Ist Christus mein Chef im Leben?

Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm, gewurzelt und auferbaut in ihm und befestigt (W. auferbaut werdend… befestigt werdend) in dem Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid, überströmend in demselben mit Danksagung.
Elberfelder 1871 – Kol 2,6–7

Das eine steht fest: Ihr habt Jesus Christus als euren Herrn angenommen. So gestaltet nun auch euer Leben danach;  bleibt in seiner Gemeinschaft tief verwurzelt, auf ihm als eurem Fundament aufgebaut und im festen Vertrauen auf ihn, wie ihr gelehrt worden seid! Dann könnt ihr gar nicht genug loben und danken.
Bruns 2013 – Kolosser 2,6–7

 Ihr habt also Christus Jesus als Herrn angenommen. Darum führt auch, wie es ihm entspricht, euren Lebenswandel! 7 Bleibt in ihm verwurzelt und auf ihn gegründet, gefestigt durch den Glauben, in dem ihr unterrichtet wurdet! Seid voller Dankbarkeit! – Eph 3,17
Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift 2017 – Kol 2,6–7

Ihr habt der Botschaft, die euch verkündet wurde, Glauben geschenkt und habt euch Jesus Christus als dem Herrn unterstellt. Darum richtet nun euer ganzes Verhalten an ihm aus! – Wie ihr nun Christus Jesus als den Herrn empfangen habt, so verhaltet euch in ihm! Für empfangen steht hier ein Ausdruck, der sowohl die Weitergabe als auch die Entgegennahme einer Botschaft bezeichnet. –
Seid in ihm verwurzelt, baut euer Leben auf ihm auf. Bleibt im Glauben fest und lasst euch nicht von dem abbringen, was euch gelehrt worden ist. Für das, was Gott euch geschenkt hat, könnt ihr ihm nicht genug danken! – Bleibt fest im/am Glauben, wie ihr (ihn) gelehrt worden seid; seid überreich an Dankbarkeit/Danksagung! – Neue Genfer Übersetzung 2013 – Kolosser 2,6–7

Ihr habt Jesus kennengelernt und ihn als den Chef in euer Leben gelassen. Also lebt jetzt auch mit ihm und tut, was er euch sagt! Wachst in ein Leben mit ihm rein, wie die Wurzeln eines Baumes in die Erde wachsen. Lasst euer Vertrauen in ihn immer stabiler und fester werden, wie die Wurzeln eines Baumes immer dicker und tiefer werden. So ist es euch ja beigebracht worden. Und vergesst dabei nicht, euch bei Gott für die geilen Sachen zu bedanken, die er euch gegeben hat!
VolxBibel – Kolosser 2,6–7

Der Feind ist unermüdlich damit beschäftigt, die Gläubigen in ihrem Wesen, d. h. in ihrem Glauben, anzugreifen. Er will ihrem Vertrauen auf Gott (das ist die Bedeutung von Glauben) so viel Schaden wie möglich zufügen. Er wird versuchen, dich dazu zu bringen, dass du an bestimmten Glaubenswahrheiten zweifelst. Er stellt dir zum Beispiel vor, dass Gott das alles nicht so gemeint hat. Wenn du nicht darauf eingehst und diesen Angriff abwehrst, wird er es auf eine andere Weise versuchen. Gelingt es ihm nicht, dir etwas wegzunehmen, so wird er versuchen, dir etwas hinzuzugeben, d. h. deinem Glauben Dinge hinzuzufügen. Er liefert auch noch ein ansprechendes Motiv dazu. Willst du nicht gern mehr und besser glauben, deinen Glauben vertiefen? Nun, genau dafür hat er die Lösung.
Um dieser Gefahr, der „Bereicherung“ des Glaubens, die Stirn zu bieten, nimmt Paulus dich mit zum Anfang zurück. Als du Christus angenommen und Ihn empfangen hast, hast du da auch noch etwas anderes als Christus angenommen? Du bist doch nicht – genauso wenig wie die Kolosser – durch jüdische oder griechische Weisheiten errettet worden oder durch Christus plus einem Zusatz dieser Weisheiten! Es muss klar werden, und das wird auch dick unterstrichen, dass so, wie Christus genug war, damit du errettet wurdest, Er auch für deinen Wandel als Christ genug ist. Alles, was dazu erforderlich ist, kommt aus Ihm. Außerdem hast du Ihn als „den Herrn“ angenommen. Du hast Ihn als absolut souveränen Herrscher über dein Leben angenommen. Verhandeln ist nicht drin. Das wolltest du damals auch gar nicht. Das gilt immer noch. „… so wandelt in ihm“ ist ein Gebot, und das bedeutet, dass es verboten ist, sich auf andere „Wandelwege“ zu begeben. Wandeln in Ihm heißt, dass du in die Praxis umsetzt, was du von Ihm weißt, und dass du seinen Willen in Bezug auf dein Leben tust.
Weil du in Ihm gewurzelt bist, beziehst du deine Lebenskraft aus Ihm und beispielsweise nicht aus der Philosophie. Dadurch stehst du fest wie ein Baum, der den Stürmen trotzt. „… gewurzelt … in ihm“ erinnert an das, was geschah, als du dich bekehrtest. Das wird hier vorgestellt, als wäre Christus der Boden, in den du bei deiner Bekehrung deine Wurzeln geschlagen hast. Seitdem bekommst du deine gesamte Nahrung von Ihm. Deshalb ist es wichtig, tief gewurzelt zu sein und deine Wurzeln immer tiefer in Ihn eindringen zu lassen. „Auferbaut in ihm“ lässt uns an ein Haus denken. Hier siehst du Christus als den Eckstein, auf den du dein Lebenshaus aufbaust. Die Struktur des Baues ist von Ihm abhängig, der Bau geschieht „in ihm“. Deshalb musst du dich auf Ihn ausrichten, so dass Er dir zeigen kann, wie es mit dem Bau weitergehen muss.
Wenn du tief in Ihm wurzelst und dich für den Aufbau deines Glaubenslebens auf Ihn ausrichtest, wirst du im Glauben befestigt werden. Der Glaube ist die Glaubenswahrheit, das, was du glaubst. Der Glaube findet sein Zentrum in Christus. Der Glaube betrifft Ihn. Befestigt werden im Glauben bedeutet daher auch, in Christus befestigt zu werden. Du siehst, dass es bei allem um Ihn geht. Auch in deinem Glaubensleben sind alle Dinge aus Ihm und durch Ihn und für Ihn.
Das waren für die Kolosser keine neuen Dinge. Das waren sie gelehrt worden. Ob das auch bei dir so ist, weiß ich nicht. Du hast in jedem Fall den Prüfstein in Händen, um daran die Belehrung, die du bei deiner Bekehrung und danach empfangen hast, zu prüfen. Vielleicht musst du einige Dinge in deinem Leben verändern und anfangen, sie anders zu sehen. Dann wirst du auch danach verlangen, sie anzuwenden und so auszuführen, wie es hier steht. Du wirst, nachdem du die richtige Belehrung empfangen und angenommen hast, sicher in der Danksagung überströmen.
Wie viel Grund gibt es doch zur Danksagung, wenn du auf dich einwirken lässt, was du in Christus geworden bist und in Ihm empfangen hast, wenn du bedenkst, wie völlig ausreichend das für jetzt und für ewig ist. Dankbarkeit Gott gegenüber ist zugleich ein Schutz vor Versuchungen, an dem einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu zweifeln. Wenn dein Herz von den wunderbaren Wahrheiten des Evangeliums voll ist, wird Dank daraus zu Gott aufsteigen. Danksagung ist ein sehr gut wirkendes Gegenmittel gegen das Gift der Irrlehrer.
Gebt Acht! Paulus ruft es dir eindringlich zu. Denke nicht, dass du für die Listen des Feindes immun bist. Jeden Gläubigen betrachtet und umschleicht er als Beute. Er sinnt darauf, auch dich als Beute wegzuführen, weg vom Herrn Jesus. Die Mittel, deren er sich bedient, sind „Philosophie“ und „eitler Betrug“. Die Philosophie ist so alt wie die Welt, doch niemals hat sie einen Menschen aus seinem Elend und Kummer herausretten können, die durch die Sünde verursacht sind. Das liegt daran, dass die Philosophie der Welt die Sünde ignoriert und so tut, als gäbe es sie nicht. Daher ist auch jede Lösung, die die Philosophie anbietet, eitler Betrug. Das kann auch gar nicht anders sein, denn die Philosophie ist ein Produkt der Überlieferung der Menschen und schließt sich nahtlos an die „Elemente der Welt“ an. Bei den „Elementen der Welt“ kannst du an alle einzelnen Teile denken, aus denen das System Welt zusammengesetzt ist. Gott hat in diesem System keinen Platz.
Wenn die Überlieferung der Menschen, also die Tradition, neben Christus irgendeinen Wert für das Erkennen Gottes bekommt, steht das im Gegensatz zur Schrift (Mt 15,3–9). Wenn du beginnst, die Überlieferungen anstelle der Bibel wertzuschätzen, bedeutet das, dass Zweifel an die Stelle der Sicherheit treten. Überlieferung kommt aus dem Menschen hervor und nicht aus Gott. Wo Überlieferungen Raum bekommen, ist die Tür für die Elemente der Welt geöffnet. Auf viele Weisen sind sie in den Dienst für Gott eingedrungen. Man erkennt Überlieferungen daran, dass äußerer Schein der Maßstab für den geistlichen Gehalt des Dienstes ist. Der Geist Gottes wird von einer Ordnung verdrängt, die durch Menschen gemacht ist. Denke zum Beispiel an Situationen, wo nur diplomierte, redegewandte Personen predigen dürfen und wo ein Altar, die Kleidung, Ikonen und Musik das Ganze verzieren müssen.
Mit einem Pinselstrich oder besser mit einem Namen, nämlich Christus, setzt Paulus das ganze System beiseite. Die zweifache Gefahr, Philosophie und menschliche Tradition, steht im Gegensatz zu Christus. Wer Ihn hat, hat alles. Was brauchst du noch, wenn du Ihn hast, in dem „die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ wohnt? Es ist fast derselbe Ausdruck, den wir schon in Kapitel 1,19 hatten. Dort bezieht er sich auf die Zeit, wo Christus auf der Erde war, und steht mit den Ratschlüssen Gottes in Verbindung. Hier betrifft es das Heute und steht mit dem vollbrachten Werk der Erlösung in Verbindung.

Ger de Koning

Paulus muss den Kolossern Christus nicht erst neu zeigen. Sie haben sich ihm schon ergeben, dass er über sie herrsche und sie leite. Darum stellt sich für sie die Aufgabe so, dass sie sich nun so verhalten, wie es sich aus ihrer Verbindung mit ihm ergibt. Wenn das, was sie von ihm wissen, glauben und haben, ihre Lebensführung bestimmt, dann wandeln sie in ihm. Christus gibt ihnen den festen Halt, wie ihn die Wurzel dem Baum verleiht, und zugleich das fortschreitende Wachstum zur klaren und geschlossenen Gestaltung ihres Lebens, wie es ihnen ein Bau zeigt, an dem sich Stein an Stein planmäßig fügt. Durch die Verbindung der beiden Bilder zeigt ihnen Paulus aufs schönste ihre doppelte Aufgabe, die Festigkeit in der Bewahrung des Empfangenen und die Beweglichkeit, die zum Ziel hinstrebt. Das eine ist hier nicht ohne das andere da; wenn das eine oder das andere fehlt, ist ihre Verbindung mit Christus gelöst. Die Christen in Kolossä nehmen nur dann aus Christus die Kraft und Regel für ihr Verhalten, wenn sie sich in beidem bewähren. Damit der Baum wachse, muss die feste Wurzel da sein; damit die Wurzel stark werde und in die Tiefe dringe, muss der Baum wachsen. Im Anschluss an Jesus gewinnen die Kolosser inwendig die Unbeweglichkeit, die sie von seinem Wort und Willen nicht weichen lässt , und zugleich den steten Zufluss der neuen Gaben, der ihren Blick immer reicher und ihre Liebe stärker macht. Das Mittel, wodurch er sie unerschütterlich macht, ist der Glaube. Sind sie von sich selbst weg und hin zu ihm gewendet, so kommen ihre Gedanken zur Festigkeit, weil sie Gewissheit haben, und kommt ihre Arbeit zur Beharrlichkeit, weil der Gehorsam sie regiert. Zum Glauben aber haben sie dadurch die Ausrüstung erhalten, dass sie über die Sendung und das Werk Jesu unterrichtet sind.

Paulus schickt die Gemeinde auf ihren Weg mit der frohen Zuversicht des Sieges. Sie hat nicht in einem schwachen Rohr ihr Bild, sondern ist gefestigt und steht im Wachstum. Der Apostel lässt aber den Blick der Gemeinde nicht selbstgefällig auf ihrer Tüchtigkeit ruhen — damit wäre alles befleckt und preisgegeben, sondern er weckt in ihr die Danksagung. Sie ist das notwendige Merkmal dafür, dass sie in Jesus wandelt. Wenn seine Gabe sie nicht mehr zur Danksagung bewegt, trennt sie sich von ihm; ist sie mit ihm verbunden, so ermisst sie, wieviel er ihr gab und gibt, und das erzeugt in ihr den großen, tiefen Dank.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Das Verb »wandeln« (περιπατεῖν) bezeichnet im Neuen Testament die ethische Lebensführung, die meist in einer Hinsicht näher akzentuiert wird, etwa mit »nach der Überlieferung« (Mk 7,5: κατὰ παράδοσιν) oder mit einem veranschaulichenden Vergleich »wie« (Phil 3,17: καθώς). Bei Paulus wird auch häufiger der Aspekt des ethischen Wandels, der besondere Aufmerksamkeit verdient, mit der Präposition ἐν eingeleitet (2Kor 10,3: »im Fleisch«, ἐν σαρκί). Die Forderung, »in ihm« zu wandeln, ist aber charakteristisch für den Kolosserbrief, der das Syntagma »in ihm« gerade in diesem Abschnitt (2,6.7.9.10; vgl. V. 11) sehr häufig verwendet, um die Christusbeziehung anzusprechen. Aus der Christuszugehörigkeit ergibt sich also zunächst keine ethische Forderung – diese wird erst in 3,5–17 konkretisiert, dort in 3,7 erneut »wandeln« (περιπατεῖν) – auch keine Abgrenzung zum Wandel »nach Menschenweise« (1Kor 3,3: κατὰ ἄνθρωπον) oder »nach dem Fleisch« (2Kor 10,2: κατὰ σάρκα), sondern die unpolemische Aufforderung dazu, die Christusbeziehung zu verwirklichen.
Schweizer sieht hier »eines der schönsten Beispiele« für die grundsätzliche Ausrichtung der paulinischen Ethik.12 Als Bezeichnung für die der paulinischen Ethik zugrundeliegende logische Struktur hat sich in der deutschen Exegese die kantische Begrifflichkeit von Indikativ und Imperativ eingebürgert. Selbst wenn man daran festhält, dass damit das Verhältnis der ermöglichenden Zusage (Indikativ) und der ethischen Forderung (Imperativ) angemessen beschrieben ist, wird man diese Struktur, die in Gal 5,25; Röm 15,7 und Phil 2,5 gesehen wird, in Kol 2,6 schwerlich wiederfinden können, da die Annahme Jesu als Christus und Herr gerade nicht eine Zusage darstellt, sondern als bindende Verpflichtung erscheint.
Um dieser Verpflichtung Ausdruck zu verleihen, zieht der Briefautor erneut wie in 1,23 statische Metaphern heran. Wie eine Wurzel in der Erde verankert ist und wie ein Haus auf stabilen Fundamenten errichtet wird, so sollen die Briefempfänger »in ihm« rückgebunden sein. Die Aussagen finden in der Bildwelt von 1Kor 3,6–11 einen gewissen Widerhall. Auch dort geht es um das Pflanzen und Bauen. Die Aussagen beziehen sich im Kolosserbrief aber nicht auf das Werk der Apostel, sondern auf die Festigkeit der Glaubenden selbst. Erneut akzentuiert der Briefautor die Erkenntnisprozesse, auf die seiner Ansicht nach der Glaube zurückgeht. Die Kolosser sollen in dem Glauben gefestigt sein, der ihnen gelehrt wurde, etwa durch Epaphras und die anderen Apostel (1,7, vgl. 1,28). Aus diesem Prozess der Aktualisierung der Christuszugehörigkeit »in ihm« geht dann, ebenfalls in Anlehnung an einen für Paulus typischen Gedanken, der »Dank« hervor und zwar in einem das erwartete Maß überschreitenden Umfang.

Bormann_2012 – Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament

Das christliche Leben ist nicht nur gekennzeichnet durch gewisse subjektive Eigenschaften, die von Christus herrühren, sondern durch die Tatsache, dass es Christus selbst zum Ziel, wie auch zum Gegenstand des Herzens und der Gedanken hat, in allem, was dieses Leben in jeder Beziehung tut.
Alles was uns von unseren eigenen Wegen befreit, (indem es uns zerbricht), und uns zu den Wegen des Herrn führt, ist uns heilsam.
Man redet oft vom Opferbringen. Aber ist es ein grosses Opfer, sich vom «Dreck» (Phil 3,8) zu lösen? Wenn unsere Augen genügend auf Christus gerichtet wären, so dass jene Dinge uns in diesem Charakter erschienen, dann hätten wir keine Mühe, sie aufzugeben. Der Wert der Dinge hängt vom Gegenstand ab, den das Herz sucht.
Keine Prüfung kann den erschüttern, für den Christus sein alles ist. Er mag dies oder jenes verlieren; aber wenn er Christus hat, so besitzt er das, was er nicht verlieren kann.
Sind unsere Augen für die Vortrefflichkeit Christi aufgeschlossen, dann ist nichts zu gut und zu gross für Ihn.

Halte fest 1983

Aber eben weil sie nicht ein Wissen von allerlei Wahrheiten empfingen, das sie wie anderes „Wissen“ getrost nach Hause tragen und dort ruhig bewahren können, sondern weil sie einen lebendigen Herrn bekamen, können sie nicht bei dem stehenbleiben, was man „Glauben an Christus“ nennt. Ein „Herr“ verfügt über unser ganzes Leben und setzt uns tätig in Bewegung. Darum wird daraus das „Wandeln in Ihm“, das Jesus immer völliger zu unserm Herrn macht, „daß wir nicht Meister suchen mehr“.

An dieser wirklichen, lebendigen Festigung des Verhältnisses zu Jesus liegt aber für den Blick des Paulus so Entscheidendes, daß er sogleich noch zwei weitere Bilder dafür hinzufügt. Wenn ich eine Blume eben ins Beet gepflanzt habe, kann ein Kind sie leicht wieder herausziehen. Ist sie aber nach einigen Wochen dort eingewurzelt, so wird sie sich eher zerreißen als herausziehen lassen. Auch die Kolosser dürfen und müssen so „in Christus verwurzelt“ sein, daß nicht mehr Einflüsse und Zeitströmungen und Männer voll Überredungskunst sie aus diesem Wurzelboden herausreißen und woandershin verpflanzen können. Unsere ganzen Lebenswurzeln in diesen Christus Jesus, den Herrn, hineinsenken, uns mit unserm ganzen Sein in Ihm verwurzeln, das erst ist „Christentum“.

Schon Jesus selbst hat das Gleichnis vom Bauen verwendet: auf Sand bauen oder auf den Fels bauen. Jesus ist groß genug, daß das ganze Gebäude unseres Lebens, ja vielmehr, daß der ganze Bau der Gemeinde allein „auf Ihm gebaut“ werden kann. Die Gemeinde in Kolossä hat es nicht nötig und darf sich nicht dazu verlocken lassen, ihr Gemeindeleben außerdem noch auf den Sand menschlicher Meinungen und Anweisungen zu gründen.

Wuppertaler Studienbibel

»Wer da steht, mag zusehen, dass er nicht falle« (1Kor 10,12). Der Christ braucht die Mahnung, den ernsten und doch ermunternden Zuruf, denn Nachfolge ist ein Weg, und vieles kann den Selbstsicheren oder Gleichgültigwerdenden zum Straucheln bringen. So ist die Mahnung hilfreiche Wegbegleitung, so wie ein Bergführer etwa auf die gefährlichen Stellen aufmerksam macht und hilfreiche Anweisungen zur Bewältigung gibt. Die Bibel droht nie, sondern will in ihren Mahnungen helfen und bewahren.

»Wie ihr angenommen habt«, damit weist der Apostel die Gemeinde auf ihren geistlichen Anfang zurück. »(Chri-stus annehmen« (wörtlich »an -, zu sich nehmen«), beschreibt die Bekehrung, die Wiedergeburt, die Lebenswende. Das griech. Wort bedeutet dabei »annehmen durch die Verkündigung«, das also, was die Kolosser gehört haben (vgl. Mt 11,14; Mk 4,20; Lk 18,17; Joh 3,11; 12,48; Apg 2,41; 11,1; 22,18; 1Kor 15,1; 2Kor 11,4; 1Joh 5,9; Heb 13,22). Gleichzeitig bestätigt Paulus mit diesem Verweis sehr deutlich den Dienst und die Predigt des Epaphras in Kolossä. Der Apostel muss seine Predigt, die in Kolossä den Glauben und damit die Gemeinde begründet hat, weder ergänzen noch korrigieren. Das Zeugnis des Evangeliums ist durch Epaphras in Kolossä umfassend und in rechter Weise geschehen. Die Gemeinde steht damit auf sicherem Fundament.

Die Kolosser haben nicht nur über Jesus Christus gehört; er selbst ist ihnen begegnet und sie konnten das Ja des Glaubens sagen. Nur hier im Kolosserbrief gebraucht Paulus diese volle Benennung Jesu Christi, wörtlich: »den Christus Jesus, den Herrn« (zweimal steht der betonende Artikel). »Den Christus Jesus« weist wohl betont zurück auf die vorigen Abschnitte, in denen der Apostel die Christus -Herrlichkeit und Fülle entfaltet hat. Diesen Christus haben die Kolosser von Epaphras gehört, und zu ihm haben sie Ja gesagt. »Christus« ist gefülltester Titel: der Gesalbte Gottes, der König Gottes. »Jesus« ist der Erdenname: Der, der dort in Bethlehem geboren und in Nazareth aufgewachsen ist, im Israelland um das Jahr 30 gewirkt hat und in Jerusalem gekreuzigt wurde. Dieser ist gemeint. Er ist »der Herr«, was wieder ausdrücklich betont: Er ist nicht ein Herr unter vielen, sondern »der Herr«. Das griech. Wort kyrios (»Herr«) ist Gottesbezeichnung, Titel und Rang des Allerhöchsten.

»In ihm« sollen die Kolosser auch weiterhin »leben«. »In ihm« meint die räumliche Nähe und die persönlichste Lebensgemeinschaft. »In Christus« sein heißt im Wort Gottes sein, im Gebet verbunden und im »Leib« eingefügt zu sein. »Leben in ihm« (wörtlich »wandeln, umhergehen«) meint die ganze Lebensführung: Alles ist dem Christus unterstellt, und in allem folgt der Glaubende vertrauend seinem Herrn, hört auf ihn und gehorcht ihm allein.

Gerhardt Maier – Edition C

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