in Joh 13,36). Diese Verwirrung sollte sich bis zu Jesu Tod und seiner Auferstehung und bis zum Kommen des Geistes nicht auflösen. Die Jünger besaßen alle Informationen, doch sie konnten nichts damit anfangen.
Jesu Worte „ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ sind die sechste von seinen sieben „Ich-bin“-Aussagen im Johannesevangelium (Joh 6,48;8,12;10,9.11;11,25;14,6;15,1). Er ist „der Weg“, weil er „die Wahrheit“ und „das Leben“ ist. Wie der Vater die Wahrheit und das Leben ist, so ist Jesus die Verkörperung Gottes, und über ihn können die Menschen zum Vater kommen (vgl. Joh 1,4.14.18;11,25). Mit den Worten „niemand kommt zum Vater denn durch mich“ betonte Jesus, daß die Rettung, im Gegensatz zu dem, was die Menschen dachten, nicht auf vielen Wegen erlangt werden kann. Es gibt nur einen einzigen Weg (vgl. Apg 4,12; 1Tim 2,5). Jesus ist der einzige Zugang zum Vater, weil er der einzige ist, der vom Vater herkam (vgl. Joh 1,1-2.51;3,13).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Dieses Ziel muß kein fernes und undeutliches sein. Denn Jesus kann voraussetzen: „Und wohin ich gehe, wißt ihr den Weg (oder: wißt ihr und auch den Weg wißt ihr).“ Denn den Vater kennen sie doch nun, und den Weg zum Vater wissen sie auch. Davon handelte im Grunde alles, was Jesus ihnen in diesen Jahren gezeigt hatte. Jesus wird aber feststellen müssen, daß seine Jünger das doch noch nicht verstanden haben (V. 8. 9). Es ist zunächst wieder Thomas, der voll Ungewißheit das Wort ergreift. „Thomas sagt zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie wissen wir den Weg?“ Wir haben Thomas und seine Art bereits in 11, 16 kennengelernt. Gerade ihm antwortet Jesus nicht mit Erklärungen und Beschreibungen, sondern mit einem Wort, das dem Fragenden unmittelbar Gewißheit zu geben vermag. „Jesus sagt zu ihm: Ich selbst bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, keiner kommt zu dem Vater außer durch mich.“ Wieder haben wir ein „Ich-bin“-Wort vor uns. Wieder faßt Jesus eine große und wesentliche Sache unseres Lebens in seine eigene Person hinein und gibt uns in seiner Person selbst das, was wir sonst vergeblich suchen. Er „ist“ selber das Brot des Lebens und gibt es uns nicht nur. Er „ist“ die Auferstehung und das Leben und vermittelt sie nicht nur. Das wird einzigartig wichtig und klar, wenn es sich um den entscheidenden Weg, den Weg zu Gott, zum Vater handelt. Jesus weist nicht von sich weg auf einen „Weg“, auf dem wir nun bis zum Vater durchdringen müssen. Da kämen wir niemals zu Gott. „Durch ihn“, durch ihn hindurch, finden wir Gott. Warum ist das so? Wissen über Gott, echtes Wissen, das uns verantwortlich macht, gibt es auch abgesehen von Jesus. Aber dieses Wissen führt uns an den Abgrund unserer Ursünde, der unser ganzes sündiges Dasein im Dahingegebensein von Gott folgt (Rö 1, 21–32. Vgl. die Auslegung dazu in der W.Stb). Wie sollen wir als solche Gottlosen, Sünder, Feinde (Rö 5, 5–10) zum „Vater“ kommen! Allein Jesus ist „der Weg“, weil er allein „die Versöhnung für unsere Sünden“ (1 Jo 2, 2) ist. So bringt uns Jesus in seinem Leiden, Sterben und Auferstehen zum Vater zurück und ist darin selber „der Weg“. Darum ist er zugleich „die Wahrheit“. Er lehrt nicht, wie viele Religionen und Weltanschauungen es tun, „Wahrheiten“ über Gott und über uns. „Wahrheit“ steht auch hier wieder in der Einzahl und mit dem bestimmten Artikel und hat den Sinn von „wahrer Wirklichkeit“. In Jesus finden wir die Wirklichkeit des lebendigen Gottes. Darum ist er allein „das Leben“, das er uns nicht nur zeigt oder vermittelt, sondern das wir „in ihm selber“ haben (1 Jo 5, 12. 20). In diesem kurzen Wort Jesu steht das Evangelium in seiner ganzen Eigenart und Herrlichkeit vor uns.

Wuppertaler Studienbibel

Der Herr spricht
Er stellte sich selbst als den Weg und als das Ziel dar. Als der Weg ist er der Mittler zwischen Gott und den Menschen, der „neue und lebendige Weg“ (Hebräer 10,20), und der „Vorläufer“ (Hebräer 6,20), derjenige der als der Gute Hirte Sein Volk führt. Dieser Weg steht im Gegensatz zum breiten Weg, der viele ins Verderben führt.
 Wenn der Gläubige einmal auf diesem Weg ist, kann er die Wahrheit kennenlernen, welche ihn frei macht. Zweifelsohne nimmt der Titel „die Wahrheit“ die Frage des Pilatus vorweg: „Was ist Wahrheit?“ (18,38). Dieser Wesenszug des Herrn bildet den krassesten Gegensatz zu „der Lüge“ (dem Menschen der Sünde), welcher die Menschen am Ende glauben werden (2Thes2,11).
 Es kann wiederum nur ein Gläubiger den Herrn als „das Leben“ kennen; denn „in ihm war Leben“. Leben ist aktiv, und in Christus wächst der Gläubige, tut sich dieses Leben kund, denn es muß „das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleische offenbar“ werden (2Kor 4,11). Dieser wesentliche Charakterzug des Herrn steht im Gegensatz zum Menschen der Sünde, dem Anti-Christus, der getötet und gerichtet werden wird (2Thes2,8).
 Einzig durch den dergestalt geoffenbarten Herrn kann ein Mensch zum Vater kommen. Nur Diebe und Räuber versuchen andere Methoden, welche religiösen aber christuslosen Menschen so wichtig sind. Der Herr aber kennt die Sein sind.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Die zweite Ermahnung betrifft den Weg zur Errettung (Joh 14,6-7), der durch Jeschua, den Messias, führt. Jeder, der behauptet, dass Gott außer durch Jeschua erkannt werden kann, ist ein Irrlehrer, denn „niemand kommt zum Vater außer durch ihn.“ Natürlich behaupten alle Weltreligionen außerhalb der Heiligen Schrift, dass Menschen unabhängig von Jeschua direkt zu Gott kommen können. Dies widerspricht jedoch Jeshuas Lehre aus Johannes 14:6-7.

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Ein persönliches Verhältnis ist nötig – auf dem direktem Weg, ohne den Umweg über einen Papst oder einen leitenden Pastor oder eine gar eine leitende Gruppe! Jesus allein ist der Weg!

wie du ihnen, so du mir?? – II

Und so wird der König ihnen in seiner Antwort erklären: »Ich sage euch die Wahrheit: Insofern habt ihr an mir gehandelt, als ihr an nur einem von diesen meinen unbedeutendsten Geschwistern gehandelt habt.
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – Mt 25,40

2020 war meine Frage: Frage an Dich: Seit wann benötigt ER essen und trinken, Kleidung usw. wie es in den Versen davor aufgezählt wird????

Dieser Vers sagt uns, worum es in dem Gleichnis geht. Jesus ist nicht persönlich auf der Erde und deshalb können wir ihm nicht solche persönlichen Gefälligkeiten erweisen, wie es diese guten Schafe getan haben sollen. Aber seine Jünger, die seine und unsere Brüder sind, sind hier, und wir haben immer die Möglichkeit, ihnen Gutes zu tun. (Siehe Galater 6:10.)

E.M. Zerr – Matthäus 25,40

Er deutet ihnen sein Rätselwort. 25,40: Und der König wird antworten und ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Soweit ihr solches einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, habt ihr es mir getan. Er dankt ihnen für das, was sie seinen Brüdern taten; denn der Bruder rechnet die dem Bruder erwiesene Wohltat als für sich getan. Er, der Verherrlichte, war deswegen mit allem Elend belastet bei ihnen, weil seine Brüder mit solcher Not unter ihnen lebten. Wenn es auch nur einer war, dem sie dienten, und ein geringer, der nichts für sich geltend machen konnte, dennoch war diese Wohltat ihm getan. Diese meine Brüder, sagt er; sie sind auch zur Stelle, alle diese Elenden, die damals nicht wußten, daß Christus wie ein Bruder für sie empfand, und die nun hören, wie treu er sich mit ihnen eins macht und wie hoch er die Güte schätzt, die ihnen getan worden ist.
Wir dürfen nicht sagen, diese Brüder Jesu seien nur die Jünger oder die Christenheit; denn das wäre ein eigenmächtiger Zusatz zu Jesu Wort. Er hat allerdings verheißen, daß, wer um seines Namens willen die Kleinen aufnehme oder einem Jünger den Becher mit Wasser reiche, es ihm tue. Aber unser Wort macht Jesu Gnade noch größer, weil er hier von allen Völkern spricht. Darum redet er nicht vom Glauben an ihn und vom Bekenntnis zu seinem Namen, sondern nur von seinem Hunger und seiner Not und nennt damit einen Dienst, den ihm jedermann überall tun kann, wozu er keinen besonderen Unterricht bedarf, weil er das nicht erst durch das Evangelium lernt. So groß und weit ist Jesu Gnade: sie freut sich an jeder Guttat der Menschen, freut sich, daß er ihnen dafür mit dem Himmelreich danken kann. Wir aber murren natürlich wie die Arbeiter im Gleichnis, die zuerst berufen waren, und sagen: Sogar solchen gibst du deinen Lohn! wir müssen an dich glauben, müssen dir gehorchen, und diesen gibst du dein Himmelreich, obwohl sie nichts taten, als daß sie einen deiner hungrigen Brüder speisten. Jesus hat uns die Antwort dafür gegeben: So werden Erste Letzte! und gibt sie uns auch sofort wieder: Wem es zu gering scheint, den Bruder zu speisen, der ist verflucht. Kann denn darin, daß Jesus seine Gnade groß macht, irgendwelche Schwierigkeit für unseren Glauben liegen? Je herrlicher Jesu Gnade ist, um so leichter, froher und gewisser wird der Glaube. Auf den läßt sich trauen, der für jede Liebe mit dem Himmelreich dankt.
Aber preist Jesus damit nicht das Werk? Gewiß, er preist es! Es ist aber ein großer Unterschied, ob wir unser Werk preisen oder ob er es preist! Wenn die, die ihn in den Brüdern speisten, zu ihm sagen wollten: Dich haben wir gespeist, sieh doch, wieviel wir dir getan haben, wie hoch du durch unsere Güte uns verpflichtet bist! so wissen wir, was Jesu Antwort wäre: Deine Linke hat gemerkt, was deine Rechte tat, damit hast du deinen Lohn! Diese stolze Liebe, die sich bläht und Christus sich verpflichtet meint, ist verdorben. Jesus dankt nur solchen, die ihm sagen: Wir konnten dir nichts tun; wann warst du je unser Gast? Darin erscheint Jesu Gnade, daß er unser Werk als ihm getan annimmt und nicht von unseren Sünden mit uns redet. Und unser Glaube besteht darin, daß wir den Herrn unser Werk rühmen lassen und es nicht selber rühmen und von seiner Güte das Himmelreich erwarten und nicht von unserem Werk. Er besteht aber nicht darin, daß wir das Werk uns ersparen, weil Jesus mit unserem Glauben zufrieden sein dürfte. Wozu hat er denn von den Törinnen geredet, die sich um das Himmelreich betrogen, und vom faulen Knecht, der nichts tat? Doch nicht dazu, damit wir mit dem Glauben unsere Bosheit decken. Es gibt hier nur zwei Wege: entweder tun wir Gottes Willen, oder wir tun unseren bösen Eigenwillen. Wen der Glaube nicht zu jenem führt, der geht den anderen Weg und hat dadurch den Ölkrug vergessen und sein Talent verscharrt.

Schlatters Erlӓuterungen zum Neuen Testament

Überlagert wird die Herkunftsfrage vom zentralen Problem der Interpretation: mit wem identifiziert sich der königliche Richter? Für zahlreiche ältere Kommentare und neuere Interpreten sind die Brüder Jesu bzw. die Geringsten, in denen er den im Gericht Angeredeten begegnet, die Christen, seine Jünger. Eine besondere Ausprägung erfährt diese Deutung bei Joach. Jeremias. Der Gerichtsdialog gibt Antwort auf die Frage nach dem Maßstab, aufgrund dessen die Heiden gerichtet werden. Während für die Jünger das Bekenntnis zu Jesus das eschatologische Schicksal bestimmt (10,32f.), liegt für die Heiden, die Jesus nicht begegneten, alles am Verhalten zu seinen Boten. In Ausgestaltung des in 10,40–42 Gesagten werden die seinen Jüngern, den urchristlichen Missionaren, erwiesenen Werke der Barmherzigkeit als ihm selbst geschehen gewertet. Faßt man es so auf, so wird man das Urteil von L. Cope nicht scheuen dürfen: »The ethic is a churchly«.
Seit den sechziger Jahren mehrt sich die Zahl der Interpreten, die für ein universales Verständnis des in 25,40 formulierten Maßstabs eintreten. Dabei werden die Akzente durchaus verschieden gesetzt. U. Wilckens meint, daß das Motiv der Boteninstruktion bewußt entschränkt auf alle Menschen als »Gottes Brüder« bezogen wird. Für P. Christian ist es wichtig, daß es sich trotz der uneingeschränkten Identifizierung des Richters mit den Geringsten um eine Mahnung an die Christen handelt, die hier den für sie im Gericht geltenden Maßstab vorgelegt bekommen. Dieser stimmt mit dem überein, den Matthäus mit seiner nachdrücklichen Betonung des Tuns auch an anderen Stellen (vgl. 7,21–23) bietet.

Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament

Die »Antwort« des »Königs« spitzt sich auf das eine zu: »Was… irgendeinem von diesen meinen geringsten Brüdern getan« ist, ist ihm selbst getan. In jedem »von diesen Brüdern« begegnet Jesus selbst. Im ganzen NT ist aber eindeutig, wer Jesu »Brüder« sind: seine Jünger (Mt 12,49ff.; Mt 18,15.21.35; 23,8; 28,10; Lk 22,32; Joh 20,17; Röm 8,29; Hebr 2,11.17).
Niemals werden andere so genannt. Dass Jesus den Menschen im Jünger begegnet, ist ebenfalls mehrfach gesagt: »Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf« (Mt 10,40) – »Wer euch hört, der hört mich« (Lk 10,16). Ja, schon das AT verbindet Gott und seine Leute zu einer ähnlichen Einheit (1 Sam 8,7; Spr 14,31; 19,17; vgl. Joh 17,21ff.). Diese Beobachtung wird dadurch bestätigt, dass »Geringe«, »Kleine« oder »Geringste« ebenfalls die Jünger Jesu bezeichnet (Mt 10,42; 11,11; 18,6.10.14; Lk 12,32). Die Wendung »diese Kleinen« in Mt 18,6.10.14 steht ganz nahe bei Mt 25,40. Vielleicht ist die Szene in unserem Vers sogar so zu verstehen, dass Jesus bei »diesen meinen geringsten Brüdern« auf die mit ihm vereinigte Gemeinde deutet (vgl. Mt 24,31; 25,21.23; 1 Kor 6,2; 15,23.51ff.; 1 Thess 4,14ff.; Off 19,7ff.; Off 20,4ff.). Mit J. A. Bengel, K. F. Harttmann u. a. ist deshalb daran festzuhalten, dass es sich bei den »Brüdern« in Mt 25,40 wirklich um die Jünger Jesu handelt.
Von da aus erschließt sich der übrige Inhalt des Gleichnisses. So wie das Vaterunser das Gebet einer leidenden und verfolgten Gemeinde darstellt, so wie Mt 10,40ff. denjenigen »Lohn« verspricht, die Jesu verfolgten Jüngern Gutes tun, so tröstet unser Gleichnis die Jünger dadurch, dass es jedem die Rettung im Weltgericht verspricht, der ihnen Gutes getan hat – denn »das habt ihr mir getan«. Die Jünger sind ja der Leib Jesu (Röm 12,4ff.; 1 Kor 12,12ff.). So weit greift also Gottes Barmherzigkeit hinaus, dass sie um Jesu willen nicht nur diejenigen rettet, die ein Glied an seinem Leibe geworden sind, sondern auch diejenigen, die einem Glied seines Leibes Gutes getan haben! Was solche Wohltaten für die verfolgten Jünger bedeuten, können wir heute an denen ermessen, die als kommunistische oder nazistische Funktionäre oder als Soldaten Idi Amins Christen gedeckt und geschont haben. Zugleich weist dieses Gleichnis neben der ungeheuren Verantwortung der Jünger, die Mt 25,14ff. gezeichnet hat, auf ihre unermeßliche Würde hin. Als »Brüder« Jesu stehen sie unter dem Schutz des himmlischen Vaters, der keinen Becher kalten Wassers unbelohnt lässt, der ihnen gereicht wird. Wie in Mt 10,32ff. sind also Mahnung und Tröstung verbunden. Der Trost für die Jünger charakterisiert auch den Schluss des Johannesevangeliums (vgl. Joh 14,1ff.; Joh 14,16-27ff.; Joh 15,18ff.; Joh 16,5-16ff.; Joh 17,1ff.).

Edition C – NT

Diener des Herrn aufnehmen, denn Er hat sie gesandt
Der verherrlichte Herr beruft seine Diener und sendet sie aus zum Dienst. Sie dienen unter seiner Autorität und der Leitung des Heiligen Geistes. Diener des Herrn aufzunehmen bedeutet, den Herrn aufzunehmen, der sie gesandt hat. Und damit ebenso den Vater, der den Herrn gesandt hatte.
Diesen Grundsatz macht der Herr in Matthäus 25,40 deutlich. Er spricht dort von zukünftigen Tagen, wenn treue Juden das Evangelium des Reiches verkündigen und deswegen verfolgt werden. Wer sie aufnimmt und mit dem Nötigsten versorgt, nimmt dadurch den kommenden König – den Messias – auf. Selbst „kleine“ Liebesbeweise, wie das Geben eines Bechers Wasser, schätzt der Herr wert und verbindet sie direkt mit der Aufnahme seiner Person.
Brüder aufnehmen ist auch eine aktive Mitarbeit und Unterstützung des Dienstes selbst. Gajus, an den Johannes seinen dritten Brief schrieb, hatte Brüder aufgenommen, die für den Namen des Herrn Jesus ausgegangen waren, obwohl sie ihm nicht bekannt waren. Sie waren eben nicht von Menschen ausgesandt und dienten nicht Menschen. Der Herr hatte sie ausgesandt und sie dienten Ihm. Daraus leitet Johannes eine Belehrung für uns alle ab, wenn er sagt: „Wir nun sind schuldig, solche aufzunehmen, damit wir Mitarbeiter der Wahrheit werden“ (3 Johannes 8). Gott ehrt damit solche, die seine Diener aufnehmen.
Das ist auf der einen Seite eine Ermunterung für jeden Diener des Herrn. Er verbindet sich mit seinen Dienern. Welche Wertschätzung! Auf der anderen Seite ermuntert das aber vor allem auch diejenigen, die ihre Häuser für Diener des Herrn öffnen und ihnen in praktischen Dingen dienen. Gott zeigt auch ihnen seine Wertschätzung. Jeden Liebesbeweis erkennt Er an.

Bleib in mir 01 2021

Der König „auf dem Thron“ (V.31) wird die zu seiner Rechten – die Schafe – einladen, in das Reich, das Gott von Anbeginn der Welt für sie bereitet hat, einzugehen. Ihr Zugang gründet sich auf das Gute, das sie getan haben, denn sie haben dem Herrn zu essen und zu trinken gegeben und ihn aufgenommen (V.35 – 36). Die „Schafe“ selbst werden sich überhaupt nicht erinnern, dem Herrn je so unmittelbar gedient zu haben (V.37 – 39), doch der König erklärt ihnen: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (V.40).
Der Ausdruck „diese Brüder“ muß sich auf eine dritte Gruppe beziehen, die weder zu den Schafen noch zu den Böcken gehört. Dabei kann es sich nur um die Juden, die leiblichen Brüder des Herrn, handeln. Denn in der Zeit der Trübsal wird das Leben aller gläubigen Juden schwer bedroht sein (vgl. Mt 24,15-21). Die Schergen des Diktators der Welt werden alles tun, um sie zu vernichten (vgl. Offb 12,17). Ein Heide, der in dieser Zeit einem Juden hilft, beweist damit, daß er während der Trübsal zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist. Er setzt mit dieser Einstellung und Handlungsweise sein Leben aufs Spiel. Seine Werke werden ihn zwar nicht retten, aber sie werden zeigen, daß er erlöst ist.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

fürchte dich nicht – II

Schau nicht ängstlich nach Hilfe aus, / denn ich, dein Gott, ich stehe dir bei! / Hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! / Ich mache dich stark und ich helfe dir! / Ich halte dich mit meiner rechten und gerechten Hand.
NeÜ bibel.heute – Jes 41,10

2020 war die Frage:
Was glaubst DU, was Jehovah mit seinem Volk vor hat – und vor allem WER dieses Volk gemäß der Bibel ist?

Gott hat in seiner Allmacht Israel (auch Jakob oder Abrahams Sproß [d. h. Nachkommen] genannt) zu seinem Diener erwählt (vgl. Jes 43,10 ), der seinen Willen tut. Leider ist Israel oft kein treuer Diener gewesen, so daß Gott es bestrafen mußte. Daß Gott das Volk von den Enden der Erde (vgl. die Anmerkungen zu Jes 5,26 ) genommen hat, bezieht sich wohl eher auf Gottes Sammlung des Volkes nach der babylonischen Gefangenschaft als auf Abraham, den er aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat. Daß Israel von Gott erwählt ist, ist ein häufiges Thema in dem zweiten Hauptteil des Buches ( Jes 41,8-9; 42,1; 43,10.20; 44,1-2; 45,4; 49,7;65,9.15.22 ). Auch wenn Israel aufgrund von Sünde und Unglaube in die Gefangenschaft geführt wurde, ist es dennoch von Gott nicht verworfen . Der Bund Gottes mit Abraham war ohne Bedingungen ( 1Mo 15 ). Seine Nachkommen sollen sich daher nicht fürchten. Der Herr bleibt ihr Gott (vgl. Jes 43,3 ) und wird auch weiterhin auf ihrer Seite sein (vgl. Jes 43,5 ) und sie stärken (vgl. Jes 40,31 ), ihnen helfen (vgl. Jes 41,13-14 ) und sie erhalten.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Israel die Auserwählten – 41:8-10

In den Versen 8-10 gibt der Prophet ein Wort der Zusicherung Gottes an Israel weiter. Zum ersten Mal geht es in den Prophezeiungen Jesajas um das Konzept des Knechts Israel. Wann immer Jesaja im weiteren Verlauf seines Buches den Begriff „Knecht“ verwendet, tut er dies in einer von drei Bedeutungen, und nur der Kontext bestimmt die Bedeutung. Erstens bezieht sich der Begriff „Knecht“ manchmal auf Israel als Ganzes. Das kann man in Jesaja 41,8-16; 42,18-22 und 43,10 sehen. Zweitens bezieht sich der Begriff „Knecht“ manchmal nur auf den treuen Überrest, das gläubige Element innerhalb Israels als Ganzes. Dies geschieht bei mindestens drei Gelegenheiten: Jesaja 44,1-5; 44,21; und 65,8-16. Drittens: Manchmal bezieht sich der Begriff „Knecht“ auf den Messias. Beispiele dafür sind Jesaja 42:1-9; 49:1-7; und 52:13-53:12. Im weiteren Verlauf des Buches wird Jesaja einen Kontrast zwischen Israel, dem Knecht, und dem Messias, dem Diener, ziehen, um zu zeigen, dass der Messias dort, wo Israel versagt hat, erfolgreich sein wird. Hier wird Jesaja das Konzept der Stellvertretung einführen. Der Messias wird anstelle Israels handeln, und dann werden seine Leistungen und Erfolge auf Israel als Ganzes übertragen. Als Ersatz für Israel wird Gott also den Knecht Messias einsetzen.

In den Versen 8-10 geht es um Israel als Ganzes, das auserwählte Volk, den Diener Gottes. Diese Themen werden in Vers 8 eingeführt: Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, der Same Abrahams, mein Freund. Neben diesem Vers gibt es noch zwei weitere Stellen in der Heiligen Schrift, an denen Abraham als Freund Gottes bezeichnet wird: 2. Chronik 20:7 und Jakobus 2:23. Abrahams erster Wohnsitz in Israel war Hebron. Der Name der Stadt hat seinen Ursprung in der Tatsache, dass Abraham Gottes Freund war. Als die Araber das Land übernahmen, benannten sie Hebron in El Khalil um, was auf Arabisch „der Freund“ bedeutet.[ 531 ] Auch in der muslimischen Tradition gibt es das Konzept von Abrahams einzigartiger Stellung als persönlicher Freund Gottes und das jüdische Volk als Nachkommen dieses einen Mannes, der Freund Gottes genannt wurde.

In Vers 9 schreibt Gott weiter: „Dich, den ich von den Enden der Erde ergriffen und aus ihren Ecken gerufen habe, und zu dir gesagt habe: Du bist mein Knecht, ich habe dich erwählt und nicht verstoßen. Durch den Propheten Jesaja machte Gott Israel schon vor der babylonischen Gefangenschaft klar, dass es nicht verstoßen werden würde.

In Vers 10 sagt Gott: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; erschrecke nicht, denn ich bin dein Gott; ich will dich stärken, ja, ich will dir helfen; ja, ich will dich mit der Rechten meiner Gerechtigkeit stützen. Angesichts der Tatsache, dass Gott Israel auserwählt hat und dass Israel als Nachkomme des Freundes Gottes eine ganz besondere Stellung bei Gott hat, sollten sie sich nicht fürchten und nicht erschrecken. Gott würde mit ihnen sein. Eindringlich erklärte er: Ich bin euer Gott. Darauf folgen drei Sätze, von denen zwei mit dem hebräischen Wort aph eingeleitet werden, das „ja“ oder „sicher“ bedeutet. Delitzsch stellt fest: „Das wiederholte אף [aph] häuft ein Synonym auf das andere, das die göttliche Liebe zum Ausdruck bringt.“[ 532 ] Gott versprach, dass er Israel stärken, ihm helfen und es unterstützen würde. Diese drei Segnungen der Stärkung, des Beistands und der Unterstützung würden mit der rechten Hand der Gerechtigkeit Gottes kommen.

Arnold Fruchtenbaum – Bibelkomentar Jesaja

Aber was, wenn ich glauben würde, das ich oder die Führung meiner Gemeinde heute das „geistige Israel“ wären?

den Tod verschlingt er – II

Er vernichtet auf diesem Berg
den Antlitzflor,
der alle Völker umflort,
das Gewebe,
das alle Stämme umwebt,
er vernichtet den Tod in die Dauer.
Abwischen wird mein Herr, ER,
von alljedem Antlitz die Träne,
und die Schmach seines Volkes abtun
von allem Erdland.
Ja, geredet hats ER.
Buber & Rosenzweig – Jesaja 25,7–8

Diesen Vers hatten wir 2020 auch schon.

Der Tod, hier als Hülle und Decke dargestellt, die den toten Körper bedecken, wird beseitigt werden. Deshalb werden auch die Tränen der Trauer wegen der Trennung des Toten von den Lebendigen Vergangenheit sein. Diese Beseitigung des Todes, das Wegwischen von Tränen , wird am Ende der tausendjährigen Herrschaft Christi geschehen ( Offb 21,4 ), wenn der Tod, Satan und das Totenreich in den großen Feuersee geworfen ( Offb 20,14 ) und der neue Himmel und die neue Erde geschaffen werden ( Offb 21,1-3 ). Da Gottes zukünftiges Reich sowohl das Tausendjährige Reich als auch die ewige Herrschaft umfaßt, sieht Jesaja sie hier wie ein Ereignis zusammen (vgl. Jes 65,17-25 ). An anderen Stellen werden das erste und das zweite Kommen Christi zusammengesehen ( Jes 9,5-6; 61,1-3 ). Die Gewißheit des zukünftigen Wohlstandes und der Freude sowie der Beseitigung des Todes sollen das Juda zur Zeit Jesajas ermutigen, auf den Herrn zu vertrauen und den Mut nicht zu verlieren.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

1) „Jesajas kleine Apokalypse“ (Kap. 24-27)
a. Das zukünftige Gottesgericht über die Erde (Kap. 24; vgl. Off 6-19)
Dieses Kapitel beschreibt so furchtbare Gerichte auf der Erde, dass es mit den Gerichten in der großen Apokalypse in Off 6-19 verglichen werden kann. Sehen Sie die Ursache (24,5), eine besondere Beschreibung (24,17-22) und den Übergangsvers von der Trübsal zum Reich Christi (24,23).
b. Das zukünftige Königreich Gottes (Kap. 25-27; vgl. Off 20-22)
Alle Völker werden mit Freude und Erkenntnis an diesem Reich teilnehmen (25,6-7). Israel wird in Geborgenheit leben (26,1). Die Verstoßenen in anderen Ländern werden nach Jerusalem kommen und dort den HERRN anbeten (27,13).
c. Der Tod wird durch die Auferstehung der Toten überwunden werden
Durch die Auferstehung der Toten werden die Tränen der Gläubigen abgewischt und Gottes Volk wird vor Freude jubeln (Jes 25,8; 26,19)! Die Auferstehung der Toten wird auch an anderen Stellen im Alten Testament gelehrt. Sehen Sie Hiob 19,25-27; Ps 17,15; 49,13-16; und Dan 12,2.

Bibelkunde Altes Testament II – ERF

Vers 7: Diese unmittelbare Gottesgemeinschaft bedeutet, dass nun die Zeit des Leidens und der Trauer vorüber ist. Die Decke, die im Trauerfall übergeworfen wurde (vgl. 2.Sam 15,30; Jer 14,3) wird dann nicht nur weggezogen, sondern total vernichtet. Jeder Grund zur Trauer wird von vorneherein beseitigt sein. Vers 8: In der Konsequenz daraus wird auch das grundlegende Hindernis der vollkommenen Gottesgemeinschaft, der Tod, vollkommen beseitigt sein. Es wird keine Trauer mehr geben, weil jeder Grund, sein Angesicht zu verhüllen, dann hinfällig geworden ist. »Wenn Jahwe in der Endzeit auf dem Gottesberg König ist, dann kennt sein Machtbereich keine Einschränkungen mehr. Dann hat der Tod als lebensbedrohende und lebeninfragesteilende Macht ausgespielt« (Wildberger). Das hebräische Wort mot hat dabei eine größere Bedeutungsbreite als unser Begriff »Tod«. Tod ist alles, was das Leben in irgendwelcher Weise beeinträchtigt – und das kann eine Krankheit sein, Missachtung durch seine Umwelt, der Abbruch einer Beziehung… Das ist der große Horizont dieses Abschnittes! Und auch Israel selbst tritt in den Blickpunkt. Auch sie, die in der Welt zerstreut sind und gar zu oft missachtet und geschmäht werden, bedürfen des Trostes. Auch die Schmach und Schande des Volkes Gottes soll dann beseitigt sein.

Zuversicht und Stärke

Die Aufrichtung des irdischen Königreiches.
Das Königreich Gottes bzw. Jesu Christi besteht dort, wo Er regiert und als Herrscher anerkannt wird. Wir können jetzt Glieder dieses Reiches werden, indem wir Jesus Christus als Herrn und Erretter aufnehmen und Ihn als rechtmäßigen König anerkennen und damit in die Familie Gottes hineingeboren werden (Joh 3,3-5). Auf diese Weise werden wir Glieder des ewigen Königreiches Gottes, über das Er schon immer geherrscht hat (Ps 10,16; 29,10; Jer 10,10; Klagelieder 5,19). Aber es kommt die Zeit, in der das Reich dieser Welt das Reich Christi wird, und Jesus Christus über die Erde herrscht (Offb 11,15; Sach 14,9). Er wird auf der Erde, wo Er einmal abgelehnt wurde, Seine vollkommene Herrschaft ausüben. Diese Zeit wird 1000 Jahre lang dauern (Offb 20,2-6). Im Alten Testament finden wir viele Verse, die diese Zeit beschreiben, und wir tun gut daran, diese Stellen wörtlich zu verstehen und sie nicht so zu vergeistlichen, dass sie am Ende überhaupt keinen Sinn mehr ergeben. Folgende Zustände werden auf der Erde verwirklicht werden: Kriege hören auf, und die Waffen werden in Werkzeuge für die Landwirtschaft umgewandelt (Micha 4,3-4; Jes 2,4); die Erde wird erfüllt sein von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn, wie das Wasser das Meer bedeckt (Hab 2,14; Jes 11,9); es wird kein Leid mehr geben (Jes 25,8); bleibende Freude wird an allen Orten herrschen (Jes 51,11; Jer 31,12); selbst in der Tierwelt wird es keine Gewalt mehr geben (Jes 65,25); ein Hundertjähriger wird als Jugendlicher gelten (Jes 65,20).

Jesus Christus ist der König der Juden und wird auf der Erde über sie herrschen. Israel wird das ihm verheißene Land vom Nil bis zum Euphrat einnehmen (1Mo 15,18; Hes 36,28; 37,25-28) und wird unter der Herrschaft seines Herrn als heiliges Volk leben. Israel wird für die Völker ein Segen sein und wirdüber sie herrschen (Sach 8,13.22-23; Röm 11,12-15). Jerusalem wird die Hauptstadt der Welt sein (Jes 2,2-3; Jer 3,17). Die Völker der Welt werden nach Jerusalem kommen, um Jesus Christus ihre Aufwartung zu machen (Sach 14,16-21). Dieser wird die Nationen mit eisernem Stab, d.h. mit großer Strenge, beherrschen (Offb 19,15). Seine Herrschaft wird eine weltweite Herrschaft sein. Den Gerechten wird es gut gehen (Ps 72,7-11). Das himmlische Jerusalem, das mit der Gemeinde verknüpft ist, wird über der Erde schweben (Offb 21,1-2). Der Tempel wird in Jerusalem wieder aufgebaut (Hes 40,1- 46,22). Die ganze Schöpfung wird von der durch die Sünde verursachten Verdorbenheit befreit und wird herrlich und schön sein (Röm 8,19.21).

Jean Gibson – Training im Christentum

Die Tränen sind abgewischt
Wenn die Tränen abgewischt sind, dann bedeutet es, dass jede Trauer für immer vorbei sein wird. Stattdessen gibt es völlige und ewige Freude (s. Jes 35,10).
Doch Gott wischt nicht nur die Tränen vom Angesicht ab, wie es in Jesaja 25,8 beschrieben wird. Er tut noch mehr, indem Er die Tränen von den Augen abwischt. Nicht nur die Trauer wird weggetan, auch die Ursache und die Erinnerung an die Trauer! Das wird dadurch angedeutet, dass die Tränen von den Augen, d.h. von dort, woher sie kommen, abgewischt werden. Das, was menschlicher Trost niemals bewirken kann, wird Gott in Vollkommenheit tun.
Es ermutigt uns, dass Er unsere Tränen heute kennt und uns in der Trauer seinen Trost und seine Hilfe gibt. Aber es macht uns unendlich glücklich, dass einmal nicht nur die Trauer, sondern auch die Ursache dafür und die schmerzliche Erinnerung daran für immer weggetan sein werden.

Bleib in mir 2019

Gott allein kann auf euch aufpassen, dass ihr nicht ins Stolpern kommt.

Dem aber, der in der Lage ist, euch einmal frei von Stolperern zu bewahren und euch mit überschäumender Freude Seinem Herrlichkeitsglanz direkt gegenüber als einwandfrei stehen zu lassen, dem alleinigen Gott, unserem Retter durch unseren Herrn Jesus, den Messias, gehören Ruhm, Erhabenheit, Gewalt und Autorität vor jedem Zeitalter, jetzt und für all die Ewigkeiten, amen!
Andreas Eichberger – Gottes Agenda – Judas 24–25

weitere Gedanken zu einem Bibeltext

In Vers 24 nennt Judas zwei Dinge, die Gott zu tun vermag. Erstens vermag er, euch vor dem Straucheln zu bewahren. Das hier gebrauchte griechische Wort für bewahren bedeutet, »von einer militärischen Wache für sichere Führung bewahrt zu werden«; »sichere Verwahrung«. Gott ist fähig, die Gläubigen sicher zu verwahren. Zwar können sie durchaus in ihrem geistlichen Leben straucheln; doch werden sie nie in dem Maße straucheln, dass sie ihr Heil verlieren. Der Erhalt ihres Heils hängt nämlich nicht von ihnen ab, sondern von der bewahrenden Macht Gottes über ihnen. Zweitens vermag Gott, euch tadellos hinzustellen vor seine Herrlichkeit. Das griechische Wort für tadellos ist ein Opferbegriff; das Passahlamm musste tadellos sein. …. Wenn daher der Gläubige in der Gegenwart seiner Herrlichkeit ist, wird er unaussprechliche Freude haben. Judas weist also darauf hin, was Gott zu tun vermag. Dabei stellt er zwei Dinge fest. Eine Aussage befasst sich mit der Gegenwart, die andere Aussage befasst sich mit der Zukunft. In der Gegenwart vermag Gott, Gläubige vorm Straucheln zu bewahren. Weil er das in der Gegenwart zu tun vermag, kann Gott auch in Zukunft die Gläubigen vor seine Herrlichkeit stellen.

Dann nennt Judas in Vers 25 acht Dinge, die beschreiben, was Gott ist. (1) Er ist der alleinige Gott. Diese Aussage richtet sich gegen die Vielgötterei jener Zeit. Es gibt nicht viele Götter; es gibt nur einen Gott – den Gott der Bibel. (2) Er ist der Heiland. Diese Aussage richtet sich gegen diejenigen, die stellvertretende Sühne ablehnen. Er ist auch der einzige Heiland; und außerhalb von ihm gibt es keine Rettung. Aus der Perspektive des Alten Testamentes ist Gott der einzige Retter (Jes 45,15). Im Neuen Testament wird das Wort Retter bzw. Heiland acht Mal für Gott den Vater und 16 Mal für den Sohn gebraucht. Das weist darauf hin, dass Jesus Gott ist; denn nur Gott kann Retter und Heiland sein. (3) Diese Errettung geschieht durch Jesus Christus. Er ist Inhalt und Mittel des Rettungsglaubens. Rettung kommt durch Jesus Christus. Diese Aussage betont, dass der Messias Jesus das einzige Mittel zur Errettung ist. Sie richtet sich gegen diejenigen, die seine Retterschaft und Messianität leugnen. Die falschen Lehrer verleugnen den Meister, der sie erkauft hat; sie verleugnen sowohl die Person als auch das Werk Jesu des Messias. Diese Aussage richtet sich gegen diese Verleugnung. (4) Gott ist Herrlichkeit; damit wird auf die Schechina-Herrlichkeit Bezug genommen – jene einzigartige Herrlichkeit, die allein Gott gehört. Sie hebt Gott inmitten der Fülle seiner Pracht hervor. (5) Gott ist Majestät. Das betont die Größe Gottes und hebt sein Königtum hervor. Er ist der königliche Gott; er ist König der Könige und Herr der Herren. (6) Gott ist Gewalt. Das betont Herrschaft. Der Begriff Majestät hebt Gott als den König der Könige hervor; das Wort Gewalt jedoch betont ihn als Herrn der Herren. Er herrscht über seine gesamte Schöpfung; alles ist unter seiner Herrschaft. Nichts entzieht sich seiner Kontrolle. Viele Dinge, die geschehen, geschehen durch seinen richtungsweisenden Willen. Viele andere Dinge geschehen einfach mit seiner willentlichen Erlaubnis. Was auch immer sich zuträgt – ob es nun durch seine Anordnung oder mit seiner Erlaubnis geschieht: Alles ist unter seiner Herrschaft. Er verliert niemals die Kontrolle. (7) Gott ist Macht – ein Wort, das soviel bedeutet wie »Autorität«. Er hat die Autorität, seinen richtungsweisenden Willen auszuführen; Gott hat die Macht und Autorität, alles zu tun, was er will. (8) Gott ist Ewigkeit; und Ewigkeit hat drei Facetten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Judas schließt seinen Brief mit der vierzehnten und letzten Dreiergruppe; sie beschreibt die Ewigkeit Gottes. Bezüglich der Vergangenheit – Gott ist vor aller Zeit. Er war immer da, schon vor aller Zeit. Bezüglich der Gegenwart – und jetzt existiert er immer noch. Gott herrscht noch immer. Er ist immer noch. Bezüglich der Zukunft – und in alle Ewigkeiten. Gott ist ewig, er existiert für alle Ewigkeit der Zukunft.

Der Brief schließt mit dem Begriff Amen. Dieses hebräische Wort heißt: »So sei es«.

Arnold Fruchtenbaum – Judas

Dieser Lobpreis ist, obwohl er bestimmte Ähnlichkeiten mit dem am Ende des Römerbriefes aufweist, einzigartig und steht in völliger Übereinstimmung mit dem Brief, den er beendet. Fast jedes Wort davon bildet eine Antwort auf die Übel, die im Hauptteil des Briefes so drastisch verurteilt wurden. Er gliedert sich in drei Teile:
 1. Gottes Macht zu bewahren;
 2. Seine Fähigkeit, die Heiligen tadellos vor Ihm darzustellen;
 3. Er allein muß verherrlicht werden.
Der Schreiber hat viel über den Fall derer gesagt, die in bevorzugter Stellung waren, und die Leser können durchaus davor gezittert haben, auch zu fallen, doch er vertreibt ihre Ängste, indem er sie hinlenkt auf „den, der euch ohne Straucheln zu bewahren vermag“. Ihre Bewahrung wurde in V.1 erwähnt, und dort aufgrund ihrer Beziehung zu Christus; hier ist es die göttliche Macht, die bewahren wird. Ein deutliches Kennzeichen des wahren Heiligen ist sein Gefühl der Schwachheit, er ist damit ein totaler Gegensatz zu den hochnäsigen, unabhängigen und anmaßenden Betrügern. Seine Stärke liegt in Gott, der ihn so bewahren kann, daß er nicht einmal stolpern wird. So konnte auch der Psalmist sagen: „Ich habe auf den HERRN vertraut, ich werde nicht wanken“ (26,1). Diese Bewahrung erfolgt im gegenwärtigen Leben, wenn die Gefahren mannigfaltig sind, und wenn man Beweise für den Erfolg des Feindes ringsumher erleben kann.
  Von der jetzigen Bewahrung verschieden ist der zweite Punkt im Lobpreis – unsere Darstellung vor dem HERRN. Die Seinen werden in die Gegenwart Seiner Herrlichkeit gestellt werden; sie werden dort „untadelig“ (J.N. Darby) sein, und dies wird in Szenen des Frohlockens enden. Die Engel, die sündigten, waren einst in diesem Bereich der Herrlichkeit, wurden aber hinausgeworfen, die Bewahrten jedoch werden ständig dorthin gestellt sein und nie wieder aus ihrer Ehrenstellung abgesetzt werden. Diese Darstellung steht in völligem Einklang mit den Worten des Paulus hinsichtlich der Gemeinde: „auf daß er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel … habe“ (Eph 5,27). Dort ist Christus der Darstellende, aber hier ist es Gott. In besonderer Weise werden die Heiligen mit Freude erfüllt sein, und möglicherweise wird diese Freude mit anderen geschaffenen Wesen geteilt werden, doch Gott selbst und Sein Sohn werden sie in ihrer Fülle kennen.
  Das dritte Merkmal dieses Lobpreises besteht darin, daß Gott die Herrlichkeit zugeschrieben wird, die Ihm gebührt. Wir erfuhren in V.4, daß ein Kennzeichen der Betrüger war, den alleinigen HERRN, Gott, zu verleugnen, doch hier wird dem Einen, den sie verachteten, all das zugeschrieben, was sich der menschliche Geist an vornehmen Eigenschaften und Tugenden nur vorstellen kann. Das Wort „weise“ steht zwar in Röm 16,27 ,wird aber mit Recht in der RV weggelassen (im Bibeltext des engl. Kommentars ist es vorhanden, d. Übers.). Dieser alleinige Gott ist unser Heiland. Der Titel wird oft für Christus gebraucht, besonders im ersten Teil des NT, wird aber in den späteren, besonders den Pastoralbriefen, auf Gott angewandt. Hier ist Er jedoch Heiland „durch Jesum Christum, unseren HERRN“ (RV), so daß Er durch das Werkzeug Seines Sohnes rettet. Von den hier erwähnten Tugenden ist „Herrlichkeit“ die erste, die sich auf Seine Großartigkeit und Vortrefflichkeit bezieht. Das Geschöpf wollte versuchen, Ihm diese einzigartige Würde zu rauben, indem es sie an sich zu reißen suchte wie Satan, doch Er wird sie keinem anderen geben, denn alle, die danach strebten, sie zu erlangen, haben ihren eigenen Sturz herbeigeführt.
  Die zweite Gott hier zugeschriebene Eigenschaft ist Seine „Majestät“. Das Wort, das hier gebraucht ist, wird nur von griechisch-sprachigen christlichen Schreibern verwendet und zeigt „Größe“ an; im Hebräerbrief wird es benutzt, um die Stellung Christi zur Rechten Gottes zu beschreiben (1,3; 8,1). In keinem anderen Lobpreis kommt es vor. Wenn sich die erste Tugend auf Gottes Zustand bezieht, so ist diese ein Hinweis auf Seine erhabene Stellung. Die Stolzen bilden sich viel auf ihre Größe ein, wie es jedenfalls die bösen Arbeiter taten, mit denen sich dieser Brief befaßt, doch sie sind bestenfalls nur Würmchen trotz all ihres Rühmens.
  Der Gedanke an Gottes „Macht“ wird oft in einen Lobpreis eingebracht wie in 1Tim 6,16; 1 Petrus 4,11;5,11 und Offb 1,6.13 .Sie bezieht sich auf Seine „Mächtigkeit“. Er sitzt nicht nur in majestätischer Herrlichkeit, sondern hat unbegrenzte Macht, um Seine Absichten auszuführen. Ein hilfloser Gott wäre ein Widerspruch in sich, doch der Gott, den wir preisen, hat Seine Macht sowohl in der Schöpfung als auch in der Auferstehung demonstriert.
  Die letzte der Gott hier zugeschriebenen Tugenden ist Seine „Gewalt“ oder „Autorität“. Er hat schrankenlose Gewalt und kann tun, was immer Ihm gefällt. Seine Vormachtstellung kann nicht in Frage gestellt werden, noch kann jemand zu Ihm sagen: „Was tust du?“; dieses Recht und diese Freiheit, nach Seinem Belieben zu handeln, unterscheidet Ihn von all Seinen Geschöpfen, denn obwohl einige davon ihre Autorität geltend machen wollten, müssen alle vor Ihm als dem obersten Richter Rechenschaft ablegen. In diesem Wort steht nicht Seine Kraft zum Wirken vor uns, sondern vielmehr Seine Handlungsfreiheit.
  Die letzten Worte des Briefes vermitteln uns einen der deutlichsten Begriffe für Ewigkeit im NT – „vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeit“ (RV). Diese Eigenschaften werden auf zeitlose Weise Gottes Teil sein. Der Wechsel der Zeiten kann vieles von dem, was Menschen schätzen, hinwegfegen, und ihr Prunk wird mit dem Wind davongeblasen, um nie wiederzukehren, aber was Gott jetzt ist, ist Er immer gewesen und wird es immer sein. Das „Amen“ am Ende dieser und anderer Doxologien bedeutet anscheinend, daß die Gott zugeschriebenen Tugenden von Anfang an Sein waren, hier aber darum gebetet wird, daß sie Sein Teil seien.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Judas hat das Böse in seiner ganzen Schrecklichkeit dargelegt, er hat die Gläubigen gewarnt, ermutigt und ermahnt. Seine letztendliche Quelle ist Gott selbst und alles, was Gott für Sein Volk ist. Das Ausmaß des Bösen und die Schwachheit der Heiligen verschwindet aus seinem Blick, und Gott allein verbleibt. Daher kann er den ernstesten Brief, der je verfaßt wurde, mit dem höchsten Ausruf von Jubel abschließen. Judas hat auf den Ruin dessen geblickt, das den Namen Christi bekennt. Er hat zurück auf den Beginn des Verderbens geschaut. Mit einem prophetischen Blick hat er sein ernstes Ende betrachtet. Abschließend jedoch schaut er inmitten des Trümmerhaufens und Ruins der verderbten Christenheit nach oben, und plötzlich bricht er trotz dieses dunklen Ausblickes in Lob aus: „Dem aber, der euch ohne Straucheln zu bewahren und vor seiner Herrlichkeit untadelig darzustellen vermag, mit Frohlocken …“
Judas scheint zu sagen: „Ich sehe das Verderben, das gekommen ist, ich sehe die aufkommende Zeit des Bösen, ich sehe, daß die Gläubigen versagen können im ‘Erbauen’, im ‘Gebet’ und im ‘sich selbst Erhalten’. Aber ich sehe Einen in der Herrlichkeit, der in der Lage ist, sie vor dem Straucheln zu bewahren, sie sicher nach Hause zu bringen und sie untadelig vor Seiner Herrlichkeit mit Frohlocken darzustellen. Ich sehe, daß der Gerichtstag für die ungöttlichen Bekenner kommen wird – ein trauriger und düsterer Tag. Aber ich sehe, daß der Tag der Erscheinung für alle Seine Heiligen kommt – ein Tag der Herrlichkeit und überfließender Freude.“ Auch wir dürfen mit gleichem Glauben die Sprache von Judas annehmen. Wenn wir den unaufhörlichen Strom von Lästerungen sehen, der aus christlichen Bekennern hervorströmt und mit Gleichgültigkeit oder sogar mit Beifall von der großen Masse des christlichen Bekenntnisses aufgenommen wird; wenn wir sehen, daß die Fundamente angegriffen werden, daß die Wahrheit strauchelt auf dem Markt (Jesaja 59,14), und böse Menschen und Betrüger zu immer Schlimmerem fortschreiten, dann mögen wir wohl fragen: „Was wird das Ende sein?“ Aber – Gott sei Dank – zum Trost und zur Ermutigung für Sein Volk hat Er uns nicht in Ungewißheit in bezug auf das Ende gelassen. Judas beschreibt uns das Ende der abtrünnigen Verderber, das Ziel für das Volk Gottes und die Zukunft Gottes selbst. Für die abtrünnigen Verderber wird alles in ihrem gerechten Gericht enden, für die Heiligen Gottes wird alles in der untadeligen Darstellung vor Seiner Herrlichkeit mit Frohlocken enden, und Gott wird „Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt …jetzt und in alle Ewigkeit“ erhalten. Die vorübergehenden Leiden dieser Zeit werden den überschwenglichen Freuden der Ewigkeit Platz machen (vgl. 2 Korinther 4,17). Unsere Freude wird es sein, dort zu sein, Seine Freude, uns dort zu haben. „Von der Mühsal Seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen“ (Jesaja 53,11). Der Eine, dessen Seele einst übervoll an Leiden bis zum Tod war, wird mit überströmender Freude in Ewigkeit erfüllt sein. So mögen wir wohl mit Judas ausrufen: „Dem alleinigen Gott, unserem Heiland, durch Jesus Christus, unseren Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeit! Amen.“

Hamilton Smith – Der Judasbrief

Es dreht sich alles um den alleinigen Gott, den Israel spätestens seit der Wüstenzeit täglich anbetet (5Mose 6,4). Gott kann man nicht mit den anderen Göttern vergleichen, die rings um Gottes Volk her von anderen angebetet werden. In einer Welt, die alle Götter und Religionen unter ein religiöses Dach bringen und vereinigen will, ist diese Ausschließlichkeit unerträglich. Gott aber teilt seine Ehre mit niemandem. Genauso ausschließlich ist Jesus. Nur er ist der Weg zu Gott. Niemand kommt zum Vater, es sei denn, er habe die Vergebung seiner Sünde durch Jesus (Joh 14,6). Nur im Glauben an ihn empfangen wir das ewige Leben (Joh 17,3).
In dem griech. Testament, das Luther zur Verfügung stand, findet sich das Wörtlein »weise«: »dem allein weisen Gott«. Es fehlt aber in den meisten Handschriften. Wahrscheinlich hat es ein Abschreiber gegen die später auftretenden Gnostiker im Geiste des Judas eingefügt. Denn gerade der von manchen Sektierern abgelehnte Gott, der Schöpfer, hat alle Weisheit und Erkenntnis.
Es geht um das Hauptwerk Gottes. Er ist Retter. Weder in der Gnosis noch im allgemeinen Empfinden unserer Tage fühlt sich der Mensch schuldig, verloren und rettungsbedürftig. Man schiebt alles auf die Verhältnisse, auf das Schicksal. Der sittliche Ernst und die Verantwortung für alles Tun gehen so verloren. Die Bibel offenbart uns, wo der Schaden liegt und von woher wir allein Hilfe empfangen: durch Jesus Christus, vom Kreuz Jesu her (1Kor 1,17ff.). Jesu Lebensaufgabe war weniger ein neues Gesetz (Joh 13,34) als vielmehr die Rettung (Mt 1,21; 1Tim 1,1; 2Petr 3,18).
Manche Ausleger ziehen die Worte durch Jesus Christus zu den folgenden Worten »Herrlichkeit…«; sprachlich ist das möglich, aber gedanklich unwahrscheinlich.
Gott selbst ist sowohl der Gesetzgeber und Richter als auch der Retter. Heiligkeit und Liebe Gottes dürfen von uns nicht auseinander gerissen werden. Gott ist der dreieinige Gott auch in seinen Werken. Darum kann, nein muss Judas vom Ernst des Gerichts und zugleich vom Gnadenangebot Gottes in ein und demselben Brief reden. Er lehrt gleich wie Paulus (vgl. Röm 11,22; Gal 2,7-10).
Gott hat, ihm gebührt, ihm ist die Herrlichkeit zu eigen (vgl. Jes 6,3; Lk 11,4; vgl. Offb 5,13; 7,12). Im Hebräischen kann in absoluter Rede das Zeitwort »sein« wegfallen. Zwar wird Gott noch nicht von allen anerkannt (Phil 2,10f.), darum heißt es in der Liturgie mit einem gewissen Recht: »Ehre sei dem Vater …«. Aber schon jetzt wird Gott in der Gemeinde Jesu geehrt. Gott besitzt Herrlichkeit und Macht.
Zur Herrlichkeit s. 2Petr 1,3. – Das griech. Wort für Majestät ist ein von den Christen neu gebildetes Kunstwort, das die einzigartige Stellung Gottes andeuten soll. Das normale griech. Wort für »Größe« denkt zu sehr an körperliche und geistige Größe. Gottes Größe ist aber mit nichts zu vergleichen. – Die Macht oder Kraft ist die Anwendung der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Es ist der Ausdruck der Machtfülle Gottes (1Tim 6,16; 1Petr 4,11; Offb 1,6; 5,13). Davon unterschieden ist die Gewalt, der alles erlaubt und möglich ist. Dies ist ein Lieblingswort für die Offenbarung, Lukas und Paulus im 1Korintherbrief. Es umschreibt die Befehlsgewalt des militärischen Vorgesetzten (Mt 8,9), die alles überwindende Macht Gottes, der über die Geschichte bestimmt (Apg 1,7) und über das ewige Verderben (Lk 12,5; vgl. Offb 6,8; 9,3.10.19). Meist wird von Jesus als dem gesprochen, der im Unterschied zu Mose, dem Gesetzgeber, »Vollmacht« hat auch über das AT (Mt 12,10.12; 7,29; vgl. Jesu Redeweise: »Ich aber sage euch!« Mt 5,21f.). Jesus hat die Gewalt auch über alle teuflischen Mächte (Lk 4,36). Wer die Gewalt hat, braucht nicht zu fragen: »Darf ich das?« Schon die Frage an ihn: »Warum machst du das?« ist unangemessene Arroganz (Röm 9,20-21; vgl. Jes 45,9; Jer 18,1-6; Weish 12,12).
Vor jeder Zeit, jetzt und in alle Ewigkeiten ist Gott ein und derselbe. Er unterliegt nicht der Zeit, macht keine Entwicklung (Evolution) mit, eine Reifung hat er nicht nötig (Heb 13,8). Auffällig ist, wie Judas ganz im Hebräischen denkt. Der Grieche spekuliert über himmlische Sphären, Räume, »Stockwerke«, oben und unten. Wir gebrauchen räumliche Begriffe auch ganz unbefangen: »oben« als Sitz des Guten, Glückhaften, Erfolgreichen, »unten« als Ort des Schlechten (vgl. »es geht abwärts«), psychologisch erklärbar, weil »oben« beim Menschen der Kopf mit den meisten Sinnesorganen und dem Verstand ist, das Wertvollste, wie wir denken. So kann auch die Bibel manchmal reden (vgl. Phil 2,10). Aber Gott steht über Raum und Zeit. Wenn wir schon derlei Begriffe auf Gott anwenden wollen, dann passt der der Zeit (wörtl. »Äon«, d. h. unmessbare Zeit) für Gott viel besser als der des Raumes. Denn Gott ist der Herr der Geschichte. Das griech. Wort »Äon« ist sprachlich mit dem deutschen Wort »ewig« verwandt. Im AT gibt es das hebr. Wort für »ewig« wieder (vgl. »ewiges Königreich«, 2Sam 7), das sowohl in die Zukunft weist (1Mose 13,15; 2Mose 14,13; 5Mose 13,16; Micha 4,7) als auch in die Vorzeit (5Mose 32,7; Am 9,11). Äon umschreibt im NT sowohl die Weltzeit (Mt 13,39; 28,20; auch im Plural im Sinne der Fülle: Heb 9,26; 1Kor 10,11), als auch die Ewigkeit der Gottesherrschaft und Herrlichkeit (Röm 2,7; 6,22f.; Gal 6,8; Mt 25,46; Joh 3,15f.; Joh 5,24; 17,3; 2Petr 1,16).
Eine Handschrift (p 72 um 300 n. Chr.) hat eine interessante andere Überlieferung: »Unserem allein weisen Gott ist Herrlichkeit, Macht, Ehre durch Jesus Christus unserem Herrn. Ihm (d. h. Jesus) ist Herrlichkeit und Majestät.« Offensichtlich war diesem Abschreiber wichtig, dass nicht nur Gott, dem Schöpfer, sondern auch seinem Sohn Jesus, unserem Erlöser, alle Herrlichkeit zusteht. Gott empfängt alle Ehre durch Jesus, der uns Menschen die Vergebung verschafft und uns so durch die Erlösung zur Ehre Gottes berufen hat. Darum empfängt auch Jesus die Ehre.
Amen (s. 2Petr 1,12), etwa mit »ganz gewiss« übersetzbar, unterstreicht die Verlässlichkeit des Herrn, dem wir vertrauen.
Es schließt das Gebet und das Lob Gottes ab. Jesus gebrauchte dieses Wort (Luther übersetzt es mit »wahrlich«), wenn er zunächst in der Stille mit Gott gebetet hatte, dann laut »Amen, Amen« sagte und dann das ihm vom Vater Geoffenbarte weitersagte (Joh 5,19.24.25; 6,26.32; 8,34; 13,20f.; Joh 14,12; 16,20.23; vgl. Mt 5,16; 8,10; 10,15.23.42; 11,11).
So mündet der Brief, der ernst mahnende, in den Lobpreis der Gemeinde, die ihren Herrn anbetet.

Gerhard Maier – Edition C

Kümmert euch um die Leute bei euch, die glaubensmäßig noch schwach auf der Brust sind – II

Ihr dagegen, ihr Lieben, die ihr euch ständig selbst mit dem euch äußerst heiligen Glauben aufbaut und im Heiligen Geist betet, erhaltet euch durch Gottes Liebe, indem ihr das zu dauerhaftem Leben führende Erbarmen von unserem Herrn Jesus, dem Messias, immer wieder begehrt.
Andreas Eichberger – Gottes Agenda – Judas 20–21

Diesen Vers hatten wir schon .

Neben der Erinnerung an die Worte der Apostel sollen sich die Leser auch ihrer eigenen Haltung bewußt werden. Dieser Vers bildet das Kernstück der Botschaft des Judasbriefes: Erbaut euch auf euren allerheiligsten Glauben, und betet im heiligen Geist, und erhaltet euch in der Liebe Gottes und wartet auf die Wiederkehr Christi. Der ins Auge springende Gegensatz dieser Handlungsweise zur Handlungsweise der Spötter wird schon von vornherein durch die einleitenden Worte „Ihr aber“ hervorgehoben. Zum dritten Mal redet Judas seine Leser an dieser Stelle mit „meine Lieben“ an (V. 3.17.20 ).
Die persönliche Erbauung („erbaut euch auf“) erwächst aus der fortschreitenden Erkenntnis innerhalb des „allerheiligsten Glaubens“. Dieser Glaube, „der ein für allemal den Heiligen überliefert ist“ (V. 3), wurde von den Aposteln gelehrt und wird nun durch die Schrift übermittelt, aus der die Gläubigen lernen sollen ( Apg 20,32; 2Tim 2,15).
Das Gebet im Heiligen Geist ist nicht mit Zungenreden gleichzusetzen. Vielmehr ist es ein „Beten aus einem vom Heiligen Geist erleuchteten und erfüllten Herzen“ (George Lawrence Lawlor, Translation and Exposition of the Epistle of Jude, S. 127). Es ist ein Gebet in der Vollmacht des Heiligen Geistes (vgl. Eph 6,18).
Sich „in der Liebe Gottes zu erhalten“ (Jud 1,21) bedeutet nicht, daß das Heil von den eigenen Bemühungen der Menschen abhängt, denn das wäre ein klarer Gegensatz zu anderen neutestamentlichen Passagen (z. B. zu V. 24). Der Gläubige ist vielmehr in Gottes Liebe geborgen und lebt in Gemeinschaft mit Gott (vgl. Joh 15,9-10: „bleibt in meiner Liebe“).
Das Warten (prosdechomenoi, „Ausschau halten“) auf die selige Hoffnung, die Rückkehr Christi zu seiner Kirche, ist ein viertes Element der persönlichen Erbauung. Diese Erwartung ist zugleich ein Warten auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus, die in der Entrückung in vollstem Maße erfüllt wird. Judas fügt hinzu, daß sie zum ewigen Leben, d. h. zu einem ewigen Leben in Gottes Gegenwart, führen wird (vgl. 1 Petrus 1,6.9.13).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Noch einmal wendet sich Judas an die Gemeinde und zeigt ihr nun positiv den Weg, den sie in all dieser Verwirrung zu gehen hat. Ihr aber, Geliebte, euch selbst aufbauend auf euren hochheiligen Glauben, im Heiligen Geist betend, bewahrt euch selbst in der Liebe Gottes, wartend auf das Erbarmen unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben. Das ist der klare Gegensatz gegen alles, was die Anhänger der neuen Richtung sagen und in ihrem Leben tun. Die Gemeinde soll nicht „trennen“ und zerreißen, sondern aufbauen. Das im NT viel gebrauchte Bild des „Baues“ ist gerade nicht „erbaulich“, sondern noch ganz im ursprünglichen, schlichten Wortsinn gemeint. Der Bau der Gemeinde soll vorangehen, in dem ein „lebendiger Stein“ zu dem andern gefügt wird88. Der Grund aber, auf dem gebaut wird und allein gebaut werden kann, ist der von den „Modernen“ geringgeschätzte „Glaube“. Wenn Judas ihn hier euren hochheiligen Glauben nennt, dann ist das nicht ein Zeichen von Traditionalismus und „Orthodoxie“, obwohl der objektive Glaubensinhalt im Vordergrund steht. Was die neuen Lehrer verachten und höchstens als „Unterstufe“ gelten lassen, das gerade ist das wahre Fundament, Gottes Gabe durch seine Offenbarung89 und also hochheilig, unantastbar. Mit ganzer Überzeugung und Freude soll die Gemeinde zu diesem Fundament stehen und sich darauf gründen.
Zugleich weist das Bild des „Aufbauens“ darauf hin, daß der Gegensatz zu der neuen Bewegung nicht Stillstand und bloßes „Ausruhen“ auf dem „ein für allemal den Heiligen übergebenen Glauben“ (V. 3) meint. „Bauen“ ist nicht Ruhe und Beschaulichkeit, sondern ist steter Fortschritt in Einsatz und Arbeit. „Die Gemeinde ist kein Schauplatz, sondern ein Bauplatz.“
Worin aber besteht ihr wesentlicher Dienst bei diesem „Bau“? Darin, daß die Gemeindeglieder betend im Heiligen Geist sind, dessen Wirken sich nicht in absonderlichen Dingen und auffallenden Vorgängen zeigt. „Ich will ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets“ hatte Gott durch Sacharja versprochen (12, 10). Beten mag gering aussehen und ist doch das Wichtigste und Größte, was ein Mensch auf dieser Erde tun kann90. Aber wahrhaft gebetet werden kann nur im Heiligen Geist. Gemeinden, Häuser, Werke und auch einzelne Christen, bei denen das Beten im Zentrum des Lebens steht, zeigen damit, daß sie „voll Geistes“ sind.
[21] Bewahrt euch selbst in der Liebe Gottes. Judas hat die Gemeindeglieder als „von Gott Vater Geliebte“ in V. 1 angeredet. Die neue Richtung dagegen rühmte die „Erkenntnis“ und meinte damit mancherlei neue und kühne Gedankengänge über Gott und die Welt. Judas ermutigt die Gemeindeglieder, die ganz andersartige Größe ihres Besitzes zu bedenken. Sie haben die Liebe Gottes erfahren, wie sie sich einzigartig in dem Opfer des Sohnes Gottes für verlorene Menschen offenbart hat. Diese Erfahrung ist unendlich mehr als alle „Gnosis“. Das muß die Gemeinde festhalten und darf sich nicht von dem stolzen Rühmen der neuen Lehrer beirren lassen. Wie anders sähe deren ganzes Leben und Verhalten aus, wenn sie von Gottes Liebe überwunden wären zu eigenem Lieben! Die Liebe Gottes ist aber nicht eine „Erkenntnis“, die man wie andere Erkenntnisse und Gedanken einfach besitzen kann. Sie ist ein Lebensstrom aus Gottes Herzen, in dem wir „uns selbst bewahren“ müssen. Wer sich auf Spekulationen über Gott einläßt, entfernt sich von diesem Lebensstrom. Die Satzkonstruktion im Grie mit ihren drei Partizipien „aufbauend, betend, erwartend“ weist darauf hin, daß das sich bewahren in der Liebe Gottes, zu dem Judas die Gemeinde aufruft, eben in diesen drei Tätigkeiten geschieht. Judas zeigt dabei, daß er „evangelisch“ und nicht „gesetzlich“ denkt. Die Liebe Gottes, die uns von Gott her zuteil wird, ist das Entscheidende. In ihr zu bleiben, darauf kommt alles an. Wir bleiben aber dadurch in ihr, daß wir uns auf dem heiligen Glaubensgrund aufbauen, wenn wir im Heiligen Geist beten und wenn wir in echter Hoffnung auf die Parusie des Herrn warten.
Judas weiß zugleich, daß das Christenleben jetzt nur ein „Anfang“ ist, „Stückwerk“, wie Paulus in 1Ko 13 sagt. Darum gehört die lebendige Erwartung der Parusie zur Aufgabe der Gemeinde. Auch das steht im Gegensatz zu der neuen Strömung, die leicht im Rühmen erreichter Höhen aufging. Wartend auf das Erbarmen unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben. Schon im V. 2 war Erbarmen das erste, was Judas den Hörern seines Briefes zusprach. Nun wird das Erbarmen unseres Herrn Jesus Christus als das genannt, worauf die Gemeinde „wartet“. Aber genau dies ist die Haltung des ganzen NT. Es ist alles schon grundlegend da, und doch liegt es zugleich noch vor uns. Wirklich mit Verlangen auf das Erbarmen „warten“ können wir nur darum, weil wir es schon „geschmeckt haben“. Aber noch in anderer Weise ist die Formulierung dieses Satzes sehr auffallend. Judas hat viel von den Gerichten Gottes gesprochen, müßte er nicht jetzt auch mahnen: „Wartet mit Furcht und Zittern auf den Weltenrichter“? Nein, die Gemeinde, die in so viel Not und Anfechtung steht und für den Glauben zu kämpfen hat, darf in froher Hoffnung warten auf ihren Herrn. Sein „Erbarmen“, am Kreuz erwiesen und durch die erfahrene Errettung der Glaubenden bewährt, wird sein Werk mit dem neuen Kommen Jesu vollenden, und die, die auf ihn warten, zum ewigen Leben führen. Jetzt gehört noch Unfertigkeit, Unvollkommenheit, viel Not und Kampf zum Leben der Gemeinde. Aber gerade darum ist sie mit ganzem Ernst eine wartende Schar, die sich nach der alles vollendenden Gnade ihres Herrn sehnt.

Wuppertaler Studienbibel

Ihr aber, Geliebte, erbaut euch durch euren hochheiligen Glauben; im heiligen Geist betet; bewahret euch selber in Gottes Liebe; erwartet das Erbarmen unseres Herrn Jesus Christus zu ewigem Leben. Vorwärts muß sich die Gemeinde bewegen; sie kann nicht bleiben, was sie ist. Bauarbeit hat sie zu tun, und der Bau ist noch nicht fertig und wird nicht fertig in dieser Zeit. Das Mittel aber, wodurch sie nach innen und nach außen wächst, ist der Glaube. Ohne ihn ist sie nichts; durch ihn hat sie empfangen, was sie ist, und wird sie weiter empfangen, was sie wachsen macht. Denn im Glauben besteht ihr Anschluß an Gott. Er ist das Allerheiligste, was die Gemeinde hat; denn er ist Gottes Werk, entsteht aus dem, was er uns mit der Sendung Jesu gab und was sein Ruf und Wort in uns schafft. Was heilig ist, muß bewahrt sein. Darum tut der keine Bauarbeit, sondern ihr Gegenteil, der in sich und den anderen den Glauben zerstört.
Der Geist ist der Christenheit gegeben, und was sie von ihm empfängt und durch ihn zu tun vermag, das ist das Gebet. Daran, daß sie beten kann, sieht sie, daß in ihr nicht bloß das geschieht, was die Seele schafft. Denn das echte Gebet ist Gabe. In ihm, nicht in Träumereien und angeblichen Erkenntnissen, bewährt die Christenheit, daß mit der Gegenwart Jesu der Geist bei ihr ist.
Gottes Liebe hat sich ihr kundgetan in der Sendung des Christus, an den sie glaubt, und in der Sendung des Geistes, durch den sie betet. Das zeigt ihr ihre Pflicht; sie bleibe in Gottes Liebe und wehre alles von sich ab, was sie von ihr trennt. Darüber hinaus gibt es nicht noch ein höheres Ziel, kein größeres Gut.
Dem, was der Christenheit noch fehlt und sie unfertig macht und unter das Leiden bringt, setzt sie die Hoffnung entgegen. Sie will nicht jetzt schon vollkommen sein, sondern wartet. Was sie vor sich hat, das ist die Erweisung des barmherzigen Sinnes Jesu. Er wird als ihr Retter erscheinen mit großer Gütigkeit. Darum bedrückt sie die nach ihm ausschauende Hoffnung nicht und versetzt sie nicht in Angst. Es ist nicht schwer, auf den zu warten, der barmherzig ist. Mit seiner Offenbarung erscheint ihr dann das ewige Leben.

Schlatters Erlӓuterungen zum Neuen Testament

Während Paulus noch die Gemeinde als Ganzes anschreibt, scheint Judas nur noch die wahre Gemeinde, die Kerngemeinde, anzusprechen: Geliebte. Geht er davon aus, dass die Verführer ihn gar nicht mehr anhören?
Sein Wunsch ist, dass die Gemeinde bewahrt (V. 21) bleibt. Das geschieht:
Wenn die Christen sich auferbauen lassen in ihrem allerheiligsten Glauben.
Auferbauen lassen: Gott baut sein Volk auf, indem er u. a. auch Heiden in die Gemeinschaft des Volkes Gottes einbaut (Jer 12,14ff.). Denkt Judas vor allem an das auserwählte Volk Gottes (Apg 15,16; vgl. Am 9,11; Jer 12,15ff.), das zu der Zeit besonders gefährdet war? – Gott benutzt zum Bauen seiner Gemeinde die Apostel (1Kor 3,10-14; Kol 2,7; 2Kor 10,8; 12,19; 13,10). Das ist möglich, weil sie den Heiligen Geist haben, der letztlich die Gemeinde baut. Dazu gibt er die Gnadengaben, die danach beurteilt werden, ob sie die Gemeinde aufbauen (1Kor 14,3-5; Eph 4,12). An erster Stelle steht die Liebe (1Kor 8,1). Wichtig ist im Bau Gottes der grundlegende Stein: Jesus, auf den die Gemeinde gegründet ist (Eph 4,12.16.19ff.; 1Petr 2,5; vgl. Kol 2,7).
Im Bild des Gebäudes für die Gemeinde betont Judas noch einmal die Einheit.
Der einzelne Baustein ist hier nicht (wie in 1Petr 2,5) der Gläubige, sondern der Glaube. Er allein gibt jedem Einzelnen den Zugang. Darum betont Judas: euer Glaube. Andererseits ist der Glaube nicht das Werk des Menschen, sondern Gottes. Darum nennt ihn Judas den allerheiligsten (s. V. 3).
Wenn die Christen beten im Heiligen Geist. Echtes Gebet ist ein Geschenk, es will erbeten sein (Lk 11,1), und zwar gewirkt durch den Heiligen Geist (Röm 8,15.26; vgl. Gal 4,6; Eph 6,18). Der beste Schutz vor aller Verführung ist das Gebet; vgl. die geistliche Waffenrüstung (Eph 6,13ff.: Wahrheit, Gerechtigkeit, frohe Botschaft des Friedens, Glaube, Rettung, Wort Gottes – und all das gipfelt im Gebet: Eph 6,18).
Jud 1,21:
Wenn die Christen auf die Barmherzigkeit Jesu warten. Im Warten bewahren wir uns vor den Irrlehrern, und zwar im Warten auf die Barmherzigkeit Jesu Christi (vgl. 2Petr 3,7). Offensichtlich lebt Judas noch ganz in der Naherwartung, wie auch Paulus und Petrus (2Petr 2). Aber noch haben wir die Vollendung nicht, weder die der Gemeinde noch die der Schöpfung. Noch beten wir: »Dein Reich komme!« Ein wesentlicher Teil des christlichen Glaubens ist die Hoffnung auf die Zukunft mit Jesus. Erst bei Jesu Wiederkunft erfahren wir seine Barmherzigkeit in Fülle. Aber gerade auf sie sind wir Christen angewiesen. Nicht welt – oder sozialpolitische Ziele hat Jesus gesetzt. Er bringt die Barmherzigkeit (s. Jud 1,2). In ihr ruht das ganze Heilswerk Jesu, und sie ist sein Geschenk. Nur dank seiner Barmherzigkeit, die er im Leiden am Kreuz erwiesen hat, kommt das ewige Leben (vgl. 2Petr 3,7) zu uns. Es ist gefüllt mit der Freude, bei Gott zu sein und bleiben zu dürfen für immer.
Es kommt alles darauf an, dass wir uns bewahren in der Liebe Gottes, indem wir von Gott auferbaut werden zu einem Leib, beten im Heiligen Geist und auf seine Barmherzigkeit warten. Alles ist uns geschenkt von Gott. Aber wir haben seine Gabe anzunehmen oder, wie Judas hier schreibt, zu bewahren. Jesus drückte das mit den Worten aus: »Bleibet in mir!« (Joh 15,4). Die Liebe ist der Kraftstrom, die uns mit Jesus verbindet. Die Vergebung Jesu, die uns den Frieden mit Gott verschafft, ist die beste Hilfe, uns vor aller Verführung zu bewahren. Auch sonst wird die Liebe hoch eingeschätzt (1Kor 13). Wer in dieser Liebe geborgen ist, muss sich nicht vor dem Richter fürchten und erkennt Gott und Jesus. Denn nur dem ihn liebenden Herzen erschließt sich der ewige Gott.

Gerhard Maier – Edition C

Ihr aber, Geliebte, erbaut euch auf euren hochheiligen Glauben, betet im Heiligen Geist, bewahrt euch in der Liebe Gottes und hofft auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben.

Judas beginnt wieder mit dem Wort „geliebt“, was den Beginn eines weiteren großen Abschnitts anzeigt. In Vers 20a gibt Judas die grundlegende Verpflichtung der Gläubigen gegenüber sich selbst an: in Gott zu wachsen. Die Ermahnung lautet: Baut euch auf; sie sollen sich nicht körperlich, wirtschaftlich oder seelisch aufbauen, sondern geistlich aufrichten. Dies geschieht auf eurem heiligsten Glauben. Dieser heiligste Glaube beinhaltet die Gesamtheit der apostolischen Lehre, die jetzt in der Heiligen Schrift enthalten ist. Das Mittel, um sich selbst aufzubauen, ist das Studium der Heiligen Schrift und die Einbeziehung ihrer Forderungen in ihr tägliches Leben; indem sie genau wissen, was das Wort Gottes sagt und was es nicht sagt.

Die Verse 20b-21 enthalten den zwölften Dreiklang, der auf der Trinität basiert. Erstens: Beten im Heiligen Geist. Die Rolle des Heiligen Geistes ist es, den Verstand des Gläubigen zu erleuchten, um die Schrift zu verstehen. Zweitens: Haltet euch in der Liebe Gottes. Das betont das Wirken von Gott, dem Vater. Das griechische Wort für bewahren bedeutet „wachsame Sorge“. Sie müssen wachsame Sorgfalt walten lassen, um sich in der Liebe Gottes zu bewahren. Und drittens, auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben zu hoffen. Das ist die Rolle Gottes des Sohnes, die sich auf seine Wiederkunft konzentriert. Das ist die selige Hoffnung aus Titus 2,13, die die Entrückung für die Gläubigen bedeutet. Durch die Entrückung wird Er sie in Seiner Barmherzigkeit aus den kommenden Tagen der großen Trübsal herausnehmen und sie werden beginnen, das ewige Leben im Himmel zu erfahren. Die Verpflichtungen der Gläubigen gegenüber sich selbst sind also, durch den Glauben in Gott zu wachsen, im Heiligen Geist zu beten, sich in der Liebe Gottes zu halten und auf der Grundlage der seligen Hoffnung zu leben.

Arnold Fruchtenbaum – Das Buch Judas

„Die Reue muss der Schwere der Missetat entsprechen“

Denn die Betrübnis Gott gemäß bewirkt eine nie zu bereuende Buße zum Heil; die Betrübnis der Welt aber bewirkt den Tod.
Elberfelder 1871 – 2. Kor 7,10

Es war ein Schmerz, wie Gott ihn haben will. Deshalb war es nicht zu eurem Schaden, dass ich euch so geschrieben habe. 10 Denn der Schmerz, wie Gott ihn haben will, ruft eine Reue hervor, die niemand je bereut; denn sie führt zur ewigen Rettung. Der Schmerz, wie ihn die Menschen dieser Welt* empfinden, führt dagegen zum ewigen Tod.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 2. Kor 7,9–10

Denn die Trauer, die Gottes Willen entspricht, bewirkt eine Lebensveränderung, die man niemals bereuen muss. Doch die Trauer, die das Leben in dieser Welt kennzeichnet, bewirkt am Ende den Tod.
Roland Werner – Das Buch – 2. Kor 7,10

Gott kann sogar ätzende Gefühle benutzen, damit wir unser Leben ändern und wieder alles gut wird. Nur die ätzenden Gefühle, die uns nicht dazu bringen, unser Leben zu ändern, die bringen uns irgendwann um.
VolxBibel – 2. Korinther 7,10

Und welche Traurigkeit erkennt man woran?? war die Abschlußfrage vor drei Jahren.

Wie im A.T. (z.B. Am 5,6-11 ) und im Judentum kannte man auch im Heidentum die Vorstellung, dass göttliche Strafen nicht immer nur der Wiederherstellung der Gerechtigkeit dienten, sondern manchmal auch Versuche waren, den Schuldigen zur Buße zu bewegen.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Der Apostel hat die Gemeinde nach Gottes Willen traurig gemacht. Es war »Traurigkeit nach Gottes Willen«, und darum wirkte sie »zur Seligkeit« (eigentlich: »zur Rettung«). Sie wirkte bei den Korinthern wirkliche »Umsinnung«, Buße und Neuanfang. Ohne solche wahre Buße stand die Rettung, das Heil für die Korinther sogar in Gefahr. Solche Buße »reut niemand«; das gilt zunächst für Paulus selbst, gewiß aber auch für jeden Seelsorger. Wenn er Menschen in Betrübnis bringen muß, nach Gottes Willen, würde er die Buße, das Heil geradezu gefährden, wenn er aus falsch empfundenem Mitleid heraus dann doch wieder umschwenkt oder verharmlost. Wir sollen und können nicht barmherziger sein als Gott selbst. Petrus kommt nach seiner Verleugnung in solche Traurigkeit (vgl. Mt 26,75), und der auferstandene Christus erspart ihm die Traurigkeit nach Gottes Willen nicht, mit seiner dreimaligen Frage nach seiner Liebe (vgl. Joh 21,17). Nur so wurde aber für Petrus Neuanfang und Neubeauftragung! Ganz anders Judas. Auch er kommt in Reue. Aber es ist die »Traurigkeit der Welt«, eine Betrübnis, in die ihn die Führer seines Volkes brachten, indem sie sein Unrechtsbekenntnis frech zurückwiesen, und er »ging fort und erhängte sich« (vgl. Mt 27,1–5). Die »Traurigkeit der Welt«, die Betrübnis, in die Menschen mit ihrem kalten Herzen andere Menschen stoßen, treibt diese in den Tod. Wieviel Kälte und Herzlosigkeit, Nichtvergebenwollen und -können, ständiges Wiederauffrischen der Sünde und damit Verzweiflung bis hin zum Selbstmord gibt es unter Menschen, ja sogar in der christlichen Gemeinde?!

Edition C Bibelkommentar

Neben der Gott gemässen Betrübnis gibt es, wie wir wohl wissen, auch die andere, nämlich die Betrübnis der Welt. Man trauert über die Folgen der Sünde, weil nichts mehr so ist, wie es einmal war. Man trauert zerrissenen Beziehungen nach, listet die «Verletzungen» durch die anderen auf, stöhnt über sie, ihre Lieblosigkeit und Herzenskälte, und weiss über ihre Verfehlungen und Unterlassungssünden zu berichten. Die Betrübnis der Welt weint einem verlorenen Paradies und dem entgangenen Segen nach.
Wie viel besser und wie ganz anders ist die Buße Gott gemäss. Sie geht in sich, wie der verlorene Sohn, als er bei den Schweinen sass. Sie sieht mit dem inneren Auge klar und deutlich den eigenen erbärmlichen Zustand im Vergleich zum wohlgeordneten Vaterhaus, und wie dort sogar die Hilfsarbeiter besser dran sind, als der Sohn fern von Zuhause.
Sie fasst aber auch den Entschluss, zum Vater zu gehen und entsprechend Hosea 14,2 die folgenden Worte «mitzunehmen»: «Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heissen; mache mich wie einen deiner Tagelöhner.»
Sie macht sich auf, koste es was es wolle. Es kostet ganze Überwindung, dem Vater als ein Häuflein Elend unter die Augen zu treten. Und das, angesichts eines älteren Bruders, für den es ein offenes Geheimnis ist, dass der andere das Vatergut mit Huren verschlungen hat. Oder an einem Pharisäer Simon vorbei, der mit Kennerblick sieht, wer und was für eine Frau jene ist, die in sein Haus kommt.
Aber die Betrübnis Gott gemäss blickt weder nach links noch nach rechts. Sie macht sich nichts daraus, was die anderen denken, hinter vorgehaltener Hand reden oder einem gar unverblümt ins Gesicht sagen. Sie bricht einfach mit einem aufrichtigen Bekenntnis vor dem Vater zusammen. Es ist kurz und bündig, ungekünstelt und nicht gespielt. Das Gewissen klopft ihr zwar bis zum Hals, die Schamröte steigt ihr ins Gesicht, und stammelnd nur bringt sie das unabdingbare Bekenntnis heraus. Aber es ist echt, und die Reue auch. Und sie trauert über die Ursache, nicht nur über die Folgen.
Die Betrübnis Gott gemäss scheut sich, aufzublicken, schlägt sich an die Brust, sinkt in die Knie, fällt auf das Angesicht – und darf erfahren, dass da einer auf sie gewartet hat: der Vater. Und es werden aus Tränen der Reue Freudentränen} }

Halte fest 1998 Seite 71

Nicht alle Leiden und Schmerzen kommen von Gott, denn es gibt Leid der Welt, welches den Tod zur Folge hat. Man braucht sich nur umzuschauen, um auch dort, wo augenscheinlich Reichtum und Vergnügen zu Hause sind, das Ausmaß der Not zu entdecken. Manche sind körperlich krank, andere geistig; wieder andere sind einsam oder leiden wegen ihrer rebellischen Kinder an einem gebrochenen Herz. All dies Herzeleid findet erst durch den Tod ein Ende. Nicht die Leiden, sondern die Güte Gottes führen den Menschen zur Buße. Es wurde schon oft darauf verwiesen, daß die kommende Trübsalzeit mit allem Zorn und Gericht Gottes die Herzen der Menschen nicht erweichen wird. Die Erlösten sind anders, sie nehmen die Zurechtweisung Gottes für ihr falsches Verhalten demütig an. Dies ist aber nicht natürlich, sondern ein Zeichen der Gnade Gottes. Paulus fühlte sich nicht erhaben, daß er Gottes Instrument war, um die Korinther auf ihre Kniee zu bringen – das Gegenteil ist der Fall, wie wir an dieser Stelle erfahren. Hätte Gott nicht geholfen, dann hätte seine Bloßstellung ihrer Verfehlungen lediglich ihren Ärger und eine Verhärtung ihrer Nacken bewirkt. Es ist schwierig, den genauen Umfang des Begriffes „Heil“ in diesem Vers festzulegen, denn jeder weiß, daß Buße dem Heil vorausgeht oder gleichzeitig wirkt. Niemand wird errettet, der nicht auch Buße getan hat. Hier könnte mit „Heil“ aber auch lediglich die Errettung aus dem Kummer, der ihre Buße begleitete, gemeint sein. Wir sollten aber erkennen, daß die Prinzipien, die bei der Bekehrung wirksam werden, die gleichen sind wie bei der Wiederherstellung. In keinem der beiden Fälle von Umkehr haben wir einen Verdienst, und Vergebung kann man sich auch nicht durch Kummer erwerben, sondern alles geschieht von Gott und durch Gottes Güte.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Also nicht die größe der Tränen machen den Unterschied!