hungriger Panthera leo – II

Macht euch locker und bleibt dabei immer hellwach! Es gibt einen echten Feind, den Teufel! Der schleicht um uns herum wie ein wildgewordener Kampfhund, jederzeit bereit, einen zu zerfleischen.
VolxBibel – 1.Petrus 5,8

Seid wachsam und nüchtern! Euer Feind, der Teufel, schleicht um die Herde wie ein hungriger Löwe. Er wartet nur darauf, dass er jemand von euch verschlingen kann.
Gute Nachricht Bibel – 1.Petrus 5:8

Diesen Vers hatten wir schon einmal – deshalb heute nur Ergänzungen.

Ein „Widersacher“ (antidikos) ist jemand, der in einem rechtlichen Sinn widerspricht, der Gegensatz dazu ist der „Advokat“ ( parakletos), der sich also für jemanden verwendet. Hier wird der grausame Feind als derjenige gesehen, der dem Volk Gottes in Gottes Gegenwart widersteht. Dieses Recht kann ihm nicht genommen werden. Es wird eines Tages so sein, wenn er und seine Engel auf die Erde geschleudert werden. In der Zwischenzeit greift er die Brüder an. Traurig ist dabei, daß wir ihm, während er die Heiligen zu Unrecht angreift, zu bestimmten Zeiten durch unsere Sünde und Versagen die Munition liefern, mit der er den Thron Gottes bombardiert. „Der Teufel“ ist das Wort, das gebraucht wird, um das hebräische Wort „Satan“ in der Septuaginta wiederzugeben. Es bedeutet „Verleumder“, ein bösartiger Feind, der anklagt und falsche Beschuldigungen vorbringt“ (A.M.Stibbs), „der Verdächtigunen säht“ (Taylor).
Wir sind diesem mächtigen Feind in unserer eigenen Kraft nicht gewachsen. Am Bild des Löwen lernen wir, daß unser Feind grausam, mächtig und erbarmungslos auf der Jagd ist. Einige versuchen bisweilen in dummer und leichtfertiger Weise den Teufel „zu tadeln“. Das ist ein gefährliches Unterfangen; nirgendwo werden wir dazu ermächtigt. Sogar der Erzengel Michael wagte nicht, eine Anklage gegen ihn vorzubringen, sondern sagte: „Der Herr schelte dich.“
Der Widersacher brüllt, um die Herzen des Volkes Gottes mit Furcht zu erfüllen. Er „wandelt umher“ in ruheloser, angriffsbereiter Bewegung, wie ein umherstreifender Löwe. Er sucht überall, ob er nicht jemanden finde, den er in seiner Gier verschlingen kann. Er wird in der Schrift als eine Schlange dargestellt, die mit dem Gift der Sünde Verderben bringt; als ein Löwe, der mit der Kraft der Sünde verschlingt; als ein Wolf, der mit der Grausamkeit der Sünde ins Elend stürzt. Sein wohl höchst erschreckendster Aspekt ist jedoch der, wenn er als ein Engel des Lichtes mit den Freuden der Sünde betrügt. Der Gläubige wird ermahnt, sich drei Verhaltensweisen anzueignen:
 Zunächst, „seid nüchtern“. Dies bedeutet, klare Gedanken über die auf dem Spiel stehenden Fragen zu haben, ebenso wie über den Feind selbst, der nicht weit weg ist. Man kommt hier nicht mit verschwommenem Denken über ewige Dinge aus. Unwissenheit ist der Spielplatz des Teufels.
Zweitens „wachet“, habt weit geöffnete Augen für die Gefahren und den Fluchtweg. Geistliche Trägheit und Schläfrigkeit gleichen einer Einladung zum Angriff. Paulus rief aus: „Wache auf, der du schläfst“.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Euer Feind, der Teufel Der griechische Begriff antịdikos, der hier mit „Feind“ übersetzt wird, war allgemein für eine Person im Gebrauch, die in einem Gerichtsverfahren einem als Ankläger gegenüberstand, und der „Teufel“ (griech. diạbolos) ist die gewöhnliche griechische Transliteration des hebräischen Begriffes śāṭān, welcher „Verleumder“ oder „Verkläger“ bedeutet und was auch ein angemessener Name für den Teufel ist (Hiob 1,6; Sach 3,1; Offb 12,9f.). Dieser Ausdruck offenbart die letztgültige Ursache hinter allen Verfolgungen.

Löwe Dieses Bild stammt vielleicht aus dem Psalter, wo die Feinde des Psalmisten und die Gottlosen oftmals mit Löwen verglichen werden (Ps 7,3; 10,9f.). Die Metapher bringt die Stärke und Zerstörungswut des Teufels zum Ausdruck und betont die Notwendigkeit der Wachsamkeit vonseiten der Gläubigen her.

Reformations-Studien-Bibel

Wem die Sorgen den Kopf verdrehen, der verliert den nüchternen Blick. Es gibt geradezu einen Sorgenrausch. Die Mahnung »seid nüchtern und wacht« ruft zum klaren Durchblick für die Situation. »Wacht« bedeutet von der Wortwurzel her eigentlich »seid aufgeweckt«. Hier steht dasselbe Wort, das im NT für die Auferweckung Jesu Christi verwendet wird. Nur Christen können eigentlich recht wach sein, sind sie doch vom Tod auferweckt, durch Jesus zum wirklichen Leben gekommen. Erst wer auferweckt ist, kann recht nüchtern sein, hat den wirklichen Ein- und Durchblick für diese Welt. »Nüchtern sein und wachen« ist so christliche Lebenshaltung (vgl. Mt 24,42; 25,13; 26,41; Lk 12,37; 1 Kor 15,34; 16,13; Eph 6,18; Kol 4,2; 1 Thes 5,6; 2 Tim 4,5; Offb 3,3; 16,15).
So erkennt der Christ auch die Umtriebe des »Widersachers«, des »Teufels«. Der Böse wird hier doppelt gekennzeichnet: Er ist der »Widersacher« der Christen. Dieses Wort stammt im Griechischen aus der Gerichtssprache und meint den Gegner vor Gericht, den Ankläger. Nachdem der Satan uns vor Gott nicht mehr verklagen kann (denn wir sind ja durch Jesus vor Gott gerecht), hetzt er die Menschen zu solchen falschen Anklagen gegen die Christen auf, und das führt ins Leiden. Er tut das als diabolos (so griech. für »Teufel« hier), als der »Durcheinanderbringer« (wörtlich), als der also, der Zerstörung, Chaos und Vernichtung bewirken will. Das sehen Christen deutlich: Hinter den Leiden um Jesu willen steht der altböse Feind, der so Gottes Heilsvollendung hindern will. Er »sucht, wen er verschlinge«, er setzt also allen Eifer daran, Christen wieder in seine Herrschaft zu bringen. Das Bild vom »brüllenden Löwen«, der umherstreift, unterstreicht diese Angriffe eindrucksvoll (vgl. dazu Ps 10,9; 22,22; 91,13; Jer 5,6; Am 3,8; 2 Tim 4,17). Der brüllende Löwe will die Herde auseinanderscheuchen, in Panik versetzen, so daß sie flieht. Dann kann er die Einzelnen, Schutzlosen fressen. Wer bei dem Hirten Jesus Christus bleibt, dem kann der Löwe nichts tun.

Edition C Bibelkommentar

Die Worte: Seid nüchtern, seid wachsam! sind so formuliert, daß sie als Mahn- und Warnruf verstanden werden müssen. Die Aufforderung seid nüchtern ist in zweierlei Hinsicht wichtig. Sie mahnt zur Beschränkung in Lebensbedürfnissen und zu der daraus entstehenden Freiheit von geistiger und seelischer Trunkenheit (s. dazu 1, 13 u. 4, 7). Sie mahnt aber auch dazu, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Der Nüchterne rechnet mit der hintergründigen Realität, der göttlichen und der satanischen. Er weiß, daß er sterben muß (Ps 90, 12), daß die Welt mit ihrer Lust vergeht (1Jo 2, 17) und daß „wir alle offenbar werden müssen vor dem Richterstuhl Christi“ (2Ko 5, 10). Es ist wichtig, daß die Christen diese „letzten Realitäten“ nüchtern sehen und sich von ihnen in ihrem Wandel bestimmen lassen. Daher finden wir die Mahnung zur Nüchternheit besonders im eschatologischen, endzeitlichen Zusammenhang (1Th 5, 6. 8; 2Tim 4, 5). Der Mahnruf seid wachsam wird im NT ebenfalls vor allem im Blick auf die Endzeit gebraucht (Mt 24, 42; Mk 13, 35; Apg 20, 31; 1Th 5, 6). Ein Schläfer merkt nicht, was um ihn her geschieht. Wachsam sein heißt, achthaben auf alle Anzeichen von Gefahr für das geistliche Leben der Gemeinde (Apg 20, 28) und des einzelnen. Es geht darum, die endzeitlichen Verführungsmächte zu erkennen und vor ihnen auf der Hut zu sein. In V. 7 mahnte Petrus: habt keine falsche Sorge, sondern rechnet mit Gottes Fürsorge. In V. 8 ergänzt er: habt keine falsche Sorglosigkeit, sondern Wachsamkeit. Es geht darum, daß die Christen weder in Ängstlichkeit noch in Sorglosigkeit leben, sondern in Geborgenheit und Wachsamkeit.
Der Ruf zur Wachsamkeit zielt auf die Gefahr, in der die Gemeinden stehen: euer Feind, der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe suchend, wen er verschlinge. Es ist sowohl Jesus als auch den Aposteln wichtig, daß die Gemeinde mit der Wirklichkeit des Teufels rechnet. Er ist „der Vater der Lüge“ und „ein Menschenmörder von Anfang an“ (Jo 8, 44), er ist „der Gott dieser Welt“ (2Ko 4, 4; vgl. auch Eph 2, 2; 2Th 2, 9; Offb 13, 2 u. ö.). In unserem Vers wird er Feind oder „Widersacher“ genannt. Das mit Teufel übersetzte grie Wort ⟩diabolos⟨ heißt eigentlich „Verleumder“ oder auch „Verkläger“ (vgl. Sach 3, 1; Offb 12, 10). Dem entspricht die vom Hebr abgeleitete Bezeichnung ⟩Satan⟨. Der Teufel wird hier mit einem brüllenden Löwen verglichen. Mit seinem Brüllen versetzt der Löwe seine Umgebung in Angst und Schrecken, um sie desto sicherer zur Beute zu bekommen. So will der Teufel die Nachfolger Jesu in Angst versetzen, so daß sie Gott verlassen. Sie sollen aber hinter der Bedrohung durch Menschen die Einschüchterungsversuche Satans sehen, der sie zum Abfall von Gott und zum Verlassen der Gemeinde bewegen will. Der Teufel geht umher. Es ist überall mit ihm zu rechnen. Nirgends ist man vor ihm sicher. Er sucht, wen er verschlinge. Diese Worte zeigen seine Absicht: Er lauert auf Menschen, die angstgelähmt oder selbstsicher und damit schutzlos sind. Der Christ muß die Absicht des Teufels kennen. Es steht alles auf dem Spiel. Es geht um das Leben!

Wuppertaler Studienbibel

»seid nüchtern«: Zum dritten Mal richtet Petrus diesen Befehl an uns (nach 1,13 und 4,7).
»euer Widersacher, der Teufel«: Man beachte, dass der Widersacher hier nicht »Satan« genannt wird, sondern »Teufel«. Er ist, wie sein Name sagt, der Spalter, der Zerwürfnisstifter, der Entzweier.
Er »geht umher wie ein brüllender Löwe«, d. h. als Verderber, der die Gottlosen zum Hass auf die Christen und zu Verfolgungen anstachelt. Dass es um Leiden geht, zeigt V. 9, wo gesagt wird, dass die gleichen Leiden den Geschwistern in der ganzen Welt widerfahren.
Der Teufel versucht durch diese Anfeindungen die gläubige Seele Gott zu entfremden, indem er uns gerade dann, wenn wir unter widrigen Umständen uns unter Gottes Hand demütigen müssen, einreden will, es sei empörend, was uns angetan werde, es sei eine Zumutung, was Gott uns aufbürde. Nehmen wir diesen Gedanken auf, hat uns der Teufel schon verschlungen. Wir sind dann von der glücklichen Gemeinschaft mit dem Herrn getrennt, sein Friede regiert uns nicht mehr, wir geraten unter die Macht der Finsternis – bis wir unser Murren gegen Gott als Sünde bekennen und uns wieder vertrauensvoll unter seine mächtige Hand demütigen.

Benedikt Peters Kommentar zu 1. Petrus

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