Schlagwort: Jehova

Du liebst mich, befreist von diesem Kotz

Mein Gott kommt mir mit seiner Freundlichkeit zuvor. Gott lässt mich herabschauen auf meine Nachsteller.
Janzen & Jettel – Ps 59,11

Und mein gnädiger Gott kommt mir zuvor!
Nun blicke ich auf meine Feinde herab.
Neue evangelistische Übersetzung – Psalm 59,11

Mein Gott der Huld überrascht mich,
Gott läßt mich niedersehn auf meine Verleumder.
Buber & Rosenzweig – Psalm 59,11

Diesen Vers hatten wir schon 2020. Also heute ein paar weitere Gedanken:

König Sauls Angst und Hass auf David wurden so zwanghaft, dass er schließlich den Befehl gab, seinen Schwiegersohn zu töten, und zweimal versuchte Saul, es selbst zu tun (1 Sam. 19:1-10). Dann plante er, David in seinem Bett zu Hause zu ermorden (1. Sam. 19,11-18), aber seine Frau verhalf David zur Flucht, indem sie ihn aus dem Fenster warf (siehe Apostelgeschichte 9,23-25). Vor diesem Versuch schickte Saul Suchtrupps aus, um David auszuspionieren (Vv. 6, 14), und David schrieb diesen Psalm, um Gott um die Hilfe zu bitten, die er brauchte. Der Schwerpunkt des Psalms liegt auf Gott – dem Befreier (V. 1-9) und dem Richter (V. 10-17). Beachten Sie Davids wiederholtes „Glaubensbekenntnis“ in den Versen 9 und 17. David wartete und sah zu, dass Gott wirkte, und dann lobte er den Herrn für seine Barmherzigkeit.

Gott würde sich nicht nur um David kümmern, sondern auch Davids Feinden entgegentreten und mit ihnen fertig werden. Wenn Davids Bitten brutal und nicht im Geiste Christi zu sein scheinen, dann bedenken Sie, dass sowohl die Zukunft Israels als auch die Zukunft von Davids auserwählter Dynastie auf dem Spiel standen. Dies war kein persönlicher Kreuzzug Davids, denn er bat Gott, den Feind für ihn zu bekämpfen (Röm 12,17-21).
Wenn es darum geht, sich dem Feind zu stellen und ihn zu bekämpfen, geht der Herr vor uns her (V. 10). Die Barmherzigkeit (Güte) des Herrn würde vor David hergehen und den Weg zum Sieg bereiten, so wie David den Riesen Goliath tötete. Der Herr kämpft auch für uns (V. 11-13a), indem er die Feinde zerstreut, sie in die Irre führt und ihre Angriffe zum Stillstand bringt. Der Herr ist unser Schild, der uns in jedem Kampf beschützen kann (3,3; 18,2; 1. Mose 15,1; Dtn 33,29), aber wir müssen hier einen Unterschied machen.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary

Mein Gott in seiner unerschütterlichen Liebe wird von TEV als „Mein Gott liebt mich“ ausgedrückt; der Satz kann als „mein liebender Gott“ verstanden werden. NJV hat sowohl hier als auch in Vers 17 „mein treuer Gott“. In einigen Sprachen ist es nicht möglich, von „meinem Gott“ zu sprechen, so dass man auf eine Verbphrase ausweichen muss, z. B. „der Gott, dem ich diene“ oder „Gott, den ich anbete“.

Wird mir entgegenkommen: Das heißt, er wird kommen und den Psalmisten retten.
Der Gedanke von Vers 10b ist derselbe wie in 54:7b; wörtlich heißt es im Hebräischen: „Gott wird mich auf meine Feinde schauen lassen“ – ein Ausdruck für den Sieg im Kampf. Zu dem Wort, das mit Feinde übersetzt wird, siehe Kommentare zu 54:5. Der Ausdruck „im Triumph auf meine Feinde blicken“ und die tev-Wiedergabe „mich sehen lassen, wie meine Feinde besiegt werden“ müssen in vielen Sprachen so umformuliert werden, dass die beiden Ereignisse „sehen lassen“ und „besiegen“ klar als von Gott ausgeführt gekennzeichnet sind, z. B. „er wird meine Feinde besiegen und mich zusehen lassen“ oder „er wird mich zusehen lassen, wenn er meine Feinde besiegt“.

Bratcher – Ein Übersetzerhandbuch zum Buch der Psalmen

Er muß sich vornehmen, auf Gott und sein Wirken zu achten und damit rechnen, daß aus dem Lachen Gottes ein abschließendes Richten wird. Das also muß geschehen – und wird im Vernehmen des Trostes jetzt schon vorweg erfahren! –, denn Gott kommt ihm entgegen. Wenn Gottes Kommen abschließendes Ereignis wird, führt dieses den Beter zum triumphierenden (herab-)sehen auf meine Dränger. Auch hier geht es nicht um Menschenverachtung. Gottes richterliches Eingreifen enthebt den Gottlosen seines Thrones und gibt dadurch dem Erniedrigten eine neue Lebensmöglichkeit. Das Herabsehen ist insofern nichts anderes als die Wahrnehmung der Realität, die Gott herbeiführt.

Wuppertaler Studienbibel

Wie würden wir uns fühlen, wenn wir gerade vor dem Herrscher fliehen müßten? Würden wir uns überlegen, wann wir unsere Frau und unsere Freunde wiedersehen würden? Würden wir Pläne machen, wie wir den Herrscher stürzen könnten?
David geht ins Gebet – und schreibt dieses Lied – diesen Psalm! Davids Zentrum ist Jehova – egal wie stark und nah die Einschläge neben ihm einschlugen.
Heute verlieren wir vielleicht auf Grund von „religiösen Streit“ den Kontakt zu unseren Freunden und Familie – aber wenn Jehovah im Zentrum unseres Denkens und Handeln bleibt, dann wird Jehovah zur gegeben Zeit für „seine Lösung“ sorgen!

Die eigenen Grenzen lassen sich einfacher annehmen, wenn man eine biblische Sichtweise von Erfolg vertritt


Jehova richte zwischen mir und dir, und Jehova räche mich an dir; aber meine Hand soll nicht wider dich sein. Wie der Spruch der Vorväter sagt: Von den Gesetzlosen kommt Gesetzlosigkeit; aber meine Hand soll nicht wider dich sein.
Elberfelder 1871 – 1.Samuel 24,14–15

Der HERR soll Richter zwischen uns sein! Er soll dich strafen für das Unrecht, das du mir antust; aber ich selbst werde meine Hand nicht gegen dich erheben. Du kennst das Sprichwort: ›Nur Verbrecher begehen Verbrechen.‹ Ich werde mich nicht an dir vergreifen.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Samuel 24:13–14

Der HERR wird Richter sein zwischen mir und dir; und der HERR wird mich an dir rächen, aber meine Hand soll nicht über dir sein. Wie man nach dem alten Sprichwort sagt: Von den Gottlosen kommt Gottlosigkeit! darum soll meine Hand nicht gegen dich sein!
Schlachter revidiert 1951 – 1.Samuel 24,13–14

David kommt in die große Versuchung, Saul zu töten, zumal auch seine Leute ihn dazu auffordern. Sie weisen sogar auf eine Verheißung Gottes hin, von der sie gehört haben wollen, die uns aber sonst nicht bekannt ist (V. 5ff.). David dagegen wird von Gott so gehalten, daß er sich nicht an dem König des Landes vergreift (V. 7). Ja, er überwindet Saul durch seine ehrerbietige und freundliche Haltung. Er nennt ihn sogar Vater. – Wieder bekommen wir einen Blick in sein Herz durch einen seiner Psalmen, durch den ganz deutlich wird, wie er auch in dieser Lage loben und danken konnte und alles Gott anheimstellte (Ps. 57). Saul ist durch das alles so betroffen (mehr aber auch nicht), daß es zu einer vorübergehenden Versöhnung kommt. Trotzdem trennen sich beide (V. 23). David bleibt nüchtern genug, sich mit seinen Leuten wieder in die Berge zurückzuziehen.

Bruns – Die Bibel mit Erklärungen: Erklärungen

Diese Worte, mit denen David sowohl sein eigenes Schicksal als auch das von Saul dem Herrn anvertraute, haben den Lesern dieser Erzählung im Laufe der Menschheitsgeschichte viel mehr Anleitung und Trost geboten, als es der Fall gewesen wäre, wenn David mit Gewalt gehandelt hätte, um Saul das Leben zu nehmen (de Jong 1978:180). Die zentrale These von Davids Worten wird durch die Aussage von Paulus in Römer 12,19 (vgl. Dtn 32,35; Jes 63,4; Hes 25,14) recht gut eingefangen: „Liebe Freunde, rächt euch nicht. Überlasst das dem gerechten Zorn Gottes. Denn die Heilige Schrift sagt: ‚Ich will mich rächen; ich will es ihnen heimzahlen‘, spricht der HERR.“ Davids Worte haben sich als eine viel mächtigere Waffe erwiesen, als es sein Schwert je hätte sein können. Dies ist zweifellos einer der Höhepunkte in Davids Leben. Indem er sein Leben und sein Schicksal in die Hände des Herrn legte, zeigte David im Voraus den Geist des kommenden Messias, der bei seiner Taufe gesalbt wurde, aber nicht vorschnell nach der Erfüllung von Gottes Verheißungen griff. Er widerstand der Versuchung Satans, ihm die Reiche dieser Welt zu geben (Mt 4,8-10), beugte sich dem Willen seines Vaters, unterwarf sich der Demütigung des Kreuzes (Mt 26,39; Phil 2,8) und wartet nun auf seine endgültige Erhöhung über seine Feinde (Hebr 10,12-13).

David bestand also diese Prüfung seiner Führungsqualitäten mit Bravour. Die Versuchung, der er sich gegenübersah, war der Wille zur Macht, der Saul sein Amt streitig machen wollte, indem er ihn tötete. Die Rechtfertigung dafür, so argumentierten seine Männer, sei die Vorsehung des Herrn. Davids Antwort war, den Herrn zwischen ihm und Saul richten zu lassen, damit der Herr ihn zu gegebener Zeit rechtfertigen konnte. In der Zwischenzeit respektierte er Sauls Amt, tadelte ihn aber auch für die Verletzung seines Vertrauens. Sowohl David als auch Davids größerer Sohn haben uns gezeigt, dass wir unser Leben in die Hände dessen legen sollten, der gerecht richtet, und dass wir der Versuchung widerstehen sollten, auf voreilige und unrechtmäßige Weise nach Position oder Macht zu greifen.

Eckstein Bibelkommentar

Der Grund, den David für die Ablehnung des Gebrauchs des Rechts auf Rache (der „Hand“) angibt, ist ein Sprichwort: „Böse Taten kommen von bösen Menschen.“ Aber was ist mit diesem absichtlich zweideutigen Sprichwort gemeint? Er kann auf mindestens drei Arten verstanden werden. Erstens könnte es bedeuten, dass David Rache an Saul für eine böse Tat hält, und da er sich weigert, ein böser Mensch zu sein, wird er diese Tat nicht begehen. Zweitens könnte es bedeuten, dass Saul ein böser Mensch ist, von dem man nichts anderes als böse Taten erwarten sollte, und dass Sauls verkommenes Leben, das zu einem elenden Tod führt, seine Strafe von Gott ist, ohne dass David etwas tun muss. Eine dritte Möglichkeit wird von Brüggemann (170) vorgeschlagen: „Das Sprichwort aus Vers 13 [H 14] deutet darauf hin, dass, wenn David böse (schuldig) wäre, es Beweise für diese Bosheit geben würde. ‚An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen‘ (Mt 7,16; vgl. Joh 10,31-32; 18,23).“ Es gibt gute Gründe für die Vermutung, dass David das Sprichwort in mehr als einer dieser Bedeutungen gemeint hat. Ein böser Mensch schadet sich durch seine Taten nur selbst. Und ein Mensch, der sich rächt, wird wie derjenige, der ihn zuerst verletzt hat.

Evangelischer Exegetischer Kommentar

Weiter das Richtige tun
Römer 12,17 betont die Wichtigkeit, weiterhin das Richtige zu tun, auch wenn es so scheint, als ob Ihr Kontrahent niemals kooperieren wird. Wenn Paulus schreibt: »Seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen!«, meint er damit nicht, dass wir Sklaven der Meinung anderer sein sollten. Das griechische Wort, das hier mit »seid bedacht« (pronoeo) wiedergegeben ist, bedeutet »an die Zukunft denken«, »im Voraus planen« oder »sorgfältige Vorkehrungen treffen« (vgl. 2Kor 8,20-21). Paulus meint also, dass wir so sorgfältig und angemessen planen und handeln sollten, dass alle Beobachter – einschließlich Ihrer Kontrahenten – schließlich zugeben müssen, dass Sie das Richtige getan haben. Petrus lehrte dasselbe Prinzip, als er schrieb: Führt euren Wandel unter den Nationen gut, damit sie, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, aus den guten Werken, die sie anschauen, Gott verherrlichen am Tage der Heimsuchung! … Denn so ist es der Wille Gottes, dass ihr durch Gutestun die Unwissenheit der unverständigen Menschen zum Schweigen bringt … Und habt ein gutes Gewissen, damit die, welche euren guten Wandel in Christus verleumden, darin zuschanden werden, worin euch Übles nachgeredet wird (1Petr 2,12.15; 3,16).

Dieses Prinzip wird in 1. Samuel 24,1-22 eindrücklich illustriert. Als König Saul David quer durch die Wüste verfolgte und ihn umbringen wollte, betrat er arglos eine Höhle, wo David und seine Männer sich gerade versteckt hielten. Davids Männer nötigten ihn, Saul zu töten, doch David lehnte das ab und sagte: »Ich will meine Hand nicht an meinen Herrn legen, denn er ist der Gesalbte des JehovasHERRN!« (V. 11). Als Saul die Höhle verlassen hatte und wegging, kam David aus seinem Versteck hervor und rief hinter ihm her. Als Saul erkannte, dass David ihn hätte töten können, war er zutiefst von seiner Sünde überführt und sagte:»Du bist gerechter als ich. Denn du hast mir Gutes erwiesen, ich aber habe dir Böses erwiesen. Du hast heute bewiesen, wie du Gutes an mir getan hast, als der HERR mich in deine Hand ausgeliefert hatte und du mich nicht umgebracht hast. Denn wenn jemand seinen Feind findet, lässt er ihn dann im Guten seinen Weg gehen? So möge der HERR dir Gutes vergelten für das, was du heute an mir getan hast! Und nun siehe, ich habe erkannt, dass du König, ja, König werden wirst und dass in deiner Hand das Königtum Israels Bestand haben wird« (V. 18-21).
Jahre später wurde Sauls Voraussage wahr und David bestieg den Thron Israels. Davids Entschlossenheit, Gott zu gehorchen und das Richtige zu tun, half ihm, dass er vermied, Dinge zu sagen und zu tun, die er später bereut hätte. Infolge dessen waren schließlich alle seine Feinde überwunden oder besiegt. Tausende von Jahren später bestaunen die Menschen immer noch die Gerechtigkeit Davids.

Die eigenen Grenzen erkennen
Wenn wir mit schwierigen Leuten zu tun haben, ist es außerdem wichtig, die eigenen Grenzen zu erkennen. Selbst wenn wir uns ständig richtig verhalten, können manche sich unerbittlich weigern mit uns in Frieden zu leben oder zuzugeben, dass wir im Recht sind. Deshalb schrieb Paulus: »Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden!« (Röm 12,18). Anders ausgedrückt: Tun Sie alles in Ihren Kräften Stehende, um sich mit anderen zu versöhnen, doch bedenken Sie, dass Sie andere nicht zwingen können, das Richtige zu tun. Wenn Sie alle Ihre Mittel ausgeschöpft haben, um einen Konflikt beizulegen, haben Sie Ihre Verantwortung vor Gott erfüllt. Wenn sich die Umstände ändern und sich neue Gelegenheiten bieten, den Frieden mit einem Gegner zu suchen, sollten Sie es wieder versuchen. In der Zwischenzeit sollten Sie nicht Ihre Zeit, Energie und Ressourcen verschwenden, indem Sie sich über jemanden den Kopf zerbrechen, der eine Versöhnung unnachgiebig verweigert.
Die eigenen Grenzen lassen sich einfacher annehmen, wenn man eine biblische Sichtweise von Erfolg vertritt. Die Welt definiert Erfolg anhand dessen, was jemand besitzt, beherrscht oder erreicht. Gott definiert Erfolg am Maßstab des treuen Gehorsams gegenüber seinem Willen. Die Welt fragt: »Welche Ergebnisse hast du erreicht?« Gott fragt: »Warst du meinen Wegen treu?« Wie wir in Kapitel 3 gesehen haben, hat der Herr den letztendlichen Ausgang all unserer Mühen in seinen Händen. Deshalb weiß er, dass wir nicht immer die erwünschten Ergebnisse erreichen können, so sehr wir uns auch anstrengen. Darum zieht er uns für bestimmte Ergebnisse nicht zur Verantwortung. Vielmehr möchte er nur eine Sache: Gehorsam gegenüber seinem offenbarten Willen.

Ken Sande – Sei ein Friedensstifter

Davids Chance?

Da sprachen die Männer Davids zu ihm: Siehe, das ist der Tag, von welchem Jehova zu dir gesagt hat: Siehe, ich werde deinen Feind in deine Hand geben, und tue ihm, wie es gut ist in deinen Augen Und David stand auf und schnitt heimlich einen Zipfel von dem Oberkleide Sauls ab.
Elberfelder 1871 – 1.Samuel 24,6

Und Davids Männer begannen zu ihm zu sagen: „Das ist der Tag, an dem Jehova zu dir spricht: ‚Siehe! Ich gebe deinen Feind in deine Hand, und du sollst ihm so tun, wie es gut scheinen mag in deinen Augen.‘ “ Da erhob sich David und schnitt leise den Zipfel des ärmellosen Obergewandes ab, das Saul gehörte.
neue Welt Übersetzung – Bi12 – 1.Samuel 24,4

Davids Leute flüsterten ihm zu: „Das ist die Gelegenheit! Gott hat heute beschlossen, dir deinen Feind auszuliefern. Du kannst hier mit ihm machen, was du willst!“ David schlich sich von hinten an Saul ran und schnitt mit einem Armeemesser ein Stück von seiner Jacke ab, ohne das der das mitbekam.
VolxBibel – 1.Samuel 24,5

Letzten Sonntag beim „Aktivgottesdienst“ besprachen wir 1.Samuel 24

Endlich scheint David die Chance zu haben, seinen Verfolger los zu werden. David befindet sich nicht bei den „Schafhürden“ sondern bei den Höhlen, die zur Unterbringung der Schafe genutzt werden. Nachdem Saul seinen Auftrag als König – also den Feind zu vertreiben, erfolgreich erledigt hat, verfolgt Saul sofort wieder David. Dieser versteckt sich mit den 600 Männern in einer Höhle. Saul hat „nur“ 3000 Soldaten an seiner Seite – also scheint es so, dass David in der Falle sitzt.

Als Saul allein genau die Höhle betritt, in der David sich versteckt hat, scheint die Situation klar: jetzt ist Chance !?!

Siehe den Tag, von dem der Herr zu dir gesagt hat – wir haben nirgendwo eine Erwähnung eines solchen Orakels, obwohl David es durch Gad oder Abjatar erhalten haben könnte. Aber wahrscheinlich sollten wir es als eine freie Konstruktion von Davids Freunden all jener Prophezeiungen und Ereignisse verstehen, die diesen Sohn Isais für den Thron Israels bestimmt hatten. Kap. 15:28; 16:1, 12; 20:15; 23:17. Der Rock von Sauls Gewand – eine Ecke oder ein Zipfel seines Obergewandes. Dieses Kleidungsstück hatte Saul wahrscheinlich abgelegt, als er die Höhle betrat, und so konnte David leichter ein Stück davon abschneiden, ohne vom König bemerkt zu werden.
Davids Herz schlug ihm – er spürte, dass selbst das Zerreißen von Sauls Gewand zu weit ging gegen den Gesalbten des Herrn. Clarke nimmt an, dass David mit der Absicht aufstand, Saul zu töten, aber durch die Ermahnung Gottes in seinem Gewissen daran gehindert wurde; aber wir sehen keinen ausreichenden Beweis für eine solche Absicht.
David hielt seine Knechte zurück – wörtlich: Er spaltete sie. Vulgata: confregit; er zerbrach sie in Stücke. Der Gedanke ist, dass er sie durch seine Worte völlig verwirrt hat, so dass ihr wütender Wunsch, Saul ein Ende zu bereiten, gebremst wurde.

D.Steele – Kommentar das alte Testament

David schnitt heimlich oder heimlich den Rock von Sauls Gewand ab. Das Wort „heimlich“ und alles, was folgt, deutet darauf hin, dass Saul nicht wusste, was David getan hatte. TEV sagt deshalb „ohne dass Saul es wusste“. Der Rock (wörtlich „Ecke“) bezieht sich auf das Ende des Gewandes. In den englischen Übersetzungen finden sich verschiedene Darstellungen. „ein Stück“ (REB), „ein Ende“ (NAB), „eine Ecke“ (NRSV) und „der Rand“ (NJB). Das hebräische Wort „Gewand“ bezieht sich auf ein ärmelloses, mantelähnliches Obergewand. Das Wort „Mantel“ (NRSV, REB, NJB, Fox) ist vielleicht eine bessere Übersetzung als „Gewand“.
Und. übersetzt das hebräische Verb, das traditionell mit „und es geschah“ übersetzt wird (siehe Seite 19). Da dieser Vers Davids Gefühle mit seinem Handeln in Vers 4 kontrastiert, verbindet TEV die beiden Verse mit der Konjunktion „aber“. CEV und NRSV beginnen diesen Vers mit dem Wort „danach“. Und NJPS verwendet beide Wörter: „Aber danach“.
Herz schlug ihn. Diese wörtliche Wiedergabe kann in vielen Sprachen missverstanden oder als unnatürlich angesehen werden. Die Bedeutung wird in den englischen Versionen auf verschiedene Weise ausgedrückt: „machte sich Vorwürfe“ (NJPS), „tat ihm leid“ (CEV), „wurde von Gewissensbissen geplagt“ (REB), und „bedauerte“ (NAB). In einigen Sprachen ist es ganz natürlich, das Wort „Herz“ beizubehalten und einen Ausdruck wie „er war traurig“ oder „sein Herz war betrübt“ zu verwenden. SEM nimmt diesen Satz etwas anders auf und behält einige Formulierungen des ursprünglichen Ausdrucks bei: „sein Herz begann sehr stark zu schlagen“. Aber es ist wahrscheinlich besser, die Idee der Reue oder des Bedauerns direkter darzustellen. Siehe den gleichen Ausdruck in 2 Sam 24:10.

Roger L. Omanson – Ein Handbuch zum ersten Buch Samuel

Aber warum klopft Davids Herz? Einige Ausleger sind der Meinung, dass die Kleidung mit dem Träger „verschmolzen war“ , und David das Gefühl hate, Saul etwas abgeschnitten zu haben.

DER GESCHICHTLICHE HINTERGRUND

Der Herr sagte zu Mose: „Sprich zu den Israeliten und sag ihnen: ‚In allen kommenden Generationen sollt ihr euch Quasten an den Ecken eurer Kleider machen, mit einer blauen Schnur an jeder Quaste. So werdet ihr euch an alle Gebote des Herrn erinnern, damit ihr sie befolgt und euch nicht prostituiert, indem ihr den Begierden eurer eigenen Herzen und Augen nachjagt. Dann werdet ihr daran denken, alle meine Gebote zu befolgen, und ihr werdet eurem Gott geweiht sein. Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten herausgeführt hat, um dein Gott zu sein. Ich bin der Herr, dein Gott“ (Numeri 15,37-41).

Einer der erkennbarsten jüdischen Bräuche sind die Fransen, die an bestimmten Kleidungsstücken getragen werden. Bis heute tragen orthodoxe Juden und Jüdinnen die Fransen als Zeichen ihrer Hingabe an Gott und als Identifikation mit ihrem Volk. Woher stammt dieser ungewöhnliche Brauch und welche Bedeutung hatte er für frühere Generationen?
Das Gebot, Fransen zu tragen, kommt direkt von Gott. Er wollte, dass Israel ständig daran erinnert wird, dass es ein besonderes Volk ist, das für den Dienst an dem einen wahren Gott ausgesondert wurde. Deshalb spiegelten die heiligen Tage, der Gottesdienststil und die Ernährung die geistliche Wahrheit wider. Sogar die Kleidung des Juden erinnerte ihn an seine besondere Berufung. Die Tzitzit („Fransen“, „Fransengewand“ oder „Quaste“) war ein deutliches Zeichen in der Welt, dass Israel eine von Gott verordnete Mission hatte. Das biblische Gebot ist eindeutig. Israel wurde angewiesen, die Tzitziyot (Plural von Tzitzit) an den Ecken ihrer äußeren Kleidungsstücke zu tragen. Die jüdische Tradition fügt viele zusätzliche Details über das Wesen und die Verwendung der Tzitziyot hinzu.
Die Konstruktion der Fransen hat eine besondere Tradition und Bedeutung. Jede Ecke des äußeren Gewandes sollte einen langen Faden haben, der in einem besonderen Blauton gefärbt wurde, um an den Himmel und Israels himmlische Ausrichtung zu erinnern. Dieser lange Faden wurde mit drei kürzeren Fäden verbunden, sodass insgesamt vier Fäden für jede Ecke des Gewandes vorhanden waren. Diese Fransen wurden so geknüpft, dass sie sich verdoppelten, so dass sie insgesamt acht Fäden bildeten. Diese Fäden wurden in einer Reihe von fünf Doppelknoten geknüpft, um symbolisch die Zahl dreizehn darzustellen. Interessanterweise kommt man, wenn man diese Zahl zum Zahlenwert (auf Hebräisch) des Wortes Tzitzit (d.h. 600) hinzufügt, auf die Gesamtzahl 613. Das ist die Anzahl der Gebote, die in der Tora enthalten sind. Der Zweck der Tzitziyot wird also jedes Mal klar erfüllt, wenn sie einen traditionellen Juden daran erinnern, alle Gebote Gottes zu befolgen.
Wie bereits in einem früheren Kapitel erwähnt, werden die Zitziyot, die die Verpflichtung des Juden zur Befolgung der Gebote darstellen, mit dem Tod ungültig. Um dies zu symbolisieren, werden die Fransen vom Tallit („Gebetsschal“) abgeschnitten. Dies gibt einen interessanten Einblick in die historische Situation zur Zeit von König David. Einmal gelang es David, sich an seinen schlafenden Verfolger, König Saul, heranzuschleichen und ihm den Saum seines Gewandes abzuschneiden. Das war eindeutig ein Symbol für den Tod, aber David hatte Gewissensbisse und ermutigte seine Männer, Sauls Leben zu verschonen (siehe 1. Samuel 24).
Die Zitziyot waren nicht nur eine Mahnung, Gottes Wegen zu folgen, sondern auch eine Aussage darüber, wer Gott ist. Das lässt sich daran erkennen, dass jede Fransen 39 Windungen hatte, was dem Zahlenwert des hebräischen Satzes Adonai Ekhad („Der Herr ist eins“) entspricht. Das alte Israel lebte in einer Welt, die von Heidentum und falschen Göttern umgeben war. Dieser Brauch muss eine anschauliche Erinnerung daran gewesen sein, dass das jüdische Volk nicht dem breiten Weg ins Verderben folgen sollte, sondern dem schmalen Weg des Lebens in dem einen wahren Gott. Jeder Teil des Lebens eines Juden, sogar seine Kleidung, sollte ihn irgendwie an diese Realität erinnern.

God’s appointed customs: a Messianic Jewish guide to the biblical lifecycle and lifestyle

David ist hier ein gutes Beispiel! Ein Christ bzw ein Anbeter Jehovahs bekämpft niemanden, auch nicht seine Verfolger! und erst Recht nicht, wenn der betreffende behauptet von Gott gesalbt zu sein!

Verraten und verkauft

Und David sprach: Jehova, Gott Israels! dein Knecht hat für gewiß gehört, daß Saul danach trachtet, nach Kehila zu kommen, um die Stadt zu verderben um meinetwillen. Werden die Bürger von Kehila mich seiner Hand ausliefern? wird Saul herabziehen, wie dein Knecht gehört hat? Jehova, Gott Israels, tue es doch deinem Knechte kund! Und Jehova sprach: Er wird herabziehen. Und David sprach: Werden die Bürger von Kehila mich und meine Männer der Hand Sauls ausliefern? Und Jehova sprach: Sie werden dich ausliefern.
Elberfelder 1871 – 1.Samuel 23,10–12

Er fragte Gott: „Du bist der Chef von Israel? Ich gehöre dir und tu, was du willst. Man hat mir aus sicherer Quelle gesteckt, dass Saul hierher unterwegs ist. Er will die ganze Stadt plattmachen, nur weil ich hier bin. Könnte gut sein, dass die Bewohner von Keila mich an ihn ausliefern. Sind die Gerüchte jetzt wahr, die ich gehört habe? Wird Saul kommen? Bitte, Gott, rede zu mir!“ Und Gott sprach durch die Lose zu David. „Die Antwort ist: Ja, Saul wird kommen!“ „Und wie ist das, Gott? Würden die Bewohner mich an ihn ausliefern, mich und meine Leute?“ – „Die Antwort ist: Ja, sie würden dich und deine Leute ausliefern.“
VolxBibel – 1.Samuel 23:10–12

Schon mal von Menschen, denen du geholfen hast, hinterhältig verraten worden?
Wenn ja, dann wird das Kapitel 23 in 1.Samuel dir sicher gefallen!

Hier sehen wir wieder den großen Unterschied zwischen Saul und David.
Saul fühlt sich von David bedroht, und denkt das David eine Gefahr für ihn wäre. Deshalb hat er David nicht nur „die Gemeinschaft entzogen“ sondern bekämpft David, wo immer er kann. Doch was war der Auftrag, den Saul bekommen hatte, als er zum König berufen wurde? Ach ja, Saul sollte die Philister aus dem „verheißenen Land“ treiben! Aber das Kapitel 23 fängt damit an, dass die Philister nicht nur am Mittelmeer sind, sondern eine zentrale Stadt – Keila – bedrohen. Nun, die Philister wollen die Israeliten nicht vertreiben, sondern „nur deren Ernte rauben“!
David und seine Leute greifen ein, und „befreien Keila“. „Belohnung für David“ – er wird von den Bewohnern der Stadt an Saul verraten. Und David? Wird er auch wütend wie Saul? Oder kann er auf Rache und Haß verzichten? Betrachtet David die Leute aus Keila nun auch als aus „Israel ausgeschlossen“ – oder zeigt David sogar Verständnis?
Hier sehen wir deutlich: wer den Geist Jehovahs hat, der sinnt nicht nach Rache, der „schließt andere nicht aus seiner Gemeinschaft aus“ – sondern zeigt die „agape-Liebe“ zu allen seiner Zeitgenossen.
Aber es geht ja gleich weiter mit dem Verrat – David flieht immer weiter weg von Saul – und Saul folgt David – so groß kann Haß werden, wenn Jehovah nicht mehr Teil des eigenen Lebens ist.

Achte beim Lesen des Kapitels mal auf Saul, wie er denkt: Saul glaubt tatsächlich, er hätte den Segen Jehovahs, und Jehovah hätte David in eine Falle tappen lassen, Jehovah hätte David verlassen! Wenn also Menschen heute behaupten, sie hätten den Segen Jehovahs und/oder würden sogar in Seinem Namen reden – dann schau, ob sie eher wie David oder eher wie Saul mit ihren Mitbrüdern und auch mit ihren angeblichen Feinden umgehen.

Während der Flucht vor Saul tat David mehr, als sich nur zu verstecken. Im Interesse seines belagerten Volkes kämpfte er auch gegen die sie ständig bedrohenden Philister. Zuerst befreite er, nachdem er den Herrn unter Gebrauch der heiligen Lose befragt hatte (V. 2 ; vgl. V. 6 ), die Stadt Ke´la , in der Nähe der Grenze der Philister, 24 km südwestlich von Bethlehem (V. 1 – 5 ). Aber das Volk „bezahlte“ ihm seine Freundlichkeit, indem es ihn an Saul verriet (V. 7 – 12 ). So zog er sich mit 600 Mann, die ihm treu geblieben waren (V. 13 ; vgl. 1Sam 27,2; 30,9; 2Sam 15,18 ), in die Wüste Sif zurück ( 1Sam 23,14 ), ein ödes, hügeliges und bewaldetes Gebiet zwischen Hebron und dem Toten Meer. Hier traf er sich ( in Horescha in der Wüste ) kurz mit Jonatan, der wieder die Legitimität der Königsherrschaft Davids bestätigte (V. 16 – 18 ).
Auch die Sifiter verrieten David an Saul (V. 19 – 23 ). David merkte das (V. 22 – 25 ) und floh deshalb in die Wüste Maon , 16 km südöstlich von Hebron. Saul verfolgte ihn auch dorthin, wurde aber zeitweilig zurückgerufen, um Israel gegen einen erneuten Angriff der Philister zu verteidigen (V. 27 – 28 ). Das gab David Gelegenheit, nach En-Gedi zu gehen ( 1Sam 24,1 ), einer Oase 16 km nördlich von Massada am Toten Meer.

Walvoord Bibelkommentar

Und sie sagten es David an und sprachen: Siehe, die Philister streiten wider Kegila und rauben die Mähdrescherböden. Und David fragte den HERRN und sprach: Soll ich hingehen und diese Philister schlagen? Und Jehova sprach zu David: Gehe hin und schlage die Philister und rette Kegila. Da sprachen Davids Männer zu ihm: Siehe, wir fürchten uns hier in Juda; wie viel mehr, wenn wir nach Kegila ziehen, gegen die Scharen der Philister? Und David fragte den HERRN abermals; und der HERR antwortete ihm und sprach: Steh auf und zieh hinab nach Kegila; denn ich will die Philister in deine Hand geben. Und David zog hin mit seinen Männern gen Kegila und stritt wider die Philister und trieb ihr Vieh weg und schlug sie mit großer Schlacht; und David wendete die Einwohner von Kegila.
Und es geschah, als Abjathar, der Sohn Ahimelechs, zu David nach Kegila floh, da kam er hinab mit einem Leibrock in seiner Hand. Und es ward Saul angesagt, daß David gen Kegila gekommen war; und Saul sprach: Gott hat ihn meiner Hand überlassen; denn er ist eingeschlossen, daß er in eine Stadt geht, die Tore und Riegel hat. Und Saul rief alles Volk zum Streit auf, dass sie hinab nach Kegila zögen, David und seine Männer zu belagern. Und David wußte, daß Saul Böses gegen ihn vorhatte, und sprach zu Abjathar, dem Priester: Bringe her den Leibrock! David aber sprach: HERR, Gott Israels, dein Knecht hat gehört, daß Saul versucht, nach Kegila zu kommen, um die Stadt meinetwegen zu verderben. Werden mich die Herren von Kegila in seine Hand geben? Wird Saul herunterkommen, wie dein Knecht gehört hat? Jehova, der Gott Israels, sage es deinem Knecht. Und Jehova sprach: Er wird herabkommen. David sprach: Werden die Herren von Kegila mich und meine Männer in die Hände Sauls geben? Jehova sprach: Sie werden dich erretten. Und David machte sich auf mit seinen Männern, bei sechshundert, und sie zogen aus von Kegila und zogen umher, wohin sie konnten. Und es ward Saul angesagt, daß David von Kegila entflohen war; und er wagte nicht, hinauszuziehen.
Und David wohnte in der Wüste, in den Festungen. Und er wohnte auf dem Gebirge in der Wüste Siph. Und Saul suchte ihn beständig; aber Gott gab ihn nicht in seine Hand. Und David sah, daß Saul ausgegangen war, ihm nach dem Leben zu trachten; und David war in der Wüste Siph in einem Walde. Da machte sich Jonathan, der Sohn Sauls, auf und ging zu David in den Wald und stärkte seine Hand in Gott. Und er sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, denn die Hand meines Vaters Saul wird dich nicht finden; und du sollst über Israel herrschen, und ich will neben dir sein; und das weiß auch Saul, mein Vater. Und die beiden schlossen einen Bund vor dem HERRN. Und David blieb im Walde, und Jonathan ging in sein Haus.
Und die Eziphiten kamen zu Saul hinauf nach Gibea und sprachen: Versteckt sich David nicht bei uns in den Festen im Walde, auf dem Hügel Hachila, der gegen Mittag in der Wüste liegt? So komm nun, König, herab, wie es deine Seele begehrt, und wir werden ihn in die Hände des Königs geben. Und Saul sprach: Gesegnet seid ihr vom HERRN, denn ihr habt Erbarmen mit mir. Gehet hin und erkundigt euch, wo er wohnt, und wer ihn daselbst gesehen hat; denn man sagt mir, daß er sehr schändlich handelt. So seht nun zu und erkundet alle Schlupfwinkel, darin er sich verbirgt, und kommt wieder, daß ich mit euch gehe; und wenn er im Lande ist, so will ich ihn suchen unter allen Tausenden in Juda. Und sie machten sich auf und kamen nach Siph vor Saul; David aber und seine Männer waren in der Wüste Maon, in der Araba, südlich von der Wüste. Und Saul und seine Männer kamen, um zu suchen; und sie sagten es David an, und er ging die Klippe hinab und blieb in der Wüste Maon. Und Saul hörte es und jagte David nach in die Wüste Maon. Und Saul ging auf die eine Seite des Berges und David und seine Männer auf die andere Seite des Berges; und David eilte, um von Saul wegzukommen, und Saul und seine Männer umringten David und seine Männer, um sie zu fangen. Und es kam ein Bote zu Saul und sprach: Eile und komm, denn die Philister sind in das Land eingefallen. Und Saul kehrte um von der Verfolgung Davids und zog wider die Philister; darum nannten sie den Ort Sela-Hammalekoth.

Die Numerische Bibel

Um diese Zeit erbot sich David, als er vernommen hatte, die Palaestiner seien in das Land der Killaner eingefallen und hätten dasselbe verwüstet, ein Heer gegen sie zu führen, wofern Gott, den er durch den Propheten um Rat fragen liess, ihm den Sieg verheissen würde. Und da Gott den Sieg wirklich in Aussicht stellte, griff er mit seiner Streitmacht die Palaestiner an, bereitete ihnen eine gewaltige Niederlage, machte grosse Beute und verblieb dann bei den Killanern, bis sie ihr Getreide von der Tenne nach Hause gebracht hatten. Sein Aufenthalt daselbst aber wurde dem Saul hinterbracht. Denn dass sein Unternehmen einen so glücklichen Erfolg gehabt, konnte nicht bloss in dem Lande, wo dasselbe stattgefunden, bekannt sein; vielmehr verbreitete sich der Ruf davon weithin und kam so auch dem Könige zu Ohren. Saul freute sich sehr, als er hörte, dass David in Killa sei, da er glaúbte, Gott habe ihn in seine Gewalt gegeben, weil er ihn in eine mit Mauern, Thoren und Riegeln wohlverwahrte Stadt eingeschlossen habe. Er befahl daher dem gesamten Kriegsvolke, Killa anzugreifen, den David gefangen zu nehmen und ihn umzubringen. Als aber David von Gott vernahm, die Killaner würden ihn, wenn er bei ihnen bleibe, dem Saul ausliefern, flüchtete er sich mit vierhundert Männern aus der Stadt und begab sich in eine Wüste oberhalb Engedaïn. Nachdem nun Saul vernommen, dass David den Killanern entschlüpft sei, stellte er den Kriegszug gegen ihn ein.

David gelangte von da zu einem Orte im Lande der Ziphener mit Namen Kaina („die Neue“), wo Sauls Sohn Jonathas ihn besuchte und begrüsste. Er ermahnte ihn, gutes Muts zu sein, von der Zukunft das Beste zu hoffen und sich durch die gegenwärtigen Übel nicht wankend machen zu lassen. Denn er werde König sein und die gesamte Truppenmacht der Hebräer unter seinem Oberbefehl haben; so erhabene Dinge pflege man aber nicht ohne grosse Anstrengungen zu erringen. Darauf schwur er ihm nochmals, er werde die Treue und Freundschaft, die zwischen ihnen bestehe, in Zukunft pflegen, und rief Gott zum Zeugen des Fluches an, den er sich selbst androhte für den Fall, dass er ihr Bündnis verletzen würde. Und nachdem er ihn so getröstet und von Furcht und Kummer befreit hatte, verliess er ihn und begab sich wieder nach Hause. Die Ziphener aber liessen dem Saul, um sich seiner Gunst zu versichern, melden, dass David sich bei ihnen aufhalte, und dass sie ihn ausliefern wollten, falls er sich zu ihnen bemühen wolle. Denn wenn man den Engpass von Ziphene besetze, könne er nicht entwischen. Der König lobte ihren Eifer, versprach ihnen für die Anzeige seinen Dank, den er ihnen in kurzem erstatten werde, und schickte Häscher ab, um den David aufzusuchen; er selbst wolle ihnen bald nachfolgen. Diese beeilten sich, den David vor der Ankunft des Königs festzunehmen, da sie sich ein Anrecht auf seine Dankbarkeit nicht nur durch die Anzeige sichern wollten, sondern auch dadurch, dass sie den David in seine Hände lieferten. Obgleich sie jedoch ihren Eifer für Saul beweisen und ihm sich besonders gefällig erzeigen wollten, indem sie den Liebling Gottes dem Tode zu überantworten und ihn dem Könige auszuliefern versprachen, schlug ihr boshaftes Vorhaben dennoch fehl. Als nämlich David von dem hinterlistigen Anschlage der Ziphener und der Ankunft des Königs Kunde erhalten hatte, verliess er durch den Engpass die Gegend und floh auf einen hohen Felsen in der Wüste Maon.

Saul aber eilte dem David nach, und da er unterwegs hörte, David sei glücklich durch den Engpass entwischt, begab er sich auf die andere Seite des Felsens. Da aber rief ihn, als er nahe daran war, den David gefangen zu nehmen, das Gerücht ab, die Palaestiner hätten wiederum einen Einfall in das Gebiet der Hebräer unternommen. Er marschierte also wieder zurück und gegen dieselben, denn er hielt es für besser, deren Frechheit zu strafen, als das Land ihrer Gewalt zu überlassen, während er einem persönlichen Feind nachjage.

Jüdische Altertümer – Josephus, Flavius

Wendung oder schuldig?

Da sprach David zu Abjathar: Ich wußte an jenem Tage, weil Doeg, der Edomiter, daselbst war, daß er es Saul sicher berichten würde. Ich bin schuldig an allen Seelen des Hauses deines Vaters.
Elberfelder 1871 – 1. Samuel 22,22

David klagte sich selbst an und sagte zu Abjatar: »Als ich damals Doëg in Nob sah, wusste ich gleich, dass er es Saul verraten würde. Ich bin schuld, ich habe deine ganze Familie auf dem Gewissen!
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Samuel 22:22

Da sagte David zu Ạbjathar: „An dem Tag, als ich Dọeg, den Edomịter, dort sah, habe ich gewusst, dass er Saul mit Sicherheit alles verraten würde. Ich persönlich bin verantwortlich für den Tod jedes Einzelnen aus dem Haus deines Vaters.
neue Welt Übersetzung – 2018 – 1.Samuel 22:22

Dawid sprach zu Ebjatar:
Wissen mußt ichs an jenem Tag – Doeg der Edomiter war ja dort – ,
daß mans melden, ja, Schaul melden würde,
ich selber habs an alle Seelen deines Vaterhauses herantreten lassen, –
Buber & Rosenzweig – 1.Sam 22,22

Wenn man in dt Bibeln den Text liest, könnte man zu dem Schluß kommen, dass David die Verantwortung für das Handeln von Saul übernehmen würde. Oder wie steht es in deiner Bibel?
Doch sobald ich eine Übersetzung eines jüdischen Mannes in die Hand nehme – also die letzten beiden – dann entsteht ein ganz anderer Eindruck! Hier wird davon gesprochen, dass David die Wendung gewesen ist!
Schauen wir uns einige Kommentare dazu an:

wie Gott es dem Hohepriester Eli prophezeit hatte Josephus bringt das Massaker von Nob mit der Prophezeiung in Verbindung, die Gott Eli durch Samuel gegeben hatte, dass seine Nachkommenschaft wegen der Sünde seiner Söhne vernichtet werden würde (Ant. 5.350). Diese Begründung ähnelt der von Pseudo-Philo, wonach die Priester von Nob die dem HERRN geweihten Speisen entweihten und die Erstlingsfrüchte des Volkes für sich selbst nahmen; deshalb versprach Gott in seinem Zorn, die Bewohner von Nob zu vernichten, weil sie den Weg von Elis Söhnen gehen, die ebenfalls die Opfergaben des Volkes für sich selbst nahmen, bevor sie Gott dargebracht wurden (L.A.B. 63:1). Sowohl Josephus als auch Pseudo-Philo betonen daher die Art der Sünde der Priester von Nob. Pseudo-Philo bietet eine weitere Rechtfertigung für das Massaker von Nob, indem er erklärt, dass die Einwohner von Nob sich der Vergewaltigung der Konkubine des Leviten schuldig gemacht haben (L.A.B. 45:3; Judg. 19); beachte, dass die Vergewaltigung bei Pseudo-Philo nicht in Gibea stattfindet, wie in der Bibel (Judg. 19:15), sondern in Nob. Auf der anderen Seite sind die Targum (TJon 1 Sam. 22:22) und der Talmud (B. Sanh. 95b) betonen beide Davids Verantwortung für das Massaker an den Priestern von Nob, wobei ersterer Davids Schuld und letzterer seine Bestrafung hervorhebt. Insbesondere behauptet der Talmud, dass der Priester wie Abimelech nur einen Sohn hatte (1 Sam. 22:20), und zwar für Davids Nachkommen, mit Ausnahme eines einzigen verbliebenen Sohnes, Joasch.

Louis H. Feldman – Außerhalb der Bibel – Antike jüdische Schriften mit Bezug zur Schrift

Warum gefährdete David wissentlich den Hohenpriester Ahimelech, was zu dessen Tod führte, wie das David gemäß 1Samuel 22:22 auch zugab?
In 1Samuel 22:22 wird in Wirklichkeit nicht angedeutet, daß David im voraus wußte, daß seine Handlungsweise zu Ahimelechs Tod führen würde. Es heißt dort: „Hierauf sprach David zu Abjathar [Sohn Ahimelechs]: ‚Ich wußte wohl an jenem Tag, weil Doeg, der Edomiter, dort war, daß er [Doeg] es Saul bestimmt mitteilen würde. Ich persönlich habe jeder Seele des Hauses deines Vaters [Ahimelech] Unrecht angetan.‘ “
David, der vor dem erzürnten König Saul floh, ging nach Nob, wo der Hohepriester Ahimelech ansässig war. David gab ihm nicht den genauen Grund dafür an, warum er sich in diesem Gebiet aufhielt, vielleicht aus Sorge, der Hohepriester würde sich sonst verpflichtet fühlen, Davids Verbleib dem König mitzuteilen. Dennoch blieb sein Aufenthalt in Nob nicht unbemerkt. Der Edomiter namens Doeg sah David und berichtete danach die Sache dem zornigen Saul.
Nichts in dem Bericht beweist jedoch, daß David bereits vorher etwas von Doegs Anwesenheit gewußt hatte. Doeg „befand sich an jenem Tag . . . dort, festgehalten vor Jehova“ (1Samuel 21:7). David war wahrscheinlich überrascht, wenn nicht sogar schockiert, daß der grundsatzlose Doeg ihn bei Ahimelech sah. Als es jedoch geschehen war, war es geschehen. David konnte es nicht rückgängig machen, noch konnte er die schrecklichen Folgen verhindern, die sich durch Sauls Zorn für den Hohenpriester und für zahlreiche andere Priester sowie Frauen, Kinder und Tiere in Nob ergaben (1Samuel 22:9-19).
Mit diesem Gedanken im Sinn sollte man Davids traurige Worte an Abjathar, der dem Massaker entkommen war, erneut betrachten: „Ich wußte wohl an jenem Tag, weil Doeg, der Edomiter, dort war . . .“ Jetzt verstehen wir, daß David meinte: ‘Ich wußte es an jenem Tag, als ich merkte, daß Doeg mich bei Ahimelech gesehen hatte . . .’ Aber es war zu spät. Doeg war unerwarteterweise dort und bemerkte Davids Kontakt mit dem Hohenpriester. Daher schlußfolgerte David sofort, daß Doeg die Sache Saul berichten würde. Aus diesem Grund gestand David später gewisse Schuldgefühle gegenüber Abjathar ein, obwohl David nur indirekt zu dem darauf folgenden Massaker beigetragen hatte. Er drängte Abjathar, bei ihm zu bleiben, denn er vertraute auf Jehovas Führung und Schutz (1Samuel 22:22, 23).

Wachtturm – 15.11.1886

Die Wachen, die dem König am nächsten standen („Lakaien“, KJV), weigerten sich, die Priester zu töten. Das erinnert uns an die Zeit, als Saul dem Volk befahl, Jonatan zu töten, weil er den Eid gebrochen hatte, und sie sich weigerten, ihm zu gehorchen (14:41-46). Saul wusste, dass Doeg bereit war, die böse Tat zu begehen, und gab ihm die Erlaubnis, Ahimelech und sein Haus, fünfundachtzig Priester des Herrn, hinzurichten. Dög, der im Grunde seines Herzens ein Lügner und Mörder war (Johannes 8,44), setzte sich über Sauls Befehl hinweg und ging nach Nob, wo er die gesamte Bevölkerung und das Vieh ausrottete.

Auch wenn uns dieser ungerechte Prozess und das rechtswidrige Urteil beunruhigen, müssen wir bedenken, dass dies Teil von Gottes Plan war. Diese Abschlachtung der Priester war eine teilweise Erfüllung der unheilvollen Prophezeiung, die dem untreuen Eli gegeben worden war (1. Sam. 2:27-36; 4:10-18), denn Gott versprach, das Haus Eli durch das Haus Zadok zu ersetzen (1. Kön. 2:26-27; 4:2).

Der geschützte Priester (1 Sam. 22:20-23). Der einzige Überlebende des Massakers von Nob war Abiathar, ein Sohn Ahimelechs, der dann Hohepriester wurde. Er wusste, dass seine einzige Hoffnung darin bestand, sich David anzuschließen, und so floh er nach Kegila, wo David nun lagerte (23,6). Wann David von Hereth nach Kegila zog, geht aus dem Text nicht hervor, aber einen Priester mit einem Efod zu haben, war für David und seine Begleiter eine enorme Hilfe. Die 400 Männer hatten den Propheten Gad, den Priester Abjatar und den König David, und sie kämpften in den Schlachten des Herrn. David nahm die Schuld für die Ermordung der Priester auf sich, aber er übernahm auch die Verantwortung, sich um Abjatar zu kümmern und dafür zu sorgen, dass er in Sicherheit war. – Leider stellte sich Abjatar bei seinem Streben nach dem Thron auf die Seite von Adonia, und Salomo ersetzte ihn durch Asarja aus der Priesterfamilie Zadoks. Dies war der letzte Schritt, um die Familie von Eli aus dem levitischen Priestertum auszuschließen.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary

Wahrscheinlich wusste Saul damals nicht, dass „ein“ (wörtlich: „einer“ [V. 20], was die Tatsache betont, dass er der einzige Überlebende ist) Sohn Ahimelechs „entkommen“ war (dasselbe Verb wird häufig für David verwendet; vgl. 19:10, 12, 17-18) und sich Davids flüchtender Gruppe anschloss. Abiathar („Der [göttliche] Vater ist ausgezeichnet“) (vgl. Moses‘ Schwiegervater, der Priester Jethro, dessen Name „Seine Exzellenz“ bedeutet), übte für den Rest von Davids Leben priesterliche Funktionen für David aus (vgl. 23:6, 9; 30:7; 2 Sa 8:17); er wurde schließlich unter Salomos Herrschaft durch Zadok ersetzt (1 Ki 2:27, 35; zum Hinweis auf Abiathar in Mk 2:26 siehe Kommentar zu 21:6).
Als Abjatar David mitteilt, dass Saul den Befehl zum Massaker an allen Priestern von Nob gegeben hat, außer an ihm selbst (V. 21), sagt David ihm (V. 22), dass er Doegs Verrat schon seit ihrer früheren Begegnung in Nob vorausgesehen hat (vgl. 21,7). Dann gesteht David, dass er selbst, wenn auch unbewusst, für das Massaker verantwortlich ist. Mit den Worten „Ich bin verantwortlich“ verwendet David eine Form desselben hebräischen Verbs, das in V. 18 mit „umkehren, sich wenden“ übersetzt wird. Obwohl es Doeg, der Edomiter, war, der sich „umdrehte“ und die Priester tötete, war es David, der durch seine frühere Anwesenheit in Nob „verantwortlich“ für den Tod der Priester war. Deshalb bietet er Abjatar Zuflucht an und sagt ihm, er solle sich nicht „fürchten“ (V. 23; vgl. Jonatans ähnliche Zusicherung an David in 23,17). Abiathar kann sich auf Davids Schutz verlassen: „Du“ (mit Nachdruck), sagt David, „wirst bei mir sicher sein.“ Saul trachtet nun nach dem Leben (siehe Kommentar zu 20:1), und so werden sie zu Partnern auf der Flucht. Der gewählte König und der gewählte Priester haben sich auf der Flucht zusammengetan.

Tremper Longman III & David E. Garland – Der Bibelkommentar des Auslegers

Jetzt habe ich die ganze Familie deines Vaters umgebracht. Wörtlich: „Ich habe das ganze Leben des Hauses deines Vaters umzingelt.“ Es ist nicht nötig, sabbothi zu ändern [TH5437, ZH6015] („Ich habe umzingelt“) in das ungewöhnliche Wort khabti (khub [TH2325, ZH2549], „ich bin schuldig“, das nur in Dan 1,10 vorkommt, und dort im Piel und nicht im Qal, wie hier vorgeschlagen) auf der Grundlage des eimi aitios (Ich bin die Ursache oder der Urheber). Es scheint wahrscheinlicher, dass die LXX ihre Übersetzung aus dem Kontext abgeleitet hat. Das Wort sabbothi ist hier wahrscheinlich im Sinne von „ich habe den Tod umzingelt“ zu verstehen, wie von de Boer (1949:43) vorgeschlagen. Hertzberg (1964:186) schlägt vor: „Ich habe das Leben gefährdet“ = „Ich bin der Anlass von“.

Eckstein Bibelkommentar – Samuel

Ich habe es veranlasst – David erinnert sich nun mit Bedauern an die Unwahrheiten, mit denen er Ahimelech getäuscht hatte, und gesteht seine Schuld ein. Aber die unbesonnene und blutige Tat Sauls überzeugt ihn davon, dass der König gottverlassen ist, und er stärkt sich angesichts dessen und spricht die Gefühle seines Herzens in einem unnachahmlichen Psalm aus. Siehe Psalm 52, der sich weniger gegen Doeg als gegen Saul richtet und an dessen Ende David seine eigene Hoffnung und sein Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes zum Ausdruck bringt.

D.Steele – Kommentar das alte Testament

Ich habe veranlasst. Im Hebräischen heißt es „ich habe mich gewendet“. Wenn der erste Konsonant des hebräischen Verbs geändert wird, ändert sich das Verb von „ich habe mich gewendet“ zu „ich bin verantwortlich“. Das ist die Lesart, die in der Septuaginta und in den alten syrischen und lateinischen Übersetzungen zu finden ist. Sie wird von NRSV, NIV, NJB und NAB ÜBERNOMMEN, ebenso wie von TEV. Tatsächlich gibt es aber kaum einen wirklichen Unterschied in der Bedeutung zwischen den Übersetzungen von RSV und TEV. NJPS behauptet in einer Fußnote, einen unsicheren hebräischen Text übersetzen zu wollen, in dem es heißt: „Ich bin schuld“.

Roger L. Omanson – Ein Handbuch zum ersten Buch Samuel

Wir können also leicht erkennen – wir brauchen einen „Muttersprachler“ um wirklich zu verstehen, was David dachte! Und David war ein wirklicher Hirte! Er sah sich „verantwortlich für die ihm anvertrauten Schafe“! David hatte seine Eltern nach Moab geschickt, um diese vor Saul zu schützen. Nun erkannte David, dass er auch die Priesterstadt vor Saul hätte schützen müssen! So denkt ein wirklicher Hirte: er macht nicht „die Schafe verantwortlich“ sondern sucht bei sich die Fehler!
Wir können das Denken von David am besten nachvollziehen, wenn wir Psalm 52 dazu lesen: David versteht klar, dass Saul zu weit gegangen ist – und sich damit von Jehovah abgeschnitten hat.

Saul verschenkt fleißig Land …

da sprach Saul zu seinen Knechten, die bei ihm standen: Höret doch, ihr Benjaminiter! Wird auch der Sohn Isais euch allen Felder und Weinberge geben, euch alle zu Obersten über tausend und zu Obersten über hundert machen,
Elberfelder 1871 – 1.Samuel 22,7

»Hört zu, ihr Männer vom Stamm Benjamin!«, rief Saul ihnen zu. »Hat der Sohn Isais euch Felder und Weinberge versprochen? Hat er versprochen, euch zu Hauptleuten und Heerführern zu machen?
Neues Leben – Bibel 2006 – 1.Samuel 22:7

Saul sprang plötzlich auf und machte seine Leute zur Sau: „Ihr Trottel glaubt doch bestimmt, dass dieser Typ vom Familienstamm Juda ausgerechnet euch Benjaminiter bevorzugen wird, wenn er mal an der Macht ist, oder? Ihr glaubt im Ernst, er wird euch ganz viel Land und Weinberge schenken und jeden von euch zu einem General befördern! Ha!
VolxBibel – 1.Samuel 22,7

Was für ein „großer König“! Er sammelt seine Verwandtschaft um sich, seinen Stamm, um deren Aufmerksamkeit und Treue (?) durch Geschenke zu kaufen! Wie lange soll das gut gehen? Das man seinen eigenen Kindern mehr Vertrauen entgegenbringt, als Fremden – ist verständlich.
Und David? Schauen wir in Vers 2 an – um David scharen sich die „Nichtsnutze“ – Männer die Probleme hatten. Aber es scheinen Männer aus allen Stämmen zu sein. Und David muß diese nicht mit Geschenken „gefügig“ machen.

Alle, die in Not sind – die unter Mangel leiden oder in Schwierigkeiten mit ihren Nachbarn sind. Schulden – hebräisch, einen Gläubiger haben; und die, die nicht in der Lage sind, ihren Verpflichtungen nachzukommen, werden wahrscheinlich an ihre Gläubiger verkauft werden. Lev. 25:39. Unzufrieden – unzufrieden mit der Regierung Sauls. Ungefähr vierhundert Mann – Eine Bande von Gesetzlosen, die jedoch unter Davids weiser Führung zu einer Gruppe von mächtigen Helden wurde. Eine Liste der tapfersten von ihnen findet sich in 2 Sam. 23:8-39; 1 Chron. 11:10–47. Wie lange David vor seiner Flucht nach Moab in der Höhle von Adullam blieb, wird nirgends berichtet.

D.Steele Kommentar das alte Testament

Saul würde „über Leichen gehen“ und sogar seinen eigenen Sohn töten – David dagegen bringt seine Eltern in Sicherheit! Wohin? Nun seine Urgroßmutter war Ruth – deshalb bringt er seine Eltern nach Moab – die Gegend woher Ruth viele Jahre vorher weggezogen war.

Wenn wir den obrigen Vers der Bibel im Kopf behalten, dann werden wir die Geschichte aus 2.Samuel 21 besser verstehen – wir verstehen dann, dass Saul die hier in 1.Samuel 22:7 genannten Felder und Weinberge nicht aus den eigenen Erbteil her verschenken konnte, sondernd dass Saul die Menschen, die in „seinem Stammesgebiet“ lebten, vertrieb oder ermordete, um dann deren Felder und Weingärten zu verschenken – und dass Jehovah wohl eine Weile zusah, aber in 2.Samuel dann „ein Gericht“ über die „Empfänger dieser Schenkungen“ brachte.

David kommt nach Gath

Und David machte sich auf und floh an selbigem Tage vor Saul, und er kam zu Achis, dem König von Gath.
Elberfelder 1871 – 1.Samuel 21,11

Und Dawid machte sich auf und floh an jenem Tag vor Schaul; und er kam zu Achisch, dem König von Gat.
Neftali-Herz-Tur-Sinai – 1.Samuel 21:11

Davids Flucht vor Saul brachte ihn am selben Tag noch nach Gat. Dort wollte er sich mit dem Präsidenten Achisch treffen.
VolxBibel – 1.Sam 21,11

Warum flieht David vor Saul? Wir hatten in den letzten Wochen gesehen, dass David flieht, weil Saul den David umbringen will. Die Flucht geht zuerst Richtung dem Propheten Samuel. Dort wird David aufgespürt – und nur der Geist Jehovahs schützt David vor Saul. Darauf geht die Flucht von der „Prophetenschule“ Richtung „Bundeslade“ – mit einer kleinen Stipvisite bei seinem Freund Jonathan. Vor zwei Wochen stellten wir uns hier im Blog die Frage zu den Schaubroten…
Doch warum läßt sich David erst das Schwert von Goliath geben, um dann direkt in die Heimatstadt von Goliath zu laufen? War David lebensmüde? Wollte David provozieren?
Erschreckend, wie viele den Vers so verstehen, wie diesen die Volxbibel übersetzt.
Doch die Bibel ist ein Buch, bei dem wir den gesamten Inhalt betrachten müssen, und nicht einfach einen Vers aus dem Zusammenhang reißen dürfen!

David floh zu Achisch, dem König von Gat, weil er meinte, unter Israels Feinden sicherer zu sein als im Herrschaftsbereich Sauls. Aber man berichtete Achisch, dass David jener Mann sei, der vor Jahren den großen Helden der Philister erschlagen habe. Und nun fand er sich bei den Gegnern Israels, wo er eigentlich Zuflucht gesucht hatte, selbst in großer Gefahr. Da täuschte er seine Feinde, indem er sich wahnsinnig stellte und konnte ihnen schließlich so entrinnen.
Davids erster Fehler war sein mangelndes Gottvertrauen in Nob und sein zweiter die Täuschung vor Achisch. Bis dahin hatte er edle Charakterzüge gezeigt und mit seinem einwandfreien moralischen Verhalten die Gunst des Volkes gewonnen. Aber in dieser Bewährungsprobe geriet sein Glaube ins Wanken. Menschliche Schwächen kamen zum Vorschein. In jedem Mann sah er einen Spion und Verräter. Voller Vertrauen hatte David in größter Not auf Gott geschaut und den Riesen der Philister besiegt. Im Glauben war er in Gottes Namen vorangegangen. Doch als Gehetzter und Verfolgter verlor er vor lauter Not und Gefahr seinen himmlischen Vater aus den Augen.
Doch diese Erfahrung war für ihn sehr lehrreich. Sie führte ihn dazu, seine eigene Schwäche und die Notwendigkeit einer beständigen Abhängigkeit von Gott zu erkennen. Wie wertvoll ist doch das wohltuende Wirken des Heiligen Geistes im Leben von bedrückten und verzweifelten Menschen. Er ermutigt die Verzagten, stärkt die Schwachen, erfüllt die angefochtenen Diener Gottes mit Mut und steht ihnen bei. Was haben wir doch für einen Gott, der mit den Irrenden gnädig umgeht und uns im Unglück oder in Zeiten großer Sorge seine Geduld und sein Mitgefühl zeigt.

Ellen White – Wie alles begann: Von der Schöpfung bis zum König David

Machmal mag ich ja die Phantasie der Ellen White – doch oft – so auch hier – widersprechen ihre Aussagen dem „Wort Gottes“!

Während David in Nob war, wurde er von einem Spion Sauls ausfindig gemacht, nämlich von DoÙg, dem Edomiter , der Saul über Davids Verbleib informierte (V. 8 ; 1Sam 22,9 ). David nahm Goliats Schwert , das die Priester in Nob erbeutet hatten ( 1Sam 21,9-10 ) und flüchtete sofort um sein Leben. Er floh, alle Vorsicht außer acht lassend, nach Gat, der Heimatstadt des toten Philisterhelden Goliat (V. 10 ). Von Achisch, dem Herrn von Gat, erkannt, tat David so, als sei er (geistes)krank und entging damit der Vergeltung der Philister (V. 12 – 14 ). Das passierte in Übereinstimmung mit der Praxis der alten Welt, die Krankheit in gewissem Sinn als ein böses Zeichen zu betrachten und so den Kranken vor Schaden zu bewahren, um die Götter nicht zu provozieren.

Walvoord Bibelkommentar

Aber auch der von mir sonst gern geschätzter Walvoord geht am Ziel vorbei.
Wo finden wir die Lösung, warum David in Gath landet?

Es erscheint in der Tat seltsam, dass David so schnell in das Land von Israels erbittertstem Feind geflohen ist und mit dem Schwert von Goliath in der Hand dennoch in Gath, der letzten Heimat von Goliath, Zuflucht gesucht hat. Aber wir müssen bedenken, dass seit Davids Sieg über den Riesen mehrere Jahre vergangen waren, und Vers 12 gibt uns zu verstehen, dass David nicht damit rechnete, erkannt zu werden. Dieser Bericht über David in Gath ist jedoch sehr kurz, und die fragliche Schwierigkeit mag darauf zurückzuführen sein, dass wir nicht alle Umstände des Falles kennen. Vielleicht kam David nicht von sich aus nach Gat, sondern wurde, nachdem er in das Gebiet von Achis geflohen war, von den Dienern dieses Königs ergriffen und mit Gewalt in die königliche Gegenwart gebracht. Diese Vermutung steht in völliger Übereinstimmung mit den Einzelheiten dieser Erzählung und wird durch den Titel von Psalm 56 bestätigt, den David bei dieser Gelegenheit verfasste.

Die Knechte von Achis, die David in die königliche Gegenwart brachten. Wo und wie diese Knechte David begegneten, wird nicht gesagt; aber die Vermutung, die sich auf den Titel von Psalm 56 stützt, ist äußerst plausibel: dass sie ihn gefangen genommen hatten, als er im Lande Philistäa umherirrte. König des Landes – „So nennen sie David, nicht weil sie seine Salbung und göttliche Erwählung kannten, sondern wegen seiner siegreichen Taten, die Saul völlig in den Schatten gestellt hatten“ – Keil.

D.Steele – Kommentar das alte Testament

Das ist der Vorteil, wenn man sich nicht mit einem Kommentar genügt, sondern mehrere Kommentare „lesen darf“ – da ist in Psalm 56 die wahre Lösung! David wird von Soldaten aufgegriffen und dann zum König gebracht. Und wie denkt David? Was passiert, nachdem David aus der Gefangenschaft entlassen wird? Ist David „stolz auf sich“ und auf „seine guten Ideen“?
Schauen wir wieder in die Bibel – bzw in den Kommentar D.Steele:

Ob er aus dem Land vertrieben wurde oder heimlich entkam, wird hier nicht gesagt, aber aus dem Titel von Psalm 34 schließen wir, dass er vertrieben wurde. Nachdem er auf diese Weise entkommen war, gibt sein freudiges Herz seinen Gefühlen in diesem unnachahmlichen Psalm Ausdruck.

D.Steele – Kommentar das alte Testament

Die Überschriften zu den Psalmen bieten uns also die Lösung!
Lese deine Bibel also nicht nur im „Vers des Tages“ – sondern als BUCH – und am besten chronologisch!