Was ist das Zentrum?

Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft.

Elberfelder Bibel 1905 – 1.Korinther 1,18

Denn das Wort über den Marterpfahl ist denen Torheit, die zugrunde gehen, uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.

neue Welt Übersetzung – Bi12 – 1.Korinther 1,18

Denn die Lehre vom Kreuzestod gilt bei denen, die zugrundegehen, als Blödsinn, bei uns jedoch, die wir uns retten lassen, als Kraftwirkung Gottes.

Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – 1.Korinther 1,18

Worum dreht sich deine Erzählungen? Wenn du anderen von der Bibel erzälhlen möchtest – WAS ist dann dein Thema? Wenn ich mir bei sozialen Medien oder in den relig. Zeitschriften reinschaue, dann sind die Themen, mit denen man die Menschen „anlocken“ möchte, sehr oft Heilungen oder politische Aussagen, und dass „es dir gut gehen soll“ (wenn nicht jetzt, dann in einem späteren Paradies). Wie werde ich glücklich? Mit welchen Mitteln bleibe ich gesund? Was tun, gegen Krankheit und Sorgen? Was ist mein Platz in der Kirche? Welche politische Partei würde meine Interessen am Besten verstreten? usw.
Aber was sagt Paulus hier an die Korinther?

1Kor 1,18 τοῦ σταυροῦ gen. obi. (A158) vom Kreuz. μέν … δέ (zwar) … aber. ἀπ-ολλυμένοις Ptz. -όλλυμαι, subst.; dat. commodi (A173) für die, die verloren gehen. μωρία Torheit. σῳζομένοις Ptz. Pass. σῴζω, attr. bzw. subst. (App. zu ἡμῖν, A303); τοῖς δὲ σῳζομένοις ἡμῖν aber für uns, die wir gerettet werden. 1Kor

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Was den Korinthern im Grunde genommen fehlt, ist die Erneuerung durch den Geist (Röm 12,2). Statt dessen versuchen sie, ihr Leben als Christen auf der Grundlage des ungeheiligten gesunden Menschenverstands zu leben, dessen höchstes Ziel die Selbsterhaltung ist. Wer aber ein solches Leben führt, sucht nur sich selbst, dient nur sich selbst und zerstört sich schließlich selbst (Lk 9,24-25).
Genau davor möchte Paulus die Korinther warnen. Das Wort vom Kreuz trifft in den Kern der Ichbezogenheit der Menschen. Für Paulus ist es der Dreh- und Angelpunkt der Rettung – eines Prozesses, der mit der Rechtfertigung beginnt, sich in der Heiligung fortsetzt und in der Verherrlichung gipfelt. In diesem Vers und im ganzen Brief geht es Paulus in erster Linie um die zweite dieser drei Phasen, die progressive Heiligung. „Das Wort vom Kreuz“ zielt auf die Selbstentäußerung, den Gehorsam gegenüber Gott, der, wie bei Jesus, in die Erniedrigung und in den Tod führen kann, an dessen Ende aber nicht die Selbstzerstörung, sondern die Bewahrung des Selbst (Mk 8,34-35) und seine Erhöhung ( 2Tim 2,12; Offb 22,5) steht.
Diese Vorstellung, die denen, die verloren werden, eine Torheit ist (vgl. Lk 9,23-25), bildet das Thema dieses und der folgenden Verse ( 1Kor 1,17-18.23-24;2,2.8 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Der Apostel führt die Gemeinde zum Zentrum. Nur so und nur dort wird ihre Zertrennung überwunden: unter dem Kreuz Jesu Christi. Der folgende Abschnitt bis 3,23 steht unter diesem Blick: Gottes Handeln im Sohn am Kreuz. »Das Wort vom Kreuz« darf nicht entleert werden, sonst ist alles leer. Paulus führt den Gedanken von Vers 17 b jetzt weiter. Wieder lässt er die Darstellung falscher Wege beiseite und argumentiert positiv. Es geht ihm nicht um Widerlegung, sondern um lebenschaffende Verkündigung, um Heilung der zerbrechenden Gemeinde, um die Einheit unter dem Kreuz.

»Das Wort vom Kreuz« ist die Botschaft von dem Sohn Gottes, der sich am Fluchholz für uns hinrichten ließ. Paulus entwirft keine Theologie als logisches System der Erklärung; er richtet die Botschaft aus, die ihm sein Herr selbst aufgetragen hat. Er trägt den Namen Jesu Christi vor die Heiden (vgl. Apg 9,15; Gal 1,16). Seine Theologie ist Ausrufen der Wirklichkeit Jesu Christi und keine Lehre im Sinne von menschlicher Weisheit und Erkenntnis. Seine Theologie ist Torheit vor und für Menschen.

Der Begriff »Torheit« bezeichnet im Griechischen zunächst Mangel an Verstand, schlicht die Dummheit. Das Denken, Handeln und Reden eines Menschen wird mit dem Begriff »Torheit« als unverständig, unverständlich, als ein offensichtlicher Mangel an Verstandeskräften beschrieben. Gewiss nimmt der Apostel den Begriff auch in dieser Weise auf: Für den natürlichen Menschen ist es so: Er kann Gottes Handeln, dass er den eigenen Sohn so zugrunde gehen lässt, weder einsehen noch gar erklären oder mit seinem Verstand ausloten. Die Verkündigung des Kreuzestodes Jesu Christi ist »törichte Predigt«, denn sie schlägt allem menschlichen Denken, Erwarten und Verstehen Gottes ins Gesicht.

»Torheit« bezeichnet aber biblisch den Menschen gerade in seinem natürlichen Verstand. Alles ist »Torheit« – und sei es in menschlichen Augen noch so verständig und weise -, was der Mensch ohne Gott lebt und ist.

»Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott!« (Ps 14,1). Deshalb gilt: »Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden.« Dadurch, dass Menschen Gottes Angebot, das am Kreuz ergeht, ablehnen, gehen sie »verloren« (wörtlich: »Sie kommen um, gehen unter«, nämlich im Gericht Gottes). Es ist keine harmlose Botschaft, die dem Apostel aufgetragen ist: Menschen ohne Gott gehen verloren. Wer nicht das Opfer Jesu Christi am Kreuz über sich gelten lässt, wird am Gerichtstag Gottes in das Verderben gehen. Das ist biblische Grundlinie in AT und NT (vgl. 1Sam 12,25; Ps 146,4; Spr 10,28; Joh 3,16; Röm 2,12; 2Kor 4,3; 2Thess 2,10).

»Uns aber«: Paulus fasst sich und die Korinther zusammen und spricht sie als Leute Jesu an. »Uns aber, die wir gerettet werden«, (so »selig werden« wörtlich): Das Werk Jesu Christi ist Rettung für uns. Wir werden gerettet, nämlich am Tag des Gerichts. Darauf vertrauen wir schon hier und jetzt, denn unser Herr gibt uns Anteil an seiner Auferstehung. Das »Wort vom Kreuz« ist nicht, wie man im Gegensatz zur Torheit erwarten könnte, Weisheit; der Apostel nennt es »Gotteskraft«, eine dynamis Gottes für uns. »Kraft Gottes« meint Gottes Gottheit, seine allen überlegene Stärke. Seine »Kraft« ist Handlungskraft, verändernde, neuschaffende Kraft, nicht eine bloße Wesensaussage (vgl. 2Mose 32,11; 5Mose 9,26; Hiob 37,23; Ps 147,5; Jer 10,12; Mt 6,13; 26,64; Lk 5,17; Röm 1,16-20; 1Kor 6,14; Eph 3,7; 2Petr 1,3; Offb 7,12; 11,17; 19,1). Die »Kraft Gottes« erweist sich in seinen Krafttaten, in seinem Heilshandeln in und mit dieser Welt.

»Das Wort vom Kreuz« ist »Kraft Gottes«: in dieser Zusammenstellung liegt die »Torheit«. Dort, wo nach menschlichem Ermessen alles zu Ende ist, wo die Kraft des Todes das letzte Wort zu haben scheint, entfaltet Gott seine Kraft. Das Siegeszeichen des schimpflichsten Todes macht die Kraft Gottes zum Siegeszeichen des ewigen Lebens. Darin durchkreuzt Gott alle menschlichen Vorstellungen, Erwartungen und Erlösungstheorien. Er sagt nein zu allem menschlichen Denken und Handeln und richtet das Ja des Kreuzes auf. Menschenweisheit muss hier schweigen, Erklärungsversuche aufgeben und auf religiöse Heilstheorien verzichten. Das Kreuz wird zum Zeichen der rettenden Gotteskraft. Der Mensch in seinem Denken und Streben muss erst zunichte werden, muss scheitern, ehe er Gottes Kraft am Kreuz erkennen, anerkennen und ergreifen kann.

Gerhardt Maier – Edition C

Die Welt ist ein System, worin der Mensch im Fleisch einen Platz findet, eine Stellung der Ehre und der Prahlerei. Aber die Welt hat den Sohn Gottes gekreuzigt, und für Paulus war dies das Ende der Herrlichkeit dieser Welt. Er rühmte sich des Kreuzes. Es bedeutete für ihn eine völlige Trennung von der Welt, die die Liebe Gottes nicht erkennt und sich ihrer Schuld in der Verwerfung Christi nicht bewusst ist. Als der Herr Jesus die Seinen dem Vater anbefahl, sagte Er von ihnen, sie seien nicht von der Welt, aber in die Welt gesandt, um von Ihm zu zeugen (Joh 17,14-18).
Wie sehr wünschte Paulus, sich mit dem zu identifizieren, der am Kreuz gelitten hatte! Die Welt war ihm gekreuzigt und er der Welt. Nicht nur wollte er keinerlei Teil haben in der Welt, sondern er betrachtete sich selbst als der Welt gekreuzigt. Er mass nur dem Bedeutung bei, was die Person Christi zum Mittelpunkt hatte, Ihn, den Gekreuzigten, Auferstandenen und Verherrlichten, das Haupt der neuen Schöpfung. Beschneidung und Vorhaut bedeuteten wegen des Kreuzes Christi nichts mehr. Sie gehörten zur Welt und hatten nichts mit der neuen Schöpfung zu tun, die der grosse Apostel durch den Glauben, mit einem von Christus erfüllten Herzen, betrachtete.
Möchte es uns klarer bewusst sein, dass wir hier auf der Erde nur Fremdlinge und Pilger sind, die eine sündhafte Welt durchschreiten, ohne uns an sie zu binden. Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln (Phil 3,20) und wir sind dem unterworfen, den die Welt verworfen hat, der aber jetzt zur Rechten Gottes sitzt (Kol 3,1-4).
Dass wir doch die ganze Bedeutung des Kreuzes besser verstehen und unsere Herzen immer mehr dem anhangen möchten, der auf diesem Kreuz für uns gestorben ist!

Halte fest 1987

1Kor 1,18. Erläutert den in Vers 17 aufgestellten Gegensatz. Paradoxie des Kreuzes und Versöhnungsglaubens! Kreuz Christi wider alle Weisheit der Welt gerichtetes Gotteshandeln. Entweder, es beherrscht alles, oder muß umgangen werden.
Vers 18: Das Kreuz steht als eine Entscheidung über der Menschheit. Es als Torheit ansehen = verloren sein. Es als Gotteskraft erkennen = gerettet werden. (Hier im Vers aber kein Kausalverhältnis etwa: „Die es als Torheit ansehen, die sind verloren“ sondern „Den Verlorenen eine Torheit“, sondern: Prädestination).
Gedanke der Rettung bezogen aufs Gericht. Futur meistens: „gerettet werden“. Hier Rettung und Verlorenheit gegenwärtig feststehende Tatsachen, endgültiger Vollzug steht noch aus. Endzeitliche zukünftige Entscheidung schon gegenwärtig. In jedem Fall spielt Weisheit keine Rolle mehr. μωρία59 = Narrenkram.
Mitte: Das Wort vom Kreuz macht sichtbar die Verlorenheit, macht sichtbar die Seligkeit, bringt die Entscheidung.

Dietrich Bonhoeffer Werke – Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde 1935−1937

Also noch einmal die Frage: Was ist in deinem Focus? Was ist dein Zentrum? Schaust du, dass es dir gut geht? Oder schaust du auf Jesus? Wenn er wirklich dein Zentrum ist, dann schaust du ganz anders auf die Fragen nach Gesundheit, Politik und Zukunft – den Jesu Tod hat ALLES verändert!

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