Komm & Geh

Er aber sprach: Komm! Und Petrus stieg aus dem Schiffe und wandelte auf den Wassern, um zu Jesu zu kommen. Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich; und als er anfing zu sinken, schrie er und sprach: Herr, rette mich! Alsbald aber streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und spricht zu ihm: Kleingläubiger, warum zweifeltest du? Und als sie in das Schiff gestiegen waren, legte sich der Wind. Die aber in dem Schiffe waren, kamen und huldigten ihm und sprachen: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!
Elberfelder 1871, Matthäus 14,29–33

Er sagte: „Komm!“ Darauf stieg Petrus vom Boot herab, schritt über die Wasser und ging Jesus entgegen. Als er aber auf den Windsturm blickte, wurde ihm angst, und als er zu sinken anfing, schrie er: „Herr, rette mich!“ Sofort streckte Jesus seine Hand aus, faßte ihn und sprach zu ihm: „Du Kleingläubiger, warum hast du dem Zweifel Raum gegeben?“ Und nachdem sie in das Boot gestiegen waren, ließ der Windsturm nach. Die im Boot waren, huldigten ihm dann, indem sie sprachen: „Du bist wirklich Gottes Sohn.“
neue Welt Übersetzung – Bi12 – Matthäus 14:29–33

Jesus sagte nur: „Komm her!“ Gesagt, getan, Petrus stieg aus dem Boot aus, und das Unglaubliche passierte: Er konnte tatsächlich auf dem Wasser zu Jesus gehen! Plötzlich bemerkte Petrus aber die großen Wellen, die um ihn herum waren. Er verlor Jesus aus dem Blick und bekam plötzlich voll die Panik. „Hilfe, Jesus, ich ertrinke!“, schrie er und ging unter. Jesus ging schnell zu ihm hin, packte seine Hand und zog ihn aus dem Wasser raus. Er sagte dann zu Petrus: „Hast du so wenig Vertrauen, Petrus? Ich hab’s dir doch gezeigt! Mir kannst du echt glauben!“ Beide gingen dann zusammen zum Boot. Sobald sie an Bord waren, verschwand der Wind von selber. Die anderen waren alle schwer beeindruckt, knieten sich vor Jesus hin und sagten: „Ganz sicher, du bist wirklich Gottes Sohn!“
Volxbibel – Matthäus 14,29-33

Mt 14:22-36
(Mk 6,45-56; Joh 6,16-21) Nach dem Speisungswunder schickte Jesus seine Jünger in einem Boot voraus, und nachdem er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten (vgl. Joh 6,15). Mit dem Wegschicken der Jünger bezweckte er zweierlei: zum einen entfernte er sie dadurch von der Menge, und zum anderen gab er ihnen Gelegenheit, über das, was soeben durch sie geschehen war, nachzudenken. Sie gerieten bald darauf in einen Sturm, und irgendwann zwischen drei und sechs Uhr morgens (in der vierten Nachtwache) kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See zu ihrem Boot. Es handelte sich dabei um eine Entfernung von etwa 5 Kilometern (vgl. Joh 6,19 „als sie nun etwa eine Stunde gerudert hatten“). Was hier geschah, war ein Beweis für die Macht Jesu über die Naturelemente, mehr noch aber war es eine Lehre für den Glauben der Jünger. Ihre anfängliche Furcht, ein Gespenst zu sehen (Mt 14,26), legte sich erst, als Jesus mit ihnen sprach.
Doch Petrus genügte diese Bestätigung nicht, er wollte einen stärkeren Beweis dafür, daß es wirklich der Herr war. Er sagte: „Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.“ Der Herr sagte einfach: „Komm her!“ Petrus‘ erste Reaktion spricht sehr für seinen Glauben, denn er stieg aus dem Boot und kam auf Jesus zu. (Petrus‘ Gang auf dem Wasser wird nur bei Matthäus erwähnt.) In der ganzen Geschichte der Menschheit, soweit sie aufgezeichnet wurde, gingen nur zwei Menschen auf dem Wasser: Jesus und Petrus. Aber der Glaube des Jüngers geriet ins Wanken, als er den starken Wind, d. h. das vom Sturm aufgewühlte Wasser, sah. Er begann zu sinken und schrie: „Herr, hilf mir!“ Sogleich streckte Jesus die Hand aus und ergriff ihn. Er tadelte Petrus jedoch für seinen Kleinglauben (vgl. Mt 6,30;8,26;16,8), der ihn beinahe hatte untergehen lassen.
Als die beiden das Boot erreichten, beruhigte sich der Sturm und die erstaunten Jünger fielen nieder und beteten Jesus an. Ihr Bild von Jesus hatte eine neue Dimension hinzugewonnen, sie erkannten ihn nun als Gottes Sohn an. Ganz anders die Leute aus Genezareth (Mt 14,34), einer fruchtbaren Ebene südwestlich von Kapernaum: Als sie hörten, daß Jesus angekommen sei, brachten sie alle Kranken zu ihm, damit er sie heile. Daß sie nur den Saum seines Gewandes berühren wollten, erinnert an die Frau mit dem Blutfluß aus dieser Gegend, die ebenfalls gesund geworden war, weil sie Jesu Gewand berührt hatte (Mt 9,20). Diese Menschen sahen in Jesus einen großen Heiler, doch wer er wirklich war, konnten sie nicht ganz begreifen. Das Verständnis der Jünger für seine wahre Identität wuchs dagegen ständig.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Es war etwas später, an einem anderen Tag. Als es Abend wurde, sagte Jesus zu seinen Jüngern, sie sollten ein Boot besteigen und ihm voraus auf die andere Seite des Sees fahren. Dann stieg Jesus allein auf den Berg. Es war ein ruhiger Ort, wo er zu seinem Vater, Jehova Gott, beten konnte.
Die Jünger stiegen in das Boot und segelten dann über den See. Aber bald begann ein Wind zu wehen. Er blies immer heftiger. Es war nun schon Nacht.
Die Männer zogen das Segel ein und begannen zu rudern. Aber sie kamen nicht sehr weit, weil sie starken Gegenwind hatten. Das Boot wurde von den hohen Wellen hin und her geworfen, und das Wasser spritzte hinein. Die Männer arbeiteten hart, um das Ufer zu erreichen, doch gelang es ihnen nicht.
Jesus war immer noch allein auf dem Berg. Er war lange dort gewesen. Jetzt aber konnte er sehen, daß seine Jünger in den hohen Wellen in Gefahr waren. So kam er vom Berg herunter an das Ufer des Sees. Er sprang nicht ins Wasser, um zu schwimmen, noch watete er hinein. Nein, sondern Jesus begann, über den stürmischen See zu gehen, so wie wir über einen grünen Rasen gehen würden!
Was würde geschehen, wenn du versuchtest, auf dem Wasser zu gehen? Weißt du es? — Du würdest sinken, und du könntest ertrinken. Aber bei Jesus war es anders. Er hatte besondere Kräfte.
Jesus hatte eine lange Strecke von etwa fünf bis sechs Kilometern zu gehen, um das Boot zu erreichen. So war es um die Morgendämmerung, als die Jünger Jesus über das Wasser auf sich zukommen sahen. Aber sie konnten nicht glauben, was sie sahen. Sie fürchteten sich sehr und schrien in ihrer Furcht.
Dann sprach Jesus zu ihnen: „Faßt Mut, ich bin’s; fürchtet euch nicht.“
Sobald Jesus in das Boot hereinkam, hörte der Sturm auf. Die Jünger waren wiederum überrascht. Sie fielen vor Jesus nieder und sagten: „Du bist wirklich Gottes Sohn.“ — Matthäus 14:23-33; Johannes 6:16-21.
Wäre es nicht wunderbar gewesen, damals zu leben und zu sehen, wie Jesus solche Dinge tat? — Nun, wir dürfen zu einer Zeit leben, da Jesus Dinge tun wird, die ebenso wunderbar sind.

Auf den großen Lehrer hören

Mt 14,28: Aber Petrus antwortete ihm und sprach: Herr, wenn du es bist, dann gebiete mir, über das Wasser zu dir zu kommen.

Im Anblick der Macht Jesu hob sich das Herz des Petrus hoch. Nichts soll ihn von Jesus scheiden dürfen. Er begehrt, an der Macht Jesu über die Natur teilzuhaben, zu ihm zu kommen und neben ihm zu stehen. Nicht darum bittet er: „Lass mich über die Wellen gehen!,“ sondern darum: „Lass mich zu dir kommen über das Wasser hin!“ Darum wagt er es nicht, in Hoffart, ohne die Erlaubnis Jesu in den See zu springen. Er weiß, dass er an der Macht Jesu nur teilhat, wenn Jesus ihm an ihr Anteil gibt, und bittet deshalb zuerst um Jesu Befehl.

Mt 14,29a: Er sagte: Komm!

Jesus freut sich, wenn sich der Jünger durch das, was er an ihm sieht, zu einem starken Glauben, der an seine Seite tritt, emporheben lässt . Er hat seine Gemeinschaft mit dem Vater nicht deshalb den Jüngern in Werken der Macht gezeigt, um sie in der Erkenntnis, dass er unendlich größer sei als sie, niederzubeugen, sondern um sie aufzurichten; denn er stellt sie neben sich in das Reich seines Vaters. Aber Petrus muss zuerst lernen, was Glaube ist.

Mt 14,29b-31: Und Petrus stieg aus dem Schiff und ging über das Wasser und kam zu Jesus. Als er aber den Wind sah, erschrak er und fing an zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Aber Jesus streckte sofort seine Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Kleingläubiger, wozu hast du gezweifelt?

Als er Jesus vor sich auf dem See stehen sah, wünschte Petrus sich neben ihn zu stellen; als er aber den Sturm sah, vergaß er Jesu Nähe und Befehl und sank, so dass Jesus ihn retten muss. Jesus macht ihm den Grund deutlich, weshalb sein Gang für ihn gefährlich wurde. Er war es für den Kleingläubigen, für den, der des Sturmes wegen das Wort Jesu für schwach hielt und es ihm nicht zutraute, dass er ihn auch jetzt erhalte. Ohne Grund und Nutzen hat er seine Gedanken geteilt, sowohl die Macht des Sturmes als die Macht Jesu erwogen und nicht nur an den Befehl Jesu, sondern auch an die Gefährlichkeit seines Ganges gedacht. Er hätte sich ohne Teilung seines Herzens mit festem Griff an das Wort Jesu halten sollen.

Mt 14,32-33: Und als sie in das Schiff einstiegen, legte sich der Wind. Die aber, die im Schiff waren, warfen sich vor ihm nieder und sagten: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn.

In dieser Stunde brachten die Jünger Jesus die Anbetung dar; sie sahen von seinen Taten zu dem Grund seiner Macht empor und wurden gewiss, dass er aus Gott hervorgegangen ist und mit seinem ganzen Leben an ihm hängt.

Schlatter, Erläuterungen zum Neuen Testament

Siegesstimmung
Ein gewaltiges Zeichen hatte Jesus getan. 5000 Menschen hatte er satt gemacht. Aus Johannes 6,15 erfahren wir, dass das Volk in seiner Begeisterung auf der Stelle den Herrn Jesus zum König ausrufen wollte.
Wie war wohl das Herz der Jünger in dieser Stunde mit Freude erfüllt! Endlich begannen die Massen zu begreifen, wie herrlich ihr Heiland war. Sie waren in dieser Stunde sicher bereit, ihm alles zuzutrauen und jedes Opfer für ihn zu bringen.
Jeder gläubige Christ kennt diese hohen Stunden, in denen das Herz singt: »Jesus Christus herrscht als König, / alles wird ihm untertänig …«

Die abgebrochene Siegeslinie
Es ist merkwürdig, dass Jesus in diesem Augenblick seine Jünger in das Schiff »trieb«. Er bittet sie nicht, er redet ihnen nicht zu, er befiehlt ihnen nicht. Er schickt sie weg wie kleine Kinder, die man abends ins Bett schickt. Und dann treibt er das Volk ebenso von sich. Seltsam! Hätte Jesus nicht allen Grund gehabt, diese Erweckungsstimmung auszunützen? So denkt unsere Vernunft. Aber Jesus tut genau das Gegenteil. Albrecht Bengel hat gesagt: »Für die Vernunft sieht es aus, als verstände Gott sich schlecht auf seinen Vorteil.«
Jeder Jesusjünger kennt diese Enttäuschung, wenn so eine Siegeslinie plötzlich abgebrochen wird – wenn nach einer Evangelisation auf einmal alles armseliger zu sein scheint als vorher – oder wenn in unserem eigenen Leben es aussehen will, als seien wir wieder auf die Anfänge unseres Christenlebens zurückgeworfen.
Warum handelt Jesus so? In Johannes 12,24 erklärt er: »Es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt’s allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.« Sowohl das Christenleben als auch das Leben der Gemeinde Jesu trägt immer das Kreuzeszeichen. »Es geht durch Sterben nur.«

Widerwärtigkeiten
»Sie litten Not von den Wellen; denn der Wind war ihnen zuwider.« Grauester Alltag! Alles scheint verkehrt zu gehen. Wo ist nun die Siegesfreude vom Nachmittag? Jetzt ist sie wenige Stunden später in tiefe Depression verwandelt.
Ich erinnere mich, wie ich einmal in der »Hammerhütte« in Siegen eine herrliche Segensstunde erlebte. Mein Glaube war so groß, dass ich dachte, ich könnte allen Gewalten der Hölle trotzen. Aber als ich meinen Wagen nach Hause steuerte, ging es immerzu durch dicken Nebel. Man kam nicht vorwärts. Und dann wurde es meinem jungen Begleiter schlecht. Das zwang mich, immer wieder den Wagen anzuhalten. Und mit Schrecken entdeckte ich, wie schnell mein großer Glaubensmut vom Nachmittag verflogen war.
Da musste ich an Paulus denken, der mit Silas zerschlagen im Kerker sitzt und doch Loblieder singt. Erst der, der die Loblieder singt, auch wenn der Wind zuwider ist, hat das Evangelium richtig begriffen.

Die Not der Herzen
Das ist eine Not, wenn unsere Glaubensfreude durch die alltäglichen Widrigkeiten so gedämpft wird, dass nur noch Verzagtheit da ist. Aber das war nicht die einzige Not der Jünger.
Es kam noch etwas anderes dazu:
Sie hatten Jesus aus den Augen verloren. Es gibt nichts Schrecklicheres für Menschen, die gewohnt sind, mit Jesus zu leben, als wenn seine Gegenwart ihnen verdunkelt wird. Und nun kommt die tiefste Not: In dieser dunklen Stunde kam auf einmal das Unterste der Herzen wieder zum Vorschein: »Sie sprachen:
Es ist ein Gespenst! Und schrien vor Furcht.«
War denn durch die Gegenwart Jesu der alte Aberglaube nicht längst abgetötet? War die tiefe Furcht, die ganz unten im Menschenherzen sitzt, nicht ausgerottet?
Das ist eine schreckliche Not, wenn Christen auf einmal merken, dass die »alte Sünde« wieder auftaucht; dass das Tiefste des Herzens noch gar nicht umgewandelt ist.
Und das geschah den Jüngern ausgerechnet nach dem Siegesnachmittag. Es ist eine alte Erfahrung, dass Jesusjünger nach besonders reichen Segenstagen an sich selber die tiefsten Enttäuschungen erleben.
Das könnte beinahe so aussehen, als sei im Leben der Jünger überhaupt nichts geändert worden. Nun, so ist es nicht. Wer Jesus gehört, erfährt wohl noch schmerzlich die Macht der Sünde. Aber er dient ihr nicht mehr. Er sieht sie als seinen Feind an. Paul Humburg sagte einmal: »Ein bekehrter Jesusjünger ist nicht sündlos. Aber vor seiner Bekehrung sündigte er fahrplanmäßig. Nach seiner Bekehrung ist die Sünde ein Eisenbahnunglück.«

Geborgen!
Wie mag wohl den Jüngern zumute gewesen sein, als in ihren ganzen Jammer hinein das Wort des Herrn tönte: »Seid getrost, ich bin’s! Fürchtet euch nicht!« So kann in der ganzen Welt niemand sprechen außer dem Herrn Jesus selbst. Und: »So er spricht, so geschieht’s; so er gebeut, so steht’s da.«
Wenn Jesus einem Herzen und Gewissen sagt: »Fürchte dich nicht!«, dann ist die Furcht wirklich verschwunden, und der Friede kehrt ein. Die ganze Geschichte zeigt zwischen den Zeilen, wie mit einem Schlag die Situation der Jünger verändert war. »Ach, mein Herr Jesu, / dein Nahesein / bringt großen Frieden ins Herz hinein. / Und dein Gnadenanblick / macht uns so selig, / dass Leib und Seele darüber fröhlich / und dankbar wird.« Da heißt es nun wirklich: »Die Freude am Herrn ist eure Stärke.«

Glaubensmut
So dachte auch Petrus. Alle Depression ist verschwunden. David sagte: »Mit meinem Gott kann ich über die Mauern springen.« Und Petrus: Mit meinem Herrn Jesus will ich über die wilden Wellen gehen.
Es würden wohl keine großen Dinge in der Welt geschehen, wenn nicht Christenherzen immer wieder diesen fröhlichen Glaubensmut fassen könnten, der ihnen sagt, dass mit Jesus das Unmögliche möglich wird.

Wieder eine Niederlage
Nach den bisherigen Erfahrungen dieses Tages hätte man dem Petrus wohl zutrauen müssen, dass er nun auf dieser Glaubenshöhe bleibt. Wir sehen ihn über das Wasser schreiten. Sein Blick ist auf den Herrn gerichtet. Ach, wäre er doch dabei geblieben, unverwandt auf seinen Herrn zu schauen! Aber er erlebt, was auch wir so oft erleben, dass die Dinge dieser Welt sich sehr geräuschvoll bemerkbar machen. »Er sah aber einen starken Wind; da erschrak er und hob an zu sinken.« Auf einmal ist die Natur nur noch drohend und schrecklich. Auf einmal sieht er nur noch eine Umwelt, die sich gegen ihn verschworen hat. Blitzartig fängt sein Gehirn an zu berechnen, welche entsetzliche Tiefe unter seinen Füßen ist. Er ist jetzt bloß noch ein Mann der Vernunft, der rechnet, wie ein Mensch rechnet, und der die Macht des Herrn in keiner Weise mehr einkalkuliert.
Schreckliche Stunden sind das, die keinem Christenleben erspart bleiben, wo die Welt mit ihren Drohungen und Sorgen bereitenden Wellen viel mächtiger zu sein scheint als der Herr.

Ein Gebet aus Herzensgrund
Als die Wogen über Petrus zusammenschlagen wollen, besinnt er sich auf seinen starken Herrn. Und nun kommt ein Schrei aus seinem Mund: »Herr, hilf mir!«
Es gibt mancherlei Gebete. Da sind die Gebete in der kirchlichen Agende. Wenn der Pfarrer sagt: »Lasst uns beten!«, dann faltet die Gemeinde die Hände und beugt das Haupt. Wenn ich das sehe, frage ich mich manchmal erschrocken: »Wie viele werden wohl jetzt richtig mit dem Herrn reden?« Und dann gibt es das Gebet des Pharisäers, der dem Herrn alle seine Tugenden ausbreitet. Es gibt Tischgebete, die so leer sind, dass einmal ein christlicher Mann darüber spottete: »Es ist nur ein Wa-wa-wa über dem Suppenteller.«
Wie anders das Gebet des Petrus! Da ist die Verzweiflung über die eigene Ohnmacht und das Vertrauen zu der Stärke des Herrn. Da ist das Wissen um die Abgründe unter seinen Füßen und das Vertrauen zu der starken Hand Jesu. Dass wir doch dies Gebet recht lernten: »Herr, hilf mir!« So sollten wir rufen in den Nöten unseres Lebens. »Herr, hilf mir!« sollten wir rufen, wenn die Anfechtungen der Sünde zu stark werden. »Herr, hilf mir!« – das ist die Antwort des Glaubens auf das Evangelium.

Erfahrung der Errettung
»Jesus aber reckte alsbald die Hand aus und ergriff ihn.« So hat der Herr Jesus wieder die Hand ausgestreckt und hat den Petrus ergriffen, als der nach der Auferstehung Jesu meinte, er sei nicht mehr tüchtig zum Jüngersein und Apostelamt. Davon erzählt Johannes 21. Errettung, die man erfahren hat – das ist die
Melodie der ganzen Bibel. Israel wird aus Ägypten errettet. Und die Gemeinde Jesu wird errettet durch das Blut Jesu von Sündenschuld und Sündenmacht, vom drohenden Gesetz und von der Verlockung der Welt, von der Macht Satans und vom ewigen Verderben.

Jesus allein
Welche Temperaturschwankungen hat der Glaube der Jünger in kurzer Zeit durchgemacht! Es ist tröstlich, das zu lesen; denn jeder Jesusjünger leidet unter diesen Temperaturschwankungen des Glaubens. Davon weiß ein unbekehrter Mensch nichts. Aber einer, der sich aufgemacht hat, Jesus nachzufolgen, weiß davon um so mehr. Und er lernt über all den Schwankungen: »Mein Heil beruht nicht in mir, sondern allein in Jesus und dem, was er für mich getan hat.« So lernt man dann als reifste Erfahrung seines Glaubenslebens singen: »Auf dem Lamm ruht meine Seele.

Wilhelm Busch, – In der Seelsorge Gottes

Wo wären wir? Wäre ich überhaupt mit im Boot? Und hätte ich den Mut, aus dem Boot auszusteigen?

„das neue Land, in dem Gott das Sagen hat“

Das Reich der Himmel ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, welchen ein Mensch fand und verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker
Elberfelder 1871 – Matthäus 13,44

»Die neue Welt Gottes ist mit einem Schatz zu vergleichen, der in einem Acker vergraben war: Ein Mensch fand ihn und deckte ihn schnell wieder zu. In seiner Freude verkaufte er alles, was er hatte, und kaufte dafür den Acker mit dem Schatz.
Gute Nachricht Bibel – Mt 13,44

Das neue Land, in dem Gott das Sagen hat, kann man auch gut mit einem vergrabenen Schatz vergleichen, den ein Typ zufällig beim Umgraben von einer Wiese findet. Er verbuddelt den Schatz ganz schnell wieder. Weil er sich so sehr über das Ding gefreut hat und es so wertvoll für ihn ist, geht er los und versteigert seinen ganzen Besitz bei E-Bay. Das macht er nur, um diese Wiese kaufen zu können, denn dann gehört auch der Schatz ihm.
VolxBibel – Mt 13,44

Mit dem Königreich des Himmels ist es wie mit einem Schatz, der in einem Feld versteckt war. Ein Mann fand ihn und versteckte ihn wieder. Er freute sich so sehr, dass er losging und alles verkaufte, was er besaß, und das Feld kaufte.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Matthäus 13,44


ὅμοιος V. 31. θησαυρός Vorratskammer, -haus; Schatzbehälter; Schatz. κε-κρυμμένῳ V. 35, attr.; θησαυρῷ κεκρυμμένῳ … einem Schatz, der … verborgen/vergraben war. ἀγρός V. 24. εὑρών Aor. Ptz. εὑρίσκω, temp. (A291,1 Anm. 1; zur Verschränkung m. ὅν vgl. A364b). ἔ-κρυψεν Aor. κρύπτω V. 35. ἀπό hier kaus. (BDR § 2101); ἀπὸ τῆς χαρᾶς αὐτοῦ in seiner Freude (B χαρά 1). πωλέω verkaufen. πάντα ὅσα alles, was (vgl. B ὅσος 2). ἀγοράζω (< ἀγορά Marktplatz) kaufen; ὑπάγει καὶ πωλεῖ … ἔχει … ἀγοράζει praesens narrativum (A235).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Schätze wurden früher oft aus Sicherheitsgründen vergraben. Hier ist höchstwahrscheinlich an einen abhängigen Bauern oder Landarbeiter gedacht, der den Schatz bei der Arbeit auf dem Feld eines Großgrundbesitzers entdeckte und wieder vergrub, damit dieser nicht Anspruch darauf erhob. Dann verkaufte er alles, was er besaß, um den Acker und damit den Schatz zu erwerben. Geschichten vom Finden eines verlorenen Schatzes waren bei der armen Bevölkerung natürlich sehr beliebt. Jesus möchte seine Hörer veranlassen, nach einem noch weit kostbareren Schatz zu suchen.

Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

In einem fünften Gleichnis verglich Jesus das Himmelreich mit einem Schatz, verborgen im Acker. Ein Mensch, der diesen Schatz gefunden hatte, kaufte den Acker, um den Schatz für sich zu behalten. Da der Herr auch dieses Gleichnis nicht deutete, finden sich hier ebenfalls mehrere verschiedene Auslegungsvarianten. Von der Abfolge der Gleichnisse her scheint es am wahrscheinlichsten, daß hier von Israel, Gottes „Eigentum“ (2Mo 19,5; Ps 135,4), die Rede ist. Ein Grund dafür, daß Jesus in die Welt kam, war Israels Erlösung. Man könnte ihn also mit dem Mann gleichsetzen, der alles verkaufte, was er besaß (die Herrlichkeit des Himmels; vgl. Joh 17,5; 2Kor 8,9; Phil 2,5-8), um den Schatz zu erwerben.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Aber wem gehörte der Schatz? Durfte man den gefundenes behalten? Doch eigentlich nicht! – oder?

Das erste dieser Gleichnisse befasst sich mit der unerwarteten Entdeckung des Reiches Gottes, das zweite mit dem erfolgreichen Abschluss einer Suche danach. In beiden Fällen erkennt die Person, die darauf stößt, seinen großen Wert und ist bereit, alles aufzugeben (er verkaufte alles, was er besaß), um eine persönliche Beziehung zu Gott zu haben (er kaufte dieses Feld / die sehr wertvolle Perle).
Ein Schatz, der in einem Feld versteckt ist (Vers 44). Laut Halakhah gehört der Schatz, wenn er nicht markiert und auf öffentlichem Land gefunden wird, dem Finder. Wenn es markiert ist, muss der Eigentümer gesucht werden. Wenn es natürlich (ein Goldnugget oder ein Diamant) oder nicht markiert und auf privatem Land ist, gehört es dem Eigentümer des Landes; Deshalb hat der Finder dieses Feld gekauft – um Eigentümer zu werden.
Die Geschichte scheint jedoch zu implizieren, dass der Finder das Feld zum Preis vor dem Schatz gekauft hat und dass er das Feld nicht zu diesem Preis verkauft hätte, wenn der Besitzer gewusst hätte, dass der Schatz dort war. Dies wirft eine ethische Frage auf: Ist der Finder entweder durch Halacha oder moralisch (falls dies anders ist) verpflichtet, den Besitzer des Schatzes vor dem Kauf des Feldes zu benachrichtigen? Nein. Eigentum hat immer ein Potenzial, das über das hinausgeht, was die Eigentümer wissen. Nur Gott hat vollkommene Informationen. Ein Eigentümer kann die Möglichkeiten untersuchen, die sein Eigentum bietet, und andere sind nicht verpflichtet, ihre Zeit mit der Erweiterung seines Wissens zu verbringen. Wenn ich also erfahre, dass Ihr Land Öl enthält, muss ich Sie nicht darüber informieren, wenn ich ihm den Kauf anbiete, da das Eigentum Sie mehr als mich motivieren sollte, dies selbst herauszufinden. Der Verkäufer dieses Grundstücks erhielt einen fairen Preis für sein Grundstück mit dem ihm bekannten Potenzial; Wie so oft hat der neue Eigentümer es gekauft, weil er zusätzliches Potenzial wahrgenommen hat.

Stern – Kommentar zum jüdischen Neuen Testament

Wenn Sie Atem haben, haben Sie Hoffnung. Durch den Messias kannst du ein neues Herz empfangen.
Jeschua erzählte ein Gleichnis über das Himmelreich und verglich es mit einem Schatz, der auf einem Feld versteckt war. „Als ein Mann es fand“, fuhr Jeschua fort, „versteckte er es wieder und verkaufte dann in seiner Freude alles, was er hatte, und kaufte dieses Feld“ (Mt 13,44). Prof. DA Carson erklärte: „Das Himmelreich ist unendlich mehr wert als die Kosten der Jüngerschaft, und diejenigen, die wissen, wo der Schatz liegt, geben freudig alles andere auf, um ihn zu sichern.“ Wenn Sie Jesus, dem Messias, begegnen, werden Sie verstehen genau das was das bedeutet. Ich sage dir, was auch immer es kostet, es lohnt sich!

Jüdische Einwände gegen Jesus beantworten

Beispiele für Menschen, die als Rabbiner den Messias gefunden haben, und dann alles auf der Erde verloren haben, findet man unter anderem in der Broschüre „die Weiheit ruft
Was bin ich bereit, für Jehovahs Königreich aufzugeben? Lebe ich schon „im Blick auf die Ewigkeit“? Oder suche ich noch bei meiner Kirche/Gemeinde/Versammlung den Schutz, den nur Jehovah durch ein persönliches Verhältnis bieten kann?

„nicht aufgrund unserer Werke“

So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium, nach der Kraft Gottes; der uns errettet hat und berufen mit heiligem Rufe, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christo Jesu vor den Zeiten der Zeitalter gegeben, jetzt aber geoffenbart worden ist durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus, welcher den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unverweslichkeit (O. Unvergänglichkeit) ans Licht gebracht hat durch das Evangelium, zu welchem ich bestellt worden bin als Herold (O. Prediger) und Apostel und Lehrer der Nationen.
Elberfelder 1871, – 2 Timotheus 1,8–11

Schäm dich also nicht, dich in aller Öffentlichkeit zu unserem Herrn Jesus Christus zu bekennen. Halte weiter zu mir, obwohl ich jetzt für ihn im Gefängnis bin. Sei auch du bereit, für die rettende Botschaft zu leiden. Gott wird dir die Kraft dazu geben.  Er hat uns gerettet und uns dazu berufen, ganz zu ihm zu gehören. Nicht etwa, weil wir das verdient hätten, sondern aus Gnade und freiem Entschluss. Denn schon vor allen Zeiten war es Gottes Plan, uns in seinem Sohn Jesus Christus seine erbarmende Liebe zu schenken. Das ist jetzt Wirklichkeit geworden, denn unser Retter Jesus Christus ist gekommen. Und so lautet die rettende Botschaft: Er hat dem Tod die Macht genommen und das unvergängliche Leben ans Licht gebracht.  Diese Botschaft soll ich als Apostel und Lehrer bekannt machen.
 Darum hat man mich auch ins Gefängnis geworfen. Aber ich schäme mich nicht dafür, denn ich weiß genau, an wen ich glaube. Ich bin ganz sicher, dass Christus mich und all das, was er mir anvertraut hat, bis zum Tag seines Kommens bewahren wird. Halte dich an die unverfälschte Lehre unseres Glaubens, wie du sie von mir gehört hast, und gib sie entsprechend weiter. Lass dich dabei von dem Glauben und der Liebe leiten, die wir in Jesus Christus haben.  Bewahre diese kostbare Gabe, die dir anvertraut ist. Die Kraft dazu wird dir der Heilige Geist geben, der in uns wohnt.
Hoffnung für Alle – 2 Tim 1,8–14

Deshalb schäm dich nicht dafür, dass du ein Zeuge unseres Herrn bist, und auch nicht für mich, weil ich seinetwegen ein Gefangener bin. Trag vielmehr deinen Teil am Erleiden von Schwierigkeiten für die gute Botschaft und stütz dich dabei auf die Kraft Gottes.  Er hat uns gerettet und uns mit einer heiligen Berufung berufen, aber nicht wegen unserer Taten, sondern weil es sein Wille war und aus unverdienter Güte. Diese wurde uns in Verbindung mit Christus Jesus schon vor langen Zeiten geschenkt, doch jetzt ist sie durch das Offenbarwerden unseres Retters, Christus Jesus, deutlich sichtbar geworden, durch ihn, der den Tod aufgehoben und durch die gute Botschaft Licht auf Leben und Unvergänglichkeit geworfen hat. Für diese Botschaft bin ich zum Prediger, Apostel und Lehrer ernannt worden.
Deswegen erleide ich auch das alles, aber ich schäme mich nicht. Denn ich kenne den, dem ich geglaubt habe, und bin zuversichtlich, dass er das Gut, das ich ihm anvertraut habe, bis zu jenem Tag bewahren kann.  Halte dich weiter an das Muster gesunder Worte, die du von mir gehört hast, mit dem Glauben und der Liebe, die aus der Gemeinschaft mit Christus Jesus entstehen. Bewahre dieses kostbare dir anvertraute Gut mithilfe des heiligen Geistes, der in uns wohnt.
neue Welt Übersetzung – 2018 – 2 Timotheus 1,8–14

Um seinen jungen Mitstreiter noch weiter zu bestärken, greift der Apostel einige der wichtigsten Elemente des von ihm und Timotheus verkündeten Evangeliums heraus: Gott hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf. Das ist eine vollendete Tatsache, keine Prophezeiung, die erst in der Zukunft erfüllt wird. Timotheus kann sich deshalb in seiner Arbeit auf die Kraft Gottes verlassen. Die Erlösung, die ein Christ schon jetzt besitzt, steht zudem in keinerlei Zusammenhang mit den Verdiensten des Gläubigen, sondern geschieht allein nach dem Ratschluß (prothesin; vgl. Röm 8,28; 9,11; Eph 1,11;3,11 ) und nach der Gnade Gottes (vgl. 1Tim 1,14). Das ist die Kernaussage des Evangeliums überhaupt (vgl. Eph 2,8-10 ). Die unverdiente Gnade, die ihnen durch die Erscheinung (epiphaneias; 2Thes 2,8; 1Tim 6,14; 2Tim 4,1.8; Tit 2,13) unseres Heilands Christus Jesus offenbart wurde, wurde den Christen bereits vor der Zeit der Welt verliehen. Hier und in Tit 1,4; Tit 2,13 und Tit 3,6 erhält Christus den Titel „Heiland“; in 1Tim 1,1; 2,3; 4,10 und Tit 2,10; 3,4 wird der Titel für Gott verwendet (vgl. 2 Petrus 1,1 mit 2 Petrus 3,18). Beide Attributierungen sind korrekt, aber in unterschiedlichem Sinne: Christus, der Sohn, verkörperte den Heilsplan Gottes des Vaters, durch den dem Tode, dem Sold der Sünde (vgl. 1Mo 2,17; Röm 5,12; 6,23), die Macht genommen (1Kor 15,26) und das Leben und ein unvergängliches Wesen (vgl. 1 Petrus 1,4) ans Licht gebracht wurden.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

In 1 Timotheus 1,12 dankt Paulus Gott dafür, dass Er ihn in den Dienst gestellt hatte. In 2 Timotheus 1,8–11 spricht er von der Errettung und der Berufung in Christus und von dem „Evangelium, zu dem ich bestellt worden bin als Herold und Apostel und Lehrer der Nationen.“ So ist auch bei der Beschreibung der Berufung der zwölf Apostel in Markus 3,14 zu sehen, dass sie vom Herrn selbst bestimmt, befähigt und ausgesandt wurden.
Diese Verse sprechen eindeutig davon, dass die Einsetzung und die Ernennung zum Dienst durch Gott selbst geschehen. Paulus sagt mit Bestimmtheit, dass das Evangelium, das er predigte, und der Lehrdienst, der ihm gegeben war, nicht nach Menschenweise geschah oder von Menschen empfangen worden war, nicht einmal von den Aposteln, die vor ihm waren. Wenn dann Paulus von Gott berufen und bestellt wurde und sein Dienst nicht von den Aposteln, die ihm vorangingen, erlernt wurde, wie konnten sie oder irgendjemand anderes ihn ordinieren? Und warum würde er, oder irgendjemand anderes, eine menschliche Ordination oder Bevollmächtigung benötigen, wenn Gott, der die höchste Autorität hat, ihn auserwählt, berufen, begabt und gelehrt hatte?

Keine menschliche Ordination
Es gibt weder im Alten Testament noch im Neuen Testament eine menschliche Ordination oder Bevollmächtigung in Verbindung mit Paulus oder einem anderen Propheten oder Prediger. Ja, Paulus sagt sogar, dass, als Gott ihn berief, er sich nicht mit irgendwelchen menschlichen Personen beriet, noch nach Jerusalem hinaufging, um sozusagen das Einverständnis und die Bevollmächtigung der Apostel dort einholte.
Nun gilt dasselbe Prinzip, nach dem Paulus und andere in der Apostelgeschichte eingesetzt wurden, auch heute. Gottes Einsetzung kommt von höchster Stelle und ist ausreichend. Denn wenn Christus jemandem eine Gabe gegeben hat, um sie für Ihn zu verwenden, und jenen für seinen Dienst berufen und bestimmt hat, ist dieser sicherlich untreu, wenn er zu irgendeiner Körperschaft von Menschen geht und sie um ihre Erlaubnis bittet, die Gabe zu benutzen, oder wenn er darin versagt sie zu benutzen, weil Menschen es nicht gutheißen. Die Gabe bringt die Verantwortung mit sich, sie zu benutzen, und die Berufung Gottes zieht Gehorsam Ihm gegenüber nach sich. Natürlich müssen die Ansprüche, was Gabe und Berufung angeht, immer geprüft werden. Diejenigen, die geistlich gesinnt sind, werden leicht erkennen, ob jemand eine Gabe hat und von Gott berufen ist oder nicht und werden die fragliche Person dementsprechend ermutigen oder warnen.

Raymond K. Campbell – Die Versammlung des lebendigen Gottes


2 Tim 1:8 : Jünger wurden dazu berufen, in die Fußstapfen ihrer Lehrer zu treten. Mit dem Leiden ist hier die Gefangenschaft und drohende Hinrichtung des Apostels gemeint.
2Tim 1:9-11 : Der Berufungsgedanke ist echt alttestamentlich und jüdisch, hinter den Begriffen »Erscheinung« und »unvergänglich« stehen griechische Vorstellungen (die jedoch seit langem von den Diasporajuden übernommen worden waren); der Begriff des »Retters« (z. B. Schlachter) schließlich ist in beiden Kulturkreisen bekannt. Dass Paulus in beiden Welten zu Hause ist, ist kaum überraschend. Die meisten Diasporajuden und auch manche palästinischen Juden sahen im Großen und Ganzen keinen Gegensatz zwischen der Treue zum A.T. und der Tatsache, dass sie die Sprache der Kultur sprachen, in der sie lebten.

Craig Keener, Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Da hat er uns befreit und uns zu einem Leben der Heiligkeit als sein Volk berufen. Dies ist die gute Nachricht: Gott hat uns (1 Tim. 1: 1) von der Strafe des ewigen Todes befreit, die uns für unsere Sünden zusteht, und er hat uns berufen, ein Leben in Heiligkeit zu führen. Das Heil basiert nicht auf Taten (Röm. 1: 16–8: 38; Eph. 2: 8–10), sondern auf der Gnade, die Gott uns gegeben hat, die wir mit dem Messias Jeschua vereint sind.

Die vollständige jüdische Studienbibel: Notizen

Wir sollten uns nicht schämen, Jeschua Zeugnis zu geben (Ro 1:16, 10: 8b – 10) oder mit seinen Arbeitern zusammenzuarbeiten, selbst wenn sie sich im Gefängnis befinden und unter Schande leiden. Onesiphorus (Vers 16) ist unser Modell; Sha’ul fügt um 2: 3–7 mehr zu diesem Thema hinzu. Dieser Vers ist für messianische Juden relevant, da wir von Ungläubigen oft mit Verachtung oder Misstrauen betrachtet werden. Wir sollten unseren Anteil daran akzeptieren und wissen, dass Gott uns die Kraft dafür geben wird, da er uns alles gegeben hat, was sich für uns lohnt (Verse 9–10).

9–10 Hier ist das Evangelium in Miniatur. Gott hat uns (siehe 1 Ti 1: 1N) von der Strafe des ewigen Todes befreit, die uns für unsere Sünden gebührt; das ist vorbei. Vorläufig hat er uns gerufen, ein Leben in Heiligkeit zu führen, nicht in Libertinismus (3: 2–5). Diese Erlösung ist nicht auf unsere Taten zurückzuführen; Wir haben es nicht verdient, wir haben keinen Anspruch auf Gott (Ro 1: 16–8: 39, Ep 2: 8–10). Es ergibt sich vielmehr aus seinem eigenen Zweck; Dies ist es, was die Gnade hervorgebracht hat, die er uns gegeben hat, die wir mit dem Messias Jeschua vereint sind. Gottes Absicht existierte und seine Gnade wurde vor Beginn der Zeit zugewiesen (siehe Ep 1: 3–14, Rv 13: 8), aber für die Menschheit war es ein Geheimnis. Erst jetzt, zur Zeit seiner eigenen Wahl (Ro 5: 6, Ga 4: 4, 1 Ti 2: ​​6), hat er es durch das (3: 3–4, 9; Co 1:26) veröffentlicht Erscheinen von Jeschua, dem Messias, unserem Befreier (dies ist Gottes Rolle, Vers 9), der den Tod abschaffte und das Leben und die Unsterblichkeit offenbarte, die uns in Zukunft gehören werden (vgl. 1: 1, 2:18). Dies ist die Gute Nachricht, das Evangelium, das sich jeder durch Vertrauen, Liebe und Befolgung seiner Lehre aneignen kann (Vers 13).

Stern – Kommentar zum jüdischen Neuen Testament: ein Begleitband zum jüdischen Neuen Testament

Wessen „Herde“?

Habet nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher gesetzt hat, die Versammlung Gottes zu hüten, welche er sich erworben hat durch das Blut seines Eigenen.
Elberfelder 1871, – Apg 20,28

Gebt Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, die der Heilige Geist eurer Aufsicht und Leitung anvertraut hat! Seid treue Hirten der Gemeinde, die Gott durch das Blut seines eigenen Sohnes für sich erworben hat!
Gute Nachricht Bibel – Apostelgeschichte 20,28

Und nun seht euch vor! Achtet darauf, die Herde Gottes — seine Gemeinde, die er durch das Blut seines eigenen Sohnes erkauft hat —, zu hüten und zu betreuen, über die der Heilige Geist euch als Älteste eingesetzt hat.
Neues Leben – Bibel 2006 – Apg 20,28

Ab jetzt müsst ihr auf euch selbst aufpassen und auf die ganze Gemeinde. Ihr seid für die wie ein Trainer, der vom Heiligen Geist angestellt wurde. Ihr sollt auf die Gemeinde aufpassen wie auf ein Team. Sie sind für euch von Gott teuer eingekauft worden, sein Sohn hat mit seinem Leben dafür bezahlt!
VolxBibel – Apostelgeschichte 20,28

Nicht einer Gemeinde, nicht einer Kirche, nicht einer Organisation gehört die „Kirche“ oder „Gemeinde“ oder „Versammlung“ – sondern diese gehört dem Vater, die ER durch das Blut Seines Sohnes erkauft hat und duch den Heiligen Geist leiten läßt.
Wenn deine „Gemeinde“ durch etwas anderes als den „heiligen Geist Jehovahs“ geleitet wird, dann ist sie wohl nicht entsprechnd der obrigen Aussage? Nein – wir dienen nicht Menschen – sondern unserem Schöpfer!

προσ-έχετε Imp. -έχω m. Dat. den Sinn richten auf; hier achten auf (B 1b), Acht geben auf (Menge); zur Sache vgl. 1Tim 4,16. ποίμνιον (Diminutivform v. ποίμνη „Herde“, aber ohne Diminutive Bdtg.) Herde; vgl. Lk 12,32 sowie Jh 10,16. ἐν V. 25. ἔ-θετο Aor. Med. τίθημι hier m. doppeltem Akk. (A97,15) jmdn. zu etwas machen (B II2b), jmdn. zu etwas bestellen (Menge); es ist nicht sicher, ob dies durch das Verleihen geeigneter Gaben (vgl. 1Kor 12,7–11) od. durch prophetische Weisung (vgl. 13,2.4; 1Tim 4,14) geschah. ἐπίσκοπος (< ἐπι-σκοπέω Acht geben auf, sorgen für) Aufseher, Hüter, Schützer; Vorsteher; später Bischof; vgl. Phil 1,1; 1Tim 3,2; Tit 1,7; die ἐπίσκοποι werden auch πρεσβύτεροι (V. 17) u. hier indirekt auch ποιμένες („Hirten“ [vgl. Eph 4,11]) genannt; andere ntl. Ausdrücke für „Vorsteher/Leiter“ sind προϊστάμενοι (1Thess 5,12; Röm 12,8), προεστῶτες (1Tim 5,17) u. ἡγούμενοι (Hb 13,7). ποιμαίνειν Inf. ποιμαίνω (als Hirte) weiden, hüten; übertr. (hütend, leitend, bewahrend, pflegend) sorgen für; fin. (A276); zur Sache vgl. 1Pt 5,1f u. Jh 21,16. περι-ε-ποιήσατο Aor. Med. -ποιέομαι für sich erwerben; eine aus der LXX bekannte Ausdrucksweise, die die Erwählung Israels durch Gott bez. (vgl. Eph 1,14; 1Pt 2,9; ähnl. Tit 2,14). διὰ τοῦ αἵματος τοῦ ἰδίου durch sein eigenes Blut (grammatisch-lexikalisch am nächstliegenden); aus biblisch-theologischen Gründen aber häufig: durch das Blut des Seinigen/des Eigenen = durch das Blut seines eigenen Sohnes (sprachl. etwa wie folgt begründbar: ἴδιος wird im Sinn v. hebr. יָחִיד jāḥîḏ einzig gebraucht; diesem entsprechen manchmal auch ἀγαπητός, ἐκλεκτός erwählt u. μονογενής7 einziges [Kind], einzigartig; subst. findet sich ἴδιος [aber Pl.] auch in 4,23; 24,23; Jh 1,11; 13,1 [Bruce, Apg, S. 434; vgl. Metzger, S. 426]).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Paulus ‚Warnung an die Ältesten – Apostelgeschichte 20: 28–31

Paulus weist in Vers 28 auf verschiedene Aufgaben der Epheser-Ältesten hin: Pass auf dich und die ganze Herde auf, in der der Heilige Geist dich zu Bischöfen gemacht hat, um die Kirche des Herrn, die er gekauft hat, mit seinem eigenen Blut zu ernähren.

Der Ausdruck „Achte darauf“ bedeutet „halte deine Gedanken für dich“ als Älteste und für die ganze Herde, was die örtliche Kirche von Ephesus bedeutet. Sie werden hier Bischöfe genannt, ein Amt, zu dem der Heilige Geist sie berufen hat. Das griechische Wort für Bischof bedeutet „Aufseher“. Es ist das Wort episkopos, von dem das englische Wort „episcopalian“ stammt. Dies bezieht sich auf dasselbe Amt wie der Älteste in Vers 17. Das Amt des Ältesten und des Bischofs ist also dasselbe. Die Berufung war: die Gemeinde des Herrn zu ernähren. Das griechische Wort für Futter bedeutet „Hirte“, „Pflege“ oder „Pastor“ der Herde. Diese Ältesten oder Bischöfe waren auch Hirten und Pastoren. In der neutestamentlichen Kirche gelten die Begriffe Ältester, Bischof und Pastor für dieselben Personen, die dasselbe Amt innehaben. Jede Amtszeit betont einfach einen anderen Bereich ihres Dienstes: „Bischof“ betont das Konzept der Überwachung der Herde; „Ältester“ betont den Aspekt der Herrschaft unter der Herde; und „Hirte“ oder „Pastor“ betont den Aspekt der Fütterung der Herde.

Die Grundlage für ihre Arbeit war, dass dies die Herde war, die der Messias mit seinem eigenen Blut gekauft hatte. Das griechische Wort für gekauft bedeutet „für sich selbst reservieren oder bewahren“. Dies war das Mittel der Erlösung für die Kirche. Der Messias tat dies, um es durch sein Blut zu seinem eigenen Privatbesitz zu machen. Deshalb sollten diese Ältesten aufgrund der Position, die Gott ihnen gegeben hatte, auf ihre Verantwortung achten.

Die Verse 29–30 geben zwei Gründe an, warum sie darauf achten müssen. Der erste Grund ist in Vers 29 angegeben: Ich weiß, dass nach meiner Abreise schwere Wölfe unter euch eintreten werden, ohne die Herde zu schonen.

Nachdem er sie verlassen hat, weiß Paulus an diesem Punkt, dass schwere Wölfe eintreten werden. Das Wort „schwer“ bedeutet „räuberisch“ oder „hart“. Dies ist ein Begriff, den Jeschua in Johannes 10,12 für falsche Lehrer verwendet. Diese falschen Lehrer werden hereinkommen und die Herde nicht verschonen. Die Herde, um die sich diese Ältesten kümmern müssen, wird von falschen Lehrern angegriffen, die von außen hereinkommen und einen Teil der Herde zerstreuen. Wenn sie jedoch den Dienst von Paulus fortsetzen, um den gesamten Rat Gottes zu lehren, wird dies dazu beitragen, die Gefahr zu minimieren.

Der zweite Grund, warum sie aufpassen müssen, ist in Vers 30 angegeben: und aus deinem eigenen Selbst werden Menschen hervorgehen, die perverse Dinge sprechen, um die Jünger nach ihnen wegzuziehen.

Unter den Mitgliedern der Gemeinde selbst werden falsche Lehrer auftauchen. Ihre böse Tat wird perverse Dinge sprechen. Das griechische Wort für pervers bedeutet „sich abwenden“, „die Wahrheit verdrehen oder stören“. Sie werden anfangen, die Wahrheit dieses ganzen Rates Gottes zu verdrehen.

Ihr Zweck wird sein: die Jünger wegzuziehen; das heißt, die Kirche von innen heraus zu spalten, damit sie eine eigene Gefolgschaft haben und nicht länger der Führung der Ältesten folgen müssen. Tatsächlich war es die Erfüllung dieser Worte, die das Schreiben von 1 und 2 Timotheus erforderlich machte, was darauf hinweist, dass diese falschen Lehrer zu dieser Zeit unter den Gläubigen aufgetaucht waren (1 Tim. 1: 3–7, 19–20; 4: 1–7; 6: 3–5; 2 Tim. 1:15; 2: 16–18; 3: 1–9). Dieses Problem wird auch in Offenbarung 2: 1–7 behandelt.

Paulus ermahnt sie, in Vers 31 zuzusehen: Darum wacht und erinnert euch daran, dass ich innerhalb von drei Jahren aufgehört habe, nicht jeden Tag und jede Nacht mit Tränen zu ermahnen.

Basierend auf dem, was er gerade in den Versen 29–30 gesagt hatte: Darum wacht, wegen dieser beiden Gefahren, müssen sie wach bleiben und zuschauen. Die Grundlage seiner Ermahnung war: sich daran zu erinnern, dass innerhalb von drei Jahren die ungefähre Dauer seines Dienstes unter ihnen war. Sie sollten sich daran erinnern, dass er aufhörte, nicht jeden Tag und jede Nacht mit Tränen zu ermahnen. Paulus ermahnte sie alle in der Wahrheit mit Tränen. Nachdem sie ausreichend gewarnt wurden, müssen sie wach bleiben und wachsam sein, damit sie wissen, wann sie handeln und die Gläubigen warnen müssen.

Fruchtenbaum

Interessant – die Ältesten werden vom heiligen Geist ernannt und auch von diesem „trainiert“ oder geschult. Es gibt nicht einen oder mehrere Kontrolleure, die im Auftrage das ganze noch einmal kontrollieren – so als ob der heilige Geist einen Fehler gemacht haben könnte, und deshalb ein Aufseher die Fehler des heiligen Geistes ausbessern müsste. Auch gab es damals keine Leitung in „irgendwo“, die noch einmal gefragt werden müsste, ob der heilige Geist seine Arbeit richtig gemacht habe. Es war ganz einfach: der Vater hatte die Aufgabe schon verteilt!

Gebet

Jehova, Gott Israels, du bist gerecht; denn wir sind als Entronnene übriggeblieben, wie es an diesem Tage ist. Siehe, wir sind vor dir in unserer Schuld; denn dieserhalb kann man nicht vor dir bestehen.
Elberfelder 1871, Esra 9,15

Jehova, Gott Israels! du bist gerecht. Denn wir sind erhalten und entronnen, wie zu dieser Zeit (es ist). Siehe, wir stehen vor deinem Angesichte in unsrer Verschuldung; denn niemand kann bestehen vor deinem Angesichte deshalb.
de Wette Bibel – Esra 9,15

O Jehova, du Gott Israels, du bist gerecht, denn wir sind als ein entronnenes Volk übriggelassen worden, wie es an diesem Tag ist. Hier sind wir vor dir in unserer Schuld, denn es ist unmöglich, diesbezüglich vor dir zu bestehen.“
neue Welt Übersetzung – Bi12 – Esra 9:15

Jehova, Gott Israels! du bist gerecht; denn wir sind als Gerettete übrig geblieben, wie es heute ist; siehe! wir sind vor dir mit unserer Schuld; denn Niemand kann desshalb vor dir bestehen.
van Ess_1858 – Esra 9,15

Das Gebet Esras endet mit einer „Kapitulationserklärung“. Er stellt die Gerechtigkeit Gottes heraus. Gemeint ist seine Treue:
Neh 9,8: Und du hast sein Herz treu vor dir erfunden und hast mit ihm den Bund geschlossen, das Land der Kanaaniter, der Hetiter, der Amoriter und der Perisiter und der Jebusiter und der Girgasiter zu geben – es seinen Nachkommen zu geben. Und du hast deine Worte aufrechterhalten, denn du bist gerecht.
Neh 9,33: Doch du bist gerecht bei allem, was über uns gekommen ist, denn du hast Treue bewiesen; wir aber, wir haben gottlos gehandelt.
Ps 145,17: Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und treu in allen seinen Werken.

Ihm gegenüber steht das Volk mit seiner Schuld. Esra weiß, dass das Volk mit „einem solchen Verhalten“ nicht vor Gott „bestehen“ kann. Das Gebet Esras endet also ohne irgendeine Lösung.

Mainka, Esra & Nehemia

Esra hatte kein konkretes Gebetsanliegen und appellierte einfach an die Barmherzigkeit Gottes. Er beschloß sein Gebet ähnlich wie er es begann, indem er noch einmal betonte, daß in der gesamten Gemeinschaft keiner würdig sei, vor dem gerechten Gott zu stehen.
In seinem ganzen Gebet betont Esra zahlreiche Wesenseigenschaften Gottes: Gnade (V. 8 ), Güte (V. 14 ), Zorn (V. 14 ) und Gerechtigkeit (V. 15 ). Esra bat Gott um Barmherzigkeit auf der Grundlage von Gottes Bundesliebe zu seinem Volk.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Das einunddreißigste Gebet ist in Esra 9: 1–10: 1, insbesondere in Kapitel 10: 1: Während Esra betete und ein Geständnis ablegte, weinte und sich vor dem Haus Gottes niederwarf, versammelte sich er aus Israel zu ihm eine sehr große Versammlung von Männern, Frauen und Kindern; denn die Leute weinten sehr wund.

In Esra 10: 1 heißt es, dass die Worte von Esra 9: 1–15 die Worte eines Gebets waren, und dieses Gebet weist auf fünf Dinge hin. Zunächst fiel Ezra in Bezug auf seine Haltung auf die Knie und breitete seine Hände nach Gott aus. Zweitens war es ein Gebet der Demütigung über Israels Sünden, insbesondere die Sünde, mit heidnischen Heiden zu heiraten, die immer noch ihre heidnischen Idole verehrten. Drittens beinhaltete dieses Gebet das Bekenntnis vergangener Sünden. Viertens beinhaltete das Gebet ein Geständnis für die gegenwärtigen Sünden. Und fünftens gab es drei Einschlüsse in seinem Gebet; Beichte, weinen und sich vor dem Haus Gottes niederwerfen. Dieses Gebet von Esra, der der Priester war, war ein priesterliches Fürbittegebet.

Arnold Fruchtenbaum

Wie ganz anders, die meisten Gebete, die wir heute so hören – oder? Anstatt Bestellzettel – Bekenntnis, Dankbarkeit, Ehre!

„Erkenntnis MEINER Erscheinung“

Denn: »Füllen muß sich das Erdland
mit der Erkenntnis MEINER Erscheinung,
wie die Wasser das Meerbett decken.«
Die Schrift – Buber und Rosenzweig – Habakuk 2,14

Es wird voll werden die Erde von Erkenntniss der Herrlichkeit Jehova’s, gleichwie das Wasser das Meer bedecket.
van Ess – Habakuk 2,14

Denn voll wird werden die Erde von der Erkenntnis der Herrlichkeit Jehovahs, wie die Wasser sich decken über das Meer. Jes 11,9; 19,21.22f.
Tafelbibel – Hab 2,14

Denn die Erde wird voll werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit Jehovas, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken. (Vergl Jes 11,9)
Elberfelder 1871 – Habakuk 2,14

Im Tausendjährigen Reich werden die Menschen Gott als den «Höchsten» kennen (Ps 87,5; 97,9). In dieser zukünftigen Zeit wird sich das Wort des Propheten Habakuk erfüllen: «Die Erde wird voll der Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN sein» (Hab 2,14). Weil Christus über Himmel und Erde regieren wird, wird Gott in einem Umfang bekannt sein, wie es vorher nie der Fall gewesen ist. Als der Höchste wird Er seine Oberhoheit im ganzen Universum zur Geltung bringen. Deshalb ist die Offenbarung Gottes im Tausendjährigen Reich die höchste und umfänglichste in Beziehung zu seiner Schöpfung.

Halte fest 2017

Das dritte wehe Orakel. Das dritte Wehorakel konzentriert wie das zweite seine Beschuldigung auf einen Herrscher oder eine herrschende Klasse, deren Macht auf Kosten der Bürger geht. Wie bei den anderen Wehe-Orakeln werden Anklagen gegen ein Individuum erhoben (unter Verwendung singulärer Formen), aber die paradigmatische Natur des Orakels impliziert eine kollektive Einheit auf einer bestimmten Ebene. Außer vielleicht für einen König bedeuten die parallelen poetischen Anschuldigungen gegen „den, der eine Stadt baut“ und „ein Dorf zu gründen“ nicht wirklich einen Einzelnen. In diesem Orakel umfassen die vom Bauherrn verwendeten Baumaterialien „Blutvergießen“ und „Ungerechtigkeit“. Während sich das zweite Orakel auf eine Metapher für den Bau eines Hauses stützt, erweitert dieses Orakel die Metapher für den Bau auf die größere Gemeinschaft. Dieses dritte Orakel konzentriert sich jedoch nicht nur auf die Ungerechtigkeit, die den Bewohnern angetan wurde, sondern umrahmt den Vorwurf auch in theologischen Begriffen. Mit einer rhetorischen Frage, die eine negative Antwort erwartet, erinnert 2:13 den Hörer an die Erwartungen von JHWH an die Menschheit. Zu diesen Erwartungen gehört keine Weltordnung, in der Menschen zu Gütern werden, um der Gier eines Reiches oder eines Herrschers zu dienen, dessen nationalistischer Appetit keine Grenzen kennt und der kontinuierlich daran arbeitet, das zu konsumieren, was anderen gehört. Die „Flamme“ der Aggression wird auf Kosten der schweren Arbeit anderer geschürt, deren Arbeit nichts als „Leere“ erzeugt, weil Aggression auf Kosten eines anderen keinen dauerhaften Zweck erfüllt.
Was in 2:13 impliziert ist, dass Gott nicht erwartet, dass Nationen der Gier eines menschlichen Herrschers dienen, führt in 2:14 zu einer Aussage darüber, was Gott für die Menschheit erwartet. YHWH erwartet die allgegenwärtige Anerkennung von YHWHs eigenem Ruhm. Der Begriff „Herrlichkeit“ bezieht sich auf die Manifestation der Gegenwart Gottes. In 2:14 wird angenommen, dass eine solche Präsenz Teil des Stoffes der Schöpfung selbst ist. Infolgedessen wird die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes, die die Erde erfüllt, zu der, die den Zweck der Schöpfung erfüllt. Wenn dieses Wissen jedoch vereitelt wird, leidet die Schöpfung, sei es auf Kosten eines Tyrannen, der zur Unterwerfung neigt, oder auf Kosten derer, die die Ungerechtigkeit, die in der Welt existiert, ignorieren. Diese Bilder werden durch das Zitieren anderer Texte in Habakuk 2: 13–14 verstärkt.

Das Buch der Zwölf

Wehe dem, der eine Stadt mit Blut baut und durch Missetat eine Stadt errichtet! Siehe, ist es nicht von Jehova der Heerscharen, dass die Völker für das Feuer arbeiten und die Nationen sich für die Eitelkeit müde machen? Denn die Erde wird erfüllt sein mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Jehovas, wie das Wasser das Meer bedeckt.

Das dritte Leid besagte, dass Gewalt durch Gewalt behandelt werden würde. In Vers 12 bauten sie ihre Städte, insbesondere die große Stadt Babylon, mit dem Blut von Sklaven. In Vers 13 war ihre ganze Arbeit zur Zerstörung durch Feuer verurteilt. In Vers 14 wird Babylon in Zukunft zum Feuer verurteilt sein, weil der Tag kommt, an dem die Erde mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Jehovas erfüllt sein wird. Wenn das messianische Königreich errichtet wird, wird es zwei öde Flecken auf der Erde geben: Edom und Babylon. Beide Orte werden 1000 Jahre lang die Wohnstätte der Dämonen sein (Jes. 13–14; Jer. 50–51; Offb. 18).

In Habakuk’s Prophezeiung gibt es eine Mischung zwischen dem Babylon der Vergangenheit und dem Babylon der Zukunft. Früher sprach er von Babylon der Vergangenheit; Jetzt spricht er von Babylon der Zukunft. Das dritte Weh ist also, dass Gewalt Gewalt erzeugen und Babylon durch Gewalt zerstört werden würde. Das Weltreich wird nicht das babylonische Reich sein; Vielmehr wird es das Reich des Reiches Gottes sein.

Fruchtenbaum – Die Sammlung messianischer Bibelstudien

Was muß passieren, damit die Erkenntnis Jehovahs die ganze Welt bedeckt? Reicht es, dass alle über seine Existenz reden? Nein! Natürlich ist die Vorraussetzung, dass SEIN Königreich hier auf der Erde herscht! Was für eine glückliche Zeit dann sein wird!

Freiheit oder Joch

Für die (O. In der) Freiheit hat Christus uns freigemacht; stehet nun fest und lasset euch nicht wiederum unter einem Joche der Knechtschaft (O. Sklaverei) halten.
Siehe, ich, Paulus, sage euch, daß wenn ihr beschnitten werdet, Christus euch nichts nützen wird. Ich bezeuge aber wiederum jedem Menschen, der beschnitten wird, daß er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist.
Elberfelder 1871 – Galater 5,1–3

Bewahrt die Freiheit, die Christus euch schenkt!
Durch Christus sind wir frei geworden, damit wir als Befreite leben. Jetzt kommt es darauf an, dass ihr euch nicht wieder vom Gesetz versklaven lasst. Ich, Paulus, sage euch deshalb in aller Deutlichkeit: Wenn ihr euch beschneiden lasst, wird alles nutzlos sein, was Christus für euch getan hat.  Und noch einmal erkläre ich jedem Einzelnen von euch: Wer sich beschneiden lässt, der muss das ganze Gesetz mit allen seinen Forderungen befolgen.  Wenn ihr aber durch das Gesetz vor Gott bestehen wollt, dann habt ihr euch von Christus losgesagt und Gottes Gnade verspielt.
Hoffnung für Alle – Galater 5,1–4

Freiheit? Zuallerst muss ich dann an das „berühmte Zitat“ von Rosa Luxenburg denken: „Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden“ – und gerade diese Art Freiheit wollen viele „Christen“ heute in die Worte des Paulus hineinfühlen. Doch was meinte Paulus mit der Freiheit, die wir durch Christus haben?

In diesem Vers werden zunächst die Ausführungen von Kapitel 4 – der Gegensatz zwischen Knechtschaft und Freiheit – nochmals zusammengefaßt. Zugleich dient er als Einleitung für Kapitel 5. Paulus macht deutlich, daß Christus der große Befreier war, der die Christen aus der Knechtschaft befreit hat. Er fordert die Galater auf, in dieser Freiheit fest zu stehen (vgl. 1Kor 16,13; Phil 1,27;4,1; 1Thes 3,8; 2Thes 2,15), denn nach ihrerErlösung aus der Knechtschaft des Heidentums sind sie in Gefahr, sich unter die Knechtschaft des mosaischen Gesetzes zu begeben.

Im folgenden geht Paulus auf eines der entscheidenden Merkmale dieser Knechtschaft, die Beschneidung, ein und erteilt denjenigen Galatern, die sich dieser Vorschrift unterwarfen, einen strengen Verweis. Wenn sie sich beschneiden lassen und damit versuchen, durch Werke Rechtfertigung zu erlangen, so wird ihnen nach den Worten des Paulus Christus nichts nützen. Der Apostel verurteilt also nicht die Beschneidung an sich – er selbst hatte Timotheus (in Galatien) beschneiden lassen, damit er auch unter Juden missionieren konnte (Apg 16,1-3) -, sondern erhebt lediglich Einspruch gegen eine judaistische Theologie, die darauf beharrt, daß die Beschneidung heilsnotwendig sei. Jeder, der sich aus diesem Grund beschneiden läßt, fügt dem Glauben Werke hinzu und beweist damit, daß er den rettenden Glauben an Christus nicht besitzt.

Doch die Hinwendung zum Gesetz hebt nicht nur die Gnade auf, sondern schafft zusätzlich noch ein Netz ganz neuer Verpflichtungen: Wer ein Gebot hält, ist gezwungen, das ganze Gesetz zu tun. Das Gesetz ist eine Einheit, und wenn ein Mensch sich zu seiner Rechtfertigung einem Teil des Gesetzes unterwirft, ist er ein „Schuldner“ des ganzen Kodex mit allen seinen Forderungen und Strafen (vgl. Gal 3,10; Jak 2,10).

Die Annahme des Gesetzes und die Vorstellung, die Beschneidung sei ein religiöses Verdienst, hat noch weitere schreckliche Implikationen, die sich die Galater vor Augen halten müssen. Jeder, der durch das Gesetz gerecht werden will, hat Christus verloren (katErgEthEte, d. h., das Werk Christi hat keine Bedeutung mehr für ihn). Außerdem ist er nach den Worten des Apostels aus der Gnade gefallen. Es geht dabei nicht um den Verlust der Rettung, denn die „Gnade“ ist nicht selbst die Rettung, sondern ein Weg, sie zu erlangen (vgl. Gal 2,21 ,wo der Weg „des Gesetzes“ als untauglich, zu Christus zu kommen, abgelehnt wird). Wenn die Galater die Beschneidung als heilsnotwendig anerkennen, verlassen sie das System der Gnade und stellen sich unter das System des mosaischen Gesetzes. Denselben Fehler begeht ein Gläubiger auch heute, wenn er aus einer Kirche austritt, die lehrt, daß die Rettung durch die Gnade, allein aus Glauben, zustandekommt, und sich einer christlichen Gemeinschaft anschließt, die lehrt, daß die Rettung von Buße, Bekenntnis, Glaube, Taufe und Kirchenmitgliedschaft abhängig ist.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar


Vier Kapitel lang hat Paulus in immer neuen Anläufen das harte Entweder-Oder von Gesetzesfrömmigkeit und Gerechtigkeit aus Glauben entfaltet; nun fasst er alles in einem klaren Anruf zusammen. Keine theoretischen Gedankengänge, keine lebensferne Dogmatik, sondern die konkrete Lage der Galater in ihrer Verwirrung erfordert diese grundsätzlichen Klärungen. Dabei wird richtige christliche Lehre vorgestellt, sie geschieht auf Grund der Heiligen Schrift, auf einem tiefen Fundament der Erkenntnis des Willens Gottes. Paulus lässt sich im Galaterbrief viel Zeit, um dieses Fundament zu legen, so dass es allen Erschütterungen standhält, dann aber wird das Haus darauf gebaut und das heißt, die ganz konkrete Situation geklärt. Das sind keine kurzatmigen Ratschläge oder Denkhilfen, sondern in der Heilsgeschichte Gottes und dem Weg der Gemeinde festgemachte, vorgestellte und erprobte Leitlinien. Darin liegt das Gewicht der nun folgenden Mahnungen. Sie sind keine oberflächlichen Willensappelle, die nur wenig nützen. Sie sind Rufe zurück zum Fundament, sie sind damit letztlich Einladungen und Angebote, in die Segenslinie wieder einzutreten.

7.1. Ohne die Beschneidung (Gal 5,1-6)
Gal 5,1:

»Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So stehet nun fest und lasset euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen!«

»Zur Freiheit hat uns Christus befreit!« – das ist der Überschriftssatz über jede weitere Mahnung, das ist aber auch die Zusammenfassung alles bisher Dargelegten. Die »Freiheit«, die Paulus hier benennt, ist damit zunächst die Freiheit vom Gesetz. Wer in Christus ist, sein Jünger geworden ist, der lebt nicht mehr unter dem Gesetz – unter dem fordernden und vernichtenden Gesetz der Vergeltung -, er lebt nun in der Vergebung. »Christus hat uns befreit«, kein anderer konnte das tun. Er hat die »Mächte« (vgl. Gal 4,3-9) besiegt. Sünde, Satan und Tod haben kein Anrecht mehr an den Kindern Gottes. Jesus hat sie freigekauft. »Steht nun fest«, solche Freiheit muss und kann festgehalten werden und das geschieht eben so, dass wir uns auf diese »objektive« Heilstatsache stellen, auf die Erlösung, die am Kreuz Jesu Christi geschehen ist.

Die Irrlehrer wollen den Galatern diesen festen Stand nehmen. Paulus sagt ganz hart: sie wollen euch „wieder in das knechtische Joch fangen«. Das »Joch«, das Holz, unter das die Zugtiere ihre Nacken beugen müssen, in das sie zur Arbeit eingespannt werden, um ihren eigenen Willen zu brechen, ist ein Bild für Sklaverei. Wer unter dem Joch geht, kann nicht mehr selbst bestimmen, er hat den Forderungen und Anweisungen eines anderen bedingungslos zu gehorchen. In solche Abhängigkeit aber sollen sich die Galater nicht mehr hineinzwingen, wörtlich: »nicht mehr festhalten« lassen. Sie sind schon ein Stück weit vom Stand der Freiheit abgewichen, sind im Begriff, sich unter das Joch des Gesetzes zu beugen und in die Sklaverei der Eigengerechtigkeit zu verfallen. Als äußeres Zeichen der Gesetzesfrömmigkeit gilt aber die Beschneidung. Noch ist Warnung und Rückruf möglich, – offensichtlich sind die Galater noch nicht endgültig entschieden.

Gal 5,2-3:

»(2) Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasset, so wird euch Christus nichts nützen. (3) Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist.«

Mit seiner ganzen Autorität setzt sich Paulus ein. Seine ganze Person und sein ihm von Christus verliehenes Amt stehen hinter der folgenden Aussage. Er beginnt deshalb diesen Satz, wie eine rechtsgültige Urkunde beginnt, etwa ein kaiserlicher Erlass. »Ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasset, so wird euch Christus nichts nützen.« Das ist eine grundsätzliche Feststellung, das Entweder-Oder tritt ganz klar hervor. Die Beschneidung, die Entfernung der Vorhaut des männlichen Gliedes, ist Bundeszeichen für Israel und schon dem Abraham von Gott befohlen (vgl. 1 Mose 17,9-14). Medizinische oder sanitäre Gedanken mögen geltend gemacht werden, doch sie sind nicht entscheidend. Die Beschneidung kennzeichnet das Volk Israel als Eigentum Gottes. Für sich gesehen hat die Beschneidung also keinen Sinn und gewiss keine Heilsbedeutung, sondern nur, wie das ganze Gesetz, als Kennzeichen der Verbindung mit Gott. Israel hat aber, wie das Gesetz, so auch die Beschneidung abgelöst, ja sogar unter Bruch des Bundes mit Gott, verselbstständigt und zur notwendigen Heilsbedingung gemacht. Äußerliche Zeichen und Verhaltensweisen sollen die Sünde verdecken, sollen übertünchen, dass Israel seinem Gott ungehorsam geworden ist und seinen Bund treulos verlassen hat. So kann die »Beschneidung« geradezu zum negativen Zeichen des Selbstgerechten werden.

Es nützt den Galatern nichts, wenn sie sich beschneiden lassen. Durch äußere Zeichen wird kein Mensch gerecht. Christus nützt ihnen dann sogar nichts. Sie leugnen damit seine Befreiungstat. Diese wird dadurch nicht ungeschehen gemacht, aber sie hat für die Galater dann keinerlei Sinn und Nutzen mehr; das griechische Wort für »nützen« kann auch mit »Hilfe bringen« oder »heilsam sein« wiedergegeben werden. Christus kann den Galatern nicht zum Heil helfen, wenn sie sich wieder den anderen Mächten unterjochen und von ihnen Hilfe und Heil erwarten. Er drängt sich niemandem auf; er wartet auf den Ruf des Bedürftigen.

Nicht nur Ablehnung der Hilfe Jesu Christi bedeutet die Beschneidung, sondern eine vollständige Auslieferung des Beschnittenen an die Macht des Gesetzes. Er wird »schuldig«, das ganze Gesetz zu tun. Mit der Beschneidung tritt er in den Machtbereich des Gesetzes und untersteht damit vollständig allen Forderungen des Gesetzes. Er kann nicht ein Gebot halten und ein anderes verwerfen; die Gebote gelten in ihrer Gesamtheit, das »bezeugt« ihnen der Apostel mit ganzem Ernst. Wenn die Galater die Beschneidung als heilsnotwendig annehmen, dann betreten sie damit den alten Weg des Gesetzes, auf dem eine Forderung die andere nach sich zieht. Dan kann man nicht einfach abbrechen, sondern muss den ganzen Weg zu Ende gehen. Damit ist aber die Freiheit des vertrauenden Glaubens verloren.

Gerhardt Maier – Edition C

Freiheit vom Gesetz und doch Gottes Gebote haltend – scheint ein Widerspruch zu werden. Aber wer die Worte von Paulus im Zusammenhang liest, stellt fest, dass bestimmte Feste und Feiertage, Handlungen und Riten – nur um ein Gesetz zu befolgen eben nicht richtig wäre, bzw uns vom heiligen Geist abschneiden würde. Dagegen uns von heiligen Geist leiten zu lassen und deshalb etwas zu Gottes Ehre zu tun, wäre die Freiheit, zu der uns Christus berufen hat.