„Auf Knien gab ich ihm den Müll, den ich getan hab …“

Ich tat dir kund meine Sünde und habe meine Ungerechtigkeit nicht zugedeckt. Ich sagte: Ich will Jehova meine Übertretungen bekennen; und du, du hast vergeben die Ungerechtigkeit meiner Sünde. (Sela )
Elberfelder 1871 – Ps 32,5

Als ich meine Sünde dir bekannte und meine Missethat nicht mehr bedecken konnte, sprach ich: Gestehen will ich meine Missethat Jehova! da vergabst du die Schuld meiner Sünde. Sela.
van Ess 1858 – Psalm 32:5

Doch am Höhepunkt meiner Depression lernte ich, Gott sei Dank, eine letzte Lektion, als das endgültige Ende mir spürbar nah war. Auf Knien gab ich ihm den Müll, den ich getan hab; /einfach alles; was befreiend, aber auch hart war, und Gott sagte: „Hey, meine Liebe ist für dich da!“
VolxBibel – Psalm 32,5

Allerdings wissen Christen, dass böse Wege nach der Lehre der Schrift durchaus Konsequenzen haben. Ich möchte an dieser Stelle drei Konsequenzen nennen, die Christen zu einer sorgfältigen Lebensführung anreizen, ohne sie in ein Klima der Angst zu führen:
• Durch die Sünde verlieren sie den Genuss der Gemeinschaft mit ihrem Gott (vgl. Ps 32,3–5). Die Vater-Kind-Beziehung wird jedoch nicht angetastet (vgl. 1 Johannes 2,1).
• Durch die Sünde setzen sie sich der Zucht des himmlischen Vaters und des Herrn aus
(Heb 12,4–11). Im schlimmsten Fall beendet Gott sogar das irdische Leben seiner Kinder (Apg 5,1–6; 1 Johannes 5,16), sie werden jedoch nicht zusammen mit der Welt verurteilt (1 Korither 11,32).
• Durch die Sünde schmälern sie den Lohn aus, den sie am Richterstuhl des Christus erhalten sollen. DasWerk eines Christen mag der prüfenden Heiligkeit Gottes dort nicht standhalten, er selbst aber wird in jedem Fall gerettet werden (1 Korither 3,14.15).

Gerrid Setzer – Anker der Seele

Nicht zu stark haben wir das Tun der göttlichen Barmherzigkeit in der Gewissheit der Sünden-Vergebung betont. Nie kann man Menschen mit dem Frieden Gottes im Herzen begegnen, die im Blick auf ihre Vergebung sich selbst etwas zuschreiben würden. Nur in Anbetung Gottes können sie davon sprechen. Wo es anders ist, da ist die Stellung zur Sünde und zu den Missetaten eine Täuschung oder ein Selbstbetrug. Entweder setz man sich viel zu leicht über die Schwere seiner Schuld hinweg, oder man vergibt sich selbst seine Sünden.

Nie erlebte der Mensch aber bewusst seine Vergebung, ohne dass er mitbeteiligt war. David beschreibt dieses Mitbeteiligtsein mit den ergreifenden Worten:
Da ich’s verschwieg, verfiel mein Gebein, ob meines stündlichen Stöhnens.
Es ist wiederum ganz menschlich, dass der in seiner Schuld Erwachte zunächst selbst mit seinen Sünden fertig zu werden sucht. Zu allem nimmt er seine Zuflucht, nur nicht zu Gott. Er rettet sich ins Verschweigen. Er fährt zur Erholung. Er berauscht sich durch Vergnügungen. Er philosophiert über den unsinnigen Begriff Sünde. Er entschuldigt sich durch seine Veranlagung. Er sucht alles in Verbindung mit den Schöpfungsordnungen Gottes zu bringen. Er redet sich ein, dass er letzthin durch andere verführt worden sei. Die Lösung fand er jedoch nicht. Sein physisches Leben fing an, unter der inneren Qual mitzuleiden. Gott schwieg nicht, daher schwieg auch sein Innerstes nicht.

Denn Tag und Nacht lag schwer auf mir deine Hand, wie unter Gluten des Sommers vertrocknete meine Lebenskraft.
Psychologisch nur allzu verständlich; es entspricht der Erfahrung aller Zeiten, eines jeden Volkes und der Menschen jeden Ranges. Auch der Körper verfällt, wenn die Seele leidet. Manches Leiden wird verständlich, sobald das Leiden der Seele erkannt ist. So mancher Arzt würde unendlich mehr Erfolge haben, wenn er zugleich ein von Gott begnadeter Seelsorger wäre. David bezeugt, dass die Lösung erst kam, als er in seiner Not den Entschluss fasste:

Da tat ich dir kund meine Sünde, und meine Missetat verhehlte ich dir nicht. Ich sprach: „Bekennen will ich meine Übertretungen dem HErrn“ ; da vergabst: du die Missetat meiner Sünde.
Liegt nun die Vergebung letzthin dennoch im Bekennen? Welch eine Bedeutung hat das Bekennen in der Verbindung mit der Gewissheit der Vergebung? Im Bekennen selbst liegt nicht die Vergebung. Diese bleibt eine Tat Gottes. Das Bekennen ist im Inneren des Menschen aber die Grundlage, auf der Gottes Handeln geschehen kann. Buße und Bekenntnis werden zu jenem Vorgang der Seele, durch den der Mensch im Glauben nimmt, was Gott in seiner vergebenden Liebe schenkt. Daher lässt Gott den Menschen in seine Sündennot kommen. Er lässt ihn alle Künste ausprobieren, sich selbst die Sünden zu vergeben, bis der Mensch in seiner Not bekennend die Zuflucht zu Ihm nimmt.
Gott tut das nicht um seinetwillen. Er in seiner Barmherzigkeit bedarf es nicht, dass ihm die Vergebung abgerungen werde. Der Mensch erkauft sich seine Vergebung nicht durch sein Bekenntnis. Wenn Gott Menschen im Gebet ringen lässt um Vergebung, so ist es weit mehr ein Ringen Gottes mit dem Menschen. Um des Heils des Menschen willen lässt er ihn so lange ringen, bis er die Vergebung wirklich als ein Geschenk der Liebe und als einen Akt der Gnade Gottes empfängt und dafür zu danken beginnt.
Dass der Mensch innerlich für den Empfang der Vergebung von Gott zubereitet worden ist, zeigt sich sehr oft alsdann darin, dass er auch bereit ist, Menschen gegenüber seine Sünden zu bekennen. Die Beichte sollte aber immer nur zu Seelsorgern ober Freunden geschehen, von denen man weiß, sie werden heilig mit dem heiligen Bekenntnis der Seele umgehen. Im Bekenntnis handelt es sich um Dinge, die allein im Kämmerlein und in der Gegenwart Gottes behandelt werden müssen. Mancher hat sich und andere verdorben, wenn er mit seinem Schuldbekenntnis vor eine unberufene Öffentlichkeit trat.

Kroeker – Ausgewaehlte Psalmen


Ich tat die kund meine Sünde und habe meine Ungerechtigkeit nicht zugedeckt. Ich sagte: Ich will Jehova meine Übertretungen bekennen; und du, du hast vergeben die Ungerechtigkeit meiner Sünde. (Ps 32,5)
Sünde muss als Sünde erkannt und dem Herrn bekannt werden. In dem Augenblick, in dem du das mit aufrichtigem Herzen tust, vergibt Er dir völlig deine Schuld, die Ungerechtigkeit deiner Sünde. Ist sie nur dir selbst und Gott bekannt und niemand sonst betroffen, so ist die Sache damit erledigt.
Ist deine Sünde aber zu deiner Schande schon öffentlich bekannt geworden und dadurch Schmach auf das Zeugnis Gottes gefallen, so solltest du sie auch öffentlich bekennen. Geh in aller Demut zu deinen Brüdern, bekenne ihnen deine Sünde ganz offen und bringe keine Entschuldigungen vor, indem du versuchst, dich zu rechtfertigen. Daran wird man erkennen, dass du dich auf Gottes Seite gestellt hast, gegen deine Sünde. Ein aufrichtiges und demütiges Bekenntnis, das durch einen offensichtlich veränderten Lebenswandel bestätigt wird, macht den Weg frei zu deiner öffentlichen Wiederherstellung.
Das ist der Weg, den Gottes Wort uns zeigt. David musste diese Lektion in 2 Samuel 11 und 12 lernen. Die Tatsache, dass er sie gelernt hat, kommt in den Psalmen 32,39 und 51 wunderbar zum Ausdruck. Sie enthalten das offene Bekenntnis dessen, was geschehen war, und zwar vor allen Menschen seiner Tage, ja sogar bis in unsere Zeit. Vorher hatte er viele Monate schuldhaft geschwiegen und versucht, seine Sünde zu verbergen. Doch dann war ihm der Prophet Nathan mutig entgegengetreten. Als David daraufhin seine Schuld bekannte, vergab Gott die Ungerechtigkeit seiner Sünde.
Petrus hatte eine ähnliche Lektion zu lernen. Und auch für dich gibt es ganz gewiss Hoffnung. Der Herr wünscht deine volle persönliche und öffentliche Wiederherstellung. Auch deine Brüder werden sich darüber freuen. Nur Satan sieht das nicht gern, denn es bedeutet für ihn eine Niederlage in seinem Kampf gegen den Herrn und Sein Zeugnis auf der Erde.

Hilfe und Nahrung – 1999 Verfasser E.P.V.

„Ich werde ADONAI meine Vergehen bekennen.“ Nach Raschi steht V. 5 im Präsens, um anzudeuten, dass David als Lebensstil ständig seine Sünden vor ADONAI bekennt.

The Complete Jewish Study Bible: Notes

Dankbar gesund zu sein, und arbeiten zu können?

Siehe, was ich als gut, was ich als schön ersehen habe: daß einer esse und trinke und Gutes sehe bei all seiner Mühe, womit er sich abmüht unter der Sonne, die Zahl seiner Lebenstage, die Gott ihm gegeben hat; denn das ist sein Teil. Auch ist für jeden Menschen, welchem Gott Reichtum und Güter gegeben, und den er ermächtigt hat, davon zu genießen und sein Teil zu nehmen und sich bei seiner Mühe zu freuen, eben dieses eine Gabe Gottes. Denn er wird nicht viel an die Tage seines Lebens denken, weil Gott ihm die Freude seines Herzens gewährt (Eig denn Gott antwortete auf die Freude seines Herzens, d. h. stimmt ihr bei.)
Elberfelder 1871 – Kohelet 5,17–19

Eines habe ich begriffen: Das größte Glück genießt ein Mensch in dem kurzen Leben, das Gott ihm gibt, wenn er isst und trinkt und es sich gut gehen lässt bei aller Last, die er zu tragen hat. Das ist der Lohn für seine Mühen. Wenn jemand es zu Reichtum bringt und sich an seinem Besitz erfreuen kann, dann hat er das Gott zu verdanken. Ja, die Früchte seiner Arbeit zu genießen, das ist Gottes Geschenk! Denn wessen Leben Gott mit Freude erfüllt, der denkt nicht viel darüber nach, wie kurz es eigentlich ist.
Hoffnung für Alle – Prediger 5,17–19

Nach meiner Beobachtung ist Folgendes gut und richtig: dass jemand isst und trinkt und Freude erlebt für all seine harte Arbeit, mit der er sich unter der Sonne abmüht während seiner wenigen Lebenstage, die der wahre Gott ihm gegeben hat — denn das ist seine Belohnung.  Außerdem: Wenn der wahre Gott einem Menschen Reichtum und materiellen Besitz gibt samt der Fähigkeit, das alles zu genießen, dann soll er seine Belohnung auch annehmen und sich an seiner harten Arbeit freuen. Das ist ein Geschenk Gottes. Denn er wird kaum merken, wie seine Lebenstage verstreichen, weil der wahre Gott ihn mit den Freuden seines Herzens beschäftigt hält.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Prediger 5:18–20

Sind wir uns eigentlich bewußt, wie reich wir alle sind, weil wir hier in Deutschland leben, und von so vielen Versicherungen aufgefangen werden? Dass wir bei Krankheit zum Arzt gehen können und auch noch „Lohnfortzahlung“ erhalten? Und wie nutzen wir unseren „Reichtum“? Wirklich als „Gottesgabe“ und preisen wir IHN? Oder wollen wir „mehr“ und sind unzufrieden?

Reichtum kann auch unruhig machen (V. 10ff.), und im Tode hilft kein Geld (V. 14). Darum ist es das beste, alles als Gabe Gottes anzusehen (V. 17.18) und sich des Wohlgefallens Gottes zu erfreuen (V. 19).

Bruns 2013 – Die Bibel mit Erklärungen

Nach der Darstellung von der Bitterkeit des Lebens ist es für den Prediger der richtige Zeitpunkt, sich an das Hilfsmittel zu erinnern (Vers 17). In den vorhergehenden Versen wird Gott nicht erwähnt. Der Prediger weist nun auf einen Aspekt des Lebens hin, der nicht vergessen werden darf, einen Aspekt, den er mit dem Ruf „siehe” einführt. Es gibt ein anderes Leben, genauso äußerlich, real und wahrnehmbar. Der Prediger hat „ersehen”, dass es möglich ist, inmitten der Arbeit, und nicht nur in der Abwesenheit von Anstrengung, „zu genießen”. Das ist eine Bestimmung Gottes im kurzen Leben. „Essen” und „Trinken” sind ein Ausdruck von Gemeinschaft, Freude und Befriedigung (1Kön 4,20). Das ist der Teil des Weisen.
Der allgemeine Missbrauch des Reichtums schließt seine richtige Verwendung nicht aus. Wenn Gott Reichtum gibt, können wir ihn auch genießen (Vers 18). Sowohl die Mittel zum Essen und Trinken als auch die Möglichkeit, sie zu genießen, kommen als Gabe von Gott. Der Genuss von Speisen und Getränken als Ergebnis harter Arbeit kann in dem Bewusstsein geschehen, dass Er diese Dinge in seiner Macht einer Person gibt, die diese in seiner Kraft genießen kann. Dass es eine Gabe Gottes ist, bedeutet, dass der Mensch nicht von sich aus die Macht hat, es zu genießen. Dies wurde im vorherigen Abschnitt deutlich gemacht.
Wenn Gott dir etwas gibt, kannst du das Beste daraus machen und die Dinge auf der Erde intensiv genießen. Gleichzeitig ist es aber so, dass sie an sich keine Bedeutung haben, weil sie so unbeständig sind wie der Wind. Auch im Hinblick auf die Ewigkeit haben diese vergänglichen Dinge keinen Vorteil. Du kannst nichts von dem, was du auf der Erde aufsparen könntest, nach dem Tod mitnehmen. Reichtum lässt den Menschen nur voller Sorgen, Unruhe und der Angst vor dem Verlust desselben sein. In diesem Sinne lautet der Rat des Predigers: Horte den Reichtum nicht, sondern genieße ihn. Du weißt nicht, wie lange du ihn noch gebrauchen kannst, weil er vergänglich ist, noch weißt du, wie lange du ihn genießen kannst, weil dein Leben plötzlich vorbei sein könnte.
Derjenige, dem die Gabe Gottes zuteilwird, Essen und Trinken zu genießen, ist nicht besorgt bezüglich der Tage seines Lebens (Vers 19). Der Gedanke ist nicht, dass das Leben dann so ruhig sein wird, dass nichts Erinnerungswürdiges mehr passiert, sondern dass das Leben so voller Freude sein wird, dass die Vergänglichkeit des Lebens fast vergessen wird. Wer genug hat, beschäftigt sich nicht mit der Frage, ob Reichtum einen Nutzen hat. Diese Frage wird nicht ganz vergessen, aber sie dominiert nicht. Der Gedanke an die Kürze des Lebens bleibt anwesend, wird aber keine schlaflosen Nächte verursachen

Ger de Koning – Der Prediger – Ausgelegt & angewandt – Alles Eitelkeit

Ein bekannter Erforscher der menschlichen Natur untersuchte einmal die Frage der Arbeit. Er erhielt seine Informationen über das Thema nicht aus zweiter Hand, sondern er erklärte: „Ich baute mir Häuser; ich pflanzte mir Weingärten. Ich machte mir Gärten und Parkanlagen, und ich pflanzte darin Fruchtbäume von allen Arten. Ich machte mir Wasserteiche, um damit den Wald von sprossenden Bäumen zu bewässern“ (Prediger 2:4-6).
Nachdem dieser weise Mann selbst erfahren hatte, was Arbeit bedeutet, kam er zu einer Anzahl ausgeglichener Schlußfolgerungen:
1. Der Mensch ist zum Arbeiten da; er muß arbeiten. „Siehe! Das Beste, das ich selbst gesehen habe, . . . ist, daß einer esse und trinke und Gutes sehe für all seine harte Arbeit . . ., denn das ist sein Teil“ (Prediger 5:18).
2. Arbeit aus materialistischen Beweggründen macht nicht glücklich. „Wer nur Silber liebt, wird mit Silber nicht gesättigt werden, noch jemand, der Reichtum liebt, mit Einkünften“ (Prediger 5:10). Wenn du in jungen Jahren ein Verlangen nach materiellen Dingen entwickelst, kann es sein, daß du dein Leben lang unglücklich und unzufrieden bist.

Erwachet! 1982

Der Gewinn aus der Arbeit ( Reichtum und Güter ; vgl. Pred 6,2 ) und die Fähigkeit, fröhlich zu sein bei seinem Mühen (vgl. Pred 8,15 ), sind eine Gottesgabe (vgl. Pred 2,24;3,13 ). Der Ausdruck „sein Teil nehmen“ sollte besser übersetzt werden mit „sein Teil empfangen“, denn damit würde betont, daß der Mensch sein Los freudig als eine Gabe Gottes entgegennimmt. Diese Fähigkeit, das Leben zu genießen, diese Freude des Herzens, die nur Gott dem Menschen schenken kann, hält diesen davon ab, über die Kürze seines Lebens (vgl. V. 17 ) zu verzweifeln.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

5,17 Der beste Rat bleibt also, die gewöhnlichen Dinge des täglichen Lebens recht zu genießen, zu essen, zu trinken und zu arbeiten. Dann kann passieren, was will – nichts kann mir die Freuden nehmen, die ich bereits genossen habe. Das Leben ist sowieso so kurz; warum dann nicht genießen, solange es geht.
5,18 Salomo dachte, es wäre wohl ideal, wenn Gott dem Menschen Reichtum und Besitz geben würde, aber auch gleichzeitig die Fähigkeit, alles zu genießen, mit seinem Los zufrieden zu sein und sich an seiner Arbeit zu erfreuen. Diese Kombination von Umständen wäre ein besonderes Geschenk Gottes.
5,19 Solch ein Mann brauchte nicht über die Kürze des Lebens nachzugrübeln oder über das Grausame und Ungerechte, denn er wäre ja mit dem Genuss der momentanen Lebensumstände beschäftigt.

MacDonald 2010 – Kommentar zum Alten Testament

Durch die Einleitung «sieh, was ich Gutes sah» signalisiert Kohelet in 5,17, dass er nach seinem negativen Beispiel (vgl. 5,12) nun von einer positiven Erfahrung berichtet bzw. darlegt, was man tun muss, damit das Leben nicht zu einem «schlimmen Übel» wird, sondern «gut» bleibt. Mit der Aufzählung «essen, trinken, und Gutes geniessen» erinnert er an 3,13, wo er diese drei Formen von Lebensgenuss als «Geschenk» Gottes qualifiziert hat. Dieses Stichwort bringt Kohelet in diesem Abschnitt erst im nächsten Vers. Doch auch hier weist er bereits auf Gott, und zwar als denjenigen, der dem Menschen das Leben gegeben hat (vgl. 8,15; 9,9; 12,1.7). Dass auch das Gute und Schöne von Gott gemacht bzw. dem Menschen gegeben ist, sagt Kohelet explizit erst im nächsten Vers. Über das Stichwort «schön» deutet er den Gedanken hier aber bereits an, erinnert dieses doch an 3,11, wo er ausgeführt hat, dass Gott alles «schön» gemacht hat. Hier in 5,17 geht es Kohelet allerdings in erster Linie um den Menschen. Einerseits erinnert er mit der Erwähnung der «Zeit seines Lebens» daran, dass die menschliche Lebenszeit begrenzt ist (vgl. 5,14–15.19) – was es umso wichtiger macht, dass man das Leben geniesst, solange man kann. Und andererseits sagt er, dass ein solcher Lebensgenuss der «Teil» des Menschen ist. Wie auch andernorts im Buch (vgl. 2,10; 3,22; 9,9) bringt er damit zum Ausdruck, dass die Lebensfreude dem Menschen zukommt. Sie ist das, was er bei all seiner Arbeit und Mühe positiv hat – nicht als bleibenden «Gewinn» (vgl. 2,11), wohl aber als etwas, was man im Moment geniessen kann.
Erst in 5,18 spricht Kohelet aus, dass es Gott ist, der dem Menschen diesen «Teil» gibt. Die (Möglichkeit zur) Lebensfreude ist ein «Geschenk Gottes» (vgl. 3,13; mit negativer Beurteilung des Königs ähnlich 2,24). Interessanterweise erwähnt Kohelet dabei nicht nur das «Essen» und das «sich Freuen» (vgl. 3,22), sondern auch «Reichtum» und «Vermögen» – und zwar als das, «wovon» man essen und so seinen Teil davontragen und sich freuen kann. Spätestens hier ist klar, dass Kohelet Reichtum durchaus nicht nur negativ sieht (vgl. andeutungsweise bereits in 5,9–10). Wichtig ist, dass man das Leben geniesst – sei es mit viel «Vermögen» (vgl. 5,18) oder mit nur wenig (vgl. 5,9.17). Während er in 4,8 und 5,12–14 beklagte, dass jemand Reichtum hat, diesen aber nicht geniesst, spricht er hier positiv von der Möglichkeit, dass man von seinen Reichtum Gebrauch macht (von ihm «isst») und sich so des Lebens freut. Da Kohelet die (Möglichkeit zur) Lebensfreude als Geschenk Gottes betrachtet, nennt er Gott hier auch als denjenigen, der dem Menschen Reichtum gibt. Entscheidend ist dabei nicht der Reichtum selbst, sondern dass Gott einem «gestattet», diesen zu nutzen. Wie im folgenden Abschnitt, in dem er den Fall durchspielt, dass Gott jemandem nicht erlaubt, seinen Reichtum zu nutzen, macht Kohelet auch in diesem Vers Gott dafür verantwortlich, ob jemand seinen Reichtum positiv nutzt oder nicht (s. u. zu 6,2).
In 5,19 schliesslich nennt Kohelet als weiteren Aspekt des «Guten», dass man nicht zu oft an die «Frist seines Lebens» denkt, weil Gott einem das Herz «erfreut» (bzw. «mit Freude beschäftigt», wie die Hebräische Wendung wohl wörtlich zu übersetzen ist). Die Nennung der «Frist seines Lebens» erinnert dabei wieder an die Begrenztheit menschlichen Lebens (vgl. 5,17). Nach 7,2 und 9,5 erachtet Kohelet das Wissen um die eigene Sterblichkeit allerdings nicht (nur) als etwas Negatives. Von daher geht es ihm hier vielleicht mehr um ein zu intensives Nachdenken über die «Frist» bzw. die «Tage» (wie es im Hebräischen wörtlich heisst), die einem zu Lebzeiten gegeben sind. Sein Fallbeispiel von 5,12–14 hat ja gezeigt, dass zu viel Sorge um die Zukunft das «Unglück» erst herbeiführen kann. Kohelet argumentiert dabei wohl kaum grundsätzlich gegen vorausdenkendes Planen (vgl. 11,2; dazu weiter Sir 11,24–25; 18,25). Wohl aber geht es ihm darum, dass man ob der Frage, was die Zukunft bringen wird, nicht verrückt werden soll. Darüber kann man sowieso nichts wissen (vgl. 3,21–22; 11,6 u. ö.). Dass man sich nicht immer nur «freuen» kann, sondern manchmal auch an den Tod und die dunklen Tage «denkt», weiss Kohelet und hat offenbar auch nichts dagegen (vgl. 9,5; 11,8). Wer sich aber zu stark mit entsprechenden Fragen beschäftigt, kommt entweder nicht mehr zum Arbeiten (vgl. 11,4) oder wird depressiv (vgl. 2,23). Besser ist es demgegenüber, die von Gott ermöglichte Freude zu geniessen (und sich dem «Tag des Unglücks» dann zu stellen, wenn er kommt; vgl. 7,14).

Schellenberg 2013 – Zürcher Bibelkommentare