Glaube, Hoffnung, Liebe

Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte (W. größer) aber von diesen ist die Liebe
Elberfelder 1871 – 1 Korinther 13,13

Die Sachen, die immer bleiben werden, sind der Glaube, die Hoffnung und die Liebe. Am fettesten kommt aber die Liebe, sie steht über allem.
VolxBibel – 1.Kor. 13,13

Das Kapitel endet mit Vers 13, in dem Paulus auf den gegenwärtigen Zustand eingeht: Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; und die größte unter ihnen ist die Liebe.

Er spricht von drei Dingen, die bleiben werden, im Gegensatz zu denen, die unwirksam gemacht werden oder die von selbst aufhören werden. Selbst nach dem Kommen des Vollkommenen, selbst nachdem die Gaben weggetan sein werden, werden drei Dinge bestehen bleiben. Erstens: Der Glaube wird weiterhin bestehen bleiben. Das ist nicht die Gabe des Glaubens, sondern der Heilsglaube. Zweitens wird die Hoffnung bestehen bleiben, die Hoffnung auf den Teil der Erlösung, der noch nicht vollendet ist. Drittens: Die Liebe wird bleiben. Obwohl alle drei – Glaube, Hoffnung, Liebe – ewig bestehen bleiben, betont Paulus, dass die Liebe die größte der drei ist.

Arnold Fruchtenbaum – Die Gaben des Heiligen Geistes

Wir können von unseren Gedanken nicht sagen, sie seinen unvergänglich, und besitzen keine Erkenntnis, die so bleibt, wie sie jetzt in uns ist; darum besteht unser bleibender Besitz darin, dass wir an Gott glauben, auf ihn hoffen und ihn lieben. Das Vertrauen, das wir auf Gott stellen, wird nicht widerlegt, sondern erfüllt. Es bleibt ewig wahr, dass wir ihm glauben dürfen, dass er unseren Glauben erhört und dem Glaubenden gnädig ist. Die Hoffnung, mit der wir auf seine Gaben warten, wird uns nicht beschämen, sondern kommt an ihr Ziel. Auch mit ihr ist uns etwas völlig Wahres und Unzerstörbares geschenkt; denn wir werden Gott nie anders erleben als so, dass er uns gibt, was die von ihm uns geschenkte Hoffnung bei ihm sucht. Die Liebe, mit der wir uns ihm ergeben, wird nicht vernichtet werden, sondern hat die Liebe Gottes für sich und einigt uns für immer mit ihm. Wenn wir also zwar die Rede und die Erkenntnis, sei es auch in der höchsten Vollendung, besäßen, aber die Liebe entbehrten, so hätten wir nur das Vergängliche und nicht das Bleibende. Und wenn wir zwar Glauben hätten, aber die Liebe nicht, so fehlte uns das, was unter allem, was wir haben, das Größte ist. Dadurch, dass Gott uns die Liebe gibt, ist sein Werk in uns vollendet. Nun hat er uns so zu sich gezogen, dass wir uns selbst ihm ergeben, unser Verlangen und Wirken zu ihm hinwenden und unser Leben für ihn führen. Nun sind wir sein.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Haben wir also nichts „Bleibendes“? Paulus bezeugt es nun am Schluß dieses Kapitels noch einmal: es bleibt Wesentliches unseres Christenlebens. „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei.“ Vom Erkennen, vom Zungenbeten, vom Weissagen hatte Paulus sagen müssen: es wird abgetan, es hört auf. Vom „Glauben“ und vom „Hoffen“ hatte er das nicht gesagt! Wohl steht es nicht einfach gleichberechtigt neben der Liebe. Die Liebe ist und bleibt „die größte von diesen“ oder „größer als diese“. Aber wir sahen schon in V. 7, wie fest Glaube und Hoffnung mit der Liebe verbunden sind. Darum „fällt“ beides so wenig wie die Liebe selbst. In zweifacher Weise läßt sich das verstehen. Paulus kann einfach meinen: indem das von der Liebe Geglaubte nun in voller Wirklichkeit geschaut und das von ihr Gehoffte in Herrlichkeit erlangt wird, „bleiben“ Glaube und Hoffnung, wenn auch als erfüllte. Und es bedeutet für unser Christenleben sehr viel, wenn wir in diesem Sinne wissen dürfen: mag auch alles andere nur eine vorläufige Bedeutung haben und einmal aufhören, mein Glaube und mein Hoffen aber werden nicht so „abgetan“, sie „bleiben“, und in ihnen habe ich Ewiges wirklich ergriffen. Paulus kann aber auch daran denken, daß mit dem Lieben des „von Angesicht zu Angesicht“ erkannten Gottes immer noch ein „Glauben“, ein gehorchendes Vertrauen, verbunden bleiben wird.
Es wird auch das Geben und Schaffen des ewig reichen Gottes nie aufhören. So wird auch im „Endgültigen“ die Liebe immer wieder zu erwarten und zu „hoffen“ haben, was Gott noch für sie bereit hält. Nie wird Gott sagen, daß er jetzt allen seinen Reichtum erschöpft und nun nichts weiter mehr zu geben habe. So wird die Liebe auf ewig mit „Glauben“ und „Hoffen“ verbunden bleiben. Diese Auffassung wird auch darum die richtigere Auslegung sein, weil Paulus im ganzen Abschnitt stets von den Tätigkeiten als solchen, also vom „Erkennen“ und „Weissagen“, nicht von ihren Resultaten spricht. So wird er auch hier nicht vom Geglaubten und Gehofften sagen, daß es „bleibe“, sondern vom Glauben und Hoffen als unserem Tun, so wie ja auch nicht das von uns Geliebte, sondern das Lieben selbst „bleibt“.
Aber wenn auch das Glauben und Hoffen zusammen mit dem Lieben „bleibt“, so ist doch die Liebe „die größte von diesen“. Schön hat das A. Schlatter begründet: „Das Lieben ist größer als das Glauben, weil es sich zu diesem verhält, wie das Ganze zum Teil, wie die Vollendung zum Anfang, wie die Frucht zur Wurzel. Begründet das Glauben das Empfangen, so erzeugt die Liebe das Geben; ist jenes die Erweckung des Lebens in uns, so ist dieses dessen Betätigung. Durch sie erreicht Gottes Liebe ihr Ziel in uns; mit ihr ist der gute Wille da, der nach dem göttlichen Willen gestaltet ist und ihm zum Werkzeug macht. Durch sie ist das Glauben über die Gefahr emporgehoben, daß es die Wahrheit Gottes bloß wisse, aber nicht tue, die Liebe Gottes begehre und doch nutzlos mache. Sie ist die ungeteilte Aufnahme der göttlichen Gnade; denn so durchdringt sie unser ganzes Wollen“ (A. Schlatter, Der Glaube im NT A , S. 373).
A) Vgl. dazu die Auslegung in der WStb. zur Apostelgeschichte 2,5-13.
Paulus sah die tödliche Gefahr in Korinth. „Liebe haben sie nicht“, das war sein Schmerz im Blick auf viele Gemeindeglieder. Dennoch sagte er kein Wort darüber, wie wir nun lieben lernen und zur Liebe kommen. In seinem Leben stand das mächtig genug vor allen, die es sehen wollten. Der ernste, fromme, saubere, nach dem Gesetz gerechte Saul von Tarsus hätte nicht eine Zeile dieses Kapitels schreiben können. Es war ihm eine fremde Welt. Es werden so auch bis heute alle Moralisten, alle gesetzlich Frommen ratlos und blind vor diesem Kapitel stehen. Aber nun ist es an Paulus als volle Wirklichkeit zu sehen: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe ein Neues ist geworden“ (2 Ko 5,17). Jetzt schreibt Paulus 1 Ko 13, jetzt ist das sein größtes und entscheidendes Wort, jetzt lebt er in dieser Liebe, von der er Zeugnis gibt. Wie ist das gekommen? Es kam in der Begegnung mit Jesus, und zwar gerade mit dem ihm verhaßten und ihn empörenden Jesus am Fluchholz. Als Gott ihm die Augen auftat und ihm seinen Sohn offenbarte (Gal 1,13-16), da sah er in dem zerschlagenen, blutenden, ausgestoßenen, sterbenden Jesus nicht mehr den erwiesenen Gotteslästerer, den zu Recht Verfluchten, da sah er in ihm die Leibe, die alles aushält, alles glaubt, alles hofft, alles duldet. Da brach seine ganze eigene, selbstgerechte, kalte, lieblose Frömmigkeit zusammen. Der ganze bisherige Saul von Tarsus hatte aufgehört zu existieren. In ihm lebte nun Christus, der Sohn Gottes, der ihn geliebt und sich selbst für ihn dargegeben hatte. In der Schwachheit und Torheit Gottes am Kreuz sah er Gottes unbegreifliche Liebe, von der ihn nichts mehr scheiden konnte, der er nun aber gehören und dienen mußte mit jedem Atemzug. Nun wußte er es: „Wenn ich mit den Zungen der Menschen rede und denen der Engel, Liebe aber nicht habe, bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine gellende Zymbel. Und wenn ich Prophetengabe habe und weiß die Geheimnisse alle und alle Erkenntnis und wenn ich allen den Glauben habe, so daß ich Berge versetzte, Liebe aber nicht habe, bin ich nichts. Und wenn ich austeile alle meine Habe und wenn ich ausliefere meinen Leib, daß ich verbrannt werde, Liebe aber nicht habe, so nützt es mir nichts.“

Wuppertaler Studienbibel

Νυνὶ („nun dann“) ist eine stärkere Form von νυν („nun“), das als Zeitangabe dient. Damit gibt Paulus an, was nach dem Wegfallen der teilweisen Dinge wie Weissagen, Sprachenrede und direkt inspiriertem Wissen folgen würde bzw. was im Gegensatz zur Abschaffung ab dann weiter für Christen verbleiben würde. Paulus spricht also von der Zeit, ab der man keine Rätsel oder Spiegelbilder oder stückweise Erkenntnisse mehr nötig hat und wo Glaube, Hoffnung und Liebe alles andere abgelöst haben bzw. allein weiterhin sich fortsetzen. Das Prädikat μένει („es bleibt“ statt „es bleiben“) im Singular sieht die drei Elemente als Einheit, weniger als einzelne Dinge. Diese drei Elemente werden nochmals aufgrund der Wichtigkeit mit τὰ τρία ταῦτα („diese drei“) wiederholt, d.h. andere Dinge als diese drei sind dann nicht mehr vorhanden oder wichtig. Wenn das Vollständige da ist, bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe weiterhin. Dies kann nicht die Wiederkunft Christi sein, auch wenn Parallelen bestehen, denn der Glaube wird zu dem Zeitpunkt des Kommens des Herrn Jesus zum Schauen und die Hoffnung auf ihn hat sich erfüllt und ist somit unnötig. Es geht vielmehr darum, dass ab einem bestimmten Punkt bzw. einer Periode, d.h. wenn das Vollständige da ist, die teilweisen Gnadengaben aufhören werden. Kirchengeschichtlich stellte man in späteren Jahrhunderten fest, dass man nicht mehr wüsste, was Sprachen, Prophetien etc. eigentlich waren (Augustinus), sodass die zur Zeit, als die vollständige Offenbarung im Wort Gottes vorlag, die vorläufigen Dinge, wie Prophetie unnötig waren, da nun alles bekannt ist, etwa aufgrund des Buches der Offenbarung, was Gott prophetisch mitteilen wollte. Auch übernatürliches Wissen ist unnötig geworden, da man alles über Gott in seinem Wort wissen kann. Sprachenrede hat ebenfalls seinen Zweck erfüllt und hörte auf, nachdem das Evangelium in alle Welt ging und das Neue Testament sich auch in anderen Sprachen verbreitete. Das Adjektiv μείζων („größer“) ist ein Komparativ, der aber mit dem Superlativ identisch ist, die Liebe ist größer als die anderen Dinge, sodass es nichts Größeres gibt. Mit τούτων („als diese“) nimmt der Apostel Bezug auf Glaube und Hoffnung. Da der Superlativ bereits nicht mehr sehr gebräuchlich war, scheint μείζων diesen zu ersetzen („die größte“).

Peter Streitenberger

Wenn Paulus abschließend sagt, dass Glaube, Hoffnung und Liebe „bleiben“, meint er damit wahrscheinlich, dass sie auch nach der Vollendung „bleiben“. „Vermutlich kann sich Paulus den Menschen auch in der eschatologischen Vollendung nur als einen solchen vorstellen, der beständig auf Gott angewiesen, für ihn geöffnet und auf ihn hin orientiert bleibt, wobei auch seine Liebe als Partizipation an der Liebe Gottes nicht ohne Glauben und Hoffnung denkbar ist.“ (Schrage III, 318; anders Wolff, 323: „Für Glaube und Hoffnung ist ein ewiger Bestand nach paulinischem Verständnis (vgl. 2Kor 5,6f.; Röm 8,24f.) … kaum anzunehmen. Sie werden freilich nicht etwa als Stückwerk beseitigt werden (vgl. zu diesem Gegensatz auch 2Kor 3,11); vielmehr findet der Glaube seine Erfüllung im Schauen, und die Hoffnung findet ihre Erfüllung in der Teilhabe am Erwarteten. Ein Fortbestand im Eschaton gilt jedoch für die Liebe …“).
Entscheidend aber ist der Vergleich, den Paulus auch hier anstellt. Danach ist „die Liebe … die größte unter ihnen“. Warum? Eine Begründung fehlt. Ist gemeint, dass sie allein nach der Vollendung bleibt? Möglichweise hebt er sie deshalb hervor, weil es in der Liebe um eine Tat geht (Barth, KD IV,2, 830) – und es auch in Korinth um ein liebevolles Verhalten untereinander geht.

Mainka

Schreibe einen Kommentar