„Gott hat den Menschen klargemacht, was gut ist und was er von ihnen will.“

Er hat dir kundgetan, o Mensch, was gut ist; und was fordert Jehova von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben, und demütig zu wandeln mit deinem Gott?
Elberfelder 1871 – Micha 6,8

Ist dir angesagt, Mensch, was gut ist oder was der Herr von dir fordert? – (Nichts,) außer Recht zu tun und Erbarmen zu lieben und bereit zu sein, mit dem Herrn, deinem Gott zu wandeln!
Septuaginta Deutsch – Micha 6:8

Gott hat den Menschen klargemacht, was gut ist und was er von ihnen will. Er will nur, dass wir korrekt leben und dass wir mit den anderen Menschen liebevoll umgehen. Außerdem sollen wir Respekt vor Gott haben und mit ihm immer in Kontakt bleiben.
VolxBibel – Micha 6,8

Er hat dir angesagt, o Mensch, was gut ist. Und was fordert Jehovah von dir, als das Recht zu tun und Barmherzigkeit zu lieben, und in Demut zu wandeln vor deinem Gott. Sach 7,9; 5Mo 6,2; 26,16; Mt 23,23.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Micha 6:8

Ihr habt bereits erfahren, was gut ist, was ADONAI von euch verlangt – nicht mehr als gerecht zu handeln, Gnade zu üben und in Reinheit mit eurem Gott zu leben. Anstatt zu verkünden, dass Opfer oder das Befolgen der Tora für die Errettung nicht mehr notwendig sind, erinnert dieser zentrale Vers an Ideen, die sie bereits kennen sollten (siehe Dtn 10,12ff.).

The Complete Jewish Study Bible: Notes

§. 1. Um vor den Irrwegen, Sisyphischen Steinen und erbärmlichen Täuschungen der Religionen sich zu sichern, ist das einzige Mittel, daß alle wiederum zu dem Anfange des Weges, von dem sie abwichen, zurückkehren, d. h. zu jener ersten Religion, die der erste Mensch von seinem und unserem einzigen Schöpfer empfangen hat. Denn Gott, der Schöpfer, allein weiß am besten, wie er von seinem Geschöpfe geehrt werden will, und konnte dies den ersten Menschen lehren, wie er auch that. Alles erste aber ist in seiner Art eine Richtschnur des folgenden, so daß, was in dem letzteren aus der Art geschlagen, wieder zu der ersten Form gebracht werden muß.
§. 2. Welcher Art also war die erste Religion? Sehr einfach; einen Gott glauben, der sich dem ersten Menschen offenbart, ihm steten Gehorsam leisten, mit dem Versprechen, daß der Mensch ewiges Leben haben solle (1 Mos. 2). Darin bestand die paradiesische Religion. Auch dem Abraham schrieb Gott keine andere vor: „Fürchte dich nicht, ich bin der allmächtige Gott, wandle vor mir, und sei fromm. Und ich will dein Schild und großer Lohn sein.“ (1 Mos. 15, 1) Ebenso einfachen Gottesdienst lehrt Moses: „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, und deinen Nächsten, wie dich selbst.“ Denn obschon durch Moses verschiedene Gesetze gegeben wurden, waren es doch nur Hebungen des Gehorsams, oder Vorbilder und mystische Wetzsteine des Glaubens, oder Befestigungen, der Hoffnung, was Gott durch viele Propheten, z. B.‘ (Micha 6, 8) erklärt. Siehe, das ist der ganze Inhalt der Religion vor und unter dem Gesetz: Gott durch den Glauben ergreifen, durch die Liebe umfassen, und durch die Hoffnung behalten. Dies ist das allein Nothwendige.

Johann Amos Comenius – Das allein Nothwendige

Dann sagte Micha dem Volk ( Mensch bezeichnet alle Israeliten) genau, was Gott von ihm forderte. Gott wollte nicht, daß sich die Beziehung der Menschen zu ihm in Ritualen erschöpfte. Vielmehr wollte er eine Beziehung, die aus ihrem Innern kam – sie sollten ihm gehorchen, weil es ihreigener Wunsch war, nicht, weil es von ihnen verlangt wurde. Diese gute Beziehung beinhaltete drei Dinge: jeder einzelne sollte (a) Gottes Wort halten , also ehrlich und gerecht im Umgang mit anderen sein; (b) Liebe üben ( HeseD , „treue Liebe“), d. h. die Verpflichtung, anderen zu helfen, erfüllen; (c) demütig sein vor seinem Gott , also bescheiden und ohne Hochmut Gott folgen. „Demütig“ ist die Übersetzung des Verbes QAnaZ (das im Alten Testament nur an dieser einen Stelle vorkommt); es bedeutet „bescheiden sein“. (Das Adjektiv QAnUaZ taucht ebenfalls nur einmal auf, in Spr 11,2 .) Der Herr hatte den Israeliten diese Forderungen schon früher mitgeteilt ( 5Mo 10,12.18 ). Gottes Wort zu halten, „ist ein Weg, Liebe zu üben, und dies wiederum ist eine Manifestation des Demütigseins vor Gott“ (James Luther Mays, Micah: A Commentary , S. 142). Viele Zeitgenossen Michas hielten Gottes Wort nicht ( Mi 2,1-2; 3,1-3; 6,11 ), zeigten denjenigen, für die sie die Verantwortung trugen, keine treue Liebe ( Mi 2,8-9; 3,10-11; 6,12 ) und waren auch nicht demütig vor Gott.

Walvoord Bibelkommentar

In Micha 6 lesen wir von einem Rechtsstreit, den Gott mit seinem ungehorsamen Volk hatte, weil es sich von Ihm abgewandt hatte. Wir erfahren aber auch, wie Gott versuchte, das Herz seines Volkes zu erreichen, indem Er es an seine Bemühungen der Liebe erinnerte.
Daraufhin fragte das beunruhigte Volk den Propheten, ob es mit grösseren und wertvolleren Opfern vor den Herrn treten sollte. Nein, sagte er, denn Opfer können dargebracht werden, ohne dass Herz und Gewissen in Tätigkeit sind, und das möchte Gott nicht. Er verlangt nach Wahrheit im Innern, nach echter Buße und Beugung des Herzens und einem aufrichtigen Bekenntnis. Nichts anderes wird Ihn befriedigen. In dem Augenblick aber, da das Gewissen erreicht ist und das Herz sich im Selbstgericht vor Ihm beugt, ist Gottes Rechtsstreit beendet und die Gemeinschaft wird wiederhergestellt.
Damit diese nicht aufs Neue getrübt wird, ist es für jeden von uns nötig, in praktischer Gerechtigkeit voranzugehen, d.h. so zu leben, wie Gott es von jedem seiner Kinder wünscht. Micha 6,8 gilt daher auch uns:
«Er hat dir kundgetan, o Mensch, was gut ist; und was fordert der HERR von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben und demütig zu wandeln mit deinem Gott?»
Recht üben
Dieses Recht, das unser Leben prägen soll, finden wir in Gottes Wort. Darin sagt Er uns, was in seinen Augen recht ist. Danach dürfen und sollen wir uns richten.
Bei uns steht leider oft der Eigenwille im Vordergrund. Wir tun, was wir als richtig ansehen und versuchen dann, die Bestätigung dafür in Gottes Wort zu finden. Wie oft rechtfertigen wir unser Verhalten mit allen möglichen Argumenten, weil uns bewusst wird, dass es doch nicht mit dem in der Bibel offenbarten Willen Gottes übereinstimmt.
Güte lieben
Der ungläubige Mensch und der fleischlich gesinnte Christ lieben Macht, Vergnügen, Besitz, Ansehen usw. Aber Gott fordert uns auf, Güte zu lieben. Wir lernen dies am besten, wenn wir unsere Gedanken mit der Güte Gottes beschäftigen und unsere Herzen von ihr erfüllen lassen. Ja, möge unser praktisches Christenleben mehr von der Gnade geprägt sein, die Gott uns zugewandt hat.
Demütig mit Gott wandeln
Der Wandel mit Gott bedingt als erstes, dass wir in die gleiche Richtung wie Er gehen. «Gehen wohl zwei miteinander, ausser, wenn sie übereingekommen sind?» (Amos 3,3). Im Weiteren muss das Wandeln mit Gott unweigerlich dazu führen, dass man wie Er wandelt (vgl. 1 Johannes 2,6).
Demütig bedeutet auch unterwürfig. Das ist die geziemende Haltung für jeden, der mit seinem Gott gemeinsam vorangehen will.
Wer Gottes Unterweisung beachtet und befolgt, wird erleben, dass ein solches Streben nach praktischer Gerechtigkeit im Leben überaus glücklich macht.
Wie man den guten und richtigen Gebrauch der Zunge fördert
Jahrgang: 1999 – Seite: 152
Verfasser: aus «Näher zu Dir»
1. Die Beherrschung unserer Zunge muss einem Vorsatz des Herzens entspringen, wie ihn z.B. David gefasst hat: «Mein Gedanke geht nicht weiter als mein Mund» (Ps 17,3).
2. Bring die Sache mit denen in Ordnung, gegen die du mit der Zunge gesündigt hast. Du bist es ihnen schuldig, und Gott erwartet es. Die Demütigung, die mit einem solchen Bekenntnis verbunden ist, bewahrt uns vor einem falschen Gebrauch der Zunge.
3. Überwinde das Böse mit dem Guten. Es gibt so viel Gutes, über das man sprechen kann, anstatt die Zunge für fragwürdige, nutzlose oder böse Reden zu gebrauchen. Wenn dein Herz mit dem Guten beschäftigt ist, wird dein Mund entsprechende Worte reden.
4. «Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens» (Spr 4,23). Wir müssen ein reines Herz bewahren, um eine saubere Zunge zu haben.
5. Geh in der Gemeinschaft mit dem Herrn voran. Denk immer wieder über sein Beispiel nach: «der keine Sünde tat, noch wurde Trug in seinem Mund gefunden» (1 Petrus 2,22). Seine Feinde, die Ihn in seinen Worten fangen wollten, mussten bekennen: «Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch» (Joh 7,46). – Und zur rechten Zeit konnte Er schweigen, so dass sein Richter sich sehr verwunderte: «Er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort, so dass der Statthalter sich sehr verwunderte» (Mt 27,14).

Halte fest 1999

Mit drei Infinitiven wird eine Frömmigkeit umschrieben, die Gott gefällt: tun, lieben, gehen. Als Erstes geht es um das Tun des Rechts. Das Recht, hebr. mischpaṭ, will getan werden. Stellen wie 3,1.8.9 zeigen, dass Recht das Verantwortungsbewusstsein im sozialen Bereich einschließt. Sie sollen tun, was ihnen offenbart ist. Zweitens geht es um die Liebe zur Treue, hebr. ḥäsäd, herzliche, unverstellte Liebe und Güte dem Mitmenschen gegenüber – das Verhalten der Moabiterin Ruth gegenüber ihrer Schwiegermutter Noomi stellt eine gute Illustration dar –, und drittens um ein aufmerksames Mitgehen mit Gott. Die Bedeutung der letzten Formulierung ist nicht genau zu erfassen, weil das hebr. Verb ṣāna‘ nur hier im AT erscheint. Die griechische Übersetzung gibt es mit bereitwillig sein wieder (hetoimos einai), ähnlich auch die lateinische (sollicitum ambulare). Luther übersetzt »demütig sein«, diese Bedeutung hat das Wort erst im späteren Hebräisch angenommen (»bescheiden, demütig«); am ehesten dürfte aber Stoebe (S. 180–194) die Bedeutung treffen, wenn er das Wort mit »behutsam, bedachtsam« wiedergibt, hier wurde es mit »aufmerksam« übersetzt.
Gott sucht eine Einheit: »praktiziertes Recht, persönliche Freundlichkeit, wachsame Frömmigkeit« (Wolff, S. 156). Diese ist durch kein Opfer zu ersetzen. Dieser Dreiklang von Recht, Güte und Nachfolge ist nicht als Opfer gemeint. Vielmehr weist Micha auf das alte Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe hin. Jesus greift das mit bewusster Anspielung auf unsere Stelle auf: »das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben« (Mt 23,23, vgl. auch Mk 12,28–34; Mt 15,18–20). Wer darin lebt, bringt als Zeichen der Buße Gott sein ganzes Leben, damit er darüber verfügen kann, wie er es will.

Das Überraschende zuerst: Eigentlich wissen wir Gottes Willen längst. Er ist einfach. Bei ihm ist nicht viel nötig. Es geht immer klar und einfach zu. Das erweist sich als wahr im Großen wie im Kleinen des Alltags. Die Punkte z.B., an denen wir im Dunkeln tappen und nicht genau wissen, wie es weitergehen soll, sind gegenüber den Punkten weit in der Minderzahl, wo uns von Gottes Wort her eigentlich alles klar ist, wir aber dennoch nichts auf die Reihe bekommen. Deshalb stimmt der Satz, den der Theologe Karl Heim gesagt hat: »An der Bibel machen mir nicht die Stellen zu schaffen, die ich nicht verstehe, sondern die Stellen, die ich verstehe.« Weil sie aufs Tun angelegt sind. An welchen Punkten meines Lebens weiß ich eigentlich genau den Willen Gottes und ziehe trotzdem keine Konsequenzen?
Gott will nicht etwas, sondern mich. Alle meine Gaben sind Gott zu wenig. Er hat nicht den Anspruch auf irgendwelche Teilbereiche meines Lebens. Er will mich ganz.
Den Willen Gottes zu tun, ist nicht Eintrittsbedingung ins Christsein, sondern logische Folge. Sonst wäre die folgende Aufzählung auch die Hürde, die eine ironische Resignation beklagt. Wenn ich’s selber schaffen müsste, dann Gute Nacht. Dann wäre der Wille Gottes »gib dich selbst« nur ein Graus. Doch weil es einen gibt, der sich ganz für uns gegeben hat, der sich ganz dem Willen Gottes unterstellte, deshalb können wir uns geben. Deshalb können wir Gottes Willen tun.
Der Wille Gottes beinhaltet zum einen Treue zum Wort. Ausgerechnet das, was manche unter Buchstabengläubigkeit einordnen würden, steht in der Liste des Willens Gottes an erster Stelle. Es geht dabei allerdings nicht allein ums Wissen und Vertrauen, sondern ums Behalten, Festhalten und am Laufen Halten. Zum anderen geht es um die Liebe zu Gott und den Menschen. Liebe ist längst nicht nur Gefühl. Dazu gehört alles, was 1Kor 13 umfasst. Sie ist an allen Taten beteiligt, oder das Tun ist umsonst. Sie meidet Neid und üble Nachrede, sie sucht Opferbereitschaft an Zeit, Einsatz und Zuwendung. Und zuletzt geht es eigenartigerweise beim Willen Gottes noch einmal extra um die Demut vor Gott, den Mut zum Dienen. Als wüsste Gott genau, wie schwer uns dieser Unterpunkt der Liebe fällt. Ein arabisches Sprichwort sagt: »Den Hochmut des eigenen Herzens erkennt man so schwer wie die Fußspuren einer Fliege auf einem Felsen bei dunkler Nacht.«

Edition C Bibelkommentar

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