Mirijam

Die Geburt Jesu Christi war aber also: Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Joseph verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger erfunden von dem Heiligen Geiste.
Elberfelder 1871 – Mt 1,18

Die Geburt – Textkritik: Viele Handschriften: γένεσις (Entstehung, Werdung, Geburt). Einige andere Handschriften: γέννησις (Zeugung, Geburt). – Jesu Christi – Textkritik: Seine Geburt (ohne Namensnennung) – {aber} ereignete sich folgendermaßen (fand folgendermaßen statt): Seine Mutter Maria war mit Josef verlobt (Josefs Braut geworden, dem Josef vertraut). Bevor sie zusammengekommen waren (er sie heimgeholt hatte, sie einander ehelich beigewohnten, die Ehe eingangen waren), stellte sich heraus, dass sie vom Heiligen Geist – Im gr. Text wird der Heilige Geist am Ende des Satzes erwähnt, um zu betonen, dass das Kind von ihm gezeugt ist und nicht von einem Menschen. – schwanger geworden war (ein Kind erwartete, etwas in ihrem Bauch hatte).
offene Bibel – Matthäus 1,18

Die Geburt Jesu Christi aber war also: Als nämlich Maria, Seine Mutter, dem Joseph verlobt war, fand sich, ehe sie zusammenkamen, daß sie vom Heiligen Geist empfangen (Griechisch: im Leibe hatte) hatte. Lk 1,26-35; 2,5.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Matthäus 1:18

Wie kam es nun zur Geburt Jesu? Josef war bereits mit Maria verlobt, als sie schwanger wurde, obwohl sie noch nicht miteinander geschlafen hatten. Bislang wusste nur Maria, dass ihre Schwangerschaft durch die Kraft des Heiligen Geistes hervorgerufen worden war.
Willkommen daheim – Matth. 1:18

Wie alt Maria? Rief man sie nicht Mirijam? Wie hießen ihre Eltern? Wie sah Mirijam aus? Was fühlte Mirijam in den Monaten vor Jesu Geburt?
Keine Auskunft über all diese Fragen in der Bibel? Warum? Sind dass nicht die Dinge, die wir Menschen eigentlich wissen wollen?
Und doch! Für Jehovah nicht wichtig! Und deshalb NICHT in seinem Buch! Einfach keine Informationen, die für uns aus SEINER Sicht nicht wichtig sind.
Und dann schauen wir in den sozialen Medien, und überraschung: es geht um dich und mich, um Aussehen, Gefühle, Verwandschaft und Krankheiten. Aber das ist keine neue Sache: selbst die Christen im laufe der Jahrhunderte haben viele „Büchlein“ geschrieben, um den „Fehler Jehovahs“ auszumerzen: man nennt diese Bücher Apogryphen – da findet man dann die „Geschichten“ um Mirijam, wie alt sie war, wie die Eltern geheißen haben könnten, wie die Geburt ablief usw. usf. – ABER keine lesenswerten Aussagen, weil es nicht aus den Augen Jehovahs für uns interessant sein sollte! So wenig, wie die in den heutigen sozialen Medien viele Dinge zum Thema gemacht werden, die für uns als Christen eigentlich unwichtig sein sollten!

Die Tatsache, daß Jesus, wie der Stammbaum andeutet, allein „von Maria“ geboren ist (V. 16), bedarf der näheren Erklärung. Matthäus‘ Bericht wird sehr viel verständlicher, wenn man sich die hebräischen Heiratsbräuche ansieht. Ehen wurden damals von den Eltern arrangiert, dabei wurden Eheverträge ausgehandelt. Wenn die entsprechenden Vereinbarungen getroffen worden waren, galten die Betreffenden als verheiratet und wurden als Mann und Frau bezeichnet. Sie lebten jedoch nicht sofort zusammen, sondern die Frau wohnte noch ein Jahr lang weiterhin bei ihren Eltern und der Mann bei den seinen. Die Wartezeit sollte beweisen, daß die Braut noch unberührt war, wie sie und ihre Angehörigen gelobt hatten.
Wenn sich in dieser Zeit herausstellte, daß sie schwanger war, hatte sie sich offensichtlich auf eine verbotene sexuelle Beziehung eingelassen und war keine Jungfrau mehr, ein Grund, der zur Annullierung der Ehe führen konnte. Wenn die einjährige Prüfungszeit jedoch die Reinheit der Braut erwies, ging der Ehemann zum Haus der Brauteltern und führte sie in einem großen Umzug in sein Haus. Dort lebten sie dann als Mann und Frau zusammen und vollzogen die Ehe auch physisch. Vor diesem Hintergrund sollte Matthäus‘ Geschichte gelesen werden.
Maria und Josef befanden sich in der einjährigen Wartezeit, als es sich fand, daß sie schwanger war. Sie hatten noch keinen Geschlechtsverkehr gehabt, und Maria war auch nicht untreu gewesen (V. 20.23). Obwohl nur wenig über Josef erzählt wird, kann man sich doch gut vorstellen, wie sehr er betroffen war. Er liebte Maria wirklich, und nun ging das Gerücht um, daß sie schwanger sei. Sein Verhalten ist ein Beweis seiner Zuneigung zu seiner Braut. Er wollte keinen öffentlichen Skandal heraufbeschwören, indem er ihren Zustand den Richtern am Stadttor offenbarte, denn das hätte zur Folge haben können, daß Maria gesteinigt wurde (5Mo 22,23-24). Statt dessen beschloß er, sie heimlich zu verlassen.

Walvoord Bibelkommentar

Für einen Judenchristen musste dieser Satz eine ungeheure Überwindung sein. Er konnte ihn nur schreiben, wenn er wahr war. Denn die Zeugung eines Kindes in einer unberührten Frau durch den Heiligen Geist sprengte die Grenze der Vorstellungskraft und war vollends für einen auf die Realität hin erzogenen Juden (vgl. 1 Kor 1,22 !) etwas Unerhörtes.
Wir übersetzen wieder mit »Geschichte«, weil das griechische Wort dasselbe ist wie in Mt 1, 1 . Außerdem hat Matthäus vorher die Abstammung geschildert und kommt nun wirklich auf die »Geschichte Jesu Christi« zu sprechen. »Jesus Christus« ist hier bereits als ein Name zusammengewachsen.
Zwar nennt Matthäus Maria »seine Mutter«. Niemals aber nennt er Joseph »seinen Vater«. Das Wort »anvertrauen« kennzeichnet den Sachverhalt besser als »verloben«. Denn unsere deutsche »Verlobung« ist eine wenig verbindliche Sache. Dagegen bedeutet »anvertrauen« nach jüdischem Recht den Abschluss des bindenden Ehevertrags. Zum Vollzug der Ehe fehlt nur noch die Heimholung der Braut in das Haus des Bräutigams (vgl. Mt 1, 20-24). Deshalb heißt Joseph schon jetzt »ihr Mann« (Mt 1, 19-20.24). In der Regel heiratete das jüdische Mädchen mit 14 Jahren. So alt ungefähr wird Maria damals gewesen sein.
Dann »wurde sie, noch bevor sie zusammengekommen waren, als vom Heiligen Geist schwanger gefunden«. Unter »zusammengekommen« verstehen manche Forscher ehelichen Verkehr. Jedoch zeigen Mt 1, 20 und Mt 1, 24 , dass hier »zusammengekommen« so viel heißt wie »zusammengezogen«. Maria war noch gar nicht im Hause des Joseph. So blieb es für Joseph keinen Augenblick zweifelhaft, dass er nicht der Vater war. Denn Geschlechtsverkehr unter Verlobten gilt in der ganzen Bibel als Hurerei gegen Gottes Willen. Matthäus nennt uns sofort die Ursache der Schwangerschaft: »vom Heiligen Geist«. Er erzählt aber niemals, wie es dazu kam! Ganz anders Lukas in Lk 1,26ff.) D. h.: Matthäus berichtet hier nur in knappster Auswahl. Auch er muss ja gewusst haben, wie es zur Schwangerschaft der Maria kam. Aber er erzählt es nicht.
Wir können kaum nachempfinden, was es für Maria bedeutete, als »Schwangere« angetroffen zu werden. Vermutlich stammt sie aus Levi, aus priesterlichem Geschlecht. Denn nach Lukas 1,36 ist die Priesterfrau Elisabeth ihre »Verwandte«. Man darf also keinesfalls in dem Stammbaum von Lk 3 die Stammtafel Marias sehen. Nun steht Maria nach außen da, als hätte sie wie einst Thamar Hurerei getrieben (vgl. 1 Mose 38,24)! Eine Priestertochter und vor Ehevollzug schwanger! Nach 5 Mose 22,20ff.) musste jedes Mädchen in Israel gesteinigt werden, das nicht mehr als Jungfrau in die Ehe ging. Und nach 3 Mose 21,9 wird eine Priestertochter mit Feuer verbrannt, wenn sie unerlaubten Verkehr hatte. Welche Last musste auf Maria liegen: in einem göttlichen Geheimnis lebend, das man nicht publizieren konnte; im Angesicht hämischer oder drohender Entdecker; im Bewusstsein, Joseph zu enttäuschen. Matthäus lässt also Jesu Geschichte mit einem Augenblick höchster Spannung beginnen.

Edition C

Was hat Matthäus über die Jungfrauengeburt berichtet?
Das Matthäusevangelium spricht nach dem Stammbaum von Jesus (Matthäus 1,1-17) gleich im ersten Satz der eigentlichen Erzählung von der Jungfrauengeburt: Als Maria noch mit Josef verlobt ist und darum noch nicht mit ihm geschlafen hat, stellt sich heraus, dass sie schwanger ist (Matthäus 1,18). Als Josef verständlicherweise annimmt, dass seine Verlobte ihm untreu war, korrigiert ihn ein Engel im Traum: „Das Kind, das Maria erwartet, ist vom Heiligen Geist“ (Matthäus 1,20). Daraufhin wartet Josef bis zur Geburt des Kindes, bevor er mit Maria schläft (Matthäus 1,25).
Für Juden und Christen war klar, dass der Engel nicht von einer sexuellen Zeugung spricht, bei der Gottes Geist die Rolle des Mannes einnimmt. So konnten sich in der Antike nur Heiden das Wirken ihrer Götter vorstellen. Aber auch im Matthäusevangelium bleibt vieles geheimnisvoll. Matthäus legte jedoch großen Wert darauf, dass durch die übernatürliche Geburt von Jesus eine uralte Vorhersage des Propheten Jesaja eingetroffen ist: „Die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen“ (Matthäus 1,23 = Jesaja 7,14). Ob Matthäus damit der Aussage des Jesaja gerecht geworden ist, ist ziemlich umstritten. Aber so merkwürdig ist es gar nicht, wie der Evangelist seine Bibel liest und deutet.

Faszination Bibel 4/2020

Was ist dann das Mittel der Menschwerdung? Wie ist Gott ein Mensch geworden? Die Mittel der Menschwerdung umfassten drei Dinge.

Erstens war an der Menschwerdung der Heilige Geist beteiligt (Lk. 1:35). Als Maria fragte, wie die Empfängnis möglich sei, weil sie eine Jungfrau war, antwortete der Engel, dass der Heilige Geist sie überschatten und eine wundersame Empfängnis bewirken würde. Der Generator der Menschwerdung war der Heilige Geist. Der Heilige Geist kam auf Maria, und die Kraft des Allerhöchsten überschattete sie. Der Geist wirkte, um die Menschheit des Messias zu zeugen oder zu empfangen. Er war immer Gott, also musste die Gottheit nicht erzeugt werden; nur seine Menschlichkeit musste erzeugt werden. Die Gottheit nahm an Marias Menschlichkeit teil, schloss aber gleichzeitig Marias sündige Natur aus. Durch die Überschattung des Heiligen Geistes mit der Kraft des Allerhöchsten, erzeugte der Heilige Geist die Menschlichkeit von Jeschua (Jesus), dem Messias. Der Heilige Geist erzeugte die Empfängnis. Das Produkt sollte nach Lukas 1,35 zweierlei sein: erstens heilig und zweitens der Sohn Gottes, der Gottmensch.

Zweitens: Die Menschwerdung betraf die Jungfrau Maria. Ihre Jungfräulichkeit wurde von zwei der vier Evangelien bekräftigt (Matthäus 1:18, 22-23; Lk. 1:27, 34). Die Empfängnis war übernatürlich. Weil Maria eine Jungfrau war, war es notwendig, dass es eine übernatürliche Empfängnis gab. Die Leute sprechen oft von dem Wunder der Jungfrauengeburt, aber technisch gesehen war nicht die eigentliche Geburt das Wunder; Jeschua wurde wie jedes andere Baby geboren. Es war nicht die Geburt, die das Wunder war, sondern die Empfängnis. Die weibliche Eizelle war die von Maria, also war Jesus der wirkliche Sohn Marias, aber es fehlte das männliche Sperma völlig. Deshalb hatte Jeschua keinen natürlichen Vater, und deshalb bedurfte die Empfängnis der erzeugenden Kraft des Heiligen Geistes. Auf der einen Seite war der Heilige Geist das Mittel, aber auf der anderen Seite war auch die Jungfrau Maria ein Mittel.

Drittens beinhaltete die Menschwerdung die Jungfrauengeburt, die den menschgewordenen Menschen hervorbrachte. Dies wurde in 1 Mose 3,15 und Jesaja 7,14 vorausgesagt und ging schließlich in Matthäus 1,16 in Erfüllung.

Arnold Fruchtenbaum – Die Inkarnation

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