Liebe, Geduld und Freundlichkeit sollen bei dir immer am Start sein.

Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge; strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Ausharren, Sanftmut des Geistes.
Elberfelder 1871 – 1 Tim 6,11

Du aber gehörst Gott, deshalb fliehe vor alldem! Jage dagegen der Gerechtigkeit nach, der Gottesfurcht, dem Glauben, der Liebe, der Geduld und der Freundlichkeit!
Gute Nachricht Bibel – 1.Timotheus 6,11

Du aber gehörst Gott und stehst in seinem Dienst. Halte dich daher – Wörtlich Du aber, Mensch Gottes, halte dich. Der Titel Mann Gottes bzw. Mensch Gottes wurde in alttestamentlicher Zeit für führende Persönlichkeiten von Gottes Volk gebraucht; im späteren jüdischen Schrifttum bezeichnet er darüber hinaus alle, die dem wahren Gott dienen. – von all diesen Dingen fern! Dein Ziel soll etwas anderes sein: ´ein Leben, das erfüllt ist von` Gerechtigkeit, Ehrfurcht vor Gott, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Freundlichkeit.
Neue Genfer Übersetzung – 1. Tim 6:11

Aber du, Timotheus, gehörst Gott; deshalb sollst du dich davon fernhalten. Bemühe dich um ein Leben, so wie Gott es will: geprägt von der Ehrfurcht vor Gott, von Glauben und Liebe, geführt mit Geduld und Sanftmut!
Neues Leben – 1 Tim 6,11

Timotheus! Du darfst da auf keinen Fall mitmachen! Versuche um jeden Preis, anders draufzukommen als die! Dein Ziel soll es sein, ein Leben zu führen, das Gott geil findet! Setz alles dran, dass dir nichts wichtiger ist als Gott! Versuch immer, im Vertrauen auf ihn zu leben! Liebe, Geduld und Freundlichkeit sollen bei dir immer am Start sein.
VolxBibel – 1 Tim 6,11

Die Moralisten ermahnten ihre Leser häufig, vor dem Laster zu »fliehen«. Die Hetiter gebrauchten den Ausdruck »Gottesmensch« als Charakterisierung herausragender religiöser Gestalten, im A.T. dagegen bezog er sich auf die Männer, die Gott sich zu Sprechern erwählt hatte. Wenn der Begriff in der späteren jüdischen Literatur einmal auftaucht, so meist mit der alttestamentlichen Bedeutung, die wohl auch Paulus hier beabsichtigt.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Timotheus ist Gottes Eigentum; das bedeutet für ihn das selige Erlöstsein von der Geldgier. Weil er Gott gehört, hat er ein anderes Ziel und einen anderen Besitz als die Reichen; deshalb hat er auch nicht eine Wurzel für jede Bosheit, sondern die Wurzel zu allem Guten in sich und darum auch nicht Tod und viele Schmerzen, sondern die Verheißung des Lebens jetzt und einst vor sich. Aber die falschen Güter können auch den locken, der in der Gemeinschaft mit Gott steht; auch er hat auf die Mahnung zu hören: „Fliehe davor!“ Dazu gehört notwendig ein zweites Wort, das angibt, wonach das Verlangen sich strecken und die Arbeit zielen soll.

Die Gerechtigkeit steht voran, weil das Gerechtfertigtsein und Rechttun vor Gott die Bedingung und Voraussetzung für alles ist, was uns durch die Gnade Gottes als gute Gabe zuteil werden kann. Neben die großen Hauptfunktionen des Christenstandes: Gott ehren, glauben, lieben, tritt noch die Widerstandskraft gegenüber dem Leiden und die Fähigkeit, unerschüttert menschliche Unart und Sünde zu ertragen und ihr die Unüberwindlichkeit der Vergebung und die Liebe entgegenzusetzen. Das sind Ziele, nach denen zu laufen sich lohnt.

Schlatter, – Erläuterungen zum Neuen Testament

Timotheus wird nun als Prototyp eines Menschen Gottes angesprochen, der vor der Gier nach Reichtum fliehen soll, dafür aber den Tugenden, die Gott bevorzugt, nachjagen, d.h. sie konsequent verfolgen und ihnen nacheifern soll. Die genannten Eigenschaften sind die Gegensätze der genannten Ungerechtigkeiten, die die Geldgier verursacht.

P. Streitenberger

So schreibt der Apostel Paulus seinem jungen Mitbruder Timotheus: »Aber du, Gottesmensch, fliehe das!« (V. 11 a)
17.1.1 Was? Vorausgeht die Beschreibung dessen, was der große Angler – der Satan, der uns aus der Gemeinschaft mit Jesus und seiner Gemeinde. aus dem, was für uns Lebenselement ist, herausholen will – vielen als »Köder« vor die Augen hält (V. 9). Weder auf Geld noch Geltung, weder auf das Angebot einer wirtschaftlich gesicherten Existenz, noch auf Ehrung und Bewunderung durch Menschen soll Timotheus hereinfallen; bei nichts soll er »anbeißen«. Und auch wir sollen es nicht.

17.1.2 »Fliehe!«: Entschlossen abwenden soll er sich von dem allem, damit es ihm nicht zur Versuchung wird. Hier ist entschlossene Flucht eine tapfere Tat (vgl. 1Mose 39,12; Sir 21,2). Wenn der Fisch sich rechtzeitig vom Köder abgewandt hätte, Eva von der verbotenen Frucht, David von Batseba und dem Gedanken an sie, wäre die Faszination, der Zauber der Verführungsmacht überwunden gewesen (vgl. 1Mose 3,6; 2Sam 11,2). – Jesus gibt uns teil an seinem Sieg; wir können auch alle bösen Gelüste in seinen Tod geben, seitdem er Sünde und Satan überwunden hat (1Kor 15,57; Gal 5,24).

17.1.3 Als »Gottesmensch« wird Timotheus angesprochen. Er ist von Jesus mit Blut und Leben aus der Sklaverei von Sünde und Satan losgekauft worden; das hatte nach der Rechtsordnung jener Zeit die Wirkung, dass das Eigentum an ihm auf den ihn so »Ablösenden« überging, Und was Jesus erworben hat, das hat er für den Vater erworben; er wollte ja nichts für sich; das letzte Buch der Bibel sagt: »Du hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft« (Offb 5,9 vgl. 1Kor 6,20). Und wenn dann ein Mensch noch dazu von Herzen ja sagt und sein Leben Jesus Christus und damit Gott anvertraut, wenn er sich von Gottes Geist dazu bewegen lässt, dann hat das für ihn die volle Wirkung (Joh 3,16; Röm 1,16). In das Wesen des eingeborenen Sohnes wird er als Gotteskind gestaltet, in das Wesen Gottes, des Vaters (Mt 5,45.48; Gal 4,19). Und er wird von Jesus Christus in Dienst gestellt, »Knecht Gottes«, »Magd des Herrn«, »Mitarbeiter Gottes« (vgl. Mt 10,5ff.; Lk 1,38; 5,10; Röm 1,1; 1Kor 3,9; Jak 1,1). So war Timotheus ein »Mensch Gottes«. Und so dürfen auch wir das sein.

17.2 »Jage aber nach der Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut«, fährt Paulus fort (V. 11)
»Jage nach …«: Das erste Wort ist zu betonen, denn das Ziel eilt nicht, uns voran, fort, sondern wir eilen mit aller Kraftanstrengung zu dem für uns feststehenden Ziel hin; es »narrt« uns nicht. Das Bild des Laufs lag damals in der ganzen griechischen Welt wozu seit Jahrhunderten auch die Westküste Kleinasiens mit Ephesus gehörte – den Menschen sehr nahe. In den Sportstadien spannten die Sportkämpfer alle Kräfte an; sie kämpften bis zum Umfallen und schonten sich nicht. Wie viel mehr sollten das Christen tun angesichts ihres großen Ziels und wo doch der Herr, wenn man sich nur an ihn hält, erreicht wird (Phil 1,6; 1Thess 5,23ff.)! Der Hebräer-Brief sagt in diesem Sinn: »Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens« (Heb 12,1-2 a). Paulus sagt im Blick auf sich selbst:« Ich … jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus« (Phil 3,14; vgl. 1Kor 9,24-27). Nun heißt er auch Timotheus so zu »jagen«, zu laufen, und ebenso uns alle, die wir an Jesus glauben.

17.3 Welche Ziele sollen wir mit dem, was wir sind und tun, schon in diesem Leben verfolgen? Wonach ist zu »jagen«?
17.3.1»… nach der Gerechtigkeit«: Unser Herr Jesus Christus gefiel auch in seinen Erdentagen Gott ganz (Mt 3,17); er war Gott recht, vor ihm ganz gerecht. In Christus, im Glauben eingehüllt in seine Gerechtigkeit, sind auch wir Gott recht (2Kor 5,21). So sagt Gott zu uns ja, jetzt, wenn wir vor ihn treten und ihn bitten, und auch dann einmal, wenn wir vor sein Gericht gerufen werden. »Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn.« Nun ist es überaus wichtig, dass wir nicht wieder, im Tun und Lassen, im Reden und Schweigen, nicht in Gedanken und Stimmungen, aus Christus heraustreten. Und wenn wir so in Christus bleiben, dann ist er als der heilige, uns neuschaffende Geist in uns (Joh 15,4f.; 2Kor 3,17 a). So werden wir von innen her in Jesu Wesen gestaltet (Gal 4,19). In allem ganz in der Jesus -Spur zu bleiben, das ist die gelebte Gerechtigkeit vor Gott. Dies schließt ein, dass wir auch Menschen gegenüber gerecht zu werden trachten und uns bemühen, auch ihnen nichts schuldig zu bleiben. Das alles gehört dazu, dass wir für die große Zukunft bereit sind, für die Stunde, da unser Herr kommt oder er uns im Tode ruft (vgl. Lk 12,42-46; Röm 13,11ff.).

17.3.2 » … nach … der Frömmigkeit«: Nach einem steten, bewussten Leben vor Gott (1Mose 17,1; vgl. das zu 1Tim 4,7 Ausgeführte). Diese Frömmigkeit lebte unser Herr in seinen Erdentagen aufs vollkommenste. Er rückte alles bewusst ins Licht des Vaters (vgl. Mk 1,35; Lk 6,12-16; Joh 2,4; 17,1ff.). Dabei bat er ihn auch um die Korrektur aller seiner Wünsche, einschließlich des Wunsches, leben zu dürfen: »Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!« (Lk 22,42). Das heißt, auch in unserem Leben nach der Frömmigkeit zu »jagen«: dass wir darum ringen, Gott in unserem Leben ganz Gott sein zu lassen, ihm das Leben anzuvertrauen und es im Bewusstsein seiner steten Gegenwart ihm zu Gefallen zu führen. Das schließt die Willigkeit ein, Gott auch unsere brennendsten, am meisten ans Herz gewachsenen Wünsche und Pläne zu übergeben. Wie sehr wird das doch die Gemeinde Jesu nötig haben, insbesondere dann, wenn sie durchs Leiden und ein endzeitliches Dunkel gehen soll (vgl. Mt 24,9; Apg 14,22).

17.3. 3 » … nach … dem Glauben«: Dazu ist nötig, dass es unser großes Anliegen ist, in jeder Lage das Vertrauen zu Jesus, zu dem lebendigen Gott, durchzuhalten, in der festen Gemeinschaft, im steten Umgang mit ihm zu bleiben, auch in der Ganzhingabe unseres Lebens an ihn und ebenso im felsenfesten Vertrauen auf seine Verheißungen (etwa: Mt 7,7; 1Kor 15,58; 2Kor 5,17; Phil 1,6; 1Joh 1,7.9; Offb 3,21). Wir wollen den Verheißungen unseres Gottes mehr glauben als unseren eigenen Augen. »Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat« (Heb 10,35). »Uns ist geboten, auszuharren und bei den Verheißungen zu bleiben« (J. Chr. Blumhardt).

17.3. 4 » … nach … der Liebe«: Wie hat uns doch unser Herr Jesus geliebt, bis in den Tod, »als wir noch Feinde waren« (Röm 5,10)! Nach keiner noch so enttäuschenden Erfahrung mit Menschen hat er gesagt: »Nun aber Schluss!« »Wie er die Seinen geliebt hatte …, so liebte er sie bis ans Ende« und gab auch Blut und Leben für sie hin (Joh 13,1). Und für die, die ihn zu Tode quälten, legte er mitten in den größten, von ihnen verursachten, Schmerzen bei Gott, dem großen Richter über alle Welt, Fürsprache ein (Lk 23,34). Auch Judas, der Jesus hinterhältigerweise an seine Todfeinde verkaufte und auslieferte, wusch Jesus liebevoll die Füße.

Es kostet uns große Mühe, solche Liebe allen gegenüber durchzuhalten. Dan gilt es, uns in die Gemeinschaft mit Jesus hineinzubeten und ihm, seinem Geist in uns, Raum zu geben, bis in die Gedanken und Stimmungen. Wir in ihm und er in uns, so wird unser Leben tatsächlich neu, Jesus -ähnlich, und bringt gottgefällige Frucht (Joh 15,4f.; 2Kor 3,17 a; 2Kor 5,17; Gal 5,22; vgl. Röm 8,14).

17.3.5 » … nach … der Geduld« (wörtlich: nach dem »Darunter bleiben«): Unser Herr hat große Geduld mit uns. Und wir sind dieser Geduld sehr bedürftig. Dan ist es wichtig, wenn wir Jesus ähnlich werden wollen (vgl. Gal 4,19), dass wir in gleicher Weise Geduld üben. Möglicherweise hatte hier auch Paulus mit sich selbst einige Mühe: Ein so tatkräftiger, in solcher Weise mit dem Evangelium vorwärts stürmender Mann musste wahrscheinlich nicht wenig innere Kraft darauf verwenden, mit den Leuten anderer Gangart Geduld zu üben.

Das Erfordernis der Geduld nennt die Schrift im Besonderen auch im Blick auf die Letzte Zeit; in dem großen Kapitel des letzten Buches der Bibel über den Antichristen kündigt sie für diese Zeit an: »Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen« (Offb 13,10), das willige Darunterbleiben und das hochgemute, getroste und der Hoffnung gewisse Vertrauen. Zu dieser Geduld, die als Erste genannt wird, gehört wesentlich auch das Ausharren an dem heilsgeschichtlichen Ort des »Nicht -Sehens -und-doch -Glaubens«, solange Gott das noch will. Gewiss ist es recht, um die Wiederkunft Jesu zu bitten (Offb 22,17), um Gottes Ehre willen, damit das »Seufzen der Kreatur« gestillt wird, damit dem Feind, der unablässig die Menschen verführen will, »das Handwerk gelegt« wird und damit die Kinder Gottes vom Glauben zum Schauen gelangen (Röm 8,19-22; Offb 21,3). Aber das sich Ausstrecken nach dem Ziel darf nicht ungeduldig werden. Wenn unser Herr kommt, gehen die Türen der Gnade für die Menschen zu. Die Frist, während der das Gnadenangebot Gottes angenommen werden kann, ist dann vorbei. Wir Menschen werden dann bei den von uns getroffenen Entscheidungen festgelegt. Wie wir uns jetzt Jesus gegenüber entscheiden, so wird einmal über uns entschieden, und so werden wir Menschen einmal geschieden. Allein wer Jesus jetzt annimmt, der wird dann von ihm angenommen, was größte Bedeutung hat. So sind wir bei aller Freude auf den großen Tag Jesu Christi dennoch auch für die Gnadenfrist dankbar, die Gott uns und andern und uns im Blick auf andere immer noch gewährt. Petrus schreibt: »Die Geduld unseres Herrn erachtet für eure Rettung« (2Petr 3,15).

17.3.6 » … nach … der Sanftmut«: Wie war doch unser Herr sanftmütig, unaufdringlich, behutsam, etwa gegenüber einem Dorf in Samaria, das ihn nicht aufnahm (Lk 9,51-56). Ja, auch heute kommt er noch so, als der erhöhte Herr spricht er: »Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an« (Offb 3,20). Wer klopft, drängt sich nicht auf; er gebraucht nicht das Brecheisen oder schlägt die Türe ein, sondern er fragt, ob man ihn überhaupt aufnehmen will. Das Wort steht im Sendschreiben an die lau gewordene, abgefallene Gemeinde in Laodizea. Auch zu einer solchen Gemeinde und zu derartigen Menschen kommt er noch immer so. Er hat auch selbst seine Sanftmut hervorgehoben (Mt 11,29). Dan wollen auch wir nach dieser Sanftmut »jagen«, auch schwache und geringe Leute nicht einfach geschwinde »vereinnahmen« und auch bei Evangelisationen usw. keine irgendwie gearteten Tricks anwenden, kein »psychologisches Brecheisen« einsetzen, um die Leute zu »Entscheidungen« zu führen, die doch unecht sind, und um schnelle Erfolge melden zu können. Gott hat mit jedem einzelnen Menschen seine Zeit (vgl. Joh 6,44). So dürfen wir hierbei nichts erzwingen wollen. Doch damit auch wir an die Türen der Leute in seinem Sinn klopfen, nimmt er, Jesus, uns als seine Mitarbeiter mit. Lasst uns dazu willig, demütig, sanftmütig und mutig sein!

Gerhardt Maier – Edition C