Wer ist das Zentrum?

daß der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, indem ihr in Liebe gewurzelt und gegründet seid, auf daß ihr völlig zu erfassen vermöget mit allen Heiligen, welches die Breite und Länge und Tiefe und Höhe sei, und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, auf daß ihr erfüllt sein möget zu der ganzen Fülle Gottes.
Elberfelder 1871 – Epheser 3,17–19

Denn Christus soll durch den Glauben (Glaube: »Glaube(n)« meint das tiefe Vertrauen auf Gott.)


in euren Herzen (Herz: Das Herz gilt als Sitz des Verstandes und des Willens und damit auch als Ort der Entscheidung über richtiges und falsches Handeln.) wohnen.
Und ihr sollt in der Liebe verwurzelt bleiben
und unerschütterlich an ihr festhalten.
 Sie in ihrer Breite, Länge, Höhe und Tiefe zu erfassen –
dazu sollt ihr befähigt werden zusammen mit allen Heiligen (heilig: Heilig ist in der Bibel alles, was zu Gott gehört und mit ihm in Verbindung steht.). Und ebenso dazu, die Liebe von Christus zu erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt.
BasisBibel – Eph 3,17–19

Und ich bete dafür, dass Jesus durch das Vertrauen, das ihr in ihn habt, ganz tief in euer Bewusstsein eindringt. Jesus liebt euch total! In diesem Boden sollen die Wurzeln eures Glaubens wachsen. Denn nur so könnt ihr wirklich das ganze Ausmaß der Größe begreifen, mit der Gott euch wirklich liebt. Unser Hirn wird das nie schaffen können, das wirklich ganz zu erfassen. Aber je mehr Gott uns erklärt, wie gigantisch groß die Liebe von Jesus Christus für uns ist, desto mehr kommt er mit seinen unvorstellbaren Möglichkeiten in unserm Leben zum Zug.
VolxBibel – Epheser 3,17–19

Paulus wiederholt die Bitte, daß Christus im Mittelpunkt des Lebens der Gläubigen stehen möge. Er verwendet dabei eine Metapher aus der Biologie und eine aus der Architektur: „daß … ihr in der Liebe eingewurzelt (wie eine Pflanze) und gegründet (wie ein Gebäude) seid.“ Die Partizipien „eingewurzelt und gegründet“ stehen im Perfekt, bezeichnen also eine Handlung in der Vergangenheit, deren Wirkung noch andauert. Man könnte auch übersetzen: „eingewurzelt und gegründet worden“. Paulus wünscht ihnen diese Festigkeit, damit sie mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe der Liebe Christi ist. Durch diese Größenangaben soll wohl weniger die Begreifbarkeit als vielmehr die Unermeßlichkeit des zu Verstehenden deutlich gemacht werden.
Interessanterweise spricht Paulus auch hier wieder – wie in Eph 1,13-14.17;2,18.22 und Eph 3,4-5- von der Trinität: vom Vater (V. 14), vom Geist (V. 16) und vom Sohn (V. 17).Die Epheser sollen am eigenen Leibe die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft (vgl. Phil 4,7). Je mehr ein Christ über Christus weiß, desto mehr erstaunt ihn die Liebe, die Christus ihm entgegengebracht hat.
Schließlich sollen sie erfüllt werden mit der ganzen Gottesfülle. Es wäre falsch, diese Formulierung so zu verstehen, als ob ein Christ in seinem Leben die ganze Fülle Gottes aufnehmen könnte. Die griechische Präposition eis bezeichnet vielmehr ein Ziel; besser wäre also die Übersetzung „nach dem Maß“. Die Fülle des dreieinigen Gottes ist nur in Christus, und nur durch ihn wird ein Christ vollendet ( Kol 2,9-10 ). Obwohl dem Gläubigen diese Fülle in Christus bereits gehört, betet Paulus doch, daß jeder sie auch jetzt schon konkret in seinem Leben erfahren möge (vgl. Eph 4,13). Denn die Erfahrung der ethischen Vollkommenheit Gottes bewegt die Juden- und Heidenchristen dazu, einander zu lieben. Ihrem eigentlichen Stand nach sind sie bereits eins in Christus; daher sollen sie einander in dieser Einheit lieben.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Epheser 3,14—21 weist auf Gottes Absicht hin, das Wachstum eines einzelnen Christen innerhalb des Leibes anzusiedeln. jahrelang habe ich diese Stelle gelesen und darüber gelehrt und mich dabei hauptsächlich auf persönliche Veränderung und die Beziehung zu Christus ausgerichtet. Ich habe das persönliche Leben eines Christen und die Heiligung nicht mit dem erweiterten Leib Christi in Verbindung gebracht. Aber Paulus achtet darauf, Juden und Heiden in Gemeinschaft zu sehen, auch wenn es keinen abwegigeren Gedanken gegeben hat als die Idee, dass luden und Heiden auf dem gleichen Fundament mit Gott und miteinander stehen sollten. Die Spannung, die Mischen den Juden und den Heiden im ersten Jahrhundert bestand, war tiefer als die Kluft zwischen den Ethnien und Rassen, die heute in Amerika herrscht. Im Blick auf diese Spannung wendet Paulus die Botschaft der Gnade immer wieder auf Einzelpersonen an, aber auf Einzelpersonen, die in Gemeinschaft miteinander stehen. Diese Sicht sollte uns davon abhalten, Epheser 3.14-21 aus dem Blickwinkel des Individualismus zu lesen.
„14 Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, 15 von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden den Namen erhält, 16 dass er euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit verleihe, durch seinen Geist mit Kraft gestärkt zu werden an dem inneren Menschen, 17 dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, damit ihr, in Liebe gewurzelt und gegründet, 18 dazu fähig seid, mit allen Heiligen zu begreifen, was die Breite, die Länge, die Tiefe und die Höhe sei, 19 und die Liebe des Christus zu erkennen, die doch alle Erkenntnis Übersteigt, damit ihr erfüllt werdet bis zur ganzen Fülle Gottes. 20 Dem aber, der weit über die Maßen Mehr zu tun vermag, als wir bitten oder verstehen, gemäß der Kraft, die in uns wirkt, 21 ihm sei die Ehre in der Gemeinde in Christus Jesus, auf alle Geschlechter der Ewigkeit der Ewigkeiten.’ “ (Eph 3,14-21).

Wenn Paulus betet, will er, dass die Gläubigen in Ephesus das Wesen von Gottes Liebe zu ihnen erfassen — die Liebe, die sich in Christus offenbart. Sein Gebet spiegelt sicherlich seinen Wunsch wider, dass Einzelpersonen Gott kennen und seine Liebe verstehen, aber dieses Wissen und das „durch seinen Geist mit Kraft gestärkt zu werden“ gilt für eine Gruppe von Einzelpersonen, die in Gemeinschaft mit Gott und in Gemeinschaft miteinander leben.

Betrachten Sie die Sprache, die Paulus verwendet. Bekommen Sie einen Eindruck davon, wie groß die Liebe Christi ist? Können Sie sich vorstellen, was nötig wäre, um sie wirklich anzapfen zu können? Die Liebe Christi ist so breit, lang, hoch und tief (mit anderen Worten: unbegrenzt), dass wir diese Liebe mit unserem begrenzten Ich nicht vollständig erkennen oder erfahren können. Wir haben Kraft von Gott nötig, um sie zu begreifen, und wir müssen sie erkennen „mit allen Heiligen“ (Vers 18). Es ist wie bei einem Geschworenengericht‚ das sich auf zwölf verschiedene Ansichten verlässt, um zu einem umfassenden Verständnis der Wahrheit zu kommen. Wenn wir in verbindlichen Beziehungen zueinander stehen, bringt jeder von uns eine einmalige Sicht und Erfahrung in unsere Erkenntnis von Christi Liebe ein. Einer wurde aus einer bedrohlichen Sucht befreit. Ein anderer wurde durch schweres Leiden hindurchgeführt. Und wieder ein anderer wurde in einer schwierigen Ehe von Gottes Gnade getragen. Diese Aufzählung könnte weitergehen. Wenn wir zusammenkommen, um unsere Geschichten miteinander zu teilen, sehen wir verschiedene Aspekte des Diamanten, der die Liebe Christi ist. Gemeinsam wird unsere Erkenntnis und Erfahrung von Gottes unbegrenzter Liebe voller, stärker und tiefer. Wir werden nicht nur in unserem persönlichen Wachstum in der Gnade gestärkt, sondern der ganze Leib wird aufgebaut von einer vollständigeren Wahrnehmung der Macht und Hoffnung der Gnade Gottes! Im Leben als Christ geht es um nichts Geringeres als um das Persönliche, aber gleichzeitig auch um viel mehr.

Paulus’ Gebet ist, dass die Epheser miteinander in der Liebe gewurzelt und gegründet sind. Es ist der einzige Weg, wie sie mit aller Fülle und Kraft Gottes erfüllt werden können. Als isolierte Einzelpersonen können wir nicht die Stufe der Reife erreichen, die Gott für uns vorgesehen hat. Das geschieht nur, wenn wir in einer liebenden, befreienden Gemeinschaft leben, in der wir die vielen Facetten des Evangeliums würdigen. Wenn wir vorausblicken auf Epheser 4, sehen wir, dass Paulus nach seinem Gebet mit allerlei praktischen Anweisungen fortfährt, wie die Epheser die Einheit dieser Gemeinschaft suchen und erhalten sollen. Unsere persönliche Verwandlung muss innerhalb der Familie Gottes verstanden werden. Das Evangelium wird nicht nur innerhalb einer Gemeinschaft deutlicher wahrgenommen und erfahren, es ist auch die Grundlage für die Gemeinschaft an sich!

Timothey S. Lane – Alles anders – aber wie?

Wir können nicht anders, als von der Größe der Bitte des Paulus betroffen zu sein: »Er gebe euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit.« Er möchte Gott bitten, dass die Heiligen geistlich »gestärkt« werden. Doch inwieweit? Jamieson, Fausset und Brown antworten: »In Fülle, entsprechend der Reichtümer seiner Herrlichkeit, nicht nach der Enge unseres Herzens.«20 Verkündiger betonen oft den Unterschied zwischen der Wendung »von dem Reichtum« und dem Ausdruck »nach dem Reichtum«. Ein reicher Mensch mag einen kleinen Betrag geben. Dann hätte er zwar von seinem Reichtum, doch niemals entsprechend seinem Reichtum gegeben. Paulus bittet Gott, dass er Kraft »nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit« schenkt. Weil der Herr unendlich reich an Herrlichkeit ist, sollten sich die Heiligen auf eine ganze Flut vorbereiten! Warum sollten wir von einem so großen König so wenig erbitten? Als jemand Napoleon eine große Bitte vortrug, gewährte er sie sofort. Er sagte nämlich: »Er hat mich durch die Größe seiner Bitte geehrt.«
Gleich Tau und Regen feuchtet
ein Gnadenstrom uns an
und herrlicher beleuchtet
seh’n wir die Himmelsbahn.
Erhört wird jede Bitte,
die auf zum Throne geht,
und sanft wird unsre Mitte
vom Friedenshauch durchweht.
Verfasser unbekannt
Nun wenden wir uns den einzelnen Bitten des Paulus zu. Statt sie als Folge von zusammenhangslosen Bitten zu betrachten, sollten wir sie uns als aufsteigende Folge denken, in der jede Bitte die Grundlage für die nächste Bitte bildet. Man kann sie sich wie eine Pyramide vorstellen: Die erste Bitte bildet die untere Steinlage. Während er weiterbetet, baut Paulus seine Bitten gleichsam Lage um Lage auf, bis er zuoberst den herrlichen Schlussstein erreicht.
Die erste Bitte lautet, dass sie »mit Kraft gestärkt … werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen«. Es wird um die Segnung geistlicher Kraft gebeten. Es geht nicht um die Kraft, aufsehenerregende Wunder zu vollbringen, sondern um die geistliche Kraft, die ein reifer, standfester und verständiger Christ braucht. Der Heilige »Geist« ist derjenige, der diese Kraft gibt. Natürlich kann er uns diese nur geben, wenn wir uns vom Wort Gottes ernähren, die reine Luft des Gebetes einatmen und uns im täglichen Dienst für den Herrn üben.
Diese Kraft wirkt am »inneren Menschen«, d. h. im geistlichen Bereich des Menschen. Es ist auch der »innere Mensch«, der am Gebot Gottes Freude hat (Röm 7,22). Es ist ebenfalls der »innere Mensch«, der Tag für Tag erneuert wird, selbst wenn der äußere Mensch verfällt (2. Kor 4,16). Obwohl der innere Mensch von Gott ist, so braucht er Kraft, Wachstum und Entwicklung.
3,17 Der zweite Schritt ist, »dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne«. Das ist die Folge davon, dass der Geist uns Kraft gibt: Wir werden gestärkt, so »dass der Christus … in« unseren »Herzen« wohnt. Ja, der Herr Jesus nimmt persönlich Wohnung in einem Gläubigen bei dessen Bekehrung (Joh 14,23; Offb 3,20). Doch darum geht es hier in diesem Gebet nicht. Hier geht es nicht um die Frage, ob der Herr Jesus im Gläubigen Wohnung nimmt, sondern ob er dort wirklich zu Hause ist! Jesus wohnt ständig in jedem Erlösten, doch hier findet sich die Bitte, dass er vollständigen Zugang zu jedem Raum und Schrank erhält. Es soll nicht durch sündige Worte, Gedanken, Motive und Taten betrübt werden, sondern eine fortwährende Gemeinschaft mit dem Gläubigen genießen. Das Herz der Christen wird so zur Wohnung Christi, der Ort, an dem er sich gerne aufhält – wie im Haus von Maria, Marta und Lazarus in Betanien. Das Herz steht hier natürlich für das Zentrum des geistlichen Lebens. Es steuert in jeder Hinsicht das Verhalten. Im Grunde bittet der Apostel dafür, dass sich die Herrschaft Christi auf solche Bereiche ausdehnt, wie etwa auf die Bücher, die wir lesen, die Arbeit, die wir tun, die Speisen, die wir essen, das Geld, das wir ausgeben, die Worte, die wir äußern – kurz gesagt, auf jede kleinste Einzelheit in unserem Leben.
Je mehr wir durch den Heiligen Geist gestärkt werden, desto mehr werden wir dem Herrn Jesus ähnlicher. Und je mehr wir ihm ähneln, desto mehr »lässt er sich bei uns nieder und wird sich in unserem Herzen völlig zu Hause fühlen«.21
Wir erfreuen uns »durch den Glauben« daran, dass er in uns wohnt. Dazu gehört, ständig von ihm abhängig zu sein, ihm fortwährend unser Leben hinzugeben und uns seiner ständigen Anwesenheit bewusst zu sein. Durch den Glauben »erkennen wir sein Hausrecht an«, wie Bruder Lawrence dies einmal anschaulich ausgedrückt hat.
Bis hierher umfasst das Gebet des Paulus jede Person der Dreieinheit. Der Vater wird gebeten (V. 14) die Gläubigen durch seinen Geist zu stärken (V. 16), »dass der Christus« völlig in ihren »Herzen wohne« (V. 17). Eines der großen Vorrechte im Gebet besteht darin, dass auf unser Bitten hin sowohl der Vater als auch der Sohn und der Heilige Geist für andere und für uns in Aktion treten.
Infolgedessen, dass Christus zu allen Bereichen unseres Lebens Zugang hat, werden wir »in Liebe gewurzelt und gegründet«. Hier entlehnt Paulus seine Worte der Botanik und Architektur. Die Wurzel sorgt für die Nährstoffe einer Pflanze und gibt ihr Halt. Die Grundsteine eines Gebäudes bilden das Fundament, auf dem es ruht. Scroggie sagt dazu: »Liebe ist der Boden, worin unser Leben wurzelt, und der Felsen, worauf unser Glaube für immer ruht.«22 »In Liebe gewurzelt und gegründet« zu sein, bedeutet, dass man die Liebe als Lebensstil einübt. Dazu gehört, dass man freundlich, selbstlos, zerbrochen und demütig lebt. »In Liebe gewurzelt und gegründet« zu sein, ist das Leben aus Christus, wie es im Gläubigen seinen Niederschlag findet (s. 1. Kor 13,4–7).
3,18 Die vorhergehenden Bitten haben ein Programm für geistliches Wachstum umrissen, welches das Kind Gottes darauf vorbereitet, ganz fähig zu sein, »mit allen Heiligen völlig zu erfassen, was die Breite und Länge und Höhe und Tiefe ist«.
Ehe wir diese Dimensionen erforschen, sollten wir uns mit dem Ausdruck »mit allen Heiligen« beschäftigen. Das Thema ist so großartig, dass ein einzelner Gläubiger wohl nur einen kleinen Ausschnitt davon fassen kann. Deshalb ist es nötig, dass wir das Thema mit anderen gemeinsam studieren, erörtern und unsere Erfahrungen weitergeben. Der Heilige Geist kann die gemeinsamen Überlegungen einer Gruppe von bewährten Gläubigen benutzen, um eine Flut zusätzlichen Lichtes auf die Schrift zu werfen.
Die hier angegebenen Dimensionen werden normalerweise auf die Liebe Christi bezogen, obwohl der Text das nicht erwähnt. Vielmehr wird die Liebe erst im nächsten Teilsatz erwähnt. Wenn hier die Liebe Christi gemeint ist, dann könnten die Verbindungen wie folgt aussehen:
Breite

die Welt (Joh 3,16)
Länge

ewig (1. Kor 13,8)
Höhe

Himmel (1. Joh 3,1–2)
Tiefe

bis zum Tod am Kreuz (Phil 2,8)
F. B. Meyer drückt dies treffend aus:
Der sich vor uns ausbreitende Horizont wird sich stets so weit erstrecken wie der hinter uns liegende. Und wenn wir Jahrtausende damit zugebracht haben werden, das Angesicht Jesu zu betrachten, so wird doch seine Schönheit so neu, faszinierend und unergründlich sein wie zu dem Zeitpunkt, als wir sie zum ersten Mal vom Tor des Paradieses aus erblickten.23
Doch diese Dimensionen können sich auch auf das Geheimnis beziehen, das im Epheserbrief eine solch wichtige Stellung einnimmt. Es ist in der Tat einfach, diese Dimensionen im Epheserbrief selbst wiederzufinden.
Die »Breite« wird in 2,1–18 beschrieben. Es geht hier um die Größe der Gnade Gottes, die Juden und Heiden erlöst und sie dann in die Gemeinde einfügt. Das Geheimnis umfasst beide Teile der Menschheit.
Die »Länge« erstreckt sich von Ewigkeit zu Ewigkeit. Was die Vergangenheit angeht, so sind die Christen schon vor Grundlegung der Welt erwählt worden (1,4). Was die Zukunft angeht, so wird die Ewigkeit eine fortgesetzte Entfaltung der überströmenden Reichtümer göttlicher Gnade und Güte sein, die uns durch Christus Jesus zugeeignet sind (2,7).
Die »Höhe« sehen wir in 2,6. Dort heißt es, dass wir nicht nur mit ihm auferweckt sind, sondern auch mit ihm in die Himmelswelt versetzt sind, seine Herrlichkeit zu teilen.
Die »Tiefe« wird in 2,1–3 anschaulich dargestellt. Wir waren in einer Grube unaussprechlicher Sünde und Schande gefangen. Christus kam in diesen Dschungel voller Schmutz und Verdorbenheit, um unsertwegen zu sterben.
Dies sind natürlich immense und vor allem unendliche Dimensionen. Wenn wir daran denken, dann »besteht alles, was wir tun können«, nach Scroggies Worten in Folgendem: »Wir können lediglich die erstaunliche Ordnung beachten, die wir in dieser Aufhäufung göttlicher Worte entdecken«.
3,19 Die nächste Bitte des Apostels lautet, dass die Heiligen durch ihre Erfahrung die alles Wissen »übersteigende Liebe Christi« erkennen möchten. Sie könnten sie niemals ganz erforschen, weil sie ein uferloser Ozean ist, doch sie können jeden Tag mehr über sie lernen. Und deshalb betet er um eine tiefe, auf Erfahrung gegründete Erkenntnis und um die Freude an der wunderbaren »Liebe« unseres herrlichen Herrn.
Der Höhepunkt dieses wunderbaren Gebets wird erreicht, als Paulus bittet, dass »ihr erfüllt werdet zur ganzen Fülle Gottes«. In dem Herrn Jesus wohnt die »ganze Fülle der Gottheit« (Kol 2,9). Je mehr er durch den Glauben in unseren Herzen wohnt, desto mehr werden wir »zur ganzen Fülle Gottes« erfüllt. Wir könnten niemals mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt werden. Doch wir haben ein Ziel, auf das wir uns zubewegen.
Nachdem wir dies erklärt haben, müssen wir dennoch sagen, dass wir die Tiefen der Bedeutung dieses Abschnitts noch nicht erreicht haben. Wenn wir uns mit der Schrift beschäftigen, so sind wir uns bewusst: Wir haben darin mit Wahrheiten zu tun, die wir nicht verstehen oder erklären können, weil dies über unsere Fähigkeiten hinausgeht. Wir können Bilder benutzen, um mehr Licht auf den betreffenden Vers zu werfen. Ein Bild ist z. B. der Fingerhut, den wir in den Ozean tauchen und der mit Wasser gefüllt wird, doch welch kleine Wassermenge aus dem Ozean befindet sich dann in diesem Fingerhut! Und dennoch bleibt, wenn wir all das gesagt haben, das Geheimnis bestehen. Wir können nur ehrfurchtsvoll vor Gottes Wort innehalten und über seine Unendlichkeit staunen.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Das Gebet des Rabbiners um Liebe (3: 14–21) 3:14 Aus diesem Grund falle ich auf die Knie – Am Ende dieser erstaunlichen theologischen Darstellung der frühen Kapitel der Epheser hält Rabbi Sha’ul für eine betende Reflexion inne. Es ist nicht allgemein bekannt, dass Juden von den Knien aus beten oder anbeten, aber es ist nicht ungewöhnlich. Daniel soll von den Knien aus gebetet haben, als er für Jerusalem intervenierte (vgl. Daniel 6:10). Selbst in einigen modernen Synagogengottesdiensten am Jom Kippur (dem Versöhnungstag) gibt es während des Aleinu-Gebets einen dramatischen Moment, in dem der Kantor niedergeschlagen auf dem Boden liegt. Es ist ein physischer Ausdruck des Bedürfnisses nach Demut und Unterwerfung unter den Plan Gottes, besonders an diesem Hochheiligen Tag. Sha’ul hier zeigt solche Unterwerfung und Lob für die Enthüllung von Gottes einzigartigem Plan, den Messias für die ganze Menschheit zu senden. 3:16 Die Schätze seiner Herrlichkeit – Durch das Senden des Messias hat Gott die Schatzkammer seines ewigen Reichtums geöffnet. Dies ist nun das Erbe jedes Juden und Nichtjuden, der den Namen Jeschua anruft. Die Schätze der Erlösung und des reichlichen Lebens liegen jetzt im inneren Geist eines jeden Gläubigen. Vor allem betet der Rabbi, dass sie in Liebe gegründet werden, der zentralen Botschaft der Tora. Eine Geschichte im Talmud veranschaulicht auch diese Wahrheit. Eines Tages näherte sich ein Nichtjude, der die verdichtete Botschaft der Tora erfahren wollte, dem großen Rabbi Hillel. Um es einfach zu machen, bat er den Rabbi, seine Antwort zu geben, während er auf einem Fuß stand. Hillel antwortete ihm: „Was dir selbst zuwider ist, tue deinem Mitmenschen nicht an“ (Tractate Shabbat 31a). Jeschua gab im Wesentlichen die gleiche Antwort, jedoch in der positiven Form die Goldene Regel (vgl. Matthäus 7:12). In jedem Fall ist die Grundlage der gesamten Schrift und des Gottes Israels die Liebe, und dies ist auch der Ruf an alle Kinder Gottes. 3:18 Um die Breite, Länge, Höhe und Tiefe der Liebe des Messias zu erfassen – Trotz all des Reichtums, den messianische Juden und messianische Nichtjuden erfahren haben, betet der Abgesandte, dass wir unser Verständnis für alles weiter ausbauen werden. Es ist in der Tat jenseits unseres vollen Wissens über das Olam Hazeh (dieses gegenwärtige Zeitalter), aber wir werden ermahnt, danach zu streben, mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt zu werden. Wo immer wir uns auf unserer spirituellen Reise befinden, können wir immer wachsen. Spirituelles Wachstum ist in der Tat das Zeichen eines Menschen in wahrer Beziehung zu Jeschua. Es ist gleichzeitig entmutigend und dennoch aufregend, da unsere Beziehung zu Gott niemals abgestanden oder statisch sein sollte. Wir sollten uns fragen, ob wir durch Jeschua Fortschritte machen und in unserer persönlichen Beziehung zu Gott wachsen.

Kasdan – Ein messianischer Kommentar: Rabbi Paul erleuchtet die Epheser beim Gehen mit dem Messias Jeschua

Damit Christus durch Glauben in deinen Herzen wohnen kann. NIV Das griechische Wort übersetzt wohnen vermittelt die Idee, sich niederzulassen und einen ständigen Wohnsitz zu beziehen. Christus findet sein Zuhause in den Herzen der Gläubigen. Das „Herz“ in der Bibel bezieht sich immer auf das Zentrum der Gefühle und des Willens eines Menschen. Christus nimmt seinen ständigen Wohnsitz ein und verändert das „Herz“ eines Menschen und folglich seine Worte und Gedanken. „Durch Glauben“ bezieht sich auf den Glauben der Gläubigen. Christus nimmt seinen Wohnsitz in den Herzen derer, die ihn durch Glauben als ihren Erlöser und Herrn annehmen. Und ich bete, dass Sie, verwurzelt und in der Liebe verankert, zusammen mit allen Heiligen die Macht haben, zu erfassen, wie weit und lang und hoch und tief die Liebe Christi ist. Die innewohnende Gegenwart Christi und die stärkende Kraft des Geistes helfen den Gläubigen auch, in der Liebe verwurzelt und etabliert zu sein (wörtlich „verwurzelt und gegründet“, wobei das gegenwärtige Ergebnis einer vergangenen Handlung betont wird). Im Griechischen steht diese Klausel in Verbindung mit 3:18 (wie oben), was darauf hindeutet, dass wir durch „Verwurzeln“ die Größe der Liebe Gottes verstehen können. „Rooted“ erinnert an das stabile Bild von Bäumen. „Etabliert“ (auch übersetzt „geerdet“) erinnert an das solide Fundament eines Gebäudes. Paulus betete, dass dieses Fundament der Liebe allen Gläubigen die Kraft geben würde, die Weite der Liebe Christi zu erfassen. „Greifen“ bedeutet, nach einem Ziel zu greifen und es festzuhalten. Wir bemühen uns, dieses Verständnis zusammen mit allen Heiligen zu erreichen. Kein einzelner Gläubiger kann das Geheimnis (3: 9), die Weisheit (3:10) oder den Reichtum (3: 6, 8) selbst aufnehmen; es braucht alle Gläubigen. Die Liebe Christi ist total, vollständig, ewig und allumfassend. Es erreicht jede Ecke unserer Erfahrung. Diese Passage zeigt, dass wir, selbst wenn wir versuchen, ein Verständnis für die Liebe Christi zu erlangen, es niemals vollständig verstehen werden, da es außerhalb unseres Verständnisses liegt. Es ist weit gefasst – es deckt die Breite unserer eigenen Erfahrung ab und erreicht die ganze Welt. Es ist lang – es setzt die Länge unseres Lebens fort und geht weiter bis in die Ewigkeit. Es ist hoch – es erhebt sich zu den Höhen unserer Feier und Hochstimmung. Seine Liebe ist tief – sie reicht bis in die Tiefen der Entmutigung, Verzweiflung und sogar des Todes. Es wurden verschiedene Versuche unternommen, die vier Dimensionen – breit, lang, hoch und tief – mit den vier Armen des Kreuzes, den vier Dimensionen der himmlischen Stadt (Offenbarung 21:16) oder den vier Dimensionen des Universums zu identifizieren. Höchstwahrscheinlich sollten sie alle zusammen genommen werden, um sich auf die allumfassende Majestät der Liebe Gottes zu beziehen. WIE GROSS? Wie groß ist die Liebe Christi? Wie breit? wie lange? wie hoch? wie tief? Paulus betet, dass wir es wissen werden. Wir werden das Maß der Liebe Christi zu uns vielleicht nie vollständig erfassen, aber diese Verse geben einen Hinweis auf die Dimensionen. Es ist so breit wie die ausgestreckten Arme des gekreuzigten Erretters und umfasst Juden und Nichtjuden, Reiche und Arme, Männer und Frauen… und streckt die Hand nach „wem auch immer“ aus. Es reicht tief genug, um die elendesten Sünder zu berühren, und hoch genug, um sie mit einem heiligen Gott zu versöhnen. Die Liebe Christi ist groß genug, um Platz für Geschiedene und Unverheiratete zu haben … für sexuell Missbrauchte und Missbrauchende … für die Frau, die eine Abtreibung hatte, und für den Mann, der sie dazu veranlasst hat … für die Person, die alkohol- oder pornografiesüchtig ist. Wie groß ist seine Liebe? So groß wie das Kreuz.

Lebensanwendungs-Bibelkommentar

Und wer ist mein HERR? Welche Ziele und Wünsche werden angestrebt? Die meinen? Die einer Gemeinde? Oder die Ziele und Wünsche Jesu?

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