יְהוָ֥ה׀ צִדְקֵֽנ׃

In seinen Tagen wird Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit wohnen; und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: Jehova, unsere Gerechtigkeit (H. Jehova-Tsidkenu.)
Elberfelder 1871 – Jer 23,6

Zu seiner Zeit wird Juda beglückt werden, und Israel sicher wohnen; und dies ist der Name, mit dem man ihn nennen wird: Jehova unser Heil.
de Wette Bibel – Jeremia 23,6

In Seinen Tagen wird Jehudah gerettet werden, und Israel wohnen in Sicherheit, und dies ist Sein Name, womit man Ihn nennen wird: Jehovah, unsere Gerechtigkeit. Jer 33,16; Jes 45,17.23-25.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Jeremia 23:6

Die Linie Davids, die über Jojachin lief, wurde „abgeschnitten“. Gott verhieß jedoch, daß er dem (Hause) David einen anderen König erwekken würde, d. h. ein anderes Mitglied aus der davidischen Linie, das er als gerechten Sproß bezeichnete. Die Erfüllung dieser Verheißung war Jesus Christus. Als König würde er wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit üben (im Gegensatz zu dem, was über Jojachin ausgesagt wird; Jer 22,25 ). Obwohl Christus sich schon bei seinem ersten Kommen als Messias für Israel angeboten hat, wird er erst bei seinem zweiten Kommen, kurz vor dem Tausendjährigen Reich, diese Weissagung erfüllen. Zu jener Zeit werden das Südreich ( Juda ) und das Nordreich ( Israel ) wieder von aller Unterdrückung befreit (vgl. Röm 11,26 ) und als Volk vereint sicher wohnen (vgl. Hes 37,15-28 ).
Der Name dieses kommenden Königs wird sein: der HERR unsere Gerechtigkeit ( Yahweh QiDqEnU ). Anders als Zedekia ( QiDqIyAhU ; „meine Gerechtigkeit ist Jahwe“) wird dieser kommende König seinem Namen als Israels gerechter Gott Ehre machen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Der Fortgang der Heilsgeschichte wird hier so beschrieben: Die »Vielen« sind Vorläufer des »Einen«. Darum führen die vielen Hirten von V. 4 zu dem einen Hirten von V. 5, dem gerechten Sproß Davids zurück. Im Ausdruck Sproß steckt zweierlei: 1. Der Sproß setzt einen abgeschlagenen Stamm voraus: der kommende Hirte kann also erst kommen, wenn das Gericht (= das Umhauen des Baumstammes) stattgefunden hat. 2. Der Sproß kann nur wachsen, wenn der Wurzelstock noch nicht abgestorben ist: Der Wurzelstock Davids lebt aber nicht mehr aus eigener Kraft, sondern nur um der Treue Gottes, also um seiner Zusagen an David willen. Dieser Nachkomme Davids wird Recht und Gerechtigkeit im Lande walten lassen. Er wird nicht mehr wie die in Kap. 22 beschriebenen Könige für sich selbst leben und nicht mehr darauf sehen, daß er vor den Menschen etwas gilt; er wird das alte Bundesrecht in Treue erfüllen und auf der Seite der Erniedrigten stehen. Nicht durch das Wohlverhalten der Bevölkerung, sondern durch das des neuen Davidssprosses wird Juda gerettet werden. Es gibt darum auch kein Ausgeliefertwerden an die Feinde um des Zornes Gottes willen. Wo dieser Eine Recht und Gerechtigkeit schafft, wird Israel in Sicherheit wohnen. Denn Ungerechtigkeit zieht immer Heillosigkeit und politische Ungesichertheit nach sich.
Man kann vermuten, daß im Namen des angekündigten gerechten Davidssprosses Jahwe ist unsere Gerechtigkeit eine indirekte Kritik am letzten König Judas, Zedekia, enthalten ist, dessen Name bedeutet: »Meine Gerechtigkeit ist Gott«. Der kommende Messias weist nicht mehr auf sich und seine Herrlichkeit, sondern ganz auf Gott; denn er hat keinen anderen Namen außer dem Namen Gottes. Das Heil, das dieser Davidssproß wirkt (V. 6), bewirkt Ruhe und Frieden. Das kann er aber nur, weil seine Verbundenheit mit Gott einzigartig ist. Darum heißt er Jahwe ist unsere Gerechtigkeit. Solch eine Verheißung übersteigt alle menschlichen Möglichkeiten. Kein israelitischer König konnte so sehr von seinem eigenen Wesen absehen, daß sein Name Gottes Name wurde.

Wuppertaler Studienbibel

DIESE Verse handeln in erster Linie von der Wiederkunft des Messias, aber es gibt auch einen Aspekt, der sich auf seine erste Wiederkunft bezieht. Vers 5 erzählt von einem Mann, der ein Sohn Davids sein wird, der als König herrschen und regieren wird. Das Königtum des Messias steht noch aus, aber dieser Vers spricht deutlich von dem Messias als einem Nachkommen Davids und betont damit seine Menschlichkeit. In Vers 6 wird diesem Mann jedoch ein Name gegeben, der allein auf Gott zutrifft: „Jehovah, unsere Gerechtigkeit“. Moderne Übersetzungen geben dies im Allgemeinen als HERR wieder. Damit sollen die vier Buchstaben YHVH wiedergegeben werden, die als Jehova oder Jahwe gelesen werden. (Auf Hebräisch: יהוה. In der gesamten hebräischen Schrift wird der göttliche Name JHWH nur Gott allein gegeben, doch hier wird dem Mann aus Vers 5 in Vers 6 eindeutig der Name Gottes gegeben. Dies zeigt uns wieder das klare Konzept des Messias als Gott-Mensch.

Eines der Argumente, die das rabbinische Judentum vorbringt, um diese Lehre zu widerlegen, ist der Hinweis darauf, dass es in der ganzen Heiligen Schrift Beispiele für Namen gibt, die den Namen Gottes enthalten. Zum Beispiel bedeutet der Name Jeremia „Jehova wird aufrichten“ oder „Jehova wird schleudern“. Oder der Name Jesaja bedeutet: „Jehova ist die Rettung“, und es gibt noch viele andere Namen, die „Jehova“ in sich tragen. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass in keinem dieser Fälle alle vier Buchstaben JHVH vorkommen. Gewöhnlich werden nur zwei Buchstaben verwendet, manchmal drei, aber nirgends werden alle vier Buchstaben des Namens Gottes jemals in Bezug auf einen Menschen verwendet. Trotzdem ist in Jeremia 23,5 eindeutig von einem Menschen die Rede – einem menschlichen Nachkommen von König David – und in 23,6 wird ihm ein Name gegeben, der allein der Name Gottes ist.

Das ist etwas, was von den alten Rabbinern eigentlich nicht bestritten wurde, die dies immer als eine messianische Passage interpretierten. Erst in jüngster Zeit haben Rabbiner versucht, anders zu argumentieren. Vier Zitate aus rabbinischen Schriften können angeführt werden, um dies zu zeigen.

Im Midrasch zu Sprüche 19,21 (ca. 200-500 N. CHR.) heißt es:
Rabbi Hunah sagte: „Acht Namen werden dem Messias gegeben, welche sind: Yinnon, Shiloh, David, Menachem, Jehova, Justi de Nostra, Tzemmach, Elias.“
Der fünfte aufgeführte Name ist Jehova, der Name Gottes, und dieser basiert auf den Worten von Jeremia 23:6. Der siebte Name ist Tzemmach, oder „Zweig“, und dieser basiert auf Jeremia 23:5.
Im Midrasch zu Klagelieder 1:16 heißt es:
Was ist der Name des Messias? Rav Ava ben Kahanna sagte: „Jehova ist sein Name, und das wird bewiesen durch: ‚Dies ist sein Name … [zitiert Jeremia 23:6].‘ ”
Im Talmud (Babba Bathra Traktat 75b) heißt es:
Shmuel ben Nachman sagte im Namen von Rabbi Yohanan, „die folgenden drei werden mit dem Namen des Heiligen, gesegnet sei er, benannt werden – der Gerechte, wie es heißt: „… [zitiert Jesaja 43:7]“, der Messias, wie es geschrieben steht: „und dies ist sein Name, wodurch er Der HERR, unsere Gerechtigkeit, genannt werden wird [zitiert Jeremia 23:6]“ …“
Im Midrasch zu Psalm 21,1 heißt es:
Gott nennt den König Messias bei seinem eigenen Namen, aber wie lautet sein Name? Die Antwort lautet: „Jehova ist ein Mann des Krieges“, und über Messias lesen wir: „Jehova, unsere Gerechtigkeit, das ist sein Name.“
Und so kann man sehen, dass in alten rabbinischen Schriften und sogar im Talmud selbst Jeremia 23:6 auf den Messias angewendet wird; der Messias wird mit dem Namen Jehova bezeichnet.

lehrt das:

Arnold G. Fruchtenbaum, – Messianische Christologie – Ein Studium der alttestamentlichen Prophetie bezüglich des ersten Kommens des Messias
Messias würde ein Gott-Mensch sein.
Messias würde Jehova selbst sein; Jehova würde ein Mensch werden.
Messias würde ein Nachkomme Davids und somit ein König sein. Jeremia bekräftigt hier erneut den davidischen Bund (besprochen unter 1. Chronik 17:10b-14).

der Gott des uns seinen Frieden schenkt

Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde (O. und euer Geist und Seele und Leib werde gänzlich) tadellos bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
Elberfelder 1871 – 1 Thess 5,23

Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch zur ganzen Zielerreichung, und als gesamtes Los werde bewahrt euer Geist, eure Seele und euer Leib in untadeliger Weise für die Parusie unseres Kyrios Jesus, Des Gesalbten.
Pfleiderer Übersetzung – 1.Thessalonicher 5,23

Ich wünsche mir, dass der Gott, der für Frieden sorgt, euch ganz zu sich zieht. Er soll dafür sorgen, dass ihr ihm immer ähnlicher werdet, eben heilig. Er soll auf euch aufpassen, auf euer Innerstes, euren Geist und auch auf euren Körper. Ich möchte, dass ihr so in einem perfekten Zustand seid, wenn Jesus Christus, der das Sagen über alles hat, endlich wiederkommt.
VolxBibel – 1.Thessalonicher 5:23

ὁ θεὸς τῆς εἰρήνης der Gott des Friedens, d. h. Gott als der Urheber des Friedens. ἁγιάσαι Aor. Opt. 3. Sg. ἁγιάζω91 heiligen; kupitiver Opt. (A259) er möge heiligen. ὁλο-τελής7 ganz, vollständig; hier Adj. adv. gebraucht (A113) od. Objektsartangabe (A65, euch als ganze Person) ganz und gar. ὁλόκληρος11 unversehrt, ohne Schaden; Objektsartangabe (also: unversehrt = in unversehrtem Zustand, A65); gehört zu allen drei flgd. Subj. (H-S § 264b). ἀ-μέμπτως (< μέμφομαι tadeln) untadelig; hier (wenn nicht mod.) wohl Adv. statt Adj. (im Akk. als Objektsartangabe; BDR § 4346): unversehrt frei von jedem Tadel bewahrt werden; viell.: unversehrt bewahrt werden, damit/so dass ihr frei von jedem Tadel seid. παρ-ουσία Wiederkunft (s. 2,19). τηρηθείη Aor. Opt. Pass. 3. Sg. τηρέω, kupitiver Opt. (A259) er möge (hier sie mögen, A94) bewahrt werden.

von Siebenthal – Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Der vorangehende Abschnitt, wie auch der Brief insgesamt, wird in V. 23ff. von einem Gebetswunsch abgeschlossen; sowohl formal als auch inhaltlich war bereits in 1Thess 3,11-13 ein ganz ähnlicher Teil begegnet. Die Bitte richtet sich an ihn »selbst, den Gott des Friedens«. Dieser Gott selbst nimmt sich seiner Gemeinde an, auch der Christen in Thessalonich. Gott des Friedens (ebenfalls am Ende eines Abschnitts in Röm 15,33; 16,20; 2Kor 13,11; Phil 4,9; vgl. auch 2Thess 3,16; Eph 6,23; 1Kor 14,33; Heb 13,20) ist er deshalb, weil er den Schalom, das umfassende Heil schafft und schenkt. Friede ist hier synonym zu Erlösung zu verstehen (vgl. auch 1Thess 1,1; Röm 2,10; 8,6; 14,17; Eph 6,15).

In Jesus Christus sind die Glaubenden geheiligt (1Kor 1,2; 6,11; Eph 5,25); der Heilige Geist wirkt in derselben Weise an ihnen (Röm 15,16). Damit können sie als die Heiligen angesprochen werden (Röm 1,7; 1Kor 1,1; 2Kor 1,2; Eph 1,1; Phil 1,1; Kol 1,2). Gleichzeitig bedürfen sie zeitlebens der Heiligung (vgl. 1Thess 3,13; 4,3.7), um die Gott hier gebeten wird: Er »heilige euch ganz und gar«. Das neue Gottesverhältnis soll durch das Wirken des Heiligen Geistes den Glaubenden umfassend und vollständig prägen. Dies ist ein Vorgang, der auf die »Ankunft unseres Herrn Jesus Christus« ausgerichtet ist (vgl. Phil 1,6.9ff.; 1Kor 1,8).

»Geist, Seele und Leib« werden in dieser Dreigliederung im NT nur hier in dieser Weise zusammengestellt. Daraus kann jedoch nicht entnommen werden, dass Paulus eine Aufspaltung des Glaubenden in drei klar voneinander getrennte Bereiche im Sinne der griechischen Lehre vom Menschen vornimmt. Vielmehr ist angesichts verschiedener Erklärungsversuche der Lösung der Vorzug zu geben, die das heiligende Wirken Gottes auf alle Aspekte der menschlichen Existenz ausgerichtet findet: Der Bereich der Gottesbeziehung (Geist), der Bereich der menschlichen Persönlichkeit (Seele) und auch der Bereich der menschlichen Interaktion und Kommunion (Leib) sind ausdrücklich eingeschlossen. An anderer Stelle betont Paulus, dass Erlösung und Heiligung insbesondere auch den Leib umfassen (vgl. Röm 6,19; 1Kor 6,19ff.). Der Glaubende soll in allen Bezügen »vollkommen bewahrt werden«, ganz unverletzt, unversehrt, untadelig. Dies führt nicht nachträglich eine eigenmächtige menschliche Heiligungsbemühung ein, sondern gibt das Ziel an, zu dem Gottes Heiligungswirken gelangen wird. Dass dabei der Glaubende in umfassender Weise mit all seinen Kräften einbezogen ist, wurde bereits zu 1Thess 4,3 ausgeführt.

Allein dieses Wirken Gottes verbürgt, dass der Christ am Tag Jesu Christi »unsträflich« dastehen wird (vgl. 1Thess 3,13).

Edition C

»Bewahrt« ( têreô ) kommt häufig im NT vor und wird meist mit »bewahren, erhalten« übersetzt, z.B. Joh 17,12; Jud 1,21; Offb 3,10. Die ewige Sicherheit des Gläubigen wurde durch Christus selbst garantiert (Joh 10,28.29), durch die Verheißung und den Eid Gottes (Hebräer 6,17-20) und durch das Siegel des Heiligen Geistes (Eph 1,13.14). Aber in seinem täglichen Leben braucht er göttliche Kraft, um die Angriffe des Bösen zu überwinden. Der Angriff könnte im Bereich des Geistes erfolgen, auf seine Anbetung und sein Gebetsleben; oder im Bereich seiner Seele, auf seine Wünsche und Emotionen; oder in irgendeiner Form von Mißbrauch des Leibes. Das waren die drei Elemente des Menschen, die Satan schon zu Beginn in Eden angriff (1.Mo 3,6), und seine Methoden sind heute immer noch die gleichen.
»Tadellos« ( amemptôs, ohne legitimen Anklagegrund, vgl. 2,10) ist nicht sündlos; Sündlosigkeit ist nicht möglich, solange man noch im sterblichen Leib ist (Röm 7,18-25). Aber durch die Kraft des innewohnenden Geistes und Gottes schützende und bewahrende Fürsorge ist es möglich, ein Leben zu führen, auf das die Welt nicht mit anklagenden Finger zeigen kann. Dafür betet Paulus.

Was die Bibel lehrt

Zum Abschluss mit 1 Thess. 5,23f. fasst Paulus hier seinen Brief an die Thessalonicher zusammen. Die Grundthemen Heiligkeit und Berufung sind zusammengefasst und werden den Adressaten gegenüber zum Ausdruck gebracht. Damit wird deutlich, dass das Ethos des Ersten Thessalonicherbriefes nicht ausschließlich eschatologisch auf das Kommen des Richters der Menschheit als des auferstandenen Herrn ausgerichtet ist. Vielmehr ist sein Ethos die Heiligkeit als leibhaftige Manifestation der Berufung bzw. der Erwählung durch Gott – mit dem Gericht Gottes am Horizont, dem jeder verantwortlich sein wird, in der Hoffnung, dass die Christen nicht dazu berufen sind, Zorn zu erleiden, sondern das Heil durch ihren Herrn Jesus Christus zu empfangen. Interessant ist, dass 5,23f. den ganzen Menschen umfasst, Geist, Seele und Leib. So werden wir an die Grundanweisung der Tora erinnert, dass das Volk Gottes Gott lieben und in seinen Wegen wandeln soll mit ganzem Herzen und ganzer Seele.

Torah-Ethik im Ersten Thessalonicherbrief

Die Dreiteilung der menschlichen Natur in diesem Vers ist oft kommentiert worden, nicht zuletzt deshalb, weil sie nirgendwo sonst im NT und auch nirgendwo sonst in der älteren griechischen Literatur in dieser präzisen Form vorkommt. Heb 4,12 unterscheidet zwischen psychē und pneuma (vgl. Phil 1,27; 1 Kor 15,45). Die Dreiteilung hier wurde von einigen frühen Kirchenvätern aufgegriffen (vgl. Irenäus, Adversus Haereses 5.6). Lightfoot kommt zu dem Schluss, dass Paulus hier mit „Geist“ die höheren inneren Fähigkeiten (gleichbedeutend mit „Verstand“) und mit „Seele“ die niederen inneren Fähigkeiten (d. h. die Impulse und Affekte, „das Zentrum der … Persönlichkeit“) meint. In ähnlicher Weise schlägt Marshall vor, dass „Seele“ die menschliche Persönlichkeit meint und von „Geist“ zu unterscheiden ist, der der nicht-physische Teil der Persönlichkeit ist.
Das Problem bei solchen Schlussfolgerungen ist, dass Paulus an anderer Stelle psychē für das natürliche Selbst, ja für die Lebenskraft verwendet. Es ist fast ein Synonym für unser Wort „Sein“. So ist in 1. Korinther 2,14 die Person psychikos nicht die „seelische“ Person, sondern die natürliche Person im Gegensatz zur geistlichen Person (pneumatikos). In 1. Korinther 15,44-46 wird dieselbe Terminologie verwendet, um den natürlichen Körper dem geistigen Körper gegenüberzustellen, und es wird hinzugefügt, dass Adam ein lebendiges Wesen wurde, psychēn zōsan (nach Gen 2,7 LXX). Mit anderen Worten, psychē bedeutet nicht „Seele“ im Sinne des uns bekannten Wortes. Es bezieht sich vielmehr auf etwas Natürliches und Physisches oder Materielles wie das natürliche belebende Prinzip – den Lebensatem. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Paulus es hier für etwas Nicht-Materielles verwendet. Das ist es, worauf sich pneuma bezieht – der nicht-materielle Teil des Menschen, den man beim Tod aufgibt oder an Gott zurückgibt. In jedem Fall beziehen sich diese Begriffe zusammen auf die ganze Person und auf die Tatsache, dass Gott die ganze Person vor und bei der Parusie heiligen, umwandeln und bewahren muss, denn Paulus stellt sich Personen in Auferstehungsleibern vor, die daher tatsächlich vollkommene und untadelige lebendige Opfer sein werden, die dem Herrn Jesus dargebracht werden.
Bei einer heidnischen Opferung hing alles von der absolut perfekten Durchführung des Rituals ab. Wenn das Messer abrutschte, wenn die richtigen Worte nicht zur richtigen Zeit und auf die richtige Weise ausgesprochen wurden oder wenn das Tier nicht kooperativ war, musste man von vorne anfangen. Aber hier (V. 24) wird der überwiegend heidnischen Zuhörerschaft versichert, dass Gott am Werk ist, dass die Heiligung etwas ist, das er in und für die Gläubigen tut und tun wird, genauso wie er sie zur rechten Zeit von den Toten auferwecken wird, und dass Gott treu ist (vgl. 1 Kor 10,13 für die Verbindung von Gottes Berufung und Treue). Gottes Wille ist die Heiligung der Gläubigen (1 Thess 4,1), und Gott ist damit beschäftigt, seinen Willen in den Gläubigen zu erfüllen. Ähnliche Gedanken finden sich in Phil. 1:6, 10-11.
Das Partizip „berufen“ wird im Präsens verwendet, wahrscheinlich um anzudeuten, dass Gott die Gläubigen weiterhin zur Heiligung und zur endgültigen Errettung beruft (vgl. 1 Kor 1,8-9). Die Vollendung des Heiligungsprozesses und die volle Übereinstimmung mit dem Bild Jesu kommt nur durch das göttliche Handeln Gottes zustande, wenn er die Toten auferweckt und denjenigen, den er geheiligt und auferweckt hat, tatsächlich in seinem Körper und in jeder anderen Dimension der menschlichen Persönlichkeit bewahrt und vervollkommnet. Es liegt nicht an menschlicher Leistung, sondern an Gottes gnädigem Handeln. Das Gebet, dass die Bekehrten bei der Parusie ohne Fehler bewahrt werden, deutet darauf hin, dass sie vervollkommnet werden müssen, bevor sie vor Jesus erscheinen, vervollkommnet am Leib durch die Auferstehung und vervollkommnet im Geist entweder bei der Auferstehung oder vorher. So hat Paulus seine Zuhörer in dieser kurzen Ansprache an die wichtigste Ressource erinnert, die sie haben, um ihre Prüfungen durchzustehen – Gott und sein heilbringendes Handeln in ihrer Mitte. Wir können hier an das berühmte Gebet von Augustinus denken: „Gib mir die Gnade, zu tun, was du befiehlst, und befiehl mir, zu tun, was du willst“ (Bekenntnisse 10,29).

Witherington – 1 und 2 Thessalonicher: ein sozio-rhetorischer Kommentar

Gegenwert für unser Leben?

Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber seine Seele einbüßte? Oder was wird ein Mensch als Lösegeld geben für seine Seele?
Elberfelder Bibel 1905 – Mt 16,26

Was habt ihr davon, wenn ihr alles bekommt, was ihr wollt, euch dabei aber das Leben zwischen den Fingern zerrinnt? Wenn eure Seele krank wird, was könnt ihr für sie eintauschen? Behaltet also immer das wirklich Wertvolle im Auge.
Fred Ritzhaupt – Willkommen daheim – Matthäus 16,26

Welchen Nutzen hat ein Mensch davon, wenn er die gesamte Welt sein Eigen nennen kann, aber dafür sich selbst verliert? Und was könnte ein Mensch als Gegenwert für sein Leben einsetzen?
Roland Werner – Das Buch – Matthäus 16:26

Denn was wird es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnt, sein (künftiges) Leben aber einbüsst? oder was kann ein Mensch als Gegenwert (zur Wiedererlangung) seines Lebens geben? (a) Mt 4:8; Php 3:8
Zürcher 1931 – Matth. 16:26

Wenn ein einzelner, indem er sein Leben erhält, die ganze Welt gewinnen könnte, doch dabei Schaden an seiner Seele nähme, was würde ihm dann der Besitz der Welt noch nützen? Wahre Jüngerschaft beinhaltet die Nachfolge Jesu und die Unterwerfung unter seinen Willen, wo auch immer der Weg hinführen mag.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Für den Ausdruck »Leben« steht hier viermal das Wort »psyche«. Psyche kann man auch mit »Seele« übersetzen. Irdisches Leben und Seele ist nach der biblischen Psychologie dasselbe. Die Seele des Menschen ist nicht ein Teil, sondern das gesamte Sein des Menschen, also die Summe seines Denkens, Fühlens und Wollens. Das ist die Seele. Man kann auch sagen: Seele oder Leben ist das gesamte bewußte Ichleben oder Selbstleben des Menschen. Wer dieses sein Selbstleben um Jesu willen täglich in den Tod gibt, der wird das wahre, echte Leben finden.
Das Leben (die Seele) ist das Unbezahlbare. Denn das Leben wird nur einmal gelebt und kann, wenn es nutzlos vertan ist, nie wieder zurückgekauft werden.
Mit schonungsloser Schärfe legt Jesus uns die Verantwortung und die Entscheidung über unser zeitliches und ewiges Heil ganz und gar in unsere Hand und auf das Gewissen. Theologisch ausgedrückt: Das Subjektive wird hier ganz eindeutig gesagt. Der Mensch wird von Gott ganz ernst genommen. Und auch der Mensch hat Gottes Forderungen ganz ernst zu nehmen.

Wuppertaler Studienbibel

Retten und verlieren, verlieren und finden, sind Grundsätze, die den Erwartungen der Welt widersprechen. »Leben« bedeutet hier nicht notwendigerweise das physische Leben; es bedeutet viel mehr das, wofür der Jünger in dieser Welt zu leben hat. Ein Leben der Eigeninteressen ist ein Leben, das in Gottes Augen vergeudet ist; ein Leben, das sich im Verfolgen ewiger Interessen verausgabt, ist ein Leben, das Gott gefällt und das Gott verwendet. Jeder Jünger kann sich selbst anhand der Frage prüfen, was er mit seiner Freizeit anstellt. Diese Grundsätze stimmen mit dem überein, was der Herr in Matthäus 13,12 lehrte: »Wer da hat (da er sein Leben verloren und es daher gefunden hat), dem wir gegeben werden…wer nicht hat (da er sein Leben erhalten und daher verloren hat), von dem wird auch genommen werden, was er hat.« Der Herr machte in anderem Zusammenhang ähnliche Aussagen:
  1. in Matthäus 10,39, wo das Thema Dienst ist;
  2. in Lk 17,33, wo Er vom Tag spricht, an dem Er in Herrlichkeit und Gericht kommen wird. Die Menschen werden versuchen, ihr Leben zu erhalten, aber Gott wird den Tod über sie verhängen. Andere aber, die ihr Leben in der großen Drangsal verlieren, werden erfahren, daß sie überströmendes Leben in der herrlichen Regierung des Menschensohnes finden.
  Das Wort für »Leben« in V.25 ist das gleiche griechische Wort psychê wie das für »Seele« in V.26. Manch ein König der alttestamentlichen Nationen hat »die ganze Welt« gewinnen wollen; so etwa Nebukadnezar, oder auch Alexander der Große, der »über die ganze Erde« herrschte (Dan 2,39; 7,6). Nachfolgende Herrscher bis in unser Jahrhundert hinein haben immer wieder diesen Ehrgeiz gehabt. In der Endzeit wird dem Tier Macht gegeben werden »über jeden Stamm und Volk und Sprachund Nation« (Offb 13,7). Alle diese Herrscher haben ihren Besitz verloren und werden ihn noch verlieren, damit der Sohn Gottes »zum Besitztum« habe »die Enden der Erde« (Ps 2,8). Gewiß können nur die wenigsten zu solcher Macht gelangen, aber der Ehrgeiz eines jeden Mensch ist ichbezogen, er will, was er kann, ans sich ziehen; aber er muß alles verlieren. Der reiche Mann von Lk 16,19 gewann sein Leben, verlor es aber dann im Hades. Der reiche Kornbauer gewann immer mehr an Besitz, aber er verlor seine Seele in einer einzigen Nacht (Lk 12,16-21). Der reiche Jünglich von Matthäus 19,16-22 »hatte viele Güter«, aber er verlor, so weit wir es absehen können, seine Seele als er betrübt wegging. Auch der Gläubige darf nicht über sein Leben verfügen wie ihm beliebt, denn »ihr seid nicht euer selbst; denn ihr seid um einen Preis erkauft worden« (1Kor 6,19-20). Hat aber der Mensch seine Seele verloren, was wird er um sie geben können? Wie kann er sie wieder gewinnen? Er würde jedes Lösegeld bezahlen, aber selbst, wenn er die ganze Welt besäße, genügte es nicht. Wie wir in Ps 49,6-8 lesen, können keine Reichtümer die Seele eines Menschen erlösen, denn die Erlösung ist zu kostbar.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

in naher Zukunft…

An jenem Tage wird ein Quell geöffnet sein dem Hause Davids und den Bewohnern von Jerusalem für Sünde und für Unreinigkeit.
Elberfelder Bibel 1905 – Sach 13,1

An dem Tage wird im Hause David und den Bewohnern Jerusalems ein Quell aufgetan werden, um die Sünde und Unreinheit abzuwischen.
Bruns 2013 – Sacharja 13,1

In der Zeit wird es für die Familie, die von David abstammt, und für die Bewohner von Jerusalem eine besondere Quelle geben. Aus dieser Quelle kommt ein Wasser, das von dem ganzen Mist sauber macht, den man im Leben so baut. Es reinigt einen von dem ganzen Dreck.
VolxBibel – Sacharja 13:1

Die Wendung „zu der Zeit“ bezieht sich wiederum auf den Tag des Herrn (vgl. Sach 14,1 ). Sie steht 16mal in diesen drei Schlußkapiteln des Buches Sacharja ( Sach 12,3-4.6.8-9.11; 13,1-2.4; 14,4.6.8-9.13.20-21 ). Am Tag der Kreuzigung Christi tat sich die Quelle als eine verborgene Möglichkeit für Israel und die ganze Welt auf. Bei der Wiederkunft Christi aber wird sie dem jüdischen Volk dann zur gewissen Erfahrung werden. Diese religiöse Reinigung des Volkes ist in anderen Schriftstellen jeweils mit Israels spiritueller Wiederbelebung und dem Beginn des neuen Bundes gekoppelt (z. B. Jer 31,31-37; Hes 36,25-32; Röm 11,26-27 ). Das „Haus David“ (die politische Führung) und „die Bürger Jerusalems“ stellen zusammen das ganze Volk dar (vgl. Sach 12,10 ), das der Reinigung bedarf.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Der erste Vers von Kapitel 13 steht in enger Verbindung mit dem vorigen Kapitel. Nachdem die Menschen von Juda und Israel zur Buße über ihre Verwerfung des Messias gebracht worden sind, folgt ein großer nationaler Versöhnungstag. Die Quelle der Reinigung wurde auf Golgatha eröffnet, aber Israel als Nation wird diesen Segen nicht vor dem Zweiten Kommen Christi genießen.

MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

Wichtige Geschehnisse – Gottes Hilfe für sein bedrängtes Volk (12,9), die Ausgießung des Heiligen Geistes (12,10a) und die Bekehrung Israels (12,10–14) – werden »jenen Tag« der Endzeit bestimmen, von dem der Prophet immer wieder spricht. Wenn auch deutlich ist, daß die einzelnen Ereignisse, die der Prophet in Kap. 12–14 schildert, weitgehend ineinandergreifen werden, so hebt sich doch in den Prophetensprüchen klar ein zeitliches Nacheinander ab: Erst wird Gott Israel sammeln und ins Land der Väter zurückführen. Es wird eine nationale Wiedergeburt Israels geben. Dann wird sich Israel unter der Einwirkung des Heiligen Geistes zum Gekreuzigten bekehren, es wird zur geistlichen Wiedergeburt kommen (vgl. Hes 37,1–14). [1] An jenem Tage wird Gottes Volk wieder uneingeschränkten Zugang zu Gottes Gnade und seiner lebensemeuemden Kraft haben. Alle Schuld wird vergeben sein. Schon nach der vierten Vision, in der Sacharja an der himmlischen Gerichtsverhandlung teilgenommen hatte, als der Hohepriester Josua von aller Sünde gereinigt und zu neuem Dienst berufen wurde, hatte Gott verheißen: »Ich will die Sünde des Landes wegnehmen an einem einzigen Tag« (Sach 3,9). Jetzt sagt er: Es wird eine Quelle geben, die für das Haus Davids und die Bewohner Jerusalems offen ist gegen Sünde und Unreinheit. Nicht nur einmal grundlegend, nein, immerwährend wird Vergebung und Reinigung, Lebenserneuerung aus der Kraft Gottes möglich sein. Im Gesetz gab es die Vorschrift, daß für die kultische Reinheit »Wasser zur Entsündigung« (4Mo 8,7) nötig sei, und man brauchte Quellwasser, »fließendes Wasser« für das »Reinigungswasser« (4Mo 19,9.17). Beim Propheten Hesekiel geht es um mehr als nur die kultische Reinigung, wenn Gott zusagt: »Ich will reines Wasser über euch sprengen, daß ihr rein werdet« (Hes 36,25); Vergebung und Reinigung, innere Loslösung von der Sünde, wird zur Voraussetzung, um Gottes Geist zu empfangen (vgl. Ps 51,9). Auch der Prophet Jesaja ahnt schon etwas von der neuschaffenden und frohmachenden Kraft Gottes, wenn er weissagt: »Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen« (Jes 12,3). Es wird eine Quelle geben. Das ist ein Bild; aber die Wirklichkeit ist größer als das Bild. Gott selbst ist die Quelle lebendigen Wassers (Jer 2,13; 17,13), er ist die Quelle des Lebens (Ps 36,10). Und er schenkt viel mehr als nur eine vergängliche, kultische Reinheit, wie sie vom Gesetz gefordert war. Das NT wirft auch auf dieses Wort sein helles Licht. Die Quelle gegen Sünde und Unreinheit ist für alle Menschen durch den Kreuzestod Jesu erschlossen: »Das Blut Jesu macht uns rein von aller Sünde« (1Jo 1,7), und seine reinigende und erneuernde Kraft wird von allen erfahren, die sich zum Volk Gottes rufen lassen (1Jo 1,8f; Hebr 9,12–14).

Wuppertaler Studienbibel

An jenem Tag wird dem Haus David und den Einwohnern Jerusalems ein Brunnen geöffnet werden für Sünde und Unreinheit.

Wieder ist das Timing: An jenem Tag, der auch Teil des Feldzugs von Harmagedon ist, wird ein Brunnen geöffnet werden. Im Alten Testament war der Springbrunnen ein Symbol der Reinigung. Der Brunnen in der Stiftshütte und der Brunnen im Tempelbezirk waren das Mittel zur Reinigung von zeremonieller Unreinheit. Hier symbolisiert das Wort Brunnen die Ausgießung des Heiligen Geistes durch Jeschua und ihren Glauben an Ihn (Johannes 7:37-39). Dieser Brunnen wird dem Haus Davids und den Bewohnern Jerusalems geöffnet werden. Als Folge der Ausgießung des Heiligen Geistes in Kapitel 12:10 wird das Volk gerettet und schaut auf den Messias. Der Zweck für die Öffnung dieses Brunnens wird sein, zwei Arten von geistlichen Problemen zu beseitigen: Sünde und Unreinheit. Das Wort Sünde bezieht sich auf die gerichtliche Schuld, die aus der Verletzung des Gesetzes resultiert, sei es das mosaische Gesetz oder das Gesetz des Messias, und dies erfordert Rechtfertigung. Als Ergebnis dieser Quelle des Heiligen Geistes wird Israel gerechtfertigt, die gerichtliche Schuld wird beseitigt, und sie werden für gerecht erklärt werden. Das Wort Unreinheit hat mit moralischer Schuld zu tun, die Heiligung erfordert. Als Ergebnis der Ausgießung des Heiligen Geistes und der nationalen Rettung Israels, wenn sie auf den Messias schauen, wird Israel als Nation geheiligt werden.

Arnold Fruchtenbaum – Die kleine Apokalypse des Sacharja

Bei der Befreiung Israels von seinen Feinden geht es unserem Herrn letztlich um mehr als die Bewahrung des Landes, denn seine geistliche Wiederherstellung liegt ihm am Herzen. Er will sich ihnen offenbaren und eine Beziehung zu ihnen aufbauen, die in früheren Jahrhunderten wegen ihres Unglaubens unmöglich war.
Das Volk wird Buße tun (12:10-14). Umkehr ist nichts, was wir uns selbst erarbeiten; sie ist ein Geschenk Gottes, wenn wir sein Wort hören und seine Gnade erkennen (Apg 5,31; 11,18; 2 Tim 2,25). Gott wird den Geist3 über Israel ausgießen (Joel 2:28-29), und das Volk wird seine Sünden erkennen und Gott um Vergebung anrufen. Sie werden auch ihren Messias sehen, den das Volk durchbohrt hat (Ps 22,16; Jes 53,5; Joh 19,34.37), und sie werden ihm ihr Vertrauen schenken. Vergebung kommt für jeden gläubigen Sünder nur durch den Glauben an das Opfer Christi am Kreuz.
Das Volk wird trauern, so wie Eltern über den Verlust ihres einzigen Sohnes trauern, so wie das Volk in der Nähe von Megiddo trauerte, als ihr geliebter König Josia in der Schlacht getötet wurde (2. Chron. 35:20-27). Sacharja erwähnt, dass alle Familien (Sippen) Israels trauern werden, die Männer und die Frauen getrennt, und dazu gehören auch die Könige (Davids Sippe), die Propheten (Nathans Sippe; siehe 2 Sam. 7) und die Priester (Levis und Schimis Sippen; Num. 3:17-18, 21). „Alle Familien, die übrig geblieben sind“, umfasst den Rest des Volkes. Es wird eine Zeit tiefer und aufrichtiger nationaler Reue sein, wie es sie noch nie gegeben hat.
Das Volk wird gereinigt werden (Sach. 13:1-7). Jesaja hatte das Volk ermahnt: „Wascht euch, reinigt euch, legt das Böse eurer Taten ab vor meinen Augen“ (Jes 1,16, NKJV), aber sie weigerten sich, darauf zu hören. Jeremia hatte sein Volk angefleht: „O Jerusalem, wasche dein Herz von deiner Bosheit, damit du gerettet wirst“ (Jer. 4:14, NKJV), aber sie wollten nicht gehorchen. Jetzt aber, als Antwort auf Israels Reue und Glauben, wird der Herr sie reinwaschen! Diese Vergebung ist Teil des neuen Bundes, den Gott seinem Volk versprochen hat (Jer. 31:31-34): „Denn ich will ihnen ihre Bosheit vergeben und ihrer Sünden nicht mehr gedenken“ (V. 34).
William Cowper stützte sich in seinem Lied „There Is a Fountain Filled with Blood“ auf Sacharja 13,1, denn es ist das Opfer Christi, das die Sünde sühnt. Die Juden konnten ihre äußere zeremonielle Unreinheit durch das Waschen mit Wasser reinigen, aber die innere Reinigung des sündigen Herzens von Männern und Frauen kann nur durch das Blut des Erlösers erfolgen (Lev. 16:30; 17:11). „Und er selbst ist die Versöhnung für unsere Sünden, und nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt“ (1. Johannes 2:2, NKJV).
Aber nicht nur ihre Herzen werden gereinigt werden, sondern auch das Land selbst wird von allem, was trügerisch und verunreinigend ist, gereinigt werden. Die Götzen und die falschen Propheten4 – zwei von Israels quälenden Sünden – werden beseitigt werden, ebenso wie der „unreine Geist“, der die Menschen dazu brachte, sich von Gott abzuwenden. (Siehe Sach. 5:5-11.)
Nach dem Gesetz mussten falsche Propheten getötet werden (5. Mose 13); daher werden die falschen Propheten an jenem Tag über ihren Beruf lügen, um ihr Leben zu retten (13:2-6). Sie werden ihre besonderen Gewänder nicht tragen (V. 4; 2. Könige 1,8; Matthäus 3,4) und behaupten, sie seien Bauern und keine Propheten. Wenn man sie nach den Narben an ihren Körpern fragt, die von Wunden stammen, die sie sich bei der Anbetung von Götzen zugefügt haben (1. Könige 18,28), werden sie lügen und behaupten, dass ihre Freunde (oder ihre Familie) ihnen die Wunden zugefügt haben, um sie zu züchtigen.5
Im Gegensatz zu den falschen Propheten wird der wahre Hirte in Sacharja 13,7 vorgestellt. (Jesus zitierte einen Teil dieser Prophezeiung, als er mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Gethsemane war (Mt 26,31), und er bezog sich erneut auf sie, als er im Garten verhaftet wurde (V. 56). Nur Jesus, den Messias, konnte der Vater „den Menschen, der mein Gefährte ist“, nennen, d. h. „den Menschen, der mir gleich ist“. (Siehe Johannes 10:30 und 14:9.)
Aber dieser Text hat auch eine umfassendere Bedeutung, denn er bezieht sich auf die Zerstreuung der Nation im Jahr 70 n. Chr., als Jerusalem von den Römern eingenommen wurde. Die Juden hatten ihren Hirten am Kreuz geschlagen (Jes 53,10), und dieser Akt der Verwerfung führte dazu, dass das Volk zerstreut wurde (Dtn 28,64; 29,24-25). Israel ist heute ein zerstreutes Volk, aber eines Tages wird es gesammelt werden; es ist ein verunreinigtes Volk, aber eines Tages wird es gereinigt werden.
Das Volk wird geläutert werden (Sach. 13:8-9). Dieses Bild erinnert uns an den Wert, den Gott seinem Volk Israel beimisst: Es ist wie Gold und Silber, das im Schmelzofen der Bedrängnis geläutert werden muss. Diese Erfahrung hatten sie in Ägypten (Dtn 4,20) und in Babylon (Jes 48,10) gemacht, aber „die Zeit der Not Jakobs“ wird ihre schwierigste „Ofenerfahrung“ sein.
Der Goldschmied läutert das Gold oder Silber, damit die Schlacke entfernt werden kann, und das ist es, was die Trübsal in der Endzeit für Israel bewirken wird. Ein Drittel des Volkes wird verschont bleiben, der wahre gläubige Überrest, während der Rest verworfen wird und zugrunde geht. Der gottesfürchtige Überrest, der den Herrn angerufen hat (Apostelgeschichte 2:21), wird gerettet werden und den Kern des verheißenen Reiches bilden, denn der Herr wird sie als sein eigenes Volk anerkennen (siehe Hosea 2:21-23).

„Be“ Commentary Series

„erzählt überall…“

Singet Jehova, ganze Erde! Verkündet von Tag zu Tag seine Rettung!
Erzählet unter den Nationen seine Herrlichkeit, unter allen Völkern seine Wundertaten! Denn groß ist Jehova und sehr zu loben, und furchtbar ist er über alle Götter.
Elberfelder Bibel 1905 – 1 Chr 16,23–25

Singe Jehova die ganze Erde, verkündet von Tag zu Tag seine Hülfe! Erzählet unter den Völkern seine Herrlichkeit, unter allen Nationen seine Wunder!
van Ess 1858 1.Chronik 16:23-24,

Alle Leute auf der ganzen Erde sollen für Gott singen, erzählt überall, dass er gut ist, hilft bei allen Dingen. Erzählt allen Menschen von seiner gigantischen Art, schreibt Bücher, klebt Plakate, erzählt allen, was er tat.
VolxBibel – 1 Chronika 16,23–24

Der bei dieser Gelegenheit niedergeschriebene Psalm hat zwei Hauptteile. Die Verse 8–22 richten sich an Israel, die Verse 23–34 an alle Nationen. Die Verse 35 und 36 schließen den Psalm ab. Es handelt sich um eine Zusammensetzung der Psalmen 105,1–15; 96,1–13; 106,1.47.48.
In den Versen 8–22 werden die Israeliten dazu angehalten, die Größe des HERRN zu besingen und sein Angesicht zu suchen. Sie sollten sich an seine Taten erinnern, zum einen an die Wunder, die er in der Vergangenheit getan hatte, und zum anderen an seinen Bund, die bedingungslosen Verheißungen, die er ihren Vätern gegeben hatte.

MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

Tut meinen Propheten nichts Böses! im AT wurden Propheten ursprünglich »Seher« genannt (1Sam 9,9). Sie sollten das, was Gott sie schauen ließ (wobei das »Sehen« auch ein innerliches sein konnte), im Auftrag Gottes als sein Wort an die Menschen ausrichten. Aaron war der Prophet Moses, weil er dessen Worte Pharao weitersagte (2Mo 7,1). Auch Mose übte den Dienst eines Propheten (5Mo 18,15), weil er Gottes Wort an das Volk Israel ausrichtete. Unter den Patriarchen hat Gott nur Abraham den Titel eines Propheten gegeben (1Mo 20,7). Hier aber wird das Beispiel Abrahams auch auf Isaak und Jakob übertragen. Allen dreien war gemeinsam, dass sie in einem fremden Land Boten des lebendigen Gottes waren und den Namen des HErrn unter den Heiden verkündigten. Das muss in jeder Generation aufs Neue geschehen: Verkündet von Tag zu Tag sein Heil! Gottes gnädige Führung und seine Treue, die er allen zuwendet, die nach ihm fragen und ihn suchen, muss als frohe Botschaft unter den Heiden, unter allen Völkern weitergesagt werden.
Das Danklied wird zu einem Lied der Anbetung, mit dem Gott um seiner Gottheit willen gepriesen wird. Gott allein in seiner Hoheit und Pracht gehört die Anbetung, nicht den heidnischen Gottheiten, denn alle Götter der Völker sind Götzen. Das hebr. Wort ʾelil bedeutet ursprünglich Nichtigkeit, dann auch nichtige Gottheit, Götze. Immer wieder wird diese Einschätzung im AT ausgesprochen: Die Götter der Heiden sind nichts! Der Gott Israels allein ist der Schöpfer aller Dinge; der HErr hat den Himmel gemacht. Darum gebühren dem HErrn Ehre und Macht und Anbetung: Betet den HErrn an! Hier schon klingt an, was später einmal als Ruf des apokalyptischen Engels erschallt: »Betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserquellen!« (Offb 14,7)

Wuppertaler Studienbibel

Und wofür können wir DANKsagen, Lobsingen und anderen erzählen? Können wir uns wirklich auf die Taten Jehovahs konzentrieren, oder sind unsere Gedanken nicht eher bei Krankheit und Sorgen? Was beschäftigt uns? Aber was ist unser eigentlicher Auftrag?

„Königreich des Himmels“

Nach der damaligen rabbinischen Auffassung waren die Begriffe „Königreich“, „Himmelreich “ und „Reich Gottes“ (im Targum zu Micha 4:7 Königreich Jehovas‘) gleichwertig. In der Tat wurde sehr oft das Wort „Himmel“ anstelle von „Gott“ verwendet, um das Ohr nicht übermäßig mit dem Heiligen Namen vertraut zu machen. Dies erklärt wahrscheinlich die ausschließliche Verwendung des Ausdrucks „Himmelreich“ im Matthäus-Evangelium. Und der Begriff implizierte einen Gegensatz zur Erde, wie der Ausdruck „Reich Gottes“ zu dieser Welt. Das Bewusstsein des Gegensatzes zur Erde oder zur Welt wurde in den rabbinischen Schriften deutlich zum Ausdruck gebracht.

Dieses „Königreich des Himmels“ oder „Gottes“ muss jedoch unterschieden werden von Begriffen wie „das Königreich des Messias“ (Malkhutha dimeshichab), „das zukünftige Zeitalter (Welt) des Messias“ (Alma deathey dimeshichac), ‚die Tage des Messias‘, ‚das kommende Zeitalter‘ (sœculum futurum, das Athid labho – sowohl dieser als auch der vorhergehende Ausdruckd), ‚das Ende der Tage‘ und ‚das Ende des Endes der Tage‘ (Soph Eqebh Yomayaf). Dies ist um so wichtiger, als das „Himmelreich“ so oft mit dem Zeitraum seiner triumphalen Manifestation in den „Tagen“ oder im „Reich des Messias“ verwechselt wurde. Zwischen den Advent und die endgültige Manifestation des „Königreichs“ legte die jüdische Erwartung eine vorübergehende Verdunkelung des Messias. Nicht Seinem ersten Erscheinen, sondern Seiner triumphalen Manifestation sollten die so genannten „Leiden des Messias“ (die Chebhley shel Mashiach), „die Trübsal der letzten Tage“, vorausgehen.

Ein Blick auf viele Stellen zu diesem Thema zeigt, dass sich der Ausdruck „Himmelreich“ im jüdischen Denken nicht so sehr auf einen bestimmten Zeitraum bezog, sondern ganz allgemein auf die Herrschaft Gottes – wie sie anerkannt, manifestiert und schließlich vollendet wird. Sehr oft ist es das Äquivalent für die persönliche Anerkennung Gottes: das Aufnehmen des „Jochs“ des „Königreichs“ oder der Gebote – ersteres geht dem letzteren voraus und bedingt es. Dementsprechend gibt die Mischna dies als den Grund an, warum in der Sammlung von Schriftstellen, die das Gebet namens „Schma “ bilden, das Bekenntnis, Dtn 6,4 , der Ermahnung, Dtn 11,13 usw., vorausgeht, weil der Mensch zuerst das Joch des Himmelreiches und danach das der Gebote auf sich nimmt. Und in diesem Sinne wird die Wiederholung dieses Schemas als persönliche Anerkennung der Herrschaft Jehovas selbst oft als „das Himmelreich auf sich nehmen“ bezeichnet. Auch das Anlegen von Phylakterien und das Waschen der Hände werden als „das Joch des Reiches Gottes auf sich nehmen“ bezeichnet. Um weitere Beispiele zu nennen: Von Israel wird gesagt, dass es das Joch des Reiches Gottes am Berg Sinai auf sich genommen hat; von den Kindern Jakobs bei der letzten Unterredung mit ihrem Vater; und von Jesaja bei seiner Berufung zum Prophetenamt,e wo ebenfalls darauf hingewiesen wird, dass dies freiwillig und gerne geschehen muss. Andererseits heißt es, dass die Söhne Elis und die Söhne Ahabs das Himmelreich verworfen haben. Während also die Anerkennung der Herrschaft Gottes, sowohl im Bekenntnis als auch in der Praxis, als das Reich Gottes angesehen wurde, wurde seine volle Manifestation erst in der Zeit der Ankunft des Messias erwartet. So werden im Targum zu Jesaja 40:9 werden die Worte „Siehe, dein Gott!“ umschrieben: ‚Das Reich deines Gottes ist offenbart‘. In ähnlicher Weise heißt es: „Wenn die Zeit herankommt, dass das Himmelreich offenbart wird, dann wird sich erfüllen, dass „der Herr König über die ganze Erde sein wird.“ Der Unglaube Israels hingegen würde sich darin zeigen, dass sie diese drei Dinge ablehnen würden: das Himmelreich, das Reich des Hauses David und den Bau des Tempels, wie es in Hos. 3:5. Daraus folgt, dass nach der Zeit des Unglaubens die messianischen Befreiungen und Segnungen des „Athid Labho“, des zukünftigen Zeitalters, erwartet wurden. Aber die endgültige Vollendung von allem blieb noch für das Olam Habba“, die kommende Welt, übrig. Und dass es einen Unterschied zwischen der Zeit des Messias und dieser „kommenden Welt“ gibt, wird in den rabbinischen Schriften häufig erwähnt.

Aldred Edersheim – Das Leben und die Zeiten von Jesus dem Gesalbten

„ein helles Licht“

Das Volk, (And üb.: Doch wird die Finsternis nicht sein, wie die Bedrängnis auf der Erde war, als es im Anfang leicht auf dem Lande Sebulon und dem Lande Naphtali lag, und später schwerer wurde… Weg am Meere, jenseit des Jordan, Galiläa der Nationen: das Volk) das im Finstern wandelt, hat ein großes Licht gesehen; die da wohnen im Lande des Todesschattens, Licht hat über sie geleuchtet.
Elberfelder 1871 – Jes 9,1

 Es wird das Volk, das noch im Dunkel wandelt, ein grosses Licht erblicken, und denen, die im Lande der Todesnacht wohnen, wird eine Sonne leuchten.
van Ess 1858 – Jesaja 9,1

Menschen, die im Dunkeln tappen, werden plötzlich ein krasses Licht sehen. Leute, die dort wohnen, wo es richtig finster ist, sehen plötzlich was ganz Helles über sich.
VolxBibel – Jesaja 9:1

Das Volk, das in der Finsternis lebt, hat ein großes Licht gesehen. Jeschajahu kehrt zu dem Thema des zukünftigen Segens zurück. Das Land, das die assyrische Gefangenschaft erleben sollte, würde eines Tages Gottes Segen erfahren, vermittelt durch die Geburt eines Kindes, das auf dem Thron Davids herrschen würde (V. 6-7). Der Targum verwendet die Beschreibungen in diesen Versen als Titel für den Messias. Spätere revisionistische Versuche von talmudischen Schriftstellern und Kommentatoren sahen in dem „Sohn“ von V. 6 eine Anspielung auf den Sohn von Achaz, nämlich Y’chizkiyahu (Hizkiyahu). Zur Verteidigung der früheren, messianischen rabbinischen Interpretation von Jeschajahu (V. 6) stellt der Talmud fest: „Rabbi Jose aus Galiläa sagte: ‚Der Name des Messias wird Schalom heißen, denn es steht in Jeschajahu 9:5(6) geschrieben: ‚Sein Name wird Ewiger Vater, Fürst des Friedens genannt werden‘. „Rabbi Jose schrieb auch: „Wenn der Messias kommt, wird der Schalom groß sein und es wird eine Erlösung für ganz Isra’el geben!“ (Derekh Eretz Zuta 10). Dies wird auch durch den Midrasch Devarim 1:17 bekräftigt, in dem es heißt: „Ich muss noch den König Messias erwecken, von dem geschrieben steht: ‚Uns ist ein Kind geboren'“ (siehe auch Doukhan, Auf dem Weg nach Emmaus).

The Complete Jewish Study Bible: Notes

Jesaja spricht mit großer Deutlichkeit von bisher vergessenen Landstrichen (von der Gegend um Nazareth und Kapernaum), die aber gerade deswegen von Gott ausersehen sind, Stätten seiner Offenbarung zu sein. Er beschreibt dann im Glauben die Zukunft, als wäre sie schon gegenwärtig: Gott wird dort die Feinde vertreiben und besiegen (die Stiefel und Mäntel werden verbrannt). Das wird solche Freude in sich schließen, wie man sie bei der Ernte (V. 2) und bei einem Sieg (V. 3) empfindet. Alles ist auf den Einen ausgerichtet, der erwartet wird.

Bruns – Die Bibel mit Erklärungen

Mit typisch hebräischem Parallelismus beschreibt der Prophet nun, was das Kommen des Messias für diesen nördlichen Teil Israels bedeutet. Die Menschen sind in Dunkelheit (vgl. Jes 8,22 ) und in dem Schatten des Todes. Da sehen sie ein großes Licht , ein Licht leuchtet über ihnen auf. Matthäus bezieht diese Stelle auf Jesus, als er seine Predigt- und Heilungstätigkeit in dieser Region begann ( Mt 4,15-16 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Die Zeit der Fremdherrschaft war eine Zeit der Gottesfeme, war also Finsternis. Mit dem Licht bricht ein neuer Schöpfungsmorgen, eine neue Welt für das Gottesvolk an. Doch ist das hier nicht kosmisch gemeint; es ist nicht im Anschluß an 1Mose 1 an einen neuen Himmel und eine neue Erde zu denken. Es ist das rettende Aufflammen des Lichts, das dem in der Finsternis bedrohten Volk die Befreiung bringt. Darum ist die Wende, die Jesaja ankündigt, mehr als eine politische Befreiung; sie ist wie ein großes Licht. Wenn Finsternis die Erfahrung der Abwesenheit Gottes meint, dann ist das Aufgehen des Lichtes die Erfahrung der Nähe und der Zuwendung Gottes. Sieht man auf die kommenden Sätze, dann kann man dieses Licht nicht ohne den neuen Davidssohn denken. Durch ihn wird ein Licht über ihnen leuchten: Wenn Gottes Gegenwart erfahren wird, dann müssen alle Feinde weichena. »Das große Licht wird nicht eher aufgehen, als bis die Finsternis ihren Tiefpunkt erreicht hat« (Delitzsch).

Wuppertaler Studienbibel

Matthäus 4,13-16 zitiert Jesaja 8,22-9,2. Der Kontext der Prophezeiung ist, dass der Dienst des Messias hauptsächlich an zwei Orten stattfinden wird: in den Stammesgebieten von Sebulon und Naftali. Das ist die wörtliche Bedeutung der Prophezeiung von Jesaja 9,1-2. Im Neuen Testament diente Jeschua hauptsächlich in diesen beiden Stammesgebieten. Nazareth lag im Stammesgebiet von Sebulon, und Kapernaum lag im Stammesgebiet von Naftali. Er wuchs im Stammesgebiet von Sebulon auf und leitete seinen Dienst im Stammesgebiet von Naftali. Auf diese Weise wurde die Prophezeiung buchstäblich erfüllt.

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive