Streitschlichter unter dem Friedefürsten

Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen

Elberfelder Bibel 1905 – Mt 5,9

Freuen dürfen sich alle,
die Frieden stiften –
Gott wird sie als seine Söhne und Töchterg annehmen.†

Gute Nachricht Bibel – Mt 5,9

Selig die Friedsamen; sie werden Kinder Gottes genannt werden.

Die Heiligen Schriften des Alten und Neuen Testamentes – Mt 5,9

Wie glücklich sind die, von denen Frieden ausgeht! / Sie werden Kinder Gottes genannt.

NeÜ bibel.heute Stand 2019 – Mt 5,9

Gott segnet die, die sich um Frieden bemühen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

Neues Leben – Bibel 2006 Mt 5,9

εἰρηνο-ποιός11 Friedensstifter (Jünger Jesu, des „Friedefürsten“ [vgl. Jes 9,5f], verbreiten seinen Frieden, u. a. indem sie die Botschaft vom Frieden m. Gott weitertragen, aber auch dadurch, dass sie Spaltungen, Bitterkeit u. Zank entgegenwirken u., wo immer möglich, Frieden stiften). κληθήσονται Fut. Pass. καλέω; wohl pass. divinum (A76b) sie werden (v. Gott) genannt werden (u. es daher sein [vgl. B 1aδ]; sie stehen in bis dahin unbekannter engster Beziehung zu ihm u. widerspiegeln seinen Charakter [vgl. 5,48]).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Wer unter streitenden Brüdern Frieden zu stiften sucht, wird in dieser Welt wenig Dank dafür haben. Aber Christus blickt mit Wohlgefallen auf solche, denen es schmerzlich ist, Streit und Krieg mit ansehen zu müssen, und unerträglich, selbst in Feindschaft mit anderen zu leben. Er kam als Bringer des Friedens und freut sich an solchen, die den Frieden suchen. „Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden.”
Wo aber findet sich mehr Streit und Bitterkeit als in der Kirchen- und Ketzergeschichte? Der Religionshass zwischen den verschiedenen Kirchenparteien ist zeitweise ärger gewesen als jeder andere Hass. Der Geist Kains hat unter den Christen Eingang gefunden, und die Feindschaft zwischen Christen und Christen ist die schwerste Betrübnis für den Heiligen Geist und die ärgste Schmach für den Namen des Herrn geworden. Wem der Friede unter den Christen nicht am Herzen liegt, wie kann er an jenem Tage als ein Kind Gottes anerkannt werden, da der Herr selbst von den Friedfertigen sagt: sie, nur sie werden Gottes Kinder heißen?

Bemüht sich jemand, die entzweiten Brüder zu versöhnen, jedem sein Unrecht und das Gute, das sich an dem andern noch findet, vorzustellen, so ist die gewöhnliche Folge, dass er von beiden ungern gesehen, ja sogar verdächtigt wird. Unentschiedenheit, Mangel an Rechtgläubigkeit, Gleichgültigkeit gegen das reine Bekenntnis, Zweideutigkeit des Charakters sind die Vorwürfe, die man gegen die Freunde des Kirchenfriedens erhebt. Doch diese Vorwürfe können wir ruhig ertragen, wenn wir die Worte hören: „Selig sind die Friedensstifter”.
Wir haben beten gelernt, dass der barmherzige Gott auf Sein zertrenntes Volk herabschauen und die Spaltungen der Christenheit heilen wolle. Wir sind gewiss, dass diese Bitte Ihm wohlgefällig ist und endlich Erhörung findet. Der Tag kommt, wo Er Seine Herde unter dem wahren Hirten vereinigen wird, und solche, die von ganzem Herzen danach verlangen, dafür gearbeitet und darum gebetet haben, sie dürfen dann auf Anerkennung als Kinder Gottes hoffen.

Die Bergpredigt und ihre Bedeutung


Wie die fünfte lehnt sich auch diese siebente Seligpreisung nicht an eine bestimmte Aussage des AT an. Dadurch wird es schwieriger, den genauen Sinn zu entdecken. Die öfter angegebenen Vergleichsstellen wie Röm 15,33; 16,20; Eph 2,15; Hebr 12,14; Jak 3,18 bieten keinen echten Vergleich und sind überdies von Lehre und Leben Jesu abhängig.

Sicher sind nicht die natürlicherweise Friedfertigen gemeint. Die genaue Übersetzung ergibt »Täter des Friedens., und Jakobus bestätigt diese Übersetzung in Jak 3,18 . Also geht es wie in Mt 5, 5 und Mt 5, 7 nicht um die Gesinnung, das Temperament oder Naturell, sondern um das Handeln. Doch worin unterscheidet sich dann die siebente von der dritten Seligpreisung? Und wenn die fünfte Seligpreisung schon das Handeln der Liebe in sich fasste, warum wird dann jetzt noch einmal ein Gesichtspunkt dieses Handelns besonders erwähnt?

Es scheint, dass man die Antwort in der aktuellen Lage suchen muss, in die Jesus hineinsprach. Etwa seit seiner Geburt wurde Israel und vor allem das heimatliche Galiläa durch fortwährende Aufstände und einen Partisanenkrieg gegen die Römer erschüttert. Die Kämpfe erhielten ihre besondere Härte durch die religiöse Überzeugung der kämpfenden Juden, durch ihren Einsatz würde das Reich Gottes herbeigeführt. Sie glaubten, wenn sie sich bedingungslos für Israel und seinen Gott im Heiligen Krieg einsetzten, würde Gott herabfahren und »das Reich für Israel aufrichten«. Diese Juden bildeten die Partei der Zeloten, der sog. »Eiferer«, da der alttestamentliche Eiferer Pinchas ihr Vorbild war (vgl. 4 Mose 25). Von den Zeloten spannen sich zahlreiche Verbindungsfäden zu den Pharisäern und Essenern. Einige ihrer Führer glaubten, der endzeitliche Messias zu sein, so Theudas und vielleicht auch Judas von Galiläa und der Ägypter, von denen die Apostelgeschichte berichtet. Vgl. Apg 5,36ff.); Apg 21,38 . Jesus muss einen Teil dieser Kämpfe in unmittelbarer Nähe miterlebt haben.

Sie mündeten schließlich in den verheerenden jüdisch -römischen Krieg von 66-73 n. Chr., wobei Jerusalem mit dem Tempel zerstört und viele Weissagungen Jesu erfüllt wurden. Aber auch Jesu Zuhörer waren von den Kampfhandlungen betroffen. Ja, die kleinen Bauern und Pächter Galiläas bildeten geradezu das Reservoir für die Partisanen, vergleichbar den Befreiungsbewegungen der heutigen Welt. Eine Reihe von Gründen legt es nahe, dass Jesus auf diese Situation Bezug nahm. So ist der Begriff »Täter des Friedens« nur hier in der Bibel zu finden. Die Aufstandsbewegung wurde von Jesus bei der sog. Frage nach dem »Zinsgroschen« eindeutig abgelehnt, indirekt auch in der Erzählung, wie Pilatus das Blut einiger Galiläer mit ihrem Opfer vermischt habe (Lk 13,1ff.); vgl. Mt 22,15ff.). Die Zerstörung des Tempels und das Verderben des judäischen Landes hat Jesus klar vorausgesagt (Mt 23,38; 24,1ff.). Als Petrus ihn wie einen Führer Israels verteidigen wollte, spricht er das grundsätzliche Wort: »Wer das Schwert nimmt, der soll durch das Schwert umkommen« (Mt 26,52). Jedenfalls kann diese Erklärung die angeschnittenen Fragen lösen, während eine andere Erklärung die Probleme offen lassen muss und weniger passt.

Gehen wir also davon aus, dass Jesus hier die gewaltsame Herbeiführung des Reiches Gottes durch die kämpfenden Juden ablehnt. Dann sieht Jesus gerade in den Kämpfenden solche Leute, die kein Vertrauen zu Gott haben, während die »Täter des Friedens« ähnlich wie die »Sanftmütigen« auf Gott vertrauen, der selbst sein Reich heraufführt (vgl. Apg 1,6ff.). Dieses Vertrauen preist er glücklich. Dann hat aber auch diese heilsgeschichtliche Stunde für Israel besondere Bedeutung. Es muss jetzt wählen zwischen der Nachfolge hinter dem Friedefürsten Jesus und dem Anschluss an die eigenmächtigen Kämpfer. Wir wissen, wie Israel sich entschieden hat und dass es durch seine falsche Entscheidung in zweitausendjährige Diaspora zerstreut wurde.

Diese Seligpreisung bedeutet aber zugleich auch eine Wegweisung für uns als das Israel nach dem Geist. Jede eigenmächtige Verwirklichung des Reiches Gottes auf Erden ist uns untersagt. Wir wissen, dass dort, wo Christen um des Glaubens willen zum Schwert griffen, böse Folgen entstanden: ob in den Kreuzzügen, bei den Kämpfen der Hugenotten, im Dreißigjährigen Krieg oder sonst. Darin liegt eine nachdrückliche Warnung, »Christliche« Befreiungsbewegungen auf gewaltsamer Bahn zu unterstützen.

Die Täter des Friedens »werden Gottes Söhne genannt werden«. Der Friede Gottes, d. h. auch der ewige Friede der Neuschöpfung, wird ihnen geschenkt. Sie sind die Kinder Gottes, als die sich fälschlich die Zeloten bezeichneten. Es ist sehr interessant, dass in den Texten Qumrans, das sich auf den Heiligen Krieg vorbereitete und mit dem Zelotismus verbunden war, auffallend häufig solche Ehrentitel wie »Söhne des Lichts«, »Söhne des Höchsten (=Gottes)« u. ä. auftauchen. Jesus enthüllt dies als falschen Anspruch. Man hat oft gefragt, warum sich Jesus so wenig mit den Essenern auseinandersetze. Trifft unsere Erklärung zu, dann finden wir in der 7. Seligpreisung zwar keine Polemik – wie überhaupt nie in den »Seligpreisungen«! – aber doch eine indirekte Ablehnung des zelotischen und essenischen Weges.

Edition C

Bin ich FRIEDFERTIG, wenn ich der Meinung bin, der einzigste zu sein, der Recht hat, der die Wahrheit hat, der nicht mehr lernen braucht? Suche ich Frieden, wenn ich die Vergangenheit nicht ruhen lassen kann, und immer wieder auf die Fehler der anderen herumkauen muss? Auch so manche Predigt, die ich aus dem www höre, dreht sich mehr um die Fehler der Apostel oder der Person des AT als um die Botschaft der Bibel – eigentlich schade!

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