Schlagwort: Jehova

„Alle Söhne Gottes brachen in Beifallsrufe aus“

Oder wer hat ihren Eckstein gelegt, als die Morgensterne miteinander jubelten und alle Söhne Gottes jauchzten?
Elberfelder 1871 – Ijob 38,7

Wo warst du, als ich die Grundfesten der Erde legte? Sag es mir, sofern du Bescheid weißt!
Weißt du, wer ihre Maße festlegte oder wer das Maßband über ihr ausspannte?
Worauf sind ihre Stützpfeiler eingesenkt und wer hat ihren Eckstein gelegt, als die Morgensterne miteinander sangen und alle Engel vor Freude jubelten?
Neues Leben – Bibel 2006 – Hiob 38,4–7

Also, Hiob, wo warst du eigentlich, als ich die Erde gemacht hab? Im Ernst, wenn du das weißt, dann sag es mir bitte! Wer hat die Größe der Erde festgesetzt? Wer hatte überhaupt so ein Maßband, das lang genug war? Hallo?
Und wie ist das geregelt, dass sie sich um ihre eigene Achse dreht? Wer hat das alles perfekt geplant, so dass das ohne Probleme funktioniert? Als das passiert ist, haben die Sterne erst mal einen Gospelchor gegründet, und auch die Minister von Gott sind voll abgegangen vor Freude.
VolxBibel – Hiob 38,4–7

Und wie reagieren wir persönlich auf die Wunderwerke in der Schöpfung?
Jubeln wir – wenn wir uns mit der Schöpfung beschäftigen, oder sind wir eher genervt und brauchen unbedingt „unsere Technik“ zur Ablenkung?

Lobpreismusik ist keine moderne Erfindung. Zwar verbinden wir heute mit dem Wort „Lobpreis“ häufig eine ganz bestimmte Art von Liedern und einen ganz speziellen, oft recht einheitlich klingenden musikalischen Sound. In Wirklichkeit aber gab es Lobpreismusik schon immer, in allen Kulturen, Religionen und Zeiten. Schon an dem Tag, als Gott den Grund der Welt legte, lange bevor es Menschen gab, sangen die Sterne Loblieder für Gott (Hiob 38,7). Gott hat Lobpreis in seine Schöpfung und in die Geschichte der Welt hineingewoben. Deshalb lohnt sich eine Zeitreise durch die Geschichte der Lobpreismusik.
DIE ANFÄNGE DER LOBPREISMUSIK IM ALTEN TESTAMENT
Die Anfänge unseres christlichen Gottesdienstes liegen im Alten Testament. Die ersten Christen waren tief verwurzelt in ihrem jüdischen Glauben, und um „Lobpreis zu machen“, gingen sie in den Tempel von Jerusalem (Lk 24,52-53; Apg 2,46). Hier war zur Zeit des Alten Testaments der zentrale Ort der Anbetung: 4.000 Musiker taten ihren Dienst im Tempel, 288 davon waren Sänger, „allesamt Meister“ (1. Chr. 23,5; 25,7). König David, der selbst „des Saitenspiels kundig“ war, hatte spezielle Anbetungsleiter aus dem Stamm der Leviten ausgewählt, um die Gemeinde im Lobpreis anzuleiten (1. Sam. 16,17; 1. Chr. 16,4-6). So wurde der gemeinsame Lobpreis im Tempel eine Erfahrung, die nicht nur musikalisch hochwertig war, sondern auch Einheit zwischen ganz verschiedenen Menschen stiftete und zu einer Begegnung mit der machtvollen Gegenwart Gottes führte. Die eindrückliche Beschreibung eines solchen Lobpreismomentes im Tempel findet man in 2. Chronik 5,11-14.

3E-02-2021

Mit zahlreichen Fragen zu den Gebieten der Kosmologie, Ozeanographie, Meteorologie und Astronomie zwang Gott Hiob zum Nachdenken darüber, ob er überhaupt die Kompetenz besaß, über die Herrschaft des Allmächtigen über die Welt zu Gericht zu sitzen. Gott bediente sich der Ironie, um Hiobs Unkenntnis zu entlarven (z. B. „Sag mir’s“, V. 4 , vgl. V. 18 ; „Du weißt es ja“, V. 21 ).
(1) Fragen bezüglich der Erde ( 38,4-21 )
Hi 38:4-7
Hiob sah sich sofort mit der Tatsache konfrontiert, wie unbedeutend er selbst war, denn er war natürlich nicht zugegen gewesen, als Gott die Erde gründete . Da er nicht beobachtet hatte, was damals geschehen war, vermochte er es auch nicht zu sagen. Wie konnte er jetzt noch versuchen, Gott Ratschläge zu erteilen? Die Erschaffung der Erde wird hier wie der Bau eines Hauses beschrieben, das ein Fundament, Maße, eine Richtschnur, Pfeiler und einen Eckstein erhält. Als Gott die Erde schuf, glich dieser Vorgang dem Zusammenfügen verschiedener Bestandteile eines Hauses.
Hiob war nicht zugegen gewesen, als die Morgensterne (möglicherweise Venus und Merkur; vgl. Hi 3,9 ) den Herrn lobten und die Gottessöhne (vgl. Hi 1,6;2,1 ) vor Freude darüber jauchzten, weil Gott die Erde geschaffen hatte. Wenn hier von singenden Sternen die Rede ist, so handelt es sich um eine Personifizierung, nicht um einen Hinweis auf die von den Sternen erzeugten Klänge, die mit astronomischen Instrumenten entdeckt worden sind. (In Ps 148,2-3 wird den Engeln und den Sternen geboten, den Herrn zu preisen!)

Walvoord Bibelkommentar

Adam und Eva allein die Schuld am Tod zu geben, übersieht die Tatsache, dass sie nicht die ersten Geschöpfe waren, die gegen Gott sündigten. Laut der Heiligen Schrift war Satan der Erste. Seine Selbsterhöhung hatte den geistlichen Tod zur Folge – die ewige Trennung von Gott (Hesekiel 28:14-18).

Die Bibel macht keine Angaben zum Zeitpunkt der ersten Rebellion Satans. Es ist klar, dass sie stattfand, bevor Gott ihm erlaubte, den Garten Eden zu betreten. In Hiob 38:7 steht, dass die Engel bereits existierten, als Gott die Erde gründete. Es ist möglich, dass Satan vor diesem Ereignis gesündigt hat. Vielleicht hat er sogar gesündigt, bevor Gott das Universum erschuf. Adam für den Verfall und den Tod im Universum verantwortlich zu machen, verzerrt daher die Geschichte der Sünde und Gottes Antwort darauf.

Hugh Ross – Eine Frage von Tagen – Lösung eines Schöpfungskonflikts

Wann wurden die Engel erschaffen?

Alle Engel müssen vor dem siebten Schöpfungstag erschaffen worden sein, denn wir lesen: „So wurden der Himmel und die Erde vollendet samt ihrem ganzen Heer“ (1. Mose 2,1, wobei wir „Heer“ als die himmlischen Kreaturen verstehen, die das Universum Gottes bewohnen). Sogar noch ausdrücklicher als dies ist die Feststellung: „Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und er ruhte am siebten Tag“ (2. Mose 20,11). Daher wurden alle Engel spätestens bis zum sechsten Schöpfungstag erschaffen.
Aber können wir uns noch klarer ausdrücken? Es könnte ein Hinweis auf die Erschaffung der Engelwesen am ersten Schöpfungstag im Bibeltext enthalten sein, wenn wir darin lesen: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde“ (1. Mose 1,1), und dann unmittelbar danach lesen können: „Die Erde aber war wüst und leer“ (1. Mose 1,2), jedoch ohne eine Erwähnung der Himmel in diesem zweiten Vers. Dies könnte darauf hindeuten, dass der unbewohnbare Zustand der Erde den Himmeln gegenübergestellt wird, wo Gott vielleicht bereits Engelwesen erschaffen und ihnen verschiedene Rollen und Ordnungen zugewiesen hatte. Diese Idee wird noch plausibler, wenn wir lesen, dass „die Morgensterne miteinander jauchzten und alle Söhne Gottes jubelten“, als Gott im Prozess der Gestaltung oder Gründung der Erde ihren „Eckstein“ legte und ihre „Grundpfeiler“ einsenkte (Hiob 38,6–7). Wenn die Engel („alle Söhne Gottes“) vor Freude jubelten, als Gott die Erde bewohnbar machte, könnte dies implizieren, dass Gott die Engelwesen früh am ersten Tag erschuf.
Da wir jedoch in der Heiligen Schrift nur Hinweise haben, müssen wir uns mit der Tatsache zufriedengeben, dass Gott uns nicht viele Informationen über den Zeitpunkt der Erschaffung der Engel gegeben hat. Weitergehende Spekulationen, ohne klare biblische Angaben, würden nutzlos erscheinen. „Was verborgen ist, das steht bei dem HERRN, unserem Gott; was aber geoffenbart ist, das ist ewiglich für uns und unsere Kinder bestimmt, damit wir alle Worte dieses Gesetzes tun“ (5. Mose 29,29).
Einige Zeit bevor der Satan Eva im Garten versuchte (1. Mose 3,1), sündigten einige Engel und rebellierten gegen Gott (2. Petr 2,4; Jud 6). Dieses Ereignis geschah offenbar nach dem sechsten Schöpfungstag, als Gott alles sah, „was er gemacht hatte; und siehe, es war sehr gut“ (1. Mose 1,31); doch darüber hinaus gibt die Bibel uns keine weitergehende Information.

Grudem 2013 – biblische Dogmatik: Eine Einführung in die Systematische Theologie

Die biblische Antwort ist, dass die himmlische Heerschar vor der Schöpfung bei Gott war. In der Tat waren sie Zeugen davon. Was Gott zu Hiob in Hiob 38:4-7 sagt, ist in diesem Punkt eindeutig:

Als Gott die Fundamente der Erde legte, waren die „Söhne Gottes“ dabei und schrien vor Freude. Aber wer sind die Söhne Gottes? Offensichtlich sind es keine Menschen. Dies ist vor der Erschaffung der Welt. Wir könnten sie uns als Engel vorstellen, aber das wäre nicht ganz richtig.

Die unsichtbare Welt hat eine Hierarchie, etwas, das sich in solchen Begriffen wie Erzengel versus Engel widerspiegelt. Diese Hierarchie ist für uns im Alten Testament manchmal schwer zu erkennen, da wir nicht daran gewöhnt sind, die unsichtbare Welt wie einen dynastischen Haushalt zu betrachten (mehr dazu im Folgenden), wie ein Israelit bestimmte Begriffe zur Beschreibung der Hierarchie verarbeitet hätte. In der alten semitischen Welt ist „Söhne Gottes“ (hebräisch: beney elohim) ein Ausdruck, der verwendet wird, um göttliche Wesen mit höheren Verantwortlichkeiten oder Zuständigkeiten zu identifizieren. Der Begriff Engel (hebr.: malʾak) beschreibt eine wichtige, aber noch geringere Aufgabe: das Überbringen von Botschaften. – Aus diesem Grund werden die Söhne Gottes in der hebräischen Bibel eigentlich nie als Engel bezeichnet. Das heißt, es gibt keine Passagen, in denen beney elohim (und ähnliche Ausdrücke) parallel zu malʾakim („Engel“) vorkommen. Spätere jüdische Texte, wie z. B. die Septuaginta, die griechische Übersetzung der hebräischen Bibel, gaben in einigen Fällen beney elohim als angeloi („Engel“) wieder, aber solche Übersetzungsentscheidungen sind nicht durch das ausgeprägte hebräische Vokabular bedingt.

In Hiob 38 werden die Söhne Gottes als „Morgensterne“ bezeichnet. Die gleiche Beschreibung findet sich außerhalb der Bibel in alten Texten aus der biblischen Welt. Die Menschen des Altertums dachten, die Sterne seien lebendige Wesen. Ihre Argumentation war einfach: Viele Sterne bewegten sich. Das war für den antiken Geist ein Zeichen von Leben. Sterne waren die leuchtende Herrlichkeit von Lebewesen.

Auch die Sterne bewohnten das göttliche Reich – buchstäblich, in dem Sinne, dass sie außerhalb der Erde existierten. Die Alten glaubten, dass göttliche Wesen weit weg von den Menschen lebten, an abgelegenen Orten, wo eine menschliche Besiedlung nicht möglich war. Der entlegenste Ort von allen war der Himmel, die Himmelskörper.

Morgensterne sind die Sterne, die man über dem Horizont sieht, kurz bevor die Sonne am Morgen erscheint. Sie signalisieren neues Leben – einen neuen Tag. Die Bezeichnung funktioniert. Sie transportiert den richtigen Gedanken. Die ursprünglichen Morgensterne, die Söhne Gottes, sahen den Beginn des Lebens, wie wir es kennen – die Erschaffung der Erde.

Von Anfang an hat Gott also Gesellschaft – andere göttliche Wesen, die Söhne Gottes. Die meisten Diskussionen über das, was vor der Schöpfung da ist, lassen die Mitglieder der himmlischen Heerscharen aus. Das ist bedauerlich, denn Gott und die Söhne Gottes, die göttliche Familie, sind die ersten Teile des Mosaiks.

Wir haben es bisher kaum bis zur Schöpfung geschafft, und schon haben wir einige wichtige Wahrheiten aus der Schrift aufgedeckt, die das Potenzial haben, unsere Theologie auf einfache, aber tiefgreifende Weise zu beeinflussen. Ihre Bedeutung, falls sie noch nicht klar ist, wird bald offensichtlich werden.

Zuerst haben wir gelernt, dass die Söhne Gottes göttlich sind, nicht menschlich. Die Söhne Gottes waren Zeugen der Schöpfung, lange bevor es Menschen gab. Sie sind intelligente, nicht-menschliche Wesen. Der Hinweis auf die Söhne Gottes als Sterne macht auch deutlich, dass sie göttlich sind. Während die Sprache metaphorisch ist, ist sie auch mehr als metaphorisch. Im nächsten Kapitel werden wir andere Passagen sehen, die uns sagen, dass die Söhne Gottes reale, göttliche Wesen sind, die von Jahwe, dem Gott Israels, geschaffen wurden.

Zweitens: Die Bezeichnung „Söhne“ verdient Aufmerksamkeit. Es ist ein Familienbegriff, und das ist weder zufällig noch unbedeutend. Gott hat eine unsichtbare Familie – tatsächlich ist es seine ursprüngliche Familie. Die Logik ist dieselbe wie die hinter den Worten des Paulus in der Apostelgeschichte auf dem Marsberg (dem Areopag), dass alle Menschen tatsächlich Gottes Nachkommen sind (Apg 17,28). Gott hat eine Schar von nichtmenschlichen göttlichen Wesen geschaffen, deren Bereich (für menschliche Augen) ein unsichtbares Reich ist. Und weil er sie erschaffen hat, beansprucht er sie als seine Söhne, so wie Sie Ihre Kinder als Ihre Söhne und Töchter beanspruchen, weil Sie bei ihrer Erschaffung eine Rolle gespielt haben.

Während es klar ist, dass die Söhne Gottes vor der Schöpfung bei Gott waren, gibt es eine Menge über sie, das nicht klar ist. Sie sind göttlich, aber was bedeutet das wirklich? Wie sollten wir über sie in Bezug auf Gott denken?

Michael S. Heiser – Das unsichtbare Reich

„Aus loyaler Liebe lassen wir andere in ihrem Kummer nicht allein.“

(Dem Vorsänger. Ein Psalm von David ) Glückselig, wer achthat auf den Armen! am Tage des Übels wird Jehova ihn erretten. Jehova wird ihn bewahren und ihn am Leben erhalten; er wird glücklich sein auf Erden, (O. im Lande) und nicht wirst du ihn preisgeben der Gier seiner Feinde. Jehova wird ihn stützen auf dem Siechbett, all sein Lager wandelst du um in seiner Krankheit.
Elberfelder 1871 – Psalm 41,2–4

Ein Gotteslied von David.
Wahres Glück findet, wer dem Hilflosen zur Seite steht!
Wenn er dann selbst Unglück erfährt, wird ADONAI ihm helfen.
Ja, ADONAI wird ihn schützen und ihn am Leben halten.
Im ganzen Land wird man ihn beglückwünschen.
Nein, niemals wirst du ihn seinen Feinden ausliefern!
ADONAI wird ihn stärken, wenn eine Krankheit ihn ans Bett fesselt.
Ja, du bringst seine Zeit im Krankenbett zum Ende!
Roland Werner – Das Buch – Psalm 41:1–4

Wer für die Schwachen sorgt, der kommt gut drauf. Wenn er in Not gerät, holt Gott ihn raus.
Er wird ihn beschützen und am Leben erhalten. Er rettet ihn vor seinen gierigen Feinden.
Es wird ihm gutgehen, weil Gott es schaukeltund ihm mit Kraft aus Krankheit aufhilft.
VolxBibel – Psalm 41,2–4

Der treulose Freund
Dem Sangmeister. Ein Psalm Davids. (Franz Delitzsch setzt Ps. 41 unmittelbar vor die Empörung Absaloms. Absalom benutzte vielleicht eine längere Krankheit seines Vaters dazu, sich in Israel beliebt zu machen und das Ansehen Davids zu untergraben (2Sam 15:1ff.). Dabei half ihm Ahitofel, Davids treuloser Freund (Ps 41:10; 2Sam 16:23). Wenn nun auch David die drohende Gefahr heraufziehen sah, so fand er doch nicht den Mut und die Kraft, die Empörung im Keim zu ersticken. Daran hinderten ihn wohl vor allem seine Liebe zu Absalom und sein böses Gewissen wegen der Bluttat an Uria, die jedenfalls im Volk ruchbar geworden war (Ps 41:5), so daß er nun in seinem Handeln gelähmt wurde.)
Heil dem, der des Armen sich annimmt, (In V.2-4 wird das Los dessen gepriesen, der sich des Armen und Leidenden annimmt. Dann klagt aber der Psalmist von V.5 ab, daß man sich gegen ihn in seiner äußeren und inneren Not ganz anders benimmt.) / Am Tage des Unglücks wird Jahwe ihn retten.
Jahwe schirmt ihn, erhält ihn am Leben, / Daß man im Lande ihn glücklich preist. / Nicht gibst du ihn hin seiner Feinde Wut.
Jahwe wird ihn auf dem Siechbett stützen; / Seine Krankheit wandelst du zur Genesung. (Wörtlich: „Sein ganzes Lager wandelst du bei seiner Krankheit.“)

Ludwig Albrecht – Psalm 41:1–4

In Psalm 41:1, 2 heißt es: „Glückselig, wer achthat auf den Armen [der des Schwachen sich annimmt, Me]! am Tage des Übels wird Jehova ihn erretten. Jehova wird ihn bewahren und ihn am Leben erhalten; er wird glücklich sein auf Erden.“ Wahres Glück liegt im Suchen nach Wegen, auf denen wir unseren Nächsten Liebe und Hilfe darreichen, ohne daß wir über ihr Mißgeschick oder ihre Schwächen klagen, sondern sie mit der Wahrheit stärken, die sie tröstet und auferbaut.
Indem uns Christus Jesus das zweite der beiden großen Gebote gibt, scheidet er die überkritische Haltung von Christen, die sich über ihre Nächsten beklagen, aus: „Du sollst deinen Nächsten lieben wir dich selbst.“ (Mark. 12:31, NW) Wenn wir uns selbst gegenüber ehrlich sind, geben wir unsere eigenen Fehler und Mängel zu. Spotten und spötteln wir über uns selbst, wenn wir irren? Weil wir uns selbst lieben, suchen wir uns ehrlich zu verbessern und für unsere Füße gerade Bahn zu machen. Das gibt uns Herzensfrieden und Glück. Indem wir Seite an Seite mit unseren Nächsten, unseren Brüdern, dienen, handeln wir nach demselben Grundsatz. Wir werden glücklich sein, wenn wir Wege suchen, auf denen wir ihnen gegenüber liebevoll und hilfreich sein können.

Wachtturm 15.Mai 1955

Krankheit (vv. 8, 10) und Sünde (V. 4) vereinen sich erneut, um David in Bedrängnis und Gefahr zu bringen, während seine Feinde gegen ihn intrigieren und auf seinen Tod warten. Diese Faktoren scheinen diesen Psalm in die Zeit der Rebellion Absaloms zu stellen. Davids Krankheit hinderte ihn daran, das Volk so zu führen, wie er es wollte (2 Sam 15,1-6), und Absalom nutzte dies aus, um sich selbst zum König zu machen. Wenn der „liebe Freund“ in Vers 9 Davids Ratgeber Ahithophel ist, dann ist die Frage des historischen Rahmens geklärt (2. Sam. 16:15ff). Jesus zitierte den Vers 9 im Obergemach, als er sich auf Judas bezog (Johannes 13,38), also hat der Psalm messianische Untertöne. Wenn wir uns in Schwierigkeiten befinden, können wir diesen Psalm nutzen, um eine Bestandsaufnahme unseres geistlichen Zustands zu machen, indem wir vier Fragen stellen und beantworten.

Integrität: Wie behandeln wir andere (V. 1-4)?

Bevor wir Gottes Verheißungen in Anspruch nehmen können, müssen wir unser eigenes Herz prüfen, um festzustellen, ob wir die Bedingungen, die der Herr festgelegt hat, aufrichtig erfüllt haben. David stützte sein Gebet zweifellos auf die Bestimmungen des Bundes (Lev 26,1-13; Dtn 7,13-16; 28,1-14). Er wusste, dass er kein Recht hatte, vom Herrn Barmherzigkeit zu fordern, wenn er selbst anderen keine Barmherzigkeit erwiesen hatte. Aber David hatte die Regeln des Herrn vollständig befolgt und König Saul, Sauls Enkel Mephiboschet und den Bedürftigen im Lande Barmherzigkeit erwiesen. (Siehe Matthäus 5,7 und Lukas 6,37-38.) „Arme“ bezieht sich auf die Hilflosen, die Elenden, deren Los schwer war und die auf die Hilfe anderer angewiesen waren. Auf diese bedauernswerten Menschen „Rücksicht zu nehmen“ bedeutete, auf ihre Bedürfnisse zu achten und ihnen zu helfen. Es bedeutete auch, sie nicht zu verurteilen und zu beschuldigen, wie Hiobs Freunde ihn beschuldigten und die Jünger den Blinden beschuldigten (Johannes 9,1-4). Wir haben allen Grund zu der Annahme, dass David sich um die Armen und Bedürftigen in seinem Reich kümmerte und deshalb mit Integrität betete. In Vers 1spricht er von sich selbst in der dritten Person, was ein echtes Zeichen seiner Demut vor dem Herrn ist.

In den Versen 2-3 zählte er die Segnungen auf, die Gott ihm schicken würde, weil er seine Sünden bekannte und Gott bat, ihm gnädig zu sein (V. 4). Gott würde ihn vor seinen Feinden beschützen und sein Leben im Lande verlängern. Das allein würde schon seinen Feinden bezeugen, dass David ein von Gott bevorzugter Mann war. Gott würde ihn auch von seiner Krankheit heilen und ihn von seinem Krankenbett auferwecken. „Machet alle sein Bett“ (v. 3, KJV) bedeutet einfach „ihn heilen und aufrichten“. Dies wäre eine gnädige und barmherzige Tat des Herrn, die David nicht verdient hätte, die aber von Jehova liebevoll gewährt wurde. „Wenn ich Böses in meinem Herzen sehe, wird der Herr mich nicht erhören“ (66:18, NASB), deshalb ist es wichtig, dass wir dem Herrn unsere Sünden bekennen. Wenn wir nicht barmherzig zu anderen gewesen sind, wie kann unser Herz dann richtig sein, um ihn um Gnade zu bitten?

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary

In den ersten drei Versen wird die Belehrung des dankbaren Psalmisten wiedergegeben. Sie beginnen mit der Erklärung der Maxime, dass diejenigen, die auf die Bedürftigen achten, Hilfe vom Herrn erhalten werden. In gewisser Weise sagt die Zeile: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“ (Mt 5,7). Der Psalm beginnt mit der Erklärung der Seligpreisung: „O die Seligen von“ (אַשְׁרֵי, wie in Psalm 1,1). Das Wort findet sich normalerweise in didaktischen Passagen, so auch hier. Wegen dieses Ausrufs sind die folgenden Verben keine Gebete, sondern Belehrungen. Die Gesegneten sind in diesem Fall Menschen, die Rücksicht auf die Schwachen oder Bedürftigen nehmen (דָּל). Die verwendete Verbform (מַשְׂכִּיל; s.v. Ps. 36:4) ist ungewöhnlich; es ist eines der Wörter für Weisheit, d.h. kluges oder umsichtiges Handeln mit Unterscheidungsvermögen. In diesem Zusammenhang beschreibt es praktische Weisheit, d. h., dass man an die Bedürftigen denkt und nicht nur an sich selbst; aber es geht darüber hinaus, dass man an sie denkt – es bedeutet, dass man in ihrem Namen handelt. Wie der Psalmist deutlich machen wird, haben die Menschen in seiner eigenen bitteren Erfahrung dies nicht getan – selbst sein enger Freund sündigte gegen ihn, als er in Not war.
Die Lektion ist, dass Menschen, die sich auf diese Weise richtig verhalten, in der Tiefe ihres Unglücks nicht im Stich gelassen werden. Der Text sagt: „Der HERR rettet ihn (יְמַלְּטֵהוּ) in der bösen Zeit“. Negativ ausgedrückt könnte man fragen: Wenn Menschen anderen in Not nie helfen, welches Recht haben sie dann, um Hilfe zu bitten? Oder positiv ausgedrückt: Menschen, die göttliche Erlösung aus ihren Schwierigkeiten suchen, müssen Menschen sein, die sich aktiv um die Schwachen und Armen kümmern.

Allen P. Ross – Ein Kommentar zu den Psalmen 1-89

Glücklich wird sonst derjenige gepriesen, dessen ausschließliche Hoffnung Gott ist und dessen Herz sich Gott zuneigt. Der Glückwunsch hier aber preist den, der sorgfältig auf den Geringen achtet. Es geht hierbei nicht um eine heroische Tat, sondern um »teilnehmende Achtsamkeit« (Delitzsch). Aus dem Zusammenhang ergibt sich, daß David selbst gemeint ist: Er hat den Mut, andere auf sich aufmerksam zu machen und ihnen von Gott her Gutes zuzusprechen. Man kann dieses Selbstbewußtsein nur aus dem Bewußtsein eines höheren Beauftragtseins erklären. Der Erwählte Gottes bedarf der Achtsamkeit durch andere. Erstaunlich ist, daß, obwohl Gott es ist, der rettet, Menschen bei dieser Rettung beteiligt sein müssen. Dieses aber hat, weil Gott ja der eigentlich Handelnde ist, mit Sorgfalt und Einfühlungsvermögen zu geschehen, was gerade dann nicht mehr der Fall ist, wenn eine »gute Tat« nur als das gilt, was in der Öffentlichkeit entsprechend gefeiert wird. Es bleibt dabei, daß Gott allein David retten kann: am Tag des Unheils rettet ihn Jahwe. Wer sich so an Gottes Retten anlehnt und aus einem selbstvergessenen Herzen heraus so barmherzig ist, dem wird Barmherzigkeit zuteil; denn er ist ja mit Gott gleichen Sinnes. Gott gibt ihn nicht preis der Gier seiner Feinde. Wenn also Gott und Mensch auf diese besondere Weise »Zusammenwirken«, wenn also Menschen sich aufmachen und dem verachteten David Gutes tun, geschieht eine wunderbare Verwandlung: sein ganzes Lager wandelst du um in seiner Krankheit. Gesundheit kann so ein Zeichen für Gottes Zuwendung werden.

Wuppertaler Studienbibel

Der über den Elenden klüglich urteilt. Gewöhnlich übersetzt man: „der sich des Dürftigen annimmt.“ Doch glaube ich nicht, dass hier die Wohltätigkeit gelobt werden soll. Der Ausdruck „klüglich handeln“ oder „weise urteilen“ deutet vielmehr darauf, dass David ein gerechtes, besonnenes und maßvolles Urteil über Leute empfehlen will, die in Unglück geraten sind. Aber was führt ihn darauf, diejenigen glücklich zu preisen, die sich in betreff der Strafen, mit denen Gott seine Knechte züchtigt, eines weisen und gesunden Urteils befleißigen? Wir sagten, dass David wider eine verkehrte Beurteilung seiner Person zu kämpfen hatte: als schwere Heimsuchungen auf ihm lasteten, erklärte man ihn einfach für verloren und seine Lage für verzweifelt. Ohne Zweifel erging es ihm ebenso wie dem heiligen Hiob, den die Feinde, als sie sahen, dass er von Gott so hart behandelt wurde, für den größten Verbrecher hielten. Und fürwahr! Dieser Fehler ist sehr gewöhnlich; denn die meisten Menschen verurteilen die Elenden zum Untergange, der große Haufe klatscht den Reichen und anderen, denen das Glück hold lächelt, Beifall, da sie Gottes Gunst nach dem hinfälligen Glück schätzen, und ebenso kränken sie die Elenden, weil sie sich voreilig einbilden, dass sie dem Herrn verhasst sein müssten, da er nicht so sanft mit ihnen umgeht wie mit den Verworfenen. Das Übel dieses boshaften und verkehrten Richtens hat zu allen Zeiten geherrscht. Gott aber erklärt an mehreren Stellen deutlich genug, dass er um verschiedener Ursachen willen die Gläubigen durch Unglück prüfe, bald um sie zur Geduld zu erziehen, bald um verkehrte Neigungen ihres Fleisches zu unterdrücken oder die überflüssigen Begierden des Fleisches auszubrennen und auszuläutern, bald um sie zu demütigen, bald um sie andern zum Vorbilde hinzustellen, bald um sie zur Betrachtung des himmlischen Lebens anzutreiben. Aber wir lassen uns fast immer durch Vorurteile bestimmen und stoßen Leute, die unter dem Kreuze seufzen, in die unterste Hölle, wie man zu sagen pflegt. Um diesem voreiligen Urteilen entgegen zu treten, sagt David, dass diejenigen glücklich seien, die nicht so grausam mit verkehrten Urteilen wüten, sondern klug zwischen Plage und Plage unterscheiden und die boshafte Härte, die dem Fleische angeboren ist, durch die Klugheit des Geistes mäßigen. Wir erinnerten soeben schon an das Beispiel Hiobs, den seine Freunde, weil sie ihn im tiefsten Unglück sahen, unbedenklich für verworfen und endgültig für verstoßen erklärten. Wenn aber einem billigen und barmherzigen Beurteiler derartiges entgegentritt, so wird er die Weisheit gebrauchen, die David hier lobt. Auch wir wollen uns durch dieses Zeugnis des heiligen Geistes warnen lassen und ein gar zu vorschnelles Urteil mäßigen lernen. Über unglückliche Brüder sollen wir mit kluger Besonnenheit urteilen und bezüglich ihres Heils das Beste hoffen. Denn wir sie unbarmherzig vor der Zeit verdammen, so kann diese ungerechte Härte leicht auf unser Haupt zurückfallen. Vor allem wollen wir aber auf das achten, was ich zuvor schon sagte: wider die böswilligen und grausamen Urteile, die ihn erdrücken wollten, wappnete sich David mit dieser Tröstung und hielt sich dadurch in der Versuchung aufrecht. So wollen auch wir lernen, wenn Satan einmal durch das stolze Richten der Menschen unseren Glauben zu erschüttern sucht, an diese Klugheit zu denken, damit wir nicht in Verzweiflung geraten. Dann machen wir den rechten Gebrauch von dieser Lehre.
Am Tage des Unglücks wird ihn der Herr erretten. Viele Ausleger beziehen dies auf den Mann, der um seines gerechten Urteils willen glücklich gepriesen wird: er solle, wenn ihn einmal Unglück treffe, den entsprechenden Lohn für seinen barmherzigen Sinn empfangen. Ich glaube aber, dass nur der Grund angegeben wird, weshalb man über einen Unglücklichen milde urteilen und seinen Spruch nicht einfach auf den gegenwärtigen Anschein gründen soll: mag Gott sich im Augenblick feindlich gegen ihn zeigen, so kann endlich doch ein fröhlicher Ausgang kommen, der zum Beweis seiner Gnade dienen muss. Wir sehen jetzt, weil ein reicher Trost in diesen Worten liegt, wenn wir sie so fassen, dass auch in bösen Tagen Heil von Gott zu erhoffen ist. Wenn das nicht wäre, so könnte keiner sich aus seinem Schmerze aufrichten. Der heilige Geist ermahnt die Gläubigen nicht nur zur Milde, wenn sie ihre Brüder leiden sehen, sondern er zeigt uns auch das Heilmittel, durch das wir unseren Schmerz lindern können, so oft unser Glaube durch Unglück erschüttert wird.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

Wenn unser Leben vom heiligen Geist geleitet wird, dann werden wir wie David handen – und können uns dann auf Jehovahs Hilfe & Schutz verlassen. Wir tun dies also nicht „berechnend“ sondern weil es zu „unserer Natur“ geworden ist.

Achtet sorgfältig darauf, wie ihr unter euren ungläubigen Mitmenschen lebt.

Stattdessen sollt ihr so drauf sein, dass sich euer Lebensstil deutlich von den Menschen in der Welt unterscheidet. Weil ihr einfach anders seid, müssen die Menschen das Maul halten, die euch ständig kritisieren, und Gott am letzten Tag, wenn abgerechnet wird, groß rausbringen und ihn verehren.
VolxBibel – 1.Petrus 2,12

Euer Leben mitten unter den Menschen, die Gott nicht kennen, muss einwandfrei sein. Wenn sie euch alles mögliche Böse nachsagen, sollen sie eure guten Taten sehen und von ihren eigenen Augen eines Besseren belehrt werden. Vielleicht kommen sie dann zur Besinnung und preisen Gott für ihre Rettung am Tag seines Gerichts.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Petrus 2:12

Ihr lebt unter Menschen, die Gott nicht kennen. Führt darum ein vorbildliches Leben! Sie mögen euch zwar verleumden und als Übeltäter hinstellen, doch wenn sie all das Gute sehen, das ihr tut, lassen sie sich vielleicht eines Besseren belehren und werden das dann zur Ehre Gottes auch anerkennen, wenn er am Tag des Gerichts Rechenschaft von ihnen fordert (- Oder doch wenn sie all das Gute sehen, das ihr tut, kommen sie vielleicht zur Einsicht und werden dann Gott am Tag des Gerichts für ihre Rettung preisen. W doch wenn sie aufgrund der guten Werke zur Einsicht kommen, werden sie Gott die Ehre geben am Tag der Heimsuchung. -)
Neue Genfer Übersetzung – 1.Petr 2,12

Die Christen sollen sich jedoch nicht nur um ihres eigenen geistlichen Wohlergehens willen von sündigen Begierden fernhalten, sondern auch, um ein eindrucksvolles Zeugnis vor den Ungläubigen abzulegen. Die negativ formulierte Ermahnung in Vers 11 wird nun durch eine positive Anweisung ergänzt. Ein richtiger christlicher Lebensstil ist ein wirksames Mittel, der Welt ihre Sünde vor Augen zu halten (vgl. Mt 5,16). Petrus gebraucht zweimal im Vers das griechische Wort kalos, das einmal mit rechtschaffen übersetzt ist und das Leben charakterisiert und das andere Mal die guten Werke der Christen bezeichnet. Ein „gutes“ Leben besteht aus „guten Werken“ (vgl. Mt 5,16; Eph 2,10; Tit 3,8; Jak 2,18). Vor den kritischen Augen verleumderischer Menschen und ihren falschen Anschuldigungen können die guten Taten der Gläubigen Gott preisen (vgl. Mt 5,16; Röm 15,6; 1Kor 6,20) und andere für den Glauben gewinnen. Die Wendung „am Tag der Heimsuchung“ (en hEmera episkopEs; vgl. Lk 19,44) wird von manchen Exegeten auf das Gericht über die schlechten Menschen bezogen, meint jedoch wohl eher ihre Rettung (d. h. den Moment, in dem Gott gnädig auf sie blickt und sie zur Bekehrung führt; vgl. epeskepsato, Apg 15,14).

Walvoord Bibelkommentar

Nichts wird einen Ungläubigen so sehr beeindrucken wie ein echtes im Glauben geführtes Leben eines Christen. Viel beredter als Worte ist das Zeugnis guter Werke, die mit Freude getan werden und die eine gute Arbeitsqualität aufweisen. Menschen mit Beredsamkeit und Argumentationsgeschick können in einem Wortstreit mit einem Gläubigen scheinbar gewinnen. Sie können seine Überzeugungen widerlegen und seine Botschaft verspotten, doch können sie die Anziehungskraft eines christlichen Lebens, das in der Gemeinschaft mit Gott gelebt wird, nicht bestreiten.
Das Partizip „indem ihr führt“ könnte ebensogut auch mit „indem ihr darin Ausdauer habt“ wiedergegeben werden (D.E.Hiebert), als ob Petrus erwartete, daß ein solcher Lebenswandel schon bei seinen Lesern existent wäre. „Wandel“ ist natürlich mehr als gesprochene Worte; er bezieht das ganze Leben mit ein. „Ehrlichkeit“ sollte das Kennzeichen dieses Lebeswandels sein. Die Bedeutung dieses Begriffs ist Geradheit, Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit in allem. Während dies nun seine Bedeutung in unserer Sprache ist, so enthält das griechische kalos mehr „gut, bewundernswert, schicklich,…schön, richtig,…mit Ehre versehen, ehrbar…“ (W.E.Vine). „Es ist das normale griechische Wort für ´schön'“ (A.J.Mason). Menschen, die dem Herrn gehören, sollen ein Leben führen, dessen Qualität als „schön“ bezeichnet werden kann.
Nichtsdestoweniger werden die Gläubigen, selbst bei einem ehrenhaften Leben voller moralischer Schönheit, verleumdet werden. Vielleicht könnten wir sagen: wegen des lieblichen Lebens, das sie den Menschen gegenüber aufweisen, legen sie durch den lebendigen Kontrast die Perversion und Häßlichkeit der Bösen bloß und ziehen deshalb die Geisel der Zunge auf sich. Es ist ein uralter Trick, ein argumentum ad hominem : wenn die Kraft des Wortes oder der Beweis durch das Leben nicht bestritten werden kann, dann versucht man, den Charakter des Zeugen in Mißkredit zu bringen.
Diese vom Herrn Geliebten wurden von den Heiden „Übeltäter“ genannt. Das erstaunt nicht, wenn man bedenkt, daß die Führer der Juden auch gegen den Herrn Jesus falsche Anklagen vorbrachten (Joh 18,30). In den Tagen des Paulus sprachen dieselben Führer von den Christen als einer „Sekte … der allenthalben widersprochen wird“ (Apg 28,22).
Sie sollten sich nicht selbst durch gute Worte, sondern durch gute Taten rechtfertigen. Dabei ging es nicht um persönliche Angelegenheiten, sondern um die Verherrlichung Gottes „am Tage der Heimsuchung“ derjenigen, die die Heiligen verleumdet hatten. Dieser Tag mag sich auf den Tag der Gnade beziehen, wenn der Herr heimsucht, um zu retten und zu segnen (Lk 1,78;19,41-44). Es kann ein Tag des Gerichts und der Vergeltung sein (Jer 51,18). Auf jeden Fall wird Gott verherrlicht werden, wenn die guten Werke der Gläubigen im Licht ewiger Werte geprüft werden und das Gold ihrer Gottseligkeit von Ihm gerechtfertigt wird, „der recht richtet“ (Vers 23).

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

In Vers 12 spricht Petrus das Thema dann positiv an. Diese Judenchristen sollen unter den Nationen (Nichtjuden) einen geistlichen Lebensstil führen: Führt euren Wandel unter den Nationen gut. Ausleger, die nicht verstehen, dass Petrus an jüdische Gläubige schreibt, interpretieren das Wort Nationen als »Ungläubige«.

Im griechischen Text beginnt hier kein neuer Satz; denn dieser Vers ist das positive Gegenstück zu Vers 11. Nicht nur sollen sich die Leser von sündigen Wünschen enthalten (V. 11). Sie sollen auch »gute Führung unter den Nationen aufrecht erhalten«. Führung bezieht sich hier auf einen Tag für Tag anzuwendenden Lebensstil (mehr zu diesem Wort in 1,15). Petrus bezeichnet Ungläubige als Nationen (Nichtjuden). Er denkt hierbei nicht, dass all seine Leser Judenchristen seien; vielmehr geht er zum wiederholten Mal davon aus, dass Christen (sowohl Juden im wörtlichen Sinne als auch Nichtjuden im wörtlichen Sinne innerhalb des Leibes Christi) das »wahre Israel« sind. Somit sind alle, die keine Christen sind (sowohl Juden im wörtlichen Sinne als auch Nichtjuden im wörtlichen Sinne) wahrhaftig »Nationen« oder »Nichtjuden« (vgl. 4,3).

Der Begriff Nationen wird in der Bibel nur selten als Synonym für den Begriff Ungläubige gebraucht. Gelegentlich findet der Begriff Nationen für gläubige Nichtjuden Verwendung (Röm 11,11-15; 15,25-27). Wenn ein Jude das Wort Nationen schreibt, meint er nicht »Ungläubige«; er spricht von »Nicht-Juden«. Nochmals: Petrus schreibt an jüdische Gläubige in der Zerstreuung; jüdische Gläubige, die außerhalb des Landes Israel wohnen; jüdische Gläubige, die unter den Nationen leben. So sollte dieser Vers verstanden werden. Als unter den Nationen lebende Judenchristen sollten sie für einen ganz bestimmten Lebensstil stehen. Ihr Leben sollte so sein, dass – selbst, wenn sie [die Nationen] gegen euch als Übeltäter reden – diese Ungläubigen (aus den Nationen) dennoch die guten Werke der jüdischen Gläubigen sehen. Als Gläubige führt ihre Absonderung von heidnischen Praktiken dazu, dass die Nationen übel gegen sie reden. Das griechische Wort für reden bedeutet, »gegen jemanden zu sprechen, zu verleumden, zu verunglimpfen, andere gegen sie aufzubringen«. Das Wort Übeltäter bedeutet »Verbrecher«; »jemand, der Taten vollbringt, die vor dem Gesetz strafbar sind«. Es handelt sich hier um ein griechisches Wort, das im Neuen Testament nur zwei Mal zu finden ist: Hier und in Johannes 18 Vers 30. Es wird im Kontext eines Gerichtsprozesses gebraucht. Weil diese jüdischen Gläubigen aber einen geistlichen Lebensstil führen, der unter den Nationen gut ist, werden diese Nationen schließlich Gott am Tage der Heimsuchung verherrlichen. Der geistliche Lebensstil dieser Judenchristen wird viele Menschen aus diesen Nationen zum Messias führen. Die Nationen werden die guten Werke sehen – das Ergebnis des Glaubens der jüdischen Christen; und so werden auch sie glauben. Das hier gebrauchte griechische Wort für anschauen oder sehen wird nur zwei Mal benutzt: hier und nochmals in Kapitel 3 Vers 2. Das Wort bedeutet »erkennen« oder »scharf beobachten«. Es befasst sich mit der grundlegenden Voraussetzung, um einen Wandel in den Widersachern erwarten zu können; es befasst sich mit der minutiösen Betrachtung eines Augenzeugen. Wenn Gläubige missverstanden und verleumdet werden, sollten sie das nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Die angemessene Antwort für die jüdischen Gläubigen besteht darin, in ihrer Lebensführung Reinheit walten zu lassen. Als Ergebnis ihres sauberen Wandels werden viele Menschen dieser Nationen gläubig; und auch sie werden Gott verherrlichen. Sie gelangen zum rettenden Glauben und werden am Tag der Heimsuchung positiv von den Judenchristen sprechen. Der Ausdruck Tag der Heimsuchung beinhaltet die Vorstellung von Gericht; in diesem Fall bezieht er sich auf den Richterstuhl des Messias.

Arnold Fruchtenbaum – Die Petrusbriefe

Die Juden in der Diaspora ( 1,1 ) mussten ständig mit Verleumdungen rechnen und um ihre Sicherheit und ihr Zeugnis für den einen, wahren Gott besorgt sein. So wie die Heiden die unter ihnen lebenden Juden verleumdeten, brachten sie auch die eigenen Volksgenossen in Misskredit, wenn sie sich zu dieser neuen Religion – dem Christentum – bekehrten, die sie für eine jüdische Sekte hielten ( 2,4-10 ). Das Verhalten, das den Christen in der folgenden Haustafel angeraten wird ( 2,13-3,12 ), konnte dazu dienen, einigen der häufigsten Verleumdungen vorzubeugen, darunter dem Gerücht, sie untergrüben die öffentliche Ordnung und die traditionellen Werte der Familie. Der Ausdruck »Tag der Heimsuchung« ist ein alttestamentliches Bild für den Tag des Jüngsten Gerichts (z. B. Jes 10,3 ); in vielen Texten heißt es, dass die Heiden in der Endzeit die Herrlichkeit Gottes anerkennen müssen (z.B. Jes 60,3 ).

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Auch die zweite Mahnung ist ganz nüchtern: »Führet ein rechtschaffenes Leben.« »Das Leben führen« (griechisch wörtlich: »sich wieder um-, hinwenden zu jemanden« enthält beides: Zum einen ist kein Untätigsein gemeint, daß Christen also nur beobachtend außerhalb der Gesellschaft stünden; sie leben, handeln und arbeiten vielmehr in ihrer Gesellschaft. Zum anderen wendet sich solches christliche Tun dem Nächsten zu. Auch hier gibt es keinen Rückzug von den Menschen, den »Heiden«, etwa in ein christliches Ghetto. Wir leben bewußt in der Welt. Mit dem Ausdruck »unter den Heiden« (neutral übersetzt »unter den anderen Völkern bzw. Menschen«) unterstreicht Petrus das. Das Leben der Christen soll »rechtschaffen« sein. Im Griechischen steht ein ganz allgemeines Wort in der Bedeutungsbreite von »schön, sittlich gut, tüchtig, brauchbar, edel«. Petrus meint ganz allgemein einen Lebenswandel der bürgerlichen Ehrbarkeit. Allerdings ist das nicht oberflächlich zu verstehen. Denn daß sie »eure guten Werke sehen« füllt doch inhaltlich genauer. »Gute Werke« meint nicht einfach bürgerliches Wohlverhalten. Petrus spricht hier Jesus nach, der seine Jünger in der Bergpredigt ebenfalls zu »guten Werken« vor den Menschen ruft (vgl. Mt 5,16). Die guten Werke des Christen sind von dem her bestimmt, »der allein gut ist« (vgl. Lk 18,19). »Gute Werke« sind das Tun des Gotteswillens, zusammengefaßt in den Zehn Geboten. In den Umkehrungen des »du sollst nicht« – besonders der zweiten Tafel – zeigen sich die guten Werke, etwa: die Eltern ehren, dem Nächsten zu helfen und ihn zu fördern in allen Nöten, eine vorbildliche Ehe zu führen, den andern nicht auszubeuten oder zu betrügen, Gutes von ihm zu reden und ihm zu helfen, das Seine zu behalten und zu mehren (vgl. Luthers Erklärungen zu den Zehn Geboten). Auch im Gericht nach den Werken beim großen Weltgericht (vgl. Mt 25,31ff) werden die »guten Werke« genannt. Es sind ganz einfach gute Taten, etwa: Hungernde speisen, Nackte bekleiden, Durstigen zu trinken geben, Fremde beherbergen, Kranke und Gefangene besuchen. Das alles aber fließt aus der Gemeinschaft mit dem Guten, gründet in der ersten Tafel der Gebote, den guten Werken des Christen, nämlich Gott allein anzubeten, seinen Namen heilig zu halten und sein Wort als Speise zu essen.
Äußerlich sehen also die guten Werke der Christen genauso aus wie das Tun der bürgerlich Ehrbaren. Aber der Antrieb ist ein völlig anderer. Und das wird spürbar an dem, was sie nicht tun. Sie tun nur gute Werke und nicht mehr die »fleischlichen Werke«, leben nicht mehr nach den »Begierden«; das macht sie der Welt verdächtig. Dadurch kommen die Christen in Verruf, werden »als Übeltäter verleumdet« (wörtlich »als Bösetuer hinuntergeredet«). Vielerlei Verdächtigungen umschwirren sie, etwa: »Da müssen doch viele Dinge heimlich geschehen! Wer sich nach außen so ehrbar gibt, der muß doch Dreck am Stecken haben. Gutes tun ist ja recht, aber manchmal darf man doch auch über die Stränge schlagen.« In 4,4 führt Petrus diese Verleumdung aus: »Das befremdet sie, daß ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern.«
Solchen Verleumdungen kann der Christ in gelassenem Handeln begegnen. Die Welt soll ruhig seine guten Werke »sehen«. Das griechische Wort meint »genau beobachten, überwachen«. Der Christ steht auf dem Prüfstand der Welt, wird genauestens beobachtet. Aber eben in solchem Beobachten wird es geschehen daß die Verleumder »Gottpreisen am Tag der Heimsuchung«. Aus den Taten der Christen wird ihr Herr erkannt – das ist eine große Verheißung. Wo wir die guten Werke tun, zu denen uns unser guter Vater befreit hat, da finden Menschen zum Gotteslob. Der Ausdruck »am Tag der Heimsuchung« meint spätestens das jüngste Gericht (vgl. Jes 10,3; Jer 10,15; Mi 7,4; Zeph 1,8). Gemeint ist aber auch der Tag, an dem Gott – hier und jetzt schon – einem Menschen unausweichlich begegnet, ihn zur Nachfolge und zum Glauben ruft. Solche »Heimsuchung« kann für den Unglaubenden eine schwere äußere Not sein, in der ihm alles zerbricht und er erkennt, daß er die gleiche Grundlage wie die bisher verleumdeten Christen braucht.
So kann es zur Ehre Gottes kommen, auch in seinem Leben. Das Leben in guten Taten ist so eine Weise der Mission, der Einladung zu Jesus Christus.

Edition C Bibelkommentar

Deshalb — ich rede wie mit meinen Kindern — öffnet doch auch ihr im Gegenzug euer Herz weit

O ihr Korinther, unser Mund hat sich euch gegenüber geöffnet, unser Herz ist weit geworden.  Nicht ihr habt engen Raum in uns; hingegen ist es eng in euren Herzen. Aber als Gegenleistung – ich rede mit euch wie mit Kindern – öffnet auch ihr euch weit.
luther.heute – 2. Kor 6,11–13

Nun vergeltet doch Gleiches mit Gleichem – wie zu Kindern rede ich –, indem auch ihr das Herz weit macht.
Herder-Übersetzung – 2. Korinther 6:13

Liebe Geschwister, so offen, wie wir jetzt zu euch reden, so offen ist auch unser Herz für euch. Wenn irgendetwas Druck auf euch ausübt oder euch einengt, dann kommt das nicht von uns. Vielleicht seid ihr es selbst, die euren Herzen unnötige Lasten auferlegt. Ich rede zu euch, als wärt ihr Kinder, und ich erwarte auch nicht mehr von euch, als dass ihr euer Herz ebenfalls weit für mich und meine Botschaft öffnet.
Willkommen daheim – 2.Korinther 6,11–13

Wenn wir in einer Beziehung/Ehe in Schwierigkeiten geraten, dann kann es leicht sein, dass wir uns ins „schmollen zurück ziehen“. Ähnlich verhielten sich die Korinther dem Paulus entsprechend.

Sich zurückziehen
• kein anerkennendes Wort mehr sprechen
• keine Zuneigung mehr zeigen
• jemandem aus dem Weg gehen
Der Manipulator vermittelt die Botschaft: „Wenn du meine Regeln nicht befolgst, werde ich dir kein bisschen Aufmerksamkeit schenken.“ Im Gegensatz dazu schrieb der Apostel Paulus den Korinthern: „Unser Mund hat sich euch gegenüber geöffnet, ihr Korinther; unser Herz ist weit geworden. Ihr seid nicht beengt in uns, sondern ihr seid beengt in euren eigenen Herzen. Gleicherweise zur Belohnung aber – ich rede wie zu Kindern – werdet auch ihr weit!“ (2. Korinther 6,11–13).

Hunt – Handbuch für biblische Seelsorge

Welche Fehler Paulus auch immer haben mochte, er war kein Heuchler. Bis hierher ist sein Brief von Offenheit und der rückhaltslosen Versicherung seiner Zuneigung zu den Korinthern (splanchnois; vgl. 2Kor 7,15; Phil 1,8;2,1; Kol 3,12; Phim 1,7.12.20; 1Joh 3,17) gekennzeichnet (z. B. 2Kor 2,3-4). Er wünscht sich allerdings, daß auch die Korinther ihm eine solche Liebe entgegenbringen. Die Tiefe seiner Gefühle zeigt sich vor allem in seinem Ausruf „O ihr Korinther“ – ein emotionaler Ausbruch, wie er in seinen anderen Briefen nur selten so zu finden ist. So tadelt er z. B. die galatischen Gemeinden, die im Begriff stehen, vom Glauben abzufallen, streng, indem er sie beim Namen nennt (Gal 3,1). Als er sich an die treue Unterstützung der philippischen Gemeinde zu Beginn seines Amtes und während seines Gefängnisaufenthaltes erinnert, spricht er sie ebenfalls namentlich an (Phil 4,15). In einer Mischung aus Enttäuschung und Zuneigung appelliert Paulus nun an die Korinther und fordert sie auf, ihm mit der gleichen vorbehaltlosen Liebe zu begegnen (meine Kinder … macht auch ihr euer Herz weit; vgl. 2Kor 7,2-3).

Walvoord Bibelkommentar

Wenn es zwischen ihnen eine Entfremdung gab, dann lag dies nicht an ihm, sondern an ihren falschen Gedanken über ihn. Hätten sie in ihren Herzen soviel Raum für ihn wie er für sie, dann wäre der Riß zwischen ihnen und ihm schon überbrückt. Tatsache war aber, daß die Saiten ihrer Gefühle so hart gespannt waren, daß eine herzliche Aufnahme schwierig, wenn nicht unmöglich wurde. Sie warfen ihm vor, nicht früher gekommen zu sein, in Wirklichkeit konnten sie ihn aber gar nicht empfangen, solange sie nicht mit dem HERRN in Ordnung waren. Zweifellos spielten die bösen Arbeiter in ihrer Mitte eine gewichtige Rolle, indem sie die Korinther zu überzeugen suchten, daß er das Interesse an ihnen verloren habe.
  Vers 13 Wieder spricht er in Zartheit und mit väterlichen Gefühlen zu ihnen wie zu seinen Kindern. Ihn verlangt danach, daß seine Liebe zu ihnen so erwidert wird, daß ihre Herzen ihm gegenüber weit werden. Es würde ihm große Schmerzen verursachen, sollte er anstelle von Wärme und Herzlichkeit entdecken, daß ihre Herzenstüren für ihn verschlossen wären und Kälte ihre Brust erfüllen würde. Es ist nicht verwunderlich, wenn ein Vater von seinen Kindern eine Reaktion auf seine Liebe erwartet. Er brachte ihnen das Evangelium, nahm manche Entbehrung auf sich, weinte über sie und trachtete nach ihrer Wiederherstellung, als sie auf falsche Wege gerieten. Von daher hat er ein Recht auszurufen: „… werdet auch ihr weit.“ Es besteht eine enge Verbindung zwischen Vertrauen und Liebe. Bevor er sie bat, ihr Herz weit zu machen, holte er weit aus, um ihnen seine Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit zu zeigen, damit sie ohne Entschuldigung seien, sollten sie seine Gefühle nicht erwidern.

Benedikt Peters -Was die Bibel lehrt

Jede Einschränkung hinsichtlich der Beziehungen zwischen den Korinthern und Paulus ging auf die Korinther zurück, nicht auf Paulus. Sie mochten ihn nur beschränkt lieben, sodass sie nicht sicher waren, ob sie ihn aufnehmen sollten oder nicht, doch seine Liebe zu ihnen war keinesfalls beschränkt. Der Mangel an Liebe bestand auf ihrer, nicht auf Paulus’ Seite.
6,13 Wenn sie seine Liebe zu ihnen erwidern wollten (er spricht mit denen, die seine »Kinder« im Glauben sind), dann sollten sie zulassen, dass ihre Empfindungen ihm gegenüber »weiter« würden. Paulus fühlte sich als ihr Vater. Sie sollten ihn als Vater im Glauben lieben. Nur Gott konnte dies bewirken, doch sie sollten Gott gestatten, es in ihrem Leben zu bewirken.
Die Gute Nachricht übersetzt die Verse 11–13 recht treffend:
Meine lieben Korinther, ich habe kein Blatt vor den Mund genommen. Ich habe euch mein Herz weit geöffnet. Es stimmt nicht, dass ihr keinen Platz darin habt. Ihr steht nur deshalb draußen, weil ihr euch selbst aussperrt. Ich spreche zu euch als meinen Kindern. Begegnet mir so, wie ich euch begegne! Öffnet auch ihr eure Herzen weit!

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Unser Mund ist offen gegen euch, Korinther; unser Herz ist weit. Ihr habt in uns nicht engen Kaum; ihr habt aber engen Raum in eurem Inneren. Damit ihr uns dasselbe vergeltet — ich rede, wie man zu Kindern spricht —, werdet auch ihr weit.

So offen spräche Paulus nicht mit allen. Wenn er den Korinthern die Reinheit seines Gewissens zeigt und ihnen darlegt, wie alles, was er geworden ist, ihm zum Grund des Dankes wird und ihn in der Ausrüstung seines großen Werkes unterstützt, so empfangen sie damit einen besonderen Beweis seiner Liebe. Weiten Raum hat er ihnen bei sich geschaffen; denn er hat eine große Liebe zu ihnen, die auf das achtet, was sie bedrückt, ihren Verdacht zerstreut und ihr Vertrauen zu ihm auf jede Weise stärkt. Aber ihre Liebe hält mit der seinigen nicht gleichen Schritt, und das ist der Grund, weshalb ihr gegenseitiges Verhältnis gestört worden ist und dass schmerzhafte Dinge sich zwischen ihnen zugetragen haben. Das Mittel, der entstandenen Not abzuhelfen, liegt darin, dass auch sie weit werden, offen für ihn sind, allen Argwohn abtun und dasselbe Vertrauen zu ihm haben, das er ihnen erweist. Aber auch dieser mit einem Tadel verbundenen Mahnung nimmt Paulus sogleich mit Sorgsamkeit jede kränkende Spitze. Jetzt hat er so mit ihnen geredet, wie man mit den eigenen Kindern spricht, die man offen mahnen kann, ohne Angst, ihr Vertrauen zerfalle, weil die hier wirksame Verbundenheit nicht zerbrechen kann. Darum wagt Paulus ihnen zu sagen, dass die ganze Verwirrung in Korinth daher rührt, dass ihr Herz nicht ebenso weit wie das seine, ihre Liebe nicht ebenso groß wie die seinige gewesen ist.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

„Ihr habt nicht engen Raum in uns.“ Vielleicht waren auch solche Klagen der Korinther zu Paulus gedrungen, als stehe hinter der Änderung seines Reiseplanes ein Stück Geringschätzung der korinthischen Gemeinde, der nicht mehr das ganze Herz des Apostels gehöre. Oder man sah in dem Ernst, mit dem der Apostel gegen ungute Dinge in Korinth eintritt, „Engherzigkeit“. Es ist aber umgekehrt: „Ihr habt aber engen Raum in eurem eigenen Innern.“ Sie sind engherzig in der Beurteilung ihres Apostels. Sie wollen ihn nicht mit einem weiten, dankbaren Herzen verstehen. Sie nehmen nicht Anteil an seinem schweren, leidensreichen Leben. Das schmerzliche Nichtverstehen zwischen Apostel und Gemeinde liegt nicht an einer Verschlossenheit und Lieblosigkeit auf seiner Seite, die kein Herz für die Korinther und ihre Probleme hätte. Aber schwer ist es dem Apostel, wenn man mit Vorurteilen und bestimmten Ansprüchen ihn verkennt und ihm, dem Gründer und Vater der Gemeinde, keinen Raum mehr im Herzen der Gemeinde geben will.
Vers 13 Darum muß der Apostel die Gemeinde bitten: „Werdet doch auch ihr weit.“ Tut das „zur entsprechenden Vergeltung“. Paulus hat sein ganzes, offenes Herz in diesen Brief hineingelegt; das müssen sie doch aus seinem Schreiben merken, daß er sie so sucht und um ihr Verständnis ringt. Nun soll die Gemeinde ebenso dem Apostel entgegenkommen und seine herzliche Offenheit mit der gleichen Bereitschaft erwidern, auf Paulus wirklich zu hören und alles, was er schreibt, nicht mißmutig abzuweisen, sondern aufzunehmen, mitzudenken, anzuerkennen und den Apostel wieder so zu sehen, wie er von der Liebe des Christus bestimmt in Wirklichkeit ist. Nicht mit apostolischer Autorität fordert er das, nein, „wie zu [meinen] Kinder rede ich“. Ganz ähnlich hatte er gerade bei der Erörterung seines apostolischen Lebens, an dem die Korinther sich stießen, schon in seinem ersten Brief (1 Ko 4, 14f) geschrieben. So herzlich „bitten“ kann nur ein „Vater“.

Wuppertaler Studienbibel

6,12: »Eng ist nicht der Raum, den ihr in uns habt, eng aber ist’s in euren Herzen.«

Die Gemeinde hat in dem Herzen des Apostels nicht nur »engen Raum« (wörtlich: »nicht beengt seid ihr in uns«). Paulus hat ein Herz voll Liebe und Zuneigung, gerade zu dieser schwierigen Gemeinde. Nicht das hat die Gemeinschaft zwischen dem Apostel und der Gemeinde so nachhaltig gestört, daß Paulus für die Gemeinde nichts übrig hätte, sie an den Rand schieben würde und sich nicht um sie kümmern wollte. Die Gemeinde selbst hat ein »enges Herz« ihrem Apostel gegenüber. »Ihr seid eingeengt in eurem Innersten«, sagt der Apostel zu ihnen. Sie haben sich gegenüber dem Apostel verschlossen, gewähren ihm wenig Vertrauen und schließen ihn mit vielen Verdächtigungen und Anwürfen aus der Gemeinschaft der Liebe aus. In ihrem »Innersten« (wörtlich: »in den Eingeweiden«, verstanden als Sitz des Gemütes) zieht sie nicht mehr viel zu ihrem Apostel hin.

6,13: »Ich rede mit euch als mit meinen Kindern; stellt euch doch zu mir auch so, und macht auch ihr euer Herz weit.«

Die Liebe des Apostels, sein weites Herz für die Gemeinde wird daran verdeutlicht, daß er mit ihnen »als mit meinen Kindern redet«. Er ist ja ihr geistlicher Vater (vgl. 1 Kor 4,14) und hat gerade deshalb besondere Liebe zu diesen gefährdeten, sorgenmachenden Kindern. Er bittet sie, daß auch sie ihre Vorbehalte ihm gegenüber weglegen, ihre Herzen ihm gegenüber wieder vertrauend öffnen und sich zu ihm auch so in herzlicher Liebe »stellen« (wörtlich: »zur selben Entgeltung, Gegenlohn«). Der Apostel befiehlt nicht; er bittet in werbender Liebe um die Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft.

Edition C Bibelkommentar

mutiger Schritt

Habe letzte Woche „zufällig“ ein Video gefunden, in dem „mein alter Freund“ interwievt wird.
Was für ein mutiger Schritt nach fast 50 Jahren zu sagen „hier stimme ich nicht mit überein“. Schade dass du nun an eine Gruppe geraten bist, die zwar „Aussteiger“ sind, aber die Grenzen für das Lesen der Bibel doch sehr sehr einschränken. Aber das kann ja noch werden! Lies die Bibel als ganzes Buch, und hinterfrage einfach alle Glaubenslehren, die du gelernt hast – auch die, von denen du total überzeugt bist. Der einzige Gradmesser muß die Bibel als Gottes Wort sein und bleiben!

Ich würde es gern mit dir selber besprechen, aber leider liegst du seit Wochen im Krankenhaus – wahrscheinlich werden wir uns erst „nach der Auferstehung“ wiedersehen – wie so viele treuen Menschen, die Jehovah wirklich lieben!

Und Ihr liebe Leser dieses Blogs: das Verhältnis zu Jehovah ist sooo wichtig. Fange an, das Wort Gottes, die Bibel, richtig zu lesen! Und denke immer daran: Jehovah möchte ein persönliches Verhältnis zu DIR haben – und dazu gehört auf der einen Seite das Lesen der Bibel – um IHN ZU HÖREN – und das Gebet, um IHM ZU SAGEN was du denkst! Und dann tausche dich mit anderen aus – zum Beispiel auf jehovah-shammah.de

und dein Manna versagtest du nicht ihrem Munde

Du hast deinen guten Geist gesandt, um sie zu unterweisen, hast ihnen dein Brot vom Himmel nicht vorenthalten und ihnen weiter Wasser geschenkt, damit sie ihren Durst löschen konnten.
Neues Leben – Bibel 2006 – Nehemia 9,20

Du schenktest ihnen deinen guten Geist, um sie zur Einsicht zu bringen. Als sie hungrig und durstig waren, hast du sie mit Manna und Wasser versorgt.
Hoffnung für alle – 1996 – Nehemia 9:20

Du warst mit deiner Power immer bei ihnen und hast so dafür gesorgt, dass sie wissen, wo es langgeht. Deine Essensversorgung war auch immer am Start, du hast ihnen weiter dieses Brot und auch Wasser gegeben, keiner musste verdursten.
VolxBibel – Nehemia 9:20

Hast du das Gefühl, dass du immer weniger Lesestoff zum studieren in den Händen hälst? Hast du das Gefühl, dass die Zeit, die man sich für Gottes Wort nimmt, immer weniger wird? Man trifft sich nur noch einmal, höchstens zweimal die Woche, um über Gottes Wort zu reden?
Gottes Wort wird nur noch in Richtung „was solltest du tun“, „was du nicht tun solltest“, „werde glücklich“ ausgelegt, anstatt den Vater und den Sohn im Focus zu haben?
Woran könnte das liegen? Könnte daran liegen, dass Jehovah weniger „geistige Nahrung“ zur Verfügung stellt? Schauen wir uns den Text aus Nehemia 9 an – dann sehen wir, dass Jehovah die Menschen immer „richtig ernährt hat“ – auch wenn die Menschen von Jehovah zurück wichen – also an Jehovah liegt es nicht!

Wie konnten sich diese Menschen von Gott abwenden, nachdem er so viel für sie getan hatte? Sie haben ihn nicht wirklich geliebt. Ihr Gehorsam war nur eine äußere Form; er kam nicht aus ihrem Herzen. In ihrem Herzen lebten sie immer noch in Ägypten und wollten dorthin zurückkehren. Sie hatten keinen lebendigen Glauben an Gott, aber sie waren bereit, seine Hilfe anzunehmen und seine Gaben zu genießen. Lesen Sie Psalm 78 für eine „Röntgenaufnahme“ der geistlichen Geschichte Israels.

Die Führung des Volkes (Neh. 9:19-22). Während der vierzig Jahre, die Israel in der Wüste verbrachte, starb die alte Generation und eine neue wurde geboren. Er führte sie durch die Wolke und das Feuer, lehrte sie das Wort, versorgte sie mit dem Lebensnotwendigen und gab ihnen den Sieg über ihre Feinde. Gott hält seine Versprechen und erfüllt seine Absichten. Wenn wir ihm gehorchen, haben wir Anteil am Segen; wenn wir ihm nicht gehorchen, verpassen wir den Segen; aber Gottes Absichten werden erfüllt und sein Name verherrlicht.

Wie zu viele von Gottes Volk heute waren die Juden kurzsichtig: Sie vergaßen die herrlichen Ziele, die Gott für das Volk im Sinn hatte. Hätten sie über Gottes Verheißungen und Absichten nachgedacht (1. Mose 12,1-3; 2. Mose 19,1-8), hätten sie nicht nach Ägypten zurückkehren oder sich mit den gottlosen Völkern um sie herum vermischen wollen. Israel war ein Volk, das unter seinen Privilegien lebte und es versäumte, Gottes Willen für sein Leben vollständig zu akzeptieren.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary

Also schauen wir darauf, was verkehrt läuft? Oder nehmen wir lieber unsere eigene Verantwortung wahr? Eigene Verantwortung: lies selbst die Bibel täglich!, besprich das was du gelesen hast mit deinem himmlischen Vater! Dann kann ER dich auferbauen, und dich „unabhängig von gewissen christlichen Gruppen“ machen.

Paulus wusste, dass wir nicht einfach aufhören können, besorgt zu sein. Besorgte Gedanken haben einen Weg, sich wieder in unseren Verstand zu schleichen, egal wie sehr wir versuchen, sie zu ignorieren. Deshalb weist er uns an, das Sorgen durch „Gebet und Flehen mit Danksagung“ zu ersetzen. Wenn Sie sich in einem Streit befinden, ist es ganz natürlich, dass Sie über Ihre schwierigen Umstände nachdenken oder über die falschen Dinge, die die andere Person Ihnen angetan hat oder antun könnte. Der beste Weg, dieses negative Denken zu überwinden, ist, es durch konstruktivere Gedanken zu ersetzen, wie z. B. Gott für seine Gnade durch das Evangelium zu loben, ihm für die vielen Dinge zu danken, die er in dieser und anderen Situationen bereits für Sie getan hat, und um Hilfe im Umgang mit Ihren aktuellen Herausforderungen zu beten (vgl. Mt 6,25-34).

Wenn Sie sich an Gottes Treue in der Vergangenheit erinnern und sich heute mit ihm verbünden, werden Sie entdecken, dass Ihre Angst stetig durch Zuversicht und Vertrauen ersetzt wird (vgl. Jesaja 26,3). Tatsächlich war das Erinnern an Gottes Treue und das Danken für seine Befreiung in der Vergangenheit eine der wichtigsten Methoden der Israeliten, ihre Ängste zu überwinden, wenn sie vor überwältigenden Problemen standen (z. B. Psalm 18, 46, 68, 77, 78, 105, 106, 107, 136; Nehemia 9,5-37).

Wenn Sie Ihren Fokus durch das Gebet auf Gott richten, können Sie beginnen, etwas zu erleben, das nicht logisch erscheint: Die Feindseligkeit, die Angst und der innere Konflikt, mit denen Sie zu tun hatten, werden beginnen, einem Frieden zu weichen, der so unerwartet ist, dass Paulus sagt, er werde „alles Verstehen übersteigen“. Obwohl dieser Friede zunächst nur innerlich sein mag („bewahre dein Herz und deinen Sinn“), wird er oft zu einem äußeren Frieden – oder einer Versöhnung – heranwachsen, der ebenfalls das Verständnis derer übersteigt, die Ihren Konflikt beobachtet haben. Wenn Gott in seinem Volk wirkt, beginnen Dinge zu geschehen, die für die Welt keinen Sinn ergeben. Was für eine wunderbare Art, die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen und Gott zu loben!

Ken Sande – Der Friedensstifter – Ein biblischer Leitfaden zum Lösen von persönlichen Konflikten

Kein Mensch kann den Eindruck erwecken, dass er selbst klug ist und dass Christus mächtig ist, zu retten.

Hochmütige werden gedemütigt; aber wer nicht hoch von sich denkt, kommt zu Ehren.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Sprüche 29,23

Durch Überheblichkeit erniedrigt sich der Mensch;
Ehre erlangt, wer nicht hoch von sich denkt.
Neue evangelistische Übersetzung 2019 – Sprüche 29,23

Menschen, die meinen, sie seien die Obergeilen, werden irgendwann auf die Fresse fallen. Menschen, die nicht so viel von sich halten, werden irgendwann groß rauskommen.
VolxBibel – Sprüche 29:23

Der Hochmut eines Menschen erniedrigt ihn; der Demütige aber erlangt Ehre.
Achte darauf,…
• … dich nach Gottes Anerkennung auszustrecken;
• … anderen dienen zu wollen;
• … den Rat anderer zu schätzen;
• … die Fehler anderer bereitwillig zu übersehen.

June Hunt – Schlüssel zur biblischen Seelsorge

DAS STOLZE HERZ REBELLIERT GEGEN AUTORITÄT DAS DEMÜTIGE HERZ IST FÜGSAM
• hochmütig • demütig
• egoistisch • selbstlos
• ungeduldig • geduldig
• kontrollierend • selbstbeherrscht
• unreif • reif
• manipulierend • sanftmütig
• kritisch • mitfühlend
• streitsüchtig • ruhig
• schlechtgelaunt • ausgeglichen
• unabhängig • abhängig vom Herrn

June Hunt – Schlüssel zur biblischen Seelsorge

Viele Theologen glauben, dass Stolz die „Sünde aller Sünden“ ist, denn es war Stolz, der einen Engel in den Teufel verwandelte (Jes 14,12-15). Luzifers „Ich will sein wie der Allerhöchste“ (V. 14) forderte den Thron Gottes selbst heraus; im Garten Eden wurde daraus: „Du wirst sein wie Gott“ (Gen 3,5). Eva glaubte es, und Sie kennen den Rest der Geschichte. „Ehre sei dem Menschen in der Höhe“ ist der Schlachtruf der stolzen, gottlosen Menschheit, die sich immer noch Gott widersetzt und versucht, den Himmel auf Erden zu bauen (11:1-9; Offb. 18).

„Der stolze und hochmütige Mann – ‚Spötter‘ ist sein Name; er benimmt sich überheblich“ (Spr 21:24, NIV). „Vor dem Untergang ist das Herz eines Menschen stolz, aber vor der Ehre kommt die Demut“ (18:12, NIV; siehe 29:23). Gott hasst „einen stolzen Blick“ (6:16-17) und verspricht, das Haus der Stolzen zu zerstören (15:25). So gut wie jeder Christ kann Sprüche 16:18 zitieren, aber nicht alle von uns beherzigen ihn: „Hochmut kommt vor dem Fall, und ein hochmütiger Geist kommt vor dem Fall“ (NKJV).

Der heilige schottische Prediger James Denney sagte: „Kein Mensch kann gleichzeitig Zeugnis für Christus und für sich selbst ablegen. Kein Mensch kann den Eindruck erwecken, dass er selbst klug ist und dass Christus mächtig ist, zu retten.“ Dieses Zitat sollte in großen Buchstaben gedruckt und in jedem Kirchenraum und Konferenzsaal, in dem Gottes Volk zusammenkommt, ausgehängt werden. Es könnte einige der Prediger und Musiker demütigen, die so viel Aufmerksamkeit auf sich lenken, dass die hungrigen Schafe Jesus nicht sehen können. Wenn die größte Sünde die Verderbnis des höchsten Gutes ist, dann sind Menschen, die die christliche Religion benutzen, um sich selbst zu fördern, einer großen Übertretung schuldig.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary