„auf die Namen“? oder „auf den Namen“?

Und Jesus trat herzu und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet nun hin und machet alle Nationen zu Jüngern, und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.
Elberfelder 1871 – Mt 28,18–20

So geht denn hin-Mk 16,15-, macht alle Völker-Jes 52,10; Lk 24,47; Apg 2,38.39; Röm 10,18; Kol 1,23- zu Jüngern, indem ihr sie tauft in dem Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
Abraham Meister – Matthäus 28,19

Darum gehet hin und macht alle Völker zu (meinen) Jüngern-o: zu Schülern; aÜs: Nehmt alle Völker als Schüler.-: tauft sie auf den Namen-gen: entweder «in den Namen des Vaters hinein» oder «mit Bezug auf den Namen des Vaters»- des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes
Hermann Menge Übersetzung – 1926 – Matth 28,19

לְכוּ וַעֲשֹוּ לְתַלְמִידִים אֶת־כָּל־הַגּוֹיִם וּטְבַלְתֶּם אֹתָם לְשֵׁם־הָאָב וְהַבֵּן וְרוּחַ הַקֹּדֶשׁ׃
Delitzsch, hebräisches NT- Mt 28,19

πορευθέντες Aor. Ptz. Pass. (ohne bes. Pass.-Bdtg.) πορεύομαι, temp. (als Imp. + „und“ übers.; A291,1 Anm. 1). οὖν darum. μαθητεύσατε Aor. Imp. μαθητεύω zum Jünger machen, belehren; πορευθέντες οὖν μαθητεύσατε πάντα τὰ ἔθνη darum geht hin und macht alle Völker (d. h. Menschen aller Völker) zu (meinen) Jüngern od. darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern (NGÜ); diese Aufforderung ist zumindest an die Elf gerichtet, doch an die Elf als Jünger Jesu (V. 16), die ihrerseits ein Paradigma für alle Nachfolger Jesu bilden; es wäre aber durchaus mögl., dass hier bereits ein größerer Kreis v. Jüngern angesprochen ist (vgl. zu V. 10 u. 17; Carson, Mt, S. 595f). βαπτίζοντες Ptz. βαπτίζω, mod. wohl im Sinn eines (wichtigen) Begleitgeschehens zu bzw. einer Kennzeichnung v. μαθητεύσατε (gilt auch für διδάσκοντες V. 20, das entweder βαπτίζοντες od. m. diesem zusammen μαθητεύσατε begleitet bzw. kennzeichnet); μαθητεύσατε … βαπτίζοντες αὐτούς … διδάσκοντες αὐτούς … macht … zu meinen Jüngern, wobei ihr sie tauft … und sie (dabei) … lehrt … [Var. βαπτίσαντες Aor. Ptz.]. αὐτούς Mask.: sinngemäße Konstruktion (Bezug auf die Menschen aller Völker [A96; vgl. 25,32]). εἰς τὸ ὄνομα „in den Namen/mit Bezug auf den Namen“ = auf den Namen, d. h. wohl zur Übereignung an – o.ä. – (vgl. ThBNT 2, S. 962f) bzw. zur Bekundung der Zugehörigkeit zu.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

In der fünften Kategorie der Jüngerschaft lautet der Missionsbefehl in Matthäus 28,18-20 nicht, zu evangelisieren, sondern Jünger zu machen. Im griechischen Text gibt es nur einen Imperativ, nämlich Jünger zu machen. Dem Imperativ folgen drei untergeordnete Partizipialsätze: gehen, taufen, lehren. Sie buchstabieren die drei Elemente des Jüngermachens aus: erstens, hingehen bedeutet „evangelisieren“; zweitens, diejenigen taufen, die geglaubt haben; und drittens, alles lehren, was Gott geboten hat, denn Gehorsam ist das Kennzeichen eines Jüngers.

Arnold Fruchtenbaum – Die Herrschaft des Messias

Beachten Sie den scheinbaren Widerspruch, soweit es die Grammatik betrifft. Der Befehl lautet, zu gehen und auf den Namen zu taufen, und das Wort „Name“ steht in der Einzahl. Es heißt nicht: „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“, was grammatikalisch korrekter gewesen wäre. Sondern es heißt: „im Namen von“. Das Wort Name ist Singular und betont die Einheit der Gottheit. Aber dann gehört dieser eine Name dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, was die Dreieinigkeit der Gottheit betont.

Arnold Fruchtenbaum – Die Dreifaltigkeit

Die Rabbinen pflegten für sich selbst »* Jünger « zu »machen«, die Anhänger Jesu dagegen sollen Jünger für Jesus gewinnen, nicht für sich selbst. Das »Zu-Jüngern-Machen« beinhaltet hier zweierlei: (1) Menschen zu taufen . Da die Taufe ein Akt der Bekehrung war (wenn Nicht-Juden zum Judentum bekehrt wurden), ist sie die feierliche Aufnahme in eine neue Glaubensgemeinschaft. (2) Sie die Gebote Jesu zu lehren, die Matthäus in seinem Evangelium festgehalten hat. Die Rabbinen gewannen Jünger, indem sie lehrten. Viele Juden außerhalb Palästinas versuchten auch, Proselyten unter den »Völkern« (der Begriff kann auch mit »* Nicht-Juden « oder »Heiden« übersetzt werden) zu machen. Doch nur wenige dieser Konvertiten genossen jemals unmittelbar die Unterweisung der Rabbinen. Von daher geht der Gedanke, Nicht-Juden zu vollgültigen Jüngern – Anhängern Jesu, die von ihm lernen und ihm dienen – zu gewinnen, weit über die jüdische Tradition hinaus. Jesaja hatte geweissagt, dass Israel in der Endzeit ein Zeuge für (oder gegen) die Völker sein wird (z.B. 42,6; 43,10; 44,8 ). Im jüdischen Schrifttum wird allein Gott als allgegenwärtig bezeichnet. Jesu Anspruch, er werde allezeit bei den Seinen sein, stellt in Verbindung mit seiner Nennung neben dem Vater in der Taufformel (die Juden tauften nicht im Namen von Menschen) die klare Bezeugung seines Gottseins dar.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

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