Früh am Tag

Früh in der Dämmerung stehe ich auf, und schreie, ich warte auf Deine Worte. Ps 119,114; 88,14; 130,6.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Psalm 119,147

In der Dämmrung schon komme ich vor und muß stöhnen:
»Ich harre auf deine Rede.«
Buber – Ps 119,147

Schon vor der Morgendämmerung war ich wach, um nach Hilfe zu schreien,
denn auf deine Worte setze ich meine Hoffnung.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Ps 119,147

Der Morgendämmerung bin ich zuvorgekommen und habe geschrieen; auf dein Wort habe ich geharrt.
Elberfelder 1871 – Psalm 119,147

Was mache ich, wenn ich früh morgens wach werde? Womit beschäftige ich mich? Wenn wir im NT den Bericht über Jesus lesen, stellen wir oft fest, dass dieser in den frühen Morgenstunden auf einen Hügel oder Berg war, um alleine zu sein, und diese Zeit nutzte, um im Gebet mit seinem Vater zu sein.

● Die kurze Zeit zwischen dem Sonnenuntergang und dem Einbruch der eigentlichen Dunkelheit, während der man die Sterne zu sehen beginnt, ist die Abenddämmerung. Diese Zeit wurde von den alten Hebräern als nescheph bezeichnet und war offenbar das, was sie unter dem Ausdruck „zwischen den zwei Abenden“ verstanden, der in 2. Mose 12:6 vorkommt (Sprüche 7:9) Die Morgendämmerung, die Zeit zwischen dem Ende der nächtlichen Dunkelheit und dem Sonnenaufgang, wurde mit demselben hebräischen Wort bezeichnet. Daher heißt es in Psalm 119:147: „Vor der Morgendämmerung komme ich.“ — SB.

Wachtturm Studienausgaben 1967

Ich komme in der Frühe usw. Buchstäblich: Ich komme dem Morgengrauen zuvor. David hat es also mit seinem Gebet besonders eilig. Und dass er „schreit“, ist immer ein Ausdruck besonderer Inbrunst, der weniger auf den Klang der Stimme, als vielmehr auf die Anspannung der Seele deutet. Von seiner Eile gibt er Zeugnis als von einem Beweis der Beharrlichkeit. Hebt er auch früh an mit seinem Gebet, so ermüdet er doch nicht alsbald. Die Ungläubigen werden ungehalten und hadern mit Gott, wenn er auf ihre Gebete nicht sofort antwortet. David aber verbindet mit glühender Sehnsucht hoffende Geduld und zeigt damit, wie man recht beten soll. Wenn Paulus sagt (Phil. 4, 6), dass wir unsere Bitten mit Danksagung vor Gott kund machen sollen, so erinnert er damit, dass man alle unruhigen Leidenschaften dem Gebet fernhalten muss. Denn es ist auch der Zweck des Gebets, dass wir unsre Hoffnung nähren sollen. Nicht überflüssig ist der Hinweis auf Gottes Wort: denn nur wenn dieses uns immer vor Augen steht, lässt sich die Maßlosigkeit unseres Fleisches zügeln.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

Die Hoffnung auf Gottes Wort ermutigt ihn, freimütig im Gebet zu sein, obwohl seine Gebete nicht unmittelbar beantwortet werden: „ ‚Ich hoffe auf dein Wort‘ (Vers 147), von dem ich weiß, dass es mich nicht im Stich lassen wird.“ Je besser wir das Wort Gottes kennen und je mehr wir in unseren Gedanken auf es eingehen, desto mehr werden wir mit Gott sprechen können. Reines Lesen des Wortes genügt nicht, wir müssen auch darüber nachsinnen. David beginnt den Tag mit Gott. Das Erste, was er am Morgen tut, bevor er sich an irgendeine Arbeit macht, ist zu beten. Wenn unsere ersten Gedanken am Morgen von Gott sind, dann werden sie eine Hilfe sein, um uns den ganzen Tag in seiner Furcht zu halten. Selbst in den Nachtwachen, wenn David aus seinem ersten Schlaf aufwacht, möchte er lieber nachsinnen und beten, als sich umzudrehen und wieder einzuschlafen.

Der Neue Matthew Henry Kommentar

Sage nicht: „Du solltest einfach mehr in der Bibel lesen“

Sage statt dessen: „Es gibt etliche Bibelstellen, die mir viel Hoffnung gegeben haben, und ich habe sie für dich aufgeschrieben. Darf ich sie dir vorlesen?“

Zeige dem Betroffenen Stellen, die seine Hoffnung stärken und die er dreimal täglich (beim aufwachen, zu Mittag und vor dem Einschlafen) lesen kann. (Jeremia 29,11; Psalm 130,5)

Hilf ihm, Bibelstellen auswendig zu lernen. (Philipper 4,6–8; 4,13; 4,19)
PSALM 119,147

Schlüssel zur biblischen Seelsorge