Helfen oder nur helfen lassen?

Und wer einem von diesen Kleinen einfach nur einen Becher kaltes Wasser zu trinken gibt, weil er ein Jünger ist, wird seine Belohnung auf keinen Fall verlieren. Das versichere ich euch.“
neue Welt Übersetzung – 2018 – Matthäus 10,42

Wer einen meiner unbedeutendsten Jünger auch nur mit einem Schluck kaltem Wasser erfrischt, weil dieser zu mir gehört, der wird seinen Lohn auf jeden Fall erhalten. Das versichere ich euch!«
Hoffnung für Alle – Mt 10,42

Und wer irgend einen dieser Kleinen (O. Geringen) nur mit einem Becher kalten Wassers tränken wird in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch, er wird seinen Lohn nicht verlieren.
Elberfelder 1871 – Matthäus 10,42

Wie ist das, wenn jemand Hilfe braucht? Ist dann meine Gemeinde oder die Hauptkirche dafür verantwortlich?
Und wie behandel ich andere?

Die Träger des Wortes Jesu empfangen ein letztes verheißendes Wort für ihr Werk. Sie sind Christi Mitarbeiter und Gehilfen geworden, sie sollen Christus gleich sein in allen Stücken, so sollen sie auch für die Menschen, zu denen sie gehen, ,wie Christus‘ sein38. Mit ihnen betritt Jesus Christus selbst das Haus, das sie aufnimmt. Sie sind Träger seiner Gegenwart. Sie bringen den Menschen das kostbarste Geschenk, Jesus Christus, und mit ihm Gott, den Vater, und das heißt ja Vergebung, Heil, Leben, Seligkeit. Das ist der Lohn und die Frucht ihrer Arbeit und ihres Leidens. Jeder Dienst, den man ihnen tun wird, ist an Jesus Christus selbst getan. Das ist in gleicher Weise Gnade für die Gemeinde und für die Boten. Die Gemeinde wird den Boten um so williger Gutes erweisen, sie ehren und ihnen dienen; denn mit ihnen ist ja der Herr selbst bei ihnen eingekehrt. Die Jünger aber dürfen wissen, daß ihr Eintritt in ein Haus nicht vergeblich und leer bleibt, sondern daß sie eine unvergleichliche Gabe bringen. Es ist ein Gesetz im Reiche Gottes, daß jeder der Gabe teilhaftig wird, die er willig als von Gott gekommen empfängt. Wer den Propheten aufnimmt im Wissen darum, was er tut, der wird seiner Sache, seiner Gabe und seines Lohnes teilhaftig. Wer einen Gerechten aufnimmt, der wird | den Lohn eines Gerechten empfangen, denn er hat an seiner Gerechtigkeit teilgenommen. Wer aber einem dieser Geringsten, dieser Ärmsten, denen kein Ehrenname zukommt, dieser Boten Jesu Christi nur einen Becher Wasser reicht, der hat Jesus Christus selbst gedient, und der Lohn Jesu Christi wird ihm zufallen.
So wird der letzte Gedanke der Boten nicht auf den eigenen Weg, auf das eigene Leiden und auf den eigenen Lohn gerichtet, sondern auf das Ziel ihrer Arbeit, auf das Heil der Gemeinde.

Dietrich Bonhoeffer – Nachfolge

(Die israelitische Tradition hatte selbst die schlimmsten Könige dazu gezwungen, Propheten mit Respekt zu begegnen und sie trotz ihrer kritischen Äußerungen zu verschonen, was andere Könige der Antike niemals getan hätten.) Wer und unter welchen Umständen gegrüßt werden musste oder nicht gegrüßt werden durfte, war eine wichtige Frage der gesellschaftlichen Sitte, vor allem, da der jüdische Gruß – »Friede« – einem Segensspruch, ja fast einem Gebet gleichkam, das den Gegrüßten wirklichen Frieden zusprach. Jesus unterläuft diese Umgangsform mit völlig neuen Anweisungen.

In dieser Passage kommt Matthäus auf das Thema der Gastfreundschaft gegenüber den Gesandten, die die Botschaft des Evangeliums überbringen, zurück ( 10,11-14 ). Die Rolle der Apostel deckt sich ganz und gar mit der im jüdischen Denken verankerten Rolle des Bevollmächtigten oder Stellvertreters, der seinen Auftraggeber in einer Sache mit absoluter Vollmacht vertritt, ja ihn gleichsam verkörpert. Auch Gott, seine Ehre, sein Gesetz und Israel stehen nach der jüdischen Überlieferung auf diese enge, unmittelbare Weise miteinander in Beziehung. Darüber hinaus galt das Prinzip des Stellvertreters auch für die Propheten (z. B. 1.Sam 8,7 ; vgl. 4.Mose 14,2.11; 16,11 ): Wer sie akzeptierte, akzeptierte ihre Botschaft und damit den Willen Gottes. Und wer für sie sorgte, wurde belohnt ( 1.Kön 17,9-24; 2.Kön 4,8-37 ). Ein Becher Wasser war vielleicht die einzige Gabe, die ein armer Mann zu geben hatte, aber sie genügte als Symbol. Kaltes Wasser war das bevorzugte Getränk in Israel (s. die Ausführungen zu Offb 3,15-16 ).

Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Wer den Namen, den Gott dem Propheten gab, ehrt und sich darum zu ihm hält, den wird Gott auch nicht vom Propheten scheiden, sondern ihm in seinem Reich dasselbe Los geben. Wer den Gerechten darum, weil er eine gerechte Sache hat, aufnimmt, den wird Gott mit dem Gerechten gleichstellen, wenn er seinen Lohn austeilt. Jesus verheißt seinen Jüngern, dass die, die Gottes Wort in ihnen ehren und ihrer gerechten Sache sich nicht schämen, mit ihnen zu ewigem Leben verbunden bleiben. Gott wird denen, die sie aufnehmen, dasselbe geben wie ihnen selbst. Sie dürfen mit der frohen Gewissheit zu den Menschen treten, dass denen, die auf sie hören, das ewige Leben zufallen wird wie ihnen selbst.

Auch den kleinsten Dienst wird Gott nicht unvergolten lassen, auch nicht die Erquickung durch einen Trunk frischen Wassers, wenn er ihnen deshalb gegeben wird, weil sie Jesu Jünger sind. Vom kalten Wasser spricht Jesus, weil damals häufig, z. B. zur Mischung mit dem Wein, gewärmtes Wasser gebraucht wurde. Dies erforderte schon mehr Mühe. Den Becher kalten Wassers schöpfte man einfach aus der Zisterne. „Diese Kleinen da“ nennt Jesus seine Jüngerschar. Kleine Menschen sind sie nicht nur vor der Welt, sondern auch in Jesu Augen, klein an Erkenntnis und Macht, ohne Glanz und Größe. Sie sind aber seine Jünger, und darum hat jede Liebe und Ehre, die ihnen getan wird, reiche Folgen. Sie wirkt ins ewige Leben hinein und bringt dem, der sie ihnen erwies, den Lohn Gottes.

Ebenso mächtig wie durch die Bergpredigt zeigt Matthäus uns durch diese Rede, was Jesu Ziel gewesen ist. Er sprach mit seinen Jüngern nicht vom Gang ihrer späteren Arbeit, nicht von den vielen Fragen, die sich an die Sammlung und Leitung der Kirche hefteten, sondern einzig davon, wie sie aufrecht und treu ihren Beruf so ausrichten, dass er sie ins Leben führen kann. Seine Sorge war darauf gerichtet, sie bei ihrem Dienst vor der Versündigung zu bewahren. Er stellt ihnen deshalb vor Augen, wie ähnlich sie ihm werden dürfen. Er gibt ihnen seine Predigt samt seinen Zeichen; seine selbstlose Art, die nichts für sich begehrt und sich nicht um den morgenden Tag kümmert, soll auch die ihrige sein. Der Geist ihres Vaters redet in ihnen wie in ihm; der Hass der Menschen trifft sie wie ihn; sie gehen den Todesweg wie er und haben sich zu ihm wie er selbst willig zu machen; sie finden aber wie er selbst im Sterben das wahrhaftige Leben; sie bringen den Menschen die himmlischen Güter, und die, die sie aufnehmen, werden mitderselben Gnade wie sie beschenkt.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Der Punkt hier ist, dass die Jünger von Jeschua nicht naiv glauben können, dass sie von denselben Leuten gut aufgenommen werden, die ihren Rabbiner so stark abgelehnt haben. Dennoch sollen sie sie nicht fürchten, sondern erkennen, dass die Wahrheit Jeschuas siegen wird. Anstatt sich Gedanken darüber zu machen, was Menschen sagen oder tun, ist es besser, ihn zu fürchten, der sowohl Seele als auch Körper zerstören kann. Die wahren Anhänger Jeschuas sind wertvoller als die Spatzen, um die sich Gott kümmert. Das übergeordnete Prinzip lautet: Wer mich in Gegenwart anderer anerkennt, den werde ich auch in Gegenwart meines Vaters im Himmel anerkennen. Noch heute stehen die Anhänger Jeschuas, insbesondere die jüdischen, vor dieser Entscheidung. Sind wir bereit, bei Gott und Jeschua zu stehen, auch wenn es bei unseren Mitmenschen unbeliebt ist? Die Implikationen sind gewaltig, denn wenn Jeschua der wahre Messias ist, der vom Gott Israels gesandt wurde, dann bedeutet es im Wesentlichen, Gott abzulehnen, ihn abzulehnen. Jeschua betont diesen wichtigen Punkt weiterhin, als er offenbart, dass er nicht gekommen ist, um dem Land Frieden zu bringen. Zweifellos möchte er keine solche Spaltung und Kontroverse bringen. Dennoch wird er ein Schwert in dem Sinne bringen, dass die Offenbarung des Messias natürlich alle Menschen dazu veranlasst, sich für eine Seite zu entscheiden. Ist er oder ist er nicht der wahre Maschiach? Es ist bemerkenswert, dass Jeschua diese Entscheidung sogar zu einem Teil der Prüfung seiner Jüngerschaft macht. Man muss ihn letztendlich mehr lieben als seinen Vater oder seine Mutter, um ein wahrer Schüler zu sein. Yeshuas Aufruf an diese zwölf Abgesandten (wie auch an jeden anderen heute) besteht darin, seinen Hinrichtungspfahl aufzunehmen und mir zu folgen. Sein Ruf nach neuem Leben beinhaltet tatsächlich einen Ruf, für unser altes Leben und unsere Perspektiven zu sterben. Er schließt diese Lehre mit dem gemeinsamen Prinzip, dass jeder, der dich empfängt, mich empfängt. Dies spiegelt das verbreitete Sprichwort wider, dass ein Shaliach dem Absender selbst gleich ist (siehe 10: 2). Das gleiche Prinzip gilt sowohl für einen Propheten als auch für einen Zaddik (Gerechten). Selbst eine einfache Tasse kaltes Wasser, die einem Talmid gegeben wird, wird im Urteil nicht übersehen. Als die zwölf Sh’lichim ausgesandt wurden, mussten sie sicherlich durch die hohe Berufung von Yeshuas Jüngerschaft herausgefordert werden. Wir leben an einem Tag, an dem es viele Gläubige zu geben scheint, aber nur wenige Jünger auf dieser Ebene. Haben Sie auf Yeshuas Aufruf reagiert, ihm zu folgen? Sind Sie bereit, sich trotz der Opposition und Verachtung der Welt mit ihm zu identifizieren? Es mag zwar kostspielig sein, aber es gibt keinen besseren Weg, unser Leben zu investieren, als als engagierte Jünger des König Messias Jeschua! Mögen wir die Botschaft unseres großen Rabbiners beachten, um den Segen Gottes jetzt und in der kommenden Welt zu finden.

Matthäus präsentiert Jeschua, König Messias: Ein messianischer Kommentar

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