Bibellesen mit Gewinn

Täglich in der Bibel lesen? Ja, dass ist eine gute Idee! Denn so lernen wir unseren Schöpfer immer und immer näher kennen. Aber es besteht auch eine Gefahr.
Diese Gefahr wird sehr gut in dem Buch, dass ich momentan höre, erklärt:

Also, es ist daher offensichtlich von großer Bedeutung, dass wir an dieses Buch mit der richtigen Einstellung herangehen. Und prinzipiell sollten wir darin übereinstimmen, dass dem mit dem bloßen Lesen der Bibel nicht Genüge getan ist. Man kann die Bibel auf eine mechanische Weise lesen, und so daraus keinen Gewinn ziehen. Daher muss ich vor jeder starren Form des Bibellesens und unseres geistlichen Lebens warnen. Es ist eine gute Sache, täglich die Bibel zu lesen. Das kann aber auch sehr fruchtlos werden, wenn es nur darum geht, sagen zu können, dass wir täglich die Bibel lesen. Ich bin ein großer Verfechter von Bibelleseplänen. Wir müssen aber auch sehr vorsichtig sein, dass wir uns nicht damit beruhigen, unseren Tagesabschnitt gelesen zu haben, und so in den Tag hineingehen, ohne darüber nachgedacht und intensiv reflektiert zu haben. Das kann ziemlich fruchtlos sein. Wie wir an die Heilige Schrift herangehen, ist von äußerster Wichtigkeit.
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Die vorherrschende Ursache dafür ist ohne Zweifel unsere Tendenz, mit einer vorgefassten Meinung an die Heilige Schrift heranzugehen. Wir öffnen die Bibel mit unserer Theorie im Kopf und alles, was wir in ihr lesen, ist von dieser Theorie oder vorgefassten Meinung bestimmt. Ich denke, wir alle haben unsere Erfahrungen damit gemacht. In gewisser Weise ist es richtig zu behaupten, dass man alles mit der Bibel beweisen kann, wenn man es darauf abgesehen hat. So sind die Irrlehren entstanden. Die Irrlehrer waren keine unaufrichtigen Menschen, sondern irrende Menschen. Wir sollten ihnen nichts Falsches unterstellen, so als ob sie es bewusst darauf abgesehen hatten, Irrwege einzuschlagen und Irrtümer zu lehren. Im Gegenteil, sie waren oft die aufrichtigsten Menschen, die die Kirche jemals hatte. Was ist bei solchen Menschen passiert? Ihre Schwierigkeit war folgende: Sie entwickelten ihre Sicht der Dinge, fanden eine Theorie und hatten Gefallen daran. Mit dieser Theorie gingen sie an die Heilige Schrift heran und überall, so schien es ihnen, fanden sie sich in der Bibel bestätigt. Wenn wir einen Satz aus dem Zusammenhang reißen und geschickt mit anderen Aussagen verbinden, dann ist eine Theorie schnell bestätigt. Es ist doch sicherlich jedem einsichtig, wie vorsichtig wir in diesen Dingen sein müssen. Nichts ist so gefährlich, wie mit einer Theorie – mit vorher ausgedachten Ideen, mit unseren Lieblingsideen – an die Bibel heranzugehen. Tun wir das, dann stehen wir in der Versuchung, eine Sache auf Kosten einer anderen überzubetonen.

D. Martyn Lloyd-Jones – Bergpredigt: Predigten über Matthäus 5,3–48

Nun gibt es die Möglichkeit, die verschiedenen Theorien nach und nach beim Lesen der Bibel „durch zu testen“. Also zum Beispiel davon auszugehen, dass der „Engel Jehovahs“ im AT vielleicht „nur ein Engel“ war, oder dass er „Michael“ war, und dann dass es „Jehovah selbst“ war …usw usf… – aber wir benötigen wohl einige Jahre, um die Bibel aus den jeweiligen Blickwinkel zu lesen, und zu merken, welche der obrigen Gedankenspiele mehr Fragen aufwerfen, und dann die nur eine wahre Antwort zu finden.
Die andere Möglichkeit ist, verschiedene Kommentare und Erklärungen zu lesen – aber dabei müssen wir dann darauf achten, verschiedene Meinungen, verschiedene Auslegungen zu lesen – und dabei schon beim Lesen festzustellen, dass viele dieser Auslegungen sehr schwierig zu verstehen sind – und eben auch wieder neue Fragen aufwerfen.
Und dann gibt es die Möglichkeit sich mit anderen über die verschiedenen Auslegungsmöglichkeiten zu unterhalten.
Viel Arbeit?
Ja schon, aber wir lernen nicht nur Jehovah besser kennen, sondern wir verstehen auch, dass andere Christen vielleicht eine andere Auslegung momentan bevorzugen, ABER trotzdem Jehovah lieben können.

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