Friedlich oder kämpfen?

Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, (Eig Blut und Fleisch) sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern. Deshalb nehmet (O. ergreifet) die ganze Waffenrüstung Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage zu widerstehen und, nachdem ihr alles ausgerichtet (O. überwältigt) habt, zu stehen vermöget.
Elberfelder 1871 – Eph 6,12–13

Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und Gewalten des Bösen, die über diese gottlose Welt herrschen und im Unsichtbaren ihr unheilvolles Wesen treiben. Darum nehmt all die Waffen, die Gott euch gibt! Nur gut gerüstet könnt ihr den Mächten des Bösen widerstehen, wenn es zum Kampf kommt. Nur so könnt ihr das Feld behaupten und den Sieg erringen.
Hoffnung für Alle 2015 – Eph. 6,12–13

Ihr habt ja nicht gegen Wesen von Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen überirdische Mächte und Gewalten, gegen die Geister der Finsternis, die in dieser Welt die Herrschaft führen und gegen Machenschaften der bösen Geister in den jenseitigen Sphären. Darum ziehet die volle Waffenrüstung Gottes an, damit ihr stark genug seid, am ‚Bösen-Geister-Tag‘ Widerstand zu leisten und alles daran setzt, um fest zu bleiben.
Johannes Greber 1936 -Eph 6,12–13

Wir kämpfen ja nicht gegen Menschen, die ihre Muskeln und Fähigkeiten gegen uns einsetzen, sondern gegen übernatürliche Mächte, gegen böse Geister, linke Bazillen aus einer parallelen Dimension, gegen die dunkle Seite der Macht, die diese Welt beherrscht. Darum legt euch das gesamte Waffenarsenal zu, das Gott für euch bereitgestellt hat. Damit werdet ihr die linken Attacken der bösen Seite abwehren können, wenn es mal zu einem Kampf kommt.
VolxBibel – Epheser 6:12–13

Eph 6,13 ἀνα-λάβετε Aor. Imp. -λαμβάνω152 aufnehmen; ergreifen. δυνηθῆτε Aor. Konj. Pass. (ohne Pass.-Bdtg.) δύναμαι. ἀντι-στῆναι Wz.-Aor. Inf. ἀνθ-ἀνθ-ίσταμαι205 sich entgegenstellen; Widerstand leisten, widerstehen. ἅ-παντα = πάντα. κατ-εργασάμενοι Aor. Ptz. Med. -εργάζομαι92 vollenden, ausführen; bewältigen, besiegen; temp.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Das bedeutet sowohl in theologischer als auch in praktischer Hinsicht, dass geistliche Kampfführung im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen zwei Reichen verstanden werden muss: dem Reich Gottes und dem Reich Satans. Während des öffentlichen Wirkens Jesu sehen wir diese binäre Opposition. Jesus selbst artikulierte ihn: „Wenn ich durch den Geist Gottes Dämonen austreibe, dann ist das Reich Gottes über euch gekommen“ (Mt 12,28). Es ist kein Zufall, dass die Austreibung von Dämonen aus Menschen und Orten den Anbruch des Reiches Gottes begleitet. Während das Reich Gottes wächst, schrumpft das Reich der Finsternis und verliert an Boden.

Jesus hat seinen Nachfolgern nie befohlen, sich mit geistigen Wesenheiten auseinanderzusetzen. Stattdessen gab er den Missionsbefehl. Ein geistliches Wesen mag vertrieben werden, aber das führt nicht unbedingt dazu, dass eine neue Seele in das Reich Gottes eintritt. Dieses letztere Ziel ist der Grund, warum Jesus sein Leben gab und von den Toten auferstand. Beim Werk Christi ging es nicht um Machtbegegnungen mit Dämonen. Es war viel umfassender und dauerhafter als das. Das Ziel war, den Kreis von Eden zu schließen – Gottes Wunsch zu erfüllen, eine menschliche Familie für immer bei ihm zu haben. Gefallene Geister zu bestrafen, erfüllt nicht Gottes ursprüngliches edenisches Ziel. Nur der Missionsbefehl erfüllt die Ziele, auf die Gott hingearbeitet hat, sowie die Besiegung und Bestrafung der rebellischen bösen Geister. Der Missionsbefehl ist also ein umfassender Plan für die geistliche Kriegsführung.

Eine sorgfältige Lektüre der beiden Hauptstellen, die zur Unterstützung der Machtbegegnung im geistlichen Kampf verwendet werden, bestätigt die vorhergehende Behauptung, dass es bei der geistlichen Kriegsführung nicht um die Konfrontation mit übernatürlichen Wesenheiten geht, sondern um die Förderung des Evangeliums durch engagierte Gläubige:

Seid schließlich stark in dem Herrn und in der Kraft seiner Macht. Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Anschläge des Teufels bestehen könnt. Denn wir ringen nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächtigen, gegen die Gewalten, gegen die kosmischen Mächte dieser gegenwärtigen Finsternis, gegen die geistlichen Mächte des Bösen in den himmlischen Örtern. Darum nehmt die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr in dem bösen Tag bestehen könnt, und nach allem, was ihr getan habt, fest steht. So steht nun, indem ihr den Gürtel der Wahrheit umschnallt und den Brustpanzer der Gerechtigkeit anlegt, und als Schuhe für eure Füße die Bereitschaft anlegt, die durch das Evangelium des Friedens gegeben ist. Nehmt unter allen Umständen den Schild des Glaubens auf, mit dem ihr alle flammenden Pfeile des Bösen auslöschen könnt; und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist, und betet allezeit im Geist, mit allem Gebet und Flehen. Zu diesem Zweck wacht mit aller Beharrlichkeit und fleht für alle Heiligen, auch für mich, damit mir Worte gegeben werden, meinen Mund kühn aufzutun, um das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden, für das ich ein Botschafter in Ketten bin, damit ich es kühn verkünde, wie ich es zu reden habe. (Eph 6,10-20)
In Paulus‘ Erklärung der geistlichen Kriegsführung an die Gemeinde in Ephesus empfiehlt er nirgends, dass Gläubige die übernatürlichen Herrscher und Mächte konfrontieren oder ermahnen sollen. Seine Liste der Waffen enthält keinen Exorzismus gegen die geistlichen Mächte des Bösen in den himmlischen Örtern. Stattdessen steht hier, was Paulus im geistlichen Kampf gegen die Mächte der Finsternis für wirksam hielt:
-Wahrheit           (V. 14)
-Rechtschaffenheit        (V. 14)
-das       Evangelium (V. 15)
-Glaube               (V. 16)
-Rettung             (V. 17)
-das       Wort Gottes (V. 17)
-Gebet                 (V. 18)
Beharrlichkeit   (V. 18)

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass es bei der geistlichen Kampfführung in Epheser 6 nicht um Machtkämpfe geht, sondern darum, beharrlichen Glauben an das Evangelium und das Wort Gottes zu haben und ein heiliges, betendes Leben als Nachfolger Jesu zu führen. Die gleiche Strategie ist in der anderen beliebten Bibelstelle für geistliche Kampfführung zu erkennen:
Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, führen wir nicht nach dem Fleisch den Krieg.. Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht vom Fleisch, sondern haben göttliche Kraft, Festungen zu zerstören. Wir zerstören Argumente und jede hochmütige Meinung, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen, um Christus zu gehorchen, wobei wir bereit sind, jeden Ungehorsam zu bestrafen, wenn euer Gehorsam vollkommen ist. (2 Kor 10,3-6)

Paulus‘ Beschreibung, wie er die Hochburgen der Finsternis bekämpft, beinhaltet weder Exorzismus noch Bemühungen, territoriale Geister zu vertreiben. Die Konfrontation mit übernatürlichen Mächten gehört nicht zu seiner persönlichen Strategie. Vielmehr zerstört erfolgreiche geistliche Kampfführung in diesem Abschnitt „Argumente und jede hochmütige Meinung, die gegen die Erkenntnis Gottes erhoben wird“ und „nimmt jeden Gedanken gefangen, um Christus zu gehorchen.“ Mit anderen Worten, geistliche Kampfführung bedeutet, ein treuer Jünger zu sein, der nicht „hin und her geworfen wird von den Wellen und umhergetragen von jedem Wind der Lehre, von menschlicher List, von Schlauheit in betrügerischen Machenschaften“ (Eph 4,14). Bei der geistlichen Kampfführung geht es darum, ein Leben im Gehorsam gegenüber Jesus zu führen, seinem gehorsamen Beispiel für die Sache von Gottes Vision für ein Reich auf Erden zu folgen.

Es ist zwar nicht spektakulär, aber das Festhalten an der Wahrheit und die engagierte Nachfolge ist das, was in der neutestamentlichen Theologie die geistliche Kriegsführung ausmacht. Um es unverblümt zu sagen: Das ist viel schwieriger, als einem Dämon im Namen Jesu Befehle entgegenzuschreien (oder, was häufiger vorkommt, in die Luft). Als Jünger müssen wir uns darauf vorbereiten, Dämonisierung in Form von falscher Lehre, Versuchung und sündigen Lebensmustern zu vermeiden. Paulus‘ Charakterisierung des geistlichen Kampfes als Festhalten am Evangelium und anderen biblischen Wahrheiten und als ein betendes, ausdauerndes Leben der Rechtschaffenheit sind klar und treffend. Gehorsame Jünger zu sein ist das, was uns zu tauglichen Soldaten für Christus macht. Die Mission eines jeden Christen ist es, den Missionsbefehl auszuführen, das Mittel, durch das das Reich Gottes wächst und das Reich der Finsternis zurückweicht.

Michael Heiser – Dämonen – Was die Bibel wirklich über die Mächte der Finsternis sagt

Manche Menschen im A.T. erfuhren, dass ihnen ein geistlicher Kampf bevorstand (vgl. 1.Mose 32,23-33; Dan 10,10-21 ), doch sowohl für Daniel als auch für Paulus bestand der Kampf im Gebet und in der Unterordnung unter Gott und seinen Willen, nicht in der Rüstung für einen direkten Angriff der feindlichen Mächte ( Dan 10,12-13.21 ). Manche heidnischen Gottheiten der damaligen Zeit wurden als »Herren der Welt« bezeichnet, was zur Ausbildung populärer Vorstellungen von guten und bösen Engelhierarchien beitrug; die Formulierung »die geistlichen Mächte der Bosheit« (Schlachter) ist ein griechischer Sprachbegriff für »böse Geister«, ein jüdischer und neutestamentlicher Ausdruck.
Eph 6:13 : Die Zeitangabe »an dem bösen Tag« könnte sich ganz allgemein auf eine Zeit des Gerichts oder der Prüfung beziehen (z.B. Am 6,3 ); nach Ansicht mancher Gelehrter ist damit jedoch speziell die Zeit der Trübsal gemeint, mit der die Juden unmittelbar vor dem Ende des Zeitalters rechneten (vgl. Dan 12,1 ) und die, wie Paulus auch an anderer Stelle sagt, bereits angebrochen ist (vgl. Röm 8,22-23 ). Zu der Wendung »das Feld behalten« siehe die Ausführungen zu 6,10-11 .

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Die tiefere Begründung für diesen Aufruf zum Kampf bietet V. 12: »Denn unser Kampf geht nicht gegen Fleisch und Blut«, d. h. nicht gegen Menschen als schwache, hinfällige Geschöpfe, »sondern gegen die Mächte, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister in den Himmeln.« Das Wort »Kampf« meint nicht die offensive Kriegsführung, sondern mehr das hautnahe Ringen mit einem Gegner. Paulus hat in seinem Dienst immer wieder die Widerstände und Anfechtungen des Teufels zu spüren bekommen (2Kor 12,7; 1Thess 2,18; 1Tim 5,15). Er rechnet ganz real mit der Wirklichkeit des Teufels und seiner dunklen Mächte, die etwas ganz anderes sind als »Fleisch und Blut«. Nein, biblisch gesehen wird man diese Mächte nicht umdeuten können auf irgendetwas Innerweltliches bzw. auf menschliche oder gesellschaftliche Widerstände, wie das manche Ausleger versuchen, die meinen, Paulus würde hier mythologisch denken. Der Teufel und seine dunklen Mächte sind für den Apostel eine Realität. Sie sind als »Mächte« und »Gewalten« unendlich stärker als der schwache Mensch, sind als »Weltbeherrscher dieser Finsternis« mit einem Einfluss ausgestattet, der sich über die ganze von der Sünde bestimmte Welt erstreckt, sind als »böse Geister« das Gegenstück zu den guten Engeln Gottes und sind als Wesen, die »in den Himmeln« ihren Ort haben, jenseitige Mächte und damit eben nicht nur eine altertümliche Umschreibung für das innerweltlich Böse. Im Kolosserbrief werden diese Mächte zum Teil auch »Elemente der Welt« genannt (Kol 2,8; vgl. außerbiblisch das sog. Testament Salomos 8, 2 u. 18, 2 wo die »Elemente« als »Weltbeherrscher der Finsternis« und »Weltherrscher der Finsternis dieses Äons« bezeichnet werden). Gegen diese Mächte gilt es zu kämpfen.

Ihr Einfluss wird nicht einfach hingenommen, vor ihrer Macht nicht ängstlich kapituliert. Nein, »unser Kampf« geht gegen diese Mächte! Woher nimmt Paulus diesen Mut? Nochmals sei an V. 10.11 erinnert. Gestärkt »durch den Herrn und durch die Macht seiner Stärke« und geschützt durch »die Waffenrüstung Gottes« geht der Christ, der selbst ja auch nur »Fleisch und Blut« – und das heißt: ein schwacher Mensch – ist, in diesen Kampf. Ihm sind im Glauben die Augen für die Realitäten geöffnet, die Paulus schon in Eph 1,19-22 geschildert hat: nämlich für das Übermaß der Größe der Kraft Gottes, die in Christus wirksam wurde, als er ihn von den Toten auferweckte und zur Rechten Gottes einsetzte, hoch über allen Mächten und Gewalten und Kräften und Herrschaften, und diesem Herrn alles unterworfen hat. Von diesem Siegesboden aus erfolgt der Kampf. Aber – und auch das ist zu beachten – trotz dieses in Eph 1 schon proklamierten Sieges ist der tägliche Kampf für den Christen immer noch zu führen! Eins hebt da das andere nicht auf.

»Deshalb«, weil ihr es mit solch starken bösen Mächten zu tun habt, »nehmt die Waffenrüstung Gottes« (V. 13 a). Bildhaft wird der Schutz, den Gott seinen Kindern für den geistlichen Kampf gibt, als eine Waffenrüstung geschildert (vgl. 1Thess 5,8; Röm 13,12 b; 2Kor 6,7). Das hier gebrauchte Wort für »Waffenrüstung« (wörtl.: Vollwappnung) bezeichnet sonst die Ausrüstung des voll bewaffneten Fußsoldaten. Dan Paulus im Folgenden vornehmlich defensive Ausrüstungsgegenstände nennt, könnte man auch erwägen, ob ihm hier die Arenakämpfer vor Augen standen, die sich im Zirkus gegen wilde Tiere oder hochgerüstete Gladiatoren zu verteidigen hatten. Am einfachsten ist vielleicht sich vorzustellen, dass Paulus von seiner Gefängniszelle aus die römischen Wachsoldaten im Blickfeld hatte, die diese Ausrüstung trugen; und er beginnt nun das, was er da sieht, auf die Ausrüstung zu übertragen, die der Christ von Gott für den geistlichen Kampf erhält. Ziel dieser »geistlichen Aufrüstung« ist, dass sie, die schwachen Menschen, diesen weltbeherrschenden finsteren Mächten »widerstehen« und siegreich »standhalten« können (V. 13 b). Dieser Widerstand und dieses Durchstehen des Kampfes bis zum Sieg ist nötig »an dem bösen Tag«. Was ist damit gemeint? Die letzte böse Zeit vor dem Wiederkommen Christi? Vom Zusammenhang des Eph her weist nichts auf diese spezielle Bedeutung hin. Nach 5,16 sind jetzt schon »die Tage böse«. Die Endzeit hat längst begonnen. Innerhalb dieser »bösen Tage« ist »der böse Tag« wohl immer der, an dem der Christ den Betrügereien (V. 11) des Teufels ausgesetzt ist und ihnen widerstehen muss. Kosmisch gesehen ist jetzt nicht Friedenszeit; und der Tag des Kampfes ist nicht auf irgendeinen fernen Tag verschoben. Nein, jetzt gilt es für die Christen, die Waffen aufzunehmen und jederzeit zum Widerstand bereit zu sein, ob der Angriff nun heute oder in der Zukunft erfolgt.

Edition C

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