Kennst du die Stimme des guten Hirten?

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir
Elberfelder 1871 – Johannes 10,27

Meine Schafe hören Meine Stimme, und Ich erkenne sie, und sie folgen Mir nach. Joh 10,3.14.16.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Johannes 10,27

Meine Schafe erkennen meine Stimme sofort, und sie hören auf das, was ich ihnen sage.
VolxBibel – Joh 10,27

In Johannes 10,27–29 finden wir eine weitere, sehr wichtige Stelle für unser Thema: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben.“ In diesen Versen finden wir keine Aufforderung oder Ermahnung für die Schafe der Herde Christi, sondern es werden sieben Tatsachen vorgestellt:
• Die Schafe hören die Stimme des guten Hirten.
• Der gute Hirte kennt seine Schafe.
• Die Schafe folgen dem guten Hirten.
• Der Hirte gibt ihnen ewiges Leben.
• Die Schafe gehen in Ewigkeit nicht verloren.
• Niemand wird die Schafe aus der Hand des Hirten rauben.
• Niemand kann die Schafe aus der Hand des Vaters rauben.
Es ist eine Tatsache: Niemand kann die Schafe, die Gläubigen, rauben!
Bedeutet das, dass die Schafe zwar von niemand anders geraubt werden können, dass sie aber selbst in der Lage sind, sich den Händen des himmlischen Vaters und des Sohnes zu entwinden? Nein, keineswegs. Denn ein Gläubiger hat nicht mehr Macht als alles andere im Universum. Sollte es ihm wirklich gelingen können, sich der Hand des guten Hirten und des großen Vaters zu entreißen? Sind wir stärker als der Sohn und der Vater? Wird Gott es erlauben, dass diese Schmach auf seinen Sohn fällt, der es als Hirte nicht vermocht haben würde, seine eigenen Schafe zu bewahren? Sollte der Wille Gottes des Vaters nicht erfüllt werden, dass sein Sohn niemand verliert (Joh 6,39)?
Außerdem sollten wir den genauen Wortlaut in diesen Versen beachten. Der Herr hat nicht gesagt: Sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, denn niemand wird sie aus meiner Hand rauben, sondern:
„… und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.“ Dass Gläubige nicht geraubt werden können, ist also nicht eine Begründung, sondern eine weitere Tatsache, die für die Schafe gilt. Deutlicher kann es nicht gesagt werden:„Und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit“!
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. (Johannes 10,27.28)

Gerrid Setzer – Anker der Seele

Der Mietling flieht, wenn er den Wolf kommen sieht. Aber der Herr sammelt die Schafe um sich und beschützt sie in seinem Arm. In Jesaja 40,11 lesen wir, dass Jesus die Lämmer  an seiner Brust trägt. In Lukas 15,5 trägt er das Schaf auf der Schulter. In Johannes 10,27 sehen wir, dass er vor den Schafen her geht, um ihnen den Weg zu zeigen. Die Lämmer werden nah an seinem Herzen getragen, so wie die jungen Gläubigen besonders die Zuneigung des Herrn Jesus benötigen. Aber die älteren Gläubigen, die Schafe, werden auf seiner Schulter getragen, der Ort der Kraft. Sie benötigen die unterstützende Kraft der Gnade in dem Kampf des Lebens. Es ist oft bemerkt worden, dass Jesaja 9,6 davon spricht, dass die Herrschaft über das Universum auf seiner Schulter ruht. Der Herr setzt für die Fürsorge eines Gläubigen dieselbe Kraft und Sorgfalt an, wie er es mit dem ganzen Universum tut. Was gibt das doch den Gläubigen ein Bewusstsein der Sicherheit! Jesus trägt den Christen, bis er ihn ins Vaterhaus gebracht hat. Schließlich leitet er die Schafe und geht vor ihnen her und weist ihnen den richtigen Weg.
Als der gute Hirte ist er einmal für uns gestorben und lebt jetzt im Himmel, um für uns zu sorgen. Wir lesen von Jakob, der in einigen Dingen ein Vorbild auf den Herrn Jesus ist, dass er den Feind nicht daran hindern konnte, einige Schafe seiner Herde zu stehlen. Aber der Herr kann im Hinblick auf seine Herde sagen, dass die, die der Vater ihm gegeben hat, nicht verloren gehen werden.

August van Ryn – Gedanken über das Johannesevangelium

Leute, welche dem Evangelium nicht gehorchen, gehören nicht zu Jesu Schafen. Das ergibt sich aus einem einfachen gegensätzlichen Schluss: denn seine Auserwählten ruft Gott mit wirksamem Ruf, sodass man Christi Schafe eben daran erkennt, dass sie glauben. „Schafe Christi“ heißen ja die Gläubigen auch nur darum, weil sie sich von Gott durch die Hand des obersten Hirten leiten lassen, ihr früheres unbändiges Wesen abgelegt haben und jetzt sich sanft und folgsam beweisen. Wahrlich kein kleiner Trost, dass fromme Lehrer wissen: mag auch die große Mehrzahl nicht auf Christum hören, so hat er doch seine Schafe, die er kennt, und die ihn kennen. So viel sie irgend können, müssen sie sich bemühen, die ganze Welt in den Schafstall des Hirten Christus hineinzubringen; wo es aber nicht gelingt, wie sie es gerne hätten, mögen sie zufrieden sein mit dem Einen, dass auch in Zukunft diejenigen, welche Schäflein Christi sind, gesammelt werden sollen.

Jean Calvin – Das Johannes-Evangelium

Und nun schildert Jesus seine „Schafe“ und ihr Wesen und Leben. Er nimmt dabei wieder auf, was er im Grundgleichnis V 1-5 geschildert hat, und wendet es nun auf die Seinen an. Diese sind dadurch zuerst gekennzeichnet, dass sie seine „Stimme“ zu „hören“ vermögen. „Meine Schafe hören meine Stimme.“ Natürlich kann jeder das Wort akustisch ins Ohr bekommen; aber es kann ihm dann ein fremdes, verschlossenes Wort bleiben, das ihn nicht trifft, das ihn nicht wirklich „angeht“. Es ist ein einzigartiger Vorgang, der sich bis heute immer neu ereignet, wenn wir das Wort Jesu wahrhaft „hören“ und darin die „Stimme unseres Herrn“, die „Stimme“ des wahren „Hirten“ erkennen
A) Dieses Geschehen ist das letzte Ziel aller Verkündigung. Est ist aber mit keiner eigenen Kraft und Fähigkeit, mit keiner alten oder neuen Methode zu erreichen. Es will erbetet und erglaubt sein und treibt den Verkünder in das Gebet.
Aber Jesus sagt das nicht nur von dem wunderbaren Beginn des Glaubens an ihn. Dieses „Hören seiner Stimme“ kennzeichnet das Leben fortdauernd. Die Welt ist erfüllt von unzähligen „Stimmen“ der verschiedensten Art, und alle diese „Stimmen“ werben um uns. Ach in unserem eigenen Herzen erheben sich mancherlei Stimmen lockend oder zurückweisend. Aber die, die Jesus gehören, hören durch dieses ganze Stimmengewirr hindurch „seine“ Stimme, die einzigartige Stimme des guten Hirten in ihrer unbestechlichen Reinheit und unüberwindlichen Liebe. Immer neu erkennen sie Jesus als das ewige Wort, das allein das Leben bringt.
Diesem unserm „Erkennen“ entspricht das uns geltende „Kennen“ Jesu: „Und ich kenne sie.“ Wir sahen schon, dass diese „Kennen“ immer ein liebendes und erwählendes und errettendes ist. Wir dürfen hier aber auch daran denken, dass auf diesem „Kennen“ die absolute und unverbrüchliche Festigkeit unseres Verhältnisses zu Jesus beruht. In jeder Verbundenheit mit Menschen begleitet uns die heimliche Sorge, die Liebe des andern zu verlieren, wenn er uns erst ganz kennenlernt und merkt, wer wir wirklich sind. Wir ahnen alle die Abgründe unseres Herzens und die ganze Häßlichkeit und Verdorbenheit unseres Wesens. Darum gibt es unter uns so viel Verschlossenheit und so manche feinere und gröbere Schauspielerei. Viel Glaubensleben ist darum auch von der Angst begleitet, Jesus könne uns loslassen oder verwerfen, wenn er uns erst richtig kennenlerne. Aber diese Angst ist unbegründet! Jesus „kennt“ uns ganz und gar, wenn er uns annimmt. Wir können ihn nie „enttäuschen“, denn er hat sich nie über uns „getäuscht“.
Dieses Verhältnis zu Jesus im gegenseitigen „Kennen“ führt in die „Nachfolge“. „Und sie folgen mir.“ Das ist das einzige, was die Schafe „leisten“ und tun können. Und doch ist es – wie der als Gleichnis benutzte Vorgang anschaulich zeigt – gerade keine „Leistung“. Die Schafe tun damit nichts für den Hirten und bringen ihm damit nichts zu. Warum „folgen ihm die Schafe“ (V.4)? Weil sie nur bei dem Hirten das finden, was sie selbst zum Leben brauchen: Weide und Wasser und Leitung und Schutz. Für uns aber werden diese Bilder zum Ausdruck für das eigentliche, ewige Leben, das wir nur bei Jesus, unter seiner Führung und in unserer „Nachfolge“, finden. Darum hat Simon Petrus, als Jesus auch den Zwölfen das Fortgehen von ihm anbot, mit Recht nicht geantwortet „Wir lassen dich nicht im Stich, wir stehen zu dir“, sondern“: „Zu wem sollten wir weggehen? Worte ewigen Lebens hast du“ (6,68) und eben nur du. Nirgends sonst können wir bekommen, was wir bei dir fanden. Darum kann es Jesus von den Seinen auch mit solcher Gewissheit sagen „Sie folgen mir“. Darin liegt ja für sie selbst ihr „Leben“.

Wuppertaler Studienbibel

Also kennst du die Stimme des guten Hirten? Und folgst du dieser Stimme? Oder benötigst du „jemanden“, der dir sagt, was der gute Hirte angeblich gesagt hat?

himmlischer Vater sorgt für sie

Sehet hin auf die Vögel des Himmels, daß sie nicht säen noch ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel vorzüglicher als sie?
Elberfelder 1871 – Matthäus 6,26

Schaut die Vögel an. Sie müssen weder säen noch ernten noch Vorräte ansammeln, denn euer himmlischer Vater sorgt für sie. Und ihr seid ihm doch viel wichtiger als sie.
Neues Leben – Bibel 2006 – Mt 6,26

Seht (Schaut, Beobachtet) [euch] die Vögel des Himmels an, denn sie säen nicht und (, noch) ernten nicht, noch sammeln sie etwas in Vorratshäuser (Scheunen); und doch euer himmlischer Vater ernährt (füttert) sie; seid ihr (unterscheidet ihr euch) nicht viel mehr wert (wertvoller) als sie?

  „Mehr wert sein“ ist keine wörtliche Übersetzung, aber natürlich die Bedeutung von „διαφέρετε αὐτῶν“, „sich von ihnen unterscheiden“

offene Bibel – Matthäus 6,26

Da steht das Wort: „Sie mühen sich nicht, d.h. sie arbeiten nicht, sie säen nicht …“ Müßte nicht daraus gefolgert werden: Wir arbeiten nicht und säen nicht und legen die Hände in den Schoß und lassen uns vom Vater im Himmel ernähren? Wie die Vögel nicht säen, so haben auch wir säen und ernten nicht nötig?
Welch eine Torheit! Machen wir uns das Bild mit den Vögeln recht klar. Ein Vogel kann nicht säen, aber doch muß er die Gaben, die Gott in ihn hineingelegt hat, benutzen, um zu seiner Nahrung zu kommen. Er darf nicht faul auf dem Neste sitzen, bis ihm Gott das Futter in den Schnabel wirft. Die Nahrung kommt nicht herbeigeflogen. Er muß vielmehr zur Nahrung hinfliegen und sich fleißig das suchen, was er braucht.
Und die Lilien, sie können nicht wie der Vogel fliegen und arbeiten, um sich Nahrung zu suchen, und doch müssen sie die Regentropfen und Tautropfen, die auf sie fallen, aufsaugen und den Sonnenstrahlen sich öffnen. Wenn sie das nicht täten, gingen sie zugrunde.

Wuppertaler Studienbibel

Der Herr fügt nun einige Illustrationen aus der Schöpfung an. Im Anfang
schuf Gott alle Lebewesen und sorgte für ihren Fortbestand. Es mußte alles Lebendige, von dem 1Mo 1 berichtet, ernährt und erhalten werden. Gott gibt »dem Vieh sein Futter, den jungen Raben, die da rufen« (Ps 147,9; 145,16; Hi 38,41). Für den Menschen änderte sich das mit dem Sündenfall. Der Erdboden wurde verflucht, und der Mensch muß arbeiten, um ihm Speise abzugewinnen (1Mo 3,17-19). Gott sorgte in Seiner Regierung dafür, daß der sündige Mensch sich in täglicher Arbeit um sein Brot mühen muß. Das gilt auch für die Gläubigen neutestamentlicher Zeit, wiewohl sich diese um nichts Sorgen machen, sondern mit Gebet und Danksagung ihre Anliegen Gott kundmachen (Ph 4,6). Wir sind mehr als die Vögel des Himmels und die Tiere des Feldes, denn der Herr hat uns mit Seinem Blut erkauft, was von keinem andern Geschöpf, das sich auf dem Erdboden regt, gesagt werden könnte.
 Das in V.27 verwendete Wort »Größe« (hêlikia) kann sowohl Körpergröße als auch »Lebenslänge« bedeuten. Wir essen um zu leben, aber wir können nicht länger leben, als Gott uns verordnet hat. Er mag eingreifen wie in 2Kö 20,5-6; wir sind
aber völlig von Ihm abhängig. Warum sollten wir uns dann so gebärden, als wären wir es nicht?

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Die Vögel werden von Gott ernährt; sollte Er uns nicht ernähren? Sie sind frei von der aufreibenden Sorge, die von dem Ansammeln und Handeltreiben kommt; warum sollten wir es nicht sein? Wenn Gott die Vögel unter dem Himmel ernährt ohne Säen, Ernten oder Speichern, so wird Er sicherlich uns versorgen, wenn wir vertrauensvoll diese Mittel gebrauchen. Wenn wir uns auf diese Mittel verließen und Gott vergäßen, so würde das in der Tat Torheit sein. Unser König will, dass seine Untertanen ihre Herzen seiner Liebe und seinem Dienste hingeben und sich nicht mit niederen Sorgen abquälen. Es ist gut für uns, diese täglichen Bedürfnisse zu haben, weil sie uns zu unserem himmlischen Vater leiten; aber wenn sie uns ängstigen, so dienen sie nicht ihrem Zweck, sondern werden zu Schranken, die uns vom Herrn trennen. O, dass wir so gut wie die Vögel wären im Vertrauen. Schließlich sind wir ja in der Würde unserer Natur »viel mehr als sie«!

Spurgeon – Das Evangelium des Reiches

Seht auf die Vögel des Himmels. Sie säen nicht, ernten nicht und sammeln nicht in die Scheunen, und doch ernährt sie euer himmlischer Vater. Seid ihr nicht mehr wert als sie? Wie geht es zu, daß die Vögel, die all das nicht verstehen, worauf wir die Erhaltung unseres Lebens gründen, doch erhalten werden? Gott sorgt für ihre Nahrung. Und nun bilden wir uns ein, Gott speise die Vögel, uns aber nicht; uns überlasse er vielmehr unserer eigenen Sorge? Was macht ihr, sagt uns Jesus, aus Gott für einen Narren, wenn ihr ihm ein Herz für die Vögel zutraut und keines für euch?
Wie er dem Reichen gesagt hat: Werde doch reich in Gott, so sagt er den Sorgenden: Du hast Gott über dir, hast einen Vater, das macht deinen Reichtum aus. Und wie er den Reichen gesagt hat: Wie vergeblich ist eure Anstrengung, ihr sammelt eure Schätze für die Motten und Diebe, so sagt er den Sorgenden. Ihr erreicht mit eurer Sorge nichts. 6,27: Wer aus euch ist aber imstande, eine einzige Elle mit Sorgen zu seiner Lebenszeit hinzuzutun?* Ihr sehnt die Zukunft herbei, aber sie kommt deswegen nicht rascher; denn ihr verschiebt den Lauf des Lebens nicht durch eure Macht.

Schlatter – Das Evangelium nach Matthäus: Ausgelegt für Bibelleser

Gebet & Geist

Desgleichen aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie sich’s gebührt, aber der Geist selbst verwendet sich (O. vertritt, tritt ein; so auch v 27. 34.) für uns in unaussprechlichen Seufzern. Der aber die Herzen erforscht, weiß, was der Sinn des Geistes ist, denn er verwendet sich für Heilige Gott gemäß.
Elberfelder 1871 – Römer 8,26–27

Desgleichen aber auch der Geist hilft unseren Schwachheiten auf. Denn was wir beten sollen, wie es sein soll, wissen wir nicht, aber eben der Geist kommt für uns hoch ein mit unaussprechlichen Seufzern; der nun die Herzen forscht, weiß, was der Sinn des Geistes ist, weil er göttlich für die Heiligen einkommt.
Johann Albrecht Bengel – Röm 8,26–27

Gottes Geist ─ seine besondere Power ─ hilft uns dabei: nämlich da, wo wir zu schlaff sind. Wenn wir zum Beispiel nicht beten können, wie es eigentlich angesagt wäre, dann hilft uns diese Kraft und betet für uns auf eine Art, wie wir es mit unseren eigenen Worten nie könnten. Gott aber, der uns in- und auswendig kennt, versteht, worauf der heilige Geist hinauswill. Der legt nämlich für uns ein gutes Wort ein.
VolxBibel – Röm 8,26–27

Der fünfte Dienst des Heiligen Geistes in Bezug auf geistliches Wachstum ist der des Gebets und der Fürbitte. Drei Hauptabschnitte sprechen von diesem Dienst.

Die erste ist Römer 8,26-27: Und ebenso hilft auch der Geist unserer Schwachheit; denn wir wissen nicht, wie wir beten sollen, sondern der Geist selbst legt Fürbitte für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen; und wer die Herzen erforscht, der weiß, was des Geistes Sinn ist, denn er legt Fürbitte ein für die Heiligen nach dem Willen Gottes.

Nach dieser Passage betet der Heilige Geist für den Gläubigen. Der Grund, warum der Heilige Geist für den Gläubigen beten muss, liegt in der Schwäche des Gläubigen in seinem Gebetsleben. Da er endlich ist, weiß der Gläubige nicht immer, was seine wirklichen Bedürfnisse sind. Der Gläubige betet über das, was er denkt, dass er es braucht, aber er weiß nicht immer genau, was seine wahren Bedürfnisse sind, aber der Heilige Geist weiß es immer. Aufgrund der Schwäche des Gläubigen in seinem Gebetsleben, besonders in Bezug auf das Wissen, wofür er beten soll, betet der Heilige Geist für den Gläubigen.

Die Methode, die der Heilige Geist verwendet, findet sich in dem Wort „hilft“. Das griechische Wort bedeutet wörtlich, dass „der Heilige Geist seine Hände in Zusammenarbeit mit dem Gläubigen an die Arbeit legt.“ Der Heilige Geist leiht dem Gläubigen tatsächlich „eine Hand“ in seinem Gebetsleben.

Außerdem betet der Heilige Geist mit Seufzen, das nicht ausgesprochen werden kann. Dieser Vers wird manchmal missbraucht, um zu lehren, dass dieses Seufzen ein Sprechen in Zungen ist. Aber der Vers sagt eindeutig, dass dieses Seufzen nicht ausgesprochen werden kann [Punkt!]. Er sagt nicht: „Mit Seufzen, das nicht ausgesprochen werden kann, es sei denn, man redet in Zungen“, sondern: „Mit Seufzen, das nicht ausgesprochen werden kann [Punkt!]. Dies ist nicht ein Dienst des Geistes nur für diejenigen, die in Zungen reden; es ist ein Dienst für alle Gläubigen. Paulus spricht im Kontext von Römer 8,26-27 von Dingen, die für alle Gläubigen gelten.

Arnold Fruchtenbaum – Die Ämter des Heiligen Geistes

Wir wissen nicht, was wir beten sollen
(Römer 8,26)

Es heißt nicht »wie« oder »warum« oder »wofür«, sondern »was«.
Was soll der Inhalt, was Gegenstand des Gebets sein?
Der Beistand wird angerufen, der Tröster, Heilige Geist, das Unverfügbare schlechthin, etwas uns auf wunderbare Weise Zukommendes. Das hilft uns auf, dort, wo wir unsere Schwachheit, unser Am-Ende-Sein erkennen, nicht dort, wo wir vor Selbstbewusstsein und äußerer Stärke strotzen. Beten findet seine Sprache aus dem Stammeln, dem Ringen um das richtige Wort, dem Flehen um Ant-Wort. Gebet ist Annäherung an das, was unsagbar ist, aber ausgedrückt werden muss. Beten ist ein Reden, in dem ein Mensch nichts mehr filtern muss, wo er alles sagen darf, alles rauslassen kann, auch alles Erschrecken, alles Selbsterschrecken, alles Drückende und Bedrückende. Beten ist ein Reden ohne Angst, ist ein Loswerden dessen, was bedrohlich in uns selbst steckt und was uns bedrohend umgibt. Hier kann einer alles sagen, ohne sein Gesicht zu verlieren. Hier kann er sich etwas zugestehen, was er einem anderen Menschen nicht zugestehen kann. Und er findet für dieses Zugestehen ein DU. Da kann einer alles sagen, tabulos und angstfrei sich anvertrauen, im Wutschrei, im Verzweiflungsruf, ja auch in der Selbstverfluchtung, bis er erlebt, dass er freier wird, bis er gar frei wird. Wo das Gebet verstummt, verliert der Mensch einen wesentlichen kathartischen Ort, einen intimen Ort der Selbstreinigung und Selbstbefreiung: durch ein Sich-Anvertrauen an das, was er nicht selbst ist.
Das andere ist das Stammeln der Freude, das Verwundern und die Dankbarkeit, die tief innere Begeisterung über das, was mitten im Alltags-Leben einfach nicht zu fassen ist, weil es zu schön ist. Beten, das nicht im Ritual erstarrt, gehört zur Intimsphäre des Menschlichen, ins geheimste Innere, ins vertrauensvoll Verschwiegene, ins An-Vertraute im Zwiegespräch. Leben auf der Suche nach dem DU, das sich dem ICH erschließt. In uns allen, die ihr Wohin suchen, steckt eine Sehnsucht; gibt es etwas, was jenseits aller Zweifel einfach »da« ist, für uns da ist? Unser Gebet sagt mehr über unseren Glauben als alle formalisierten Glaubenssätze. Unsicherheit bleibt, da wir nicht wissen, wie sich’s gebührt, zu beten.
Wir wissen, wie missbrauchbar gerade das Gebet geworden ist. Beten: das ist äußerster Ausdruck innerster Vorgänge, das ist Intensität und Intimität in ihrer höchsten Stufe, auf wundervolle Weise erreicht. Beten ist Besinnung auf die innersten Kräfte, die einem Menschen wunderbar zuwachsen. Läuterung geschieht durch ein Erzählen ohne Scheu; da kann einer sein Leben ohne Angst ausbreiten, weil er auf Annahme hofft. Es geht nicht zuvörderst ums Erhören, sondern um mitverstehendes Anhören. Ein Mensch, der aufhört zu beten, kommt sich selbst abhanden. Ein Mensch, der in das Geheimnis des persönlichen Gebetes eintritt, wird von einem unsagbaren Zauber erfüllt.
Aber das Persönlichste findet öffentlichen Ausdruck, wo wir mitschwingen in einer Musik und mitsingen, sodass der Brustkorb bebt, wo wir erleben, wie die Stimme es vermag, das Herz in den Kopf und das Gefühl in den Verstand zu bringen! Wer singen und loben kann, dem wird sein Leben reicher, ohne dass er mehr dazu haben muss. Bachs Musik z. B. öffnet, weil geistlicher Gehalt sich mit künstlerischer Genialität verbindet. Wo diese Musik auf den ästhetischen Genuss beschränkt bleibt, bleibt das draußen, worauf es auch Bach ankam: der gesungene Glaube. Das Geistliche drängt aufs Ästhetische, vollendet sich im Künstlerischen, weil alle wahre Kunst hilft, dem Unsagbaren näher zu kommen. Religion ohne künstlerische Durchdringung wird peinlich und hohl.

Friedrich Schorlemmer – Die Bibel fur Eilige

Welch ein Seufzen im bisherigen vom Apostel auch genannt wurde, jedes entspringt ihm aus etwas unerforschlich Tieferem: aus dem Seufzen des Geistes. Der Apostel umschreibt es: als ein Seufzen mit uns, als ein Seufzen für uns und als ein Seufzen unter uns.

Der Heilige Geist seufzt mit uns. Das Seufzen des Heiligen Geistes nimmt Anteil an unserem Gebetsumgang mit Gott. „Ebenso kommt aber auch der Geist unserer Schwachheit zu Hilfe.“ Die Gemeinde als Gottes Werk ist ja sein Werk. Sie ist ihm der Lebensraum innerhalb der Geschichte. Hier wird er in seinem Zeugnis von Christus gehört, verstanden und im Glauben bejaht. „Er wird zeugten von mir“, sprach Jesus einst von der Tätigkeit des Heiligen Geistes. Die Völker stellen sich in ihrer Blindheit und in ihrem Ungehorsam immer wieder auf sich selbst ein und damit wider das Christuszeugnis des Geistes. Der Auferstandene baut jedoch durch das Wirken des Geistes in den Gliedern und durch die Glieder seines Leibes einen neuen Tempel aus. In diesem kann und soll innerhalb der Geschichte die sich offenbarende Herrlichkeit Gottes zelten.

„Gott ist gegenwärtig!
Lasset uns anbeten
und in Ehrfurcht vor ihn treten!“

Durch solch einen Bekenntnischoral drückt die Kirche in Ehrfurcht und Anbetung ihre Glaubenshaltung zu der Neuschöpfung aus, die gegenwärtig unter dem Wirken Gottes im Entstehen ist. Sie hat das Zeugnis des Geistes Vom Sohne vernommen. Sie ist bereit, im Glaubensgehorsam mit ihrem Leben eine Behausung Gottes im Geiste zu sein. Sie will in ihrem Dienst und in ihrer Sehnsucht ganz auf die in die Geschichte getretene Herrschaft Gottes eingestellt sein. Sie weiß von dem Anspruch Gottes auf ihre Zeit, auf ihr Leben und auf ihre Zukunft. Daher sind keine lebendigen Kirchen, Gemeinden und Gemeinschaften innerhalb der Geschichte zu denken ohne Gottes verborgenes Wirken durch die schöpferischen Kräfte seines Geistes. Trotzdem stehen sie alle, wie jedes Gotteswerk, in subjektiver Freiheit: Sie können äußerlich tätig sein, letzthin auch ohne den Geist: Der Geist kann in der Geschichte aber nie wirken ohne jene lebendigen Glieder, die in bewusster Glaubenshingabe an Gottes Ruf und Gottes Werk stehen.

Des Geistes Tätigkeit ist daher ganz auf den Menschen und dessen Glaubenshingabe bezogen. In der Sammlung und dem Aufbau der Gemeinde als Gottes Werk gibt es daher keinen Kampf, der nicht auch sein Kampf wäre.

In ihrem missionarischen und seelsorgerischen Wirken soll ein Dienst sichtbar werden, den der Geist dauernd zu seinem Dienste begnadigen will. Auf dem Leidenswege gibt es keine Leidensgemeinde, deren Trübsale nicht auch seine Trübsale wären. Innerhalb der Spannungen und Kämpfe aller Mitarbeiter des Geistes gibt es keine Niederlagen, die er nicht auch als seine Niederlagen trägt. In dem Angelegtsein der Glieder der Gemeinde auf die in Christo Jesu angebrochene Königsherrschaft Gottes gibt es keine Sehnsucht, die er nicht in ihrem Inhalt auch als seine Sehnsucht teilt. Wie weit seine Teilnahme im Warten auf das Offenbarwerden der Königsherrschaft Gottes geht, deutet die Offenbarung Johannes an: das Maranatha der Gemeinde ist auch das Maranatha des Heiligen Geistes. „Der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es höret, der spreche: Komm!“ (Offb 22, 47.)

Der Heilige Geist seufzt für uns. „Denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt. Da tritt denn der Geist selbst für uns ein mit Seufzen ohne Worte. Der aber die Herzen erforscht, weiß, was das Verlangen des Geistes ist, weil er dem Willen Gottes entsprechend für Heilige eintritt.“

In diesen gewaltigen Worten des Apostels leuchtet die ganze Knechtsgestalt des Werkes auf, das Gott durch das Zeugnis seines Wortes und durch die Kraft seines Geistes werden lässt. Die Ohnmacht der gesamten Ekklesia, der Una Sankta in sich selbst, ja die Schwachheit ihrer unzähligen Glieder bis in ihren Gebetsumgang mit Gott hinein, gehört mit zu ihrer gegenwärtigen Knechtsgestalt und geschichtlichen Erscheinung. Im Kindesverhältnis zu Gott stehen und dennoch zu erleben, nicht zu wissen, um was wir bitten sollen: das ist Schwachheit und Knechtsgestalt eines Gotteswerkes, das in der Welt zwar im Werden, nicht aber in seiner Vollendung steht.

Bis ins Heiligste, bis in ihr Sohnesverhältnis hinein zu Gott, leben Glaubende in der Spannung zwischen dem, „wie sich’s gebührt“, und dem, „wie sich’s nicht gebührt“. Auch in ihrer Stellung als Söhne ringen sie nicht etwa nur um eine gewissenhafte und um eine dem Bekenntnis entsprechende Entscheidung: ihr tiefstes Anliegen ist eine Hingabe, die dem Willen und den Zielen Gottes entspricht. Manches, was geschieht, ist subjektiv gewissenhaft, damit aber noch nicht gottgewollt. Denn auch in der Erhörung der Gebete macht Gott sich nicht etwa abhängig von der Erkenntnis und Aufrichtigkeit seiner Kinder. Er handelt nach seinem Willen, um ihnen als Erhörung das zu geben, was zu ihrem Frieden dient. Wie oft riefen sie in ihrem Kindesverhältnis zu Gott in ihrer unklaren oder sogar falschen Gotteserkenntnis Gott an! Er konnte ihnen aber um ihres Heils und um ihrer Zukunft willen nie eine ihren Wünschen entsprechende Erhörung zuteilwerden lassen. Es ist daher jenes Ringen, das auch aus dem Leidenskampf Jesu in Gethsemane spricht: „Vater, nicht wie ich will, sondern wie du willst.“

Kroeker – Römerbrief

ewiges Leben

Ihr, was ihr von Anfang gehört habt, bleibe in euch. Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang gehört habt, so werdet auch ihr in dem Sohne und in dem Vater bleiben. Und dies ist die Verheißung, welche er uns verheißen hat: das ewige Leben.
Elberfelder 1871 – 1 Joh 2,24–25

Hey, Leute, die Sachen, die ihr am Anfang gelernt habt, die dürft ihr nie vergessen! Wenn ihr bei den Dingen bleibt, die ihr am Anfang gehört habt, dann bleibt ihr auch immer ganz nah an Jesus und an seinem Vater dran. Und die große Sache, die er uns versprochen hat, bleibt ganz sicher: ein Leben, was nie mehr aufhören wird!
VolxBibel- 1 Johannes 2,24–25

Lasst euch also durch nichts von der Botschaft abbringen, die ihr von Anfang an gehört habt! Wenn ihr an dem, was ihr von Anfang an gehört habt, festhaltet, werdet ihr mit dem Sohn und mit dem Vater verbunden bleiben.  Und damit erfüllt sich die Zusage, die Jesus Christus uns gemacht hat: ´Wir haben` das ewige Leben.
Neue Genfer Übersetzung – 1 Joh 2,24–25

«Und dies ist die Verheissung, die er uns verheissen hat: das ewige Leben» (Vers 25). Johannes bezieht sich hier auf das Wort des guten Hirten: «Meine Schafe hören meine Stimme … und ich gebe ihnen ewiges Leben» (Johannes 10,27.28). Leser, hast du es empfangen? Bist du ein Kind Gottes? Eine andere Verheissung des Herrn war die Gabe des Heiligen Geistes (Johannes 16,13). Diese «Salbung von dem Heiligen» ruht heute nicht nur auf den «Vätern», sondern auch auf den «Kindlein» in Christus, um sie in die ganze Wahrheit zu leiten. «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben – hat der Herr Jesus gesagt – niemand kommt zum Vater, als nur durch mich» (Johannes 14,6). Der Apostel bestätigt hier, dass der, der den Sohn leugnet, auch den Vater nicht hat (Vers 23; lies Johannes 8,19). Ohne den Sohn kann niemand den Vater erkennen (Matthäus 11,27). Deshalb macht der Feind so grosse Anstrengungen gegen die Person des heiligen Sohnes Gottes und vor allem, um Zweifel an seiner ewigen Existenz und seiner Göttlichkeit einzupflanzen. Möchten wir die Stimme des Lügners erkennen (Vers 22). Was «von Anfang» ist, hat Gültigkeit bis zur «letzten Stunde» (Vers 24,18). Angesichts aller ‚Neuheiten‘ besteht unsere Sicherheit darin, uns an die Belehrungen zu halten, die von Anfang an sind (Galater 1,8.9).

Jean Koechlin – Ährenlese im Neuen Testament 1.Johannes

Das Bleiben im Vater und im Sohn ist ewiges Leben (V. 24, 25)

In den Versen 24, 25 fasst Johannes nun alles mit einer Herausforderung und einer Verheißung zusammen. Die Platzierung von „ihr“ in der betonten Position des Satzes im Griechischen stellt wahre Gläubige den Irrlehrern der vorherigen Verse stark gegenüber. Einige Übersetzungen bringen dies zum Ausdruck, indem sie übersetzen: „Was euch betrifft … „15 Uns wird befohlen, die Wahrheit des Evangeliums, die wir „von Anfang an gehört haben“, in uns wohnen zu lassen. Die Formulierung „von Anfang an“ bezieht sich darauf, wann die Leser des Johannes das Evangelium zum ersten Mal hörten und glaubten. Die Wahrheit des Evangeliums in sich „wohnen“ zu lassen, bedeutet zwei Dinge: 1) die Wahrheit zu akzeptieren, und 2) mit ihr zu interagieren und sie Ihr Denken und Handeln kontrollieren zu lassen. In der nächsten Aussage kehrt Johannes die Reihenfolge um: Das, was sie „von Anfang an“ gehört hatten, steht vor dem Wort „bleibt“. Dies ist ein stilistischer Unterschied, der einen Chiasmus erzeugt, eine Parallelstruktur mit umgekehrter Reihenfolge. So etwas kommt sowohl im Alten als auch im Neuen Testament häufig vor und dient sowohl als eindringliches rhetorisches Mittel als auch als Gedächtnisstütze. Wenn wir die Wahrheit des Evangeliums annehmen und daran festhalten, ist das Ergebnis, dass wir in der Gemeinschaft mit Jesus und mit Gott, dem Vater, bleiben.
Vers 25 schließt den Abschnitt mit einer Verheißung: Diejenigen, die den Sohn und den Vater in einer rettenden Weise kennen, diejenigen, die sein Evangelium und seine Gebote befolgen, haben die „Verheißung“ des „ewigen Lebens“. Diese Verheißung wird von Jesus gegeben, der das Antezedens von „er“ ist. In rechter geistlicher Beziehung zu Jesus und Gott zu stehen, ist in seinem Wesen ewiges Leben. Da das biblische Konzept des ewigen Lebens sowohl eine Zeitquantität als auch eine Zeitqualität beinhaltet, sind Christen Menschen, die jetzt ewiges Leben in dem Sinne haben, dass Gottes Leben in ihnen ist, die aber im Himmel ewiges Leben in dem Sinne haben werden, dass dieses Leben niemals enden wird. Das ewige Leben ist ein Geschenk Gottes durch Christus, das jeder wahre Gläubige teilt.

David Allen – 1-3 Johannes: Gemeinschaft in Gottes Familie

Es sollte uns nicht erstaunen, dass ewiges Leben sowohl eine zukünftige als auch eine gegenwärtige Seite hat. Das gleiche gilt z.B. auch für Errettung, Erlösung, Heiligung. Das gegenwärtige Teil dürfen und sollen wir jetzt geniessen, während die zukünftige Seite uns ernsthaft beschäftigen sollte, um schon jetzt im Blick auf die Zukunft zu leben. Es gibt Leute, die das ewige Leben als einen gegenwärtigen Besitz des Gläubigen verneinen, weil 1 Johannes 2,25 es als eine Verheissung bezeichnet. Aber beides ist vollkommen wahr. Obwohl wir ewiges Leben in uns wohnend haben, befinden wir uns doch noch nicht in einer Umgebung, in der jeder Umstand mit diesem Leben vereinbar ist. In der Tat, wir sind vom Tal des Todesschattens umgeben; und das Leben in uns sehnt sich nach seinem eigentlichen Zuhause, wo alles die reine Glückseligkeit des ewigen Lebens ausstrahlen wird.
Aber auch dort wird das ewige Leben nicht eine Frage der Stellung sein, die wir einnehmen werden, sondern der Natur. Dort wird alles der erhabenen Natur des Vaters und des Sohnes vollkommen entsprechen. Das ist weit mehr als einfach unaufhörliche Existenz! Diejenigen, die den Herrn in Matthäus, Markus und Lukas fragten, wie sie ewiges Leben erben könnten, hatten gewiss wenig Verständnis von einem zukünftigen Zustand, der von der eigentlichen Natur Gottes in reinem Licht und reiner Liebe durchdrungen ist

Halte fest 1989

Die Gemeinden sind in der gemeindegründenden apostolischen Predigt, die sie »von Anfang an gehört haben«, mit dem »vollen«, ganzen Evangelium gelehrt worden. Sie brauchen keine weiteren neueren, höheren Erkenntnisse. Die Christuserkenntnis ist höchste und letzte Gotteserkenntnis. »Jesus Christus, Gottes Sohn, unser Heiland« – das ist alles, mehr gibt es nicht. Dieses ihr Leben neuschaffende Wort, durch das sie wiedergeboren wurden, soll bei ihnen bleiben, mahnt Johannes wiederholend eindringlich. Dieses »Bleiben« hat ganz praktische Züge. Das Wort bleibt dort, wo es gehört wird, weil es verkündigt wird. Im persönlichen Hören auf das Wort Gottes in den Versammlungen der Gemeinde bleibt das umwandelnde Gotteswort da. So wird den Irrlehrern nicht Raum und Zeit zu ihrer falschen Verkündigung gegeben – das ist die Konsequenz daraus. »Das bleibe in euch« – so, im Hören auf das Wort, dringt es in unser Denken, Wollen, Fühlen und Tun ein, ist unsere Lebensspeise und gestaltet uns hinein in die Christusart. Deshalb sagt auch Paulus: »Lasset das Wort Christi reichlich unter euch wohnen« (Kol 3,16), und er spricht – wie Johannes – und Verheißung nach, der sagt: »Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger« (Joh 8,31), und die Verheißung gilt: »Ich bin das Brot des Lebens, bin Brot, Lebensspeise zum ewigen Leben« (Joh 6,35).

Wo das Wort Gottes so Raum hat, Wohnung im Herzen des Einzelnen und in der Gemeinde bekommt, da ist Gott im Sohn da, und wir werden »auch im Sohn und im Vater bleiben«. Das göttliche Wort führt und hält uns in der Gottesgemeinschaft, wie es Johannes schon bezeugt hat (vgl. zu 1Joh 1,3).

So wichtig ist unser Leben mit der Bibel! Ohne das völlige Vertrauen zu seinem Wort und den beständigen Umgang mit dem Wort verlieren wir die Gemeinschaft mit Gott und Christus. Auch derjenige ist hier gefährdet, der sich auf besondere Geistverbindung, Geistoffenbarung und Geistbegabung beruft. Ohne die Deckung durch das biblische Wort ist das alles nichts.

1Joh 2,25:

»Und das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben.«

Damit spricht Johannes wieder genau Jesus nach, der gesagt hat: »Wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht sehen in Ewigkeit« (Joh 8,51). Und Petrus hat gepriesen: »Du hast Worte des ewigen Lebens« (Joh 6,68). Zu der Frau am Jakobsbrunnen sagt Jesus dasselbe im Bildwort vom Wasser: »Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt« (Joh 4,14; vgl. auch Joh 5,39; 12,50; 17,3).

Das Wort Gottes ist wirkende Kraft. Es gestaltet uns in die Christusart um und führt uns so in das ewige Leben. Noch ist es Verheißung, aber der Herr sagt es, verheißt es und übernimmt so alle Garantie. Auch die Irrlehrer reden vom ewigen Leben, locken mit reichen Verheißungen, aber ihre Worte und Lehre haben keine Kraft, führen in die Irre und in das Verderben.

Gerhardt Maier – Edition C

Also haben wir das ewige Leben oder bekommen wir in der Zukunft das ewige Leben?
Und kann ich irgendetwas dazu tun? Oder ist es nur die Sache, die Gott mir schenkt?
Die Antworten liegen auf der Hand!

„sollt ihr nicht so tun“

Jehova, eurem Gott, sollt ihr nicht also tun
Elberfelder Bibel 1905 – 5.Mose 12,4

Ihr sollt dem Herrneurem Gottnicht auf diese Weise dienen
►24 לַ5 יהוָ֖ה7 כֶֽם6 אֱלֹהֵי1 לֹֽא3 כֵּ֔ן2 תַעֲשׂ֣וּן
   yhwhḵěmʹʾělō·hêlō(ʾ)ʹ  kēnʹṯǎ·ʿǎśûnʹ
  1 לְ יהוהאַתֶּםאֱלֹהִיםלֹא  2 כֵּן1 עשׂה
  l 1 yhwhʾǎt·těmʾělō·hîmlō(ʾ)  kēn 2ʿśh 1
  P NPMSARS2MPNCMPCG  DVaI2MP–N
    30688594303808  36516213
            

Schlachter_2004 – Dtn 12,4

Ihr sollt es nicht so halten mit dem Herrn, eurem Gott, (wie jene Völker mit ihren Göttern,)
Zürcher 1931 – Dtn 12,4

Heute bei der Bibelbetrachtung einen interessanten Vers gefunden. Aus dem Zusammenhang könnte man diesen in die eine oder andere Richtung übersetzten!
Entweder, die Israeliten sollen nicht die selbe Gottesdienstpraxis von den Götzenanbetern übernehmen – oder, was sich eigentlich aufdrängt: die Israeliten sollen ihren Gott nicht aus dem Land entfernen!

Interessant, dass genau in diese Richtung einige jüdische Lehrer gehen:

RASHI
Du sollst den HERRN, deinen Gott, nicht auf diese Weise anbeten. Indem du an irgendeinem Ort Opfer darbringst, außer an dem, den er erwählt hat. Eine andere Lesart: Du sollst den Namen Gottes nicht „auslöschen“, wie du es mit den Götzen tust, oder einen Stein vom Altar oder vom Tempelvorhof entfernen. R. Ishmael sagte: Könnte es dir in den Sinn kommen, dass Juden den eigenen Altar Gottes niederreißen würden? Es bedeutet dies: „Handelt nicht so, dass eure Übertretungen dazu führen, dass das Heiligtum eurer Vorfahren zerstört wird.“

NAHMANIDES
Du sollst den HERRN, deinen Gott, nicht auf gleiche Weise anbeten. Siehe den Kommentar von Raschi. Die Worte von R. Ismael, die er zitiert, haben den Beigeschmack eines Midraschs; was unsere Weisen über diesen Vers sagen, ist, dass er sich auf das Auslöschen von Gottes Namen bezieht (siehe B. Mak. 22a). R. Ishmaels Worte (die aus den Sifrei stammen) sind nicht widersprüchlich; sein Punkt ist, dass das Auslöschen eines Buchstabens aus Gottes Namen wie das Herausreißen eines Steins aus dem Altar ist. Unser Vers würde also bedeuten: „Reißt den Altar Gottes nicht nieder und löscht seinen Namen nicht aus“, wie ich euch befohlen habe, es mit den Göttern der anderen Völker zu tun. Stattdessen sollt ihr seinen Namen und seinen Altar ehren und eure Opfergaben an den Ort bringen, an dem er seinen Altar aufstellen und seinen Namen etablieren will.

Und was ist dann daraus geworden? Aus Jehoschuah wurde Jesus gemacht, aus Jehovah wurde Jahwe oder noch schlimmer Baal – also Herr! Anstatt auf die Sicht zu schauen, dass Jehovah der Gott ist, der über Raum und Zeit ist – und damit nicht nur die Vergangenheit und die Gegenwart beherrscht = Jahwe – sondern auch die Zukunft in seiner Hand hat = Jehovah. Anstatt darauf zu schauen das Jehovah die Rettung ist = Jehoschua, schaut man auf einen griechischen Namen, den so viele Menschen getragen haben. Hätten wir doch alle diesen Gedanken aus 5.Mose 12 richtig verstanden – mit beiden Bedeutungen!

Tag der Arbeit

noch haben wir von jemand Brot umsonst gegessen, sondern wir haben mit Mühe und Beschwerde Nacht und Tag gearbeitet, um nicht jemand von euch beschwerlich zu fallen.
Elberfelder Bibel 1905 – 2 Thessalonich 3,8

wir ließen uns von niemand unser Brot schenken; wir haben vielmehr bei Tag und Nacht schwer gearbeitet, um keinem einzigen aus euch zur Last zu fallen. …Nun hören wir doch, daß einige bei euch ein ungeordnetes Leben führen und nichts schaffen, sondern nur geschäftig tun.
Grünewald – 2 Thess 3,8.11

Auch haben wir nicht jemandes Brot umsonst gegessen, sondern mit Mühe und Beschwerde Tag und Nacht gearbeitet, um keinem unter euch beschwerlich zu werden; Apg 20,33.34; 1Thess 2,9.10; 2Kor 11,7f.
Weil wir hören, daß etliche unter euch unordentlich wandeln, nicht arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben. Röm 1,24; 1Tim 5,13; Spr 12,11.
Tafelbibel – 2 Thess 3,8.11

Haben wir jemals geschnorrt und uns auf Kosten anderer durchgeschlagen? Null! Wir haben geschuftet wie blöd, tagsüber und im Nachtdienst haben wir gearbeitet, nur um niemandem auf der Tasche zu liegen. … Jetzt haben wir aber gehört, dass es ein paar Leute bei euch gibt, die wie Penner leben, nicht arbeiten wollen und auch sonst nur Dünnsinn im Kopf haben.
VolxBibel – 2 Thess 3,8.11

Warum hat Paulus hart gearbeitet? War er nicht ein ausgebildeter Schriftgelehrter? Nun, alle jüdischen Rabbis arbeiteten ja weiter! Lehrer des Wortes war in Jehovahs Volk immer ein „Nebenjob“ oder wie bei den Propheten ein „Freizeitspaß“.
Aber die Thessalonicher sahen dies anders, denn diese waren es von ihren nichtchristlichen Lehrern gewohnt, durch den Zuhörer bezahlt zu werden.
Aber warum sollte jemand, der die gute Botschaft, dass Jesus Christus für deine und meine Sünden gestorben ist, und nun aufererweckt neben dem Vater im Himmel ist, etwas bezahlt werden? Sollten wir unser Glück nicht unentgeltlich mit allen Menschen teilen? Haben wir den diese gute Botschaft bezahlen müssen?
Ja, Paulus predigte das Wort Gottes – und arbeitete 6 Tage die Woche mit einem „Knochenjob“ indem er als Zeltmacher arbeitete – ein Job der sehr unbeliebt war, weil das Gerben der Felle sehr unangenehm stinkt.

Paulus erinnert die Heiligen an sein eigenes Leben unter ihnen, das ein Vorbild von einem ordentlichen Lebenswandel war. Dadurch hatte er seine eigenen Belehrungen selbst praktiziert. Um für den einfachsten Gläubigen ein Vorbild zu sein, lehnte er vorübergehende Hilfe von diesen Gläubigen ab. Als Diener des Herrn hatte er „das Recht“ auf diese Hilfe (1 Korinther 9,7–14). Aber zu ihren Gunsten verzichtete er auf sein Recht und arbeitete „mit Mühe und Beschwerde“, Tag und Nacht, für seine Belange. So wurde sein Leben ein Beispiel für alle und eine Zurechtweisung für die, die nicht arbeiten wollten. Der Feind konnte diese Heiligen offensichtlich nicht der Wahrheit über das Kommen des Herrn berauben und versuchte daher, sie zu einem Missbrauch der Wahrheit zu verleiten. So schaffte er es anscheinend, dass einige ihre reguläre Arbeit unter dem Vorwand der kurz bevorstehenden Ankunft des Herrn aufgaben.
„Denn auch als wir bei euch waren, geboten wir euch dieses: Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen. Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nichts arbeiten, sondern fremde Dinge treiben“ (3,10–11).
Bei seinem Besuch hatte der Apostel sie schon vor unordentlichem Lebenswandel gewarnt: Wenn jemand nicht arbeiten wollte, sollte er auch nicht essen. Trotz des Vorbildes seines eigenen Lebens und trotz seiner Warnung gab es einige, die nicht arbeiteten wollten und sich in die Angelegenheiten anderer Leute einmischten. Ihr Leben war gekennzeichnet durch unordentlichen Wandel, Unwilligkeit zu arbeiten und unnützes Gerede. Von solchen sollen wir uns zurückziehen. Jemand hat gesagt: „Dumme Schwätzer werden ermuntert durch dumme Zuhörer, und unverdientes Brot müssen die finden, die bereit sind, dafür zu bezahlen.“ Unnützes Geschwätz würde schnell aufhören, wenn da keine törichten Ohren wären, um zuzuhören.
„Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie im Herrn Jesus Christus, dass sie, in der Stille arbeitend, ihr eigenes Brot essen“ (3,12).
Nachdem der Apostel den Brüdern Anweisungen im Umgang mit Unordentlichen gegeben hat, wendet er sich jetzt direkt an die Letzteren. Er ermahnt sie eindringlich, im Namen des Herrn Jesus, in der Stille zu arbeiten und ihr eigenes Brot zu essen.
„Ihr aber, Brüder, ermattet nicht, Gutes zu tun“ (3,13).
Bei unordentlich wandelnden Menschen müssen wir achtgeben, nicht ungeduldig und mutlos zu werden im Gutestun. Die Gefahr besteht, dass wir durch die ständigen Anstrengungen den unordentlichen Menschen gegenüber entweder abgestumpft werden oder aber hart mit ihnen umgehen.
„Wenn aber jemand unserem Wort durch den Brief nicht gehorcht, den bezeichnet und habt keinen Umgang mit ihm, damit er beschämt werde; und erachtet ihn nicht als einen Feind, sondern weist ihn zurecht als einen Bruder“ (3,14.15).
Missachtet dieser undisziplinierte Mensch weiterhin die Anweisungen des Apostels, dann sollen wir uns von ihm distanzieren und keinen Umgang mit ihm haben, damit er beschämt werde. Doch gleichzeitig werden wir ermahnt, ihn nicht als einen Feind zu betrachten, sondern ihn als einen Bruder zurechtzuweisen. Wir sollen uns vor dem Geist der Pharisäer hüten. Wenn wir auch für eine Zeit keinen Umgang mit ihm haben können, müssen wir doch in brüderlicher Liebe handeln.
„Er selbst aber, der Herr des Friedens, gebe euch den Frieden allezeit auf alle Weise! Der Herr sei mit euch allen!“ (3,16).
Zum Schluss befiehlt der Apostel sie dem Herrn des Friedens an. Paulus kann uns unter der Leitung des Herrn unterweisen, aber allein der Herr selbst kann den Heiligen allezeit und auf alle Weise Frieden verleihen. Unordentlicher Wandel kann Störungen und Konflikte unter den Gläubigen auslösen. Der Herr des Friedens aber kann den göttlichen Frieden in diese Gemeinschaft bringen, den Frieden, den er bald in seinem Reich einführen wird. Wo der Friede des Herrn regiert, da wird auch der Herr selbst zugegen sein. Daher schließt der Apostel mit dem Wunsch, dass der Herr selbst mit allen sei.

Hamilton Smith – Auslegung über die Briefe an die Thessalonicher

Das Vertrauen des Paulus zu Gott, dass Gott die Thessalonicher befestigen und bewahren wird. (3,3.5)
f. Das Vertrauen des Paulus zu den Thessalonichern, dass sie tun werden, was Paulus gebietet. (3,4)
(1) Ordentlichkeit und ordentliche Arbeit – 3,6-15
a. Mit den Unordentlichen sollte keine Gemeinschaft gepflegt werden (3,6.14-15).
Warum? Diese wollen nicht arbeiten und erwarten Hilfe von anderen, obwohl sie selbst nur unnütze Dinge treiben (3,11). Paulus schreibt im Epheserbrief einen der wichtigsten Gründe, warum jeder arbeiten soll:
Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. (Eph 4,28)
b. Beispiel der Arbeit des Paulus (3,7-9)
Vergleichen Sie 1 Thess 2,9; Apg 18,3; 1 Kor 4,12; 9,6
c. Das Prinzip: Wenn jemand nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. (3,10)
d. Die eigentliche Ermahnung für diejenigen, die nicht arbeiten wollen. (3,11-13)

ERF – Bibelkunde Neues Testament Teil II

Das Wort „Unordentliche“ bedeutet vom Grundtext her „ohne Ordnung“. Es kommt außer in unserer Schriftstelle noch dreimal in dem Abschnitt 2 Thessalonicher 3,6-15 vor. Die kurzzeitliche Aufeinanderfolge der beiden Briefe an die Thessalonicher, verbunden mit ihrem engen Zusammenhang, gibt uns sicher die Berechtigung, aus diesem Abschnitt zu schließen, welches damals die Kennzeichen der Unordentlichen waren und auch heute noch sind.
Paulus mußte den Thessalonichern schreiben: „Denn wir hören, daß etliche unter euch unordentlich wandeln, indem sie nichts arbeiten, sondern fremde Dinge treiben“ (2 Thessalonicher 3,11). Dieses schädliche Verhalten hatte sich schon früh angebahnt, hatte der Apostel ihnen doch schon geboten und sie dann auch ermahnt, ihre „eigenen Geschäfte zu tun“ und mit ihren „eigenen Händen zu arbeiten“ (1 Thessalonicher 4,11). Der Apostel war ihnen darin ein gutes Vorbild gewesen (2 Thessalonicher 3,7-9) und erst recht der Herr Jesus, der „nicht gekommen“ war, „um bedient zu werden, sondern um zu dienen“ (Mk 10,45). Die „Unordentlichen“ schienen auf der einen Seite auf Kosten des Fleißes anderer Geschwister, vielleicht gerade auch derer, die in besonderer Weise unter ihnen arbeiteten (1 Thessalonicher 5,12), nicht zu arbeiten, auf der anderen Seite aber „fremde Dinge“ zu treiben, indem sie sich unzulässigerweise in die Angelegenheiten anderer, und auch hier wohl wieder besonders solcher, die ihnen im Herrn vorstanden (1 Thessalonicher 5,12), einmischten.
Es war nicht, wie man bisweilen hört, die lebendige Erwartung des Kommens des Herrn, die den unordentlichen Wandel herbeiführte (vgl. 1 Johannes 3,3), sondern eher der die Thessalonicher auf Grund der Mitteilungen falscher Lehren so sehr erschreckende Gedanke, „als ob der Tag des Herrn da wäre“ (2 Thessalonicher 2,1-3).
„Weiset die Unordentlichen zurecht“. Das zugrundeliegende griechische Wort bedeutet „jemand etwas in den Sinn hineinbringen“. Außerhalb der Briefe an die Thessalonicher (wo das Wort noch in 1 Thessalonicher 5,12 und 2 Thessalonicher 3,15 vorkommt) wird es sogar mit „ermahnen“ übersetzt. Es geht also (anders als bei „ermahnen“ am Anfang unseres Verses) um ein eindringliches Ermahnen. Dabei sollte aber nicht vergessen werden: „Und achtet ihn nicht als einen Feind, sondern weiset ihn zurecht als einen Bruder“ (2 Thessalonicher 3,15).
Erkennen wir nicht, wie gerade aus dem Wandel Unordentlicher Gefahren für die Gemeinschaft untereinander entstehen können? Befolgen wir daher doch in Treue und in der rechten Weise die uns gegebene Ermahnung. Lassen wir uns aber, so es nötig ist, auch zurechtweisen. Wenn das so bei uns gefunden würde, welche wohltuende Ordnung und welcher Friede untereinander würden dann zur Ehre des Herrn Jesus und zu unserem eigenen Nutzen unter uns gefunden werden! Wie würde dann auch der Weg frei für andere Aufgaben in der Nachfolge des Herrn!

Ermunterung und Ermahnung 1988

Der Apostel stellt Arbeit und Unordnung einander gegenüber: «Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nichts arbeiten, sondern fremde Dinge treiben» (2 Thessalonicher 3,11). «Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen», ein Grundsatz, den auch der Kommunismus für seine eigenen Zwecke übernommen hat, (was kann man der Bibel nicht alles entnehmen!); unter der Feder des Apostels hat dieses Wort den Sinn: Wer zu einer Arbeit fähig ist, hat kein Recht zu essen, wenn er die entsprechende Tätigkeit vernachlässigt.
Was ist denn, nach unseren Schriftstellen, der Zweck der Arbeit?
Zunächst arbeiten wir, «um niemandem … beschwerlich zu fallen»; der Apostel ist uns hierin ein Vorbild; es gilt, «sein eigenes Brot zu essen», für seine eigenen Bedürfnisse zu sorgen, sofern man dies kann und gesund ist. Der Ehemann hat auch seine Gattin zu «nähren» (Eph 5,29); wer eine Familie hat, ist gehalten, für alles zu sorgen, wessen sie nötig hat: «Wenn aber jemand für die Seinen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger» (1 Timotheus 5,8) – eine ausserordentlich ernste Ermahnung. Gibt es Witwen in der Familie, so haben die Kinder die Verpflichtung, besonders wenn die verwitwete Mutter nicht mehr für ihre eigenen Bedürfnisse aufkommen kann, «den Eltern Gleiches zu vergelten» (1 Timotheus 5,4). Der Apostel fügt hinzu: «Wenn ein Gläubiger oder eine Gläubige Witwen hat, so leiste er ihnen Hilfe, und die Versammlung werde nicht belastet» (Vers 16).
Für einen jungen Mann ist es der normale Weg, dass er sich durch eine Lehre oder durch Studium für einen Beruf vorbereitet, damit er selbst für seine Bedürfnisse sorgen kann. Begehrt er ein eigenes Heim zu gründen, so sagt ihm Sprüche 24,27: «Besorge draussen deine Arbeit und bestelle sie dir auf dem Feld; danach magst du dann dein Haus bauen.» Das tönt nicht sehr «modern», aber es ist die grundlegende Belehrung der Schrift, wenn die Umstände auch unendlich verschieden sein mögen, und der Herr den einen oder anderen der Seinen in besondere Lagen bringen kann.
Nach 1 Thessalonicher 4,12 hat die Arbeit einen doppelten Zweck: Sie setzt uns in die Lage, «niemand nötig zu haben», was sich mit dem soeben Gesagten deckt. Ferner hilft sie uns, «ehrbar zu wandeln vor denen, die draussen sind», ein Zeugnis, das der Christ in dieser Welt ablegen soll.
Müssiggang führt zu Unordnung. In 1 Timotheus 5,13 wird die jüngere Witwe vor dieser Gefahr gewarnt: Sie soll nicht in den Häusern umherlaufen, nicht müssig und geschwätzig sein, sich nicht um Dinge kümmern, die sie nichts angehen und Dinge sagen, die sich nicht gehören. Die Arbeit auferlegt uns eine persönliche Disziplin; sie lehrt uns Pünktlichkeit methodisches Ausnützen der Zeit und Ausharren. Ein Christ, der nachlässig arbeitet, ohne triftigen Grund am Arbeitsort fehlt oder über alles und alle seufzt, ist kein gutes Zeugnis.
Die Arbeit, der sich jeder widmen wird, ist sehr verschiedenartig. Wie wichtig ist es da, vor dem Eintritt in einen Beruf mit dem Herrn zu tun zu haben, um den Weg zu erkennen, auf dem Er uns wandeln sehen will. Hat man einmal einen Beruf ergriffen, ist es oft schwer, ihn zu wechseln. Für die jungen Christinnen stellt sich ein Problem. Nach dem soeben Gesagten ist es auch für eine unverheiratete Frau normal, dass sie sich für eine bestimmte Beschäftigung ausbildet – vor allem für eine solche, wo sie christliche Liebe und christlichen Einfluss entfalten kann – und so für ihre eigenen Bedürfnisse aufkommen kann, es sei denn, dass sie berufen ist, im Rahmen der Familie zu bleiben, um ihrer Mutter zu helfen oder ihre Geschwister zu umsorgen.
Darf eine verheiratete Frau ohne Kinder nach der Bibel auswärts für Lohn arbeiten? Die Schrift macht uns in dieser Beziehung wohl keine wörtlichen Angaben. Zweifellos hat die Gattin ihren ersten Platz in ihrem Heim, um ihrem Gatten die «Hilfe seinesgleichen» zu sein; aber die Zeiten und Umstände ändern sich, und es gibt so manche Gelegenheit, auswärts ein nützliches Amt auszufüllen.
Was aber die Hausmutter anbelangt, ist die Schrift sehr eindeutig. Sie hebt zum Beispiel das gute Zeugnis hervor, das eine Witwe hinterlassen kann:
• «Kinder auferzogen, …
• Fremde beherbergt, …
• der Heiligen Füsse gewaschen, …
• Bedrängten Hilfe geleistet, …
• jedem guten Werk nachgegangen…»
(1 Timotheus 5,10)
Lasst uns auf die Reihenfolge dieser fünf Beschäftigungen achten. Zu allererst soll sie die Kinder auferziehen, sie nicht nach ihrer eigenen Weise wachsen und sich entfalten lassen, sondern sie auf, ziehen «in der Zucht und Ermahnung des Herrn». Sie hat auch das Vorrecht, Gastfreundschaft zu üben und wird dies umso aufmerksamer tun, wenn es sich um die «Heiligen» handelt, denen sie, bildlich gesprochen, «die Füsse wäscht», eine Besorgung, die der Pharisäer (Lukas 7) dem Herrn Jesus gegenüber unterlassen hatte und die, gemäss Johannes 13, auch eine sittliche Bedeutung hat. Die Tätigkeit der Hausfrau überschreitet den Kreis ihres Heims, indem sie auch Bedrängten Hilfe leistet und jedem guten Werk nachgeht. Lasst uns jedoch beachten, dass diese beiden letzten Tätigkeiten erst nach den ersten Beschäftigungen aufgezählt werden: eine christliche Frau darf ihre Kinder nicht vernachlässigen, um sich «Werken» ausserhalb des Hauses zu widmen. Ein solches Programm lässt für eine zusätzliche, auf Verdienst zielende Tätigkeit nicht mehr viel Zeit übrig; aber auch da sind die Verhältnisse äusserst verschieden. Eine Mutter wird vielleicht genötigt sein, an den Haushaltskosten beizusteuern oder mit ihrem Gatten zusammenzuarbeiten; sie wird dabei aber auch «die Vorgänge in ihrem Haus überwachen», damit weder die Kinder noch das Zeugnis darunter zu leiden haben. Wenn wir das sagen, so denken wir auch an unsere Schwestern auf dem Land und an die mühevolle Arbeit, die ihnen oft obliegt, und auch an die Schwestern, deren Gatte nicht gesund genug ist, um allen Bedürfnissen des Haushalts selbst zu entsprechen.
Alle diese Arbeit, die der Apostel empfiehlt, soll sich «in der Stille» vollziehen (1 Thessalonicher 4,11; 2 Thessalonicher 3,12). Das ist in unserer Zeit höchster Anspannung und beschleunigter Entwicklung sehr schwierig zu verwirklichen. Zwei Verse aus den Sprüchen verhelfen uns vielleicht zu einem besseren Verständnis der Bedeutung dieser «Stille». Damit ist nicht ein Nachlassen in der Anstrengung gemeint; in Sprüche 22,29 wird der «gewandte» Mann gelobt. Gewandtheit heisst aber nicht gewinnsüchtig: «Bemühe dich nicht, reich zu werden» (Spr 23,4). Nicht das Streben, unter allen Umständen vorwärts zu kommen und etwas zu erreichen, soll uns kennzeichnen, sondern Sorgfalt und Aufmerksamkeit in der täglichen Arbeit. An den Landwirt gerichtet, aber auf alle anwendbar, sagt uns Sprüche 27,23-24: «Kümmere dich gut um das Aussehen deines Kleinviehs, richte deine Aufmerksamkeit auf die Herden. Denn Wohlstand ist nicht ewig; und währt eine Krone von Geschlecht zu Geschlecht?» Mehr als einer hat geglaubt, auf dem von seinem Vater oder Grossvater geerbten Wohlstand in einem Landgut oder einem Familienunternehmen ausruhen zu können und hat aus diesem Grund der Sache nicht die nötige Sorgfalt angedeihen lassen. Ein solcher vergass, dass eine Krone nicht von Geschlecht zu Geschlecht währt!
Kann man die Ermahnung «in der Stille arbeitend» (2 Thessalonicher 3,12) gar als Vorwand benutzen, um die Leistung von Überstunden zu verweigern? Sagt uns der Apostel nicht, er habe Nacht und Tag gearbeitet, um den Unterhalt für sich und seine Begleiter zu bestreiten? (2 Thessalonicher 3,8) Wir werden dabei jedoch nicht vergessen, dass der wöchentliche Ruhetag lange vor dem Gesetz von Gott eingesetzt worden ist. Sind auch wir Christen vom Sabbat zum ersten Tag der Woche, dem Auferstehungstag des Herrn Jesus, übergegangen, so bleibt doch der göttliche Gedanke nicht weniger bestehen; es ist daher sehr infrage zu stellen, ob ein Gläubiger weise handelt, wenn er den Sonntag mit einer irdischen Arbeit ausfüllt, die nicht unumgänglich nötig ist und wozu er nicht durch berufliche Pflicht gezwungen ist.
Wie gut ist es auch, wenn wir uns jedes Jahr einige Wochen für genügende Ferien aufsparen, die Gelegenheit geben, mehr als gewöhnlich zu den Füssen Jesu zu sitzen, um Ihn zu uns reden zu lassen!
Die Arbeit des Christen ist durch die Ermahnung von Kolosser 3,23-24 wunderbar geadelt. Sklavenarbeit war besonders entwürdigend. Der Sklave selbst zog aus ihr keinen Nutzen, keinen Gewinn, und doch sagte ihm der Apostel: «Was irgend ihr tut, arbeitet von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen … ihr dient dem Herrn Christus.» Bei jedem Tagewerk, im Haushalt oder auf dem Land, während der langen Stunden in der Werkstatt oder im Büro … immer soll uns der Satz eingeprägt sein: «Was irgend ihr tut, arbeitet von Herzen als dem Herrn.» Dann wird es weder wildes Drauflosarbeiten noch Gewinnsucht geben; wir werden der uns anvertrauten Aufgabe alle Geschicklichkeit und Sorgfalt widmen. Der Christ arbeitet nicht nur während den erforderlichen Stunden, um seinen Zahltag zu verdienen, sondern hat als Devise: «Ihr dient dem Herrn Christus.»
Die Schrift hebt noch ein anderes Ziel der Arbeit hervor: «Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen etwas zu geben habe» (Eph 4,28). Arbeiten, um aus dem Verdienst weitergeben zu können – an wen war diese Aufforderung gerichtet? An den, der früher gestohlen hatte! Welch eine wunderbare Veränderung bringen doch die Gnade und Neugeburt hervor! Wer früher in Arglist andere ihrer Habe beraubte, wird jetzt mit Freuden von der Frucht seiner eigenen Hände den Bedürftigen weitergeben. Er gleicht nun dem Vorbild des Apostels, der sagen konnte: «Ich habe euch in allem gezeigt, dass man, so arbeitend, sich der Schwachen annehmen … müsse» (Apg 20,35)

Halte fest 1963

Wenn es uns äusserlich gut geht, vergessen wir manchmal, dass Gott es ist, der uns unterhält. Darum muss Er uns zuweilen in schwierige Umstände führen, damit wir uns neu daran erinnern. Diese besonderen Umstände mögen für den Unternehmer ein Mangel an Aufträgen sein, für den Angestellten eine drohende Arbeitslosigkeit und für den Bauern ein zu Viel an Regen oder Sonnenschein. In solchen Situationen wird uns erst recht bewusst, wie sehr wir von Ihm abhängig sind. Die Zusicherung in 1 Timotheus 4,10: «Wir hoffen auf einen lebendigen Gott, der ein Erhalter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen», bekommt dann eine besondere Bedeutung. Doch damit wir allezeit mit seiner Hilfe rechnen können, müssen wir zwei Dinge bedenken.
Zunächst gilt der göttliche Grundsatz: «Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen» (2 Thessalonicher 3,10). Möchten wir uns die Frage stellen, ob wir in der rechten Treue unsere beruflichen Pflichten erfüllen. Wir können nicht die Hände in den Schoss legen und dann mit der Hilfe Gottes rechnen. Er unterhält keine Faulenzer. In Thessalonich machte sich ein solcher Geist breit, so dass Gott ihnen durch den Apostel sagen musste: «Wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nichts arbeiten, sondern fremde Dinge treiben. Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie im Herrn Jesus Christus, dass sie, in der Stille arbeitend, ihr eigenes Brot essen» (2 Thessalonicher 3,11.12).
Zum zweiten lesen wir in Matthäus 6,33: «Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles (Essen und Kleidung) wird euch hinzugefügt werden.» Wenn die Arbeit uns das Wichtigste ist und wir darum das tägliche Lesen des Wortes Gottes, das persönliche Gebet und die Zusammenkünfte der Gläubigen vernachlässigen, werden wir erfahren müssen, dass diese Art Hast nur zum Mangel führt. «Die Gedanken des Fleissigen führen nur zum Überfluss; und jeder, der hastig ist – es ist nur zum Mangel» (Spr 21,5).

Halte fest 1983

Weiter oben in diesem Brief (3,10) erwähnte Paulus einige Dinge, die in ihrem Glauben fehlten, und die er zu korrigieren wünschte. In seinem zweiten Brief (3,10-12) bezieht er sich auf manche, die unordentlich wandelten, überhaupt nichts arbeiteten und fremde Dinge trieben. Er gebietet, daß jemand, der nicht arbeiten will, auch nicht zu essen bekommen soll. Er hatte sie die große Wahrheit vom Kommen des Herrn gelehrt. Einige von ihnen hatten nun wahrscheinlich gedacht, wenn das Kommen des Herrn so unmittelbar bevorsteht, warum sollten wir uns dann noch mit täglicher Arbeit abgeben? Was die Bruderliebe betraf, so zeichnete sich die überwiegende Mehrheit der Versammlung darin aus, aber es gab einige unter ihnen, die das für sich ausnützten. Sie legten mit frommer Miene ihre Hände in den Schoß und erwarteten von ihren Geschwistern, unterstützt zu werden. Das war kein gutes Zeugnis für die Welt. Er ermahnt sie, sich zu beeifern, still zu sein und sich um ihre eigenen Geschäfte zu kümmern und mit ihren Händen zu arbeiten. Dies ist ein Gebot. Moulton und Milligan führen in ihrem Vocabulary of the Greek New Testament aus , daß das Wort »sich beeifern« »sich mit aller Kraft und allem Eifer um etwas bemühen« bedeutet. Es hat den Sinn von »ehrgeizig sein«. So wird es hier auch übersetzt mit »es als Ehrensache ansehen« (Albrecht, GN), »seinen Ehrgeiz dareinsetzen« (Bruns, Wilckens), »eure Ehre dareinsetzen« (Einh, Elberf Fußnote, Jerusalemer, Konkordante, Luther ’84, Rev Elberf, Schlachter, Zink, Zürcher), »seine Ehre darin suchen« (Interlinear, Menge), »danach ringen« (Luther ’12, ’56), »sich eine Ehre daraus machen« (MNT), »Ehrgeiz besitzen« (Rienecker). Das Wort ( philotiméomai, wörtl. »ehr-liebend sein«) kommt sonst nur noch in Röm 15,20; 2.Kor 5,9 vor. »Still sein« ( hêsychazô ) ist das Gegenteil von Unruhe und bedeutet »Ruhe des Geistes, innerer Frieden«. Das Wort wurde verwendet, um Menschen zu beschreiben, die nicht hierund dorthin rennen, sondern zuhause bleiben und sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Die thessalonischen Gläubigen werden ermuntert, ein ruhiges, unaufdringliches, zurückgezogenes Leben zu führen inmitten von Verfolgung und bei ihren täglichen Beschäftigung.
Paulus selbst setzte ein Beispiel durch das Arbeiten mit seinen eigenen Händen, als er in Thessalonich war (2,9). Unser Herr verbrachte den größten Teil Seines irdischen Lebens, indem er mit Seinen eigenen Händen als Zimmermann arbeitete. Dieser Vers verleiht mit Händen verichteter Arbeit große Würde. Die Griechen verachteten Handarbeit und hielten Sklaven, um diese für sie zu erledigen. Aber bei den Juden stand sie in hohem Ansehen; jeder jüdische Junge lernte ein Handwerk ohne Rücksicht auf den Reichtum der Familie. Es gibt nichts Ehrbareres und Empfehlenswerteres als einen Mann, der ein volles Tagewerk leistet, um sich und seine Familie zu ernähren, und der alles darüber hinausgehende Einkommen Gott zur Verfügung stellt für Sein Werk und zur Hilfe der Armen und Bedürftigen. In V. 12 wird knapp und klar zusammengefaßt: »auf daß ihr ehrbarlich wandelt gegen die, welche draußen sind und niemandes (oder ’nichts‘) bedürfet«. Die Welt erkennt und achtet einen ehrbaren Menschen.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt