Freiheit oder unfrei?

als Freie, und die nicht die Freiheit zum Deckmantel der Bosheit haben, sondern als Knechte (O. Sklaven) Gottes.
Elberfelder 1871 – 1 Petr 2,16

Handelt als freie Menschen; aber missbraucht eure Freiheit nicht, um ein zuchtloses Handeln damit zu entschuldigen. Denkt daran, dass ihr nur frei seid, weil Gott euer Herr geworden ist.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Petrus 2,16

 Ihr seid freie Menschen. Doch missbraucht eure Freiheit nicht als Deckmantel für Böses, sondern zeigt ´durch die Art und Weise, wie ihr mit eurer Freiheit umgeht,` dass ihr Diener Gottes seid.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Petr 2:16

Das ist möglich, weil ihr jetzt durch Jesus befreit worden seid. Nun soll aber bitte keiner diese Freiheit missbrauchen, um damit sein schlechtes Verhalten zu entschuldigen. Er hat euch befreit, damit ihr anschließend bei ihm angestellt seid.
VolxBibel – 1 Petrus 2:16

Freiheit – ein Wort, dass wir oft mißverstehen – und mißverstehen wollen.
Wer kennt nicht das Zitat von Rosa Luxemburg:
»Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden«
Vor einigen Jahren hatte ich dazu ja schon einmal einen Gedanken geteilt – dass noch nicht einmal ein Präsident der Vereinigten Staaten „frei“ ist… (obwohl der Artikel wohl überholt zu sein scheint)

Das Wort Freiheit, wie es in seinem umfassenden Sinn in der Bibel und auf dem Gebiet des Regierungswesens gebraucht wird, bedeutet lediglich „nach dem Willen“ handeln. „Freiheit ist der Zustand des Freiseins; Freiheitsrecht; Selbstbestimmung. Die Macht zu handeln in der Eigenschaft einer sittlichen Persönlichkeit, gemäss den Geboten des Willens, ohne andere Kontrolle, Behinderung oder ein anderes Verbot als jenes, das von gerechten und notwendigen Gesetzen und den Pflichten des gesellschaftlichen Lebens auferlegt werden mag.“ Im Englischen wird für das Wort „Freiheit“ ausser dem Wort „freedom“ noch das Synonym „liberty“ allgemein gebraucht. „Liberty ist Freiheit; Befreiung von äusserem Zwang. Die Macht des Willens, den Geboten seiner uneingeschränkten Wahl zu folgen und die äusseren Taten des einzelnen ohne Hemmnis, Zwang oder Kontrolle von seiten anderer zu lenken.“
Freiheit bedeutet somit das freie Tun und Vollziehen von Taten gemäss dem eigenen Willen, mit oder ohne Einschränkungen, zum allgemeinen Wohl. Folglich berührt das Thema der Freiheit die Eigenschaft des „freien Willens“, den Gott als der Schöpfer und Höhere Engeln und Menschen verliehen hat, damit sie sich aus freien Stücken auf eine Weise benehmen können, die ihrem Schöpfer gefällt. Auf diesem Gebiet des Handelns, wo dem Menschen gestattet ist, seinen freien Willen zu betätigen, kommt der Gebrauch der Freiheit in Frage. Auf diesem Felde der Betätigung des „freien Willens“ gewähren Regierungen, theokratische sowie von Menschen eingesetzte, begrenzte Freiheitsrechte und Freiheiten. — 1 Korinther 7:37.
Aus dem Vorausgegangenen ist ersichtlich, dass jemand, der nach seinem Willen ohne Hemmnisse oder irgendwelche Grenzen handeln kann, sich dessen erfreut, was als totale Freiheit beschrieben werden mag. Wer totale Freiheit besitzt, muss offenbar jemand sein, der von jedem andern vollständig unabhängig ist. Da ist nur e i n e r, der sich in dieser total unabhängigen Stellung befindet: Jehova Gott, der souveräne Höchste des Universums. Alle andern, seien sie Geistgeschöpfe im Himmel oder Menschen auf Erden, sind Werke seiner Hände und somit abhängige Untergeordnete. Aus diesem Grunde ist Jehova Gott der einzige, der im absoluten oder vollständigen Sinne frei ist. Er allein erfreut sich dessen, was als absolute Freiheit bekannt ist. Niemand kann ihn, den Quell der Freiheit, der als einzelner lebt und allezeit in der unbegrenzten Atmosphäre freien Handelns wohnt, begrenzen oder lenken. „Und würdet ihr mich über die Zukunft fragen? Würdet ihr mir mein Werk vorschreiben? spricht der Ewige [Jehova, Elb], der Israel gemacht hat, Israels Majestät. Ich, ich habe die Erde gemacht, ich, der ich den Menschen auf ihr geschaffen, ich, der mit meinen eigenen Händen die Himmel ausspannte, ich, der ich all ihr Heer bestellte!“ — Jesaja 45:11, 12, Mo.

Der Wachtturm 1.September 1952

In aller Ein – und Unterordnung leben wir Christen als »die Freien«. »Frei« ist nicht politisch zu verstehen, sondern biblisch gibt es Freiheit als »Knechte Gottes«, wie Paulus sagt: »Ihr seid von der Sünde frei und Knechte Gottes geworden« (Röm 6,22 ; vgl. auch 1 Kor 9,19; Gal 5,13; 2 Petrus 2,18f.). Es ist die Erlösung (vgl. zu 1 Petrus 1,18f.), die uns die Freiheit als engste Bindung an den Christus gebracht hat. So aber wäre diese Freiheit zunichte gemacht, wo sie »zum Deckmantel der Bosheit« wird. Das geschieht dort, wo Christen in ihrer Einordnung zum Bösen schweigen oder sich dem anpassen. Das ist aber auch da der Fall, wo unter dem Motto: »Mir ist alles erlaubt« (1 Kor 6,12f.) die Sünde im Leben des Christen gerechtfertigt wird.

Edition C

Hier modifiziert Petrus eine bei den Philosophen der Antike häufig anzutreffende Ermahnung: Die Freiheit von den Werten der Welt ist nicht nur gleichbedeutend mit der Freiheit, zu tun, was man will, sondern auch mit der Freiheit, ein tugendhaftes Leben zu führen, also mit der Freiheit von schädlichen Leidenschaften bzw. mit der Freiheit, ohne diese Leidenschaften leben zu können. Die meisten Philosophen (wie etwa die zeitgenössischen Stoiker) hielten den Weisen für den idealen Herrscher, befürworteten aber dennoch den Gehorsam gegenüber dem Staat. Für die Christen bedeutet Freiheit, frei zu sein, als Knechte Gottes zu leben statt als Knechte der Sünde, innere Freiheit von der Tyrannei des Staates, aber auch die Freiheit, als Knechte Gottes die Gesetze des Staates zu befolgen (V. 15 ).

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Diejenigen, die unter dem Vorwand christlicher Freiheit
irgendeine Sünde begehen
oder sich irgendeiner Lust hingeben,
zerstören dadurch den Sinn und Zweck der christlichen Freiheit,
der darin besteht,
dass wir als aus der Hand unserer Feinde Befreite
dem Herrn ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm dienen

Der evangelische Glaube kompakt: Ein Arbeitsbuch: Das Westminster Glaubensbekenntnis von 1647

In den Versen 15-16 nennt Petrus drei Gründe für die Unterordnung. Erstens sollten sich die Gläubigen unterordnen, weil das der Wille Gottes ist (V. 15a). Zweitens sollten sich die Gläubigen unterordnen (V. 15b), damit sie durch Gutestun die Unwissenden zum Schweigen bringen können, die sie möglicherweise der Gesetzlosigkeit anklagen. Mit anderen Worten: Die in Vers 12 genannten Verbalattacken gegen die Gläubigen werden zum Verstummen gebracht. Derartige Angriffe kommen aus der Unwissenheit der unverständigen Menschen. Das Wort Unwissenheit ist hier nicht dasselbe wie in Kapitel 1 Vers 14 – dort ging es um intellektuelles Versagen. Hier steht ein anderes griechisches Wort; es bezieht sich auf ein religiöses Versagen – das Versagen, die wahre Natur des Glaubens zu verstehen. Das Wort Agnostiker leitet sich von diesem griechischen Wort ab. Der Begriff unverständig bedeutet, »ohne Verstand zu handeln«; durch den Gebrauch dieses Wortes sagt Petrus, dass diesen Menschen der gesunde Verstand fehlt. Drittens sollen sich die Gläubigen unterordnen, weil sie Sklaven Gottes sind (V. 16). Sie leben zwar als Freie; denn das ist der geistliche Status eines Gläubigen (Joh 8,36; Gal 5,1). Diese Freiheit löst sie jedoch nicht davon, dem Staat untertan zu sein. Und dieser Status erlaubt auch nicht, die Freiheit als Deckmantel der Bosheit zu gebrauchen. Das griechische Wort für Deckmantel wird nur hier und sonst nirgends verwendet. Freiheit kann nicht als Vorwand für Gesetzlosigkeit dienen – das ist Ungehorsam gegenüber den Gesetzen der Regierung. Geistliche Freiheit ist kein Vorwand für schlechte Taten. Freiheit ermöglicht es einem Menschen jedoch, ein gebundener Knecht zu werden. Im Alten Testament wurde ein Sklave im siebten Jahr freigegeben, nachdem er seine sechs Jahre Sklavendienst abgeleistet hatte. Wenn er jedoch gelernt hatte, seinen Meister zu lieben, konnte sich der befreite Mann entscheiden, ein gebundener Knecht zu werden und bis zu seinem Lebensende Sklave seines Herrn zu bleiben. Gläubige sind vom Sklavenmarkt der Sünde befreit; aber diese Freiheit ermöglicht nun den befreiten Menschen, für den Rest ihres Lebens Sklaven – gebundene Knechte – Gottes zu werden.

Arnold Fruchtenbaum – Die Petrusbriefe

Freiheit? Bin ich FREI von Religion und Gesetzen – befreit um einzig und allein Jehovah zu dienen? Oder bin ich „nur“ Mitglied eines Vereins geworden, der mir wieder vorschreibt, was ich zu tun und zu glauben habe?

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